IL, 2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau. ; 65
Es kann nun hier nicht der Ort sein, eine ganz einzehende
 Besprechung der Maßnahmen zu geben, die
ür eine moderne, verfeinerte und gesteigerte Anbaueechnik
 in Frage kommen, hierdurch würde der
zegebene Rahmen der Abhandlung weit überschritten
verden. Es sei daher nur in großen Zügen auf die
Tauptgesichtspunkte eingegangen. Nähere Erläute-‘ungen
 in dieser Beziehung bieten zur Genüge die
rom „Verein zur Förderung des deutschen Brauzerstenbaues“
 kostenlos zu beziehenden „Winke für
Zen deutschen Braugerstenbau“.
Eine der ersten Voraussetzungen zur Gewinnung
zuter Qualitätsgerste ist der Anbau auf Böden, die
’ereits im Herbst fief gepflügt worden sind. Bei
zünstiger Stellung in der Fruchtfolge nach Hack-’rüchten,
 vorsichtiger Handhabung der Sticksto{fflüngung,
 aber reichlicher Kali-Phosphorsäurez/ersorgung
 und Vermeidung von Dünn- oder Kleeıntersaat,
 ist für eine möglichst frühzeitige Aussaat
Sorge zu tragen, wenn weitere Sicherheiten und
Grundlagen für einen Qualitätsgerstenbau geschaffen
verden sollen.
Bei der
Sortenwahl
verden folgende Gesichtspunkte zu beachten sein.
Ja es eine sog. „beste Sorte“, gleich gut für die
neisten Wirtschaften, nicht geben kann und geben
vird, bleibt es denkbare Aufgabe der Leiter landvirtschaftlicher
 Versuchsringe, für ihre Betriebe die
lurch ihr physiologisches Verhalten den natürlichen
Verhältnissen des Anbauortes besonders angepaßten
Sorten zu ermitteln und für den Anbau zu empfehlen.
Jort, wo diese Möglichkeit nicht besteht, können gersebenenfalls
 auch die Resultate der an anderen
Stellen des betreffenden Gebietes durchgeführten
Sortenanbauversuche in gewissem Ausmaße Vervendung
 finden. Immer aber wird es notwendig
)leiben, bei der Auswertung derartiger Versuche nicht
ıllein nur die Erträge in den Vordergrund zu rücken,
‚sondern ebenso auch durch sachgemäße Einschätzung
tie Brauqualität der Ernte gebührend zu berückıchtigen.

Zur Erzielung vorteilhafterer Preise in den Geyieten
 mit vorherrschend Klein- oder Mittelbetrieben
st die Beachtung des Einheitssortenbaues ebenfalls
ron nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Der
\nbau einer bestimmten Sorte für ganze Gemeinden
ınd Gemarkungen mit annähernd gleichen Bodenind
 Kulturverhältnissen ist dringlichst zu empfehlen,
la Brauereien, Mälzereien, wie auch der Handel be-;onderen
 Wert darauf legen, große, einheitliche
20osten Gerste von gleicher Qualität zu erwerben; sie
verden einen um so höheren Preis bewilligen können,
e umfangreicher der Posten ist, der zum Verkauf
ıngeboten wird. Auch die Verkaufsvorbereitung
nuß in solchen Fällen nach einheitlichen Gesichtspunkten,
 oder noch besser, zentralisiert an einer

arten in unseren Klassifikationssystemen obenan.
Man rechnet aber heute zu den Gerstenböden neben
diesen milden tiefgründigen Lehmböden auch alle
sandigen Lehmböden bis herab zum sandigen Lehm.
Da es den Züchtern gelungen ist, auch für diese
Anbauverhältnisse Sorten auf den Markt zu bringen,
die nicht so hohe Anforderungen an Boden und Klima
stellen, auch auf diesen Böden bei sorgsamer und entsprechender
 Anbautechnik ihre natürliche Befriedigung
 finden und ertragssichere, hochwertige Produkte
 gewinnen lassen. Als
Hauptanforderungen der Gerste an den Acker
können folgende aufgestellt werden:
lL. Das Feld muß sich ohne besondere Schwierigkeit in
einen guten mechanischen Zustand versetzen lassen, eine
weitgehende Zerkrümelung und mürbige Struktur besitzen.

Der assimilierbare Nahrungsvorrat soll sich durch
Düngungsmaßnahmen so gestalten lassen, daß der Stickstoff
 unter den Vegetationsfaktoren in das relative
Minimum gerückt wird.
3. Stauende Nässe muß sich entfernen lassen.
Daher sind sehr zähe und sehr schwere Tonböden
für den Braugerstenbau weniger geeignet, da auf
ihnen die erwünschte krümlige Struktur kaum zu erzielen
 sein wird und jeder Regen den Boden wieder
zusammenschlemmt. Ebenso wird sich auf den
moorigen und unmoorigen, über größere, natürliche
Stickstoffvorräte verfügende Böden ein günstiges
Nährstoffverhältnis im Acker zwischen Kali, Phosphorsäure
 und Stickstoff kaum erzielen lassen und
schließlich sind die der Dränage bedürftigen Felder
für einen erfolgreichen Braugerstenbau gleichfalls
wenig geeignet. ;
Um die Erzielung bester Preise für Braugersten in
besonderer Weise sicherstellen zu können, sind bestimmte
 Maßnahmen in der Anbautechnik zu beobachten
 und innezuhalten. Aber immer wieder sei
darauf hingewiesen, daß die wichtigen Maßnahmen
nur zusammengefaßt sicheren Erfolg versprechen.
Gerade beim Braugerstenbau verbürgen einzelne
Maßnahmen an sich noch keinen sicheren Erfolg,
sondern nur das Zusammenfassen und damit ein
günstiges Zusammenwirken aller qualitätsfördernden
Faktoren bringen in der Richtung die gewünschte
Sicherheit. Durch die Steigerung aller Vegetationsfaktoren
 infolge künstlicher Beeinflussung des Standortes
 wie nach sorgfältiger Sortenwahl, durch sachgemäße
 Bodenbearbeitung und Düngung, richtige
Wahl des Zeitpunktes für die Aussaat und für den
Schnitt, durch weitgehende Pflege der Saat usw. auf
ein Höchstmaß, können auch die dem Gerste produzierenden
 Landwirt sonst durch die natürlichen
Verhältnisse des Anbauortes gezogenen bestimmten
Ärenzen verschoben und weitgehend günstig beeinflußt
 werden, nicht nur in Sicherheit und Höhe der
Erträge, sondern. ebenso in der Richtung einer den
Wert der Ernte weiter steigernden Qualitätsverbesserung.

Die deutsche Brauindustrie der Gerenwart