4. Der deutsche Hopfenbau.
Dr. Carl Stiegler, München,

I. Die botanische Stellung der Hopienpilanze.
Hopfen, humulus L., gehört der Gattung der
Morazeen an. Das sind ausdauernde Pflanzen mit
rechtswindenden Stengeln, deren Haftfähigkeit durch
rauhe Klimmhaare. erhöht wird. Die Botanik unterscheidet
 zwei Arten von Hopfen: humulus lupulus L.,
ınter welcher Bezeichnung kultivierter und wilder
Hopfen verstanden wird, und humulus japonicus Sieb.
at Zucc., den japanischen Hopfen mit tiefspaltigen,
zezahnten Blättern, der in China, Japan und den
benachbarten Inseln wächst, sich aber keiner Lupulin-Irüsen
 erfreut. Trotzdem wird auch diese Art in
Deutschland manchenorts geschätzt, weil sie sich
mit angenehmer Schnelligkeit bis. zu den höchsten
Balkonen schlingt.
Nur die unterirdischen Teile unseres Kulturhopfens
sind ausdauernd, während die oberirdischen Sprossen
alljährlich den Wintertod sterben und vom Stammstück
 immer aufs neue ersetzt werden müssen. Zu
liesem Zwecke dient der unterirdische Stammteil als
Reservoir, das während der warmen Monate durch
den Fleiß der Pflanze mit Nährstoffen gefüllt wird.
Die aus ihm hervorgehenden Reben setzen sich aus
{nternodien, Gliedern, zusammen, die durch Knoten
zetrennt sind. Die Rebe selbst ist hohl, der Knoten
aicht. Die drei- bis fünflappigen, gegenständigen,
jehaarten Laubblätter sitzen an den Knoten und sind
stets mit einem Paar ganzrandiger Nebenblätter versehen,
 welche der Assimilation der Pflanze dienen.
Das ausdauernde Wurzelsystem des Hopfens ist
zewaltig entwickelt. Die Triebwurzeln dringen bis zu
drei Meter tief in den Boden ein und nehmen erheblichen
 Umfang an. Außerdem senden die unterirdischen
 Stammteile dünnere, mehr horizontal ausstrebende
 Faserwurzeln aus, die für die Nahrungsaufnahme
 der Pflanze eine wichtige Rolle spielen.
Zur Bildung solcher Faserwurzeln sind auch die
»berirdischen Rebenteile fähig, allerdings nur im
Jugendstadium. Pflanzt man einen jungen Reben-'rieb
 in die Erde, so spielt sich hinsichtlich der
Wurzelbildung ein ähnlicher Vorgang ab wie bei
»inem Setzling: Keimwurzeln sprossen zuerst, dann
andere, die sich schließlich zu Triebwurzeln ausilden,
 und endlich Faserwurzeln, die auch aus
jien Knospen unterirdischer Rebenteile entstehen
zönnen*). Das mächtige Wurzelsystem der Hopfen-»flanze
 beweist, daß ihre an den Boden gestellten
Ansprüche ziemlich stark sind. Mit Hilfe der tiefen
Triebwurzeln ist sie imstande, ihre Nährstoffe — zu-*)

 Vergl. Fruwirth, Hopfenbau und Hopfenbehandlung,
Rerlin 1928.

mal den Kalk — auch aus größeren Tiefen heraufzuholen,
 wenn sie in der Bodenkrume {fehlen sollten.
Hopfen ist anemophil. Die Ordnung der Urticineen,
zu denen er gehört, überläßt es dem Winde, den
nännlichen Pollen den weiblichen Fortpflanzungsırganen
 zuzuführen. Als Phanerogame, Blüten-»flanze,
 ist der Hopfen den Angiospermen zugesellt,
yjei denen die Samenanlage von einem aus Fruchtılättern
 gebildeten Fruchtknoten bedeckt ist. Die
zultivierte weibliche Hopifenpflanze trägt normalerveise
 nur weibliche, zu einem Blütenstand, einem
Zapfen, vereinigte Blüten; diese Blüten sitzen
rruppenweise an je einem Absatz des Blütenstandes,
ler sogenannten Spindel, die spiralig verläuft und
nit Filz bedeckt ist. Eine Spindel trägt durchschnittich
 zehn Blütengruppen, bei wildem Hopfen meist
ıur sieben. Die männlichen Blüten, zu Rispen verint,
 haben ein fünfzipfliges Perigon (Blütenhülle)
ınd fünf Staubfäden. Der weibliche Blütenstand ist
ihrenförmig, die männliche Blüte stets allein.
Kommt es zur Befruchtung der weiblichen Blüte,
;o entsteht als Wiege des Keimlings ein vom Perigon
reschütztes Nüßchen. Da die Befruchtung unserer
Culturhopfen streng vermieden wird, kommt es —
venn sich nicht, was verhältnismäßig selten eintritt,
‚urch Parthenokarpie sogenannte Hopfenkörner
»xilden — nicht zur Ausbildung einer Frucht, sondern
ıur eines Fruchtstandes, der jedoch um so reicher ist
ın den die Zapfenblättchen wie goldener Staub
1deckenden Drüsen, dem wertvollen Lupulin. Aus
'en EFpidermiszellen hervorgebracht, ähneln die
‚upulinkörner einem umgestürzten Becher. Die
Japfenblätter selbst enthalten ebenfalls chemische
Zestandteile, die für die Geschmacksrichtung des
3ieres bestimmend sind. An wirksamen Bestandeilen
 enthält der Hopfen ätherisches Hopfenöl, Harz,
3itterstoff, Gerbsäure, Gummi, Mineralstoffe. und
in Alkaloid. Über die Verteilung dieser Bestandeile
 auf die Zapfenteile gibt die folgende, dem
*ruwirthschen Buche „Hopfenbau und Hopfiensehandlumge“
 entnommene Tabelle Auskunft:

OGanzar Zanfan

Mittel aus
verschied,
Angabe

Terteilung nach Wimme
Zapfen- Hopfenblätter
 mehl

nach Prior

Ätherische Öle .... 7,12— 0,5 — | 02
Bitterstoff ......... 5,8 — 7,9 4,68 3,01
4— 7
Harz -...0.0.000000  4,01—15,9 | 8—18 2,00 / 2,01
4— 6
Zerbstoff ......... 12,26— 7,80 2,6 1,61 0,65
3ummi........... — — 5,83 1,26
Zellstoff .......... == 12—16 63,95 8,99
Wasser ......00000. — 12—17 Zn En
V-haltige Stoffe.... — 15—24 — 5