IL, 4. Der deutsche Hopfenbau.
Die Ansichten über Wert und Bedeutung dieser
einzelnen Bestandteile hinsichtlich der Bierbereitung
sind geteilt. Die Wissenschaft sieht hier noch ein
umfangreiches Neuland zur Bearbeitung vor sich,
Im übrigen darf ich in dieser Hinsicht auf das nachstehende
 Kapitel K.-R. Max Kirschners „Hopfen und
Braugewerbe“ verweisen.
Wachstumsbedingungen und Wachstumsverhältnisse
der Hopfenpflanze.
Der Hopfen liebt die gemäßigte Zone. Wild
wächst er wohl in allen Erdteilen, kultiviert wird er
aber am meisten in Europa und Nordamerika sowie
in Australien und Neuseeland. Weitaus das größte
Hopfenanbaugebiet liegt in Mitteleuropa; ausgehend
von den östlichen Ländern, ziehen sich Hopfenanlagen
 durch Ostpreußen, Posen, Galizien, Wolhynien,
 die Bukowina, Steiermark und Deutschösterreich
 nach dem Hauptgebiete der Tschechoslowakei
 und Süddeutschlands, um in langen Ausläufern
 über das Elsaß, Lothringen, Burgund in
Nordfrankreich, Belgien und England auszumünden.
Früher an vielen Orten angebaut, hat sich der
Hopfen seit der Ausbildung des Verkehrswesens auf
einzelne Gebiete konzentriert, die ihm besonders
günstige Wachstumsverhältnisse bieten. Er bevorzugt
 nach Süden offene, nach Norden und Osten
geschützte Lagen und leicht erwärmbaren, möglichst
kalkhaltigen Boden mit durchlässigem Untergrund.
Naßkalte Witterung verabscheut er, lehnt aber auch
starke Trockenheit ab; gleichmäßig feuchtwarme
Sommer sind ihm am liebsten, in denen kein
schroffer Temperaturwechsel stattfindet.
Wasser und Wärme sind die markantesten
Wachstumsfaktoren, aber nur in gewissen Grenzen.
Übermäßige Feuchtigkeit im Verein mit üppiger Ernährung
 führt zu abnormer Zapfenbildung, zur Verlaubung.
 Nasse Kälte beeinflußt den Zapfenwuchs
ungünstig und verhärtet die unfertigen Blütenstände.
Überhaupt wird durch derartige Witterungserscheinungen
 das Wachstum der Pflanze gehemmt und zu
vorzeitigem Abschluß gebracht. Ist die Trockenheit
zur Zeit der Zapfenbildung außergewöhnlich groß, so
sterben die Blütenstände ab und werden abgestoßen.
Plötzlich auftretende Hitze entzieht der Pflanze
zuviel Wasser: der Sonnenbrand tritt auf. Gileichmäßige
 Temperatur ist die wichtigste Wachstumsvoraussetzung”).

Fine nicht zu unterschätzende Rolle im Wachstum
des Hopfens spielt das Licht. Das Chlorophyll des
Pflanzenblattes verarbeitet bekanntlich unter der
Finwirkung des Tageslichtes die Kohlensäure der
Luft zu Stärke (CeH:oOs, Amylum). Wird gegen
Abend das Sonnenlicht spärlicher, dann stellt die

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&gt;flanze ihren Fabrikbetrieb um: sie wandelt die in
Nasser unlösliche Stärke in löslichen Zucker um,
ler nun vom Saftstrom dorthin geleitet wird, wo er
zon der Pflanze gerade gebraucht wird, also zu den
vachsenden Teilen oder in die Reservoirs, in denen
ar, meist in Stärke. zurückverwandelt, bis zur
1ächsten Wachstumsperiode ruht. Zur Spaltung der
&lt;ohlensäure CO, in Kohlenstoff C und Sauer-;toff
 O, benötigt die Pflanze Wärme. Ihre Wärmequelle
 ist die Sonne. Und das Organ, mit dem z.B.
ier Hopfen die Kohlensäure spaltet, ist das im Blatt
jitzende Chlorophyllkorn. Deshalb sind die Blätter
ür die Ernährung der Pflanze durchaus unentbehrich;
 ihre Zerstörung hat unweigerlich den Tod der
&gt;flanze zur Folge. Sind die Blätter‘ zerstört, so
allen die Kohlenhydratsendungen, welche die
Iopfentriebe und -zapfen erhalten, fort, und die
7ruchtzapfen, die überhaupt noch zur Reife gelangen,
ıeiben klein und kümmerlich; In dauerndem
Schatten stehende Pflanzenteile, deren Blattgrünıpparatur
 nicht vollbeschäftigt ist, beginnen übernäbig
 zu wachsen, sie „vergeilen‘“ und bleiben
eich und -schlaff. Die in. eine solche Situation
zeratene Rebe, der vergeilende Trieb, bemüht sich,
lurch rascheres Wachsen aus dem nachteiligen
Schatten herauszukommen, und das geschieht auf
Zosten der Zapfentragenden Seitentriebe.
Unsere verschiedenen Kulturpflanzen stellen ganz
erschiedene Ansprüche an die chemische Zusammenetzung
 des Bodens. Es ist bekannt, daß Lupine z. B.
ceinen ausgesprochenen Kalkboden vertragen kann,
vährend Klee bei Kalkreichtum vortrefflich gedeiht.
jetreide verlangt viel Phosphor und Stickstoff.
Zuckerrüben und Kartoffeln wiederum schätzen das
Cali am meisten. Sellerie braucht viel Chlor und
Meerrettich viel Schwefel. Alle diese Stoffe werden
ron den Pflanzen dem Boden entnommen, und laut
„‚ijebigs Gesetz vom Minimum bestimmt immer der in
reringster Menge im Boden vorhandene Nährstof{ff
lie gesamte Entwicklung der Pflanze. Wenn der
„andwirt nicht weiß, welcher Stoff in seinem Acker
m Minimum ist, so kann er seine Düngung nicht
ichtig regeln und folglich keine Maximalernte er-:‚eugen.
 Hopfen benötigt vor allem Kalk, und an
zweiter Stelle Kali und Phosphorsäure. Die günstige
3inwirkung des Kalkes auf die Hopfenpflanze beruht
ıhysikalisch auf seiner bodenbindenden oder
lockernden Eigenschaft, chemisch auf seiner NeurTalisierung
 der Bodensäuren und biologisch auf
jeinem wohltätigen Einfluß auf die Mikroflora. Kali
ınd Phosphorsäure sind in erheblichen Mengen für
len Aufbau der Pflanzenorgane selbst notwendig,
ıußerdem stärken sie die Widerstandsfähigkeit
regen Krankheiten. Kali beeinflußt auch stark die
„upulinbildung. Sehr wichtig für das Wachstum
jes Hopiens, die Bildung der Blütenstände und
Zapfen ist auch der Stickstoff: von ihm ist an-*)

 Vergl. Dr. Carl Stiegler, Die Entwicklung des Hovyfenbaues
 in der Weltwirtschaft, 1927,
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart