{L., 4. Der deutsche Hopfenbau. 85
deshalb als eine äußerst unrationelle Form des von deren Zelleninhalt er sich nährt. Er bringt die
Hopfenbaues angesehen werden. 7on ihm befallenen Teile der Wirtpflanze zum Ab-6.
 Vermeidung einer allzu langen Fechsung. Aus sterben, wodurch die Pflanze geschwächt, ja bei um-Enqueten
 geht hervor, daß die Fechsungsdauer im assendem Befall sogar völlig zum Absterben ge-Durchschnitt
 10—30 Jahre beträgt. Die Fechsung racht wird.
sollte nach allgemeinen Erfahrungen nicht über Das äußere Krankheitsbild der Peronospora zeigt
20 Jahre hinausgehen, weil sonst naturgemäß eine sich in einer blaßgrünen Färbung der Bodentriebe im
Verminderung der Hopfenernte sowohl in quali- Trühjahr, in einer Verdickung der Stengelglieder und
tativer als qüantitativer Beziehung von diesen zu {ner Verkümmerung und Einrollung der Blätter. In
alten Fechsungen erwartet werden muß. rleicher Weise verkümmern an den kranken Reben
Jedenfalls kann gesagt werden, daß die durch- lie Seitentriebe. Von der Hallertau ausgehend hat
schnittlichen Erträge des Hopfenbaues um min- ich für diese Verkümmerung der Triebe die Bedestens
 20-—30 % sich steigern lassen, wenn die zeichnung „Bubikopf“ eingeführt, welche heute so-Masse
 der Hopfenbauern dem Stande unserer rar von der Wissenschaft akzeptiert wird. Weitere
heutigen Hopfenbautechnik entsprechend arbeiten Merkmale sind das Auftreten von braunen Flecken
würde, Diese Erhöhung der Durchschnittserträge uf der Oberfläche der Blätter, die bei Fortschreiten
würde sich dann auch in einer entsprechenden Ver- lies Befalles allmählich zusammenfließen und dem
billigung der Produktionskosten auswirken. Große ranzen Blatt eine rotbraune Färbung verleihen. Auf
Bedeutung, wenn auch erst für die Zukunft, kommt ler Unterseite dieser braunen Flecken (d. h. auf der
hinsichtlich der Erzielung höherer Erträgnisse noch B3lattunterseite), die von dem Nährstoffentzug durch
der Züchtung besonders widerstandsfähiger, ertrag- len Peronosporapilz herrühren, kann man deutlich
reicher und qualitativ hochstehender Hopfensorten zu. ;chon mit bloßem Auge einen grauvioletten Pilzbelag
»rkennen, der aus einem Wald von Sporenträgern
jesteht, dessen Zweigenden die graugefärbten
Sporen tragen. Die reifen Sporen fallen sehr leicht
ıb und werden vom Winde fortgetragen. Gelangen
je an der Hopfenpflanze in ein Wassertröpfchen,
‚0 treiben sie Keimschläuche, und es entwickelt sich
in neuer Krankheitsherd. Häufige Niederschläge
)jegünstigen deshalb während des Sommers in außer-&gt;rdentlichem
 Maße die seuchenartige Ausbreitung
ler Peronosporakrankheit. Am gefährlichsten wird
lie Krankheit, wenn sie auf die Blüten und Dolden
ibergreift, Wenn sie die Blüten befällt, so bräunen
ınd verhärten sich die Blütenknospen; kommen die
;lüten noch zur Ausdoldung, so bräunen sich die
'eckblätter der Hopfendolde (Doldenbräune).
Wie im Weinbau, so kann auch im Hopfenbau die
’eronospora erfolgreich bekämpft werden, wennvleich
 ihre Bekämpfung im Hopfenbau schwieriger
mu bewerkstelligen ist als im Weinbau. Für die Besämpfung
 der Peronosporakrankheit kommen Ssovohl
 vorbeugende, als auch direkte Bekämpfungsnaßnahmen
 in Betracht. An vorbeugenden Maßı1ahmen
 sind vor allem zu nennen: Anlagen der
Iopfengärten auf geeignetem. Boden, richtige
)üngung, sorgfältige Pflege- und Kulturarbeit, Enternung
 der peronosporakranken Triebe. Die direkte
}ekämpfung der Hopfenperonospora erfolgt durch
bespritzen der Hopfenpflanzen mit Kupferkalkbrühe.
Infolge des raschen Wachstums der Hopfenpflanze
st eine Reihe von Bespritzungen notwendig, Die
\nzahl der Bespritzungen richtet sich nach dem
Wachstum und dem Wetter. Im übrigen ist die
vissenschaftliche Erforschung der Peronosporaarkrankung
 bereits so weit gediehen, daß die einzelnen
 Stellen, welche mit der wissenschaftlichen

IV. Die wichtigsten Hopfenkrankheiten
und ihre Bekämpfung,
Der Hopfienbau ist einer ganzen Reihe von
Krankheiten ausgesetzt, die zum Teil auf pflanzliche,
zum Teil auf tierische Schädlinge zurückzuführen
sind. Von den pflanzlichen Schädlingen dürfen wir
uns auf die Peronospora des Hopfens beschränken,
welche in den letzten Jahren zu einer Geißel des
mitteleuropäischen Hopfenbaues geworden ist.
Die Hopfenperonospora
ist in Europa zum erstenmal im Jahre 1920 im Versuchshopiengarten
 des Wye College in Kent aufgetreten
 und war bereits im Jahre 1922 allgemein im
englischen Hopifenbau verbreitet. In Deutschland
wurde die Peronospora zum erstenmal im Jahre 1924
beobachtet. Von diesem Jahre ab war sie eine
ständige Erscheinung in den deutschen Anbaugebieten,
 außerdem aber auch in den Anbaugebieten
Belgiens, Frankreichs, Polens und Jugoslawiens. Die
tschechoslowakischen =. Anbaugebiete blieben im
groBen und ganzen von der Krankheit bis heute verschont,
 zum mindesten hat sie die dortigen Ernten im
Gegensatz zu den Ernten der übrigen Länder kaum
beeinflußt. Am stärksten trat bisher die Krankheit
im Jahre 1926 in dem größten deutschen Anbaugebiet,
der Hallertau, auf, wo sie eine regelrechte Mißernte
verursachte. Der Schaden, den die Peronospora in
diesem Jahre in den deutschen Hopfenanbaugebieten
anrichtete, wurde auf rund 25—830 Goldmillionen
geschätzt.
Der Erreger der Peronosporakrankheit ist ein
mikroskopischer Pilz (Pseudo-Peronospora humuli).
Der Peronosporapilz lebt im Innern der Wirtpflanze,