Dr. Carl Stiegler, München: nn
zu verschaffen. Dieser städtische Charakter des Dieser Prozeß verschärfte sich .besonders in den
Mopfenbaues in den früheren Jahrhunderten, der.da etzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Die
und dort sogar als ein Monopol der Städte angesehen 7olgen der Überproduktion zeigten sich am deutwurde,
 hat sich selbst heute noch nicht völlig ver- ichsten in den Absatzschwierigkeiten und in einer
wischt. In allen Städtchen und Märkten der baye- \bnahme der Rentabilität der Hopfenkultur. Von
rischen, aber auch der württembergischen Hopfen- 885 ab setzt deshalb in Einklang mit der Entwickbaugebiete
 wird der Hopfienbau als landwirtschaft- ung des Welthopfenbaues ein allgemeiner Rücklicher
 Nebenbetrieb noch sehr zahlreich von städti- :ang der Hopfenanbauflächen Deutschlands bis zum
schen Gewerbetreibenden gepflegt. Trotz dieser auf ahre 1898 ein; von 1899 ab läßt sich wiederum ein
ein Jahrtausend zurückgehenden Entwicklung, trotz eichtes Ansteigen der Anbauflächen feststellen, beder
 im 18. Jahrhundert teilweise sehr tatkräftigen onders in dem Zeitraum von 1904—1908. 1909 erstaatlichen
 Förderung, trotz seiner weit aus- Olgte ein jäher Absturz der Anbauflächen, dem erst
gedehnten Verbreitung in nahezu allen Gauen des nn den letzten Jahren vor dem Kriege wiederum ein
Landes ist indes der bayerische Hopfenbau im all- näßiges Ansteigen der Anbauflächenziffer folgt.
gemeinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kaum Die latente Krise des Hopfenbaues gegen Ende
auf die Entwicklungsstufe einer für den Markt pro- es vorigen Jahrhunderts trat offen zutage, als in
duzierenden Kultur gelangt*). lem Jahrfünft 1904—1908 die in diesem Zeitraum
Das gleiche gilt hinsichtlich des württem- ich erhöhenden Anbauziffern mit einer Reihe von
bergischen und badischen Hopfenbaues, der im all- uten Erntejahren zusammentrafen. Damit trat der
gemeinen überhaupt erst zu Beginn des 19. Jahr- leutsche HMopfenbau in eine ausgesprochene Krise
ıunderts in Erscheinung tritt. :än. Da auch der Welthopfenbau in den genannten
. , N ‚ahren erhöhte Anbauflächen- und Ernteziffern auf-Mit
 der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts be- vies, wurde diese Krise des Hopfens zu einer interginnt
 der deutsche Hopfenbau ıationalen Hopfenbaukrise. Nahezu in allen Hopfenzur
 Weltgeltung 'auländern ertönen in diesen Jahren bewegliche Klagen
ler Hopfenpflanzer, und werden die Regierungen
emporzuwachsen. Allenthalben, wo Boden und mmer wieder bestürmt durch Maßnahmen, ins-Klima
 den Anbau der Hopfenpflanze gestatteten, er- ‚„ondere auf dem Gebiete der Zoll- und Handelswachte
 reges Interesse für den Hopfenbau. Die Auf- ‚olitik, der bedrängten Lage des Hopfenbaues zur
hebung des Schwefelungsverbotes sowie die hohen 1% zu kommen. Zweifelsohne wurden in diesen
Mopfenpreise des Jahres 1860 taten ein übriges, uM anren der Überproduktion diejenigen Länder,
die Ziffern der Hopfenanbauflächen in die Höhe vojcpe sich nur eines mäßigen oder gar keines Zollschnellen
 zu lassen. Zu dieser Vermehrung der An- opytzes erfreuen konnten, am stärksten von der
ba uflächen trug auch die in den siebziger Jahren um Xrise ergriffen, denn sie waren vor allem die Absich
 greifende Krisis des Getreidebaues, hervor- agerungsstätten der Überproduktion des Weltgerufen
 durch das gewaltige Anschwellen der über- ı1opfenbaues. Der innere Grund dieser internatioseeischen
 Getreideeinfuhren, wesentlich bei. Wie das ıalen Krise lag aber in der Weltüberproduktion an
Jahr 1860, so gab auch das Jahr 1882 ‚mit sehr hohen Iopfen. Der Sturz der deutschen und überhaupt der
Mopfenpreisen einen gewaltigen Anreiz ZU Erweite- ernationalen Hopfenanbauflächen im Jahre 1908
zung der Hopfenanbauflächen. 1885 erreichte der stellte wiederum ein gesünderes Verhältnis zwischen
deutsche Hopfenbau mit 47390 ha einschließlich Jopfenerzeugung und Hopfenbedarf her. ;
Elsaß-Lothringen und Posen seine größte Ausdehnung.
 Damit waren die deutschen Hopfenanbau- Die Kriegsjahre 1914—1918
üJächen auf einem Stand angelangt, der bei reichen prten in allen Ländern, vor allem aber in Deutsch-Ernten
 zu Jahren ausgesprochener Überproduktion and, zu einer gewaltigen Verminderung der Anbau-‚ühren
 mußte, Die deutsche Bierproduktion stieg lächen. Die Ursachen hierfür liegen:
allerdings in der geschilderten Entwicklungsperiode Lind 8 dentlichen Einschränk d
beträchtlich an. Dieses Ansteigen wurde indes völlig A CO7_ EHMSTOTERLCHEN EIMSCHTANKUNGK der
ausgeglichen durch die Verringerung der Hopfen- Bierer ZEUgUNG,
gabe des Bieres. Die Zunahme der Einfuhr nach 2. in der Verhinderung des Exportes und
Deutschland auf der einen Seite und die Abnahme 3.in dem Mangel erfolgreicher staatlicher
der Ausfuhr auf der anderen Seite, die sich in immer Stützungsaktionen,
stärkerem Grade bis zum Ausbruch des Weltkrieges Verschlechterung der Qualität infolge der
zeigt, trug zur Verringerung der Absatzmöglich- durch Leutemangel hervorgerufenen unkeiten
 des einheimischen Hopfenbaues bei. genügenden Bearbeitung des Bodens.
ee . , | Was den vorletzten Punkt betrifft, so sind in dieser
Weit DE Stiegler: Die Entwicklung des Hopfenbaues in der Boziehung andere Hopfenbauländer, wie z. B. Öster-4.

