5. Hopfen und Braugewerbe.
Von Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee, Präsident des Bayerischen Brauerbundes.

Die mir gestellte Aufgabe, die Bedeutung des
Topfens bei der Biererzeugung im allgemeinen und
m besonderen darzustellen und zu schildern, welchen
Bemühungen sich die deutsche Brauindustrie unterzogen
 hat, um nicht nur den deutschen Hopfenbau
zu fördern, sondern ihn zu den nach dem heutigen
Stand der Technik und Wissenschaft möglichen
Höchstleistungen anzuspornen, fordert bei der
Knappheit des Raumes starke Selbstbeschränkung.
Ich muß mich in der Hauptsache auf Fragen der
praktischen Erfahrung einerseits und Beantwortung
von Zweifeln, die wieder aus der Praxis an den
Fachmann herantreten, konzentrieren, und Fragen,
die mehr in das Gebiet der chemischen Forschung
aindringen oder die insbesondere den Chemiker mit
Rücksicht auf das „Warum? Warum gerade so?
Warum nicht anders?“ interessieren, nach Möglichkeit
 ausschalten. Erleichtert wird diese Beschränkung
 durch die Erfahrungstatsache, daß auch heute
noch, vielleicht kann man sagen: Gott sei Dank! der
Chemiker immer noch nicht in der Lage ist, die geheimnisvollen
 Vorgänge, die sich im Brauprozeß abspielen,
 restlos zu erklären und sie in derselben
&lt;onsequenten Folgerichtigkeit im Laboratorium aufzubauen.
 Noch immer spielt der sichere Blick des
arfahrenen, selbstverständlich auch fachmännisch
geschulten Praktikers im Brauprozeß die wichtigste
Rolle. Darum ist immer auch noch seine Sach-&lt;enntnis
 und sein unbefangenes Urteil bei der Prüiung
 und bei Einkauf der Rohmaterialien von sehr
wesentlicher Bedeutung; darum ist leider auch dort,
wo diese Voraussetzungen beim Praktiker fehlen,
den Betrügereien immer noch Tür und Tor geöffnet.
Meine Arbeit wird also versuchen, die Rolle des
Topfens im Brauprozeß, die wichtigen Eigenschaften
des Hopfens für einen geordneten Verlauf dieses
Prozesses, die Vorbedingungen zur Erlangung dieser
Eigenschaften des Hopfens, die Behandlung des
Mopfens vor, während und nach der Ernte darzustellen
 und endlich noch die agrarpolitischen,
‚echnischen und wirtschaftspolitischen Vorgänge bei
der Wanderung des Hopfens vom Hopfenpflanzer bis
zur Braupfanne zu schildern. Ich werde mich dabei,
Ja es sich um ein Kompendium der deutschen
Brauindustrie handelt, in der Hauptsache nur mit
den deutschen Verhältnissen befassen.
Entwicklung und Verbreitung des Hopfenbaues.
Unsere geschichtlichen Kenntnisse über Entwickung
 und Verbreitung des Honfenbaues in Deutschand

 hängen enge mit jenen über die Entstehung und
/erbreitung der Bierbrauerei zusammen. Aus allen
*orschungen über die Herstellung von Bier und bierhnlichen
 Getränken in den verschiedenen Erdteilen
cheint sich mit Sicherheit zu ergeben, daß germaüische
 Stämme die Herstellung solcher Getränke mit
lopfenzusatz aus grauer Vorzeit überliefert erielten,
 und daß sie auf allen ihren Wanderungen, in
ıren Wäldern und Felsentälern diesen Brauch auch
ıber jene Zeiten fortpflanzten, da andere Getränke,
vie insbesondere der sich immer mehr verbreitende
Vein, das Bier nicht mehr als vornehmes Getränk
scheinen ließen, sondern es mehr den Bauern und
len Dienstleuten der Gutshöfe und Klöster zuwiesen.
Vas speziell über den deutschen Hopfenbau über-‚efert
 wird, weist darauf hin, daß die bayerischen
lopfenbaugebiete in Franken und der Hallertaıt
chon frühzeitig in der Wertschätzung unter sich wie
ıt dem im benachbarten Böhmen gebauten Hopfen
vetteiferten, eine Tatsache, die naturgemäß in
ngem Zusammenhang mit der Verbreitung der Bierırauerei
 steht. Diese aber wiederum ist begünstigt
luırch das Vorhandensein und Aufblühen zahlreicher
andeltreibender und gewerbeileißiger Städte. Denn
[opfenbau und Bierbrauerei waren vielfach ein
’rivileg einzelner Städte oder Klöster. In dem
Vetteifer zwischen den obenerwähnten Gebieten lag
ber auch schon der Antrieb zur dauernden Weiterihrung
 und Verbesserung des Hopfenbaues wie der
irautechnik, ein Wettbewerb, der sich ja heute noch
ühlbar macht und das Wirtschaftsleben der beeiligten
 Länder sehr stark beeinflußt.
Aufblühen des‘ Hopfenbaues, Niedergang, Preis-;ntwicklung
 waren immer sehr stark von den
‚errschenden Meinungen in der Brautechnik über
‚otwendige Hopfengaben, über deren Wirkung beingt,
 nicht zuletzt aber auch abhängig von den
Virtschaftsorganen, die die Vermittlung zwischen
jem Hopfenbauer und dem Hopfenverbraucher,
I]so dem Brauer, übernahmen, vom Hopfenhandel.
)aß die Klagen über unerlaubte Praktiken des
[opfenhandels, die neuerdings wiederum an den Geetzgeber
 die Forderung nach einem Provenienzresetz
 heranbrachten, auch schon bald so alt wie der
'ationelle Hopfenbau selbst sind, beweist unter
ınderem die Tatsache, daß die Generalstaaten von
Tolland sich schon am 1. April 1620 gezwungen
;‚ahen, ein Gesetz gegen die Verfälschungen des
Topfens zu erlassen.