Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee:
Die Wichtigkeit des Feingeruchs muß vor allem rwähnen. Soll daher der getrocknete Hopfen auch
auch der Hopfenpflanzer beachten, wenn er den nn die richtige Lagerfähigkeit überführt werden, so
höchstmöglichen Preis für sein Erzeugnis erzielen st vor allem darauf zu achten, daß die Trocknung
will. Soll der Hopfen seinen Feingeruch bewahren, veit genug und vor allem bis zur Trocknung der
so muß der Hopfenpflanzer vor allem auf sorg- _vasserreichen Spindeln getrieben wird. Dies erfältigste
 Pflücke, zweckentsprechende Trocknung eicht man am sichersten durch eine sorgfältige
und Lagerung des Hopfens bedacht sein. Bei der Vachbehandlung. Der Hopfen muß nach dem Ab-Pflücke
 darf jede Dolde nur ein kurzes Stielchen Ääumen von der Darre in dünnen Schichten austragen.
 Alle anderen Bestandteile, wie Stengel, rebreitet und öfter gewendet werden. Damit wird
Blätter, Reben, wirken sich beim Hopfenkochen ge- unächst die Auskühlung bewirkt und eine gleichschmacklich
 ungünstig aus. Vor allem muß der näßige Verteilung der noch im Hopfen verbliebenen
Pflanzer auch sorgen, besonders schön entwickelte euchtigkeit und als Folge eine Verhinderung der
Hopfen nicht mit minderwertigen Hopfen, auch wenn chimmelbildung erreicht, So getrockneter Hopfen
sie dem gleichen Anbaugebiete entstammen, zu ver- ann auch ohne Schwefelung noch lange gelagert
mischen. Er schädigt damit nur den Brauwert der verden, ohne an seinem Brauwert zu verlieren, und
besonders schönen Hopfen und damit auch den Preis. ıur solche Hopfen können mit Recht als Original-Gleiches
 gilt natürlich auch von der üblen Gewohn- 10pfen bezeichnet und bewertet werden.
heit, in Jahren guter Qualitätsware Reste aus Vor- Das Schwefeln sollte der Hopfenbauer den Präjahren
 den neuen Hopfen beizumischen. Jarieranstalten, den Händlern oder Verbrauchern
An dieser Stelle seien auch gleich über überlassen; der Bauer selbst sollte sich damit über-1aupt
 nicht befassen. Schwefeln der Hopfen ist notdas
 Trocknen der Hopfen vendig, wenn es gilt, nicht vollkommen trockenen
einige Ausführungen eingeschaltet. Topfen längere Zeit vor dem Verderben zu bewahren.
Daß der Hopfen möglichst bald getrocknet werden Nird es nur zu diesem Zwecke angewendet, ist dasoll
 und daß dieses nicht durch direkte Sonnen- regen nichts einzuwenden. Sehr häufig wird jedoch
bestrahlung geschehen darf, ist allgemein bekannt. lie bleichende Wirkung der schwefeligen Säure dazu
Die sogenannte Lufttrocknung ohne Verwendung rerwendet, um mißfarbigen, schlecht konservierten
&lt;ünstlich erwärmter Luft ist bei guter Witterung die ITopfen eine schönere Farbe zu verleihen und dadurch
einfachste, billigste und sicherste Trocknungs- ‚essere Qualität vorzutäuschen. Dieses Schwefeln
methode, sie ist aber nur bei kleineren Mengen und ediglich zur Schönung des Hopfens ist also keinerlei
trockener Witterung anwendbar. Bei feuchter Witte- ualitätsverbesserung. Im allgemeinen sollte auch
rung oder größeren Hopfenmengen ist das Verfahren ler Brauer die Schwefelung auf ein geringes Maß
sehr unsicher, erfordert viel Zeit, ausgedehnte »eschränken. Hopfen, die gut trocken sind und bald
Räume und man läuft Gefahr, daß die Hopfen durch ersotten werden, brauchen überhaupt nicht ge-Verfärbung
 oder gar durch Schimmelbildung in ihrer chweielt zu werden.
Qualität Schaden leiden. In solchen Fällen muß Für den selbsteinkaufenden Brauer bedeutet die
dann die auf Anwendung künstlich erwärmter Luft &lt;enntnis all dieser Einzelfragen und die Erkenntnis
Jeruhende Feuertrocknung zu Hilfe genommen i1ırer Wirkung auf das herzustellende Produkt einen
werden. Sie spart Raum, Zeit und gibt die Möglich- vichtigen Teil seiner Berufsausbildung. Dabei ist
keit, auch bei ungünstiger Witterung ein gut gefärbtes mnmer noch zu beachten, daß auch der erfahrenste
Produkt zu erzielen. Daher hat die Einrichtung von achmann auf diesem Gebiete niemals auslernt. Die
Mopfendarren sich heute in allen Hopfenanbau- ortschritte der Brautechnik, die Wandlungen im
gebieten eingebürgert. Wichtig ist, daß das Trocken- ieschmack des Publikums, die wieder neu aufgut
 dabei starkem Luftzug ausgesetzt wird, daß die auchenden Biersorten stellen immer wieder neue
Temperatur von ‚niederen Graden nur langsam bis rielseitige Anforderungen an den Brauer, und trotzzu
 einer Höchsttemperatur von 35 bis 40 Grad ge- iem steht der Braumeister sehr oft vor dem Rätsel,
steigert werden darf. Überschreitung dieser Tem- iaß er trotz sorgfältigster Auswahl der Rohstoffe
peratur benachteiligt vor allem die Farbe und ver- nd bester Braumethode nicht den gewünschten
wandelt den Grobgeruch in ausgesprochenen Heu- Irfolg erzielt. Darum ist eine der am häufigsten gezeruch.
 Auch die grüngelbe Farbe des Lupulins geht «Orten Fragen oder Behauptungen, daß diese und
dabei in einen bräunlichen Ton über. Damit ist aber _ene Hopfensorte für bestimmte Biertypen besonders
immer auch eine starke Verminderung des Hopfen- reeignet sei, andere wieder absolut ungeeignet. Bei
oörauwertes, besonders seiner antiseptischen Eigen- olchen Behauptungen spielen naturgemäß auch sehr
schaften, verbunden. Von sonstigen Schädigungen ft geschäftliche Gründe, manchmal auch nur liebdurch
 unzweckmäßige Darrbehandlung ist noch an- rewonnene Gepflogenheiten mit. Richtig ist, daß
haftender Rauchgeruch, Einbuße an Farbe und Glanz, nicht alle Hopfensorten, also selbstverständlich auch
Zersetzung der Harze und des ätherischen Öles zu nicht alle deutschen Hopfen, sich für alle Biertvpen

4