MN., 5. Hopfen und Braugewerbe,
Peronospora, hat den Deutschen Brauer-Bund und
auf seine Veranlassung auch die beteiligten Regierungen
 des Reiches und der Länder veranlaßt, dem deutschen
 Hopfenbau auch nach seiner rein pflanzlich
biologischen Seite hin mehr Aufmerksamkeit als in
früheren Jahrzehnten entgegenzubringen. In erster
Linie war man darauf bedacht, gegen Krankheit
widerstandsfähige Sorten zu ermitteln und zu
züchten. Die Aufgabe zu lösen erschien anfänglich
nicht allzu schwierig, weil man nicht auch gleichzeitig
 auf das Qualitätsprinzip Rücksicht nahm. Die
Schwierigkeit erhöhte sich aber, als auch diese Frage
mit hereingezogen wurde, Die Qualität des Hopfens
hat ihre Ursachen wiederum in chemischen Vorgängen
 beim Pflanzenaufbau wie bei der Bodenvorbereitung,
 die wissenschaftlich noch nicht vollständig
 geklärt sind, die aber dem Praktiker bekannt
sind und die auf den günstigen Verlauf des Siedeprozesses
 entscheidend einwirken. Ich habe daher
schon frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß
man über rein biologische Sortenbeobachtung und
-züchtung hinaus auch diesen biochemischen Vorzängen
 innerhalb der Pflanze und während ihrer
Verwertung gespanntes Augenmerk zuwenden müßte,
und daß man die brautechnische wie die chemische
Wissenschaft nicht nur heranziehen, sondern mit ihr
stets in engster Fühlung bleiben müsse. Dieses Zusammenwirken
 ist aber wiederum nicht sehr leicht
zu erreichen, da der größte Teil der landwirtschaftlichen
 Produzenten diesen Zusammenhängen vollständig
 verständnislos gegenübersteht und selbstverständlich
 der Meinung ist, Hopfen sei Hopfen, und
es käme in der Hauptsache auf die Erzielung möglichst
 großer Mengen und hoher Preise an.
Die Maßnahmen zur Hebung der Qualität
des Hopftenbaues
haben sich in zwei Richtungen zu bewegen:
A. Rein landwirtschaftlich züchterische Maßnahmen.
In deren Mittelpunkt wurde durch den Deutschen
Brauer-Bund das Hopfenversuchsgut Hüll gestellt.
Bekanntlich wurde 1926, als die Pseudo-Peronospora
humuli unseren einheimischen Hopfenbau zu vernichten
 drohte, vom Deutschen Brauer-Bund die
Gesellschaft für Hopfenforschung ins Leben gerufen
und am 16. Februar 1926 das Hopiengut Hüll in der
Hallertau erworben. Das Hopfengut wurde zum
Hopfenversuchsgut ausgebaut. Hier wird unter der
Oberleitung des Landesinspektors für Hopfenbau in
wissenschaftlicher und wissenschaftlich-praktischer
Richtung an allen im Hopfenbau wichtigen Fragen
gearbeitet, und zwar vor allem erforscht: die Bodenbearbeitung,
 Prüfung und Anwendung neuzeitlicher
Geräte, Düngung, Pflege der Pflanzen, Bekämpfung
der Krankheiten und Schädlinge, Errichtung neuzeitlicher
 Gerüstanlagen, Sortenprüfung, Sortenerhaltung
Die deutache Brauindustriea der Gegenwart

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ınd Auswahl der Qualitätssorten durch Stockauslese,
Sortenwahl und Züchtung neuer Sorten auf dem
Nege der künstlichen Kreuzung, Erntemaßnahmen
ınd Trocknung des Hopiens, Gewinnung von
Aaterial für Sudversuche, Abhaltung von Kursen für
Iopfenpflanzer und Bonitierungskurse für Brauerei-'achleute,
 Hopfenhändler und Hopfenpflanzer. Das
7ersuchsgut hat trotz der kurzen Zeit seines Betehens
 schon viel für den einheimischen Hopfenbau
‚eleistet, und es ist nur zu wünschen, daß die dortigen
\rbeiten von seiten der bayerischen Staatsregierung
ınd von den Hopfeninteressenten wie bisher die notvendige
 Unterstützung finden.
B. Im Zusammenhang mit der Landwirtschaft
Auswertung der Ergebnisse durch Brautechnik
und Brauwissenschaift,
Hier trat in erster Linie auch an den Landwirt die
“rage heran, was denn eigentlich unter Qualitätsıopfen
 gemeint sei. Man versteht. darunter Hopfen,
ier die für den Brauprozeß wichtigen Stoffe in mögchster
 Größe und leicht ausnutzbarer Menge, dasegen
 die wertlosen oder schädlichen Stoffe in
nöglichst geringer Menge enthält. Welches sind die
virklich wertvollen Hopfenbestandteile? Hier gehen
:chon die Meinungen auseinander. Die Erforschung
ler beiden wichtigsten Hopfenbestandsteile, denen
ine Reihe von Wissenschaftlern wie Lintner und
ındere den größten Teil ihrer Lebensarbeit widmeten,
st heute noch völlig im Flusse (Humulon und
‚upulon). Die Bedeutung der Hopfenöle und des
jerbstoffes ist. noch stark umstritten. Fest steht
edenfalls, daß sie nicht ohne Einfluß auf den Bierreschmack
 sind. Die Einwirkung des Gerbstoffes
uf den Fiweißgehalt der Würze wie sein Einfluß auf
lie Bierfarbe und den Biergeschmack sind gleichfalls
ıoch in der Erforschung. Erst mit der völligen
&lt;lärung dieser Fragen kann auch die Frage, welche
3igenschaften und welche Bestandteile wirklicher
Jualitätshopfen überhaupt und welche derselbe für
jestimmte Biertypen haben muß, einwandfrei bentwortet
 werden. Dann erst können auch die zücherischen
 Versuche systematisch in eine ganz be-;timmte
 Richtung gelenkt werden. Die in ähnlicher
zichtung in Böhmen durchgeführten Versuche von
Jr. Doerell haben bisher gezeigt, daß sich nicht nur
irtrag, sondern auch Harzgehalt, Farbe und Aroma
turch die Art der Düngung sehr wesentlich beänflussen
 lassen.
Immer aber wird sich als notwendig erweisen,
lie Ergebnisse der chemisch-analytischen wie der
jologischen Forschung auf dem Wege des prakischen
 Sudversuches einer gründlichen systemaischen
 Nachprüfung durch den praktischen Sud-‚ersuch
 zu unterziehen. Doch auch dieser Weg hat
;eine Schwierigkeiten. Bei Neuzüchtungen fallen
1icht gleich so große Hopfenmengen an, daß