106 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
ss sich natürlich keineswegs um pathogene Keime, ler einzige und manchmal wesentlichste Nachteil. Fs
sondern nur um Solche, welche die Biergärung be- mpfiehlt sich daher, über 1 m Würzehöhe nicht hineinträchtigen
 und sie unrein machen. Wenn man in uszugehen, weshalb auch die „Kühlerrohre“ über
irüherer Zeit, als die theoretischen Grundlagen noch en Würzespiegel hinausragen. Fehlerhaft ist, sich
mehr oder weniger fehlten, nach dem Aufbringen der :diglich von wärmeökonomischen Zielen in dem
1eißen Würze auf das Kühlschiff mittels langer inne leiten zu lassen, daß man möglichst warmes
Holzkrücken mit kurzen, langsamen, aber doch ruck- Wasser, aber in geringerer Menge bekommen will.
artigen Bewegungen die Würze zu rühren pflegte, so Venn. daher die Kühlrohre ausschließlich unter
cat man das aus dem erkannten Erfolg für bessere lem Würzespiegel untergebracht werden, so be-Trubausscheidung
 und reichlichere 'ommt man wohl sehr warmes Wasser, namentlich
Trubeliminierung aus der Würze, Ist ım Anfang, aber die Kühlung der Würze kommt
lie Reibung schon aus der Laboratoriumstätigkeit als labei zu kurz, so daß diese Methode der beabsich-3äin
 wirksames Mittel zur Fällung bekannt, so wird igten Nachahmung des Kühlschiffeffektes widerlurch
 dieses „Aufkühlen“ noch der weitere Zweck pricht. Der Trub setzt sich um so besser ab, je
verfolgt, die Ausflockungen länger schwebend zu er- ascher die Abkühlung während des Hochpumpens
1alten und so durch die infolge Temperaturerniedri- ler Würze erfolgt, wobei die grobflockigen Auszung
 nachträglich eintretende Selbsttrübung die cheidungen die Aufgabe haben, die feineren
Würze zu zwingen, die feineren, leichteren ’rübungen durch Adhäsion mit zu Boden zu nehmen.
Substrate an die noch schwebenden VWenn daher das Kühlschiff in der warmen Jahreszeit
zrößeren Flocken mit anzuhängen der z.B. an gewitterschwülen Tagen, wo die Verund
 mitzu Boden zu nehmen. Dies war lunstung nicht flott vonstatten geht, keine so guten
der eigentliche indirekte Zweck des „Aufkühlens‘“, D’esultate zeitigt wie im Winter, so ist eben dieses
nicht etwa die Beschleunigung der Abkühlung selbst. Aoment der zu langsamen Abkühlung die Haupt-Das
 Kühlschiff gilt auch heute noch trotz seiner irsache. Das Kühlschiff ist gut, wenn die Witterungsarimitiven
 Eigenart als ein unübertroffenes „Klär- erhältnisse es unterstützen; der Kühlbottich ist gut,
gefäß“ vermöge der außerordentlich niedrigen venn er richtig konstruiert ist und sachverständig
Würzeschicht, automatischer reich- edient wird. Es gilt Ähnliches wie beim Vergleich
licher Belüftung und rascher Abfüh- er „Tennenmälzerei“ mit der „pneumatischen
ung der Däm pfe. Gegen dasselbe sprechen Aälzerei“‘‘, Die Unabhängigkeit von Witterung und
die umständlichere Trubentfernung und Reinigung, Aiıhreszeit ist ein angenehmes Aktivum. Jedenfalls
die häufige, ziemlich bald einsetzende Korrosion, d.h. 5t die günstigste „Abscheidung des Trubes‘“ nicht
Oxydation der großen, lange der Luft ausgesetzten loch genug einzuschätzen; der „Trub“ stört die
Eisenfläche, und die immerhin mögliche Infektion lgende Gärung und damit den reinen Geschmack
durch die von Straßenstaub, naheliegenden Stallungen es fertigen Bieres.
und Dunggruben (Sarcinainfektion) oder Rauch aus Nachdem die vom Trub gesonderte Würze unter
jenachbarten Fabriken verunreinigte Luft. Man 0°C entweder auf dem Kühlschiff oder im Kühlschützt
 sich dagegen z. B. durch kupferplattierte ’Oottich mindestens zwei Stunden der Ruhe überlassen
Kühlschiffbleche, durch Luftfilter, welche sehr var, wird sie behutsam ohne Aufrühren des am Boden
eistungsfähig sind und eine 95prozentige, in der ‘bgesetzten Trubes mittels senkbarer Ventile in der
Praxis vollkommen genügende Keimfreiheit sicher- ‚Kühlschiffablaufecke“ oder mittels „Schwimmerrohr“
stellen. Aus obigen Bedenken, und sofern also das Mm Kühlbottich von oben langsam abgezogen, um über
&lt;ühlschiff nicht angebracht erscheint oder wegen , . race
&gt;latzmangel nicht untergebracht werden kann. wählt die „Berieselungskühler
nan den ıbzulaufen. Der Raum, in welchem die Kühlapparate
VE ınfgestellt sind, sollte möglichst so hoch sein, daß
„Kühlbottich“. ine gewölbte Monierdecke mit Abzug zur Ver-1eidung
 des Abtropifens eingebaut werden kann.
Aöglichst kurze Leitungen sind deshalb wichtig, weil
Vürzeleitungen der. „Infektion“ sehr ausgesetzt sind.
ie Kühlapparate sind in einfacher Reihe horizontal
bereinandergelegte „Rohrsysteme“ von etwa 3 bis
15 m Höhe, die oben etwa in drei Fünftel der Gesamtöhrzahl
 von „Brunnenwasser‘“ und unten in etwa
‚wei Fünftel der Gesamtrohrzahl von künstlich ge--ühltem
 Süßwasser von 1°C durchflossen werden:
lie Unterteilung geschieht, um an künstlichem Kälteıufwand
 zu sparen. In der oberen Zone des Brunnenden

 „Kühlschiffersatz“. Für diesen gilt die grundsätzliche
 Nachahmung der bewährten Kühlschiffvorzüge,
 also gute Belüftung, rasche Abführung des
Dunstes und schnelle Abkühlung namentlich während
ler Einbringung der heißen Würze aus dem Sudhaus
mittels eines reichlich groß bemessenen „Berieselungskühlers‘,
 der von .Brunnenwasser von 11°C
durchflossen wird und über den die heiße Würze, sich
rasch um etwa 40°C abkühlend, herunterrieselt. Die
„Würzeschicht“ im Kühlbottich ist natürlich wesentich
 höher als auf dem Kühlschiff. und das ist auch