114 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
Fasses vielfach vorkommenden Beschädigungen der ınd deren Prüfung auf richtige Reinigung sich etwas
xänder. des Zapfloches haben dazu geführt, „Normal- ;chwieriger gestaltet.
zapflochbuchsen“ einzuführen, in welchen der „Stopf- , 2
buchsenkörper“ des Stochers mittels Gummidichtung Die Reinigung der Flaschen,
eingespannt wird. Dies hat den Vorteil eines spritz- Lie früher in primitivster Weise mit „Handbürsten“
ıosen Ansteckens, und außerdem fallen die Faß- der mechanischen rotierenden „Bürstapparaten“
reparaturen weg. In manchen Gegenden wird mit lurchgeführt wurde, hat heute in mittleren und größedem
 Hahn das Bier aus dem stehenden Faß direkt en Betrieben der „bürstenlosen Reinigung“ Platz
ausgeschänkt, und zwar verwendet man dazu nicht ‚;emacht. Veranlassung dazu gab, daß manchmal in
das genannte Zapfloch am Boden, sondern eine seit- len Flaschen Borsten verblieben, und weiter, daß die
iche dritte Öffnung in der Bauchdaube dicht über _3ürste ein Infektionsträger ist, der die eigentlich volldem
 hinteren Boden unterhalb des Spundloches, :ommen zu entfernenden Keime von einer Flasche
Zwischen dem Lagerfaß und dem Abfüllapparat uf die andere verschleppt und überträgt. Man unterbzw.
 dem „Bieraufspeicherungsgefäß‘“, das den ‚cheidet heute in der Hauptsache zwei Systeme von
Vorrat zum Abziehen auf die Fässer aufnimmt, ist ‚ürstenlosen Reinigungsmaschinen, nämlich solche
noch das „Bierfilter“ eingeschaltet, das sich aus einer ‚hne und solche mit „Vorweiche“ der Flaschen. Bei
Reihe von stehenden oder liegenden Filterrahmen zu- :rsteren werden die Flaschen von Hand auf einem
sammensetzt, wobei die Rahmenzahl in ihrer Gesamt- ich langsam horizontal bewegendem Rad auf viele
fläche der Gesamtfilterfläche entspricht. Dieses enkrecht angebrachte Spritzdüsen gesteckt, welche
Zellulosebierfilter ist ein dem Brauer sehr unlieb- erienweise zuerst mit mäßig warmem Wasser, dann
samer, ihm vom überempfindlichen Konsumenten auf- nit sehr warmem Laugenwasser (Soda), dann mit
zezwungener Apparat, der das Aussehen des Bieres einem warmen und zuletzt mit. kaltem sterilen
wohl durch das feurig blanke Filtrat verschönt, die Wasser unter hohem Druck von 2—3 Atm. ab-Qualität
 bzw. den Geschmack des Bieres aber vechselnd bespritzt werden. Das Laugenwasser, das
niemals verbessert, da mit dem ‚scharfen Filtrieren aittels Pumpe zirkuliert — wobei die gröberen
der einwandfreie Charakter des Bieres sich etwas un- eilchen über Sieben zurückgehalten werden, damit
vorteilhaft verändert und die Vollheit etwas nachteilig ‚ie Düsenlöcher nicht verstopft werden — ersetzt
oeeinflußt wird. Jedenfalls darf die Druckdifferenz ılso gewissermaßen die Reinigung mit der Bürste.
vor und hinter dem Filter nur gering sein. Glücklich Die Leistung eines solchen Apparates beträgt bis zu
der Biertrinker, welcher dem Geschmack gegenüber ‘000 Flaschen in der Stunde. Das zweite System mit
dem Aussehen den Vorrang einräumt und beim ‚er „Vorweiche“ arbeitet in der Weise, daß die
Gucken durch das Glas ein Auge zudrückt; zufrieden "laschen zuerst durch die verschiedenen Bäder hinwar
 auch das Bierland Bayern, als es noch aus dem lurch müssen, bevor sie innen mit warmem, laugen-Krug
 sein Bier genoß. Heute könnte man das Filter altigem oder kaltem Wasser ausgespritzt werden.
eher entbehren als zu den Zeiten unserer Väter; denn Diese Apparate arbeiten intensiver, sind besser
ernstlich trübe Biere auch ohne Filter gibt es heute nechanisiert und leisten 6000 Flaschen in einer
ıicht mehr, wenigstens nicht im geordneten Betrieb. Stunde. Die „Außenreinigung‘ ist bei beiden
Ein anderer Teil des Lagerbieres soll auf Systemen gleich und erfolgt ebenfalls durch intensive
3Zespritzung. Im letzteren Fall insbesondere wandern
lie Flaschen, wie am „fließenden Band“ automatisch
um Füller, zu einem kupfernen Behälter mit nach
inten horizontal beweglichem Kranz von Füllrohren,
velchen das Bier isobarometrisch aus einem
otierenden, darüber befindlichen kupfernen Bier-‚efäß
 zufließt, genau wie beim Faßfüller, nur in ver-(leinerter
 Form; automatisch wandern die Flaschen
lann evtl. zum „Schließen“, um endlich „etikettiert‘“ in
lie „Flaschenkasten‘“ eingestellt und zum „Flaschen-‚ellerlager“
 weitergeführt zu werden. Unsere bürstendsen
 Apparate haben sich hinsichtlich Leistungsähigkeit,
 Arbeitsersparnis und namentlich hinsichtich
 Sauberkeit und steriler Bierfüllung sehr bewährt,
ınd die Haltbarkeit des Bieres wurde durch sie
vesentlich erhöht.
Die Flaschenverschlüsse sind entweder sogenannte
‚Patentverschlüsse‘“, welche mit „Bügel‘“ an der
Masche festhängen, wobei der Verschluß dadurch

„Flaschen“
gefüllt werden. Die Flasche dient für den Konsum
im Hause und nur selten bei uns in den Lokalen, außer
vielleicht in Hotels und dergleichen. Entgegen dem
3ier im Faß ist die Flasche mehr oder weniger stark
der lang dem „Tageslicht“ ausgesetzt. Von dessen
Einfluß wird das Bier verändert; „Sonnenlicht“ gibt
schon in wenigen Minuten, „zerstreutes Tageslicht‘
in M—1% Stunde dem Bier einen unangenehmen
Geschmack, den der Brauer als „Lichtgeschmack‘“
bezeichnet. Es ist derselbe Einfluß wie bei den im
Bäckerladen in der Sonne liegenden Weißbroten;
man schmeckt auch diese schnell heraus. Die
„grünen‘“ Flaschen lassen die schädlichen Sonnenstrahlen
 viel leichter durch als die „braunen“.
Letztere sind bräunlich gefärbt unter Zusatz von
Mangan („Braunstein‘“) und sollten ausschließlich
Verwendung finden. wenn sie auch etwas teurer sind