7. Lager- und Transportgefässe,

a) Bierfaßindustrie,
Von Rechtsanwalt Dr. Carl Dingeldey, Darmstadt, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Faßfabriken G. m. b. H.

Wenn von den Biertransportgefäßen die Rede ist,
so steht das Holzfaß an erster Stelle. Jahrhunderte
alt ist die Verbindung zwischen Brauer und Böttcher.
Untrennbar sind Braugewerbe und Faßgewerbe,
3Zrauindustrie und Faßindustrie.
Die Bierfaßindustrie ist eine Spezialgruppe auch
nnerhalb der deutschen Faßindustrie. Die Unterschiede
 zwischen
Schwer- und Leichttaßfabriken

jatten sich teilweise kurz von dem Kriege, besonders
ıber während des Krieges etwas verwischt. Waren
n der Not der Kriegsverhältnisse, in einer Zeit, wo
Bierfässer nicht abzusetzen waren, die Bierfaßbetriebe
 geradezu gezwungen, leichtere Dichtfässer,
ja auch Packfässer herzustellen, so ist in der Nachkriegszeit
 die Spezialisierung immer schärfer und
schärfer geworden, und heute besteht wieder die vollständige
 Trennung der Schwerfaßfabriken und der
Herstellung leichterer Fässer. Es ist auch nicht viel,
was die beiden Gruppen gemeinsam haben. Während
die Leichtfaßfabriken überwiegend mit großen Sägewerken
 verbunden sind, ihr Holz rund im Walde einkaufen
 und aus dem Stamm heraus Faßholz und
Jaraus die Fässer erzeugen, erhalten die Bierfaßhefriebe
 ihr Holz gespalten als Dauben vorgerichtet
und haben nur noch die Spezialbearbeitung des vorzerichteten
 Holzes vorzunehmen und daraus die
Fässer herzustellen... Während das Holz für die
Leichtfässer meist schnell verarbeitet und umzeschlagen
 wird und durch künstliche Verfahren den
ärad der erforderlichen Trockenheit erreicht, müssen
die Bierfaßbetriebe ihr Holz jahrelang Ilufttrocknen,
denn es gibt bisher noch kein Verfahren, das es ernöglichte,
 solche starken Eichendauben künstlich zu
trocknen, ohne daß das Holz darunter leidet.
So unterscheidet sich der Schwerfaßbetrieb meist
schon rein äußerlich von der Leichtfaßfabrik durch
lie Anlage und durch das Holzlager.
An wirtschaftlicher Bedeutung werden in der deutschen
 Faßindustrie die Schwerfaßfabriken und die
Leichtfaßfabriken einander gleich kommen. Nicht
an Arbeiterzahl, denn gerade durch die mit dem
Rundholzeinkauf und mit Sägewerken verbundenen
vielen Arbeiten bedarf die Leichtfaßfabrik eines
wesentlich größeren Arbeiterstandes, zumal sie von
ihren viel leichteren und weniger Material ent-1altenden
 Erzeugnissen auch wesentlich mehr vDroduzieren

 muß. Das Verhältnis der Arbeiterzahlen ist
zo, daß etwa ein Drittel auf die Schwerfaßfabriken,
zwei Drittel auf die Leichtfaßfabriken entfallen
lürfte.
Rationalisierung und wirtschaftliche Depressionen
;ind auch an der Faßindustrie nicht vorübergegangen.
Die noch vor zehn Jahren so blühende Industrie, die
ast 150 Betriebe in Deutschland zählte (ungerechnet
aaturgemäß die unzählbaren Handwerksbetriebe), in
lenen bei außerordentlich hochentwickelter maschiıeller
 Einrichtung etwa 10000 Arbeiter beschäftigt
vyurden, ist heute bereits stark zusammen-‚eschrumpft.
 Es werden an größeren Betrieben der
ichwerfaß- und Leichtfaßindustrie insgesamt kaum
ıoch 50 vorhanden sein, wobei allerdings zu benerken
 ist, daß die in Fortfall gekommenen Fabriken
iberwiegend mittlere und kleinere waren und von
ien größeren nur wenige den Zeitverhältnissen zum
)pfer gefallen sind. Eine Rationalisierung durch
'usammenlegung von Betrieben, ähnlich wie sie bei
len Brauereien in großem Umfange eingetreten ist,
at sich in der FaßBindustrie bisher nicht verwirkchen
 lassen. Dies liegt an der besonderen Art der
’erpackungsindustrie im allgemeinen und der Faßadustrie
 im besonderen. Die Rationalisierung ist
jelmehr in den Betrieben vor sich gegangen, hat zu
/erbesserungen der Methode und der Qualitäten geührt,
 und auf der Strecke geblieben sind überviegend
 die, die infolge Mangels an Betriebskapital
lieser Methode nicht folgen konnten und demzufolge
malitativ zurückblieben. Gerade in Bierfässern
j1aben sich die Ansprüche der Brauereien von Jahr
a Jahr gesteigert und die Faßfabriken sind ge-‚wungen,
 solchen erhöhten Ansprüchen zu genügen.
Jabei müßte erwogen werden, ob nicht bisweilen
uviel verlangt und gewährt wird, und daß es doch
ielleicht im Interesse der deutschen Volkswirtschaft
‚esser wäre, von den übertriebenen Holzstärken abugehen.
 Das Holz muß vom Auslande importiert
verden, und jede Verschwendung ist daher eine Ver-:chwendung
 von Nationalvermögen, Die Verbesseung
 der maschinellen Herstellung der Bierfässer,
nsbesondere die starke Anwendung von hydrauischem
 Druck hat dazu geführt, daß die Hand-‚öttcherei
 aus der Herstellung der Bierfässer so gut
vie verschwunden ist. Verlangt und geliefert werden
Dressionstässer, also Fässer, die einem starken