Dr. Carl Dingeldey, Darmstadt: IL, 7a. Bierfaßindustrie. 117
Druck Widerstand zu leisten vermögen. Dazu reicht "ransporffässer wird größere Zurückhaltung der
die Handarbeit allein nicht aus, und wenn selbst vor 3rauindustrie im Einkauf beobachtet. Die techdem
 Kriege noch einzelne Faßfabriken fast ganz auf 1ischen Hilfsmittel ermöglichen heute einen viel
manuelle Herstellung eingestellt waren, so haben schnelleren Umschlag des Faßbestandes in der
heute auch die kleineren Faßfabriken wohl durchweg Brauerei, und der dadurch bedingte stärkere Verwenigstens
 die notwendigsten Maschinen, da sie chleiß wird sich erst in Jahren wieder auswirken.
andernfalls in der Herstellung neuer Bierfässer über- ngünstig auf die Lage der Schwerfaßindustrie wirkt
haupt nicht mehr konkurrieren könnten. Dem Hand- ’erner die Holzverknappung und die damit verwerk
 verbleibt neben der Herstellung von Bottichen undene starke Preissteigerung für Bierfaßholz.
und leichteren Fässern und Kübeln aus vor- ‚eider war es auch nicht annähernd möglich, die
gerichtetem Faßholz und von Weinfässern das Z/erkaufspreise diesen. Rohstoffsteigerungen folgen
Flicken der Fässer. Bei dem starken Saison- "u lassen. So bietet die noch vor Jahren so starke
charakter, den die Bierfaßfabrikation heute wieder leutsche Bierfaßindustrie zur Zeit ein recht unhat,
 gibt es Jahreszeiten, in denen auch die Faß- inheitliches und wenig erfreuliches Bild und trotz
fabriken nicht ungern größere Flickarbeiten zur _hrer organischen Verbindung mit der festgefügten
Stabilisierung ihrer Beschäftigung ausführen. leutschen Brauindustrie lastet die allgemeine wirt-Interessant
 ist die ichaftliche Depression auch auf ihr mit nicht ge-.
 , | | ingerer Schwere.
Standortsverschiebung der Bierfaßtabriken. Nun kurz zum
Vor dem Kriege yravierten sie nach Kassel, München,
Berlin usw. und verteilten sich ziemlich gleichmäßig
auf Ost-, Mittel-, West- und Süddeutschland. Der
Osten ist. von der Umstellung am schwersten betroffen
 worden. In Berlin it von vier teilweise recht
dedeutenden Faßfabriken noch eine übriggeblieben,
im Osten sind sie bis auf eine ganz verschwunden,
und das Schwergewicht hat sich nach Mittel- und
Süddeutschland verschoben. Von den: verbliebenen
15 größeren Bierfaßfabriken liegen allein 7 in
Bayern und Württemberg, obwohl gerade der lokale
Absatz dort an Bedeutung sehr verloren hat. Die
starke Bedeutung des westdeutschen Absatzgebietes
hat sich dagegen bisher nur auf die Errichtung von
Filialen ausgewirkt.
An dieser Verschiebung dürfte nicht allein die Veränderung
 des Bedarfs der ost- und norddeutschen
Brauereien schuld sein, sondern auch die Tatsache,
daß durch die starke Konzernbildung der Brauereien
diese mehr und mehr von lokalen Rücksichten unabhängig
 geworden sind und ihre Einkaufspolitik auf
die’Faßfabriken im ganzen Reich erstreckten.
Es wurde schon darauf hingewiesen, daß. der
starke, zahlenmäßige Rückgang der Betriebe sich
nur zum kleinen Teil auf die großen Faßfabriken erstreckt.
 Immerhin darf gesagt werden, daß die

Produktionsgang
jelbst. Große Sorgfalt erfordert hier schon die Beıandlung
 des Holzes. Rußlands unendliche Wälder
ınd Polen liefern in der Hauptsache das Holz, das
lie deutsche Faßindustrie in langen Jahren als das
reeignetste befunden hat. Nach dem Friedensschluß
;jind gerade die Teile, in denen unser Eichenholz
vächst, großenteils an Polen gefallen, und‘ so
;‚ind es heute eine Anzahl polnischer Faßholz-»roduzenten,
 die der deutschen Bierfaßindustrie
)»in sorgfältig vorgearbeitetes Bierfaßholz liefern.
\ber den polnischen Betrieben fehlt es zumeist
ın Betriebskapital für lange Lagerung, und so
nüssen trotz des Vorhandenseins von. Spezialaßhoizlieferanten
 die deutschen Faßfabriken es sein,
lie dem Holz die vorgeschriebene mehrjährige
‚agerung zuteil werden lassen, denn nur voll-:oommen
 ‚lufttrockenes Holz ist zur Bierfaßfabri-‚ation
 geeignet. Die von den Polen eingeführten
}ezeichnungen „halbtrocken“, „teilweise trocken“ verschleiern
 nur die Tatsache, daß das Holz eben noch
ıcht trocken ist und von dem Käufer, also der Faß-'abrik,
 durch Lagerung nachgetrocknet werden muß.
jewaltige Holzlagerplätze umgeben daher die
Schwerfaßfabriken, und nur wer in der Lage ist, jedes
‚och, das die Fabrikation in den Holzbestand reißt,
rleich wieder auszufüllen, bleibt den Anforderungen
vewachsen. Sorgfältige Aussortierung ist dabei
licht jedes Betriebes.
Das in Dauben nach Faßauslage (Faßumfang) geieferte
 Holz wird, wenn es trocken geworden ist und
ur Verarbeitung bestimmt wird, in den Betrieb zu
len Maschinen befördert. Eine kombinierte Maschine
zürzt die Dauben auf richtige Länge und schrägt
vleichzeitig die Köpfe etwas ab. Eine zweite Maschine
1obelt die Dauben innen so aus, daß sie am Bauch
lie aus technischen Gründen notwendige geringere

Entwicklung der Bierfaßindustrie
in den letzten Jahren den von ihr gehegten Erwartungen
 nach keiner Richtung entsprochen hat;
insbesondere ist der doch festgestellten starken prozentualen
 Steigerung des Bierabsatzes seit 1924 auch
nicht annähernd eine Steigerung des Faßabsatzes
gefolgt. Dazu kommt die für die Faßindustrie entscheidende
 Tatsache, daß das Lagerfaßgeschäft sich
mehr auf die mittleren und kleinen Brauereien beschränkt
 und eigentlich nur noch in Süddeutschland
größere Bedeutung hat. Aber auch hinsichtlich der