b. Glasemaillierte Tanks.
Von Oberingenieur W. Knüppel, Berlin,

Die Bierbrauereien verwendeten in früheren Jahren
sowohl für die Bottiche in den Gärkellern als auch
ür die Lagerfässer in den Lagerkellern einzig und
allein slawonisches Eichenholz. Vor etwa 45 Jahren
wurde dieses Holz immer seltener und somit auch
teurer, und es-trat mehr und mehr das Bedürfnis nach
einem Vvollwertigen Ersatzmaterial hervor. In den
Vereinigten Staaten von Nordamerika hatte sich zu
gleicher Zeit immer mehr die Vakuumgärung eingebürgert,
 die ausschließlich in hermetisch verschlossenen
 Gefäßen durchgeführt werden konnte.
Es galt ein vollwertiges Ersatzgefäß für den Holzbottich
 zu finden. Bahnbrechend wirkte Caspar
Pfaudler im Verein mit deutsch-amerikanischen
Großbrauern (Stroh in Detroit, Schlitz in Milwaukee,
Busch in St. Louis u. a.). Es gelang ihm die Herstellung
 geschlossener, eiserner, innen emaillierter
Gärgefäße. Pfaudler teilte das Los der meisten Erfinder.
 Seine Erfindung brachte ihm keine Vorteile.
Der Wert und die ungeheure Tragweite der Pfaudlerschen
 Erfindung für den Brauereibetrieb wurde
jedoch von weitblickenden Amerikanern erkannt.
Unter Führung des Präsidenten Puffer wurde in
Detroit (U.S. A.) „The Pfaudler Compagny“ gegründet.
 Detroit wurde diesem Unternehmen bald
zu klein, und so wurde ein Teil der Fabrik nach
Rochester (U. S. A.) verlegt, während der Betrieb in
Detroit unter der Firma „Detroit Steel Cooperage“
unter anderer Leitung weitergeführt wurde. ;
Die großen Erfolge dieser amerikanischen Gesellschaften
 wurden bald auch auf dem europäischen
Kontinent sichtbar. Die konservativ veranlagte
deutsche Bierbrauerei stand zunächst natürlich diesen
Gefäßen sehr abwartend gegenüber. Zu tief wurzelte
in den deutschen Brauerkreisen der Gedanke, daß
gutes, schmackhaftes Bier nur in ausgepichten Holzgefäßen
 hergestellt werden könnte. Namhaifte
Chemiker wiesen jedoch, auf Grund ausgedehnter
Proben, einwandfrei nach, daß das in emaillierten
Stahlgefäßen hergestellte Bier an Wohlgeschmack,
Würze und Güte dem in Holzfässern erzeugten Biere
zum allermindesten ebenbürtig, wenn nicht sogar
überlegen sei.
Im Jahre 1898 erwarb die Brauerei Gebr. Boos in
Barmen von der Pfaudler Company in Rochester
(U. S. A.) acht emaillierte Stahltanks. Hiermit setzte
eine Modernisierung der Brauereikeller ein. Die
deutsche Brauindustrie stand, da es sich um einschneidendste
 Neuerungen handelte, stark kritisch beiseite.
immerhin fühlte. man jedoch die große Umwälzung,

lie durch die glasemaillierten Tanks herbeigeführt
vürde, Längst war diese Zurückhaltung in Amerika
iberwunden, und auch in Deutschland lernte man den
Nert der neuen Idee schätzen, so daß zunächst Ver-‚uchsanlagen
 geschaffen und dann ganze Kellereien
nit diesen Tanks belegt wurden. Durch die sicht-‚aren
 Erfolge der amerikanischen Fabriken angeregt,
ı1ahmen im Jahre 1905 auch deutsche Firmen diesen
vichtigen Industriezweig auf, Es setzte nunmehr
:ine sehr intensive Konkurrenz ein, die bis zum Ausıruch
 des Weltkrieges eine immer - vollkommenere
Konstruktion des emaillierten Gefäßes herbeiführte.
Andere deutsche Firmen gingen nunmehr zum
3au der Gärbottiche und Lagertanks aus anderem
Material als Stahl über und wollten die glas-;maillierten
 Tanks aus den Brauereien herausirängen.
 Die unaufhörlich zunehmende Verbreitung
ler glasemaillierten Stahltanks konnte jedoch durch
jefäße aus anderem Material nicht mehr aufgehalten
verden. Sehr stark verdrängt wurden jedenfalls aus
len Brauereien die hölzernen Gärbottiche und
‚agerfässer.
Der Weltkrieg brachte einen Stillstand in der Verrollkommnung
 der emaillierten Tanks mit sich. Nach
zielen Mühen gelang es, nach Kriegsende und Übervindung
 der Schwierigkeiten in der Inflationszeit,
ien führenden deutschen Firmen: „Pfaudler-Werke“
\kt.-Ges., Schwetzingen in Baden; „Eisenhüttenverk
 Thale‘, Akt.-Ges., Thale am Harz, und „Eisenverk
 Müller &amp; Co.“, Akt.-Ges., Schwelm in Westalen,
 die sich nun unter der Firma „Tankverband
3.m. b. H.“ in Düsseldorf zusammenschlossen, der
iberaus großen Schwierigkeiten völlig Herr zu
verden und wiederum ein einwandfreies Gefäß auf
lien Markt zu bringen, ;
Den Grundstoff der emaillierten Tanks bildet ein
ualitativ hochwertiges Siemens-Martin-Stahlblech
ron einer Stärke, die sich, je nach den Teilen des
"anks, von 9—15 mm bewegt. Die äußere Be-.chaffenheit
 der Stahlbleche ist derart, daß sie den
Irfordernissen des Emaillierprozesses ganz be-'onders
 angepaßt ist. Durch den Emailleüberzug im
nnern der Tanks werden diese erst befähigt, Bier
‚ur Gärung und Lagerung aufzunehmen.
Der Emaillierung stellten sich die größten Schwieigkeiten
 in den Weg. Bereits bei kleinen
‚maillierten Gefäßen tritt der Unterschied in der
Jualität der Emaillierung deutlich zutage. Eine
nehr als siebzigjährige Erfahrung auf dem Gebiete
ler Emaillierung setzte denn auch die vorhin er-