Der Bierversand.
Von Kommerzienrat Dr. K, A. Lange, München,
Unter „Bierversand‘ versteht man heute die Ver- Biere wurde der erste Schritt zur Aufnahme. des
sorgung der nicht am Brauort ansässigen deutschen, B3ierversands getan. Da das Bier Hefezellen, also
inter „Bierausfuhr‘“ jene der außerdeutschen Kund- iflanzliche Lebewesen enthält, ist es nicht nur gegen
schaft mit Bier, doch wird im weiteren Sinne auch ’inwirkungen von Fäulnisstoffen, sondern insbesonler
 Begriff der Bierausfuhr in den Begriff des Bier- lere auch gegen zu große Wärme und Kälte, wie
versands miteinbezogen. zegen Temperaturwechsel empfindlich, es sei denn,
Die Interessenvertretung der bayerischen Braue- laß es durch Pasteurisieren haltbar gemacht ist.
reien auf dem Gebiete des Bierversands liegt in iegen die Einwirkung von Fäulnisstoffen von außen
Händen des Verbands bayerischer Versandbrauereien :ucht man das Bier zu bewahren durch Verwendung
2, V., jene der Bierausfuhr in den Händen des Ver- on auf ihre Dichtigkeit geprüften, mit einer Isolierhands
 der Deutschen Ausfuhrbrauereien E.V., welch chicht, meist Pech, versehenen, gut verschlossenen
letzterer Verband aus einer Gruppe „Nord“ (Sitz ässern oder gut schließenden Flaschen. Geger, die
Berlin) und einer Gruppe „Süd“ (Sitz München) 'inwirkungen der Wärme schützt man das Bier auf
„esteht. leinere Entfernungen durch Beigabe von Eis, Auf-Reicht
 die Geschichte des Bieres auf Jahrtausende gen von Matten, Decken u. dgl. zur Abwehr direkzurück,
 so kann der Bierversand größeren Umfangs er Sonnenbestrahlung, Beförderung in den frühen
über Land noch nicht einmal auf eine Geschichte von rühlen Morgenstunden usw., auf weitere Entfernungen
sinem Jahrhundert zurückblicken, während allerdings Iurch Transport in wärmeisolierten Kühlwagen,
der Bierversand über See von den Hansastädten &lt;(ühlräumen der Schiffe usw. Vor Kälte hingegen
schon seit Jahrhunderten betrieben wurde. Für den vird es geschützt durch Beigabe von Wärmeöfen,
Bierversand über Land wurden die nötigen Voraus- ei es in den Bierspezialwagen, sei es in den gesetzungen
 erst relativ spät geschaffen: Die Möglich- vöhnlichen Eisenbahnwagen, nachdem deren Wände
keit. der Erzeugung eines auf längere Zeit haltbaren orher mit Strohmatten, Decken u. dgl. ausgeschlagen
Bieres, die Möglichkeit, es auf zuverlässigen Trans- worden sind.
vortmitteln fortzuschaffen und es hierbei auf weite Schon hieraus läßt sich ohne weiteres auf das
Strecken — was bei Schiffen durch Verstauen in den !roße Interesse schließen, das der Brauer auf mögvassergekühlten
 untern Räumen relativ einfach ichst rasche Beförderung ab Brauerei bis zum Keller
war — kühl zu halten, die Möglichkeit, es beim Emp- les Abnehmers legen muß.
'änger sachgemäß aufzubewahren und es rasch und Haben früher das Pferde-, wohl auch Ochsen- oder
sachgemäß an Abnehmer, die es zum verlangten Maultiergespann oder der Kahn und das Segelschiff
Preis genießen wollen und können, abzusetzen. ıllein im Dienste des Bierversands gestanden, so
Das Risiko der leichten Verderblichkeit des Bieres j%ewann später die Eisenbahn für Transporte auf
— selbst des in den Kellern lagernden — belastete veite Entfernungen einen maßgebenden Einfluß auf
len Brauer so sehr, daß sogar der Gesetzgeber zur len Bierversand, bis schließlich der Kraftwagen sie
Verhinderung von volkswirtschaftlich bedauerlichen 1uf Entfernungen bis etwa 80—90 km ab Braustätte
Verlusten sich des Brauers annahm und in einigen vieder wesentlich entlastet hat. Beinahe als Kurio-Ländern
 , ® aa Ef zum sei erwähnt, daß das Bier im :Gebirge noch
; „das gesetzliche Sudjahr ; ı1eute in dünnwandigen, für den Sonderzweck geschuf.
 Noch heute hält es der Artikel 13 des baye- auten Fässern als Traglast von Maultieren („Mulis“)
rischen Ausführungsgesetzes zum BGB. aufrecht, ınd Eseln, ja auf. höher gelegene Stellen von Menindem
 er bestimmt, daß, wenn nicht besondere Ab- schen auf dem Rücken transportiert wird. Als Kumachungen
 vorliegen, der Wirt mur zum 30. Sep- iosum ist bis heute auch der Transport im Lufttember
 jeden Jahres den Bierbezug kündigen kann. chiff oder Flugzeug anzusprechen. Dagegen wird
Der Gesetzgeber beabsichtigte, den Brauer hierdurch Bier ins Innere überseeischer Länder noch -heute
'n die Lage zu versetzen, alljährlich zu Beginn des '‚egelmäßig als Traglast von Mensch und Tier be-Monats
 Oktober einen Überblick darüber zu haben, Oördert. . .
‚ür welche Mengen er auf einen festen Absatz rech- Pferd, Bahn, Auto! Wie sind die Rollen auf diese
nen kann, um danach die Menge seiner Sude berech- rei verteilt?
nn 2 KONNEN m ; Maßgebend für die Wahl des einen oder anderen
rst nik der Eintührung 3Zeförderungsmittels ist zwar grundsätzlich die
künstlicher Kühlung &lt;ostenberechnung für den Transport je eines Hektound
 der hiermit ermöglichten Haltbarmachung der iter Bieres ab Braustätte zum Verbraucher. Aber