H., 8. Der Bierversand.
die Raschheit der Beförderung, die Möglichkeit der
Bewältigung eines Stoßbetriebes, traditionelle Gebräuche,
 Reklamewirkungen usw. spielen oft eine
recht beachtliche Rolle für die Wahl des einzelnen
Beförderungsmittels.:
Im allgemeinen — feste Regeln lassen sich durchaus
 nicht geben, weil die Verhältnisse zu verschieden
sind — darf wohl nach den neuesten Kalkulationen
gesagt werden, daß auf nächste Entfernungen, etwa
bis zu 5 km von der Braustätte, auch heute noch

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jern gefüttert und gemästet, als Mastochsen jeweils
veit über dem Einstandspreis wieder weiterverkauft
verden konnten.

Das Elektromobil
»ietet den Vorteil der ruhigen Fahrt, großer Geıchwindigkeit,
 Reinlichkeit, hoher Ladefähigkeit; daregen
 ist, weil die elektrische. Kraft immer wieder
ırsetzt werden muß, sein Aktionsradius nur beschränkt;
 verteuert wird der Betrieb durch die rasche
\bnützung der Elektro-Batterien. Besonders ge-:ägnet
 ist es zur Bedienung der kleinen Kunden im
ı1ahen Umkreis der Brauerei.
Das Benzin-Lastauto
/erbindet — indem es den Verkehr zwischen Brauerei
ind entlegenen Verbrauchsstellen besorgt — den Voreil
 eines Pferdefuhrwerks mit jenem der Eisenbahn,
ndem nämlich diese Besorgung durchaus rasch vor
ich geht. Selbst wenn die Kosten von der Braustätte
‚ur Absatzstelle sich für Lastauto und Eisenbahn
rleich hoch stellen würden, würde wegen der wesentich
 vereinfachten Abwicklung des Versands das
„astauto besonders vorzuziehen sein.
Man kann damit rechnen, daß im Durchschnitt,
»jei geringeren Entfernungen der Brauerei vom Veradebahnhof,
 die Anfuhr und Verladung von 1 hl Bier
ıebst Abfuhr der leeren Fässer einschließlich Arbeitsöhnen
 und Abschreibung für Abnützung des Autos
ıuf etwa 30 bis 35 Pfennig je Hektoliter zu stehen
&lt;ommen. Rechnet man den mindestens gleich hohen
3Zetrag für die Abfuhr, so zeigt sich schon hieraus.
velchen
Vorsprung das Auto vor der Bahn
1at, abgesehen von der Zeitersparnis, der Sicherheit
ler Zustellung, des sofortigen Rückerhalts der leeren
?*ässer, der Möglichkeit des sofortigen Geldempfangs
ı. dgl. Neuerdings macht die Reichsbahngesellschaft
ebhafte Anstrengungen, durch Einräumung von sovenannten
 K (= Konkurrenz) - Sondertarifen einen
P"eil des bisherigen Autoversands wieder an sich zu
jiehen. Diese Bestrebungen können nur dann zum
Ziel führen, wenn die Bahnfrachten wesentlich billiger
verden als die Autofrachten, da der Wegfall der
‚rwähnten Vorteile des Autoverkehrs irgendwie aufvrewogen
 werden muß. Augenblicklich stellt sich auf
zntfernungen bis etwa 80 bis 90 km der Biertrans-‚ort
 im Kraftwagen absolut billiger als der Bierransport
 mit der Bahn.
Besitzt eine Brauerei Bahngeleiseanschluß, so wird
ch für sie selbst in Fällen, in denen sonst das Auto
‚orzuziehen wäre, noch die Verwendung der Bahn
:mpfehlen. ;
Auf Entfernungen, die ein- oder gar mehrmaliges
Jbernachten des Kraftfahrers erfordern würden, ist
Jie Fisenbahn schlechterdings unersetzlich.

das Pferdetuhrwerk

vorzuziehen ist, daß auf Entfernungen von 5 bis
etwa 30 km das Elektromobil am besten verwendbar
 ist, daß darüber hinaus bis etwa 80 bis 90 km
das Lastauto und wieder darüber hinaus die Eisenbalın
 die zweckmäßigsten Beförderungsmittel sind.
Bis auf den heutigen Tag also hat das Pferdef[uhrwerk
 auf nahe Entfernungen seine Verwendungsfähigkeit
 beibehalten. Es bietet absolute Zuverlässigkeit
 im Gelände, zeigt hohe Ladefähigkeit, ermöglicht
oftmaliges Anhalten und Anziehen, relativ geringes
Betriebskapital und besitzt zugleich eine gewisse Reklamewirkung,
 welche Vorteile in manchen Fällen
so schwer wiegen, daß mit der vollkommnen und
allgemeinen Abschaffung des Pferdefuhrwerks, selbst
wenn es sich noch schlechter in der Kalkulation
stellen sollte als bisher, auf absehbare Zeit nicht zu
rechnen ist. Ein Münchner Oktoberfest ist ohne die
Auffahrt der bekannten Oktoberfestgespanne kaum
vorstellbar. Auch überall da, wo es darauf ankommt,
zu einer bestimmten Tagesstunde gleichzeitig eine
große Zahl von Wagen an die verschiedensten
Stellen zu bringen, wie dies z. B. das Berliner
Flaschenbiergeschäft erfordert, dürfte das Pferdeiuhrwerk
 noch auf lange Zeit hinaus seinen Dienst
tun. Das Braugewerbe wird daher bis auf weiteres
ain recht beträchtlicher Abnehmer für Pferde bleiben.
Freilich ist nicht zu übersehen, daß der Achtstundentag
 und die relativ besonders starke Erhöhung
ler Löhne der Bierführer, Mitfahrer und Pferdepfleger
 in der Nachkriegszeit mit einem Schlag die
Wirtschaftlichkeit des Pferdefuhrwerks wesentlich
beeinträchtigt hat und daß jede weitere Lohnerhöhung
die Verwendung der Pferdefuhrwerke immer : ungünstiger
 stellt im Verhältnis zu jener der Kraftwagen.
 Denn nicht nur bedarf das Pferd einer besonderen
 regelmäßigen, nicht auf den Achtstundentag
 einzustellenden Pflege, sondern die relativ: geringe
 Beweglichkeit des Fuhrwerks belastet seinen
Betrieb verhältnismäßig stark mit Löhnen. Gerade
hier also wirkt jede Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung‘
 besonders nachteilig. Eben wegen des
hohen Anteils des Lohnes sind die Ochsenfuhrwerke
alsbald nach Kriegsende verschwunden; sie galten
vor dem Krieg als durchaus wirtschaftlich, weil die
Ochsen, mit den in den Brauereien anfallenden Tre-