IN. Die Verflechtung der deutschen Brauindustrie mit der deutschen
Volkswirtschaft.

1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft.
Von Dr. Michael Horlächer, M. d.R., München.

Die geschichtliche Verfolgung der Entwicklung des
Braugewerbes in Deutschland ergibt die engsten Beziehungen
 zwischen dem Braugewerbe und der
Landwirtschaft. Die Beziehungen zwischen Braugewerbe
 und Landwirtschaft waren naturgemäß unmittelbare
 und äußerst innige in den Zeiten, wo
Deutschland in seinem ganzen Bevölkerungsaufbau
hoch überwiegend agrarischen Charakter trug, wo
die vielen kleinen Mittelstädte in unmittelbarer Beziehung
 zur Landwirtschaft standen, ja ebenfalls zum
größten Teil noch landwirtschaftlichen Charakter
trugen und die Großstadtentwicklung eine außerordentlich
 geringe gewesen ist. Ich darf in diesem
Zusammenhange darauf hinweisen, daß nach den Ergebnissen
 der Volkszählung beispielsweise die Bevölkerung
 in den Landgemeinden im Jahre 1875, also
kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches,
noch 61% der gesamten Reichsbevölkerung ausmachte,
 währenddem die Bevölkerung in den GroBstädten
 nur 6 % betrug. Im Jahre 1925. war der
Prozentsatz der Großstadtbevölkerung auf 27% angewachsen,
 währenddem der Prozentsatz der Landbevölkerung
 auf 36 % zurückgegangen war. Unter
Landbevölkerung ist dabei jene Bevölkerung verstanden,
 die in Landgemeinden unter 2000 Finwohnern
 ihren Wöhnsitz hatte und unter Großstadtbevölkerung
 versteht man jene Bevölkerung nach
der statistischen Zählung, die in den Großstädten
über 100 000 Einwohner sich befindet.
In der Zeit, als Deutschland noch überwiegend
landwirtschaftlichen Charakter trug, war naturgemäß
 das Braugewerbe bereits zu einem der
angesehensten Gewerbe geworden. Das Braugewerbe
gehörte im Mittelalter zu den bevorzugten Gewerber.
Der Kampf um ‘die Verleihung des Braurechtes
spielte dabei immer eine besondere Rolle.
Während die Entwicklung des Braugewerbes in Norddeutschland
 vielfachen Schwankungen unterworfen war, sehen
wir in Bayern eine stetige Aufwärtsentwicklung des Braugewerbes,
 durch alle Jahrhunderte hindurch. In Bayern war
schon frühzeitig das Braurecht landesherrliches Regal geworden,
 Die Abtei Weihenstephan besaß schon im Jahre 1146
aine Braugerechtigkeit. Das war also in einer Zeit, ‚in der
München noch nicht geschichtlich erwähnt wird (das ist erst
um 1158 der Fall). Das Braurecht in Bayern wurde dann
besonders an die Ritterschaft, den geistlichen Stand und an
Klöster als dauerndes Recht verliehen. Später nahm auch
die Bürgerschaft daran teil, und es breitete sich die Braugerechtsame,
 woran heute noch viele Bezeichnungen auf dem
Lande erinnern, über das ganze Land aus. Infolge der in
Bayern stärker vorhandenen Produktionsgrundlage an Brau-Die
 deutsche Brauindustrie der Gegenwar*

zerste und Hopfen für die Bierbrauerei wurde in Bayern im
’ahre 1516 durch die bayerische Landesverordnung bestimmt,
daß füran allenthalben in unsere Stette, Märkte und auf dem
„ande zu keinem Pier merer Stückh, dann allein Gerste,
Topfen und Wasser, genommen und gebraucht sölle werden‘.
m Hinblick auf die Entwicklung des Braugewerbes in ‚Bayern
zonnte Rudhardt in einem Werke aus dem Jahre 1825 {fest-‚tellen,
 daß das eigentliche bayerische Haupt- und National-‚ewerbe
 die Bierbrauerei sei.
Die unmittelbaren Beziehungen zwischen Landvirtschaft
 und Brauereien beruhen naturgemäß in
rster Linie darauf, daß die Landwirtschaft
die Rohstoffe für die Brauindustrie: Gerste und
Hopfen
iefert. Darauf ist zurückzuführen, daß viele Jahriunderte‘
 hindurch das Brau gewerbe und die
-andwirtschaft als Haupt- und Nebenberuf gleich-'eitig
 und miteinander ausgeübt wurden. So bestehen
anigste Beziehungen auch heute noch besonders dort,
vo die mit der Landwirtschaft verbundene Brauerei
lie in den eigenen Betrieben der Landwirtschaft gevonnenen
 Rohstoffe, Gerste und Hopfen, verarbeitet,
ie Stärke der Entwicklung des Braugewerbes in
len verschiedenen Landesteilen hängt zum Teil mit
ler von Natur aus gegebenen ‚guten Rohstoffgründage
 in der Landwirtschaft zusammen und anderer-‚eits
 von der Entwicklung großer Verbrauchszentren,
lie immer noch günstige Rohstoffbezugsgebiete für
ich in Anspruch nehmen können.
Was nun die hauptsächlichste Rohstoffgrundlage
ler Brauindustrie. den

Qualitätsgerstenbau
inlangt, so fehlt es in Deutschland ganz naturgemäß
ın genauen statistischen Ausscheidungen zwischen
braugerste und Futtergerste, aber immerhin Jäßt uns
ne statistische Darstellung über die regionale Vereilung
 der Sommergerstenanbaugebiete in Deutschand
 im Jahre 1927 genügend erkennen, in welchen
tebieten die hauptsächlichsten Gersten- und hier
ornehmlich Braugerstenanbaugebiete konzentriert
ind. Der Braugerstenanbau in Deutschland hat vor
Nen Dingen eine außerordentlich starke bayerische
‚rundlage und, wenn wir einen Schritt weitergehen
vollen, eine besondere süddeutsche Grundlage.
jayern allein nimmt im Sommergerstenanbau hinichtlich
 der Erntefläche des Reiches einen Prozentatz
 von 26 % ein, hinsichtlich des Frtrages ungefähr
lenselben; dann schließen sich an Bayern wverhältnis-