HL, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft. 135
ml LESE SET Tan Se Tür le Landwirtschalt. 135
trachtet, gegeben sind, daß aber andrerseits ein großer
Mittler in den Beziehungen zwischen Landwirtschaft
und Brauindustrie nicht übersehen werden darf, das
ist die selbständige Malzindustrie. Über den inneren
Aufbau des Brauereigewerbes einschließlich Malzindustrie
 gibt nachstehende Übersicht Aufschluß.

Die deutsche Malzindustrie erstreckt sich über "ganz Deutschand,
 wenn sie auch. nicht gleichmäßig verteilt ist. Stark be-’orzugt
 hat sie für ihren Sitz die Gegenden, in denen reichlich
um Vermäüälzen geeignete Gerste, Braugerste, wächst; es
ind dies vor allem Sachsen, Thüringen, Bayern, insbesondere
lessen fränkischer Teil (Kulmbach, Bamberg usw.), Schlesien
'owie Gebiete am Mittel- und am Niederrhein. Aber auch
\nderswo findem wir blühende Betriebe, sogar solche größten
Imfanges und von bestem Ruf.“
So beweist denn auch klar die mir von
Jr. Kuckuck, Syndikus des Bundes Deutscher Malzabriken,
 zur Verfügung gestellte Übersicht über die
Malzerzeugung in den Malzfabriken, daß die
Malzindustrie fast ausschließlich
2@ine in den Hauptbraugerstegebieten
Deutschlands ansässige Industrie ist.

Die Brau- und Malzindustrie Deutschlands nach der Gewerbezählung
 1925,

Petriebe


Personen

Elm | Eiektromaschinen
 | motoren
PS.

PS

Mälzerei und Brauerei ... 26 439 22 281 | 31 287
Brauerei ............000 59 006 52856 ! 75811
Mälzerei ..........00..... R 065 3521 15 788
Malzextraktherstellung ... 120 115 190
Bisgewinnung ........... . £. 2842 , _10 280 8 906
insgesamt ..... 4088| 92972 | 89058 | 181 982
(„Wirtschaft und Statistik“ 1928, Nr. 8.)

Jetzige Malzerzeugungsmengen der Malzindustrie (1927/28).
Die Verteilung auf die einzelnen Gruppen ist berechnet nach der
Verteilung der Malzerzeugung der Mitglieder des Bundes Deutscher
Malzfabriken auf diese Gruppen.

Die von dem Brauereibetrieb losgelöste Mälzerei
ist ein verhältnismäßig jüngerer Zweig der deutschen
Wirtschaft, In der Monatsausgabe für Ausland und
Übersee des „Berliner Tageblattes“ — Nr. 12 vom
Dezember 1928 — führt Dr. Kuckuck in treffender
Weise über die Entwicklung. zu einer selbständigen
Malzindustrie u. a. aus:
„Wie Deutschland für die Biererzeugung an der Spitze aller
Länder steht, so auch für die Erzeugung des Stoffes, aus dem
allein ein gutes Bier hergestellt werden kann, d. h. von Malz.
Es dienen dieser — außer den eigenen Mälzungsstätten der
Brauereien — die zahlreichen und zum Teil sehr bedeutenden
deutschen Handelsmälzereien. Die Entwicklung dieser Mälzereien
 ist die Folge des großen und raschen Aufschwunges, den
die deutsche Brauindustrie in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts nahm, und der technischen Umwälzungen, die in
dieser Zeit erfolgten. Von Jahr zu Jahr wuchsen in mannigfacher
 Beziehung die Anforderungen, die an die aufwärtsstrebenden
 Brauereien und ihre Leiter gestellt wurden. Immer
größere Geldmittel mußten zur Erweiterung und Verbesserung
des Betriebes, zur Beschaffung der anschwellenden Rohstoffmengen,
 später auch zur systematischen Organisation des Absatzes
 verwendet werden. Für den Leiter wurde es auch immer
schwieriger, die- Fortschritte nicht nur in der Technik des
Brauens, sondern auch in der des Mälzens zu verfolgen. Mit
dem wachsenden Bedarf an Gerste mußte man für ihren Bezug
in entferntere Gerstengegenden gehen, zu denen persönliche Beziehungen
 fehlten. So wurde für viele Brauereien eine Entlastung
 notwendig oder wenigstens zweckmäßig. Hierfür lag
wirtschaftlich und besonders auch technisch am nächsten der
Teil des Betriebes, der nach der Rohstoffseite lag. So entstanden
 die zahlreichen selbständigen Mälzereien, die wir in
Deutschland finden. Lie Leistungsfähigkeit dieser Mälzereien
kann auf 6 bis 7 Millionen Doppelzentner Malz jährlich geschätzt
 werden. Zwar haben der Krieg und die wirtschaftlichen
Wirren in der Nachkriegszeit eine größere Zahl von Mälzereien
verschwinden lassen. Aber in der Hauptsache fand dieser
Abgang nur in weniger bedeutenden Betrieben statt und
konnte so die Gesamtleistungsfähigkeit der Industrie wenig
beeinträchtigen. Bei der. Eigenart der Mälzungsarbeit
genügen auch -für große Produktionsmengen verhältnismäßig
wenig Arbeiter; das gilt besonders für die mit der Zeit immer
zahlreicher gewordenen Betriebe, die das pneumatischmechanische
 Mälzen bei sich eingeführt haben, Infolgedessen
arscheint die Zahl der Arbeiter der deutschen Malzindustrie
im Vergleich zu der Arbeiterzahl mancher anderen Industrien
nicht groß. Ein richtigeres Bild von der Bedeutung der deutschen
 Malzindustrie gibt die Größe des in ihr arbeitenden Anlage-
 und Betriebskapitals. Es wird auf 250 Millionen Goldnark
 zu schätzen sein

Malzerzeugung ' Zahl der Betriebe
(Schätzung) 5 j ©. d. Adreßbuch
für die Brau-Ztr.
 industrie)

"aa
ı Schlesien ........... ;
}, Land Sachsen .................
) Provinz Sachsen u, Thüringen ..,
! Südwestdeutschland (Baden,
Rheinpfalz, Hessen, Württbg.) . 200 000
RheinprovinZ 2.0.00 400 000
Bayern rechts des Rheins ...... 2.000 000
Übriges Deutschland ........... , 980000
Zusammen ..... | 9000 07°
Gesamt-Malzerzeugung ...:..... 9007”
hiervon ausgeführt ........... 8300 C
verbleiben für den Verbrauch der
deutschen Brauereien ....... 8700000 Ztr.
Der Gesamt-Malzverbrauch der deutschen Brauereien betrug
927/28: 19,8 Mill. Ztr., darunter etwa 8,6 Mill. Ztr, Malz, das aus
ler Einfuhr ausländischer Gerste stammt, hiervon durch die Malzinfuhr
 gedeckt rund 1 Mill, Ztr.
Die selbständige Malzindustrie ist daher zu
jinem wichtigen Faktor, gewissermaßen zu einer
zwischenstufe in den Beziehungen
’wischen Landwirtschaft und Brauadustrie
 geworden, indem die Malzindustrie
ielfach aus der Mitte der Braugerstengebiete das
Aalz zu den Brauereien, gerade auch in den großen
’erbrauchszentren, die nicht im Gerstengebiet liegen,
eranbringt. Dabei kommt der Entwicklung der
Aalzindustrie noch die Ersparung für das Brauzewerbe
 zugute, die bei der gleichen Tarifierung von
jerste und Malz durch die Eisenbahn bei dem Bezuge
 von Malz statt Gerste an der Fracht entsteht,
la 100 kg Malz rund 133 kg Gerste enthalten.
Ich wäre nicht vollständig, wenn ich nicht der Förijerung
 bzw. der Störung der Beziehungen zwischen
3rauindustrie, Malzindustrie und Landwirtschaft ge-'enken
 würde, die durch die Veränderungen im
ußenhandel sich vollzogen haben. Angesichts unserer
„age wird man — ich erinnere nur an die notwendige
\ktivierung unserer Handelsbilanz — alles aufbieten
nüssen, um durch eigene Qualitätserzeugung die
\uslandseinfuhr, soweit als möglich, herabzudrücken.
war beruht die deutsche Industrie naturgemäß .in

kan
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