HL, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft. 139
Taerar
Tageblattes‘““ (Dezember 1928) über die sysfermatische lie Verhältnisse genau so. Ich glaube, daß die in den
Förderung der Züchtung und’ des Anbaus von Brau- etzten Jahren sichtbare Tendenz der Konsumgerste
 wiedergeben. Er schreibt u. a.: ;teigerung eine Verlangsamung erkennen
4 „DS ‚chen sich ge verschiedenen von der Braun und 1ßt, so daß es schwer halten wird, weiter an den
er alzındusirie — schon vor Jahrzehnten — mit staatlicher 1 *
Förderung geschaffenen und unterhaltenen wissenschaftlichen riedenskonsum heranzukommen. - Bei solcher Sach-Institute
 zur Aufgabe. Seit etwa zehn Jahren wirkt mit Erfolg ge muß alles vermieden werden, was plötzlich zum
De diesem ‚Gebiete Auch eine von en beiden TEENS IS “"onsumrückgang — wie eine 50 oder 75%ige Ereben
 gerulene, ausschließlic. er Örderung es ersien- w. . . —_ ax
baues dienende Vereinigung: Der Verein zur Förderung des öhung der Biersteuer Ver anlassung geben würde,
deutschen Braugerstenbaues in Berlin. Die Bemühungen zur ine solche wirtschaftspolitische Linie würde auch zu
(lebung yes deutschen Cerstenbaues haben Sich gEraün ® U iner Verschärfung derAgrarkrise in den
eizien Jahren noch gesteigert, ndusirie un andwWIrisc. ‘ -
sind in noch engere Verbindung getreten. In dem wichtigen eutschen Braugersten- und Hopfengebieten führ CM.
sächsisch-thüringischen Gerstenbaugebiet ist, durch die ‘ngesichts der allgemeinen Notlage der Landwirt-Aortigen
 a ame und den ES A 'chaft wohl ein unerträglicher Gedanke! In Bayern
Uuringischer alziabrıkanten Ins Leben geruien, eine ersien- - x - . 2
kulturstelle entstanden. In diesem und in anderen Gebieten vürde die Er schütterung der wirtschaftlichen Verwird
 durch Gerstenschauen mit Verteilung von Preisen die ältnisse in dieser Beziehung sich noch unerträg-Landwirtschaft
 ee RAR Sn EEE Gert En cher gestalten, weil hier jede Steigerung des Bier-SOndere
 uimerXsamkKelt wIr © roblemen zugewandt, 1 . * = nr . » .
sich neuerdings aus den Fortschritten der Industrie für künst- T“SES, die die Steuer erhöhung mit sich bringt, auf
liche Düngemittel gerade für den Gerstenbau ergeben haben. ie gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse, insonder-Die
 Arbeit, deren Sich, He wir —— Ne SER nun ‚eit auf Lohngestaltungen, namentlich auf dem Lande,
ziehen, 12. erwarten, da er deuische | 2 n % ss
auf der hohen Stufe bleibt, auf die ihn die Anstrengungen der ‘en tiefsten Einfluß ausüben würde, Das Ziel der
Landwirtschaft schon gebracht haben, sondern daß noch immer leutschen Politik müßte hinsichtlich der Beziehungen
weitere Fortschritte in der Veredelung der deutschen Gerste ‚„wischen Landwirtschaft und Brauindustrie auf die
gemacht werden. Zräfti beid Wi haft " ich x
Die erwähnten wissenschaftlichen Institute dienen natürlich *Fallsung beider irtschaftszweige gerichtet sein.
ebenso der Entwicklung und der Ausbreitung. der besten Welche Störungen in der Aufwärtsentwicklung der Brau-Methoden
 für die Umwandlung der Gerste in Malz und des ıdustrie’ und damit der Gerste und Hopfen produzierenden
Malzes in Bier, Wie in der Brauindustrie, steht in der ‚andwirtschaft angerichtet werden können, und wie groß das
Malzindustrie durch diese Institute die Praxis in engstem Zu- Maß dieser Störungen sein müßte, dafür möge einen Anhaltssammenhang
 mit der Wissenschaft, In fruchtbringender unkt die nachstehende Übersicht geben, welche die Absatz-Wechselwirkung
 werden zwischen beiden fortgesetzt die Er- rebiete der bayerischen Biere im Vergleiche zu jenen Berlins
fahrungen und Beobachtungen ausgetauscht“ zeranschaulicht.
Angesichts der aus den früheren
Darstellungen genau ersichtlichen
Erschütterungen. im Gersten- und
Hopfenabsatz der Landwirtschaft,
angesichts der bedeutsam angewachsenen
 Mehrproduktion an Qualitätsgerste,
 aber auch angesichts des
festen Willens der Beteiligten, vorwärts
 zu arbeiten, müßte eine zielbewußte
 Wirtschaftspolitik auf die
Kräftigung derBeziehungenzwischen
Landwirtschaft und Brauindustrie
hinarbeiten und dürfte eine Störung
dieser notwendigen Aufwärtsentwicklung
 überhaupt nicht erwogen
werden. Wir haben’ noch einen beträchtlichen
Leerlauf in unserer deutschen Brauindustrie, der vielfach
 eine Absatzkrisis der landwirtschaftlichen Erzeugnisse
 Hopfen und Gerste zur Folge hat. Es betrug
der Verbrauch der deutschen Bevölkerung an Bier
1900: 117,9 Liter, 1913: 102,1 Liter, 1927: 808 Liter.
Wenn man die Bevölkerung mit über 20 Jahren zugrunde
 legt, betrug der Bierverbrauch pro Kopf der
erwachsenen Konsumenten 1910: 175,5 Liter und
1927: 124,1 Liter. Der Rückgang beträgt also rund
29,3 %, Auch in Bayern, das pro Kopf der Bevölketung
 einen viel höheren Bierverbrauch aufweist, liegen