NL, 2. Braugewerbe und Maschinenindustrie. _141
Unter den gewöhnlichen Verhältnissen wird in der
3rauerei immer der Kolbendampfmaschine der
Yorzug vor der Dampfturbine gegeben werden.
etztere bietet erst bei Leistungen über 1000 PS wirt-'chaftliche
 Vorteile. Außerdem kann die Dampfırbine
 mit ihrer hohen Drehzahl ihre Leistung nur
N einen unmittelbar gekuppelten elektrischen Stromrzeuger
 (Turbogenerator) abgeben. Die Übertragung
ier Antriebsleistung für die Kältemaschine (Kolben-‚erdichter)
 müßte also auf dem Umweg über den
*romerzeuger und einen Elektromotor erfolgen.
)adurch würde ein erheblicher Verlust entstehen, der
im Antrieb einer mit der Kolbendampfmaschine
mmittelbar gekuppelten Kältemaschine wegfällt,
Die Alleinherrschaft der Dampfmaschine im
3rauereibetrieb ist durch die wirtschaftlichen Verıältnisse
 der Nachkriegszeit und durch die Vervollcxommnanung
 anderer .‚Kraftquellen durchbrochen
vorden. Besonders in kleineren Betrieben gewinnt
ji einer notwendigen Ergänzung der Maschinennlage
 die Frage. Bedeutung, ob sich die hohen
\nlagekosten einer neuen Dampfkraftanlage bezahlt
nachen. In einem solchen Fall ist vielfach die Kraftrzeugung
 durch einen Dieselmotor, der geringere
\nlagekosten erfordert als eine Dampifkraftanlage,
der der Bezug von Fremdstrom aus einem öffentichen
 Elektrizitätswerk. wirtschaftlicher, besönders
’)ei Feuerbetrieb der Braupfanne. Die Entscheidung
larüber muß von Fall zu Fall getroffen werden. Es
st nicht möglich, allgemein gültige Richtlinien über
lie zweckmäßigste Deckung des Leistungsbedarfes
4nes Betriebes anzugeben. Der billige Strompreis
n der Schweiz z. B. hat selbst Großbetriebe verınlaßt,
 ihre modernen Dampfmaschinen stillzusetzen
ınd alle Arbeitsmaschinen elektrisch anzutreiben. In
Jeutschland sind die Strompreise vielfach noch hoch,
ibgesehen davon, daß oft unübersichtliche Stromarife
 die Kosten der Kilowattstunde erst am Schluß
nes Betriebsjahres erkennen lassen. Viele Braue-'eien
 erzeugen deshalb ihre Betriebskraft. durch komıressorlose
 Dieselmotoren, die bei sachkundiger Belienung
 zuverlässig arbeiten. Die reinen Betriebszosten
 dieser Maschinen sind niedrig und bei guter
\usnützung sind auch die auf,die erzeugte Leistungsinheit
 treffenden Besitzkosten mäßig.
Der maschinentechnische Fortschritt in der
3rauerei offenbart sich so recht bei der Berachtung
 der

Köhlensorten. Nur bei ganz günstiger Frachtlage
kann sich die Verheizung minderwertiger Brennstoffe
 noch lohnen.
Die Kohlenstaubfenerung hat in letzter Zeit in
großen Kraftwerken einige Verbreitung gefunden.
Ihre Verwendung im Brauereibetrieb kommt aber in
den nächsten Jahren wenigstens nicht in Frage. Die
Besitz- und Betriebskosten der Mahlanlage für den
Kohlenstaub werden nur bei ganz großen und
stark beanspruchten Anlagen durch den besseren
Feuerungswirkungsgrad hereingebracht. Ebensowenig
 kann die vereinzelt vorgeschlagene und auch
ausgeführte Gasfeuerung besondere Vorteile für den
Brauereibetrieb bringen. Diese Feuerungsart besitzt
nur in den Industriezweigen Verbreitung, wo die Herstellung
 besonders hoher Temperaturen und eine
genaue Regelung der Temperaturen notwendig ist,
wie z. B. bei der Stahlerzeugung.
Der Betriebsdruck der Brauereidampfkessel erfuhr
entsprechend der oben angedeuteten Verschiebung
im Kraft- und Wärmeverbrauch eine allmähliche
Steigerung. Bei der Erzeugung einer Pferdekraftstunde
 durch die Dampfmaschine ist die zur Verfügung
 stehende Abdampfwärme um so geringer, je
höher der Dampfdruck vor der Maschine ist. Ungefähr
 bis zum Jahre 1910 ging man über einen
Kesseldruck von 8 atü in der Brauerei nicht hinaus.
Jetzt werden wohl keine Kessel mehr unter 15 atü
Dampfdruck neu aufgestellt, soweit wenigstens der
Dampf in einer Dampfmaschine vorher Arbeit leisten
soll. In dieser Beziehung ist die Dampikesseltechnik
dem heutigen Bedürfnis in der Brauerei etwas
voraus. Kesseldrücke von 20 bis 40 atü sind nämlich
für reine Kraftwerke die gewöhnlichen Grenzen.
Manche Industrien mit einem Heizdampfbedarf von
hohem Druck verwenden sogar schon Kesseldrücke
bis 100 atü und darüber, um. den Heizdampf vorher
zu einer möglichst großen Arbeitsleistung in einer
Dampfmaschine oder Turbine heranzuziehen. Es besteht
 kaum ein Zweifel, daß die Entwicklung in der
Brauerei bei dem steigenden Arbeitsverbrauch auch
nach dieser Richtung hin erfolgen wird. Eine Großbrauerei
 hat bereits eine Dampfkraftanlage mit etwa
40 atü Kesseldruck in Betrieb genommen.
Die vorherrschende Kraftmaschine in Brauerei-Groß-
 und -Mittelbetrieben ist die Zweizylinder-Verbunddampfmaschine
 mit Kondensation. Aus dem
Aufnehmer wird Zwischendampf von 1 bis 2 atü
Druck zur Heizung der Braupfannen und zur Heißwasserbereitung
 entnommen. Der Dampf aus dem
Niederdruckzylinder wird teils in einem Oberflächenkondensator
 zur Warmwasserbereitung ausgenützt,
teils im Einspritzkondensator niedergeschlagen. In
kleineren Betrieben wird aber auch der Abdampf
einer Einzylinderdampfmaschine zu Heizzwecken
verwendet.

Kraftübertragung einst und jetzt.
“rüher arbeitete die Dampfmaschine auf einer Hauptintriebswelle.
 Von dieser wurden mittels Riemender
 Seiltrieb alle Abteilungen des Betriebes mit
Craft versorgt. Oft mehrere hundert Meter lange
Nellen, zum Teil verbunden mit Winkelrädern, geragen
 von unzähligen Steh- und Hängelagern, kenn-‚eichnen
 die Unwirtschaftlichkeit dieses Verfahrens.