Prof. Th. Ganzenmüller, Weihenstephan:
Die Einführung der Elektrizität löst das Problem der
Kraftübertragung innerhalb eines Betriebes in vollkommener
 Weise und so ziemlich alle Brauereien
haben sich heute die Vorteile elektrischer Kraftübertragung
 zunutze gemacht,
Aus dem Maschinenhaus einer neuzeitlich einzerichteten
 Brauerei ist der Riemen ganz verschwunden.
 Die Betriebskraft wird in einem unmittelbar
 auf der Krafttmaschinenwelle sitzenden
Generator in elektrische Form übergeführt und durch
Kabel an die einzelnen Verbrauchsstellen geleitet. Es
besteht nun die Möglichkeit, entweder jede einzelne
Arbeitsmaschine mit einem eigenen Elektromotor anzutreiben
 (Einzelantrieb), oder eine Anzahl nebenananderliegender
 Arbeitsmaschinen durch kurze
Wellen zusammenzufassen und dafür nur einen
Elektromotor vorzusehen (Gruppenantrieb), Der
Einzelantrieb hat sich im Sudhaus restlos durchzesetzt.
 Hier war vor allem der Vorteil maßgebend,
aus dem feuchten Sudhauskeller alle Riementriebe beseitigen
 zu können. Im übrigen sind für die Beurteilung
 beider Verfahren folgende Gesichtspunkte
maßgebend. Der Einzelantrieb erfordert höhere
Anlagekosten, doch kann die Größe des Elektronotors
 dem Leistungsbedarf der Arbeitsmaschine
zut angepaßt werden. Den Gruppenantrieb bevorzugt
 man dort, wo mehrere Arbeitsmaschinen immer
gleichzeitig betrieben werden, z.B. für die Gerstenreinigungsanlage.

An dieser Stelle sei auch die Frage nach der
zweckmäßigen Stromart für eine Brauerei erwähnt.
Die elektrischen Anlagen wufden etwa bis zu dem
Jahre 1910 nur mit Gleichstrom ausgeführt, da
damals die Wechsel- und Drehstromverwendung sich
noch in der ersten Entwicklungsstufe befand. Heute
dagegen wird von den Überlandwerken die Elek-'rizität
 meist in Form von Drehstrom geliefert.
3rauereien, die von früher her eine Gleichstromınlage
 besitzen und ihre Betriebskraft auch heute
ı1och vollständig selbst erzeugen, werden selbstverständlich
 diese Stromart beibehalten, zumal der
Ileichstrom für die Brauerei einige Vorteile besitzt.
Viele Arbeitsmaschinen müssen mit wechselnder
Drehzahl betrieben werden können. Beispiele dafür
sind die Pfannenrührwerke, die Maschine zur Treberlockerung
 und die Bierdruckregler. Bei Gleichstrommotoren
 ist eine feinstufige Drehzahlregulierung
 leicht zu erreichen. Für Drehstrommotoren
wurden erst in letzter Zeit in dieser Hinsicht Fortschritte
 erzielt.
Schwierig wird die Entscheidung über die Stromart
 für einen Betrieb, der bereits eine umfangreiche
Äleichstromanlage besitzt, die eigene Krafterzeugung
aber durch Bezug von Drehstrom aus einem Über-(andwerk
 ergänzen will. Diese Frage ist für sehr
viele Brauereien von Bedeutung und kann auf verschiedenem
 Wege gelöst werden. In den wenigsten

42

*ällen wird eine Brauerei in der Lage sein, mit einem
Aale den bisherigen Gleichstromerzeuger; zahlreiche
HNeichstrommotoren und das ganze Leitungsnetz auf-'ugeben
 und dafür die entsprechenden Drehstrominrichtungen
 anzuschaffen. Meist begnügt man sich
lamit, einzelne, eine größere Leistung erfordernde
\rbeitsmaschinen mit Drehstrommotoren anzureiben,
 wie z. B. einen Ammoniakverdichter, Schrotnühle
 und dergleichen. Der Fremdstromantrieb.
mpfiehlt sich auch für die Arbeitsmaschinen, die beonders
 außerhalb der eigentlichen Betriebszeit in
"ätigkeit treten müssen. Das sind die Darrwender,
lie Süßwasserpumpe u. a. Eine weitere Möglichkeit,
lie eigene Gleichstromanlage durch Drehstromezug
 zu entlasten, ist die Zwischenschaltung eines
5tierenden Umformers oder eines Gileichrichters.
Äjeser Weg ist meist baulich und betrieblich am einıchsten,
 doch nimmt man für den bezogenen Fremd-‚trom
 dauernd 15 bis 25 % Verlust in Kauf. Man
jeht aus diesem Überblick über das an sich neben-Äächliche
 Gebiet der Kraftverteilung, wie sehr Braundustrie
 und Maschinenindustrie zusammenarbeiten
nüssen, um eine befriedigende Lösung technischer
*inrichtungen zu finden.
Einer der wichtigsten Kraftverbraucher in den
neisten größeren Brauereien ist, wie schon erwähnt.

die Kältemaschine.
Diese ist ein unentbehrlicher Bestandteil des Beriebes
 geworden, ja die heutigen Großbetriebe wären
‚hne künstliche Kälteerzeugung nicht denkbar. Man
'ann sagen, daß die deutsche Brauindustrie infolge
hres Bedürfnisses nach einer Sicherung der Kälteersorgung
 nicht zuletzt die führende Stellung
'‚eutschlands in der Kältetechnik mitgeschaffen hat.
Die Vorteile der künstlichen Erzeugung tiefer
"emperaturen kommen heute vielen gewerblichen
betrieben zugute. In chemischen Werken sind beeits
 einige Kältemaschinen mit einer Einzelleistung
on 3 Millionen kcal stündlich aufgestellt worden.
Nenn auch für die Brauerei in der Regel nur Einıeiten
 bis etwa % Million kcal stündlich in Betracht
"ommen, so zählt sie auch heute noch zu den größten
‚ıbnehmern der Kältemaschinenfabriken.
Die künstliche Kälte wird in der Brauerei benötigt
Ür die eigentliche Biererzeugung und zur Herstellung
’»on Kunsteis. Für den ersteren Zweck kann im alls‚emeinen
 keine Steigerung des Kältebedarfes mehr
intreten. Im Gegenteil, durch bessere Isolierung und
Zelegung der Keller mit Großgefäßen wird der Kälte-‚edarf,
 bezogen auf die erzeugte Biermenge, nicht
nwesentlich verringert. Die .Kunsteisherstellung
ier meisten Betriebe hat dagegen in den letzten
'ahren infolge der Ansprüche der Kundschaft beijeutend
 zugenommen. Begreiflicherweise dient
lieses Eis nicht allein zur Kühlhaltung des Bieres bei
len Wirten, sondern unterstützt auch die Auf-