HL, 3. Das Gast- und Schankstättengewerbe,
Aber auch abgesehen von diesen Lebensfragen
bleibt das Gastwirtsgewerbe noch mit einer derartigen
 Fülle von behördlichen Vorschriften und
Steuern belastet, daß die Rentabilität auch ertragreicherer
 Gewerbezweige hiervon erschüttert werden
könnte. Die Zukunft wird und muß‘ hierin einen
Wandel schaffen und unter den behördlichen Überwachungsvorschriften
 und Sondersteuern des Gewerbes
 aufräumen, da sonst das Gastwirtsgewerbe
immer mehr stagnieren und zurückgehen wird.
Eine Förderung des Fremdenverkehrs anzustreben,
ist das gebotene Interesse des Gastwirtsgewerbes.
Sie kann von seiten des Gewerbes sowohl
durch eine Verbilligung des Pensions- und Logierpreises
 als auch durch Erhöhung des vorhandenen
Komforts erreicht werden. Daß hierzu nach unseren
obigen Feststellungen wenig Finanzkraft vorhanden
ist, wird für die Allgemeinheit unbedingt bejaht
werden müssen. Die Hebung des Fremdenverkehrs
wird deshalb in der Zukunft mehr von der Verbesserung
 und Verbilligung der Fahrt- und Verkehrsmöglichkeiten
 durch Eisenbahn und Kraltwagen zu
erwarten sein, die besonders den Saisonbetrieben
in kleineren Orten schon einen erheblichen Aufschwung
 der Frequenz gebracht haben. Angesichts
der durch die Gesamtlage erzwungenen Preispolitik
des Gastwirtsgewerbes wird aber eine entscheidende
Besserung letzten Endes nur durch ein Steigen der
Kaufkraft der Verbraucher erfolgen können, die zu
erhöhtem Verbrauch von Getränken und vermehrter
Reisetätigkeit führen würde. Daß diese aber bei einer
so kapitalarmen Wirtschaft nur langsam eintreten
wird, ist unzweifelhaft. Die Zukunftsprognose des
deutschen Gastwirtsgewerbes ist deshalb auch bezüglich
 der Besserung aus Hebung des Fremden-151


zerkehrs nicht so rosig. Es fehlt sogar mehr als in
ıllen sonstigen Wirtschaitszweigen der ersehnte
Silberstreifen am Horizont“.
Verbleibt hiernach als letztes Hilfsmittel die Verälligung
 der Zinssätze des Leihkapitals. Hieraus
vürde eine Erleichterung der Lage für ein so kapitalırmes
 und auf Leihkapital angewiesenes Gewerbe,
vie es das Gastwirtsgewerbe unfraglich ist, sicherich
 erfolgen. Daß aber eine fühlbare Senkung der
eihzinssätze, losgelöst von einer allgemeinen Verninderung
 der Zinshöhe, partiell im Gastwirts-‚ewerbe
 eintritt, ist unwahrscheinlich und so wird
nan auch auf diese Hoffnung für eine nahe Zukunft
ıicht viel bauen können. —
Die Lage des Gast- und Schankstättengewerbes ist
ılso sowohl in der Gegenwart als .auch für absehbare
nd zukünftige Zeiten wenig Erfolg versprechend.
Im so mehr wird es Hilfe und Unterstützung bei denanigen
 Gewerbezweigen suchen und finden wollen,
:ie mit ihm in einer volkswirtschaftlichen Kette ver=-wnden
 sind. Das Brau- und das Gastwirtsgewerbe
ınd besonders Brauerei und Schankstätten sind
regenseitig aufeinander angewiesen. Sie sind natüriche
 Bundesgenossen, die sich selbst helfen, wenn
ie den anderen stützen. Ein blühendes Braugewerbe
‚jedarf eines gesunden Gastwirtsstandes zum Absatz
einer Erzeugnisse und gerade das kapitalarme Gastvirtsgewerbe
 hat ein Interesse an einer gesunden und
sistungsfähigen Brauindustrie. Durch Zusammenıalten
 und Zusammenarbeiten dieser beiden Geverbezweige
 wird es hoffentlich dem deutschen
jastwirtsgewerbe gelingen, aus dem Zustande eines
zurückgebliebenen, schlecht rentablen Kleingewerbes
len Anschluß an die moderne Entwicklung der deutschen
 Volkswirtschaft zu finden.