IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber,
ständigen Mälzereien und 2462 in der Malzextraktherstellung
 und Eisgewinnung Beschäftigte, die man
ohne weiteres mit zum Braugewerbe hinzuzählen
kann, da sie fast ausschließlich für Brauereien
arbeiten. Der Mälzereiprozeß ist ja auch tatsächlich
nur ein Teil des eigentlichen Brauprozesses. Danach
verdienten im Jahre 1925 92972 Personen ihr Brot
im unmittelbaren Dienst der Brauindustrie. Bei der
zu gleicher Zeit veranstalteten Berufszählung ergab
sich abweichend hiervon das folgende Bild:

189
Hiernach betrug die Zahl der in den deutschen
3rauereien, Mälzereien und Bierniederlagen beschäftigten
 Vollarbeiter:
1886 51 600 1908 113 008
1887 61 562 1909 118 716
1888 63 518 1910 118019
1889 52 199 L911 121 215
1890 65 669 1912 124 010
1891 56 205 1913 124 833
1892 68 631 |914 110307
1893 70 131 1915 87 570
1894 . 72274 1916 77 380
1895 . 83 023 97, 65 239
1896 . 82416 1918 62 530
1897 . 91 825 1919 , 77 040
1898 . 94 128 1920 68 377
1899 . 26.750 1921 . . 70 659
:900 . 29737 1922 . . . 73082
1901 . . „03 106 1923 . etwa 54000
1902 . . 108 472 1924 . . . 69832
1903 . . . 109018 1925 . . . 81459
1904 . . . 111979 1926, . . 84508
1905 . . . 110237 1927 . . . 87097
1906 . . . 114271 ; 1928 . 90 761
1907 2. 2. . 111684

Erwerbstätige in Brauereien, Mälzereien und Eisgewinnung,

männl.

weihl.

Zusammen

Selbständige ............ 3 8834 263 4097
Angestellte ...........0.. 14518 2289 16 757
ATDEIE era 72 354 4910 77 264
Mithelfende Angehörige .. , 980 202 432
Frwerbstätige insgesamt | 90936 7614 | 98550

Die nicht unerhebliche Differenz von rund 6%
zwischen den‘ Ergebnissen der gleichzeitig stattgefundenen
 Betriebs- und Berufszählung erklärt sich
in der Hauptsache daraus, daß bei der Betriebszählung
 nur die am Stichtage tatsächlich Beschäftigten
 erfaßt worden sind, bei der Berufszählung
 hingegen alle diesem Wirtschaftszweige zugehörigen
 Arbeitnehmer, mithin auch die am Stichtage
 Erwerbslosen.
Für die übrigen Jahre, ausgenommen 1907, in dem
ebenfalls eine Betriebs- und Berufszählung stattfand,
ist es außerordentlich schwer, einigermaßen zutreffende
 Zahlen zu ermitteln. Auch die Statistiken
der Gewerkschaften bieten keine brauchbaren
Unterlagen, da sie die im Braugewerbe relativ stark
vertretenen. Unorganisierten nicht erfassen.
Bedingt brauchbar und geeignet, die Entwicklungstendenzen
 aufzuzeigen, sind aber die Unterlagen
 der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft,
 obwohl sie nicht durch eine Personenzählung
gewonnen werden, sondern fiktiv sind. Die Errechnung
 geschieht fölgendermaßen: Die Summe der im
Betriebe im Jahre geleisteten Arbeitstage geteilt
durch 300 ergibt die Zahl der Vollarbeiter. Durch
diesen Berechnungsmodus wird unter Ausschaltung
der saisonmäßig bedingten Schwankungen der
Arbeitnehmerzahlen ziemlich genau. die Durchschnittsbeschäftigungszahl
 getroffen. Der erfaßte
Personenkreis umfaßt alle im technischen Betriebe
beschäftigten Arbeiter und technischen Angestellten
(einschließlich der leitenden). Nicht einbegriffen sind
also nur die ausschließlich mit rein kaufmännischer
Tätigkeit Beschäftigten*). Diese so errechneten
Zahlen dürften der Wirklichkeit ziemlich nahe
kommen, so daß wir sie unbedenklich unseren Betrachtungen
 zugrunde legen können.

Da die Nachkriegszahlen sich auf das durch die
jebietsabtretungen verkleinerte Reichsgebiet beziehen,
 sind bei einem Vergleich mit den Vorkriegszahlen
 diesen entsprechend dem Absatz der verorengegangenen
 Brauereien etwa 4% abzuziehen.
Wir sehen in der Vorkriegszeit — gleichlaufend
nit der Bierproduktionskurve — ein ziemlich kon-;tantes
 Anwachsen der Beschäftigtenzahl, das nach
jem Deutsch-französischen Kriege besonders lebhaft
änsetzte. In den Kriegsjahren 1914—1918 ging aus
jekannten Gründen — die Höchstarbeiterzahl wurde
m Jahre 1913 mit 124833 erreicht — die Zahl der
\rbeitnehmer natürlich immer mehr zurück. In den
«rsten Nachkriegsjahren ist die Entwicklung noch
lurchaus uneinheitlich.‘ Im Jahre 1919 erfolgte zu-Mchst
 ein unverkennbarer Aufschwung, und zwar aus
‚weierlei Gründen. Infolge der Rückkehr der Front-;oldaten
 trat eine . Belebung des Bierkonsums
in; vor allem aber lösten die Brauereien ihr
ichon in den ersten Kriegsjahren gegebenes Ver-.‚prechen
 ein, alle ihre ehemaligen Arbeitnehmer
»ji ihrer Rückkehr aus dem Felde wieder einustellen.
 — Aber schon im Jahre 1920 trat ein
lückschlag ein, dem 1923 nach einer langsamen Erıolung
 in den Jahren 1921/22 ein zweiter, weit
:cChärferer folgte. Die Gründe liegen hier in den
(bsolut anormalen Verhältnissen der höchsten Inlation
 und des Ruhreinbruchs. Vom Jahre 1924 ab
st die Arbeitnehmerzahl erfreulicherweise in einem
;tändigen Ansteigen begriffen und hat im Jahre 1928
nit 90 761 rund 75 % des Vorkriegsstandes erreicht.
Diese Entwicklung entspricht auch im großen und
ranzen der der Bierproduktion.

*) Gemäß $ 539b RVO. werden ab 1. Juli 1928 auch die kauf-Männischen
 Angestellten einbezogen.