IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber.
C. Der Altersaufbau der Brauereiarbeitnehmerschaft,
 ;
Über die Altersgliederung der Brauereiarbeitnehmerschaft
 fehlten bisher einigermaßen genaue
Unterlagen vollständig, so daß sich die irrigsten
Meinungen verbreiten konnten. Insbesondere wurde
von Abstinentenseite immer wieder behauptet, daß
der regelmäßige Biergenuß der Brauereiarbeiter ihre
Arbeitskraft mindere und zu einem vorzeitigen Ausscheiden
 aus dem Arbeitsprozeß führe. Der Deutsche
Brauer-Bund hielt es deshalb für seine Pflicht, durch
eine entsprechende Umfrage bei seinen Mitgliedern
zu versuchen, zuverlässiges statistisches Material
in dieser Frage zu beschaffen. Der Versuch führte,
wie die untenstehende Tabelle zeigt, zu einem vollen
Erfolg. Trotz der für die Brauereien mit der Beantwortung
 der Umfrage verbundenen beträchtlichen
 Arbeit konnten insgesamt 61619 Brauereiarbeitnehmer
 erfaßt werden, das sind rund zwei
Drittel der nach der gewerblichen Betriebszählung
vom Jahre 1925 in den deutschen Brauereien und
Mälzereien Beschäftigten. Zieht man in Betracht,
daß sämtliche Großbrauereien die erbetenen Unterlagen
 zur Verfügung gestellt haben und die nicht erfaßten
 Brauereiarbeitnehmer durchweg den kleinen
und kleinsten Brauereien angehören, in denen der
Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer erfahrungsgemäß
 ein höherer zu sein pflegt als in den großen
Betrieben, so kann man aus dem gewonnenen
Resultat unbedenklich den Schluß ziehen, daß das
ermittelte gute Ergebnis unbedingt zuverlässig ist
und bei Erfassung sämtlicher Brauereien noch
zünstiger sein würde.
Die folgende Tabelle spricht für sich und bedarf
wohl kaum einer näheren Erläuterung, nur möchten
wir noch besonders auf die auffallende Konstanz der
Beschäftigtenzahlen der Arbeiter in den Altersklassen
 vom 30. bis zum 59. Lebensjahre hinweisen.
Es wird hiermit die von Arbeitnehmerseite gelegentlich
 aufgestellte Behauptung widerlegt, daß die
Brauereien ihre noch arbeitsfähigen Arbeitnehmer
dereits gegen Ende der dreißiger Jahre entließen, um
dafür jüngere Kräfte einzustellen.
Der Altersaufbau der Brauereiarbeitnehmerschaft,
Ermittelt durch eine Erhebung des Deutschen Brauer-Bundes
vom November 1928

191

Arbeiter
männlich ! weiblich

_Angestellte
männlich | weiblich

| % | | °% | % | | 9
Übertrag ! 18 030 |29.2 1 13 448128,6 '1204/41,8 | 2 490 j24,8 | 868 64,6
30 bis 39 | | |
Jahre |12570 0,41 9439 120,0! 664.22,8 | 2 124 lan 343| 25,0
40 bis 49 ı ; ;
Jahre |1ı2872 [20,91 9907 10 538l18,8 12 339 laa,7 | 93] 6,8
50 bis 59 | ;
Jahre |12060 19,71 9486 20,2 | 372112812160 [21,0| 42 8,1
50 bis 64
Jahre | 3967 6.4) 3 159 ‚6r7| oo! 3,11 714] 6,9 4] 0,4
55 Jahre .
ı. darüb. | 2120 3,4] 1607| 3,51 50l 7] 461| 45] 2) 0,1
Zusamm. | 61 619 | 100 [47 046 | 100 /2918! 100 110 288] 100 11372! 100

IM. Die Arbeitnehmerorganisationen der Brauindustrie.

Als der Umwandlungsprozeß vom Handwerk zur
adustrie auch im Braugewerbe einsetzte und zur
Vergrößerung der Betriebseinheiten mit größerer
\rbeitnehmerzahl führte, entstanden die ersten
Jrganisationsansätze. Allerdings hat es Brauer-‚esellenvereine
 schon vorher gegeben; diese hatten
neist die Form von Unterstützungsvereinen, neben-1er
 dienten sie meistens auch noch Geselligkeits-‚wecken.
 Authentisches Quellenmaterial ist aus jenem
Zeitraum nur recht spärlich vorhanden. Im Jahre
831 gründeten z. B. die Erlanger Brauergesellen
inen Verein, und zwar zunächst auf rein geselliger
3asis; im Jahre 1843 wurde er in einen Unter-;tützungsverein
 umgewandelt. Erst die Entstehung
nodern eingerichteter Brauereien auf kapitaistischer
 Grundlage mit der durch die zunehmende
Arbeitsteilung bedingten scharfen Trennung
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ließ den
Jrganisationsgedanken zum Zwecke der Erreichung
yesserer Arbeitsbedingungen reifen. Diese Entvicklung
 begann nach dem Deutsch-Französischen
Kriege 1870/71 und setzte verstärkt ein in den
'ahren des Sozialistengesetzes. In damaliger Zeit
ühlten sich die Brauergesellen noch: stark als eine
)jesondere Berufsklasse gegenüber den sonstigen
\rbeitnehmern, insbesondere den ungelernten Hilfsırbeitern.
 Infolgedessen umfaßten die ersten Organi-;ationsformen
 nur die eigentlichen Brauer; die unzelernten
 Kräfte standen damals noch außerhalb der
Irganisationsbestrebungen. Mit der Einführung der
Arbeiterschutzgesetze, wie der Invaliden-, Unfallınd
 Krankenversicherung, wurden die noch bestehenden
 Unterstützungsvereine überflüssig und
verschwanden allmählich. Eine entscheidende
Wendung trat mit der Gründung des Berliner Bierjrauergesellen-Vereins
 im Januar 1885 ein. Dieser

Arbeitaehmer

insgesamt
7

davon
_ Arbeiter ] Angestellte
männlich | weiblich männlich | weiblich

Alter

‚= I |—
9% | 9

„| 17

.

unter
20 Jahren |
20 bis 29 ,
Jahre hs 175 124,6 {11 332 124,1 |1028'85,3 [ 2 060 |20,1 | 755 | 55,0
sy St m
Übertrag | 18 030 [29,2 [13 448 128,6 |1204141,3 | 2 490 124,8 | 888 64,6

T
zn

2855 | 46 2116 45 ı76l 6.01 430] RP 9,6