IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber, 195
bester Kunde-ist. Ein weiterer Grund liegt darim ndustrien eingetretene Änderung des Lohnsystems
daß kaum ein anderes Gewerbe durch‘ etwaige rfolgte in den‘ Jahren 1880—1890.- In den .Mittel-Streiks
 und Arbeitsniederlegungen so empfindlich nd Großbetrieben herrschten um diese Zeit noch
wie die Brauindustrie getroffen werden kann.. Die Monatslöhne,. in den Kleinbetrieben Wochenlöhne
Bierherstellung kann als ein Naturprozeß nicht be- or. Das System der monatlichen Entlohnung
liebig unterbrochen werden, auch ist das fertige Bier, vurde dann immer. mehr aufgegeben; bereits um die
abgesehen von dem durch‘ besondere Maßnahmen ahrhundertwende bestanden fast nur noch die heute
haltbar gemachten Exportbier, keine sogenannte n der Brauindustrie ‚allgemein üblichen Wochen-Stapelware.
 Die Wirte benötigen stets frisches Bier Öökne. Mithin bilden in der Brauindustrie die Zeitund
 können in der Regel schon aus Raumgründen sich Öhne, und zwar seit mehreren Jahrzehnten die
in Gefahrenzeiten keine größeren Reserven halten. WVochenlöhne, die Regel. In Akkord wird nur in
Während bei den meisten Waren in Streikfällen der Ausnahmefällen und auch dann wohl nur von Hilfs-Bedarf
 angestaut wird, d. h. bei Wiedereinsetzen ırbeitern gearbeitet.
der Lieferung durch einen entsprechend größeren Bis zum Kriegsausbruch stiegen die Löhne ent-Absatz
 der vorübergehende Ausfall wieder ziemlich ‚prechehd dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung
ausgeglichen wird, ist dies beim Bier aus nahe- ;chnell zu beträchtlicher Höhe an. Die im Sommer
liegenden Gründen nicht der Fall. Es ist daher wohl .914 (Juni) erreichte Lohnhöhe an den bedeutendsten
zu verstehen, daß die Brauereien, um Arbeits- 3rauorten ist aus nachstehender Tabelle ersichtlich,
konflikte zu vermeiden, die einen nicht wiederauf- lie weiterhin die wichtigsten Etappen der Nachzuholenden
 Verlust bringen, bis zur Grenze des Mög- kriegslohnbewegung aufzeigt:
lichen den Wünschen der Arbeitnehmerschaft ent- Die Entwicklung der Brauerelarbeiterfönne in den Großstädten
gegenkommen. Ein dritter wesentlicher Grund liegt über 100 900 Einwohner,
ferner darin, daß die Brauindustrie in ihrer modernen
Form eine mehr kapitalintensive als arbeitsintensive
Industrie ist, der Lohnkostenfaktor bei ihr daher
relativ gering ist. Anderenfalls wäre es nie und
nimmer möglich gewesen, die ständigen Lohnsteigerungen
 durch Rationalisierungs- und Sparmaßnahmen
 zu kompensieren, da der Bierpreis für lange
Zeitperioden stabil bleiben muß. Eine jede Bierpreiserhöhung,
 die eigentlich nur“ nach Biersteuererhöhungen
 vorgenommen werden mußte, wirkt eriahrungsgemäß
 in empfindlichster Weise auf den
Absatz. ; ;
Vor der Entwicklung zur modernen Brauerei war
es durchweg üblich, daß die Brauergesellen auf dem
Brauereigrundstück wohnten und auch dort ihre
Kost erhielten, denn das damalige im Verhältnis zum
aeutigen noch primitive Brauverfahren machte eine
ständige Anwesenheit der Belegschaft notwendig.
Der Lohn war infolgedessen in der Hauptsache ein
Naturallohn. Nach einer Erhebung des Allgemeinen
Brauerverbandes betrugen im Sommer 1885 die
Löhne ohne Kost 65 bis 102 M. monatlich. Wo
— wie es damals vielfach noch der Fall war — freie
Kost und Logis gewährt wurden, schwankten die
Wochenlöhne zwischen 5 und 8 M. Es ist aber dabei
nicht außer acht zu lassen, daß damals der Geldwert,
zemessen an der Kaufkraft, ein weit höherer war.
Wo Wochenlöhne bestanden, erfolgte die Auszahlung
 in der Regel am Sonntag im Anschluß an
das Mittagessen. Nach der Umstellung zum
moderhen Brauereibetrieb war infolge der hochentwickelten
 Brautechnik ein Wohnen in der
Brauerei selbst nicht mehr notwendig. Die Löhne
wurden daher in reine Barlöhne umgewandelt.
Diese im Braugewerbe später als in den übrigen

Ar “——— aa

36,48 | 34,56
55,50 | 49,50
62,— ] 55,—
s6.60| 51,—
32,— 55,80
59,50 53,55
ö2,— 35,80
50,75 54,70
50,— 4,—
56,— 50,40
31,50 57,50
W,— "b—
')— 56,—
'9,— 56,—
O,-— B56,—
‘7,— 51,30
57,— 50,75
39.50 ' 56,50