4. Der Braumeister.
Von Generaldirektor Reinhardt, Leipzig, Präsidialmitglied des Deutschen Bräuer-Bundes, E.V.

Die Bierbrauerei war im frühen Mittelalter ein Teil
der häuslichen Arbeiten der Frauen. Neben dem
Schlachten, Kochen und Backen lag ihnen auch das
Brauen des Metes aus Honig und später das Brauen
des Bieres aus gemälztem Korn ob. Das blieb so.in
den nordischen Ländern Europas bis zu dem Anfang
des vorigen Jahrhunderts und die Hausfrau war oft
stolz auf ihr gutes Bier. Als
sich dann die Klöster hoben,
gehörte die Bierbrauerei zum
Betrieb der Landwirtschaft des
Klosters. In den neugegründeten,
 damit freilich noch kleinen
 Städten wurde anfangs
auch erst in den einzelnen
Haushaltungen Bier gebraut,
später aber entwickelte sich
die Bierbrauerei dahin, daß für
alle Bürger eine eigene Braustätte,
 ein besonderes Sudhaus
errichtet wurde, wo die einzelnen
 Bürger ihr Bier brauten
und es dann in ihren Kellern
weiter vergären ließen und
lagerten. Hier war zuerst der
„Braumeister“ tätig. In den
Klöstern wurde einem besonderen
 Frater die Herstellung
des Bieres übertragen, und
ganz besonders dort wurde im
Laufe der Jahre die Braukunst
auf eine hohe Stufe gebracht.
Im weiteren Lauf der Zeit wurde neben den Städtebetrieben
 die Bierbrauerei bei der Landwirtschaft ein
besonderer Nebenbetrieb. Auch hier war ein Braumeister
 tätig, er war kein selbständiger Handwerksmeister,
 wie in den anderen Gewerben. Wohl hatte
er zünftige Lehre durchgemacht und als Geselle in
verschiedenen anderen Brauereien gearbeitet, aber
daß er das Bier auf eigene Rechnung einsott und ver&lt;
Kaufte, war noch nicht der Fall; erst sehr viel später
im achtzehnten und im Beginn des neunzehnten
Jahrhunderts traten selbständige Brauereibesitzer
auf, die das Gewerbe, ähnlich Handwerksmeistern,
auf eigene Rechnung betrieben. Diese nannten sich
Braumeister, wie dies auch vielfach noch im vorigen
Jahrhundert geschah. Der berühmte „Brauereibesitzer
 Anton Dreher in Wien nannte seinen ersten
technischen Beamten Brauführer, er selbst war der
Braumeister. Von der Mitte des vorigen Jahrijunderts

 an war der selbständige gewerbliche Betrieb
ler Bierbrauerei die Regel. Die Kommunbrauerei,
lie an einer Braustätte für Rechnung der Bürger
yraute — später kam auch die Gärung und Lagerung
lazu — trat mehr zurück. Die Biere der Brauereien
verschiedener Städte, wo besonders tüchtige Brauneister
 tätig waren, gewannen oft einen bedeutenden
Ruf. Häufig war es die Tätigkeit
 eines Mannes, die den
Ruf der Stadt als Bierstadt
begründete. So war es in
Pilsen der aus Bayern gezürtige
 Braumeister  Blechl.
im 16. Jahrhundert war in
Hamburg, später in Danzig die
3Zrauerei wegen ihres Produk-‚es
 hoch angesehen. Das Bier
wurde durch ganz Deutschland
ınd nach Übersee versandt.
Auch die Stadt Einbeck hat
viel Jahrhunderte lang wegen
.hres Bieres einen großen Ruf
zenossen. Der Name Bockbier
&lt;ommt von Einbeck’ her. Auch
ı1och andere Städte konnten
hr Bier weiter durch Deutsch-‚and
 verfrachten und machten
den örtlichen Kommun- und
anderen Brauereien großeKonkurrenz,
 auch die Gutsbrauerei
konnte häufig viel bessere
Geschäfte machen, als wie
lie Städtebrauereien, in deren Gegend sie lag.
In all diesen Brauereien wuchs nach und nach ein
Braumeisterstand ;
ıeran, dessen Mitglieder oft wegen ihrer Braukunst
ıoch geschätzt wurden. Dem Braumeister &amp;tanden
‚amals nicht im geringsten die jetzigen Hilfsmittel
ler Wissenschaft und der Technik zur Verfügung,
»s war ein reiner Handbetrieb. Damals kam es
adiglich auf das Sehen, das Schmecken und das
liechen des Braumeisters an, allerdings wurden
ahrhundertalte Erfahrungen immer wieder nutzıringend
 verwandt. Neue Erfahrungen fanden ihren
Veg in die Brauerei, da die jungen Brauer häufig
vechselten, um sich auszubilden. In den 60er und
'Oer Jahren galt Wien als der Vorort der Brauerei,
jann traten später München, Pilsen, Nürnberg, Kulmyach
 und in den letzten Jahren Dortmund als beson-Benno

 Scharl.
Geb. 6. Juni 1741, gest. 2. März 1812,