Generaldirektor Reinhardt, Leipzig:
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ders berühmte Biererzeugungsstädte in Erscheinung. &lt;Jang bei der Bevölkerung, so daß schließlich vor
Wie hoch aber trotzdem die Empirik der Braumeister lem Kriege ein Umsatz von 65 Millionen Hektoliter
schon gediehen war, zeigen Veröffentlichungen aus rreicht wurde. In der ganzen Welt, wo untergäriges
früheren Zeiten. Ich weise dabei auf das Buch des aus- 3ier verlangt wurde, mußte der deutsche Braumeister
gezeichneten Braumeisters und früheren Kloster- lies brauen. Auch die neuerstandene große südiraters
 Benno Schar] hin. Die darin erwähnten ımerikanische Brauindustrie beruht auf der Tätigkeit
praktischen Grundsätze für die Brauerei, gelten heute ({eufscher Braumeister. In den Schulen zeigte sich,
noch genau so wie zu seiner Zeit. Noch heute wird aß neben einer bescheideneren, wissenschaftlichen
in der ganzen Welt, wo untergäriges Bier gebraut Ausbildung bald auch Wert auf eine höhere Auswird,
 nach diesen Regeln verfahren. Die Brau- ildung gelegt wurde, die schließlich den Studierenmeister,
 die besonders gutes und haltbares Bier her- Ien das Diplom als Brauerei-Ingenieur einbrachte.
stellen konnten, waren außerordentlich gesucht und Dabei ist es aber das eigentümliche, daß ohne eine
wurden in den 50er, 60er und 70er Jahren des ganz besonders eingehende praktische Ausbildung
vorigen Jahrhunderts, ja bis der Braumeister auch heute
heute, mit hohen Bezügen an- keineswegs in der Lage ist,
gestellt. Der Braumeister war ein rationell hergestelltes gutes
immer der höchstbezahlte Be- und haltbares Bier, das einen
amte des Betriebes. entsprechenden Nutzen ab-Das
 Brauen glückt aber wirft, zu brauen. Noch heute
trotz aller Vorsicht und aller gilt das Wort des bayerischen
Kenntnisse nicht immer. Den- Brauherrn an seinen neuen
kende Brauer suchten darum Braumeister aus dem Beginn
mit der Wissenschaft Fühlung des vorigen Jahrhunderts:
zu nehmen, und zuerst in „A guts Bier mußt brauen,
Bayern, dem Hauptbierland aber a rentabeles, wo was hervon
 Deutschland, fand die ausschaut, dös ist die Haupt-Wissenschaft
 Eingang im sach.“ Immer noch ist die
Brauereibetrieb. Wenn die Praxis und die dadurch ge-Wissenschaft
 auch, wie ich wonnene Empirik die Hauptschon‘
 oben ausgeführt habe, grundlage der Tätigkeit des
die Regeln der Herstellung Braumeisters; noch heute muß
nicht beeinflußt und geändert er fein ausgebildete Sinne behat,
 so wurde doch der Be- sitzen, um den Betrieb erfolgtrieb
 bedeutend rationeller, reich führen zu können. Wohl
man erkannte die Krankheiten hat die Wissenschaft die
des Bieres und erforschte die Kenntnisse der Vorgänge und
Rohmaterialien. Mit der Kennt- die Kenntnisse. der Rohmatenis
 der Zusammensetzung rialien und damit die Bierder
 Rohmaterialien trat eine brauerei ganz gewaltig gegrößere
 Sicherheit in der Bierherstellung ein. Durch ‘Ördert, aber noch lange Jahre wird es Braumeister
die Einführung der Kältemaschine war es möglich, zeben müssen, die neben der eingehenden wissendas
 ganze Jahr über Bier zu braten, während man ichaftlichen Ausbildung sich eine große Empirik anvorher
 meistens nur in den Wintermonaten gebraut reeignet haben, um erfolgreich die Betriebe leiten zu
hatte und das Bier dann bis zum Herbst ausschänkte. ‚Önnen.
Der Braumeister mußte sich mit all diesen neuen Er- Nach dem Aufschwung der Brauindustrie in den
“ungenschaften beschäftigen und sie sich zu eigen "0er Jahren fanden Sich die Braumeister und Malzmachen.
 Wissenschalftliche Stationen entstanden in neister in Vereinigungen zusammen. 1887 wurde ein
München, Weihenstephan, Nürnberg, Hohenheim und ieutscher Braumeisterverein mit dem Sitz in Pots-Berlin.
 Wissenschaftliche Schulen wurden in Weihen- ilam und bald darauf ein gleichartiger Verein, der
stephan, Berlin, Worms, Augsburg, München und an nehr die süddeutschen Braumeister zu seinen Mitverschiedenen
 anderen Plätzen gegründet. Nach rliedern zählte, in Ravensburg gegründet, Beide
ainer mehrjährigen Praxis besuchten die Brauer diese /ereine hatten die Hebung .des Standes, vor allen
Schulen und wurden dort unterwiesen. Wenn auch Dingen aber die Fürsorge für ihre Mitglieder und
einzelne, besonders gutgeleitete und gut eingerichtete ‚eren Hinterbliebenen im Auge. Im Jahre 1893 be-3rauereien
 hervorragende und haltbare Biere schon chloß eine Kommission dieser Vereine, sie zu ver-[rüher
 erzeugt hatten, so hob sich jetzt allgemein die inigen. An die Spitze dieser Vereingung wurde der
Qualität und das Bier fand immer mehr großen. An- erewigte Kommerzienrat Reinhardt in Leipzig be-202

