6, Die Nebenprodukte der Bierbrauerei.
Von Professor Kurt Trautwein, Weihenstephan.

Beim Mälzerei- und Brauprozeß fallen eine Reihe
von Nebenprodukten an. Als solche sind in erster
Linie zu nennen: Malzkeime, Malzauspütz, Biertreber,
 ausgebrauter Hopfen, Hefe und Kohlensäure.
Sie stellen zum größten Teil hochwertige Genuß-,
Nähr- und Futtermittel dar, zum Teil finden sie in der
Therapie und zu anderen Zwecken Verwendung. Wie
groß ihre wirtschaftliche Bedeutung ist, geht allein
aus der Tatsache hervor, daß in jüngster Zeit in fast
allen bierbrauenden Ländern industrielle Anlagen entstanden
 sind, die sich mit großem Erfolg mit der Verarbeitung
 und Veredelung dieser Produkte beschäftigen.
 Im folgenden soll versucht werden, einen
kurzen Überblick über das Wesen und den Wert
lieser Produkte zu geben.

Malzkeime. -
Die gekeimte Gerste wird bei der Malzbereitung auf
ler Malzdarre getrocknet. Die zarten Würzelchen
des Keimlings fallen dabei von selbst ab oder werden
2achträglich in geeigneten Apparaten entfernt, gesammelt
 und kommen allein oder auch vermischt mit
anderen Malzabfällen als Futtermittel in den Handel.
Je nach der Art des hergestellten Malzes ist ihre
Yarbe heller oder dunkler und ihr aromatischer Geruch
 schwächer oder stärker. Am geschätztesten sind
m Handel Malzkeime von möglichst heller Farbe, da
sie nährstoffreicher und verdaulicher sind als dunkle,
stark erhitzte. |
Mit Vorliebe werden sie wegen ihrer anregenden
Wirkung als Kraftfuttermittel an Milchkühe verjüttert,
 denen man bis zu 3 kg pro Tag und Kopf, am
vesten eingeweicht, verabreicht. Auch werden sie
mit großem,wirtschaftlichem Erfolg bei der Mast von
Rindern, Ochsen und Schweinen angewendet. Schafen
und Pferden reicht man sie trocken.
Man findet in den gedörrten Malzkeimen durch-Schnittlich
 22—25 % Rohprotein, 1—2 % Fett, 40 bis
15 % stickstoffreie Extraktstoffe, 12—13 % Rohfaser,
 7—8 % Aschebestandteile und 10—12 %
Wasser. Der Stärkewert beträgt 42. (Unter Stärkewert
 eines Futtermittels versteht man die Zahl, die
den Nährwert des Futtermittels angibt, wenn der
Nährwert von wasserfreiem Stärkemehl == 100 gesetzt
 wird.)
Der physiologische Wert der Keime liegt in dem
hohen Gehalt an Eiweiß und Kohlehydraten, daneben
xommt ihnen, wie schon erwähnt, eine diätetische
Wirkung zu. Die graphische Darstellung der Abbildung.

 1 gibt uns ein Bild vom Nährwert der Malzkeime.
 Er ist verglichen mit dem der Weizenkleie,
aäinem anderen hochwertigen Kraftfuttermittel.

1
Malckpm


&amp; 1
Weizankleie
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Rohfett
ZZ Rohprotein
CD wasser

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“YO 80 60%

Ähh.

Unter Zugrundelegung eines Marktpreises von
3,50 RM. pro 100 kg hat Mach berechnet, daß bei
ler Verwendung von Malzkeimen die Stärkewert-:inheit
 24,1 Pf. und 1 kg Eiweiß 49,5 Pf. kostet. Die
ntsprechenden Werte für Weizenkleie sind 37,6 bzw.
%,2. Daraus geht hervor, daß die Keime nicht nur
in gutes, sondern auch ein sehr preiswertes Futternittel
 darstellen. So erklärt sich auch die lebhafte
Jachfrage nach ihnen von seiten der Landwirte.
Die Malzkeime finden seit Einführung des sogeı1annten
 Lüftungsverfahrens auch ausgedehnte Anvendung
 bei der Hefefabrikation. Sie werden dort
ler Maische zugegeben und sind wegen ihres hohen
3iweiß- und Salzgehaltes als treffliches Nährmittel
ür die Hefe sehr geschätzt. Dazu kommt, daß durch
lie Zugabe der sperrigen Keimlinge sich die Würzen
eichter abläutern lassen.
In letzter Zeit sind auch Nährpräparate mit einem
Aalzkeimgehalt für den menschlichen Genuß auf den
Markt gekommen. (Materna, Alentina usw.) Nach
len Versuchen von Rubner und Schittenhelm werden
lie Malzkeime vom menschlichen Organismus in
"ombination mit Hefemehl vorzüglich vertragen.
Durch die Mälzereien werden jährlich riesige Mengen
ıieses wertvollen Futtermittels an die Landwirtschaft
ibgegeben. Im Jahre 1928 wurden in Deutschland
schätzungsweise rund 12 Millionen Doppelzentner
jerste zu Malz verarbeitet. Nimmt man an, daß im
)urchschnitt an Malzkeimen 5% des Gerstenzewichtes
 anfallen, so betrug im genannten Jahre die
jesamtgerstenmalzkeimproduktion 600 000 Doppel-‚entner.
 Dieselbe stellt einen Wert von 8,1 Mill. RM.
lar unter Annahme eines Preises von 13,50 RM. pro
00 ke.