IV., 6. Die Nebenprodukte der Bierbrauerei, 215
kommt nach vollendeter Gärung nur ein Teil wieder Chemische Zusammensetzung von Hefe,
als Gärmittel für neue Würze in Verwendung, ein Trockene Bierhefeanderer
 beträchtlicher Teil wird in der Brauerei nicht (nach M. Kling)
mehr benötigt. Die Menge der von den deutschen
Brauereien im Überfluß erzeugten Bierhefen kann
zur Zeit auf 30 Millionen kg (abgepreßt) geschätzt
werden.
Diese Hefe lief früher als ein nicht verwertbares
Abfallprodukt in die Abwasserkanäle. Nur ein verschwindend
 kleiner Teil wurde zum Backen verwendet.
 Mit der Entwicklung der Preßhefeindustrie
ging aber der Verbrauch von Bierhefe zu Backzwecken
 mehr und mehr zurück. Die Zurückdrängung
 ist auf die unbestreitbaren Vorzüge der
Preßheie im Backverfahren zurückzuführen. Einfache
Backwerke lassen sich zwar auch mit frischer Bierhefe
 in durchaus zufriedenstellender Qualität herstellen,
 doch bei der Bereitung feinen Gebäckes erweist
 sich die Preßhefe als weit überlegen.

Heute ist die Brauereihefe ein sehr geschätztes
Nebenprodukt geworden. Man hat den qualitativ und
quantitativ hohen Nährwert der Hefe erkannt und sie
der Ernährung von Mensch und Tier zugeführt. Sie
Ändet Verwendung als hochwertiges Viehfutter, naß
oder getrocknet, sie ist in getrocknetem Zustand oder
in Form von Extrakten nicht nur ein begehrtes Nährund
 Genußmittel für den Menschen geworden,
sondern wird: auch infolge der ihr eigenen Heilwirkungen
 zu pharmazeutischen Präparaten verarbeitet.

Die Hefe ist so begehrenswert geworden, weil sie
besonders reich an Eiweiß ist, jenem physiologisch
und wirtschaftlich gleich wertvollen Stoff, und weil
sie einen großen Reichtum an Vitaminen aufweist,
deren Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit für die
menschliche und tierische Ernährung die Forschung
der letzten Jahre aufgezeigt hat. Nachfolgende
Tabelle gibt uns Aufschluß über die Zusammensetzung
 frischer und getrockneter Hefe, In Abbildung
 5 ist die getrocknete Hefe verglichen mit

Trocke
nach X

pp

» © Km)

BD

Dh

Kalbfleisch. Abbildung 6 zeigt uns, wie sich der
Eiweißgehalt verschiedener Nahrungs- und Futtermittel
 zu dem von Trockenhefe verhält.

1b. 6.

Die Hete als Viehfutter.
Die Bierhefe wird sowohl in frischer, nasser Form
ıls auch getrocknet verfüttert. Frische Hefe hat eine
sehr eng begrenzte Haltbarkeit und kann daher mit
/orteil nur in der Nähe des Produktionsortes als
7*uttermittel in Betracht kommen. Sie ist vor ihrer
Verwendung abzukochen. Die Hefezellen müssen
ıbgetötet werden, damit sie im Organismus des
Tieres nicht nachträglich Gärungserseheinungen hervorrufen.
 Sie eignet sich in erster Linie für die
Schweinemast. Man gibt zweckmäßig je nach Gewicht
 des Tieres (15—90 kg) 1—3 kg pro Kopf und
Tag und kocht sie zusammen mit Kartoffeln. Auch
ür Rindvieh ist sie zu verwenden in täglichen Gaben
‚on 15—20 kg für ein Stück. Die Tiere verweigern
ınfangs das eigenartig riechende und bitter
schmeckende Futter, fressen es aber später nach Gewöhnung
 sehr gern.
Wie schon erwähnt, ist frische Hefe leicht verderblich,
 sie wird daher zur Konservierung am besten getrocknet.
 In diesem Zustand ist sie, eine sachgemäße
Lagerung vorausgesetzt, fast unbeschränkt haltbar.
Zur Trocknung benützt man hauptsächlich Trommeltrockenapparate,
 die mit Dampf von 2,6 Atm. bzw.
138° C geheizt werden. Mehrere derartige Spezial-Mefetrocknungsapparate,
 die alle vorzüglich arbeiten,
sind auf dem Markte. Die Hefe kommt aus den Anlagen
 in Form von dünnen, gelblichbraunen Blättchen,
die sich durch angenehmen, brotartigen Geruch auszeichnen.
 Sie wird unter den Namen: Getrocknete
Bierhefe, Trockenhefe gehandelt.
Die getrocknete Bierhefe hat sich als Futtermittel
‚ür alle Tiere gut bewährt, besonders geeignet ist sie
als Schweinefutter. Man gibt diesen Tieren je nach
Gewicht (15—90 kg) 150—600 x Trockenhefe pro