216 Prof. Kurt Trautwein, Weihenstephan:
Tag und Kopf, am besten mit gekochten Kartoffeln
ınd etwas Gerstenschrot angebrüht. Mit Hefe er-1ährte
 Schweine zeichnen sich durch gute Fleischqualität
 aus. Milchkühen reicht man täglich 1—32 kg.
Der Fettgehalt der Milch wird dadurch erhöht. Im
Gemenge mit stärkehaltigen Produkten kann die
Trockenhefe bei Pferden bis zur Hälfte die Haferration
 ersetzen. So sind z. B. 150 g Trockenhefe und
700 g. Trockenkartoffeln 1 kg Hafer gleichzustellen.
Endlich kann man getrocknete Hefe auch als Futtermittel
 für Schafe in Mengen von 300 g pro Tag und
Stück und als Geflügelfutter, zusammen mit gezochten
 Kartoffeln, verwenden.
Die Hefen, Naß- und Trockenhefen, sind sehr leicht
verdaulich. Von dem hohen Eiweißgehalt werden
3ach Völtz von Pferden, Schafen, Schweinen im
Durchschnitt 88 %, von Hammeln sogar 95 % verlaut,
 die stickstoffreien Extraktstoffe sind zwischen
76 und 100 % verdaulich. Eine laxierende Wirkung
st nicht zu befürchten.

‘eitung von Suppen aller Art, von Tunken, Gemüsen,
Cartoffelspeisen, Nudeln, zur Herstellung von Keks,
ı1ahrhaften Schokoladen usw. verwendet werden. Ein
rroßer Vorzug liegt in der fast unbegrenzten Halt-‘arkeit,
 eine Eigenschaft, die die Nährhefe für- die
/erpflegung von Expeditionen usw. besonders ge-:ignet
 macht.
Jurch die Trocknung in den verhältnismäßig hoch
;rhitzten Trockentrommeln verändern sich natur-‚emäß
 manche Bestandteile der Hefe. Will man
dieses verhindern und insbesondere die Hefe lebend
rhalten, was für die pharmazeutischen Hefepräparate
ijelfach erwünscht ist, so wird die Trocknung bei
edrigen Temperaturen (35'—45° C) mit oder ohne
“akuum vorgenommen. Solche Hefepräparate sind
inter den verschiedensten Namen im Handel. Sie
verden vielfach von Ärzten verordnet als Heilmittel
v‚egen Hautkrankheiten aller Art, insbesondere
*urunkulose und Akne, außerdem auch gegen Tuber--ulose,
 Diabetes, Gonorrhoe, Skorbut, Brandwunden
ısW. Die Wirkung ist nach Auffassung verschiedener
\utoren eine bakterizide,
Hierher gehören auch die Vitamin-Hefepräparate.
‚üch bei ihnen muß darauf gesehen werden, daß die
fefezellen bzw. die in denselben sich befindlichen
/itamine bei der Trocknung möglichst geschont
werden. Zahlreich sind auch die Versuche, die man
nachte, um mittels Hefe Fisen, Arsen usw. dem
Organismus in möglichst aufnahmefähiger bekömmicher
 Form zuzuführen.

Hefe für die menschliche Ernährung.
Der große Nährwert der Hefe und nicht zuletzt
ihr auffallender Reichtum an Vitaminen hat dazu ge-‚ührt,
 die Hefe auch als Nähr- und Heilmittel für
Menschen zu verwenden. Ihr würziger Geschmack
gab: Veranlassung, aus Hefen Extrakte herzustellen,
die den bekannten Fleischextrakten fast ebenbürtig
 sind.
Als Nährhefe kommt ausschließlich Trockenhefe in
Frage. Zu ihrer Herstellung wird die beste Kernhefe
verwendet. Die der Hefe eigenen bitteren Stoffe
werden durch öfteres Waschen entfernt. Man verwendet
 dazu 1l%prozentige Sodalösung oder einprozentige
 Ammoniumkarbonatlösung, auch noch
andere Mittel sind hierfür im Gebrauch. Nach Auswaschung
 der Lösungen mit Wasser wird die Hefe
durch Dämpfen abgetötet und in Apparaten, wie sie
für Futterhefen verwendet werden, getrocknet. Die
Trockenhefe kommt als lichtbraunes Pulver von angenehmem
 Geruch und Geschmack in den Handel.
Ihre Zusammensetzung ist ähnlich der Trockeniutterhefe,
 Die Verwertung der Nährhefe durch den
menschlichen Organismus ist eine sehr gute. Baudrexel
 konnte feststellen, daß rund 90 % der organischen
 Substanz der Trockenhefe ausgenützt
werden, vom Eiweiß allein 80 %, vom Rohfett 70 %,
von der Rohfaser 40 % und von den stickstoffreien
Extraktstoffen 100 %. Nach dem Kalorienwert ist
| kg Nährhefe 3,1 kg Rindfleisch gleichzusetzen. Bei
einem Konsum von 20—40 g kann ein Drittel bis ein
Fünftel des Eiweißbedarfes eines Menschen gedeckt
werden. Nährhefe ist nicht nur leicht verdaulich,
sondern fördert auch den Verdauungsprozeß, regt
den Appetit an und ist daher Rekonvaleszenten und
Kindern besonders zuträglich. Sie kann zur Be-Hefteextrakte.


Die Beobachtung des an Fleischbrühe erinnernden
jeruches und Geschmackes der Hefeabkochungen
‚at Veranlassung gegeben zur Ausarbeitung von
rahlreichen Verfahren zur Herstellung von Hefe-‚Xtrakten.
 Diese haben eine ähnliche Zusammen-‚etzung
 wie die bekannten Extrakte aus Rindfleisch,
ıur fehlt ihnen Kreatin und Kreatinin, die in der Hefe
ıicht vorkommen. Die Verfahren zur Hefeextraktzewinnung
 sind sehr verschieden und stehen vielfach
inter gesetzlichem Schutz. Man kann im allgemeinen
zwei Methoden der Herstellung unterscheiden. Bei
ler einen Methode gewinnt man den Extrakt durch
Cochen der Hefe mittels Dampf, wobei die Hefezellen
um Platzen gebracht werden. Der herausfließende
Zellsaft wird abfiltriert und im Vakuum eingedampft.
Die andere Methode benützt hierzu das Autolyjerungs-,
 d. h. das Selbstverdauungsvermögen der
Jefe. Man mischt z.B. Hefe mit Wasser und ervärmt
 sie im geschlossenen Gefäß auf 48'—50° C.
Jach 24 Stunden hat sich die Hefe selbst verdaut. Sie
st bis auf die Zellmembranen von selbst flüssig gevorden.
 Die hochmolekularen Eiweißstoffe gehen
labei in einfache Körper: Albumosen, Amide, Amino-‚Äuren
 usw. über. Man filtriert die Flüssigkeit und