V., 1. Die Geschichte des Brauwesens.

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man dem Gotte Osiris die Erfindung des Bieres zuschrieb,
 und daß die blutdürstige Göttin Sechet, die
lie Menschheit ausrotten wollte, nur durch Bier besänftigt
 werden konnte. Ramses Ill. machte den
Tempeln etwa eine halbe Million Krüge Bier zum
Geschenk.
Stark sind die Kulturausstrahlungen des alten
Drients gewesen. Bis nach China im Osten bis zu
den keltischen Völkern im Westen und Norden soll
auch die Kenntnis des Bierbrauens von hier gedrungen
 sein. „Fruge madida‘, aus angefeuchtetem
Getreide, sagt Plinius, bereiten die Iberer und Gallier
ren Trank. Dramatisch wirkt die Erzählung des
Orosius, wie die von den Römern belagerten Numantiner
 (133 v. Chr.) bei ihrem letzten Liebesmahle
vor dem Untergange ihrer Stadt sich Mut zu ihrem
Verzweiflungskampf tranken.
In der griechisch-römischen Welt hat das
Bier nur in der Frühzeit eine Rolle gespielt. Das
‚östliche Klima der Mittelmeerländer begnadete die
Menschen mit der Göttergabe des Weines; die
Tränen des Dionysos sollen, so geht die Sage,
den Weinstock befruchtet haben. Den Sorgen-)recher
 des Weines gab er den Erdgeborenen. „Gott
Dionysos weinte, damit die Menschen nicht weinen
;ollten.“ Dafür bedeutet aber Nektar und Ambrosia
n der homerischen Zeit, wie die neuere verzleichende
 Sprachforschung annimmt, nichts anderes
ıls Emmerbier und Bierbrot, und der Weinzott
 Bacchus ist in der Älteren Zeit nach
&lt;. Stuhl, bevor der Wein der Griechen Volksgetränk
vurde, der Schirmherr der bierbrauenden Bäcker
Bakchos). Bei den Römern kam das Bier
wur für die untersten Volksschichten in Frage.
Nenig wissen wir über dasselbe. In einem
„‚ustspiel des Plautus wird erwähnt, daß bei
ien Festen der Zerealien' zu Ehren der Göttin
Zeres Bier geopfert und auch von den Opfernden
‚eichlich getrunken wurde, Nur in den Grenz-)rovinzen
 spielte das Bier eine Rolle. Aus dem
rroßen Preisregulativ des Diocletian (301 n. Chr.)
sönnen wir das Wertverhältnis zum Wein ersehen.
Nährend für den einfachsten Landwein 8 Denar per
AModius angesetzt waren, durften für ägyptisches
3ier nur 2 und für gallisches und pannonisches Bier
ıur 4 Denar gefordert werden. Wie über die Butter
ümpfte der Römer über das Bier verächtlich die
Yase. Beide waren ihm Attribute des Barbaren.
Ob auch die Braukunst der Germanen ihren Urprung
 aus dem alten Orient herleitet, oder ob sie
on den Kelten übernommen wurde oder gar schon
ıus der Zeit stammt, als Sumerer und Semnonen,
vie- verschiedene Philologen annehmen, noch ein
/olk bildeten, ist umstritten. Die Braukunst braucht
a auch gar nicht von einem anderen Volk überı1ommen
 zu sein. Die Natur, die ohne Zutun des
Menschen den Mehlbrei süß werden läßt. wenn das

Ägyptisches Grabrelief aus der Zeit der 5. Dynastie mit Darstellung
der Bierbereitung.

schnell zur Gärung bringen; so hatte der Soldat sein
Bier im Felde und war gegen die Gefahren des verseuchten
 Wassers geschützt. Von besonderem Interesse
 für die Technik ist die aus der Literatur des
babylonischen Judentums gemeldete Tatsache, daß
die Babylonier schon im 7. vorchristlichen Jahrhundert
 den Hopfen zum Brauen verwendeten.
Auch im alten Ägypten war Bier das Volksgetränk.
 Der Wein erschien nur auf der Tafel der
Wohlhabenden. Wertvoll sind uns besonders die
bildlichen Darstellungen der technischen Vorgänge.
Schon aus der Zeit der fünften Dynastie, also kurz nach
Erbauung der großen Pyramiden, zeigt uns ein Flachbild den
Werdegang des Bieres in allen seinen Abschnitten: da sehen
wir, wie die geweichte, gekeimte und an der Sonne gedarrte
Gerste von den Keimen befreit wird, wie sie in Mörsern gestampft
 und dann mit Wasser gemischt in einem Gefäß mit
Füßen durchtreten oder mit Händen bearbeitet wird, sehen,
wie die breiige Masse zu Broten geformt und über Feuer leicht
angeröstet wird. Weiter können wir das Zerkleinern und
Durchseihen der Brote im Wasser, das Ansetzen zur Gärung,
das Auspichen der Tonkrüge und das Abfüllen auf dieselben
deutlich erkennen,
Ob Hopfen verwendet wurde, wissen wir nicht,
wohl aber hat die neuere Forschung nachgewiesen,
daß auch eine Rautenart als Würzkraut die Stelle
des Hopfens einnahm. Im Haushalt der Familie,
im Studentenleben wie im kultischen Dienst hatte
das Bier seine hohe Bedeutung. So wird berichtet,
daß man den Kindern zwei Krüge Bier mit in
die Schule gab; Briefe von Vätern an ihre Söhne,
die in der Universitäts- und Bierstadt Pelusium
studierten, sind erhalten, mit Mahnungen, im Biergenuß
 wie in der Liebe Maß zu halten. Wie geschätzt
 das Bier in der Götterwelt war. beweist, daß