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Direktor Richard Knoblauch, Berlin:

xonsum. (Die Angaben über den Inhalt der Ham-Jurger
 Tonne von damals schwanken zwischen
[00 und 270 Liter.) Richtige gewerbliche Handelsbrauereien,
 die ganz auf den Export eingestellt
waren, betrieben die „Seebrauer‘, an deren
Leistungsfähigkeit große Anforderungen gestellt
wurden. Die „Landbrauer‘“ hatten den Innenbedarf
zu decken. Welche Rolle im Wirtschaftsleben Hamburgs
 das Bier spielte, wird dadurch gekennzeichnet,
daß im Jahre 1376 von 1150 gewerbetreibenden
Handwerkern 457 Brauer waren und daß von der Gesamtausfuhr
 damals etwa ein Drittel auf Bier entfiel.
So war Hamburgs Wohlstand ganz auf Bierausfuhr
gegründet, Auch im 15. Jahrhundert wahrte Hamburg‘
 noch seine Vormachtstellung. Im 16. Jahrhundert
 trat aber ein ständiger Rückgang ein.. Man
hatte im Ausland das Hamburger Bier nachzubrauen
zelernt, aber mehr noch lähmten Zollmaßnahmen und
Einfuhrverbote der Importländer den Hamburger
Bierhandel, so daß die Ausfuhr schließlich nur noch
30000 Tonnen betrug. Dagegen
hielt sich das Binnengeschäft und
auch der alte Bierruhm zunächst
noch auf der Höhe. Aus dem Em-Dorium
 des Bierhandels wurde ein
HMauptstapelplatz für Getreide.
Wie Bremen und dann Hamburg
im Bierhandel die Nordseeländer
beherrschten, so gewannen an der
Jstsee die Hansastädte Wismar,
Rostock, Stralsund und weiter Lübeck
 und Danzig große Bedeutung
als Exportplätze. Auch der Malzhandel
 spielte schon seit dem
12. Jahrhundert eine große Rolle.
War Hamburg das „Brauhaus“,
30‘ war Rostock das „Malzhaus
ler Hansa“.
Nicht geringeren Bierruhm als
die genannten Seestädte erwarb
sich auch eine Reihe von Städten
im Binnenlande. An ihrer Spitze steht Einbeck (ältere
Schreibweise Eimbeck). Sein Absatzgebiet reichte
von den Alpen bis zur Nordsee und bis zu den
Deutschordensstädten des Rigaischen und Finnischen
Meerbusens.
Das „Einbecker“ war ein Luxusbier, das dreimal so teuer
war als andere Biere. In Fürstenschlössern, auf Ritterburgen,
in Klöstern wie in den Ratsstuben, waf es als Festtrunk gleich
hochgeschätzt, Neben anderen Fürstenhöfen bezog die herzoglich
 bayerische Hofhaltung in München und Landshut ständig
seit 1553 Bier aus Einbeck, Da aber der Bezug des edeln
Stoffes auf die Dauer zu teuer wurde -—— die Fracht allein
betrug das Doppelte des an sich schon hohen Bierpreises —,
50 gründete Herzog Wilhelm V. 1558 in München das Hofbräuhaus,
 um dort das Einbecker nachzubrauen. Aber erst nach
langen Versuchen gelang das 1614 unter Mithilfe eines aus
Einbeck verschriebenen Braumeisters, So wurde das Einbecker
3ier der Urtyp des Münchener Bockbieres und dessen Name
zeht zweifellos auf die Bezeichnungen „Ainpöckisches Bier‘,
„‚Einbockbier“ zurück (bayer. Wörterbuch I, 204}

In verschiedenen Städten hatte Einbeck seine
‚genen Häuser mit „Spezialausschank“ wie man
eute zu sagen liebt, so in Hamburg, Wismar und
Aünchen, auch führten die Ratskeller vieler Städte
jeses beliebte Bräu. Im Geschmackscharakter mag
‚as Einbecker eine gewisse Verwandtschaft mit dem
ıglischen Ale gehabt haben. Nur war es viel
ohwerer, sonst hätte es nicht den meist sehr weiten
ransport ertragen können, war es doch auf dem
andwege nach München auf offenem Gefährt volle
rei Wochen unterwegs. Manche Abnehmer scheuten
brigens den weiten Weg nicht, um durch eigene Gevanne
 das Bier von Einbeck abholen zu lassen, um
.ur ja sicher zu sein, auch wirklich unverfälschtes
inbecker zu bekommen.
Zu den bedeutenden alten Bierstädten gehörte auch
'annover. Sein Aufschwung datiert vom Jahre 1526,
ıls der Hamburger Brauer Cord Broyhan eine neue
3ierart einführte. Im Hause eines Hannoverschen
irauers versuchte er Hamburger Bier zu brauen, ein
stark gehopiftes Gebräu aus
Gersten- und Weizenmalz. Das
Bier fand großen Beifall und
weite Verbreitung.
Welche wirtschaftliche Bedeutung damals
 ein begehrtes Bier für eine Stadt
hatte, kennzeichnet der begeisterte Ausruf
 des Herzogs Erich von Braunschweig,
als er von dem guten Einschlagen des
„Broyhan“ hörte: „Nun erfahre ich, daß
der liebe Gott meine Untertanen, die
Stadt Hannover, nicht verlassen will.“
Der Broyhan hielt seinen guten Ruf
länger aufrecht als die anderen berühmten
 Biere, so daß man in der Zeit des
Niederganges in sehr vielen Städten, sogar
 in Einbeck, ihn nachzubrauen suchte
Es würde zu weit führen, sich
hier mit den vielen anderen hervorragenden
 Bierstädten zu befassen,
 rühmend seien nur noch
hervorgehoben: Danzig, Zerbst,
Goslar (Gose), Braunschweig,
dessen Mumme alle schweren
Zeiten überdauert hat, Münster, Bernau, nicht zu verzessen
 Hildesheim, Lüneburg, Gardelegen (Garley),
Köstritz, Torgau und Naumburg. 133 mehr oder
ninder berühmte Biere beschreibt Heinrich Knaust,
Joktor beider Rechte, in seinen 1575 erschienenen
‘ünf Büchern:.
„Bon der Söttlihen und Sdlenn Sabe, der Yollofopbifdhen,
Dochtheweren und wunderbaren Kunft Bier zu brawen, Auch von
en Namen der vornehnıften. Biere, in gang Teutfhlanden und von
eren Naturen, Temperament, Yualitäten, Urt und Eigenfhaft“,
Der Titel allein und nicht minder der Inhalt
agen uns, welche Wichtigkeit man dem Bier als
jenuß-, Nähr- aber auch Heilmittel zuerkannte. Inrünstige
 Begeisterung packt Knaust bei der Bechreibung
 der besonders. berühmten Biere; seine
\usführungen sind so eigener Art, daß hier sein Lob
‚es Hamburger Bieres wiedergegeben sei:

Brauhaus ım Einbeck

vom Jahre 1550