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Direktor Richard Knoblauch, Berlin:
a

Spatenbräu 1812.
' Todell im Deutschen Museum zu München).

Krieg völlige Verarmung brachte, die Felder verwüstet
 lagen, ihr Ertrag auf ein Geringes gesunken,
der Getreidepreis ins ungeheure gestiegen, war eine
weitere Verdünnung und Qualitätsverschlechterung
des Bieres nur natürliche Folge. Zudem waren ihm
im Tee, Kaffee und Kakao, und weiter in dem mehr
und mehr aufkommendem Schnaps gefährliche
Nebenbuhler entstanden. Als Nahrungsmittel in
Form von Biersuppe, Bierbrei verlor das Bier bald
ganz seinen Wert, Kartoffel und Gemüse begannen
mehr und mehr diese zu ersetzen.
An Stelle der städtischen Selbstverwaltung war
allmählich die landesherrliche Gewalt getreten, auch
nit der Machtstellung der Gilde war es vorbei, die
alten Zwangs- und Bannrechte waren durch die
Landesregierungen stark beeinträchtigt, der Braubann
durch Erteilung von Konzessionen an „Freibrauer“
gebrochen. Vielfach wurde das Braurecht durch die
Stadt abgelöst, oder die Brauberechtigten brauten
ach dem Los im städtischen Brauhaus; Jena hatte
1540 bereits zwei solcher Gemeindebrauhäuser. Oft
auch verkauften die Berechtigten ihre Lose an die
noch Brauenden, deren Zahl von Jahr zu Jahr
zurückging. Besitz und Betrieb waren nicht mehr in
einer Hand, die genossenschaftliche Geschlossenheit
hörte auf. So bereitete sich allmählich der Übergang
zum reinen privatwirtschaftlichen Betrieb vor.
Es sind von den Landesfürsten viele Versuche gemacht
 worden, das Braugewerbe wieder zu heben,
und in der Barockzeit, zumal zu Anfang des 18. Jahrhunderts
 trat auch eine leichte Besserung der Verhältnisse
 ein.
Verschiedene deutsche Fürsten, vor allem Friedrich
Wilhelm 1., schufen scharfe Brauordnungen, die bis ins kleinste
die wirtschaftlichen sozialen und technischen Verhältnisse
regelten und die von Braudirektionen überwacht wurden,
“"riedrich Wilhelm rechnete das Bier zur unumgäÄänglichen Notlurft,

 In den Instruktionen für die Erziehung des Kronırinzen
 ordnete er an, „wie ihm denn auch vom Brauwesen
ler nötige Unterricht zu geben und zugleich zu zeigen, wie
las Brauwesen muß traktieret, gemaischet, das Bier gestellt,
refaßt und überall dabei verfahren, auch das Malz zubereitet
verde und beschaffen sein muß, wenn es gut ist.“ Dem Hang
ler damaligen Zeit zu glanzvoller Lebensführung trat er ent-‚egen,
 indem er dem Bier gegenüber dem Wein wieder seine
ılte gesellschaftliche Stellung zu verschaffen suchte, In einer
)rder vom 10. Februar 1738 verfügte er: „ich will, daß hinfüro,
venn die Offiziere zusammenkommen, sie nicht viele Geichte
 und Wein prätendieren, sondern mit einander hauswirt-‚chaftlich
 vorlieb nehmen sollen; und es muß vor keinen
Schimpf gerechnet, noch übelgenommen werden, wenn ein
Ditizier dem anderen ein Glas Bier vorsetzt“. Mit gutem Bei-;piel
 ging er selbst voran. Wie alle seine Zeitgenossen war
'T ein kräftiger Zecher. Auch die Frauen taten damals allge-1ein
 tüchtig mit; die überstarke Würzung der Speisen, wie sie
n der Barockzeit üblich war, mußte freilich auch großen
Yırst auslösen.

Aber im schnellen Wandel zeigt sich uns bald ein
inderes Bild. Das Zeitalter der Aufklärung war an-'ebrochen.
 In aller Erinnerung noch das Tabaksvollegium
 Friedrich Wilhelms I., wo bei rauhen
‘oldatenspäßen gewaltige Mengen Bieres vertilgt
vurden, unvergessen noch die Bier- und Weinseligzeit
 an anderen deutschen Höfen. Konnte doch ein
heingraf von Salm von seinem Besuch in Braun-:chweig
 berichten: „weil die Hofdamen stets bei der
"afel sitzen, so ist es billig, daß sie an den Räuschen
;benso teilnehmen als die anderen. Die Herzogin,
venn sie voll ist, ist über alle Maßen närrisch und
ıstig.“ Und nun die geistsprühende Tafelrunde des
iroßen Friedrich, wo bei perlendem Wein prickelnler
 Witz herrscht, aber auch philosophische
’robleme tiefgründig behandelt werden. Oder das
eekränzchen der Herzogin Amalie von Weimar,
röhlich in feinsten ästhetischen Genüssen, dabei ein
jNläschen Sekt nicht verschmähend. Das Bier war
us der Mode gekommen; fast nur von den unteren
tesellschaftsschichten wurde es noch getrunken.