V., 1. Die Geschichte des Brauwesens.

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anderes Moment beitragen: die Veredlung der Rohstoffe,
 welche durch eine jahrzehntelange Zzielbewußte
 Züchtungsarbeit erreicht werden konnte. Ein
weiterer Fortschritt war das 1906 auf das ganze
Deutsche Reich ausgedehnte Surrogatverbot.
Wie. auf dem Gebiet von Wissenschaft‘ und
Technik das Brauwesen im 19. Jahrhundert einen ungeheuren
 Aufschwung nahm, so vollzogen sich auch
auf wirtschaftlichem Gebiet ganz außerordentliche
Wandlungen. .Die Vielzahl der Betriebe schmolz
stark zusammen. Aber der Absatz stieg von Jahr
zu Jahr. 1913 erreichte er in Deutschland eine Höhe
von 69,2 Millionen Hektoliter bei einer Weltproduktion
 von 295 Millionen Hektoliter. Die gernanischen
 Staaten hatten hieran einen Anteil
von mehr als 90%. In noch stärkerem Veraältnis,
 wie die Bierproduktion stieg, ging die
3ranntweinherstellung zurück. Müächtige‘  Produkionszenftren
 bildeten sich, so im Heimatland der
Intergärung, in Bayern: München, Nürnberg, Kulm-,
ach, in Nord- und Mitteldeutschland: Berlin, Dortnund,
 Hamburg, Bremen, Leipzig, Dresden, Bresau;
 in Österreich-Ungarn: Wien, Pilsen, Budapest,
ınd in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Engand
 und Belgien behaupteten ihre alte Stellung als
3ierländer. Eine blühende Brauindustrie entstand
n den Vereinigten Staaten Amerikas, die aber durch
las Prohibitionsgesetz 1920 ein jähes Ende fand.
Wie ‚einst im Mittelalter entwickelte sich. ein leb-1aftes
 Überseegeschäft in Deutschland. Über den
Izean folgte dem deutschen Bier der deutsche Brauneister,
 Bald wurden aus den Importländern Pro-Jluktionsgebiete,

Mit der Entwicklung des Braugewerbes zur Inlustrie
 wurde das Aktienprinzip mehr und mehr
ı1errschend. Hinsichtlich der Höhe des Unterı1ehmungskapitals
 der Aktiengesellschaften erreichte
lie Brauindustrie den zweiten Platz unter allen
deutschen Industrien. Neben anderen Momenten
xennzeichnet dies besonders die führende Stellung,
lie sie im Wirtschaftsleben einnahm.
Reich war in dieser Zeit des gewaltigen Aufstiegs
lie Brauindustrie an hervorragenden Persönlichceiten.
 Genannt seien hier nur einige Namen der
ilteren Generation, wie Rösicke, Henrich, Leicht,
Sedlmayr, Dreher und Jacobsen. In keiner Weise
standen aber hinter ihnen die Männer zurück, die aus
hrer Schule hervorgingen und die zu der ungleich
ichwereren Aufgabe berufen waren, die Industrie
lurch die Erschütterungen des Weltkrieges und der
Nachkriegszeit zur schließlichen Wiedergesundung zu
‘ühren.
Das Problem der Volksernährung im Kriege
)jedingte eine Zwangswirtschaft; die Rohstoffzuteilung
 wurde kontingentiert. Von Jahr zu
Jahr sank die Stammwürze der Biere, in Bayern
schließlich auf 3%, in Norddeutschland sogar

Xellereianlage um 1870

sfädt gab die ersten Unterlagen für die Saccharometrie,
 Schwann erkannte 1837 die Hefe als einzelligen
 pflanzlichen Organismus. Um die Mitte des
Jahrhunderts begann der Kampf um das Wesen der
Gärung. Liebig vertrat den Standpunkt des
Chemismus, während die biologische Auffassung in
Pasteur ihren Verfechter fand, die sich zunächst auch
siegreich durchsetzte. 1883 gelang es Hansen,
Kopenhagen, von einzelnen Zellen ausgehend,
Stämme in Reinkultur zu züchten und damit die
ürundlage der Hefereinzucht zu schaffen. 1896
folgte die wichtige Entdeckung Buchners, daß Zucker
durch zellfreien Hefepreßsaft vergärbar ist, wodurch
der Kampf der Auffassungen Liebigs und Pasteurs
aunmehr seinen Ausgleich fand. Die Arbeiten auf
diesem Gebiet fanden ihre Fortsetzung in: den
Forschungen Neubergs, vor allem aber in der überaus
 fruchtbaren Tätigkeit der brauwissenschaifflichen
Institute.
Als Forschungsstätten wie in ‚der Heranbildung
wissenschaftlich. geschulter Kräfte haben diese
Institute dem Braugewerbe ganz unschätzbare
Dienste geleistet. Glänzende Namen sind an sie geknüpft.
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In Weihenstephan, der ‚uralten Klosterbraustätte, und in
Berlin entstanden vortreffliche Lehranstalten; mit ihrem
Aufstieg sind die Namen Lintner und Delbrück untrennbar verdunden.
 Von Jahr zu Jahr mehrte und vertiefte sich der Lehrstoff.
 Die Erhebung beider Lehrinstitute zu Hochschulen und
die Ausdehnung des theoretischen Studiums auf sechs Semester
kennzeichnen deutlich die fortschreitende Entwicklung. Von
den weiteren wissenschaftlichen Instituten seien hier nur die
überragenden von München, Wien und Kopenhagen-Carlsberg
zenannt...
Die Folge der Ausbildung wissenschaftlich geschulter
 Kräfte war die Errichtung chemischer und
biologischer Laboratorien, die wir um die Wende
zum 20. Jahrhundert in allen fortschrittlichen Betrieben
 finden. Damit war die Wissenschaft als
gleichberechtigte Schwester der Praxis zur Seite
getreten. Beide im Bunde brachten sichere Gewähr
des Erfolges. Zu diesem Erfolge mußte aber noch ein