Direktor Richard. Knoblauch, Berlin:
a LO SAVE, SPÜRT
unter 2%. Aufgaben auf technischem, sozialem
und wirtschaftlichem Gebiet traten an die Industrie
 heran, wie sie komplizierter kaum sein
konnten. Seit 1921 schien es langsam wieder aufwärts
 zu gehen, aber die fortschreitende Inflation
zerstörte wieder die Hoffnungen, sie zehrte an der
Substanz der Betriebe und machte die Stillegung
vieler alter Braustätten erforderlich. Phantastisch
erscheint uns heute die Tatsache, daß im November
1923 der Ausschankpreis für ein Liter Bier auf etwa
sine halbe Billion Papiermark gestiegen war.
Durch seine Gehaltlosigkeit war das Bier ganz in
Mißachtung geraten. Die Trostlosigkeit der Zeit
forderte stärkere Anregungsmittel. Likörstuben
taten sich auf, der Schnapsverbrauch stieg bedenklich.
 Erst als wieder die Rohstoffbeschränkungen,
das Starkbierverbot (1. Januar 1925) fielen, als das
Bier wieder der edle Gerstensaft der Vorkriegszeit
war, da kehrte man dem Schnaps den Rücken, da
wurde das Bier wieder das Volksgetränk, Der Absatz
stieg; die Höhe aus der Vorkriegszeit hat er jedoch
nicht wieder erreicht (1929/30: rd. 55 Millionen
Hektoliter, davon 3 Millionen obergärig). .
Der Wiederaufstieg des Absatzes zur derzeitigen
Höhe hätte aber nicht ausgereicht, die Brauindustrie
wieder lebensfähig zu machen. Fine weitgehende
Rationalisierung mußte Platz greifen durch weitere
Zusammenfassung von Betrieben und durch höchste
Steigerung der Arbeitsleistung. Größtmöglichen
Nutzeffekt bei geringstem Arbeitsaufwand zu erreichen,
 wurde zum ersten Gesetz auf allen Gebieten
der inneren und äußeren Betriebsführung. Schwere
Opfer haben diese Prozesse gefordert, aber sie

vurden nötig, um die Industrie vor Schlimmerem
‘u bewahren. Es war der Weg, der zu ihrer Rettung,
u ihrer Gesundung führte. Wie vor dem Kriege,
teht die Brauindustrie heute wieder an führender
"telle und ist berufen, teilzunehmen an den riesenaften
 Aufgaben, die der Wiederaufbau der erchütterten
 Wirtschaft erfordert.
Im Schicksalslauf vieltausendjähriger Geschichte
var das Bier des Menschen treuer Weggenosse.
Mutter Natur ist es gewesen, die schon in grauer
/’orzeit die Menschen lehrte, das Korn zu mälzen,
las Bier zu brauen; sie hat ihnen ihre Gesetze offenart
 und zeigte ihnen so den Weg, im Bier den
%deltrunk von heute zu schaffen; sie gab ihm das
erlangen nach den Freundlichkeiten dieser Welt,
zumal nach einem guten Trunk: sie zog ihm aber
ıuch streng die Grenzen des Genusses; sie warnte,
xe strafte, In Hamurabis Gesetzbuch, in der Fdda-°Chrift,
 in den alten Klöstern, bei Minnesängern und
Meistersingern, im Zeitalter des Humanismus, der
\ufklärung und auch in dem so gewaltige Werte
‘chaffenden 19, Jahrhundert hat man die freundliche
ijabe der Natur in voller Erkenntnis ihres Wertes
vewürdigt und hat auch mit fortschreitender Kultur
lem Gebot maßvollen Genusses mehr und mehr
technung getragen. Wider die Natur wäre es, vom
Aenschen hier völlige Entsagung fordern zu wollen.
Jas natürliche Verlangen nach einem guten Trunk
vird auch in Zukunft durch kein Verbot sich unteriIrücken
 lassen, wird fortleben, solange es Menschen
vibt, solange die Natur in ihren unzähligen eigenen
Järbetrieben den Zucker spaltet, sie selbst die Brau-Kunst
 übt.