2. Die Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens E. V.
Von Kommerzienrat Dr. W. Sobernheim, Berlin.

Die Gesellschaft für die
Geschichte und Bibliographie
 des Brauwesens
wurde am 10. Oktober 1913
:n Berlin bei der Versuchsund
 Lehranstalt für Brauerei
 begründet. Die Anregung
 hierzu hatte der damalige Direktor und
Delegierte des Verwaltungsrats der Brauerei Haldenzut
 in Winterthur (Schweiz), Fritz Schoellhorn, in
folgendem tags vorher in der „Tageszeitung für
Brauerei“ veröffentlichten Schreiben an den wissenschaftlichen
 Leiter der Anstalt, Geh. Regierungsrat
Prof. Dr. Max Delbrück, gegeben:
„Vor einigen Monaten hat das Institut für Gärungsgewerbe
ein Büchlein neu verlegt, das im Jahre 1814 von einem bayerischen
 Braumeister und Verwalter namens Benno Schar!
geschrieben und unter dem Titel „Beschreibung der Braunbier-Brauerey
 im Königreiche Baiern‘“ herausgegeben worden
ist. Zweifellos ist dieses interessante Büchlein mit viel Interesse
 von vielen Brauern gelesen worden.
Die „Braukunst‘‘ ist vornehmlich eine deutsche Kunst, und
irüh schon haben Männer, die sich dazu berufen fühlten, ‚ihre
Erfahrungen bei der Bierherstellung niedergeschrieben. Durch
Bücher wurde diesen Erfahrungen weitere Verbreitung
gesichert.
Inzwischen hatten Wissenschaft und Technik im letzten
halben Jahrhundert eine totale Umwälzung im Brauwesen
hervorgerufen. Das einfache Gewerbe hat sich zu einer
bedeutenden Industrie entwickelt, Fortschritte sind auf allen
Gebieten gemacht worden, und doch muß man mit Bewunderung
 anerkennen, wieviel schon die alten Brauer durch
praktische Erfahrung mit Bezug auf die Herstellung eines
guten Bieres erreicht hatten, wie aus der genauen Beobachtung
aller Einflüsse sie Lehren zu ziehen wußten, die heute noch
Gültigkeit haben, wie sie unter den nach heutigen Begriffen
recht ungünstigen Verhältnissen ein schmackhaftes und haltbares
 Bier zu erzeugen verstanden. Hohe Achtung gebührt
diesen Männern und der Dank all derer, die auf diesem Gebiete
tätig sind. .
Dieser Dank findet u. a. würdigen Ausdruck im Sammeln
der erschienenen Schriften über das Brauwesen. Eine Anzahl
Herren — es sind ihrer noch nicht viele — hat angefangen,
Sammlungen einschlägiger Literatur anzulegen, und einige
dieser Sammlungen haben sich schon zu recht ansehnlichen
Spezialbibliotheken entwickelt, die eine wertvolle Fundgrube
für den Suchenden darstellen,
Schon im Jahre 1825 hat ein Herr namens Enslin in seinem
Buche „Bibliotheca oeconomica‘“ eine Zusammenstellung der
bis dahin in deutscher Sprache erschienenen Werke über das
Brauwesen gegeben. Seit dieser Zeit ist nichts Ähnliches
gemacht worden, und der Gedanke, eine Bibliographie des
Brauwesens aufzustellen, erscheint ein dem Ansehen der
deutschen Brauindustrie würdiges Unternehmen, das die
Unterstützung aller derer verdient, die im Dienste des Brauwesens
 stehen.
Ein solches Werk erheischt vor allem erhebliche Mittel
und einen für derartige Arbeiten geeigneten Mann. Es erheischt
aber nicht nur die finanzielle, sondern auch die tätige, Mithilfe
führender Männer des Fachs. Niemand erscheint wohl
geeigneter, einen solchen Gedanken durchzuführen, als das in
so hoher Blüte stehende Institut für Gärungsgewerbe in
Berlin,“ ; .
Geheimrat Delbrück ist auf diese Anregung hin
sofort mit großem Eifer in der ihm eigenen tempera-Kennzeichen

 der (560 RR

nentvollen Weise für die Gründung der Gesellschaft
angetreten. Zu Mitgliedern des Vorstandes wurden
gewählt:
Kommerzienrat Dr. Walter Sobernheim-Berlin;
jeheimer Kommerzienrat Georg Haase-Breslau;
Direktor Fritz Schoellhorn-Winterthur.
Gegenstand der Arbeiten und Forschungen
sollte sein:
L Allgemeines und Wirtschaftliches.
IL _ Technologisches:
a) Gerste und Mälzerei,
b) Hopfen und Hopfenbehandlung,
c) Sudhaus und die darin vorgenommenen Arbeiten,
d) Gärkeller, Haupt- und Nachgärung, Hefe und Hefenführung,

2) Faß- und Flaschenfüllerei,
D) Ausschank, Ausfahren und Versand.
IM. Trinksitten und Trinkgetäße.,
[V, Lebensbeschreibungen, Lebenserinnerungen, Familiengeschichtliches,
 Nekrologe,
V. Enthaltsamkeitsbewegung.
VI. Das Bier in Kunst und Poesie.
Eine Anzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter wurde
sewonnen, und man begann auch sofort damit, einen
Catalog der historischen Fachliteratur als Vorarbeit
ür eine Bibliographie des Brauwesens aufzustellen.
Die Arbeiten waren aber kaum begonnen, als der
Neltkrieg ausbrach und infolgedessen die für die
jesellschaft tätigen Herren größtenteils zum Heereslienst
 eingezogen wurden. Die Gesellschaft und ihre
\rbeiten, soweit dies nach Lage der Dinge möglich
var, wurden jedoch auch fernerhin von dem Nacholger
 Professor Dr. Struves, Dr. Schulze-Besse,
ortgeführt. Eine Reihe größerer und kleinerer Verffentlichungen
 sowie im Manuskript vorliegender
\rbeiten legen Zeugnis hiervon ab.
Nach Beendigung des Krieges konnte nicht sozleich
 daran gedacht werden, die Gesellschaft wieder
ıufzubauen. Erst am 24. September 1926 gelang es,
m Anschluß an einen Vortrag von Oberst Fritz
Schoellhorn, Winterthur, auf der Generalversammung
 der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in
München, die Gesellschaft neu zu konstituieren, und
ım 10. Oktober 1926 wurde dann beschlossen, für
;je die Rechtspersönlichkeit durch Eintragung in das
/ereinsregister zu erwerben. Zu Vorstandsmit-'liedern
 wurden wiedergewählt: Kommerzienrat Dr.
Valter Sobernheim, Berlin (Vorsitzender), Geheimer
Commerzienrat Georg Haase, Breslau, und Oberst
Ir. h.c. Fritz Schoellhorn, Winterthur (stellv. Vorsitzende).
 Zum Geschäftsführer wurde Dr. H.Schulze-Zesse,
 Berlin, bestellt.
In den beiden ersten Jahren ihrer Tätigkeit hat die
Gesellschaft bereits eine größere Anzahl Buchveröffentlichungen
 herausgegeben, die weit über die