V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres, 237
Tafel I. Welt-Biergewinnung Das deutsche Bier.
in geographischer Ordnung. A. Untergärige Biere.
Zum beherrschenden Typ der deutschen Biererzeugung
 wurde, und zwar erst im Zuge der modernen
 brautechnischen Entwicklung des vorigen
Jahrhunderts, das untergärige Lagerbier. Das unterzärige
 Verfahren, zuerst in Bayern entwickelt und
deswegen vielfach das bayerische genannt, hat allmählich
 fast alle bierbrauenden Länder der Welt erobert.
 Dieses Bier erhielt durch gesetzliche Beschränkung
 - der zu verwendenden Braustoffe in
Deutschland ein besonderes Gepräge, nämlich durch
das schon erwähnte Reinheitsgebot des Biersteuergesetzes
 (2) vom 9. Juli/11. August 1923, welches in
wörtlicher Fassung lautet:
8.10 Abs. 00. „Zur Bereitung von unterzärigem
 Bier darf, abgesehen von der Vorschrift
 im Absatz 3, nur Gerstenmalz, Hopfen,
Hefe und Wasser verwendet werden.“
Damit sind alle anderen vergärungsfähigen Stoffe,
vesonders Zuckerzusätze, Gärungserreger wie auch
Aromzusätze, ausgeschlossen. Im mancher Beziehung
 bedeutet das einen Verzicht, in welchem
sich jedoch die Produzenten mit den Konsumenten
eins wissen. Auf der positiven Seite liegt einmal die
wertvolle Garantie der hygienisch einwandfreiesten
— da am besten zu kontrollierenden — Biererstellung,
 und zweitens vor allem die Gewähr, das
in Jahrtausenden als bestes erprobte Braugut
seiner naturgegebenen Aufschließung d{iür den
menschlichen Konsum in höchster Reinheit und
Vollendung zuzuführen.
Einem zweiten charakteristischen Merkmal bezegnet
 man in der Stärke der Einbrauung, welche
der psycho- und physiologischen Konsumstruktur
des Deutschen Rechnung trägt.
Der beherrschende Typ des untergärigen Bieres
st in Deutschland das aus etwa 12prozentiger
Stammwürze, welches in ausgereiftem Zustande
lurchschnittlich eine Zusammensetzung von etwas
ınter 3% Gew.-% Alkohol und 5% % Extrakt
wfweist.
Das Charakteristische für das Konsumbedürfnis
les Deutschen ist der Alkoholgehalt, in diesem Falle
ler leichte Alkoholprozentsatz seines Bieres.

n Europa:
Deutschland .......0..
Groß-Britannien u.Irland
Frankreich ............
Belgien 2.....0000000004
Niederlande ...........
Dänemark. ............
Norwegen ...........0.
Schweden ............0.
Rußland .....00.0.0000000
Polen. ...0000000000000
Österreich-Ungarn .....
Tschechoslowakei ....
Deutsch-Österreich ...
Ungarn ....0000000004
Rumänien ......0.0.00.000 ]
jugoslawien (Serbien)...
Halien „0...000000000000
SchwWeiZ.......... 20.
Zusammen .. “
in Nord-Amerika:
Ver. Staaten...........
Kanada ..........0.0.0.0..
Zusammen ...
ın Mittel- und Süd-Amerika:

MEeXiCO 2.00000000000000
Argentinien ........0...
Brasilien ....0.0.0.0.0000004
Chile.......0000000000
Zusammen...
ın Australien und Neuseeland............
 3500| 3934| 3.675
in Asien: *
Japan. ......0000000000 (394) 9902| 1600
Britisch-Indien ......... 320| 200
Zusammen... (294)| 1312| 1800
Alle sonstigen Länder | 2116| 2440| 8759_
Weltproduktion ...... .. zn 070 | 127 970 | 176 566 | -/- 42,8
seitig fanatisch inspirierte Gesetzgebung das physiologische
 Bedürfnis radikal abgedrosselt und auf unnatürliche
 Abwege hingeleitet. Beides wirkt sich in
den Ziffern deutlich aus.
Allgemein ist aber die Biergewinnung in den
heißen Ländern seit der Vorkriegszeit mächtig vorwärts
 geschritten. Fast alle heißen Länder, so insbesondere
 die Asiens und Mittel- und Südamerikas,
aber auch in Europa die Balkanländer, Italien und
Spanien, haben ihre Biergewinnung gegen 1913 verdoppelt.

Vergegenwärtigt man sich hierbei, daß der Hauptvdierkonsum
 auch in den Ländern mit kälterem Klima
in die Sommermonate fällt, so geht klar hervor, daß
das Bier in der ganzen Welt vornehmlich den
Zwecken eines‘ Erfrischungsgetränkes dient.

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Die Haupttypen des untergärigen Bieres.
Man unterscheidet in Deutschland zur Zeit drei
Jauptgattungen des Bieres: ;
den Münchener Typ,
den Pilsener Typ,
den Dortmunder Typ.
Das Münchener repräsentiert den Typ, bei
welchem die Ausprägung der Aromtönungen des
Malzes (Malz von Münchener Typ) zur höchsten