Dipl.-Ing. H, Paproth, Berlin:
brautechnischen Vollendung gediehen ist. Es ist das
Bier, dessen Aroma so sehr an den Geschmack
irischen Brotes erinnert, wozu allerdings sein hoher
Extraktgehalt und die besondere Art der Malzbereitung
 reichlich Veranlassung geben. Sein Geschmackscharakter
 wird jedoch, allerdings in sehr
dezenter Weise, auch durch die Hopfengabe beeinußt
 und variiert vom süß-vollmundigen bis zum
eicht-herben, fein überdeckten edelsten Malzaroma.
Münchener ist kein eigentliches Dunkelbier, sondern
spielt in leuchtend-braunen bis sattbraunen Nuancen.
Ausgesprochene Dunkelbiere sind dagegen der
Nürnberger und Kulmbacher Typ dank ihrem hohen
Gehalt an Farbmalzextraktivstoffen, desgleichen die
Spezialsorten Bock und Salvator, alles Biere gehaltvollsten
 Malzaromas.
Schließlich verdient unter den bayerischen Bieren
noch das Märzenbier Erwähnung, ein stärker eingebrautes
 Hellbier von tiefem Goldgelb.
Der Pilsener Typ hat in der deutschen Biererzeugung
 eine große Verbreitung gefunden. Er
'äßt den Geschmack des Malzes völlig zurücktreten
und konzentriert sich auf ein schneidig-rezentes
Hopfenbitteraroma sehr feiner Nuancierung und von
mildem weichen Trunk. Die Farbe des Pilseners ist
ein glänzendes Sattgelb. Besonderer Wert wird auf
eine prächtige weiße Schaumkrone gelegt.
Das Dortmunder endlich, das hellste aller Biere,
betont einen mild-gehaltvollen Malzcharakter in
ieiner Abtönung mit edlem Hopfenaroma. Dank
stärkster Ausgärung und stärkerer Einbrauung als
beim Pilsener Typ hat es etwas Kernig-Weiniges,
Charaktervolles. Seine Schaumhaltigkeit steht
hinter der des Pilseners zurück. ;
Zwischen diesen Haupttypen bewegen sich nun
zahlreiche Spielarten, welche je nach Maßgabe der
örtlichen Geschmacksrichtung sich bald der einen.
bald der anderen dieser Gattungen annähern.

ich-rauchig. Zu den säuerlichen Bieren ist ferner
lie „Leipziger Gose“ zu rechnen, bei welcher aber
1eben dem Säuerlich-Rauchigen noch ein Salzreschmack
 hervortritt. Bereitet aus Grünmalz
Weizen-, Gerste-, Hafer-) oder aus ganz schwach
vedörrtem Malz und ganz schwach gehopft, verneidet
 die „Gose“ beim Sud hohe Temperaturen und
ırhält dadurch den Vitamingehalt des Grünmalzes.
3. Ausgesprochen rauchiges Bier ist das Grätzer,
un sehr bitteres Bier etwa _Ssiebenprozentiger
Stammwürze aus Weizenmalz.
4. Rheinische und-westfälische Bitterbiere aus nur
;echsprozentiger Stammwürze, verhältnismäßig kalt
’ergoren und gelagert.
5. Deutsches Porter, ein Starkbier aus achtzehn-‚rozentiger
 Stammwürze, meist mit obergäriger
Tefe vergoren, sehr alkohol- und extraktreich, hat
len charakteristischen englischen Portergeschmack
ınd Geruch.

Die deutsche Biererzeugung.
Zuverlässige Angaben über den mengenmäßigen
Absatz der gekennzeichneten Sorten liegen nicht
vor. Man kann aber sagen, daß in Norddeutschland

Tafel 11.
Malzverbrauch und Biererzeugung im Deutschen Reich ab 19002).

Rech- Malz- Malz- Bier- Biererzeu-|
 verbrauch?) | verbrauch ! erzeugung | gung auf den
aneT ; in pro hl Bierin in ‚ Kopf der Behar
 1000 dz kg 1000 hl 'völkerung in!

1900
1901
1902
1903
1904
1905
1906
1907
1908
‚909
‚910
‚911
912
213
914
1915
1916
1917
‚918
‚919
‚920
921
‚922
923
‚924
‚995
1926
1927
1928

13 641 20,4 66 881
13 537 20,2 67 103
12 880 20,2 63 899
18.021 20,0 65 073
18 058 19,7 66 264
13.447 19,6 68 591
13 428 19,5 69081
18 346 19,2 69 535
12 870 199 66 961
11940 JP» 63 754
‚1639 18,1 54 465
12 893 18.7 70 353
‚2 408 18.8 57 872
‚2 609 18,2 69200
0689 18,5 59 378
7687 16,8 45 862
1765 12,9 36 835
L 649 6.9 23 887
* 108 44 24 958
1196 4,1 29 458
2 202 9,4 23 488
4 926 14,5 38 993
ca. 46473) ca. 14,9%) 32 000°)
a 46463) ca 16,5% 30 00083)
6 968 18,3 38 149
8 809 18,5 47 560
8 858 18,3 48 342
9 595 18,6 51 608
9 865 18.0 54 997

118
117
110
110
10
118
112
111
106
9°
99
107
102
108
87
cm

B. Obergärige Biere.
Man unterscheidet unter den Sorten, welche einen
nennenswerten Besitzstand behauptet haben, {folgende:

1. Malzbiere: Charakteristikum ist schwache
Hopfung und schwache Vergärung. Der Stammwürzegehalt
 schwankt in den weitesten Grenzen vom
leichten Braunbier bis zum zuckergesüßten Süßbier
und dem mit Malzextraktzusatz von 15% und
darüber erstellten Malzkraft- oder Doppelbier.
2. Säuerliche Biere: Der bekannteste Vertreter ist
das Berliner Weißbier, welches aus Weizen- und
Gerstenmalz gebraut, alkohol- und extraktarm, auch
schwach gehopft ist und dank seinem Kohlensäurereichtum
 über eine äußerst erfrischende Wirkung
verfügt. Diesem Typ steht nahe das Lichtenhainer,
ein Bier aus etwa achtprozentiger Stammwürze aus
angeräuchertem Gerstenmalz. Geschmack: säuer-4E


vn

ca. 543)
ca. 513}
61
76
77
81
FT

) Die Angaben beziehen sich auf das deutsche Zollgebiet,
‘) 1900 bis 1907, ab 1918 ohne Men ß-Tothringen.
\ Nicht ganz genau infolge Störung durch Ruhrbesetzung.