V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres. 241
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Alkohol als Fett- und Kohlenhydratsparmittel. Prof. Wilh. Voeltz (6) hat den physiologischen
In der Ernährungswissenschaft wird (bis auf Nutzeffekt des Bierextraktes beim Menschen zu
wenige Außenseiter) die Hauptrolle des Alkohols in 30% festgestellt; die darin enthaltenen Proteinseiner
 Sparwirkung für Fett und Kohlenhydrate stoffe hatten dagegen nur einen 40prozentigen Ausgesehen.
 Geh. Rat v. Noorden und Prof. Salomon lützungsgrad, was bei ihrer geringen Menge allersagen
 darüber im „Handbuch der Ernährungslehre‘“, lings wenig nachteilig ins Gewicht fiel.
!.Bd., 5.55: Der Gesamtnutzeffekt
aller energetischen Nährwerte des Bieres betrug
1ach Voeltz (6), wie schon weiter oben gesagt, 91 %.
sechnet man den mittleren Kaloriengehalt des unterzärigen
 Lagerbieres aus 12prozentiger Stammwürze
‚u 450 Kalorien und den durchschnittlichen Kalorienjedarf
 des Erwachsenen zu 3000 Kalorien je Tag, so
’»ermag also das Bier etwas mehr als ein Siebentel
zu diesem gesamten Nahrungsbedarf beizusteuern.

‚.. „die dabei“ (nämlich bei der Verbrennung des
Alkohols im menschlichen Organismus) „entwickelte
Wärme (rund 7 Kalorien für 1 g eingeführten Alkohols)
kommt dem Körper zugute; er spart dafür anderes
N-freies Material wie Fett und Kohlenhydrat. Entsprechend
 dem Kalorienwert des Fettes (9,3 Kalorien
für 1-g) und dem des Alkohols treten etwa 93 g Alkohol
für 70 g Fett ein. In diesem Sinne ist also Alkohol ein
wahres Nahrungsmittel.‘ ...
Diese Auffassung der beiden deutschen Gelehrten
wird von dem britischen M.R.C. in der zitierten
Schrift (7) geteilt. Es heißt dort in dem Resume des
Kapitels „Alkohol als Nahrungsmittel“ auf S. 32:
„Die bei der Verbrennung eines mäßigen Alkoholquantums
 freigewoprdene Energie kann vom Körper zu
ihrem vollen Werte ausgenützt werden.“
Alkohol als Eiweiß-Sparmittel,
Tritt der Fall ein, daß der Organismus beim Betriebsstoffwechsel
 auf die Prot&amp;insubstanz der Gewebezellen
 zur Deckung eines momentanen Energiebedarfs
 zurückgreifen muß, und ist in solchem Falle
Alkohol verfügbar, so wird er als sofort disponibler
Bremstoff für Protein ebensogut eintreten wie für
Fett und Kohlenhydrat und wird auf diese Weise den
Verbrauch von Körpersubstanz ausschalten. König,
der dem Alkohol keinesfalls freundlich gegenübersteht,
 erkennt an, daß er in mäßigen Mengen prot&amp;insparend
 wirke. Die gleiche Auffassung vertritt das
M. R. C. (7) mit den Worten:
5. 30: ... „es scheint klar erwiesen, daß bei denen,
welche an ihn gewöhnt sind, Alkohol in mäßiger Quantität
 ebenso wirkungsvoll wie Kohlenhydrate oder Fett
ist, den vom Körper benötigten Proteinbetrag zu vermindern,
 indem er die Eiweißstoffe davor bewahrt, nur
als Energiequelle-in Anspruch genommen zu werden.“ ...

Das Bier in der deutschen Ernährungswirtschaft.
Es liegt nahe, im Anschluß an die Wertung des
3ieres als Nahrungsmittel auch einmal zu überschlagen,
 mit welchem Nutzeffekt die Brauindustrie
die im Bier dem Konsum zugeleiteten Nährwerte aus
ler verarbeiteten Rohfrucht erschließt und welchen
Anteil an der Nährungsmittelversorgung des deutschen
 Volkes sie im Rahmen der ganzen Ernährungsvirtschaft
 damit auf sich vereinigt.
Wir dürfen annehmen, daß die im Jahre 1927/28
;rstellten 52 Mill. hl Bier mit durchschnittlich
150 Kalorien auf ein Liter einen Gesamtnährwert
ron rund 2% Bill. Kalorien repräsentierten. Der
\ufwand an Braugerste, um diese Werte zu erzeugen,
 betrug brutto etwa 12,8 Mill. dz, netto, d. h.
1ach Abzug des in den Brauereifuttermitteln ver-)leibenden
 Gerstengewichtes von etwa 30 %, rund
? Mill. dz. — Es muß hierbei hervorgehoben werden,
jaß die sehr prot&amp;inreichen Brauereifuttermittel
&gt;»inen etwas höheren Futterwert haben als die Gerste.
Bei einem mittleren Nährwertgehalt von 1 kg
3raugerste (mit 14 % Feuchtigkeit) von 3460 Kaorien
 wären also durch das- eingebraute Gerstenzewicht
 rund 3,1 Bill. Kalorien für die Bierbereitung
7erbraucht. Aus dem Verhältnis der erhaltenen
7% Bill. Bierkalorien zu den aufgewendeten 3,1 Bill.
terstenkalorien ergibt sich für die Verarbeitung von
jerste zu Bier ein durchschnittlicher Nutzeffekt von
5% %, d. h. das Dreifache der Ausnützung von
jerste, welche man im Wege der Verfütterung
ın Mastschweine für den menschlichen Konsum
ıtzbar macht. Die ernährungswirtschaftliche Beleutung
 der Brauerei wurzelt prinzipiell in dem Um-;tand,
 daß sie eine sonst der Verfütterung anheimallende
 Kulturpflanze dem direkten menschlichen
Consum erschließt und sie damit naturgemäß einer
ziel höheren Ausnützung zuführt, als bei indirekter
Verwertung möglich wäre.
In der Ernährungswirtschaft der europäischen
Culturvölker wird mit einem durchschnittlichen

Ausnützung der Extraktstoffe des Bieres. ;
Von den Extraktstoffen des Bieres entfallen wie
gesagt durchschnittlich 80 % auf die Kohlenhydrate,
insbesondere auf Dextrine und nur sehr wenig auf
nicht vergorenen Malzzucker, etwa 10 % auf
Eiweißbausteine. Die Kohlenhydrate werden zu
einem sehr hohen Prozentsatz vom Körper resorbiert.
 Ein kleiner Teil wird durch die Mikroorganismen
 der Darmflora in Gärungsprodukte
(Alkohol, Milchsäure, Essigsäure, Buttersäure) umgesetzt,
 alsdann mit mehr oder weniger großen Verlusten
 durch die Darmwand resorbiert und schließlich
 der Verbrennung zugeführt. Weitaus niedriger
ist die Resorbierbarkeit und . physiologische Ausnützbarkeit
 der im Extrakt enthaltenen KEiweißbausteine,
 welche aus dem Hord&amp;in der Gerste, einer
an sich unzulänglichen Prot&amp;insubstanz, herrühren.
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart