Dipl.-Ing. H. Paproth, Berlin:
tl Eh
Kalorienbedarf pro Kopf der Bevölkerung von
2700 Kalorien pro Tag gerechnet. (Vgl. Dresel:
„Lehrbuch der Hygiene“, S. 132/33.) Hiernach beläuft
 sich der Jahresbedarf für die 63 Millionen um-[assende
 Bevölkerung Deutschlands auf 62 Bill. Kalorien.
 Zu diesen steuerte die 1927/28er
Biererzeugung 2% Bill. Kalorien bei,
mithin etwa 4% des gesamten deutschen
 Nahrungsmittelsbedaris.

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Aärzenbiere am weitesten. Sollen die hellen Bierarben
 das Schneidig-Rezente des Hopfenaromas
‘ndeuten, so weisen die ruhigen und warmen Farben
ler dunklen Biere, beginnend mit dem edlen Braun
les Müncheners und endend bei dem tiefen Schwarzraun
 des Kulmbachers und Köstritzers, auf das
sättigend vollmundige Malzaroma.
Schaumhaltigkeit ist ein Gebot, welches der Bier-'rinker
 keinem Bier erläßt, muß also den durch die
Sinnesorgane vermittelten Genußeindrücken unjedingt
 zugezählt werden.
Endlich ist in diesem Zusammenhang der
Trinkfemperatur Erwähnung zu tun. Kühle Tempe-'atur
 ist eine selbstverständliche Vorbedingung für
len Genußwert der moderner Biere. Im allgemeinen
äßt sich sagen, daß die hellen Biere noch etwas
zühler (um 1—2° C) zu halten sind als die dunklen.
Cühle wirkt in Verbindung mit Kohlensäure entxitternd,
 d. h. sie ermöglicht erst den milden, feinen
ınd doch schneidigen Trunk des hopfenaromatischen
3ieres. Hochtemperaturen, z, B. bei der Pasteuri-;erung
 der Exportbiere, haben einen leichten Bodenuederschlag
 von Eiweißkörpern zur Folge, welcher
len Geschmack beeinträchtigt. Andererseits tritt
ji übermäßiger Kühle die gleichfalls schädliche
Cältetrübung des Bieres ein, welche die Schaumıaltigkeit
 schwächt. Gut temperierte Biere sind un-‚edingte
 Voraussetzung für die volle Erreichung
hres Genußzweckes.

HI. Genußwert.
Allgemeines.
Außer dem meßbaren Nährwert wohnt dem
Bier ein nicht wägbarer funktioneller Ernährungswert
inne, welchen man gewöhnlich als Genußwert bezeichnet.
 Zur allgemeinen Erläuterung dieses ernährungswissenschaftlichen
 Begriffes mögen einige
dezeichnende Äußerungen bekannter Physiologzen
lienen: - .
Von Geheimrät Prof. Dr. N. Zuntz (9) stammt
das Wort:
„... Ohne Reize gibt es kein Leben . ..“
und Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ewald (9) sagt in
ainer Betrachtung: „Zur Hygiene des Genusses“:
„. +. Die Genußmittel sind ein unabweisbares Bedürfnis
 der menschlichen Natur und für die Erhaltung
des menschlichen Organismus sowie für den Ablauf der
Ernährungsprozesse fast ebenso wichtig wie die eigent-‚ichen
 Nährmittel ...“ und „... Der Organismus
raucht die Genußmittel wie die Maschine das Öl, wo-’ei
 in ’diesem Vergleich die Nahrungsmittel dem Brennmaterial
 der Maschinen entsprechen . . .“
Beim Genußwert des Bieres sind mehrere Faktoren
zu unterscheiden: allgemeine Genußeindrücke und
stoffliche Träger spezieller Genußwirkungen.
Zur ersteren Kategorie gehören beim Bier: Aroma,
jeruch, Aussehen und Schaumhaltigkeit, Kühle;
zur zweiten: Alkoholgehalt, Hopfenbitter, Kohlensäuregehalt,

Über die Nuancen des Bieraromas ist schon bei der
Beschreibung der wichtigsten Typbiere gesprochen.
Selbstverständlich hat jedes Bier auch seinen besonderen
 Geruchscharakter, welcher den Genußwert
n individuell sehr verschiedenem Grade beeinflußt.
Das Aussehen des Bieres hat in den Brauereien
von jeher eine wichtige Rolle gespielt, ein Beweis;
daß der Konsument sich bei seinem Genußempfinden
auch durch das Sinnesorgan des Gesichts leiten läßt.
In den 90er Jahren bestand eine förmliche Manie für
allerhellste Biere, welche zu der Erstellung der in
jeder Beziehung verfehlten „überlösten‘“ Malze geführt
 hat. Man hat aber bei den hellen Bieren längst
gelernt, den überhellen, ins Grünliche spielenden Ton
von damals zu meiden und durch ein glänzendes
Sattgelb bis zum lichten Hellgold ein edleres und auf
volleren Gehalt hindeutendes Kolorit zu erzielen. In
ler Tiefe des Goldtons gehen die Münchener

Alkoholgehalt.
Es ist schon in der Einleitung ausgeführt, daß mit
:iner Entalkoholisierung nach Art der amerikanischen
.near-beer‘“-Herstellung das Bier aufhört, das zu
ein, was es auf Grund seiner besonderen Eigenart
inter den Getränken zu sein berufen ist.- Mit.der
Zerstörung einer der dort aufgeführten vier
peziellen Eigentümlichkeiten des Bieres geht sein
zanzer Getränkecharakter verloren, da er ein einıeitliches
 Ganzes ist, und sich keiner von seinen
'estandbildnern aus ihm herausschneiden läßt. Es
aarf als bekannt vorausgesetzt werden, daß der
\lkohot ein Genußstoff ersten Ranges ‚ist, daß diese
eine Eigenschaft sogar die Tatsache seines Nährtoffcharakters
 in den Hintergrund zu drängen ge-Ägnet
 ist. Worin liegt nun diese überragende Ge-‚ußwirkung
 des Alkohols? Wir unterscheiden drei
lomponenten, welche ihn befähigen, Träger einer
ler hauptsächlichsten Getränkeeigenschaften des
3Zieres zu sein:
1. Reizwirkung auf die Schleimhäute des Mundes
und der Kehle,
2. narkotische-euphorische Wirkung,
3. Betätigung von Verdauungsfunktionen.
Zu 1. Die Reizwirkung des konzentrierten Alkohols
in unmittelbarer Verbindung mit einem intensiven