V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres. 243
A ————— N —
S. 358. ‚„.. In dünnen Konzentrationen, etwa bis 10 %,
steigert der Alkohol entsprechend der Konzentration
die Magensaftsekretion, ohne besonders bei den
niedrigen und mittleren Konzentrationen in
dieser Breite eine nennenswerte Schleimbildung hervorzurufen
 . . .“
S. 359. „... Alkohol in stärkerer Konzentration, als
die obenerwähnten Konzentrationen es sind, bewirkt
gine gesteigerte Schleimbildung und lähmt entsprechend
der Konzentrationserhöhung mehr und mehr die Tätigkeit
 der saftbildenden Magendrüsen ...“
S. 359, „... Der Gehalt an Alkohol und Bitter-3stoffen
 ist für die sekretionssteigernde
Wirkung eines Bieres in erster Linie ausschlaggebend,
 in zweiter Linie kommen in diesem
Betracht erst die anderen Extraktstoffe des Bieres. Der
Kohlensäuregehalt des Bieres fördert zudem
noch diese Wirkung sämtlicher Biere,. “
(Sperrungen hinzugefügt!)
Die vermehrte Absonderung der Verdauungssäfte
st gleichbedeutend mit einer Verbesserung des
\ppetits, welcher wiederum die beste Gewähr für
lie gute Bekömmlichkeit nicht nur des Bieres, sonlern
 der gleichzeitig aufgenommenen anderen Nahungsmittel
 bildet, Die oben wiedergegebenen
vissenschaftlichen Feststellungen decken sich im
ibrigen mit der allgemeinen Erfahrung über die
ıppetitfördernde Wirkung des Bieres und stempeln
»s’ zu einem Genußmittel, welches besonders für die
ınteren Volkskreise, die sich keine sonderliche Abvechslung
 bei ihren Mahlzeiten leisten können, den
zrößten Nutzen stiftet.

Wärmegefühl ist bekannt. Bei den nur gegorenen
Getränken Wein und Bier wird diese Reizwirkung
überdeckt, beim Bier so stark, daß sie nur noch
indirekt wahrgenommen werden kann. Sinkt nämlich
 der Alkoholgehalt des untergärigen Bieres unter
3%, so macht sich das im Geschmack sehr unangenehm
 bemerkbar. Ohne daß sich die Nuance
des Aromas merklich verändert, fehlt dem Bier doch
das Schneidige und Herzhafte, Diese Beobachtung
zeigt, daß trotz der leichten Alkoholkonzentration
inserer Biere (3% %) und trotz der erfrischenden
Kohlensäure- und Kühlwirkung die unbewußt empfundene
 massierende Reizwirkung der Alkoholteilchen
 auf die Schleimhäute von Mund und Kehle
Fehlt, und dieses Fehlen paralysiert den Genußefifekt
der übrigen Faktoren.
Zu 2. Als Hauptkomponente. des Genußstoffes
Alkohol wird seine narkotische Wirkung empfunden,
welche das Gefühl der Euphorie, des Wohlbefindens,
auslöst, begünstigt durch ein gleichzeitig auftretendes
 leichtes Wärmegefühl, Durch eine künstliche
 Steigerung des Alkoholgehaltes (z.B. durch
Zuckerzusatz vor der Gärung) würde der Getränke-°harakter
 des Bieres ebenfalls verlorengehen.
Zu 3. Die verdauungsfördernde Funktion des
Alkohols wird von mancher Seite ebenfalls auf seine
euphorische Wirkung zurückgeführt, mithin als
Nervenwirkung auf die Sekretionsorgane des
Körpers angesehen. Ein abschließendes Urteil liegt
hierüber noch nicht vor. Die Hypothese hat aber
recht viel für sich. Das Hautpinteresse wird sich
natürlich auf die Größe des sekretionsfördernden
Effektes richten, und darüber liegt ausreichendes
Untersuchungsmaterial vor. Wir erwähnen zunächst
 das allgemeine Urteil von Noordens und
Salomons (1), welches dahin geht, daß Alkohol in
schwächerer Konzentration die Salzsäuresekretion
des Magens fördert, in starker Konzentration sie dagegen
 schwächt und Schleimbildung begünstigt.
Übermaß ist in allen Fällen schädlich. Die gleiche
Stellung nimmt das britische M.R.C. in seiner
zitierten Schrift (7) ein. Prof. Adolf Bickel (8),
Berlin, hat in Tierversuchen u. a. die spezielle Wirkung
 des Bieres in dieser Richtung hin erforscht.
Die. untersuchten Biere waren: Deutsches Pilsener,
Märzenbier, Münchener, Kulmbacher, Porter; dazu
kamen noch einige wässerige Alkohollösungen von
3, 6 und 10 % Alkoholgehalt. Es handelte sich außer
der Ermittlung der sekretorischen Wirkung des
Alkohols auch noch um die gleiche Feststellung in
bezug auf das Hopfenbitter und die Kohlensäure,
Mit dem Ergebnis wird also an dieser Stelle etwas
vorweggenommen, was zur Wertung dieser Substanzen
 als Genußmittel gehört. Die hier in Betracht
kommenden Ergebnisse der Bickel-Elkelesschen
Untersuchung sind obiger Arbeit (8) wörtlich entnommen:


Hopfenbitter.,
Im vorangegangenen Abschnitt ist schon gesagt,
{aß das Hopfenbitter zu den narkotischen Genußnitteln
 gehört.. Die Wirkung dieser Stoffe besteht
‚arin, daß sie die durch Tageserregungen übereizten
 Nervenzentren der Großhirnrinde zur Ruhe
ringen und infolge des nın um so stärkeren Herrortretens
 der Funktionen von bis dahin unver-»rauchten
 Nervenzentren den Zustand der Euphorie
;rzeugen. Wir haben infolgedessen diese Wirkungsiırt
 der betrachteten Genußstoffe Alkohol und
Topfenbitter die narkotisch-euphorische genannt.
Die förderliche Wirkung des Hopienbitters in dieser
3eziehung ist bekannt. Wir haben zweitens auch
chon die die Sekretion von Magensaft steigernde
NVirkung des Hopfens miterörtert. Somit bleibt uns
der nur übrig, auf eine dritte Funktion des Hopfen-‚itters
 hinzuweisen, nämlich auf die Betätigung der
zallenabsonderung für die Fettverdauung. Wir
‚ringen das Ergebnis neuester Forschung auf diesem
jebiet in nachstehender wörtlicher Übersetzung
:#ines Passus aus dem Bericht über die 1927er Jahreslauptversammlung
 des englischen „True Temperance
Scientific Committee“ nach dem „Morning Adver-‘iser“
 vom 3. Juni 1927 (10):

„. «. Die Forschungen der Dr. Southgate und Carter
haben erwiesen, daß das Hopfenharz, welches im
Bier in Lösung bleibt und hauptsächlich für das Bitteraroma
 dieses Getränks verantwortlich ist, einen Reiz-