V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres, 245
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Professor Dr. H. Kionka im pharmakologischem In-;titut
 der Universität Jena in mehreren Versuchs-'eihen
 feststellen lassen. (Vgl. Kionka: „Der Alkoholzehalt
 des menschlichen Blutes“, Seite 27, in der
Schlußzusammenfassung :)
„„ .. Die Alkoholzunahme, welche nach einmaliger
Alkoholzufuhr in Form von zwei Flaschen Bier bei Genuß
 einer kräftigen Mahlzeit auftritt, ist kleiner, als sie
gelegentlich einer Kollehydratzufuhr (z, B. ‚Brötchen,
Marmelade, Zucker u, dgl.) ohne Alkoholeinnahme
betrachtet wird .. “

daß man allgemein, um einen gesunden Schlaf zu
erlangen, das Bier .bevorzugt, obwohl die Getränke
mit höherem Alkoholgehalt, wenn es nur auf den
letzteren ankäme, zweckmäßiger erscheinen müßten.
Schweisheimer hat über diese Frage letzthin sehr
bezeichnende Ausführungen gemacht und steht auf
dem Standpunkt, daß der Hopfen in seiner Eigenschaft
 als schlafförderndes Mittel beim Biere dem
Alkohol durchaus gleichzustellen ist.
Und so läßt sich ohne Übertreibung aussprechen:
Das Bier mit seiner zweckvollen Verbundwirkung:
Alkohol, Hopfenbitter und Kohlensäure, nimmt auf
volkshygienischem Gebiete eine überlegene Stellung
unter allen anderen alkoholhaltigen Getränken ein.
Bier und Alkoholirage.
Trotz aller Vorzüge, welche das Bier auszeichnen,
bleibt es aber doch als alkoholhaltiges Getränk mit
der Alkoholfrage verbunden, auf welche wir uns aus
diesem Grunde veranlaßt sehen soweit einzugehen,
als sie auf das Bier irgendwelchen Bezug hat. Vor
allem wird zu untersuchen sein, ob das Bier auf
Grund seines geschilderten Getränkecharakters imstande
 ist, den Alkoholmißbrauch erfolgreich niederzuhalten;
 denn daß bei der Natur des Bieres ein
biertrinkendes Volk in verstärktem Maße den allzemein
 bekannten Alkoholschäden ausgesetzt ist,
liegt soweit außerhalb jeder vernünftigen Erwägung,
daß wir glauben, es bei der ersten Fragestellung
bewenden lassen zu können.
Die Alkoholphysiologie des. Biergenusses.
Es ist schon an anderer Stelle gesagt, daß das
Bier als einziges unter den Getränken alkoholischer
Gärung gänzlich frei ist von den höheren Alkoholen
(Amyl- und Butylalkohole oder Fuselöle). Alles, was
über die Alkoholwirkung des Bieres zu sagen ist, beschränkt
 sich also auf den Äthylalkohol. ;
Die Erkenntnis, daß der Alkohol auch ohne jede
Zufuhr von außen im Körper beim Abbau der Kohlenhydrate
 als Intermediärprodukt entsteht, ist heute
Allgemeingut. Es verdient jedoch erwähnt zu
werden, daß Schweisheimer (München) der erste
Forscher ist, welcher dieses Vorhandensein des Alkohols
 im menschlichen Organismus festgestellt hat,
und zwar im Jahre 1913.
Die wissenschaftliche Betätigung einer alten Erlahrungstatsache,
 nämlich, daß das Alkoholische
Getränk viel besser bekommt, wenn man vorher
ordentlich gegessen hat, verdanken wir dem skandinavischen
 Forscher Erik M. P. Widmark, welcher
wörtlich sagt:
„=... Wenn der Alkohol unmittelbar nach einer kräftigen
 Mahlzeit genossen wird, ist die Konzentration (im
Blute) bedeutend niedriger (ein Fünftel) als bei Genuß
auf nüchternem Magen ...“ (Vgl. Skandinavisches
Archiv für Physiologie 1916, Bd. 33, Seite 85.)
Wie geringfügig die Alkoholwirkung z. B. von
zwei Flaschen Bier unter diesen Bedingungen ist, hat

Das britische M. R. €. (7) berichtet auf S. 19
ınd 20 seiner mehrfach zitierten Schrift, daß nach
Versuchen des englischen Physiologen Miles die
Alkoholanreicherung des Blutes nach einer Gabe von
77% g Alkohol in 27%prozentiger Konzentration um
30 % höher war als nach Verabfolgung desselben
\lkoholquantums in 5prozentiger Lösung, d.h. in der
Conzentration eines starken Bieres.
Diese englischen Versuche berücksichtigen aber
»ffenbar nicht den Umstand, daß beim konzentrierten
jetränk eine Alkoholmenge durchweg in kürzerer
Zeit getrunken wird als beispielsweise dies gleiche
Juantum von Bier. Diese praktische Regel beobıchtet
 aber ein ganz ähnlicher Versuch, über welchen
Prof. W. Straub (12), München, auf der 89. Verjammlung
 der „Gesellschaft deutscher Natur-'orscher‘“
 (im September 1926 zu Düsseldorf) berichtete.
 In dem Vortrage (12) heißt es:
S. 1093. „... Im Versuch am Menschen hat sich ergeben,
 daß 27,5 g Alkohol, in der konzentrierten Form
von Schnaps in kurzer Zeit getrunken, einen maximalen
Blutalkoholgehalt von nur 0,036 % machen, also rund
ein Zehntel des tödlichen Blutgehalts . . .“
und auf derselben Seite weiter unten:
„.. Wurden nämlich die 27,5 g Alkohol verdünnt,
A. h. in Form von einem halben Liter Bier getrunken,
was schon für die Zufuhr mehr Zeit verlangt, noch mehr
jür die Resorption, so wurde überhaupt nur ein
Blutalkoholgehalt von 0,004 %, also ungefähr ein
Hundertstel der tödlichen Konzentration erreicht und
gar keine merkliche narkotische Wirkung, man kann
sagen, in diesem Falle wird der Alkohol nahezu so rasch
zerstört, als er vom Darm aus dem Körper zuströmt,
las wäre also die chemische Kinetik der Mäßigkeit!...
Der sich nach dem Biergenuß einstellende Alkoholspiegel
war also bei gleicher Alkoholmenge nur ein Neuntel desjenigen,
 welcher. auf Branntweingenuß folgte.‘

Es ergibt sich demnach wiederum ein ganz besonieres
 Charakteristisches Merkmal, welches das Bier
n die physiologisch vorteilhafteste Stellung unter
len alkoholischen Getränken versetzt: die Herunteregelung
 der Alkoholanreicherung des Blutes entveder
 unter die Schadensgrenze oder auf Schadensninimum.
 Es ist ganz offenbar, daß diese
;pezifische Eigenartdes Bieresihren
zünstigen sozialhygienischen Ein-‘1uß
 in irgendeiner nach außen hin
senntlichen Form bekunden muß. Wir
&lt;önnen diese schadensmindernde Funktion des
3ieres mit Hilfe medizinalstatistischer Vergleichs-