254 _ Sonderbeschreibungen:
Im Jahre 1897 wurde die Leuesche Brauerei in
Spandau erworben und als Abteilung Spandau angegliedert.
 Nach diesem im Westen Berlins gewonnenen
 Stützpunkt fand man im gleichen Jahre
einen solchen im Osten, und zwar in der Schloßbrauerei
 in Fürstenwalde, die sich als Abteilung
Fürstenwalde dem gesamten Unternehmen anschloß.
Hierzu kam im Januar 1900 auf dem Wege der
Fusion die Verschmelzung mit der Aktienbrauerei-Gesellschaft
 Moabit, die seitdem die Abteilung Nordwest
 bildet. Während des Krieges wurde noch die
in Berlin wegen ihres alljährlichen Bockbiertrubels
sehr populäre Bockbrauerei als Abteilung Südwest
dem Unternehmen angeschlossen. Mit dem Einbeziehen
 dieser Brauerei in den Interessenkreis von
Patzenhofer ging
auch die der Bockarauerei
 gehörige,
irühere norddeutsche
 Bierbrauerei
als Abteilung Norden
 auf diePatzenhofer-Brauerei

über. Diese Abteilung
 wie die
Abteilung Südwest
wurden inzwischen
stillgelegt.
Die ganzeAusdehaungspolitik
 fand
hren Ausgang alliein
 in der Privatnitiative
 der verantwortungsvollen

ınd verantwortungsbewußten Leiter beider Unterı1ehmen.
 Sie verstanden nicht nur den Berliner
Markt zu gewinnen, sondern trugen auch, wie wir
zesehen haben, durch Erwerbung auswärtiger
Brauereien sowie durch Errichtung einer großen Anzahl
 von Niederlagen innerhalb eines Kreises, dessen
Größe durch Peripheriepunkte wie Swinemünde.
Breslau, Chemnitz und Halberstadt erkennbar wird,
die Interessensphäre ihrer Gesellschaften weit über
das Gebiet der Reichshauptstadt hinaus. Entscheidend
 für die Erwerbung neuer Braustätten war
der Wunsch nach Produktionsverbilligung, Absatzerhöhung
 und Gewährleistung dauernd guter
Markenbiere. ;
Die Gründe des‘ geschäftlichen Erfolges von
Schultheiss und Patzenhofer waren zunächst: Qualität
des Bieres, Aber ohne eine vorzügliche Organisation
des Vertriebes, der von innen nach außen ging, und
auf die Erwerbung immer neuer Kunden zum Zwecke
des Absatzes‘ größerer Quantitäten gerichtet war,
hätte sich dieser Erfolg nicht eingestellt. Bedenkt
man, daß in den Jahren 1860 bis 1895 die Berliner
Einwohnerzahl von % auf 22% Millionen stieg. daß

mmer neue Stadtviertel entstanden, so haben die
3rauereien durch Schaffung oder Erwerbung neuer
”’roduktionsstätten es verstanden, diese Absatzmögichkeiten
 auszunutzen, um groß zu werden. Daljurch,
 daß sie neben diesen Produktionsstätten
iberall, wo möglich, geschickt gute Stätten des
Zonsums errichteten, errangen sie ihre fast beispielse
 Popularität. So erhöhten sich Ausstoß und-Gevinn
 ständig bis zum Kriegsbeginn.
Während des Krieges konnte unter den auf allen
ndustriebetrieben lastenden Zwangsmaßnahmen von
ler Herstellung eines Getränkes, das, verglichen mit
lem Vollbier der Vorkriegszeit, den Namen Bier
virklich verdient hätte, kaum mehr gesprochen
verden. Denn der Begriff. „Ersatz“ beherrschte ja
diese harte Zeit,
die es mit sich
brachte, daß einige
Brauereibetriebe
vonSchultheiss wie
von Patzenhofer,
wie erwähnt, stillgelegtwerdenmuß-

 Die Nachwehen
 die Kriegszeit
 und .die Erkenntnis
 der Notwendigkeit,
 den
Wettbewerb zu beseitigen
 und durch
Konzentration auf
allen Gebieten wesentlich
 zu sparen,
waren die Hauptriebfedern
 für das endliche Zustandekommen
ler Fusion Schultheiss - Patzenhofer, die von
len Generalversammlungen der beiden großen
jesellschaften am 12. Juli 1920 gutgeheißen
zurde. Im Zusammenhang mit der von der
teneralversammlung der Schultheiss-Patzenhofer
irauerei im Jahre 1928 genehmigten Kapitalsrhöhung
 um 11,5 Millionen Mark auf insgesamt
i0 Millionen Mark gingen von der Ostwerke Aktienresellschaft
 die Zweigniederlassung Hindenburg sovie
 ihre Beteiligungen an der Lagerbierbrauerei
%, Haase G.m. b. H., Breslau, der Oppelner Aktienırauerei
 und Preßheife-Fabrik A.-G., der Vereinsrauerei
 Beuthen, der. Brauerei Jaeckel A.-G,.,,
5trehlen, der Engelhardt-Malzbier-Brauerei in Gleivitz
 und der Stadtbrauerei Groß-Strehlitz auf
;chultheiss-Patzenhofer über. Das Gesamtunter-‚ehmen
 umfaßt heute zwölf in Betrieb befindliche
;rauereiabteilungen und fünf Malzfabriken in Schönejerg
 (die von der Brauerei Schultheiss in der Kriegszeit
 vollendete, modernste und schönste, die es wohl
iberhaupt gibt), Pankow, Fürstenwalde, Frankfurt
a. d. O0. und Gleiwitz. Schultheiss-Patzenhofer ver-Feilansicht

 des Gärkellers einer Brauereiabteilung.