Gruppe I Brauereien, 267
arlegten, erforderten tragfähige Schultern. Hatte
las letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts nämlich
än Bild stetiger guter Konjunktur und gesunden
virtschaftlichen Fortschritts geboten, die den Braue-'eien
 eine ständige Weiterentwicklung sicherten, so
rat im Anfang des 20. Jahrhunderts eine allgemeine
virtschaftliche Depression ein, die sich naturgemäß
ıuch auf den Geschäftsgang in der Brauindustrie
ıuswirkte. Es kam noch hinzu, daß in dieser Zeit
aäine lebhafte Agitation der Alkoholzegner einsetzte,

Im Jahre 1893 wurde auch der neuerbaute Pierdestall
 in Benutzung genommen, der in zwei Stockwerken
 Platz für 150 Pferde bietet und mit allen
technischen und hygienischen Neuheiten ausgerüstet,
noch heute vorbildlich ist. Bei allen ihren Neubauten
hat die Schloßbrauerei stets darauf gesehen, nicht
nur für höchste Zweckmäßigkeit zu sorgen, sondern
auch durch Heranziehung bedeutender Architekten
Baulichkeiten zu schaffen, die ästhetisch einwandirei
 sind. und sich der Umgebung stilvoll einordnen.

Laboratorium

Die nun folgenden Jahre zeigen das Bild einer
stetigen, günstigen Fortentwicklung. Um die Jahrhundertwende
 überschritt der Absatz das zweite
Hunderttausend. Die Betriebsanlagen wurden im
Verhältnis zur Steigerung des Ausstoßes vergrößert
und entsprechend den Fortschritten von Technik und
Wissenschaft modernisiert. So wurde im Jahre 1896
ein neuer, umfangreicher Gärkeller in Betrieb genommen
 und das alte Sudhaus umgebaut, um seine
Leistungsfähigkeit zu steigern. Die für diese Bauten
nötigen Mittel wurden durch Erhöhung des Aktien-Kapitals
 um 780 000 M. auf 3000000 M. beschafit.
Der Reservefonds erreichte durch Zuweisung des
Agios aus der Aktienemission die stattliche Höhe von
beinahe 800 000 M.
So konnte die Schloßbrauerei finanziell und technisch
 gut gerüstet in das neue Jahrhundert schreiten.
Und das war notwendig, denn die Belastungen, die
die nächsten Jahre der gesamten Brauindustrie auflie

 bei der Wahllosigkeit der Mittel, deren sich die
\nhänger der Abstinenzbewegung stets bedienen,
ind bei der zuerst noch vorhandenen Unkenntnis des
7ublikums über die wahren Verhältnisse, naturvzemäß
 schädigend auf den Konsum einwirkte, Es
jedurfte langer Aufklärungsarbeit der unbeeinflußten
Nissenschaft, ehe sich in weitesten Kreisen die Ertenntnis
 durchsetzen konnte, daß ein mäßiger
\lkoholgenuß durchaus unschädlich ist und daß ge-‚ade
 das Bier wegen seines geringen Alkoholgehaltes
das übliche Lagerbier enthält nur etwa 3% %) bei
‚einem Gehalt an lebenswichtigen Nährstoffen und
‚einer anregenden Wirkung ein hervorragendes
liätetisches Getränk darstellt, das bei vernünftigem
.jenuß allen anderen Volksgetränken überlegen ist.
Der Ausfall konnte durch Erweiterung des Faßxiergeschäftes
 sehr bald ausgeglichen werden, so
laß im Geschäftsjahr 1905/06 eine Absatzziffer von
"und 235 000 hl erreicht. wurde.