Gruppe I Brauereien.
Weißbierkneipen wird es gesucht, sondern auch in
den besseren und besten Gaststätten hat das Berliner
 Weißbier wieder seinen Einzug gehalten. Es
dürfte kaum eine einzige, dem Geschmack des Publikums
 entsprechende Gaststätte geben, die nicht
die „Berliner Weiße“ in ihrem Keller hätte. Allerdings
 überragt auch die heutige „Edelweiße“ „Die
kühle Blonde“ des vorigen Jahrhunderts in jeder
Weise. In Braustätten hergestellt, die sich technisch
den Anforderungen der Zeit angepaßt haben, stellt
sie auch im Gaststättenbetrieb längst nicht mehr
solche Ansprüche wie früher. Aber auch ihre
Qualität ist in hervorragendem
Maße gesteigert. Nicht nur die
alten Weißbiertrinker erkennen das
an, sondern es entspricht dieses
Bier mit seiner Alkoholarmut und
seiner wohltuenden Frische ganz
besonderen Erfordernissen der Neuzeit
 und wird von Sportlern, Touristen,
 Erholungsuchenden jeder
Art bevorzugt — in der richtigen
Erkenntnis, da sie ihrem trainierten
 oder strapazierten Organismus
damit am besten dienen. Dieses
veredelte Weißbier ist weder eine
Gefahr für die Gesundheit noch
sine solche für den Geldbeutel:
auch ist wohl die Gefahr ausgeschlossen,
 sich damit einen
Rausch anzutrinken.
Die Landre-Breithaupt- Weiße
Ändet daher neuerdings nicht nur in Berlin selbst
wieder gesteigerte Anerkennung, sondern hat sich
auch die Provinz erobert; sie ist an der Nordwie
 an der Ostsee, in Ostpreußen so gut wie im
Marz, kurz überall zu finden.
Auch sonst hat ja die Sonderart des obergärigen
Weißbieres wieder Anerkennung gefunden, so selbst
in der Bierstadt München, wo neuerdings, namentlich
 bei den Oktoberfesten, das Weißbier sich einer
besonderen Beliebtheit erfreut.
In Berlin ist es, wie schon erwähnt, die Landre-Breithaupt
 A.-G., die es sich zum besonderen Verdienst
 anrechnen kann, dieser Berliner Spezialität
nicht nur wieder zur Geltung verholfen, sondern
darüber hinaus, ihr auch neue Freundeskreise erworben
 zu haben. Die erste Voraussetzung hierfür
war die vollendete zeitgemäße brautechnische Finstellung,
 verbunden mit dem Ziele, gleichzeitig die
Qualität zu heben, und wie gut dies gelungen ist, das

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wissen heute die Berliner Gastwirte, und nicht nur
liese. Sehr viele Gastwirte, die aus anderen Gezenden
 Deutschlands in den letzten Jahren die
deichsgastwirtsmesse in der Reichshauptstadt be-‘ıcht
 haben, haben den Ausschank von Landre-3reithaupt
 besonders bevorzugt, Die Zeit der kleinen
Neißbierbudiken ist überwunden. Gute Gaststätten
eder Art tragen der Tatsache Rechnung, daß Weißxier
 geführt werden muß. Wenn auch die. alt-'enommierten
 Weißbierstuben, wie Haase, Paepke
ınd andere, verschwunden sind, so hat doch die
„andre-Breithaupt A.-G. äußerst gemütliche und dem
Geschmack .der Neuzeit entsprechende
 vornehme, künstlerisch
ausgestattete . Sonderausschanklokale
 erstehen lassen. ‚Die alten
Weißbierstuben von Landre sind,
da das alte Haus ‚abgebrochen
wurde, unter Beibehaltung des
alten Inventars von der Stralauer
nach der Klosterstraße verlegt
 worden, wo sie nicht nur
von Berlinern, sondern auch von
Premden als sehenswerte Berliner
Sonderheit aufgesucht werden.
Aus der alten Weißbierstube von
Tübbecke in Alt-Stralau ist durch
Künstlerhand eine Stätte geschaffen,
 die heute einen Stern im
„Baedeker‘“ der Berliner Verkehrshebung
 hat. In Neukölln
wurde am 1. August 1929 im
deutschen Wirtshaus ein Weißbierkeller eröffnet,
ler dem Erbauer alle Ehre macht. .
Ein Stück „Alt-Rixdorf‘“ ist hier erstanden, wo
'n anheimelnden Räumen an alten Eichentischen
ler Gast geladen wird. eine gute alte Weiße
zu genießen.
Während früher für Kenner die im Sande einzebuddelte
 und aufbewahrte Märzweiße ein be-;onders
 erfrischendes Getränk bildete, so bietet
1eute eine Landre-Breithaupt-Rießling, eine Starkxerweiße
 von besonderer Qualität, dasselbe und
nehr; sie schmeckt und riecht — ähnlich wie die alte
Värzweiße — wie guter Moselwein.:
Wenn nicht alle Zeichen trügen, so ist „Die Beriner
 Weiße“ wieder im Begriff, sich immer neuen
3oden zu erwerben; kommt sie doch ganz besonders
lem Hauptcharakteristikum unserer modernen Zeit,
las hoch und niedrig vereinigt, nämlich der Sport-)jewegung,
 in vollendeter Weise entgegen.

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart.