Gruppe I Brauereien.

Die Kulmbacher Brauindustrie

Das Kulmbacher Bier ist in’der ganzen Welt
bekannt und kennzeichnet nach seiner Art und
Qualität einen ganz besonderen Typ. Die Brauindustrie
 ist es, die der kleinen fränkischen Stadt
eine Berühmtheit verschafit hat. Etwa um die Mitte
des 14. Jahrhunderts wird uns dort zum erstenmal
von dem Bestehen eines Brauhauses berichtet.
Dieses gehörte zu einem 1340 von dem Burggrafen
Joachim HI. von Nürnberg gegründeten Augustinerkloster.
 Die Mönche, die das Erzeugnis ihrer Braukunst
 an die Bürger verkauften, mochten so auch
anregend auf die Hausbrauerei der Bürger selbst
einwirken. Die damals erzeugte Biermenge muß
doch schon so bedeutend gewesen sein, daß sich die
Burggrafen durch Erhebung einer Tranksteuer willkommene
 Einnahmen zu verschaffen wußten. Jeder
Bürger hatte zunächst das Recht zum Brauen, zugleich
 aber auch das Schankrecht, so daß jedes
Bürgerhaus ein paarmal im Jahre zum Wirtshaus
wurde. Das Brauen war reine Erfahrungs- und
Geschicklichkeitssache und wurde als Nebengewerbe
von Bäckern, Metzgern, Müllern usw. im eigenen
Hause betrieben. Dieses nicht als Haupterwerbszweig
 hergestellte Bier war selbstverständlich noch
von niedriger Qualität, so daß die Hofhaltung auf der
Plassenburg sogar noch fremdes Bier vom auswärts
 bezog.
Im 16. Jahrhundert nahm das Kulmbacher Brauwesen
 einen beträchtlichen Aufschwung. Der Rat
der Stadt beschäftigte sich eingehend mit der Bierbrauerei
 und erließ eine Reihe diesbezüglicher Bestimmungen
 und Verordnungen. Um 1530 wird auch
das erste Bürgerbrauhaus am Eberhacken genannt,
während vom Bau eines Kommunalbrauhauses in
den Ratsprotokollen erstmalig 1555 die Rede ist.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts finden sich in der
Stadt bereits drei Brauhäuser, ein Kommunalbrauhaus
 und zwei private. Jetzt dürfen auch nur noch
die Bürger brauen, die ein eigenes Hausgrundstück
besitzen. Ein Fortschritt in technischer Beziehung
war insofern zu verzeichnen, als die „brauenden
Bürger“, die kein eigenes Brauhaus besaßen, ihr
Bier in der Hauptsache im städtischen Brauhaus der
Reihe nach herstellten, also nicht mehr mit den primitiven
 Mitteln des eigenen Haushaltes zu arbeiten
brauchten. Im 17. Jahrhundert gab es in Kulmbach

;twa 60 „bräuende Bürger“, die zusammen gegen
5000 hl Bier erzeugten. Im 18. Jahrhundert hatte
las Kulmbacher Braugewerbe keine nemnnenswerten
 Fortschritte zu verzeichnen. Die gewerbiche
 Gesetzgebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts
ibte ihren Einfluß auch auf die Kulmbacher Bierrauerei
 aus. Seit 1830 begannen allmählich ein-‚elne
 Bürger die Brautätigkeit auch zu ihrem Hauptjeruf
 auszubauen, freilich immer noch auf vollcommen
 handwerklicher Grundlage. Durch die Entvicklung
 der Verkehrsmittel wurde der weitere Auf-;tieg
 außerordentlich begünstigt, besonders, da
Culmbach bereits 1846 seine ersten Eisenbahnzerbindungen
 bekam. Der eigentliche Aufschwung
les Kulmbacher Braugewerbes setzte aber erst
ıach der Reichsgründung ein. Seit etwa 1875 besann
 auf der Grundlage der ungeahnten Fortschritte
ron Technik und Wissenschaft die Überleitung vom
j‚andwerklichen Kleinbetrieb zum industriellen Großyetrieb.
 Die ersten Brauerei-Aktiengesellschaften
:ntstanden und zeigten sich den kleineren Unterı1ehmungen
 an Leistungsfähigkeit und fortschrittichem
 Geist bald bedeutend überlegen, wodurch sie
ındererseits das gesamte Braugewerbe mit vorvärtszogen.

Bis zum Jahre 1900 war die Bierausfuhr aus Kulm-»ach
 bis auf 733 748 hl angewachsen. Natürlich war
358 bei einer derartigen Entwicklung nicht ohne
nnere Kämpfe abgegangen, in denen die kleineren
3rauereien gegen die Überlegenheit der Groß-»jetriebe
 hart zu ringen hatten. Äußerlich ist dies an
ler langsam aber unaufhaltsam sich vollziehenden
&lt;onzentration zu erkennen. Im Jahre 1883 gab es
jei einer Gesamtausfuhr von 237886 hl noch
26 Brauereien, jetzt sind es nur noch sechs Groß-»rauereien,
 die frotz der unendlichen Schwierigzeiten
 der Kriegs- und Nachkriegszeit mehr als die
loppelte Biermenge exportieren.
Die Kulmbacher Brauindustrie besteht heute aus
Austerbetrieben, in denen alle Fortschritte der Neu-‚eit
 Aufnahme und Verwirklichung finden. Zur Ver-'retung
 und Förderung der gemeinsamen Interessen
ıuf dem Gebiete der Brauindustrie wurde im Jahre
1911 die Brauereivereinigung Kulmbachs als E. V.
ns Leben gerufen, um ein gedeihliches Zusammenırbeiten
 zu ermöglichen und um im Rahmen der