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Sonderbeschreibungen:
Krafiwagen und

Brauindustrie.
Von hier an führt die Statistik den Bestand nicht
nehr für die einzelnen Industriegruppen gesondert
ıuf. Man darf aber annehmen, daß er sich, dem allgeneinen
 Tempo der Motorisierung entsprechend, zum
venigsten in gleichem Maße auf etwa 5000 bis
000 Einheiten weiter erhöht hat. Wie die oben an--eführten
 Zahlen zeigen, suchten gerade in den
lahren sinkender Produktion die einzelnen Unterı1ehmungen
 dem gesteigerten Wettbewerb durch eine
’erbesserung ihrer Vertriebsmöglichkeiten zu beregnen.
 Wenn sich nun die Annahme als richtig erveist,
 daß mit der im Jahre 1928 erzielten Bier-“ewinnung
 von 55 Mill. hl die bei der gegenwärtigen
Virtschaftslage gegebene Aufnahmefähigkeit des
Aarktes erschöpft ist, so wird diese eine weitere Verchärfung
 des Wettbewerbs bedeuten, die wiederum
- neben der finanziellen Einflußnahme auf die
Schankstätten — wesentlich durch eine Intensivierung
ies Lieferdienstes ausgefochten werden dürfte. In
iner so ausgesprochen absatzorientierten Inlustrie,
 deren Produkt unterschiedslos alle Beölkerungsschichten
 als Konsumenten voraussetzt
ınd daher eine Belastung mit hohen Transportkosten
ıcht verträgt, erlangen jene Unternehmen das Überrewicht,
 die — von der Qualität des Biers ab-‚esehen
 — über den schnellsten, zuverlässigsten und
parsamsten Vertriebsapparat verfügen. Auch die
‘urch die Verschärfung der Konkurrenz bechleunigte
 Konzentrationsbewegung, die einen
;trukturwandel zugunsten der großen und mittleren
jetriebe zur Folge hat, drängt zu steigender Beutzung
 des Kraftwagens in dem Maße, wie der Abatzbereich
 der einzelnen Brauerei über die mit
Merdefuhrwerken erreichbaren Strecken hinausvächst
 und diese Ausweitung ein leistungsfähigeres
"ransportinstrument verlangt. So wird vom Kraitvagen
 her diese Tendenz zur Konzentration gefördert
ınd über eine gewisse Grenze hinaus überhaupt erst
nöglich gemacht.
Die allgemeinen Vorteile des Kraftverkehrs, wie sie
»ben skizziert wurden, kommen also den besonderen
3edürfnissen der Brauindustrie in mancher Hinsicht
ntgegen. Der deutschen Lastkraftwagenindustrie
st es gelungen, einen Wagen zu bauen, der interıational
 als bei weitem der leistungsfähigste ansesehen
 wird. Spezialwagen für die Brauindustrie
—- vom 10-Tonnen-Lastzug und schweren Dreiıchser
 bis zum leichten Schnellieferwagen, mit be-;sonderen
 Aufbauten für getrennten oder kombinierten
?7aß- und Flaschenbiertransport — tragen den ver-;schiedenartigen
 Anforderungen der Brauindustrie
Yechnung. In ihrem Dienst wird der Kraftwagen
als ein wesentliches Mittel zur Steigerung ihrer
Zentabilität allmählich das Transportmittel werden.

Losgelöst von der starren Linienführung der
Schienenbahn, anpassungsfähig an die individuellen
Bedürfnisse der Wirtschaft, hat das Kraftfahrzeug
eine neue Epoche in der Verkehrswirtschaft gebracht.
Wie weit im besonderen die Beschleunigung der
Transporte durch den Lastkraftwagen geht, zeigen
die von Dr. Esch vorgenommenen Untersuchungen.
Danach beträgt bei der Schienenbahn unter Einbezug
 der Umladung, Verladung usw. die durchschnittliche
 Beförderungsgeschwindigkeit für Eilgüter
 3 und für Frachtgüter 1,5 Stundenkilometer.
Der Lastkraftwagen mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von etwa 14 Stundenkilometern
ist also dem Eilgüterzug im Durchschnitt an
Schnelligkeit vier- bis fünfmal, dem Güterzug achtbis
 neunmal überlegen. Im Nahverkehr liegen die
Verhältnisse für das Auto noch vorteilhafter,
Die technische Vervollkommnung, insbesondere
der Einbau starker Sechszylindermotoren und die
Verwendung von Luftbereifung, hat die Geschwindigkeit
 des modernen Kraftwagens so gesteigert, daß
er selbst auf weite Entfernungen von 600 und mehr
Kilometern sich in der Praxis als das gegenüber
der Schiene schnellere und zuverlässigere Transportmittel
 bewährt hat. Auch die Brauindustrie benutzt
ihn bereits zu Ferntransporten, so beispielsweise für
Lieferungen von Mainz bis in das Saargebiet hinein.
Mit der fortschreitenden Verbilligung der Anschaffungs-
 und Betriebskosten für den Kraftwagen
auf der einen und den Frachtsteigerungen der
Reichsbahn auf der anderen Seite, vermag er über
seine ursprüngliche Verwendung im Nahverkehr
hinaus auch auf großen Entfernungen im Preis mit
der Eisenbahn zu konkurrieren. Der Brauindustrie
bietet er zudem den wesentlichen Vorteil, daß das
Bier dank der schnelleren Autobeförderung gegen
Temperatureinflüsse besser geschützt und nicht
— wie bei der Eisenbahn — auf Spezialwaggons angewiesen
 ist, Die für den Brauereibetrieb so wichtigen
 Beilagen, wie Kohlensäureflaschen, Möbel für
Üastwirte usw., vermag man dem Kraftwagen bequemer
 und ohne wesentliche Mehrkosten mitzugeben,
 während ihre Verfrachtung durch die Fisenbahn
 mit mehr oder weniger großen Umständen und
Lasten verbunden ist.
Diese Vorteile hat sich das deutsche Brauereigewerbe
 schon früh nutzbar gemacht. Die amtliche
Statistik des Bestandes an Lastkraftwagen von über
2 t Eigengewicht — auf die es hier vornehmlich ankommt
 — stellt in den Jahren 1921 bis 1926 eine Verdreifachung
 für das Brauereigewerbe fest. Es liefen
in diesem Wirtschaftszweig allein an schweren Lastkraftwagen

1340 im Jahre 1921
2226 im Jahre 1922
2528 im Jahre 1923

2786 im Jahre 1924
3452 im Jahre 1925
3998 im Jahre 1926