<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart</title>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>182300153X</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        ul Rey a eg Gere a
ERSTE RENTNER AA KAHN
A

EN

LESE
        <pb n="2" />
        EIGENTUM
DES
INSTITUTS
FÜR
WELTWIRTSCHAFT
KIEL
BIRLIOTHEK
Nr. Y 1002
        <pb n="3" />
        Die

deutsche Brauindustrie
der Gegenwart

Herausgegeben

unter Förderung des

Reichsernährungsministeriums

sowie des

Präsidiums des Deutschen Brauer-Bundes

Verlag von Reimar Hobbing, Berlin — Verlag J. Bensheimer, Mannheim
        <pb n="4" />
        MM LSOA

“WW A05
I6Te Rck
Ma tr

EX
        <pb n="5" />
        Inhaltsverzeichnis

Erster Teil

Seite

Geleitwort von Direktor Rudolf Funke, Mitglied des Vorstandes der Schultheiss-Patzenhofer
 Brauerei-Aktiengesellschaft, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, E. V. S

I. Die Brauindustrie als Wirtschaftsfaktor
ı. Die volkswirtschaftliche Struktur der Brauindustrie
von Kurt W. Droege, Syndikus des Deutschen Brauer-Bundes, E. V., Berlin .
2. Die Organisation der Brauindustrie
von Generaldirektor R. Nortmann, Berlin . 20
3. Die wissenschaftlichen Institute und Organe der deutschen Brauindustrie
von Dr. Schulze-Besse, Dozent an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei
und Schriftleiter der Tageszeitung für Brauerei, Berlin... ..
4. Die Rationalisierung der Bräuindustrie
von Di. Lüers, Professor an der Technischen Hochschule in München, Vorstand
‚der Wissenschaftlichen Station daselbst . . . 0. 0.0000000000000 0 RR 0
5. Der kaufmännische Brauereibetrieb
von Dr. Ecker, Professor an der Hochschule Weihenstephan, München . . .‘ 29
6. Die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft
von Komm.-Rat Dr. Mauritz, Direktor derDortmunder Actien-Brauerei, Dortmund : 37
7. Die Rentabilität der Brauindustrie
von Kurt W. Droege, Syndikus des Deutschen Brauer-Bundes, E, V., Berlin 42
48. Der braugewerbliche Mittelstand
von Direktor ]. H. Paefgen, Düsseldorf, Vorsitzender des Präsidiums der
Arbeitsgemeinschaft der Verbände der deutschen Klein- und Mittelbrauereien , . 46
Z9. Die deutsche Bierausfuhr
von Senator a. D. Gottfried Schurig, Bremen, Vorsitzender des Verbandes der
Deutschen Ausfuhrbrauetreien E. V

49

II. Die Brauwissenschaft und Brautechnik

ı. Wie entsteht das Bier?
. von Professor Dr. Hayduck, Direktor des Instituts für Gärungsgewerbe, Berlin 53
2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau
von Dr. Neumann. Dozent an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin Go
3. Die Mälzerei
von Dr. Philippe, Dozent an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin 67
4. Det deutsche Hopfenbau
von Dr, Stiegler, Syndikus des Bayerischen Brauerbundes, e. V., München. . Bo
5. Hopfen und Braugewerbe
von Komm.-Rat Kirschner, Präsident des Bayerischen Brauerbundes, e. V.,
Tegernsee, Präsidialmitglied des Deutschen Brauer-Bundes, E.V. , .. . . . 90
6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand
von Josef Wild, Generalbetriebsdirektor der Schultheiss-Patzenhofer Brauetei-Aktiengesellschaft.
 Berlin
        <pb n="6" />
        7. Lager- und Transportgefäße Seite
a) BierfaBindustrie von Rechtsanwalt Dr. Carl Dingeldey, M. d. R., Darmstadt 116
b) Glasemaillierte Tanks von Oberingenieur W. Knüppel, Berlin . . . . . 119
8. Der Bierversand
von Kom.-Rat Dr. K. A. Lange, Direktor der Aktienbrauerei zum Löwenbräu,
München, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Ausfuhrbrauereien E.V... GruppeSüd 122

[I. Die Verflechtung der deutschen Brauindustrie mit der deutschen
Volkswirtschaft
ı. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft
von Dr. Horlacher, M.d.R., München, Dir. d. Bayerischen Landesbauernkammer - 129
2, Braugewerbe und Maschinenindustrie ;
von Dr. Ganzenmüller, Professor an der Hochschule Weihenstephan. . . . 140
3. Das Gast- und Schankstättengewerbe ; ;
von Dr. W. Feilchenfeld, Syndikus der Industrie- u. Handelskammer zu Berlin 148

IV. Die sozial- und wirtschaftspolitischen Leistungen der Brauindustrie
:. Die finanzpolitische Bedeutung der Brauindustrie
a) Biersteuern und Braugewerbe
von Rechtsanwalt Dr. rer. pol. W. Schmidt, Berlin, Direktor des Deutschen
Brauer-Bundes, E. V., Direktor des Deutschen Boykottschutzverbandes für
Brauereien, V.2.G.. 2.0.0.0...
n) Brauindusttie und Steuerrecht
von Dr. Koppe, Direktor der Schultheiss-Patzenhofer Brauetei-A.-G., Berlin 161
2. Schankstättengesetzgebung
von Dr. Dührssen, Syndikus des Deutschen Brauer-Bundes, E.V., Berlin . . 172
3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber
von Dipl.-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin. .
4. Der Braumeister
von Generaldirektor W. Reinhardt, Leipzig .
5. Die biologischen Verhältnisse bei der Bierbereitung
von Professor Dr. Hans Schnegg, Weihenstephan
6. Die Nebenprodukte der Bierbratierei
von Professor Kurt Trautwein, Weihenstephan ,

V. Die Kulturbedeutung der deutschen Brau’ndustrie
z. Die Geschichte des Brauwesens
von Direktor Richard Knoblauch, Berlin . 20.0.0000
2. Die Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens, E.V.
von Komm.-Rat Dr. W. Sobernheim, Generaldirektor der Schultheiss-Patzenhofer
 Brauetei-Aktiengesellschaft, Berlin, Vorsitzender des Schutzverbandes der
Brauereien der ehemaligen Brausteuergemeinschaft E.V... . WR
3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres
von Dipl.-Ing. Paproth, Berlin.

81 218

221

226

Zweiter Teil
Sonderbeschreibungen deutscher Braustätten und braugewerblicher Nebenzweige
 sowie maschineller Einrichtungen usw...
Sachregister . .

249

57T
        <pb n="7" />
        ’
Geleitwort.
Von Direktor Rudolf Funke, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, E. V.

Gewohnheit macht nicht wißbegierig, und gerade
 auf des alltäglichsten Verkehrs Gegenstände
richtet sich der Erkenntniswille im geringsten Ausmaß.
 Bei zahlreichen Menschen ist das Wissen um
entifernteste Zusammenhänge oft größer als das
Wissen um den Alltag, etwa — um ein naheliegendes
Beispiel zu nennen — vom inneren Wesen des
Geldes, dessen sie sich fast allstündlich bedienen.
Anderenfalls wären Tragik und Panik der Nachkriegsinflationsjahre
 unmöglich gewesen.
Auch über die Naturgeschichte des täglichen Er-Irischungsgetränks
 und Nahrungsmittels „Bier“,
über dessen wirtschaftliche, technische, physiologische
 und kulturelle Bedeutung gehen die Vorstellungen
 der Allgemeinheit kaum über den Bereich
des Nebelhaften hinaus. Die immer wiederholten
und nur zu häufig — echt oder maskiert — weltanschaulich
 betonten Angriffe auf das Braugewerbe
wurzeln ausnahmslos in Irrmeinungen,
Es ist deshalb außerordentlich zu begrüßen, wenn
auf den nachfolgenden Bogen einige Dutzend bewährter
 wirtschaftlicher Führer und wissenschaftlicher
 Sachverständiger unseres Industriezweiges
sich in ideell gemeinsamer Arbeit bemüht haben,
über die Grundlagen, Zusammenhänge, Auswirkungen
 des Brauwesens und der Braugeschichte
Aufklärung zu vermitteln.
Aufklärung. und Erhellung all der verwickelten
Vorgänge in technisch-wirtschaftlicher Hinsicht
iut auf diesem Gebiet auch deshalb not, weil der
volkswirtschaftliche Standort unseres Industriezweiges
 ganz besonders schwierig zu bestimmen ist.
Schlägt man noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts
erschienene Monographien über Deutschlands wirtschaftliche
 Gestaltung auf, so findet man den das
Bier herstellenden Gewerbezweig bald unter „Landund
 Forstwirtschaft“, bald unter „Industrie“ oder
auch in dem Kapitel „Handwerk“ abgehandelt.
Während die Brauereien nach wie vor größte Abnehmer
 der Landwirtschaft sind, die sie in Wechselwirkung
 wieder in beträchtlichem Ausmaß mit wertvollen
 Futtermitteln beliefern, während die Brauerei
im letzten Sinn nicht „produziert“, sondern auf

‘undamental wissenschaftlicher, in Jahrtausenden
rewordener Basis Bier „gewinnt“, d. h. sich die Eineitung
 und Regulierung eines Naturprozesses zur
\ufgabe macht, hat die Gesamtheit der Brauereien
inen industriellen Entwicklungsgang durchgemacht,
ler an keiner modernsten „Rationalisierung“, an
ceinem diffizilsten betriebswirtschaftlichen und
»roduktionstechnischen Organisierungsversuch un-’eeinflußt
 vorübergegangen ist. Die Auswertung der
ımtlichen Berufs- und Betriebszählung des Jahres
925 durch das Statistische Reichsamt hat diese
"atsache ziffernmäßig erhärtet gefunden und in die
*ormel zusammengefaßt, daß kein Wirtschafts-‚weig
 derart die Entwicklung vom Handwerk zur
ndustrie aus innerer, eigener Kraft an sich erfahren
aabe, wie Deutschlands Brauindustrie.
Dennoch stehen auch heute noch wie kaum auf
ınderen Gebieten in der Brauindustrie neben den
üroßkonzernen: und Aktienbrauereien aller Größen
nittlere sowie kleine und kleinste gewerbliche
3rauereien. Alle sind durch gemeinsame Interessen
ıufs engste miteinander verbunden und aufeinander
ıngewiesen. Die erfreuliche, historisch bedingte und
ınbeschadet des offenen Blickes für Verbesserungen
mmer erneut sich erweisende Traditionsgebundenleit
 der Brauer hat. trotz aller strukturellen Wirtschaftswandlungen
 des letzten Jahrzehnts das
Neiterblühen gerade auch eines mittelständischen
3raugewerbes ermöglicht, das ebenso wie die Brau-Äroßindustrie
 weiterhin seine innere Gesundheit
;rweisen wird, wenn man der gesamten Braundustrie
 nicht zum Schaden der Gesamtwirtschaift
ıntragbare Belastungen zumutet, deren Begrünlungen
 leider wie die eingangs erwähnten sonstigen
Angriffe ebenfalls meist von völlig irrigen Anschauungen
 über die wirtschaftliche Verflechtung
ınd Bedeutung der Brauindustrie genährt werden.
Daß es diesem Werk gelingen möge, in breiten
Xreisen solche irrigen Anschauungen zu besserer
Erkenntnis zu wandeln, ist in einer Stunde der
"rneuten steuerlichen Gefährdung unseres Industriezweiges
 der ernsteste Wunsch seiner sämtlichen
Angehörigen auf Arbeitgeber- wie ebenso auf
Arbeitnehmerseite.
        <pb n="8" />
        I. Die Brauindustrie als Wirtschaftsfaktor.

1. Die volkswirtschaftliche Struktur der Brauindustrie.
Von Kurt W. Droege, Syndikus des Deutschen Brauer-Bundes, E,. V., Berlin.

"Die deutsche Brauindustrie ist nicht nur vom
wissenschaftlich-technischen Standpunkt, sondern
vor allem auch vom volkswirtschaftlich-strukturellen
Standpunkt aus ein wirtschaftliches Phänomen ganz
besonderer Art. Während die übrige Industrie Güter
erzeugt bzw. verarbeitet, kann man das Wesen der
Brauindustrie im tieferen Sinn nicht so definieren.
Man muß ihre Aufgabe vielmehr so deuten, daß sie
einen eigenartigen und wissenschaftlich noch nicht
restlos gedeuteten Naturvorgang mit einer
aus jahrhundertealten Erfahrungen resultierenden
Geschicklichkeit mit Hilfe zahlreicher, den wissenschaftlichen
 Theorien und Forschungen verdankter
Apparaturen so leitet, daß jenes Getränk entsteht,
 das den wachsenden Qualitätsanforderungen
breitester Volksschichten stets gleichmäßig entspricht.
 Entscheidend für den Charakter der Brauindustrie
 ist deshalb, daß sie noch heute trotz der
dominierenden Bedeutung der Apparatur und der
Maschine in besonderem Grade von den Kenntnissen
 und der Berufsfreudigkeit der leitenden
Menschen abhängt.} Bezeichnend hierfür ist, daß bei
"der Errichtung eigener Brauereien in fernen, des
Brauens ungeübten Ländern immer wieder die Forderung
 nach einem deutschen Braumeister als der
Seele des Betriebes erhoben wird.
"Wohl selten sind Industrie, Handwerk im Sinne
des Kunstwerks und Massenversorgung so innig
miteinander verbunden worden wie gerade in der
Brauindustrie. Damit aber verknüpft wie kein
anderer Wirtschaftszweig‘: dieser innerlich zwei
Zeiten miteinander, nämlich die Zeit der handwerklich
 gerichteten Stadtwirtschaft und die Ära
der auf Massenversorgung abzielenden modernen
Volkswirtschaft. Die deutsche Stadtwirtschaft ist
nicht zu denken ohne seine „aristokratische‘‘,
weil bevorrechtigte Brauerei; in der modernen
deutschen Volkswirtschaft aber spielt die Brauindustrie
 die Rolle einer der größten nationalen
Industrien. } Aber in noch viel weiterem Sinne
schlägt sie in wirtschaftshistorischer Beziehung die
Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart.
Denn tatsächlich reicht das Bier bis in die grauesten
Vorzeiten menschlichen Lebens zurück. Im „Handwörterbuch
 der Staatswissenschaften“ können wir
aus der Feder von E. Struve lesen, daß das Bier
zweifelsohne zu den allerältesten und weitverbreitesten

 Genußmitteln im Haushalte der Mensch-3eit
 gehört und daß es schon vor der Zeit der Ackerwirtschaft
 in der Zeit der sogenannten „Sammelvirtschaft“
 vorhanden war, von dem Augenblick an,
vo die Menschen die Kunst des Kochens kannten.
Die bekannten Arbeiten von Dr. E. Huber und
ınderen Autoren in den Veröffentlichungen der „Ge-;ellschaft
 für die Geschichte und Bibliographie des
3rauwesens‘“ verfolgen die historische Linie des
3raugewerbes bis zurück zu den Babyloniern, den
{gyptern, den Assyriern, Äthiopiern USW., ganz zu
schweigen von den nordischen Völkern und den
jermanen.
Von besonderer Bedeutung für die heutige volksvirtschaftliche
 Stellung der Brauindustrie ist ferner,
laß sie, wie die amtliche Statistik erwiesen hat, den
Veg vom Handwerk zur Industrie ganz aus
»&amp;gt;igener Kraft gegangen ist, während die
;onstigen. Industrien aus den Manufakturen im
egensatz zum Handwerk entstanden sind und in
Konkurrenz mit diesem es teilweise vernichtet, teilveise
 in seiner Struktur von Grund auf umgemodelt
1aben. Typisch ist hier im Gegensatz zur Braundustrie
 der Weg von Schuhindustrie und SchuhnNacherhandwerk.
 Für den entgegengesetzten Weg
les Braugewerbes ist vor allem maßgebend gewesen,
laß kaum ein Handwerk sich so von vornherein den
vissenschaftlich-technischen Fragen widmete und
von sich aus eine vorzügliche Fachwissenschaft
Örderte und bis zur höchsten Vollendung entwickelte,
 wie die Brauereien.
Nur aus solcher Entwicklung heraus ist auch zu
zerstehen, daß sich die Brauindustrie in ganz großen
Teilen noch einen so mittelständischen Charakter eralten
 hat, denn mittlere und kleine Betriebe sind bei
hr heute noch durchaus neben den Großbetrieben
ebensfähig. Damit aber ergibt sich ein weiteres
‚olkswirtschaftlich bedeutungsvolles Moment. Denn
rerade dadurch sind die Brauereien heute noch die
regebenen Mittler zwischen Industrie und Handwerk,
zumal sie mit ihren eigenen wachsenden Aufgaben
ıuch dem Handwerk wachsende Aufgaben und Verlienstmöglichkeiten
 geben. Es sei dabei nur an die
zroße Menge ihrer ständigen Reparaturen erinnert.
Nicht minder stark aber ist ihre Rolle — und das
ist in den heutigen Tagen von ganz besonderem
Äewicht — als Mittler zwischen der deutschen
        <pb n="9" />
        _ Kurt W. Droege, Berlin:
Landwirtschaft und der heimischen Industrie. Das
zeigt sich besonders dann, wenn man neben den
Großkonzernen der Brauindustrie die zahlreichen
kleinen Brauereien ins Auge faßt, die in landwirtschaftlichen
 Gegenden, wie namentlich in Süddeutschland,
 das Zentrum des Verkehrs und Markt-‚ebens
 bilden. Auch in Mittel- und Norddeutschland
beobachtet man noch vielfach heute, daß die Brauerei
ein Zentrum des Marktverkehrs der Landwirtschaft
ist, wohin der Landwirt seine Gerste und seinen
Hopfen liefert und Treber und Malzkeime als hochwertige
 Futtermittel bezieht.
Vergegenwärtige man sich darüber hinaus, was
die Brauindustrie zahlenmäßig für unsere Landwirtschaft
 bedeutet, so sind zunächst ihre gesamten
Rohstoffe agrarischer Herkunft. Jährlich verbraucht
sie allein 12—13 Millionen Doppelzentner Gerste.
Davon werden nur ganz verschwindend geringe
Mengen eingeführt, und zwar, wie an anderer Stelle
dieses Kompendiums eingehend ausgeführt wird,
deshalb, weil die deutsche Landwirtschaft nicht in
genügendem Maße Gerste in der für den Bierexport
notwendigen Qualität produziert. Hier ergibt sich
uw U. für die schwer ringende deutsche Landwirtschaft
 noch eine gute Chance, deren Ausnutzung
nicht zuletzt im Interesse der deutschen Handelsdilanz
 liegt. Immerhin nimmt die Brauindustrie
schon jetzt 50 % der gesamten deutschen Gerstenproduktion
 auf. Dazu kommt ein jährlicher Verbrauch
 der deutschen Brauereien von 250 000
Zentner Hopfen, was bedeutet, daß sie damit dem
deutschen Hopfenbau so gut wie das ganze Ergebnis
seiner Ernte abnehmen. Alles in allem kann man
die Summe, die die Brauindustrie Jahr für Jahr an
die Landwirtschaft zahlt, auf annähernd eine halbe
Milliarde Reichsmark beziffern. Was dieser relativ
sichere Absatz — sicher, wenn die Brauindustrie
durch staatliche und vor allem steuerliche Maßnahmen
 nicht in ihrer Produktion gehemmt wird —
jür die Produktion der deutschen Landwirtschaft,
deren Absatz zu einem erheblichen Teil infolge der
schweren Agrarkrise höchst unsicher geworden ist,
bedeutet, erheilt ohne weiteres. Auf der anderen
Seite muß auch darauf hingewiesen werden, daß die
Brauindustrie als Lieferant, von Trebern und Malzkeimen
 als Futtermittel für die Landwirtschaft schon
heute eine Zurückdimmung der Futtermitteleiniuhr
ünd damit erneut eine kräftige Entlastung unserer
Handelsbilanz herbeiführt, ganz abgesehen davon,
daß diese Restbestände der Brauefeien das eiweißund
 proteinreichste und damit ein höchstqualifiziertes
Futtermittel darstellen, ]
Unter dem Signum der Landwirtschaft muß aber
auch vor allem der deutsche Bierexport in aller
Herren Länder betrachtet werden. Denn es händelt
sich doch bei dem Weg, den deutsches Bier in die

ernsten Gegenden der Welt nimmt, im Grunde um
ıUichts anderes, als um die Ausfuhr veredelter
leutscher landwirtschaftlicher Produkte, Und wenn
ıuch diese Ausfuhr, wie an anderer Stelle dieses
Nerkes näher mitgeteilt wird, gegenüber früheren
Zeiten stark zurückgegangen ist, so erfüllt doch die
‚eutsche Brauindustrie durch ihren Export, der im
ahre 1929 zu einer Aktivität unseres Bieraußenıandels
 in Höhe von rd. 25 Millionen Reichsmark
‚eführt hat, eine dreifache volkswirtschaftliche Auf-‚abe:
 sie bringt einmal veredelte deutsche Produkte
uf den Weltmarkt hinaus und entlastet dergestalt
lien inneren Markt. Sie verfolgt damit eindeutig die
inzig für Deutschland mögliche Tendenz seiner
‚ukünitigen Ausfuhrwirtschaft: nämlich nicht billige
4assengüter auf den Weltmarkt zu werfen, sondern
iurch hochwertige Qualitätsprodukte mit großem
ırbeits- und Intelligenzanteil in der Weltwirtschaft
‘osition nach Position wiederzuerobern und auszuaauen.
 Zum dritten aber leistet sie damit eine hochvertige
 Kleinarbeit im Rahmen der großen Aufgabe
jer Eingliederung Deutschlands in die Weltwirtchaft,
 die mit einer Stärkung seines inneren
Aarktes zwangläufig Hand in Hand gehen muß.
/Zwangläufig schon deshalb, weil der Zwang unserer
eparationswirtschaftlichen Verpflichtungen unserer
"olkswirtschaft kategorisch die Erzielung eines
‚rößtmöglichen Reparationsüberschusses vorschreibt.
Dabei ist durchaus auch der Gesichtspunkt entcheidend,
 daß die Qualitätsware eines Landes, die
lem Käufer gefällt, gleichzeitig auch eine Reklame
ür andere Erzeugnisse dieses Landes ist. So ist
‚weifellos das hochqualifizerte deutsche Exportbier
ür unsere deutsche Volkswirtschaft nicht der
chlechteste Exportvertreter im Ausland. .Auch für
lien Fremdenverkehr spielt das heimische Bier eine
ıicht. zu unterschätzende Rolle. Die Überschüsse
us diesem Fremdenverkehr, soweit er sich auf Ausinder
 erstreckt, kommen zwar nicht der Handelsnlanz
 zugute, wohl aber der Zahlung sbilanz,
‚uf die es ja letzten Endes heute für Deutschland an-"ommt,
 indem auf diese Weise außerhalb des reinen
Varenverkehrs Devisen für Importfinanzierung und
’ährungssicherung beschaffen werden.
Um nun wieder auf die binnenwirtschaftliche Bejeutung
 des Braugewerbes zurückzukommen, möge
nan sich auch vor Augen halten, daß das Brauereiınd
 Mälzereigewerbe im Jahre 1928 etwa 230 000
irwerbstätige einschließlich der Angehörigen umaßt
 hat. Auf diese entfällt die Lohn- und Gehalts-:umme
 von etwa 320 Mill. RM sowie ein Teil der
und 100. Mill. RM betragenden Unternehmerrente.
\uf FEinfuhrbezüge kamen etwa 3% % des Erzeu-‚ungswertes
 oder in Ziffern rund 70 Mill. RM.
00 Mill. RM entfallen, wie schon gesagt, auf die
andwirtschaft und weitere 500 Mill. RM bisher.
        <pb n="10" />
        I, 1. Die volkswirtschaftliche Struktur der Brauindustrie,
worüber noch zu sprechen sein wird, als Steuern an lie die Brauindustrie hier, und zwar häufig auf recht
den Staat. Fbenfalls rund 500 Mill. RM kommen ı1nsicherer Basis investieren muß, wachsen um so
Jaut statistischen Erhebungen jährlich dem Hand- mehr, je ‘stärker der Konkurrenzkampf anwächst.
werk und der Industrie zugute. Das sind immerhin Da die hierfür benötigten Mittel keineswegs immer
sehr stattliche Summen, zumal wenn man berück- ıuf dem Weg der Selbstfinanzierung beschafft wersichtigt,
 daß das gesamte Volkseinkommen ungefähr ien können, haben auch die Brauereien in größerem
zwischen 55 und 58 Milliarden Reichsmark liegt. Maßstab fremde Mittel aufnehmen müssen, und da
Denn das würde alles in allem bedeuten, daß fast 1er Markt für langfristige Kredite in Deutschland
1,6 Millionen Deutsche von der Brauindustrie ihre ehr eng ist, haben sie häufig kurzfristige Disponi-Nahrung
 erhalten und, wenn man die 230000 Erwerbs- Dbilitäten in Anspruch nehmen müssen. Hierüber findet
angehörigen der Brauereien und Mälzereien noch ier Leser das Nähere in dem Artikel des gleichen
hinzurechnet, insgesamt rund 1800000. Und dabei Yerfassers, wo die Frage der Rentabilität der Brausind
 in diese Zahl noch nicht einmal diejenigen ein- Mndustrie eingehend untersucht wird.
gerechnet, welche aus dem auf etwa 1% Milliarden Bei der Frage des Absatzes der Brauereipro-Reichsmark
 zu veranschlagenden Schankaufschlag yktion fällt dem volkswirtschaftlichen Betrachter
des Gastwirtgewerbes ihr tägliches Brot haben. ıoch ein Weiteres auf. Während die Brau- und
In diesem Zusammenhang muß auch von der MWMalzindustrie ziemlich erhebliche Lager an Rohsozialen
 .Bedeutung der Brauindustrie gesprochen stoffen halten muß, geht die Produktion an Bier
werden. Nur wenige Industrien haben wie die mmerhin schneller in den Verbrauch über, nicht
Brauindustrie soziale Wohlfahrtseinrichtungen, wie »uletzt, weil der Lagerfähigkeit des normalen Bieres
Speisehäuser, Kinderheime, Alterversorgungsstätten este Grenzen gesetzt sind und die Produktion sich
usw., geschaffen. Sozial und: volkswirtschaftlich hnen anpaßt. Die Brauindustrie ist deshalb wie
bedeutsam ist ferner, daß das Braugewerbe unter zaum ein anderer Wirtschaftszweig ein Beschleuallen
 Industriezweigen Deutschlands die höchsten iger des volkswirtschaftlichen Güterumlaufs. Das
Löhne zahlt. Im Januar 1930 erhielt z. B. in Groß- Yorhandensein einer solchen großen Industrie mit
städten mit über 100 000 Einwohner ein gelernter chnellem Güterumlauf ist für die Volkswirtschaft
Brauereiarbeiter, verheiratet, einen Wochenlohn von wichtiger, als im allgemeinen erkannt wird, nämlich
58,74 RM. Gegenüber dem 1. Januar 1924 bedeutet bezüglich der Schaffung echten Geldumlaufs, damit
das eine Lohnsteigerung von 129,2 %,. In der gleichen chter Kredite und echter Kapitalbildung.
Zeit ist die Reichsindexziffer nur um 20,4% ge- .Volkswirtschaftlich interessant ist auch die standstiegen.
 Damit sind hier die Reallöhne im Laufe „4 mößige Verteilung der Brauindustrie. Danach
der letzten Jahre bedeutend gestiegen. Der pro0- jperwiegen, in großen Zügen gesehen, die kleinen
zentuale, am Wert der Biererzeugung gemessene 3etrjebe in hervorragendem Maße, aber auch
Lohnanteil hat 1927 ohne soziale Arbeitgeberlasten „ittlere Betriebe, insgesamt bis zu 20000 hl, in
und kaufmännische Gehälter 12,1 % beträgen, Süddeutschland, und hier wieder vornehmlich in
Was den Absatz und damit auch die Produktion 3ayern. Der übrige Teil Deutschlands dagegen ist
der Brauindustrie betrifft, so sind bisher erst rund nit Ausnahmen sehr viel stärker mit Großbetrieben
86 % des Vorkriegsabsatzes erreicht worden. Man esetzt. Als besondere Zentren der Bierproduktion
darf deshalb, wenn der Absatz in den letzten Jahren ind Berlin, München, Rheinland-Westfalen, Hamwieder
 gestiegen ist, nicht vergessen, daß das urg, einige als Bierstädte bekannte bayerische
zunächst nur ein langsamster Wiederaufbau war. Städte und Breslau hervorzuheben. In der höchsten
Zudem bestehen angesichts der krisenhaften Lage rößenklasse stehen 28 Betrieben in Süddeutschland
weiter Teile der Wirtschaft, angesichts namentlich 537 im übrigen Deutschland gegenüber. Aus der
der soeben vom Reichstag beschlossenen Erhöhung ;tandortsmäßigen Verteilung ergibt sich für den
der Biersteuer, ferner der Aufhebung der Kontingente Volkswirt eine weitere bedeutende Funktion der
die allerernstesten Zweifel, ob diese Entwicklung Brauindustrie. Da sie, wenn auch mit verschieüberhaupt
 weitergehen wird, oder ob nicht vielmehr ienem Akzent, über die ganze Volkswirtschaft vermit
 einem Rückgang zu rechnen ist. Schon heute reitet ist und zugleich auch eine außerordentlich
ist als hervorstechendes Moment in der Brauindustrie ınge organisatorisch-verbandsmäßige Fühlungnahme
ein schwerer Konkurrenzkampf zu ver- Dis in die höchsten Spitzen, wie den Deutschen
zeichnen. | Dieser hat in seiner Auswirkung zu einer 3rauer-Bund und die Brauerei- und Mälzereiweiteren
 volkswirtschaftlichen Figentümlichkeit ge- B3erufsgenossenschaft, besitzt, hat sie vielfach die
führt, die den sonstigen Industriezweigen gegenüber Rolle eines Mittlers zwischen den oft sehr vereinzig
 dasteht. Die Brauindustrie ist nämlich heute schieden konstruierten Wirtschaftsgebieten Deutschin
 ganz großem Umfang Bankier geworden, und lands inne, insbesondere zwischen dem wirtschaftlich
zwar Bankier des Gaststättengewerbes. Die Summen. in vielerlei Hinsicht verschiedenen Norden und Süden:
        <pb n="11" />
        I, 1. Die volkswirtschaftliche Struktur der Brauindustrie.
Nicht zuletzt beruht schließlich die volkswirt- von dieser Summe gehen vier Fünftel zunächst an
schaftliche Bedeutung der deutschen Brauindustrie as Reich und ungefähr ein Fünftel in Gestalt der
auf ihrer Funktion innerhalb des Staatsgebäudes als _‘emeindebiersteuer direkt an die Gemeinden. Damit
sin starker Pfeiler, auf den mit die öffentlichen Haus- st das Bier das einzige Getränk, das in Deutschland
halte von Reich, Ländern und Gemeinden sich iner Doppelbesteuerung unterliegt.
stützen. Wie diese Funktionen im einzelnen wirk- Die obigen Ausführungen können nur mit der
SE MEN der d Du Anderer TC Hsses Kom- “eststellung abgeschlossen werden, daß dann, wenn
Bundes geschildert. Hier, wo nur die großen Linien 11,0 aufgewiesenen bedeutenden und innigen Verherauszuarbeiten
 sind, kann nur darauf hingewiesen echtungen der deutschen Sranlninsirie mit der gewerden,
 daß auch auf dem öffentlichen Gebiet diese amten Volkswirtschaft ACH woiterin N weit Nutzen
hervorragende Stellung der Brauwirtschaft schon es Öanzen jebensiöhlg ST alten un WELET AUS
von Anfang an bestanden hat. Bereits früh hat des- ebaut werden söll6h, die: ÖHSMICHe Hand sich
halb die mittelalterliche Stadtwirtschaft sich einer bedingt darüber klar werden muß, daß sie mit der
Radizierung des Bierhandels auf die ortsansässigen ’lastung dieses Wirtschaitszweiges an der Grenze
Brauereibesitzer bedient, um iremden Wettbewerb °S Möglichen angelangt ist, sofern sie sie nicht
auszuschalten. So entstanden Brauereigilden von ereits überschritten hat. Sie. muß sich um so mehr
mächtigster Bedeutung: im Leben der Stadt. Vor '2rüber klar sein, als von jedem WNVOTEINSSNOMallem
 aber ist an die Bildung städtischer Brauämter ‘%enen Beobachter festgestellt wurde, daß das Bier
und Brauhäuser zu erinnern, in denen „nach der nn Deutschland durchaus kein entbehrliches Genuß-Reihe“
 das Bier gebraut werden mußte, um eine MNittel, sondern für die breiten Massen des Volkes und
Kontrolle über die ebenfalls schon früh einsetzende licht zuletzt für die Arbeiterschaft zum unentbehr-Besteuerung
 in Gestalt des sogenannten „Pfannen- ‘chen Bestandteil einer kulturell-sozialen Lebenszinses“
 zu bekommen. In Bayern wurde die Brau- altung gehört. Denn es gilt auch heute noch der
ausübung frühzeitig ihrer großen Bedeutung wegen atz, den dereinst der berühmte Finanzwissenaeben
 der Privilegierung der Ritterschaft und Stifte chaftler Lorenz v. Stein geprägt hat: „Unsere
ein Regal des Landesherrn, der es „gnadenweise“ Zeit, die auf allen Punkten die geistigen Kräfte im
an die Bürger vergab.  Oekenwürtie gibt die Brau- erhältnis zu den physischen mehr anstrengt, bedarf
industrie, abgesehen von der soeben vom Reichstag ;ines Gleichgewichtes gegen diese Aufregung, und
beschlossenen erneuten Erhöhung. der Reichsbier- Bier und Tabak erfüllen daher jetzt schon eine
steuer um 50 %, bisher in Form von Sondersteuern Bestimmung, . welche weit über die Ernährung, ja
dem Staat schon annähernd eine halbe Milliarde RM. iiber den Genuß hinausgeht.“
        <pb n="12" />
        2. Die Organisation der Brauindustrie.
Von Generaldirektor Robert Nortmann, Berlin.

Im Mittelalter vollzog sich der Übergang von der
Hausbrauerei zur Handelsbrauerei. Das Brauwesen
wurde damit ein gewerblicher Berufszweig von hervorragender
 Bedeutung für die Städte, in denen es
betrieben wurde. In diesen Zeitraum fallen auch die
ersten Anfänge der Organisation des deutschen
Brauwesens. Begünstigt durch numerus clausus und
durch die Zwangs- und Bannrechte bildeten sich
zunftähnliche Organisationen, die vielfach als Gilden
aber auch als Innungen, Genossenschaften, Bierschaften
 usw. bezeichnet wurden.
Ein Umschwung kam mit der Anfang des 19. Jahrhunderts
 zuerst in Norddeutschland einsetzenden
Gewerbefreiheit, die eine grundlegende Änderung des
Gewerbewesens und damit auch des Braugewerbes
brachte, Gleichzeitig wirkten Wissenschaft, Technik
und ein sich immer mehr. entwickelndes Kapitalwesen
mächtig fördernd auf das Braugewerbe ein. Seine
Umstellung vom damals noch ausschließlich von
Hand besorgten zum maschinellen Betriebe unterstützte
 im Zusammenhang mit den erwähnten
Faktoren die Entwicklung zum
j industriellen Großbetriebe.
Leider hatte diese namentlich in_der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts noch von einem immer wachsenden
 wirtschaftlichen Aufschwung und steigender
Bevölkerungszahl getragene Bewegung neben den
genannten Vorteilen auch sehr wenig angenehme Begleiterscheinungen
 im Gefolge,
Mit dem Wegfall der gesetzlichen Schranken
machte sich sehr bald das Bestreben geltend, die bestehendem
 Brauereibetriebe wesentlich zu vergrößern
nd im besonderen nach dem Kriege 1870/71 auch
neug große Betriebe zu errichten. Im diesem Bestreben
 schoß man vielfach insofern weit über das
Ziel, als man in einem durch die Zeitumstände in gewisser
 Beziehung berechtigten Optimismus die Betriebe
 von vornherein sehr viel größer einrichtete,
als es dem bisherigen Umsatz entsprach. Die zu
großen Anlagen sollten und mußten um jeden Preis
ausgenutzt werden. Die Folge war ein bei völligem
Fehlen jeder Organisation schrankenloser Wettbewerb.
 Preisschleuderei und maßlose Kreditgewährung
 bei steigenden Gestehungskosten schufen
sine Notlage, die sich in den letzten Jahrzehnten des
vorigen Jahrhunderts in immer schlechter werdenden
Geschäftsergebnissen ausdrückte.
Aus diesem Niedergang, dieser Not konnte nur der
organisatorische Zusammenschluß befreiend herausführen.
 Naturgemäß mußten die ersten Brauereiwrganisationen

 sich vor jedem allzu starren System
ıülten und vielmehr in vorsichtig tastender,
ılastischer Form die in Frage kommenden Braue-'eien
 und nicht zuletzt auch deren Abnehmer an dieenigen
 Maßnahmen gewöhnen, die zur Abstellung
zunächst der gröbsten Mißbräuche notwendig waren.
Der erste wirklich beachtliche Schritt auf diesem
Wege wurde in Bayern gemacht, das durch die bahnprechende
 Tätigkeit seiner großzügigen Praktiker
auf technischem und wissenschaftlichem Gebiet die
Führung übernommen hatte. Im Jahre 1868 wurde
lie erste freie Interessenvertretung des - Brauzewerbes
 „Der Verein Münchener Brauereien“ gezründet.

Kurze Zeit darauf, im Jahre 1871, trat der sog.
‚Alte“ deutsche Brauer-Bund ins Leben, aus dessen
Vereinigung in der Deutschen Brauer-Union im
Jahre 1911 der

Deutsche Brauer-Bund, E, V, Berlin,

lie Spitzenorganisation der deutschen Brauindustrie,
sntstand. ;
Schon vor dem siegreichen Ausgange des Krieges
von 1870/71 hatte der gewaltige wirtschaftliche Aufstieg
 der deutschen Industrie mit seinem dauernden
Anwachsen neuer Aufgaben Veranlassung zu Zujaammenschlüssen
 bedeutender-. Industriezweige gezeben,
 so auf dem Gebiete der Zucker-, der Spiritus-,
ler Eisenhüttenindustrie. In ihre Reihe trat 1871 der
Deutsche Brauer-Bund als Zentralverband der deutschen
 Brauindustrie mit dem Programm: „Beratung
ınd Wahrung der gemeinschaftlichen gewerblichen
nteressen, Vervollkommnung. und Hebung des
Gewerbes.“
Bis zum Jahre 1912, in den ersten vier Jahrzehnten
‚eines Bestehens, entfaltete der Brauer-Bund seine
"ätigkeit im wesentlichen auf den alle vier Jahre
ıbgehaltenen Brauertagen. Bei solchen Gelegen-1eiten,
 aber auch sonst wurde durch ihn zu allen
vichtigen das Gewerbe betreffenden Fragen Stellung
szenommen. Die erste primitive Satzung genügte
jabei im allgemeinen zur Not den Anforderungen
lieser ersten Jahrzehnte. . Die sich immer mehr
;teigernden Aufgaben, insbesondere auf steuerlichem
3ebiete, daneben aber auch die Bekämpfung der Abstinenzbewegung
 und die Bearbeitung anderer wichiger
 Fragen machte eine Reorganisation des Bundes
zur unabweislichen Notwendigkeit.
Die äußere Veranlassung dazu gab im Jahre 1911
die Vereinigung des Deutschen Brauer-Bundes mit
dem im Jahre 1910 zur Abwehr der Auswüchse der
        <pb n="13" />
        12 Generaldirektor Robert Nortmann, Berlin:
Abstinenzbewegung gegründeten Deutschen Brauer- nit aller Einsicht und notfall&amp;lt; auch mit allem Nach-Union.
 Der bisherige Präsident, Geh. Kommerzienrat Iruck bearbeitet werden.
F. Henrich in Frankturt a. M., der 35 Jahre lang den Besonders erwähnt zu werden verdient die Tätig-Bund
 geleitet hatte, trat von seinem Amte zurück. ceit des Deutschen Brauer-Bundes in der für die
Das Präsidium wird seither durch zwei gleich- S3rauindustrie so überaus schwierigen Kriegs- und
berechtigte Präsidenten gebildet, von denen der eine wTsten Nachkriegszeit. Eine großzügige, erfolgreiche
die ehemalige norddeutsche Brausteuergemeinschaft, ’rganisation zur Bewältigung der damals aufder
 andere die süddeutschen Brausteuergebiete ver- A2uchenden, schier unlösbar scheinenden Probleme,
tritt. Diese beiden Präsidenten werden in der Leitung 1sbesondere zum Zwecke der Versorgung der Indes
 Bundes durch stellvertretende Präsidenten iustrie mit Braugerste und Malz, entsprang der perunterstützt.
 ;önlichen Initiative des Herrn Präsidenten Funke.
Dem Präsidium steht der Geschäftsführende Vor- Als Spitzenorganisation, als führender Fachstand
 hauptsächlich bei der Entscheidung über finan- ’erband zur Vertretung ihrer allgemeinen Interessen
zielle Fragen zur Seite. . 1at heute der Deutsche Brauer-Bund die un-Ein
 weiteres wichtiges Organ des Brauer-Bundes ’6Strittene Führung in der Brauindustrie,
ist der Große Ausschuß, der zu einem kleineren Teile In zweiter Linie stellt er daneben auch die Spitze
aus stimmberechtigten Mitgliedern, zum größeren ler Arbeitgeberverbände der deutschen Brauindustrie
aus beratenden, von den Verbänden abgeordneten lar. Im seiner Tarifabteilung bearbeitet er alle die
Vertretern besteht. Dieses große Gremium, in weitest- esamte Brauindustrie betreffenden Arbeitgebergehendem
 Maße auf parlamentarischem System auf- nd Tarifvertragsiragen. Der Abschluß von Tarifgebaut,
 tritt viermal im Jahre zur Beratung über alle 'erträgen ist jedoch, abgesehen von dem allgemeinen
die Industrie angehenden Fragen zusammen. Der _’raumeistertarif, den Lokal- und Bezirksverbänden
Große Ausschuß bildet somit das unmittelbare und erlassen.
stärkste Bindeglied zwischen dem zur Führung be- Bildet danach der Deutsche Brauer-Bund das Dach
rufenen Präsidium und den zahlreichen, vielgestal- ‘es Hauses, in dem die Organisationen der deutschen
tigen Brauerei-Verbänden. 3rauindustrie wohnen, so schließen sich in dem dar-Die
 Mitgliederversammlung, die gesetzlich vor- inter liegenden ersten Stockwerk vier regionale Vergeschriebene
 Vollversammlung aller Mitglieder, hat ’ände an, deren Entstehen und Bestehen auf
in der Hauptsache nur die Aufgabe, die bei Vereinen lie politische Entwicklung Deutschlands zurückäblichen
 Regularien zu erledigen. Dabei sei erwähnt, uführen ist:
daß sich der Brauer-Bund auf der Einzelmitglied- Der Schutzverband der Brauereien der ehemaligen
schaft deutscher Brauereien aufbaut. Zwar sind ihm 3rgusteuergemeinschatt E.V. in Berlin, der Bayeseit
 dem Jahre 1917 auch fast alle in Betracht kom- oe Brauerbund e.V. in München, der Württemmenden
 Brauereiverbände korporativ angeschlossen, . | . 5
aber sein eigentliches Fundament bildet. wie gesagt, ergische Brauerbund e.V in Stuttgart und die Zendie
 Finzelmitgliedschaft, "alstelle der badischen Brauindustrie in Karlsruhe,
; Seit 1911 steht an der Spitze des Bundes Direktor Die Bismarcksche Verfassung schuf in Hinsicht
Rudolf Funke in Berlin, dem bis 1913 Geh. Kom- uf die Besteuerung von Bier und Branntwein im
merzienrat Friedrich von Mildner und bis 1926 Geh. eiche fünf Gebiete, das sog. Gebiet der Brausteuer-Kommerzienrat
 Hans Humbser in Fürth als Mit- emeinschaft, die drei süddeutschen Reservatstaaten
präsidenten beigeordnet waren. Nach Humbsers Tode nd die Reichslande. Dementsprechend hat sich auch
trat an seine Stelle Geh. Kommerzienrat August 1 dieser Stufe die Gliederung der deutschen Brau-Pschorr
 in München. Unter Funkes und seiner Mit- 1dustrie vollzogen.
präsidenten zielbewußter, energischer Führung hat Der größte dieser
sich der Deutsche Brauer-Bund zu einem der an- regionalen Verbände
gesehensten Spitzenverbände unseres heutigen Wirtschaftslebens
 entwickelt. Während vor dieser Zeit
der Brauer-Bund nur von Fall zu Fall tätig wurde,
gehören heute zu seinem Tätigkeitsgebiete alle die
deutsche Brauindustrie betreffenden auf wirtschaftlichem
 und sozialem Gebiete liegenden Fragen, die
unter Führung des Präsidiums und Mitwirkung entsprechender
 Ausschüsse durch einen Stab von Mitarbeitern
 in der Geschäftsführung stets unter Abwägung
 nicht nur der allgemeinen Interessen der
Brauindustrie, sondern auch der Allzemeinwirtschaft

st der Schutzverband der Brauereien der ehemaligen Brauteuergemeinschaft,
 dessen Gebiet ganz Deutschland in seiner
etzigen Ausdehnung mit Ausnahme von Bayern, Württemerg
 und Baden umfaßt. Der Schutzverband ist aus den sich
ür die norddeutsche Brauindustrie durch die steuerliche Geetzgebung
 des Reiches ergebenden Schwierigkeiten geboren.
Die mit dem Brausteuergesetz von 1906 verbundenen Kämpfe
;wischen Mittel- und Großbetrieben wegen der Höhe der
;teuerstaffel sowie mit den Abnehmern wegen Abwälzung der
;teuererhöhung führten im Jahre 1908 zu der Gründung des
ichutzverbandes unter Hinzuziehung der verwandten Gewerbe.
Diese Verbindung zwischen norddeutscher Brauindustrie und
len ihr verwandten Gewerben, die dem Schutzverband eine
sondere große Stoßkraft geben sollte. hat sich in der Folge-
        <pb n="14" />
        1, 4. Die Organisation der Brauindustrie.
zeit nicht als glücklich erwiesen. Allmählich erfolgte deshalb
im Kriege die Umbildung des Verbandes in einen reinen
Brauerei-Fachverband,
Seine Organisation baut sich im Gegensatz zum Deutschen
Brauer-Bund heute ausschließlich auf der Mitgliedschaft der
ihm angeschlossenen Verbände auf. Der Schutzverband ist
nach Lage der Dinge die gegebene Instanz für die Vertretung
 der norddeutschen Interessen, wenn sich zwischen
diesen und Süddeutschland, insbesondere Bayern, Gegensätze
auftun, bei deren Überbrückung der Brauer-Bund naturgemäß
nur vermittelnd wirken kann. Wenn auch durch die Schaffung
eines einheitlichen deutschen Biersteuergebietes die Führung
in Steuerfragen auf den Brauer-Bund übergegangen ist und die
früher bestehenden scharfen Gegensätze zwischen Nord und
Süd durch Zusammenarbeit in einzelnen Fragen wesentlich
gemildert sind, so erweist sich auch heute noch immer eine
besondere zentrale Vertretung norddeutscher Interessen vielfach
 als notwendig. Die Hauptbedeutung des Schutzverbandes
liegt zur Zeit auf dem Gebiete der Bierpreisfestsetzungen für
ganz Deutschland mit Ausnahme der drei süddeutschen
Staaten. Die bei ihm bestehende Bierpreiskommission hat
seit Fortfall der Bierhöchstpreise in der Nachkriegszeit bis in
die Neuzeit führend in diesem großen Gebiete die Preise geregelt.
 Auch für die Durchführung dieser Preisfestsetzungen
hat der Schutzverband vielfach erfolgreich Sorge getragen,
indem er den Widerstand von Außenseitern zu beseitigen verstand
 und schwache Verbände dabei unterstützte, ihre Organisation
 straffer auszubauen, ;
Die Spitzenorganisation der „bayerischen Brauindustrie“
ist der im Jahre 1880 gegründete Bayerische Brauerbund,
Ihm gehören die bayerischen Lokalverbände und eine große
Zahl von Brauereien an. Er hat in allen die bayerische Brauindustrie
 betreffenden allgemeinen Angelegenheiten die Führung,
 Insbesondere ist es seine Aufgabe, die allgemeinen und
vielfach besonders gearteten bayerischen Interessen den Staatsbehörden
 gegenüber zu vertreten. Eine Tarifabteilung und eine
Presseabteilung dienen der Erledigung von Lohniragen und
der Orientierung der Öffentlichen Meinung, eine gerade in
Bayern besonders wichtige Tätigkeit, wo jede das Bier berührende
 Frage stets Gegenstand allgemeinen lebhaftesten
Interesses ist. Ursprünglich lediglich ein Fachverband zur
Wahrnehmung allgemeiner Berufsinteressen, hat sich der
Bayerische Brauerbund bereits vor dem Weltkriege kartellmäßigen
 Aufgaben durch Abschluß eines Kundenschutzyertrages
 unter seinen Mitgliedern zugewandt.
Die Gesamtvertretung der Württembergischen Brauindustrie
bildet der im Jahre 1880 gegründete Württembergische Brauerbund,
 für Baden die erst im Kriege geschaffene Zentralstelle
der badischen Brauindustrie, Diese beiden Gesamtvertretungen
 haben auf manchen Gebieten ihrer Betätigung mit den
besonderen, schwierigen Verhältnissen in der Unterstufe der
Organisation zu kämpfen, auf die bei der nachstehenden
Schilderung der Lokal- und Bezirksvereinigungen dieser beiden
Gebiete noch näher einzugehen sein wird,
Um bei dem oben gewählten Vergleich eines Hauses zu
bleiben, so kommen wir jetzt nach Beschreibung des Daches
und des ersten Stockwerkes zu dem Grundstöcke und den
Fundamenten des Baues, den Lokal- und Bezirksverbänden in
den vier großen regionalen Zentralverbänden. Schon hier sei
bemerkt, daß diese für den ganzen Aufbau der Organisation
der deutschen Brauindustrie so wichtige Stufe in den vier genannten
 Gebieten, sei es aus geschichtlichen, sei es aus wirtschaftlichen
 Gründen, eine wesentlich verschiedene Entwicklung
erfahren hat.
Um mit dem größten Verbandsgebiet, dem oben umrissenen
Gebiet des Schutzverbandes zu beginnen, so wurde schon er-Öörtert,
 daß hier die unleidlichen Wettbewerbsverhältnisse, wie
sie namentlich in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts
 zutage traten, vielfach die Anregung zu lokalen
Zusammenschlüssen gaben. Besonders gefördert wurde aber
dieses Bestreben außerdem noch durch eine um 1890 auftauchende
 außerordentliche Gefahr, den Bierboykott; eine der
wichtigsten Waffen in den Lohnkämpfen der neunziger Jahre.
Insbesondere der beinahe acht Monate andauernde Berliner
Boykott im Jahre 1894, der dann in der Folgezeit auf eine

zanze Reihe von anderen norddeutschen Brauereizentren übeririff,
 gab Veranlassung zur Gründung zahlreicher örtlicher
3rauereivereinigungen. Vorausgegangen waren schon mit der
jründung lokaler Boykott-Abwehrorganisationen Berlin (Grünlungsjahr
 des Vereins der Brauereien Berlins und der Um-‚egend
 1890), Halle, Leipzig, Frankfurt a. M., Braunschweig.
So überzog sich allmählich das. Gebiet der Brausteuerjemeinschaft
 mit einem immer dichteren Netz von lokalen
3rauereivereinigungen, Die Not der Abwehr drohender Boycotts,
 die meistens die Brauereien vornehmlich der größeren
3rauereizentren zusammengeführt hatte, zwang sie zu gemeinamer
 Arbeit und ließ dadurch das bis dahin bestehende
‚egenseitige Mißtrauen allmählich schwinden. So wurde der
Veg frei auch für andere, nur im Zusammenschluß lösbare
\ufgaben, insbesondere in bezug auf das Verhältnis zum Abıehmer,
 d. h. Festsetzung einheitlicher Bierpreise; Schutz
;jegen Unterbietungen, Regelung oder Verbot von .Nebeneistungen,
 Gewährung von Darlehen usw. Auch die vielachen
 Steuererhöhungen und die Notwendigkeit, diese Steuerırhöhungen
 auf die Abnehmer abzuwälzen, zwang häufig
zeradezu die Brauereien dazu, sich zusammenzuschließen,
Bald genügte aber auch die lokale Regelung dieser Fragen
ılcht mehr, da sich an den Grenzen der lokalen Vereinigungen
geibungsflächen bildeten, die eine Durchführung der für die
inzelnen örtlichen Verbandsgebiete geltenden Beschlüsse geährdeten.
 Diese Zustände führten unter Zusammenfassung
nehrerer Lokalvereine eines unter relativ gleichnräßigen wirt-‚chaftlichen
 Verhältnissen arbeitenden Gebietes vielfach zur
iründung größerer Bezirksverbände. Hervorgehoben seien
ıier von den größeren Vereinigungen dieser Art der Zentral-»jerband
 norddeutscher Brauerei-Vereine G.mb.H. zu Hanıover,
 der Sächsisch-Thüringische Brauereiverein G.m.b.H.
n Leipzig, der Verband nöordwestdeutscher Brauereien
i.m.b.H. in Hamburg, der Verband Rheinisch-Westfälischer
3rauereien G.m.b. H, in Dortmund. Alle diese Verbände gipfeln
n einer Spitze, gewissermaßen in einer Dachgesellschaft. In
len Satzungen dieser Dachgesellschaften sind die Grundsätze
'estgelegt, unter deren Wirkung die Unterverbände ihr ein mehr
der weniger selbständiges Dasein leben können. Den Kernyunkt
 ihrer Satzungen bilden die Bestimmungen zum Schutze
les Bierpreises.
Neuerdings hat man durch den Abschluß von Gegenseitigxeitsverträgen
 zwischen benachbarten Verbänden ähnlich wie
lurch den Zusammenschluß in Bezirksverbänden die ruhige,
eibungslose Durchführung der Beschlüsse der einzelnen Verıände
 erfolgreich gewährleistet.
Die Verbände der Unterstufe in Bayern sind im Gegensatz
zu der reichgegliederten norddeutschen Organisation mit ihrem
ıochentwickelten System von Bezirksverbänden in der Haupt-;ache
 Örtliche Verbände, die sich auf die größeren Städte und
hre nähere oder weitere Umgebung stützen. Nur wenige, wie
„.B. der Verein der Brauereien des bayerischen Oberlands
n Tegernsee, die Allgäuer Brauerei-Vereinigung in Kempten
ınd die Mittelbayerische Brauerei-Vereinigung in Ingolstadt
;tellen die Zusammenfassung einer größeren Anzahl von
3rauereien größerer Wirtschaftsgebiete dar.
Daß die bayerischen Brauereiorganisationen in dieser Stufe
‚ine ruhigere, nicht soweit wie es in Norddeutschland der Fall
st, vorgeschrittene Entwicklung genommen haben, ist wohl
vesentlich darauf zurückzuführen, daß Bayern -— dasselbe
‚rifft auch für Württemberg und Baden zu — von den mit
ler politischen Waffe des Bierboykotts geführten Lohnkämpfen
m großen und ganzen verschont blieb. Der Grund dafür liegt
n der sich im Süden viel langsamer als in dem industriereichen
Vorden vollziehenden Aufwärtsbewegung der sozialdemokraischen
 Gewerkschaften,
In Württemberg nimmt unter den Lokalverbänden der
Vürttembergische Brauereiverband G.m.b.H, in Stuttgart in-;ofern
 eine besondere Stellung ein, als er eine kraftvolle Zu-;‚ammenfassung
 fast aller in diesem Gebiete bestehenden Großyetriebe
 darstellt. Die übrigen Verbände umfassen in der
Iauptsache nur mittelständische, überwiegend sogar Kleinıetriebe,
 Die darauf beruhende Verschiedenartigkeit dieser
Irganisationen erschwert in vielen Fällen die Herbeiführung
siner gemeinsamen Stellungnahme
        <pb n="15" />
        A

Generaldirektor Robert Nortmann, Berlin:
Kt RA

Ähnlich liegen die Dinge in Baden. In der Hauptsache in
die Gebiete Mittelbaden, Oberbaden und Pfalzgau gegliedert,
wirken sich auch hier die Gegensätze zwischen Groß-, Mittelund
 Kleinbetrieb im Verbandswesen viel stärker aus, als das
in Norddeutschland im allgemeinen der Fall ist. Baden hat
deshalb auch erst seit neuerer Zeit eine Gesamtvertretung
seiner Brauindustrie. Die Zentralstelle der badischen Brauindustrie
 ist, wie schon erwähnt, erst im Kriege und hauptsächlich
 unter dem Zwange der damaligen Notwendigkeiten
ins Leben gerufen.
Neben diesem Hauptbau, bestehend aus den Lokal- und
Bezirksverbänden, den diesen übergeordneten vier Landesgesamtvertretungen
 und der das Ganze krönenden Spitzenorganisation
 des Deutschen Brauer-Bundes sind noch eine
Reihe weiterer größerer und auch kleinerer Verbände zu
erwähnen, die sich zum Teil nach regionalen Gesichtspunkten
gliedern, in der Hauptsache jedoch der Vertretung von Sonderinteressen
 dienen und deshalb ein wenig abseits der Organisation
 der Brauindustrie im eigentlichen Sinne stehen.
Von diesen besonderen Verbänden umfassen drei das gesamte
Reichsgebiet, der Deutsche Boykottschutzverband für Brauereien
 V.a.G., Berlin, der Verband der Deutschen Austuhrbrauereien
 E. V., Berlin, und die Arbeitsgemeinschaft der Verbände
 der deutschen Klein- und Mittelbrauereien, Berlin.
Im Jahre 1895 erfolgte aus dem Zusammenschluß von sieben
bereits bestehenden norddeutschen Brauereivereinigungen
gegen Boykottschäden die Gründung des Zentralverbandes
gegen Verrufserklärung, der zehn Jahre später durch den
Boykottschutzverband abgelöst wurde. Wie sein Name besagt,
hat er sich zur Aufgabe gesetzt, seinen von einem Boykott
detroffenen Mitgliedern nach den Grundsätzen der Versicherung
 auf Gegenseitigkeit die durch Boykott ihnen verursachten
Schäden zu ersetzen und durch einen satzungsgemäß allen
seinen Mitgliedern im Boykottfalle auferlegten Kundenschutz
der betroffenen Brauerei ihre Kundschaft zu erhalten. Der
Boykottschutzverband stellt neben dem Deutschen Brauer-Bund
eine machtvolle zentrale Organisation dar, die neben ihren
eigentlichen Aufgaben auch ein Bindeglied zwischen den zahlreichen
 Lokalverbänden darstellt und sicherlich nicht unwesentlich
 mit dazu beigetragen hat, daß sich diese Verbände
in der Folgezeit zu fester gefügten Organisationen entwickeln
konnten.

Eine besondere Stellung nimmt der im Jahre 1915 gegründete
Sächsische Brauerbund ein, der sich die geschlossene Verretung
 der Brauindustrie des Freistaates Sachsen insbesondere
n Verhandlungen mit den sächsischen Staatsbehörden zur
\ufgabe macht.
Schließlich bestehen im Gebiete der ehemaligen Brausteuer-‚emeinschaft
 auch noch eine Reihe von Verbänden, die nicht
ıls reine Brauereifachverbände anzusprechen sind und in der
Tauptsache Tariffragen, die Bekämpfung der Abstinenzewegung,
 die Durchführung der Flaschenpfanderhebung und
«hnliche Angelegenheiten bearbeiten.
In Süddeutschland kommen als Verband für die Vertretung
on Sonderinteressen nur der Verband Bayerischer Weizen-#erbrauer
 e. V. und der Verband bayerischer Versandrauereien
 e, V., beide in München, in Frage,
Erwähnt zu werden verdient ferner noch als eine besondere
Drganisation der Brauindustrie die Bezugsvereinigung Deutcher
 Brauereien A.-G., in Berlin-Charlottenburg. - Im Feıuar
 1917 wurde auf Anregung des damaligen Präsidiums
les Deutschen Brauer-Bundes die Gründung der Bezugs-‚ereinigung
 in Anlehnung an die Bezugsvereinigung deutscher
‚andwirte als Vorbild angeregt. Die Bezugsvereinigung deutcher
 Landwirte hatte im Kriege für zahlreiche Aufgaben, insesondere
 die Futtermittelversorgung, die staatliche Anerkenung
 als halbbehördliche Einrichtung erhalten. Durch die
iründung der Bezugsvereinigung Deutscher Brauereien wollte
3an auf alle Fälle nach Kriegsende in der Lage sein, der
’egierung eine von der Industrie selbst geschaffene Organiation
 zur Verfügung zu stellen zur Durchführung aller für
je Brauindustrie sich ergebenden wirtschaftlichen Fragen,
ı1sbesondere ihre Versorgung mit Braugerste. Die Bezugszreinigung
 wurde als Gesellschaft mit beschränkter Haftung
egründet und hat seinerzeit über 800 Brauereien als Gesell-:chafter
 umfaßt. Ihre damals in Aussicht genommenen Auf-‚aben
 zu erfüllen, hatte sie nach Kriegsende keine Gelegenheit.
lach Aufhebung der Zwangswirtschaift stellte sie sich auf die
’ersorgung namentlich der Mittel- und Kleinindustrie mit
lohstoffen und Bedarfsartikeln um, insbesondere betätigte sie
°‘icCh aber auf dem Gebiete der Kreditbeschaffung gegen Lomaardierung
 von Warenvorräten. Im Hinblick auf dieses Darehensgeschäft
 ging die alte, wegen ihrer Form etwas schwerällige
 Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Liquidation,
ınd neugegründet wurde Ende des Jahres 1924 die heute noch
jestehende Aktiengesellschaft, die etwa 400 Brauereien zu
hren Aktionären zählt.
Des weiteren sei erwähnt der Fachausschuß der
3utschen Brauereiverbände in Berlin und die in
3Zayern, Württemberg und Baden bei den dortigen Landesentralorganisationen
 bestehenden Fächausschüsse. Durch das
3iersteuergesetz von 1918 erfolgte die Kontingentierung der
'Tüssigkeitsmenge oder mit den Worten des Gesetzgebers die
'estsetzung des Braurechtsfußes für jede deutsche Brauerei.
Tach näheren Bestimmungen der Braurechtsordnung kann der
Braurechtsfuß‘“ mit Genehmigung des Reichsfinanzminiteriums
 ganz oder teilweise von einer Brauerei auf eine andere
3rauerei übertragen werden. Bei diesen Übertragungen des
z3raurechtsfußes wirken die erwähnten Fachausschüsse begutıchtend
 mit, Für ihre Tätigkeit haben sie im Finvernehmen
nit dem Reichsfinanzministerium bestimmte Richtlinien aufestellt,
 je nachdem ob es sich um eine Dauerübertragung oder
wur um eine vorübergehende Übertragung handelt.
Auch in dem Reichsverband der Deutschen Industrie ist in
ier besonderen Fachgruppe: Brauereien, Mälzereien, Mühlen
fie deutsche Brauindustrie maßgebend vertreten. Wenn auch
m allgemeinen die Belange der Brauindustrie gegenüber Be-‚örden
 und Parlament durch die dazu berufenen Organisationen,
n erster Linie durch den Deutschen Brauer-Bund, selbst verreten
 werden, erschien doch ein Anschluß an den Reichs-‚erband
 der Deutschen Industrie im Hinblick auf den aus
1olitischen und wirtschaftlichen .Gründen notwendigen Zu-‚aammenschluß
 der gesamten deutschen Industrie geboten.
Den Abschluß dieser Darstellung der Organisation der Braundustrie
 möge das nachstehende den vorangehenden textlichen
\usführungen angepaßte Verbandsverzeichnis bilden.

Der Verband der Deutschen Ausfuhrbrauereien sah sich nach
dem Weltkriege vor die nicht leichte Aufgabe gestellt, nicht
nur die im Auslande verloren gegangenen Absatzgebiete wieder
zu erlangen, sondern auch neue zu gewinnen. Die ihm obliegende
 Pflege der Ausfuhr von Bier hat für Deutschland zur
Zeit eine um so höhere allgemeine volkswirtschaftliche Bedeutung,
 als nur durch die gesteigerte Ausfuhr hochwertiger
Srzeugnisse die deutsche Wirtschaft wieder aufgerichtet und
die schwer auf ihr ruhende Kriegslast getragen werden kann.
Der Verband gliedert sich in .die Gruppen Nord (Berlin) und
Süd (München),
Die „Arbeitsgemeinschaft‘“ ist die Zusammenfassung der
deutschen Kiein- und Mittelbrauereien in ganz Deutschland.
(hre wichtigste Aufgabe ist, bei Änderungen der Biersteuerzesetzgebung
 die Interessen der mittelständischen und Kleinindustrie
 zu vertreten; neben anderem spielen ‚hier die Beratungen
 über eine etwa notwendig werdende Änderung der
Steuerstaffel, die seinerzeit im Interesse der Kleinbetriebe geschaffen
 wurde, eine besonders wichtige Rolle.
Für das Gebiet der ehemaligen Brausteuergemeinschaft
Kommen als besondere Verbände der Bund der mittleren und
vleinen Brauereien der Norddeutschen Brausteuergemeinschaft
E, V. in Berlin, der Verband obergäriger Brauereien im Brausteuergebiet
 E. V. in Berlin, die Vereinigung der mittleren und
größeren Brauereien in Berlin und der Sächsische Brauerhund
 in Dresden in Betracht, Nur zu den beiden letzteren
Verbänden seien einige kurze Bemerkungen gemacht. Die
Vereinigung der mittleren und größeren Brauereien bildet ein
Gegengewicht gegen die soeben erwähnte. „Arbeitsgemeinschaft‘
 hauptsächlich bei den schon berührten häufig recht
schwierigen Verhandlungen über Abänderungen der Steuerstaffel.
        <pb n="16" />
        I., 2. Die Organisation der Brauindustrie,
; L Die Reichsspitzenorganisation, 26. 3rauereivereinigung Apolda, Jena, Weimar und Um-Der
 Deutsche Brauer-Bund, E. V., Charlottenburg. zebung, Weimar.
27. 3rauereiverein Westthüringen G. m. b. H., Mühlhausen (Th.).
IL Die Landeszentralorganisationen, 28. A ka von Kassel und Umgebung G. m. b. H.,
Li. Schutzverband der Brauereien der ehemaligen Brausteuer- ASEE
ERST FE. Y. Berlin. 5 ; 29. Brauereiverein Fulda und Umgebung, Fulda.
2, Bayerischer Brauerbund e. V., München.
3. Württembergischer Brauerbund e. V., Stuttgart.
4. Zentralstelle der badischen Brauindustrie, Karlsruhe.

La

c) Nordwestdeutschland,
L Brauerei-Verband für wirtschaftliche Interessen von Hamburg
 und Umgegend G. m. b. H., Hamburg.
2. Verband nordwestdeutscher Brauereien G. m. b. H,
Hamburg,
3 Bremer Brauer-Societät, Bremen.
4 Brauerei-Verband für wirtschaftliche Interessen von Lübeck
und Umgegend G.m.b. H., Lübeck,
5. Kieler Brauerei-Vereinigung G. m. b. H., Kiel.
6. Verband der Brauereien Holsteins e. V., Kiel.
d) Westdeutschland.
1. Norddeutsche Brauerei-Vereinigung G.m.b.H., Bielefeld,
mit den Bezirksgruppen:
a) Hamm-Münster in Münster
b) Paderborn, Lippstadt in Lippstadt
c) Bielefeld, Herford, Osnabrück
d) Schaumburg-Lippe, Minden in Stadthagen.
2. Klein-Brauereivereinigung des Reg.-Bez, Münster, Münster.
3 Verein der Brauereien von Höxter und Umgebung, Rheder.
L Verband Rheinisch-Westfälischer Brauereien zur Förderung
 ihrer gewerblichen Interessen G. m. bb. H., Dortmund.
Verband Dortmunder Bierbrauer zur Förderung ihrer geverblichen
 Interessen G. m. b. H., Dortmund,
Verein der Brauereien von Bochum und Umgegend e. V.
Bochum. .
Verein der Brauereien von Hagen und Umg., Haspe.
Brauereivereinigung für das Siegerland und die anzrenzenden
 Bezirke G. m. b. H., Siegen i. W.,
Verband der Brauereien des niederrheinischen Industrie-)jezirks
 G. m. b. H., Essen, ;
Verband von Brauereien in Barmen, Elberfeld und Umzegend,
 Elberfeld.
'nteressengemeinschaft der Brauerei-Verbände der be-;etzten
 Gebiete, Dortmund,
3rauereiverband von Düsseldorf und Umgebung zur Fördeung
 der gewerblichen Interessen G.m.b.H., Düsseldorf.
Verein obergäriger Brauereien Düsseldorfs e. V., Düsseldorf.
Verband Niederrheinischer Brauereien, Krefeld.
Kölner Brauereiverband, Köln.
Verband der Klein- und Mittelbrauer Rheinlands und Westalens,
 Düsseldorf.
Verein der Landbrauereien der Kölner Umgegend E. V.,
&amp;lt;öln.
Verein der Brauereien von Düren und Umgegend, e. V,
Düren.
3rauer-Verband des Regierungsbezirks Aachen e. V.
Stolberg.
/erband mittelrheinischer Brauereien e. V., Koblenz.
Brauerei-Verband für den Regierungsbezirk Trier, Trier.
Pfälzischer Brauereiverband e. V., Kaiserslautern,
Yerband der Brauereien‘ des Saargebietes, Saarbrücken,
‚.nteressen-Gemeinschaft südwestdeutscher Brauereien, Sitz
*rankfurt a. M., Frankfurt a. M. ;
Yerband der Brauereien von Frankfurt a. Main, Frankurt
 a. M.
Vereinigung der Brauereien von Wiesbaden und Umgebung,
Niesbaden. -
Verband der vereinigten Brauereien von Limburg und Umzebung,
 Limburg a. d. Lahn.
Westdeutscher Bund mittlerer und kleiner Brauereien E. V.,
Limburg a, d, Lahn.
Vereinigte Brauereien des Kreises Wetzlar, Wetzlar.
Verband Oberhessischer Brauereien, Sitz Gießen, Lich.
Verband der vereinigten Brauereien von Mainz und Umgebung,
 Mainz.
32. Brauerei-Vereinigung Darmstadt und Umgebung, Darmstadt.
33. Verband der Brauereien von Worms und Umgebung, Worms.
34. Odenwälder Brauer-Bund, Erbach i. O.

Il, Die Lokal- und Bezirksverbände,
A. Gebiet der ehemaligen Brausteuergemeinschaft.

a) Ostdeutschland,
L. Zweckverband nordostdeutscher Brauereien &amp;amp; Mälzereien
E. V., Königsberg (Pr.).
2. Brauerei-Verband für Ermland und Masuren, Allenstein.
3. Verband der Brauereien von Danzig und Umgegend E. V.,
Danzig-Langfuhr.
4. Verein Mittelschlesischer Brauereien E. V., Breslau.
5. Kretschmer-Innung, Breslau.
5. Oberschlesischer Brauerei-Verein E. V. in Gleiwitz, Hindenburg
 (0.-S.)
7. Neißer Brauerei-Vereinigung, Neiße,
8. Verband Niederschlesischer Brauereien, Liegnitz.
b) Mitteldeutschland,
i. Verband der Brauereien von Pommern und angrenzender
Gebiete E. V., Stettin.
&amp;gt; Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend, Berlin.
? Verein der Berliner Weißbierbrauereien, Berlin.
Verein der Brauereien Potsdams und Umgegend, Potsdam.
Niederlausitzer Brauer- und Mälzer-Verein, Cottbus.
Verein Märkischer Brauereien, Wriezen.
7, Mecklenburgischer Brauereiverband G.m.b. H., Rostock.
3. Zentralverband norddeutscher Brauerei-Vereine G. m. b. H., %
Hannover.
Verband der Brauereien von Hannover und Umgegend 10
G. m. b. H., Hannover,
Landes-Verein Hannover-Braunschweiger Brauereien E. V., 11
Hannover, mit den Bezirksgruppen:
a) Nordhannover, Uelzen, 12
b) Mittelhannover, Hannover,
c) Südhannover, Hildesheim. 13
ii, Verband der Brauereien von Braunschweig und Umgebung 1!
e. V., Braunschweig. 15.
(2. Verein der Brauereien von Magdeburg und Umgegend 16
e. V., Magdeburg.
13. Verein der Brauereien der Altmark e. V. in Stendal, 17
Magdeburg. .
14. Verein der Brauereien von Halberstadt und Umgegend 18
e. V., Halberstadt,
15. Verein der Brauereien Anhalts und benachbarter Gebiete 19
e. V., Dessau,
16. Sächsisch-Thüringischer Brauereiverein G. m. b. H., Leipzig, 20
mit folgenden Bezirksgruppen: 21
a) Leipzig, ; 22
- Chemnitz, 23
3 Halle, 24
d) Vogtland,
e) Thüringen.
17. Verband der Brauereien von Dresden und Umgebung
R. V., Dresden. ;
{8. Brauereiverband Ost-Sachsen E. V., Zittau.
19. Vereinigung Sächsischer Klein- und Mittelbrauer e. V.,
Colditz.
20. Verein der Brauereien von Chemnitz und Umgebung,
Chemnitz,
21. Vereinigung der Brauereien vom Vogtland und Umgebung,
Wernesgrün.
22. Vogtländischer Brauerverein, Netzschkau i, V.
23. Erzgebirgischer Brauerverein, Annaberg i. E.
24. Interessenvereinigung Thüringer Brauereien und Mälzereien
in Erfurt, Erfurt,
25. Thüringer Brauer-Verein, Weißenfels a. d. S.
        <pb n="17" />
        6

I, 2. Die Organisation der Brauindustrie.

B.Bayern.
Oberbayern.
i. Verein Münchener Brauereier e. V., München.
3, Örts-Verband der Brauereien von München und Umgebung,
München.
3. Kreisverein Oberbayerischer Landbrauereien, e. V., Pasing.
4. Verein der Brauereien des bayerischen Oberlandes E. V.,
Miesbach, Tegernsee.
| Niederbayern.
I. Verein Landshuter Brauereien, e. V., Landshut i. B.
2. Verein der Brauereien von Passau, Passau.
3. Brauerei-Bezirksverein Vilsbiburg, Vilsbiburg.

C. Württemberg.
L. Württembergischer Brauereiverband G.m.b. H., Stuttgart.
2, Verein der Brauereien Stuttgarts und der Umgebung;
Stuttgart.
3. Mittelschwäbischer Brauereiverein E. V., Stuttgart.
4. Oberschwäbischer Brauerei-Verband e. V., Ravensburg.
5. Brauerei-Verband Ulm, E. V., Ulm.
D. Baden. .
i. Mittelbadischer Brauereiverband G. m. b. H., Karlsruhe.
2. Badischer Brauerbund der Klein- und Mittelbrauer E.V.
Hornberg.
3. Verband der Brauereien des Pfalzgaues E.V., Mannheim.
4. Verband Oberbadischer Brauereien E. V., Freiburg.

Schwaben,
|. Allgäuer Brauerei-Vereinigung, Sitz Kempten, Kempten.
2. Verein Augsburger Brauereien E. V., Augsburg.
3. Mittelbayerische Brauerei-Vereinigung. Ingolstadt.

IV. Reichsverbände mit besonderen Aufgaben,
‘. Deutscher Boykottschutzverband für Brauereien V. a. G
zu Berlin, Charlottenburg.
2. Verband der Deutschen Ausfuhrbrauereien E.V., Berlin.
3 Arbeitsgemeinschaft der Verbände der deutschen Kleinund
 Mittelbrauereien. Berlin.

Oberpfalz.
|. Verein der Brauereien von Amberg und Umgebung, e. V.,
Amberg. ;
2. Brauereivereinigung Rötz und Umgebung, Rötz.
3. Verband der Niederbayerischen und Oberpfälzischen
Brauereien E. V., Regensburg.
Mittelfranken.
li. Vereinigung von Brauereien in Nürnberg, Fürth und Umgebung,
 G. m. b. H., Nürnberg,
2. Schutzverband vereinigter Brauereien von Nürnberg, Fürth
und Umgebung G. m. b. H., Nürnberg.
3. Verein der Brauereien von Schwabach und Umgebung,
e. V., Schwabach,
i. Verein von Brauereien in Erlangen und Umgebung, E. V.,
Erlangen.

. V. Landesverbände mit besonderen Aufgaben,
A. Gebiet der ehemaligen Brausteuergemeinschaft.

1. Bund der mittleren und kleinen Brauereien der ehemaligen
Norddeutschen Brausteuergemeinschaft E. V., Berlin.
Verband obergäriger Brauereien im Brausteuergebiet E, V.,
Charlottenburg.
3, Vereinigung der mittleren und größeren Brauereien, Berlin.
4. Verband der Mittelbrauereien der Norddeutschen Brausteuergemeinschaft,
 Chemnitz-Kappel,
5 Sächsischer Brauerbund, Dresden.
B.Bayern.
1. Verband bayerischer Versandbrauereien e. V., München.
2 Verband Baver. Weizenhierbrauer e. V.. München.

Oberfranken,
i. Brauereiverband für Coburg und Umgegend e. V., Coburg.
2, Verein der Brauereien von Bayreuth und Umgebung E, V.,
Oberkonnersreuth, Post Bayreuth.
Brauerei-Vereinigung Kulmbach e. V., Kulmbach, . ; . . en
Brauereivereinigung Kronach, Ludwigsstadt, Lichtenfels, VL Tariivereinigungen und weitere lokale Vereinigungen mit
Staffelstein und Umg., e. V., Falkenstein, . besonderen Aufgaben,
Tedand ger Brauereien Hof’s und Umgegend e, V. 1. Tarifgemeinschaft Schlesischer Brauereien E. V., Breslau.
na 2. Tarifgemeinschaft der Berliner Brauereien, Berlin.
Denn 4VSrGiHIEURG Bamberg und Umgebung, E. V. 3. Mitteldeutscher Schutzverband gegen die Übergriffe der
. x x ; Abstinenzbewegung, Erfurt,
f Yorba Ten von Mittel- und Kleinbrauereien Nordbayerns, 4 Flaschenpfandverband der Brauereien Kiel und Umgegend,
Kiel. ;
Unterfranken. Tarifvereinigung Pfälzischer Brauereien, Kaiserslautern.
i. Verband der Brauereien von Würzburg und Umgebung
e.V. Würzburg.
Verband der Brauereien von Schweinfurt und Umgebung,
Schweinfurt, ;
Verband der Brauereien von Aschaffenburg und Umzehung,
 Aschaffenburg.

A

&amp;gt;
Me

1
        <pb n="18" />
        3. Die wissenschaftlichen Institute und Organe der deutschen Brauindustrie.
Von Dr. AH. Schulze-Besse, Berlin.

Bis in die neue Zeit hinein, noch bis weit ins
L9, Jahrhundert, wurde die Bierbrauerei rein handwerksmäßig
 ausgeübt, und als Handwerk ausschließlich
 wurde ihre Kenntnis und Ausübung dem Lehrling
und Gesellen vom Meister vermittelt. Erst mit der
wissenschaftlichen Erforschung der Vorgänge des
Mälzens und der Gärung um die Mitte des 19. Jahrhunderts
 ergab sich die Notwendigkeit, die gewonnenen
 Frkenntnisse für die Praxis besonders nutzbar
zu machen. Es mußten Einrichtungen geschaffen
werden, welche die Arbeiten eines Balling, Pasteur,
Hansenfortsetzten,
 ausbauten
und in ihrer Anwendung
 auf die
Praxis der Brauerwelt
 als Allgemeingut
 Zzugänglich
 machten.
 Es wurden
eigens Institute
errichtet, die
der Forschung
und der Lehre
auf dem Gebiete
des Brauwesens
dienen.
Wie in ‘der
Medizin und
allen Zweigen
der technischen
Wissenschaft
sind auch in der Brauerei beide, Forschung ‚und
Lehre, nicht zu trennen. Diesen innigen, unlöslichen
 Zusammenhang haben mit sicherem
Blick die Männer erkannt, die vor allem bahnbrechend
 gewesen sind für die Begründung wissenschaftlicher
 Institute für das deutsche Braugewerbe:
im Süden unseres Vaterlandes Carl Lintner und im
Norden Max Delbrück. Des einen Denkmal ‘steht
heute in Weihenstephan, des anderen in Berlin in
der Seestraße. Lintner hat 1865 die Schaffung der
brautechnischen Abteilung an der Weihenstephaner
Anstalt und 1875 die Begründung der Wissenschaftlichen
 Station in München in die Wege geleitet. Auf
die Initiative Delbrücks wurde 1883 die Versuchsund
 Lehranstalt für Brauerei in Berlin ins Leben
gerufen.
Lehr-, Versuchs- und Forschungstätigkeit gehen
Hand in Hand an den wissenschaftlichen Instituten
der Brauindustrie. Die im Laboratorium und bei.der

raktischen Versuchsanstellung gesammelten Kenntısse
 und Erfahrungen übermittelt der Technologe
m Hörsaal und in seinen Publikationen der brauzewerblichen
 Praxis. Die heute bestehenden großen
\nstalten vereinigen deshalb Laboratorien, Ver-‚uchsbetriebe
 und Hörsäle in ihren Mauern, senden
hre Technologen und Ingenieure als Berater in die
7raxis und vermitteln der Fachwelt die gewonnenen
ıeuen Erkenntnisse in den Fachorganen. Aus der
Praxis wiederum fluten die Anregungen und Beobachtungen
 zurück zu den Anstalten aus den Betrieben,
 deren
Leiter dank der
genossenen Vorbildung
 mit geschultem
 Auge
die Vorgänge
in der Mälzerei,
im Sudhaus, im
Gär- undLagerkeller
 beobachten.
 Namentlich
die Brauereien,
die über eigene
Betriebslaboratorien
 verfügen,
an deren Spitze
wissenschaftlich
gebildete Männer
 stehen, leisten
 hier dauernd
 viel fruchtare
 Arbeit, wie nicht minder die Revisionsbeamten
ler Institute, die ihre Beobachtungen in den kon-:rollierten
 Betrieben der Anstalt mitteilen,
Von den wissenschaftlichen Instituten der deutschen
Brauindustrie sind zwei

Brauerei-Hochschulen:
in Berlin die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei
— in der Landwirtschaftlich-technischen Abteilung
jer Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin —
ınd in Weihenstephan die Bayerische Hochschule für
„andwirtschaft und Brauerei — im Verbande der
Technischen Hochschule München.
Die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in
Berlin (Berlin N 65, Seestraße 12—15). Die Anstalt
st ein Teil des zur Landwirtschaftlichen Hochschule
3erlin gehörigen Instituts für Gärungsgewerbe und
Stärkefabrikation, das zusammen mit dem Instituf
ir Zuckerindustrie und der Versuchs- und For-Die

 deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="19" />
        RB

Dr. H. Schulze-Besse, Berlin:

....
N

06402»

Brauerei mu

schungsanstalt für Getreideverarbeitung und Futterveredelung
 die landwirtschaftlich-technische Abteijung
 der Hochschule bildet. Das Institut für
Gärungsgewerbe gehört dem preußischen Staate und
untersteht, gemäß den zwischen der Preußischen
Landwirtschaftlichen Verwaltung und den sieben ihm
angehörigen Verbänden abgeschlossenen Verträgen,
dem Kuratorium und dem Rektorat der Hochschule.
Der Direktor des Instituts und wissenschaftliche
Leiter der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei
ist Mitglied des Senats der Hochschule und vertritt
dort die landwirtschaftlich-technischen Gewerbe. Die
ünanzielle Unterhaltung des in seinen Anfängen auf
das Jahr‘ 1874 zurückzuführenden, von Max Delbrück
 gegründeten Instituts liegt den bereits erwähnten
 Verbänden ob.
Einer dieser Verbände ist der Verein „Versuchsund
 Lehranstalt für Brauerei in Berlin‘. Dieser besitzt
 auf Grund landesherrlicher Verleihung die Rechte
ainer juristischen Person und wurde im Jahre 1883
auf die Initiative von Max Delbrück durch Kommerzienrat
 R. Roesicke, Brauereibesitzer A. Knob-‚auch
 und Generaldirektor F. Goldschmidt begründet.
Vorsitzender des Vorstandes der Anstalt wurde
Kommerzienrat R. Roesicke, wissenschaftlicher
Leiter Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Max
Delbrück. Sie bezweckt die Förderung des Brauzewerbes
 durch wissenschaftliche und praktische
Versuchsanstellung, technisch-wissenschaftliche Beratung
 der Mitglieder auf Grund von Betriebsrevisionen,
 sowie von Untersuchungen der Rohstoffe,
Hilfsmaterialien und Erzeugnisse, Unterrichtserteilung,
 Ausstellungen und Veröffentlichungen.. Mitglieder
 können Brauerei- und Mälzereibesitzer,
Brauerei- und Mälzereivorstände, Braumeister und
sonstige Angestellte von Brauereien und Mälzereien,
AHopfenhandlungen, Maschinenfabriken und sonstige
Interessenten, insbesondere nicht mehr beruflich
tätige Angehörige des Brauerei- und Mälzereirewerbes
 werden. Verwaltungsorgane sind die

Gärungscer“

RR .

jeneralversammlung, der aus mindestens 10 und
ıöchstens 36 Mitgliedern bestehende Vorstand und
ler wissenschaftliche Leiter, der zugleich Direktor
les Instituts für Gärungsgewerbe ist. Besondere
\ufgaben sind den. Ausschüssen zugewiesen, deren
/orsitz von je einem Vorstandsmitglied, im Wissenchaftlichen
 Ausschuß vom wissenschaftlichen Leiter
‚eführt wird. Vorsitzender des Vorstandes ist zur
Zeit Kommerzienrat Dr. W. Sobernheim, Berlin,
tellv. Vorsitzender Generaldirektor W,. Reinhardt,
‚eipzig, Schatzmeister Generaldirektor E. Jaeger,
jerlin. Wissenschaftlicher Leiter ist Professor Dr.
?*. Hayduck, Direktor des Instituts für Gärungszewerbe.

Den Zwecken der Anstalt dienen folgende Einichtungen:
 das Chemisch-Technologische Laboatorium,
 das Analytische Laboratorium für chenische,
 biologische und feuerungstechnische Unteruchungen
 und Hefereinzucht, ein Laboratorium für
vissenschaftliche biologische Arbeiten, das Betriebsaboratorium
 und die Versuchs- und Lehrbrauerei
Hochschulbrauerei), die Rohstoffabteilung, Unterichtslaboratorien
 und die Maschinentechnische Abeilung
 mit Laboratorium, ferner die Wirtschaftliche
‚bteilung, die Buchstelle und die Glasbläserei zur
/ersorgung der Praxis mit Kontrollinstrumenten
ınd Apparaten, sowie die Ausführung von Betriebsevisionen
 , die Beratung für Kleinbrauereien, die
’eranstaltung von Maschinen-, Gersten- und
Iopfen-Ausstellungen, die Erstattung von Gutıchten
 und Erteilung von Auskünften. Die Auf-‚aben
 der Anstalt finden eine Ergänzung durch
lie ebenfalls am Institut für Gärungsgewerbe betehenden
 Organisationen: den Verein zur Förderung
les deutschen Braugerstenbaus, e. V. und die Gesell-‚chaft
 für die Geschichte und Bibliographie des
3rauwesens E. V.
Alljährlich finden die bekannten „Oktobertagunzen‘
 mit Vorträgen und Ausstellungen statt.
Die Unterrichtseinrichtungen sind folgende:
        <pb n="20" />
        1. Akademisches Studium. Die Studierenden sind an n den Laboratorien der Anstalt oder in der Verder
 Landwirtschaftlichen Hochschule immatrikuliert. ;uchs- und Lehrbrauerei Arbeitsplätze belegt werden.
Für die Zulassung werden dieselben Vorbedingungen Den Absolventen der Anstalt steht eine Stellenwie
 von den anderen Abteilungen der Hochschule ge- vermittlung zur Verfügung.
stellt: mindestens Obersekundareife einer neunstufigen Als Dozenten sind an der Anstalt tätig die Herren:
höheren Lehranstalt oder das Abgangszeugnis eine! „of Dr. F. Hayduck, Prof. Dr. W. Windisch, Prof.
Realschule, resp. eine gleichwertige Vorbildung; 17 F_ Schönfeld, Dr. 0. Neumann, Dr. W. Rommel,
außerdem ist der Nachweis einer zweijährigen Praxis 9r. G. Bode, Dr. F. Stockhausen, Dr. jur. H. Schulzeim
 Brauerei- und Mälzereibetriebe zu erbringen. Das 3esse, Dipl.-Ing. H. Gesell, Dr. M. Philippe, G. Schön-Studium
 beginnt Anfang November mit einem bis ‘ld, Dipl.-Br.-Ing. M. Glaubitz, Regierungsbauetwa
 Mitte März sich erstreckenden Winterhalb- neister a. D. K. Müller, Dipl.-Ing. P. Kolbach, Dipl.-jahr;
 das Sommersemester beginnt Anfang Mai und 'ng. E. Rausch, Dr. H. Bausch, Dr. F. Windisch.
eudi gt Ende JR. ‚Es bestehen PS En TG: des Als periodische Veröffentlichungen der Anstalt er-AreiseieSiIRGE
 mit dem Ziele der Er ANSUNg S scheinen: Tageszeitung für Brauerei, Wochenschrift
Titels Braumeister und ein sechssemestriger mit %ir Brauerei. Jahrbuch der V.L.B
dem Ziele der Erlangung des staatlichen Diploms ; a De
als Brauerei-Ingenieur. Die Studierenden, die nach Die Bayerische Hochschule für Landwirtschaft und
den ersten drei Halbjahren ihre theoretische Aus- Brauerei in Weihenstephan
bildung zu beendigen wünschen, erlangen nach Be- —— im Verbande der Technischen Hochschule Münstehen
 einer mündlichen und experimentellen Ab- ‚hen — wurde in ihrer brautechnischen Abteilung im
schlußprüfung die Berechtigung zur Führung des lahre 1865 von Professor Dr. C. Lintner an der da-Titels
 Braumeister und zur Anleitung von Lehrlingen. naligen „Landw. Zentralschule“ begründet... 1895
Dieses Recht wird mit der Erreichung des 24. Lebens- vurde die „Landw. Zentralschule‘“ dann in die
jahres und bei Nachweis einer mindestens drei- Königlich bayerische Akademie für Landwirtschaft
jährigen Praxis nach beendeter Lehrzeit wirksam. nd Brauerei“ umgewandelt und ihr ein neues Statut
Der sechssemestrige Studiengang schließt mit einer egeben. Ende 1919 erfolgte die Erhebung zur Hochstaatlichen
 Prüfung ab, die gemäß der „Prüfungs- ‚chule, die 1925 eine eigene Hochschulverfassung erordnung
 für Brauerei-Ingenieure an der Landwirt- njelt, 1928 wurde die Hochschule Weihenstephan
schaftlichen Hochschule in Berlin“ vor einem unter mit der Jandwirtschaftlichen Abteilung der Techdem
 Vorsitz des Rektors stehenden Prüfungsaus- 1ischen Hochschule München zu einer „Landwirtschuß
 abgelegt wird. schaftlichen und brautechnischen Gesamtabteilung
2. Neben diesem akademischen Studium vermittelt ler Technischen Hochschule München‘ organisch
die Brauer-Lehranstalt dem praktischen Brauer, der vereinigt und führt seitdem die eingangs erwähnte
über eine gute Volksschulbildung und eine mindestens Bezeichnung.
dreijährige Praxis verfügt, die notwendigen fach- An der Spitze der Hochschule steht als derzeitiger
theoretischen Kenntnisse mit Einschluß der Betriebs- Curator Professor Dipl.-Ing. Th. Ganzenmüller, Vorkontrolle
 in einem Mitte Oktober beginnenden ;;tand der brautechnischen Abteilung ist Professor
fünfmonatigen Kursus. Über die mit Erfolg abgelegte Dr, H. Schnegg.,
Abschlußprüfung wird ein Zeugnis erteilt. Der Studiengang beginnt mit dem Wintersemester.
3. Je nach Bedarf finden außerdem kurze brau- Auf Grund entsprechender Prüfungen wird nach erund
 maschinentechnische, sowie Buchführungskurse Tfolgreichem viersemestrigen Studium der Titel
statt. Für Praktikantenkurse können monatsweise „staatlich geprüfter Braumeister“ und nach sechs-Die

 Bauerische Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan
        <pb n="21" />
        N

Dr. H. Schulze-Besse, Berlin:

semestrigem Studium der Titel „staatlich geprüfter
Brauerei-Ingenieur‘‘ erworben. Für die Aufnahme
als Studierender werden verlangt der erfolgreiche
Besuch von mindestens sechs Klassen einer staatlichen
 oder staatlich anerkannten höheren Lehranstalt
 und eine mindestens dreijährige praktische
Tätigkeit in einer Brauerei.
An einschlägigen /nstifuten für die brautechnische
Abteilung bestehen das physikalische und chemische
Institut, das Institut für chemisch-technische Ana-Iyse,
 das gärungsphysiologische und das mechanischtechnische
 Institut, das volkswirtschaftliche Seminar,
die Versuchs- und Lehrbrauerei mit dem Labo--atorium
 zur „Förderung des Braugewerbes“ und
das Seminar für kaufmännische Betriebslehre, sowie
die nach Erwerbsgrundsätzen geführte, neuzeitlich
eingerichtete Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan.
 Außerhalb der Hochschulorganisation besteht
 in Weihenstepahn als eine Finrichtung des
Bayerischen Brauerbundes die „Landesbuchstelle für
3rauerei“,
Als Dozenten sind an der brautechnischen Abteiung
 tätig: Prof. Dr. B. Bleyer, Prof. Dr. J. Ecker,
Prof. Dr. J. Frank, Prof. Dipl.-Ing. Th. Ganzenmüller,
 Prof. Dr. H. Leberle, Prof. Dr. 0. Meindl,
Prof. Dr. H. Raum, Prof. Dipl.-Ing. Dr. W. Redenbacher,
 Prof. Dr. C. L. Sachs, Prof. Dr. H. Schnegg
and Prof, Dr. K. Trautwein.
Als Nachrichtenblatt für die Mitglieder des „Verbandes
 ehemaliger Weihenstephaner der Brauerabteilung
 E. V.“, der auch eine Stellenvermittlung
interhält, erscheint seit ihrer Begründung durch
K. Lense-München im Jahre 1924 die Vierteljahreszeitschrift
 „Der Weihenstephaner‘“. Sie bringt neben
den das Verbandsleben ‘ sowie die Hochschule
Weihenstephan betreffenden Mitteilungen fachwissenschaftliche
 Aufsätze von früheren Studierenden
und Professoren der Hochschule.
An der Hochschule besteht ferner
die Staatliche brautechnische Versuchsstation
Weihenstephan,
zine Gründung von Geheimrat Dr. H. Vogel, der sie
m Jahre 1884 in Memmingen ins Leben rief. Mit
seiner Berufung nach Weihenstephan im Jahre 1892
übersiedelte auch die Anstalt hierher und wurde 1922
vom bayerischen Staate als „Staatliche brautechnische
 Versuchsstation Weihenstephan“ übernommen.
Zweck und Aufgabe der Station sind: Untersuchung
 sämtlicher Brauerei-Roh- und -Hilfsstoffe,
-Zwischen- und -Abfallprodukte und -Fertigfabrikate,
sowie praktische Beratung von Brauereien und Mälzereien
 sowohl auf schriftlichem Wege als auch
lurch unmittelbaren Besuch .der Betriebe durch
säigene theoretisch und praktisch gebildete Reisepeamte,
 Alljährlich findet wenigstens ein sechstägiger
 Lehrkursus für Brauereibesitzer. Braumeister

ınd Angestellte von Brauereien und Mälzereien statt.
3esonders läßt sich die Versuchsstation die Beratung
ies Klein- und Mittel-Braugewerbes angelegen sein.
Die Leitung der Versuchsstation liegt in den Händen
ron Direktor J. Ernst, stellvertretender Vorstand ist
Jr. Wiegmann. Für die Mitglieder werden von der
Station die „Nachrichten der brautechnischen Versuchsstation
 Weihenstephan‘“ (Fortsetzung des
‚Bayer. Klein- und Mittelbrauer“) herausgegeben.

Die Wissenschaftliche Station tür Brauerei in
München (e. V.)
Ohlmüllerstr. 42a) wurde im Jahre 1876 auf An-'egung
 von Prof, Dr. C. Lintner durch einen Verein
ron Brauern im Anschluß an den 3. deutschen
3rauertag in Frankfurt a. M. begründet. Zum Vor-;tand
 wurde der jetzige Ehrenvorsitzende Geh. Komnerzienrat
 Dr.-Ing. e. h. Gabr. v. Sedlmayr gewählt.
Nach der Satzung ist der Zweck der Station der
\usbau der wissenschaftlichen Grundlagen des Brauvesens,
 sowie auch die Ausführung von Unter-‚suchungen
 von Rohstoffen, Hilfsstoffen und Erzeugıssen
 der Brauerei und Mälzerei, Prüfung und Vernittlung
 der in der Praxis. benutzten Instrumente
ınd Apparate, Ausführung von Betriebsrevisionen
ind Erstattung von Gutachten. Auch befaßt sich die
Station mit der Ausbildung von Praktikanten. Mit-‚lieder
 können Brauerei- und Miälzereifirmen,
Besitzer und -Leiter sein, ferner auch andere Firmen
‚nd Personen, insbesondere solche, die mit Braueeien
 als Lieferanten in Verbindung stehen oder Inter-‚ssenten
 an Brauereien, oder als verwandte Beriebe
 anzusehen sind, endlich auch Personen, welche
rüher von Brauereien oder Mälzereien Besitzer, oder
ın solchen beteiligt, oder in denselben tätig waren.
Sämtlichen Mitgliedern steht das Recht zu, die Staion
 zu den oben angeführten Zwecken, jedoch nur
‘ür sich und nicht für dritte, zu benutzen.
Die Verwaltungsangelegenheiten erledigen die Mitsliederversammlung,
 der erweiterte und der engere
\usschuß, der Vorstand und die Direktion. Dem
Vorstande gehören zur Zeit an: Kommerzienrat
7, Sedimayr-München, Vorsitzender, Kommerzienrat
Ir. O0. Jung-Mainz, 1. Stellvertreter, und Geh. Komnerzienrat
 A. Pschorr-München, 2. Stellvertreter.
Direktor der Station ist (seit 1921) Prof.
Ir. H. Lüers, stellv. Direktor H. Stadler. Die früheen
 wissenschaftlichen und geschäftsführenden Leiter
‚ind: 1876—1877 Dr. K. Reischauer, 1877—1901 Proessor
 L. Aubry, 1901—1914 Geh. Hofrat Prof.
Dr. C. J. Lintner, 1914—1918 Dr. G. Graf. 1918—1920
Prof. Dr. H. Will.
Es bestehen fünf Abteilungen: eine wissenschaftiche,
 eine chemische, eine physiologische, eine techsche
 und eine kaufmännische Abteilung. Die Mitrliederversammlungen
 finden alliährlich im Herhst
        <pb n="22" />
        I, 3. Die wissenschaftlichen Institute und Organe der deutschen Brauindustrie. . 21
zumeist in München statt. Neben der Erledigung der Die Württembergische Landesanstalt für landwirtgeschäftlichen
 Angelegenheiten dienen sie wesentlich schaftliche Gewerbe an der Landwirtschafflichen
der Besprechung technischer Fragen im Anschluß an Hochschule Hohenheim
behandelte Vortragsthemata, . wurde als „Technologisches Institut, Versuchsanstalt
Die Mitteilungen über die Arbeiten ‚der Station ‘ür Gärungsgewerbe, in Hohenheim bei Stuttgart“ im
werden seit 1926 in der „Wochenschrift für Brauerei“ Jahre 1888 begründet und 1890 erweitert
veröffentlicht. Für die frühere Zeit finden sie sich in Zweck der Anstalt ist die Förderung der Taudwirtder
 „Zeitschrift für das gesamte Brauwesen“, ‚schaftlichen Gewerbe, in der gärungstechnischen
In München besteht ferner \bteilung insbesondere der Gärungsgewerbe, durch
die Lehr- und Versuchsanstalt für Brauer, Privat. issenschaitliche und technische Versuchstätigkeit,
institut von Dr. Doemens und Dr. Heller Ausführung von allen Se lem Omtersnchungen,
. n Betriebsrevisionen für gärungsgewerbliche Be-(Linprunstraße
 74/ 75). Die Anstalt wurde im Jahre riebe, Abhaltung von Vorträgen und Lehrkursen. Es
1895 Von Dr. A. Doemens begründet. Ihr Zweck ist ‚estehen Versuchsbetriebe für Brennerei und Kelterei.
die Ausbildung von praktisch vorgebildeten Brauern Die Anstalt ist, wie das schön aus dem Namen
in Ende April und Anfang November jeden Jahres jervorgeht, der Landwirtschaftlichen Hochschule in
beginnenden viermonatigen Lehrkursen mit vierzehn- Johenheim angegliedert und untersteht dem württätigem
 Vorkursus und anschließendem vierwöchigen ‚embersischen Ministerium des Kirchen- und Schul
Spezialkursus in Hefereinzucht. Vorbedingungen für vesens. /
die Aufnahme sind: eine gute Volksschulbildung, ein Vorstand der Anstalt ist Prof. Dr. M. Rüdiger
Alter von mindestens 17 Jahren und mindestens ein teilung svorstand Dr. Ph Schmid } Der Vorgänger
Jahr Brauereipräxis. Mit der Lehranstalt ist eine son Prof. Dr. Rüdig &amp;amp;r War vol 190. 4 bis 1927 Prof
Versuchsstation verbunden, die Untersuchungen aller Dr. K Win disch .
Art und Betriebsrevisionen ausführt, sowie Auskünfte 2 .
und Gutachten erstattet, Zum Schluß ist noch
Als Dozenten sind tätig die beiden Direktoren
Dr. A. Doemens und Dr. H. Heller, ferner Studienrat
Dr. M. Falch, Oberbaurat Prof. E. Leykauf, Dr. jur.
A. Neuburger, Prof. Dr. H. Roß, Hauptkonservator
am Botanischen Museum.
Mit der Stellenvermittlung für die Schüler der
Anstalt befaßt sich der „Verein Doemensianer,
E. V.“ Als Vereinsorgan erscheint das „Brautechnische
 Zentralblatt‘.
Die Versuchsanstalt für Bierbrauerei der Bayerischen
Landesgewerbeanstalt zu Nürnberg
{Schonhoverstraße 10) wurde im Jahre 1887 durch
Professor Dr. E. Prior begründet und ist seit 1904 der
Bayerischen Landesgewerbeanstalt angegliedert.
Zweck der Anstalt ist die Förderung des Braugewerbes
 durch Raterteilungen, Betriebsrevisionen,
Untersuchungen von Roh- und Fertigprodukten der
Brauerei und Mälzerei, Abhaltung von Vorträgen und
Lehrkursen, Prüfung und Abgabe von Kontrollinstrumenfen,
 Züchtung und Abgabe von Reinhefen
usw.‘ Außerdem stehen den Brauern und Mälzern
die Abteilungen der Bayerischen Landesgewerbeanstalt
 zur Verfügung, und zwar: die mechanischtechnische,
 die elektrotechnische, die chemisch- technische
 Abteilung, die Abteilung für Statik, für
gewerblichen Rechtsschutz usw.
Vorstand der Anstalt ist Gewerbe-Oberchemierat
Dr. H. Wolfs, stellvertetender Vorstand Gewerbe-Chemierat
 I. Klasse Dr. E. Werz.
Die Mitteilungen der Anstalt erscheinen in den
„Deutschen Brauer-Nachrichten‘“, Nürnberg.

die Versuchsstation für Brauerei und Mälzerei und
Brauer-Akademie zu Worms a. Rh.
zu nennen. Die Brauer-Akademie ist aus der Lehrınstalt
 für Landwirte hervorgegangen, die von
Dr. Schneider gegründet und im Jahre 1861 eröffnet
wurde. Im Jahre 1872 wurde die Brauer-Akademie
ıls selbständige Abteilung der Landwirtschaftlichen
„ehranstalt angegliedert. 1898 ging die Anstalt in
las Eigentum ihres jetzigen Direktors E. Ehrich über,
ler ihr als Lehrer seit dem Jahre 1884 angehört
ıatte. Eine Versuchsstation für Brauerei und Mälzerei
vurde im Jahre 1887 der Brauer-Akademie als selbständige
 Abteilung angegliedert. Zweck und Aufgabe
ler Versuchsstation .ist, den Betrieb der Brauereien
ınd Mälzereien rationell zu gestalten und ihnen in
ıllen technischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite
zu stehen.
Der Betrieb der bei Kriegsausbruch im Jahre 1914
zeschlossenen Brauer-Akademie ist infolge der Verjältnisse
 im besetzten Gebiet noch nicht wieder aufzenommen
 worden. .

Die Fachorgane
1aben die Aufgabe, die Interessen des Braugewerbes
n der Öffentlichkeit zu vertreten, seine Wünsche
len maßgebenden Regierungsstellen zu Gehör zu
ringen und die Arbeit der wissenschaftlichen Institute
 und wirtschaftlichen Verbände zum Nutzen
ler Brauindustrie wirksam zuunterstützen. Rascheund
zielbewußte Berichterstattung und Stellungnahme in
allen wichtigen technischen und Tagesfragen, schnelle
ınd zuverlässige Mitteilungen ‚über die Lage der
        <pb n="23" />
        Dr. H. Schulze-Besse, Berlin:
Brauereien im In- und Auslande, über neue behördiche
 Erlasse und Verordnungen, wie besonders auch
iber die Marktlage aller Roh- und Hilfsstoffe sind
Aufgaben, deren Erfüllung ihnen über die Kreise des
Gewerbes hinaus Beachtung und Ansehen verschafft
ı1aben. In der Praxis auftauchende Fragen {finden
lurch Beantwortung im Fragekasten die erwünschte
Klärung. Nicht zuletzt auch haben sich die Fachorgane
 stets angelegen sein lassen, die Übergriffe der
Abstinenzbewegung durch sachliche Kritik und Darbietung
 einwandfreien wissenschaftlichen und statistischen
 Materials in die Schranken zu weisen.
Von den Organen der deutschen Brauindustrie
arscheinen zwei täglich: in Berlin die „Tageszeitung
jür Brauerei“ und in Nürnberg die „Allgemeine
3rauer- und Hopfen-Zeitung“.
Die „Tageszeitung für Brauerei“ ist Eigentum des
Vereins „Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in
Berlin“ und wird in ihren Bestrebungen getragen
vom deutschen Braugewerbe. Die „Tageszeitung“
erscheint seit dem 1. Januar 1903. Sie verdankt ihre
Begründung der Initiative des damaligen Vorsitzenlen
 des Wirtschaftlichen Ausschusses der V.L.B.,
Kommerzienrat Richard Roesicke. Unter der Leitung
des Vorstehers der Wirtschaftlichen Abteilung der
YV.L.B., Professor Dr. E. Struve, fand die „Tageszeitung“
 bald größere Verbreitung und allgemeines
Ansehen, zumal führende Persönlichkeiten aus Praxis
ınd Wissenschaft die Bestrebungen der Schriftleitung
durch ihre Mitarbeit unterstützten. Namentlich bei
den verschiedenen Biersteuervorlagen bekämpfte die
„Tageszeitung“ nachhaltig die dem Gewerbe zugedachten
 Belastungen. Nach dem Tode Professor
Struves im Jahre 1915 übernahm dann sein Nachfolger
 Dr. H. Schulze-Besse die Hauptschriftleitung,
und es gelang, auch unter den schwierigen Verhältıissen
 der Kriegs- und Nachkriegszeit das tägliche
Erscheinen des Blattes sicherzustellen, wie es für
die schnelle und zuverlässige Orientierung des Gewerbes
 über die vielen Einschränkungsmaßnahmen
und Notverordnungen besonders wichtig war. Um
lie Gewinnung von Absatzgebieten im Auslande
wirksam zu unterstützen, ging die „Tageszeitung“
dann dazu über, zuerst allmonatlich, dann seit 1928
zweimal im Monat Export-Sondernummern mit einem
iber die Grenzen Deutschlands Interesse findenden
technischen Inhalt herauszubringen. Als verantwortlicher
 Schriftleiter ist Dr. O0. Kirmse tätig.
Die Nürnberger „Allgemeine Brauer- und Hopfen-Zeitung“
 wurde im Jahre 1861 von Johann Carl in
dem mittelfränkischen Städtchen Roth am Sand als
‚Allgemeine bayerische Hopfen-Zeitung‘“ begründet.
Sie erschien zunächst zweimal wöchentlich und siedelte
 im Jahre 1866 nach der nahen alten Reichsstadt
Nürnberg, dem Sitz des deutschen Hopfenhandels,
über. Im Jahre 1880 wurde der Name dann in „Allzemeine
 Brauer- und Hopfen-Zeitung‘“ yeändert. Nach

2

lem Tode des Begründers im Jahre 1897 übernahm
jessen Sohn Ferdinand Carl den Verlag und die
‚eitung der Zeitschrift. Seit dem 1. Januar 1898 erscheint
 das Blatt täglich und bietet neuerdings
nonatlich eine Exportsondernummer in erhöhtem
Jmfang. Als Hauptschriftleiter ist R. Gifhorn tätig.
Die allwöchentlich erscheinende „Wochenschrift
Üür Brauerei“ der Versuchs- und Lehranstalt für
3rauerei in Berlin wird von Professor Dr. F. Hay-Iuck
 herausgegeben und von Prof. Dr. W. Windisch
'edigiert. Die „Wochenschrift“ wurde im J ahre 1884
‚on Max Delbrück begründet und bringt das Brau-‚ewerbe
 betreffende wissenschaftliche Arbeiten, sie
sibt eine Übersicht über die neuen literarischen Fr-;cCheinungen,
 Patentschriften usw. und dient der
7raxis als Organ für Veröffentlichungen über inter--ssante
 Beobachtungen und Tatsachen auf technischvissenschaftlichem
 Gebiet. Seit 1926 ist die,,Wochenschrift“
 auch Organ der Münchener Wissenschaftichen
 Station.
Die früher im Verlage von R. Oldenbourg in
Aünchen herausgegebene „Zeitschrift für das geamte
 Brauwesen“ ist in der Nachkriegszeit an den
/erlag F. Carl übergegangen und wird den Beziehern
ıer „Allgemeinen Brauer- und Hopfen-Zeitung“ als
Zeilage dieses Blattes geliefert. Die „Zeitschrift für
las gesamte Brauwesen‘“ wurde im Jahre 1877 von
». Lintner begründet und hat ebenfalls mit ihren
'eröffentlichungen führender Wissenschaftler, vorviegend
 aus Bayern, Wertvolles für die Brauwissenıchaft
 geleistet.
In Berlin erscheint noch wöchentlich die 1876 von
ohannesson als „Norddeutsche Brauer-Zeitung“ be-‚ründete
 „Deutsche Brau-Industrie“. Inhaber und
/erleger der Zeitschrift ist Richard Schnürpel,
chriftleiter Max Knitter.
In Nürnberg begründete Kommerzienrat Kloß zuammen
 mit Professor Dr. E. Prior, dem damaligen
‚eiter der Versuchsstation für Bierbrauerei in Nürnerg,
 die jetzigen „Deutschen Brauer-Nachrichten“
nter .dem .Namen „Bayer. Brauer-Journal“, Die
‚erantwortliche Schriftleitung hatte bis 1903
)r. Wiegmann, dann Dr. Hans Wolfs, späterhin
Ir. Emil Werz und jetzt August Sieghardt. Später
vurde der Titel des Blattes in „Bayerische Brauer-Jachrichten“,
 dann „Süddeutsche Brauer-Nachichten‘““
 und endlich 1928 in „Deutsche Brauerlachrichten“
 umgeändert. Das Blatt ist Amtsorgan
ier Versuchsstation für Bierbrauerei der Bayerischen
andesgewerbeanstalt in Nürnberg.
Seit 1918 kommt in Landshut der 1916 zunächst
Is „Niederbayerischer Bierbrauer‘“ begründete
‚Bayerische Bierbrauer“ heraus. Das Blatt vertritt
rorwiegend die Interessen der bayerischen Mittelind
 Kleinbrauereien und wird mit Unterstützung der
ührenden Persönlichkeiten derselben von Dr. Alfons
'"ehle wöchentlich herausgegeben.
        <pb n="24" />
        I, 3. Die wissenschaftlichen Institute und Organe der deutschen Brauindustrie. 23
zeit 1885 die in Berlin erscheinende Vereinszeitung.
Von 1887 ab wurde das Verbandsorgan in Dresden
als „Allgemeine Brauer-Zeitung‘“ herausgegeben:
1891 erfolgte dann die Neukonstituierung des „Allgeneinen
 Brauerverbandes‘“ mit dem Sitz in Hannover
ınd die Herausgabe der „Deutschen Brauer-Zeitung“
n Hannover. 1893 erhielt diese den Titel „Brauer-Zeitung“,
 1904 „Brauereiarbeiter-Zeitung“ (seit 1909
n Berlin) und 1910 nach der Verschmelzung mit dem
Mühlenarbeiterverbande den Titel „Verbandszeitung“.
Der Bund deutscher Brauer und verwandter Berufe
:ibt als sein Organ im 37. Jahrgang die im Verlage
Alban Horn, Berlin, zweimal monatlich erscheinende
‚Bundes-Zeitung“ heraus. —
Die hier von den wissenschaftlichen Instituten und
Jrganen der deutschen Brauindustrie gegebene Darstellung
 zeigt die fruchtbare Wechselwirkung von
Wissenschaft und Praxis, die dem deutschen Bier
ebenso wie der deutschen Brauwissenschaft Weltzeltung
 verschafft hat. Auf deutschen Lehranstalten
vorgebildete Brauer werden gern .vom Auslande in
ührende Stellungen berufen, und deutsche Fachzeitschriften
 und Publikationen haben überall in der
Welt ihre Verbreitung und ihren Leserkreis.

Im 45. Jahrgang erscheint im Verlage der Mannheimer
 Vereinsdruckerei und unter der verantwortlichen
 Hauptschriftleitung von Dr. A. Einstein der
von J. Katz in Homburg 1884 als Anzeigenblatt begründete
 „Allgemeine Anzeiger für Brauereien und
Hopfenbau‘“, ebenfalls als wöchentlich herauszegebenes
 Organ.
Die Ergänzung zu den Zeitschriften der V.L.B.
bildet das seit 1898 erscheinende „Jahrbuch der Versuchs-
 und Lehranstalt für Brauerei in Berlin“, als
dessen Schriftleiter Dr. W. Rommel zeichnet. Außer
den Jahresberichten der Abteilungen der V.L.B. enthält
 das Jahrbuch hauptsächlich die nach dem Stenogramm
 bearbeiteten Berichte über die Verhandlungen
auf den Oktobertagungen der Anstalt.
Die Interessen speziell des Braumeisterstandes
vertritt die jetzt im 45. Jahrgang im Verlage von
Gebr. Horn, Berlin, wöchentlich erscheinende „Allgemeine
 Braumeister-Zeitung“,
Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter
 gibt für seine Mitglieder unter dem Titel
„Einigkeit“ in Berlin das verbreitetste Arbeitnehmer-Drgan
 heraus. Zuerst war Fachorgan des Verbandes
        <pb n="25" />
        4. Die Rationalisierung der Brauindustrie,
Von Professor Dr. Heinrich Lüers, München.

Allgemeines.
Wenn wir uns die heutige glanzvolle Brauindustrie,
Jurchdrungen von wissenschaftlicher Erkenntnis,
ausgerüstet mit den vollkommensten technischen
Einrichtungen vergegenwärtigen, so erscheint es
&amp;lt;aum faßbar, daß sich diese gewaltige Entwicklung
zur jetzigen Vollkommenheit in der kurzen Spanne
Zeit von etwa 50 Jahren vollzogen hat. Denn bis in
die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts
1at sich die Bierbrauerei von der des Mittelalters, ja
sogar von der sehr früher Zeiten hinsichtlich
Methoden und Einrichtungen nicht allzu stark unterschieden,
 wenngleich wie auf allen technischen und
gewerblichen Gebieten auch im Braugewerbe natürlich
 eine Höherentwicklung unverkennbar war. Das
Charakteristische dieser lange währenden, jetzt der
Geschichte angehörenden Epoche war, daß sie im
Zeichen reiner Empirie stand. Erfahrungen, von
Generation zu Generation vererbt — einer ohne
Zweifel oft bemerkenswert scharfen Beobachtungszabe
 entsprungen oder durch Nöte und Fehlschläge
aufgezwungen —, sind es gewesen, welche die
Methoden entstehen ließen, nach welchen unsere Vorjahren
 Bier brauten. Wie es rein empirische Erjahrung
 gerne mit sich bringt, hatten diese Methoden
oftmals den Charakter eines „Rezeptes‘“ an sich, das
in vielen Fällen zum Erfolg führte, häufig aber
ernsten Mißerfolg nach sich zog, wenn die Voraussetzungen
 nicht erfüllt waren, unter denen das
„Rezept“ gefunden worden war. Es fehlte zur damaligen
 Zeit noch vollkommen die wissenschaftliche
Durchforschung der physikalischen, chemischen und
ologischen Grundlagen des Braugewerbes, eine
Voraussetzung, die allein den Praktiker in die Lage
setzt, sich vom starren Rezept frei zu machen und,
indem er sich über dasselbe erhebt, ihm zu ermöglichen,
 in schwierigen Lagen dank seiner Beherrschung
 der Materie im wahren Sinn des Wortes
‚der Meister der Brauerei“ zu sein. ;
Die Brauer haben es selbst empfunden, daß auf die
Dauer mit der reinen Empirie nicht mehr auszukommen
 war. Der rasche Aufschwung, welchen
seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Naturwissenschaften
 nahmen, der gewaltige Fortschritt,
den technische Errungenschaften, wie Dampfkraft
und Elektrizität, hervorriefen, verfehlten auch in der
3rauerei ihre Wirkung nicht. Im Jahre 1876 gründete
 ein Kreis fortschrittlich gesinnter Brauer die
Wissenschaftliche Station für Brauerei in München,
im gleichen Jahre errichtete Jacobsen in Kopenhagen
lie Carlsbergstiftung, nicht lange danach (1883) er-‘olgte

 die Gründung der Versuchs- und Lehranstalt
ür Brauerei in Berlin, der im Laufe der Jahre noch
ziele andere Untersuchungs- und Versuchsstationen
olgten. Zweck und Ziel aller dieser Stationen und
‚aboratorien war es, an Stelle der reinen Empirie das
resicherte Fundament wissenschaftlicher Forschung
wu setzen und das Gewerbe mit der aus dem
&amp;gt;xperimentellen Arbeiten fließenden Erkenntnis zu
lurchdringen. Daß dieses Ziel in sehr befriedigender
Neise bereits erreicht ist, beweist ein Blick auf die
ıohe Stufe der Entwicklung, zu der sich die heutige
3rauindustrie erhoben hat. Ganz im Gegensatz zu
:hedem ist es heute den Brauereien eine Selbstrerständlichkeit,
 dem konsumierenden Publikum ein
n seiner Qualität kaum schwankendes, vorzügliches
’rodukt jahraus, jahrein zu liefern, andrerseits in Erüllung
 einer Forderung neuzeitlicher Betriebs-)konomie
 durch höchste Vervollkommnung der techıischen
 Einrichtungen, die Rohmaterialien ohne
Schädigung der Qualität des Bieres unter Aufvendung
 der geringst möglichen Energie in wirt-:chaftlich
 günstigster Weise auszunützen. Man kann
leshalb vom heutigen Standpunkt aus. gesehen das
etzte halbe Jahrhundert in der Geschichte des Brauvesens
 zutreffend als die Epoche der Rationalisierung
jzeichnen. Inwieweit sich diese Rationalisierung im
#inzelnen auswirkte, mögen die folgenden, allgemein
zehaltenen Ausführungen lehren.
Die Rohstofie.

Vor Beginn der neuen Ära in der Geschichte der
3rauerei war man sich noch nicht darüber im klaren,
welche Bedingungen
eine gute Braugerste
zu erfüllen hatte. Man beschränkte sich bei der Beırteilung
 der Gerste fast ausschließlich auf die Handyonitierung
 und empirische Regeln, In der Folge-‚eit
 lernte man durch den Ausbau chemischer und
ıhysiologischer Methoden den anatomischen Bau des
Cornes und Menge und Bedeutung der einzelnen
Corninhaltsstoffe für den Brauprozeß kennen, Insjesondere
 trat die Rolle, welche Eiweiß- und Stärke--ehalt
 spielen, klar hervor. Chemische. und mechauüsche
 Untersuchungsmethoden ermöglichen heute
ine zuverlässige Bonitierung der Braugerste. Damit
.ber wurde der Brauer auch in die Lage versetzt,
(em Landwirt Angaben darüber zu machen, wie eine
ute Braugerste beschaffen sein muß. Als Folge
lavon konnte die Landwirtschaft die Züchtung guter
3raugersten mit bestem Friolg in Anegriiff nehmen.
        <pb n="26" />
        I, 4. Die Rationalisierung der Brauindustrie.

25

Die Gründung der Gerstenbaugesellschaft, des
späteren Vereins zur Förderung des deutschen Braugerstenbaues
 ist das äußere Sinnbild für das ersprießliche
 Zusammenarbeiten von Brauerei und Landwirtschait.

Auch bei der Lagerung der Gerste in der Brauerei
haben sich rationelle Verfahren eingeführt, die nicht
nur möglichst eine Erhaltung, unter Umständen sogar
eine Verbesserung der Qualität des kostbaren Rohstoffes
 gewährleisten, sondern auch durch Ersatz der
raumzehrenden Bodenlagerung durch die raumsparende
 Tiefenlagerung in Silos auf größere Wirtschaftlichkeit
 abzielen. Sorgfältige Trocknung feucht
hereingebrachten Getreides, Silobelüftung unter
gleichzeitiger Regulierung der Temperaturverhälthisse
 sind einige der wichtigsten neuzeitlichen Maßnahmen,
 das Getreide in ungünstigen Jahrgängen
vor Qualitätseinbuße zu bewahren.
Beim Hopfen,
dem zweitwichtigsten und teuersten Rohstoff der
Brauerei, liegen die Verhältnisse ähnlich. Hier
waren es auch wieder eine große Reihe mühseliger
wissenschaiftlicher Forschungsarbeiten, bis in unsere
Tage reichend, welche uns über die brautechnisch
wertvollen Bestandteile des Hopfens, das ätherische
Öl, die Bitterstoffe und die Gerbstoffe in Kenntnis
setzten und damit teilweise auch auf analytischchemischem
 Wege Handhaben zur Beurteilung des
Hopfens ermöglichten. Auch die Ausnützung des
Hopfens im Betrieb ließ sich. erst ökonomischer gestalten,
 seitdem man die wissenschaftlichen Kenntnisse
 über diesen Rohstoff vertieft hatte. Die in den
Nachkriegsjahren verbreitet auftretenden Hopfenkrankheiten
 lernte man durch energische Bekämpfungsmaßnahmen
 mit Erfolg einzudämmen und
verbesserte dadurch nicht allein die Qualität des
Hopfens, sondern meistette auch die wirtschaftlichen
Folgen eines Ausfalles der Ernte. Nachdem der
Hopfen eine leicht verderbliche, verhältnismäßig
rasch an seinem Brauwert verlierende Ware ist, verstand
 man es, ihn durch Abschluß der Luft und möglichst
 kalte Lagerung befriedigend vor Veränderungen
 zu konservieren.
Auch hinsichtlich des dritten‘ Rohstoffes der
Brauerei,

3rauwasserfrage neu aufgerollt und mit Hilfe
zahlreicher experimenteller Arbeiten einer befriedizenden
 Lösung zugeführt zu haben. Dadurch, daß
lie neuere Forschung die Brauwasserifrage mit der
hr übergeordneten Aziditätsfrage in Verbindung
yrachte, wurde ein neues Moment des Ansporns in
lie Forschung hineingetragen. Wir wissen heute,
laß zur Herstellung heller Qualitätsbiere vom Typ
ies vorbildlichen Pilsner Bieres abgesehen vom Malz
jas Brauwasser einen bestimmten Charakter aufveisen
 muß. Es muß vor allem ein weiches Wasser
‚ein und darf keinesfalls größere Mengen von Erdılkalibikarbonaten
 enthalten. Denn diese reagieren
nit den Salzen des Malzes, vornehmlich mit primären
7hosphaten und führen sie in sekundäre, in die
"reber gehende Phosphate über. Der Rückgang der
\zidität verursacht eine Reihe von Folgeerscheinunzen
 technologischer, besonders aber qualitativer Art,
vie Zufärbung der Würze, mangelhafte Klärung,
lerbe, aufdringliche hopfenbittere, mangelhafte
zezenz des Geschmackes, alles Eigenschaften, die
ich mit jenen, die man von einem edlen hellen
ualitätsbier vom Pilsner Typ verlangen muß, nicht
zereinbaren.
Bei dem andern berühmten Biertyp, dem
Münchner, dagegen erweist sich gerade ein karbonat-'eiches,
 hartes Wasser als das geeignete. Nur es
verleiht infolge Zurückdämmens der enzymatischen
jeschehnisse in Verbindung mit dem Münchner Malz
lem Bier den vollen, runden und süßen Geschmack,
ler diesen Typ auszeichnet.
Die moderne Forschung hat darüber hinaus auch
lie Wege gewiesen, wie ein für die Herstellung heller
Jualitätsbiere ungeeignetes Brauwasser zu korigieren
 ist. Die früher verbreitete Methode des
3ipsens konnte durch Experimentalarbeiten in ihrem
Vesen aufgeklärt und ihre Unvollkommenheit nachrewiesen
 werden. Als heute allgemein gangbares,
wirtschaftliches Verfahren wurde die Enthärtung des
Nassers mit Kalk auf kaltem Wege in die Praxis
:ingeführt, wonach es gelingt, die schädlichen
Karbonate bis auf einen belanglosen Rest von zwei
»is drei Härtegraden aus dem Wasser zu entfernen.
Auch das Elektroosmoseverfahren führt sich in Berieben,
 wo billiger Strom zur Verfügung steht und
ındere Korrektionsmöglichkeiten versagen, ein. Zuetzt
 besteht auch die Möglichkeit den aziditätssernichtenden
 Karbonaten durch eine nach biolorischem
 Verfahren mit Bazillus Delbrücki durchseführten
 Säuerung der Maische und der Würze entvegenzuarbeiten.

Jedenfalls steht als Ergebnis selten intensiver
Arbeit auf dem Brauwassergebiet fest, daß wir heute
ın der Lage sind, in der Mehrzahl der Fälle durch
3Zerücksichtigung der Eigenart eines Brauwassers
und eventuelle Vornahme einer Korrektur. allerorts

dem Brauwasser,
haben sich die Rationalisierungsbestrebungen außerordentlich
 erfolgreich erwiesen. Während in früheren
 Zeiten die Praktiker dem Wasser eine gewisse
Bedeutung nicht absprachen, trat später in der
Weiterentwicklung unserer Kenntnisse auf diesem
Gebiete ein Stillstand ein, seit von wissenschaftlicher
Seite der Satz aufgestellt wurde, daß jedes gute
Trinkwasser auch ein gutes Brauwasser sei. Es ist
das ausgesprochene Verdienst W. Windisch’s,. die
        <pb n="27" />
        Professor Dr. Heinrich Lüers, München:
CHEN —h
Biere herzustellen, die den ausgesprachenen Typen
wesentlich näherkommen, als es früher iemals der
7a1] war

ınd Befeuchtung der Belüftungsluft unabhängiger
‚on den äußeren Verhältnissen, so daß fast das ganze
fahr über gemälzt werden kann.
Auch die Tennenmälzerei ist gegenüber solchen
“ortschritten nicht stillgestanden. Sie macht sich
&amp;gt;benfalls die Errungenschaften moderner Forschung
ınd Technik zunutze und zielt einerseits durch
&amp;lt;ältere Haufenführung, weniger Iuftiges Widern usw.,
1uf eine Reduktion des Schwandes ab, andererseits
»rsetzt sie mit Erfolg kostbare Handarbeit durch die
nechanische Arbeit von Wendeapparaten. Die Finührung
 künstlicher Tennenkühlung soll die Tennennälzerei
 von der Jahreszeit unabhängiger machen.
Zeitraubende, kostspielige Handarbeit im Trans-‚ort
 von Gerste, Grünmalz und Darrmalz ist heute
lurch mechanisch arbeitende Fördervorrichtungen
Band, Schnecke, Bläserei) rationell ersetzt.
Wie auf die Herstellung des Grünmalzes, so wirkte
sich auch auf
das Darren
vissenschaftlicher‘ und technischer Fortschritt betuchtend
 aus. Die Forschung hat für die einzelnen
Valztypen das Wesen der Darrarbeit klargestellt
ınd insbesondere die Bedingungen aufgezeigt, unter
velchen Farbe- und Aromabildung zustande kommt
ıder vermieden wird. Die modernen Darrkonstrukionen
 kommen den Bedürfnissen der Praxis weitrehend
 entgegen und sind auf der Basis der gevonnenen
 theoretischen Kenntnisse über den Darr-’organg
 konstruiert. Insbesondere stellen die Mehrıordendarren
 mit einzelnen voneinander unab-‚ängigen
 Horden einen großen Fortschritt rationeller
J)arrarbeit dar. Eine Steigerung der wirtschaftlichen
\usnützung des Feunermaterials, die Möglichkeit der
Verwendung verschiedenartiger preiswerter Heiz-‚toffe,
 wie Kohlestaub, Öl, Dampf, Gas, stärkere Beaıdung
 der Horden unter Schaffung erhöhten Zuges
urch Ventilatoren haben die Ökonomie des Darrens
vesentlich verbessert. Die Mechanisierung des Beadens,
 Abräumens und Wendens drückt den Aufvand
 an menschlichen Bedienungskräften auf ein
Ainimum herab.
Die modernen‘ Mälzungs- und Darrverfahren
‚Ttbeiten im Gegensatz zu früher mit zielbewußter
Xicherheit auf den gewünschten Qualitätsmalztyp
ın. Nachdem das „Malz die Seele“ des Bieres ist,
st damit auch die Grundlage zur Herstellung eigenticher
 Qualitätsbiere geschaffen. ;
Sudhaus.
Wohl am sinnfälligsten tritt die fortschreitende
Kationalisierung des Braugewerbes im Sudhaus
n Erscheinung, und zwar nach qualitativer und
juantitativer Richtung. Wichtige Forschungsırbeiten
 über die diastatische Verzuckerung der
Stärke, über den Abbau der Fiweißkörner und

Mälzerei.
Wenn heute in der Mälzerei wesentlich rationeller
gearbeitet wird als in vergangenen Zeiten, so ist dies
abenfalls nur auf eine Vertiefung unserer Kenntnisse
iber den Keimungsvorgang und ferner auf die NutzjJarmachung
 technischer Fortschritte zurückzuführen.
Zingehende wissenschaftliche Arbeiten haben uns beiriedigende
 Klarheit gebracht über die Vorgänge,
welche sich in qualitativer und quantitativer Beziehung
 während der Keimung abspielen. Nachdem
die Umwandlung der Gerste in Malz auf Lebensiußerungen
 des Kornes zurückzuführen ist, waren
weiterhin insbesondere physiologische und bio-&amp;gt;hemische
 Studien dazu berufen, Einblicke in die Bedingungen,
 unter welchen die Keimung verläuft, zu
vermitteln. Aus der allgemeinen Hebung unseres
Erkenntnisniveaus auf diesem Gebiete sind neuere
Mälzungsverfahren entsprungen, die in einer ratioaelleren,
 zielbewußteren Herstellung .des Malzes
gipfeln.
Schon die Weiche
sehen wir heute rationalisiert. Man. nimmt mehr
Rücksicht als früher auf die Lebensbedürinisse des
Kornes, man führt ihm in der Luftwasserweiche
kräftig Sauerstoff zu, indem man das Verweilen des
Kornes unter Wasser durch Lüftungsperioden unterricht.
 Der Erfolg liegt in einer rascheren, gesünderen
 Keimung und in einer Verbesserung der
Qualität des Malzes.

Bei der Keimung
führte die sichere Beherrschung der drei Keimungsiaktoren
 Sauerstoff, Temperatur und Wassergehalt
zur Herausbildung der Kohlensäurerastmälzerei sowie
 der mechanisch-pneumatischen Mälzerei. Diese
neuzeitlichen Mälzungsverfahren gestatten, den unvermeidlichen
 Mälzungsschwand, der außer Verluste
in der Weiche und durch Keime besonders durch
Veratmung kostbarer Kornsubstanz bedingt ist, auf
?än Mindestmaß herabzudrücken. Während man
irüher oft mit einem Mälzungsschwand von 13 bis
14% der Trockensubstanz rechnete, ist heute ein
solcher von 10—12 % durchaus normal. Bei einer
Produktion von 100000 Zentner Malz macht diese
Herabsetzung des Schwandes allein 2000 bis
3000 Zentner Malzgewinn pro Jahr aus.
Aber darüber hinaus haben die neuen Mälzungssysteme
 weitere wirtschaftliche Vorteile gegenüber
der altüblichen Tennenmälzerei. Durch die Keimung
in hoher Schicht beanspruchen sie bedeutend weniger
Raum, kommen, da das Wenden mechanisch erfolgt,
mit weit geringerer menschlicher Arbeitskraft aus
ınd machen sich infolge künstlicher Temperierung
        <pb n="28" />
        I, 4. Die Rationalisierung der Brauindustrie, 27
die Umwandlung der Mineralstoffe beim Maisch- Die Rationalisierung der Sudhausarbeit, die sich
prozeß schufen die Grundlage des modernen n bestmöglicher Erfassung des im Malz steckenden
Maischens. An die Stelle des starren, empirisch xtraktes und in zielsicherer Beeinflussung der
gehandhabten Rezeptes, wie es ıms in {früherer WNärmezusammensetzung äußert, wird weiterhin
Zeit beispielsweise in Form. des Dreimaischver- Iurch eine hervorragende Wärmeökonomie unterfahrens
 entgegentrat, sind heute wissenschaftlich stützt. Die Feuerkochung, unökonomisch in der
begründete Maischverfahren getreten, die je nach WNirkung, umständlich in der Bedienung, arbeitsder
 individuellen Beschaffenheit des Malzes und dem xraftzehrend, Beschränkung aufzwingend in der
Charakter, dem das fertige Bier entsprechen soll, iröße der Pfannen, ist heute weitgehend durch die
den Stärke- und Eiweißabbau beim Maischen leiten n jeder Beziehung rationellere Dampfkochung verınd
 die Zusammensetzung des Würzeextraktes ziel- JIrängt. Die mit den Schwaden abziehende Wärme
sicher beeinflussen. Der Braumeister steht heute wird durch Pfannendunstkondensatoren für den Benicht
 mehr machtlos den Verhältnissen gegenüber, rieb nutzbar gemacht, Sinnreiche Konstruktionen
sondern das Geschehen. im Sudhaus gehorcht seinem der Würzpfanne garantieren mit einem Minimum an
Willen und seiner führenden Hand. Wärmeaufwand bestmögliche Verdampfung.
Mit dieser Höherentwicklung der Brauverfahren Auch auf dem Gebiete des Hopfenkochens haben
hat die Entwicklung der technischen Einrichtungen sich Rationalisierungsmaßnahmen eingeführt, es sei
des Sudhauses gleichen Schritt gehalten. Das ıur an die Hopfenentlaugungsapparate, die Hopfenmoderne
 Sudhaus, übersichtlich und geräumig an- nühlen und die Trubverwertungsbestrebungen gezelegt,
 von Licht erfüllt, mit blanken Pfannen und lacht, die alle darauf hinauslaufen, die wertvollen
Apparaten ausgerüstet, hat siegreich das alte, opfenbitterstoffe quantitativ zu erfassen und damit
finstere, enge, von Lärm erfüllte überwunden. Die zegenüber unvollkommeneren Methoden an Hopfen
Einrichtungen des modernen Sudhauses zielen änzusparen.
darauf ab, aus dem Malz die im Laboratorium unter Wenn der Erfolg der modernen Sudhausarbeit
besonders günstigen Bedingungen zu erhaltende 1eben der oben erwähnten Anpassung an Malz- und
Extraktausbeute nach Möglichkeit zu erreichen, was 3iercharakter vor allem in der wirtschaftlichen Ausmit
 vollem Erfolg auch in der Tat gelingt. Während ‚eutung des Malzes zu suchen ist, so muß dabei
unsere Vorfahren sich nicht selten damit begnügen mer berücksichtigt werden, daß dieser Fortschritt
mußten, wenn die Sudhausausbeute 8—10 % unter st durch zahlreiche gründliche Arbeiten über die
der Laboratoriumsfeinmehlausbeute zurückblieb, er- Saccharometrie, ferner über die Faktoren, welche
reicht man sie heute im neuzeitlichen Betrieb oder ir die Sudhausausbeute maßgebend sind, ermöglicht
bleibt höchstens ein paar Zehntel Prozente darunter. vurde. Auch hier konnten erst mit dem Wachsen
Daß dies ermöglicht wird, ist auf die fortgesetzte nseres theoretischen Wissens die Früchte praktechnische
 Weiterentwicklung der Sudhauseinrich- schen Erfolges heranreifen.
‘uhgen bis zu ihrer heutigen, beinahe idealen Vollen- Auf dem Gebiete der Würzekühlung zielen Ratiolung
 zurückzuführen. nalisierungsbestrebungen einmal darauf ab, die in
Die neuzeitliche Schrofmühle, als Fünf- und 1er Würze steckende Wärme nutzbar zu machen,
Sechswalzenmühle gebaut, mit Malzspaltapparat und in Weg, der durch Anwendung geschlossener Kühl-Plansichtern
 ausgerüstet, gestattet ein vollkkommenes yottiche mit Innenkühlung gangbar erscheint. Doch
Aufschließen auch härterer, schwerer im Maisch- ‚tellten sich meist Schwierigkeiten der bei der
prozeß angreifbarer Kornpartien, ohne zuviel an Zühlung vor sich gehenden Trubausscheidung
feinem Mehl zu liefern. Die Spelzen, welche für die 1indernd in den Weg, sofern sie nicht durch Spezialspätere
 Gewinnung der Würze als Filterschicht -opnstruktionen beseitigt werden. Fin anderer Weg
wichtig sind, bleiben weitgehend vor der Zerkleine- er Rationalisierung führt zur Belüftung des in einem
rung bewahrt. Maischpfanne und Maischbottich »eschlossenen Raum untergebrachten Kühlschiffes
sind mit ausgezeichnet wirkenden Propellern aus- it keimfrei filtrierter Luft, wodurch die Kühlschiffgestattet,
 welche die Maischarbeit wesentlich voll- würze von Infektionen freigehalten und damit die
kommener und intensiver gestalten als früher. Betriebshygiene gefördert wird.
Der Läuterbottich, oft eine Quelle namhafter Veriuste,
 ist durch Einführung sinnreicher Abläuter-,
Aufhack- und Anschwänzvorrichtungen ein Vollendetes
 Glied der Sudhauseinrichtung geworden. An
seine Stelle ist allenthalben das Maischefilter getreten,
 das infolge der Möglichkeit, feineres Schrot
verarbeiten zu können, mit der Erzielung höherer
Ausbeuten eine wesentliche Ersparnis an Arbeitszeit
verbindet.

Gärung und Lagerung.
Die heutige Arbeit im Gär- und Lagerkeller basiert
;benfalls auf dem befruchtenden Einfluß, den eine
veihe wichtiger Arbeiten auf gärungsphysiolozischem
 Gebiete, z.B. von Schwann, Kützing,
Dagniard Latour, Pasteur und Liebig, auf theo-«etisches
 Wissen und von da weiter auf die Praxis
        <pb n="29" />
        28 4, 4. Die Rationalisierung der Brauindustrie.
= Ps DZ SET AA
ausübten. Von dem Ergebnissen dieser Forscher aufende Luftkühlung oder durch Innenkühlung der
ausgehend, gelang es Emil Christian Hansen, zum Lagergefäße verwirktlicht zu werden versucht wird.
erstenmal die Reinkultur der Hefe durchzuführen. Während die Herstellung des Bieres von der
Heute ist die Verwendung von Reinzuchten Gemein- erste bis zum Lagerkeller infolge seiner durch
zut des Gewerbes geworden. Erinnert man sich an ‚ebensprozesse verursachten Entstehung niemals die
die Schilderungen der älteren Zeit, mit welchen Ge- YIandarbeit und die führende Leitung von Menschenfühlen
 die Sommerbiere erwartet wurden, wie infolge x&amp;lt;raft und Menschenverstand entbehren kann, steht
ınerwarteten Mißratens dem Brauer oft schwerer der weitere Weg
Schaden entstand, weil er nicht wußte, worauf es bei vom Lagertaß bis ins Transportgebinde
der Gärung ankam, und vergleichen wir damit den MP . . .
heutigen Grad von Sicherheit, mit welchem die Be- *4hZ im Zeichen der ökonomisch arbeitenden Mi
triebe dem Konsumenten ihr Produkt in wenig ıchine. Hier In dieser Schlußetappe des B TAHSTEIschwankender
 Qualität von Jahr zu Jahr liefern, so ®triebes ist die Mechanisierung An vollständigsten
erscheint gerade die von Hansen vollbrachte Großtat lurchgeführt, Bierfilter, Druckregler, Abfüllappaals
 das beste Beispiel dafür, in welch gewaltigem ate, Faßwasch- und Flaschenwaschautomaten, Pich-Maße
 sich wissenschaftliche Forschungsarbeit für \pparate, Verschließ- und Etikettiermaschinen,
die Rationalisierung des praktischen Betriebes aus- üSteurisierapparate sind alles Symbole, durch
wirken kan, welche die bis zum fertigen Bier als Gewerbe er-Mit
 dem tieferen Eindringen in die biologische ;cheinende Brauerei Hl, gi en (hnzakter der Lo dustrle
Seite der Gärung hat sich mit der Zeit die Fin- ınnimmt, Diese I ndustrialisierung macht sich AUG
stellung der Praxis gründlich geändert. Das n Bestrebungen geltend, die auf eine RatiomaliSie
Arbeiten mit Reinzuchthefen machte es zur Selbst- RO des Biertranspor Les Zum Konsumenten hi CN,
verständlichkeit, die Hefe vor Konkurrenten zu 6 mehr und mehr sich durchsetzende Norma 1516
schützen, um den Erfolg nicht zu vereiteln. Die ung der Bierflaschen ist ebenfalls hierher zu zählen.
Desinfektion und eine sorgfältig überwachte Be- uch durch zweckmäßige
;riebshygiene gehören heute zum gesicherten Be- Verwertung der Abtallprodukte
stand aller auf Fortschritt bedachter Betriebe. sucht man die Ökonomie des Brauereibetriebes zu
Hand in Hand mit der Vertiefung der Erkenntnis :rhöhen. Malzkeime und Treber finden ohne Schwieüber
 das Wesen der Gärung und die Lebens- igkeiten in der Landwirtschaft Absatz, Die Trockbedingungen
 der Gärungsorganismen ging auch die ıuung der Treber stellt einen wichtigen Faktor der
Vervollkommnung der auf eine ökonomische Arbeit ’reisregulierung dieses wichtigen Futtermittels dar.
abzielenden Einrichtung von Gär- und Lagerkeller. Die Hefe findet, zweckmäßig nach Trocknung, eben-Die
 viel Raum beanspruchenden, Arbeitskraft ver- alls zur Viehfütterung Verwendung, dient aber heute
drauchenden Kleingär- und Lagergefäße sind durch jereits in steigendem Maße als Ausgangsmaterial für
die im Betrieb sich bedeutend rationeller ge- rerschiedene pharmazeutische Präparate. In neuerer
staltenden Großgärgefäße und Lagertanks ersetzt. eit mehren sich auch die Bestrebungen, die
An Stelle des begrenzt haltbaren, viel Pflege er- järungskohlensäure, die in ungeheuren Mengen anlordernden
 Holzes ist als Baumaterial das Metall, Aällt und ungenützt entweicht, zu verwerten, Nach
wie Aluminium, emailliertes Eisen, nichtrostender zründlicher Reinigung findet sie mit Erfolg Absatz
Stahl oder das mit Spezialauskleidungen versehene n der Getränkeindustrie. Die Möglichkeit, sie in
Betonmauerwerk getreten, das neben großer Halt- ?orm von Kohlensäureschnee und -eis zu Kühlungsbarkeit
 vor allem den Vorzug idealer Raum- zwecken zu verwenden, wird diskutiert.
ausnützung aufweist. Auch der Bierschwand wird Das Zusammenarbeiten von Forschung und Praxis,
1atürlich durch die Einführung moderner Großgär- lie Durchdringung der einst allein herrschenden
ınd Lagergefäße wesentlich verringert. impirie mit dem gesicherten Besitz gründlichen
Stellt schon die Einführung der künstlichen Wissens und Erkennens haben im Verein mit be-&amp;lt;ühlung
 mit Erfindung der Eismaschine durch wundernswerten Leistungen der Ingenieure das Brau-_inde
 einen Markstein in der Geschichte der rewerbe zu einer Höhe der Vollendung geführt, auf
Brauerei dar, denn damit war eigentlich erst die die es mit Fug und Recht stolz sein darf. Ein Gefühl
Möglichkeit der Herstellung gleichmäßiger Quali- ier Befriedigung aber ist es, zu wissen, daß an dieser
tätsbiere geschaffen, so geht das Bestreben der rewaltigen Entwicklung des Brauwesens die nationeuesten
 Zeit darauf hinaus, den durch die Kühlung ale deutsche Brauindustrie, deutscher Forschergeist
der Gär- und Lagerkeller verursachten Kraftaufwand nd deutsche Pionierarbeit ausschlaggebenden Anmöglichst
 rationell zu gestalten, was durch um- 'eil genommen hat,

EU
        <pb n="30" />
        5, Der kaufmännische Brauereibetrieb.
Von Prof. Dr. Ecker, Weihenstephan.

Das Braugewerbe wird von Außenstehenden
 vielfach als ein Wirtschaftszweig
 beurteilt, der an die
kaufmännischen Kenntnisse und
Fähigkeiten der Betriebsleiter keine
allzuhohen Ansprüche stelle. Aus den
Dividenden der Aktienbrauereien und ihren Reserven,
 aus der Tatsache, daß die Brauereien in den
letzten Jahren erhebliche Kapitalien in Betriebsneudauten
 und Verbesserungen, in Wirtschaftskäufen
und in Kundendarlehen anlegen konnten und aus
sonstigen, der Öffentlichkeit besonders günstig erscheinenden
 Merkmalen wird allgemein der Schluß
zezogen, daß das Braugewerbe sehr günstige, wenn
nicht gar übermäßige Gewinne gewissermaßen von
selbst einbringe und infolgedessen ein beneidenswerter
 Wirtschaftszweig sei,
In Wirklichkeit liegen jedoch die
Verhältnisse so, daß heute jeder
Brauereibetrieb, vielleicht von einigen
 wenigen, besonders günstig gelagerten
 Betrieben abgesehen, förmlich
 um seine Existenz kämpfen muß
unddaßeinegroße Zahlvon Betrieben
tatsächlich bereits an die Grenze der
Existenzmöglichkeit gelangt ist. Die
'mmer größer werdende Zahl von Geschäftsaufsichten
 und Konkursfällen in der Brauerei dürften
lies auch dem Fernstehenden deutlich machen.
Die verhältnismäßig günstigen Dividenden der
Aktienbrauereien gehen zum größten Teil darauf
zurück, daß diese Betriebe bei Eintritt der Stabilisierung
 ihr Aktienkapital außerordentlich niedrig
umgestellt haben. Nach meinen Berechnungen ist
das Aktienkapital durchweg auf die Hälfte dessen
bemessen worden, was normalerweise als Aktienkapital
 für einen Brauereibetrieb notwendig ist.
Manche Aktienbrauereien haben auf einen noch
zeringeren Betrag umgestellt,, sogar herunter bis
stwa M des an sich notwendigen Aktienkapitals. Die
Folge davon ist, daß die Betriebe gezwungen sind,
aunmehr verhältnismäßig hohe Nominaldividenden
auszuschütten, um eine einigermaßen zureichende
Fifektivdividende zur Verteilung zu bringen. Bei
zerechter Beurteilung der Dividenden der Aktienbrauereien
 müßten daher die sämtlichen Dividenden
mit ganz wenigen Ausnahmen halbiert, wenn nicht
sogar auf % oder % reduziert werden, um sie‘ mit
den Dividenden der Betriebe anderer Wirtschaftszweige
 vergleichen zu können. Berücksichtigt man
allein diesen Gesichtspunkt, dann erscheinen auch

die gegenwärtigen Dividenden der Aktienbrauereien
als außerordentlich niedrige und unzureichende
Efifektivdividenden.
Der weitere Umstand, daß die Brauereien in den
etzten Jahren verhältnismäßig viel Kapital für
Zetriebserneuerung und Betriebsverbesserung aufrewendet
 haben, hängt damit zusammen, daß die
3rauereibetriebe während der Kriegs- und Inilationszeit
 so gut wie nichts in den Betrieben investieren
zonnten. Das Braugewerbe hat während der Kriegsind
 Inflationszeit eine wesentlich andere Entwickung
 durchgemacht als fast die ganze übrige Wirt-‚schaft.
 Während unsere Wirtschaft im allgemeinen
'ast durchweg in der Kriegszeit und insbesondere
yährend der Inflationsiahre ihren Produktionsıpparat
 in üppigster Weise ausgestalten und bis zu
ıngesunden Formen erweitern und verbreitern
connte, war das Braugewerbe in diesen Jahren insjesondere
 durch die Kontingentierungsvorschriften
ınd die damit aufgezwungene Qualitätsyverschlechteung
 des Bieres und den wiederum dadurch. belingten
 Absatzrückgang in eine Lage versetzt, in
velcher in der schärfsten Form Raubbau an den Beriebsanlagen
 getrieben werden mußte. Diese sehr
jef gehenden Schädigungen der Kriegs- und In-'lationsjahre
 müssen aber unbedingt ausgeglichen
verden, wenn nicht die Betriebe in kürzester Zeit
lurch diesen Raubbau zum Erliegen kommen sollen.
Die Investierungen in den Betriebsanlagen sind demı1ach
 den Brauereien durch diese Entwicklung in
z;wingender Weise aufgenötigt und können nicht vernieden
 werden. Sie sind übrigens zum weitaus
rrößten Teil, soweit sie bisher durchgeführt werden
connten, nicht aus eigenen Mitteln, sondern durch Inınspruchnahme
 fremder Mittel durchgeführt worden.
Die bedeutsamen /nvestierungen auf der Seite des
Absatzes, welche sich im Ankauf von Wirtschaften
ınd insbesondere in der Gewährung von Darlehen
an ‘die Kundschaft äußern, sind den Brauereien
viederum aufgezwungen, und zwar durch den
‚ußerordentlich starken Konkurrenzkampf. Dieser
viederum hat seinen Grund in dem immer noch be-;tehenden
 erheblichen Leerlauf infolge des Absatzückganges.
 Letzten Endes wird die Wirtschaft auf
ine Beseitigung des Leerlaufes auch in der Brauerei
zanz von selbst dringen, indem voll ausgenutzte Beriebe
 im. Wirtschaftskampf stärker sind als nur teilweise
 ausgenutzte Betriebe. Jeder Betrieb muß
Jemnach das Bestreben haben, den Leerlauf mögichst
 zu beseitigen und mit möglichst voller Auszutzung
 zu arbeiten, weil er sonst Gefahr läuft, im
        <pb n="31" />
        30_ Prof. Dr. Ecker, Weihenstephan:
Xonkurrenzkampf nicht mehr bestehen zu können.
Daraus erklärt sich der außerordentlich heftige
Kampf der Brauereien untereinander in den letzten
Jahren und die außerordentlich heitige Jagd nach
Kundschaft und Absatz. Die Wirte als die hauptsächlichsten
 Abnehmer der Brauereien nutzen natürlich
 diese Situation bestmöglich aus und suchen von
den Brauereien neben starken Nebenleistungen und
Preisnachlässen möglichst hohe Darlehen zu erreichen.
 Auf diese Weise stehen die Brauereien vor
der Wahl, entweder Absatzstätten und Bierabnehmer
in möglichst weitgehendem Maße zu finanzieren oder
sie zu verlieren und dadurch ihre Betriebsausnutzung
weiterhin zu verschlechtern.
Was man demnach bei oberflächlicher Betrach-‘ung
 als Zeichen besonderer Prosperität des Brauyzewerbes
 betrachtet, ist bei tieferer Beurteilung
genau das Gegenteil.
Daraus ergibt sich auch, daß die Führung und
Leitung eines Brauereibetriebes heute ganz erhebliche
 Anforderungen an die verantwortlichen Personen
 stellt und daß der Frage der kaufmännischen
Brauereileitung die größte Aufmerksamkeit seitens
ler einzelnen Betriebe zu widmen ist.
Es ist unmöglich, im Rahmen einer kurzen Abhandlung
 das gesamte Gebiet des kaufmännischen
Brauereibetriebes auch nur skizzenhaft zu behandeln.
Im nachfolgenden soll daher nur das im Mittelpunkt
les kaufmännischen Brauereibetriebes stehende
Rechnungswesen und die unmittelbar damit im Zusammenhang
 stehende befriebswirtschaffliche Finanzpolitik
 besprochen werden. Es sind dies Fragenkomplexe,
 die, abgesehen von einigen längst veralteten
 und unbrauchbar gewordenen Arbeiten über
Brauereibuchführung, leider bis heute noch keine
eingehende systematische Behandlung in der Lite-:atur
 gefunden haben, so wichtig auch derartige
Arbeiten, wie überhaupt eine umfassende Darstellung
der Lehre über die kaufmännische Brauereibetriebs-‘ührung
 insbesondere für den praktischen Betriehsleiter
 wäre.

)leibt, als derartige Betriebe einzuschätzen, was erahrungsgemäß
 meist zu sehr hohen Verdienstsätzen
reschieht.

Die Frage der Organisation der Buchführung
vird sich niemals für alle Brauerei-7etriebe
 einheitlich beantworten
assen. Der Großbetrieb wird ganz andere Mögıchkeiten
 und Bedürfnisse in bezug auf die Buchührung
 haben, als der Mittel- und Kleinbetrieb, der
eine Brauereibetrieb wird in den Anforderungen an
lie Buchführung wiederum von anderen Gesichtsunkten
 auszugehen haben, als der gemischte Berieb,
 in welchem insbesondere die Brauerei mit
„andwirtschaft, Gastwirtschaft und sonstigen. Wirtichaftszweigen
 betrieben wird. Es ist demnach
neines Erachtens auch eine unmögliche Aufgabe, für
las Braugewerbe eine Einheitsbuchführung in dem
Sinne auszuarbeiten, daß sie für alle Brauereijetriebe
 passend wäre.
Für den gemischten Brauereibetrieb
jegt die Hauptaufgabe der Buchführung vor allem
larin, das Betriebsergebnis der Brauerei zu isolieren
ınd überhaupt die Rentabilität der einzelnen zu einer
Internehmung verbundenen Betriebszweige gerennt
 für sich darzustellen. Wenn man dazu beücksichtigt,
 daß es sich bei den gemischten Betrieben
 gewöhnlich auch um kleine oder mittlere
Irauereien handelt und daß insbesondere bei den
Jeineren Betrieben zumeist nicht sehr eingehend gechulte
 und durchgebildete Buchhalter zur Verügung
 stehen, so wird man an derartige Betriebe
zeine allzu hohen Anforderungen in bezug auf die
Juchführungsorganisation stellen. Es ist schon sehr
jel wert, wenn derartige Betriebe eine einfach
ırganisierte doppelte Buchführung in der Weise
ühren, daß jedem Betriebszweig ein eigenes Beriebskonto
 eingeräumt ist. Gewöhnlich wird für
liese Zwecke die amerikanische Buchführung vervendet,
 weil sie in diesen Fällen wegen der verhältusmäßig
 geringen Kontenzahl technisch möglich ist
ınd weil sie in bezug auf Führung der Bücher und
)berblick über die buchmäßige Entwicklung die geingsten
 Anforderungen an Buchhalter und Betriebssiter
 stellt,
Die typische Konfeneinteilung für derartige Buchührungen
 ist folgende:

1. Buchführung und Kalkulation in der Brauerei.
Daß eine ordnungsmäßige Buchführung für jeden
Brauereibetrieb, auch für die kleine Brauerei von
zrößter Bedeutung ist, braucht wohl nicht eigens
dyewiesen zu werden. Um so merkwürdiger ist es,
daß es auch heute noch kleinere Brauereien gibt
ohne ordnungsmäßige Buchführung. Es sind dies
zumeist dann auch jene Betriebe, welche den Konkurrenzkampf
 in der schärfsten Weise führen, weil
sie nicht rechnen und sich über die Grenze des Möglichen
 und für die Brauerei Erträglichen kein Bild
nachen. Auch in steuerlicher Hinsicht bringt aber
las Fehlen: der Buchführung erhebliche Nachteile,
weil den Steuerhbehörden dann nichts anderes übrig-1.

 Kassa,
2. Schuldner und Gläubiger,
3. Bank,
‘ Brauerei,
Gastwirtschaft,
Landwirtschaft,
Immobilien und Mobilien,
_. Zinsen und Steuern,
9. Privat.
        <pb n="32" />
        I., 5. Der kaufmännische Brauereibetrieb.
Fventuell werden Schuldner und Gläubiger in zwei
Konten getrennt, wenn es sich um eine größere Anzahl
 von Kunden und Gläubigern handelt, und es
wird weiterhin noch ein Wechselkonto eingefügt,
wenn Wechselverkehr vorkommt,
Auf diese Weise werden die Ergebnisse der einzelnen
 Betriebszweige getrennt für sich ermittelt.
Fine weitere Zerlegung der Aufwendungen und Erträgnisse
 der einzelnen Betriebszweige findet jedoch
nicht statt.
Das Bestreben, den Mangel einer näheren Gliederung
 der Aufwendungen und Erträgnisse der einzelnen
 Betriebszweige zu beseitigen, führt dann von
hier aus zum Ausbau dieser Buchführung, und zwar
in folgender Weise:

31
ation der Kosten und Erträgnisse des einzelnen
AYektoliters ergibt. Die Anforderungen, welche an
Jie Kontierung zu stellen sind, werden demnach in
liesem Fall von der Kalkulation aus bestimmt.
Nun ist aber
die Kalkulation in der Brauerei
an bisher sehr stiefmütterlich behandeltes Schmerzenskind.
 Es ist eine kaum glaubliche Tatsache,
laß die wenigsten Brauereien richtig kalkulieren
cönnen. Was an Kalkulationen in den Brauereien
rielfach aufgemacht wird, ist nichts weniger als
ichtig und den betriebswirtschaftlichen Anfordeungen
 entsprechend. Für eine richtige Brauereicalkulation
 dürften folgende Grundsätze aufzustellen
 sein:
a) Es hat so gut wie keinen Zweck, die Kalkulation auf
einen Durchschnittshektoliter abzustellen. Es müssen
vielmehr die einzelnen Biersorten getrennt für sich
kalkuliert werden, da die Kosten der einzelnen Biersorten
 und auch ihr Erlös sehr erheblich voneinander
abweichen.
b) Da es sich um eine Massenkalkulation handelt, wird
grundsätzlich die Divisionsmethode zur Anwendung
kommen müssen. Der hier maßgebende Divisor kann
aber nicht für die sämtlichen anfallenden Kosten ein
einheitlicher sein. Der Streit um den Divisor, wie er
sich insbesondere in Bayern während der Zeit der Kontrolle
 des Bierpreises durch die Landespreisstelle
herausentwickelt hat, geht auf vollständige Verkennung
der tatsächlichen Verhältnisse zurück, Es muß vielmehr
von vornherein eine Scheidung nach Produktions-, Aufbereitungs-
 und Vertriebskosten erfolgen. Die Produktionskosten
 sind mit der pfoduzierten Menge, die Aufbereitungskosten
 mit der aufbereiteten Menge und die
Vertriebskosten mit der vertriebenen Menge zu dividieren.
 Dadurch löst sich das Problem des Divisors bei
der Bierpreiskalkulation ganz von selbst.
Durch die vorgenannte Dreiteilung der Kosten wird
auch vermieden, daß Spezialkosten, welche nur eine
gewisse Biermenge belasten, auf die gesamte Produktion
 verteilt werden. Dies bezieht sich insbesondere
auf die Sonderkosten des Flaschenbieres sowie auch auf
Sonderkosten, welche im Vertrieb anfallen, etwa für den
Versand oder für Abgabe durch Depots und dergleichen.
SolldieBuchführung diesen kalkuatorischen
 Gesichtspunkten in vol-‚em
 Umfang und in zwangsmäßiger
?zolge Rechnung tragen, dann muß sie
n sehr komplizierter Weise aufrzebaut
 werden. Ein treffliches Beispiel einer
jerartigen Buchführungsorganisation hat Dr. Lönertz
n seiner für das Reichskuratorium für Wirtschaftüichkeit
 ausgearbeiteten

1) Zunächst kann lediglich am Ende des Jahres ein Auszug
 aus „Soll“ und „Haben“ der drei Betriebskonten
angefertigt werden. Voraussetzung hierfür ist nur ein
entsprechend deutlicher Text im amerikanischen
Journal. Soweit ein Revisor den Abschluß anfertigt,
wird er diesen Auszug bei Gelegenheit des Abschlusses
machen und kann dann auf diese Weise eine ins einzelne
 gehende Gewinn- und Verlustrechnung für die
einzelnen Betriebszweige herstellen. Auch eine Bierpreiskalkulation
 läßt sich dann auf Grund derartiger
Auszüge machen,
;) Der nächste Schritt des Ausbaues besteht dann darin,
daß der Betrieb selbst die sonst nur vom Revisor zu
fertigenden Auszüge laufend während des Jahres mitführt.
 Er verwendet dazu einfache Auszugsbogen, in
welchen die einzelnen Aufwendungen und Erträgnisse
in ähnlicher Weise untergeteilt werden, wie es bei einet
ausführlichen Kontierung der Fall ist. Dadurch hat der
Betrieb dann laufend ein Bild über die Entwicklung der
einzelnen Aufwendungen und Erträgnisse,
;) Werden an Stelle der Auszugsbogen für die einzelnen
Aufwendungen und Erträgnisse regelrechte Konten geführt,
 dann ergibt sich jene Buchführungsorganisation,
welche insbesondere in mittleren kombinierten Brauereien
 häufig zu finden ist, Das amerikanische Journal
dient hier mehr als Sammeljournal. Über demselben
steht dann das eigentliche Sachhauptbuch oder Betriebsbuch,
 in welchem eine sehr weitgehende Kontierung insbesondere
 der Aufwendungen für die Brauerei erfolgt.

FF
A

Im Großbetrieb und überhaupt im reinen
Brauereibetrieb
wird von vornherein auf eine eingehende Kontierung
des Brauereibetriebes Gewicht gelegt. Hier entsteht
demnach das Problem, in welcher Weise am zweckmäßigsten
 die Kontierung einer Brauereibuchführung
vorzunehmen ist. Dieses Problem wird in sachgemäßer
 Weise nur gelöst werden können einerseits
im Hinblick auf die kalkulatorischen Zwecke der
Buchführung, anderseits unter gleichzeitiger Beıchtung
 der ökonomischen Grenzen für die Rentabilität
 einer derartigen Kontierung.
Fine ideale Organisation der Brauereibuchführung
in der ausgebauten Form würde eine möglichste Anpassıng
 der Buchführung an die kalkulatorischen
Zwecke erfordern. Die Buchführung müßte in ihrer
Kontierung so durchgeführt sein, daß sich aus ihr
vewissermaßen zwangsläufig von selbst die Kalku-Einheitsbuchführung

 für die Brauerei
largestellt. Es wäre dringend zu wünschen, daß
liese Arbeit veröffentlicht und dadurch weitesten
&amp;lt;reisen zugänglich gemacht wird.
Wie aber schon die flüchtige Durchsicht der
Arbeit von Dr. Lönertz zeigt, stellt eine derartig
rganisierte Brauereibuchführung außerordentlich
veitgehende Anforderungen an Betriebsorganisation,
Arbeitszeit und Geldaufwand. Es entsteht demnach
        <pb n="33" />
        32 Prof. Dr. Ecker, Weihenstephan:
sofort die Frage, ob hier nicht doch bereits die bei
einer derartigen Organisation stets im Auge zu be-J1altenden
 ökonomischen Grenzen überschritten sind.
Wenn nämlich die für einen Zweck aufzuwendende
Summe von Arbeit und Kosten größer ist, als der
durch diesen Zweck erzielte Nutzeffekt oder wenn
der gleiche Nutzeffekt auf andere Weise mit geringerem
 Aufwand erreicht werden kann, dann liegt
eine derartige Organisation nicht mehr innerhalb des
Rahmens der ökonomischen Grenzen,
Um den Punkt möglichst genau zu sehen, an
welchem gegebenenfalls die ökonomische Grenze
bei der Organisation der Buchführung überschritten
wird, ist zu berücksichtigen, daß in der Brauerei
speziell, wie auch sonst in anderen Wirtschaftszweigen,
 die Kostenrechnung nicht nur Ergebnis aus
der Betriebsbuchführung sein muß, sondern auch als
Ersatz der Betriebsbuchführung gedacht werden
kann. Bei dieser letzteren dualistischen Durchführung
 wird zwar auch die Buchführung in maßgebender
 Weise für die Kalkulation verwendet, es
wird aber nicht die Organisation der Buchführung
vollständig in der Weise durchgebildet, daß sich aus
ihr die Kalkulation von selbst ergibt. Eine Reihe
von Kosten lassen sich nämlich in der Brauerei in
ihrem Anfall pro Hektoliter im Wege technischer
Berechnung wesentlich einfacher und mindestens
ebenso sicher berechnen, wie auf Grund der Buchi{ührung.
 Beispielsweise können die Malzkosten pro
Hektoliter der einzelnen Biersorten durch technische
Berechnung des Malzverbrauches unter Zugrundeıegung
 der tatsächlichen Selbstkosten iür den
Zentner Malz ohne weiteres berechnet werden. Setzt
man in die Kalkulation die so ermittelten Werte ein,
dann erübrigt sich die ganze umständliche Verbuchung
 des jeweiligen Malzaufwandes auf die einzelnen
 Produktionskosten der einzelnen Biersorten.
Gleiches gilt vom Hopfen und Ähnliches auch von
der Biersteuer und der Umsatzsteuer.
Anderseits erfordert die exakte Aufteilung mancher
Kostenposten auf die letzten Endes in Frage
&amp;lt;ommenden Kostenträger unverhältnismäßig große
Aufwendungen in Form von Nebenaufschreibungen
ınd dergleichen, wenn die Aufteilung in streng buchnäßiger
 Form durchgeführt werden soll. Hingegen
läßt sich bei diesen Posten vielfach eine schlüsselmäßige
 Aufteilung im Rahmen der Kostenrechnung
außerhalb der Buchführung mit wesentlich geingerem
 Kostenaufwand und mit mindestens derselben
 Genauigkeit durchführen. |
Daraus ergibt sich, daß eine Organisation der
Buchführung in der Brauerei, wie sie zum Beispiel
Lönertz in Vorschlag bringt, wohl den Idealzustand
der Brauereibuchführung darstellen würde, wenn
man sie rein isoliert für sich und insbesondere ohne
Rücksicht auf die ökonomischen Grenzen betrachten
wollte. In der Wirklichkeit dürfte aber eine im

inne vorstehender Andeutungen vereinfachte Form
len gleichen Zweck mit wesentlich geringerem Aufvand
 erreichen.
Die Technik der Buchführung als solche wird auch
m Braugewerbe mehr und mehr durch die modernen
3uchführungssysteme beeinflußt. Die Zukunit wird
yuch auf dem Gebiete der Buchführung, insbesondere
m Groß- und Mittelbetrieb, ohne Zweifel der Buchraltungsmaschine
 gehören. Bis jetzt sind es aller-Ungs
 nur wenige Brauereibetriebe, welche die eigentche
 Buchführung maschinell organisiert haben.
\uch die manuellen Durchschreibeverfahren sind in
ier Brauerei anwendbar und zwar grundsätzlich
ür jede Betriebsgröße. Gegenüber der oben beichriebenen
 amerikanischen Buchführung bietet die
nechanisierte Buchführung allerdings kaum mehr
ine Vereinfachung. Sie kann bei Betrieben, die bis
stzt diese Buchführung haben, nur insofern einen
/orteil bringen, als sie eine wesentlich weiter ausrebaute
 Buchführung ohne erheblich größeren Zeitınd
 Kostenaufwand möglich macht.

2. Anwendung der Buchiführungsergebnisse auf die
Betriebsgebarung.
Die kaufmännischen Aufgaben der Buchführung
ind aber mit deren Abschluß, auch wenn sich mit
hm eine ordnungsmäßige Kalkulation verbindet,
ıicht erschöpft. Die Buchführung muß vielmehr
ıuch darüber hinaus bestmöglich ausgewertet und für
lie Betriebsführung als Kontrolle für die Vergangenı1eit
 und Wegweiserin für die Zukunft mutzbar genacht
 werden.
Diese Auswertung der Buchführung kann in statischer
und in dynamischer Hinsicht erfolgen.
Die statische Bilanzauswertung
‘ührt zunächst zur Analyse der Bilanz und der
jewinn- und Verlust-Rechnung und dann zur
&amp;lt;ritischen Betrachtung der Ergebnisse der Analyse,
Auf diese Weise führt die Bilanzanalyse zur Erzenntnis
 der hauptsächlichsten Betriebsvorgänge und
intwicklungswege in Bezug auf Vermögen und seine
Zusammensetzung, auf Kapital und seine Herkunit,
uf Neuinvestierungen und ihre Richtung insbe-'ondere
 nach Produktion und Absatz, auf die Aufringung
 der Mittel für die Neuinvestierungen aus
igenen oder fremden Finanzierungsquellen usw. Sie
sibt ferner auch lehrreiche Aufschlüsse über die
iquidität des Betriebes und seine Abhängigkeit vom
isikoreichen Geldmarkt. Gerade derartige Beur«
eilungen sind aber in der Gegenwart für das Braurewerbe
 außerordentlich wichtig und für eine gedeihiche
 Betriebsleitung geradezu unentbehrlich, Manche
Maßnahme in Bezug auf Finanzierung und Inve-;tierung
 würde in den Brauereien unterbleiben, wenn
auf dem Wege der Bilanzanalvse und Bilanzkritik
        <pb n="34" />
        I, 5. Der kaufmännische Brauereibetrieb,
tieferer Finblick in die betriebswirtschaftlichen Vorgänge
 und Zusammenhänge und deren Auswirkung
für die Zukunft gewonnen würde.
Die Analyse der Erfolgsrechnung führt zur
richtigen Ermittlung des Betriebserfolges im ganzen
und in seinen Finzelteilen. Insoweit laufen ihre Erzebnisse
 in gewissem Sinne parallel zur Betriebskalkulation.
 Beide Erfolgskontrollen können sich
bedeutsam ergänzen und gegenseitig kontrollieren
insbesondere, da die Kalkulation stückeorientiert, die
Erfolgsrechnung zeitorientiert ist. Es kann aber der
Analyse der Erfolgsrechnung auch noch die weitere
bedeutsame Aufgabe zugewiesen werden, den reinen
Erfolg der Betriebsgebarung zu isolieren durch
Ausschaltung aller Einflüsse, die nicht mit der
eigentlichen innerbetrieblichen Tätigkeit zusammenhängen,
 sondern von außen her auf den Betrieb einwirken.
 Diese von außen her wirkenden Einflüsse
sieht Schmalenbach, der sich um die Erfolgsanalyse
besondere Verdienste erworben hat, in dem Preiszefälle
 auf dem Markt, in den Änderungen des Beschäftigungsgrades
 des Betriebes und im Beschäftizungswechsel,
 d. h. in der Änderung der Zusammensetzung
 der Aufträge nach Art und Umfang. Jede
derartige Zerlegung des Betriebsergebnisses führt
wesentlich tiefer in die Erkenntnis der betriebswirtschaftlichen
 Vorgänge ein und bietet wertvolle Behelfe
 für die Beurteilung der Betriebsgebarung und
für die Möglichkeit einer Steigerung der Wirtschaftlichkeit
 des Betriebes.

_33
zleichbar sind. Daher wird ein derartiger Vergleich
wohl niemals durch die den Vergleich erstrebenden
3etriebe selbst durchgeführt werden können, sondern
vohl nur durch eine dritte absolut neutrale, sämtichen
 beteiligten Betrieben gegenüber vertrauensvürdige
 und auf bestimmte Vergleichsmethoden einzearbeitete
 Zwischenstelle. Dadurch tritt die Beleutung
 der sog. Buchstellen im Braugewerbe besonders
 hervor, die ihre Aufgabe nicht nur auf die
vewöhnliche Beihilfe in Form von Buchführungscontrollen,
 Bilanzrevisionen usw. beschränken
sollten, sondern. denen vor allem die weitaus
wichtigere Aufgabe angelegen sein sollte, derartige
3etriebsvergleiche und darauf sich aufbaueride Beriebsbeurteilungen
 unter möglichst vielen Brauerei-‚etrieben
 durchzuführen.
In der Richtung der Auswertung der Buchführung
ijegt noch ein sehr weites, bisher wenig bearbeitetes
Tätigkeitsfeld für die kaufmännische Brauereibetriebsleitung.


3. Finanzpolitik,

Ganz erhebliche Anforderungen stellen die unter
lem Begriff der betriebswirtschaftlichen Finanz-»olitik
 zusammengefaßten Probleme an den heutigen
3rauereileiter,
Schon grundsätzlich muß jede Be-„riebsleitung
 darauf bedacht sein, mit
ainem möglichst geringen Kapitalaufwandinnerhalbdes
 Betriebes auszukommen,
 insbesondereinbezug auf
lie den Betrieb mehr oder weniger
stark belastenden Anlagewerte. Eine
3eschränkung nach der Seite des Kapitalbedarfs darf
‚ber anderseits auch in keiner Weise zu einer Beınderung
 des Betriebes oder zu einer Gefährdung
einer. wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit führen.
Jadurch wird die Frage der Kapitalverwendung im
3etriebe zu einem bedeutsamen betriebswirtschaftichen
 Problem.
Dieses Problem wird aber noch erheblicherschwert
 dann, wennder Be-+riebohne
 Ausdehnung seiner Tätigkeit
 und seiner Ertragsbasis die für
lie Erhaltung des Betriebs notwenligen
 Mittel nicht aus eigener Kraft
ıufbringen kann. In dieser Lage ist gegenvärtig
 in ausgesprochenem Maße das Braugewerbe.
Jaß in den ersten Jahren nach Eintritt der Stabilisierung
 die Hereinnahme fremden Kapitals notvendig
 und unvermeidlich war, lag einerseits an den
zu behebenden Schäden der Kriegs- und Inflationszeit,
 anderseits an der fast völligen Vernichtung
les nicht wertbeständigen Betriebskapitals durch die
nflation, welche nach meiner Beurteilung etwa sechs
Siebentel dieses Betriebskapitals vernichtet hat. Daß
ıber auch ietzt noch, nachdem reichlich ein Jahrfünft

Die dynamische Auswertung der Buchführung
hingegen geht über die Beurteilung des augenblicklichen
 Zustandes hinaus und sucht Entwicklungen,
Bewegungen und damit Entwicklungstendenzen aufzudecken.
 Sie erweitert die Bilanzanalyse zur Bewegungsbilanz
 und die Erfolgsanalyse zum Erfolgsvergleich,
 die Kostenanalyse in der Kostenrechnung
zum Kostenvergleich. Diese vergleichende Tätigkeit
ist wiederum in zweifacher Richtung denkbar.
nämlich einerseits als Vergleich innerhalb ein und
desselben Betriebes von Periode zu Periode und
anderseits als Vergleich mehrerer Betriebe untereinander,
 also von Betrieb zu Betrieb.
Schon der Vergleich von Periode zu Periode innerhalb
 des Betriebes gibt lehrreiche Aufschlüsse über
das Werden des Gegenwärtigen aus dem Vergangenen,
 und „da sich die neuen Tage aus dem
Schutt der alten bauen, kann ein ungetrübtes Auge
rückwärts blickend vorwärts schauen“,
Besonders wertvoll wäre allerdings der weitere
Vergleich von Betrieb zu Betrieb. Ein derartiger
Vergleich setzt allerdings schon zunächst voraus,
daß zwei oder mehr Betriebe ihre zahlenmäßigen
Betriebsergebnisse und Betriebszustände miteinander
vergleichen lassen, und er setzt weiterhin voraus,
daß die zu vergleichenden Zahlen auch absolut ver-Die
 deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="35" />
        x
seit Eintritt der Stabilisierung vergangen ist, der Bedarf
 an Fremdkapital von Jahr zu Jahr weiter steigt
und die Betriebsergebnisse bei weitem nicht ausreichen,
 um den neu entstehenden Kapitalbedarf zu
befriedigen, ist eine ebenso bedauerliche wie beachtenswerte
 Erscheinung. Man kann sich nicht gut
denken, wohin im Braugewerbe die Entwicklung
gehen soll, wenn die Hereinnahme fremden Kapitals
auch nur wenige Jahre hindurch noch in dem gleichen
Maße notwendig sein sollte, wie dies bisher der Fall
war. Eine solche Weiterentwicklung würde eine
große Zahl von Brauereibetrieben wohl in kurzer Zeit
zum Erliegen bringen, wie ja auch heute schon die
Fälle, in denen Brauereien die Grenze ihrer
Leistungsfähigkeit überschritten haben und bei
Geschäftsaufsicht und Konkurs angelangt sind. nicht
mehr selten sind.
Die hauptsächlichsten Probleme der betriebswirtschaftlichen
 Finanzgebarung betreffen:
a) Investierungspolitik in bezug auf Betriebsanlagen,

b) Investierungspolitik in bezug auf Absatz,
ec) Vorrätepolitik,
d) Politik der Dividenden bzw. Privatentnahmen,
e) Politik der Aufbringung der notwendigen
fremden Mittel.
Eine technisch möglichst vollkommene und neuzeitliche,
 hygienisch einwandfrei arbeitende und die
Rohstoffe bestmöglich ausnutzende
Brauereieinrichtung
ist eine lebensnotwendige Voraussetzung für einen
gedeihlichen Brauereibetrieb. Jede übergroße Sparsamkeit
 in den Betriebsanlagen würde sich gerade
n der Brauerei in der schlimmsten Weise rächen.
Anderseits aber sind trotz alledem die in den
Anlagen investierten Kapitalien ertragbelastende
Momente und sollen demnach möglichst klein gehalten
 werden. Von ausschlaggebender Bedeutung
ist allerdings nicht so sehr die absolute Höhe der hier
investierten Kapitalien als vielmehr ihre relative
Größe, also die Höhe je Hektoliter. Dadurch gewinnt
auch die Frage der Betriebsausnutzung eine ganz
besondere Bedeutung.
Die Brauereianlagen erfordern
einerseits ständige Erneuerung und
technische Verbesserung, anderseits
:aufenden Unterhalt
Für die

Prof. Dr. Ecker, Weihenstephan:
;ätzlich nur bei einer Betriebsausdehnung richtig,
ei gleichbleibendem Beschäftigungsgrad würden sie
ıu einer stärkeren Belastung des Betriebsergebnisses
ühren. Niedrige Investierungen würden letzten
'ndes Raubbau an den Betriebsanlagen bedeuten.
illerdings können nicht die jährlichen Aufwendungen
mmer parallel zu den jährlichen Abschreibungen
rebracht werden, da gewisse Aufwendungen nur in
rrößeren Zeitabständen und dann aber auch in
‚rößeren Posten anfallen. Auf längere Sicht gesehen
ıber muß der vorgenannte Grundsatz Geltung beinspruchen.

Diese allgemeinen Gesichtspunkte müssen aber für
Zeiten angespannter Finanzlage des Betriebes und insjesondere
 bei gefährdeter Liquidität noch besonders
nodifiziert werden. Gewiß wird die hier zu machende
Zinschränkung insbesondere vom Betriebstechniker
nicht gern gehört und vielleicht als. fortschritthemmend
 verurteilt. Trotzdem aber handelt es sich
hier um eine Tatsache von so großer betriebswirtschaftlicher
 Bedeutung, daß sie immer wieder betont
werden muß.
Nicht jede Betriebsverbesserung,
liean sich schön und verlockend und
vielleicht auch rationell und kostensparendseinmag,läßtsichbeischwie-

 Finanzlage des Betriebes verıntworten.
 Es ist besser mit. bescheidenen,
veniger prunkenden Anlagen finanziell sicher zu
ırbeiten, als mit einem auf den Glanz hergerichteten
3etrieb in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen.
Jnd nicht einmal die sicher — oder auch weniger
jicher — in Aussicht stehende Rentabilität einer Neunvestierung
 in den Betriebsanlagen kann für deren
/ornahme dann ausschlaggebend sein, wenn sie die
inanzielle Leistungsfähigkeit des Betriebes über-;teigen
 würde. Bei schwieriger Finanzlage des
3Zetriebes muß die Liquidität und die Erhaltung der
Zahlungsfähigkeit bei Beurteilung derartiger Fragen
‚sogar noch über die Rentabilitätsaussichten überviegen.
 Das Bessere ist auch hier der Feind des
Äuten. .
Von diesem Gesichtspunkt aus kann man der
zegenwärtigen Investierungspolitik vieler Brauerei-Jetriebe
 nur mit Gefühlen zusehen, mit denen man
»iner halsbrecherischen Akrobatenvorstellung beiwohnt.

Was notwendig und bei gewissenhafter Beurteilung
ınvermeidlich ist, muß natürlich geschehen. Zwischen
lem Unvermeidlichen und dem Entbehrlichen oder
Aufschiebbaren die richtige Grenze zu sehen, ist
verantwortungsvollste Aufgabe jeder _Betriebsleitung,
 die sich nach der Decke strecken muß.

Erneuerung der Betriebsanlagen,
die immer mit einer technischen Verbesserung gleichoedeutend
 sein dürfte, kann der Grundsatz gelten,
daß im allgemeinen und auf lange Sicht gesehen das
wieder im Betrieb investiert werden kann und soll,
was durch die Abschreibungen im Biererlös repro-Jduziert
 wird. Höhere Investierungen wären erund-Für

 die Betriebsunterhaltung
kann eine bestimmte Norm aus dem Betrieb selbst
nicht abgeleitet werden. Man kann also hier nur
        <pb n="36" />
        L, 5. Der kaufmännische Brauereibetrieb.
Richtlinien auf Grund allgemeiner Erfahrungstatsachen
 aufstellen. Von diesem Gesichtspunkt aus
läßt sich vielleicht sagen, daß für den Unterhalt der
Brauereianlagen in vollem Umfang, also auch einschließlich
 der Fastage, des Fuhrparks usw. etwa der
Betrag von 1,40 bis 1,60 M. je Hektoliter ausreichen
müßte. Wesentlich ist dieser Betrag allerdings auch
abhängig von dem Zustand der Brauerei. Insofern
greifen. Aufwendungen für Neuanschaffungen und
Aufwendungen für Betriebsunterhalt ineinander.
Ein in bezug auf laufende Erneuerungen rückständiger
 und vernachlässigter Betrieb wird höhere
laufende Unterhaltskosten erfordern. Die Aufwendungen
 für Anlagenerneuerung und Anlagenunterhalt
 sind demnach immer nur in gemeinsamer
Betrachtung zu würdigen und zu beurteilen.
Die Investierungen für den Absatz
erscheinen einerseits in Form des unmittelbaren Erwerbes
 von Absatzstellen, anderseits in teilweiser
Finanzierung der in anderem Besitz sich befindenden
Absatzstellen. Es wurde bereits darauf hingewiesen,
daß insbesondere der starke Konkurrenzkampf
gegenwärtig die Brauereien zu sehr großen Anstrengungen
 nach der Seite der Absatzfinanzierung
zwingt. Es hat den Anschein, als würde die Entwicklung
 dahin treiben, daß eine Brauerei in der
Hauptsache nur immer so vicl Bier verkaufen kann,
als sie in der Lage ist, Absatzstätten entweder selbst
zu erwerben oder in weitgehendem Maße zu finanzieren.
 Die im Absatz festgelegten Kapitalien dürften
aber nicht, wie die in den Betriebsanlagen angewendeten
 Kapitalien, ertragsmindernde Elemente sein.
Sie müßten sich vielmehr unmittelbar für sich verzinsen
 und rentieren, und zwar die braueigenen Absatzstätten
 durch den aus dem Kleinverkauf von Bier
resultierenden Gewinn, die in fremde Absatzstellen
hingeliehenen Kapitalien durch unmittelbare Verzinsung.
 Daß dieser Zustand in weitem Maße heute
noch nicht erreicht ist, ist jedem Kenner bekannt.
Das Bestreben der Brauereileitung müßte aber auf
Herbeiführung dieses Zustandes bedacht sein. Daneben
 spielt hier allerdings auch die Frage der
Sicherung eine erhebliche Rolle, wenigstens für die
zur Finanzierung fremder Absatzstätten aufgewendeten
 Kapitalien. Hypothekarische Sicherung
der gewährten Darlehen und möglichste Umwandlung
 der aus der laufenden Bierlieferung anfallenden
Wirteaußenstände in verzinsliche und ebenfalls
hypothekarisch gesicherte Darlehen ist daher ein
anbedingtes Erfordernis.
Erhebliche Kapitalien sind in der Brauerei auch
laufend in den
Vorräten
investiert. Insbesondere der mit Mälzerei verbundene
Brauereibetrieb ist gezwungen, sich mit Vorräten auf
längere Zeit im voraus einzudecken.

_35
Es ist in letzter Zeit von dem Institut für Konunkturforschung
 mit Recht mit besonderem Nach-Iruck
 darauf hingewiesen worden, daß die ver-‚ältnismäßig
 hohe Lagerhaltung unserer Wirtschaft
ranz bedeutende Kapitalien bindet und die Wirt-;ichaft
 sowohl nach der Seite der Liquidität als auch
ıach der Seite der Rentabilität übermäßig belastet.
Die daraus zu ziehende Folgerung iür das Brauvewerbe
 kann sich allerdings nicht auf den Biervorat
 erstrecken, weil dessen Lagermenge durch die
„‚agerdauer in ıumnabänderlicher Weise bestimmt ist.
Nohl aber kann in bezug auf die Rohstoffe auch in
ler Brauerei eine vorsichtige Betriebspolitik manche
3nsparung erzielen. Hier kann sogar die Frage
raktisch werden, ob nicht bei den finanziell schon
sehr stark angespannten Betrieben es besser ist, auf
lie Eigenmälzung zu verzichten und das Malz nur
n den nötigsten Mengen unter gleichmäßiger Ver-‚eilung
 der Lieferungstermine auf das ganze Jahr zu
‚eziehen. Auch in.bezug auf die übrigen Vorräte und
Materialien ist möglichst knappe Lagerhaltung eine
Forderung der Wirtschaftlichkeit. ;
Eine wichtige Rolle in der Finanzpolitik eines Betriebes
 spielt ferner

die Gewinnverwendung.
Der buchmäßig sich ergebende und richtig berechnete
Zeingewinn ist zunächst die Verzinsung des im Bertieb
 investierten EFigenkapitals zuzüglich einer anremessenen
 Risikoprämie. Beim Privatbetrieb entıält
 er zumeist auch noch den Arbeitslohn des Unterıehmers‘
 und seiner mitarbeitenden Familienange-Öörigen,
 da dieser im allgemeinen in der Buchührung
 nicht mit unter den Kosten des Betriebes
‚errechnet wird, ein Umstand, der die Gewinne von
Sesellschaften und die Gewinne von Privatbetrieben
schon von vornherein zu unvergleichbaren Größen
nacht, was in der Praxis vielfach übersehen wird.
Den im Gewinn enthaltenen Arbeitslohn des Unter-1ehmers
 wird der Unternehmer herausnehmen
nüssen, weil er von diesem Arbeitslohn seinen
„‚ebensunterhalt decken muß. Wenn auch der
sesamte auf die Kapitalverzinsung entfallende Gevinnanteil
 abgehoben wird, dann wird die Neuxildung
 von Eigenkapital im Betrieb nur sehr
angsam oder gar nicht fortschreiten können, weil
jann nur die etwa über eine Normalverzinsung hinzus
 entfallenden Gewinnanteile im Betrieb belassen
werden. In Zeiten so starken Kapitalbedarfs, wie
ar gegenwärtig gegeben ist, sollte auch von der
Kapitalverzinsung möglichst viel im Betrieb belassen
werden, damit der Zuwachs an Eigenkapital den
3edarf an Fremdkapital möglichst herabdrückt.
Jem steht allerdings vielfach entgegen, daß die Besitzer
 des KFigenkapitals, namentlich die Kleinkapitalisten
 bei der Aktiengesellschaft auf die Erträg-1isse
 ihres im Betrieb investierten Kapitals für ihren
        <pb n="37" />
        36
_ebensunterhalt nicht verzichten können. Dadurch
&amp;lt;ommen die Betriebe dann in die Zwangslage, daß
sie Dividenden verteilen müssen, obwohl sie nach der
äinanziellen Lage des Betriebes von einer derartigen
Verteilung unbedingt absehen sollten. Es ist kaum
ibertrieben, wenn man annimmt, daß auch heute
aoch etwa 90% der deutschen Gesellschaftsdrauereien
 ihre Dividenden nicht aus eigentlich verlügbaren
 Mitteln, sondern durch neue Schuldenaufnahme
 bezahlen. Für die Betriebsgesundung ist
dies ein außerordentlich ungünstiger Vorgang.
Soweit zwingende Rücksichten insbesondere gegenüber
 den Kleinkapitalisten, die an den Unternehmen
»eteiligt sind, vorliegen, wird man diese Maßnahme
'mmerhin verstehen und billigen müssen. Nicht aber
dürften Rücksichten auf Börsenbewertung und
öffentliche Beurteilung des Betriebes zur Ausschüttung
 möglichst hoher Dividenden veranlassen,
denn jeder vernünftige Beurteiler wird es einer Betriebsleitung
 hoch anrechnen, wenn sie in der
jewinnverwendung nach Möglichkeit Rücksicht
ıUummt auf die innere Betriebsgesundung.
Große Bedeutung kommt ferner auch der Frage
zu, auf welchem Wege die unbedingt
notwendigen
fremden Kapitalien zu beschaffen
sind. Dies ist besonders vom Standpunkt der
Liquidität der Betriebe aus bedeutsam. Wenn man
3inblick in viele Brauereibilanzen hat, muß man sich
vundern, daß es die Betriebe riskieren, dauernden
und auf längere‘ Zeit unvermeidlichen Fremdkapitaljedarf
 im Wege kurzfristigen Kredites zu beschaffen.
Dauernder Kapitalbedarf soll immer nur im Wege
langfristigen Kredites gedeckt werden. Der heutige
Zustand der Finanzierung in der größten Zahl der
Brauereien würde in dem Augenblick zur Katastrophe
 führen, in dem eine wesentliche Versteifung
auf dem Geldmarkt eintreten würde. Hier ist die
Frage der Betriebssicherung und Betriebsliquidität
sogar noch im Vorrang vor der Frage der Rentabilität
 zu beurteilen.
Diese Ausführungen dürften zeigen, wie wichtig
es für jeden Brauereibetrieb ist. die Finanzpolitik
auf einen
streng durchdachten Finanzplan
aufzubauen. Der Betriebsetat, der in Brauereien
aoch so gut wie nicht bekännt ist, ist eine dringende
Notwendigkeit für jeden, auch für den mittleren und
kleinen Brauereibetrieb. Dieser Etat, der am Anfang
des Jahres aufzustellen ist. soll die voraussichtlich

I., 5. Der kaufmännische Brauereibetrieb.

m Laufe des Jahres notwendigen Kapitalvervendungen
 festlegen und für deren Deckung sorgen.
Zr gibt dann neben der ständigen Kapitalbereitschaft
ıuch die Richtlinien an, nach welchen die Kapitalr‚erwendung
 während des Jahres zu erfolgen hat,
jamit unangenehme Überraschungen am Ende des
Jahres vermieden werden.

4. Zusammenfassung.

Aus vorstehender Abhandlung dürfte
sich ergeben, daß die Frage der kaufnännischen
 Betriebsführung heute
n der Brauerei eine ganz hervor--agende
 Rollespielt. Es konnte hier aller-{ings
 nur das eigentliche Rechnungswesen mit der
ınmittelbaren Auswirkung auf die Finanzpolitik der
3etriebe erörtert werden. Der kaufmännischen Beriebsführung
 in der Brauerei fallen aber noch sehr
veite darüber hinausreichende Arbeitsgebiete zu, die
ich erstrecken auf Einkaufspolitik, Betriebs- und
\rbeitsorganisation und insbesondere auf Verkaufsırganisation
 und Verkaufspolitik, Reklame, Preis-»olitik
 in bezug auf Ganterpreis und auf für die
3rauerei ebenso wichtigen Ausschankpreis, auf die
3Zehandlung der steuerlichen Betriebsprobleme usw.
Alles in allem ergibt sich, daß der
Zrauereileiter heute in ganz besonlerem
 Maße auch Kaufmann sein muß.
Ieute läuft der Brauereibetrieb nicht mehr von selbst,
ondern er kann nur zur Höhe geführt oder auf der
Jöhe gehalten werden, wenn er nach den Grund-:Äätzen
 kaufmännischer Betriebswirtschaftslehre gereführt
 und geleitet wird. Wie in der Mitte des
vorigen Jahrhunderts der technische Brauereibetrieb
lie Empirie als unzureichend und die wissenschaftiche
 Durchdringung als notwendig erkannt hat, so
st es jetzt auch höchste Zeit, daß auch die kaufnännische
 Betriebsführung sich von den großväterichen
 Methoden der Empirie abwendet und sich die
Irkenntnisse wissenschaftlicher Betriebswirtschaftsehre
 zu eigen und praktisch zu Nutzen macht.
Jeschwieriger die wirtschaftlichen
Verhältnisse in der Brauerei nicht
aur infolge des Konkurrenzkampfes
an sich, sondern insbesondere auch
durch den immer stärker auf diesem
Gewerbe lastenden. Steuerdruck
werden, desto zwingender wird diese
Forderung ganz von selbst an den
zaufmännischen Brauereileiter herantreten.


RR
        <pb n="38" />
        6. Die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft.,
Von Kommerzienrat Dr. Mauritz, Dortmund, ;
Direktor der Dortmunder Actien-Brauerei, Präsidialmitglied des Deutschen Brauer-Bundes, E. V.

Die Errichtung der Brauerei- und Müälzerei-Berufsgenossenschaft
 führt zurück auf die Ära
Bismarcks, und zwar auf die umfassende Fürsorge,
die dieser große Staatsmann den innenpolitischen
Angelegenheiten des neugegründeten Deutschen
Reiches zuteil werden ließ. Vor der Gründung der
Berufsgenossenschaft im Jahre 1884/85 war das
Schadensersatzverhältnis zwischen Arbeitgeber und
Arbeitnehmer in industriellen Betrieben geregelt
durch das Reichshaftpflichtgesetz vom 7. Juli 1871,
nach dem die Betriebsunternehmer den Arbeitern nur
dann für Unfälle haftpflichtig waren, wenn dem
Unternehmer oder seinen‘ Angestellten ein Verschulden
 an dem Unfall nachgewiesen werden
konnte. Auch wenn dieser Nachweis gelang, konnte
der Schadensersatzanspruch oft wegen mangelnder
Leistungsfähigkeit des Unternehmers nicht verwirklicht
 werden. Diese rein privatrechtliche Gestaltung
des Schadensersatzes zwischen Unternehmern und
Arbeitnehmern befriedigte nicht. Deshalb erging
auf Anregung des Fürsten Bismarck am 17. November
 1881

die denkwürdige Botschaft Kaiser Wilhelms T.,
die das große Werk einer umfassenden sozialen Versicherung
 einleitete. Die Botschaft lautete:
„Wir halten es für Unsere kaiserliche Pflicht, dem
Reichstag die Förderung des Wohles der Arbeiter von
neuem ans Herz zu legen, und würden Wir mit um so
größerer Befriedigung auf alle Erfolge, mit denen Gott
Unsere Regierung sichtlich gesegnet hat, zurückblicken,
wenn es Uns gelänge, dereinst das Bewußtsein mitzunehmen,
 dem Vaterlande neue und dauernde Bürgschaft
 seines inneren Friedens und den Hilisbedürftigen
größere Sicherheit und Ergiebigkeit des Beistandes, auf
den sie Anspruch haben, zu hinterlassen. In Unseren
darauf gerichteten Bestrebungen sind wir der Zwustimmung
 aller verbündeten Regierungen gewiß und vertrauen
 auf die Unterstützung des Reichstages ohne
Unterschied der Parteistellungen. In diesem Sinne wird
zunächst der Entwurf eines Gesetzes über die Versicherung
 der Arbeiter gegen Betriebsunfälle vorbereitet,
Ergänzend wird ihm ‚eine Vorlage zur Seite treten,
welche sich eine gleichmäßige Organisation des gewerblichen
 Krankenkassenwesens zur Aufgabe stellt. Aber
auch diejenigen, welche durch Alter oder Invalidität erwerbsunfähig
 werden, haben der Gesamtheit gegenüber
einen begründeten Anspruch auf ein höheres Maß staatlicher
 Fürsorge, als ihnen bisher hat zuteil werden
können. Für diese Fürsorge die rechten Mittel und
Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch eine der
höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches auf den
sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens
steht, Der engere Anschluß an die realen Kräfte dieses
Volkslebens und das Zusammenfassen der letzteren in
der Form korporativer Genossenschaften unter staatlichem
 Schutze und staatlicher Förderung werden, wie

Wir hoffen, die Lösung auch von Aufgaben möglich
machen, denen die Staatsgewalt allein in gleichem Umfange
 nicht gewachsen sein würde,“
Das auf Grund dieser Botschaft ergangene erste
jesetz vom 15. Juni 1883 regelte die Krankenzersicherung.
 Das zweite Gesetz vom 6. Juli 1884
jetraf die Unfallversicherung in der Industrie. Auf
3rund dieses Gesetzes, das mit dem 1. Oktober 1885
n Kraft trat, ist die Brauerei- und Mälzerei-Berufsrenossenschaft
 errichtet worden.
Die erste sogenannte konstituierende Generalversammlung
 der deutschen Brauer und Mälzer
and am 1, Februar 1885 nachmittags im Saal der
3uchhändlerbörse zu Leipzig statt,
Auf den Vormittag desselben Tages hatte der
‚ereits seit 1871 existierende Brauer-Bund eine Vor-‚ersammlung
 anberaumt, in der über die Frage beaten
 werden sollte, ob das gesamte deutsche Brauzewerbe
 in einer einzigen Berufsgenossenschaft ver-»inigt
 oder ob zwei besondere Genossenschaften für
Nord- und Süddeutschland gebildet werden sollten.
Der letztere Vorschlag hatte viel Anhänger in nordieutschen
 Kreisen unter Führung des damaligen
‚eiters der Schultheiss-Brauerei, Richard Rösicke.
Jer Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Henrich,
?rankfurt a. M., trat, unterstützt von dem Versiche-'ungsmathematiker
 Dr. Gallus, dem späteren ersten
jeschäftsführer der Berufsgenossenschaft, auf der
/ersammlung energisch für die Errichtung einer
inzigen Berufsgenossenschaft für das ganze Reich
in. Der Vorschlag auf Bildung einer norddeutschen
ınd einer süddeutschen Genossenschaft wurde zuückgezogen.
 Auf der nachmittags stattfindenden
jeneralversammlung wurde einstimmig die Errichung
 einer Reichsberufsgenossenschaft beschlossen,
ı1achdem ein in der Versammlung gestellter Antrag,
ine besondere Berufsgenossenschaft für die Mälze-'eien
 Deutschlands zu gründen, ebenfalls zurücks‚ezogen
 worden war. So wurde das Mälzereirewerbe
 in die Genossenschaft mit eingeschlossen
ınd derselben der Name „Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft“
 gegeben. Die Versammlung
sprach sogleich ihr Einverständnis damit aus, daß
1. die Mälzereien in eine niedrigere Gefahrenklasse
 zu tarifieren seien als die Brauereien
und daß
die Mälzereien durch je einen Vertreter im
Genossenschafts- und in den Sektionsvorständen
 vertreten sein sollten.

2,
        <pb n="39" />
        Kommerzienrat Dr. Mauritz, Dortmund:
Die Versammlung wählte in den provisorischen alten Grundsatz: „Einer für alle und alle für einen.“
Vorstand folgende Herren: Sie ist eine Zwangsorganisation, d. h. alle Brauereien
Als 1. Vorsitzenden Henrich, Frankfurt; ınd Mälzereien mit ihren Nebenbetrieben müssen
als Seren Senn SD ler Berufsgenossenschaft angehören. Sie ist eine
als Beisitzer Freiherrn von Tucher, Nürnberg: staatliche Einrichtung mit dem Charakter einer
ıls 2. Beisitzer Rösicke, Berlin. Sffentlich-rechtlichen Korporation; sie ist der Ver-In
 die Kommission zur Vorbereitung der Genossen- icherungsträger der staatlichen Unfallversicherung.
schaftssatzung wurden folgende Herren gewählt: Das Reich hat eine ihm zustehende Kompetenz durch
li. Joh. Sedlimayr evtl. Gabriel Sedimayr, München; Gesetz auf die Gesamtheit der in der Berufs-2.
 Munz, Stuttgart; genossenschaft vereinigten Industriellen und Gef
 DO eman ar SWG werbetreibenden übertragen. Die Berufsgenossen-5.
 Reinicke (Mälzer), Halle; schaft hat Selbstverwaltung, d. h. sie ist im Rahmen
5. Henrich, Frankfurt; des Gesetzes bezüglich der Durchführung der Unfall-7.
 Schulz, Halle; ‚ersicherung nach allen Richtungen hin selbständig.
8. Rösicke, Berlin; Dr . z
9. Schrödter, Hamburg; Sie steht dabei unter der Aufsicht und unter der
10. Bier, Dresden; jarantie des Reiches. Die Aufsichtsbehörde, das
Tr EEE N De ; Zeichsversicherungsamt, wacht darüber, daß die
" B (Milz), Schweinkurt, 3Zerufsgenossenschaft sich in ihrem Wirken an die
Der Satzungsentwurf wurde alsdann am 9. Juni vesetzlichen Vorschriften hält. Die Selbstverwal-(885
 im „Eldorado“ in Leipzig einer zweiten General- ung kennzeichnet sich in erster Reihe dadurch, daß
versammlung vorgelegt und angenommen, Danach je Berufsgenossenschaft ihre eigenen Organe und
wurde die Genossenschaft in neun Sektionsbezirke Aunktionäre wählt und bestellt.
singeteilt. Außerdem sollte die Genossenschafts- -
versammlung aus besonders zu wählenden Dele- Das oberste Organ der Berufsgenossenschaft ist
zierten gebildet werden. lie Genossenschattsversammlung, die aus Vertretern
Nachdem die Wahlen der Sektionsorgane und der D elegierten) besteht. Die Vertreter werden nach
Delegierten erfolgt waren, ging dann am 11. August Sektionen gewählt. Jede Sektion wählt für 16
{885 in Frankfurt a. M. 1000 Versicherte aus Brauereibetrieben einen
3rauereivertreter und für je 500 Versicherte aus
die erste ordentliche Genossenschalfts- Mälzereibetrieben einen Mälzereivertreter. Die Geversammlung
 10ssenschaftsversammlung tagt inder Regel einmal im
vonstatten. Von dieser Versammlung wurde der Jahre und hat den Jahresbericht und die Vermögenserste
 Genossenschaftsvorstand gebildet, der. aus Aabrechnung des Genossenschaftsvorstandes ent-[olgenden
 Mitgliedern bestand: gegenzunehmen bzw. zu genehmigen. Sie hat ferner
5, F. Henrich, Vorsitzender. über etwaige Satzungsän derungen
 des Gefahrentarifs, über die
1, Aus dem Braugewerbe: Unfallverhütungsvorschriften
und über die Dienstordnung der
Beamten zu beschließen, sowie
alljährlich den Haushaltsplan
für die Verwaltungskosten der
Berufsgenossenschaft festzustellen.
 — Sie wählt aus ihrer
Mitte den Genossenschaftsvorstand.
 — |
Der Genossenschaftsvorstand
besteht aus 15 Mitgliedern, die
so zu wählen sind, daß jede
Sektion im Vorstand vertreten
ist und daß außerdem die Vor-Die
 Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft standsmitglieder die drei Betriebsgruppen, nämlich:
nat, wie alle Berufsgenossenschaften, die Haftpflicht Betriebe von mehr als 30 Personen,
des einzelnen Betriebsunternehmers gegenüber Betriebe von 10 bis 30 Personen, ;
seinen Arbeitnehmern auf die Gesamtheit der Be- Betriebe von weniger als 10 Personen
rufsgenossen, die in der Genossenschaft vereinigt repräsentieren. — Außerdem müssen zwei Mitglieder
sind, übernommen. Die Berufsgenossenschaft be- des Vorstandes dem Mälzereigewerbe angehören.
ruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit nach dem Der Vorstand seinerseits wählt wiederum aus seiner
        <pb n="40" />
        L, 6. Die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft.
Mitte den Vorsitzenden und einen I. und II. Stell- Die Sektionen sind mit Wirkung vom 1. Januar
vertreter für denselben, ferner auch den Vorsitzenden 1923 zur Vereinfachung und Verbilligung‘ der Verdes
 Unfallverhütungsausschusses. Das ist ein Aus- waltung zusammengelegt worden in drei, und zwar:
schuß, den der Vorstand zur Beratung über die Sektion I in München, Karlstr. 93 (für Süddeutschland) ;
Fragen der Unfallverhütung bildet und dem außerdem Sektion II in EI) Se 219/220 (für Nordauch
 noch eine Anzahl von Herren (Betriebsleiter ‚Geutschland);
und Betriebsingenieure) angehören, die nicht Mit- Sektion IM Westdeutschland). sche Str. 9 (für Nordglieder
 des Genossenschaftsvorstandes sind. Der Versicherungsbestand der Berufsgenossen-Sämtliche
 Wahlen, sowohl der Vertreter wie der schaft seit dem Jahre 1885 ergibt sich aus nach-Vorstandsmitglieder
 erfolgen auf fünf Jahre. Der stehender Tabelle:
Vorstand seinerseits bestellt die zur Durchführung Versicherungsbestand in den Tahren 19°E hie 1097
der Geschäfte notwendigen Beamten. Sn
Die Sektionen haben Sektionsversammlungen, die
aus sämtlichen Mitgliedern der Sektionen bestehen.
Die Sektionsversammlung wählt ihrerseits den
Sektionsvorstand. Jeder Sektionsvorstand hat zwölf
Mitglieder, von denen zwei wiederum ausschließlich
Mälzer sein müssen. Der Sektionsvorstand wählt
seinerseits den Vorsitzenden der Sektion und seine
beiden Stellvertreter.
Außerdem wählt die Genossenschaftsversammlung
noch einen Ausschuß zur Prüfung und Abnahme der
Jahresrechnung, bestehend aus drei Vertretern zur
Genossenschaftsversammlung und drei Ersatzmännern.
 Dieser Ausschuß prüft die Bücher und
Belege der Berufsgenossenschaft und erstattet darüber
 auf jeder Genossenschaftsversammlung eingehenden
 Bericht.
Die eigentliche Leitung der Berufsgenossenschaft
liegt in den Händen des Vorsitzenden, der die Genossenschaft
 nach außen vertritt. Der Vorsitzende
hat als solcher auch sämtliche verbindliche Schriftsätze
 verantwortlich zu zeichnen und er hat in allen
Zweifelsfragen die oberste Entscheidung, sofern er
nicht diese Fragen vor den Genossenschaftsvorstand
als solchen bringen will.
Die eigentliche Verwaltung der Berufsgenossenschaft
 wird geleitet sowohl in der Zentrale, wie auch
in den Sektionen von festangestellten Direktoren, die
ihrerseits wieder Stellvertreter und das notwendige
Büropersonal zur Verfügung haben.
Die Berufsgenossenschaft ist im Jahre 1885 mit
9 Sektionen
gegründet worden, und zwar: ;
Sektion 1: Elsaß-Lothringen (Sitz Straßburg;
Sektion 2: Baden und Pfalz (Sitz Karlsruhe);
Sektion 3: Württemberg und Hohenzollern (Sitz Stutt-San
 und Schwaben (Sitz München);
Nordbayern (Sitz Nürnberg);
Ystdeutschland von Hamburg bis Ostpreußen
’Sitz Berlin); .
Provinz Hannover, Oldenburg, Braunschweig,
Anhalt, Bremen und Regierungsbezirk Magdeburg
 (Sitz Magdeburg);
Freistxat Sachsen ‚und zwei Drittel der Provinz
 Sachsen sowie Thüringen (Sitz Leipzig);
Westfalen, Hessen-Nassau und Großherzogtum
 Hessen (Sitz Dortmund).

51 744
61 562
68 524
67 123
70 617
72517
76 828
79 552
83 492
89 413
91 289
95 108
92 995
96 948
97 682
100 908
L06 471
L06 199
109 597
108 565
112 389
L10 218
106 085
111 286
110559
118 508
116 199
117 078
103 462
82 046
72 700
61379
58 636
72 544
68 420
70 699
73 082
54 000 1)
69 832
81 542
84 508
ı 87 097

1) Schätzungsweise, da für 1928 Lohnnachweisungen nicht eingefordert
worden sind.

Auf diese Mitglieder sind nach dem Gesetz in jedem
Jahre die Ausgaben umgelegt worden, die sich im
vorhergehenden Jahre bei der Berufsgenossenschait
örgeben hatten.
        <pb n="41" />
        Kommerzienrat Dr. Mauritz, Dortmund:
Die Umlagen
betrugen seit 1885:
;885 (erster Beitrag nach &amp;amp; 33 906 Beitrag
des alten Statuts) 307
Mk. 24537250 908
791 568,380 909 „
‚184362,72 910 „
162 862,44 911
; 181 198,47 '912
. 256 411,038 1918
470437,02 914
. 652900,35 .915
. 820 576,58 916
; 868 282,65 917
„930 388,73 918
946 805,11 919
784 177,81 920
1915 123,69 1921
2.056 0832,53 1922
3 262 588,46
3031 658,92 W3
3277826,15 1924 „= RMk. 8 890 500,28
3503473,34 1925 „4681 516,12
3644531,27 1926 „4313 380,54
3830203,12 1927 . „3611 274.02

Die Löhne,
die in den einzelnen Jahren der Berufsgenossenschaft
zum Zwecke der Umlagen von den Mitgliedern nachzewiesen
 wurden, betrugen:
Lohnsummen in den Jahren 1885 bis 1927,
Betrag

885/86 Beitrag „,
‚887 Beitrag
888 ” „
889 „
890 4
1891 ”
1892
1898
1894
1895
1896
1897
1898
1899
1900 ”„
1901
1902 nn N
1903 nr „
(904 „en
1905 „

1885.00.
886...
887...
888....
889....
890....
891... .
8932....
893...
894...
195...
896...
1897...
1898. ...
1899.00.
900.0...
1901...
‘902...
19038...
1904...
1905...
906...

10 753 678
14 545 045
19 070 983
59 883 680
65 196 825
69 397 208
71.382 545
74.012 363
76 029 381
77 793 948
81 290 517
86 721 296
92 408 550
97 824 147
103 701 471
108 678 050
114 709 137
116 577 100
117 799 645
122 393 044
126 581 532
122 170 6238

1907...»
1908....
1909. ...
1910...
911...
‚912...
191800
1914....
1915....
1916....
1917...
1918. ...
1919...
"920...
‚921....
1922...
1928. ...

1838 696 915
141 606 704
189 212 604
141 598 786
148 146 087
152 690 905
164 890 570
151 718 607
121 111 796
111 966 152
101 674 972
111 496 590
189 943 989
591 386 991
1 048 477 925 |"
0.086 604 714 Fo
keine Löhne |
nachgewiesen
123 900 921
186 460 325
202 612 575
994 479 041

*) Wegen der im Laufe des Jahres eingetretenen völligen Gellantworlung
war von der Umlegung der Aufwendungen abgesehen worden, Der Jahresbedar:
rurde durch Vorschußzahlung redeckt.

1924...
1925...
1926...
1927....

Die nachfolgende Tabelle zeigt die
erstmalig entschädigten Unfälle
in den Jahren 1885 bis 1927. Aus der Tabelle zeigt
sich ein Anwachsen der erstmalig entschädigten Unfälle
 bis zum Jahre 1907. Von 1908 bis 1913 nahmen
lie entschädigten Unfälle ab. Vom Jahre 1914 ab
machen sich auch in dieser Statistik die Auswirkungen
 des Krieges und in den Jahren nach dem
Kriege die Schwächung der Wirtschaft bemerkbar:

Die Gesamtleistungen
der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft in
len Jahren 1885 bis 1927 betrugen 79 733 005 RM.
Sie verteilen sich auf:

Leistungen an
Verletzte .
und
leren Angehörige


Jahrgang

Hinterbliebene


 Abfindungen


Heil-, | Unfallverfahren
 verhütung

Erstmalie entschädigte Unfälle in den Jahren 1886 bis 1927.

Tahrgang

1886
1887
1888
1889
1890
1891
892
1893
1894
1895
1896
1897
898
899
900
1901 ;
902 |
19038 |
1904
1905 |
(906

Anzahl

348
59
3P®
717
A9Q

327
083
142
027
‚081
‚028
142
1126
193
335
358
1418
1544
1640
1591
1516

Jahrgang

1907
1908
‚909
910
911
912
918
914
915
316
917
918
‚919
920
921
922
‚923
‚924
‚925
1926 |
‚927

Anzahl

1615
1531
1436
‚270
„115
L081
1033
984
974
338
554
525
4938
128
506
580
346
416
542
541
ß12

1876908 77884
4155878 848 228
6895186 10923880’
3840796 | 305 596 |
Inf a t an
1 024 885 —1) 2—1) 120679 43 115
056 649' 602850 | 189838 147929| 62279
1492638 873628 | 186862 263402| 120801
1502583 | 949716 82533) 375 2! 120 278
‚51 880 642 | 18 694 961 | 2 732 766 | 4 724 440 | 1700 196
Yılıra „Die Beträge sind in den Leistungen an Verletzte enthalten, da im
n nicht getrennt geführt wurden.
Eine besondere Fürsorge hat die Brauerei- und
Mälzerei - Berufsgenossenschaft, insbesondere die
jetzige Sektion II, der
Heilung der Untallverletzten
zugewandt. Sie hat schon zu einer Zeit, als das bei
den anderen Berufsgenossenschaften noch nicht der
Fall war, das Heilverfahren innerhalb der 13 Wochen
1ach den Unfällen übernommen, also in einer Zeit, in
ler nach den gesetzlichen Bestimmungen grundsätzich
 die Krankenversicherung für die Verunglückten

534 678
1201 646
1392 720
688 130

85 672
355 678
498 018
414 355
        <pb n="42" />
        I., 6. Die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft,

A!

zu sorgen hatte. Sie hat damit für die schnelle
und gute Wiederherstellung der Unfallverletzten
durch Spezialärzte bzw. durch Unterbringung in
Spezialkliniken außerordentlich segensreich gewirkt
und andererseits auch auf die Höhe der zu bewilligenden
 Rente vermindernd gewirkt. Die
Sektion II ist dann im Jahre 1924 dazu übergegangen,
in Berlin für die Verletzten der Brauerei- und
Mälzerei-Berufsgenossenschaft eine eigene Unfallstation
 (Ambulatorium) zu errichten, in der sämtliche
Verletzte aus dem Bezirk Berlin und Umgebung
sofort nach dem Unfall auf Kosten der Berufsgenossenschaft
 sachgemäß behandelt werden.
Die Renten der Unfallverletzten
und ihrer Hinterbliebenen werden festgesetzt von den
Sektionen, und zwar besteht in jeder Sektion ein
Peststellungsausschuß, der gebildet wird aus dem
Vorsitzenden des Sektionsvorstandes oder einem
Mitgliede des Sektionsvorstandes als Vorsitzenden,
einem der Sektion angehörenden Unternehmer als
Arbeitgeber und einem bei der Sektion versicherten
Arbeitnehmer. Diese Kommission wird von den
Sektionsvorständen gewählt.
Die wichtigste Aufgabe der Berufsgenossenschaft
ist es, nicht die Unfälle zu entschädigen, sondern
Unfälle zu verhüten.
Zu dem Zwecke hat die Berufsgenossenschaft besondere
 Unfallverhütungsvorschriften herausgegeben,
die sowohl für Arbeitgeber, wie für Arbeitnehmer
gelten und ausführlich alle Einrichtungen, Geräte und
Maschinen des Brauerei- und Mälzereigewerbes vom
unfallsicheren Standpunkt aus behandeln. Diese
Vorschriften sind von der Genossenschaftsversammlung
 beschlossen und vom Reichsversicherungsamt
genehmigt worden. Sie sind für alle Unternehmer
bindend. Die Berufsgenossenschaft läßt, wie das
Gesetz es vorschreibt, die bei ihr versicherten
Brauerei- und Mälzereibetriebe fortgesetzt durch
technische Aufsichtsbeamte (Ingenieure) auf die Beachtung
 und sorgfältige Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften
 kontrollieren. Über jede
Revision der Betriebe hat der Aufsichtsbeamte ein
Protokoll aufzunehmen, das dem Sektionsvorstand
vorzulegen ist. Wenn ein Unternehmer {fortgesetzt
gegen die Unfallverhütungsvorschriften verstößt,
wird er auf Antrag der Sektion vom Genossenschaftsvorstand
 in Strafe genommen. Die Unfallverhütung

 ist im Laufe der Jahre immer mehr zur
vichtigsten Aufgabe der Berufsgenossenschaft gevorden.
 Der oben erwähnte, vom Vorstand besonders
rebildete Unfallverhütungsausschuß läßt sich mehrere
Male im Jahre auf gemeinsamen Sitzungen von den
echnischen Aufsichtsbeamten über den Stand der
Jnfallverhütung in dern versicherten Betrieben Beicht
 erstatten. Er berät zugleich auch über neue
vichtige Erfindungen auf diesem Gebiet,
So ist die Berufsgenossenschaft eine alle Mitzlieder
 des Brauerei- und Mälzereigewerbes umassende
 öffentliche Stelle, die naturgemäß in ihrer
ımfangreichen Statistik über die versicherten Beriebe,
 die versicherten Arbeiter, die Löhne, die Unälle
 und die Entschädigungen ein wertvolles Material
jammelt und bearbeitet, das über die wirtschaftliche
Intwicklung des Gewerbes ein zuverlässiges Bild
;rgibt. Die Berufsgenossenschaft vereint die Unterıehmer
 aber auch weit über das Gebiet der Unfallversicherung
 hinaus. Sie bringt auf ihren Genossenschaftsversammlungen
 und Sektionsversammlungen,
auf den Vorstandssitzungen und Unfallverhütungs-Ausschüssen
 die Unternehmer aus dem Süden und
Norden zu regem Gedankenaustausch und zu näherer
*ühlungnahme zusammen. Die Mitglieder der
Irgane lernen sich durch die gemeinsame Arbeit für
lie Berufsgenossenschaft näher kennen und es
yerden vielfach auch im Anschluß an diese rein beufsgenossenschaftlichen
 Angelegenheiten wirtschaftiche
 Fragen erläutert und besprochen. Die Fühlungjaahme
 war von besonderer Bedeutung vor Gründung
ler wirtschaftlichen Verbände der Betriebsunternehmer.

Die berufsgenossenschaftliche Arbeit hat im Laufe
ler Jahre auch dazu geführt, daß für die Gesamtheit
ler Berufsgenossen eine besondere berufsgenossenichaftliche
 Haftpflichtversicherungsanstalt errichtet
vorden ist, die die Mitglieder der Berufsgenossenschaft
 zu billigeren Sätzen, wie es die privaten Veräicherungsgesellschaften
 tun, gegen Haftpflicht veräichert.
 Auch die Haftpflichtversicherungsanstalt
ıntersteht der Aufsicht des Reichsversicherungsamts.
Sie hat in den fünf Jahren ihres Bestehens segens-‚eich
 gewirkt. Sie umfaßt jetzt einen Versicherungsjestand
 von 1388 Versicherungen, 624 Betriebs-‚ersicherungen
 und 764 Einzelautoversicherungen
mit einer jährlichen Prämieneinnahme von zusammen
500 000 RM.
        <pb n="43" />
        7. Die Rentabilität der Brauindustrie,
Von Kurt W. Droege, Syndikus des Deutschen Brauer-Bundes, E. V., Berlin.

Um die Entwicklung der Rentabilität unserer deutschen
 Brauindustrie in den letzten Jahren eindeutig
erkennen zu können, ist es zunächst notwendig, sich
darüber klar zu werden, auf welcher Grundlage die
wirkliche Rentabilität festzustellen ist. Keiner besonderen
 Erwähnung bedarf es eigentlich, daß nicht
die Spitzendividenden einiger Aktiengesellschaften
als hierfür maßgebend angesehen werden dürfen,
sondern daß auf jeden Fall diese Frage im Durchschnitt
 der Gesamtindustrie gesehen werden muß.
Dagegen muß bei der besonderen Kapitallage der
3rauindustrie ganz besonders scharf betont werden,
daß der reine Dividendenmaßstab, losgelöst von der
Kapitalmenge, zu der die Dividende ins Verhältnis
gesetzt werden muß, zur Feststellung der Rentalität
 untauglich ist. Denn die Brauindustrie ist
1eute in hohem Maße unterkapitalisiert, d. h. das
Kapital entspricht keineswegs den wirklich investierten
 Werten. Diese Erscheinung erklärt sich
laraus, daß die Brauindustrie, die im Gegensatz zu
last allen anderen Zweigen der deutschen Wirtschaft
 nie eine Kriegs- und Inflationskonjunktur genossen
 hatte, infolge des Rohstoffmangels und der
zesetzlichen Beschränkung des Stammwürzegehalts
sinen sehr erheblichen wirtschaftlichen Tiefstand in
dem Augenblick erreicht hatte, in dem es galt, das
Kapital auf eine neue Goldbasis umzustellen. Da
man infolgedessen die Absatzaussichten außerardentlich
 pessimistisch beurteilte, hielt es die Brauindustrie
 für ratsam, ihr Kapital sehr scharf zusammenzulegen.
 Die Goldumstellung war somit
fr die Brauindustrie mit wesentlich schärferen
Kapitalschnitten verbunden als für andere Industriezweige,
 In Deutschland gibt es derzeit 306 Aktienhrauereien
 mit einem Kapital von 534 Millionen
xeichsmark. 1913/14 dagegen bestanden 495 Aktiendrauereien
 mit 620 Millionen Vorkriegsmark Kapital.
 Aus dieser Gegenüberstellung zeigt sich
nicht nur, wie stark der Konzentrationsprozeß der
Brauindustrie unter dem Zwang von Krieg und
Inflation gewesen ist, sondern vor allem auch, daß
lie Gesamtsumme des Aktfienkapitals gegenüber der
Vorkriegszeit auf 86 % zurückgegangen ist. Die
Bedeutung dieser Tatsache wird durch die nach-‚;Olgende
 mit anderen Industriezweigen vergleichende
Statistik besonders beleuchtet:

.ktienkapital 1928 in
'’rozenten des Aktienkapitala
 von 1918/14

Brauereien . ... . 0.0.1
Steinkohlenbergbau. . ....
Chemische Industrie .. ... |
Textilindustrie 2... ...

86%
380 9/9
396 9%
188 97,

Diese Statistik führt zu der Konsequenz, daß eine
)ividende bei der Brauindustrie in Höhe von etwa
5% den gleichen Rentabilitätsgrad aufweist, wie
ne etwa 7prozentige Dividende bei einem Unterıehmen
 der Textilindustrie oder eine zwischen
3 und 4% sich bewegende Gewinnausschüttung bei
iner Gesellschaft des Steinkohlenbergbaues oder
ler chemischen Industrie.
Das mußte vorweg gesagt werden, um bei den
ıachfolgenden Zusammenstellungen nicht ein falches
 Bild zu erwecken. Gleichzeitig muß hinzusefügt
 werden, daß ein exaktes Bild über die Rentaxlität
 leider nur bei den Aktienbrauereien zu gevinnen
 ist, weil nur bei ihnen ausreichende bilanznäßige
 Unterlagen vorliegen. Um zu den Zahlen
ler Aktienbrauereien das richtige Verhältnis zu gevinnen,
 muß deshalb hier ebenfalls vorweg bemerkt
verden, daß das Verhältnis innerhalb der Brauadustrie
 zur Zeit so liegt, daß 306 Aktienbrauereien
und 60% der Produktion erfassen, daß also bei
iner Gesamtproduktion von 55 Millionen Hektoliter
jier etwas mehr als 30 Millionen Hektoliter in
ıktienbrauereien erzeugt wurden. Auf der anderen
jeite stehen allerdings diesen 306 Aktienbrauereien
und 4000 Brauereien gegenüber, die in anderer
"orm betrieben werden.
Die nachfolgenden ziffernmäßigen Feststellungen
iber die Rentabilität der Brauindustrie beziehen sich
ıuf die Aktiengesellschaften, die vom Deutschen
3rauer-Bund statistisch erfaßt werden konnten, d.h.
ıuf 299 für das Braujahr 1927/28, auf 284 für das
3raujahr 1926/27 und auf 298 für das Braujahr
925/26. Für diese Betriebe ergab sich zunächst für
las Jahr 1927/28 der folgende hilanzmäßige Status:

in Mill
vr

bin Mill.
RM.

Aktiva,
Anlagen, ......
Debitoren . ......
/orräte .. 0.0.0...
iffekten und Beteiligungen
 ......
Sonstige Aktiven. . .

610,1
473,5
12397

Passiva,
Aktienkapitalien. ...
Reserven. ......
Langfristige Verbindlichkeiten
 .....
Kreditoren . ....
Sonstige Verbindlichkeiten.
 .....-. 15,6
Reingewinn ..... 79,6
|1278,8

531,8
1094

51.7

128,3
419,6

|1278.8

Um die Bedeutung dieser Sammelbilanz klar ergxennen
 zu können, sei gleich im Anschluß hieran eine
Tabelle über die Entwicklung der insgesamt zur Verügung
 stehenden Kapitalien sowie des Verhältnisses
der gesamten eigenen Mittel zu den gesamten werbenlen
 Kapitalien in absoluten Ziffern wiedergegeben:
        <pb n="44" />
        L, 7. Die Rentabilität der Brauindustrie,

1%

Geschäfts-Jahr


Gebiet

Zahl‘ der | Aktienkapitalien | Reserven |  Gesamtkapital
untersuchten in in in
Aktienbrauereien | Mill. RM. Mill. RM. Mill. RM,

Ehemaliges Brausteuergebiet .....
Bayern 2... 0.0 .0.000000000000444
Württemberg . .. 0. 0.0.00000000004 4
Baden » . BR
Deutschland. ......

194
er

344,8
110,8
17,5
75

54,9
20,8
8.
6.5

489,9
161,8
29,8
41,1
799 6

1925/26

|

DC

“nf 3

|

Ehemaliges Brausteuergebiet . . . .
A
Württemberg . ...0.00.00-00000047 44
U
Deutschland. ... ...

186
67
18
1R

344,2 62,4 535,6
| 112,9 | 25,1 174,0
15,9 | 8,6 28,0
26,5 7A 42,7
780.3

‚926/27

1 &amp;gt;

Ehemaliges Brausteuergebiet . ..
A
Württemberg ....... +
Baden . 2) .00000000000040404H
Deutschland. . .

90
5)
J°

864,0 68,1 805,8
| 119,2 98,8 | 259,4
19,0 4,5 50,7
29,1 ' 8,5 | 81,6
531.3 109.4 | 1197,5

1927/28

906

Aus dieser Zusammenstellung, die in den wichtigsten
 Kapitalpositionen ziemlich konstante Zunahmen
 zeigt, geht mit voller Eindeutigkeit hervor,
wie stark in der Brauindustrie das Mißverhälfnis
zwischen eigenen Mitteln und fremden Mitteln ist.
Es spiegeln sich darin die Kapitalnot sowie die
steuerlichen und wirtschaftlichen Hemmungen einer
gesunden Selbstfinanzierung innerhalb unserer deutschen
 Wirtschaft. Dies Mißverhältnis würde noch
ein unerfreulicheres Gesamtbild bieten, wenn es gelingen
 könnte, auch die entsprechenden Daten für
die nicht in Aktienform bewirtschafteten Brauereien
beizubringen. Daß dem aber so ist, zeigen nicht
nur die Klagen und der große Kreditbedarf der letztgenannten
 Unternehmungen, sondern auch zahlreiche
beim Deutschen Brauer-Bund vorliegende Bilanzen
sowie Buch- und Betriebsprüfungsberichte. Besonders
 auffallend ist dabei, daß gerade bei den
früher mit dem geringsten Anteil fremder Mittel
auskommenden Brauereien jetzt vielfach der größte
Bedarf an fremden Mitteln vorhanden ist. So haben
z. B. die badischen Aktienbrauereien im Jahre 1925/26
in ihrer Gesamtheit das günstigste Verhältnis
zwischen Eigen- und Fremdkapital ausgewiesen,
während inzwischen diese Relation von 83 : 17 auf
46 : 54 herabgesunken ist. Nicht zuletzt spiegelt sich
weiter in dieser Relationsentwicklung, mit welcher
Intensität die so erhebliche Mittel erfordernde
Rationalisierung innerhalb der Brauindustrie durchgeführt
 worden ist, um die großen Rückschläge aus
der für die Brauereien besonders schweren Zeit des
Krieges und der Inflation wieder wettzumachen,
wobei die ständig wachsenden Qualitätsanforderungen
 der Konsumenten weitere Impulse gaben.
Gleichzeitig kommt aber auch das steigende Ausnaß

 des Wettbewerbskampfes zum Ausdruck, das
n seinem Gefolge insbesondere ständig höher
verdende Darlehnsiorderungen des Gastwirtszewerbes
 an die Brauereien mit sich bringt.
Zur Abrundung des Bildes mögen hier noch einnal
 die Relationsverschiebungen zwischen Eigen-%apital
 und fremden Mitteln innerhalb der Brau-'ndustrie,
 nach Hauptbraugebieten geordnet, tabellarisch
 dargestellt werden:

1995/90

1927/28

ehemaliges Brausteuergebiet . . . .}
A
Nürttemberg ... 0.0... 4.44
Zaden. .. 02... 7
Deutlich ergibt sich, daß das Relationsverhältnis
n Bayern noch verhältnismäßig am günstigsten gedlieben
 ist.
Bedenklich erscheint aber in besonderem Maße die
?ntwicklung des Verhältnisses von Eigenkapital zu
remdem Kapital in der Brauindustrie, wenn man
lie Zusammensetzung des fremden Kapitals näher
‚etrachtet und findet, daß der Zuwachs an fremdem
Capital fast durchweg in Form kurzfristiger Mittel
or sich gegangen ist. Das zeigt im einzelnen die
ıachfolgende Prozenttafel:
Deutlich ist daraus zu ersehen, daß die Tendenz
zur kurzfristigen Verschuldung unter dem Druck der
-eparationswirtschaftlichen Belastung in den letzten
Jahren innerhalb der Brauindustrie nicht minder
ımfangreich geworden ist, wie in der ganzen
leutschen Wirtschaft überhaupt, ja noch verstärkt
wurde durch die wachsende Aufgabe, die den
Brauereien aus ihrer Stellung als Bankiers des Gast-
        <pb n="45" />
        Kurt W. Droege, Berlin: De
Von der gesamten Bilanzsumme betrugen prozentual (in %, des Gesamtkapitals) die
Fremden Mittel a
a) langfristig | b) kurzfristig | c) zusammen

Geschäfts-|

jahr

5hemaliges Brausteuergebiet .....
Bayer. 20er
Württemberg... ..0.000000000000
Baden 2
Deutsches Reich. ......

70,4 11,2
68,1 | 12,9 |
68,7 11,7
B6.9 15.8

81,6
810
70,4
82,7

a9 8,5
15,4 8,6
17,8 | 11,8
15.6 1.7

|

18,4
19,0
29,6
17,8

1925/26

69,2

11,8

81.0

11,8

19.0

Zhemaliges Brausteuergebiet .....
Bayern.
Württemberg -. .. 0.0.0.0... 000
A
Deutsches Reich, ,.....|]
Zhemaliges’ Brausteuergebiet .....
Bayern...
Württemberg ......0....0.
Zaden 2.00
Deutsches Reich... ....1\

64,3 11,7 76,0 12,2 11,8 24,0
64,9 14,4 79,8 | 16,1 4,6 20,7
56,8 “12,9 69,7 22,8 7,5 80,8
62,1 16,6 78,7 19.2 2,1 21,8

‚926/27

640

126 |

766

‘5 R

96

Dr 4

45,2 8,5 58,7 10,0 86,3 46,8
45,9 10,9 56,8 18,8 29,4 43,2
37,5 8,9 46,4 ! 15,2 | 88,4 53,6
86.6 10.4 46.0 14.4 89,6 54,0

1927/28

444

91 |] 535 I 10.3 | 362 | 46.5

stättengewerbes in Unterscheidung von den meisten
anderen Industriezweigen speziell erwächst. Naturzemäß
 zwingt diese Entwicklung zu äußerster Vorsicht
 und Umsicht in der Leitung und Disponierung
der Mittel. Denn wenn, wie bei den Brauereien, bis
zu ein Viertel und mehr des gesamten im Unternehmen
 arbeitenden Kapitals ständig unter der Gejahr
 kurzfristiger Abrufe steht, muß die besondere
Sorge des Unternehmers dauernd dem Umstand
gelten, daß auch jederzeit innerhalb des Betriebes
sine entsprechende Liqutdität vorhanden ist.
Beruhigend wirkt demgegenüber wieder, daß die
Liquidität der Aktivseiten der untersuchten Bilanzen
lurchweg sehr erfreuliche und für den Aktionär becuhigende
 Dispositionen aufweist. Eine Durchsicht
der Aktiva ergibt, daß das zu einem großen Teil
mehr oder weniger schnellfristig realisierbare Betriebsvermögen
 mit insgesamt 660 Mill. RM das
aach erfolgten Abschreibungen 610 Mill. RM ausnachende
 Anlagevermögen um 50 Mill. RM, also
um rund ein Zehntel des gesamten Aktienkapitals
übersteigt. Das Anlage- und Betriebsvermögen einschließlich
 des Reingewinns macht für 1927/28 erneblich
 mehr als 200 % des gesamten Unternehmer-&amp;lt;apitals
 aus. Ein Vergleich dieses Verhältnisses mit
len durchschnittlichen Börsenkursen per 30. September
 1928 macht ferner ersichtlich, daß es allnählich
 den Brauereien auch wieder gelingt, stille
Reserven zu schaffen. Es bestätigt sich also die
Nichtigkeit der Auffassung in der weitaus überwiegenden
 Mehrheit der Aktienbrauereien zur Zeit
der Goldumstellung, als die Leiter jener im Gegensatz
 zu so vielen sonstigen Dirigenten der deutschen
Wirtschaft unter dem Eindruck der eingangs dieser

Ausführungen . dargestellten Entwicklung Vermögen
ınd namentlich Sachwerte ihrer Brauereien eher zu
1uedrig als zu hoch bewerteten.
Wie sich angesichts dieses Kapitalstatus unter
jesonderer Berücksichtigung der erfolgten Goldımstellung
 in konkreten Zahlen die Rentabilität im
lahre 1927/28 entwickelt hat, dafür mögen nacholgende
 Angaben einen Überblick geben:

Im
Geschäftsjahr


Die Reingewinne in %,
der Aktien- (der Unternehkapitalien
 |merkapnitalien

Die Divi‘“+4en in %
der Aktien- [der erzielten
kapitalien |! Reingewinne

1925/26 18,4 11,5 9,6 71,5
1926/27 | 13,8 11,5 10,0 | 72,8
1927/28 15.0 12.4 10.7 715

Danach ist der erzielte Reingewinn, der in absouter
 Zahl im Jahre 1927/28 bei 299 Aktien-)rauereien
 insgesamt 79635 963 RM betrug, etwas
‚tärker gestiegen als die im Durchschnitt ausreschüttete
 Dividende, deren Summe in absoluter
Zahl 56918 760 RM betragen hat. Hält man sich
edoch die Tatsache vor Augen, daß auch weiterhin
lie Belastung durch Fremdkapital nicht zu umgehen
sein wird, und daß infolgedessen zur Aufrecht-.rhaltung
 einer kontinuierlichen Dividendenpolitik
renügende Dispositionen für den Zinsendienst und
lie Amortisation dieser Mittel geschaffen werden
nüssen, so muß man zugeben, daß eigentlich die
)ifferenz zwischen Dividende und restlichem Reinrewinn
 erheblich größer sein müßte, als sie es tat-:Äächlich
 ist. Es zeigt sich auf jeden Fall, wie stark
ich die Aktienbrauereien für ihre Aktionäre ein-‚etzen
 und sich von dem in der Presse immer wieder
reforderten Gesichtspunkt in hervorragendem Maße
        <pb n="46" />
        I, 7. Die Rentabilität der Brauindustrie,
jeiten lassen, daß der Anteilseigentümer in möglichst
 großem Ausmaß am Reingewinn des Unternehmens
 beteiligt werden muß. Die verhältnismäßig
hohen Dividenden der Brauindustrie zeigen somit
auch von dieser Seite aus, daß sie nicht die
Folge einer besonders großen Prosperität der Brauindustrie,
 sondern die Folge einer Dividendenpolitik
sind, die in der Höhe des ausgeschütteten Gewinns
den Anteilseignern bis zu der Grenze des irgendwie
zu Verantwortenden entgegenkommt. Es ist deshalb
 durchaus richtig, wenn die in Hamburg erscheinende
 wissenschaftliche = Wirtschaftszeitung
„Wirtschaftsdienst“ in ihrer Nr. 24 vom 14. Juni
1929, S. 1022, festgestellt hat, daß die „ziemlich
hohen Dividendensätze der Brauindustrie nicht für
eine steuerpolitische Begründung (irgendwelcher
Biersteuererhöhung) verwendbar sind.“
Auch ein Vergleich der offenen Reserven mit den
restlichen Reingewinnen unterstreicht das soeben
Gesagte. Sie sind in ihrem Verhältnis zueinander
von 22,9% im Jahre 1925 auf 18,7 % im Jahre
1927/28 zurückgegangen. Das ist, abgesehen von
der sinkenden Tendenz, durchaus ein niedriges Verhältnis,
 vor allem, wenn man bedenkt, daß auch die
bilanzmäßigen ordentlichen Abschreibungen hierunter
wiedergegeben sind. Was die Abschreibungen selbst
betrifft, so betrugen sie im Jahre 1927/28 11,0 %
des gesamten Anlagevermögens. Mithin wurde —
in absoluter Zahl ausgedrückt — angesichts eines
Gesamtanlagevermögens in Höhe von 597129 678
Reichsmark eine ordentliche bilanzmäßige Abschreibung
 in Höhe von 65480673 RM vorgenommen,
 wobei hier bemerkt werden muß, daß in
diesen Zahlen die Ergebnisse des Landesfinanzamtes
Unterweser mit einem Anlagevermögen . von
13 023 051 RM fehlen. Offensichtlich hält sich diese
Abschreibungsquote in außerordentlich niedrigen
Grenzen, ja, man muß sie sogar für die Dauer als
unzureichend kennzeichnen. Denn es handelt sich
ja nicht nur um bloße Amortisation der bisherigen
Aufwendungen für Anlagegegenstände, sondern es
muß darüber hinaus die Wiederanschaffung berücksichtigt
 werden, deren Preis für die Anlageobjekte
von Jahr zu Jahr höher wird. Es sei dabei auf das
verwiesen, was Direktor Dr. Koppe an anderer Stelle
dieses Kompendiums über die berechtigten Bestrebungen
 der Wirtschaft schreibt, daß über die
normalen Abschreibungssätze hinaus dem veränderen

 Geldstande entsprechende zusätzliche Abschreijungen
 bzw. die Zulassung eines steuerfreien Erjeuerungskontos
 gesetzgeberisch anerkannt werden.
3s ist in diesem Zusammenhang auch interessant,
laß der Reichsfinanzhof selbst diesem Bedürfnis
venigstens grundsätzlich neuerdings entgegenzommt,
 indem er eine „wirtschaftliche‘“ neben der
echnischen Abschreibung anerkennt. Bei der Braundustrie
 wirkt sich zudem hierbei in spezifischer
Neise aus, daß die kostspieligen Anlagen infolge
les öfter geschilderten schärfesten Konkurrenzsampfes,
 besonders lange ‚vor ihrer eigentlichen
echnischen Abnutzung ersetzungsbedürftig werden.
Abschließend sei noch ein Wort von der Entwickung
 der Rentabilität der Brauindustrie in den verschiedenen
 Gegenden Deutschlands gesagt. Verzleicht
 man die Geschäftsjahre 1926/27 und 1927/28,
so ergibt sich das folgende Bild der Steigerung der
Dividenden:

1927/98

Zuwachs

Norddeutschland . ..! 10,8% 11,7% 8,8%
Witteldeutschland , . . | 8,7% 9,8 % 12,6 %
jüddeutschland . ... 9,2 %% 9,4 9% 2.29%

Daraus ergibt sich die stärkste Steigerung für
Mitteldeutschland. Keine Dividendensteigerungen
1aaben die Aktienbrauereien gezeigt in ganz
3aden sowie in den Landesfinanzamtsbezirken
Magdeburg und Unterweser, wo die Durchschnittslividende
 übrigens nur etwas über 6,4 % beträgt
ınd innerhalb Deutschlands am niedrigsten ist. Die
ıÖöchste Brauereidividende kam im Durchschnitt in
3erlin zur Ausschüttung; sie betrug dort im Jahre
927/28 14,4 % gegen 13,6 % im Voriahr.
Für das Jahr 1928/29 1äßt sich in der Rentabilitätsrage
 der Brauindutrie zur Zeit leider noch kein
sanz klarer Überblick geben. Man kann heute
ichon feststellen, daß dieselbe und in einigen Fällen
:ine etwas bessere Rentabilität erzielt worden ist.
?7ür das Geschäftsjahr 1929/30 wird man es allerlings
 als äußerst fraglich bezeichnen müssen, ob
ıngesichts der erhöhten Biersteuer, der Aufhebung
ler Brauereikontingente, der wieder steigenden
Tendenz der Rohstoffpreise und schließlich der
mmer stärker anwachsenden Bestände an kurz-’ristigen
 Verbindlichkeiten der derzeitige Grad der
Rentabilität noch aufrecht erhalten werden kann.
        <pb n="47" />
        8. Der braugewerbliche Mittelstand.
Von £, H. Paefgen, Düsseldorf,
Vorsitzender des Präsidiums der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der deutschen Klein- und Mittelbrauereien.

Allgemeines.
Bei der Übersicht über das Gesamtbraugewerbe
interessiert es sicher weite Kreise, Grundsätzliches
über das deutsche Klein- und Mittelbraugewerbe auch
aus der Feder eines seiner Angehörigen zu lesen.
Daß hier in würdiger Reserve darauf geachtet
wird, sachlich zu bleiben und keinerlei Sonderbelange
zu unterstreichen, ist in Anbetracht der Bedeutung
ınd des Zweckes dieses Buches Voraussetzung. Darstellungen
 natürlicher Unterschiedlichkeiten dienen
‚ediglich zur Klärung wirtschaftlicher Tatsachen.
Es ist selbstverständlich, daß der Gebrauch des
Wortes „Gewerbe“ heute nicht mehr gleichzusetzen
 ist mit dem Begriff „Handwerk“. Es wird
auch heute wohl in Deutschland kaum noch einen gewerblichen
 Brauereibetrieb geben, der rein handwerksmäßig
 betrieben wird; denn auch der kleinste
Betrieb kann sich gewisse Fortschritte der Neuzeit
zunutzen machen und muß in seiner Betriebsführung
den Forderungen moderner kaufmännischer Auf-;assung
 folgen. Das Wort „Gewerbe“ ist hier in dem
zebräuchlichsten Sinne zu verstehen, wie es sich aus
len Beziehungen von gewerblicher Arbeit und gewerblicher
 Produktion darstellt.
Wie schon der allgemeine Begriff „Mittelstand“
kaum zu definieren ist, weil er sozusagen der Stand
ist, der zwischen der besitzlosen und der großkapitalistischen
 Klasse steht — die Grenze ist hier je
nach den Umständen außerordentlich flüssig —, so
wechselt auch für das Braugewerbe dieser Begriff
je nach den tatsächlichen Verhältnissen. Mittelstandsbegriff
 im Braugewerbe ist charakterisiert
durch die bewußte Zielsetzung, im Interesse der Ernaltung
 der Selbständigkeit unabhängig zu bleiben
von der Mitbestimmung großkapitalistischer Institu-‚onen
 und deren Einflußsphären. Und dies aus der
sthischen Auffassung heraus, wonach der Mittelstand
nicht die Vorherrschaft einzelner Stände wünscht,
sondern ein harmonisches Gedeihen des Gesamtvolkswohls
 erstrebt und jedem Stande seine berechtigten
 Interessen zuerkennt. Der gewerbliche
Mittelständler lehnt also die reine Geldherrschaft ab,
lie alles dem Großkapital unterwerfen will und weist
zenau so die Massenherrschaft zurück, die auch alle
wirtschaftlichen Dinge der Staatsgewalt überläßt.
Seine Aufgabe sieht der gewerbliche Mittelstand in
ler Verteidigung der individuellen Wirtschaft und
Wirtschaftsführung im Rahmen der Gesamtentwickung.
 ‚Das ist kein Bekenntnis zu rückschrittlicher

HTerrenmoral, sondern soll zu einem glückhaft förderichen
 Nebeneinander im vernünftigen Anpassen an
las Kommen und Gehen aller Geschehnisse führen.
Jabei darf weitherzige Auffassung auch im sozial-»olitischen
 Denken und Handeln dem gewerblichen
Mittelständler nicht fehlen, weil das Wohlergehen
»reitester Schichten die natürlichste Quelle für eine
resunde Wirtschaft bildet.
Die Brauerei als Handwerk.

Noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts kannte
nan den Brauer nur als Handwerker. Verwandte
erufe wie Bäcker, Brauer und Wirt waren meist in
iner Hand. Was es darüber hinaus noch an
brauereien gab, war auch sehr winzigen Umfanges:
ler Besitzer war meist Braumeister, Gast- und Landvirt
 zugleich, und die Braugehilfen versahen abends
'en Kellnerberuf, Die primitiven Einrichtungen
tellten die größten Anforderungen an die körperliche
\ırbeit aller Mitarbeiter. Das Brauen sowohl wie die
‚andwerklich betriebene Mälzerei und die Bewirtung
ler Gäste verlangten eine angestrengte Tätigkeit
on frühmorgens bis in die Nacht hinein. Die vielach
 vor den Toren der Stadt gelegenen Lagerkeller
nußten infolge der noch fehlenden Fismaschinen im
Ninter mit Natureis versehen werden und konjervierten
 je nach ihrer Einrichtung das Bier mehr
ıder minder bis in die Spätsommerzeithinein. Mancher
‚ekuniäre Zusammenbruch dieser Handwerksbetriebe
var darauf zurückzuführen, daß das Gebräu nicht
rzeriet oder der Eiskeller seine Pflicht nicht tat und
30 das Bier vorzeitig verdarb. Auf die Vereinigung
ler gemischten Tätigkeit und die Unsicherheit in der
Terstellung des Bieres deutet das alte Sprichwort:
‚Backen und Brauen gerät nicht immer.“
Umschwung zum Gewerbe.
Das Eindringen von Technik und Wissenschaft ins
3raugewerbe brachte den großen Umschwung. Aus
lem Handwerk wurde das Gewerbe.
Diese Wandlung nahm ihren Ausgang in der
Tauptsache von Bayern und Österreich, und Namen
on Klang wie: Sedlmayr, Pschorr, Dreher sind
ıoch heute mit dem deutschen Braugewerbe aufs
ingste verbunden. In der Frühzeit dieser Entwicklung
wurde auch die erste deutsche Aktienbrauerei in
Jresden gegründet. .
Die technische und wissenschaftliche Umbildung
les Braugewerbes nahm einen Riesenfortgang., der
        <pb n="48" />
        I., 8. Der braugewerbliche Mittelstand.

besonders noch beschleunigt wurde durch die Umwälzung
 auf dem Gebiete der Verkehrstechnik
(Eisenbahn) und im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts
 durch die Erfindung der Eismaschine.
In dieser rasend fortschreitenden Entwicklung der
Technik und Wissenschaft und in der ständig wachsenden
 Bevölkerung liegen die Anfangsgründe der
heutigen Brauindustrie. Während die Entwicklungsmöglichkeit
 der einzelnen Betriebe früher durch den
Aktionsradius der Verkehrsmittel auf ein absehbares
Maximum beschränkt blieb, hat die moderne Verkehrstechnik
 dem Expansionswillen des einzelnen
fast jede Schranke beseitigt. Hierdurch entstand
naturnotwendig ein Wettrennen der Betriebe untereinander
 und nur wenige Jahrzehnte genügten, um
aus einem alten Handwerk einen Industriezweig von
höchster Bedeutung erstehen zu lassen.
Folgen für‘ die Kleinbetriebe.
Bei dieser gewaltigen Umwälzung blieben viele auf
der Strecke. Die Ursache des wirtschaftlichen Unterganges
 so zahlreicher Braustätten lag zum Teil an
der Beibehaltung überholter Arbeitsmethoden und
rückständiger Wirtschaftseinstellung, ist zum größten
Teil aber in der Verschiebung wirtschaftlicher Stärke
zu suchen.
Die Auswirkung dieser gefahrvollen Umgestaltung
im Braugewerbe veranlaßte den Gesetzgeber einzuschreiten.
 Die bayerische Regierung erließ im
Jahre 1889 ein Gesetz mit abgestuften Steuersätzen,
um der drohenden Dezimierung Einhalt zu tun. Ob
diese Maßnahme des bayerischen Gesetzgebers ausreichend
 war, den Aufsaugungsprozeß zu hemmen,
soll hier keine Würdigung finden. Interessant ist
nur, festzustellen, soweit man den statistischen
Unterlagen folgen kann, daß in der norddeutschen
Brausteuergemeinschaft, in der man bis zum Jahre
1906 mit der Steuerdifferenzierung zögerte, prozentual
 im gleichen Zeitraum das Verschwinden der
Mittel- und Kleinbrauereien weitaus höher war als in
dem geschützten Bayern.
Der Weltkrieg mit seinen zersetzenden Zwangsmaßnahmen,
 die Inflation mit ihrem katastrophalen Vermögensverfall
 und zermürbenden Einfluß haben dem
mittelständischen Braugewerbe weitere schwere
Wunden geschlagen und den Aufsaugungsprozeß in
erschreckender Weise beschleunigt. Aus den
heuesten Angaben der Statistik des Deutschen Reiches
ergibt sich: Von den noch bestehenden gewerblichen
Brauereien (mit einem jährlichen Ausstoß von über
500 hl) sind einige 80 Brauereien an der Erzeugung
des deutschen Bieres mit 50 % beteiligt; die andere
Hälfte des Gesamtbedarfes wird von den wenig mehr
als 2500 Brauereien gedeckt. Man wird nicht fehlgehen,
 wenn man diese rund zweieinhalbtausend Betriebe
 als den braugewerblichen Mittelstand ansieht;

labei mag im Grenzgebiet der einzelne Betrieb selbst
iber seine Zugehörigkeit zur Mittelstandsgruppe
antscheiden.

Die jetzigen Mittelstandsbeftriebe.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Mittel-;standsbetriebe,
 die sich durch Krieg und Inflation
inüberretten konnten, einen sehr beachtlichen
7aktor nicht nur des Braugewerbes, sondern der ge-‚amten
 Volkswirtschaft darstellen.
Die Mittel- und Kleinbrauereien sind mit zähem
%eiß und gesundem Selbstvertrauen bestrebt, sich
rotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beı1aupten.
 Je nach Lage, Kapitalkraft und Fähigkeit
‚erbessern sie ihre Betriebe und heben gleich den
Großbrauereien den guten Ruf des deutschen Bieres.
Dabei leisten sie in Klein- und Mittelstädten wie auf
jem Lande wertvolle, soziale Pionierarbeit und entasten
 den Arbeitsmarkt. Die Berufsgenossenschaft
j1at festgestellt, daß der Mittel- und Kleinbetrieb in
zelation zum Hektoliterausstoß mehr menschliche
Arbeitskräfte beschäftigt als der Großbetrieb. Außerlem
 üben diese Betriebe eine segensreiche Wechselvirkung
 auf Kleingewerbe und Handwerk aus. Sie
ı1aben nicht oder nicht in dem Umfang wie die Groß-‚jtriebe
 eigene Handwerker (Böttcher, Maurer, An-;treicher
 usw.); sie lassen diese Arbeiten im Lohnder
 Werksvertrage bei den ortsansässigen Handverkern
 und Kleingewerbetreibenden ausführen und
;ind so eine wertvolle Stütze des deutschen Mittel-;tandes.
 Beim Einkauf ihrer Rohmaterialien und
3edarfsartikel sind sie mit Rücksicht auf den
Cundenkreis, mit dem die Brauer selbst oder ihre
ührenden Organe ständig persönliche Beziehungen
»flegen, auf die orts- und bezirksansässigen Liefe-:anten
 und Erzeuger (Kleinhandel, Landwirtschaft)
ıngewiesen. Für die Landwirtschaft ist der Brauer
ıber nicht nur Abnehmer, sondern die Belieferung
nit Frischtreber und den Abfällen aus dem Mälzungs-»rozeß
 bedingt für weite Bezirke die Möglichkeit der
\ufrechterhaltung der Vieh- und Milchwirtschaft.
\uch in diesem Punkte bilden die über Stadt und
‚and verteilten Mittelstandsbetriebe einen nicht zu
ınterschätzenden Faktor im allgemeinen Güterıustausch.
 Selbst die Kommunen haben aus steuerichen
 Gründen das größte Interesse an der Erhaltung
;olch selbständiger Existenzen. Für viele Orte ist
jer Brauereibetrieb das Rückgrat. Dies sind selbstverständlich
 nur kurze Hinweise auf die volkswirtichaftliche
 Bedeutung des Klein- und Mittelbrauers,
‚je genügen aber, um den Wert des mittelständischen
3raugewerbes und die Notwendigkeit seiner Erıaltung
 erkennen zu lassen.
Wenn auch nach Artikel 164 unserer Reichs-‚erfassung
 „der selbständige Mittelstand in Landwirtschaft,
 Gewerbe und Handel in Gesetzgebung
ınd Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung

4
        <pb n="49" />
        18
und Aufsaugung zu schützen“ ist, und wenn auch der
Ruf nach dieser Staatshilfe und Staatseinsicht ansichts
 der gefahrvollen Wirtschaftsentwicklung sich
immer lauter erhebt, so darf man sich doch darauf
allein nicht verlassen. Im politischen Leben sind die
Verhältnisse oft zwingender und lassen nicht immer
den nötigen Raum und den guten Willen für die
dringendsten Erkenntnisse. Gerade aber der braugewerbliche
 Mittelstand hat wegen seiner innigen
Verflechtung mit dem gesamten Wirtschaftsleben
ein besonderes Recht auf Berücksichtigung seiner
Belange. In Wahrheit muß er aber mit größter Besorgnis
 zusehen, wie seine Erwartungen meist ge-‘äuscht
 sind. Die öffentlichen Körperschaften in
Gesetzgebung und Verwaltung schlagen Wege ein,
die Schlimmstes befürchten lassen. Die ständige
Beunruhigung des Braugewerbes mit neuen Steuern
oder auch die Lasten aus vielfach mißverstandenem

I, 8. Der braugewerbliche Mittelstand. \
sozialen Gefühl türmen Hemmnis auf Hemmnis. Hierınter
 leidet ganz besonders wiederum der ohnehin
chon schwer bedrohte braugewerbliche Mittelstand.
Im aus der Fülle der sich drängenden Fragen nur ein
beispiel anzuführen, sei auf das: problematische
Schankstättengesetz hingewiesen, das mit seinen belenklichen
 Knebelungsversuchen sich gerade für das
nittelständische Braugewerbe verhängnisvoll ausvirken
 muß. .
Bei der unzulänglichen Staatshilfe ist es für jeden
fenner der tatsächlichen Verhältnisse eine bange
jorge, einen so gesunden Zweig des staatserhaltenıen
 Mittelstandes vor den rücksichtslosen Amerikaüsierungstendenzen
 rein kapitalistisch eingestellter
iruppen zu bewahren. Der Mittelstand muß sich
laher vor allem auf sich selbst besinnen und mit
rrößter Umsicht und Sparsamkeit eigene Initiative
ınd Schönpferkraft entwickeln.
        <pb n="50" />
        9. Die deutsche Bierausfuhr.
Von Senator a. D. :G. Schurig, Bremen, Vorsitzendem des Verbandes der Deutschen Ausfuhrbrauereien E. V.

Die deutsche Bierausfuhr reicht in ihren Anfängen
weit in.das Mittelalter zurück. Waren die Exportwerte
 des Mittelalters mit denen unserer heutigen
Bierausfuhr auch nicht ohne weiteres zu vergleichen,
ınd blieben Ziele und Entiernungen der ausgeführten
Exportmengen auch weit hinter den heutigen Ausmaßen
 zurück, so müssen Tatkraft und Unternehmungsgeist
 der Brauherren damaliger Zeit uns
doch mit Bewunderung und Hochschätzung erfüllen,
Ihre Biertransporte mit allen Schwierigkeiten und
Mühsalen erfolgten über weite Gebiete und Grenzen
Deutschlands bis in die entlegensten Küstengebiete
der Ost- und Nordseeländer.
Zu den ältesten Exportbieren, die deutsche Grenzen
verließen, gehörte das Bremer Bier. Bereits im
13. Jahrhundert hatte Bremen einen bedeutenden
Bierexport nach Holland, Flandern, England, Skandinavien
 und den Niederlassungen der Hansa an der
Ostsee. Im 14. Jahrhundert trat es die führende
Stellung an Hamburg ab. Immerhin blieb auch in
den folgenden Jahrhunderten Bremens Bierhandel
recht beträchtlich.
Auch der Hamburger Bierexport reicht in das frühe
Mittelalter zurück. Die Hamburger Brauereien verstanden
 es, ein Bier herzustellen und auszuführen,
dessen überragende Güte den Auslandsmarkt langsam,
aber sicher eroberte. Alte Chroniken nennen Hamburg
 geradezu das „Brauhaus der Hanse“. Vor allem
war es Holland, das Hamburger Bier besonders
schätzte. Die Einfuhr von Hamburger oder deutschem
 Bier machte sich in den Niederlanden bald
derart geltend, daß die holländische Regierung im
Jahre 1321 zum Schutze des heimischen Braygewerbes
 ein Einfuhrverbot für Hamburger Bier
glaubte erlassen zu müssen, Dieses Einfuhrverbot
hatte nur kurzen Bestand, schon zwei Jahre später
mußte es wieder aufgehoben
 werden. Die
Qualität des Hamburger
 Bieres hat sich
siegreich behauptet.
Blieben Hamburg
und Bremen führend
im Bierhandel der
Nordseeländer, so beherrschten
 später die
Hansestädte Lübeck,
Wismar, Rostock,
Danzig und Stralsund
den Bierhandel der
Ostseestaaten.
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart

Nicht minder rege war die Bierausfuhr zahlreicher
Städte des Binnenlandes: Akzise und Zollbücher
‚ieler deutscher Städte enthalten urkundliche Beveise
 dafür, in welch erheblichem Umfange auch im
3innenlande berühmte Biere bekannter Braustädte
uf weite Entfernungen verfrachtet wurden.
Handel und Wandel des Mittelalters und somit
uch der deutsche Bierhandel waren mit dem Auf-;:tieg
 und der Blüte der deutschen Hansa eng veryunden.
 Die Entdeckung Amerikas, politische Ergnisse,
 der Dreißigjährige Krieg mit seinen Folgearscheinungen
 usw. hatten die Erschließung neuer und
Jmgestaltung bisheriger Handelsbeziehungen der
Yölker zur Folge. Der Niedergang der Hansa führte
‚um Absterben zahlreicher einst blühender Handelsınd
 Gewerbezweige. Auch die Bierausfuhr erlosch
n vielen Städten fast vollständig oder ging wie in
Jamburg, Bremen und den übrigen Hansestädten
ıuf einen Bruchteil des früheren Umfanges zurück.
30 wurden im 17. Jahrhundert von Hamburg statt
‚00000 etwa 30000 Tonnen exportiert, und in
3remen war die Biererzeugung auf etwa 10 %%
yegenüber den früheren Zeiten gesunken.
Frst im 19. Jahrhundert sind wieder Anzeichen bezinnenden
 Bierexports erkennbar. Während z. B. von
3remen im Jahre 1850 nur 715 Tonnen und 12 Viertel
3xportbier für rund 9134 Taler Gold ins Ausland gerangen
 waren, hatte die Bierausfuhr 14 Jahre später
‚ereits das Zehnfache erreicht. Im Jahre 1870 wurde
„ım erstenmal die Exportziffer von 10 000 hl erzielt,
jie damals einen Wert von etwas über 550 000 Mark
ıatten. Es handelte sich damals aber durchweg um
lie Ausfuhr von Ale und Porter (Stout) und erst
\nfang der 70er Jahre begann die Ausfuhr heller
„agerbiere, mit dem Erfolg, daß sechs Jahre später
schon 20000 hl exportiert wurden, 1878 schon
30 000 hl; und 1880 erreichte
 die bremische
Bierausfuhr 50000 hl.
Natürlich enthalten
diese Zahlen nicht nur
die Ziffern der exportierenden
 bremischen
Brauereien, sie zeigen
auch die wachsende
Bedeutung des Bremer
Hafens für den Export
deutschen Bieres ganz
allgemein. Im Jahre
1900 betrug die bremische
 Ausfuhr nahe-Bremen,

 Freihafen II, — Laden von Exzporigütern.
        <pb n="51" />
        0

Senator a.D. G. Schurig, Bremen:

zu 160 000 hl, und im Jahre 1913, dem letzten normalen
 Jahr vor dem Weltkrieg, wurde die stattliche
Zahl von 314 500 hl Bier überschritten. Während es
sich bei dem Durchfuhrbier aber vorwiegend um
Paßbier handelte, welches in erster Linie nach den
Vereinigten Staaten von Amerika und nach England
verschifft wurde, führten die Bremer Brauereien
in erster Linie Flaschenbier nach den tropischen
Ländern aus.
Ähnlich entwickelte sich die Hamburger Bierausfuhr.
 Auch über Hamburg wurden sehr bedeutende
 Mengen Bier exportiert, die zum großen
Teil aus den inländischen, vielfach bayerischen
Exportbrauereien stammten.
— Die Ausfuhr des bayerischen Bieres entwickelte
sich aus kleinen Anfängen. In der ersten Hälfte des
18. Jahrhunderts war es namentlich das fränkische
Bier, das den Ruf Bayerns als Biererzeugungsland
in die Fremde trug. Das älteste bayerische Exportvier
 war das Erlanger Bier. Die Erlanger Brauereien
yezeichnen sich daher nicht mit Unrecht als die
Pioniere des bayerischen Bierexports. Schon im
Jahre 1868 erzeugten die Erlanger Brauereien über
124000 hl, von denen 86 000 hl ausgeführt wurden.
Die Bierstädte Kulmbach, Würzburg und Nürnberg
entwickelten ihren Export später, und auch München
iritt erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrnunderts
 als Bierausiuhrstadt stärker in Erscheinung.
Die bayerische Bierausfuhr nahm aber bald einen
schnellen Aufschwung. Sie hat Jahrzehnte hindurch
weit über die Hälfte der gesamten deutschen Bierausfuhr
 bestritten und mit einigen Markenbieren des
übrigen Deutschlands den Ruhm des deutschenBieres
im Auslande begründet. Noch heute sind bayerische
Brauereien auf fast allen Märkten vertreten. Die
Entwicklung der bayerischen Bierausfuhr in den
:inzelnen Zeitabschnitten der Vorkriegszeit wird
durch folgende Zahlen illustriert:
Tahr: Ausfuhr ins Zollausland:
875 67 926 hl
‚880 80721 hl
1885 179837 hl
1890 190 485 h!
895 302 039 *
SOC 207 060
‚905 Y4Er 7SE
1910 489226 ul
1912 485 181 hl

ırauereien, in den Jahren von 1870 bis 1913 ihre
\usiuhr fast zu verdreifachen. Die Entwicklung der
leutschen Bierausfuhr in diesen Jahren wird durch
lie nachstehende Tabelle gekennzeichnet:
1870: 2342172 hl
1880: 532805 hl
1890: 2388425 hl
1900: 554510 hl
1910: 627280 hl
1913: 0941 342 Hl.

Der Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen und
lie jahrelange handelspolitische Absperrung Deutschands
 in der Nachkriegszeit haben dem Bierexport
schweren Schaden zugefügt. Nur langsam gelang es
len deutschen Exportbrauereien, verlorengegangene
Absatzmärkte ganz oder teilweise zurückzugewinnen,
&amp;gt;der neue Absatzgebiete zu erschließen.
Die Stellung Deutschlands auf dem Weltmarkt in
ier Vor- und Nachkriegszeit im Vergleich mit den
ibrigen Bierausfuhrländern wird durch nachstehende
Zahlen veranschaulicht:
Weltbierausfuhr (in Hektolitern)

Ausfuhrland

1013

"1996

1927 1028

568 218
569 757
259 645
126 259
162 210
22914
11 090
24 270
73831
L87 0379
20.000
Gesamt: |3 014.392 |1 808 561 11859846 12025 231
3 Ausfuhr Österreichs-Ungarns.
2) Ausfuhr 1914.
3) Fiskaljahre (1. April bis 31. März)
*) Schweiz, Österreich, Spanien, Portugal, Ägypten, Brit.-Südafrika, Stid-‚merikanische
 Staaten u. A.

Die Aufstellung läßt erkennen, daß die Bierausfuhr
der Hauptexportländer auf dem Weltmarkt im Ver-1ältnis
 zur Vorkriegszeit bedeutende Veränderungen
srfahren hat. Der deutsche Anteil beträgt nach wie
vor etwa ein Drittel der Gesamtausfuhr. Doch treten
gegenüber der Vorkriegszeit Frankreich, Holland
ınd andere Länder als Bierexportländer stärker
n Erscheinung. Eine Sonderstellung nimmt die
"schechoslowakei ein, deren Bierausfuhr zum
‚rößten Teil von Deutschland aufgenommen wird.
/on einer Bierausfuhr von 259 645 hl im Jahre 1928
:ntfielen auf die Ausfuhr nach Deutschland 205 844 hl.
Neben der Konkurrenz neu in Erscheinung
retender Exportländer wird die Entwicklung der
leutschen Bierausfuhr beeinträchtigt durch die Erichtung
 von Brauereien in Ländern, die vor dem
Zriege ihren Bierbedarf fast ausschließlich durch
}infuhr deckten. Daneben setzen erhöhte Zölle und
fandelshemmnisse anderer Art den Bemühungen der
{eutschen Ausfuhrbrauereien nach Erhaltung und

Neben den in Bayern und Norddeutschland bejegenen
 Exportstädten haben namhafte und bekannte
Exportbrauereien in Rheinland-Westfalen, Berlin,
Mitteldeutschland usw. gegen Ende des 19. Jahrhunderts
 steigenden Anteil an der deutschen Bierausfuhr
 gehabt.
Wenn die Steigerung ‚der deutschen Bierausfuhr
mit - der Ausfuhrsteigerung anderer deutscher
Exportwaren, die‘ nach der Gründung und wirtschaftlichen
 Erstarkung des Reichs schnelleren Eingang
 auf dem Weltmarkt fanden, nicht immer Schritt
hielt. so gelang es doch den deutschen Expnort-
        <pb n="52" />
        I., 9. Die deutsche Bierausfuhr. _51
3ierexport augenblicklich kein sehr aufnahmefähiges
\bsatzgebiet, da auch die Vereinigten Staaten, die
1913: 82 000 hl deutschen Bieres importierten, durch
lie Prohibition ausgefallen sind und nur von Kanada,
las sich selbst mit hohen Zöllen gegen eine Einfuhr
schützt, mit großen Mengen ganz leichten Bieres bejefert
 werden.
Verschwindend gering ist der deutsche Bierexport
nach Ausfralien, wo durch Prohibitivzölle, teilweise
auch durch Einfuhrverbote, das deutsche Bier nicht
nehr wettbewerbsfähig ist.
Die Ausfuhr nach Afrika hat zugenommen. Auch
hier machen sich die Folgen des ausländischen
Nettbewerbs jedoch mehr und mehr bemerkbar;
‚trotzdem ist die Ausfuhr nach Ägypten, nach dem
&amp;lt;ongo und Britisch - Ostafrika erfreulicherweise
srößer gworden. Dagegen deckt die Südafrikanische
Jnion ihren Bierbedarf fast ausschließlich aus eigener
Produktion. NeueAbsatzgebiete für den Bierexport
zu erschließen, ist außerordentlich schwer. Zu dem
Verlust von Absatzgebieten, der in einer Reihe von
„ändern durch die übermäßig hohen Zölle ‘herbeireführt
 wird, tritt noch hinzu der verschärfte Wettewerb
 der übrigen Bier ausführenden Länder, in
arster Linie Englands und Hollands und auch Japans,
an Wettbewerb, der namentlich auch auf den
ısiatischen Märkten besonders fühlbar wird.
Die Verfrachtung des deutschen Exportbieres geschieht
 zum größten Teil über Hamburg und Bremen.
Die westdeutschen Brauereien versenden ihr Export-Xier
 auch wohl über die für sie frachtgünstig liegenlen
 holländischen und belgischen Häfen (Amsterdam,
Zotterdam, Antwerpen). Schließlich geht ein Teil
ler deutschen Bierausfuhr, besonders der bayerischen
?xportbrauereien und aus dem Süden des Reiches,
iber Triest und Genua. Es handelt sich hierbei vorviegend
 um Solche Biere, die für die Mittelmeeränder
 und nach Asien im Verkehr durch den Suezzanal
 bestimmt sind.
Bei der Passivität der deutschen Handelsbilanz ist
eder Exportüberschuß zu fördern. Der deutsche
3ieraußenhandel spielt im Verhältnis zu dem ge-‚amten
 Außenhandel zwar nur eine geringe Rolle,
wesentlich anders steht er schon im Verhältnis zum
‚ebensmittel- und Getränkehandel, der bekanntlich
a sehr starkem Maße passiv ist. Hier ist der Bier-‚ußenhandel
 einer der wenigen Aktivposten, der in
‚einer Bedeutung nicht zu unterschätzen ist.
Der Wert der. deutschen Bierausfuhr betrug in den
ahren 1925 bis 1928: 25,8, 28,3, 31,2 und 33,5 Milionen
 Reichsmark; nach Abzug der Biereinfuhr verılleibt
 immer noch ein Aktivposten von +4211,;1,
+ 23,7, +25,8 und -+27,5 Millionen Reichsmark.
3ier steht damit im Jahre 1928 unter den Waren der
»osition „Lebensmittel und Getränke‘“,, die einen
\usfuhrüberschuß erzielen, nach technischen Ölen
ınd Fetten und Hafer an dritter Stelle.

Wiedergewinnung ihrer Stellung auf dem Weltmarkt
fortgesetzt neue Schranken entgegen.
So ist dem deutschen Bierexport das europäische
Absatzgebiet zum großen Teil verlorengegangen.
Während vor dem Kriege 61 % der deutschen Bierausfuhr
 nach Europa gingen, waren es im Jahre 1928
erst rund 20% der Vorkriegsausfuhr., Die nachstehenden
 Zahlen lassen die veränderte Richtung deı
deutschen Bierausfuhr in der Vor- und Nachkriegszeit
 im einzelnen erkennen:
Richtung der deutschen Bierausfuhr (in Hektolitern)

Gesamtausfuhr
Deutschlands nach

1913 | 1925 | 1927 | 1928

Zuropa ........ wu 84636 ' 111272
Afrika ..0..0.00000000000 153263 164321
ASIEN s000 een een 220447 233969
Amerika ..........00. | 54 576
Australien ‚.......... 373 3242
Fremde Schiffe ....... ARO 838
Insgesamt: | 941342 | 431890 | 522426 | 568218
Die Tabelle veranschaulicht, wie bereits ausgeführt,
zunächst die Tatsache, daß der europäische Markt
für den deutschen Bierexport durch die Erstarkung
der Brauindustrie der übrigen europäischen Länder
und aus anderen bereits mitgeteilten Gründen an Aufnahmefähigkeit
 bedeutend verloren hat. Zwar ist es
in den letzten zwei Jahren gelungen, wieder festen
Fuß zu fassen und verlorengegangene Absatzmärkte
langsam wieder zurückzugewinnen; aber die deutsche
Brauindustrie mußte doch versuchen, neue Absatzgebiete
 zu erschließen, wollte sie in ihrem Auslandsabsatz
 nicht ganz wesentliche Einbußen hinnehmen.
Daß dies in weitem Maße gelang, ist eine der erfreulichsten
 Erscheinungen in der Entwicklung der
deutschen Bierausfuhr der Nachkriegszeit. Die
Mengen des nach Übersee ausgeführten Bieres, und
zwar ganz überwiegend des Flaschenbieres, sind von
369 951 hl im Jahre 1913 auf 456 108 hl im Jahre 1928,
d. h. von 39 % auf 84 % des jeweiligen Exportes gestiegen,
 wenngleich auch in Übersee die für Europa
aufgezeigten Tendenzen in nicht geringerem Umfange
 fühlbar waren. / Besonders in Mittel- und Südamerikd,
 die vor dem Kriege beträchtliche Mengen
deutschen Bieres aufnahmen, sind vielfach neue
Brauereien gegründet worden, die den größten Teil
des dortigen Bedarfs decken. So hat die deutsche
Bierausfuhr dorthin keine großen Fortschritte
machen können (1928: 38 752 hl). Die wirtschaftlich
entwickelten Staaten (Brasilien, Argentinien, Chile
usw.) haben sich durch ihre eigene Bierproduktion von
der Finfuhr nahezu unabhängig gemacht und durch
sehr hohe Schutzzölle die Einfuhr verhindert. Auch
in den übrigen Ländern ist die Einfuhr von deutschem
Bier stark gemindert KEinzig einige wenige kleine
mittelamerikanische Staaten bilden eine erfreuliche
Ausnahme. Jedenfalls ist Amerika für den deutschen
        <pb n="53" />
        Senator a.D. G. Schurig, Bremen: I, 9. Die deutsche Bierausfuhr, .
Von besonderer Bedeutung ist, daß bei dem Über- er für den Absatz deutscher Biere in Frage komsee-Export,
 der zum größten Teil in Flaschenbier er- nenden Auslandsmärkte. Gerade auf dem Gebiete
folgt, die Kosten für Flaschen und Packmaterial eine :iner zuverlässigen und schnellen Berichterstattung
erhebliche Rolle spielen, die der deutschen Industrie iber die Entwicklungsmöglichkeiten deutscher Ausrestlos
 zugute kommen. juhr könnten die deutschen Auslandsvertretungen
Der Anteil des Faß- bzw. Flaschenbieres am nit ihren Erfahrungen und Kenntnissen die Export-Export
 verteilte sich wie folgt: orauereien noch tatkräftiger als bisher unterstützen,
wenngleich die Fortschritte auf dem Gebiete der amtlichen
 Berichterstattung in den letzten Jahren durchaus
 anerkannt werden sollen. Wichtig ist, daß auch
die auf Exportförderung gerichteten vielfachen Bestrebungen
 des Reichs nicht durch formalistische
ınd ausfuhrhemmende Maßnahmen nachgeordneter
Dienststellen in ihr Gegenteil umgewandelt werden.
Der Export deutschen Bieres ins Ausland hat
ine über das Wirtschaftliche hinausgehende Bejeutung.
 Deutsches Bier wirbt an fast allen
‚rößeren Handelsplätzen der Welt für die Güte
'eutscher Arbeit. Gerade Deutschland kann nach
einer langjährigen Absperrung vom Welthandel
ücht darauf verzichten, seinem Namen auf jede Art
vieder Geltung zu verschaffen. Die vielen Millionen
"laschen deutschen Bieres, die das „Made in Gernany‘“
 in alle Weltteile tragen und ihm auch in
ernsten 'Absatzgebieten Eingang verschaffen, beitzen
 eine Werbekraft für den deutschen Namen und
leutsche Erzeugnisse, deren Bedeutung nicht hoch
jenug veranschlagt werden kann. Damit dienen die
'eutschen Exportbrauereien auch der Förderung der
ür die Aktivierung der deutschen Handelsbilanz so
Iringlichen Hebung des‘ deutschen Gesamtexports
nd der Förderung der deutschen Allgemeinwirtchaft
 überhaupt. Möge den deutschen Exportrauereien
 trotz starken Wettbewerbs auf allen
lärkten, getragen von einer technisch und wirtchaftlich
 leistungsfähigen Inlands - Brauindustrie,
uch weiterhin dauernder Erfolg beschieden sein und
nöge das deutsche Exportbier, gestützt auf seinen
Neltruf, auch in Zukunft neue Freunde auf allen
\uslandsmärkten gewinnen.

Volkswirtschaftlich betrachtet, ist die Ausfuhr von
Flaschenbier deshalb von besonderer Bedeutung, als
auf den Wert des Bieres nur etwa ein Drittel des
Wertes der Gesamtausfuhr entfällt. Fin weiteres
Drittel machen die beim Flaschenbier in Frage
kommenden erheblichen Beträge für Löhne usw. aus,
ınd das restliche Drittel stellt den Wert der Flaschen
ınd des Verpackungsmaterials dar, in welchen naturzemäß
 wieder erhebliche Lohnbeträge enthalten sind.
Zweifellos könnte der Bierexport noch erheblich
gesteigert werden. Neben der Beseitigung von
Exporthemmungen, worauf neuerdings das Bestreben
 der Weltwirtschaftskonferenz, der Interaationalen
 Handelskammer und anderer internatioıaler
 Gremien gerichtet ist, bleibt erforderlich, daß
auch die amtlichen deutschen Stellen der deutschen
Bierausfuhr noch mehr als bisher ihre Aufmerksam-&amp;lt;eit
 und Förderung zuteil werden lassen. Zwar wird
wie jedes Auslandsgeschäft auch die deutsche Bierausfuhr
 in erster Linie von der Initiative der Beteiligten
 abhängen. Aber die amtlichen Organe sind
in der Lage, weitgehende Hilfe zu leisten. Es wird
dabei weniger an unmittelbare staatliche Hilfe gedacht
 als vielmehr an die Unterstützung durch die
Auslandsvertretungen und durch die Beobachtung

Tandionq Priok, der Hafen von Ratavia mit Pieranlaae.
        <pb n="54" />
        Il. Brauwissenschaft und Brautechnik.
1. Wie entsteht das Bier?
Von Professor Dr. Friedrich Hayduck, Direktor des Instituts für Gärungsgewerbe, Berlin.

Der Anblick einer modernen Brauerei mit ihren
zahlreichen wohldurchdachten und -gefertigten Maschinen
 und Apparaten muß bei dem Nichtsachverständigen
 den Eindruck hervorrufen, als ob es sich
hier um einen typischen Fall von „industrieller
Fabrikation“ handele. Soweit die technische Seite
in Frage kommt, ist dieser Eindruck auch durchaus
zutreffend. Der Brauer darf heute mit Genugtuung
feststellen, daß sein Betrieb sich aus dem handwerklichen
 Zustande heraus zu einer Stätte bestdurchgebildeter
 industrieller Arbeit entwickelt hat. Aber
die natürlichen Grundlagen der Brauarbeit sind heute
noch dieselben wie in der Urzeit der Völker, bei
denen Brauerei und Bier als Gegenstand und Ziel
nationaler Arbeit und wichtiger kultureller Gewohnheiten
 nachgewiesen worden ist. Was sich an den
natürlichen Grundlagen des Werdeganges des Bieres
geändert hat, das sind nicht die Vorgänge selbst,
sondern ihre wissenschaftliche Durchdringung und
Erklärung mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften,
 die alle erst Kinder des neunzehnten und
zwanzigsten Jahrhunderts sind. Noch heute darf
man nicht von einer Fabrikation des Bieres sprechen,
sondern man muß die wissenschaftliche Beschreibung
der Brauerei in die Frage kleiden: „Wie entsteht
das Bier?“

IL Auswahl und Untersuchung der Rohstoffe,
Schon bei der Auswahl und Bewertung der

Rohstoffe
zeigt sich der maßgebende Einfluß, den die Natur im
Wandel ihrer Erscheinungen auf die Brauindustrie
ausübt. Bekanntlich sind diese Rohstoffe: Gerste —
von dem geringen Verbrauch an Weizen für Spezialbiere
 soll hier nicht die Rede sein —, Hopfen und
Wasser. Nur eine vollkörnige, dünnschalige, extraktreiche
 Gerste darf als gute Braugerste bezeichnet
werden. Vieles ist hier von der richtigen Sortenwahl
bei der Auswahl-der Saatgerste seitens des Landwirts
abhängig. Größeren Einfluß aber haben Bodenart,
Bodenbearbeitung und Düngung und von ausschlaggebender
 Bedeutung für die Qualität der Gerstensorte
 ist das, was wir nicht. zu regeln vermögen: die
Witterung. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse
beim Hopfen, dessen Ernte nach Menge und Güte fast

von den gleichen Faktoren abhängt wie bei der
erste. In beiden Fällen sind daher die analytischen
Vethoden, mittels deren der Brauer seine Sinneswahrnehmungen
 bei der äußeren Bewertung der
xohstoffe kontrolliert, in großer Zahl sorgfältig
lurchgebildet. Bei der Gerste beziehen sie sich auf
&amp;lt;orngröße und -schwere, auf Stärke-, Eiweiß- und
Wassergehalt, auf Keimfähigkeit und Keimenergie,
uf die physikalische Beschaffenheit des Mehlkörpers
ınd dergleichen, während beim Hopfen die
ınalytische Untersuchung der Harze und Bitter-;äuren,
 deren Gehalt und Zusammensetzung den
Wert des Hopfens bedingt, von ausschlaggebender
Zedeutung ist. In bezug auf

das Branuwasser
1at man, von unkontrollierten empirischen An-;schauungen
 abgesehen, noch vor nicht allzu langer
Zeit auf dem Standpunkt gestanden, daß jedes gute
Trinkwasser ein gutes Brauwasser sei. Heute weiß
nan auf Grund genauer Kenntnis der im natürlichen
Wasser enthaltenen Salze und ihrer Wirkungen auf
lie einzelnen Phasen der Biergewinnung -und auf
3iergeschmack und -charakter, daß die Zusammensetzung
 der Wassersalze eine große Bedeutung besitzt.
 Zum Beispiel sind Wässer, die einen erhebichen
 Gehalt an kohlensaurem Kalk und kohlenzaurer
 Magnesia aufweisen, für die Herstellung edler,
1eller, feinbitterer Biere durchaus ungeeignet. Da
nan aber die Methoden zur Beseitigung dieser
;störenden Salze kennt und ihre Anwendung be-1errscht,
 so ist es ein leichtes, dem Brauwasser die
Zusammensetzung zu geben, die für den gewünschten
3iercharakter die erforderliche .Grundlage abgibt.

IL. Die Malzbereitung, ,
Hat der Brauer bei der Auswahl der Rohstoffe sein
Bestes getan, so beginnt in der
© Mälzerei
;eine eigentliche Arbeit, bei der es für ihn gilt, die
antstehenden natürlichen Vorgänge regelnd zu be-:influssen.
 Die in der Brauerei angelieferte Gerste
»esitzt an sich noch nicht die Möglichkeit, sich in
Yerbindung mit Wasser in Bierwürze umwandeln zu
assen. Gerstenschrot oder -mehl behalten. mit
        <pb n="55" />
        Prof. Dr. Friedrich Hayduck, Berlin:
warmem Wasser behandelt, im wesentlichen ihre
Breiform unverändert bei, da Stärke und Eiweiß
nicht oder nur in geringer Menge in Lösung gehen.
Um die Lösung dieser Stoffe herbeizuführen, ist es
notwendig, in der Gerste auf dem Wege des Keimenlassens
 zunächst jene eigentümlichen,. in der Natur
weit verbreiteten Stoffe hervorzurufen, die man unter
der Bezeichnung „Enzyme‘ zusammenfaßt. Unter
den Enzymen, die sich in der keimenden Gerste entwickeln,
 sind es in erster Linie die stärkeverzuckernde
 Diastase und die eiweißabbauende
Peptase, die uns interessieren. Die Entwicklung und
Arbeit dieser Enzyme beginnt schon in der Zeit, in
der die Gerste zwecks Einleitung der Keimvorgänge
in der Weiche mit dem erforderlichen Wasser ausgerüstet
 wird und setzt sich auf den Einrichtungen,
die der eigentlichen, sichtbaren Entwicklung der
Keimung dienen, fort. Die Keimung entspricht
an sich dem Wachstumsvermögen des Korns im
Erdboden nach erfolgter Aussaat, aber ihr Sinn
und Ziel ist hier anders zu beurteilen. Während
 der Landwirt eine gesunde und ertragreiche
 Pflanze heranziehen will, hat der Brauer
ınd Mälzer lediglich das Ziel, mit möglichst geringen
Stoffverlusten ein enzymreiches, innerlich gut gelöstes
 Malz zu gewinnen. Drei Faktoren sind es,
durch deren Variation dieses Ziel erreicht wird:
Regelung des Wassergehalts, der Temperatur und
des Luftwechsels. Das wachsende Korn darf nicht eintrocknen,
 sonst gehen die technisch wichtigenLebensvorgänge
 zurück; die durch die Atmung des Keimlings
erhöhte Temperatur im Malzhaufen darf nicht über
gewisse Grenzen steigen, sonst wird das Wachstum
sin zu schnelles, ohne daß die innere Lösung des
Korns folgen kann; es darf nicht zuviel Luftsauerstoff
 an die Keimorgane des Korns treten, sonst wird
die Atmung und damit der Stoffverlust zu groß. Am
interessantesten ist bei diesen Vorgängen die Gegensätzlichkeit
 von Sauerstoff und Kohlensäure in ihrer
technischen Anwendung auf die Regelung der
Wachstumsvorgänge: das Korn muß Luft haben, um
wachsen zu können, und durch die hiermit verbundene
Atmung entsteht Kohlensäure, deren Vorhandensein
das Wachstum beschränkt. Die richtige Regelung
der Kohlensäure in der Atmungsluft der keimenden
Gerste ist daher ein technisches Moment von
größter Wichtigkeit in der Arbeit des Müälzers.
Auf dem Wege dieser sorgfältig durchgearbeiteten
Regelung natürlicher Wachstumsvorgänge hat man
es in der Hand, Fehler in der Beschaffenheit der
Gerste weitgehend auszugleichen und den Grund für
den Verwendungszweck des fertigen Malzes zu legen,
je nach dem Biercharakter, der angestrebt wird.
Sobald das Wachstum der Gerste die für das technische
 Ziel wünschenswerte Grenze erreicht hat, ist
die erste Phase der Mälzerei beendet und man nennt
das erzeugte Gut

„Grünmalz“.
n dieser Form ist das Malz zur Herstellung der Biervürze
 noch nicht geeignet, denn es ist im Grunde
zenommen noch nichts weiter als gekeimte Gerste
nit reinem Rohfruchtgeschmack ohne jedes Malzıroma
 und ohne jede typische Geschmackseigenichaft
 für das damit herzustellende Bier. Die hier
n Betracht kommenden Eigenschaften werden
ıauptsächlich erst in der zweiten Phase der Mälzerei,
ıämlich durch

das Darren

lies Grünmalzes, geschaffen. Das Darren ist als
Trocknen und Rösten des Grünmalzes bei steigender
vemperatur zu kennzeichnen, wobei neben der Temjeratur
 wiederum die Wasserwirtschaft eine Rolle
pielt. Man kann beim Darren, wissenschaftlichchematisch
 betrachtet, folgende drei Abschnitte, die
‚raktisch naturgemäß ineinander übergehen, untercheiden.
 Der erste Abschnitt ist der, in dem das Grünaalz
 lediglich von seinem für den Keimvorgang erfor-‚erlichen
 hohen Wassergehalt befreit wird. Reichliche
Aengen eines mäßig erwärmten‘ Luftstromes ereichen
 dieses Ziel, ohne zunächst das Leben des
'‚eimlings zu vernichten. Im zweiten Abschnitt wird
jer Keimling durch die steigenden Darrtemperaturen
bgetötet, aber die Arbeit der im Korn entstandenen
’nzyme wird noch nicht allzu weitgehend ‘beinträchtigt,
 abgesehen davon, daß sinkender
Vassergehalt ihre Funktionen behindert. Im dritten
\bschnitt nähert sich die Temperatur immer mehr
len Grenzen, bei denen die Enzyme, ohne vernichtet
“u werden, teils wegen Mangels am Wasser, teils
vegen der hohen Temperatur an sich, aufhören zu
ırbeiten und die rein chemischen Reaktionen immer
aehr in ihre Rechte treten. Die letzte Phase umaßt
 die eigentlichen Vorgänge der Aromabildung,
on der wir heute wissen, daß sie in erster Linie auf
ler Reaktion zwischen Zucker und weit abgebauten
liweißstoffen beruht. Eine moderne Darre ist geadezu
 als ein technisches Kunstwerk zu bezeichnen,
enn sie gestattet, in jeder Phase des Darrvorganges
‚urch richtige Dosierung von Luft und Temperatur,
lem Malz denjenigen Wassergehalt zu verleihen, bei
‚em die Temperatur die gewollte Wirkung auf den
Aalzcharakter ausübt. Hierbei ist folgender Satz
ichtunggebend: Schnelle Trocknung mit viel mäßig
yvarmer Luft vor dem Abdarren des Malzes ergibt
in Malz für helle, schwach malzaromatische Biere;
angsame Trocknung, Einwirkung der höheren Temjeraturen
 bei noch reichlichem Wassergehalt des
Malzes ergibt Malze, die für die Herstellung dunkler,
nalzaromatischer Biere erforderlich sind. In beiden
?ällen — die dazwischen liegenden Abstufungen sind
‚ahlreich — bleiben die technisch wichtigen Enzyme
ies Malzes erhalten. aber die Erhaltung ihrer Kraft
        <pb n="56" />
        II., 1. Wie entsteht das Bier?
muß hinter der Frage der Malzfarbe und des Malzaromas
 in wechselndem Ausmaße zurücktreten.

E

len kräftigen Geschmack und für die Haltbarkeit des
3ieres erforderlich sind. Auch beim Hopfenkochen
zibt es vielerlei Variationen, weil die Wertbestand-‚eile
 des Hopfens mit verschiedener Geschwindigkeit
n Lösung gehen und zum Teil mit den Dämpfen entveichen.
 Im allgemeinen ist es daher üblich, den
Topfen, je nach dem zu erzielenden Bitterkeitsgrad
ınd Hopfenaroma, in verschieden großen Teilgaben
zu kochen. Dabei ist es noch eine ungeklärte Frage,
)b nur die Bitterstoffe des Hopfens für den Charakter
les Bieres in Frage kommen, oder ob nicht auch
ıoch andere Stoffe, wie z. B. spezifische Aromatoffe
 des Hopfens, eine Rolle spielen.
Die gekochte, vom Hopfen und den ausgeschiedeı1en
 Eiweißstoffen befreite Würze läuft über verschiedene

Kühlapparate
n den Gärkeller, um dort mit Hefe zur Gärung anzestellt
 zu werden. Wie fein das Brauverfahren
lurchgebildet ist, sicht man gerade an dem Vorgang
ler Würzekühlung, der auf den Laien den Findruck
ines rein mechanischen Vorganges machen muß.
\ber das Gegenteil ist der Fall. Die Art der Kühlung
st von größer Bedeutung für den Geschmack des
3ieres, weil durch sie die Ausscheidung der Stoffe
‚eeinflußt wird, die in das Bier gar nicht erst hineinrelangen
 sollen. Je nachdem, ob man schnell oder
angsam, mit oder ohne Luftzufuhr kühlt, nehmen die
\usscheidungen ganz verschiedene Beschaffenheit
ın und gewinnt die Bierwürze also einen ganz ver-:chiedenen
 Reinheitsgrad. Die gekochte Würze ist
‚teril, während des Kühlens wird sie anfällig gegen
nfektionen, also auch in biologischer Beziehung ist
ier Kühlungsvorgang sorgfältig zu überwachen. Da
ıber vor allem die Würze ein Nährstoff für die Hefe
vährend der Vergärung sein soll und für die Hefeeifung
 auch der Sauerstoff eine gewisse Rolle spielt,
st die Frage der Würzekühlung auch vom Standyunkt
 der Sauerstoffaufnahme von Bedeutung.
Curzum, man sieht aus diesen wenigen Andeutungen,
vie viele technisch wichtigen Gesichtspunkte bei der
Leitung der Würzekühlung in Betracht kommen.
IV. Das Bier im Gärkeller.,
Im Gärkeller setzt nun die Arbeit der

IH. Die Bereitung der Bierwürze,
Das von der Darre abgeräumte Malz bildet den
Rohstoff für die Bereitung der Bierwürze, nachdem
es von den Wurzelkeimen befreit worden ist. Die
Bereitung der Bierwürze beruht zunächst auf den
Vorgang des

Maischens,
worunter man in Ableitung von dem Worte „Mischen“
das Inlösungbringen der Malzbestandteile versteht.
Zu diesem Zwecke wird das Malz zunächst geschrotet
 und dann mit warmem Wasser „eingemaischt‘“.
 Da der Grad der Lösung von Stärke
und Eiweiß, die trotz des Mälzens und Darrens immer
noch die Hauptbestandteile des Malzes bilden, in
weitgehendem Maße den Charakter des zu erzeugenden
 Bieres bestimmt und seinerseits wiederum von
der Höhe der Maischtemperatur und der Dauer ihrer
Einwirkung abhängig ist, sind die einzelnen Phasen
des Maischvorganges außerordentlich variabel. Bei
dem heute für die Herstellung von untergärigen
Lagerbieren allgemein üblichen Verfahren erzielt
man die Einstellung der für die einzelnen Maischabschnitte
 beabsichtigten Temperaturen durch Aufkochen
 verschieden großer Maischanteile, die alsdann
 mit den nicht. gekochten Maischresten vermischt
 werden. Im Rahmen dieser Methode ist es
möglich, in jedem Stadium des Maischvorganges diejenigen
 Temperaturen einzuhalten, die für die stärkeund
 eiweißabbauenden Enzyme des Malzes mehr
oder minder förderlich sind. So kann man durch
dieses Verfahren nicht nur der Beschaffenheit der
ursprünglichen Gerste und des daraus gewonnenen
Malzes Rechnung tragen und etwaige Fehler weitgehend
 ausgleichen, sondern vor allem den Charakter
des Bieres bestimmen. Für die verschiedenen Biertypen
 verwendet man Malze, die bei ihrer Erzeugung
bereits auf den Biercharakter eingestellt sind; aber
abgesehen davon ist es möglich, aus ein und demselben
 Malz ein schwachvergorenes, extraktreiches
oder ein hochvergorenes, extraktarmes Bier herzustellen,
 lediglich durch die Beeinflussung der
Abbauvorgänge des Malzes auf dem Wege der
zweckmäßigen Wahl von Temperatur und Zeit.
Die fertige Maische enthält noch sämtliche
Schalenbestandteile des Malzes, einschließlich der
Fiweißstoffe, die beim Maischvorgang ausgeschieden
sind. Die Absonderung dieser Stoffe geschieht durch
das Abläutern, das so lange vor sich geht, bis
eine klare Würze in die Braupfanne läuft. In der
Pfanne wird die Würze mit dem Hopfen gekocht,
teils um die noch gelösten, aber koagulierbaren
Eiweißstoffe auszuscheiden, teils um die Würze mit
den Bitterstoffen des Hopfens zu versehen. die für

Hefte
in, deren Aufgabe es ist, die Bierwürze zu Bier zu
‚ergären. Die Hefe ist ein einzelliger Pilz, dessen
inzelne Zellen nur unter dem Mikroskop zu erkennen
‚ind. Die Zellen vermehren sich durch Sprossung
ind ergeben in ihrer Gesamtheit, wenn man die um-‚ebende
 Flüssigkeit abpreßt, die weiche Masse, wie
‚je jedermann als Backmittel kennt, abgesehen davon,
Jaß als Bäckerhefe besondere, in der Preßhefendustrie
 herangezüchtete Hefierassen dienen. Ein
&amp;lt;ilogramm abgepreßte Hefe enthält etwa zehn
        <pb n="57" />
        Prof. Dr. Friedrich Hayduck, Berlin:
Milliarden Hefezellen. Man unterscheidet in der
Brauerei unter- und obergärige Heferassen, die sich
n ihrem Temperaturoptimum, in ihrem Sproßvermögen
 und Sproßbild, in der Art des Ausscheidens
aus der Gärflüssigkeit (Absetzen am Boden der
Flüssigkeit oder Auftrieb auf die Oberfläche) und
durch andere Merkmale als unterschiedlich kennzeichnen.
 Für die Herstellung des Lagerbieres, von
dem hier allein die Rede sein soll, werden nur unterzärige
 Hefen verwendet.
Sobald die ersten Teile der auf etwa 6°C gexühlten
 Würze laufen, wird die von vorhergehenden
Gärungen sorgfältig aufbewahrte, durch Sieben und
Waschen von Hopfenharz- und Eiweißausscheidungen
befreite Hefe zugegeben. Da die Hefe durch die
Järtätigkeit das Aufkommen störender Mikro-&amp;gt;rganismen
 verhindert, ist es ein wichtiger, Grundsatz
 biologisch reiner Gärführung, die Hefe in ausreichender
 Menge möglichst frühzeitig zu geben und
rechtzeitig auf die in besonderen Apparaten herangezüchtete
 und bereitgehaltene Reinzuchthefe zurückzugreifen,
 sobald die von Bottich zu Bottich fortzepflanzte
 Betriebshefe hinsichtlich Reinheit und
Leistungsfähigkeit Mängel aufweist.
Während der etwa acht Tage dauernden Gärung
der Würze im Gärbottich verändert die Hefe durch
ihre Arbeit die Zusammensetzung der Würze von
Äärund aus: der durch die Diastase beim Maischen
im Sudhaus aus der Stärke des Malzes erzeugte
Zucker (Malzzucker) wird zu Alkohol und Kohlensäure
 vergoren, Eiweißstoffe und überschüssige
Hopfenharze werden ausgeschieden, zahlreiche andere
 chemische und physikalische Veränderungen
treten als Begleiterscheinungen dieser Vorgänge auf,
die man in ihrer Gesamtheit nicht nur als Gärungsder
 Umsetzungsvorgänge, sondern auch als Reinizungsvorgänge
 aufzufassen hat. Bei dem Zerfall des
Zuckers in Alkohol und Kohlensäure wird Wärme
Iirei, die sich in der Temperatursteigerung der
gvärenden Würze trotz der niedrigen Temperatur des
Gärkellers zu erkennen gibt. Wollte man die Temperatur
 unbehindert steigen lassen, so würde sie eine
Höhe erreichen, die für den Werdegang des Bieres
aus verschiedenen Gründen unzuträglich wäre, denn
ain gutes Bier kann sich nur in langsamer Gärung
bei niedrigen Temperaturen entwickeln. Es ist daher
notwendig, das Bier während der Gärung mittels
aingehängter Kühlapparate zu kühlen, wobei man die
Temperatur von etwa 10°C als Höchstgrenze betIrachtet.
 Während der ganzen Dauer der Bottichzärung
 wird aber nicht nur genau die Temperatur,
sondern mittels Spindel auch der abnehmende
Zuckergehalt, d. h. also das Fortschreiten der
Gärung beobachtet. Die Hauptmenge des Zuckers
soll schon auf dem Bottich vergoren werden, aber ein
Rest muß für das Lagerfaß verbleiben. damit sich dort

6

lie Nachgärung anhaltend vollzieht. Der Brauer hat
ılso die Gärtemperatur dem Fortschreiten der
järung anzupassen, stets darauf bedacht, die Gärung
n gutem Fortgang zu halten, ohne der Hefe die
Möglichkeit zu geben, frühzeitig die vergärbaren
Stoffe der Würze zu verschwenden.
Sobald der genügende Vergärungsgrad erreicht
st, der Hauptteil der Hefe sich abgesetzt hat und
3äne ausreichende Klärung erfolgt ist, wird das Bier
ıus dem Gärbottich in die Lagergefäße abgelassen
ınd die am Boden befindliche Hefe für weitere Vervendung
 bereitgestellt.

V. Das Bier im Lagerkeller.

Der Lagerkeller ist die Stätte, an der das Bier in
‚roßen Fässern oder Tanks die endgültige Abundung
 hinsichtlich Reinheit, Haltbarkeit, Gechmack
 und Charakter erhält und damit für den
Zonsum fertig gemacht wird. Die Nachgärung auf
lem Lagerfaß dauert je nach dem vorhandenen
‚agerraum und den angestrebten Eigenschaften des
ertigen Bieres vier bis zwölf Wochen. Es ist also
:;ine lange Reifezeit, die das Bier durchzumachen hat,
ınd während dieser Zeit soll zwar die Nachgärung
ıllmählich immer schwächer werden, aber sie soll
loch nach Möglichkeit so lange anhalten, bis die End-‚ergärung
 mit dem Abfüllen des Bieres vom Lager-‚efäß
 auf Transportfaß oder -flasche zusammenfällt.
)iesem Ziel dienen alle Einrichtungen des Gärkellers:
die Temperatur des Kellers ist sehr niedrig und liegt
:twa bei 0°; die Lagergefäße sind mit Spundpparaten
 versehen, welche die Entweichung der
järungskohlensäure nur bei einem bestimmten Druck
restatten, damit den Kohlensäuregehalt des Bieres
-onstant halten und überdies die Möglichkeit geben,
aderzeit festzustellen, ob noch Nachgärung voraanden
 ist; kleine Hähne zur Probenahme untertützen
 diese Beobachtungsmöglichkeiten.‘ Setzt die
lachgärung frühzeitig aus, so kann man ihr durch
Zusatz von etwas Jungbier aufhelfen.
Die Nachgärung des Bieres auf dem Lagerfaß
ınterscheidet sich von der Hauptgärung auf dem
jottich grundlegend darin, daß im Bottich in schon
iußerlich sichtbarer Gärung die großen chemischen
ınd physikalischen Veränderungen der Bierwürze
vor sich gehen, während die Hefe im Lagerfaß zwar
hre Aufgaben fortführt, aber doch mehr eine langame,
 stille Feinarbeit zu leisten hat. Der Gärbottich
st die Grobschmiede, das Lagerfaß die Ziselierverkstatt
 der Hefe. Dem Vergärungsmoment, geviß
 wichtig auch im Lagerfaß zur Erzeugung des notyendigen
 Kohlensäuregehalts und zur Beseitigung
{er Zuckerreste, die in Transportfaß und -flasche
lie Haltbarkeit des Bieres beeinträchtigen könnten,
steht im Lagerfaß mindestens gleich die Aufgabe, gechmacklich
 den Ausgleich zwischen all den Stoffen
        <pb n="58" />
        IL, 1. Wie entsteht das Bier?
herbeizuführen, die während der Bottichgärung aus als extraktarme, hopfenstarke und die dunklen als
den Grundstoffen der Würze entstanden sind. Das xtraktreiche, hopfenschwache Biere zu charakteri-Bottichbier
 schmeckt roh oder „jung‘, wie der Brauer sieren. Als Grundgedanken kann man: diese
sagt, und erreicht erst auf dem Lagerfaß die Ge- Definition gelten lassen, aber sie wird unrichtig, wenn
schmacksabrundung, die wir bei einem edlen Bier nan nach weitverbreiteter Konsumentenauffassung
schätzen. Die Verhältnisse liegen hier ganz ähnlich 1amit den Zusatz verbindet, daß helle Biere „leicht“
wie beim Wein, nur mit dem Unterschiede, daß beim ı1nd dunkle Biere „schwer“ seien. Zwischen den tat-Wein
 das spezifische Aroma die Hauptrolle spielt, ;ächlich vorhandenen leichten hellen und schweren
während beim Bier mehr der Ausgleich sämtlicher 1unklen Bieren liegt eine solche Fülle von Ab-Geschmacksstoffe
 zu dem Gesamtbild einer an- stufungen, die zum Teil genau entgegengesetzte
genehmen Geschmackswirkung führen soll. Ein Wege gehen, daß man von der Farbe auf die Schwere
gutes Bier soll nicht in eigentlichem Sinne aromatisch ies Bieres keinerlei Schlüsse ziehen kann. Richtig
sein, denn diese Eigenschaft würde ja in erster Linie ‘st lediglich der technologische Grundgedanke, daß
dem Geruchsinn zu tun geben, sondern es soll Mund, zu einem Biere, das nur schwach seinen Malz-Nase
 und Auge in gleichem Maße erfreuen. &amp;gt;harakter, aber ein kräftigeres Hopfenbitter erkennen
‚Aßt, die helle Farbe besser paßt, während im umzekehrten
 Falle die dunkle Farbe das gegebene ist.
Der Biertrinker ist im allgemeinen nicht darüber
ınterrichtet, daß die Farbe der dunklen Biere nicht
ıuf den höheren Malzverbrauch zurückzuführen ist,
;ondern auf die Anwendung dunkleren Malzes und
zanz besonders auf die Mitverwendung von Farbnalz,
 das nach den beim Kaffee bekannten Grund-;ätzen
 geröstet wird... Neben schweren dunklen und
eichten hellen Bieren gibt es leicht eingebraute
lunkle Biere und schwer eingebraute helle Biere.
Die Schwere der Biere, soweit damit ihr Alkoholzehalt
 gemeint ist, wird lediglich bestimmt durch die
xngebraute Malzmenge und durch das Sudverfahren,
las die Möglichkeit gibt, viel oder wenig Stärke in
‚ergärbaren Zucker umzuwandeln bzw. viel oder
venig Kohlehydrate als unvergärbaren Rest in der
Nürze zu belassen. Will man dagegen mit einem
schweren Bier ein gehaltvolles Bier bezeichnen, das
ıeben normalem Alkoholgehalt einen hohen Extraktzehalt
 aufweist, so ist dieser Ausdruck für das allgenein
 bekannte Bockbier zutreffend. Das Bockbier
wird um ein Drittel stärker eingebraut als das im
allgemeinen übliche Lagerbier, d. h. für seine Erzeugung
 wird auf den Hektoliter ein Drittel Malz
nehr verwendet, Trotzdem ist der Alkoholgehalt
les Bockbieres nur um ein Sechstel höher als derienige
 der üblichen hellen und dunklen Lagerbiere,
veil es weich und malzig schmecken soll und man zu
liesem Zweck im Sudhaus auf einen hohen unvergärıaren
 Extraktrest hinarbeitet.
In diesem Zusammenhange sei auf die immer
wiederkehrende Verwechslung zwischen Stammvürze-
 und Alkoholgehalt der Biere hingewiesen.
Als Stammwürzegehalt bezeichnet man den Extraktzehalt
 der Bierwürze, mit dem sie zur Gärung anzestellt
 wird. Es handelt sich dabei um einen berriebstechnischen
 Begriff, den der Brauer, der Kürze
1alber unter Fortlassung des Wortes Stammwürze,
in Prozenten ausdrückt. So spricht er bei Bieren
mit 12% Stammwürzegehalt von zwölfprozentigen
Bieren. Vor dem Weltkriege war in den Kreisen des

57

VI. Hygiene und Zusammensetzung des Bieres.
Sobald das Bier auf dem Lagerfaß fertig ausgereift
ist, wird es auf Transportfässer oder -flaschen abgefüllt.
 Gerade weil nunmehr der Brauer sein Erzeugnis
 anderen Händen übergibt, sorgt er in Fortsetzung
 seiner streng hygienischen Grundsätze nun
noch einmal dafür, daß nach Möglichkeit alles dem
Bier ferngehalten wird, was seine Haltbarkeit und
seinen Geschmack beeinträchtigen könnte. Ist er
schon während des ganzen Werdeganges des Bieres
darauf bedacht, Gefäße und Leitungen peinlich sauber
zu halten, so spielt die Reinigung und Desinfektion
der Transportfässer und -flaschen eine ganz besondere
 Rolle. Die Maschinenindustrie hat daher
dieser Seite der Ausrüstung der Brauereien einen
großen Teil ihrer Arbeit gewidmet. Denn nichts
Schlimmeres gibt es für den Brauer, als wenn sein
bezüglich Farbe, Schaumhaltigkeit, Kohlensäuregehalt,
 Geschmack und Geruch einwandfreies Erzeugnis
 sich nachträglich unter dem Einfluß von
Infektionen auf dem Transportgefäß ungünstig verändert.
 Aus diesem Grunde betrachtet der Brauer
seine Arbeit auch nicht mit dem Verkauf des Bieres
als beendet, sondern er trachtet danach, sein Bier auf
den Wegen nach und in der Kundschaft weiter zu
verfolgen. Richtige Lagerung des Bieres, saubere
Bierleitungen und Zapfapparate, reine Trinkgefäße
an der Ausschankstätte sind die Vorbedingungen
dafür, daß der Konsument die Früchte der Arbeit des
Brauers unbeschädigt erntet. Nicht immer ist der
Brauer in der Lage, auf den vielverzweigten Wegen,
die das Bier im Verkehr nimmt, für die richtige
Hygiene zu sorgen, aber er soll und wird alles tun,
was in seinem und der Konsumenten Interesse hier
notwendig ist.
Betrachten wir noch einmal die Eigenschaften des
Bieres im Zusammenhange, so ergibt sich folgendes
Bild:
Rein äußerlich betrachtet, unterscheidet man helle
und dunkle Biere und ist daran gewöhnt, die hellen
        <pb n="59" />
        38 8 Prof. Dr. Friedrich Hayduck, Berlin:
vpiertrinkenden Publikums von diesen Prozentzahlen
kaum etwas bekannt. Erst die Kriegsjahre, in
denen der Stammwürzegehalt aus Gründen der Malzersparnis
 immer weiter herabgesetzt werden mußte,
machten dem Publikum den Wechsel in dem Gehalt
der Biere bemerkbar und die Kennzeichnung der
Biere mit ihrem Stammwürzeprozentgehalt zu einem
allgemein angewandten Begriff. Da der Laie sich
aber ohne Kenntnis der Brauereivorgänge nichts
unter einer „Prozentigkeit‘“ des Bieres vorzustellen
vermag, wurde dieser Begriff bald allgemein mit dem
Alkoholgehalt des Bieres verwechselt und so ist es,
sehr zum Schaden der Brauindustrie, dahin gexommen,
 daß man überall von zwölf- und sechzehnprozentigen
 Bieren spricht und dabei annimmt, daß
der Alkoholgehalt ‚der Biere diesen Zahlen entspreche.
 Tatsächlich liegen die‘ Verhältnisse aber
ganz anders, wie aus der nachstehenden kurzen
Zahlenreihe hervorgeht:

servieren sucht und deren Gehalt im Lagerbier mit
),3 bis 0,4 % in hervorragender Weise zu dem errischenden
 Geschmack des Bieres beiträgt.
VII Die wissenschaftlichen Aufgaben auf dem
Gebiete der Brauerei.
Während sich die Industrien der Chemie, des
“aschinen- und Apparatebaues, der Spinnerei und
Neberei und viele andere auf dem Gedanken der
ıeuen Synthesen und Konstruktionen aufbauen und
lementsprechend die hilfeleistenden Wissenschaften
tets neue erfinderische Wege gehen müssen, hat die
3rauwissenschaft das mit der Landwirtschaftsvissenschaft
 gemein, daß sie in erster Linie berufen
st, gegebene Naturvorgänge aufzuklären und aus
lem Dunkel der Empirie in das Licht planmäßiger
echnologischer Arbeit hinüberzuleiten. Einen großen
Teil dieser Arbeit haben die Brauereien in ihren
3etriebslaboratorien selbst geleistet und werden
je immer zu leisten haben, denn die Brauerei er-’ordert
 in allen ihren Teilen eine äußerst sorgfältige
3etriebskontrolle und diese gibt wiederum auf Grund
les engenZusammenarbeitens zwischenLaboratorium
ind Betrieb die Möglichkeit zu einer Fülle von Be-‚bachtungen,
 aus denen sich zahlreiche wissenschaftiche
 Aufgaben entwickeln. Es gibt wohl keine
adustrie, welche die Brauindustrie in der Vielseitigzeit
 und Sorgfalt der Betriebskontrolle übertrifft, auf
lie allein man fast schon den Begriff der wissen-'chaftlichen
 Arbeit anwenden kann. Daß diese auf
vissenschaftlichen Grundlagen ruhende Betriebs-‚ontrolle
 heute aber Allgemeingut der Brauindustrie
st, hat man den Chemikern, Physikern und
3otanikern zu verdanken, die frühzeitig die Erkenntüsse
 der aufblühenden Naturwissenschaften auf das
jebiet der Brau- und Gärungstechnik anwendeten
ınd im Verein mit klugen und weitblickenden Verretern
 der Brauindustrie Forschungsstätten für
3rauwissenschaft gründeten. Von diesen Stellen,
lie im einzelnen hier nicht genannt sein sollen, ist
in beständig wachsender Strom wissenschaftlicher
*eststellungen in die Brauereibetriebe geflossen und
ı1at dazu geführt, daß das alte Sprichwort „Backen
ind Brauen gerät nicht immer“ heute endgültig abretan
 ist. Ein unendlich reiches Arbeitsfeld lag für
liese Forschungsstätten bei ihrer Gründung vor, das
ich im Laufe der Jahre nicht verkleinerte, sondern,
la man es in fast allen Brauereiabschnitten mit den
\toffwechselumsetzungen lebender Zellen zu tun hat,
mmer mehr erweiterte und vertiefte. Neben wissenchaftlichen
 Großtaten wie der Entdeckung der Malzliastase,
 des Nachweises der Hefe als lebende
flanzliche Zelle, der Reinzüchtung der verschiedeıen
 Heferassen und ihrer Anwendung in der Brauerei,
ijer Entdeckung des Gärenzyms der Hefe, der Aufclärung
 des chemischen Weges des Zuckerzerfalle

Stammgewürze- Alkoholgehalt
 gehalt
4,5—2,5
3,5—4,0
4,0—4,5
6,5—7,0
8
_ „12
= „15
. 23E__ 51

Leichte obergärige Biere ...
Normale untergärige Lagerbiere .
3Zockbier . .. 0.0... .
Porter PUR
Leichte Moselweine . . ... .
Schwere Rheinweine ......
Schwere Südweine . ......
Trinkbranntweine . . .

Aus der Tafel ist ersichtlich, daß der Alkoholgehalt
der Biere stets nur ein Drittel bis ein-Viertel ihres
Stammwürzegehalts beträgt, und daß selbst leichter
Mosel im Alkoholgehalt das stärkst eingebraute Bier,
den Porter, übertrifft. Diese Feststellung ist wichtig,
weil ja gerade das Wesen des Bieres darin besteht,
ein durstlöschendes, erfrischendes, alkoholschwaches
Getränk zu sein, das ohne Schaden auch in kräftigen
Zügen genossen werden kann.
In dem Teil des Bieres, den wir als Extrakt zu bezeichnen
 pflegen, sind alle unvergärbaren Bestandteile
 des Malzes und Hopfens enthalten, die beim
Brauen in die Würze übergehen und bei der Gärung
und Lagerung nicht wieder ausgeschieden werden.
Aus der Fülle dieser Stoffe seien nur genannt:
Dextrin und abgebaute Eiweißstoffe, die einen hohen
Nährwert für die Menschen besitzen; Mineralsalze
in großer Zahl, zum großen Teil an Phosphorsäure
gebunden; Hopfenbitterstoffe, die dem Bier den
feinen herben Geschmack verleihen. Viele von diesen
Stoffen stehen in doppelter Beziehung zum Bier-Konsumenten,
 weil sie einmal für Geschmack, Aussehen
 und Schaumhaltigkeit des Bieres von entscheidender
 Bedeutung sind und weiter, weil sie als
Nähr- und Genußstoffe unmittelbar in den menschlichen
 Stoffwechsel eintreten. Nicht zu vergessen ist
dei alledem die Kohlensäure, die der Brauer während
der ganzen Dauer der Gärung sorgfältie zu kon-
        <pb n="60" />
        If., 1. Wie entsteht das Bier? 59
bei der Gärung und anderer mehr, die zum Teil allge- 3rauer in steigendem Maße als‘ Schüler oder Stumein-wissenschaftlichen
 Forschufgsstätten zu ver- lierender solche Lehranstalten besucht, hat sich das
danken sind, sehen wir die fortschreitende Auf- ıohe wissenschaftliche Niveau entwickeln können,
klärungsarbeit sämtlicher Vorgänge der Brauerei vor las wir heute in der Brauindustrie vor uns sehen.
uns, Die gesicherte Handhabung der Mälzerei auf Tür die technische Leistung des einzelnen ist heute
Grund der Erforschung der chemischen und 10ch immer seine praktische Erfahrung und sein
enzymatischen Zusammensetzung der Gerste, die »raktisches Können entscheidend, aber dieses selbst-Schaffung
 der technologischen Grundlagen des zeschaffene Aktivum muß erweitert und vertieft
Darrens, die planmäßige Leitung der Sudhausarbeit werden durch ein erhebliches Maß von wissenschaftin
 ihrem Zusammenhange mit bestimmten Biertypeh, ichem Rüstzeug. Auf dem Wege zu dieser Erdie
 Auswahl, Pflege und Behandlung der Hefe in und cenntnis ist der deutsche Braumeister immer mehr
außerhalb der Gärung, der Einfluß des Brauwassers iiber den irüheren Begriff des Handwerksmeisters
auf den Charakter des Bieres, stellen einzelne große inausgewachsen, mit dem er nichts mehr als die
Arbeitsgebiete dar, auf denen die wissenschaftlichen, Äiußerlichkeit des Meistertitels gemein hat. Es gibt
von Staat und Industrie getrennt oder  gemein- vohl kaum einen zweiten technischen Stand in
schaftlich unterhaltenen Anstalten der Brauindustrie Deutschland, dessen Arbeit so hohe Anforderungen an
als Führer vorausgegangen sind. Daß alle diese Ge- ıraktisches Können, scharfe Beobachtungsgabe und
biete heute mit den modernsten Methoden der phy- "ähigkeit zur wissenschaftlichen Deutung stellt, wie
sikalischen Chemie bearbeitet werden, ist eine Tat- len Braumeisterstand. Wir dürfen stolz darauf sein,
sache, die kaum erwähnt zu werden braucht. : laß deutsche Gründlichkeit in engem Züsammen-Niemals
 wäre es möglich gewesen, diese Fülle von ı\rbeiten von Praxis und Wissenschaft diesen Stand
wissenschaftlichen Feststellungen in die Brauereien ‚ervorgebracht hat, auf den der Begriff des „wissenzu
 tragen und sie dort zum Allgemeingut der täg- chaftlichen Praktikers“ in hervorragenderem Maße
lichen Arbeit zu machen, wenn die wissenschaftlichen zutrifft und der weit über die Grenzen unseres Vater-Brauereiforschungsstätten
 sich nicht frühzeitig auch andes hoch geachtet ist. Die hervorragende Güte
Lehrstätten angegliedert hätten. Nur dadurch, daß dier deutschen Biere ist ein Lob des deutschen Brauseit
 vielen Jahrzehnten der praktisch ausgebildete meisters.
        <pb n="61" />
        2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau,
Von Dr. Neumann, Dozent an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin.

Der
Gesamtverbrauch der deutschen Brauereien an
Braugerste
befrug in den beiden letzten Rechnungsjahren
April 1926 und 1927 bis März 1927 und 1928 etwa
[2 und 12,8 Mill. dz. Dieser Gesamtverbrauch konnte
nicht vollständig aus der einheimischen Produktion
zedeckt werden, obwohl unsere Sommergerstenernte
{926 sich auf etwa 21,3 Mill. dz stellte und 1927 auf
23.4 Mill. dz zu veranschlagen war.
Nach Abzug unserer Gerstenausfuhr an Brau-,
Brenn- und Futtergersten, die ja nicht getrennt aufgeführt
 werden, sind in den angeführten Berichtsjahren
 noch 2,4 bzw. 2,6 Mill. dz Braugersten eingeführt
 worden, um den an das fertige Malz von
seiten der Brauindustrie gestellten Ansprüchen gerecht
 zu werden.
Diese etwa 23 % des Gesamtbedaris betragende
Cinfuhr ausländischer Brauware repräsentiert immer-3ıin
 noch einen Wert von über 60 Mill. RM., die dem
Binnenmarkt und damit auch unserer Landwirtschaft
fortlaufend verlorengehen. Um diesen dauernden
Verlust aufzuheben oder wenigstens auf einen bescheidenen
 Umfang zurückzuführen und stark einzuschränken,
 müßte mithin etwa die Hälfte der deutschen
 Sommergerstenerzeugung den Anforderungen
entsprechen, die das deutsche Braugewerbe an die
Beschaffenheit ihres Rohstoffes stellt, wenn die
heimische Brauindustrie sich in vollem Umfange auf
die Deckung ihres Bedarfes durch die einheimische
Produktion einstellen will.
Es wird sich nun fragen, ob und wie weit die Erüllung
 dieser Voraussetzung für unsere Gerstenerzeugung
 möglich sein kann und auch möglich sein
wird, und welche Wege hierfür als die gangbarsten
und empfehlenswertesten zu betrachten sind.
Daß die
natürlichen Grundlagen für Menge und Güte unserer
Gerstenerträge
;n den verschiedensten Landesteilen und in unseren
Hauptanbaugebieten vorhanden sind, dürfte wohl
kaum zweifelhaft erscheinen und ebensowenig ist
zu befürchten, daß wir nicht durch Beobachtung und
Innehaltung sicherer und erprobter Anbaumaßnahmen,
 denen sich gleichzeitig eine sachgemäße
Ernte, Lagerung und Herrichtung zum Verkauf, also
2@ine weitere Veredelung des Produktes anschließen
muß, zu befriedigenden, auch den gesteigerten Ansprüchen
 des Brauers und Mälzers zusagenden
SZrnten kommen sollten, die den Rokhstoffbedarf in
ler Hauptsache aus eigenen Erzeugnissen zu decken
vermögen.

Zur Erreichung dieses für Produktion und Konsum
zleich wichtigen und erstrebenswerten Zieles wird
3s nun weniger darauf ankommen, einer weiteren
Vergrößerung der Anbaufläche das Wort zu reden,
ıls vielmehr darauf, immer wieder hinzuweisen, daß
wur eine gesteigerte Qualitätsproduktion einen durch-:chlagenden
 Erfolg verspricht, die Auslandsgersten
‚on unserem Binnenmarkt abzudrängen. Denn die
Nertschätzung dieser Auslandsgersten, in der Haupt-;ache
 böhmische, mährische und dänische Provenienzen,
 denen sich noch Überseequalitäten an-;ichließen,
 beruht nun nicht etwa allein auf einer
rünstigen stofflichen Zusammensetzung des Kornes,
je wird in der Hauptsache mitbedingt durch die
'chon im Hinblick auf die Frachtsätze sehr zute Veraufsvorbereitung
 mit Hilfe von Putz- und Reinigungsnaschinen.
 Man wird auch ferner beachten müssen,
laß für diese Auslandsgersten schon als Exportware
ur gute, feine Posten in Frage kommen werden, und
laß es sich in der Regel, nur um Qualitäten von
ıohem Gebrauchswert handelt. Wollen wir sie also
ait gleichen Waffen bekämpfen und erfolgreich aus
lem Felde schlagen, so müssen unsere Erzeugnisse
ıuch in annähernd gleicher Beschaffenheit auf dem
Varkte erscheinen und dem Käufer fortlaufend zur
’erfügung gestellt werden können.
Solange daher die gerstenbauende Landwirtschaft
ıcht ernstlich an die Aufgabe herangeht, ihre restichen
 Gersten den Auslandsgersten gegenüber kon-&amp;lt;urrenzfähig
 zu machen, wird und kann unsere Braundustrie
 nicht davon abgehen, ihren Bedarf zum Teil
uch im Auslande zu decken. Das freie Spiel des
landels zwischen Angebot und Nachfrage läßt sich
ıicht so weit drosseln, daß die Interessen einer Wirtschaftsgruppe
 zugunsten einer zweiten vernachlässigt
verden können,
Man kann wohl nicht mehr davon sprechen, daß
las ausländische Braugerstenangebot zu billigeren
”7reisen auf den Markt gelangt als das einheimische,
ınd daß aus diesem Grunde so nennenswerte Einuhren
 stattfinden. Es dürfte heute nicht die Kon-:urrenz
 im Preise, sondern die Konkurrenz in der
jüte für das Vordringen ausländischer Brauware
;ntscheidend sein.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß
der Handel
nit einem als hochwertiges Produkt anzusprechenden
ohstoff nach Überwindung aller Hemmungen der
Nachkriegszeit, sich wieder allein nach seiner Qualität
ınd Eignung als Brauware vollzieht, und daß dieser
Jmstand auch für unsere Landwirtschaft ein nicht
ıußer acht zu lassender Faktor sein muß. in der Fr-
        <pb n="62" />
        Il., 2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau. 61
a SA RS SEnlSehe Sale nl AV ZErSI Re were und der eimische Braugerstenbau. ———— nn
kenntnis, daß Produktion und Konsum aufeinander Nur wenn in der Wirtschaft neben Boden und
angewiesen sind, und daß die eine nur mit Rücksicht Klima auch die übrigen Umweltfaktoren den Brauauf
 die Forderungen des anderen eine gedeihliche zZerstenbau begünstigen, wenn es also gelingt, nicht
Weiterentwicklung nehmen kann. Denn an Dutzend- nur in besonders günstigen Jahren feine Qualitäten
gersten, an geringwertigeren Posten, besteht auf dem zu erzeugen, gewinnt die Frage der etwaigen
Braugerstenmarkt nie ein Mangel, sie sind hier stets Ausdehnung der Braugerstenanbanfläche
in reichlicher Menge vorhanden und drücken durch ‚jesondere Bedeutung; ihr kann unbedingt bei den
ihre Gegenwart nur auf die Preise, während eine preisen für Qualitätsprodukte zugestimmt werden,
Qualitätsproduktion stets mit guten Preisen bezahlt ınd ebenso könnte in diesen Fällen eine weitere Verwird
 und mit einem gesicherten, schlanken Absatz ’esserung des Braugerstenbaus selbst durch eine verrechnen
 kann. Denn nur die Qualität der Ware, ejinerte Anbautechnik und Bereitstellung vorteilimmer
 vom Standpunkt des Käufers betrachtet, in afterer Einrichtungen durchaus empfohlen werden.
diesem Falle vom Standpunkt des Brauers und per immer wieder ist darauf hinzuweisen, daß ledig-Mälzers
 aus, wird über ihren Absatz entscheiden. ich die Erreichung hoher Qualitätsstufen, sei es. mit
Es ist ja in der ganzen Welt, selbst im verarmten Jnterstützung der natürlichen Verhältnisse des be-Deutschland,
 immer wieder festzustellen, daß der veffenden Anbauortes oder durch die persönliche
Käufer für gute und zusagende Qualitäten auch willig Tüchtigkeit und durch die Fachkenntnisse des Bebessere,
 höhere Preise anlegt, riebsleiters, hohe Gewinne bringt und dem Gersten-Die
 schwierige jau eine überlegene Stellung in der Wirtschaft
Wirtschaftslage der Landwirtschaft sichert. Die hohe Zahlungsfähigkeit der Abnehmer
macht neben anderen Maßnahmen auch eine ver- nd ihre prompte Bezahlung können hierbei mit in
mehrte Qualitätserzeugung, die einen hochbewerteten %Zechnung gestellt werden.
und gleichzeitig gesicherten Absatz zur Folge hat, Die Finstellung auf Qualität im Sommergerstenbau
zur zwingenden Notwendigkeit. Bei dem jetzt durch ‘st daher in der heute wirtschaftlich so bedrängten
die Landwirtschaft gehenden Zug zur weiteren Ver- ‘age des Landwirtes noch möglich, da sie ohne
edelung unserer Agrarerzeugnisse kann diese Einfuhr »efährliche und _kostenverursachende Betriebsvon
 rund 2,5 Mill. dz Braugerste durch eigene Bereit- ımstellung erfolgen kann. Braugerstenbau dürfte
stellung von in Kornausbildung und stofflicher Zu- m Gegenteil in gewissem Maße betriebsverbilligend
sammensetzung hochwertigen Qualitätsgersten sehr wirken durch eine nicht unwesentliche Entlastung
wohl ausgeschaltet oder wenigstens auf ein erträg- les Düngemittel- und Lohnkontos.
liches Maß zurückgeführt werden. Hinzu kommt noch, daß bei unserer Brau- und Malz-Der
 von unserer Landwirtschaft begonnene Kampf rdustrie durchaus kein Verlangen besteht, ihren
um den Binnenmarkt durch sachgemäße Einstellung Zohstoffbedarf etwa von einem Bezug aus dem Ausauf
 die Bedürfnisse des Marktes als eine der wich- ande abhängig zu machen; beide Industrien haben
tigsten Selbsthilfemaßnahmen zur Sicherung der :jelmehr das größte Bestreben, einen sicheren Inlands-Existenz
 kann gerade hier bei der Produktion der narkt zu erhalten, um sich von hier aus mit. den er-Braugerste
 von einem besonderen Erfolge begleitet ‘orderlichen Posten eindecken zu können. Die von
sein, er erscheint gerade hier besonders aussichts- hnen eingerichteten und fortlaufend unterhaltenen
reich, um die heimische Brauindustrie mit den er- Stellen, sowie die getroffenen Maßnahmen geben den
forderlichen Rohstoffmengen zu versorgen. 3eweis, welche Bedeutung auch von den Konsum-Eine
 verbesserte und vermehrte Qualitätserzeu- &amp;lt;reisen der Erzeugung genügender Ernten von eingung
 in Verbindung mit möglichster Sicherheit und vandfreier und guter Brauaualität im eigenen Lande
Höhe der Erträge sind in gegenwärtigen Zeiten mehr eigemessen wird und wie sie selbst bestrebt sind,
denn je Wirtschaftserfordernisse, denen der Land- ren Teil hierzu beizutragen.
wirt bei seiner Betriebsorganisation und seiner Be- im Zusammenhang hiermit sei auf die Einrichtung einer
triebsführung vornehmlich Aufmerksamkeit schenken esonderen Rohstoffabteilung an der Versuchs- und Lehrmuß.
 Er muß daher immer den Rahmen Im Auge fee tinj er de vo Getemrar DEEEIEE a Gehe
behalten, der ihm durch die natürlichen Verhältnisse aase-Breslau nach dem Kriege gegründeten und von
seines Bodens vorgezeichnet ist. Eine Ausdehnung State geleiteten v z Verein zur SEE aa
der Sommergerstenfläche zur Gewinnung von Brau- Tachten, die Rohstoffversorgung der Brauereien und Mälzereien
ware kann daher nur dort empfohlen werden, wo es ler Menge und Güte nach mit heimischen Erzeugnissen sichergelingt,
 bei normalem Aufwand von Arbeit und Ein- 7 meNen. BES Sachen gas Mel zu erreichen darch auf
richtungen mit großer Sicherheit jährlich feine Brau- Vereinen, durch Flugblätter, Einrichtung von Provinzial- und
qualitäten zu erzeugen. Dort, wo diese Sicherheit „andesgerstenanstalten an den Landwirtschaftskammern, durch
von Natur aus nicht vorhanden ist, soll der Umfang Amlehingen mit KrelebeWwerhen dam And die Mebung unserer
des Sommergerstenbaues eine gewisse Grenze nicht Richtung hin zu fördern und zu unterstützen. Es sei nur erüberschreiten.
 ınnert an die vom „Verein Versuchs- und Lehranstalt für
        <pb n="63" />
        2

Dr. Neumann, Berlin:
KG

.—

Brauerei“ eingerichteten alljährlichen Gersten- und Hopfenausstellungen,
 an die in Tausenden von Exemplaren der Gerste
bauenden Landwirtschaft zugegangenen, in jedent Jahre neu
‚earbeiteten „Winke zur bevorstehenden Braugerstenernte‘“,
an die „Goldenen Regeln für den Braugerstenbau“ u. a. m.
Die Kenntnis von den Bedürfnissen des Brauzerstenmarktes
 bzw. von den berechtigten Anforderungen,
 die Brauer und Mälzer nun einmal an ihren

Zohstoff stellen müssen, bilden naturgemäß die notwendigen
 Grundlagen für einen Oualitätsanbau.
Die Einschätzung der Braugerste richtet sich
nach ihrem Verwendungszweck.
Brauer und Mälzer wollen aus der Gerste Malz
herstellen. und zwar ein zutes Malz, sie wollen aber.
        <pb n="64" />
        1l., 2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau. . 63
um konkurrenzfähig zu bleiben, nicht nur gutes Malz, 'md Ausgeglichenheit der Körner sind die gleichen,
sondern viel gutes Malz gewinnen. lie auch der Landwirt an das Saatgut stellen wird,
Die Verwendung des Rohstoffes für Zwecke der 50 daß sich also nach dieser Richtung hin Saatgut
Mälzerei bedingt vor allem eine gesunde Beschaffen- 1ınd Qualitätsgerste die Hand reichen.
heit des betreffenden Postens, die in einem frischen, Betrachtet man auf den deutschen Braugerstenstrohigen
 Geruch und in einem vorsichtigen Drusch ‘usstellungen in Berlin die dort ausgestellten Muster
zum Ausdruck kommt und hierdurch die Gewähr us allen Anbaugebieten, so fällt ihre gute Herbietet
 für eine normale Keimkraft und Keimfähigkeit, 'ichtung durch sorgsame Putzung vornehmlich auf
die etwa mit 96 % keimkräiftiger Körner bemessen nd es ist eine Freude zu sehen, wie der ganze Einwird.
 Nicht die zerschlagenen halben Körner sind Iruck der Proben schon nach rein äußerer Befür
 die Verarbeitung auf der Tenne gefährlich, sie rachtung ein vorzüglicher geworden ist. Was aber
sind durch die Putzmaschine jederzeit restlos zu ent- ür Ausstellungszwecke als notwendig und zweckfernen
 und können der Ausputzmenge zugeschlagen näßig für einen Erfolg bereits längst erkannt worden
werden; was aber bedenklich ist, sind die durch st, sollte in jedem Falle mehr als bisher auch für die
zu scharfen Drusch gekappten, in der Spitze auf- erkaufsvorbereitung Geltung besitzen und begerissenen
 und nicht selten zum Teil ganz ent- bachtet werden.
spelzten Körner mit abgeschlagenen oder stark ver- Gingen diese erwünschten Eigenschaften konform
letzten Keimlappen; sie lassen sich auch durch die nit den‘ Anforderungen an ein Körnersaatgut, so
besten Reinigungsvorrichtungen nicht entfernen, ver- bilden Farbe, Spelzenbeschaffenheit und Eiweißgehalt
fallen leicht der Überweichung im Quellstock und WVertmomente, die speziell für die Braugerste in Besind
 die Träger einer während der Vermälzung auf ‚racht kommen. — Was nun zunächst
der Tenne sich einstellenden Schimmelvegetation, die .
) . die Farbe
dann auch auf das gesunde Korn übertragen und {ff h ar:
weiter verbreitet wird, ohne daß besondere Abwehr- ein! t, so hat der Gerste bauende Landwirt hierauf
ma Bnahmen dasszen: möglich sind ceinen Einfluß; die Farbe ist ausschließlich von den
Es wird hiernach jeder Gers in roduzeut selbst NVitterungsverhältnissen abhängig und richtet sich
N D ıach dem Jahrgang. Immerhin ist es aber sehr wohl
ermessen können, daß Gerstenposten, wenn sie auch da a . : .
. u x. nöglich, auch in Jahren mit unsicherem Erntewetter
sonst alle Merkmale einer guten Qualität besitzen, li LH de .
. U . Mn ie Farbe vor den Einflüssen ungünstiger Witterungsdoch
 allein schon durch einen nicht sachgemäßen tan Mn ;
. . zerhältnisse durch Puppen zu fünf Garben und Be-Drusch
 um ihre guten Braueigenschaften gebracht 1 Bank . x ,
N na . ecken derselben mit einer mit den Ähren nach unten
werden können und für die Malzherstellung nicht mehr . . .
er zerichteten Sturzgarbe recht wirksam und weitvoll
 verwendungsfähig sind, sofern derartige Drusch- - . was
. . zehend zu schützen. Die Mehrkosten und die Mehrverletzungen
 schon einen in Betracht kommenden . N . .
; . . ırbeit dürften kaum in Frage kommen, da diese
Umfang annehmen. Vornehmlich in trockenen t hode i Ioh en .
Jahren, wenn die Kornhülse schon an und für sich Irntemethode immer lohnend sein wird und auch bei
recht © ken und spröde geworden ist, gewinnt ein ıngünstiger Witterung die Gewinnung einer gesan
 ders vorsich er Dr üoch große Be dentune ; sunden und unter den vorliegenden Verhältnissen be-;
 ) sond eschützten Braugerste ährleistet.
Weiter sind für den Brauer und Mälzer behufs un- HOEES ROSCHN “ x BErSIE BEWA SIE
gestörter, gleichmäßiger Verarbeitung, die sich in Die Feinheit der Spelze,
einer gleichmäßigen Wasseraufnahme in der Weiche lie Brauer und Mälzer sehr schätzen, die in den
und in einem gleichmäßigen Wachstum bzw. in einer einen Querriffelungen und Querfältelungen der Hülse
gleichmäßigen Auflösung auf der Tenne kundgibt, :ıum Ausdruck kommt, zugleich auch ein gewisses
eine gute Ausgeglichenheit und Gleichmäßigkeit der Kriterium darstellt für ein abgeschlossenes günstiges
Körner von Wichtigkeit, Daß es sich hierbei nicht eifestadium in der erlangten Voll- oder zwischen
um schmächtige, dünne, flache Korniormen handeln /oll- und Totreife und die andererseits wiederum den
kann, sondern um bauchige, volle, ausgebildete jeschmack des fertigen Bieres nicht ungünstig zu
Körner dürfte selbstverstähdlich sein. Diese er- eeinflussen vermag, ist zunächst eine Sorteneigenwünschte
 Gleichmäßigkeit der Körner nach Gewicht ichaft. Unsere aus der Hannagerste hervorgeganund
 Form läßt sich aber durch gründliche Reinigung enen Züchtungen, wie die R. Bethgesche Originalerzielen.
 Man erhält eine, wenn auch geringere, aber uchten Nr. 1, 2 und 3, Heines Hanna, Mahndorfer
im Wert bedeutend gesteigerte Braugerstenmenge anna, Friedrichs. Hanna, Rimpans Hanna u. a. m.
und auf der andern Seite mit dem Ausputz ein wert- ınd ebenso die große Reihe der aus den Landgersten
volles Kraftfutter für die eigene Wirtschaft. ıochgezüchteten Sorten wie die Ackermann’schen
„Diese beiden Hauptanforderungen des Brauers und Zuchten aus Irlbach: Danubia, Bavaria, Isaria, die
Mälzers, gesunde, unbeschädigte Beschaffenheit der 'erschiedenen Frankengersten, Eglfinger Hado usw.
Gerste in Verbindung mit der durch sorgsame Ver- :usammen Typen, die den Nutans-A-Gersten (Landkaufsvorbereitung
 zu erzielenden Gleichmäßigkeit rerstentyp) angehören, der jetzt unseren Brau-
        <pb n="65" />
        Dr. Neumann, Berlin:
gerstenbau fast ganz ausschließlich beherrscht,
sind nunmehr sämtlich als fein- und sehr feinpelzige
 Qualitäten anzusprechen. Legen doch schon
die Züchter bei ihren Zuchtarbeiten besonderen
Wert darauf, feinspelzige, dünnhülsige Zuchtprodukte
auf den Saatenmarkt zu bringen. Diese, den einzelnen
 Sorten mitgegebene Eigenschaft wird aber
erst dann voll in Erscheinung treten, wenn dem betreffenden
 Saatgut auch Gelegenheit gegeben wird,
sie besonders entfalten zu können.
Hierzu dürften neben leidlichen Witterungsverhältnissen
 während der Vegetationsperiode auch genügend
 große Aussaatmengen, eine rationelle Ernährung
 der Saat und eine Ernte in dem Stadium
zwischen Voll- und Totreife zu rechnen sein.
Als letzte Werteigenschaft bleibt dann noch
der Eiweißgehalt der Gerste.
Die hohen Anforderungen, die früher in dieser Beziehung
 gestellt worden sind, haben in den letzten
Jahren einer etwas ruhigeren, weniger strengen Aufjassung
 Platz gemacht. So werden auf den alljährlichen
 deutschen Gersten- und Hopfenausstellungen
in Berlin Gersten mit einem Eiweißgehalt bis 10,5 %
mit der höchsten Wertziffer für dieses Prüfungsmoment
 ausgezeichnet, und man kann wohl sagen,
daß ein Proteinanteil von etwa 10 bis 11% als
günstig für die Verarbeitung betrachtet wird. Hierdurch
 ist gleichzeitig auch die Möglichkeit gegeben,
beim Anbau in ausreichendem Maße die Erträge
sicherzustellen und doch dabei die Qualitätsfrage
nicht zu vernachlässigen.
Bevor auf die neuzeitliche, verfeinerte Technik des
Qualitätsanbaus selbst näher eingegangen wird, seien
einige Betrachtungen allgemeiner Natur vorausgeschickt.

Man hat die Gerste als ein Kind der höheren Ackerxsultur
 und als eine anspruchsvolle Pflanze bezeichnet
ınd hat hierdurch treifend zum Ausdruck gebracht,
daß sie hohe Ansprüche sowohl an Boden und.Klima,
wie auch an die Fähigkeit und den Fleiß des Wirtschaftsleiters
 stellt; sie ist die intensivste Getreideart
 und daher bildet ihr rationeller Anbau einen wichtigen
 Kulturfaktor, weil er in sich den Zwang zur
aöheren Ackerkultur trägt und somit eine gewichtige
Triebfeder für die gesamte Bodenkultur
des betreffenden Wirtschaftsbetriebes darstellt.
Ein weiterer Vorzug der Gerste beruht auf ihrer
Fähigheit, im allgemeinen Kälte-, wie Dürreperioden
leichter als alle anderen Getreidearten parieren zu
&amp;lt;önnen, daher hat ein ausgedehnter Braugerstenbau
zerade in den regenarmen und regenärmsten Gegenden
 unseres Landes festen Fuß fassen können. Eng
verbunden mit dieser Fähigkeit steht ihr im Vergleich
zu den anderen Getreidearten geringeres Wasserbedürfnis,
 sie vermag sparsamer mit den vor-‘andenen
 Wasservorräten des Ackers umzugehen,

Ja

vodurch ihr eine Sonderstellung gegenüber dem Hafer
ınd dem Sommerweizen mit seinem größeren
“euchtigkeitsbedürfnis im Frühjahr verliehen ist,
Die Zusammensetzung des Bodens spielt für die
Qualitätsgerstenerzeugung nur in sofern eine Rolle,
ıls sie den Nährstoff- und insbesondere den Wasser-)jedarf
 der Gerste sicherstellen muß. Sind diese Belingungen
 erfüllt, so ist, abgesehen von seinem
&amp;lt;ultur-, Reaktionszustand usw., deren Höhe Beleutung
 allerdings hervorgehoben werden muß, mehr
der weniger bedeutungslos, ob der Boden leichter
der schwerer ist. Daß die Braugerste in den meisten
7ällen, . besonders aber in Trockengebieten, nur auf
nilden, tiefgründigen, besseren Lehmböden mit einem
jestimmten Kolloid-(Humus-)gehalt gute Qualitäten
1ervorbringt, ist lediglich ein Beweis dafür, daß dort
lie Sicherheit für diese Voraussetzungen am größten
st. Wasser in der Hauptbedarifsperiode im Verein
nit einem günstigen Kalkgehalt des Bodens ist mit
ın Hauptfaktor für die Erzielung bester Braugersten.
Ixtreme nach jeder Richtung schließen die Proluktion
 hochwertiger Qualitätsgersten aus.
Trotz ihrer bekannten Anpassungfähigkeit pflegt
ler Einfluß des Klimas auf die Güte der angebauten
3raugerste erheblich zu sein. Versucht man, das
3raugerstenklima in Worten zu charakterisieren, so
ann gesagt werden, daß eine gleichmäßig an-;teigende
 Wärme der Luft von etwa 8°C im April
is 19°C im Juli und eine mit dem zunehmenden
Nachstum gesteigerte Regenmenge von beiläufig
0 mm im April bis zu 70—80 mm im Juli immer der
Intwicklung und der Qualität der Braugerste förderich
 sein werden. Während im April in der Regel
ıoch die Winterfeuchtigkeit des Ackers genügt,
lürfen Mai und Juni Regen bringen, selbst zur Blütezeit
 schadet er nicht, wenn nur Sonne und warmes
Netter nicht zu sehr zurückgedrängt werden. Im
etzten Wachstumsstadium ist ein sonniges und nicht
rar zu trockenes Wetter einer guten Reife sehr zuräglich.

In Anbetracht der sich hieran anschließenden
'peziellen Ausführungen über den Anbau selbst, sei
vorher nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß die
olgenden Maßnahmen aber nur zusammengefaßt
sicheren Erfolg‘ versprechen. Beim Braugerstenınbau
 verbürgen einzelne Maßnahmen an sich noch
ceinen sicheren Erfolg, sondern nur ein Zusammen-'aassen
 und somit ein günstiges Zusammenwirken
ıller qualitätsfördernden Maßnahmen bringen in
lieser Richtung die erstrebte Sicherheit.
Wurde schon eingangs auf die Ansprüche der
3erste an die Bodenbeschaffenheit kurz hingewiesen,
;o seien ergänzend noch folgende Bemerkungen über
3oden und Bodenbearbeitung hinzugefügt. Die ge-»orenen
 Gerstenböden sind die tiefgründigen, milden,
ıumosen Lehmböden in guter Kultur. und mit fehler-Teiem
 Untergrund: sie stehen also unter allen Boden-
        <pb n="66" />
        IL, 2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau. ; 65
Es kann nun hier nicht der Ort sein, eine ganz einzehende
 Besprechung der Maßnahmen zu geben, die
ür eine moderne, verfeinerte und gesteigerte Anbaueechnik
 in Frage kommen, hierdurch würde der
zegebene Rahmen der Abhandlung weit überschritten
verden. Es sei daher nur in großen Zügen auf die
Tauptgesichtspunkte eingegangen. Nähere Erläute-‘ungen
 in dieser Beziehung bieten zur Genüge die
rom „Verein zur Förderung des deutschen Brauzerstenbaues“
 kostenlos zu beziehenden „Winke für
Zen deutschen Braugerstenbau“.
Eine der ersten Voraussetzungen zur Gewinnung
zuter Qualitätsgerste ist der Anbau auf Böden, die
’ereits im Herbst fief gepflügt worden sind. Bei
zünstiger Stellung in der Fruchtfolge nach Hack-’rüchten,
 vorsichtiger Handhabung der Sticksto{fflüngung,
 aber reichlicher Kali-Phosphorsäurez/ersorgung
 und Vermeidung von Dünn- oder Kleeıntersaat,
 ist für eine möglichst frühzeitige Aussaat
Sorge zu tragen, wenn weitere Sicherheiten und
Grundlagen für einen Qualitätsgerstenbau geschaffen
verden sollen.
Bei der
Sortenwahl
verden folgende Gesichtspunkte zu beachten sein.
Ja es eine sog. „beste Sorte“, gleich gut für die
neisten Wirtschaften, nicht geben kann und geben
vird, bleibt es denkbare Aufgabe der Leiter landvirtschaftlicher
 Versuchsringe, für ihre Betriebe die
lurch ihr physiologisches Verhalten den natürlichen
Verhältnissen des Anbauortes besonders angepaßten
Sorten zu ermitteln und für den Anbau zu empfehlen.
Jort, wo diese Möglichkeit nicht besteht, können gersebenenfalls
 auch die Resultate der an anderen
Stellen des betreffenden Gebietes durchgeführten
Sortenanbauversuche in gewissem Ausmaße Vervendung
 finden. Immer aber wird es notwendig
)leiben, bei der Auswertung derartiger Versuche nicht
ıllein nur die Erträge in den Vordergrund zu rücken,
‚sondern ebenso auch durch sachgemäße Einschätzung
tie Brauqualität der Ernte gebührend zu berückıchtigen.

Zur Erzielung vorteilhafterer Preise in den Geyieten
 mit vorherrschend Klein- oder Mittelbetrieben
st die Beachtung des Einheitssortenbaues ebenfalls
ron nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Der
\nbau einer bestimmten Sorte für ganze Gemeinden
ınd Gemarkungen mit annähernd gleichen Bodenind
 Kulturverhältnissen ist dringlichst zu empfehlen,
la Brauereien, Mälzereien, wie auch der Handel be-;onderen
 Wert darauf legen, große, einheitliche
20osten Gerste von gleicher Qualität zu erwerben; sie
verden einen um so höheren Preis bewilligen können,
e umfangreicher der Posten ist, der zum Verkauf
ıngeboten wird. Auch die Verkaufsvorbereitung
nuß in solchen Fällen nach einheitlichen Gesichtspunkten,
 oder noch besser, zentralisiert an einer

arten in unseren Klassifikationssystemen obenan.
Man rechnet aber heute zu den Gerstenböden neben
diesen milden tiefgründigen Lehmböden auch alle
sandigen Lehmböden bis herab zum sandigen Lehm.
Da es den Züchtern gelungen ist, auch für diese
Anbauverhältnisse Sorten auf den Markt zu bringen,
die nicht so hohe Anforderungen an Boden und Klima
stellen, auch auf diesen Böden bei sorgsamer und entsprechender
 Anbautechnik ihre natürliche Befriedigung
 finden und ertragssichere, hochwertige Produkte
 gewinnen lassen. Als
Hauptanforderungen der Gerste an den Acker
können folgende aufgestellt werden:
lL. Das Feld muß sich ohne besondere Schwierigkeit in
einen guten mechanischen Zustand versetzen lassen, eine
weitgehende Zerkrümelung und mürbige Struktur besitzen.

Der assimilierbare Nahrungsvorrat soll sich durch
Düngungsmaßnahmen so gestalten lassen, daß der Stickstoff
 unter den Vegetationsfaktoren in das relative
Minimum gerückt wird.
3. Stauende Nässe muß sich entfernen lassen.
Daher sind sehr zähe und sehr schwere Tonböden
für den Braugerstenbau weniger geeignet, da auf
ihnen die erwünschte krümlige Struktur kaum zu erzielen
 sein wird und jeder Regen den Boden wieder
zusammenschlemmt. Ebenso wird sich auf den
moorigen und unmoorigen, über größere, natürliche
Stickstoffvorräte verfügende Böden ein günstiges
Nährstoffverhältnis im Acker zwischen Kali, Phosphorsäure
 und Stickstoff kaum erzielen lassen und
schließlich sind die der Dränage bedürftigen Felder
für einen erfolgreichen Braugerstenbau gleichfalls
wenig geeignet. ;
Um die Erzielung bester Preise für Braugersten in
besonderer Weise sicherstellen zu können, sind bestimmte
 Maßnahmen in der Anbautechnik zu beobachten
 und innezuhalten. Aber immer wieder sei
darauf hingewiesen, daß die wichtigen Maßnahmen
nur zusammengefaßt sicheren Erfolg versprechen.
Gerade beim Braugerstenbau verbürgen einzelne
Maßnahmen an sich noch keinen sicheren Erfolg,
sondern nur das Zusammenfassen und damit ein
günstiges Zusammenwirken aller qualitätsfördernden
Faktoren bringen in der Richtung die gewünschte
Sicherheit. Durch die Steigerung aller Vegetationsfaktoren
 infolge künstlicher Beeinflussung des Standortes
 wie nach sorgfältiger Sortenwahl, durch sachgemäße
 Bodenbearbeitung und Düngung, richtige
Wahl des Zeitpunktes für die Aussaat und für den
Schnitt, durch weitgehende Pflege der Saat usw. auf
ein Höchstmaß, können auch die dem Gerste produzierenden
 Landwirt sonst durch die natürlichen
Verhältnisse des Anbauortes gezogenen bestimmten
Ärenzen verschoben und weitgehend günstig beeinflußt
 werden, nicht nur in Sicherheit und Höhe der
Erträge, sondern. ebenso in der Richtung einer den
Wert der Ernte weiter steigernden Qualitätsverbesserung.

Die deutsche Brauindustrie der Gerenwart
        <pb n="67" />
        IL, 2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau,
Stelle vorgenommen werden, und nicht minder wird des Erzeugnisses steigern können unter Berückvon
 den Teilnehmern an diesem genossenschaftlichen sichtigung der eventuell hiermit verbundenen Un-Angebot
 die Innehaltung eines richtigen Reife- &amp;lt;x&amp;lt;osten, so wird sein Bestreben, seine Qualitätszustandes
 der Gerste beim Schnitt zu fordern sein. »roduktion zu verbessern und zıu steigern, die natür-Vorbildlich
 nach dieser Richtung hin sind die Be- 'iche Folge sein. Denn die sichere Aussicht auf einen
strebungen der Saatzuchtanstalt Weihenstephan, 1ıöheren geldlichen Gewinn ist immer noch ein
wobei nicht zu verkennen ist, daß gerade der staat esseres Erziehungsmittel als eine ganze Fülle von
liche Rückhalt ihrer Organisationen ihren Erfolgen zuten Ratschlägen und die sonst übliche Propaganda
sine besondere Note gibt. Umfang und Bedeutung nit Hilfe von Broschüren, Flugschriften usw. Der
der bayerischen Brauindustrie haben ebenfalls mit- »ekuniäre Gewinn ist letzten Endes die Triebfeder
geholfen, daß dem Braugerstenbau hier wirtschaft- edes produktiven Handels. Es soll aber andererlich
 eine sehr begünstigte Stellung eingeräumt wird. seits auch nicht verkannt werden, daß eine ver-Die
 Anbaugebiete Thüringen und Württemberg haben ständige Preispolitik der heimischen Brauindustrie
diese Bestrebungen in letzter Zeit ebenfalls mit :benfalls erforderlich ist, die dem Gersteproduzenten
großem Nachdruck aufgenommen, um aus den klei- ‘inen gerechten Entgelt für seinen Mehraufwand an
neren und kleinen Einzelwirtschaften einer Gemeinde Arbeit, Unkosten usw. sichert und eine deutliche
ein Produkt zu erhalten, das die Zusammenfassung ?reisabstufung gewährleistet, die den verschiedenen
zu einem Gesamtposten von erforderlicher Gleich- Jualitätsunterschieden genügend Rechnung trägt.
mäßigkeit gestattet. Nun wird eine der sichersten Maßnahmen zur Fest-Nach
 entsprechender Pflege der Gerstenschläge stellung der Qualitätsstufe des erzeugten Produktes
mit Hilfe von Egge und Hacke ist der iür den Landwirt fraglos die eifrige Beschickung von
Schnitt der Gerste Gerstenausstellungen sein, auf denen für die Einmöglichst
 erst im Stadium zwischen Voll- und Tot- &amp;gt;Cchätzung der Muster durch ein fachmännisches
reife vorzunehmen. Zu frühzeitig geerntete Gersten, _reisrichterkollegium Sorge getragen ist. Es sei in
die oft schon durch ihre unnatürlich helle Färbung diesem Zusammenhang auf die jährlichen und auch
mit einem grünlichen oder blau-grauen Unterton Tühzeitigen deutschen Gersten- und Hopfenausstel-(bleierne
 Färbung) auffallen, pflegen bei der Ver- ungen des Vereins „Versuchs- und Lehranstalt für
arbeitung als Malz im Sudhaus und Lagerkeller oft Srauerei in Berlin“ hingewiesen,
große Schwierigkeiten zu bereiten, die Würzen läutern Die nach erfolgtem Preisrichten sämtlichen Ausschlechter
 ab, und die Biere klären sich mangelhaft. ;tellern zugehenden Ergebnisse des Preisbewerbes
In der Hauptsache dürften stickstoff- (eiweiß-) nit genauer Angabe der für die einzelnen Prüfungsartige
 Körper hierfür verantwortlich zu machen sein, nomente verliehenen Punktzahlen geben zugleich
denn die Ausreifungsvorgänge sind jedenfalls mit orzügliche Hinweise für etwaige notwendige Ändechemischen
 Zustandsveränderungen im Gerstenkorn ungen, sei es in der Düngung, der Sortenwahl oder für
verbunden. Beginnend kurz vor, während und nach irnte, Drusch, Lagerung und Herrichtung der Posten
dem Vollreifestadium sichert dieser Nachreifungs- ‘um Verkauf; sie werden gleichfalls auf etwaige
prozeß auf dem Halm die sich hierbei abspielenden ehler und Mängel aufmerksam machen, die evtl.
arwünschten Kondensations- und Fermentations- "or dem Verkauf der Gerste teilweise noch behoben
vorgänge, die Überführung der stickstoffhaltigen als der in ihrem Ausmaß gemildert werden können, und
Piweißbausteine zu bezeichnenden Bestandteile des eigen an, welche Spitzenleistungen in dem be-Gerstenkornes
 in das vollwertige, hochmolekulare reffenden Anbaugebiet erreichbar sind, und welche
Biweiß. \nforderungen an die Gerstenerzeuger dieser Lage
Nach Beobachtung dieser für die Sicherstellung estellt werden dürfen,
des Qualitätsausfalles so wichtigen Forderung ist die Gelingt es, den nach der Kriegs- und Inflationszeit
nit Mühe und Sorgfalt erzeugte Qualität nicht :nergisch aufgenommenen Wiederaufbau unserer
zuletzt noch durch unvorsichtigen Drusch zu be- Dualitätsgerstenerzeugung mit seinen guten Fortschädigen;
 bereits an anderer Stelle ist hierauf schon chritten und Erfolgen aufrechtzuerhalten und noch
hingewiesen und ebenso hervorgehoben worden, daß veiter zu fördern, gelingt es ferner, den für den
eine sorgsame, endgültige Herrichtung zum Verkauf tesamtbedarf unserer Brauereien noch fehlenden
mit Hilfe von Reinigungs- und Sortiermaschinen un- "eil der heimischen Gersten durch zielbewußte Arbeit
erläßliche Bedingung ist zur Erzielung höchster Be- -leichfalls auf die gewünschte und erforderliche
wertung. Hierdurch wird der Gesamteindruck der DJualitätsstufe zu bringen, so wird hierdurch nicht nur
Gerste als Qualitätsware in höchstem Maße gehoben. lem Erzeuger ein Vorteil erwachsen, sondern auch
Das beste Erziehungsmittel für den Landwirt ist lem deutschen Braugewerbe seine nationale Eigenein
 klares Bild über den Wert seiner Gerste. Kommt rt, deutsches Bier aus deutscher Gerste, erhalten
1ierzu die Kenntnis jener Maßnahmen, die den Wert bleiben.
        <pb n="68" />
        3. Die Mälzerei.
Von Dr. Max Philippe, Berlin.

Zur Bierherstellung braucht der Brauer die
Extraktstoffe der Gerste. Die rohe Gerste ist aber
zur Extraktgewinnurng nicht direkt verwendbar,
Ihre für die Bierbereitung wichtigen im Mehlkörper
aufgespeicherten Reservestoffe, besonders Stärke
und der größte Teil der Stickstoffverbindungen, sind
im Wasser unlöslich und müssen erst in eine lösliche
Form verwandelt werden. Dies geschieht durch die
Tätigkeit von Enzymen, Körpern eiweißartiger
Natur, welche fast alle Umsetzungen im Organismus
bewirken. Nun besitzt die Gerste zwar eine Reihe
von Enzymen, diese sind jedoch entweder in zu
geringer Menge vorhanden oder nicht in der gewünschten
 Form. So hat das Gerstenkorn zwar ein
Enzym Amylase (früher Diastase genannt), welches
gelöste Stärke in Zucker zu verwandeln vermag,
nicht aber eine Amylase, die Stärke lösen kann. Die
Hauptmenge der Enzyme wird erst beim Keimen der
Gerste erzeugt. Aus diesem Grunde läßt der Brauer
seine Gerste künstlich keimen. Während in der
Natur das Keimen des Samenkorns die Entstehung
einer neuen Pflanze zur Folge hat, wobei sämtliche
Reservestoffe aufgebraucht werden, unterbricht der
Brauer den Keimvorgang sofort, sobald genügend
Enzyme gebildet sind und das Korn die sogenannte
Auflösung erhalten hat, welche hauptsächlich hervorgerufen
 wird durch die Einwirkung des Enzyms
Zytase auf die Zellstoffwände, von denen die
Stärkekörner im Mehlkörper eingeschlossen sind.
Die Unterbrechung der Keimung wird dadurch bewirkt,
 daß der keimenden Gerste das Wasser entzogen
 wird; sie wird getrocknet oder, wie der fachmännische
 Ausdruck lautet, gedarrt.
Dem Brauer ist das Keimen nur Mittel zum Zweck;
2s muß mit einem möglichst geringen Verbrauch der
für die Bierherstellung wichtigen Reservestoffe des
Gerstenkorns durchgeführt werden. Dieses künstliche
 Keimen der Gerste und darauffolgende Trocknen
des Keimgutes nennt man Mälzen. Die stoffliche Zusammensetzung
 des Malzes ist für das daraus gebraute
 Bier von allergrößter Bedeutung, sagt doch
schon ein altes Brauersprichwort: „Malz ist die
Seele des Bieres.“ Bei der Herstellung des Braumalzes
 unterscheidet man. folgende Abschnitte:
7. Reinigen und Sortieren der Gerste, 2. Weichen der
Gerste, 3. Keimen der Gerste 4, Trocknen (Darren)
der gekeimten Gerste, des sogenannten Grünmalzes.

Das Reinigen und Sortieren der Gerste,
Die dem Brauer vom Händler oder Landwirt angelieferte
 Gerste muß

vor dem Vermälzen erst gereinigt
verden. Sie enthält bisweilen noch einen Teil der
3rannen, außerdem Schmutz, Spreu, Sackbänder,
Steine, Unkrautsamen, flache, kleine und zerichlagene
 Körner. Zur Herstellung eines gleichnäßig
 gewachsenen und gelösten Malzes ist eine
zleichmäßige Korngröße der verarbeiteten Gerste
ınerläßlich. In der Mälzerei ist für Körner, die beim
Keimen zurückgeblieben sind, keine Zeit, dies nach-‚uholen,
 wie es bei der natürlichen Keimung der Fall
st. Es müssen daher Körner von geringer Größe
mtfernt werden, und ebenfalls zerschlagene Körner,
veil sie nach dem Weichen zur Schimmelbildung
1eigen.
Die Gewinnung der vermälzbaren Gerste geschieht
a Gerstenputzereien durch Reinigung und Sortierung
1ach der Korngröße. Die erforderlichen Maschinen
:tehen am besten in verschiedenen Stockwerken
ıntereinander, damit die Gerste sie bequem nachinander
 passieren kann, ohne besonderer Förderınlagen
 zu bedürfen. Von der Gerstenrampe wird
lie Gerste mittels Transportschnecke zur Wage geıchafft.
 Von hier aus wird sie nach dem Verwiegen
intweder durch Druckluft innerhalb einer Rohreitung
 oder durch einen Elevator (Becherwerk) in
inen Behälter auf den obersten Boden transportiert.
Becherwerke bestehen aus in sich geschlossenen
„ederriemen oder Gurten, an denen in gleichmäßigen
\bständen Becher aus Eisen- oder Stahlblech beestigt
 sind, und die oben und unten über eine Scheibe
aufen. Der aufwärts und abwärts laufende Teil des
3Zecherwerks ist je mit einer Holzverkleidung umzeben.
 In die Becher des sich nach oben bewegenden
3Zurtes wird die Gerste durch eine untere Öffnung
ängeschüttet. Sobald die Becher die obere Scheibe
)assiert haben, kippen sie um, und die Gerste fällt aus
äner oberen Öffnung heraus. Aus dem oberen Beıälter
 fällt die Gerste in einen großen Sammelbehälter
ınd durchläuft nunmehr die verschiedenen Stationen.
Es gibt eine große Anzahl von
Gerstenreinigungsmaschinen;
m allgemeinen bestehen sie aus dem Entgranner,
ner Entstaubungsanlage, verschiedenen Rüttelsieben,
lem Magnetapparat und dem Trieur. Den Entzranner
 bildet ein Mantel aus gerippten Platten, auf
velchem sich auf einer Welle befindliche Stahlflügel
irehen. Die Gerste wird hier durch gegenseitige
zeibung von noch anhaftenden Grannen befreit, und
zleichzeitig werden beigemengte Erdklümpchen zer-1rückt.
 Während die Gerste den Entgranner verläßt.
        <pb n="69" />
        Dr. Max Philippe, Berlin:
wird ein kräftiger Luftstrom durchgesaugt, wobei die
‚eichten Verunreinigungen, kleine Unkrautsamen,
Spreu usw. sich in einem Abscheider sammeln und
der Staub in einem Filter niedergeschlagen wird. Aus
dem Entgranner fällt die Gerste auf verschiedene
Rüttelsiebe, die sich ständig hin und her bewegen.
Das oberste Sieb, das sogenannte Steinsieb, hält die
yanz groben Beimengungen, Strohhalme, Ähren, Sackänder,
 Steine und dergleichen, zurück. Das zweite
Sieb (Körnersieb) scheidet die kleineren Unkrautsamen,
 Erbsen, Bohnen, Wicken usw. ab, während ein
drittes Sieb den Sand durchfallen läßt. Nach dem
Passieren der Rüttelsiebe wird die Gerste meist nochmals
 der Wirkung eines Sauglüfters ausgesetzt. Dann
rieselt sie in dünner Schicht über die Stahlmagnete
3zines Magnetapparates, woran etwa vorhandene
Eisenteile haften bleiben. Nunmehr gelangt die Gerste
in den Trieur. Dieser besteht aus einer Trommel mit
geringer Neigung, die sich langsam dreht und an der
Innenseite mit gefrästen Vertiefungen versehen ist.
Die Größe derselben ist derartig, daß die runden Unkrautkörner
 und halben Gerstenkörner in ihnen Platz
haben, während die ganzen Gerstenkörner, wenn sie
mit der Trommel nur wenig gehoben werden, bereits
wieder herausfallen. Die hängenbleibenden Unkrautsamen
 und halben Gerstenkörner werden bis über die
Mitte der Trommelhöhe gehoben und fallen erst dann
heraus. In der Mitte der Trommel befindet sich eine
Rinne mit Schnecke, deren eine Seite bis fast an die
Trommelwand in mittlerer Trommelhöhe verlängert
ist. Die hochgehobenen Körner fallen in diese Rinne
ınd werden durch die Schnecke wegtransportiert,
während die ganzen Gerstenkörner am Ende der
Trommel unten aufgefangen werden. .
{iermit ist die Reinigung der Gerste beendet, und
as erfolgt die Zerlegung in meist drei Anteile nach der
Korngröße, und zwar in erste und zweite Sorte und
Hintergerste. Diese Arbeit besorgt
der Gerstensortierapparat.
Er besteht aus einem Sortierzylinder, welcher aus geschlitzten
 Blechen hergestellt ist, und gewöhnlich drei
Schlitzweiten, und zwar 2,8, 2,5 und 2,2 mm besitzt.
Außerhalb des Zylinders ist ein Abstreifer angebracht,
ler die eingezwängten Körner wieder in den Zylinder
ıneindrückt, da sonst die Siebfläche allmählich
\mmer kleiner werden würde. Der Zylinder muß sich
langsam drehen und darf keine zu große Neigung
naben, damit auch möglichst alle Gerstenkörner mit
len Sortierflächen in Berührung kommen.
Bei der Gerstenreinigung entsteht naturgemäß eine
ıngeheure Menge Staub. Dieser Staub muß unter
allen Umständen beseitigt werden, denn er ist für das
Mälzereipersonal gesundheitlich schädlich, er verschmiert
 außerdem Maschinen und Apparate, bildet
aine ständige Feuer- und Explosionsgefahr und ist ein
refürchteter Infektionsherd für den Brauereibetrieb.

Die Entstaubung von Gerstenputzanlagen
rfolgt heute überall durch Schlauchfilter, die aus
lichtem Stoff hergestellt sind. Die verstaubte Luft
vird gezwungen, diesen Stoff zu passieren, wobei der
Staub festgehalten wird. Man unterscheidet Druckınd
 Saugschlauchfilter, je nachdem die Luft zur Entstaubung
 durch die Stoffilter gedrückt oder gesaugt
vird. Um den Filtern dauernd eine gute Filtrierfähigeit
 zu erhalten, muß der Staub ständig von den
ichlauchwänden entfernt werden. Dies wird dalurch
 erreicht, daß eine Feder, welche die Filterchläuche
 straff gespannt hält, von Zeit zu Zeit autonatisch
 nachläßt und dann wieder gespannt wird. So
verden die Schläuche schlaff und plötzlich wieder
;traff, wobei der Staub in ein Untergestell oder in
ıntergehängte Säcke abfällt. Die Saugwirkung
vird so lange unterbrochen, bis die Staubteilchen
;jich fest am Boden abgesetzt haben. Während dieser
Zeit wird die Luft durch andere Schläuche geleitet.
äine andere Methode besteht darin, den hängenrebliebenen
 Staub durch rechenartige Vorrichtungen
zu entfernen, die sich dauernd auf und ab bewegen
ınd dabei die Schlauchwände abstreifen.
Aufbewahrung der Gerste.
Die gereinigte und sortierte Gerste kann nun nicht
;ofort vermälzt werden, weil frisch geerntete
jersten eine mehr oder weniger schlechte Keimfähig-'eit
 besitzen. Es würde also evtl. ein hoher Prozentjaatz
 von Körnern gar nicht oder erst später als die
ibrigen ankeimen. Aus diesem Grunde muß die
Gerste erst eine
sachgemäße Lagerung
lurchmachen, die je nach ihrer Beschaffenheit 1 bis
&amp;gt; Monate dauern kann. Durch die Vorgänge, die
sich während dieser Zeit im Innern des Kornes ab-;pielen,
 und die vor allem in einer Wasserverninderung
 bestehen, erhält die Gerste die sogenannte
Jachreifung. Bei der Lagerung der Gerste muß beücksichtigt
 werden, daß dieselbe keine tote Materie
iarstellt, sondern ein Lebewesen. Freilich sind die
‚ebensfunktionen. ‚dieses Organismus auf ein
Aindestmaß beschränkt. Bei der Lebensäußerung
ler Gerste, der Atmung, wird Kohlensäure und
Vasser gebildet, wie bei jeder Verbrennung, und
‚war auf Kosten der Stärke. Je feuchter die Gerste
st, desto stärker atmet sie und um so mehr erwärmt
je sich im Haufen: dabei steigen naturgemäß die
Jerluste an veratmeten Extraktstoffen. Außerdem
immt die Gerste einen muffigen Geruch an, und
Schimmelpilze nehmen überhand. Es ist demnach
iußerst wichtig, die Gerste auf einen für ihre Lagerestigkeit
 erforderlichen Wassergehalt von 12—13 %
„u bringen. Zu diesem Zwecke wird die Gerste auf
3öden ausgebreitet, und zwar ie feuchter sie ist, desto
lünner.
        <pb n="70" />
        IL, 3. Die Mälzerei. &amp;gt; 69
Die Gerstenböden vare verwandelt. Schließlich gibt es noch zahlreiche
bestehen meist aus Holz und müssen frei von Rissen )&amp;gt;Ysteme von Getreidetrocknern, welche die Gerste
und Spalten sein, da sich sonst leicht Ungeziefer on überflüssigem Wasser befreien; auch die Darre
einnistet, besonders der gefürchtete Kornkäfer, &amp;lt;sann dazu benutzt werden. Die Trocknung wird entdessen
 Weibchen seine Eier in das Korn ablegt. Die veder durch Heizgase direkt bewirkt oder durch
ausgekrochenen Larven nähren sich dann von den ”orgewärmte Luft. Sie kann nur langsam erfolgen,
Inhaltsstoffen des Korns. Durch öfteres Umschaufeln Veil die Gerste gegen höhere Temperaturen, und
wird sämtlichen Gerstenschichten Gelegenheit ver- War etwa über 50°C, empfindlich ist und ihre Oberschafft,
 ihr Wasser an die umgebende Luft abzugeben. 1ı1aut Wasserdampf nur schwer durchläßt. Bei
Zugleich wird dadurch eine stärkere Erwärmung und 1öheren Temperaturen leidet die Keimfähigkeit und
damit intensivere Atmung verhindert. Mit zu- zu gleicher Zeit das Enzymbildungsvermögen,
nehmender Trockenheit kann die Gerste dicker gelagert
 werden, zum Schluß bis zu etwa 1 m Höhe.
Bei dem Umschaufeln der Gerste ist darauf zu
achten, daß die Fenster des Gerstenbodens nur geöffnet
 werden dürfen, wenn die Außenluft kälter ist
als die Bodenluft. Da warme Luft mehr Wasser
enthält als kalte, würde wärmere Außenluft der
lagernden Gerste kein Wasser abnehmen können,
sondern im Gegenteil einen Teil ihres Wasserdampfes
 an sie abgeben. Selbstverständlich dürfen
die Fenster bei Regen oder Nebel ebenfalls nicht
geöffnet werden.
Da die flache Lagerung der Gerste auf Böden sehr
viel Flächenraum beansprucht, ist man teilweise zur

Weichen und Keimen der Gerste.
Zum besseren Verständnis der z. T. recht komplizierten
 Vorgänge beim Weichen und Keimen .der
jerste ist die Kenntnis ihrer Inhaltsstoffe und vor
ıllem ihres Baues notwendig.
Das Gerstenkorn hat eine etwas gewölbte Bauchjeite
 und eine flachere Rückenseite. Die Bauchseite
wird durch eine Vertiefung (Bauchfurche) der
zanzen Länge nach geteilt; an ihrem unteren Ende
;itzt eine kleine Borste (Basalborste), die an den
Seiten mit kleinen Härchen besetzt ist. Die Gerste
st, mit Ausnahme der nackten Sorten, mit zwei festen
iußeren Häuten, den Spelzen, umkleidet, welche dem
3igentlichen Korn dicht anliegen, ohne jedoch, mit
hm organisch verwachsen zu sein. Die äußere,
zrößere Rückenspelze (palea inferior) greift etwas
iber die Ränder der inneren, kleineren Bauchspelze
palea superior). Die Rückenspelze läuft in eine
ange dünne Spitze (Granne) aus. Unter den Spelzen
iegen die wirklichen Hüllblätter, und zwar zunächst
las äußere Hüllblatt, die Fruchtschale (Perikarp),
lann das innere Hüllblatt, die Samenschale (Testa).
3eide Hüllblätter bestehen aus mehreren Zellagen
ınd sind miteinander verwachsen. Die Samenschale
st halbdurchlässig (semipermeabel), d. h. sie läßt
ıuır reines Wasser durchwandern (diffundieren),
licht aber im Wasser gelöste Stoffe (Salze). Diese
Zigenschaft ist äußerst wichtig für den Weichrorgang.
 Würde die Samenschale auch gelöste
Stoffe durchlassen, würden die wasserlöslichen
zeservestoffe des Keimlings beim Weichen der
Jerste bald ausgelaugt sein, und der Keimling könnte
verhungern.
Innerhalb der Samenschale liegen die beiden wichigsten
 Bestandteile des Gerstenkornes, der Mehlzörper
 (Endosperm) und die Keimanlage (Embryo).
„etztere macht ungefähr ein Dreißigstel des Kornes
us und liegt auf der Rückenseite am unteren Teil
jes Korns. Das Korn trägt seinen Keimling sozujagen
 auf dem Rücken. Bei der Keimanlage unter-;icheidet
 man die Anlagen des Blattkeimes, die nach
ler Spitze des Korns gerichtet sind, und die Wurzelınlage,
 die sich nach der Basis des Korns streckt,
la wo es in der Ähre angewachsen war. Von der

Tietenlagerung in sog. Silos
übergegangen. Diese Silos sind schachtartige Behälter
 aus Holz, Eisen oder Beton, die bei geringer
Bodenfläche bis zu einer Höhe von etwa 30m ansteigen
 können. Lagerfeste Gerste kann ohne
Schädigung in derartigen Silos aufbewahrt werden.
Bei feuchten Gersten liegt die Gefahr vor, daß das
vorhandene und durch Atmung noch vermehrte
Wasser schwer oder gar nicht entweichen kann.
Hölzerne Silowände saugen das Wasser auf und
geben es allmählich an die Außenluft wieder ab,
eiserne Silos besitzen gar keine Aufnahmefähigkeit
für Wasserdämpfe, die sich daher an den Wänden
niederschlagen und ein Auswachsen und Festrosten
der anliegenden Gerstenpartien bewirken. Mit der
Zeit kann daher der Inhalt des ganzen Silos ineinanderwachsen,
 schimmeln und dumpfig werden. Ist
man zur Aufbewahrung von feuchter Gerste in Silos
gezwungen, muß man mithin für schleunige Trocknung
 Sorge tragen. Zu diesem Zwecke läßt man die
Gerste aus der unteren Siloöffnung herausfallen,
transportiert sie mittels Schnecke nach einem
Becherwerk und mit diesem nach! einem anderen
Silo; dasselbe kann in Rohrleitungen durch Saugund
 Druckluft erfolgen. Durch die mit dem wiederholten
 Transport der Gerste verbundene Bewegung
und Lüftung wird die Feuchtigkeit nach und nach
vermindert. In den sog. Durchlüftungssilos braucht
die Gerste gar nicht umgearbeitet zu werden, sondern
wird durch eingeblasene Frischluft in kurzer Zeit,
efwa zweimal 12 Stunden, getrocknet und in Dauer-
        <pb n="71" />
        Dr. Max Philippe, Berlin:

GC
2DEB.
a

AP a

SD

„0

m SA

nad.

ROAD

PT.

9.d = Rückenspelze, p.8. = Lauchspelze, p.= Fruchtspelze, t. = Samenschale, al=4leuronschicht,
 plum.sch. = Blattscheide, f,...2 = Blatikeime, r.sch. = Wurzelscheide,
„cap. = Wurzelhaube, rad. = Wurzel, ’seut. = Schildchen, ab.ep. = Epithelschicht,
ne. = Schicht entleerter Zellen. end. = Mehlkörper.

Längsschnitt durch das Keimlingende eines Gerstenkörns.

Wurzel ist nur das Hauptwürzelchen vorgebildet, es
ist an seiner Spitze mit einer Schicht Zellen (Wurzelhaube)
 umgeben zum Schutz der neugebildeten
Zellen, die von der Spitze aus wachsen. Das ganze
Würzelchen ist mitsamt seiner Haube in ein Zelllager
 (Wurzelscheide) eingebettet. Die Blattkeime
sind bereits alle in der Anlage entwickelt und ebenfalls
 in eine Scheide eingeschlossen. Nach der Seite
des Mehlkörpers zu besitzt der Keimling als Schutzaülle
 ein Zellgewebe von schildförmiger Form, das
sog. Schildchen (Scutellum), welches auf der dem
Keimling abgewandten Seite durch eine Schicht sehr
lünner, prismenförmiger Zellen abgeschlossen ist, die
»arallel verlaufen und senkrecht zur Richtung des

Schildchens stehen; sie bilden das Aufsaugeepithel.
Dieses Epithel hat die Aufgabe, die Nährstoffe für
len Embryo aus dem Mehlkörper heranzuschaffen;
28 wird in dieser Funktion vom Schildchen unterstützt.
 Das Aufsaugeepithel ist die Wiege der
Enzyme; in seinen Zellen erzeugt der Keimling alle
lie Enzyme, welche er braucht, um die im Mehlkörper
 aufgestapelten in unlöslicher Form vorliegenden
 Vorräte wasserlöslich und damit transportjäähig
 zu machen. Die Epithelzellen sind an ihrer
Basis mit den darunter liegenden Zellen des Schildchens
 fest verwachsen, mit dem oberen Ende stehen
sie in dichter Fühlung mit den benachbarten Zellen
des Mehlkörpers, ohne aber mit ihnen organisch verbunden
 zu sein. Man kann daher den Keimling vom
Mehlkörper trennen, ohne sein Leben zu gefährden.
Bietet man ihm dann ein künstliches Nährsubstrat,
stwa Nährgelatine, so wächst er anstandslos; das-;elbe
 geschieht, wenn man ihm den Mehlkörper eines
ınderen, sogar nicht artengleichen Getreidekorns zur
Yerfügung stellt. Den Epithelzellen direkt gegeniber
 befinden sich mehrere Lagen zusammenge-Jrückter,
 gänzlich inhaltloser Zellen, die bereits zum
Mehlkörper gehören. Die Inhaltsstoffe dieser Zellen
sind vom Keimling im letzten Reifestadium zu seiner
Entwicklung verbraucht worden, während die Zellwände
 selbst übriggeblieben und von dem beim
Wachsen sich ausdehnenden Embryo zusammengepreßt
 wurden. Auf die Schicht der entleerten Zellen
lolgt nun der im Vergleich zum Keimling riesengroße
Mehlkörper. Der ganze Mehlkörper ist zu seinem
Schutze von einer drei- bis vierfachen Schicht dickvandiger,
 rechteckiger Zellen, der Aleuronschicht,
ımgeben. Eine einzelne Zellreihe der Aleuronschicht
ımschließt auch die Keimanlage, Eine dickere
\leuronschicht wäre hier nicht am Platze, weil der
Nurzelkeim und der Blattkeim ‚diese Schicht beim
Nachsen zerreißen müssen, und weil außerdem
ladurch die notwendige Wasserauifnahme, die
jeim Keimling besonders stark erfolgt, erschwert
verden würde. Die Aleuronzellen enthalten in der
lauptsache Eiweiß und Fett. Den Hauptbestandteil
les Mehlkörpers bilden dünnwandige Zellen, die mit
;tärkekörnern angefüllt sind. Diese Zellen sind in
inem feinen, netzartigen Gerüst aus Eiweiß und
ljummistoffen eingebettet. Sind diese Gerüststoffe
a großen Mengen vorhanden, so daß die Zwischenvände
 zwischen den stärkeführenden Zellen voll-&amp;lt;ommen
 ausgefüllt werden, erhält der Mehlkörper
in speckiges, glasiges Aussehen, während er bei
veniger ausgefüllten Zwischenräumen mehr weiß und
nehlig erscheint. Schließlich enthält der Mehlkörper
ıoch mineralische Bestandteile, d. h. Stoffe, die un-‚erbrennbar
 sind, und aus denen die Gerstenasche
usammengesetzt ist. Trockene Gerste enthält
lavon etwa 3,5%. Der größte Teil der Mineral-;toffe
 ist in der Rohfrucht an organische Reste ve-
        <pb n="72" />
        H., 3. Die Mälzerei,
bunden. Erst beim Keimen werden die mineralischen
Anteile durch Enzymtätigkeit frei und haben dann
Gelegenheit, sich mit den ‚durch Spaltung resp.
Oxydation entstandenen Säuren, vor allem Phosphorsäure
 und Schwefelsäure zu rein mineralischen
Körpern zu verbinden.
Die Gerste besteht, wenn man von ihrem Wassergehalt,
 der 12—20 % betragen kann, absieht, aus
stickstofffreien organischen Verbindungen, Eiweißstoffen
 und mineralischen Bestandteilen. Unter den
ersteren bilden den weitaus größten Teil
die Kohlehydrate,
Körper, welche aus Kohlenstoff, Wasserstoff und
Sauerstoff bestehen. Die letzteren beiden Bestandteile
 enthalten sie in dem gleichen Mengenverhältnis
wie sie im Wasser vorkommen, nämlich wie 2 zu 1.
Das allerwichtigste Kohlehydrat der Gerste ist die
Stärke, die als hauptsächlichster Reservestoff in den
Zellen des Mehlkörpers aufgespeichert ist. Ihre
Menge beträgt 60—65 %. Die Gerstenstärke ist der
größte Extraktlieferant bei der Bereitung der Würze.
Als zweites Kohlehydrat ist der Rohrzucker zu
nennen, der zu 0,5—2,0 % im Gerstenkorn vorkommt.
 Er ist hauptsächlich in der Nähe des Keimlings.
 zu finden und dient mit dazu, dessen ersten
Hunger bei seinem Eintritt ins Leben zu stillen.
Neben diesem Zucker enthält feuchte, nicht genügend
ausgereifte Gerste bisweilen noch sehr geringe
Mengen Invertzucker, eine Zuckerart, welche durch
Spaltung des Rohrzuckers entsteht. Das dritte
Kohlehydrat ist die Zellulose oder der Zellstoff, der
etwa 8—10 % der Gerstensubstanz ausmacht. Er
bildet als verholzte Zellulose den Hauptbestandteil
der Spelzen und als parenchymatische oder Hemizellulose
 die Wände der stärkeführenden Zellen des
Mehlkörpers. Die Zellulose der Spelzen wird beim
Mälzen nicht. angegriffen und dient später im Sudhaus
 als wesentlichstes Filtermaterial. In den verholzten
 Zellen enthält die Gerste noch Pentosane,
gummiartige Stoffe, auch Gerstengummi genannt,
und zwar 7—11 %. Sie bleiben zum größten Teil
in den Trebern zurück; nur ein kleiner Teil geht in
Würze und Bier über. Schließlich gehören zu den
in der Gerste vorkommenden kohlehydratartigen
Stoffen Gummistoffe oder Amylane und Pektinstoiffe,
die im Mehlkörper zwischen den stärkehaltigen
Zellen als Kittsubstanz liegen. Zu den stickstofffreien
 organischen Gerstenstoffen gehören die Fette;
sie machen etwa 2—3 % des Kornmaterials aus. Das
Fett befindet sich hauptsächlich in der Aleuronschicht
 und im Schildchen des Keimlings. In den
Spelzen der Gerste sind Gerb- und Bitterstoffe eingelagert;
 von diesen unerwünschten Stoffen wird die
Gerste durch das Weichwasser mehr oder weniger
vefreit.
Nächst der Stärke kommt den

Eiweißkörpern oder Proteinen ;
lie größte Bedeutung als Gerstensubstanz zu. Ihre
Menge schwankt zwischen 8—16 %, normalerweise
zwischen 9 und 13 %, Außer Kohlenstoff, Wasser-;toff
 und Sauerstoff enthalten sie noch Stickstoff, die
“igentlichen hochmolekularen Eiweißkörper auch
Schwefel. Man unterscheidet drei Arten von Gerstenäweiß,
 das Aleuroneiweiß in den Zellen der Aleuronschicht,
 das Gerüsteiweiß oder histologische Eiweiß
zwischen den stärkeführenden Zellen des Mehl-&amp;lt;örpers
 und das physiologische oder Reserveeiweiß
n den Randpartien des Mehlkörpers direkt unter der
\Aleuronschicht.
Das Eiweiß in den stark verdickten Zellen der
\euronschicht, das den letzten Reservestoff bildet,
vird während der verhältnismäßig kurzen künstichen
 Keimung überhaupt nicht angegriffen und
ıleibt in den Trebern. - ;
Das Reserveeiweiß ist bei eiweißreichen Gersten
n so großer Menge unter der Aleuronschicht aufrestapelt,
 daß es dort beinahe gar keine Stärkezellen
ıufkommen läßt, während bei eiweißarmen Gersten
liese Eiweißpartien mit mehr oder weniger Stärkezörnern
 vermischt sind. Die Unterschiede im Eiweißvehalt
 der Gersten treten hauptsächlich beim
veserveeiweiß in Erscheinung.
Das histologische Eiweiß besitzt eine andere Beichaffenheit
 als das Reserveeiweiß; es bildet mit den
3ummistoffen zusammen die sog. Kittsubstanz, in
velche die  Stärkezellen des Mehlkörpers einge-‚ettet
 sind.
Die Hauptmenge des Eiweißes bilden die hochnolekularen,
 unlöslichen Eiweißstoffe, die beim
Seimen z. T. in einfache, lösliche, stickstoffhaltige
%örper durch die Tätigkeit der Enzyme verwandelt
verden. An wasserlöslichen Eiweißverbindungen,
verinnbarem Eiweiß, Albumosen, Peptonen, Amiden
nd Aminosäuren, enthält die Gerste wechselnde
\nteile, die bis. zu 20 % des Gesamteiweißes an-'teigen
 können.
Das Gerüst- und Reserveeiweiß ist nicht in Zellen
ingeschlossen wie die Stärke, sondern liegt frei im
Aehlkörper verteilt. Zu den Körpern eiweißartiger
Jatur gehören im Gerstenkorn auch die Enzyme.
Sie sind ein unentbehrlicher Bestandteil eines jeden
ebenden Organismus, da sie sämtliche mit dem
‚ebensvorgang zusammenhängenden chemischen
zeaktionen ganz wesentlich beschleunigen. Dabei
-‚"leiden sie selbst keinerlei Veränderung, weil sie
elbst nicht aktiv an den Vorgängen teilnehmen. Es
:önnen also. kleine Mengen Enzyme — die nötige
Zeit vorausgesetzt — gewaltige Umsetzungen hervorrufen.

Die Tätigkeit der Enzyme beim Mälzen
besteht entweder in der Oxydation verbrennbarer
Substanzen zu Kohlensäure und Wasser; wobei
        <pb n="73" />
        Dr. Max Philippe, Berlin:
Wärme, also Energie, gewonnen wird, oder in der
Spaltung. unlöslicher, komplizierter Verbindungen zu
einfachen, löslichen. Diese Spaltungen werden meist
ladurch bewirkt, daß an die hochmolekulare Verbindung
 Wasser angelagert (chemisch gebunden)
wird. Diesen Vorgang nennt man hydrolytische
Spaltung oder Hydrolyse. Jedes Enzym hat seinen
desonderen Wirkungskreis, der bisweilen sehr eng
zezogen ist. So gibt es #ür die Spaltung eines jeden
Kohlehydrats ein spezifisches Enzym. Die Enzyme
können nun nicht nur zusammengesetzte Körper in
einfachere zerlegen, sondern sie vermögen auch umgekehrt
 aus einfachen Bausteinen komplizierte Molexüle
 unter Wasserabspaltung aufzubauen. Diese
Enzymtätigkeit heißt Reversion. So wird z. B. die
in den Blättern der Pilanzen gebildete Stärke durch
Hydrolyse in Zucker verwandelt, d. h. löslich gemacht.
 Der Zucker gelangt zur Zeit der Reife in die
Samenanlage und wird hier durch Reversion wieder
in Stärke verwandelt.
Der Enzymgehalt der Gerste
ist nicht bedeutend. Die Gersten enthalten ein
eiweißspaltendes und ein stärkeabbauendes Enzym.
Letzteres, Amylase genannt, ist imstande, gelöste
Stärke in Zucker zu spalten, kann aber die im Mehlkörper
 vorhandene rohe Stärke nicht angreifen. Die
Bildung der stärkelösenden Amylase ist mit das
Hauptziel beim Mälzen. Außerdem findet sich in den
Gersten ein Enzym mit Namen Phyfase, das die un-‚öslichen
 organischen Phosphorsäureverbindungen in
lösliche anorganische Phosphate verwandelt. Auf
Jliese Weise gelangt die für die Hefe als Nähr- und
Reizstoff wertvolle Phosphorsäure in Würze und
Bier. Die meisten Enzyme werden erst während
des Keimens gebildet. Von den mineralischen Bestandteilen
 des Gerstenkorns machen die Hauptmenge
 (etwa 80 %) Phosphorsäure, Kali und Kieselsäure
 der Spelzen aus, dann folgen in absteigender
Menge Magnesia, Kalk, Schwefelsäure und Chlor.
Beim Weichen, das lediglich die Einleitung und
das Anfangsstadium der Keimung bedeutet, und beim
Keimen selbst finden
zahlreiche Veränderungen
sowohl im anatomischen Bau als auch besonders in
der stofflichen Zusammensetzung des Gerstenkornes
statt. :
Die erste gestalfliche Änderung tritt bei der
Wurzelkeimanlage auf. Das Hauptwürzelchen
streckt sich, gleichzeitig dehnen sich auch die umgebenden
 Zellen der Wurzelscheide; dadurch wird
ein Druck auf die Samen- und Fruchtschale ausreübt,
 bis beide zerreißen. Die festen Spelzen werden
dann an der Stelle durchbrochen, an der sie den
geringsten Widerstand leisten, nämlich dort, wo das
Korn an der Ähre angewachsen war und die beiden

2

Spelzen nicht verwachsen sind. Zwischen beiden
Spelzen tritt nunmehr die Wurzelscheide hervor; das
Corn „spitzt“ oder „äugelt“. Inzwischen hat sich das
Jauptwürzelchen um zwei bis vier Würzelchen vernehrt,
 deren gemeinsamen Ausdehnungsbestrebungen
lie Zellen der Scheide nicht mehr standhalten können
ınd bersten. Die drei bis fünf Würzelchen treten
ı1eraus. Die Gerste „gabelt“. Die weißen Würzelhen
 sind mit sehr vielen zarten, glänzenden Wurzelıaaren
 besetzt, denen beim Wachsen des Gerstenzornes
 im Boden das restlose Erfassen der Nährtoffe
 zufällt. Der Blattkeim, der aus mehreren
ibereinander gestülpten Blattanlagen besteht, durchwicht
 zu Beginn der Keimung die Samenschale und
‚schiebt sich zwischen dieser und der Fruchtschale
ıach der Spitze des Kornes vor, wobei er das
Schildchen zur Seite drückt. Bei der natürlichen
Ceimung durchbricht er schließlich die Fruchtschale
ınd die Spelzen und entwickelt sich zum Halm. In
jer Mälzerei läßt man den Blattkeim allerhöchstens
is zur Länge des Kornes wachsen. Es kommt
nanchmal bei langgewachsenen Grünmalzen; die für
yesondere Biertypen notwendig sind, vor, daß der
3lattkeim bei vereinzelten Körnern über die Spelzen
ıinauswächst. Diese übermäßig entwickelten Blattzeime
 nennt man wegen ihrer Säbelform Husaren;
;ie sind auf jeden Fall unerwünscht.
Die stofflichen Veränderungen im keimenden
zerstenkorn sind sehr komplizierter Natur und
verden wohl ausschließlich durch die Tätigkeit von
Inzymen hervorgerufen. Sobald die Lebenstätigkeit
ies Keimlings, die während der Samenruhe beinahe
ränzlich ausgeschaltet war, durch Wasseraufnahme
ınd Sauerstoffzufuhr (Luft) bei geeigneten Wärmerraden
 geweckt wird, beginnt er, die in seiner Nähe
‚efindlichen wasserlöslichen . Nährstoffe, Zucker,
Imidosäuren und Phosphate zu verbrauchen. Dieser
cleine Vorrat reicht nicht lange, und nun muß sich
ler Keimling nach neuer Nahrung umsehen. In dem
ranz in seiner Nähe befindlichen Mehlkörper sind
Nahrungsmittel in Fülle aufgespeichert, leider aber
nn unlöslicher Form. Sache des Keimlings ist es,
liese Stoffe wasserlöslich und diffusibel (durchässig
 durch Zellwände) zu machen. Zu diesem
Zwecke ist ihm von der Natur die Fähigkeit verliehen
vorden, in den Epithelzellen des Schildchens Enzyme
mtstehen zu lassen, die ihm die gewünschte Arbeit
eisten. Setzt man isolierte Keimlinge mit den
3pithelzellen auf stärkehaltige Nährgelatine, so
indet nach kurzer Zeit ein Anfressen der Stärkezörner
 und eine Verflüssigung der Gelatine (Eiweiß)
;tatt, was nicht der. Fall ist, wenn man vorher die
?pithelschicht entfernt. Auch die Epithelschicht
ıllein bringt keine Enzyme hervor; die Enzymxildung
 ist eben an das Leben gebunden. Nur der
ıungernde Keimling erzeugt Enzyme; bietet man ihm
.eichlich verdauliche Kost. denkt er gar nicht daran.
        <pb n="74" />
        IL, 3. Die Mälzerei.

Enzyme zu schaffen. Wie jeder lebende Organismus,
bedarf auch der Keimling zur Aufrechterhaltung
seiner Lebenstätigkeit der.Atmung. Zur Atmung, die
einen Oxydationsvorgang (Verbrennung) darstellt,
ist Sauerstoff (Luft) notwendig. Sauerstoff wird
durch Enzyme (Oxydasen) auf das Atmungsmaterial,
 das aus Kohlehydraten, Fett usw. besteht,
übertragen und verbrennt diese Körper zu Kohlensäure
 und Wasser, wobei Wärme, also eine Energiequelle
 erzeugt wird. Als Heizmaterial dient dem
Keimling zunächst das im Schildchen befindliche
Fett, das durch ein Enzym Lipase in Glyzerin und
Fettsäuren gespalten wird. Das Glyzerin wird
oxydiert, und die freien Fettsäuren werden in Kohleliydrate
 verwandelt, die teils zur Veratmung, teils
zur Ernährung verwendet werden. Das. Fett ist
ebenfalls schnell zu Ende, und es müssen nunmehr
die Vorräte in dem Riesenspeicher, dem Mehlkörper,
erschlossen werden. Auf dem Wege dahin versperrt
die Schicht der entleerten Zellen den Enzymen den
Durchgang. Diese Zellen müssen vorerst beseitigt
werden. Das besorgt das Enzym Zytase, welches
die Zellenschicht in Zucker verwandelt, der sich in
Wasser löst, in die Zellen des Keimlings diffundiert
und dort teilweise als Nahrung aufgenommen, teilweise
 veratmet wird. Jetzt ist der Mehlkörper für
die Einwirkung der Enzyme freigelegt. Ehe die
Enzyme jedoch den Hauptreservestoff, die Stärke,
angreifen können, müssen sie noch zwei Hindernisse
beseitigen; das ist die Kittsubstanz (Gummi-, Pektinund
 Eiweißstoffe) zwischen den stärkeführenden
Zellen und die Zellsäcke, in welche die Stärkekörner
eingeschlossen sind. Die Gummi- und Pektinstoffe
werden durch. Enzyme in zuckerartige Körper abgebaut,
 zum Keimling transportiert und dienen dort
als Nahrung und zur Veratmung. Das Kitt- oder
Gerüsteiweiß wird von den proteolytischen Enzymen,
den Proteasen, in lösliche diffusible Stickstoffverbindungen
 verwandelt. Gleichzeitig wird auch
das mehr in den Randpartien, besonders an der
Bauchfurche verteilte Reserveeiweiß von den eiweißabbauenden
 Enzymen in Angriff genommen. Zwei
Proteasen teilen sich in die Arbeit; die Pepsinase
löst die hochmolekularen Eiweißverbindungen und
baut sie zusammen mit dem im Korn bereits vorhandenen
 löslichen Eiweiß bis zu den Albumosen und
Peptonen ab, während die Peptidase diese Körper in
die einfachsten Stickstoffverbindungen, in Amide und
Amidosäuren umwandelt. Das. Reserveeiweiß wird
beim Keimen verhältnismäßig leicht in wasserlösliche
schleimige Substanzen von zäher Beschaffenheit übergeführt,
 dagegen finden die Proteasen beim Gerüsteiweiß
 viel größeren Widerstand. Es wird daher
auch nicht so weitgehend verändert wie das Reserveeiweiß,
 sondern nur soweit abgebaut, daß die Stärkezellen
 freigelegt werden. Das Eiweiß in den Aleuronzellen
 und ebenso das dort eingelagerte Fett, die

ıllerletzten Reservestoffe, werden bei der kurzen
zünstlichen Keimung überhaupt nicht angegriffen.
Jer größte Teil des Gerüsteiweißes und das gesamte
Aleuroneiweiß machen zusammen das wasserunlösiche
 Eiweiß des Malzes aus und bilden den Hauptwertbestandteil
 der Biertreber.
Der Eiweißabbau
st ein äußerst wichtiger Vorgang beim Müälzen.
‚Ösliche Eiweißkörper bilden später die Stickstoifı1ahrung
 für die Hefe und tragen wesentlich zur Vollnundigkeit
 und Schaumhaltigkeit des Bieres bei. Nur
twa ein Drittel des Eiweißbestandes der Gerste geangt
 in die Würze. Da die proteolytischen Enzyme
angsam: arbeiten, muß der Eiweißabbau in der
Tauptsache während der Keimperiode erfolgen,
ia die kurze Zeit der Würzegewinnung im Sud-1aus
 keine erhebliche Korrektur mehr zuläßt. Soıald
 die Sfärkezellen an einer Stelle bloßgelegt sind,
ritt wiederum die Zytase in Tätigkeit, indem sie die
ıus Hemizellulose bestehenden Zellwände auflöst.
Die Spaltungsprodukte, zuckerartige Stoffe, diffunlieren.
 zum Keimling, wo sie aufgebraucht werden.
Mit fortschreitender Beseitigung der Hemizellulosevände
 der Stärkezellen verliert das Gerstenkorn
nehr und mehr seine Härte und Festigkeit, es wird
nehlig, zerreiblich und erhält damit die sogenannte
‚Auflösung‘. Die Auflösung schreitet parallel der
pithelschicht gegen die Spitze des Kornes vor. Da-7ei
 erfolgt die Lösung der Zellwände an der Rückenseite
 des Kornes, wo das Epithel viel weiter vöorreschoben
 ist, naturgemäß eher als an der Bauch-;eite.
 Außerdem sind die Zellen der Rückenseite die
üngsten in der Entwicklung und ihre Zellwände noch
ım wenigsten verholzt. Manche Gersten lösen sich
eicht, manche schwer. Größere Körner brauchen
ıatürlich eine längere Lösungsarbeit, ebenso trocken
rereifte Gerste, weil die Zellulose ihrer Stärkezellen
ım widerstandsfähigsten ist. Das Gegenteil ist bei
jeregneten und naß geernteten Gersten der Fall, wo
;ich die Zellulose der stärkeenthaltenden Zellen noch
m Aufbau befindet. Eiweißreiche Gersten lösen sich
chwerer als eiweißarme, da das zwischen den
Stärkezellen verteilt liegende Eiweiß den Zugang zu
liesen Zellen mehr oder weniger versperrt. Ein
Malz, bei dem die Auflösung nicht bis zur Spitze fortreschritten
 ist, bezeichnet man als „Malz mit harten
Spitzen“.
Ist endlich mit Hilfe der Proteasen und der Zytase
lie Stärke freigelegt, so beginnt die Tätigkeit der
Stärke abbauenden Enzyme, der Amylasen. Die Erzeugung
 der Amylasen ist mit das Hauptziel des
Nälzers, da diese Enzyme bei der Würzebereitung
lie Hauptarbeit zu leisten haben. Die bereits in der
&amp;lt;ohen Gerste vorhandene Stärke verzuckernde
\meylase wird beim Keimen noch vermehrt, außerlem
 entsteht eine Stärke lösende und verzuckernde

IP
        <pb n="75" />
        Dr. Max Philippe, Berlin:

Analyse. Diese beiden Analysen bauen während
des Keimens einen Teil der Stärke ab zu Malzzucker
‘Maltose). Dieser Malzzucker wird durch ein
weiteres Enzym, Maltase, in Traubenzucker (Dex-(rose)
 gespalten, und ein Teil dieses Traubenzuckers
durch ein Enzym, Mutase, allmählich in Fruchtzucker
 (Lävulose) übergeführt. Sobald beide Zuckerarten
 auf ihrem Wege zum Keimling durch das Zellzewebe
 des Schildchens diffundieren, baut das
Enzym Saccharase (früher Invertase genannt) aus
hnen unter Wasserabspaltung Rohrzucker (Saccharose)
 auf (Reversion).
Der Rohrzucker

ist ein sehr reaktionsarmer Zucker und daher am
wenigsten angreifbar; er bietet außerdem dem Keimling
 eine leicht verdauliche Kost. Es wird jedoch
mehr Rohrzucker veratmet als vom Keimling zur Ernährung
 verbraucht; im ganzen beträgt der Stärkeverlust
 je nach der Art des Mälzens 4—7 %. Da die
Rohrzuckerbildung größer ist als der Verbrauch,
ändet allmählich eine Anhäufung dieses Kohleıydrats
 im Zellgewebe des Keimlings statt. Der
Rohrzucker wirkt wasserentziehend, würde mithin in
größeren Mengen auf die Dauer eine Gefahr für das
Leben des Keimlings bedeuten. Aus diesem Grunde
wird der Überschuß an Rohrzucker in Stärke zurückverwandelt.
 Der Reaktionsverlauf ist sehr kompliziert;
 wahrscheinlich wird der Rohrzucker zuerst
in seine Komponenten, Traubenzucker und Fruchtzucker,
 gespalten, der letztere durch eine Mutase in
Traubenzucker verwandelt, der Traubenzucker
nittels Maltase zu Malzzucker aufgebaut und aus
diesem mit Hilfe der Amylase Stärke gebildet. Diese
Stärke (vorübergehende oder transitorische Stärke)
wird im Bedarfsfalle wieder zu Rohrzucker abgebaut.
Die transitorische Stärke besitzt nicht die hochmnolekulare
 Form der Mehlkörperstärke, sondern
ähnelt mehr der löslichen Stärke und kann infolgedessen
 von der in der Keimanlage vorhandenen Roh-Fruchtamylase
 abgebaut werden. Man nennt die
Gerstenamylase im Keimling Translokationsamylase
und die während der Keimung erst entstandene
Malzamylase im Mehlkörper Sekretionsamylase.
Während die Amylasen bei der natürlichen Keimung
die Hauptarbeit zu leisten haben, nämlich die gesamte
 Stärke zu hydrolysieren, ist ihre Tätigkeit bei
der künstlichen Keimung ziemlich gering, da das
&amp;lt;ostbare Nahrungsmittel und Heizmaterial Stärke
so viel als nur irgend möglich geschont werden muß.
Erst bei der Gewinnung der Extraktstoffe des Malzes
im Sudhaus sind diese Enzyme die unentbehrlichsten
Gehilfen.
Weitere, sehr wichtige enzymatische Vorgänge
beim Mälzen sind die Veränderungen der Mineralstoffe.
 So wird ‚die in der Gerste enthaltene
[nosithexaphosphorsäure (Phytin) durch das Enzym

&amp;gt;hytase gespalten in Inosit (sechswertiger Alkohol
nes reduzierten Benzols, also ohne Doppelbindung)
ınd mineralphosphorsaures Salz.

Praxis des Weichens und Keimens der Gerste.
Weichen.
Dem im Erdboden ruhenden Samenkorn wird die
um Keimen notwendige Wassermenge durch die
ıtmosphärischen Niederschläge allmählich zugeführt,
;o daß die Entwicklung des Keimlings ununterırochen
 vor sich geht. Bei der künstlichen Keimung
n der Mälzerei erfolgt die Wasserzufuhr in wesentich
 kürzerer Zeit durch das Weichen der Gerste.
Dies geschieht in den Gerstenweichen (Weichder
 Quellstöcke), die heutzutage größtenteils aus
;chmiedeeisen hergestellt werden. Diese innen und
‚ußen mit einem Anstrich versehenen eisernen
Veichen haben zylindrische Form und einen
richterförmigen Boden. . Ihr Standort ist am vorteilıaftesten
 zwischen Gerstenboden und Tenne. Der
Nasserzulauf findet am besten vom Boden aus statt,
vo sich auch eine runde, 15—20 cm weite Öffnung
Ausweichöffnung) zum Ablassen der mit Wasser
nehr oder weniger gesättigten (quellreifen) Gerste
‚efindet. Oben ist ein Überlauf angebracht, durch
ien das Schmutzwasser ablaufen kann. Durch ein
xeb wird hier die mit dem Wasser abfließende
‘cChwimmgerste zurückgehalten. Zum Waschen und
‚üften der Gerste sind am Boden ringförmige Rohrsitungen
 angebracht mit Löchern, durch welche
jruckluft gepreßt werden kann. Zur wirksameren
Aischung und Lüftung dienen vertikale, innen hohle
;teigrohre, unter denen sich Düsen befinden, durch
velche Druckluft in diese Rohre gedrückt werden
cann. Zum Umlagern und gleichzeitigen Lüften eralten
 die Steigrohre einen deckelartigen Aufsatz
ait seitlichen weiten Schlitzen. Die durch die Düsen
‚epreßte Druckluft saugt Wasser und Gerste an,
eißt das Gemisch im Steigrohr hoch und schleudert
iasselbe durch die Schlitzöffnungen nach allen
jeiten aus. Zur bloßen Lüftung werden die Steigoohre
 oben fest geschlossen, so daß die Luft unten an
lien Rohröffnungen austreten muß, und das ganze
Neichgut durchdringt.
Die Wasseraufnahme der Gerste erfolgt haupt-Ächlich
 durch röhrenförmige Gefäße, die zwischen
*rucht- und Samenschale liegen und an der Kornaasis
 münden. Durch diese Tracheen steigt das
Vasser hoch und dringt allmählich in das Innere des
Cornes ein. Die verdickten Zellen der Spelzen und
ler Fruchtschale lassen nur schwer Wasser hinjurch.
 Die Wasseraufnahme erfolgt in den ersten
Stunden ziemlich lebhaft, um dann immer langsamer
u verlaufen. Nach 38stündigem Weichen werden
äglich nur noch etwa 2% Wasser aufgenommen.
Jen Gesamtwassergehalt der Gerste nach beendetem
        <pb n="76" />
        II, 3. Die Mälzerei.
Weichen nennt man den Weichgrad. Er. ist abhängig
 von dem beabsichtigten Malztypus und
schwankt im allgemeinen zwischen 42 und 48 %. Mit
dem in der Weiche aufgenommenen Wasser muß die
Gerste während der ganzen Keimdauer im allgemeinen
 auskommen.
Mit dem Weichen der Gerste ist gleichzeitig eine
nochmalige gründliche Reinigung ;
verbunden. Auf trockenem Wege ist es nicht möglich,
 die Gerste von anhaftenden Verunreinigungen,
vor allem von den festsitzenden Bakterien und
Schimmelpilzsporen gänzlich zu befreien.
Während man früher besondere Gerstenwaschapparate
 benutzte, findet heute das Waschen der
Gerste meist in den Weichen selbst statt. Durch das
Wässern werden die Verunreinigungen und. Organismen
 aufgeweicht, so daß sie dann durch kräftige
mechanische Reibung aneinander infolge starker
Luftzirkulation leichter beseitigt werden. Mit Vorteil
wird oft, und zwar als zweites Weichwasser gesättigtes
 Kalkwasser verwendet, welches die durch
Wasser und Luft nicht abgewaschenen Keime abtötet
 oder doch wenigstens in ihrer Entwicklung
stark hemmt. Außer seiner desinfizierenden Wirkung
leistet das Kalkwasser noch insofern gute Dienste,
als es die herben und bitteren Geschmacksstoffe der
Spelzen (Gerbstoffe und Harze) entfernt. Zur Beseitigung
 der unedlen Spelzenstoffe kann ebenfalls
Ätznatron, und zwar 50—100 g pro Hektoliter, benutzt
 werden. Die Konzentration richtet sich naturgemäß
 nach der Dicke der Spelzen.
Kurze Zeit nach dem Einweichen beginnt das ins
Korn eingedrungene Wasser (Vegetationswasser)
die wasserlöslichen Reservestoffe zu lösen und nach
dem Keimling zu transportieren, wo sie als Nahrung
aufgenommen. oder veratmet werden. Gleichzeitig
beginnt die Bildung von Enzymen. Der Keimling ist
in voller Lebenstätigkeit, die sich vor allem an der
starken Atmung erkennen läßt; als Produkt der
Atmung sammelt sich Kohlensäure im Weichwasser
an. Das durch intensive Atmung verursachte große
Sauerstoffbedürfnis des Embryos muß durch genügende
 Luftzufuhr voll befriedigt werden, wenn
derselbe nicht ersticken oder mindestens sehr geschwächt
 werden soll. Bei mangelnder Luftzufuhr
deckt das Korn seinen Sauerstoffbedarf aus seinen
eigenen sauerstoffhaltigen Bestandteilen (intramolekulare
 Atmung), wobei aber nicht die gewöhnlichen
Endprodukte der Atmung, Kohlensäure und Wasser
entstehen, sondern Zwischenstufen, die als Zellgifte
für den Keimling gefährlich sind. Bei nicht genügender
 Sauerstoffversorgung tritt auch leicht eine
zu große Wasseraufnahme des Kornes, die SOgenannte
 Überweiche ein. Das infolge ungenügender
Atmung geschwächte Korn nimmt mehr Wasser auf,

75
ıls ihm gut ist, und wird dadurch in seiner Keimäbhigkeit
 wesentlich geschädigt.
Der praktische Weichvorgang
st im allgemeinen etwa folgender: Zuerst wird das
Wasser, gewöhnlich mit einer Temperatur von 10 bis
12° in die Weiche gelassen, dann folgt die Gerste in
ıcht zu starkem Strahl, wobei mit einer Krücke
lauernd umgerührt wird, damit die leichten Gerstenzörner
 und Verunreinigungen an der Oberfläche des
Vassers schwimmen und dort abgeschöpft werden
gönnen oder in dem Siebeinsatz des Überlaufs aufrzefangen
 werden. Die Schwimmgerste  (0,1—2 %
ler Rohgerste) wird getrocknet und verfüttert, Nach
lem „Einstoßen“ der Gerste wird etwa 1% Stunden
-räftig gelüftet und gleichzeitig gewaschen. Etwa
%—2 Stunden nach dem Einweichen wird das erste
Veichwasser, das den Hauptschmutz enthält, durch
‚eues Wasser von unten ersetzt, während das alte
lurch den Überlauf abfließt, bis es klar läuft. Von
un an findet meist alle 12 Stunden ein Wasservechsel
 statt. Zwischendurch wird das Wasser in
ler Regel zwei bis drei Stunden vollständig abrelassen,
 um Überweiche zu verhüten. Während
lieser Zeit wird 15—30 Minuten trocken gelüftet und
ladurch die Kohlensäure entfernt, die sich infolge
hrer Schwere am Boden des Keimgutes besonders
:tark ansammelt und den Zutritt der Luft teilweise
verhindert. Wird mit wärmerem Weichwasser geırbeitet,
 indem man mit etwa 30—35° beginnt, und
ıllmählich auf 20° heruntergeht, so ist dabei zu beücksichtigen,
 daß die Gerste bei wärmerer Tempe-'’atur
 stärker atmet, also auch mehr Sauerstoff
»raucht, daß bei höheren Wärmegraden eine ganz
rewaltige Vermehrung der Organismen der Gerstenpelze
 erfolgt und die durch Bakterientätigkeit ent-:tandenen
 Fäulnisprodukte die Keimfähigkeit des
Imbryo sehr beeinträchtigen können, und daß
chließlich die Wüasseraufnahme bei wärmerem
Vasser viel schneller stattfindet als bei kaltem. Bei
värmerem Weichen sind mithin folgende Maßıahmen
 erforderlich: starke Lüftung, ausreichende
Jnterdrückung der Schimmelpilze und Bakterien
lurch Desinfektion, Kalkwasser usw., und längere
"rockenpausen. ;
Durch Anwendung der
Warmwasserweiche
vird natürlich die Weichdauer abgekürzt. Eine Ausaugung
 von Inhaltsstoffen des Kornes durch warmes
Nasser ist nicht zu befürchten, da die Samenschale
‚ekanntlich für gelöste Stoffe nicht durchlässig ist.
Jer Weichverlust durch Auslaugen (bis etwa 0,8 %)
‚esteht, abgesehen von verletzten Körnern, aus
Stoffen, die von und aus den Spelzen gelöst werden.
Die Weichdauer richtet sich nach dem beabsichtigten
Malztypus. Das Weichgut für norddeutsche und
        <pb n="77" />
        76
böhmische Malze darf keinen hohen Weichgrad besitzen,
 während für die Herstellung Münchener und
Dortmunder Malze Gersten mit hohem Weichgrad
(Vollweiche) benutzt werden. Es ist daher nötig,
den Weichgrad, d. h. den Wassergehalt der Gerste
in der Weiche von Zeit zu Zeit festzustellen. Der erlahrene
 Mälzer hat seine praktischen Merkmale,
woran er die Höhe des Weichgrades erkennt. So
soll sich bei Vollweiche das Korn über den Fingernagel
 biegen lassen, ohne zu brechen, wobei sich die
Spelzen vom Korn ablösen sollen. Drückt man die
Spitzen des Korns zwischen Daumen und Zeigefinger
gegeneinander, müssen die Spelzen aufspringen; die
Spitzen dürfen dabei nicht stechen. Das Korn soll
sich leicht durchbeißen und mit dem Fingernagel
Juer zerteilen lassen. Das quergeteilte Korn soll, auf
Holz gestrichen, einen kreideähnlichen Strich hervorrufen.


Dr. Max Philippe, Berlin:

ınhaftende Wasser aufzusaugen. Im anderen
7alle, wenn die Gerste beim Ausweichen bereits
len gewünschten Weichgrad besitzt, oder gar
was überweicht sein sollte, wird man den
laufen entsprechend dünner legen und. dadurch eine
ichnellere Trocknung bewirken. Beginnt die Gerste
jereits in der Weiche zu keimen oder nach kurzer
Zeit auf der Tenne, was bei intensiver Anwendung
ijer Luftwasserweiche erreicht werden kann, wird
ler Haufen natürlich ebenfalls dünner ausgebreitet
verden. Der Naßhaufen muß öfter mit einer
Schaufel gewendet (gewidert) werden, weil sonst
lie Körner in den ‚verschiedenen Schichten des
laufens ganz ungleichmäßig trocknen würden. Sojald
 auf den Spelzen Wasser nicht mehr wahr-‚unehmen
 ist, heißt der Haufen „Trockenhaufen“
Nunmehr machen sich die ersten
äußeren Anzeichen der Keimung
jemerkbar. Infolge stärker einsetzender Atmung
vird mehr Zucker zu Kohlensäure und Wasser verjrannt.
 Die Temperatur im Haufen steigt. Der aus
lem Korn austretende Wasserdampf verdichtet sich
ın der verhältnismäßig kalten Oberfläche der
Körner zu flüssigem Wasser (Schweiß). Die Wurzelscheide
 durchbricht die Kornbasis und wird als
veiße Spitze sichtbar. Der Haufen „spitzt“, „äugelt‘“
der „bricht“ (Brechhaufen). Bald treten mehrere
Würzelchen aus der Scheide heraus, die Gerste
gabelt (Gabelhaufen). Die Temperatur im
Haufen beträgt 12—15°. Die Wurzeln saugen
das Verbrennungswasser (Schweiß) begierig
auf. Hierdurch erfolgt ein Ausgleich im

Keimen.
Nachdem die Gerste in der Weiche den gewünschten
 Weichgrad erlangt hat, wird das Ausweichventil
 geöffnet, und das nasse Weichgut fällt
auf die Tenne. I
Tennen
sind kellerartige Räume von 3—4 m Höhe mit vollkommen
 glattem Boden aus Ziegeln, Schieferplatten
oder Zementbeton. Da sie niedrige Temperatur
(10—12°) besitzen sollen, werden sie meist unterirdisch
 angelegt. Oberirdische
 Tennen müssen sehr
starke Umfassungsmauern
haben und gut isoliert sein.
Für gute Ventilation sorgen
Fenster und besondere Luiftschächte.
 Die ausgeweichte
Gerste wird mittels Kippwagen
 nach einer freien
Stelle der Tenne befördert
und dort zu einem viereckigen
 Haufen von 20 bis
höchstens 40 cm Höhe aufzeschichtet
 (Naßhaufen).
Die Höhe des ;
Naßhaufens
richtet sich nach dem
Wassergehalt des. Weichzutes
 und nach der Temperatur
 der Tenne. Soll der
Weichgrad noch etwas eraöht
 werden, die Gerste also
Nachweiche erhalten, wird
man den Haufen höher anjahren,
 wodurch die Wasserverdunstung
 verzögert und
dem Korn Gelegenheit verschafft
 wird. das. der Spelze

R By

Br
bh
Kalb lbodenw.

ale

Ölaa.

Kate

Bere

Mahn

Sanuc

VMälzerei im Länasschnitt.

(Aus den Abbildungen der G.G. B.)
        <pb n="78" />
        Il, 3. Die Mälzerei,
Wassergehalt des Korns, so daß die keimende
Gerste ihren ursprünglichen Weichgrad unter
normalen Verhältnissen während der ganzen Keimperiode
 beibehält. Auch geruchlich ist die gesteigerte
 Lebenstätigkeit im Haufen festzustellen;
es tritt ein charakteristischer Geruch nach geschälten
 frischen Gurken auf, den der Mälzer als
Zeichen für die gesunde Beschaffenheit seines Keimgutes
 gern hat.

27

ı1at eine abkühlende Wirkung, weil dabei eine stärkere
Verdunstung des ” Schweißes eintritt. Gleichzeitig
vird die Atmungskohlensäure aus dem Haufen ent-'ernt
 und frische Luft zugeführt. Mit dem Schweiß
nuß sparsam gewirtschaftet werden, damit das Korn
ıicht austrocknet.
Am 5. oder 6. Tage läßt die Keimenergie im Haufen
"Wachshaufen) oft nach, Die Schweißbildung wird
geringer, die Temperatur steigt nur sehr langsam.
Die Gerste war entweder zu schwach geweicht oder
1atte durch Verdunstung zu viel Wasser verloren.
Dieser Verlust muß durch „Spritzen“ ersetzt werden.
Mit einer feingelochten Gießkanne wird Wasser über
len Haufen gesprengt und derselbe gleich danach
zwecks gleichmäßiger Verteilung des Wassers gevidert.
 Erhält die keimende Gerste im Wachshaufen
1ur schwer die gewünschte Auflösung, oder soll ein
Malz mit besonders weiter Auflösung, z. B. dunkles
Aünchener Malz, hergestellt werden, wird der
JTaufen wieder höher zusammengesetzt und etwa
4 Stunden gar nicht gewidert. Auf diese Weise
verden die Enzyme nochmals angeregt, und auch
jas Wachstum wird wieder lebhafter. Die Wurzelantwicklung
 nimmt zu; die Wurzeln wachsen
greifen) ineinander (Greifhaufen); die Temperatur
steigt auf etwa 20°. Schließlich lassen Schweißildung
 und Wachstum mehr und
nehr nach, und auch die Atmung
wird immer schwächer; der
Haufen befindet sich im letzten
Stadium (Althaufen)., Die Keimlauer
 hängt ab von der Vermälzbarkeit
 der Gerste, dem beabsichtigten
 Auflösungsgrad und
der Art der Haufenführung; sie
beträgt im allgemeinen . sieben
bis neun Tage. Hat die gekeimte
Gerste den gewünschten Auflösungsgrad
 erreicht, wird sie
als „Grünmalz‘ bezeichnet.

Die Kunst des Mälzers
besteht jetzt darin, dafür zu sorgen, daß sich der
Haufen nicht zu stark erwärmt, aber auch nicht zu
weit abkühlt. Stärkere Erwärmung ist verbunden
mit erhöhter Atmung und infolgedessen mit großen
Verlusten an kostbarer Substanz (Zucker, Stärke);
außerdem erfolgt die Auflösung zwar schneller, aber
ungleichmäßig, das Keimlingsende ist bereits überlöst,
 während die Spitzen noch hart sind. Mälzt
man länger, um auch den Spitzen genügende Auflösung
 zu verschaffen, erhält man ein total überlöstes
Malz, aus dem ein tadelloses Bier kaum gebraut
werden kann. Sinkt die Temperatur im Haufen zu
tief, gerät die Keimung ins Stocken oder kommt
überhaupt nicht richtig in Gang. Ein gleichmäßig
gewachsenes und aufgelöstes Malz erfordert einen
langsamen Verlauf des Keimprozesses,
 der am besten durch
möglichst kalte Haufenführung
gewährleistet wird. Die Wärme-,
Wasser- und Luftverhältnisse im
keimenden Haufen werden vom
Mälzer dadurch reguliert, daß er
den Haufen nach Bedarf dünner
legt, weniger oder mehr widert
und nötigenfalls mit Wasser befeuchtet
 (spritzt). Der Gabelhaufen
 wird zur Verhütung stärkerer
 Erwärmung auseinandergezogen.
 Infolge der größeren
Oberfläche erfolgt Abkühlung.
die durch stärkere Wasserverdunstung
 tioch erhöht wird. Die
dadurch hervorgerufene Hemmung
 der Lebenstätigkeit im
Korn wird durch größere Luftzufuhr,
 also stärkere Atmung,
wieder‘ etwas ausgeglichen.
= Etwa am dritten und vierten
Tage erreichen das Wachstum
und die Enzymtätigkeit ihren
höchsten Grad. Der Haufen befindet
 sich im Stadium des Junghaufens,
 in dem eine Temperatur
von 15—17° herrscht. Er muß
noch dünner gelegt und öfter gewidert
 werden. Das Widern

&amp;amp;

Mälzerei im Querschnitt.

Pneumatische Mälzerei.
Die Tennenmälzerei beansprucht
 ausgedehnte Räumlichkeiten
 und zur Bearbeitung der
Haufen reichliches und geschultes
Personal; mechanische Wendeapparate
 sind wenig in Benutzung.
 Außerdem kann nur
während der kälteren Jahreszeit
 (sieben bis acht Monate)
gemälzt werden, falls nicht
Tennen mit Kühleinrichtung
zur Verfügung stehen. Diese
Nachteile sollen durch pneumatische-
 Mälzereianlagen beseitigt
 werden.
        <pb n="79" />
        8

Dr. Max Philippe, Berlin:

Von diesen kennt man Kasten- und Trommelsysteme,
 je nachdem die geweichte Gerste in Kästen
der Trommeln gebracht wird. In beiden Behältern
wird das Keimgut mechanisch gemischt, in den
Kästen durch vertikale, schraubenartige Vorrichtungen,
 in den Trommeln durch langsames Drehen
derselben. Diese Art der Mischung hat natürlich
nicht dieselbe Wirkung wie das Widern auf der
Tenne, besonders da das Keimgut in viel dickerer
Schicht (60—100 cm) liegt. Kühlung und Lüftung
werden daher durch Einblasen oder Durchsaugen von
kalter Luft, die vorher mit Feuchtigkeit gesättigt
worden ist, bewirkt. Der fast ununterbrochene Luftstrom
 verhindert, besonders bei geschlossenen
Trommeln, eine Verdichtung des Atmungswasserdampfies,
 es kann sich also kein Schweiß bilden; sodann
 nimmt er, da er sich in der dicken Gerstenschicht
 erwärmt (warme Luft kann mehr Wasserdampf
 aufnehmen als kalte) einen Teil des verdunsteten
 Wassers mit sich und trocknet dadurch
das Keimgut aus. Es muß aus diesem Grunde öfter
gespritzt werden. Da sich die feuchte Gerste in
hoher Schicht leicht erwärmt, auch die Kohlensäure
aur schwer (in geschlossenen Trommeln gar nicht)
abfließen kann, muß reichlich gelüftet werden, wodurch
 gleichzeitig für Sauerstoffzufuhr gesorgt wird.
Bei den offenen Trommeln und den Keimkästen
stehen die obersten Schichten des Keimgutes mit der
Außenluft in Berührung; daher ist die Gefahr des
Austrocknens und nicht ausreichender Luftzufuhr ge-:inger,
 infolgedessen auch das Lüftungsbedürfnis.
Die Nachteile der pneumatischen Mälzerei liegen
vor allem in der Schwierigkeit, das Keimgut gleichmäßig
 zu lüften, wodurch sich naturgemäß Ungleichmäßigkeit
 der Temperatur, des Wasser- und Kohlensäuregehaltes
 und der Lultversorgung ergeben
können. Bei der Tennenmälzerei hat der Mälzer den
Haufen viel mehr in seiner Gewalt, und es stehen ihm
reichlichere und bessere Mittel zur Verfügung, den
Keimprozeß nach seinem Willen zu leiten. Die Tenne
wird daher heute noch, falls nicht Platzmangel vorliegt,
 fast überall bevorzugt.
Darren. .
Das Grünmalz ist noch kein fertiges Braumalz und
auch keine Dauerware. Es fehlen ihm noch Aroma,
Farbe und Lagerfestigkeit. Diese Eigenschaften verschafft
 ihm die Darre, auf der es getrocknet und geröstet
 wird. Die turmartig gebauten Darren mit
quadratischem oder rechteckigem Querschnitt bestehen
 aus dem Heizapparat, den Drahtblechen
(Horden) für das Malz und den Vorrichtungen zur
Regulierung des Zuges.
Den untersten Teil der Darre bildet
der Darrofen;
aus ihm strömen die heißen Verbrennungsgase in
weite. vielverzweigte Heizrohre aus Blech und aus

liesen durch den Rauchkamin, der in den Umassungsmauern
 liegt, ins Freie. Der Raum mit den
Teizrohren, der zur Erwärmung der Luft dient, heißt
‚Sau“. In diese Lufterwärmungskammer tritt von
ınten durch Kanäle (kalte Züge) frische Luft ein zur
zegelung der Lufttemperatur und,des Zuges. Über
der Sau befindet sich die untere Horde.
Die Horden 2
)jestehen aus gelochtem Blech, Drahtgeflecht oder
unden Drähten in gleichmäßig engen Zwischenäumen,
 so daß die erwärmte Luft bequem hindurchtreichen
 kann. Etwa 2—4 m über der unteren
Torde liegt die obere. Es gibt auch Darren mit drei
lIorden. Jede Horde besitzt einen mechanischen
Nender, der aus einer Welle mit Schaufel besteht.
n der Mitte üer Decke der obersten Horde, die eine
Iöhe von 4—%6 m besitzt, befindet sich ein weiter und
ıoher Dunstschlot, aus dem die mit dem Wasserlampf
 des Malzes gesättigte Luft ins Freie entveicht.
 Zur Erhöhung der
Zugwirkung
egt man den Rauchkamin in den Dunstschlot, wolurch
 Erwärmung der abziehenden Luft eintritt,
ıder man baut einen Ventilator ein.
Das Grünmalz wird zunächst auf die obere Horde
‚ufgetragen. Die weitere Verarbeitung richtet sich
lanach, welche Malzart hergestellt. werden soll.
Jelle Malze vom Pilsener Typus sollen wenig Aroma
ind einen weißen Mehlkörper besitzen, dunkle Malze
‚om Münchener Typus starkes Aroma und einen
nehr oder weniger gelben Mehlkörper. Zur Bildung
ler Farbe sind notwendig Zucker, weit abgebaute Eiveißkörper
 (Aminosäuren) und Wasser. An dem Zu-;:tandekommen
 des Aromas sind hauptsächlich Eiveißstoffe
 beteiligt, weniger Zucker. Farb- und
\romabildung erfolgen bei höheren Temperaturen
uf der unteren Horde. Je höher die Temperatur
:teigt (im Höchstfalle auf etwa 110° im Malz), um so
lunkler und aromatischer-wird das Malz. Voraus-;‚etzung
 dabei ist, daß die erwähnten notwendigen
\bbauprodukte im Malz vorgebildet sind, und Feuchigkeit
 hinreichend vorhanden ist. Auf Grund dieser
Ausführungen ist die verschiedene Behandlung des
irünmalzes auf der Darre gegeben.
Bei der Herstellung von hellem Malz wird man daür
 sorgen müssen, daß möglichst wenig Zucker und
\minosäuren gebildet werden, und das Malz mit nur
‚eringem Wassergehalt höheren Wärmegraden aussesetzt
 wird. Man wird also dem Grünmalz auf der
»beren Horde bei niedrigen Temperaturen möglichst
‚asch den größten Teil des Wassers entziehen. Dajurch
 wird eine kräftige Nachauflösung durch
Enzymtätigkeit und infolgedessen Bildung von Abyaustoffen
 unterbunden und gleichzeitig erreicht, daß
jas Malz gut vorgetrocknet mit nur etwa 8—10 %
Wasser auf die untere Horde gelangt. Dem-
        <pb n="80" />
        /I., 3. Die Mälzerei,
entsprechend wird das Grünmalz auf der oberen 05° im Malz) erreicht ist, der das Malz zwei bis
Horde dünn aufgetragen (12—15 cm hoch, je nach rier Stunden ausgesetzt wird, und wobei eine intenden
 Zugverhältnissen der Darre) und einem starken ive Farb- und Aromabildung stattfindet. Während
Luftzug ausgesetzt, Nach 12 Stunden werden die lies Darrens wird das Malz zwecks Wärmeausgleich
Klappen der Horde geöffnet und das Malz fällt auf )fter gewendet. Infolge der gegeuseitigen Reibung
die untere Horde. Hier wird gleichfalls kräftig ge- sen sich die trockenen Wurzelkeime zum größten
lüftet und die Temperatur allmählich auf Abdarr- "eil vom Malzkorn und fallen durch die Horde in die
temperatur (80—90°) gesteigert, die möglichst lange au, wo sie gesammelt werden. Sie enthalten viel
(drei bis fünf Stunden) eingehalten wird. Z3iweiß und sind daher ein wertvolles Viehfutter.
Ganz anders muß sich das Darren gestalten, wenn Das fertige Malz (Darrmalz) wird -mit 2—4 %
dunkles Malz fabriziert werden soll. Das betreffende Nasser von der unteren Horde abgeräumt. Vor der
Grünmalz, das bereits von der Tenne her eine recht ‚agerung wird es noch einem Reinigungsprozeß
gute Auflösung, also auch Zucker, Aminosäuren und ınterworfen. In Malzputz- und Entkeimungsviel
 Enzyme mitbringen muß, liegt in hoher Schicht naschinen fällt das Malz in einen sich langsam
(20—30 cm) auf der oberen Horde. Die Wasser- Irehenden Siebzylinder, wo es durch eine mit
entziehung erfolgt ganz langsam, der Zug der Darre chlägern oder Flügeln versehene rotierende Welle
wird möglichst eingeschränkt. So entsteht eine mit regeneinander und gegen die Trommelwand gerieben
Wasserdampf gesättigte warme Atmosphäre, bei der vird. Dadurch wird das Malz von dem Rest der
Wachstum und Auflösung des Grünmalzes weitere WVurzelkeime, Staub und lockersitzenden Hülsen-Fortschritte
 machen. Der Gehalt an Eiweißabbau- eilen befreit. Die Wurzelkeime müssen entfernt
stoffen und Zucker, den Grundsubstanzen der Farb- verden, weil sie unangenehm ‘bittere Geschmacksund
 Aromabildung, nimmt ständig zu. Nach toffe enthalten. Nunmehr wird das abgekühlte Malz
24 Stunden kommt das Malz mit 20—25 % Wasser nu Kästen oder Silos aufbewahrt. Bevor es verbraut
auf. die untere Horde. Hier geht der Trocknungs- werden darf, muß es erst die nötige Lagerreife erprozeß
 in demselben langsamen Tempo weiter, bis 1alten, wozu mindestens vier bis sechs Wochen ernach
 etwa 20 Stunden die Abdarrtemperatur (95 bis orderlich sind.

..
«‘
        <pb n="81" />
        4. Der deutsche Hopfenbau.
Dr. Carl Stiegler, München,

I. Die botanische Stellung der Hopienpilanze.
Hopfen, humulus L., gehört der Gattung der
Morazeen an. Das sind ausdauernde Pflanzen mit
rechtswindenden Stengeln, deren Haftfähigkeit durch
rauhe Klimmhaare. erhöht wird. Die Botanik unterscheidet
 zwei Arten von Hopfen: humulus lupulus L.,
ınter welcher Bezeichnung kultivierter und wilder
Hopfen verstanden wird, und humulus japonicus Sieb.
at Zucc., den japanischen Hopfen mit tiefspaltigen,
zezahnten Blättern, der in China, Japan und den
benachbarten Inseln wächst, sich aber keiner Lupulin-Irüsen
 erfreut. Trotzdem wird auch diese Art in
Deutschland manchenorts geschätzt, weil sie sich
mit angenehmer Schnelligkeit bis. zu den höchsten
Balkonen schlingt.
Nur die unterirdischen Teile unseres Kulturhopfens
sind ausdauernd, während die oberirdischen Sprossen
alljährlich den Wintertod sterben und vom Stammstück
 immer aufs neue ersetzt werden müssen. Zu
liesem Zwecke dient der unterirdische Stammteil als
Reservoir, das während der warmen Monate durch
den Fleiß der Pflanze mit Nährstoffen gefüllt wird.
Die aus ihm hervorgehenden Reben setzen sich aus
{nternodien, Gliedern, zusammen, die durch Knoten
zetrennt sind. Die Rebe selbst ist hohl, der Knoten
aicht. Die drei- bis fünflappigen, gegenständigen,
jehaarten Laubblätter sitzen an den Knoten und sind
stets mit einem Paar ganzrandiger Nebenblätter versehen,
 welche der Assimilation der Pflanze dienen.
Das ausdauernde Wurzelsystem des Hopfens ist
zewaltig entwickelt. Die Triebwurzeln dringen bis zu
drei Meter tief in den Boden ein und nehmen erheblichen
 Umfang an. Außerdem senden die unterirdischen
 Stammteile dünnere, mehr horizontal ausstrebende
 Faserwurzeln aus, die für die Nahrungsaufnahme
 der Pflanze eine wichtige Rolle spielen.
Zur Bildung solcher Faserwurzeln sind auch die
»berirdischen Rebenteile fähig, allerdings nur im
Jugendstadium. Pflanzt man einen jungen Reben-'rieb
 in die Erde, so spielt sich hinsichtlich der
Wurzelbildung ein ähnlicher Vorgang ab wie bei
»inem Setzling: Keimwurzeln sprossen zuerst, dann
andere, die sich schließlich zu Triebwurzeln ausilden,
 und endlich Faserwurzeln, die auch aus
jien Knospen unterirdischer Rebenteile entstehen
zönnen*). Das mächtige Wurzelsystem der Hopfen-»flanze
 beweist, daß ihre an den Boden gestellten
Ansprüche ziemlich stark sind. Mit Hilfe der tiefen
Triebwurzeln ist sie imstande, ihre Nährstoffe — zu-*)

 Vergl. Fruwirth, Hopfenbau und Hopfenbehandlung,
Rerlin 1928.

mal den Kalk — auch aus größeren Tiefen heraufzuholen,
 wenn sie in der Bodenkrume {fehlen sollten.
Hopfen ist anemophil. Die Ordnung der Urticineen,
zu denen er gehört, überläßt es dem Winde, den
nännlichen Pollen den weiblichen Fortpflanzungsırganen
 zuzuführen. Als Phanerogame, Blüten-»flanze,
 ist der Hopfen den Angiospermen zugesellt,
yjei denen die Samenanlage von einem aus Fruchtılättern
 gebildeten Fruchtknoten bedeckt ist. Die
zultivierte weibliche Hopifenpflanze trägt normalerveise
 nur weibliche, zu einem Blütenstand, einem
Zapfen, vereinigte Blüten; diese Blüten sitzen
rruppenweise an je einem Absatz des Blütenstandes,
ler sogenannten Spindel, die spiralig verläuft und
nit Filz bedeckt ist. Eine Spindel trägt durchschnittich
 zehn Blütengruppen, bei wildem Hopfen meist
ıur sieben. Die männlichen Blüten, zu Rispen verint,
 haben ein fünfzipfliges Perigon (Blütenhülle)
ınd fünf Staubfäden. Der weibliche Blütenstand ist
ihrenförmig, die männliche Blüte stets allein.
Kommt es zur Befruchtung der weiblichen Blüte,
;o entsteht als Wiege des Keimlings ein vom Perigon
reschütztes Nüßchen. Da die Befruchtung unserer
Culturhopfen streng vermieden wird, kommt es —
venn sich nicht, was verhältnismäßig selten eintritt,
‚urch Parthenokarpie sogenannte Hopfenkörner
»xilden — nicht zur Ausbildung einer Frucht, sondern
ıur eines Fruchtstandes, der jedoch um so reicher ist
ın den die Zapfenblättchen wie goldener Staub
1deckenden Drüsen, dem wertvollen Lupulin. Aus
'en EFpidermiszellen hervorgebracht, ähneln die
‚upulinkörner einem umgestürzten Becher. Die
Japfenblätter selbst enthalten ebenfalls chemische
Zestandteile, die für die Geschmacksrichtung des
3ieres bestimmend sind. An wirksamen Bestandeilen
 enthält der Hopfen ätherisches Hopfenöl, Harz,
3itterstoff, Gerbsäure, Gummi, Mineralstoffe. und
in Alkaloid. Über die Verteilung dieser Bestandeile
 auf die Zapfenteile gibt die folgende, dem
*ruwirthschen Buche „Hopfenbau und Hopfiensehandlumge“
 entnommene Tabelle Auskunft:

OGanzar Zanfan

Mittel aus
verschied,
Angabe

Terteilung nach Wimme
Zapfen- Hopfenblätter
 mehl

nach Prior

Ätherische Öle .... 7,12— 0,5 — | 02
Bitterstoff ......... 5,8 — 7,9 4,68 3,01
4— 7
Harz -...0.0.000000  4,01—15,9 | 8—18 2,00 / 2,01
4— 6
Zerbstoff ......... 12,26— 7,80 2,6 1,61 0,65
3ummi........... — — 5,83 1,26
Zellstoff .......... == 12—16 63,95 8,99
Wasser ......00000. — 12—17 Zn En
V-haltige Stoffe.... — 15—24 — 5
        <pb n="82" />
        IL, 4. Der deutsche Hopfenbau.
Die Ansichten über Wert und Bedeutung dieser
einzelnen Bestandteile hinsichtlich der Bierbereitung
sind geteilt. Die Wissenschaft sieht hier noch ein
umfangreiches Neuland zur Bearbeitung vor sich,
Im übrigen darf ich in dieser Hinsicht auf das nachstehende
 Kapitel K.-R. Max Kirschners „Hopfen und
Braugewerbe“ verweisen.
Wachstumsbedingungen und Wachstumsverhältnisse
der Hopfenpflanze.
Der Hopfen liebt die gemäßigte Zone. Wild
wächst er wohl in allen Erdteilen, kultiviert wird er
aber am meisten in Europa und Nordamerika sowie
in Australien und Neuseeland. Weitaus das größte
Hopfenanbaugebiet liegt in Mitteleuropa; ausgehend
von den östlichen Ländern, ziehen sich Hopfenanlagen
 durch Ostpreußen, Posen, Galizien, Wolhynien,
 die Bukowina, Steiermark und Deutschösterreich
 nach dem Hauptgebiete der Tschechoslowakei
 und Süddeutschlands, um in langen Ausläufern
 über das Elsaß, Lothringen, Burgund in
Nordfrankreich, Belgien und England auszumünden.
Früher an vielen Orten angebaut, hat sich der
Hopfen seit der Ausbildung des Verkehrswesens auf
einzelne Gebiete konzentriert, die ihm besonders
günstige Wachstumsverhältnisse bieten. Er bevorzugt
 nach Süden offene, nach Norden und Osten
geschützte Lagen und leicht erwärmbaren, möglichst
kalkhaltigen Boden mit durchlässigem Untergrund.
Naßkalte Witterung verabscheut er, lehnt aber auch
starke Trockenheit ab; gleichmäßig feuchtwarme
Sommer sind ihm am liebsten, in denen kein
schroffer Temperaturwechsel stattfindet.
Wasser und Wärme sind die markantesten
Wachstumsfaktoren, aber nur in gewissen Grenzen.
Übermäßige Feuchtigkeit im Verein mit üppiger Ernährung
 führt zu abnormer Zapfenbildung, zur Verlaubung.
 Nasse Kälte beeinflußt den Zapfenwuchs
ungünstig und verhärtet die unfertigen Blütenstände.
Überhaupt wird durch derartige Witterungserscheinungen
 das Wachstum der Pflanze gehemmt und zu
vorzeitigem Abschluß gebracht. Ist die Trockenheit
zur Zeit der Zapfenbildung außergewöhnlich groß, so
sterben die Blütenstände ab und werden abgestoßen.
Plötzlich auftretende Hitze entzieht der Pflanze
zuviel Wasser: der Sonnenbrand tritt auf. Gileichmäßige
 Temperatur ist die wichtigste Wachstumsvoraussetzung”).

Fine nicht zu unterschätzende Rolle im Wachstum
des Hopfens spielt das Licht. Das Chlorophyll des
Pflanzenblattes verarbeitet bekanntlich unter der
Finwirkung des Tageslichtes die Kohlensäure der
Luft zu Stärke (CeH:oOs, Amylum). Wird gegen
Abend das Sonnenlicht spärlicher, dann stellt die

81

&amp;gt;flanze ihren Fabrikbetrieb um: sie wandelt die in
Nasser unlösliche Stärke in löslichen Zucker um,
ler nun vom Saftstrom dorthin geleitet wird, wo er
zon der Pflanze gerade gebraucht wird, also zu den
vachsenden Teilen oder in die Reservoirs, in denen
ar, meist in Stärke. zurückverwandelt, bis zur
1ächsten Wachstumsperiode ruht. Zur Spaltung der
&amp;lt;ohlensäure CO, in Kohlenstoff C und Sauer-;toff
 O, benötigt die Pflanze Wärme. Ihre Wärmequelle
 ist die Sonne. Und das Organ, mit dem z.B.
ier Hopfen die Kohlensäure spaltet, ist das im Blatt
jitzende Chlorophyllkorn. Deshalb sind die Blätter
ür die Ernährung der Pflanze durchaus unentbehrich;
 ihre Zerstörung hat unweigerlich den Tod der
&amp;gt;flanze zur Folge. Sind die Blätter‘ zerstört, so
allen die Kohlenhydratsendungen, welche die
Iopfentriebe und -zapfen erhalten, fort, und die
7ruchtzapfen, die überhaupt noch zur Reife gelangen,
ıeiben klein und kümmerlich; In dauerndem
Schatten stehende Pflanzenteile, deren Blattgrünıpparatur
 nicht vollbeschäftigt ist, beginnen übernäbig
 zu wachsen, sie „vergeilen‘“ und bleiben
eich und -schlaff. Die in. eine solche Situation
zeratene Rebe, der vergeilende Trieb, bemüht sich,
lurch rascheres Wachsen aus dem nachteiligen
Schatten herauszukommen, und das geschieht auf
Zosten der Zapfentragenden Seitentriebe.
Unsere verschiedenen Kulturpflanzen stellen ganz
erschiedene Ansprüche an die chemische Zusammenetzung
 des Bodens. Es ist bekannt, daß Lupine z. B.
ceinen ausgesprochenen Kalkboden vertragen kann,
vährend Klee bei Kalkreichtum vortrefflich gedeiht.
jetreide verlangt viel Phosphor und Stickstoff.
Zuckerrüben und Kartoffeln wiederum schätzen das
Cali am meisten. Sellerie braucht viel Chlor und
Meerrettich viel Schwefel. Alle diese Stoffe werden
ron den Pflanzen dem Boden entnommen, und laut
„‚ijebigs Gesetz vom Minimum bestimmt immer der in
reringster Menge im Boden vorhandene Nährstof{ff
lie gesamte Entwicklung der Pflanze. Wenn der
„andwirt nicht weiß, welcher Stoff in seinem Acker
m Minimum ist, so kann er seine Düngung nicht
ichtig regeln und folglich keine Maximalernte er-:‚eugen.
 Hopfen benötigt vor allem Kalk, und an
zweiter Stelle Kali und Phosphorsäure. Die günstige
3inwirkung des Kalkes auf die Hopfenpflanze beruht
ıhysikalisch auf seiner bodenbindenden oder
lockernden Eigenschaft, chemisch auf seiner NeurTalisierung
 der Bodensäuren und biologisch auf
jeinem wohltätigen Einfluß auf die Mikroflora. Kali
ınd Phosphorsäure sind in erheblichen Mengen für
len Aufbau der Pflanzenorgane selbst notwendig,
ıußerdem stärken sie die Widerstandsfähigkeit
regen Krankheiten. Kali beeinflußt auch stark die
„upulinbildung. Sehr wichtig für das Wachstum
jes Hopiens, die Bildung der Blütenstände und
Zapfen ist auch der Stickstoff: von ihm ist an-*)

 Vergl. Dr. Carl Stiegler, Die Entwicklung des Hovyfenbaues
 in der Weltwirtschaft, 1927,
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="83" />
        Dr. Carl Stiegler, München:
scheinend die Ertragsfähigkeit des Hopfens in hohem b) Die jährlichen Kulturarbeiten im Hopfengarten.
Maße abhängig*). Ähnlich wie bei Getreide verlangt der Hopfen ein
Zur Erzeugung eines mittleren Ertrages müssen tiefes Aufackern des Bodens im Spätherbst.
der Hopfenpflanze nach Remy und F. Wagner Zu Beginn der Wachstumsperiode werden die
je Stock zugeführt werden: 100g Kalk, 20—25g Hopfenstöcke aufgedeckt und an ihnen der übliche
reines Kali, 7—8 g reine Phosphorsäure und etwa Hopfenschnitt vorgenommen.
[16 g reiner Stickstoff. Da der Hopfen ein Schlinggewächs ist, gibt man
Bei der Analyse der Trockensubstanz des Hopfens den Hopfenreben, sobald sie eine Länge von 30 bis
fand Wolff als Durchschnittszahlen der einzelnen 410 cm erreicht haben, eine Stütze, um die Hopfen-Stoffe**):
 pflanze möglichst stark der Einwirkung der Luft- und
Sonnenbestrahlung auszusetzen.
Zur Aufleitung der Hopfenrebe
verwendete man in früheren
Zeiten ganz allgemein Stangen.
[n den letzten Jahrzehnten ist
man indes in der Hopfenkultur
immer mehr von der Stangenzur
 Gerüstanlage übergegangen.
Dort, wo der Hopfenbau rationell betrieben wird,
indet man heutzutage nahezu ausschließlich Gerüstınlagen.
 Über das Verhältnis von Stangen- und
Jrahtanlagen in den einzelnen deutschen Anbaurebieten
 lieferte eine Enquete des Deutschen Hopfenjauverbandes
 das nachtstehende Ergebnis:
Verhältnis von Stangen- und Drahtanlagen in den einzelnen
deutschen Hopfenanbaugebieten.

IL. Die Kultur der Hopfenpflanze,
a) Die Anlage eines Hopfengartens.
Das Wichtigste bei der Anlage eines Hopfenyartens
 ist die Wahl des Standortes und des Bodens.
Näheres darüber ist bereits bei der Schilderung der
Wachstumsbedingungen der Hopfenpflanze ausgeführt
 worden. Die Hopfenpflanze verlangt einen
zuten tieifgründigen Boden, am besten mit Sanduntermengung,
 sowie eine geschützte Lage, die
jedoch gute Lüftung und Besonnung ermöglicht.
Das mit Hopfen zu bepflanzende Feld muß vor allem
eine tiefe Bodenlockerung erfahren. Außerdem ist
eine entsprechende Vorratsdüngung vorzunehmen,
besonders dann, wenn die Fläche bisher noch nicht
mit Hopfen bepflanzt war.
Der Anbau erfolgt durch die Verwendung von
Setzlingen, die paarweise bzw. auch einzeln in die
vorbereiteten Pflanzlöcher gelegt und flach mit Erde
vedeckt werden. Die Größe des Standraumes für die
einzelnen Pflanzen richtet sich nach den Bodenverhältnissen.
 Eine allgemein gültige Regel hinsichtlich
 der Bemessung des Standraumes gibt es
aicht. Übliche Entfernungen der Hopfenstöcke sind
nach Fruwirth in Mitteleuropa bei Frühhopfen:
14 :1,4m, das sind rund 5102 Pflanzen je ha;
l,2.: 1,2 m, das sind 6944 Pilanzen je ha; bei Spätnopfen
 1,58 : 1,58 m, das sind 4016 Pflanzen je ha;
L,5 : 1,5 m, das sind 4444 Pflanzen je ha. In England,
Belgien und Nordamerika sind die Pflanzweiten der
Stöcke erheblich größer. Die erstjährigen Hopienstöcke
 werden gewöhnlich nur behelfsmäßig anzeleitet.
 Sie geben im allgemeinen noch keinen oder
nur einen ganz geringen Ertrag, dessen Qualität dem
Ernteerzeugnis der älteren Jahrgänge weit nachsteht.

*) Siehe Hampp, „Mitteilungen des Deutschen Hopfenbauverbandes‘*
 1929,
**) Wolff, Aschenanalyse von landwirtschaftlichen Pro-JAukten.
 1880.

Stangen- | Drahtanlagen
 '! anlagen
0 0/,

VÖlNZzACH a4 HEHE RER
jeisenfeld ....00000000000000001000001000
affenhofen .....00000000000000000040000
Yandistadl 40. er FERNE
ARMEE + er er EHE HR HE FE EEEE
eHENNAUSCH + 1444400
Megenbufg...0.0.00.0000200000000002000000
Jallertau im Mittel in Ya 000000000400

.

100
97
100
95
95
95
na

Malt o.0.0.000000000000100001000110000000
Veustadt mit Aischgrund........0.......
Irlanger Oberland +....0.0..000000000000000
Äinding .....00004
Vürttemberg ohne Tettnanger Gebiet
im Mittel in Yarccsereerreeens

5 85
60 40
97 3
an 10

Baden ...

47 538
a8 %

Die Gerüstanlagen bestehen aus telephonstangen-:hnlichen
 Masten, mit deren Hilfe in sechs bis sieben
Meter Höhe Querdrähte über den Hopfengarten
sezogen werden. Die Pflanze wird nun an senk-"echt
 laufenden Schnüren bzw. Drähten, die wiederum
ın den in der Höhe laufenden Querdrähten befestigt
‚ind, aufgeleitet. Es gibt eine ganze Reihe von
jerüstsystemen, z.B. das Wirthsche System, das
Jeijaksystem, das Elsässer System, das Stambach-;ystem
 usw.*), Die zuerst in den elsässischen Gebieten
*) Siehe: Sondernummer der „Mitteilungen des Deutschen
Topfenhauverbandes‘“, „Gerüstbau“ Nr. 9/10 vom 8. April 1929.
        <pb n="84" />
        IL, 4. Der deutsche Hopfenbau.

83
kurzen Abhandlung nicht
näher eingegangen werden
 kann. Die Ernte des
Hopifens erfolgte früher
efwa um den 20. August
herum, seit der Notwendigkeit
 der Peronosporabekämpfung
 hat sich jedoch
 im allgemeinen die
Reife des Hopfens um
etwa acht Tage hinausgeschoben.
 Die Pflücke
der Hopfenzapfen erfolgt
mittels Handarbeit, Sie
ist eine Saisonarbeit, zu
deren Bewältigung all-Äährlich
 zu Beginn der Hopfienernte Tausende von
Topfenflückern in die großen Hopfenanbaugebiete
ziehen. Die Hopfenernte nimmt je nach Ernteausfall
ınd Witterung 14 Tage bis 3 Wochen in Anspruch.
An’ der pazifischen Küste sollen seit neuester Zeit
sehr gut funktionierende Pflückmaschinen bei den
rroßen Hopfengütern in Verwendung sein. Die
&amp;gt;flückarbeit dieser Maschine soll sauberer und
jesser als die Handpflücke sein. Eine Einführung
lieser Maschinen in den mitteleuropäischen Hopfen-‚jaugebieten
 ist jedoch bis jetzt daran gescheitert,
laß diese Maschine für die kleineren Hopfienbau-‚etriebe
 Mitteleuropas zu kostspielig ist. Über die
ängehende Behandlung, welche der frisch gepflückte
Aopfen, bis er verkaufsfertig ist, noch zu erfahren
ıat, darf ich auf das nachfolgende Kapitel von
Sommerzienrat M. Kirschner verweisen.
I. Produktionskosten des Hopfenbaues.
Die Produktionskostenberechnungen landwirtschaftlicher
 Erzeugnisse leiden bekanntlich sehr
larunter, daß zwischen den einzelnen Zweigen des
andwirtschaftlichen Betriebes innige organische
Nechselbeziehungen bestehen, die eine genaue Abeingeführte

 schiefe Aufleitung
 der Rebe scheint
sich allmählich als die
beste Anleitungsform
durchzusetzen. Als Vorzüge
 der Draht-(Gerüst-)
Anlagen gegenüber den
Stangenanlagen werden
angegeben:
Die Rebe klettert an
Spagat und Draht leichter
 und anfangs auch
rascher als an den Stangen.
 An letzteren müssen
 häufig die Reben
wiederholt angebunden
werden.
Die Stangen bieten verschiedenen
 Hopfenschädlingen günstigen Unterschlupf.
Daher leiden Stangenanlagen mehr unter tierischen
Schädlingen wie Gerüstanlagen.
Bei der Ernte der an Draht oder Spagat aufgeleiteten
Reben ist das Abschneiden derselben nicht notwendig.
Das heute unbedingt notwendige Bespritzen der Pflanzen
gegen parasitäre wie tierische Schädlinge läßt sich bei
Draht-. und Spagataufleitung leichter und besser durchführen
 als bei Stangenaufleitung,
53. Die Gerüstanlage ermöglicht die schiefe Aufleitung.
3. Die Gerüstanlagen kommen in Gegenden mit billigen
Stangenpreisen etwas, in solchen mit hohen Preisen
wesentlich billiger als Stangenanlagen.
Das alljährliche Herausnehmen und Setzen der Stangen
beansprucht mehr Zeit und ist viel kostspieliger als das
Werfen des Spagates oder Aufhängen der Steigdrähte.
Das alljährliche Brennen der Stangen zur Schädlingsbekämpfung
 ist umständlich und verlangt viel Zeit.
Die Stangen nützen sich sehr rasch ab. Damit ist die Aufleithöhe
 innerhalb einer Anlage nach einigen Jahren schon
sehr verschieden und der Pflanzenwuchs sehr ungleich.
Außer den genannten Arbeiten erfordert die
Hopfenkultur, die ja als eine der arbeitsintensivsten
Kulturen anzusprechen ist, noch eine Reihe von
Pflegemaßnahmen, wie z.B. Schädlings- und Krankheitsbekämpfung,
 Verbesserung der Bodenbeschaffenheit
 durch Hacken, Unkrautvertilgung, Ausgeizen,
d.h. Entfernen der überflüssigen unteren Seitentriebe
und Blätter. Düngung usw... auf die im Rahmen dieser

Tovfenbau ums Jahr 1700.

&amp;amp;

Honfengerüstanlage in der Hallertaut.

Hopfenpflücken in der Hallertau.
        <pb n="85" />
        Dr. Carl Stiegler, München: .
grenzung der auf ein bestimmtes Erzeugnis innerhalb
 der Gutswirtschaft entfallenden Produktionskosten
 oft sehr schwierig, wenn nicht nahezu
unmöglich machen. Für den Hopfenbau treffen indes
diese Schwierigkeiten weniger zıu, da hier die
Wechselwirkungen mit den sonstigen Betriebszweigen
 des Gutshofes geringer sind.
Nach Erhebungen, die im Frühjahr 1914 von
Hofrat Prof. Dr. Wagner, dem früheren bayerischen
Hopfenbaukonsulent, vorgenommen wurden, stellten
sich die gesamten Produktionsauslagen einschließlich
der Verzinsung des Bodenkapitals sowie der Steuern
für 1 ha bei intensiver Kultur
in Spalt auf 2119,58 M.,
in Absberg bei Spalt auf 2080,25 M.,
in Wolnzach auf 2139,21 M.

Als besonders vordringliche technische Verbesseungen
 im deutschen Hopfenbau, die zu einer wesentichen
 Steigerung der Erträge führen können, werden
ingegeben:
1. Ersetzung der Stangenanlagen durch Drahtinlagen.
 Über das Verhältnis der Stangen- und
Jrahtanlagen in den einzelnen Anbaugebieten unterichtet
 die obige gebrachte Tabelle. Man ersieht aus
len Ziffern dieser Tabelle, daß, von der Hallertau,
ron Spalt und von dem kleineren Gebiet des Erlanger
Jberlandes (ein Teil des Markt- und Gebirgshopfenzebietes)
 abgesehen, noch ziemlich viel Stangenınlagen
 vorhanden sind, die als eine veraltete
Kulturform betrachtet werden müssen.
2. Schiefe Aufleitung anstatt senkrechte Aufleitung
ler Hopienrebe. Die schiefe Aufleitung der Hopfen--ebe
 führt aus einer Reihe von biologischen Gründen
zu bedeutend höheren Erträgen als die senkrechte
A\ufleitung der Hopfenrebe. Der bayerische Landesnspektor
 für Hopifenbau, Regierungsrat Hampp, beichtet
 hierüber u. a. folgendes:
„Das Sonnenlicht und die Luft haben besseren Zutritt (bei
ler schiefen Aufleitung) zu den Pflanzen. Deshalb entwickeln
icH bei schiefer Aufleitung die Seitenarme der Reben kräfiger,
 der Doldenansatz ist zahlreicher und die Dolden selbst
:Jeichmäßiger; der Ertrag ist in der Regel bedeutend höher
ils bei senkrechter Aufleitung. Ein Hallertauer Hopfenbauer
rntete von zwei unmittelbar nebeneinander gelegenen Hopfenrärten
 von einer 6 m hohen Anlage bei senkrechter Aufleitung
‚ro 1000 Stock 5 Ztr. und bei schiefer Aufleitung 9 Zitr.
Jabei waren die Bodenverhältnisse, die Bodenbearbeitung und
lie Düngung die gleichen, In der Hallertau, wo sich die schiefe
\ufleitung immer mehr einführt, wurden bei der schiefen Aufeitung
 wohl durchweg höhere Erträge und bessere Qualitäten
ırzielt als bei senkrechter Aufleitung. In einigen Gärten
vurden je 1000 Stock 10 bis 12 Ztr. und auch mehr geerntet.
J)erartige Erträge dürften in normalen Jahren bei der üblichen
\ufleitung kaum zu erreichen sein.“
3. Rationelle Düngung. Die Düngung im Hopfenau
 ist heute vielfach noch sehr einseitig und unsachzemäß.
 Es unterliegt keinem Zweifel, daß durch eine
jen individuellen Bodenverhältnissen und den
‘pezifischen Bedürfnissen der Hopfenpflanze wissen-Chaftlich
 genau angepaßte Düngung die Erträge der
Topfenpflanze noch sehr gesteigert werden können.
4. Zweckmäßige Bodenbearbeitung. Die heutige
3odenbearbeitung ist in sehr vielen Fällen eine unsenügende
 insofern, als sie die Ackerkrume zu wenig
ınd vor allem zu wenig tief lockert, die letztere
nsbesondere vor dem Eintreten des Frostes.
5. Ausschaltung des Zwischenfruchtbaues. In
aationell arbeitenden Hopfenanbaugebieten ist der
"wischenfruchtbau glücklicherweise schon längst
ıusgerottet. Dagegen findet sich Zwischenfrucht
mmer noch in sehr starkem Maße in weniger fortveschrittenen
 Hopfenanbaugebieten. Der Zwischenruchtbau
 verhindert a) eine genügende Bodenjearbeitung,
 b) eine notwendige Bekämpfung von
Topfenschädlingen, c) den notwendigen Nährstoffjezug
 aus dem Boden. Der Zwischenfruchtbau muß

Bei einem mittleren Hektarertrag in Spalt und
Absberg von 15 Ztr. und bei einem solchen von
16 Ztr. in Wolnzach ergaben sich an Erzeugungs-Kosten
 per 50 kg:
in Spalt 141,30 M., ;
n Absberg bei Spalt 138,68 M.,
nn Wolnzach 133,69 M.
In den letzten Jahren hat die Landwirtschaftskammer
 von Württemberg eingehende Produkjonskostenberechnungen
 vorgenommen. Um zu
zeigen, wie stark die Produktionskosten, auf den
Zentner umgelegt, sich bei einem Ansteigen der
Hektarerträge vermindern, hat die Landwirtschaftskammer
 Württemberg die Produktionskosten bis zu
ainem PFrtragy von 25 Ztr. pro Hektar berechnet.

1

I jeinalmen
in insgesamt in
MY, Mk.__
bei 9 Ztr. | 261,77 ; D— ATTE A 500,—
„Mm 214,17 51,— ”917,— 256,17 B500.—
„18 183,50 50,— ”006,— | 281,— —
„15 157,— | 4$,— | 8081,— | 204,— —
„» 20 118,— | 45,— Fa 168,— | —
;„ 5 94,— |! 41— 1 8871,— | 135,— —
Der Tabelle darf noch angefügt werden, daß die
Erzeugungskosten pro Hektar ohne den Aufwand
üjür Pilücke, Trocknung und Nachbehandlung für
jeden Ertrag gleich sind. Auf den Zentner umgelegt,
nüssen deshalb die Produktionskosten um so geringer
 werden, je höher der Ertrag ist. Man sieht
dies auch sehr deutlich aus der vorausgehenden
Tabelle,
Eine Verbilligung der Produktionskosten wird sich
in der Hauptsache lediglich in der Richtung einer
Steigerung der Erträge erzielen lassen.
In dieser Hinsicht ist im deutschen Hopfenbau
zweifelsohne, trotz der intensiven Aufklärung, die
allenthalben den Hopfenbauern geboten wird, noch
sehr viel verbesserungsbedüritig. Eine besondere
Rückständigkeit zeigt sich vor allem‘ in den Anbaugebieten
 mit starker Parzellenwirtschaft.

vetragen
urn die Pflück- | Die Erzeu-‚hne
 Pflück-/| usw. kosten |gungskosten
johnpro1Ztr.| PFo Ztr.in |insgesamt in
in Mt} Mk. Mk.
        <pb n="86" />
        {L., 4. Der deutsche Hopfenbau. 85
deshalb als eine äußerst unrationelle Form des von deren Zelleninhalt er sich nährt. Er bringt die
Hopfenbaues angesehen werden. 7on ihm befallenen Teile der Wirtpflanze zum Ab-6.
 Vermeidung einer allzu langen Fechsung. Aus sterben, wodurch die Pflanze geschwächt, ja bei um-Enqueten
 geht hervor, daß die Fechsungsdauer im assendem Befall sogar völlig zum Absterben ge-Durchschnitt
 10—30 Jahre beträgt. Die Fechsung racht wird.
sollte nach allgemeinen Erfahrungen nicht über Das äußere Krankheitsbild der Peronospora zeigt
20 Jahre hinausgehen, weil sonst naturgemäß eine sich in einer blaßgrünen Färbung der Bodentriebe im
Verminderung der Hopfenernte sowohl in quali- Trühjahr, in einer Verdickung der Stengelglieder und
tativer als qüantitativer Beziehung von diesen zu {ner Verkümmerung und Einrollung der Blätter. In
alten Fechsungen erwartet werden muß. rleicher Weise verkümmern an den kranken Reben
Jedenfalls kann gesagt werden, daß die durch- lie Seitentriebe. Von der Hallertau ausgehend hat
schnittlichen Erträge des Hopfenbaues um min- ich für diese Verkümmerung der Triebe die Bedestens
 20-—30 % sich steigern lassen, wenn die zeichnung „Bubikopf“ eingeführt, welche heute so-Masse
 der Hopfenbauern dem Stande unserer rar von der Wissenschaft akzeptiert wird. Weitere
heutigen Hopfenbautechnik entsprechend arbeiten Merkmale sind das Auftreten von braunen Flecken
würde, Diese Erhöhung der Durchschnittserträge uf der Oberfläche der Blätter, die bei Fortschreiten
würde sich dann auch in einer entsprechenden Ver- lies Befalles allmählich zusammenfließen und dem
billigung der Produktionskosten auswirken. Große ranzen Blatt eine rotbraune Färbung verleihen. Auf
Bedeutung, wenn auch erst für die Zukunft, kommt ler Unterseite dieser braunen Flecken (d. h. auf der
hinsichtlich der Erzielung höherer Erträgnisse noch B3lattunterseite), die von dem Nährstoffentzug durch
der Züchtung besonders widerstandsfähiger, ertrag- len Peronosporapilz herrühren, kann man deutlich
reicher und qualitativ hochstehender Hopfensorten zu. ;chon mit bloßem Auge einen grauvioletten Pilzbelag
»rkennen, der aus einem Wald von Sporenträgern
jesteht, dessen Zweigenden die graugefärbten
Sporen tragen. Die reifen Sporen fallen sehr leicht
ıb und werden vom Winde fortgetragen. Gelangen
je an der Hopfenpflanze in ein Wassertröpfchen,
‚0 treiben sie Keimschläuche, und es entwickelt sich
in neuer Krankheitsherd. Häufige Niederschläge
)jegünstigen deshalb während des Sommers in außer-&amp;gt;rdentlichem
 Maße die seuchenartige Ausbreitung
ler Peronosporakrankheit. Am gefährlichsten wird
lie Krankheit, wenn sie auf die Blüten und Dolden
ibergreift, Wenn sie die Blüten befällt, so bräunen
ınd verhärten sich die Blütenknospen; kommen die
;lüten noch zur Ausdoldung, so bräunen sich die
'eckblätter der Hopfendolde (Doldenbräune).
Wie im Weinbau, so kann auch im Hopfenbau die
’eronospora erfolgreich bekämpft werden, wennvleich
 ihre Bekämpfung im Hopfenbau schwieriger
mu bewerkstelligen ist als im Weinbau. Für die Besämpfung
 der Peronosporakrankheit kommen Ssovohl
 vorbeugende, als auch direkte Bekämpfungsnaßnahmen
 in Betracht. An vorbeugenden Maßı1ahmen
 sind vor allem zu nennen: Anlagen der
Iopfengärten auf geeignetem. Boden, richtige
)üngung, sorgfältige Pflege- und Kulturarbeit, Enternung
 der peronosporakranken Triebe. Die direkte
}ekämpfung der Hopfenperonospora erfolgt durch
bespritzen der Hopfenpflanzen mit Kupferkalkbrühe.
Infolge des raschen Wachstums der Hopfenpflanze
st eine Reihe von Bespritzungen notwendig, Die
\nzahl der Bespritzungen richtet sich nach dem
Wachstum und dem Wetter. Im übrigen ist die
vissenschaftliche Erforschung der Peronosporaarkrankung
 bereits so weit gediehen, daß die einzelnen
 Stellen, welche mit der wissenschaftlichen

IV. Die wichtigsten Hopfenkrankheiten
und ihre Bekämpfung,
Der Hopfienbau ist einer ganzen Reihe von
Krankheiten ausgesetzt, die zum Teil auf pflanzliche,
zum Teil auf tierische Schädlinge zurückzuführen
sind. Von den pflanzlichen Schädlingen dürfen wir
uns auf die Peronospora des Hopfens beschränken,
welche in den letzten Jahren zu einer Geißel des
mitteleuropäischen Hopfenbaues geworden ist.
Die Hopfenperonospora
ist in Europa zum erstenmal im Jahre 1920 im Versuchshopiengarten
 des Wye College in Kent aufgetreten
 und war bereits im Jahre 1922 allgemein im
englischen Hopifenbau verbreitet. In Deutschland
wurde die Peronospora zum erstenmal im Jahre 1924
beobachtet. Von diesem Jahre ab war sie eine
ständige Erscheinung in den deutschen Anbaugebieten,
 außerdem aber auch in den Anbaugebieten
Belgiens, Frankreichs, Polens und Jugoslawiens. Die
tschechoslowakischen =. Anbaugebiete blieben im
groBen und ganzen von der Krankheit bis heute verschont,
 zum mindesten hat sie die dortigen Ernten im
Gegensatz zu den Ernten der übrigen Länder kaum
beeinflußt. Am stärksten trat bisher die Krankheit
im Jahre 1926 in dem größten deutschen Anbaugebiet,
der Hallertau, auf, wo sie eine regelrechte Mißernte
verursachte. Der Schaden, den die Peronospora in
diesem Jahre in den deutschen Hopfenanbaugebieten
anrichtete, wurde auf rund 25—830 Goldmillionen
geschätzt.
Der Erreger der Peronosporakrankheit ist ein
mikroskopischer Pilz (Pseudo-Peronospora humuli).
Der Peronosporapilz lebt im Innern der Wirtpflanze,
        <pb n="87" />
        86 Dr. Carl Stiegler, München:
Überwachung der Bekämpfung der Peronospora be- len beim Saugen aufgenommenen Überschuß an
iraut sind, den Hopfenpflanzern Anweisungen Zucker als syrupartige Flüssigkeit wieder aus. Diese
ainausgeben hinsichtlich der Zeitpunkte, für welche "lüssigkeit, die auch den Namen „tierischer Honig-Bespritzungen
 als notwendig erachtet werden. Un- au“ führt, überzieht die HMopfenblätter mit einer
bedingt zu spritzen ist nach Dr. Zattler*): {lebrigen Schicht, welche den Assimilationsprozeß
|. beim Auftreten der ersten kranken Boden- les Hopfenblattes verhindert. Auf dieser klebrigen
triebe im Frühjahr; Zuckerschicht siedelt sich im weiteren Verlaufe sehr
2. beim Auftreten der ersten kranken Seiten- ald der Rußtaupilz an und erzeugt den sogenannten
triebe; ‚Rußtau‘“ (Schwärze) des Hopfens. Die von der
3. kurz vor dem Anflug (Blütenbildung); Schwärze befallenen Hopfen bleiben in ihrer Ent-4.
 während der Ausdoldung; vicklung sehr stark zurück, was naturgemäß eine
3. nach Regenfällen, die auf längere Trocker- ntsprechende Verminderung des Ernteertrages zur
heit folgen. ?7olge hat. Die Bekämpfung der Blattläuse erfolgt
Die Peronospora-Anfälligkeit ist je nach der lurch Bespritzen mit Tabakextraktbrühe, Schmier-Hopfensorte
 sehr verschieden. Der bayerische eifenlösung mit Zusätzen von Insektenpulver oder
Hopfenbaukonsulent, Regierungsrat Hampp, hat. sie Petroleumemulsion.
prozentual berechnet. Sie betrug im dreijährigen
Garten:
beim Hallertauer Hopfen . 100%
Aischgründer . 535
Saazer (Polen). . 28 %o
3lsässer . ... . 5%
Spalter. ..... 5%
Semscher. ... 0%

c) Die rote Milbenspinne.
Die rote Milbenspinne (Tetranychus telarius),
zurz „rote Spinne“ genannt, zählt ebenfalls zu den
zefährlichsten tierischen Schädlingen des Hopfenjaues,
 Ihr Auftreten wird besonders von sehr heißer,
niederschlagsloser Witterung begünstigt, weshalb
inter den europäischen Hopfienanbaugebieten die
Baczka (Jugoslawien), deren Klima in den trockenıeißen
 Sommermonaten an subtropische Wärmerrade
 heranreicht, stets von der Gefahr der roten
Spinne bedroht wird. In Japan sollen ja bekanntlich
ılle Bemühungen, die Hopfenkultur dort heimisch zu
nachen, an der steten Gefahr der roten Spinne ge-.cheitert
 sein.
Die älteren rötlich gefärbten Tierchen zeigen eine
ıröße von etwa %—1% mm und siedeln sich an der
/nterseite der Blätter und auch an den Hopfienlolden
 an. Zu ihrem Schutze überziehen sie sich mit
nem überaus feinen weißlichen Gespinst, unter dem
nan auch deutlich ihre verhältnismäßig großen Eier
jegen sieht. Im Herbst verkriechen sich die Spinnnilben
 zur Überwinterung in Schlupfwinkel, die sie
nsbesondere in den Ritzen der MHopfenstangen
inden. Die Stangenanlagen sind auch deshalb viel
nehr als die Gerüstanlagen von der roten Spinne
jedroht.
Die schädigende Wirkung der roten Spinne wird
jadurch hervorgerufen, daß sie sich an der Unter-:eite
 der Blätter ansaugt. Die angesaugten Blatt-‚tellen
 nehmen eine gelbrötliche Färbung an, die allnählich
 sich über das ganze Blatt ausdehnt und
neses zum Absterben bringt. In gleicher Weise
zönnen auch die Blüten und Dolden in Mitleiden-.:chaft
 gezogen werden. Die durch das Saugen der
ooten Spinne hervorgerufene Rotfärbung der
Topfenblätter bezeichnet man als Kupferbrand.
Die Bekämpfung‘ der roten Spinne ist schwierig,
ia die Spinnmilben große Widerstandskraft besitzen
ınd auch ihr Gespinst ihnen einen ziemlichen Schutz
rewährt. Massenhaftes Auftreten macht sehr oft

Von den

tierischen Schädlingen des Hopfenbaues
sind zu nennen:
a) Die Erdflöhe.
Als erste tierische Schädlinge des Hopfenbaues erscheinen
 schon zu Beginn des Monats Mai an
warmen trockenen Tagen die Erdflöhe, kleine
schwärzliche Käferchen, welche in die jungen Hopfenblätter
 kleine, kreisrunde, am Rande hellumsäumte
Löcher fressen, so daß die Blätter bei starkem Flohbefall
 geradezu einem Siebe gleichen. Die Folgen
eines massenhaften Auftretens der Erdfilöhe äußern
sich in Wachstumstockungen, die oft während der
ganzen Vegetationsperiode nicht mehr völlig überwunden
 werden können. Zur Bekämpfung verwendet
 man am häufigsten Tabakstaub bzw. Tahakaxtrakt
 und Schweinfurter Grün.
b) Die Blattlaus.
Die Hopfienblattlaus ist einer der gefährlichsten
tierischen Schädlinge des Hopfens, der ohne Be-&amp;lt;ämpfung
 in manchen Jahren den Ertrag der
Mopfengärten ganz außerordentlich zu schmälern
vermag. Die geflügelten Weibchen der Hopfenblattaus
 (aphis humuli), die Aphisfliegen, wandern Ende
Mai bis Anfang Juni vom Steinobst auf den Hopfen
über und legen dort ihre Eier ab, aus denen sehr
rasch die kleinen grünlichen, ungeflügelten Hopfenblattläuse
 ausschlüpfen. Die Blattläuse saugen die
Hopfenblätter an ihrer Unterseite aus und scheiden
*) Hopfenjahrbuch 1928, herausgegeben von Karl Schloder-München.
        <pb n="88" />
        ıL, 4. Der deutsche Hopfenbau,
eine erfolgreiche Bekämpfung überhaupt unmöglich.
Als Bekämpfungsmaßnahmen kommen vor allem in
Betracht Bespritzen der Pflanze mit zweiprozentiger
Schmierseifenlösung oder auch mit schwefelhaltigen
Spritzbrühen.
Ein weniger verbreiteter Schädling ist -
d) die Hoptenwanze,
ein 4—8 mm langes Tierchen von grünlicher Farbe,
das ebenfalls durch Saugen besonders an den Triebspitzen
 den Hopfenpflanzen ernsten Schaden zufügen
 kann. Die Hopfenwanze findet sich fast nur in
Stangenanlagen, deren Stangen ihr für die Überwinterung
 guten Unterschlupf gewähren. Die Bekämpfung
 der Hopfenwanze erfolgt durch Bespritzen
der Pflanzen mit zweiprozentiger Schmierseifen-Petroleumlösung.


_87
vicklung, die er im Mittelalter im nördlichen
Jeutschland nahm. Dort sehen wir, sowohl in den
1lederdeutschen Städten, als vor allem in den See-;tädten
 der Nord- und Ostsee eine im 14. Jahrhundert
jgereits zum Teil sehr hochentwickelte Brauindustrie
vor uns, Kein Wunder, daß diese Brauindustrie Ursache
 genug war, einen beachtenswerten Hopfenbau
&amp;gt;ntstehen zu lassen. In Schlesien, in der Mark
3randenburg, in Mecklenburg, in Westfalen, in
&amp;gt;ommern und in Schleswig-Holstein ist der Hopfenau
 schon im 13. Jahrhundert allenthalben verıreitet.
 Im 14. Jahrhundert vergrößerte sich insesondere
 die mecklenburgische Hopfenkultur. Im
3. Jahrhundert spielt die deutsche Hopfenausfuhr
ı1ach Flandern bereits eine beträchtliche Rolle, wie
len Zollbüchern Brügges zu entnehmen ist. Deutscher
 Hopfen ging schon in diesen Zeiten nach aller
Herren Länder, nach den nördlichen Niederlanden
vie nach Skandinavien. Mit der Verschiebung des
Schwergewichts der Brauindustrie nach Bayern
inkt auch die Hopfenkultur Norddeutschlands zur
3Zedeutungslosigkeit herab, bis sie vorübergehend in
”riedrich dem Großen einen Wiedererwecker findet*).
In Altbayern wurde zwar auch der Hopfenbau das
ranze Mittelalter‘ hindurch gepflegt, wie wir aus
‚ahlreichen Urkunden wissen, jedoch nicht als systenatische
 Kultur, denn hierzu fehlte das Korrelativ
iner entsprechenden Entwicklung der Bierbrauerei.
\uch Exportmöglichkeiten scheinen kaum gegeben
zewesen zu sein. Bevor der altbayerische Hopfenyau
 zu der beherrschenden Stellung aufstieg, die er in
ier Gegenwart genießt, läuft ihm noch das Frankenand
 den Rang ab. Es ist insbesondere das heutige
Aittelfranken, wo der Hopifenbau sich gegen Ausrang
 des Mittelalters zu großer Bedeutung emporchwingen
 konnte. Eine mächtige Anregung empfing
ler mittelfränkische Hopfenbau von der hochntwickelten
 Bierbrauerei der in voller wirtschafticher
 Blüte stehenden Reichsstadt Nürnberg. Die
rrößte Berühmtheit der um Nürnberg erblühten
Topfenanbaugebiete erwarb sich Spalt. Die Übervindung
 der ökonomischen Zerrüttungen, die der
.reißigjährige Krieg hervorgerufen hatte, und der
:amit einsetzende Aufschwung des bürgerlichen und
:Jösterlichen Braugewerbes leitete eine neue Epoche
les bayerischen Hopfenbaues ein. Die Hopfenrebe
ankt sich weit über die alten Erzeugungszentren
inaus, und auch die Wirtschaftspolitik des Staates
ummt sich nunmehr im hohen Maße des Hopienyaues
 an. Alle ihre Bestrebungen zielen darauf ab,
lem Hopfenbau, der in der Hauptsache immer noch
ıuf die gewerblichen Bierbrauereien der Landstädte
sowie auf die. landwirtschaftlichen Betriebe städtischer
 Gewerbetreibender sich beschränkte, Eingang
in die bäuerlichen Wirtschaften des flachen Landes

V. Die historische Entwicklung des Hopfenbaues
in Deutschland.
Während bis in die jüngste Zeit hinein die Verwendung
 des Hopfens zur Bierbereitung urkundlich
erst einige hundert Jahre vor dem ersten Jahrtausend
 der christlichen Zeitrechnung nachgewiesen
werden konnte, wissen wir heute einwandfrei aus
den Forschungen Dr. Hubers und Dr. Ed. Hahns,
daß bereits die alten Babylonier den Hopfen als Bierwürze
 kannten. Von den Babyloniern scheint die
Kenntnis der Verwendung des Hopfens auf indogermanische
 Stämme des Kaukasus übergegangen
zu sein, die wiederum in den Stürmen der Völkerwanderung
 ihr Wissen den germanischen Völkern
übermittelten.
Zur Zeit des Frankenkönigs Pipin hat man jedenfalls
 die Bedeutung der Hopfendolde für die Zubereitung
 eines schmackhaften Bieres schon voll zu
würdigen gewußt. So werden von Pipin der Abtei
St. Denis bei. Paris humlonarias (Hopfengärten) geschenkt,
 und weiterhin . zu Beginn des 9. Jahrhunderts
 vom Abt Irmino von Saint Germain des
Pres häufig Zinsabgaben von Hopfen erwähnt.
Daraus läßt sich unschwer der Schluß ziehen, daß
der Hopfenbau in jener Zeit bereits in einem Umfang
getätigt wurde, der sich nur mit seiner Verwendung
zur Bierherstellung erklären läßt. Wenige Jahrzehnte
 später begegnen wir der Hopfenrebe in den
Urkunden des Hochstiftes Freising, und zwar etwa
zwischen den Jahren 850—900, Von hier aus scheint
der Grundstock gelegt worden zu sein zu dem weiter
nordwärts sich ausdehnenden großen deutschen
Hopfenanbaugebiet, der Hallertau.
In den altbayerischen Landen blieb indes der
Hopienbau
das ganze Mittelalter hindurch
in seiner wirtschaftlichen Bedeutung mehr oder
minder lokal beschränkt, im Gegensatz zu der Ent-.

 *) Dr. Stiegler: Die Entwicklung des Hopfenbaues in der
Neltwirtschaft, Imgauverlag Pfaffenhofen, 1927.
        <pb n="89" />
        Dr. Carl Stiegler, München: nn
zu verschaffen. Dieser städtische Charakter des Dieser Prozeß verschärfte sich .besonders in den
Mopfenbaues in den früheren Jahrhunderten, der.da etzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Die
und dort sogar als ein Monopol der Städte angesehen 7olgen der Überproduktion zeigten sich am deutwurde,
 hat sich selbst heute noch nicht völlig ver- ichsten in den Absatzschwierigkeiten und in einer
wischt. In allen Städtchen und Märkten der baye- \bnahme der Rentabilität der Hopfenkultur. Von
rischen, aber auch der württembergischen Hopfen- 885 ab setzt deshalb in Einklang mit der Entwickbaugebiete
 wird der Hopfienbau als landwirtschaft- ung des Welthopfenbaues ein allgemeiner Rücklicher
 Nebenbetrieb noch sehr zahlreich von städti- :ang der Hopfenanbauflächen Deutschlands bis zum
schen Gewerbetreibenden gepflegt. Trotz dieser auf ahre 1898 ein; von 1899 ab läßt sich wiederum ein
ein Jahrtausend zurückgehenden Entwicklung, trotz eichtes Ansteigen der Anbauflächen feststellen, beder
 im 18. Jahrhundert teilweise sehr tatkräftigen onders in dem Zeitraum von 1904—1908. 1909 erstaatlichen
 Förderung, trotz seiner weit aus- Olgte ein jäher Absturz der Anbauflächen, dem erst
gedehnten Verbreitung in nahezu allen Gauen des nn den letzten Jahren vor dem Kriege wiederum ein
Landes ist indes der bayerische Hopfenbau im all- näßiges Ansteigen der Anbauflächenziffer folgt.
gemeinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kaum Die latente Krise des Hopfenbaues gegen Ende
auf die Entwicklungsstufe einer für den Markt pro- es vorigen Jahrhunderts trat offen zutage, als in
duzierenden Kultur gelangt*). lem Jahrfünft 1904—1908 die in diesem Zeitraum
Das gleiche gilt hinsichtlich des württem- ich erhöhenden Anbauziffern mit einer Reihe von
bergischen und badischen Hopfenbaues, der im all- uten Erntejahren zusammentrafen. Damit trat der
gemeinen überhaupt erst zu Beginn des 19. Jahr- leutsche HMopfenbau in eine ausgesprochene Krise
ıunderts in Erscheinung tritt. :än. Da auch der Welthopfenbau in den genannten
. , N ‚ahren erhöhte Anbauflächen- und Ernteziffern auf-Mit
 der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts be- vies, wurde diese Krise des Hopfens zu einer interginnt
 der deutsche Hopfenbau ıationalen Hopfenbaukrise. Nahezu in allen Hopfenzur
 Weltgeltung 'auländern ertönen in diesen Jahren bewegliche Klagen
ler Hopfenpflanzer, und werden die Regierungen
emporzuwachsen. Allenthalben, wo Boden und mmer wieder bestürmt durch Maßnahmen, ins-Klima
 den Anbau der Hopfenpflanze gestatteten, er- ‚„ondere auf dem Gebiete der Zoll- und Handelswachte
 reges Interesse für den Hopfenbau. Die Auf- ‚olitik, der bedrängten Lage des Hopfenbaues zur
hebung des Schwefelungsverbotes sowie die hohen 1% zu kommen. Zweifelsohne wurden in diesen
Mopfenpreise des Jahres 1860 taten ein übriges, uM anren der Überproduktion diejenigen Länder,
die Ziffern der Hopfenanbauflächen in die Höhe vojcpe sich nur eines mäßigen oder gar keines Zollschnellen
 zu lassen. Zu dieser Vermehrung der An- opytzes erfreuen konnten, am stärksten von der
ba uflächen trug auch die in den siebziger Jahren um Xrise ergriffen, denn sie waren vor allem die Absich
 greifende Krisis des Getreidebaues, hervor- agerungsstätten der Überproduktion des Weltgerufen
 durch das gewaltige Anschwellen der über- ı1opfenbaues. Der innere Grund dieser internatioseeischen
 Getreideeinfuhren, wesentlich bei. Wie das ıalen Krise lag aber in der Weltüberproduktion an
Jahr 1860, so gab auch das Jahr 1882 ‚mit sehr hohen Iopfen. Der Sturz der deutschen und überhaupt der
Mopfenpreisen einen gewaltigen Anreiz ZU Erweite- ernationalen Hopfenanbauflächen im Jahre 1908
zung der Hopfenanbauflächen. 1885 erreichte der stellte wiederum ein gesünderes Verhältnis zwischen
deutsche Hopfenbau mit 47390 ha einschließlich Jopfenerzeugung und Hopfenbedarf her. ;
Elsaß-Lothringen und Posen seine größte Ausdehnung.
 Damit waren die deutschen Hopfenanbau- Die Kriegsjahre 1914—1918
üJächen auf einem Stand angelangt, der bei reichen prten in allen Ländern, vor allem aber in Deutsch-Ernten
 zu Jahren ausgesprochener Überproduktion and, zu einer gewaltigen Verminderung der Anbau-‚ühren
 mußte, Die deutsche Bierproduktion stieg lächen. Die Ursachen hierfür liegen:
allerdings in der geschilderten Entwicklungsperiode Lind 8 dentlichen Einschränk d
beträchtlich an. Dieses Ansteigen wurde indes völlig A CO7_ EHMSTOTERLCHEN EIMSCHTANKUNGK der
ausgeglichen durch die Verringerung der Hopfen- Bierer ZEUgUNG,
gabe des Bieres. Die Zunahme der Einfuhr nach 2. in der Verhinderung des Exportes und
Deutschland auf der einen Seite und die Abnahme 3.in dem Mangel erfolgreicher staatlicher
der Ausfuhr auf der anderen Seite, die sich in immer Stützungsaktionen,
stärkerem Grade bis zum Ausbruch des Weltkrieges Verschlechterung der Qualität infolge der
zeigt, trug zur Verringerung der Absatzmöglich- durch Leutemangel hervorgerufenen unkeiten
 des einheimischen Hopfenbaues bei. genügenden Bearbeitung des Bodens.
ee . , | Was den vorletzten Punkt betrifft, so sind in dieser
Weit DE Stiegler: Die Entwicklung des Hopfenbaues in der Boziehung andere Hopfenbauländer, wie z. B. Öster-4.
        <pb n="90" />
        IL, 4. Der deutsche Hopfenbau.,

3£
Die Auswirkungen der Krankheit verminderten jeloch
 die Ernteerträge.
Die Entwicklungstendenzen der Anbauflächen in
len einzelnen deutschen Ländern bzw. deutschen
\nbaugebieten sind indes verschieden.
Die Entwicklung des Hopfenbaues in Preußen
‚eigt von 1889 ab ein ununterbrochenes starkes Zuückgehen
 der Hopfenanbauflächen. Während 1886
lie preußische Anbaufläche noch 2387 ha betrug, ist
je im Jahre 1900 bereits auf 1093 ha gesunken. Im
'ahre 1928 betrug sie nur mehr 94 ha, d, h. kaum
nehr 5% ihres höchsten Standes vom Jahre 1886.
Sehr stark sind auch die Anbauflächen in Baden ge-\;unken.
 Geringer, wenn auch noch unter dem
zeichsdurchschnitt liegend, gestaltete sich der Rückrang
 der Anbauflächen in Württemberg.
Am geringsten ist die Abnahme der bayerischen
Anbauflächen. Innerhalb der bayerischen Anbaurebiete
 verschob sich der Schwerpunkt der Proluktion
 immer mehr von Nord- nach Südbayern.
Kurz vor dem Kriege wurden die nordbayerischen
\nbaugebiete (Hersbrucker Gebiet, Aischgrund und
Spalt sowie Kinding) bereits von den südbayerischen
jebieten übertroffen infolge der starken Auslehnung,
 welche der Hopfenbau speziell in der sozenannten
 Hallertau nahm, die in dieser Zeit zum
zrößten Hopfenanbaugebiet Deutschlands emporzewachsen
 ist.
Entwicklung der Hopfenanbauflächen in Deutschland.
Jetziger Gebietsumfang (ohne Eisaß-Lothringen und Posen).
Amtliche Ziffern,

reich-Ungarn oder England, mit viel mehr Tatkraft
und Erfolg ihrem Hopfenbau zu Hilfe gekommen, um
die im Hopfenbau investierten, nicht unbeträchtlichen
 Kapitalien‘ ihren Volkswirtschaften zu erhalten
 und den Hopfenbauern seine Wiederaufbauarbeit
 für die Zeit nach. dem Kriege zu erleichtern.
So hat Österreich-Ungarn erfolgreiche Hopfienvalorisationen
 zur Durchführung gebracht und England
 zum Schutze seines Hopfenbaues eine staatliche
Bewirtschaftung des MHopfens, die sogenannte
Hopfenkontrolle, eingeführt, welche zum Schutze der
Hopfenproduzenten den Hopfenbauern die Abnahme
ihres Produktes zu staatlich festgesetzten auskömmlichen
 Preisen gewährleistete. In Deutschland kam
es leider nicht zur Durchführung solcher Hilfsaktionen,
 trotzdem verschiedene Pläne aufgestellt
wurden, die geeignet gewesen wären, dem deutschen
 Hopfenbau unter geringeren volkswirtschaftlichen
 und privatwirtschaftlichen Verlusten über die
Kriegszeit hinwegzuhelfen, als dies mangels jeder
staatlichen Fürsorge tatsächlich der Fall war. Die
Folge war ein Absinken der Hopfenanbauflächen von
22761 ha auf 7976 ha (ohne Elsaß-Lothringen und
Posen).

Der Wiederaufbau der deutschen Hoptenwirtschaft
nach dem Kriege ging sehr langsam vor sich und ist
bis zur Gegenwart noch nicht vollendet. Von 1920
bis 1924 stagnieren die deutschen Anbauziffern. Mit
der Überwindung der Inflation beginnt der Aufbau
der deutschen Hopfenanbauflächen rascher vorwärts
zu schreiten. Er erhält einen starken Ansporn durch
die in der Geschichte der Hopfenpreise noch nie dagewesene
 Preissteigerung, die zu Beginn des Jahres
1924 sich bemerkbar machte. Leider wurde der sich
in diesem. Jahre anbahnende Wiederaufbau der deutschen
 Hopfenkultur in den folgenden Jahren durch
eine in den meisten Anbaugebieten auftretende und
bis dahin noch nie beobachtete neue Hopfienkrankheit,
 die Peronospora humuli, gehemmt. Die Anbau-{lächen
 behielten zwar ihre steigende Tendenz bei.

Erntefläche
ha

1878
275
1885
1888
‚890
1893
1897
1899
1904

an

30 292
22 780
22 761
7976
2014
‘2478
14.169
14393
152738

HC
“BI
“99%
98EF
34 287
30 828
39 8319

214
919
922
.925
1926
1927
1998
        <pb n="91" />
        5. Hopfen und Braugewerbe.
Von Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee, Präsident des Bayerischen Brauerbundes.

Die mir gestellte Aufgabe, die Bedeutung des
Topfens bei der Biererzeugung im allgemeinen und
m besonderen darzustellen und zu schildern, welchen
Bemühungen sich die deutsche Brauindustrie unterzogen
 hat, um nicht nur den deutschen Hopfenbau
zu fördern, sondern ihn zu den nach dem heutigen
Stand der Technik und Wissenschaft möglichen
Höchstleistungen anzuspornen, fordert bei der
Knappheit des Raumes starke Selbstbeschränkung.
Ich muß mich in der Hauptsache auf Fragen der
praktischen Erfahrung einerseits und Beantwortung
von Zweifeln, die wieder aus der Praxis an den
Fachmann herantreten, konzentrieren, und Fragen,
die mehr in das Gebiet der chemischen Forschung
aindringen oder die insbesondere den Chemiker mit
Rücksicht auf das „Warum? Warum gerade so?
Warum nicht anders?“ interessieren, nach Möglichkeit
 ausschalten. Erleichtert wird diese Beschränkung
 durch die Erfahrungstatsache, daß auch heute
noch, vielleicht kann man sagen: Gott sei Dank! der
Chemiker immer noch nicht in der Lage ist, die geheimnisvollen
 Vorgänge, die sich im Brauprozeß abspielen,
 restlos zu erklären und sie in derselben
&amp;lt;onsequenten Folgerichtigkeit im Laboratorium aufzubauen.
 Noch immer spielt der sichere Blick des
arfahrenen, selbstverständlich auch fachmännisch
geschulten Praktikers im Brauprozeß die wichtigste
Rolle. Darum ist immer auch noch seine Sach-&amp;lt;enntnis
 und sein unbefangenes Urteil bei der Prüiung
 und bei Einkauf der Rohmaterialien von sehr
wesentlicher Bedeutung; darum ist leider auch dort,
wo diese Voraussetzungen beim Praktiker fehlen,
den Betrügereien immer noch Tür und Tor geöffnet.
Meine Arbeit wird also versuchen, die Rolle des
Topfens im Brauprozeß, die wichtigen Eigenschaften
des Hopfens für einen geordneten Verlauf dieses
Prozesses, die Vorbedingungen zur Erlangung dieser
Eigenschaften des Hopfens, die Behandlung des
Mopfens vor, während und nach der Ernte darzustellen
 und endlich noch die agrarpolitischen,
‚echnischen und wirtschaftspolitischen Vorgänge bei
der Wanderung des Hopfens vom Hopfenpflanzer bis
zur Braupfanne zu schildern. Ich werde mich dabei,
Ja es sich um ein Kompendium der deutschen
Brauindustrie handelt, in der Hauptsache nur mit
den deutschen Verhältnissen befassen.
Entwicklung und Verbreitung des Hopfenbaues.
Unsere geschichtlichen Kenntnisse über Entwickung
 und Verbreitung des Honfenbaues in Deutschand

 hängen enge mit jenen über die Entstehung und
/erbreitung der Bierbrauerei zusammen. Aus allen
*orschungen über die Herstellung von Bier und bierhnlichen
 Getränken in den verschiedenen Erdteilen
cheint sich mit Sicherheit zu ergeben, daß germaüische
 Stämme die Herstellung solcher Getränke mit
lopfenzusatz aus grauer Vorzeit überliefert erielten,
 und daß sie auf allen ihren Wanderungen, in
ıren Wäldern und Felsentälern diesen Brauch auch
ıber jene Zeiten fortpflanzten, da andere Getränke,
vie insbesondere der sich immer mehr verbreitende
Vein, das Bier nicht mehr als vornehmes Getränk
scheinen ließen, sondern es mehr den Bauern und
len Dienstleuten der Gutshöfe und Klöster zuwiesen.
Vas speziell über den deutschen Hopfenbau über-‚efert
 wird, weist darauf hin, daß die bayerischen
lopfenbaugebiete in Franken und der Hallertaıt
chon frühzeitig in der Wertschätzung unter sich wie
ıt dem im benachbarten Böhmen gebauten Hopfen
vetteiferten, eine Tatsache, die naturgemäß in
ngem Zusammenhang mit der Verbreitung der Bierırauerei
 steht. Diese aber wiederum ist begünstigt
luırch das Vorhandensein und Aufblühen zahlreicher
andeltreibender und gewerbeileißiger Städte. Denn
[opfenbau und Bierbrauerei waren vielfach ein
’rivileg einzelner Städte oder Klöster. In dem
Vetteifer zwischen den obenerwähnten Gebieten lag
ber auch schon der Antrieb zur dauernden Weiterihrung
 und Verbesserung des Hopfenbaues wie der
irautechnik, ein Wettbewerb, der sich ja heute noch
ühlbar macht und das Wirtschaftsleben der beeiligten
 Länder sehr stark beeinflußt.
Aufblühen des‘ Hopfenbaues, Niedergang, Preis-;ntwicklung
 waren immer sehr stark von den
‚errschenden Meinungen in der Brautechnik über
‚otwendige Hopfengaben, über deren Wirkung beingt,
 nicht zuletzt aber auch abhängig von den
Virtschaftsorganen, die die Vermittlung zwischen
jem Hopfenbauer und dem Hopfenverbraucher,
I]so dem Brauer, übernahmen, vom Hopfenhandel.
)aß die Klagen über unerlaubte Praktiken des
[opfenhandels, die neuerdings wiederum an den Geetzgeber
 die Forderung nach einem Provenienzresetz
 heranbrachten, auch schon bald so alt wie der
'ationelle Hopfenbau selbst sind, beweist unter
ınderem die Tatsache, daß die Generalstaaten von
Tolland sich schon am 1. April 1620 gezwungen
;‚ahen, ein Gesetz gegen die Verfälschungen des
Topfens zu erlassen.
        <pb n="92" />
        IL, 5. Hopfen und Braugewerbe,

2

Hoptenanbaugebiete.
Als Hopifenanbaugebiete sind heute zu nennen:
'. Deutschland:
ı) Bayern: Hallertau (Abensberg, Au, Geisenfeld, Hohenwart,
 Langquaid, Mainburg, Nandlistadt, Neustadt,
Pfaffenhofen, Pfeffenhausen, Rothenburg, Siegenburg,
Wolnzach);
Spalter Gebiet (Spalter Stadt, Spalter Bezirk, Spalter
Kreis);
Kindinger Gebiet;
Markt und Gebirg, Hersbrucker Land, Aischgrund;
übrige Gebiete: Pfalz, Schwaben, Ober- und Unteriranken;

b) Württemberg: Tettnang, Bodenseegebiet, Schwarzwaldkreis,
 Neckar- und Jagstkreis;
c) Baden: Sandhausen, Schwetzingen, Bodenseegebiet;
4) Preußen: Altmark.
Wichtige ausländische Hopfenanbaugebiete:
2, Tschechoslowakei:
Saaz, Auscha, Polepper Platte, Raudnitz, Dauba, Mähren.
3. Jugoslawien: ;
Woiwodina-Baczka und Syrmien, Slowenien (Südsteiermark).

4. Österreich und Ungarn.
5. Rumänien,
6, Frankreich:
Elsaß, Lothringen, Burgund, Nordfrankreich.
7. Polen:
Wolhynien, Lublin, Kielce, Lwow, Brody, Poznan, Lodz.
8. Rußland.
9. Belgien:
Poperinghe, Alost.
[0, England:
Kent, Hants, Surrey, Sussex, Hereford, Worcester.
11. Amerika:
Vereinigte Staaten, Kanada,
12. Australien, Neuseeland, Kaschmir usw,
Hoptenqualität und Hopfenbaugebiete.
Die Ansprüche des Hopfens an den Boden sind an
sich nicht allzu groß, daher war der Hopifenanbau in
früheren Zeiten, als man an die Qualität noch nicht
so hohe Forderungen stellte und als vor allem nicht
die Lieferung großer Mengen von möglichst gleicher
Beschaffenheit in Frage kam, viel weiter verbreitet.
Im letzten Jahrhundert haben sich durch die In-Austrialisierung
 des Braugewerbes jedoch bestimmte
 Forderungen an die Eigenschaften des
Hopfens, wie namentlich auch an die sachgemäße
Behandlung des geernteten Produkts, herausantwickelt,
 die ihrerseits wiederum zur Konzentrierung
 des Hopfenbaues auf bestimmte Gebiete hinwirkten.
 Damit entwickelten sich in diesen aber
auch wieder bewährte Kulturverfahren, die im Zusammenhang
 mit Boden- und Klimaverhältnissen,
Düngung und Behandlung bestimmte Sortenspielarten
 herausbrachten. Der Handel paßte sich dieser
Fntwicklung an, und heute werden mit bestimmten
Herkunftsbezeichnungen auch bestimmte Qualitätsbegriffe
 verbunden, die wieder für die Wertbeurteilung
 maßgebend sind.

Man faßt diesen Qualitätsbegriff kurz unter dem
Yamen „Edelhopfen‘“ zusammen. Als solche Edel-1opfen
 werden die Produkte folgender Gebiete berachtet:
 Deutschland, Tschechoslowakei, Jugo-;lawien,
 Österreich und Ungarn, Rumänien, Elsaß,
&amp;gt;olen, teilweise auch lothringische‘ und russische
Topfen.
Diese Wertbeurteilung hat auch eine äußere
dechtsform gefunden, indem die Tschechoslowakei
lurch ihr Provenienzgesetz die dortigen Edelhopfen
zanz bestimmten Rechtsschutzformen unterstellt hat
ınd auch in Bayern von Staats wegen solchen
Hopfenbaubezirken, deren Produkt besonders geschätzt
 ist, das Recht verliehen wurde, den dort anyzebauten
 :Hopfen durch Versiegelung der fertigen
&amp;gt;ackung und Ausstellung eines Herkunftszeugnisses
Zertifikat) besonders zu kennzeichnen. .
Handelsüblich ist jetzt im allgemeinen die Scheilung
 der Hopienbaugebiete in sich nach leichten und
schweren Lagen; die Abstufung der Preisbewertung
ängt immer auch stark von der Verschiedenartigceit
 der Erntemengen und von den mehr oder minder
vechselnden Geschmacksrichtungen ab. Von mittel-&amp;gt;uropäischen
 Anbaugebieten ringen die schweren
_agen der Hallertau, Spalt, Markt und Gebirg, Tettang,
 Schwetzingen und Sandhausen einerseits und
lie besseren Lagen des Saazer Gebietes andererseits
ım die Palme: Dabei sei hier schon vorwegzenommen,
 daß an sich die Herkunft zwar gewisse
'ypische Eigenschaften gewährleistet, aber noch
ceineswegs unbedingfe Sicherheit für den Brauwert
 gibt. .
Die feinen Unterschiede .in den Edelhopfen, die
sich insbesondere im Aroma auswirken, liegen zum
Teil wohl in den Sorten, zum Teil sind sie zweifelos
 von Boden und Klima bedingt; auch die Höhenage
 scheint merklichen Einfluß zu haben. Daraus
nag es auch zu erklären sein, daß die Hopfen aus
len Randgebieten der verschiedenen Edelhopfenrebiete
 gegenüber den Hopien des eigentlichen Pro-'uktionszentrums
 in ihrer Qualität abfallen. Der aus
‚em Hopfenbau in günstigen Jahren zu erzielende
jewinn verlockt eben dazu, den Hopfenbau auch
‘ber Gebiete auszudehnen, die sowohl in bezug auf
Ööhenlage und Klima wie in der Zusammensetzung
ies Bodens von dem eigentlichen Produktionsgebiet
chon stark abweichen. Weiter spielen auch die
/orbehandlung der Hopfengärten, die klimatischen
’erhältnisse während der Pilanzenentwicklung, die
änwirkung der Hopfenschädlinge und Hopfenkrank-‚eiten,
 Zeit der Pflücke, Witterungsverlauf während
lerselben, Pflege des geernteten Produkts bis zum
7erkauf eine so mannigfache und ausschlaggebende
zolle, daß dem Brauer nie die eigene Nachprüfung
ler zu kaufenden oder zu verwendenden Hopfen erspart
 bleibt. Und damit komme ich zum wichtigsten
Peil meiner Ausführungen.
        <pb n="93" />
        )2 Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee:
Was hat der Brauer bei der Beurteilung ınd brausch und erinnern kaum mehr an die normale
des Hopfens zu beachten? Aorm.
Die Saazer Frühhopfen, Tettnanger und badischen Frühıopfen
 sind großdoldig, die Elsässer Strießelspalter in feinen
Jualitäten mittelgroß, ebenso die echten mittelfrühen Spalter
Topfen, .
Die Hallertauer sind im allgemeinen, besonders in den
ıesten Lagen, kleindoldig und rundlich, sie gehen höchstens
is zur mittleren Größe, werden aber, auch unter weniger
muten Wachstumsverhältnissen, nicht großdoldig. Großdoldige
Jallertauer Hopfen sind als im Wachstum übertrieben und
ırausch zu bezeichnen. Der Hallertauer Nachbau in fremden
jebieten behält im allgemeinen seine ursprüngliche Größe bei.
Der gut gewachsene Württemberger Späthopfen hat
&amp;lt;leine Dolden, ebenso der feine Hersbrucker Gebirgsspätı10pfen.
 Im Tettnanger Gebiet steigert der Württemberger
jpäthopfen etwas seine Doldengröße und wird öfters mittelıroß.
 Im Württemberger Gebiet (Rottenburg usw.) gibt es
ıeben dem kleindoldigen Württemberger Späthopfen auch
ıoch eine größere ab und zu vorkommende Lokalform, die
ıls mittelgroß anzusprechen ist.
Die Markthopfen und Gebirgshopifen sind normalerweise
nitteldoldig. Doch werden hier vereinzelt auch Hopfen mit
anger gestreckter Doldenform gebaut,
Der Glanz des Hopfens gilt zunächst als schätzensvertes
 Zeichen, daß der Hopfen in sachgemäßer
Weise getrocknet ist.
Der Reifezustand und die Gesundheit wird vor
ıllem nach der Farbe beurteilt. Im allgemeinen
verden von den Pilsener Brauereien die gelben
Topfen als besonders ausgereift verwendet, während
nele deutsche und insbesondere die skandinavischen
3rauereien vielfach grasgrüne, also nicht ausgereifte
[opfen, vorziehen. Gleichmäßig gelbgrüne Farbe
Spalter Hopfen grüngelbe Farbe) deutet auf richtige
veife und richtige Behandlung des Hopfens nach der
Zrnte. Grasgrüne Hopfen sind nicht ordentlich auszereift,
 daher lupulinärmer und weniger ergiebig.
7ür die vielfach noch zu beobachtende Bevorugung
 grasgrüner Hopfen läßt sich brautechnisch
‚ber auch nicht der geringste Grund finden; der
vVirklich sachkundige Brauer sollte daher nach
neiner Auffassung von dieser veralteten Meinung
:bgehen. Sie beruht auf der landläufigen  Anjicht,
 daß gelbgrüne, ausgereifte Hopfen stärker
zufärben würden als früh geerntete grasgrüne
Topfen. Zwar wirken die grasgrünen Hopfen auf
lie Aufhellung der Bierfarbe günstig ein, doch
1at dies andere Gründe, Der Gerbstoff der Doldenlätter
 ist in der Würze leicht löslich. Er geht mit
len in der Würze gelösten Farbstoffen unlösliche
/erbindungen ein, die sich als Teil des Trubes
vieder abscheiden. Dadurch hellt also die Würze
uf, Früh geerntete Hopfen enthalten weniger Bitter-;toffgehalte;
 es m also zur Erzielung des gleichen
3ittergrades die Hopfengabe erhöht werden. Dalurch
 kommt mehr Gerbstoff in die Würze und es
ırfolgt eine stärkere Aufhellung derselben. Die Be-»bachtung,
 daß grasgrüne Hopfen die Würze stärker
ıufhellen, ist also richtig. Damit ist aber die Meinung
ıoch nicht begründet, daß vollreife Hopfen stärker
zufärben. Wohl aber bedeutet die Verwendung gras-Die

 gewöhnlich vorgenommene äußerliche Prüjung
 der Hopfen erstreckt sich auf folgende Merkmale:
 Größe, Form, Bau der Dolden, Farbe und
Glanz, Mehlgehalt und Beschaffenheit des Mehls,
Gehalt an Früchten und Körnern, Geruch, Geschmack,
 Verhalten beim Anfühlen, Gleichartigkeit
der Dolden, Unversehrtheit der Dolden, Reinheit,
Trockenheit, Alter; ferner sind zu beachten: Herkunft,
 Vorkommen, Mischungen und sonstige Unregelmäßigkeiten.
 .
Bezüglich der Größe teilt man die Hopfendolden
in groBe, mittlere und kleine ein. Für die verschiedenen
 Hopfensorten ist diese Einteilung nur dann
zulässig, wenn normale Wachstumsverhältnisse vorliegen.
 Ist dies aber nicht der Fall, dann werden bei
Dürre, wenig Wasser die Dolden kleiner, wie dies
z. B. heuer beim Tettnanger Frühhopfen, der vom
Saazer Hopfen abstammt und normal großdoldig ist,
der Fall ist. Nachdem derzeit die Hopfenanbaugebiete
 in Deutschland meistens mehrere Hopfensorten
 zugleich bauen, wie z. B. das
W. Tettnanger Gebiet: Tettnanger Frühhopfen, Hallertauer,
Elsässer Strießelspalter und Württemberger Späthopfen,
2. Hersbrucker Gebiet: Hallertauer, Elsässer. Hersbrucker
Späthopfen,
3, Aischgrund: Hallertauer und etwas Elsässer,
sonstiges Württemberger Gebiet (Rottenburg a. N.
Herrenberg, Weilderstadt): neben dem Württemberger
Späthopfen auch noch etwas Hallertauer und Elsässer,
Spalter Gebiet: neben dem echten Spalter mittelfrühen
Hopfen auch Hallertauer mittelfrüh (Hallertauer
Wachsbau),
so ist bei Bestimmung der Doldengröße eines Gebietes
 große Vorsicht nötig.
Interessant ist, daß z. B. der Handel mit Recht
sagt, im Spalter Land seien die Dolden im Laufe der
Jahre kleiner geworden. Dies rührt aber nicht von
abgeänderten Kulturmaßnahmen usw. her, sondern
davon, daß ein Bruchteil der Spalter echten mittelfrühen
 Fechsung, die normal mittelgroße Dolden im
allgemeinen besitzt, im Laufe der Jahrzehnte durch
den mittelfrühen kleinen bis schwach mittelzTOßen
 Hallertauer Hopfen ersetzt worden ist.
Der echte Kindinger Hopfen ist wegen größerer
Ertragsfähigkeit und geringeren Blätterreichtums des
Hallertauer Hopfens meistens durch diesen verdrängt
 worden. Da beide Sorten im allgemeinen
Kleindoldig sind, so traten im Laufe der Zeit kleinere
Größenunterschiede in den Dolden auf. Die bei
Schwetzingen, Sandhausen wachsenden Frühhopfen
sind in normalen Jahren großdoldig, weil vom
Saazer Hopfen abstammend.
Dies gilt im allgemeinen für normale Wachstumsverhältnisse.
 Regnet es dagegen viel und wird
sehr stark gedüngt., dann werden die Dolden zu zroß

An
A
        <pb n="94" />
        I. 5. Hopfen und Braugewerbe, 93
grüner Hopfen durch die notwendigen stärkeren zeruchs ist auch die Trocknung und Lagerung sehr
Gaben eine fühlbare Verteuerung des Sudprozesses. wesentlich. Gut gepflegter Hopfen muß so gelagert
Auf die verringerte antiseptische Wirkung gras- verden, daß der natürliche, frische Geruch getrockgrüner
 Hopfen möchte ich nur nebenbei hinweisen. ıeter Pflanzen erhalten bleibt. Dumpfer Geruch
Die manchmal zu beobachtende scheckige Fär- ann auf Schimmelbefall hinweisen und bedeutet
bung der Dolden, die hier und da an den Rändern der Schädigung der Qualität, Käsiger Geruch bezeugt
Hopfengärten durch Windschlag auftritt, bedeutet ‘ntweder Überalterung oder schlechte Konsernicht
 ohne weiteres eine Beeinträchtigung des Brau- ierung des Hopfens und damit den Brauwert herabwertes.
 Nasses Wetter zur Zeit der Ernte oder etzende chemische Umbildungen.
schlechte Konservierung können jedoch auch rötliche Dieser sogenannte Grobgeruch wird für die Beımnd
 braune Färbung der Dolden und je nach dem ırteilung der Qualität ergänzt durch Prüfung des
Grade dieser Verfärbung auch Minderung des Brau- Iromas oder des Feingeruchs. Je feiner und qualiwertes
 bewirken. Umgekehrt besteht die Möglich- ätvoller ein Hopfen ist, desto milder und auskeit,
 die Farbe der Dolden durch sachgemäße Be- reglichener ist sein Aroma und desto weniger darf
handlung zu verbessern, ohne daß damit der Brau- rgendein‘ bestimmter Einzelgeruch vorherrschen.
wert des Hopfens gehoben ist. Zu starkes Aroma oder hervorstechender Einzel-Die
 wertvollsten Bestandteile des Hopfens, die reruch bedeutet geringere Wertigkeit. ;
Bitterstoffe — das Humulon und das Lupulon — Träger des Aromas sind nach allgemeiner Übersind
 in den Lupulinkörnern enthalten. Diese sollen :instimmung die Hopfenöle bzw. die ihnen anreichlich
 vorhanden sein, wobei allerdings zu be- ıaftenden aromatischen flüchtigen Bestandteile. Sie
achten ist, daß oft minderwertige Hopfen lupulin- verden bei der Beurteilung des Hopfens als Braureicher
 als selbst feinste Sorten erscheinen. Ge- vare in erster Linie zu prüfen sein; die hohe Besundes,
 frisches Lupulin ist hellgelb, glänzend und vertung des Hopfenaromas stützt sich auf die Tatklebrig.
 Bräunliche Farbe, fehlender Glanz, Trocken- ‘ache, daß gerade jene Hopfensorten, die sich durch
heit des Lupulins deuten auf Beimischung alter, ıesonders feines Aroma auszeichnen,. in der Brauschlecht
 konservierter Hopfen oder auf unsach- ıraxis auf Grund langjähriger Erfahrungen sich als
gemäße Behandlung auf der Darre. Wenn man also esonders hochwertig erweisen. Je feiner, milder,
zwischen Dolden mit hellgelben Lupulinkörnern ı\usgeglichener das Hopfenaroma ist, desto höher ist
auch solche mit bräunlich verfärbten und glanzlosen l'!er Brauwert des Hopfens einzuschätzen. Es ist bis
Lupulinkörnern findet, so ist mit Sicherheit auf die 1eute noch nicht gelungen, dieses Werturteil auch
Beimischung solcher alten Hopfen zu schließen. ein wissenschaftlich zu begründen. Die früher
Solche Hopfen haben natürlich auch nicht den Brau- 1errschende Meinung, daß die Hopfenöle, da sie
wert und Kaufwert neuer, frischer Hopfen. Das beim Verkochen mit den Wasserdämpfen sich ver-Lupulin
 ist zwar nicht der ausschließliche Träger des lüchtigen, keinen Wert hätten, ist jedenfalls nicht
Brauwertes, wohl aber gilt es als Hauptträger des nehr haltbar. Andererseits sind gerade aus den
Aromas. Nidersprüchen zwischen den Erfahrungen der Praxis
Auf dem Lupulingehalt fußt auch hauptsächlich ınd den Ergebnissen der chemischen Analyse vieldie
 sogenannte Handbonitierung. Man verlangt vom ach tiefgehende Zweifel entstanden, die noch der
guten Hopfen reichen Mehlgehalt und beurteilt den \ufklärung durch die wissenschaftliche Forschung
Hopfen rein empirisch durch Betrachtung einer An- arren. Es hat sich sehr häufig herausgestellt, daß
zahl auseinandergebrochener Dolden oder durch _Topfensorten, die wegen ihres feinen Aromas in der
Reiben auf Papier, Dabei soll sich ein fetter, licht- 3raupraxis von jeher hochgeschätzt werden, vom
gelber bis leicht grünlichgelber Strich zeigen, der bei hemiker wegen ihres nur mäßigen Gehaltes an
unreifem Hopfen grünlich ist. Unter der Lupe sollen Bitterstoffen keineswegs hoch bewertet werden. Umdie
 Lupulinkörner voll, rundlich, glänzend, zitronen- ekehrt hat die Analyse oft Hopfensorten wegen
oder grünlichgelb gefärbt erscheinen und beim hres hohen Gehalts an Bitterstoffen günstig beurteilt,
Quetschen dünnflüssigen Inhalt aufweisen. lie der Praktiker wegen ihres scharfen Geruches als
Für die Handbonitierung erscheint von besonderer ninderwertig betrachtet, So gelten die kalifornischen
Bedeutung der Geruch. Bester Hopfen hat einen Iopfen seit Jahrzehnten in der Praxis wegen ihres
vollkommen reinen, angenehmen und rein spezi- viderlichen Geruchs als zur Herstellung edler Biere
fischen Geruch, ohne an einen anderen vege- 1icht verwendbar, während ihr Bitterstoffreichtum
tabilischen oder sonstigen Geruch zu erinnern, Der ie als höherwertige Hopfen kennzeichnen müßte. Es
schlechte Hopfen hat wenig Geruch und dieser ist st zu erhoffen, daß die auf diesem Gebiete gleichoft
 unangenehm, scharf muffig, erinnert. manchmal veitig in Deutschland wie in der Tschechoslowakei
an den Geruch von Knoblauch, Schwefel oder an Darallel fortlaufenden Untersuchungen die Forscher
Obstarten und reizt bei längerer Finwirkung zum zu positiven, für die Praxis auswertbaren Ergebnissen
Nießen. Für die Ausbildung des spezifischen Hopfen- ‘ühren,
        <pb n="95" />
        Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee:
Die Wichtigkeit des Feingeruchs muß vor allem rwähnen. Soll daher der getrocknete Hopfen auch
auch der Hopfenpflanzer beachten, wenn er den nn die richtige Lagerfähigkeit überführt werden, so
höchstmöglichen Preis für sein Erzeugnis erzielen st vor allem darauf zu achten, daß die Trocknung
will. Soll der Hopfen seinen Feingeruch bewahren, veit genug und vor allem bis zur Trocknung der
so muß der Hopfenpflanzer vor allem auf sorg- _vasserreichen Spindeln getrieben wird. Dies erfältigste
 Pflücke, zweckentsprechende Trocknung eicht man am sichersten durch eine sorgfältige
und Lagerung des Hopfens bedacht sein. Bei der Vachbehandlung. Der Hopfen muß nach dem Ab-Pflücke
 darf jede Dolde nur ein kurzes Stielchen Ääumen von der Darre in dünnen Schichten austragen.
 Alle anderen Bestandteile, wie Stengel, rebreitet und öfter gewendet werden. Damit wird
Blätter, Reben, wirken sich beim Hopfenkochen ge- unächst die Auskühlung bewirkt und eine gleichschmacklich
 ungünstig aus. Vor allem muß der näßige Verteilung der noch im Hopfen verbliebenen
Pflanzer auch sorgen, besonders schön entwickelte euchtigkeit und als Folge eine Verhinderung der
Hopfen nicht mit minderwertigen Hopfen, auch wenn chimmelbildung erreicht, So getrockneter Hopfen
sie dem gleichen Anbaugebiete entstammen, zu ver- ann auch ohne Schwefelung noch lange gelagert
mischen. Er schädigt damit nur den Brauwert der verden, ohne an seinem Brauwert zu verlieren, und
besonders schönen Hopfen und damit auch den Preis. ıur solche Hopfen können mit Recht als Original-Gleiches
 gilt natürlich auch von der üblen Gewohn- 10pfen bezeichnet und bewertet werden.
heit, in Jahren guter Qualitätsware Reste aus Vor- Das Schwefeln sollte der Hopfenbauer den Präjahren
 den neuen Hopfen beizumischen. Jarieranstalten, den Händlern oder Verbrauchern
An dieser Stelle seien auch gleich über überlassen; der Bauer selbst sollte sich damit über-1aupt
 nicht befassen. Schwefeln der Hopfen ist notdas
 Trocknen der Hopfen vendig, wenn es gilt, nicht vollkommen trockenen
einige Ausführungen eingeschaltet. Topfen längere Zeit vor dem Verderben zu bewahren.
Daß der Hopfen möglichst bald getrocknet werden Nird es nur zu diesem Zwecke angewendet, ist dasoll
 und daß dieses nicht durch direkte Sonnen- regen nichts einzuwenden. Sehr häufig wird jedoch
bestrahlung geschehen darf, ist allgemein bekannt. lie bleichende Wirkung der schwefeligen Säure dazu
Die sogenannte Lufttrocknung ohne Verwendung rerwendet, um mißfarbigen, schlecht konservierten
&amp;lt;ünstlich erwärmter Luft ist bei guter Witterung die ITopfen eine schönere Farbe zu verleihen und dadurch
einfachste, billigste und sicherste Trocknungs- ‚essere Qualität vorzutäuschen. Dieses Schwefeln
methode, sie ist aber nur bei kleineren Mengen und ediglich zur Schönung des Hopfens ist also keinerlei
trockener Witterung anwendbar. Bei feuchter Witte- ualitätsverbesserung. Im allgemeinen sollte auch
rung oder größeren Hopfenmengen ist das Verfahren ler Brauer die Schwefelung auf ein geringes Maß
sehr unsicher, erfordert viel Zeit, ausgedehnte »eschränken. Hopfen, die gut trocken sind und bald
Räume und man läuft Gefahr, daß die Hopfen durch ersotten werden, brauchen überhaupt nicht ge-Verfärbung
 oder gar durch Schimmelbildung in ihrer chweielt zu werden.
Qualität Schaden leiden. In solchen Fällen muß Für den selbsteinkaufenden Brauer bedeutet die
dann die auf Anwendung künstlich erwärmter Luft &amp;lt;enntnis all dieser Einzelfragen und die Erkenntnis
Jeruhende Feuertrocknung zu Hilfe genommen i1ırer Wirkung auf das herzustellende Produkt einen
werden. Sie spart Raum, Zeit und gibt die Möglich- vichtigen Teil seiner Berufsausbildung. Dabei ist
keit, auch bei ungünstiger Witterung ein gut gefärbtes mnmer noch zu beachten, daß auch der erfahrenste
Produkt zu erzielen. Daher hat die Einrichtung von achmann auf diesem Gebiete niemals auslernt. Die
Mopfendarren sich heute in allen Hopfenanbau- ortschritte der Brautechnik, die Wandlungen im
gebieten eingebürgert. Wichtig ist, daß das Trocken- ieschmack des Publikums, die wieder neu aufgut
 dabei starkem Luftzug ausgesetzt wird, daß die auchenden Biersorten stellen immer wieder neue
Temperatur von ‚niederen Graden nur langsam bis rielseitige Anforderungen an den Brauer, und trotzzu
 einer Höchsttemperatur von 35 bis 40 Grad ge- iem steht der Braumeister sehr oft vor dem Rätsel,
steigert werden darf. Überschreitung dieser Tem- iaß er trotz sorgfältigster Auswahl der Rohstoffe
peratur benachteiligt vor allem die Farbe und ver- nd bester Braumethode nicht den gewünschten
wandelt den Grobgeruch in ausgesprochenen Heu- Irfolg erzielt. Darum ist eine der am häufigsten gezeruch.
 Auch die grüngelbe Farbe des Lupulins geht «Orten Fragen oder Behauptungen, daß diese und
dabei in einen bräunlichen Ton über. Damit ist aber _ene Hopfensorte für bestimmte Biertypen besonders
immer auch eine starke Verminderung des Hopfen- reeignet sei, andere wieder absolut ungeeignet. Bei
oörauwertes, besonders seiner antiseptischen Eigen- olchen Behauptungen spielen naturgemäß auch sehr
schaften, verbunden. Von sonstigen Schädigungen ft geschäftliche Gründe, manchmal auch nur liebdurch
 unzweckmäßige Darrbehandlung ist noch an- rewonnene Gepflogenheiten mit. Richtig ist, daß
haftender Rauchgeruch, Einbuße an Farbe und Glanz, nicht alle Hopfensorten, also selbstverständlich auch
Zersetzung der Harze und des ätherischen Öles zu nicht alle deutschen Hopfen, sich für alle Biertvpen

4
        <pb n="96" />
        IL, 5. Hopfen und Braugewerbe, 95
gleich gut eignen. Das gleiche gilt ja auch für die 3ehr weit auseinander. Daß der Hopfen zur Bierverschiedenen
 Gerstensorten. Dagegen ist ebenso ereitung unentbehrlich ist, scheint unbedingt festrichtig,
 daß man für alle in Deutschland gebräuch- zustehen, nicht aber ist man einig darüber, auf
lichen Biertypen unter den deutschen Hopfen solche welche Hopfenbestandteile man am meisten Rückfinden
 kann, die sich dazu‘ ebensogut wie aus- icht zu nehmen hat. Zunächst dient. der Hopfen
ländische eignen. Gewisse Erleichterungen bereitet lazu, um dem Bier den unbedingt geforderten bitteren
die deutsche Geschmacksrichtung, weil die deutschen 3eigeschmack zu verleihen und es damit „süffig und
Biertrinker bei hellen Bieren nicht den aus- »ekömmlich“ zu machen. Als Träger dieses Bittergesprochenen
 Hopfenbittergeschmack wünschen, wie toffes sind in erster Linie die sogenannten Weichdieser
 bei den böhmischen Bieren z. B. üblich ist. 1ıarze, das Humulon und das Lupulon zu betrachten.
Aber auch dieser Geschmacksart kann durch richtige Das bisher am meisten geschätzte Lupulon wurde
Auswahl der Hopfen und entsprechend abgestuften rewöhnlich als „Edelbitter“ bezeichnet, während das
Grad der Hopfengabe entgegengekommen werden. JTumulon wegen seines schärferen Geschmacks die
3ezeichnung „Grobbitter‘“ trug. Heute neigen die
7orscher dazu, das Humulon als höherwertig zu berachten.
 Diese letztere Meinung wird insbesondere
larauf gestützt, daß das Humulon wegen seiner
;tärkeren bakterienhemmenden Wirkung auch
vesentlich dazu beiträgt, die Haltbarkeit des Bieres
x erhöhen. Das Lupulon wirkt zwar in gleicher
Xichtung, aber wesentlich geringer. Ferner fördern
lie Hopfenharze das Schaumbildvermögen und die
Schaumhaltigkeit des Bieres.
Der Hopfengerbstoff macht sich gleichfalls bei der
3ierbereitung teils günstig, teils ungünstig bemerkjar.
 Seine Wirkung auf den Geschmack des Bieres
st nicht immer vorteilhaft. Dagegen scheint die
Aeinung, daß der manchmal auftretende rauhbittere
Jachgeschmack des Bieres ihm zuzuschreiben sei,
ıcht berechtigt. Dessen Ursache liegt gewöhnlich
n der Verwendung karbonatreichen Brauwassers
ınd der rauhbittere Nachgeschmack läßt sich durch
ıntsprechende Vorbehandlung des Brauwassers verxeiden.

Im allgemeinen ist die Meinung über die Wirkung
1es Hopfengerbstoffes und seines steten Begleiters,
les Phlobaphens, geteilt. Vor allem scheint sie sich
‚ei der Bruchbildung in der Pfanne zu äußern. Die
jeobachtung der Praktiker, daß sich je nach dem
jerbstoffgehalt die Bruchbildung verstärkt oder veringert,
 scheint nach dem gegenwärtigen Stand der
“orschung. auf der verschiedenen Wirkung des Gerb-;toffes
 einerseits und des Phlobaphens andererseits
zu beruhen. Sie tragen durch die Ausscheidung
lunkelgefärbter Eiweißverbindung zur Aufhellung
ler Würze bei, können aber auch zu Trübungen
\nlaß geben. Die oft gemachte Beobachtung, daß
)lankes Bier trotz sorgfältigster Behandlung wieder
ı1achtrübt, wird auf diese Wirkungen zurückgeführt.
Solche und zahlreiche andere oft recht unliebsame
Irfahrungen der Praktiker ließen naturgemäß be-;onders
 in der Brauindustrie, aber auch in der landvirtschaftlichen
 Forschung frühzeitig den Wunsch
'ege werden, auf wissenschaftlichem, insbesondere
:hemischem Wege die durch die Praxis oft nicht
ıufzuklärenden Ursachen vieler Fehlsude zu erzründen
 und die Praxis durch die chemische Analvse

Die Art und die Stärke der Hopfengabe
wird immer nach der jeweiligen Betriebslage auszuwählen
 und abzustufen sein. Weder der Chemiker
noch der Praktiker werden dazu feste Regeln aufstellen
 können. Es bedarf immer der Entscheidung
auf Grund einer Anzahl zu beachtender Faktoren.
Neben dem gewünschten Biertyp und dem auf diesen
Typ angewandten Sudverfahren, neben der Stärke
der Würze, dem Alter, dem Vergärungsgrad, den
Lagerungsbedingungen ist in erster Linie die Qualität
des Hopfens zu berücksichtigen. Nicht unbeachtet
darf auch die Zusammensetzung des Betriebswassers
bleiben. Auch die Geschmacksrichtung des Publikums,
 ob es stärker oder schwächer gehopfte Biere
bevorzugt, ist in Betracht zu ziehen. Endlich noch
wird auch die technische Einrichtung des Betriebes,
insbesondere die Kühlvorrichtung, und die Möglichkeit,
 die Hopfengabe technisch stärker oder weniger
stark auszunützen, von Bedeutung sein (Hopfenentlauger,
 Hopfenmühlen, Hopfenzerreißer).
Für alle dunklen Biere, gleichgültig ob Lager-,
Export-, Märzen- oder Starkbier, bei denen der Malzgeschmack
 gegenüber dem Hopfenbittergeschmack
überwiegen soll, sind fast alle deutschen Hopfen bei
guter Qualität gleich gut geeignet. Daher wurden auch
in früheren Jahrzehnten, als in Deutschland fast ausschließlich
 dunkles Bier gebraut wurde, immer die
bayerischen Hopfen bevorzugt. Zur Herstellung
heller Biere werden besonders die Tettnanger, Sandhausener,
 Schwetzinger, Spalter Hopfen und jene von
den schweren Böden der Hallertau. vorgezogen.
Wissenschalftliche Untersuchung der für die Brauerei
wichtigen Hopfenstoffe.
Fine wissenschaftlich fundierte, einwandfreie Begründung
 bezüglich der Auswahl der Hopfen ist heute
noch nicht möglich. Die bestehenden Untersuchungsmethoden
 zur Beurteilung des Hopfens vom brautechnischen
 Standpunkt aus sind heute noch nicht so
ausgedehnt, daß Fehlurteile ausgeschlossen wären.
Anderseits gehen auch die Anschauungen der verschiedenen
 Forscher über den brautechnischen Wert
oder Unwert der einzelnen Hopfenbestandteile noch
        <pb n="97" />
        Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee:
and die darauf aufzubauenden Schlußfolgerungen zu us der Bayerischen Landesanstalt für Pflanzenbau
ergänzen. Man gelangte allerdings auch hierbei im ind Pflanzenschutz“ von Dr. Zattler dargestellt.
Anfang zu oft recht sonderbar anmutenden Ergeb- Praktisch wichtig sind besonders die Ergebnisse, die
nissen. So wurde die früher übliche Überschätzung ei der Untersuchung der Inkubationszeit gewonnen
des Gehaltes an Bitterstoffen dahin berichtigt, daß vurden. Diese beträgt, wie auch diesjährige Verler
 Bitterstoffgehalt für die Qualitätsbestimmung :uche bestätigten, für die Blätter der Hopfenpflanze
zwar sehr wichtig, aber keineswegs ausschlaggebend neist etwa drei bis vier Tage, für die kranken Seitensei.
 Andererseits wurden die Analytiker dahin belehrt, riebe zehn bis zwölf Tage. Auf Grund der kurzen
daß die Hopfenöle, die schon der Praktiker bisher als ı1kubationszeit und wegen des raschen, ständigen
maßgebend für das Aroma und den Brauwert an- WVachsens der Hopfenpflanze sind daher für die
erkannte, erheblich wichtiger seien als die Analytiker ’eronosporabekämpfung mehr Bespritzungen ervorher
 glaubten. orderlich als im Weinbau, Zusammen mit dem
Fs besteht nun sowohl in Deutschland als in der (iederschlagsreichtum in den Hopfenbaugebieten er-Tschechoslowakei
 eine Anzahl von Instituten und :ibt sich daraus auch, daß genaue Angaben über die
Einrichtungen, deren Untersuchungen sich parallel pritztermine nicht gegeben werden können; jedoch
4m die Erforschung dieser Fragen bemühen und es :onnten brauchbare und nützliche allgemeine Richtist
 zu hoffen, daß damit nicht nur für die Brau- inien hierfür ausgearbeitet und der Praxis in Flugindustrie,
 sondern auch für die Landwirtschaft sehr ılättern zugänglich gemacht werden.
wichtige und entscheidende Ergebnisse gewonnen Die Bayerische Landesorganisation für Pflanzenwerden.
 In Deutschland, speziell in. Bayern bewegen :chufz im Hopfenbau, welche sich aus der Hopfensich
 die hierfür geschaffenen Einrichtungen teils in orschungsstelle als Zentralstelle, aus den etwa
Richtung der Landwirtschaft, teils in der Richtung j0 Landwirtschaftsstellen der Hopfenbaugebiete und
der analytischen Chemie und der praktischen Brau- m ersten Jahre aus rund 500 Vertrauensleuten zuversuche.
 Durch Beschluß des Bayerischen Landtags ‚ammensetzte, hat zur Aufklärung über die Hopfenvom
 15. Dezember 1926 wurde die Gründung einer rankheiten und zur Förderung ihrer Bekämpfung
Hopfenforschungsstelle an der Bayerischen Landes- rfolgreich beigetragen. Über die praktische Ausanstalt
 für Pflanzenbau und Pflanzenschutz. Mün- wirkung dieser Organisation berichten Professor
chen, genehmigt. Ir. Korff und Dr. Zattler in zwei Aufsätzen in dem
Im Vollzug dieses Beschlusses: erließ das ıngeführten Heft. Die Hopfenforschungsstelle gibt
Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft am vährend der Vegetationszeit allmonatlich Frage-/.
 Januar 1927 unter anderem folgende Verfügung: ‚gen heraus, welche von einem Pflanzenschutz-„Zum
 Zwecke der praktischen Fördern den LO ONDANES calendarium begleitet sind, in welchem auf die in der
ä 1 .. z «
m der machlaltigen Behringer TOP aigen Chsten Zeit zu erwartenden Krankleilen genan vSr-Zebieten
 wird: viesen wird und die erforderlichen Bekämpfungs-|.
 ein Landesinspektor für Hopfenbau im Hauptamt mit naßnahmen angegeben werden. Außerdem wird die
dem Dienstsitz in Weihenstephan aufgestellt, )raxis durch zahlreiche aktuelle Presseartikel aufeine
 Forschungs- und Beratungsstelle für Hopfenkrank- reklärt
heiten an der Landesanstalt für Pflanzenbau und eK1ATt. .
Pflanzenschutz in München errichtet.“ In beiden Jahren wurden Freiland- und Labora-Als
 weitere Richtlinien wurden für ‚Aie Hortentrs ehe oriumsversuche über die Wirkung der von der
x in i i en . 2 .
Ed le Elke limte an 20eets mugehutenen Enkimp/gsn ide durch-Xopfenbau
 aufgestellt: zeführt.
-_ Erteilung kostenfreier Auskunft in allen Fragen des Die Veröffentlichung über die Arbeiten des ab-Pflanzenschutzes
 im Hopfenbau, | aufenden Jahres befindet sich gegenwärtig in Be-Herausgabe
 von antklönsn den Schriften und Mitwirkung ırbeitung und wird Anfang nächsten Jahres er-Prüfung
 der einschlägigen chemischen und technischen ‚scheinen. Von der wissenschaftlichen Tätigkeit im
Hilfsmittel. . ahre 1928 sei erwähnt, daß vor allem groß ange-Die
 Hopfenforschungsstelle hat im Jahre 1927 mit egte, exakte Versuche durchgeführt wurden, welche
Beginn der Vegetationszeit ihre Tätigkeit gemäß der ich mit der Frnährungsphysiologie des Hopfens
zenannten Richtlinien aufgenommen. Über die bisher ‚efassen und die Zusammenhänge mit der Anfälligdurchgeführten
 Arbeiten und die dabei erzielten Er- eit gegen Krankheiten, besonders gegen die Peronozebnisse
 bringen deren amtliche Veröffentlichungen ;pora, klären sollen. Die Durchführung dieser Unter-Aufschluß.
 Besonders sei auf folgende Punkte ver- ;uchungen wird einen längeren Zeitraum beyiesen:
 ınspruchen.
Die Biologie des Peronosporapilzes konnte bereits , ,
m ersten Jahre sehr weitgehend geklärt werden und Kr ankheitserscheinungen des Hopfens,
wurde mit den für die Bekämpfung daraus hervor- Das starke Überwiegen von Krankheitserscheirehenden
 Gesichtspunkten in Heft 5 der „Arbeiten nungen im deutschen Hopfenbau, insbesondere der

x
        <pb n="98" />
        MN., 5. Hopfen und Braugewerbe,
Peronospora, hat den Deutschen Brauer-Bund und
auf seine Veranlassung auch die beteiligten Regierungen
 des Reiches und der Länder veranlaßt, dem deutschen
 Hopfenbau auch nach seiner rein pflanzlich
biologischen Seite hin mehr Aufmerksamkeit als in
früheren Jahrzehnten entgegenzubringen. In erster
Linie war man darauf bedacht, gegen Krankheit
widerstandsfähige Sorten zu ermitteln und zu
züchten. Die Aufgabe zu lösen erschien anfänglich
nicht allzu schwierig, weil man nicht auch gleichzeitig
 auf das Qualitätsprinzip Rücksicht nahm. Die
Schwierigkeit erhöhte sich aber, als auch diese Frage
mit hereingezogen wurde, Die Qualität des Hopfens
hat ihre Ursachen wiederum in chemischen Vorgängen
 beim Pflanzenaufbau wie bei der Bodenvorbereitung,
 die wissenschaftlich noch nicht vollständig
 geklärt sind, die aber dem Praktiker bekannt
sind und die auf den günstigen Verlauf des Siedeprozesses
 entscheidend einwirken. Ich habe daher
schon frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß
man über rein biologische Sortenbeobachtung und
-züchtung hinaus auch diesen biochemischen Vorzängen
 innerhalb der Pflanze und während ihrer
Verwertung gespanntes Augenmerk zuwenden müßte,
und daß man die brautechnische wie die chemische
Wissenschaft nicht nur heranziehen, sondern mit ihr
stets in engster Fühlung bleiben müsse. Dieses Zusammenwirken
 ist aber wiederum nicht sehr leicht
zu erreichen, da der größte Teil der landwirtschaftlichen
 Produzenten diesen Zusammenhängen vollständig
 verständnislos gegenübersteht und selbstverständlich
 der Meinung ist, Hopfen sei Hopfen, und
es käme in der Hauptsache auf die Erzielung möglichst
 großer Mengen und hoher Preise an.
Die Maßnahmen zur Hebung der Qualität
des Hopftenbaues
haben sich in zwei Richtungen zu bewegen:
A. Rein landwirtschaftlich züchterische Maßnahmen.
In deren Mittelpunkt wurde durch den Deutschen
Brauer-Bund das Hopfenversuchsgut Hüll gestellt.
Bekanntlich wurde 1926, als die Pseudo-Peronospora
humuli unseren einheimischen Hopfenbau zu vernichten
 drohte, vom Deutschen Brauer-Bund die
Gesellschaft für Hopfenforschung ins Leben gerufen
und am 16. Februar 1926 das Hopiengut Hüll in der
Hallertau erworben. Das Hopfengut wurde zum
Hopfenversuchsgut ausgebaut. Hier wird unter der
Oberleitung des Landesinspektors für Hopfenbau in
wissenschaftlicher und wissenschaftlich-praktischer
Richtung an allen im Hopfenbau wichtigen Fragen
gearbeitet, und zwar vor allem erforscht: die Bodenbearbeitung,
 Prüfung und Anwendung neuzeitlicher
Geräte, Düngung, Pflege der Pflanzen, Bekämpfung
der Krankheiten und Schädlinge, Errichtung neuzeitlicher
 Gerüstanlagen, Sortenprüfung, Sortenerhaltung
Die deutache Brauindustriea der Gegenwart

97

ınd Auswahl der Qualitätssorten durch Stockauslese,
Sortenwahl und Züchtung neuer Sorten auf dem
Nege der künstlichen Kreuzung, Erntemaßnahmen
ınd Trocknung des Hopiens, Gewinnung von
Aaterial für Sudversuche, Abhaltung von Kursen für
Iopfenpflanzer und Bonitierungskurse für Brauerei-'achleute,
 Hopfenhändler und Hopfenpflanzer. Das
7ersuchsgut hat trotz der kurzen Zeit seines Betehens
 schon viel für den einheimischen Hopfenbau
‚eleistet, und es ist nur zu wünschen, daß die dortigen
\rbeiten von seiten der bayerischen Staatsregierung
ınd von den Hopfeninteressenten wie bisher die notvendige
 Unterstützung finden.
B. Im Zusammenhang mit der Landwirtschaft
Auswertung der Ergebnisse durch Brautechnik
und Brauwissenschaift,
Hier trat in erster Linie auch an den Landwirt die
“rage heran, was denn eigentlich unter Qualitätsıopfen
 gemeint sei. Man versteht. darunter Hopfen,
ier die für den Brauprozeß wichtigen Stoffe in mögchster
 Größe und leicht ausnutzbarer Menge, dasegen
 die wertlosen oder schädlichen Stoffe in
nöglichst geringer Menge enthält. Welches sind die
virklich wertvollen Hopfenbestandteile? Hier gehen
:chon die Meinungen auseinander. Die Erforschung
ler beiden wichtigsten Hopfenbestandsteile, denen
ine Reihe von Wissenschaftlern wie Lintner und
ındere den größten Teil ihrer Lebensarbeit widmeten,
st heute noch völlig im Flusse (Humulon und
‚upulon). Die Bedeutung der Hopfenöle und des
jerbstoffes ist. noch stark umstritten. Fest steht
edenfalls, daß sie nicht ohne Einfluß auf den Bierreschmack
 sind. Die Einwirkung des Gerbstoffes
uf den Fiweißgehalt der Würze wie sein Einfluß auf
lie Bierfarbe und den Biergeschmack sind gleichfalls
ıoch in der Erforschung. Erst mit der völligen
&amp;lt;lärung dieser Fragen kann auch die Frage, welche
3igenschaften und welche Bestandteile wirklicher
Jualitätshopfen überhaupt und welche derselbe für
jestimmte Biertypen haben muß, einwandfrei bentwortet
 werden. Dann erst können auch die zücherischen
 Versuche systematisch in eine ganz be-;timmte
 Richtung gelenkt werden. Die in ähnlicher
zichtung in Böhmen durchgeführten Versuche von
Jr. Doerell haben bisher gezeigt, daß sich nicht nur
irtrag, sondern auch Harzgehalt, Farbe und Aroma
turch die Art der Düngung sehr wesentlich beänflussen
 lassen.
Immer aber wird sich als notwendig erweisen,
lie Ergebnisse der chemisch-analytischen wie der
jologischen Forschung auf dem Wege des prakischen
 Sudversuches einer gründlichen systemaischen
 Nachprüfung durch den praktischen Sud-‚ersuch
 zu unterziehen. Doch auch dieser Weg hat
;eine Schwierigkeiten. Bei Neuzüchtungen fallen
1icht gleich so große Hopfenmengen an, daß
        <pb n="99" />
        98_ Kommerzienrat Max Kirschner, Tegernsee:
Versuchssude im normalen Brauereibetrieb möglich ier Tschechoslowakei schon seit längeren Jahren
wären; weiter kommt hinzu, daß es im normalen ınd mit größtem wirtschaftlichen Erfolg dazu ge-Brauereibetrieb
 außerordentlich schwierig ist, bei dührt, die Herkunftsbezeichnung der Hopfen unter
mehreren Versuchssuden alle Bedingungen zu er- esten gesetzlichen Schutz zu stellen (Provenienzfüllen,
 die nötig sind, um die Ergebnisse der Parallel- esetz), und sie hat in Bayern zur Bildung der soversuche
 vergleichbar zu gestalten. Dies kann auf r:enannten Siegelbezirke, zur Zeit allerdings noch
aäiner kleinen, laboratoriumsmäßig eingerichteten hne gesetzliche Unterlage, geführt. Die Bevor-Apparatur,
 die aber mit allen Mitteln des Groß- "ugung der geschützten Bezirke durch die Käufer
detriebes ausgestattet ist, viel leichter und mit ge- ann aber auch dazu verleiten, durch falsche
fingen Kosten erreicht werden. Aus diesem Grunde Deklaration, durch Beimischung minderwertiger
ist es zu begrüßen, daß Herr Professor Meindl von orten dem Käufer bessere Qualität vorzutäuschen
der Hochschule Weihenstephan, dem eine vollständig nd dadurch von ihm höhere Preise zu ereingerichtete
 Laboratoriumsbrauerei zur Verfügung vielen. Ein sicheres Erkennen der verschiedensten
steht, sich unter finanzieller Beihilfe des Deutschen ’rovenienzen ist dem erfahrenen Fachmann selbst
und Bayerischen Brauerbundes mit seinen Mit- lann kaum möglich, wenn er sie nebeneinanderarbeitern
 in den Dienst der Hopfenforschung stellte iegen hat. Aus Mischungen, besonders in geınd
 sich bereit erklärte, wichtige Fragen auf dem reßtem Zustande (Büchsen, Ballots), oder nach
Gebiete der Hopfenchemie, deren Lösung im Groß- ingerer Lagerung ‘die Provenienz mit absoluter
betriebe nicht möglich ist, in Angriff zu nehmen. Sicherheit festzustellen, ist selbst dem erfahrensten
Selbstverständlich sind auf diesem schwierigen Ge- "achmann nicht möglich. Dazu kommt weiter, daß
diete nicht von heute auf morgen Ergebnisse zu er- n den verschiedensten Hopfenanbaugebieten auch
hoffen. Es wird jahrelanger, zielbewußter Arbeit be- remde, nicht bodenständige Sorten gepflanzt
dürfen, um etwas Licht in die noch dunklen Gebiete vurden, die ihre .Heimateigenschaften oft lange
der Hopfenchemie zu bringen. | lahre bewahren, und daß Klima, Lage, Wetter und
. &amp;gt;flanzenbehandlung selbst auf dem gleichen Anbau-Hopfeneinkauf,
 Hopfenhandel, Provenienz- rebiete die gleichen Sorten in den Eigenschaften
bezeichnung. ;tark differenzieren können. Diese Schwierigkeiten
Hat der Brauer für die von ihm gewünschten Bier- nd die bei einem unehrlichen Vorgehen iür den
sorten sich seine Erfahrungen über die geeignetsten Tländler erzielbaren hohen Gewinne sind schon seit
Hopfen gebildet, so kommt natürlich sehr viel darauf ılter Zeit Gegenstand des Streites und Kampfes
an, daß er beim Einkauf auch die gewünschten wischen den Hopfenbauern und Brauern einerseits
Hopfen erhält. Der sicherste Weg dazu ist allerdings ınd dem Handel anderseits. Sie führten vielfach
der direkte Einkauf. Bei guten Platzkenntnissen und u Anklagen gegen den Handel, besonders in der
aigenem sicheren Urteil, allerdings auch unter der Vachkriegszeit, und endlich zu der Forderung an
Voraussetzung entsprechender Zahlungskraft, bringt ‘en Reichstag, daß auch in Deutschland durch
lieser dem Brauer große Vorteile. Der Käufer kann jesetz die Herkunft des Hopiens (Provenienz) gejeden
 Zweifel über die Herkunft des Hopfens durch chützt werden solle.
zigene Anschauung beseitigen, er hat Gelegenheit, die Schon Mitte bis Ende des 19. Jahrhundert wurden
verschiedenen Erzeugnisse eines bestimmten Anbau- ;pnliche Beschuldigungen erhoben. So bildete sich
gebietes nebeneinander und im Originalzustand und non 1865 in Kulmbach ein Hopfenkonsumverein
in größeren Mengen zu vergleichen, er ist nicht VON nit der Aufgabe, „den Brauern gute Hopfen zu
ner bestimmten Lage abhängig, sondern kann sich ‚erschaffen und dem vielen Schwindel vorzuaus
 verschiedenen Lagen, die ihm am besten er- ‚eugen“. Diese Genossenschaft forderte gleichfalls
scheinenden Sorten auswählen. Nicht jeder Brauer rom Reichstag ein Verbot des Mischens bayest
 jedoch dazu in der Lage. Er wird dann auf die scher Hopfen mit solchen anderer Länder. Gegen
Hilfe eines sachkundigen Einkäufers oder auf den |;0se Forderung wandte sich die Handels- und Ge-Bezug
 über den Handel aNgEWIESEN SEIN, Der letztere verbekammer in Mittelfranken mit der Begründung,
NE Seizt Vor allem nicht HUF große Sachkenntnis, ‚ein Verbot der Mischung werde in erster Linie die
A absolute Kanimännische Ehrlichkeit uud yayerischen Hopfenbauern schädigen“. Diese Ein-D
 SO CS an 5 VOTANS- stellung begegnete aber in der Fachpresse wie in der
a herkommensgemäß mit jedem Hopfen durch T heftigem Widerspruch
Siegel geschützter oder sonst bekannt guter Lagen ARSSPEUSSE 8 )
auch ganz bestimmte Qualitätsbegriffe verbunden Die Berliner Wochenschrift für Brauerei erhob
werden, so hat sich aus jahrzehntelangem Handels- 11891 entschiedenen Widerspruch gegen die von der
zebrauch die Bezeichnung der Hopfen nach ihrer Mnittelfränkischen Handelskammer behauptete Un-Herkunft
 (Provenienz) auch gleichzeitig als Quali- ntbehrlichkeit des Hopfenmischens beim Honfentätsbegriff
 eingebürgert. Diese Handelssitte hat in 1ändler und erklärte:
        <pb n="100" />
        II, 5. Hopfen und Braugewerbe,
„Brauer wie Hopfenbauern könnten es nur mit Freuden begrüßen,
 wenn dieser Mißbrauch durch die gesetzliche Einführung
 des obligatorischen Identitätsnachweises für Hopfen
im Handelsverkehr beseitigt würde. Durch die Mischpraxis
werde besonders der bessere bayerische Hopfen insofern geschädigt,
 als infolge des Mischens notorisch ein auch qualitativ
dem bayerischen Hopfenangebot nicht gleichwertiges, aber
weit größeres scheinbares Angebot von bayerischem Hopfen
bewirkt wird, das naturgemäß auf die Preise für wirklich
bayerische Provenienzen drückt.“

39

yackung der Hopfen unterliegt ebenfalls der Konrolle
 der Hopfensignierhalle. Die örtliche Herkunft
ler zur Ausfuhr bestimmten Hopfen muß durch die
Topfensignierhalle beglaubigt werden.
Der sichtlich segensreiche Einfluß, den dieses
jesetz in den wenigen Jahren seines Bestehens auf
lien böhmischen Hopfenbau und Hopfenhandel und
lamit auch auf die gesamte Volkswirtschaft ausübte,
st bekannt. Der riesige Aufschwung des dortigen
[opfenbaues und die hohe Wertschätzung des
Öhmischen Hopfens ist in ‚erster Linie den Wirungen
 dieses Gesetzes zuzuschreiben. Daher haben
a Deutschland Brauindustrie und Hopfenbau überinstimmend
 mit allem Nachdruck für  Deutschand
 die Forderung nach dem Erlaß eines gleichen
jesetzes erhoben. Den Bemühungen dieser beiden
Creise ist es auch bereits gelungen, daß die
ıaayerische Staatsregierung im April 1928 einen
lahinzielenden Gesetzentwurf dem Reichstag unter-‚reitete.
 Die ausführlichen Eingaben der Hopien-:zommission
 des Deutschen Brauer-Bundes fanden
‚achgemäße Unterstützung durch Gutachten der
vissenschaftlichen Stationen Weihenstephan, Mün-)hen,
 Nürnberg; sie fanden allerdings auch wiederum,
vie in früheren Jahrzehnten, starke Gegnerschaft
lurch den organisierten Hopfenhandel. Diese Ausührungen
 wurden nicht nur durch die Gutachten
ler oben angeführten wissenschaftlichen Stationen,
‚sondern auch durch eine Reihe bekannter Wissenichaftler,
 wie Professor Dr. Otto Meindl von der
Tochschule Weihenstephan, Direktor Ernst von
ler Staatlichen Brautechnischen Versuchsanstalt in
NVeihenstephan, Dr. Neumann, dem Vorstand der
vohstoffabteilung an der Versuchs- und Lehranstalt
ür Brauerei in Berlin, ferner Professor Dr. Lüers,
lem Leiter der Wissenschaftlichen Station für
3rauerei in München, eingehend aus wissenschaftichen
 und ‚praktischen Erfahrungen heraus wideregt.
 Wie weit es nun gelingt, die Gesetzgeber von
ler Notwendigkeit dieses Gesetzes und den sich
laraus für Landwirtschaft und Brauindustrie errebenden
 großen Vorteilen zu überzeugen, muß abrewartet
 werden.

In der Tschechoslowakei hat man die Folgerungen
aus solchen Erfahrungen schon vor Jahren gezogen.
[m Jahre 1907 wurde dort das sogenannte Hopfenprovenienzgesetz
 erlassen, durch welches die fakultative
 Signierung des Hopfens nach seiner örtlichen
Herkunft eingeführt wurde. Dieses Gesetz hatte
jedoch den großen Mangel, daß die Signierung nicht
allgemein und nicht obligatorisch war. Darum wurde
an dessen Stelle durch Gesetz vom 12. August 1921 die
obligatorische Hopfensignierung nach der örtlichen
Herkunft eingeführt; sie trat mit Anfang der Ernte
1922 in Wirksamkeit, Nach diesem Gesetz muß der
gesamte in der tschechoslowakischen Republik erzeugte
 und in Verkehr gebrachte Hopien obligatorisch
 schon in der Produktionsgemeinde nach örtlicher
 Herkunft signiert werden durch Angabe des
Staates (tschechoslowakische Republik), des Jahrgangs,
 des Produktionsgebietes und der Produktionsgemeinde.
 Die Hopfenproduktionsgebiete wurden
 genau bestimmt, für jedes Produktionsgebiet
eine öffentliche Hopfensignierhalle errichtet, unter
deren Kontrolle die Hopfensignierung vorgenommen
wird. Das Mischen der in der tschechoslowakischen
Republik erzeugten Hopfen mit ausländischen
Hopien ist verboten; desgleichen ist verboten das
Mischen der Hopfen verschiedener Fechsungsjahrgänge
 oder der Hopfen aus verschiedenen Produktionsgebieten.
 Weiter ist verboten die Benützung
von Bezeichnungen allgemeiner Art, wie „Lagerbierhopfen‘“,
 „Schankbierhopfen‘“, „Herrschaftshopfen“
und dergleichen. Gestattet ist nur das Mischen der
einheimischen Hopfen, insofern diese demselben
Fechsungsjahrgang angehören und aus dem gleichen
Produktionsgebiet stammen, und zwar ausschließlich
unter Kontrolle der Hopfensignierhalle. Die Um-
        <pb n="101" />
        6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand.
Von Josef Wild, Generalbetriebsdirektor der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei-Aktiengesellschaft, Berlin.

Zur Herstellung von Lagerbieren darf in Deutschland
 nach dem Brausteuergesetz nur Malz, Hopfen,
Hefe und Wasser verwendet werden. Unter Lagerdieren
 versteht man länger gelagerte haltbare Biere,
welche mit sogenannter untergäriger Hefe
kalt vergoren werden im Gegensatz zu den obergärigen
 Bieren, welche mit obergäriger Hefe
ihre Gärung durchmachen, wärmer und kürzer zu
yären pflegen und rasch dem Konsum übergeben
werden müssen. Während erstere vermöge ihrer
zrößeren Haltbarkeit weiteste Verbreitung gefunden
haben und noch finden, bewegt sich die Herstellung
der obergärigen Biere in sehr bescheidenen Grenzen
ınd macht nur wenige Prozente der Gesamtbieraerstellung
 aus. Die Exfraktgehalte der Vollbiere
nach Abschluß des Sudprozesses betragen in der
Regel 11—14 % B, die der Starkbiere 16—18 % B,
d. h. in 100 Teilen Bier sind 12—14 bzw. 16—18 Teile
Extraktsubstanz vorhanden. Diese Extraktgehalte
dürfen, was leider sehr oft geschieht und von Feinden
des Bieres eifrig ausgenutzt wird, nicht verwechselt
werden mit den Alkoholgehalten des fertigen
Bieres, ein Vergleich, der bei Weinen, Likören und
Branntweinen wohl üblich, bei Bieren aber keinesfalls
zutreffend ist. Biere haben einen Alkoholgehalt von
3—4 % bzw. 4,5—5 %, während Weine 7—15 %,
Branntweine und Liköre bis zu 40 % Alkohol und
jarüber aufweisen.
Gegenüber den sehr bescheidenen und recht verschiedenen
 Einrichtungen und Verfahren der obergärigen
 Brauereien sind die der Lagerbierbrauereien
sehr umfangreich und werden dauernd vervollkommnet.
 Die
Sudhauseinrichtung
der letzteren ist zunächst abhängig vom Umfang des
Betriebes, also verschieden bei kleineren, mittleren
ınd großen Brauereien, ferner in der Hauptsache
ınterschiedlich, je nachdem mit Feuer oder Dampf die
10twendige Wärme zugeführt wird. In kleineren Be-'rieben
 arbeitet man mit zwei Gefäßen, nämlich einem
sogenannten Maischbottich, der alternativ auch als
Läuterbottich Verwendung findet, und einer Maischpfanne,
 die auch als Würzepfanne dient. Da der
Sudprozeß innerhalb 12 Stunden vollzogen ist, so
können auf diesem „einfachen“ Sudwerk täglich
höchstens zwei Sude hergestellt werden. In mittleren
Brauereien enthält das Sudhaus zumeist vier Gefäße,
ınd zwar dient jedes Gefäß einer spezifischen
Funktion; demnach dient der Maischbottich nur zum
Maischen, der Läuterbottich nur zum Läutern. die

Maischpfanne nur zum Kochen der Maische und die
Nürzepfanne nur zum Kochen der Würze. Mit
liesem „doppelten“ Sudwerk können maximal pro
"ag vier Sude hergestellt werden. Da der Maisch-»rozeß
 nur annähernd die Hälfte Zeit der gesamten
Sudprozeßdauer beansprucht gegenüber der Läuter-‚eit
 und gegenüber dem Würzekochen, so können
‚rößere Brauereien mit sogenannten „sechs Gefäße-5udwerken“,
 also mit zwei Maischgefäßen, die beiebig
 zum Maischen oder Maischekochen Vervendung
 finden, ferner mit zwei Läuterbottichen und
wei Würzepfannen sechs bis acht Sude pro Tag her-‚tellen;
 dadurch wird die Anlage bautechnisch
ind betriebstechnisch billiger, über-;ichtlicherundeinfacher.

Der Begriff „Kochpfanne“ setzt ein flacheres Geäß
 voraus als der Begriff „Kochkessel“, eine Untercheidung,
 die auch dem Volksmund geläufig ist. Die
'aachere Kochpfanne ist hervorgegangen aus der Bejenung
 derselben mittels Feuer, während die
Cochkessel ihre tiefere Form erhalten haben, als man
ur Dampfkochung überging. Die Feuerpfanne
vird vorteilhaft mit Brennmaterial von mittlerem
leizwert bedient, also nicht mit Holz mit etwa
000 W. E,, weil es zu teuer ist und nicht mit Steinzohle
 mit etwa 6000 bis 7000 W. E., weil die Hitze
m stark ist, vielmehr mit wasserarmer Braunzohle
 oder mit Briketts mit 4000 bis 5000 W.E.
NVesentlich ist, daß der Rost nicht zu nahe unter dem
&amp;gt;Yannenboden eingebaut ist, vielmehr so tief liegt,
i1aß sich die Flamme gut entwickeln und ohne Stichlamme
 über den. ganzen Pfannenboden ausbreiten
cann. Gute „Rührwerke“ in der Pfanne und recht-‚eitiges
 Abdecken des Feuers beim Leerwerden derelben
 wirken schonend für den Pfannenboden und
'rerhindern das unangenehme „Anbrennen“ des
ahalts.
Die Dampfpfanne besitzt einen doppelten Boden,
‚us dessen Zwischenraum der Dampf seine Wärme
ın die Pfanne abgibt. Nur reduzierter gespannter
)ampf kommt in Frage, zumeist etwa zwischen 1%
nd 2% Atm., gleichviel, ob aus dem Kessel oder aus
:er Maschine entnommen. Der Dampf hat bei dieser
;pannung eine Temperatur von 126—138° C; er darf
ıicht überhitzt sein, da überhitzter Dampf
lie Wärmenurlangsamleitet. Die Heizlächen
 bei Dampfkochung sind geringer als bei
zeuer; 1 Kilo Dampf hat bei 2 Atm. 652 Kalorien.
/erwendet man Dampfschlangen in der Pfanne, so
nüssen diese tief genug und so angebracht sein. daß
        <pb n="102" />
        II, 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand. 101
Bad le Be ie eh
auch die unter den Schlangen gelegenen Maische- :inwandfreie Erfolge erzielt werden, . da die Zuoder
 Würzeteile mit in die Kochzirkulation ein- ;ammensetzung und die Wirkungsweise des Hopfens
bezogen werden. Die rotierenden Dampfrohre an Aı1insichtlich seiner Bitter- und Gerbstoffe noch wenig
Stelle des Heizbodens gestatten höhere Dampf- rforscht ist und einer besseren Aufhellung durch
ädrucke, von denen solche bis zu 8 Atm. an- vissenschaftliche Arbeit bedarf, Aus denselben
gewendet werden; dabei erreicht man Dampf- ‘iründen sind auch die Anläufe zur Herstellung von
temperaturen von 174° C. Die Sftopfbuchsendichtung optfenextrakten mindestens als verfrüht zu bebeim
 Dampfeintritt macht manchmal Schwierig- zeichnen. Im Sudhaus selbst befinden sich noch die
keiten. Die Verdampfung in der Würzepfanne muß ?ührwerke und die Pumpen zur Bedienung der
mindestens 5 % des Pfanneninhaltes pro Stunde be- efäßinhalte. Man geht dabei immer mehr zur
tragen; wird das nicht erreicht, so liegen Pfannen- »Jektromotorischen Mechanisierung über, sucht jedoder
 Heizflächenfehler vor. ' vede Riemen und Transmissionen im Sudhaus zu
Das Feuer setzt also größere Heizflächen bei den vermeiden und beschränkt sich dort auf die not-Gefäßen
 voraus gegenüber dem Dampf, und wenn ab vendigsten Rohrleitungen. Die modernen Sudhäuser
und zu auch heute noch der Feuerkochung aben eine Höhe von 8—12 m; die Gefäße werden
Vorzüge für das Endprodukt in qualitativer Hin- on einem durchgehenden, gepflasterten, wassersicht
 zugesprochen werden, so steht doch iest, daß lichten Podest aus bedient, unter welchem sich ein
diese teilweise übertrieben werden und vor allem nur öllig abgetrennter Raum befindet, in dem alle
bei den Zweigefäße-Sudwerken zutreffen können, Mechanismen und Rohrleitungen einschließlich des
nämlich dort, wo die Würzepfanne auch als Maisch- Topfen-Monteijues untergebracht sind.
pfanne Benutzung findet. Die vom Feuer berührten Außerhalb des Sudhauses, aber bedienungs-Pfannenheizflächen
 wirken sich natürlich auf den gschnisch mit diesem verbunden, sind
Inhalt um so mehr aus, als größere Heizflächen auf
kleinere Inhaltseinheiten der Pfanne Finfluß haben.
Wenn entschieden werden soll, ob man die Maischpfanne
 oder die Würzepfanne allein mit Feuer bedienen
soll, so ist dabei von der in der Praxis erprobten Tatsache
 auszugehen, daß bei der Maischpfanne die Auswirkung
 der Feuerkochung eine intensivere ist, da
die Flüssigkeitsmengen geringer sind und die Konzentration
 des Inhaltes eine größere ist, denn die
Würzepfanne enthält Würze von 12% B, die
Maischepfanne dagegen Maische von 20—25 % B-Extraktgehalt.
 Diese umstrittene Frage beantwortet
sich aber namentlich in größeren Betrieben von selbst
zugunsten der Dampfbeheizung, weil diese viel
sauberer, leichter und besser mechanisierbar und viel
sicherer und einfacher ist bei Einstellung und Einhaltung
 der den Maischprozeß beherrschenden außerordentlich
 wichtigen Temperaturen innerhalb der
Maische. Man steht heute auf dem Standpunkt, daß
der durch Keimung und Darren bestimmte Typ des
Malzes auch die erstrebten Biertypen entscheidender
beeinflußt, als die Sudhauseinrichtung als solche. Im
Sudhaus selbst befindet sich als Ergänzungsgefäß nur
noch der „Hopfenseiher“, welcher den beim Abschluß
des Sudprozesses ausgekochten Hopfen zurückhält.
Das geschieht durch eingelegte gelochte Bleche in
einem eisernen runden oder viereckigen Gefäß, das
zuweilen mit einer Vorrichtung zum Auspressen oder
Auslaugen der Hopfentreber verbunden ist. Größere
Betriebe verwenden ein hermetisch verschließbares
Gefäß, das „Montejues“, das nicht nur den Hopfen
zurückhält, sondern auch durch Unterdrucksetzen die
Hopfentreber hinaus auf den Wagen befördert.
Zuweilen wird auch ein besonderes Gefäß zum Entlaugen
 des Hopfens verwendet wobei nicht immer

die Kalt-, Warm- und Heißwasser-Reservoire.
Die Anwärmung des Wassers geschieht in Sudverken
 mit Feuerkochung dadurch, daß man die
'hnehin noch sehr heißen Abgase des Feuers hinter
ıen Pfannen nicht gleich direkt in den Schornstein
zitet, sondern noch vorher um oder indirekt durch
lie Wasservorwärmer führt oder eine aus und zu
lem Warmwassergefäß zirkulierende Warmwassersitung
 dicht hinter der Feuerungstüre einbaut.
"umeist aber geschieht das Anwärmen des Wassers
ntweder indirekt durch den Auspuffdampf der
Aaschine oder in größeren Brauereien in der Regel
lurch Ausnutzung der Kondensationswärme, wobei
nan kostenlos praktisch 45°C warmes Wasser
‚rhält, das evtl. indirekt mittels Zwischendampf oder
ischdampf auf notwendige 80° C gebracht wird.
In Aufnahme kommen auch .die sogenannten
‚Wrasen-Vorwärmer“, welche über dem Sudhaus in
ler Nähe des Dunstschlotes der Kochpfannen in der
Veise aufgestellt sind, daß ein Ventilator den heißen
‚unst der Pfanne über ein von kaltem Brunnenwasser
urchflossenes Röhrensystem bläst, wobei das
Vasser angewärmt wird. Weiter oben tritt der
nınst über einer geschlossenen Klappe wieder in das
hunstrohr ein, soweit er nicht niedergeschlagen ist.
Äan gewinnt auf diese Weise von jedem verdampften
lektoliter Würze — nur das Wasser verdampft, ohne
ixtraktteile mitzunehmen — etwa sechs Hektoliter
NVasser von 70°C. Diese Wrasenwärmeausnutzung
st besonders dann empfehlenswert, wenn statt
)ampfkraft bezogener elektrischer Strom verwendet
vird, wobei es immer an Wärme mangelt. Das
Condensat selbst zum Brauen zu verwenden in der
Neise, daß man durch Verschneiden desselben z. B.
        <pb n="103" />
        Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
das zu harte Brauwasser weicher macht und ver- ler Hefe bei der Gärung wie den Geschmack des
bessert, ist immerhin ein gefährliches Experiment, da Bieres ernstlich schädigen. Umgekehrt hat man im
Müchtige Öle oder sonstige Geruchstoffe mitgerissen 5udhaus darauf hingearbeitet, in erster Linie die
werden, welche das Produkt schädigen können. Carbonate zu entfernen bzw. zu ermäßigen, um
Es ist bekannt, daß lem Wasser den laugenhaften Charakter
zu nehmen, der auch im Sudhaus, zumal bei den hohen
das Brauwasser angwährenden Temperaturen, unbrauchbare,
eine sehr große Rolle spielt. Der alte Lehrsatz, daß reschmackstörende Stoife in Lösung
äin gutes Trinkwasser auch ein gutes Brauwasser ringen würde, Die Entfernung dieser Karbonate
sei, ist nur sehr bedingt richtig, sehr häufig aber x:ann man durch längeres Kochen des Wassers, aber
falsch. Der Hygieniker verlangt von dem Trink- 1ur bis zu einem gewissen Grad, erreichen; besser,
wasser, daß es biologisch rein sei, d. h. keine gesund- icherer und vollkommener ist die Aufbereitung
heitsschädlichen Keime, die zu Krankheiten oder gar lesBrauwassers durch genau dosierten Zusatz
zu Epidemien führen können, enthält. Das. ist zumeist on gesättigtem Kalkhydrat. Man kann damit
nicht schwer zu beschaffen; anders liegt es hinsicht- (arbonate in jeder beliebigen Menge herausnehmen,
ich der chemischen Zusammensetzung. Dabei ist vobei man sichent weder größerer, mehrere Sude
nan entweder auf das Bohren mehr oder weniger assender Behälter bedient, in welche dem aufvjefer
 Brunnen angewiesen, die auch genügend er- vespeicherten Wasser die Dosierung zugesetzt wird;
giebig sein müssen, oder wenn die geologischen Ver- liese scheidet die Karbonate aus, die sich dann
hältnisse quantitativ oder qualitativ in der Wasser- ‚bsetzen. Diese Zusätze müssen natürlich mit dem
versorgung versagen, so muß das Wasser manchmal NVasser innig verrührt und gemischt
kilometerweit hergeleitet werden, wozu ja z. B. werden. Oder man bedient sich in mittleren und
Städte auch nicht selten gezwungen sind. Ge- rrößeren Brauereien der Woasseraufbereitungsringe
 biologische Fehler beeinträchtigen ıpparate, die nicht automatisch und unbeaufsichtigt
weder die Mälzerei und noch weniger die Sud- virken sollen, aber die Dosierung automatisch tätigen
hausarbeit, da ja bei den hohen Temperaturen, ind mechanisch das Rühren und Mischen im Wasser
bei denen die Gesamtwürze zwei Stunden lang ge- esorgen. Eine tägliche kurze, in ein paar Minuten
kocht wird, sämtliche evtl. vorhandenen Keime in rledigte Kontrolle ist unentbehrlich; dann allerdings
ihrer schädlichen Wirkung abgetötet werden. Wäh- A unktioniert der Apparat einwandfrei, wenn der
rend aber z.B. ein Wasser mit hohem kohlensauren eaktionsbehälter nicht aus verkehrter Sparsamkeit
öder schwefelsauren Kalk- oder Magnesiagehalt vom "u klein gewählt wird, denn mit einer fünistündigen
Hygieniker einwandfrei hingenommen, vielleicht ’eaktionsdauer muß gerechnet werden. Die Leistung
sogar empfohlen wird, sind diese chemischen les Apparates ist eine dauernd gleichmäßige kon-Lösungen
 von größtem Übel, wenn sie in dem für die tante, wobei selbstverständlich eine Möglichkeit zur
Herstellung von Bier verwendeten Wasser enthalten \ufspeicherung des aufbereiteten Wassers vorhanden
sind, Die Verwendung von biologisch nicht ganz ein muß, um bei wechselnden Entnahmen den
reinem Regenwasser kann beim Brauen bedeutend \pparat nicht mißbrauchen zu müssen. Das ergibt
vorteilhafter sein als die Verwendung von zwar voll- ich in größeren Betrieben schon von selbst aus dem
ständig keimfreiem, doch eine Menge von unbrauch- Draktischen Bedürfnis, das Brauwasser in den
baren chemischen Bestandteilen enthaltendem värmewirtschaftlichen Weg einzuschalten, Wechselt
Wasser. Die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte 1las Wasser am Tage oder überhaupt fortwährend,
und die fruchtbaren Arbeiten und Forschungen der der werden mehrere unregelmäßig zulaufende
Brauwissenschaft haben Klarheit in dieses Dunkel MNasser gesammelt zum Brauen verwendet, so ist die
gebracht, so daß man heute Josierung mit Kalkhydrat selbstverständlich nur in
:#inem großen Reservoir möglich und die Wasserıufbereitungsapparate
 scheiden in diesem Falle als
ınzweckmäßig aus.
Das gilt zunächst für die sogenannten „Karbonatvässer“,
 d. h. solche, welche überwiegend oder fast
ıusschließlich kohlensauren Kalk enthalten; wesentich
 anders liegt die Sache bei der kohlensauren
Magnesia, welche auf die genannte Weise überaupt
 nicht entfernbar ist, und ebenso beim schwefel-‚auren
 Kalk, dem Gips, der auch nicht auf so einfache
Neise wegzuschaffen geht. Auf chemische Weise
st die Eliminierung gefährlich und unsicher, unter
Anwendung von Druck gelingt sie nur teilweise: auch

102
        <pb n="104" />
        IL, 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand. -103
ist diese Methode umständlich und kostspielig. Voll- ınd die Eiweißstoffe — umzuwandeln, d. h. die Malzxommen
 gelingt die Entfernung der letztgenannten stärke in Zuckerarten überzuführen und das Eiweiß
unerwünschten Stoffe mittels Elektroosmose, aber u lösen und abzubauen. Diese Zuckerarten sind entdie
 Leistung ist gering, die Anschaffung und der veder leicht vergärbar wie die „Maltose“ oder
Betrieb sehr teuer. Es bleibt also nichts anderes &amp;lt;hwer vergärbar wie die „Dextrine“. Auf die Zwiübrig,
 als den Gips in Kauf zu nehmen und wenigstens chenprodukte kann nicht näher eingegangen werden.
soweit es geht zu versuchen, denselben mit den Kar- las zuckerbildende Enzym ist die „Diastase“, das
bonaten abzustimmen, Sulfatwässer erhöhen wohl iweißspaltende oder abbauende Enzym ist die „Pepdie
 Sudhausausbeuten etwas, geben aber stahlige se“; auf andere weniger einschneidende enzyma-Biere
 von bescheidener Vollmundigkeit und sind als ische Vorgänge, wozu auch noch die Finflüsse der
„Zuckerfresser“ berüchtigt. Während demnach die Alineralsalze treten, einzugehen, würde zu weit füh-Frage
 der Ausscheidung der Karbonate als gelöst zu en und ist auch zum Verständnis nicht erforderlich.
betrachten ist, trifft dies für die Sulfate nicht zu, Zunächst muß das Malz zerkleinert,
weshalb die Wissenschaft hier noch eine Aufgabe zu
lösen hat. Damit wird verständlich, daß mancher neuengagierte
 Braumeister mit berühmten Erfolgen in
bisheriger Stellung jetzt vollkommen versagt. Wenn
in ‚einer Stadt‘ der Bevölkerungszahl nicht entsprechende
 Brauereiunternehmungen vorhanden sind
oder diese nicht vorwärtskommen, vielmehr viel auswärtiges
 Bier importiert wird, braucht man sich nur
die Wasseranalyse vorlegen zu lassen, um Grund
und Ursache zu erfahren bzw. bestätigt zu finden.
Nach diesem flüchtigen, gemeinverständlichen
Streifzug durch die Sudhauseinrichtungen kommen
wir zur

„geschrotet“
verden, um den enzymatischen Vorgang in kürzester
Zeit durchzuführen, aber auch um möglichst sämtchen
 Extrakt aus dem Malz zu gewinnen. Man beüent
 sich hierzu der „Schrotmühle“, in welche 2, 4,
; oder 6 horizontallaufende, glatte Walzen eingebaut
ind mit gleicher Umlaufgeschwindigkeit. Das Malz
larf nämlich keinesfalls zerrieben, vielmehr soll es
ıuur gequetscht werden, um die Malzhülsen vor der
Zerkleinerung möglichst zu bewahren; die Schrot-‚sortierung
 ist demnach dauernd mit der Veränderung
ler „Malzschüttung‘“, also der zu einem Sud notvendigen
 Malzmischung zu verfolgen und so einzutellen,
 daß die Extraktausbeute möglichst vollcommen
 ausfällt und das Abläutern innerhalb nornaler
 vorgesehener Zeitdauer anstandslos von-‚tatten
 geht. Die normale Schrotsortierung beträgt
twa: Spelzen 15—18 %, Grobgriese 50—55 %, Fein-.riese
 und Mehl 30—32 %. Die Schrotmühle befindet
ich über der Decke des Sudhauses; das Schrot wird
‚us einem Behälter, dem „Schrotrumpf“, mittels eines
‘allrohres in das Maischgefäß heruntergebracht. Das
’ermengen des Schrotes mit Wasser geschieht in
lem kleinen „Vormaischapparat“, der dicht über dem
bord des Maischgefäßes aufmontiert ist; das Malznd.
 Wassergemenge nennt man die „Maische“ und
las Hereinbringen dieses Gemenges das „Einnaischen‘“.
 Das dazu verwendete Wasser kann je
ach dem Verfahren kalt, warm oder heiß sein. Kalt
3naischt man ein mit 11° C, warm mit etwa 35° C bis
2°C, heiß bis 65°C und darüber. Die Optima für
Säuerung“ liegen zwischen 30°C und 35° C, für den
‚Fiweißabbau‘“ bei 52° C, für die beste und schnellste
‚Maltosebildung“ bei 65°C und die höchste anwendare
 Maischetemperatur liegt bei 76°C; bei höheren
"emperaturen verlieren sämtliche Enzyme nicht nur
hre Wirksamkeit, sie werden vielmehr zerstört, und
lie Zusammensetzung der Maische verändert sich
{ann nicht mehr; obige Temperaturen müssen daher
aspektiert werden,
Der Sudprozeß zerfällt in die „Maischarbeit“, die
‚Läuterzeit“ und in die „Kochzeit“ der Würze mit
lem zugesetzten Hopfen.

Sudhausarbeit
selbst. Die „Sudhausarbeit“ bezweckt die Verarbeitung
 des genügend gelagerten Malzes zu „Würze“.
Darunter versteht man die Gewinnung des flüssigen
Extraktes aus dem Malze als Unterlage zur Bereitung
 des Bieres. Der Sudprozeß gelingt bzw. ver-Jäuft
 nur dann normal, wenn bei der Herstellung des
Malzes auf einen bestimmten Biertyp hingearbeitet
worden ist. Unter Biertypen versteht man das weitverbreitete
 Lagerbier nach Münchener, Kulmbacher,
Dortmunder, Wiener oder Pilsener Art. Das Münchener
 Bier ist ein braunes, malzvolles, vollmundiges,
das Kulmbacher ein ebensolches, sehr dunkles, das
Dortmunder ein feines helles, das Wiener ein halbvolles,
 goldfarbiges und das Pilsener ein stark gehopites
 helles Bier. Die Fxtraktgehalte ‚schwanken
meistens zwischen 12—13 %, seltener bis 14 %. Wir
unterscheiden „Malzbiere“ oder „Hopfenbiere“, je
nachdem einer der beiden Rohstoffe betont wird; es
geht nicht an, malzvolle Biere stark zu hopfen oder
Hopfenbiere malzvoll machen zu wollen; eines
schließt das andere aus, wenn der Typ nicht verwischt
 werden soll. Der Sudprozeß hat die hergestellten
 Malztypen zu unterstützen und daher entsprechend
 zu verwerten.
Die Verarbeitung des Malzes im Sudhaus ist in der
Hauptsache ein „chemischer Vorgang“ unter Ausnutzung
 der bei der Malzbereitung erzeugten „Enzyme“.,
 Darunter versteht man die chemische Kraft,
gewisse Stoffe — hier insbesondere die Malzstärke
        <pb n="105" />
        104 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
In der Hauptsache erfolgt der Maischprozeß mit 3, :usammenbringt. Ist alles in Ordnung, was die Regel
mit 2 oder nur mit einer Maische. Das ursprüngliche st, dann wird das gesamte Maischquantum mit 76° C
ınd bestbewährte, auch sicherste Maischverfahren ist ıuf den „Läuterbottich“ umgepumpt, was höchstens
20 Minuten dauert, und bleibt dort 1 bis 1 Stunde auf
&amp;lt;uhe, damit sich die „Treber“ absetzen. Der gesamte
Vaischprozeß dauert auch bei drei Maischen 3 bis
| Stunden. Die Pfannen sind entweder aus Eisen für
?euer und Dampf, aus Eisen mit kupfernem Boden
ür Feuer und Dampf oder ganz aus Kupfer fast nur
‚ei Dampifkochung. Vereinzelt kommen auch „Druck-7annen“
 zum Kochen der Maische vor, von denen
nan sich eine bessere Aufschließung des Stärkemehls
ind folgerichtig eine bessere „Ausbeute“ des Malzes
verspricht. Solche bei 1—2 Atm. Druck behandelte
Cochmaischen haben wohl die Ausnutzung des
Aalzes erhöht, aber auch gezeigt, daß dabei Stoffe
n Lösung gehen, welche den Geschmack verschlechern.
 Ebenso sollen die angewendeten „Zentfrifugalmwmpen“
 nicht. zu intensiv und zu lange arbeiten, um
lie Malzhülsen nicht zu sehr zu zerkleinern, da hierlurch
 Schwierigkeiten beim „Abläutern“ entstehen
cönnen.
Der Läuterbottich
jesitzt am Boden einen der Reinigungsmöglichkeit
vegen aus aufnehmbaren Segmenten zusammenvesetzten
 „Siebboden‘“. aus Kupfer oder Bronze mit
„öchern oder Schlitzen; unter diesem Siebboden ist
in Hohlraum von 6—10 mm, in den die gleichmäßig
erteilten Rohre münden, welche die durch die Treber
iltrierte Würze zu den korrespondierenden, regulier-)jaren,
 in der Läutermulde vereinigten Hähnen leiten;
von hier aus läuft die blanke Würze nach der Würze-»anne.

An Stelle des Läuterbottichs kann man auch das
„Maischeftilter”“
verwenden, das sich aus einer Reihe Filterrahmen
nit Filtertüchern zusammensetzt. Das Maischefilter
Jat den Vorzug wesentlich rascheren Abläuterns, so
laß die Sudzahl um 30—50 % vermehrt werden kann,
la die Würzepfanne in rascherer Folge wieder vervendbar
 ist. Eine Erhöhung der Ausbeute tritt nicht
äin gegenüber dem Läuterbottich, was auch unlogisch
väre, da man allgemein mit Sudhausausbeuten rechıen
 kann, welche etwa 0,7 % über Grobschrot luftrocken
 liegen, also die Feinmehlanalyse des Laboraoriums
 vollkommen erreichen. Die früher vielfach
‚eim Verkauf der aus den Maischefiltern stammenden
Preber aufgetretenen, in deren geringen Volumen be-‚ründeten
 Schwierigkeiten scheinen jetzt behoben zu
‚ein. Im übrigen könnte nur der Einwand gemacht
verden, daß mit der Forcierung der Pfannenjenutzung
 es an Reserven in dieser Beziehung manvelt.
 Qualitativ im Effekt ist das Maischefilter dem
_äuterbottich gleichwertig. Das Malzschrot bedarf
ıber einer anderen Sortierung.

das Dreimaischverfahren;
es gibt rezente, kernige, .zum Trinken animierende
Biere, die auch bei etwas wärmerem Ausschank mehr
ansprechen. Wenn man vielfach vom Dreimaischverfahren
 auf kürzere Verfahren übergegangen ist, so
ist das keinem Bestreben zum Fortschritt entsprungen,
 vielmehr ist es ein durch die Verwendung nicht
Michtig hergestellten Malzes bedingter Notbehelf,
namentlich für helle Biere. Die mehr oder weniger
starke Anlehnung an die Herstellung dunkler Malze
bei der Keimung, die Forcierung und Überladung der
Malztennen und Darren aus wirtschaftlichen naheliegenden
 Gründen hat zur Folge gehabt, daß die
keimenden Tennenmalze zu warm und mit zu langem
Gewächs geführt und überlöst wurden und daß die
überlasteten Darren ein hochgradiges, genügend
‚anges‘ Ausdarren vermissen ließen. Abgesehen von
der dabei nebenher laufenden geringeren Malzgewinnziffer
 aus der Gerste wurde beim Mälzungsprozeß
das Eiweiß zu stark abgebaut, weshalb im Sudhaus
die Eiweißabbautemperaturen rascher übergangen
werden mußten, bzw. war dafür zu sorgen, daß keine
erst durch Kochen vorbereitete und aufgeschlossene
Maische in diese optimalen Eiweißabbautemperaturen
hineingerät. Die so erzeugten Biere mögen fein
schmecken infolge verkürzter: Maischdauer — das
kann man auch auf andere Weise erreichen — und
vermiedener stärkerer Auslaugung der Malzhülsen,
aber der Charakter der Biere ist weichlich, sättigend,
wenn nicht oft mastig.
Beim sogenannten Dreimaischverfahren wird etwa
bei 35° C das Schrot in dem Maischbottich mit dem
Wasser zusammengebracht und mittels des sozenannten
 „bayerischen Rührwerks‘“ oder mittels
eines raschlaufenden, aber wesentlich mehr Kraft erfordernden
 „Propellers“ kräftig gerührt —
„gemaischt“,
Nun bringt man einen genau abgemessenen Teil der
Gesamtmaische nach der Maischpfanne und kocht
ihn 10—30 Minuten; durch Zupumpen dieser kochenden
 100° CC heißen Maische steigert man die Temperatur
 der im Maischbottich verbleibenden Maische
vorsichtig, um nicht zu „verbrühen“, von 35°C auf
52°C; ein weiterer Maischanteil wird ebenso behandelt,
 man steigert die Maischbottichtemperatur
auf 65°C und zum Schluß erreicht man mit einem
Ädritten und letzten Anteil die Abmaischtemperatur
von 76°C im Maischbottich. Nun wird die vollkommene
 „Verzuckerung“ geprüft mittels der „Jodprobe“,
 welche evtl. unverzuckerte Stärke blau
färben würde, indem man einige Tropfen Jodlösung
auf einem Kreideblock mit einigen Tropfen Maische
        <pb n="106" />
        IL, 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand. „105
Ist die Vorderwürze, welche am Sacharometer zu- ıpparaf”“ getrocknet und mit höchstens 10 % Wassermeist
 18 % B spindelt, abgelaufen, so läßt man mittels zehalt gelagert zu werden.
eines rotierenden „Drehkreuzes“ 75° C heißes Wasser Unterzieht man das Jahresergebnis der Sudhausüber
 die mechanisch aufgelockerten Treber laufen eistung einer Prüfung, so geht es natürlich nicht an,
und laugt so die Treber allmählich in 3 bis 4 Stunden lie Volleistung für das ganze Jahr, also für 300 Tage,
aus, d. h. bringt den in den Trebern befindlichen Ex- u ermitteln, vielmehr ist der geringere Absatz in der
trakt allmählich von 18% auf 0,5% B herunter. «&amp;lt;ühleren Jahreszeit und die Höchstleistung während
Zwei Fünftel der Gesamtmenge ist „Vorderwürze“ ier warmen Jahreszeit zu berücksichtigen. In der
und etwa drei Fünftel betragen die xegel kommt man zur wirklichen Jahresleistung
rn 3änes Sudwerkes, wenn man für sechs Sommermonate
„Nachgüsse“, lie Maximalproduktionsfähigkeit und für sechs
Die Extraktausbeute aus dem Malz läßt sich leicht Wintermonate 60 % davon in Ansatz bringt. — Wir
aus der gewonnenen Gesamtwürze unter genauer erlassen nun das Sudhaus und folgen dem weiteren
Feststellung des Extraktes am „Sacharometer‘“ und °ortgang des Biergewinnungsprozesses.
der zur Schüttung verwendeten Malzmenge berech- Nachdem das Ergebnis der genauen Messung und
nen, wenn der etwa zweistündige Kochprozeß mit Spindelung der heißen Würze in das vom Finanzamt
Hopfen beendet ist. Der Hopfen wird in 1 bis 3 Ra- orgeschriebene Sudbuch eingetragen ist, wird sie
tionen oder auch auf einmal zur Würze zugesetzt, ıach dem Hopfenseiher abgelassen und durch eine
wobei man zu dunklen Bieren mit Vorliebe den kräf- ange starke Kupferrohrleitung in 20—30 Minuten auf
tigen bayerischen verwendet, zu hellen Bieren nebenbei
 auch mildere Hopfen, die der Saazer Fechsung das „Kühlschiff“
angehören, wie sie in Bayern, Württemberg und epumpt. Dieses ist an hoher Stelle desjenigen Ge-Baden
 vielfach vorkommen, Die yäudeteiles aufgestellt, der über dem „Gärkeller“
. relegen ist, um möglichst kurze Rohrleitungen für
| „Hopfengabe ien Abfluß zu bekommen. Das Kühlschiff liegt etwa
schwankt je nach den Anforderungen der Kundschaft m über einem asphaltierten Fußboden, ist gemäß
und je nach dem Biertyp und je nach dem Charakter /orschrift der Berufsgenossenschaft mit eisernen Gedes
 Brauwassers sehr erheblich und beträgt pro Andern versehen und liegt nicht horizontal, sondern
1 Hektoliter verkaufsfähiges Bier 180—450 Gramm. st nach der Auslaufecke geneigt, etwa mit 1% Ge-In
 gleicher Art wie beim Maischen wirkt sich die älle, welch letzteres mittels Schrauben über den
Art des Brauwassers auch bei der Auslaugung des ‚aplreichen Tragfüßen eingestellt ist und reguliert
Hopfens aus. Das beste Brauwasser verlangt die verden kann. Das Dach darüber soll womöglich
größte Hopfengabe, da nur die edleren Bestandteile ine „gewölbte Monierdecke“ sein, und an den Wändes
 Hopfens her ausgenommen werden, und nichts en befinden sich einstellbare „Jalousien“, durch
wäre verkehrter, als bei gutem Brauwasser mit der „velche Luft hereingelassen oder die Luftzufuhr ab-Hopfengabe
 zu sparen oder, um Hopfen zu sparen, vesperrt werden kann. Oben sind in der Mitte breite
ungenügend aufbereitetes Brauwasser zu verwenden. \bführungen für die namentlich während des Auf-Den
 richtig verlaufenen Sudprozeß verfolgt man ;ringens der heißen Würze in der ersten halben
durch mittels des „Schauglases‘“ entnommene fertig- Stunde entstehenden Dünste. Der Abzug muß rege
gekochte ‚ein, damit die Würze sich schnell abkühlen und rasch
rerdunsten kann und damit sich keine Tropfen an
ler Decke bilden können. Auf 1 Hektoliter Würze
"echnet man ungefähr 1 m”? Kühlfläche, die Würze
:teht demnach durchschnittlich 10 cm hoch, d. h. an
ler Auslaufstelle am höchsten, an der diagonal entregengesetzten
 Ecke am seichtesten. Im Winter kann
lie Würze bis zu zwölf Stunden auf dem Kühlschiff
;tehenbleiben, oft bis die geforderte Temperatur von
5°C fast erreicht ist; im Sommer aber nur
a3twazweiStunden, d.h. nur solange, bis
lie „ausgeflocktenEiweißstoffe“sich
zöllig abgesetzt haben. Während im Win-‚er
 die Abkühlung die Dauer des Verweilens auf dem
Kühlschiff vorschreibt, ist im Sommer eine Abkühung
 wesefltlich unter 5° C zu vermeiden, da dann
die „Infektionsgefahr‘“ einsetzt. Unter der im nach-'olgenden
 öfters vorkommenden „Infektion“ handelt

Würzeproben.
Neben einigen Hopfendolden erscheint ein „grober
Bruch‘ bestehend aus ausgeschiedenem „Gerbstoffeiweiß‘,
 und zwischendurch sieht man die „feurig
blanke Würze“. Zu diesem befriedigenden Frfolg
verhilft ein gewisser Mindestgrad von „Azidität‘“ in
der Würze, also ein gewisser unentbehrlicher „Säuregehalt“,
 der sich von der Malzbereitung bis zum Bier
hinzieht. Dieser Mindestgrad von Azidität muß während
 des ganzen Werdeganges des Bieres verfolgt
werden und wird im „Laboratorium‘ „chemisch“
oder noch besser „elektrometrisch“ festgestellt.
Inzwischen sind die „Treber“ aus dem Läuterbottich
 von Hand oder mittels mechanischer „Austrebermaschinen‘“
 herausgebracht worden, entweder
um als ausgezeichnetes kraftvolles Milchviehfutter
naß verkauft oder im dampfbeheizten „Trebertrocken-
        <pb n="107" />
        106 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
ss sich natürlich keineswegs um pathogene Keime, ler einzige und manchmal wesentlichste Nachteil. Fs
sondern nur um Solche, welche die Biergärung be- mpfiehlt sich daher, über 1 m Würzehöhe nicht hineinträchtigen
 und sie unrein machen. Wenn man in uszugehen, weshalb auch die „Kühlerrohre“ über
irüherer Zeit, als die theoretischen Grundlagen noch en Würzespiegel hinausragen. Fehlerhaft ist, sich
mehr oder weniger fehlten, nach dem Aufbringen der :diglich von wärmeökonomischen Zielen in dem
1eißen Würze auf das Kühlschiff mittels langer inne leiten zu lassen, daß man möglichst warmes
Holzkrücken mit kurzen, langsamen, aber doch ruck- Wasser, aber in geringerer Menge bekommen will.
artigen Bewegungen die Würze zu rühren pflegte, so Venn. daher die Kühlrohre ausschließlich unter
cat man das aus dem erkannten Erfolg für bessere lem Würzespiegel untergebracht werden, so be-Trubausscheidung
 und reichlichere 'ommt man wohl sehr warmes Wasser, namentlich
Trubeliminierung aus der Würze, Ist ım Anfang, aber die Kühlung der Würze kommt
lie Reibung schon aus der Laboratoriumstätigkeit als labei zu kurz, so daß diese Methode der beabsich-3äin
 wirksames Mittel zur Fällung bekannt, so wird igten Nachahmung des Kühlschiffeffektes widerlurch
 dieses „Aufkühlen“ noch der weitere Zweck pricht. Der Trub setzt sich um so besser ab, je
verfolgt, die Ausflockungen länger schwebend zu er- ascher die Abkühlung während des Hochpumpens
1alten und so durch die infolge Temperaturerniedri- ler Würze erfolgt, wobei die grobflockigen Auszung
 nachträglich eintretende Selbsttrübung die cheidungen die Aufgabe haben, die feineren
Würze zu zwingen, die feineren, leichteren ’rübungen durch Adhäsion mit zu Boden zu nehmen.
Substrate an die noch schwebenden VWenn daher das Kühlschiff in der warmen Jahreszeit
zrößeren Flocken mit anzuhängen der z.B. an gewitterschwülen Tagen, wo die Verund
 mitzu Boden zu nehmen. Dies war lunstung nicht flott vonstatten geht, keine so guten
der eigentliche indirekte Zweck des „Aufkühlens‘“, D’esultate zeitigt wie im Winter, so ist eben dieses
nicht etwa die Beschleunigung der Abkühlung selbst. Aoment der zu langsamen Abkühlung die Haupt-Das
 Kühlschiff gilt auch heute noch trotz seiner irsache. Das Kühlschiff ist gut, wenn die Witterungsarimitiven
 Eigenart als ein unübertroffenes „Klär- erhältnisse es unterstützen; der Kühlbottich ist gut,
gefäß“ vermöge der außerordentlich niedrigen venn er richtig konstruiert ist und sachverständig
Würzeschicht, automatischer reich- edient wird. Es gilt Ähnliches wie beim Vergleich
licher Belüftung und rascher Abfüh- er „Tennenmälzerei“ mit der „pneumatischen
ung der Däm pfe. Gegen dasselbe sprechen Aälzerei“‘‘, Die Unabhängigkeit von Witterung und
die umständlichere Trubentfernung und Reinigung, Aiıhreszeit ist ein angenehmes Aktivum. Jedenfalls
die häufige, ziemlich bald einsetzende Korrosion, d.h. 5t die günstigste „Abscheidung des Trubes‘“ nicht
Oxydation der großen, lange der Luft ausgesetzten loch genug einzuschätzen; der „Trub“ stört die
Eisenfläche, und die immerhin mögliche Infektion lgende Gärung und damit den reinen Geschmack
durch die von Straßenstaub, naheliegenden Stallungen es fertigen Bieres.
und Dunggruben (Sarcinainfektion) oder Rauch aus Nachdem die vom Trub gesonderte Würze unter
jenachbarten Fabriken verunreinigte Luft. Man 0°C entweder auf dem Kühlschiff oder im Kühlschützt
 sich dagegen z. B. durch kupferplattierte ’Oottich mindestens zwei Stunden der Ruhe überlassen
Kühlschiffbleche, durch Luftfilter, welche sehr var, wird sie behutsam ohne Aufrühren des am Boden
eistungsfähig sind und eine 95prozentige, in der ‘bgesetzten Trubes mittels senkbarer Ventile in der
Praxis vollkommen genügende Keimfreiheit sicher- ‚Kühlschiffablaufecke“ oder mittels „Schwimmerrohr“
stellen. Aus obigen Bedenken, und sofern also das Mm Kühlbottich von oben langsam abgezogen, um über
&amp;lt;ühlschiff nicht angebracht erscheint oder wegen , . race
&amp;gt;latzmangel nicht untergebracht werden kann. wählt die „Berieselungskühler
nan den ıbzulaufen. Der Raum, in welchem die Kühlapparate
VE ınfgestellt sind, sollte möglichst so hoch sein, daß
„Kühlbottich“. ine gewölbte Monierdecke mit Abzug zur Ver-1eidung
 des Abtropifens eingebaut werden kann.
Aöglichst kurze Leitungen sind deshalb wichtig, weil
Vürzeleitungen der. „Infektion“ sehr ausgesetzt sind.
ie Kühlapparate sind in einfacher Reihe horizontal
bereinandergelegte „Rohrsysteme“ von etwa 3 bis
15 m Höhe, die oben etwa in drei Fünftel der Gesamtöhrzahl
 von „Brunnenwasser‘“ und unten in etwa
‚wei Fünftel der Gesamtrohrzahl von künstlich ge--ühltem
 Süßwasser von 1°C durchflossen werden:
lie Unterteilung geschieht, um an künstlichem Kälteıufwand
 zu sparen. In der oberen Zone des Brunnenden

 „Kühlschiffersatz“. Für diesen gilt die grundsätzliche
 Nachahmung der bewährten Kühlschiffvorzüge,
 also gute Belüftung, rasche Abführung des
Dunstes und schnelle Abkühlung namentlich während
ler Einbringung der heißen Würze aus dem Sudhaus
mittels eines reichlich groß bemessenen „Berieselungskühlers‘,
 der von .Brunnenwasser von 11°C
durchflossen wird und über den die heiße Würze, sich
rasch um etwa 40°C abkühlend, herunterrieselt. Die
„Würzeschicht“ im Kühlbottich ist natürlich wesentich
 höher als auf dem Kühlschiff. und das ist auch
        <pb n="108" />
        IL, 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand.
zleichmäßig verteilt. Letzteres hat den Vorteil, daß
lie Luft in kühlem vorgetrockneten Zustand eintritt,
yährend sie im anderen Falle durch die Kühlrohre im
järkeller erst aufgetrocknet werden muß, indem sich
lie feuchte Luft als Reif auf die Kühlrohre niederchlägt.
 Sämtliche Leitungen für Bier, Wasser, Lult,
iektrischen Strom usw. laufen unter der Podestidecke
atlang und sind im Gärkeller selbst nicht sichtbar.
ie Gefäße sind mit „Kühlern‘“ aus verzinntem Kupfer
‚usgestattet, welche über ersteren frei schweben
zönnen, also auf den Borden der Gefäße nicht aufuliegen
 brauchen, und diese Kühler besitzen
degulierhähne, um den Gefäßinhalt auf eine gewisse
zorgeschriebene Temperatur einzustellen und zu erıalten.
 Die Seitenwände des Gärkellers sowohl wie
lie Außenwände der Gefäße werden vorteilthaft mit
‚glasierten Steinen“ verkleidet, was die Reinhaltung
vesentlich erleichtert und sehr ästhetisch wirkt.
Nun zu den Gefäßen selbst: Wählt man
große Gärgefäße,
'o kommen nur solche aus „Zement“, „emailliertem
itahl“ oder aus „Aluminium“ zur Zeit in Betracht.
Bier und Zement dürfen direkt nicht zusammenrebracht
 werden, sie ruinieren sich gegenseitig; daıer
 muß der „Zementbeton“ oder das „Zementmauerverk“
 auf der inneren Seite mit einer säure- und
ukalifesten Immunisierschicht ausgekleidet werden,
-alche beide feindlichen Stoffe gegeneinander
»hützt. Das ist in den letzten Jahren ziemlich vollammen
 gelungen, und viele solche Gefäße sind schon
n der Praxis eingeführt. Störend wirkt nur die
unkle Farbe, welche das Licht nicht reflektiert und
ventuelle Fehler in dem immerhin weichen und daher
mpfindlichen Überzug schwerer erkennen läßt.
”ommen Verletzungen oder sonstige kleinere Zertörungen
 vor, so sind sie mit der „heißen Flamme“
ber unschwer in Ordnung zu bringen. Zement-‚efäße
 können in beliebiger Größe hergestellt werden,
ıoch muß man die „Höhe der Bierschicht“ respekieren,
 die höchstens 1,8 bis 2 m betragen darf, um
järungsstörungen zu vermeiden. Nicht unerwähnt
arf bleiben, daß Zementgefäße einen festen Bestandej]l
 des Baues darstellen und mithin nicht nur nicht
om Ort geschafft werden können, sondern vielmehr
ei beschlossener Entfernung wertlos sind und noch
bendrein Kosten bei der Zertrümmerung verırsachen.
 Die „Immunisierungsmasse“ ist gegen
3ier vollkommen indifferent und besteht aus zumeist
‚eheimgehaltenen Mischungen von pech- und
‚araffinartigen Stoffen; dieses sind die in der Anchaffung
 billigsten Großgärgefäße,
Weiterhin sind Gärgefäße aus „emailliertem Stahl“
jelfach in Aufnahme gekommen. Dieselben sind in
ier Form und im Inhalt abhängig von den Öfen, in
ienen das ganze Gefäß innen zweimal mit Emaille
iberzogen wird. d. h. mit einer weißen, grauen oder

107

wassers erfolgt die Abkühlung der herunterrieselnden
Würze etwa von 50°C bis 16°C, um dann in der
unteren Zone auf die geforderten 5°C herunterzukommen.
 Oben befindet sich die Verteilungs-, unten
lie Sammelmulde. Die Apparate sind aus Kupfer; die
Verzinnung ist zwecklos, da dieselbe bei häufigem
Reinigen rasch abgescheuert wird. Bei unreiner
Außenluft werden ebenso wie auf den Kühlschiffen
„Luftfilter“, z.B. in den Fenstern eingebaut, verwendet.
 Der abgesetzte Trub wird mittels Pumpe
durch die „Filterpresse“ gedrückt und abgekühlt der
Gesamtwürze beigemischt.
In möglichst kurzer Leitung mit dauerndem Gefälle
jließt die auf 5°C abgekühlte Würze in den direkt
darunterlierenden

Gärkeller,
wo sich die sogenannte „Hauptgärung‘“ vollzieht.
Der Gärkeller ist in einfacherer Weise ein etwa 4 bis
3 m hoher Raum, in dem die hölzernen, zumeist
runden eichenen Bottiche auf mehr oder weniger
hohen eisernen Ständern oder Mauersockeln mittels
Trägerunterlage aufgestellt und aneinandergereiht
werden. Die „Bottiche aus Holz“ haben zumeist Inhalte
 von 30 bis 60 Hektoliter; es kommen aber auch
vereinzelt viereckige mit etwa 200 Hektoliter und
darüber vor. In neuerer Zeit werden die Gärgefäße
nicht mehr aus Holz hergestellt, was sich zunächst
schon infolge der hohen Holzpreise rechtfertigt, aber
auch aus dem Grunde, weil das pflanzliche Holzprodukt
 allen möglichen Infektionskeimen Unterschlupf
 und Nährboden verschafft. Die Säuberung
macht im Keller sehr viel Arbeit und Umstände.
Weiterhin sucht man größere Gefäße anzuwenden,
um weniger Reinigungsoberfläche zu haben und um
an Bierverlusten (Bierschwund) zu sparen, um ferner
die gesamte Anlage übersichtlicher zu gestalten und
die Arbeiten auf das nötigste einzuschränken. Solche
Gefäße sind standfest, bleiben immer im Keller, bedürfen
 nicht der jährlichen Sonderreinigung, des
Auskellerns, des Austrocknens und Lackierens.
Der „moderne Gärkeller“ hat eine Raumhöhe von
annähernd 6 m und in demselben stehen die Gefäße
so hoch, daß ein wasserdichtes gepflastertes „Bedienungspodest‘“
 in den Gängen zwischengeschaltet
werden kann, unter welchem annähernd 2 m Kopfhöhe
und über welchem etwa 3,5 m Raumhöhe bis zur
Decke verbleiben. Über den Gängen an der Decke
befinden sich die aufgehängten notwendigen Kühlrohre,
 die von Salzwasser von minus 6°C durch-Älossen
 werden, da die Luft im Gärkeller auf plus
5 bis 6° C gehalten werden muß, oder aber es wird
neben dem Gärkeller in einem abgeschlossenen Raum
durch ein Kühlrohrsystem mittels Ventilators Luft
zur Abkühlung geblasen und diese abgekühlte Luft in
Rohren oder Schächten dicht unter oder dicht
über der Gärkellerdecke auf den ganzen Raum
        <pb n="109" />
        108 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
MS mn DEN NM SETS
bläulichen Masse, welche, auf die Stahlgefäße aufgetragen,
 bei Rotgluthitze sich innig mit dem gründlichst
 entzunderten blanken Stahl vereinigt. Die
Emaille ist vollkommen indifferent und sehr haltbar,
wenn keine gewaltsamen Beschädigungen der Gefäße
vorkommen und wenn das Auftragen der Emaille einwandfrei
 durchgeführt worden ist; eine gewisse
Zähigkeit—alsovermiedeneSprödigkeit
 — muß die Emaille haben, Haarrisse dürfen
deispielsweise nicht vorkommen. Wegen der äußeren
xeinigung und schweren Zugänglichkeit ist man
zumeist gezwungen, auch diese Gefäße einzumauern,
und dadurch werden sie ziemlich kostspielig.
Als weiteres Metall für Gärgefäße ist noch das
„Aluminium“ zu nennen. Dasselbe ist mit 99,5 %
Reinheit, die unbedingt erreicht sein muß, ein gegen
Bier völlig indifferentes, leicht zu bearbeitendes
 Metall und wird in Stärken von 3 bis
ö mm verarbeitet und verwendet für alle Formen
der Gefäße; die schwachen Wände schreiben aber
die Einmauerung vor, wobei im Gegensatz zu
den Stahlgefäßen sorgfältigste Isolierung
erforderlich ist, um die Einflüsse des Zementmauerwerkes
 sicher auszuschalten; es geschieht dies durch
„Armierung der Gefäße“ mittels indifferenter
mehrfacher Pappe und dazwischenliegenden ebenso
indifferenten „Goudronschichten“. Bei der
Einbringung und Ummauerung dürfen keinerlei
Verletzungen der Isolierung vorkommen,
weshalb es sich empfiehlt, die Einmauerung bei Aufiragserteilung
 mit den Alumniumbottichen zusammen
zu vergeben und sich Garantien geben zu lassen.
Diese Gefäße dürfen nicht mit „Alkalien“, wie z.B.
Soda, sondern nur mit „schwachen Säuren“, verdünnter
 Salpetersäure, behandelt werden, um z.B.
den angesetzten sogenannten „Bierstein“ zu entfernen,
 was etwa einmal jährlich notwendig werden
lürfte. In den Blechen dürfen keine „EFisensplitterchen‘“
 heiß mit eingewalzt sein, da Eisen und
Aluminium sich sehr feindlich gegenüberstehen.
‚“erner sollen auch andere Metalle, z. B. Kupfer, nicht
ıAängere Zeit in Berührung mit Alumnium bleiben, da
hierdurch „galvanische Ströme“ ausgelöst werden,
die zur Zersetzung führen. Deshalb sind die kupfernen
 Kühler im Bottich bei der Auflage auf dem Gejäßbord
 zu isolieren oder noch besser und einfacher,
man montiert die Kühler freischwebend über dem
Bord, was ohne große Schwierigkeiten sicher zu
machen geht. „Quecksilberthermometer“ sind gut
gegen Bruch zu armieren und vorsichtig beim
„Gradieren‘“ zu behandeln, da das im Bier untersinkende
 Quecksilber das Aluminium am Boden vernältnismäßig
 rasch angreift, Trotz dieser scheinbaren
vielseitigen Bedenken haben sich die Aluminium-Dottiche
 rasch eingeführt, namentlich infolge ihres
schmucken Aussehens, ihrer Anpassungsfähigkeit an
verschiedene Formen und Größen. sowie infolge der

Zusammenschweißbarkeit und auch. leichten Reyaraturmöglichkeit.
 Zum Gärkeller gehört ein be-;onderer
 Raum für die „Hefereinzucht“ und ein
veiterer Raum für die „Reinigung und Aufbewahrung
ler Hefe“, Zwischen dem früher genannten Würzecühlapparat
 und den darunter liegenden Gärgefäßen
verden häufig, wenn die Höhe ausreicht, sogenannte
‚Anstellbottiche“ zwischengeschaltet, die aber auch
)jequem dadurch ersetzt werden können, daß man
lazu einige der Großgärgefäße benutzt, aus denen
nan das angegorene Bier auf andere Gefäße später
ımpumpt. Sie dienen zum nachträglichen völligen
Ausscheiden des Trubs aus dem Bier.
Nun zum
„Gärprozeß“
jelbst. Die Kühlapparate haben die Würze auf 5°C
ıbgekühlt; bei dieser Temperatur wird die Würze
nit Hefe versetzt, „angestellt“. Was ist „Hefe“?
Nie die Braugerste durch Veredelung aus wilden
üräsern entstanden ist, so ist auch die Hefe als ein-‚ellige
 niedere Pflanze von außerordentlicher Klein-‚eit,
 die erst bei mehrhundertfacher mikroskopischer
Vergrößerung deutlich sichtbar wird, eine im Laufe
ier Zeiten entstandene Form mit spezifischen Eigen-'cChaften
 einer Art, die Zuckerlösungen zu spalten
’ermag, und zwar in Alkohol und Kohlensäure. Die
ırt, die uns beschäftigt, führt den botanischen Namen
‚Sacharomyces cerevisiae“. Jede andere Art, es
ibt deren unendlich viele, ist für die Brauerei un-’‚eeignet
 und muß ferngehalten werden: die meisten
‚zeichnet man als „wilde Heften“, wie man ja auch
m Gegensatz zum veredelten Hopfen vom an Hecken
vachsenden „wilden Hopfen“ spricht. Unsere Hefe
at also eine für unsere Gärungszwecke besondere
ırt von Hefen. Trotz dieser einheitlich erscheinenıen
 Art gibt es aber eine ganze Reihe von „Hefenassen‘“,
 wie es z. B. sehr viele Varietäten von
iersten und Hopfen mit spezifischen Eigenschaften
£:ibt. Die verschiedenen Heferassen haben vercChiedene
 Eigenschaften in ihrem Verhalten bei der
Järung und zeitigen oft völlig verschiedene Ergebässe
 in der Vergärung, Klärung und im Geschmack
les fertigen Bieres. Die richtige „Hefenauswahl“ ist
lemnach eine der wichtigsten, schwierigsten, aber
uch dankbarsten Aufgaben der technischen Leitung.
rschwert wird diese Hefenauswahl durch die in
dem Erntejahr anders geratenden Gersten, damit
eränderter Eigenschaften der Malze, folgerichtig
nderer Charaktere der Würzen und, da diese der
Jährboden für das Gedeihen der Hefe sind, ähnlich
vie die Frucht auf dem Acker, auch verändertem
Ailieu, in das die Hefe hineinversetzt wird. Zum
llück behält die spezifische Hefenrasse mit einer
rewissen Zähigkeit ihre hauptsächlichsten Eigenschaften
 wenigstens eine Zeitlang bei, so daß man
Jelegenheit findet, sich rechtzeitig umzustellen.
        <pb n="110" />
        IL, 6, Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand,

109

Um diese Hefenrassen, deren Eigenschaften man
kennt und die sich bewährt haben, unvermischt und
frei von anderen Organismen, woran nie und nirgends
Mangel ist — auch nicht in der Luft — völlig rein
zu züchten, hat man die „Hefereinzucht-Apparate“
eingeführt. In dieselben — es sind vielfach kupferne,
stehende Zylinder, die unter Überdruck stehen —
wird, nachdem diese Zylinder sterilisiert sind, eine
im Laboratorium aus einer ausgesuchten Hefe entnommene
 Einzelzelle allmählich vermehrt und diese
vermehrte Hefemenge in sterile Würze eingebracht,
„geimpft“, Die Ernte aus dem Reinzuchtzylinder
erfolgt alle 10—20 Tage und wird zuerst auf kleinere,
dann immer größere Gärgefäße in die Praxis übergeführt.
 Die „Hauptgärung“ währt 8—12 Tage und
beginnt im Anstellgefäß bei 5°C; man pumpt das
Bier innerhalb längstens 24 Stunden auf andere Gefäße
 um, bzw. läßt es auf diese ablaufen. Die besonderen
 Anstellgefäße können nur dann ihren Zweck
voll erfüllen, wenn die angestellte Würze, die nach
dem Versetzen mit Hefe nunmehr als „Bier“ bezeichnet
 wird, auch Zeit und Ruhe hat, dem Trubrest
Gelegenheit zu geben,. sich am Boden abzusondern.
Geschieht das nicht, d. h. werden z. B. mehrere Sude
innerhalb 24 Stunden in Abständen von 6—8 Stunden
im Anstellgefäß zusammengebracht, so ist der Sinn
des ruhigen Absetzenkönnens durchbrochen, und man
hat lediglich die einzelnen Sude zu einem einheitlichen
 Ganzen vermischt. Der Gärungsfortgang
zeigt sich zunächst durch Schaumbildung („Überweißen“)
 auf der Würzeoberfläche, dann folgen die
niederen und die hohen „Kräusen“ (hohe Schaumbildung)
 unter gleichzeitiger Temperatursteigerung
in dem Bier bis 9°C am fünften Tag. Ein weiteres
Steigen der Temperatur muß unterbunden werden,
was mittels Regulierung der Kühlleistung der „Kühler“
 geschieht. Mittels letzterer drückt man die
Temperatur ganz allmählich bis zum letzten Gärtag
auf 5°C herunter. Diese Prozedur: widerspricht
wohl der Eigenart der Hefe, welche als typische
„Warmhete“ mehrere Grade wärmere Gärtemperaturen
 vorziehen würde; aber nicht um der Hefe willen
wird gegoren, vielmehr entscheidend ist der angestrebte
 Effekt und Geschmack des erwarteten
Bieres, Die Hefe wird demnach wohl oder übel in
ihrem Lebenselement etwas gestört, und wenn sie
Sich nicht daran gewöhnen will oder kann, darf sie
eben nicht öfters verwendet, muß vielmehr durch
eine andere ersetzt werden.
Das „Anstellen“
der Würze mit Hefe erfolgt in der Weise, daß man
in besonderen kleinen Gefäßen eine gewisse Würzemenge
 mit der Hefe mischt und lüftet, was von Hand
geschehen kann. durch öfteres Hin- und Hergießen
der Mischung oder durch Einführung von reiner
Druckluft oder schließlich dadurch. daß man mittels

;iner Zentrifugalpumpe die Mischung zunächst im
Creislauf umpumpt und dann durch die Bierleitung
jen Gärgefäßen zuführt. Letzteres Verfahren ist in
3roßbetrieben am beliebtesten, da es am wenigsten
Tandarbeit verursacht.
Nach vollzogener Hauptgärung verbleibt auf dem
3iere eine mehr oder weniger starke flaumige Decke,
‚estehend aus Hopfenharzen und Eiweiß, soweit diese
jicht durch das Bier zu Boden gesunken sind. Diese
Decke muß abgehoben werden, bevor das Bier herıuskommt,
 „geschlaucht“ wird. Die Reife zum
‚Schlauchen“ erkennt man an der Art der Decke,
ıus herausgenommener Probe, besichtigt durch das
cleine „Schaugläschen“, wo sich die mehr oder
veniger starke Zusammenballung der Hefe bemerk-)jar
 macht, oder schließlich, wenn das Saccharometer
lie Beendigung der Vergärung durch nur geringe
\bnahme des Extraktes anzeigt. Ist ein helles Bier
„ B. mit 12 % B. angestellt, so wird es am Schluß
ler Hauptgärung etwa 4% B. anzeigen, d. h. die
‚scheinbare. Vergärung“ beträgt 66,7 %. Die Verrärung
 ist in Wirklichkeit geringer, da beim Spinleln
 des Bieres infolge des entstandenen, spezifisch
vesentlich leichteren Alkohols, der sich gebildet hat,
ias Sacharometer tiefer einsinkt; die „wirkliche Verzärung‘“
 beträgt in unserem Fall nur bis 5,5% B.,
lemnach nur 54 %.
Ein Teil des Extraktes ist also in
Alkohol und Kohlensäure
ibergegangen infolge der Lebensäußerung der Heie,
velche bei diesem physiologischen Prozeß chemische
/eränderungen hervorgerufen hat. Der Alkohol ver-»%leibt
 im Bier, während die entstandene Kohlen-:äure
 zum weitaus überwiegenden Teil in Gasform
ibergegangen und aus dem Gärkeller mittels Ventiation
 entfernt worden ist. Ein Teil der gebildeten
Cohlensäure bleibt im Bier physikalisch, nicht chenisch
 gebunden, und zwar um so mehr davon, je
‚öher die gärende Bierschicht war, da der atmo-;phärische
 Druck die Kohlensäurebindung um So
nehr fördert, je höher er wirksam wird.
Das vergorene Bier wird nun aus dem Gärgefäß
ntfernt und nach dem Lagerkeller geschafft. Nach
Intleerung des Gärgefäßes hat sich am Boden des-‚elben
 zu unterst der Trubrest mit vielen abgestorbeı1en
 Hefezellen abgesetzt; darüber befindet sich eine
Schicht einwandfreier gesunder Hefe, die zum Wieieranstellen
 verwendet wird, und oben setzt sich die
eichte Hefe ab mit den Stoffen aus der durchzefallenen
 Decke. Die gesamte Ablagerungsschicht
st etwa 5—8 cm hoch und kann mehr oder weniger
est oder lose liegen. Zum Anstellen rechnet man
1ormal für 1 hl Würze etwa 2% Liter Hefe; die Hefearnte
 ist in der Regel doppelt so groß. Die wiederınzustellende
 Hefe wird gründlich mit sehr kaltem
Nasser yewaschen und zgesiebt, d. h. von Trub und
        <pb n="111" />
        L10 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
Harzteilen befreit, und dann in „Hefewannen‘“, zu- Dedarf in Gasometern, also in Gasform sammeln und
meist aus Eichenholz, besser in emaillierten Wannen ıufspeichern, während beim Vertrieb der Kohlenoder
 Aluminiumwannen unter sehr kaltem und kühl ;äure, also bei Verwendung außerhalb der Brauerei,
gehaltenem Wasser aufbewahrt bis zur Wieder- ıur die flüssige Form der Kohlensäure in Stahlanstellung
 in ein paar Tagen. Die überschüssige laschen in Frage kommen kann. Zu betonen ist
Hefe, außerordentlich phosphat- und eiweißreich, ist lierbei, daß die Verwendung der Kohlensäure im
in nasser oder getrockneter Form ein ausgezeichnetes J3rauereibetrieb an Stelle der Luft vielfach Vor-Nährmittel
 für das Vieh, und auch für den Menschen -r"üge hat, die zum Teil auf die vermiedene Sauerwerden
 Nährextrakte an Stelle der bekannten Fleisch- :toffzuführung, zum Teil auf die vermiedene Infektion
extrakte daraus hergestellt; die Bierhefe ist auffal- ı\inauslaufen würden, Auf den Finfluß der erzwunge-‚enderweise
 sehr vitaminreich. ı1en eingeschränkten handelsmäßigen Erzeugung von
Die Luft und das Betriebswasser, alle Leitungen, Sohlensäure muß aber hingewiesen werden, da deren
Gefäße und auch die Räume, in welchen dieselben sich lötzliche völlige Einstellung den Ausschank des
beünden, also Wände und Pflaster, sind einer 3ieres bei der Kundschaft ernstlich in Frage stellen
cönnte, solange nicht die Brauereien den gesamten
dauernden Betriebskontrolle im biologischen Sinn KXohlensäurebedarf zu decken vermögen.
unterworfen, wobei man sich zur möglichsten Steril- Die Anregung, die gefrorene Kohlensäure als
arhaltung der Hitze in Form von Dampf, heißen ‚Schneeblock zum Kühlen zu verwerten, Z. B. auf
Wassers oder, wo das nicht angängig ist, der zahl- lem Transport in Fisenbahnwaggons, hat einen nicht
reichen Desinfektionsmittel, also chemischer Lösun- 92 der Hand zu weisenden Reiz, da die Kohlensäure
zen von je nach dem Verwendungszweck spezifisch ehr stark kühlt und wohl vergast, ohne Feuchtigkeit
arozentualem Gehalt der chemischen Mittel, die den 4 hinterlassen, jedoch muß vor dieser Vergasung
betreffenden Objekten angepaßt sein müssen, bedient. ort gewarnt werden, wo Menschen tätig sind oder
Sie können also saueren, alkalischen oder neutralen ich aufhalten, da Erstickungsgefahr sehr naheliegt.
Charakters sein. Gummischläuche sucht man soviel m Hausgebrauch ist dieser Kältebringer daher völlig
wie möglich zu vermeiden und durch Kupferrohre zu 'ngeeignet,
arsetzen. Bei den Leitungen sind alle schwer zu- Die Leistungsfähigkeit eines Gärkellers hängt
zänglichen Ecken und Winkel, Durchsackungen usw. eben der Aufnahmefähigkeit desselben von der Cärzu
 vermeiden, vielmehr sollen alle Leitungen so ver- lauer ab. Legt man eine acht- bis zwölftägige Cäregt
 sein, daß sie restlos auslaufen können. Nach lauer, also eine Gärperiode zugrunde, so wird man
Verwendung von chemischen Mitteln ist das gründ- nit 25—30 Perioden im Jahr das Richtige treffen,
iche Nachspülen mit biologisch einwandfreiem, kaltem wobei berücksichtigt ist, daß sechs Monate volle Aus-Wasser
 unbedingt notwendig. ıutzung des Gärkellers und sechs Monate nur zu
Bei der Haunigärung wird 50 % den Gärraum auszunutzen gestatten.
SE CEr LAMPEN Entweder mittels freien Gefälles oder mittels
sehr viel Kohlensäure erzeugt, d&amp;gt;ımpen wird das im Gärkeller nach vollzogener
Jauptgärung „schlauchreif“ gewordene Bier nach
lem

‘heoretisch etwa 4 Kilo aus einem Hektoliter Bier,
praktisch sind bis zu 2 Kilo greifbar. Nachdem die
Wissenschaft an Hand von praktischen Versuchen
1achgewiesen hat, daß die Lebenstätigkeit der Hefe
unter schwachem Kohlensäuredruck, der bei der Gewinnung
 derselben unter Luftausschluß unvermeidlich
ist, gar nicht beeinträchtigt wird, ja selbst eine Hefeverbesserung
 konstatiert worden sein soll, lägen vom
Standpunkt der Hefegärung und in ihrer Auswirkung
auf das fertige Bier keine Einwände vor, wenn gegen
lie beschränktere Übersichtlichkeit der Gärung selbst
und die umständlichere Abhebung der Gärungsdecken
nebst Hefengewinnung nach Ablauf der Gärung und
zegen die vermehrte Reinigungspflicht der Innenseite
der Gärgefäßhaube keine praktischen Einwände gemacht
 werden. Jedenfalls muß vom Standpunkt der
Wirtschaftlichkeit die Gewinnung der Kohlensäure
lie Aufstellung und den Betrieb der Kohlensäurevewinnungsapparatur
 lohnen. Man wird die bei der
Z3ärung gewonnene Kohlensäure für den Brauerei-Lagerkeller


veschafft. Der Lagerkeller ist wohl zumeist unterrtdisch
 bis zu 8 m unter dem Hofniveau, und zwar
(ann, wenn der Wasserspiegel dies zuläßt. Die Temeratur
 der Erdwärme beträgt Sommer wie Winter
;twa 10° C. Bei 10° C kann man kein Bier lagern,
ielmehr werden Temperaturen von 0—32° C verıngt.
 Es ist also zweierlei nötig. Sind die Keller
nterirdisch, so muß der Keller dauernd gegen die
'rdwärme geschützt werden, und zwar durch gufe
solierung, wobei das Pflaster keinesfalls über-‚ehen
 werden darf; ferner ist die erforderliche
"emperatur von 0—2° C durch künstliche Kühlung,
i. h. durch mit Salzwasser von minus 6°C
iurchflossene Berohrung an der Decke oder oben
ın den Wänden herbeizuführen. Sind die Keller
»berirdisch, so sind die Wände gegen die Sommervärme
 und Winterkälte der Außenluft zu isolieren
        <pb n="112" />
        II, 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand. 111
und die Kellereien möglichst kubisch anzulegen, ırscheinenden Mittel an der Hand, den kolloidalen
um die Oberfläche der Wände gegenüber dem Charakter zu bestimmen und zu beherrschen. Die
Kellerluftraum möglichst klein zu halten. Als Iso- B3indung der durch das „Spunden‘“ in das Bier einlierung
 verwendet man außer stagnierender Luit repreßten Kohlensäure hängt aber in hohem Grade
innerhalb der Ummauerung am besten eine Innen- ron diesem Zustand des Bieres ab, und die erstrebte
auskleidung mit einer Korkschicht von 5—10 cm ogenannte „Schaumhaltigkeit‘ eines Bieres ist heute
Dicke. Für Ventilation muß in der Weise gesorgt eider noch fast ausschließlich Erfahrungssache und
werden, daß die Luft unten auf einer Seite in den vissenschaftlich nur wenig beherrschbar. Es kann
Lagerkeller eintreten kann und auf der anderen Seite 'orkommen, daß bei Gefäßen, die 3—4 m hohe Biermittels
 hoher Schächte, die über Dach innerhalb der :chichten beherbergen und die sehr kalt lagern, vom
Mauern hinaus geführt werden, abgeleitet wird; im S5punden des Bieres völlig abgesehen werden muß und
Winter sind diese automatischen Ventilationen sehr, iaß die Biersäule das ganz von selbst besorgt. Wenn
im Sommer nur wenig wirksam, und man muß evtl. n früheren Jahrzehnten schon auf Lagerfässern von
zur künstlichen Ventilation schreiten. Die Gefäße im rerhältnismäßig geringem Inhalt, also mit niedrigerer
Lagerkeller sind entweder Lagerfässer aus Eichen- Biersäule,' manchmal automatisches Spunden Vvorholz
 von 20—150 hl Inhalt oder Stahltanks, welche rekommen ist, so läßt sich das nur dadurch ermit
 einer Pech-Paraffinmischung innen  indifferent &amp;lt;xlären, daß die Lagerfässer in Eis eingepackt lange
ausgekleidet sind, wobei aber der Überzug ab und zu ehr kalt gelagert hatten und daß das Bier eine
erneuert werden muß, oder man wählt emaillierte ı1ervorragende „Viskosität“ aufwies, welche die
Stahltanks oder Gefäße aus Aluminium und schließ- ohlensäure intensiv binden und zurückhalten konnte.
lich auch evtl. geschlossene Zementgefäße, die innen Die Lagertemperatur beträgt für das Bier 0,5—2° C,
wie die Gärbottiche behandelt werden müssen. Die nd zwar für Holzfässer weniger, für Stahl- und
emaillierten Stahl- und die Aluminiumtanks haben \luminiumgefäße etwas mehr. Letzteres aus dem
sich am meisten eingeführt, wenn sie auch teurer sind runde, um der besseren Leitung des Metalls nicht
wie die immunisierten Gefäße; Holzfässer kommen zu sehr Vorschub zu leisten, da rasche Abkühlungen
bei Anschaffungen wegen der hohen Holzpreise und es Bieres leicht zu „Eiweißausscheidungen“ führen
geringeren Kapazität sowie wegen der schwierigeren ‚Öönnen, welche einen „Vollmundigkeitsverlust‘“ des
Säuberung, Auskellerung und Pichung nur selten Bieres zur Folge haben. Träger der Vollheit sind
mehr in Frage. Die genannten Großgefäße werden ı1ämlich die Eiweißstoffe mehr als der verbliebene
in der Regel mit Inhalten von 200—600 hl angewen- ?xtraktrest an schwer vergärbarem Zucker. Bezügdet,
 zumeist in liegender Form mit höchstens 3 m ich des Biergeschmacks überhaupt muß man in
Durchmesser und bis zu 10 m Länge, seltener in lieser Beziehung unterscheiden zwischen der Ausstehender
 Form bis. zu 4 m Höhe. virkung des Maizcharakters selbst und der Beein-Die
 Gefäße werden entweder auf einmal oder in Tächtigung dieser Auswirkung durch Überdeckung
mehreren Rationen mit Bier aus dem Gärkeller ge- les an sich einwandfreien Geschmacks durch gegenfüllt
 und an die eilig schmeckende Stoffe namentlich bitteren Cha-'akters.
 Hierzu rechnet man: die Spelzenstoffe des
Valzes, den unedlen oder unrichtig verwendeten
Topfen, die ungeeignete oder unrichtig behandelte
Tefe und schließlich die mitgeschleppten, nicht recht-‚eitig
 ausgeschiedenen Trubreste. Man darf also
zeine unedlen Substanzen in das Bier hineinbringen
ınd muß die hineingebrachten vorzeitig, jedenfalls
schtzeitig hinausschaffen. Es ist daher ein Irrtum,
‚nzunehmen, daß die Hefe lediglich ein Gärungs-‚gens
 ist, vielmehr ist sie in hervorragender Weise
ıuch ein „Klärsubstrat“, an welches sich unwillzommene
 kleinere Stoffkörper anhängen, um sich
‚orzeitig auf dem Boden der Gefäße abzusetzen.
Weder die manchmal „stark flockende“ Hefe noch
lie sogenannte sehr fein verteilte „Stanbhefe“ sind
las Ideal des Brauers, vielmehr ist der in der Mitte
iegende Hefecharakter der anzustrebende. Schnelle
Yärung unterbindet die Vergärung und leistet der
nfektion Vorschub; zu langsames Absetzen sehr fein
rerteilter, lange schwebend bleibender Hefe erhöht
vohl die Vergärung, vermag der Infektion Wider-„Spundapparate“



angeschlossen. Diese regulieren mittels Quecksilbersäule
 oder manchmal durch die umfangreicheren
Wassersäulen den gewünschten Spunddruck, um die
langsam bei der „Nachgärung“ entstehende Kohlensäure
 im Bier zu binden. Es geht nicht an, gleich
das Bier dem vollen Druck auf das Bier, der maximal
bis zu 0,3 Atm. betragen kann, wenn die Gefäße
kleiner sind, und oft nur 0,1—0,2 Atm., wenn die Bierhöhe
 bis 3 m und darüber beträgt, auszusetzen. Der
Eigendruck des Bieres, unterstützt von dem „Spunddruck“,
 zwingt die langsam im Laufe von Wochen
und Monaten entstehende Kohlensäure, sich physikalisch,
 nicht chemisch, mit dem Bier zu verbinden.
Bier ist von der Würzegewinnung bis zum Ausstoß
eine kolloidale Eiweiß- und Zuckerlösung von chemisch
 schwach saurem Charakter. Leider besitzen
wir keine genauen Instrumente, um den kolloidalen
Status des Bieres rasch feststellen zu können; und
noch weniger haben wir die außerordentlich wichtig
        <pb n="113" />
        Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
nn
stand zu leisten, läßt aber die oben geforderte Ab- Alle Biere müssen
sonderung der anhängenden Stoffe zu lange hinausziehen.
 Man hat versucht, durch Vergrößerung der gut vergoren
Dberfläche im Gärgefäß die Klärung zu beschleu- ein, wenn sie bekömmlich sein sollen. Es ist ein
ılgen, indem man die Abscheidung an größerer Ober- rtum, wenn manche glauben, daß dank Unter-]äche
 verstärken wollte. Dies geschah durch die Irückung der Gärung durch besonders tiefe Tem-Verwendung
 von jeraturen mit dem Ziel, mehr Extrakt im Bier eres
 1alten zu wollen, die Biere vollmundiger werden.
„Spänen”; Solche Biere bekommen dann vielmehr einen mastidas
 sind sauber behandelte ausgekochte „Haselholz- zen, sättigenden Charakter, der unter Umständen
späne“ von etwa 30 cm Länge, 5 cm Breite und 3mm uch eine normale Verdauung verhindert, während
Dicke. Diese ausgekochten Späne zwingen die vorbei- ı\ormal gegorenes Bier die Verdauung anregt. Auch
strömenden Bierteile bei der Nachgärung — das Bier ind, wie schon an anderer Stelle angedeutet, nicht
ist infolge dauernder Kohlensäurebildung stets in lie Dextrine, also die schwerer vergärbaren Zuckerschwacher
 Bewegung — sich anzuhängen und fest- ırten, die Vollheitbringer, vielmehr sind es die Fizusetzen.
 Das gelingt manchmal mit einem Ge- veißstoffe in richtig umgewandelter Form in viel
schmackserfolg, aber manchmal ist es auch über- öherem Maße. Die sogenannten „Nährbiere“ sind
Nüssig, namentlich dann, wenn die Hefe als verhält- jewaltprodukte, die sich vom MNormalbier recht
nismäßig sauberes, genügend spezifisch schweres veit entfernen. Stark gehopfte Biere wirken günstig
Substrat das rechtzeitige Absetzen selbst ohne Zu- uf den Magen, vermehren und beschleunigen die
ıilfenahme von Spänen zu besorgen imstande ist. Tarnabsonderung und führen daher auch den Alkohol
Namentlich in großen Gefäßen glauben manche, da in :chneller ab.
jenen die Wandungen im Verhältnis zum Inhalt eine Das reife Bier wird nun
zeringere Oberfläche bieten, diese letztere dadurch
vermehren zu müssen, daß sie „Späne‘ oder indiffe- „abgezogen“
rente „Aluminiumkörper“ in das Gefäß einbringen. uf „Fässer“ oder auf „Flaschen“. Zur Zeit sind die
Bringt man keine abfällig schmeckenden Stoffe in ‚ölzernen Transportfässer immer noch tonangebend,
das Lagergefäß hinein und sorgt man dafür, daß die wohl bereits verschiedene Anläufe zu konstatieren
Hefe sie evtl. verhältnismäßig bald wieder zum Ab- ind, welche die eichenen Holzfässer durch solche
setzen bringen kann, dann sind die Späne entbehrlich. us Metall ersetzt wissen möchten. Das ist durchaus
Deren Reinigung und das Ein- und Ausbringen macht rklärlich und verständlich, denn ein hölzernes Faß
viel Arbeit und sie können auch durch Infektion ge- ‚oft sich aus vielen Einzelteilen, „Bodenstücken“
‘:ährlich werden. ınd „Dauben“, zusammen, die mittels eiserner Reifen
Das Bier lagert nun mehrere Monate im Lager- ‚„usammengehalten werden müssen; sie haben viele
&amp;lt;eller und kommt hier zur *ugen, die abgedichtet und dicht gehalten werden
, nüssen, infolge von Wind und warmer besonnter
„Ausreitung“, „uft, welche das Holz schwinden machen. Die Fässer
Die „Schnellgärverfahren“ übersehen, daß sich die müssen innen mit Pech ausgekleidet sein, einmal um
Zeit nicht immer durch besondere Kunstgriffe er- Iolz mit Bier wegen schlimmer Geschmacksbeeinsetzen
 läßt. Lassen sich auch die einzelnen Ge- Aussung nicht zusammenzubringen, vielmehr durch
schmacksfaktoren eines Bieres weder mit Worten A1differentes Pech zu schützen, und auch um die Unnoch
 mittels graphischer Darstellungen restlos lichtigkeiten selten zu machen. Das Faß muß also
präzis ausdrücken, so muß doch gesagt werden, daß Anittels heißer Koksgase oder mittels Ölfeuerung
die bei der Malzbereitung, beim Brauprozeß und ntpicht, d. h. das alte Pech muß erst entfernt werwährend
 der Haupt- und Nachgärung entstehenden en, um dann neues Pech in das Faß einzuspritzen.
und entstandenen Geschmacksstoffe sich zu einer lierauf muß man den möglichst dünnen Pechüberzug
Jeschmackseinheit verschmelzen müssen, daß keiner lurch mechanisches Rollen der Fässer gleichmäßig
dieser Geschmacksstoffe aufdringlich erscheinen uf der Innenwand des Fasses verteilen und die
darf, selbst wenn von ausgesprochenen „Malzbieren“ Dechgase entweichen lassen, wenn man Pechoder
 von „Hopfenbieren“ die Rede ist. Wie der Wein, reschmack im Bier vermeiden will. Es gibt wohl
so braucht auch das Bier zur Ausreifung seine Zeit, ieute schon Pickhautomaten, welche diese Einzelsein
 Lager, und dies um so mehr, wenn Biertypen rozesse im selbsttätigen Arbeitsgang aneinanderverlangt
 werden. Auf diese Dauer des Lagers wird eihen und weniger Arbeitskräfte beanspruchen, aber
vom Einweichen der Gerste an schon hingearbeitet :s ist auch hier eine langwierige und umständliche
und dauernd Rücksicht genommen; es muß das Bier Arbeit, die viel Aufmerksamkeit und Erfahrung ‚erzum
 festgesetzten Zeitpunkt seine Reife haben, damit heischt. Bei rascherem Umlauf werden die Fässer
es dem Konsum übergeben werden kann. nicht jedesmal frisch gepicht, sondern nur innen und
        <pb n="114" />
        IL., 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand. 113
außen gereinigt. Dies geschieht mittels der „Faß- "emperatur nach Aufhebung des Spunddrucks, beim
reinigungsmaschinen“, welche die Außenreinigung A\usschank, also bei atmosphärischem Druck —
dadurch besorgen, daß die liegend rotierenden Fässer ‚ormal 760 mm Barometerstand — festhalten kann.
mit dem Bauch und den beiden Böden des Fasses ‘ntweicht die Kohlensäure sehr rasch in diesem Fall,
gleichzeitig rasch reibend an Bürsten vorbeigeführt :o tut sie das in größerer Form der Bläschen und
werden. Innen werden sie abwechselnd warm und eißt die normale, vom Bier aufnehmbare Kohlenkalt
 sehr intensiv mittels Düsen ausgespritzt, indem Ääuremenge mit sich fort; der Schaum ist dann großein
 eiserner Tragrahmen die Fässer mechanisch auf lasig und fällt rasch zusammen. Das Bier präsentiert
die Düsen hebt und vorwärtsbringt. Die gereinigten ich etwa wie Selterwasser. Je besser also der
Fässer werden „ausgeleuchtet“, auf Sauberkeit und olloidale Zustand und je normaler die eingepreßte
Pechzustand geprüft und evtl. der Pichmaschine zu- “ohlensäure, um so feiner und kleinblasiger der
geführt. Man sieht, daß die Innenreinigung, wie dies ichaum, der zur bekannten Augenfreude bei richtig
bei allen geschlossenen Gefäßen der Fall ist, nicht .usgeschenktem Bier zu der schneeigen Haube führt,
absolut einwandfrei sein kann, und die Versuche, mit lie sich längere Zeit erhält. Diese Haube bleibt
„Desinfektionsflüssigkeit“ zu arbeiten, haben zueinem ıbrigens um so länger stehen, je zeitiger man den
nennenswerten Erfolg nicht führen können, da die rsten Trunk aus dem gefüllten Glase macht; die Be-Zeitdauer
 der Einwirkung praktisch nicht ausreicht. ührung mit der Feuchtigkeit ausscheidenden Luft
Wirklich sterile Gefäße kann nur das Pichen er- erstört sie. Will man also die Kohlensäure des
reichen. Aus diesen Erwägungen heraus hat man mit Dieres auf dem Lagerfaß auf das Transportfaß über-Recht
 betont, daß „Metallfässer“ diese Mängel zu reführt voll erhalten, so muß man die sogenannten
beseitigen vermögen, indem sie, weil ungepicht, mit isobarometrischen Abfüllapparate“ verwenden,
heißestem Wasser, ja selbst mit Dampf die Desinfek- velche während des Abfüllens ständig auf das
tionsirage lösen lassen und viel Arbeit und Kosten "ransportfaß mit demienigen Gegendruck wirken,
ersparen, weil die Picharbeit wegfällt und der Ver- velcher dem gehabten Spunddruck auf dem Lagerfaß
brauch an Pech selbst. Neben den bekannten Fässern, ntspricht. Aus einem etwa 1—2 m über dem Transdie
 in ähnlicher Weise für Öle im Handel vorkommen, ortfaß montierten kupfernen Behälter, in welchen
jedoch innen verzinnt oder lackiert werden müssen, las Bier vom Lagerfaß hineingedrückt wurde —
sind es in neuester Zeit besonders die Fässer aus nter Gegendruck —, läuft das Bier durch freies Ge-„Chrom-Nickelstahl‘“,
 dem sogenannten „V2a-Stahl‘“, Äälle dem 1—2 m tiefer aufgelegten Faß zu, um die
welche die Aufmerksamkeit erregen. Dieser Chrom- erdrängte zusammengepreßte Luft nach dem ge-Nickelstahl
 ist eine im Gefüge außerordentlich dichte ıannten Sammelbehälter oben zurückzuleiten. Die
und feste Legierung mit etwa 12—25 % Chrom- inwandfreie Füllung zeigt sich ohne Überfließen
Nickelmetall und, was die Hauptsache ist, voll» wtomatisch bei dem hermetisch verschlossenen Faß
kommen indifferent gegen Bier; derartige Fässer be- :n; dasselbe wird nach Beseitigung bzw. nach Empordürfen
 also weder innen noch außen einer besonderen '‘ebung des dicht am Spundrad aufsitzenden und
Behandlung, da sie auch nicht rosten. Weitere Vor- .‚bgedichteten Füllrohres, das bis zum Boden des
züge sind das geringe Gewicht, was sowohl für den 'asses reicht, um jedwedes Schäumen zu vermeiden,
Transport wichtig erscheint als auch bei der Hand- pundvoll mit einer eingeschlagenen „Querscheibe“
habung. Nachteilig sind noch der sehr hohe Preis it dem Holzhammer verschlossen. Das Faß hat beund
 die rasche Leitung des Metalls für warme und anntlich zumeist zwei Öffnungen; eine am Bauch
kalte Außentemperaturen. Von diesem Gesichts- es Fasses, das sogenannte „Spundloch“, welches mit
aunkte aus sind die Nachteile des hölzernen Fasses iner in das Faßholz eingeschraubten glatten, norzugleich
 seine Vorteile, und die Abschaffung der Holz- nalisierten Spundbuchse versehen ist und das nach
:ässer wird deshalb noch geraume Zeit auf sich iem Füllen nicht wie früher mit einem weichen Spund
warten lassen. aus „Langholz“, sondern mit einer „Querscheibe“ aus
Auf die sauberen Fässer muß nun das Bier ıärterem Erlen-, Linden- oder Pappelholz ver-N
 nr ae schlossen wird. Durch die Querscheibe kann die
vom Lagerfaß „übergefüllt &amp;lt;ohlensäure aus dem Bier nicht entweichen. An
werden. Das erfordert besondere Vorrichtungen. Stelle dieser hölzernen Querscheiben verwendet man
Die Technik verlangt, daß dies ohne „Kohlensäure- uch „eiserne Spundschrauben‘“, welche in diesem
verlust“ geschieht. Der „Kohlensäuregehalt“ eines "alle in eine „Schraubenbuchse‘“ eingeschraubt und
normal gespundeten Bieres beträgt 0,38—0,42 % Mittels eines paraffinierten „Leinenläppchens‘“ am
Kohlensäure, darunter ist es schal — und ein kohlen- ?ande abgedichtet werden. Am Boden des Fasses
säurearmes Bier ist ein ungenießbares Getränk —, seitlich befindet sich das Zapfloch, welches beim Andarüber
 ist es übersättigt mit Kohlensäure, d. h. es ‘tich mittels „Pression“ zur Einführung des
ist mehr Kohlensäure in das Bier eingepreßt worden, ‚Stochers‘“ dient, der bis zum anderen Boden des
als dessen kolloidale Beschaffenheit, auch bei tiefster 7asses hinunterreicht. Die beim Anstecken des
Die deutsche Brauindustrie der Gerenwart
        <pb n="115" />
        114 Generalbetriebsdirektor Josef Wild, Berlin:
Fasses vielfach vorkommenden Beschädigungen der ınd deren Prüfung auf richtige Reinigung sich etwas
xänder. des Zapfloches haben dazu geführt, „Normal- ;chwieriger gestaltet.
zapflochbuchsen“ einzuführen, in welchen der „Stopf- , 2
buchsenkörper“ des Stochers mittels Gummidichtung Die Reinigung der Flaschen,
eingespannt wird. Dies hat den Vorteil eines spritz- Lie früher in primitivster Weise mit „Handbürsten“
ıosen Ansteckens, und außerdem fallen die Faß- der mechanischen rotierenden „Bürstapparaten“
reparaturen weg. In manchen Gegenden wird mit lurchgeführt wurde, hat heute in mittleren und größedem
 Hahn das Bier aus dem stehenden Faß direkt en Betrieben der „bürstenlosen Reinigung“ Platz
ausgeschänkt, und zwar verwendet man dazu nicht ‚;emacht. Veranlassung dazu gab, daß manchmal in
das genannte Zapfloch am Boden, sondern eine seit- len Flaschen Borsten verblieben, und weiter, daß die
iche dritte Öffnung in der Bauchdaube dicht über _3ürste ein Infektionsträger ist, der die eigentlich volldem
 hinteren Boden unterhalb des Spundloches, :ommen zu entfernenden Keime von einer Flasche
Zwischen dem Lagerfaß und dem Abfüllapparat uf die andere verschleppt und überträgt. Man unterbzw.
 dem „Bieraufspeicherungsgefäß‘“, das den ‚cheidet heute in der Hauptsache zwei Systeme von
Vorrat zum Abziehen auf die Fässer aufnimmt, ist ‚ürstenlosen Reinigungsmaschinen, nämlich solche
noch das „Bierfilter“ eingeschaltet, das sich aus einer ‚hne und solche mit „Vorweiche“ der Flaschen. Bei
Reihe von stehenden oder liegenden Filterrahmen zu- :rsteren werden die Flaschen von Hand auf einem
sammensetzt, wobei die Rahmenzahl in ihrer Gesamt- ich langsam horizontal bewegendem Rad auf viele
fläche der Gesamtfilterfläche entspricht. Dieses enkrecht angebrachte Spritzdüsen gesteckt, welche
Zellulosebierfilter ist ein dem Brauer sehr unlieb- erienweise zuerst mit mäßig warmem Wasser, dann
samer, ihm vom überempfindlichen Konsumenten auf- nit sehr warmem Laugenwasser (Soda), dann mit
zezwungener Apparat, der das Aussehen des Bieres einem warmen und zuletzt mit. kaltem sterilen
wohl durch das feurig blanke Filtrat verschönt, die Wasser unter hohem Druck von 2—3 Atm. ab-Qualität
 bzw. den Geschmack des Bieres aber vechselnd bespritzt werden. Das Laugenwasser, das
niemals verbessert, da mit dem ‚scharfen Filtrieren aittels Pumpe zirkuliert — wobei die gröberen
der einwandfreie Charakter des Bieres sich etwas un- eilchen über Sieben zurückgehalten werden, damit
vorteilhaft verändert und die Vollheit etwas nachteilig ‚ie Düsenlöcher nicht verstopft werden — ersetzt
oeeinflußt wird. Jedenfalls darf die Druckdifferenz ılso gewissermaßen die Reinigung mit der Bürste.
vor und hinter dem Filter nur gering sein. Glücklich Die Leistung eines solchen Apparates beträgt bis zu
der Biertrinker, welcher dem Geschmack gegenüber ‘000 Flaschen in der Stunde. Das zweite System mit
dem Aussehen den Vorrang einräumt und beim ‚er „Vorweiche“ arbeitet in der Weise, daß die
Gucken durch das Glas ein Auge zudrückt; zufrieden "laschen zuerst durch die verschiedenen Bäder hinwar
 auch das Bierland Bayern, als es noch aus dem lurch müssen, bevor sie innen mit warmem, laugen-Krug
 sein Bier genoß. Heute könnte man das Filter altigem oder kaltem Wasser ausgespritzt werden.
eher entbehren als zu den Zeiten unserer Väter; denn Diese Apparate arbeiten intensiver, sind besser
ernstlich trübe Biere auch ohne Filter gibt es heute nechanisiert und leisten 6000 Flaschen in einer
ıicht mehr, wenigstens nicht im geordneten Betrieb. Stunde. Die „Außenreinigung‘ ist bei beiden
Ein anderer Teil des Lagerbieres soll auf Systemen gleich und erfolgt ebenfalls durch intensive
3Zespritzung. Im letzteren Fall insbesondere wandern
lie Flaschen, wie am „fließenden Band“ automatisch
um Füller, zu einem kupfernen Behälter mit nach
inten horizontal beweglichem Kranz von Füllrohren,
velchen das Bier isobarometrisch aus einem
otierenden, darüber befindlichen kupfernen Bier-‚efäß
 zufließt, genau wie beim Faßfüller, nur in ver-(leinerter
 Form; automatisch wandern die Flaschen
lann evtl. zum „Schließen“, um endlich „etikettiert‘“ in
lie „Flaschenkasten‘“ eingestellt und zum „Flaschen-‚ellerlager“
 weitergeführt zu werden. Unsere bürstendsen
 Apparate haben sich hinsichtlich Leistungsähigkeit,
 Arbeitsersparnis und namentlich hinsichtich
 Sauberkeit und steriler Bierfüllung sehr bewährt,
ınd die Haltbarkeit des Bieres wurde durch sie
vesentlich erhöht.
Die Flaschenverschlüsse sind entweder sogenannte
‚Patentverschlüsse‘“, welche mit „Bügel‘“ an der
Masche festhängen, wobei der Verschluß dadurch

„Flaschen“
gefüllt werden. Die Flasche dient für den Konsum
im Hause und nur selten bei uns in den Lokalen, außer
vielleicht in Hotels und dergleichen. Entgegen dem
3ier im Faß ist die Flasche mehr oder weniger stark
der lang dem „Tageslicht“ ausgesetzt. Von dessen
Einfluß wird das Bier verändert; „Sonnenlicht“ gibt
schon in wenigen Minuten, „zerstreutes Tageslicht‘
in M—1% Stunde dem Bier einen unangenehmen
Geschmack, den der Brauer als „Lichtgeschmack‘“
bezeichnet. Es ist derselbe Einfluß wie bei den im
Bäckerladen in der Sonne liegenden Weißbroten;
man schmeckt auch diese schnell heraus. Die
„grünen‘“ Flaschen lassen die schädlichen Sonnenstrahlen
 viel leichter durch als die „braunen“.
Letztere sind bräunlich gefärbt unter Zusatz von
Mangan („Braunstein‘“) und sollten ausschließlich
Verwendung finden. wenn sie auch etwas teurer sind
        <pb n="116" />
        IL, 6. Die Biergewinnung vom Sudhaus bis zum Versand.
nn SEE

115
ım das Produkt dauernd konkurrenzfähig zu erhalten
nd die Wirtschaftlichkeit nicht zu kurz kommen zu
assen, läßt sich sehr wohl ahnen, aber im Rahmen
lieser Ausführungen nicht schildern. Der verantvortliche
 technische Leiter wird immer eingedenk
jein müssen, daß die Würze einen gesunden Nährı‚oden
 für die so wichtige Lebenstätigkeit der Hefe
larbieten soll und daß die Würze und das werdende
3ier, rings umgeben von dauernden Infektionssefahren,
 genügend Widerstandskraft haben müssen,
ım sich feindlichen Angrifien fremder, feindlicher
ebewesen widersetzen zu können, ähnlich wie der
Aediziner dies auch von seinem Patienten erwartet
ınd wie er bestrebt sein muß, dessen Widerstands-'raft
 zu unterstützen. Wir brauchen also zusammen-‚efaßt
 in großen Zügen: ein typisches Malz, einen
zorrekt durchgeführten Sudprozeß, eine möglichst
rollkommene Trubabscheidung, eine gesunde in-'ektionsfireie
 Hauptgärung und genügend Zeit zur
rollen Ausreifung des Bieres auf einem recht kühlen
„ager. Die Erfahrung des technischen Leiters kann
icht groß genug sein, und dieser pflegt sich außerdem
leshalb auch die bisherigen fruchtbaren wissenschaftichen
 Forschungen und Erkenntnisse dauernd dienstjar
 zu machen. Die Wissenschaft hat für uns Großes
zeleistet, allein sie ist uns trotzdem noch vieles
schuldig. Aber ihr unermüdliches Streben nach Licht
vird sicher noch vieles mit der Zeit aufhellen und
ıns herausführen aus dem Dunkel mancher Unsicherıeiten
 und Unklarheiten, die bis jetzt nur „erfühlt‘“
ınd ‚ertastet‘“ werden können.

hergestellt wird, daß der „Porzellankopf“, der mit
ainem Gummiring versehen ist, mittels Hebelwirkung
von Hand auf die Flaschenmündung fest aufgepreßt
wird, oder die Verschlüsse werden für sich
mechanisch auf die Flaschenmündung aufgebracht,
worauf die Flasche mittels besonderer Apparate
mechanisch dicht verschlossen wird. Am geeignetsten
hat sich hierzu der „Kronenkorkverschluß“ erwiesen,
der auf der ganzen Welt starke Verbreitung gefunden
hat. Die Flaschen haben einen „Wulst am Rand der
Mündung‘‘; die in die „Kapsel“ eingelegte „Korkscheibe“
 wird zuerst mechanisch dicht aufgepreßt
und dann wird dieser Wulst krallenartig umfaßt, so
daß die Aufpressung bestehen bleibt. Andere Verschlüsse,
 wie der „Schraubenverschluß‘“ und auch der
sogenannte „Helaverschluß‘“, haben ‚sich nicht durchsetzen
 können, bei letzterem, da Flaschendichtungen,
herbeigeführt durch „Außenanpressung“ mit gummiertem
 Aluminiummetall, nicht frei von sogenannten
„Versagern“ sind, die unbedingt vermieden werden
müssen.
Im Sinne gemeinverständlicher Darstellung und
unter Vermeidung des Eingehens auf allzu brau- und
maschinentechnische oder theoretische Details haben
wir den Sudprozeß, die Hauptgärung, die Lagerung
und Ausreifung des Bieres bis zur Konsumreife verfolgt.
 Was im Laboratorium geschieht und geschehen
 muß, um die Sicherheit des Betriebes zu verfolzen
 und zu überwachen, um dem technischen
Leiter die immerhin erhebliche Verantwortung zu erleichtern:
 was alles wahrgenommen werden muß.
        <pb n="117" />
        7. Lager- und Transportgefässe,

a) Bierfaßindustrie,
Von Rechtsanwalt Dr. Carl Dingeldey, Darmstadt, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Faßfabriken G. m. b. H.

Wenn von den Biertransportgefäßen die Rede ist,
so steht das Holzfaß an erster Stelle. Jahrhunderte
alt ist die Verbindung zwischen Brauer und Böttcher.
Untrennbar sind Braugewerbe und Faßgewerbe,
3Zrauindustrie und Faßindustrie.
Die Bierfaßindustrie ist eine Spezialgruppe auch
nnerhalb der deutschen Faßindustrie. Die Unterschiede
 zwischen
Schwer- und Leichttaßfabriken

jatten sich teilweise kurz von dem Kriege, besonders
ıber während des Krieges etwas verwischt. Waren
n der Not der Kriegsverhältnisse, in einer Zeit, wo
Bierfässer nicht abzusetzen waren, die Bierfaßbetriebe
 geradezu gezwungen, leichtere Dichtfässer,
ja auch Packfässer herzustellen, so ist in der Nachkriegszeit
 die Spezialisierung immer schärfer und
schärfer geworden, und heute besteht wieder die vollständige
 Trennung der Schwerfaßfabriken und der
Herstellung leichterer Fässer. Es ist auch nicht viel,
was die beiden Gruppen gemeinsam haben. Während
die Leichtfaßfabriken überwiegend mit großen Sägewerken
 verbunden sind, ihr Holz rund im Walde einkaufen
 und aus dem Stamm heraus Faßholz und
Jaraus die Fässer erzeugen, erhalten die Bierfaßhefriebe
 ihr Holz gespalten als Dauben vorgerichtet
und haben nur noch die Spezialbearbeitung des vorzerichteten
 Holzes vorzunehmen und daraus die
Fässer herzustellen... Während das Holz für die
Leichtfässer meist schnell verarbeitet und umzeschlagen
 wird und durch künstliche Verfahren den
ärad der erforderlichen Trockenheit erreicht, müssen
die Bierfaßbetriebe ihr Holz jahrelang Ilufttrocknen,
denn es gibt bisher noch kein Verfahren, das es ernöglichte,
 solche starken Eichendauben künstlich zu
trocknen, ohne daß das Holz darunter leidet.
So unterscheidet sich der Schwerfaßbetrieb meist
schon rein äußerlich von der Leichtfaßfabrik durch
lie Anlage und durch das Holzlager.
An wirtschaftlicher Bedeutung werden in der deutschen
 Faßindustrie die Schwerfaßfabriken und die
Leichtfaßfabriken einander gleich kommen. Nicht
an Arbeiterzahl, denn gerade durch die mit dem
Rundholzeinkauf und mit Sägewerken verbundenen
vielen Arbeiten bedarf die Leichtfaßfabrik eines
wesentlich größeren Arbeiterstandes, zumal sie von
ihren viel leichteren und weniger Material ent-1altenden
 Erzeugnissen auch wesentlich mehr vDroduzieren

 muß. Das Verhältnis der Arbeiterzahlen ist
zo, daß etwa ein Drittel auf die Schwerfaßfabriken,
zwei Drittel auf die Leichtfaßfabriken entfallen
lürfte.
Rationalisierung und wirtschaftliche Depressionen
;ind auch an der Faßindustrie nicht vorübergegangen.
Die noch vor zehn Jahren so blühende Industrie, die
ast 150 Betriebe in Deutschland zählte (ungerechnet
aaturgemäß die unzählbaren Handwerksbetriebe), in
lenen bei außerordentlich hochentwickelter maschiıeller
 Einrichtung etwa 10000 Arbeiter beschäftigt
vyurden, ist heute bereits stark zusammen-‚eschrumpft.
 Es werden an größeren Betrieben der
ichwerfaß- und Leichtfaßindustrie insgesamt kaum
ıoch 50 vorhanden sein, wobei allerdings zu benerken
 ist, daß die in Fortfall gekommenen Fabriken
iberwiegend mittlere und kleinere waren und von
ien größeren nur wenige den Zeitverhältnissen zum
)pfer gefallen sind. Eine Rationalisierung durch
'usammenlegung von Betrieben, ähnlich wie sie bei
len Brauereien in großem Umfange eingetreten ist,
at sich in der FaßBindustrie bisher nicht verwirkchen
 lassen. Dies liegt an der besonderen Art der
’erpackungsindustrie im allgemeinen und der Faßadustrie
 im besonderen. Die Rationalisierung ist
jelmehr in den Betrieben vor sich gegangen, hat zu
/erbesserungen der Methode und der Qualitäten geührt,
 und auf der Strecke geblieben sind überviegend
 die, die infolge Mangels an Betriebskapital
lieser Methode nicht folgen konnten und demzufolge
malitativ zurückblieben. Gerade in Bierfässern
j1aben sich die Ansprüche der Brauereien von Jahr
a Jahr gesteigert und die Faßfabriken sind ge-‚wungen,
 solchen erhöhten Ansprüchen zu genügen.
Jabei müßte erwogen werden, ob nicht bisweilen
uviel verlangt und gewährt wird, und daß es doch
ielleicht im Interesse der deutschen Volkswirtschaft
‚esser wäre, von den übertriebenen Holzstärken abugehen.
 Das Holz muß vom Auslande importiert
verden, und jede Verschwendung ist daher eine Ver-:chwendung
 von Nationalvermögen, Die Verbesseung
 der maschinellen Herstellung der Bierfässer,
nsbesondere die starke Anwendung von hydrauischem
 Druck hat dazu geführt, daß die Hand-‚öttcherei
 aus der Herstellung der Bierfässer so gut
vie verschwunden ist. Verlangt und geliefert werden
Dressionstässer, also Fässer, die einem starken
        <pb n="118" />
        Dr. Carl Dingeldey, Darmstadt: IL, 7a. Bierfaßindustrie. 117
Druck Widerstand zu leisten vermögen. Dazu reicht "ransporffässer wird größere Zurückhaltung der
die Handarbeit allein nicht aus, und wenn selbst vor 3rauindustrie im Einkauf beobachtet. Die techdem
 Kriege noch einzelne Faßfabriken fast ganz auf 1ischen Hilfsmittel ermöglichen heute einen viel
manuelle Herstellung eingestellt waren, so haben schnelleren Umschlag des Faßbestandes in der
heute auch die kleineren Faßfabriken wohl durchweg Brauerei, und der dadurch bedingte stärkere Verwenigstens
 die notwendigsten Maschinen, da sie chleiß wird sich erst in Jahren wieder auswirken.
andernfalls in der Herstellung neuer Bierfässer über- ngünstig auf die Lage der Schwerfaßindustrie wirkt
haupt nicht mehr konkurrieren könnten. Dem Hand- ’erner die Holzverknappung und die damit verwerk
 verbleibt neben der Herstellung von Bottichen undene starke Preissteigerung für Bierfaßholz.
und leichteren Fässern und Kübeln aus vor- ‚eider war es auch nicht annähernd möglich, die
gerichtetem Faßholz und von Weinfässern das Z/erkaufspreise diesen. Rohstoffsteigerungen folgen
Flicken der Fässer. Bei dem starken Saison- "u lassen. So bietet die noch vor Jahren so starke
charakter, den die Bierfaßfabrikation heute wieder leutsche Bierfaßindustrie zur Zeit ein recht unhat,
 gibt es Jahreszeiten, in denen auch die Faß- inheitliches und wenig erfreuliches Bild und trotz
fabriken nicht ungern größere Flickarbeiten zur _hrer organischen Verbindung mit der festgefügten
Stabilisierung ihrer Beschäftigung ausführen. leutschen Brauindustrie lastet die allgemeine wirt-Interessant
 ist die ichaftliche Depression auch auf ihr mit nicht ge-.
 , | | ingerer Schwere.
Standortsverschiebung der Bierfaßtabriken. Nun kurz zum
Vor dem Kriege yravierten sie nach Kassel, München,
Berlin usw. und verteilten sich ziemlich gleichmäßig
auf Ost-, Mittel-, West- und Süddeutschland. Der
Osten ist. von der Umstellung am schwersten betroffen
 worden. In Berlin it von vier teilweise recht
dedeutenden Faßfabriken noch eine übriggeblieben,
im Osten sind sie bis auf eine ganz verschwunden,
und das Schwergewicht hat sich nach Mittel- und
Süddeutschland verschoben. Von den: verbliebenen
15 größeren Bierfaßfabriken liegen allein 7 in
Bayern und Württemberg, obwohl gerade der lokale
Absatz dort an Bedeutung sehr verloren hat. Die
starke Bedeutung des westdeutschen Absatzgebietes
hat sich dagegen bisher nur auf die Errichtung von
Filialen ausgewirkt.
An dieser Verschiebung dürfte nicht allein die Veränderung
 des Bedarfs der ost- und norddeutschen
Brauereien schuld sein, sondern auch die Tatsache,
daß durch die starke Konzernbildung der Brauereien
diese mehr und mehr von lokalen Rücksichten unabhängig
 geworden sind und ihre Einkaufspolitik auf
die’Faßfabriken im ganzen Reich erstreckten.
Es wurde schon darauf hingewiesen, daß. der
starke, zahlenmäßige Rückgang der Betriebe sich
nur zum kleinen Teil auf die großen Faßfabriken erstreckt.
 Immerhin darf gesagt werden, daß die

Produktionsgang
jelbst. Große Sorgfalt erfordert hier schon die Beıandlung
 des Holzes. Rußlands unendliche Wälder
ınd Polen liefern in der Hauptsache das Holz, das
lie deutsche Faßindustrie in langen Jahren als das
reeignetste befunden hat. Nach dem Friedensschluß
;jind gerade die Teile, in denen unser Eichenholz
vächst, großenteils an Polen gefallen, und‘ so
;‚ind es heute eine Anzahl polnischer Faßholz-»roduzenten,
 die der deutschen Bierfaßindustrie
)»in sorgfältig vorgearbeitetes Bierfaßholz liefern.
\ber den polnischen Betrieben fehlt es zumeist
ın Betriebskapital für lange Lagerung, und so
nüssen trotz des Vorhandenseins von. Spezialaßhoizlieferanten
 die deutschen Faßfabriken es sein,
lie dem Holz die vorgeschriebene mehrjährige
‚agerung zuteil werden lassen, denn nur voll-:oommen
 ‚lufttrockenes Holz ist zur Bierfaßfabri-‚ation
 geeignet. Die von den Polen eingeführten
}ezeichnungen „halbtrocken“, „teilweise trocken“ verschleiern
 nur die Tatsache, daß das Holz eben noch
ıcht trocken ist und von dem Käufer, also der Faß-'abrik,
 durch Lagerung nachgetrocknet werden muß.
jewaltige Holzlagerplätze umgeben daher die
Schwerfaßfabriken, und nur wer in der Lage ist, jedes
‚och, das die Fabrikation in den Holzbestand reißt,
rleich wieder auszufüllen, bleibt den Anforderungen
vewachsen. Sorgfältige Aussortierung ist dabei
licht jedes Betriebes.
Das in Dauben nach Faßauslage (Faßumfang) geieferte
 Holz wird, wenn es trocken geworden ist und
ur Verarbeitung bestimmt wird, in den Betrieb zu
len Maschinen befördert. Eine kombinierte Maschine
zürzt die Dauben auf richtige Länge und schrägt
vleichzeitig die Köpfe etwas ab. Eine zweite Maschine
1obelt die Dauben innen so aus, daß sie am Bauch
lie aus technischen Gründen notwendige geringere

Entwicklung der Bierfaßindustrie
in den letzten Jahren den von ihr gehegten Erwartungen
 nach keiner Richtung entsprochen hat;
insbesondere ist der doch festgestellten starken prozentualen
 Steigerung des Bierabsatzes seit 1924 auch
nicht annähernd eine Steigerung des Faßabsatzes
gefolgt. Dazu kommt die für die Faßindustrie entscheidende
 Tatsache, daß das Lagerfaßgeschäft sich
mehr auf die mittleren und kleinen Brauereien beschränkt
 und eigentlich nur noch in Süddeutschland
größere Bedeutung hat. Aber auch hinsichtlich der
        <pb n="119" />
        48 II., 7 a. Bierfaßindustrie.
Yolzstärke erhalten. Ist dann noch die Fügemaschine inrichtung zum Innenhobeln die innere Verschönejassiert,
 die die Dauben an den Seiten so bearbeitet, "ung betreibt.
daß die Fugen genau radial stehen und die Dauben an Inzwischen sind die Böden aus dazu bestimmten
den beiden Enden schmäler als in der Mitte werden, 3odenstücken auf der Bodenabrichtmaschine abso
 ist zunächst die eigentliche Holzbearbeitung, aus- erichtet, auf der Fügemaschine gefügt, weiterhin
zenommen die der Böden, beendet. nit Dübeln verbunden, auf der Hobelmaschine glatt
Nunmehr werden in der Aufsatziorm die Dauben rehobelt, auf der Bodenrundschneidemaschine kreis-1ebeneinander
 gestellt und erhalten die Arbeitsreifen, und geschnitten und mit einem Kimmenprofil verlie
 zunächst den Rumpf nur lose zusammenhalten, :ehen. Die Böden werden in das Faß eingesetzt, und
denn das Faß wird jetzt zunächst im Faßdämpfer ge- iüieses kommt nunmehr in die Faßreifenauftreibecxocht.
 Dadurch wird erreicht, daß das Holz für die naschine, die mit nochmaligem hydraulischen Druck
weitere Bearbeitung biegsam wird. Dann werden lie inzwischen auf Spezialmaschinen hergestellten
lie Arbeitsreifen wieder gelöst und jede einzelne B3andeisenreifen fest auf das Faß auftreibt. ;
Daube kommt in die Daubenbiegemaschine, eine Nun schnell noch die Druckprobe und das Lackieren
sinnige Erfindung, die das noch nasse Holz schmieg- ler Faßköpfe je nach Wunsch schön rot, grün oder
sam in bauchige Form biegt und gleichzeitig in dieser lau und das Faß ist fertig.
7orm durch eiserne Klammern erhält. Nun wird das Die Faßindustrie ist ein Zweig der holz-7aß
 wieder in seinen Rumpf aufgesetzt, die.Klammern verarbeitenden Industrie und steht innerhalb dieser
werden abgeschlagen und es gelangt nach älterem olzverarbeitenden Industrie als maschinell hoch-Verfahren
 in die Arbeifsreifenanziehmaschine, die mntwickelt da; gegenüber anderen Zweigen der
ıber auch bereits mit starkem hydraulischen Druck lolzverarbeitung, insbesondere der bekannten Möbelarbeitet,
 nach neuerem Verfahren in die hydraulische adustrie, ersetzt die Maschine Tausende von
Dresse. Bei der Arbeitsreifenanziehmaschine drücken rbeitskräften, und sie. könnte in dieser Hinsicht
lie Greifarme der Maschine die Reifen nach dem och viel mehr tun, wenn es gelänge, den Bedarf in
Bauche des Fasses zu und pressen dadurch das Faß tärkerem Maße zu vereinheitlichen. Die früher
zusammen. Die hydraulische Presse preßt dagegen "om Verband der. Deutschen Faßfabriken herausäne
 vollständige Faßform und der gewaltige Druck ‚egebenen Listen zeigen eine Fülle verschiedener
wirkt sich hier also unmittelbar auf das Faß aus. jrößen, jeweils von 5 zu 5 Liter steigend, und jeder
Nachdem nunmehr die Faßbearbeitung des Z/ersuch, eine stärkere Vereinheitlichung und Ver-Rumpfes
 beendet ist, werden die Fässer über einem ingerung der Größen durchzuführen, scheiterte
»ffenen Feuer „gefeuert“, also auf dem schnellsten mmer wieder an den durch den verschiedenartigen
Wege wieder ausgetrocknet und gehen in die weitere bedarf bedingten Vorschriften der Brauereien. Als
3earbeitung. Zunächst werden die Köpfe in der ”erpackungsindustrie muß sich die Faßindustrie
Faßkrösemaschine bearbeitet, die die Gargel zum ‚iesem Bedarf anpassen, und es ist nicht möglich,
Finsetzen des Faßbodens herausarbeitet und gleich- er etwa wie bei anderen Bedarfsgegenständen
zeitig die Enden des Fasses sauber aushobelt sowie |urch Normung kurzerhand zu dekretieren. Es wird
lie Köpfe der Dauben weiter abschrägt. Sodann wird mmer oberstes Gesetz der Dienst am Kunden bleiben
das Spundloch ausgebohrt. Spezialmaschinen be- A1üssen. Dessen ungeachtet wird von der Maschinenhobeln
 danach das Faß von innen und außen tadellos ndustrie und den Faßfabrikanten eifrig daran geınd
 gleichmäßig. Als Neuerung wird das Innen- .rbeitet, die Fabrikation zu rationalisieren, aber auch
hobeln heute vielfach der doppelten Faßkopfüber- veiter zu verbessern, damit vermöge seiner hochstemmaschine
 zugeteilt, die sowohl. das Über- ualitativen Eigenschaft, insbesondere vermöge seiner
;stemmen, d. h. das Abschrägen der Daubenköpfe, wie Widerstandsfähigkeit das TransportfaBß aus Holz
auch das Glätten des Brahmschnittes und das Aus- seinen Platz behauptet, wie es ihn durch Jahrhunderte
jacken der Köpfe besorgt. während gleichzeitig eine 1indurch behauptet hat.
        <pb n="120" />
        b. Glasemaillierte Tanks.
Von Oberingenieur W. Knüppel, Berlin,

Die Bierbrauereien verwendeten in früheren Jahren
sowohl für die Bottiche in den Gärkellern als auch
ür die Lagerfässer in den Lagerkellern einzig und
allein slawonisches Eichenholz. Vor etwa 45 Jahren
wurde dieses Holz immer seltener und somit auch
teurer, und es-trat mehr und mehr das Bedürfnis nach
einem Vvollwertigen Ersatzmaterial hervor. In den
Vereinigten Staaten von Nordamerika hatte sich zu
gleicher Zeit immer mehr die Vakuumgärung eingebürgert,
 die ausschließlich in hermetisch verschlossenen
 Gefäßen durchgeführt werden konnte.
Es galt ein vollwertiges Ersatzgefäß für den Holzbottich
 zu finden. Bahnbrechend wirkte Caspar
Pfaudler im Verein mit deutsch-amerikanischen
Großbrauern (Stroh in Detroit, Schlitz in Milwaukee,
Busch in St. Louis u. a.). Es gelang ihm die Herstellung
 geschlossener, eiserner, innen emaillierter
Gärgefäße. Pfaudler teilte das Los der meisten Erfinder.
 Seine Erfindung brachte ihm keine Vorteile.
Der Wert und die ungeheure Tragweite der Pfaudlerschen
 Erfindung für den Brauereibetrieb wurde
jedoch von weitblickenden Amerikanern erkannt.
Unter Führung des Präsidenten Puffer wurde in
Detroit (U.S. A.) „The Pfaudler Compagny“ gegründet.
 Detroit wurde diesem Unternehmen bald
zu klein, und so wurde ein Teil der Fabrik nach
Rochester (U. S. A.) verlegt, während der Betrieb in
Detroit unter der Firma „Detroit Steel Cooperage“
unter anderer Leitung weitergeführt wurde. ;
Die großen Erfolge dieser amerikanischen Gesellschaften
 wurden bald auch auf dem europäischen
Kontinent sichtbar. Die konservativ veranlagte
deutsche Bierbrauerei stand zunächst natürlich diesen
Gefäßen sehr abwartend gegenüber. Zu tief wurzelte
in den deutschen Brauerkreisen der Gedanke, daß
gutes, schmackhaftes Bier nur in ausgepichten Holzgefäßen
 hergestellt werden könnte. Namhaifte
Chemiker wiesen jedoch, auf Grund ausgedehnter
Proben, einwandfrei nach, daß das in emaillierten
Stahlgefäßen hergestellte Bier an Wohlgeschmack,
Würze und Güte dem in Holzfässern erzeugten Biere
zum allermindesten ebenbürtig, wenn nicht sogar
überlegen sei.
Im Jahre 1898 erwarb die Brauerei Gebr. Boos in
Barmen von der Pfaudler Company in Rochester
(U. S. A.) acht emaillierte Stahltanks. Hiermit setzte
eine Modernisierung der Brauereikeller ein. Die
deutsche Brauindustrie stand, da es sich um einschneidendste
 Neuerungen handelte, stark kritisch beiseite.
immerhin fühlte. man jedoch die große Umwälzung,

lie durch die glasemaillierten Tanks herbeigeführt
vürde, Längst war diese Zurückhaltung in Amerika
iberwunden, und auch in Deutschland lernte man den
Nert der neuen Idee schätzen, so daß zunächst Ver-‚uchsanlagen
 geschaffen und dann ganze Kellereien
nit diesen Tanks belegt wurden. Durch die sicht-‚aren
 Erfolge der amerikanischen Fabriken angeregt,
ı1ahmen im Jahre 1905 auch deutsche Firmen diesen
vichtigen Industriezweig auf, Es setzte nunmehr
:ine sehr intensive Konkurrenz ein, die bis zum Ausıruch
 des Weltkrieges eine immer - vollkommenere
Konstruktion des emaillierten Gefäßes herbeiführte.
Andere deutsche Firmen gingen nunmehr zum
3au der Gärbottiche und Lagertanks aus anderem
Material als Stahl über und wollten die glas-;maillierten
 Tanks aus den Brauereien herausirängen.
 Die unaufhörlich zunehmende Verbreitung
ler glasemaillierten Stahltanks konnte jedoch durch
jefäße aus anderem Material nicht mehr aufgehalten
verden. Sehr stark verdrängt wurden jedenfalls aus
len Brauereien die hölzernen Gärbottiche und
‚agerfässer.
Der Weltkrieg brachte einen Stillstand in der Verrollkommnung
 der emaillierten Tanks mit sich. Nach
zielen Mühen gelang es, nach Kriegsende und Übervindung
 der Schwierigkeiten in der Inflationszeit,
ien führenden deutschen Firmen: „Pfaudler-Werke“
\kt.-Ges., Schwetzingen in Baden; „Eisenhüttenverk
 Thale‘, Akt.-Ges., Thale am Harz, und „Eisenverk
 Müller &amp;amp; Co.“, Akt.-Ges., Schwelm in Westalen,
 die sich nun unter der Firma „Tankverband
3.m. b. H.“ in Düsseldorf zusammenschlossen, der
iberaus großen Schwierigkeiten völlig Herr zu
verden und wiederum ein einwandfreies Gefäß auf
lien Markt zu bringen, ;
Den Grundstoff der emaillierten Tanks bildet ein
ualitativ hochwertiges Siemens-Martin-Stahlblech
ron einer Stärke, die sich, je nach den Teilen des
"anks, von 9—15 mm bewegt. Die äußere Be-.chaffenheit
 der Stahlbleche ist derart, daß sie den
Irfordernissen des Emaillierprozesses ganz be-'onders
 angepaßt ist. Durch den Emailleüberzug im
nnern der Tanks werden diese erst befähigt, Bier
‚ur Gärung und Lagerung aufzunehmen.
Der Emaillierung stellten sich die größten Schwieigkeiten
 in den Weg. Bereits bei kleinen
‚maillierten Gefäßen tritt der Unterschied in der
Jualität der Emaillierung deutlich zutage. Eine
nehr als siebzigjährige Erfahrung auf dem Gebiete
ler Emaillierung setzte denn auch die vorhin er-
        <pb n="121" />
        Oberingenieur W, Knüppel, Berlin:
wähnten Werke in den Stand, die größten Gefäße Hinsichtlich der Raumausnützung dürften die
lauernd wiederum mit widerstandsfähiger Emaille ‚Zeppelintanks“, D. R. P., als „non plus ultra“ anzuzu
 versehen. Gärbottiche, die von diesen Firmen ge- sprechen sein. Ob es sich nun um stehende oder
baut worden und über 20 Jahre in Betrieb sind, also iegende Konstruktion handelt, die einzelnen Zellen
ffene Emaillegefäße, die am meisten gefährdet sind, verden stets nahtlos geschweißt. Die Zahl der
waren dermaßen gut erhalten, daß man der Meinung \ufeinander- oder nebeneinandergestellten Zellen
sein konnte, völlig neue Gefäße vor sich zu haben. st praktisch unbeschränkt. Hinsichtlich der Ab-Nachdem
 die Tanks in der Kesselschmiede fertig- Nnessungen gilt das bei den gewöhnlichen Lagertanks
gestellt sind, werden sie im Innern mit Sandstrahl- ’emerkte. Die Benennung Zeppelintanks ist gewählt
zebläsen intensiv bearbeitet. Daraufhin erhalten sie Vorden auf Grund der Ähnlichkeit, die zufolge des
einen doppelten Fmailieüberzug, d. h. einen solchen :onkav-konvex Neben- oder Aufeinandermontierens
nit einer Grund- und einer Deckemaille von bläu- liese Tanks mit den Zellen der Zeppelinluftschiffe
licher, grauer bzw. grüner Farbe, je nach der Ge- ‚aben. Graf Zeppelin hat seinerzeit die ausdrückwohnheit
 des liefernden Werkes. Der Emailleüber- ıche Erlaubnis für die Benennung „Zeppelintank“
zug ist nur so stark, daß er den auf Temperatur- rteilt.
schwankungen beruhenden Materialdehnungen leicht Als Druckfestigkeit der Lagertanks kommt, ie
zu folgen vermag. Die Emaille ist frei von jeglichen ı1ach der Größe, eine solche von 0,75 bis 1 Atm. in
Farbstoffen und nur aus chemisch reinen Mineralien jetracht, Die Blechstärken schwanken zwischen
zusammengesetzt. Selbst nach hündertstündigem '—10 mm im Mantel und 9—15 mm in den Böden.
Kochen von 50prozentiger Schwefelsäure wird die Bei den Ringtanks wird eine ideale Dichtung ver-Emaille
 nicht angegriffen und bewahrt vollsten vendet. Die. Vorzüge dieser Konstruktion beruhen
Glanz. Für die Aufnahme von Bier ist die Glas- a der I-förmigen Zinnleiste, die ein gleichmäßiges
zmaille von unübertreffbarer, wirklich idealer \nziehen der Flanschen an beiden Enden sowie ein
Eignung. Hinzu kommt ihre Unempfindlichkeit gegen völlig glattes und dichtes Verstemmen im Innern er-Verschleiß
 aller Art sowie der Umstand, daß die nöglicht. Diese Dichtung wird vom FEisenwerk
Emaille sich ganz vortrefflich mit dem Stahl ver- Thale verwendet. Bei der Konstruktion der Pfaudlerbindet.
 So ist die Glasemaille die Seele der glas- verke ist der die Flanschen nach dem Innern abamaillierten
 Tanks. schließende Zinnstreifen so in Gummi eingebettet,
Die Ringausführung der Gärbottiche ist veraltet 1aß beim Anziehen der Flanschenschrauben die
und wird nur noch sehr selten angewendet. Im all- Charfen Kanten der Zinnleiste den vorher darüber
zemeinen werden die runden Gärbottiche in naht- inausragenden Gummistreifen automatisch abloser
 Ausführung mit einem lichten Durchmesser von Chneiden und so die Gewähr bieten, daß der Raum
300—3000 mm, von 50 zu 50 mm steigend, aus- inter der Zinnleiste vollständig ausgefüllt ist. Bei
geführt. Die Höhe kann bis zu dem brautechnisch eiden Konstruktionen kommt nur der etwa 5 mm
zulässigen Höchstmaß gewählt werden. Bei 3000 mm vreite Zinnstreifen mit dem Bier in Berührung.
lichtem Durchmesser und 2500 mm Höhe ist der In- \ußen werden die Tanks mit einer Rostschutzfarbe
halt etwa 180 hl. Auch die viereckige Form wird restrichen und erhalten durch die Brauerei nach ernahtlos
 geliefert. Ihre Abmessungen sind in der lgter Aufstellung noch einen weißen Lackanstrich.
Länge 1500—4000 mm, in der Breite 1500—2800 mm, Für die Konstruktion der Drucktanks in den
‚m Lichten von 50 zu 50 mm steigend. Der größte “laschenkellern gilt dasselbe wie für die Lagertanks.
[nhalt, bei einer Höhe von 2500 mm, ergibt sich zu Die Druckfestigkeit beträgt jedoch bis zu 6 Atm.
atwa 315 hl. Der Boden wird nach innen, die Wände je Gärbottiche erhalten kein Mannloch, da sie
werden nach außen gewölbt. Ebenfalls nahtlos wird ‚oo, oben bestiegen werden, während die Lagertanks
Jie ovale Form hergestellt, deren Abmessungen Von ‚ng Drucktanks ein solches mit einer Tür bekommen.
Fall zu Fall festgelegt werden können. Ihr Inhalt ;9 nötigen Armaturen werden für alle Tanks mitliegt
 auf der Mitte zwischen runder und viereckiger reliefert.
Form. ; . . Man setzt in den meisten Fällen die Tanks auf
_‚Stehend oder liegend, in Ring-, nahtloser Aus- ‚pera]] tragendes Mauerwerk, wodurch die Schönführung
 oder als Zeppelintanks werden die Lager- ‚eit der Keller in den Brauereien erhöht und die
anks hergestellt. Bei den erstgenannten betragen beinigung bedeutend erleichtert wird.  Liegende
Jie inneren Durchmesser 900—3000 mm und beträgt -nks werden auch in einer oder mehreren Etagen
die Breite der Ringe etwa 700—2000 mm. Dabei ist „‚osattelt. Die Sattlung erfolgt nicht immer auf den
die Länge der Tanks unbeschränkt. ‚sonst üblichen Trägergerüsten, sondern die oberen
Die lichten Durchmesser der nahtlosen Aus- "anks werden, um Träger zu sparen und der
führung sind 900—3100 mm, während die größte esseren Raumausnützung wegen, auf besonders
Länge augenblicklich mit 8500 gewählt werden kann. &amp;lt;x&amp;lt;onstruierte und unmittelbar auf den beiden Fnden
        <pb n="122" />
        IL, 7b. Glasemaillierte Tanks, 121
der Bodentanks ruhende Sockel gelegt (D. R. P. a.). gegenüber Holztässern eine bessere Ausnützung
Diese Sattlung hat sich in der Praxis überaus der Kellerräume, bis zu 100 Yo;
gut bewährt. Verminderung der Kosten für Kellerkühlung;
Die Tatsache, daß der Tankverband G.'m. bb. H., ST Öößer e Sättigung des Bieres mit Kohlen-Düsseldorf,
 im Jahre 1924 über 1 000 000 hl fassende SAUTE,
emaillierte Gefäße verkauft hat, dürfte am besten unbegrenzte Lebensdauer.
dafür sprechen, daß sich die glasemaillierten Tanks Die deutschen Tankfabriken waren unablässig bebestens
 bewährt haben. Im Laufe der Jahre wurden strebt, durch Verbesserung der Konstruktionen in den
Bremer Bierbrauereien mit 320 000 hl., Dortmunder rerflossenen 25 Jahren die Gärbottiche und Lager-Brauereien
 mit 439 000 hl und Hamburger Brauereien “Äässer zu modernisieren. Die emaillierten Tanks des
mit 240 000 hl fassenden Emaillegefäßen belegt. Tankverbandes sind durch die Güte der Konstruk-Kurz
 zusammengefaßt sind die Vorzüge der glas- jonen, der Materialien in der Großbrauer ei vo
emaillierten Tanks folgende: Neltruf sowie in der Mittel- und Kleinbrauerei
. Jeutschlands sowie des übrigen Europas, ja in der
Fortfall des zeitraubenden und kostspieligen ‚anzen Welt heimisch geworden. Möge es den
Aus- und Einkellerns sowie Pichens der Taykfabriken gelingen, auf dem Wege der Vervoll-Holzlagerfässer
 ; sommnung der glasemaillierten Tanks immer weitere
vollkommene Dichtigkeit und leichtes Rein- Fortschritte machen zu können und dadurch beihalten
 der Gefäße; zutragen, einen wichtigen deutschen Industriezweig,
größter Schutz gegen Infektion der Hefe und die Bierbrauerei, im Interesse der Gesundung unseres
des Bieres; zesamten deutschen Wirtschaftslebens zu unter-Fortfall
 der Holztaßreparaturen; stützen.
        <pb n="123" />
        Der Bierversand.
Von Kommerzienrat Dr. K, A. Lange, München,
Unter „Bierversand‘ versteht man heute die Ver- Biere wurde der erste Schritt zur Aufnahme. des
sorgung der nicht am Brauort ansässigen deutschen, B3ierversands getan. Da das Bier Hefezellen, also
inter „Bierausfuhr‘“ jene der außerdeutschen Kund- iflanzliche Lebewesen enthält, ist es nicht nur gegen
schaft mit Bier, doch wird im weiteren Sinne auch ’inwirkungen von Fäulnisstoffen, sondern insbesonler
 Begriff der Bierausfuhr in den Begriff des Bier- lere auch gegen zu große Wärme und Kälte, wie
versands miteinbezogen. zegen Temperaturwechsel empfindlich, es sei denn,
Die Interessenvertretung der bayerischen Braue- laß es durch Pasteurisieren haltbar gemacht ist.
reien auf dem Gebiete des Bierversands liegt in iegen die Einwirkung von Fäulnisstoffen von außen
Händen des Verbands bayerischer Versandbrauereien :ucht man das Bier zu bewahren durch Verwendung
2, V., jene der Bierausfuhr in den Händen des Ver- on auf ihre Dichtigkeit geprüften, mit einer Isolierhands
 der Deutschen Ausfuhrbrauereien E.V., welch chicht, meist Pech, versehenen, gut verschlossenen
letzterer Verband aus einer Gruppe „Nord“ (Sitz ässern oder gut schließenden Flaschen. Geger, die
Berlin) und einer Gruppe „Süd“ (Sitz München) 'inwirkungen der Wärme schützt man das Bier auf
„esteht. leinere Entfernungen durch Beigabe von Eis, Auf-Reicht
 die Geschichte des Bieres auf Jahrtausende gen von Matten, Decken u. dgl. zur Abwehr direkzurück,
 so kann der Bierversand größeren Umfangs er Sonnenbestrahlung, Beförderung in den frühen
über Land noch nicht einmal auf eine Geschichte von rühlen Morgenstunden usw., auf weitere Entfernungen
sinem Jahrhundert zurückblicken, während allerdings Iurch Transport in wärmeisolierten Kühlwagen,
der Bierversand über See von den Hansastädten &amp;lt;(ühlräumen der Schiffe usw. Vor Kälte hingegen
schon seit Jahrhunderten betrieben wurde. Für den vird es geschützt durch Beigabe von Wärmeöfen,
Bierversand über Land wurden die nötigen Voraus- ei es in den Bierspezialwagen, sei es in den gesetzungen
 erst relativ spät geschaffen: Die Möglich- vöhnlichen Eisenbahnwagen, nachdem deren Wände
keit. der Erzeugung eines auf längere Zeit haltbaren orher mit Strohmatten, Decken u. dgl. ausgeschlagen
Bieres, die Möglichkeit, es auf zuverlässigen Trans- worden sind.
vortmitteln fortzuschaffen und es hierbei auf weite Schon hieraus läßt sich ohne weiteres auf das
Strecken — was bei Schiffen durch Verstauen in den !roße Interesse schließen, das der Brauer auf mögvassergekühlten
 untern Räumen relativ einfach ichst rasche Beförderung ab Brauerei bis zum Keller
war — kühl zu halten, die Möglichkeit, es beim Emp- les Abnehmers legen muß.
'änger sachgemäß aufzubewahren und es rasch und Haben früher das Pferde-, wohl auch Ochsen- oder
sachgemäß an Abnehmer, die es zum verlangten Maultiergespann oder der Kahn und das Segelschiff
Preis genießen wollen und können, abzusetzen. ıllein im Dienste des Bierversands gestanden, so
Das Risiko der leichten Verderblichkeit des Bieres j%ewann später die Eisenbahn für Transporte auf
— selbst des in den Kellern lagernden — belastete veite Entfernungen einen maßgebenden Einfluß auf
len Brauer so sehr, daß sogar der Gesetzgeber zur len Bierversand, bis schließlich der Kraftwagen sie
Verhinderung von volkswirtschaftlich bedauerlichen 1uf Entfernungen bis etwa 80—90 km ab Braustätte
Verlusten sich des Brauers annahm und in einigen vieder wesentlich entlastet hat. Beinahe als Kurio-Ländern
 , ® aa Ef zum sei erwähnt, daß das Bier im :Gebirge noch
; „das gesetzliche Sudjahr ; ı1eute in dünnwandigen, für den Sonderzweck geschuf.
 Noch heute hält es der Artikel 13 des baye- auten Fässern als Traglast von Maultieren („Mulis“)
rischen Ausführungsgesetzes zum BGB. aufrecht, ınd Eseln, ja auf. höher gelegene Stellen von Menindem
 er bestimmt, daß, wenn nicht besondere Ab- schen auf dem Rücken transportiert wird. Als Kumachungen
 vorliegen, der Wirt mur zum 30. Sep- iosum ist bis heute auch der Transport im Lufttember
 jeden Jahres den Bierbezug kündigen kann. chiff oder Flugzeug anzusprechen. Dagegen wird
Der Gesetzgeber beabsichtigte, den Brauer hierdurch Bier ins Innere überseeischer Länder noch -heute
'n die Lage zu versetzen, alljährlich zu Beginn des '‚egelmäßig als Traglast von Mensch und Tier be-Monats
 Oktober einen Überblick darüber zu haben, Oördert. . .
‚ür welche Mengen er auf einen festen Absatz rech- Pferd, Bahn, Auto! Wie sind die Rollen auf diese
nen kann, um danach die Menge seiner Sude berech- rei verteilt?
nn 2 KONNEN m ; Maßgebend für die Wahl des einen oder anderen
rst nik der Eintührung 3Zeförderungsmittels ist zwar grundsätzlich die
künstlicher Kühlung &amp;lt;ostenberechnung für den Transport je eines Hektound
 der hiermit ermöglichten Haltbarmachung der iter Bieres ab Braustätte zum Verbraucher. Aber
        <pb n="124" />
        H., 8. Der Bierversand.
die Raschheit der Beförderung, die Möglichkeit der
Bewältigung eines Stoßbetriebes, traditionelle Gebräuche,
 Reklamewirkungen usw. spielen oft eine
recht beachtliche Rolle für die Wahl des einzelnen
Beförderungsmittels.:
Im allgemeinen — feste Regeln lassen sich durchaus
 nicht geben, weil die Verhältnisse zu verschieden
sind — darf wohl nach den neuesten Kalkulationen
gesagt werden, daß auf nächste Entfernungen, etwa
bis zu 5 km von der Braustätte, auch heute noch

123
jern gefüttert und gemästet, als Mastochsen jeweils
veit über dem Einstandspreis wieder weiterverkauft
verden konnten.

Das Elektromobil
»ietet den Vorteil der ruhigen Fahrt, großer Geıchwindigkeit,
 Reinlichkeit, hoher Ladefähigkeit; daregen
 ist, weil die elektrische. Kraft immer wieder
ırsetzt werden muß, sein Aktionsradius nur beschränkt;
 verteuert wird der Betrieb durch die rasche
\bnützung der Elektro-Batterien. Besonders ge-:ägnet
 ist es zur Bedienung der kleinen Kunden im
ı1ahen Umkreis der Brauerei.
Das Benzin-Lastauto
/erbindet — indem es den Verkehr zwischen Brauerei
ind entlegenen Verbrauchsstellen besorgt — den Voreil
 eines Pferdefuhrwerks mit jenem der Eisenbahn,
ndem nämlich diese Besorgung durchaus rasch vor
ich geht. Selbst wenn die Kosten von der Braustätte
‚ur Absatzstelle sich für Lastauto und Eisenbahn
rleich hoch stellen würden, würde wegen der wesentich
 vereinfachten Abwicklung des Versands das
„astauto besonders vorzuziehen sein.
Man kann damit rechnen, daß im Durchschnitt,
»jei geringeren Entfernungen der Brauerei vom Veradebahnhof,
 die Anfuhr und Verladung von 1 hl Bier
ıebst Abfuhr der leeren Fässer einschließlich Arbeitsöhnen
 und Abschreibung für Abnützung des Autos
ıuf etwa 30 bis 35 Pfennig je Hektoliter zu stehen
&amp;lt;ommen. Rechnet man den mindestens gleich hohen
3Zetrag für die Abfuhr, so zeigt sich schon hieraus.
velchen
Vorsprung das Auto vor der Bahn
1at, abgesehen von der Zeitersparnis, der Sicherheit
ler Zustellung, des sofortigen Rückerhalts der leeren
?*ässer, der Möglichkeit des sofortigen Geldempfangs
ı. dgl. Neuerdings macht die Reichsbahngesellschaft
ebhafte Anstrengungen, durch Einräumung von sovenannten
 K (= Konkurrenz) - Sondertarifen einen
P"eil des bisherigen Autoversands wieder an sich zu
jiehen. Diese Bestrebungen können nur dann zum
Ziel führen, wenn die Bahnfrachten wesentlich billiger
verden als die Autofrachten, da der Wegfall der
‚rwähnten Vorteile des Autoverkehrs irgendwie aufvrewogen
 werden muß. Augenblicklich stellt sich auf
zntfernungen bis etwa 80 bis 90 km der Biertrans-‚ort
 im Kraftwagen absolut billiger als der Bierransport
 mit der Bahn.
Besitzt eine Brauerei Bahngeleiseanschluß, so wird
ch für sie selbst in Fällen, in denen sonst das Auto
‚orzuziehen wäre, noch die Verwendung der Bahn
:mpfehlen. ;
Auf Entfernungen, die ein- oder gar mehrmaliges
Jbernachten des Kraftfahrers erfordern würden, ist
Jie Fisenbahn schlechterdings unersetzlich.

das Pferdetuhrwerk

vorzuziehen ist, daß auf Entfernungen von 5 bis
etwa 30 km das Elektromobil am besten verwendbar
 ist, daß darüber hinaus bis etwa 80 bis 90 km
das Lastauto und wieder darüber hinaus die Eisenbalın
 die zweckmäßigsten Beförderungsmittel sind.
Bis auf den heutigen Tag also hat das Pferdef[uhrwerk
 auf nahe Entfernungen seine Verwendungsfähigkeit
 beibehalten. Es bietet absolute Zuverlässigkeit
 im Gelände, zeigt hohe Ladefähigkeit, ermöglicht
oftmaliges Anhalten und Anziehen, relativ geringes
Betriebskapital und besitzt zugleich eine gewisse Reklamewirkung,
 welche Vorteile in manchen Fällen
so schwer wiegen, daß mit der vollkommnen und
allgemeinen Abschaffung des Pferdefuhrwerks, selbst
wenn es sich noch schlechter in der Kalkulation
stellen sollte als bisher, auf absehbare Zeit nicht zu
rechnen ist. Ein Münchner Oktoberfest ist ohne die
Auffahrt der bekannten Oktoberfestgespanne kaum
vorstellbar. Auch überall da, wo es darauf ankommt,
zu einer bestimmten Tagesstunde gleichzeitig eine
große Zahl von Wagen an die verschiedensten
Stellen zu bringen, wie dies z. B. das Berliner
Flaschenbiergeschäft erfordert, dürfte das Pferdeiuhrwerk
 noch auf lange Zeit hinaus seinen Dienst
tun. Das Braugewerbe wird daher bis auf weiteres
ain recht beträchtlicher Abnehmer für Pferde bleiben.
Freilich ist nicht zu übersehen, daß der Achtstundentag
 und die relativ besonders starke Erhöhung
ler Löhne der Bierführer, Mitfahrer und Pferdepfleger
 in der Nachkriegszeit mit einem Schlag die
Wirtschaftlichkeit des Pferdefuhrwerks wesentlich
beeinträchtigt hat und daß jede weitere Lohnerhöhung
die Verwendung der Pferdefuhrwerke immer : ungünstiger
 stellt im Verhältnis zu jener der Kraftwagen.
 Denn nicht nur bedarf das Pferd einer besonderen
 regelmäßigen, nicht auf den Achtstundentag
 einzustellenden Pflege, sondern die relativ: geringe
 Beweglichkeit des Fuhrwerks belastet seinen
Betrieb verhältnismäßig stark mit Löhnen. Gerade
hier also wirkt jede Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung‘
 besonders nachteilig. Eben wegen des
hohen Anteils des Lohnes sind die Ochsenfuhrwerke
alsbald nach Kriegsende verschwunden; sie galten
vor dem Krieg als durchaus wirtschaftlich, weil die
Ochsen, mit den in den Brauereien anfallenden Tre-
        <pb n="125" />
        124 Kommerzienrat Dr. K. A. Lange, München:
Da auch im Kraftwagenverkehr ein hoher Anteil “ückgesandte Gebinde schon vorn einer Menge vort
an den Gesamtkosten auf den Arbeitslohn entfällt, 000 kg ab zum Satz der Tarifklasse F zurückist
 man seit einiger Zeit dazu übergegangen, auf rusenden, ferner wird für den leerer Rücklauf privatbestimmten,
 regelmäßig befahrenen Strecken statt :igener Bierwagen, wie für alle privateigenen Wagen,
der selbsttragenden Fahrzeuge nunmehr Schlepper - ohne Rücksicht. auf‘ die Entfernung — lediglich
verschiedenster Art zu verwenden und einen Pendel- :ine Gebühr von 5.— RM erhoben; endlich kann Bier
betrieb einzurichten. Sein Hauptvorteil besteht darin, ls Stückgut zu den Sätzen des gewöhnlichen Frachtlaß
 weniger Autos benötigt werden, weil während zutes eilgutmäßig befördert werden.
der Zeit des Auf- und Abladens der Schlepper — im Trotz aller dieser „Vergünstigungen“ stellen sich
Gegensatz zum stillstehenden Auto — schon wieder ie Bahnfrachten einschließlich der Rücksendung der
sine neue Ladung heranfahren kann. ıeeren Fässer immer noch viel zu hoch; sie betragen
Während sich der Anteil des Lohnes beim Benzin- z.B. (Stand vom April 1929) je Hektoliter Bier:
Auto nebst Mitfahrer auf etwa 38—42 % der Gesamtkosten
 beläuft und beim Elektrowagen auf etwa
52—54 %, beläuft sich beim Pferdefuhrwerk der Anteil
 des Lohnes an den Gesamtkosten auf etwa
57—59 %.
Für Versand auf weite Strecken hat
die Bahn
ein Monopol. Ihr Verhalten kann von grundlegendem
Einfluß werden auf die Möglichkeit und auf die Gestaltung
 des Bierversands. Einen alten Anlaß zur
Klage geben die hohen Eisenbahntarifsätze.‘ Zwar ist
nach dem Krieg das Bier, das früher in der höchsten
Tarifklasse befördert wurde, in die Tarifklasse B
aingereiht worden, doch bedeutet auch dieser relative
Vorteil eine absolute Verteuerung, wie nachfolgende
Ziffern zeigen:

Kühlwagen
ıcht nur auf eigene Kosten zu beschaffen (die bayeischen
 Versandbrauereien besitzen ihrer etwa 1500),
sondern auch für die Kosten des Unterhalts aufzusommen,
 Sofern die Brauereien nicht — und solche
Fälle sind in der Praxis außerordentlich selten —
der Bahnverwaltung ein Verschulden ‚an der Beschädigung
 eines Wagens nachweisen können. Det
auf den Rechnungen angebrachte ominöse Stempel
‚bahnseitiges Verschulden liegt nicht vor“ lädt den
3rauereien praktisch die Vornahme sämtlicher Reyaraturen
 auf,
Besonders unangenehm wird es empfunden, daß
jeuerdings nur noch Bierwagen mit einer Ladeähigkeit
 von 15 Tonnen eingestellt werden dürfen,
ine Wagengröße, die bei einer großen Zahl der vorsommenden
 Verladungen nicht voll ausgenützt
verden kann.
Naturgemäß kann die Bahn den Bierversand
vesentlich fördern durch günstige Fahrtenpläne für
len Biertransport, durch rasche Abwicklung der Veradung,
 durch nicht allzu genaue Einhaltung der
\nnahmezeiten der Ladungen, insbesondere an den
/ortagen der Sonn- und Feiertage. durch rasche
Intladegelegenheit usw.
Für Verluste während der Fahrt haftet die Bahn
mr dann, wenn sie ein Verschulden trifft oder wenn
or Antritt der Fahrt bahnamtliche Verwiegung vorzenommen
 worden ist. Dieses Verfahren ist zu zeitaubend
 und zu kostspielig, als. daß es ständig ansewandt
 werden könnte. Im allgemeinen laufen die
"ransporte pünktlich und ohne schwerwiegende Verzz



0 t 15 t
Klasse B
1914 1928
je 100 kg
Dfo. Pfo,

p=Unterschied


in 9%

25 38 52,0
50 42 63 50,0
00 72 118 63,9
200 | 182 208 57,6
Mm 312 415 33,0

Eine Zeitlang ist für Biertransporte auf Entfernungen
 von über 250 km durch den Ausnahmetarif 9
ne gewisse Erleichterung insofern gewährt worden,
als für die anstoßenden Entfernungen wesentlich
zeringere Sätze angewandt wurden. Durch zweimalige
 Tarifherabsetzungen und die 11lprozentige
Tariferhöhung vom 1. Oktober 1928 wurde diese „Verzünstigung‘“
 aber so verwässert, daß sie heute erst
auf Entfernungen von mehr als 642 km gewährt wird.
l. h, also praktisch kaum wirkt. .
Eine gewisse Vergünstigung gewährt der Seehafen-'arif
 (A. T. 36); er gewährleistet den Brauereien der
wichtigsten süddeutschen Bierversandstädte die nämlichen
 Tarife, die sie bei Benutzung des Weges über
Triest zu bezahlen hätten, er ist also ein reiner
Konkurrenztarif.
Allerdings genießen die Brauereien als besondere
Vergünstigung. das Recht. leere. in Kühlwagen zu-
        <pb n="126" />
        MI. 8. Der Bierversand, 125
luste zum Empfänger. Es ist daher auch nicht üblich, i1es Deutschen Brauer-Bundes hat ergeben, daß in
Faßbier innerhalb Deutschlands gegen Transport- Deutschland weit über 100 verschiedene Flaschenschäden
 zu versichern, wohl. aber gegen Brand- s;rößen und -formen für den Vertrieb von Flaschenschaden.
 Anders ist die Übung beim Versand von ier in Verkehr gebracht werden, ein Teil hiervon
Flaschenbier nach überseeischen Ländern; für solche indet allerdings nur für ausländische Märkte, nach
Transporte wird das Bier versichert gegen Berau- _leren Bedürfnissen sich die Brauindustrie richten
bung, Feuergefahr, Flaschenbruch, Seenot, bisweilen nuß, Verwendung.
auch gegen Kriegsgefahr usw. An Verschlußarten unterscheidet man in‘ der
Das Biergeschält, . Tauptsache den Bügelverschluß und den Kronkorkdas
 in früherer Zeit eine gewisse Stetigkeit aufwies, erschluß; beide weisen eine große Zahl von Unterist
 in immer zunehmendem Maße Schwankungen ‘rten auf. Der Bügelverschluß ist relativ billig, weil
unterworfen. An Tagen mit besonders gutem Absatz Fr einer nur langsamen Abnützung unterliegt; er ist
wird bisweilen das Dreifache der Menge ausgestoßen raktisch, weil er ein wiederholtes Öffnen und
wie an Tagen mit besonders schlechtem Absatz. Der ‘chließen der nur teilweise entleerten Flasche zu-Absatz
 in den heißen Sommermonaten kann bisweilen Ääßt, aber er ist hygienisch nicht einwandfrei und
beinahe doppelt so höch sein wie jener in kalten Tr bietet nicht absolute Gewähr dafür, daß die Flasche
Wintermonaten. Die Brauereien sind nicht in der lach der Füllung nicht wieder geöffnet worden ist.
Lage, ihren Wagenpark an Pferdefuhrwerken, Autos Denn alle bisher verwendeten, besonders die maund
 Kühlwagen dauernd auf einem Stand zu erhalten, Chinell über den Bügel aufgeklebten Verschlußder
 auch der höchstmöglichen Beanspruchung Genüge hNarken können leicht abgenommen und wieder erleistet.
 In solchen Fällen werden die sogenannten etzt werden,
„Spitzen“ durch iremde, im Lohn fahrende Fuhr- Die geschilderten Nachteile werden beim Kronwerke
 und Autos befördert und auf nahe Entfer- orkverschluß vermieden, dagegen ist dieser Vernungen
 wird dann auch Bier in gewöhnlichen EFisen- chluß nur einmal verwendbar und wesentlich teurer.
bahnwagen verladen, allerdings unter Beigabe be- m Überseeabsatz hat er den früher ‚gebräuchlich gesonders
 reichlicher Eismengen. vesenen Korkverschluß seit Ende des Weltkrieges
Der Bahnversand von Bier vollzieht sich über- ”"Ööllig verdrängt. Im heimatlichen Versand wird fast
wiegend 5 W ısschließlich der Bügelverschluß verwendet.
in Fässern; Der Form nach unterscheidet man als Haupttypen
wegen der hohen Tara wird Flaschenbier mit der je sogenannte Patentflasche, die Champagnerflasche
Bahn nur in relativ geringem Umfang versandt. Nur ‚ng Aleflasche, deren Formen als bekannt vorausins
 Ausland an Plätze, an die wegen der langen esetzt werden dürfen. Im Auslandsversand findet
Reisedauer oder wegen des Mangels geeigneter berwiegend die Aleflasche Verwendung.
Kühlvorrichtungen Bier in Fässern nicht gesandt Die Verschiedenartigkeit der Flaschengrößen und
werden kann, wird Bier fast ausschließlich in laschenformen macht es nicht nur dem Klein-Flaschen
 verschickt. Immer wieder wird versucht, ‚erbraucher unmöglich, vor vornherein zu wissen,
das Bier auch nach Übersee in Fässern zu versenden. velche Biermengen er erhält, sondern es ist auch für
Man wählt hierzu Metallfässer, in denen das Bier {je Brauereien außerordentlich mißlich, einen großen
pasteurisiert wird. Eine brauchbare Lösung für diese /orrat in Flaschen aller Art und folglich auch einen
Transportart ist noch nicht gefunden. Denn die oßen Vorrat an Kisten halten zu müssen. Daher
Fässer kommen in einer Ausführung, bei der das Bier stehen Bestrebungen, die Flaschengrößen und
nicht Schaden leidet, sehr teuer; Faßeinsatz ist ormen international zu normen. Es würde schon
schwer zu erhalten und die Fässer werden auf dem nen großen Gewinn bedeuten, wenn lediglich die
Transport leicht verbeult. Die Ausfuhr von pasteu- ‚enannten drei Flaschentypen benützt und andere
risiertem Bier in Fässern wird erst dann eine Be- 37ößen als zu Ur, Hay Hay Mas Mas 3a und se Liter
lebung erfahren, wenn es gelingt, aus einem dem ‚cht Verwendung finden würden. ;
Bier nicht schädlichen Material ein billiges, dem Dem weitverbreiteten Flaschenmißbrauch durch
Pasteurisierdruck gewachsenes Faß herzustellen, das 775 Pyblikum sucht man durch Erhebung von
nicht mehr an die Versandstelle zurückkommt, son- Jaschenpfand, dem zeitraubenden und umständdern
 am Bestimmungsort nach der Entleerung zu chen Flaschenaustausch durch Einführung von soanderen
 Zwecken verwendet wird. renannten Einheitsflaschen, deren Verwendung jedem
Für die nähere Umgebung der Braustätte, d. h. Viitglied des jeweiligen Verbandes zusteht, zu
innerhalb der mit dem Kraftwagen erreichbaren ‚oyerp,
Zone, ferner — wie erwähnt — für Übersee, wird Ähnlich wie die Flaschengrößen und -formen sind
aus bekannten Gründen Bier viel auch die Kistenpackungen sehr verschieden; auch
in Flaschen ıer strebt man im internationalen Verkehr eine geversandt.
 Fine Erhebung der Normungskommission visse Vereinheitlichung an.
        <pb n="127" />
        Kommerzienrat Dr. K. A, Lange, München:
Wie erwähnt, vollzieht sich der Bierversand in äuredruck ausgeschänkt, dann muß ein einmal anüberwiegender
 Menge in Fässern. Die amtliche rsezapftes Faß innerhalb weniger Stunden geleert
Statistik rechnet damit, daß ein Hektoliter Bier ein ein. Aber auch beim Ausschank mit Kohlensäure-Durchschnittsbruttogewicht
 von 165 kg aufweist. Das iruck ist rascher Verbrauch wünschenswert. So
Verhältnis des Bruttogewichtes des gefüllten Fasses x&amp;lt;ann an den Versand nur gegangen werden, wenn
zum Literinhalt ist natürlich je nach den 3äin gewisser täglicher Mindestabsatz gesichert und
Faßgrößen ler Gesamtverbrauch so groß ist, daß das gesandte
. 3ier innerhalb weniger Wochen verbraucht ist. Von
starken Schwankungen unterworfen, wie folgende 10m Gesichtspunkt aus ist es als Unsitte zu be-Beispiele
 ergeben: . zeichnen, daß in manchen Lokalen mehrere Biere
Es wiegt ein volles Faß von 10 Liter Inhalt 22kg ı1ebeneinander ausgeschänkt werden und davon
25 „ BB, ceines in einer völlig einwandfreien Verfassung. Vom
;‚ 50 „83 Standpunkt der Versandbrauereien sind sogenannte
; 75 „ 118 ,, Spezialausschänke“ anzustreben.
100 „ 153 Da die einzelne AusschanksteHe nur relativ selten
„200 „ 300 ;o viel‘ verbraucht, daß sie das Bier in ganzen
Die Versandbrauereien haben also ein lebhaftes WVaggonladungen beziehen kann, hat sich das Ge-‚nteresse
 daran, möglichst große Fässer zu ver- verbe des Bierhandel
wenden; kleine Fässer verteuern nicht bloß den ET AEES ;
Transport, sondern sie vermehren auch die Kosten ’ntwickelt, Vom Bierhändler ist zu verlangen, daß
für die Abfüllung und erhöhen das in den Fässern Ir nicht nur das Bier bei der Ankunft verteilt („die
iestgelegte Kapital. Außerdem verteuern sie in ‚adung zerreißt‘“), sondern daß er eigene Kühlkeller
Fällen, in denen der Eingangszoll nach dem Brutto- esitzt, über Fuhrwerk verfügt, neue Kundschaft
gewicht des Fasses erhoben wird, wie z. B. in Frank- virbt und als selbständiger Kaufmann und Vertreter
reich, auch den Zoll. Verschiedene Brauereien sind ler Brauerei deren ganzen geschäftlichen Verkehr
daher — zum Entsetzen des „Brasseur francais“ — hit der Kundschaft abwickelt. Da das Bier durch
vor dem Weltkrieg dazu übergegangen, nach Frank- len Zwischenhandel naturgemäß nicht unwesentlich
reich das Bier in großen Fässern, je bis zu 9 hl ent- erteuert wird, wird immer wieder versucht, ihn zu
haltend, zu versenden und es am Bestimmungsort mgehen. Wiederholt haben Brauereien ihre Depots
auf kleine Fässer abzuziehen. Heute ist dieses Ver- 'urch eigene Beamte führen lassen, ohne hierdurch
'ahren unanwendbar, weil der nötige Absatz fehlt. ;tets besonders günstige Erfolge erzielt zu haben, da
Eine nicht unerhebliche Rolle spielt beim Bier- rewöhnlich der für eigene Rechnung arbeitende, am
zersand die \bsatzort ansässige Vertreter den Markt besser be-Anzapfvorrichtung.
 Jerrscht als ein von der Brauerei entsandter An-In
 Bayern wird das Bier durchgehends direkt vom ‚estellter. Bisweilen errichten Brauereien an Orten,
— meist stehenden — Faß abgezapft, indem an der 2 denen sie bisher noch nicht vertreten waren,
3Zauchwand der Zapfhahn, am oberen Faßboden das )\pezialausschänke, für die der Abnehmer — falls ein
Ventil eingeschlagen wird, das die nötige Luftzufuhr enügender Absatz gesichert ist — das Bier direkt
armöglicht. Außerhalb Bayerns wird in der Regel ‚b Brauerei bezieht. Nicht selten‘ gliedert der. bemit
 Kohlensäuredruck ausgeschänkt, wobei das Bier effende Abnehmer SEC Geschäft dann zugleich
durch — oft viele Meter lange — Leitungen gedrückt ‘uch noch einen kleinen Bierver trieb an. .
wird. Auch bezüglich der Anzapfvorrichtungen, Es leuchtet ein, daß bei diesem Nebeneinhergehen
deren es verschiedene Arten gibt, sind Vereinheit- ler verschiedensten Systeme unter dem Druck der
lichungsbestrebungen im Gange. Conkurrenz, die auf möglichst geringe Preise hin-Da
 das beste Bier, wenn ihm die nötige Pflege ırbeitet, sich bisweilen außerordentlich unerfreuliche
jehlt, insbesondere wenn es einem raschen Tempe- Zustände entwickeln können, insbesondere wenn ein
"aturwechsel unterworfen ist, oder wenn es warm lirekt beziehender Wirt viel. billiger arbeiten kann
ausgeschänkt wird, an Geschmack bedeutend ein- Ss ein er cimen Vertreter beziehenCET. Trotz Mm
4 5 . a4s Ü ıber wir er Faßbierhandel im Versandgeschä
oüßt. Ist das Vorhandensein der nölsCn niemals entbehrlich werden. Der Faßbiergroßhandel
Kühleinrichtungen am Bestimmungsort ıat sich nach dem Kriege in einen machtvollen Vereine
 der wichtigsten Voraussetzungen für den Faß- and zusammengeschlossen, der die Interessen seiner
ojerversand. Es gibt weite Gebiete, insbesondere im Mitglieder kräftig vertritt, ohne indessen trotz. leb-Ausland,
 die, eben weil diese Voraussetzungen fehlen, ıaften Bestrebens zu festen allgemeinen Ablem
 Faßbierversand noch nicht erschlossen sind. mnachungen ‘mit den einschlägigen Brauerei-Dazu
 kommt, daß das Bier auch an Qualität einbüßt, erbänden, wie etwa dem Verband bayerischer Verwenn
 es „zu lange läuft“. Wird Bier ohne Kohlen- ;andbrauereien, gekommen zu sein. -

‚p
        <pb n="128" />
        Il, 8. Der Bierversand. 127
Norddeutsche Brauereien haben zur Ersparnis an ıkzept von kürzerer oder längerer Laufzeit verkauft.
Fracht vielfach Filialbrauereien erworben, von denen Die Gestellung von Akkreditiven oder Vorauszahlung
aus sie die Kundschaft der näheren Umgebung be- st leider zur Seltenheit geworden. Die vom Kunden
dienen. Einige süddeutsche Brauereien versenden it begehrte „Lieferung auf Konsignation“, d. h. zum
ihr für die Ausfuhr in überseeische Länder be- :ommissionsweisen Verkauf, wird nur von wenigen
stimmtes Bier der Frachtersparnis halber in großen Brauereien zugestanden. ;
Gebinden nach HamlrE und Zehen es ah we Bis zum Jahre 1918 zerfiel Deutschland in
Flaschen ab; vielfach füllen auch Brauereivertreter N |
das im Faß bezogene Bier auf Flaschen. Daß beide 7 Urt Eraustener sebiete,
Auswege gewisse Nachteile mit sich bringen, indem 1 denen das Bier nach dem Rauminhalt oder Genämlich
 hier nicht das Originalbier des Haupt- Vicht des verwendeten Malzes besteuert wurde. Bei
betriebes, dort nicht die Originalfüllung verabreicht ler Ausfuhr aus dem jeweiligen Brausteuergebiet
wird, bedarf keiner weiteren Erwähnung. vurde die Biersteuer auf Grund der errechneten
Grundsätzlich wird Bier ab Bahnhof des Brau- Malzverwendung rückver gütet, dagegen wurde beim
ortes gehandelt, so daß also von dort aus der Bier- Jberschreiten der inneren Grenze eine auf Grund
händler das gesamte Risiko, insbesondere jenes des les theoretisch höchstmöglichen Malzverbrauchs für
Versandes trägt ılle Biere gleich hoch festgesetzte „Übergangs-)
 ıbgabe“ erhoben. Dieses System gab ständig zu
Die Methoden der Bezahlung Streitigkeiten Anlaß: Die Konkurrenzbrauereien des
sind in Deutschland verschieden; meist wird bei estimmungslandes behaupteten, daß die Regierung
guten Kunden vereinbart, daß ein Waggon zu be- les Ausfuhrlandes eine stille Ausfuhrprämie in die
zahlen ist, wenn der nächste geliefert wird. . Dieses Zückvergütung einschließe, während die ausführende
weit verbreitete Verfahren wird in der Brauindustrie 3rauerei die Übergangsabgabe zu hoch fand, da diese
gewöhnlich fälschlich als Lieferung „Zug um Zug“ Üür die gewöhnlichen Biere ebenso hoch war wie für
bezeichnet. Bei Verkehr mit Unbekannten wird viel- lie Starkbiere.
lach Stellung von Sicherheiten, Faßkautionen u. dgl. Das System bot nur den einen Vorteil, daß die
ausbedungen. 3rauereien rascher zu ihrem Geld kamen, da der
Fast das gesamte Bierversandgeschäft ist mit 5taat die Rückvergütung alsbald zahlte und der Beeinem
 Bankgeschäit verbunden. Insbesondere nach ieher die Übergangsabgabe trug.
dem Weltkriege ist es nur in seltenen Fällen möglich, Seit dem Inkrafttreten des
ahne Aufwand von Kapital Geschäfte zu tätigen. Sie Biersteuergesetzes
vollziehen sich meist nach der Formel: „Leih MIT om 26. Juli 1918 ist allen diesen Streitigkeiten mit
Geld, dann verkaufe ich dein Bier!“ Das Geld wird ‚nem Schlag ein Ende bereitet worden. Innerhalb
ın den verschiedensten F ÖTIHEN gegeben und in den Jeutschlands * genießt das Bier volle Freizügigkeit
verschiedensten Formen sichergestellt: als gewöhn- nd das über die Grenzen Deutschlands ausgeführte
liches Hypothekdarlehen, Bardarlehen, in Form der 3ier bleibt von der Steuer befreit.
Heschalfung SINCE Küh leirichlung M. del. mehr, Völlige Rechtszerrissenheit herrscht in Deutsch-Grundsätzlich
 bedingt sich jede Brauerei als Gegen- ;
; ; ; and auf dem Gebiet der
leistung Bierbezugsverpflichtung des anderen Vertragsteils
 aus; diese Verpflichtung erstreckt sich in Gemeindebiersteuern,
der Regel auf 5—15 Jahre, je nach der Höhe des ndem das Finanzausgleichsgesetz in der Fassung
Gegenwertes. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, om 9. April 1927 $ 15 die unglückselige Bestimmung
in denen Hauseigentümer versuchen, ihre Wirt- brachte, daß die Gemeindebiersteuer in Höhe bis zu
schaften an Brauereien zu verpachten, ein An- 7% des Herstellungspreises erhoben werden darf; das
erbieten, das die Brauereien nur äußerst ungern an- jesetz hat weder den Herstellerpreis oder seine Benehmen
 und nur in solchen Fällen, in denen sie echnungsart. zweifelsfrei festgelegt (s. Verordnung
glauben, ein verlockendes Geschäft auf andere Weise iber die Gemeindebiersteuer vom 23. Juli 1927), noch
nicht tätigen zu können, ıusdrücklich bestimmt, daß der von der Gemeinde-Auch
 im Verkehr mit dem Ausland werden in ehörde des Herstellungsortes anerkannte Herstellerletzter
 Zeit Darlehen häufig verlangt — aber fast nie reis allgemein zu gelten habe. So müssen sich die
gegeben. 3rauereien mit den Gemeindebehörden abstreiten
Der Verkauf nach Übersee geschieht durch Ver- ‘ber die Höhe dieses Herstellerpreises, und die Gemittlung
 von Exporteuren, wobei Zahlung zumeist neindebiersteuer weist die‘ größten Verschiedenbinnen
 30 Tagen vom Tage der Rechnungsstellung ‚eiten auf; das Gesetz ist dringend reformbedürftig.
erfolgt: oder es wird gegen Zahlung bei Übergabe Die Gemeinden haben es auch sonst in der Hand,
der Dokumente am Bestimmungsort oder — wenn den Brauereien Schwierigkeiten zu bereiten. Die Ererstklassize
 Importhäuser kaufen — gegen Sicht- ıebung der Konzessionsgebühren wird sehr ver-
        <pb n="129" />
        128 IL, 8. Der Bierversand.
schiedenartig gehandhabt; es ist vorgekommen, daß
Gemeinden Ausschankstellen, in denen auswärtige
Versandbiere ausgegeben wurden, als Luxuslokale
zu erhöhter Lustbarkeitssteuer herangezogen haben;
ierner fordern die Gemeinden eingehende Meldungen
über die Bierbezugsmengen der in ihrem Bereich gelegenen
 Wirtschaften ein, eine viel. Arbeit veruırsachende
 Anforderung, der die Brauereien manchmal
 zwar nicht rechtlich, wohl aber fast immer tatsächlich
 entsprechen müssen; auch auf dem Gebiet
der Bauauflagen, des Anbringens von Reklamen,
ler Festsetzung bestimmter Stunden und der Bestimmung
 gewisser Zufahrtswege für die Biere
zustellung usw. gilt es manchmal schwere Widerstände
 zu überwinden. Nicht selten wird das Recht
zur Benützung bestimmter Gemeindewege von der
Zahlung eines Wegegeldes abhängig gemacht.
Mit Aussicht auf Erfolg können im Versand nur
Markenbiere
gehandelt werden. Gewisse Städte, wie München,
wo verschiedene Brauereien ihre Geschichte auf über
an halbes Jahrtausend zurückverfolgen, Kulmbach,
Dortmund stehen im Ruf, Brauereien zu besitzen,
die unter Ausnützung besonderer örtlicher Vorbedingungen
 (Wasser, Klima, eine bestimmte Abwicklung
 der Gärung usw.) besonders vortrefflich
auf das Bierbrauen sich verstehen. Hier wird wieder
sehr genau zwischen den Marken der einzelnen
Brauereien unterschieden. Bisweilen haben es einzelne
 Brauereien fertiggebracht, sich einen besonderen
 Namen zu verschaffen. In der Ausfuhr von
Flaschenbier nach überseeischen Ländern sind die
aorddeutschen, insbesondere die an Seehäfen ge-'egenen
 Brauereien den bayerischen Brauereien
überlegen, da letztere für die Kiste schon 2,50 bis
3 M. an Fracht zu bezahlen haben, bis das Bier nur
iberhaupt an Bord des Dampfers kommt.
Wie überall, sucht hier und da die Konkurrenz die
Vorteile des andern auszunützen. Die Brauereien
yzewisser Städte haben in ihrer Gesamtheit ebenso
ım den Schutz ihrer Herkunftsbezeichnungen zu
kämpfen, wie bisweilen die einzelne Firma um den
Schutz ihrer Marke und ihrer Ausstattung. Ist auch
in beiden Fällen die strikte Nachahmung verboten,
so gibt es doch Möglichkeiten, die Reklame so an die
des anderen anklingen zu lassen, daß der unaufmerkame
 Verbraucher getäuscht werden kann.
In der
Reklame
üaben sich die Versandbrauereien bisher von der
marktschreierischen Form, wie sie etwa in der Zigaretten-
 oder Automobilindustrie üblich ist, fernzehalten:
 insbesondere werden Superlative in den

Anpreisungen grundsätzlich vermieden. Großer
NVert wird darauf gelegt, daß die einzelne Ausichankstätte
 den Namen der liefernden Brauerei für
3dermann sichtbar trägt; hierzu wird auch die Licht-'eklame
 in. immer steigendem Maße verwendet.
Leider ist durch die Nachwirkungen des verorenen
 Krieges das Bierversandgeschäft, das im
Triege wegen der Kontingentierung des Rohmaterials
chon stark geknebelt war, empfindlich beeinträchigt
 worden: Die Erhöhung der Steuern, die Verauerung
 der Produktion durch den Minderabsatz,
lie verkürzte Arbeitszeit, die erhöhten Löhne u. a. m.
Jaben die Bierherstellung schon in den Brauereien
eerteuert, Hinzu kommt die wesentliche. Vereuerung
 der Frachten und sämtlicher den Preis des
Versandbieres bestimmender Elemente. Dem steht
ine wesentlich verminderte Kaufkraft der Bevölkeung
 und die Verstärkung der Antialkoholbewegung
‚egenüber. All dies hat zu einer wesentlichen Herab-'‚etzung
 des innerdeutschen Versandes geführt. In den
stzten Vorkriegsiahren hat Bayern allein durchchnittlich
 alljährlich 2,6 Millionen Hektoliter über
eine Grenzen ausgeführt. Für die Nachkriegszeit
2hlen genaue Ziffernangaben.
Noch empfindlicher ist der Rückschlag im Ausfuhrzeschäft:
 Die Trockenlegung Amerikas, die Unterrechung
 der Handelsbeziehungen mit den Ententeindern,
 die überall aufgerichteten hohen Zollschutzaauern
 u. a. m. haben das Ausfuhrgeschäft zeitweise
'‚eradezu erschüttert. Die Ausfuhr betrug im Jahre
913: 941 342 hl, im Kalenderjahr 1927: 522426 hl,
lso etwa 55% des letzten Friedensjahres. Nur
vährend der Inflationszeit hatte die Ausfuhr eine
;cheinblüte erreicht, da alles glaubte, hohe Erträge
wu erzielen und dabei das- Bier .ins Ausland verchenkte.
 Der vorstehende Bericht des Herrn
jenators Schurig gab bereits die einschlägigen Ver-Altnisse
 wieder.
Immerhin spielt auch heute noch der Bierversand
ür Deutschland eine gewaltige Rolle und — wenn
.icht alles trügt — ist er sogar vielleicht doch wieder
iner gewissen Erholung fähig. Denn ein ansehnicher
 Teil der Bevölkerung geht vom Weingenuß
vieder zurück zum Biergenuß.
Unendlich viele Fäden führen von der Versand-‚rauindustrie
 hinüber zur Landwirtschaft (Gerste,
Topfen, Pferde, Futtermittel), zur Industrie aller Art
Maschinen, Autos, Apparate), zum Handwerk (Einichtungsgegenstände,
 Kisten, Bauten, Reparaturen);
sie gibt einer Unmenge von Arbeitern Verdienst.
Sie erscheint daher eines eindringüicheren
 Schutzes durch Staat und
jemeinden würdig, als sie ihn bisher
zrfahren durfte.
        <pb n="130" />
        IN. Die Verflechtung der deutschen Brauindustrie mit der deutschen
Volkswirtschaft.

1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft.
Von Dr. Michael Horlächer, M. d.R., München.

Die geschichtliche Verfolgung der Entwicklung des
Braugewerbes in Deutschland ergibt die engsten Beziehungen
 zwischen dem Braugewerbe und der
Landwirtschaft. Die Beziehungen zwischen Braugewerbe
 und Landwirtschaft waren naturgemäß unmittelbare
 und äußerst innige in den Zeiten, wo
Deutschland in seinem ganzen Bevölkerungsaufbau
hoch überwiegend agrarischen Charakter trug, wo
die vielen kleinen Mittelstädte in unmittelbarer Beziehung
 zur Landwirtschaft standen, ja ebenfalls zum
größten Teil noch landwirtschaftlichen Charakter
trugen und die Großstadtentwicklung eine außerordentlich
 geringe gewesen ist. Ich darf in diesem
Zusammenhange darauf hinweisen, daß nach den Ergebnissen
 der Volkszählung beispielsweise die Bevölkerung
 in den Landgemeinden im Jahre 1875, also
kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches,
noch 61% der gesamten Reichsbevölkerung ausmachte,
 währenddem die Bevölkerung in den GroBstädten
 nur 6 % betrug. Im Jahre 1925. war der
Prozentsatz der Großstadtbevölkerung auf 27% angewachsen,
 währenddem der Prozentsatz der Landbevölkerung
 auf 36 % zurückgegangen war. Unter
Landbevölkerung ist dabei jene Bevölkerung verstanden,
 die in Landgemeinden unter 2000 Finwohnern
 ihren Wöhnsitz hatte und unter Großstadtbevölkerung
 versteht man jene Bevölkerung nach
der statistischen Zählung, die in den Großstädten
über 100 000 Einwohner sich befindet.
In der Zeit, als Deutschland noch überwiegend
landwirtschaftlichen Charakter trug, war naturgemäß
 das Braugewerbe bereits zu einem der
angesehensten Gewerbe geworden. Das Braugewerbe
gehörte im Mittelalter zu den bevorzugten Gewerber.
Der Kampf um ‘die Verleihung des Braurechtes
spielte dabei immer eine besondere Rolle.
Während die Entwicklung des Braugewerbes in Norddeutschland
 vielfachen Schwankungen unterworfen war, sehen
wir in Bayern eine stetige Aufwärtsentwicklung des Braugewerbes,
 durch alle Jahrhunderte hindurch. In Bayern war
schon frühzeitig das Braurecht landesherrliches Regal geworden,
 Die Abtei Weihenstephan besaß schon im Jahre 1146
aine Braugerechtigkeit. Das war also in einer Zeit, ‚in der
München noch nicht geschichtlich erwähnt wird (das ist erst
um 1158 der Fall). Das Braurecht in Bayern wurde dann
besonders an die Ritterschaft, den geistlichen Stand und an
Klöster als dauerndes Recht verliehen. Später nahm auch
die Bürgerschaft daran teil, und es breitete sich die Braugerechtsame,
 woran heute noch viele Bezeichnungen auf dem
Lande erinnern, über das ganze Land aus. Infolge der in
Bayern stärker vorhandenen Produktionsgrundlage an Brau-Die
 deutsche Brauindustrie der Gegenwar*

zerste und Hopfen für die Bierbrauerei wurde in Bayern im
’ahre 1516 durch die bayerische Landesverordnung bestimmt,
daß füran allenthalben in unsere Stette, Märkte und auf dem
„ande zu keinem Pier merer Stückh, dann allein Gerste,
Topfen und Wasser, genommen und gebraucht sölle werden‘.
m Hinblick auf die Entwicklung des Braugewerbes in ‚Bayern
zonnte Rudhardt in einem Werke aus dem Jahre 1825 {fest-‚tellen,
 daß das eigentliche bayerische Haupt- und National-‚ewerbe
 die Bierbrauerei sei.
Die unmittelbaren Beziehungen zwischen Landvirtschaft
 und Brauereien beruhen naturgemäß in
rster Linie darauf, daß die Landwirtschaft
die Rohstoffe für die Brauindustrie: Gerste und
Hopfen
iefert. Darauf ist zurückzuführen, daß viele Jahriunderte‘
 hindurch das Brau gewerbe und die
-andwirtschaft als Haupt- und Nebenberuf gleich-'eitig
 und miteinander ausgeübt wurden. So bestehen
anigste Beziehungen auch heute noch besonders dort,
vo die mit der Landwirtschaft verbundene Brauerei
lie in den eigenen Betrieben der Landwirtschaft gevonnenen
 Rohstoffe, Gerste und Hopfen, verarbeitet,
ie Stärke der Entwicklung des Braugewerbes in
len verschiedenen Landesteilen hängt zum Teil mit
ler von Natur aus gegebenen ‚guten Rohstoffgründage
 in der Landwirtschaft zusammen und anderer-‚eits
 von der Entwicklung großer Verbrauchszentren,
lie immer noch günstige Rohstoffbezugsgebiete für
ich in Anspruch nehmen können.
Was nun die hauptsächlichste Rohstoffgrundlage
ler Brauindustrie. den

Qualitätsgerstenbau
inlangt, so fehlt es in Deutschland ganz naturgemäß
ın genauen statistischen Ausscheidungen zwischen
braugerste und Futtergerste, aber immerhin Jäßt uns
ne statistische Darstellung über die regionale Vereilung
 der Sommergerstenanbaugebiete in Deutschand
 im Jahre 1927 genügend erkennen, in welchen
tebieten die hauptsächlichsten Gersten- und hier
ornehmlich Braugerstenanbaugebiete konzentriert
ind. Der Braugerstenanbau in Deutschland hat vor
Nen Dingen eine außerordentlich starke bayerische
‚rundlage und, wenn wir einen Schritt weitergehen
vollen, eine besondere süddeutsche Grundlage.
jayern allein nimmt im Sommergerstenanbau hinichtlich
 der Erntefläche des Reiches einen Prozentatz
 von 26 % ein, hinsichtlich des Frtrages ungefähr
lenselben; dann schließen sich an Bayern wverhältnis-
        <pb n="131" />
        ‚30 Dr. Michael Horlacher, München:
mäßig noch günstige Gerstenanbaugebiete im Württemberg,
 Baden und Hessen an, die sich mit ihren
Ziffern gleichfalls. stärker aus der Reichsstatistik
hervorheben. Dann erkennen wir auch eine starke
Produktionsgrundlage für Braugerste in Mitteldeutschland,
 und hier kommt vor allem die Provinz
Sachsen in Betracht und ein Teil von Thüringen, Im
Osten . Deutschlands, sehen wir noch ein starkes
Gerstenanbaugebiet in den Provinzen Ober- und
Niederschlesien hervortreten, dann in Norddeutschland
 noch kleinere Gebiete in Ostpreußen, Brandenburg
 und Pommern, Die Ergebnisse nach der Reichsstatistik
 werden in folgender Darstellung veranschaulicht:

Die regionale Verteilung der Sommergersten-Anbaugebiete in Deutschland
 im Jahre 1927.

agendes Produktionsgebiet für Braugerste. Ferner bietet
Aecklenburg mit den Lagen der Wismarer Bucht, der Insel
'ehmarn und von Grevesmühlen durch Klima- und Bodenerhältnisse
 bevorzugte Anbaubedingungen. Dann weist naturemäß
 auch Paproth darauf hin, daß das geschlossenste Brauerstenanbaugebiet
 in Süddeutschland zu finden sei, wobei
esonders stark das bayerische Gebiet hervortrete. Die Be-‚eutung
 des Braugerstenanbaues wird dann auch noch beonders
 illustriert durch eine Darstellung über die Stärke der
sommergerstenfläche innerhalb der Getreideanbaufläche in
inzelnen Landesteilen und Provinzen in Deutschland nach dem
stand vom Jahre 1927,
Die Stärke der Sommergerstenfläche
innerhalb der Getreide- Anbaufläche im Jahre 1927,
Sommergerstenfläche
an Eder
in ha | Gesamtgetreid»fläche


AR 5,77
51779 19,56
2224 21,47
36668 18,45
39225 26,54
183.557 25,41
54276 29,38
41419 235,81
383577 22,05
16236 11,88
74 522 7,34
58 119 6,78
14 169 6,66
31691 | 10,69
48307 | 13,79
134957 | 15,15
31 794 8,24
15159 1,86
9818 1,85
19 049 5,07
27177 4,51
351.942 8,15
22 210 4,90
00152 25,40
50246 20,05
50922 17,18
144203 28,55
7474 6,12
57 5,17
097 7,06
"N REG
887624 ı 180€ 274 | 10,98
Hier zeigt sich deutlich, daß innerhalb der Ge-Teideanbaufläche
 der Sommergerstenbau und naturremäß
 damit vornehmlich auch der Braugerstenbau
ine besondere Rolle wieder in Bayern spielt, dann
n Württemberg, Baden, Hessen, Thüringen, in der
’rovinz Sachsen, ferner auch in Oberschlesien,
liederschlesien sowie in den Provinzen Ostpreußen,
jrandenburg, Pommern und Mecklenburg. Diese
Jarstellung zeigt insbesondere auch, daß innerhalb
les Getreideanbaues in Deutschland dem Gersteninbau
 keine untergeordnete Rolle zukommt, sondern
laß der Gerstenanbau innerhalb des
jetreideanbaues eine sich nicht bloß
ıuf Bayern beschränkende, sondern
»ine in vielen Gebieten Deuitischlands
jervorragende Erscheinung inner-1albder
 Landwirtschaft darstellt.
Für die engen Beziehungen zwischen Brauindustrie
ınd Landwirtschaft ist sodann von besonderer Beleutung,
 die Frage zur Entscheidung zu bringen.

)berbayern .... . ...
Niederbayern ......0... 4.0.
HE
DEP Z ak 2 CHEMIE
)berfranken ........0.00000.
Aittelfranken ........0...00.
Jnterfranken ‚.....0.0.0..00000
ichwaben ............00004
EC
?Prov. Ostpreußen ...........
„Brandenburg .........
» Pommern ‚......0.000.
Grenzmark Posen-Westpr. ...
Prov. Niederschlesien .......
„Oberschlesien .........
„ Sachsen vier erienir
„ Schleswig-Holstein ....
„Hannover v.....0......
„Westfalen ............
„ Hessen-Nassau ........
RheinprovinzZ ..............
Preußen ........0000.0000
SaCHSEN essen
Württemberg ....0..00.0000000
A
Chüringen 2.00
TC ak KH ERS GG
Aecklenburg-Schwerin ......
Zraunschweig .i..........0.
Aecklenburg-Strelitz ........
Deutsches Reich ‚.........

281 612
264 698
L08 476
198 718
147 748
„71 368
184 732
160 425
512 767
025 812
914 0838
180 468
12 505
356.955
150 206
390 261
385 781
311 582
502 492
375 088
501 621
092 675
452 938
394 223
7350 540
296 811
188 108
395 752
‚01 662
#1 30C

Erntefläche
in % der
Reichsernte-



Ernteertrag
Bl o.des
3 | Reichsin
 dz Ernte
a itrages

in ha

Iberbayern ............00
Niederbayern .........,..
NZ ri zk ip banken
Oberpfalz .....00000000004
Überfranken ............
Mittelfranken ...........
Unterfranken ...........
Schwaben .....0.0..00.0000
Bayern ...........
Prov. Ostpreußen ........
„ Brandenburg ......
„ Pommern .........
3renzmarkPosen-Westpr. .
&amp;gt;rov, Niederschlesien ....
‚ Oberschlesien ......
„‚ Sachsen ...........
,  Schleswig-Holstein .
; Hannover ‚........
„Westfalen .........
„  Hessen-Nassau .....
RheinprovinzZ ...........
Preußen ..........
SaCHhsSeN see
Württemberg ...........
de nee
Thüringen 2...0000000000
Ei A
Mecklenburg-Schwerin ...
Braunschweiß ......0.00000)
Mecklenburg-Strelitz .....
Deutsches Reich ... y ,
Diese Darstellung stimmt überein mit den Ergebıissen
 einer Arbeit, die Diplomingenieur H. Paproth
nn Berlin über „Die Rückwirkung der Biersteuererhöhung
 auf die Landwirtschaft“ verfaßte.
Aus seiner Arbeit sei daher nebenstehend die graphische
Jarstellung über die wichtigsten Braugerstenanbaugebiete in
Deutschland auch . in diesem Zusammenhange mitgeteilt.
Diplomingenieur Paproth sagte über die wichtigsten Gerstenınbaugebiete
 im einzelnen noch folgendes: daß hier eine Pro-7inz
 besonders in Betracht komme, die Provinz Sachsen mit
Anhalt und Thüringen; dann in der Mark Brandenburg: der
Dderbruch, die Uckermark und Teile der Neumark, ferner im
Östen: die östliche Weichselniederung mit den Kreisen Marienhurg,
 Stuhm und Marienwerder, in Ostpreußen: eingebettete
Lagen in den Kreisen Heiligenbeil, Rastenburg und Königsberg.
Nach Paproth bildet die Provinz Schlesien in ihrer Gesamtheit,
 besonders aber in den Vorgebirgslagen. ein hervor-
        <pb n="132" />
        NE, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft. 131
A lb DE T

fi

wie sich der Braugerstenanbau etwa auf die einzelnen
Betriebsgrößen der Landwirtschaft verteilt.
Genaue statistische Berechnungen hierüber anzustellen,
 mit einer ziffernmäßigen Ausscheidung des
Qualitätsgerstenbaues, ist leider nicht möglich, ja
nach den vorhandenen Ergebnissen der Reichsstatistik
 ist es nicht einmal durchzuführen, die Winterzerstenfläche

 von der Gesamtgerstenfläche in diesem
“alle in Abzug zu bringen. Doch spielt der Winteryerstenanbau
 eine verhältnismäßig sehr geringe Rolle.
nfolgedessen wird an den Durchschnittsergebnissen
ıur wenig geändert, so daß immerhin noch eine
Jarstellung über die Bedeutung des gesamten
jerstenanbaues nach der Größe der landwirtschaft-
        <pb n="133" />
        Dr. Michael Horlacher, München: N

lichen Betriebe auf Grund der Betriebszählung des
Jahres 1925 den entsprechenden Rückschluß zuläßt
auf den Zusammenhang zwischen Br a u gerstenbau
ınd den landwirtschaftlichen Betriebsgrößen. Um
lie Verhältnisse hier besonders anschaulich zu gestalten,
 habe ich die Gerstenanbaugebiete in Deutschland
 in drei Gruppen aufgeteilt, einmal Süddeutschland:
 umfassend die Gebiete von Bayern, Württemberg,
 Baden und Hessen, sodann Mitteldeutschland
mit der Provinz Sachsen und dem Lande Thüringen
 und schließlich Nord- und Ostdeutschland
nit den preußischen Provinzen Ostpreußen, Brandenburg,
 Pommern, Nieder- und Oberschlesien. Das
Ergebnis der Berechnungen ist in der folgenden
Übersicht niedergelegt.
Die Bedeutung des Gerstenanbaues nach der Größe des landwirtschaftlichen
 Betriebes im Jahre 1925,
} in %

32

viegend klein- und mittelbäuerlichen Charakter. In
nitteldeutschen Gebieten sehen wir auch noch eine
itarke Grundlage im Gerstenanbau in den mittel- und
'roßbäuerlichen Betrieben mit rund 56 % des Geamtanbaues.
 Allerdings spielt dann schon die Pro-'uktion
 im großen Betriebe der Landwirtschaft eine
xolle von 27 %. In Nord- und Ostdeutschland ist
‘war der Gerstenanbau zu 52 % im Großbetriebe zuammengefaßt;
 doch spielen hier die bäuerlichen
jefriebe insgesamt immerhin noch eine Rolle von
usammen 49 %, Im Durchschnitt des Reiches muß
nan daher feststellen, daß der Gerstenanbau eine Anzelegenheit
 ist, die in besonderem Maße den Bauernjetrieb
 angeht, so daß also derjenige, der
nDeutschland Bauernpolitik treiben
vill, im besonderen Maßeauchaufdie
3Zeeinflussung der Entwicklung im
jerstenbau Rücksicht nehmen muß.
jewiß umfaßt die Gerstenanbaufläche in Deutschand
 auch noch zu einem bedeutenden Teil den Anbau
ür Futterzwecke, aber es spielt doch innerhalb des
jerstenanbaues das Streben nach Qualitätserzeugung
»äne ansschlaggebende Rolle, so daß hier letzten
indes der Braugerstenerzeugung doch die überagende
 Bedeutung zukommt.
In diesem Zusammenhang darf auch besonders
Jjervorgehoben werden, daß gerade Braugerste und
Tafer die Hauptverkaufsfrucht der klein- und
nittelbäuerlichen Betriebe darstellen. Ja, es spielen
lie Braugerste und der Hafer oft in Gegenden eine
&amp;lt;olle, die nicht zu den gesegneten in Deutschland
‚ählen. Ich erinnere hier nur an das fränkische
jerstengebiet auf den Jurahöhen und den Ausläufern
ler Rhön, des Spessart und Steigerwalds, ferner an
las Hafergebiet in der Oberpfalz, im Fichtelgebirge,
n der Rhön usw. Auch bezüglich des Haferabsatzes
ın die Brauereien für ihre immerhin trotz der Motori-;jerung
 noch starke Anzahl der in ihren Betrieben
/erwendeten Pferde ergeben sich daher enge Bejehungen
 zur Landwirtschaft, insbesondere zu den
»)äuerlichen Betrieben. Zu den Beziehungen zwischen
3rauereien und Landwirtschaft gehört schließlich,
laß die Brauereien infolge der Aufnahme schwerer
‚astpferde auch für die dafür einschlägige Pferdeucht
 von nicht geringer Bedeutung sind.
Das Hervortreten des Hateranbaus in den bäuerichen
 Betrieben macht die folgende Übersicht deutlich:
ie Bedeutung des übrigen Getreideanbaues in Deutschland nach der
Größe des landwirtschaftlichen Betriehes im Jahre 1925,

ill

Süddeutschlapd
Parzeilenbetriebe bis Zha ............
Kleinbäuerl. Betriebe 2+—5 ha ‚........
Mittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
Großbäuerl. Betriebe 20—100 ha ......
3roßbetriebe 100 und mehr ha .......

6,25
. 17,15
50,84
| 22,98
2,80
506 455 | 100

31 635
86 865
257 464
E16 289
14 209

Mitteldeutsch*- ce
Parzellenbetriebe bis Zha ‚...........
Kleinbäuerl. Betriebe 2—5 ha .........
Mittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
3roßbäuerl. Betriebe 20—100 ha ......
3roßbetriebe 100 und mehr ha .......

Zusammen ...

20 333 9,88
16 338 7,94
51 086 29,69
31 581 25,07
56 418 27,42
Zusammen „.........,..... | 205751 | 100
Nord- und Ostdeutsch'and

Parzellenbetriebe bis 2ha ............
Kieinbäuerl, Betriebe 2—5 ha...
Mittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
Großbäuerl. Betriebe 20—100 ha ......
3roßbetriebe 100 und mehr ha .......
Zusammen .....

6 223
15 979
16 757
95 378
100 592
4.02 994

1,54
3,96
19,00
23,61
51,89
100

Deutsches Raiet

Parzellenbetriebe bis Zha ‚...........
Kleinbäuerl. Betriebe 2—5 ha .........
Mittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
3roßbäuerl. Betriebe 20—100 ha ......
3roßbetriebe 100 und mehr ha .......
Zusammen .....

69 920 5,04
188 533 | 9,99
164 197 33,48
357057 | 25,75
356 908 | 25,74
1386615 | 100

Hier muß mit allem Nachdruck hervorgehoben
werden, daß das geschlossene süddeutsche Gerstenanbaugebiet
 einen durchwegs bäuerlichen Charakter
trägt. DieProduktion findet nur in ganz verschwindendem
 Ausmaßein großen Betriebenstatt. Derhauptsächlichste
 Gerstenerzeuger ist hier in Süddeutschland der
nittelbäuerliche Betrieb mit 5 bis 20ha, der allein
51% des gesamten Gerstenanbaues umfaßt. Ihm folgt
dann in Süddeutschland der großbäuerliche Betrieb
mit rund 23 % des Anbaues. Besonders bemerkenswert
 ist aber dann, daß selbst in den kleinbäuerlichen
ınd Parzellenbetrieben bis 5 ha der Gerstenanbau eine
ganz ausschlaggebende Rolle spielt. Man kann also
bezüglich Süddeutschlands sagen: der ganze Brauzerstenanbau
 trägt in Süddeutschland einen vor-Größenklassae



baufiäche
‘ha | in%

Weizen1?)
&amp;gt;»arzellenbetriebe bis Zha ...........0.
{leinbäuerl. Betriebe 2-—5 ha .........
Aittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
;roßbäuerl. Betriebe 20—100 ha ......
zroßhetriebe 100 und mehr ha .....
Zusammen ....0000000000000
1) Finachliaßlich Spelz, Emer und Einkorn.

60 107 8,71
‚46 265 9,02
317 541 81,91
516 181 831,82
381 811 23,54
1 621 905 100
" Ohne Menegretreide.
        <pb n="134" />
        IL, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft.
SEEN

33

“-”“Benklasse

WRAEEEE. — BARELs E
zu2.äcke
nn
ha 9%

so waren diese besonders bodenständig ausgebildet
in der Zeit, als die kleinen Betriebe sowohl zahlen-..
näßig als nach der Produktion die beherrschende
volle spielten. Schon in kleinen Landstädten gab es
jiele Kleinbrauer nebeneinander. Jeder kleine Landvirt
 schätzte sich glücklich, einen Brauereibetrieb
zu besitzen und in der Tat ist insbesondere für die
Üddeutsche Wirtschaft, die noch mehr agrarischen
Charakter trägt, das Vorhandensein von
zahlreichen Brauereibetrieben innitten
 der landwirtschaftlichen Ged&amp;gt;iete
 gleichzeitig ein Mittelpunkt für
lie landwirtschafitliche und Gesamtjevölkerung
 der dortigen Gemeinde.
Jer Brauereibetrieb bringt dort Beschäftigung ‘aller
\rt für die Handwerker des Ortes, der Brauerei-‚etrieb
 stellt auch eine finanzielle Stütze für die Geneinde
 dar, der Brauer unterhält rege und gute Beziehungen
 zur Bevölkerung und ist meistens zur
land, wenn es in der Gemeinde besondere Ein-,
ichtungen zu schaffen gilt, Ferner ist sein Brauereietrieb
 nicht bloß wichtig für die Bierbereitung und
lie Aufnahme der landwirtschaiftlichen Erzeugung,
'ondern er ist auch des weiteren für die Landwirtchaft
 wichtig dadurch, daß die Brauereibetriebe unnittelbar
 die Landwirtschaft wieder unterstützen
lurch die Abgabe der aus der Brauerei anfallenden
‘uttermittel, und zwar hochwertiger F uttermittel, wie
ie sich in den Trebern und in den Malzkeimen dar-;tellen.
 Diese Futtermittel sind insbesondere für
lie Viehhaltung und ganz besonders für die Milchiehhaltung
 von grundlegender Bedeutung, Ferner
larf nicht übersehen werden, daß viele Brauerei-‚»etriebe,
 die mit einem landwirtschaftlichen Betriebe
verbunden sind, auch bezüglich ihrer Landwirtschaft
zu den fortschrittlichsten und für ganze Gegenden
ichtunggebenden Betrieben gehören. Endlich zeigen
ich in Bayern enge Beziehungen zwischen Braundustrie
 und Landwirtschaft auch dadurch, daß der
Hierverbrauch im landwirtschaiftlichen Betriebe,
(amentlich während der Erntezeit, für die
7*amilie, die Dienstboten und Landarbeiter ein bedeutamer
 ist.
Leider muß aber schon hier gesagt werden, daß
‚.ngesichts der Agrarkrise der Bierverbrauch in der
genen Familie des Bauern leider eine ganz gevaltige
 Einschränkung gegenüber dem Frieden erıhren
 hat.
Ich will nun nicht aus der Statistik des Aufbaues
les Braugewerbes im einzelnen ziffernmäßig dartun,
vie die Entwicklung des Braugewerbes hinsichtlich
der Größe der Betriebe sich gestaltete,
‚;ondern wiH nur in allgemeinen Grundzügen das
lerausgreifen, was nunmehr aus der geschichtlichen
intwicklung sich als zunächst vorhandene Tatsache
ür die Entwicklung des Braugewerbes in Deutsch-Roggen?)


Parzellenbetriebe bis 2ha ............
leinbäuerl. Betriebe 2—5 ha .........
Mittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
Großbäuerl, Betriebe 20—100 ha ......
Großbetriebe 100 und mehr ha .......

220 272
418 145
422.307
- 409 557
934 387
4 404 A188

5,00
9,50
32,29
32,00
21,21
109

Hafer
Parzellenbetriebe bis Zha ............
Kleinbäuerl. Betriebe 2—5ha .........
Mittelbäuerl. Betriebe 5—20 ha .......
Großbäuerl. Betriebe 20—100 ha ......
Großbetriebe 100 und mehr ha .......
Zusammen ............. a
2% Ohne Menggetreide.
Das Hopfenanbaugebiet,
also das für die Brauindustrie nach der Gerste wichtigste
 Rohstoffgebiet, liegt in der Hauptsache in Süddeutschland:
 in Bayern, Württemberg und Baden:
und wenn man auch hier die Berechnung anstellt, so
ergibt sich auch diesbezüglich, daß die Hopfenwirtschaft
 in weitaus überwiegendem Maße, ja sogar
noch stärker als der Gerstenanbau, bäuerlichen
Charakter trägt, denn beim Hopfenbau treten die
Gebiete mit starkem Großbesitz in Norddeutschland
vollkommen zurück und spielen so gut wie keine Rolle.
Was die Beziehungen zwischen Landwirtschaft
und Brauindustrie anlangt, so kann man folgendes
sagen: Wer in Deutschland Bauernpolitiktreiben
 will, darfzweihervorragende
 Produkte der bäuerlichen
Wirtschaft nicht übersehen, sei es im
innerpolitischen Leben, sei es in der
Handelspolitik gegenüber anderen
Völkern, das ist der Braugerstenanbauund
 der Hopfenbau. Die bäuerlichen
Wirtschaften sind die Hauptlieferantetr der Rohstoffe
für das Braugewerbe, und das Schicksal des Braugewerbes
 ist daher eng verbunden mit dem Schicksal
des bäuerlichen Betriebes in der Landwirtschaft,
Was die starke Produktionsgrund-JageinBraugersteund
 Hopfenimsüddeutschen
 Gebiete anlangt, so darf
hier festgestellt werden, daß eine
Wirtschaftspolitik im Süden, die der
Landwirtschaft Rechnung tragensoll,
öhneRücksichtnahmeaufBraugewerbe
und Gersten- und Hopfenbau zu den
schwersten und tiefsten Erschütterungen
 des süddeutschen Wirtschaftslebens
 führen müßte.
Ich habe nun die Beziehungen zwischen Braugewerbe
 und Landwirtschaft bezüglich der Hauptrohstoffe
 der Landwirtschaft gekennzeichnet. Man
kann die Beziehung zwischen Braugewerbe und
Landwirtschaft in mittelbare und unmittelbare
 aufteilen. Was die unmittelbaren Beziehungen
zwischen Braugzewerbe und Landwirtschaft anlangt,

Zusamme*
        <pb n="135" />
        Dr. Michael Horlacher, München:
land ergeben hat. Die Anzahl der gewerblichen
Brauereibetriebe hat sich von 19178 im Jahre 1875
von Zählungsperiode zu Zählungsperiode verringert,
und im Jahre 1925 wurden nur noch 4088 Brauereibetriebe
 gezählt. Die Anzahl der beschäftigten Personen
 dagegen, die sich im Jahre 1875 auf 69 423 bezifferte,
 nahm bis zum Jahre 1907 ständig zu, erfuhr
dann in der Kriegswirtschaft eine beträchtliche Unterbrechung,
 um im Jahre 1925 auf dem Stand von 92 972
Personen anzulangen. Eine Beschäftigungsstatistik
der Betriebe läßt jedoch.erkennen, daß auch im Jahre
[925 noch mehr als 50 % aller Betriebe Kleinbetriebe
sind, die nicht mehr als fünf Personen beschäftigen.
Jie Mehrzahl allerdings der beschäftigten Personen
entfällt auf die Großbetriebe mit 61 754 Personen
öder 66,4 %. Von den 4088 im Jahre 1925 gezählten
3rauereibetrieben entfällt weitaus die größte Zahl
auf das Land Bayern, das auf seinem Gebietsstand
allein 2074 Betriebe vereinigt und damit Preußen, das
nur 1012 Brauereien aufweist, bei weitem übertrifft.
Allerdings weist Preußen die doppelte Zahl der beschäftigten
 Personen im Braugewerbe auf; auf
Bayern entfallen 23771 Personen, auf Preußen
43 852 Personen, die in der Brauindustrie beschäftigt
sind. Auch in Württemberg und Baden finden wir
im Verhältnis zum übrigen Deutschland noch eine große
Anzahl von kleinen Betrieben, so daß man besonders
von Bayern, aber auch von Süddeutschland
 sagen kann, daß hier
noch eine starke Grundlage im
&amp;lt;leinen und mittleren Betrieb beim
Braugewerbe gegeben ist, währenddem
 in Norddeutschland die In-Zusfrialisierung
 erheblich weiter
iortgeschritten ist. Das süddeutsche
Gebiet trägt daher auch noch den
Charakter unmittelbarerer Beziehungen
 zwischen Brauindustrie
ınd Landwirtschaft, einmal, weil jene
sich unmittelbar in Produktionsgebieten
 von Gerste und Hopfen beändet,
 und sodann auch, weil mit
vielen Brauereibetrieben landwirtschaftliche
 Betriebe - unmittelbar
verbunden sind und weil schließlich
die Brauindustrie als Neben- oder
Hauptgewerbe in der Landwirtschaft
 usw. vielfach noch eine besondere
 Rolle spielt. Allerdings
darf man nicht vergessen, daß auch in
Süddeutschland der industrielle Konzentrationsprozeß
 im Braugewerbe
starke Formen angenommen hat.
In dem überwiegend industriellen
Charakter tragenden norddeutschen
Brauereigebiete spielen aber naturyemäß
 ebenfalls die Beziehungen

‚ur Landwirtschafteineausschlaggebende Rolle. Wenn
ıuch die Beziehungen hier sich nicht unmittelbar und
veniger örtlich zwischen Brauindustrie und Landwirtchaft
 abwickeln, so ist doch auch das nordleutsche
 Brauereigebiet mittelbar
nit der Landwirtschaft aufs engste
verknüpft, weil es auf den Bezug aus den Hauptrersten-
 und Hopfenproduktionsgebieten in Deutschand
 angewiesen ist und bleibt.
Die untenstehende Übersicht über den Braustoffverbrauch
nd den Absatz deutschen Bieres im Rechnungsiahr 1927 nach
‚andesfinanzamtsbezirken gibt recht interessante Aufschlüsse
ber den Standort der Brauindustrie in seiner Beziehung zu
len Braugerstengebieten und den großen Bierverbrauchs-‚entren.
 Es ergibt sich daraus deutlich, daß die Brauindustrie
uerst bodenständig ist in den Gebieten mit starkem Brauerstenbau:
 Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, also ganz
jüddeutschland, dann in Sachsen (Bezug hauptsächlich aus
er Provinz Sachsen), Schlesien. Dazu gleichzeitig die großen
’erbrauchsgebiete in Berlin, in der Republik Sachsen und dem
ı1einisch-westfälischen Industriegebiet, deren Bedarf für die
‚ächstgelegenen Braugerstengebiete in der Provinz Sachsen,
m rheinischen, pfälzischen, hessischen und fränkischen Gebiet
SW. von ganz wesentlicher Bedeutung ist.

Hinsichtlich des inneren Aufbaus der Brauindustrie
ınd der sich daraus ergebenden Beziehungen zur
„‚andwirtschaft darf man nicht übersehen, daß zwar
lie Mehrzahl dieser unmittelbaren und mittelbaren Beziehungen
 zur Landwirtschaft durch dieBrauerei-‚etriebe.
 besonders nach der Zahl der Betriebe be-Braustoffverbrauch

 und Absatz deutschen Bieres im Rechnungsjahr 1927 (April 1927 bis
März 1928).
vl
* Versteuerte und steuerfrei abgelassene
Mengen?)
Zinfach-/Schank-| Voill- | Stark- | im
bier bier bier bier | ganzen
1000 Hektolite-3erlifl

 veeserea ne ven
3randenburg z...........
ESla ir ik KR RG
j)armstadt „......00000004
ES 1450ER HERE
isseldorf .........0..0.
JANNOVEr dar ren r
Tarlsruhe ......0.00000004
AU
CH
LÖNIgSberB 000000000000
„EiPZIB ser000e een n ne
1agdeburg ......2..0.0.0000
{ecklenburg-Lübeck .....
Zünchen ..0.00000000004
er
TÜrNDerg e..000000000440
‚berschlesien ...........
Mdenburg ........0..0000
ichleswig-Holstein .......
itettin ........ ..
ituttgart ..... R
‘hüringen .. EU
Interelbe ,.. MB
Jnterweser ‘.. Wa...
Vürzburg .........010.00.
Jeutsches Zollgebiet
Rechnungsjahr 1927 .
1. April 1927 bis 31.März | .
1928) 2.....00..000000 ] 959506 7326 | 1488 | 208 149404 | 518 |51608
1) Außerdem im 1. Viertel 2770 hl, im 2. Viertel 4690 hl, im 8. Viertel 460 hl, im 4, Viertel 1842 hl, im
Zechnungsjahr 1927 9762 hl bierähnliche Getränke. — %Z\ Meist zu Ausfuhrbier verwendet.

1587 977 | 99 | 4721
430 9225 0 567
512 122 1 1488
— 0 — 965
8385 | 114 0 1571
401 81 - 405
185 79 1 770
vn wm 0 308
51 17 ı 218
187 | 28 | 1 448
445 9m 604
85 al 2.036
732 | 94 2.287
119 17 434
— ‚LE 7185
530 € 4 355
- 7 4 880
271 38 456
1 B oe — 106
228 ı 18 in | 1069
143 8” 542
— £ * 9576
43 En 391
277 | 52%
8142) 795
1 QET

99 | 5198
10 802
29 | 1640
5 970
FF 1710
° 344
“  L854
7 324
1 288
1476
642
2.128
2 355
462
7851
4 368
4 922
492
110
1102
588
2 584
„1480
ı 549
799
2 021
        <pb n="136" />
        HL, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft. 135
ml LESE SET Tan Se Tür le Landwirtschalt. 135
trachtet, gegeben sind, daß aber andrerseits ein großer
Mittler in den Beziehungen zwischen Landwirtschaft
und Brauindustrie nicht übersehen werden darf, das
ist die selbständige Malzindustrie. Über den inneren
Aufbau des Brauereigewerbes einschließlich Malzindustrie
 gibt nachstehende Übersicht Aufschluß.

Die deutsche Malzindustrie erstreckt sich über "ganz Deutschand,
 wenn sie auch. nicht gleichmäßig verteilt ist. Stark be-’orzugt
 hat sie für ihren Sitz die Gegenden, in denen reichlich
um Vermäüälzen geeignete Gerste, Braugerste, wächst; es
ind dies vor allem Sachsen, Thüringen, Bayern, insbesondere
lessen fränkischer Teil (Kulmbach, Bamberg usw.), Schlesien
'owie Gebiete am Mittel- und am Niederrhein. Aber auch
\nderswo findem wir blühende Betriebe, sogar solche größten
Imfanges und von bestem Ruf.“
So beweist denn auch klar die mir von
Jr. Kuckuck, Syndikus des Bundes Deutscher Malzabriken,
 zur Verfügung gestellte Übersicht über die
Malzerzeugung in den Malzfabriken, daß die
Malzindustrie fast ausschließlich
2@ine in den Hauptbraugerstegebieten
Deutschlands ansässige Industrie ist.

Die Brau- und Malzindustrie Deutschlands nach der Gewerbezählung
 1925,

Petriebe


Personen

Elm | Eiektromaschinen
 | motoren
PS.

PS

Mälzerei und Brauerei ... 26 439 22 281 | 31 287
Brauerei ............000 59 006 52856 ! 75811
Mälzerei ..........00..... R 065 3521 15 788
Malzextraktherstellung ... 120 115 190
Bisgewinnung ........... . £. 2842 , _10 280 8 906
insgesamt ..... 4088| 92972 | 89058 | 181 982
(„Wirtschaft und Statistik“ 1928, Nr. 8.)

Jetzige Malzerzeugungsmengen der Malzindustrie (1927/28).
Die Verteilung auf die einzelnen Gruppen ist berechnet nach der
Verteilung der Malzerzeugung der Mitglieder des Bundes Deutscher
Malzfabriken auf diese Gruppen.

Die von dem Brauereibetrieb losgelöste Mälzerei
ist ein verhältnismäßig jüngerer Zweig der deutschen
Wirtschaft, In der Monatsausgabe für Ausland und
Übersee des „Berliner Tageblattes“ — Nr. 12 vom
Dezember 1928 — führt Dr. Kuckuck in treffender
Weise über die Entwicklung. zu einer selbständigen
Malzindustrie u. a. aus:
„Wie Deutschland für die Biererzeugung an der Spitze aller
Länder steht, so auch für die Erzeugung des Stoffes, aus dem
allein ein gutes Bier hergestellt werden kann, d. h. von Malz.
Es dienen dieser — außer den eigenen Mälzungsstätten der
Brauereien — die zahlreichen und zum Teil sehr bedeutenden
deutschen Handelsmälzereien. Die Entwicklung dieser Mälzereien
 ist die Folge des großen und raschen Aufschwunges, den
die deutsche Brauindustrie in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts nahm, und der technischen Umwälzungen, die in
dieser Zeit erfolgten. Von Jahr zu Jahr wuchsen in mannigfacher
 Beziehung die Anforderungen, die an die aufwärtsstrebenden
 Brauereien und ihre Leiter gestellt wurden. Immer
größere Geldmittel mußten zur Erweiterung und Verbesserung
des Betriebes, zur Beschaffung der anschwellenden Rohstoffmengen,
 später auch zur systematischen Organisation des Absatzes
 verwendet werden. Für den Leiter wurde es auch immer
schwieriger, die- Fortschritte nicht nur in der Technik des
Brauens, sondern auch in der des Mälzens zu verfolgen. Mit
dem wachsenden Bedarf an Gerste mußte man für ihren Bezug
in entferntere Gerstengegenden gehen, zu denen persönliche Beziehungen
 fehlten. So wurde für viele Brauereien eine Entlastung
 notwendig oder wenigstens zweckmäßig. Hierfür lag
wirtschaftlich und besonders auch technisch am nächsten der
Teil des Betriebes, der nach der Rohstoffseite lag. So entstanden
 die zahlreichen selbständigen Mälzereien, die wir in
Deutschland finden. Lie Leistungsfähigkeit dieser Mälzereien
kann auf 6 bis 7 Millionen Doppelzentner Malz jährlich geschätzt
 werden. Zwar haben der Krieg und die wirtschaftlichen
Wirren in der Nachkriegszeit eine größere Zahl von Mälzereien
verschwinden lassen. Aber in der Hauptsache fand dieser
Abgang nur in weniger bedeutenden Betrieben statt und
konnte so die Gesamtleistungsfähigkeit der Industrie wenig
beeinträchtigen. Bei der. Eigenart der Mälzungsarbeit
genügen auch -für große Produktionsmengen verhältnismäßig
wenig Arbeiter; das gilt besonders für die mit der Zeit immer
zahlreicher gewordenen Betriebe, die das pneumatischmechanische
 Mälzen bei sich eingeführt haben, Infolgedessen
arscheint die Zahl der Arbeiter der deutschen Malzindustrie
im Vergleich zu der Arbeiterzahl mancher anderen Industrien
nicht groß. Ein richtigeres Bild von der Bedeutung der deutschen
 Malzindustrie gibt die Größe des in ihr arbeitenden Anlage-
 und Betriebskapitals. Es wird auf 250 Millionen Goldnark
 zu schätzen sein

Malzerzeugung ' Zahl der Betriebe
(Schätzung) 5 j ©. d. Adreßbuch
für die Brau-Ztr.
 industrie)

"aa
ı Schlesien ........... ;
}, Land Sachsen .................
) Provinz Sachsen u, Thüringen ..,
! Südwestdeutschland (Baden,
Rheinpfalz, Hessen, Württbg.) . 200 000
RheinprovinZ 2.0.00 400 000
Bayern rechts des Rheins ...... 2.000 000
Übriges Deutschland ........... , 980000
Zusammen ..... | 9000 07°
Gesamt-Malzerzeugung ...:..... 9007”
hiervon ausgeführt ........... 8300 C
verbleiben für den Verbrauch der
deutschen Brauereien ....... 8700000 Ztr.
Der Gesamt-Malzverbrauch der deutschen Brauereien betrug
927/28: 19,8 Mill. Ztr., darunter etwa 8,6 Mill. Ztr, Malz, das aus
ler Einfuhr ausländischer Gerste stammt, hiervon durch die Malzinfuhr
 gedeckt rund 1 Mill, Ztr.
Die selbständige Malzindustrie ist daher zu
jinem wichtigen Faktor, gewissermaßen zu einer
zwischenstufe in den Beziehungen
’wischen Landwirtschaft und Brauadustrie
 geworden, indem die Malzindustrie
ielfach aus der Mitte der Braugerstengebiete das
Aalz zu den Brauereien, gerade auch in den großen
’erbrauchszentren, die nicht im Gerstengebiet liegen,
eranbringt. Dabei kommt der Entwicklung der
Aalzindustrie noch die Ersparung für das Brauzewerbe
 zugute, die bei der gleichen Tarifierung von
jerste und Malz durch die Eisenbahn bei dem Bezuge
 von Malz statt Gerste an der Fracht entsteht,
la 100 kg Malz rund 133 kg Gerste enthalten.
Ich wäre nicht vollständig, wenn ich nicht der Förijerung
 bzw. der Störung der Beziehungen zwischen
3rauindustrie, Malzindustrie und Landwirtschaft ge-'enken
 würde, die durch die Veränderungen im
ußenhandel sich vollzogen haben. Angesichts unserer
„age wird man — ich erinnere nur an die notwendige
\ktivierung unserer Handelsbilanz — alles aufbieten
nüssen, um durch eigene Qualitätserzeugung die
\uslandseinfuhr, soweit als möglich, herabzudrücken.
war beruht die deutsche Industrie naturgemäß .in

kan
11
47
        <pb n="137" />
        Dr. Michael Horlacher, München:
erster Linie auf der starken Rohstoffbasis in Deutschland
 an Braugerste und Hopfen, aber immerhin ist
die aus dem Ausland bezogene Ware nicht unbedeutend,
 so daß oft die Landwirtschaft daran Kritik
übt. Die folgenden Übersichten geben Einblick in die
Ein- und Ausfuhr von Braugerste, Malz und Hopfen.

€) Hopfen.
Zinfuhr | Ausfuhr

EZ

dz
58345. 8 798
25 145 64 861
63 520 10 060
56 190 7556
72 364 5242
48 635 17 349
36 337 9238 043

dz

1000002000000 00H
(wann.

Ein- und Ausfuhr von Braugerste, Malz und Hopfen,
a) Braugerste,

Ausfuhrn a

Ein”’uhr

"&amp;gt; —Aancin. und „aysfuhr nach Ländern

912 ..
913 ,..... aka
CE
999 1.00... DE |
1) Gerste insgesamt, aber großenteils Braugerste.

11 568
60 183
47 408
45 649
77 697

aHs:!

| 1912 | 1918
dz dz

aus: 1928
dz

4. Einfu* -,
Belgien ....... | 770 3 971 |
Österreich-Ung, | 51175 | 19 626
Rußland ..... 865 1.062

Srankreich ... 1198
Jugoslawien... 3109
Jesterreich ... 2834
Istpolen ..... 363
Rußland ..... 744
Tschechosiow. . | 25272

Braugersteneinfuhr nach Ländern

aus:

1912 | 1918
dz dr

3US:!

+ 1929
dz

2. Ausfuhr.

Dänemark .... 226195
Frankreich ... 7883
Viederlande ... 6 442
jsterreich-Ung, 559 208
kumänien .... 28 861
zußland ...... 153 049
Schweden .... 6 972
Serbien ....... 25 631
Türkei ....... 4 601
Marokko ..... 1.226
Y. St. v.Amerika 8 231

173 108
19
506
. 283 335
5911
44 195
73
2 406
498
2
55

Bulgarien ..... 5 200
1änemark .... 376893
danzig ....... 2627
"rankreich.... 428
iroßbritannien 18142
Viederlande .., 4721
)sterreich ‚... 578
Istpolen ..... 29177
Doln,-Oberschl, 20 878
Zumänien .... 223715
schechoslow. . 526 826
Ungarn ...... 44488
"ranz. Marokko 15105
3ritisch-Indien 1.058
Argentinien ... ‘2951?
Brasilien...... 41765
Kanada....... 1011
ühile „1 | 5 049
Y.St. v.Amerika 7 9253

nach:
Beigten „| 16 44 13726
Dänemark .... | 2988 1.797
Srankreich ... 9 330 10 661
3roßbritannien 20 6438 7871
'talien ........ 988 889
Niederlande .., 2 966 8 531
Vorwegen .... 836 719
Österreich-Ung, 967 804
Zußland' ‚.... 1139 1.209
Hnnland ..... 456 333
‘chweden .... 1987 ı 1345
chweiz ...... 3104 8131
.panien ...... 491 8341
‚üdafrika .... 410 292
'apan ....... 1204 403
\«rgentinien ... 1532 1990
trasilien ..... ' 201 1'710
hile ......... „822 687
luba ........ 8311 159
Aexiko ....... | 10925 836
Peru ......... 2538 110
7,St.v. Amerika | 10400 | 11119
\ustr.-Land .. 485 812
Aus den vorstehenden Übersichten ergibt sich, daß
lie Braugersteneinfuhr nicht unbedeutend ist, daß
ıber andererseits wiederum erhebliche deutsche
andwirtschaftliche Interessen in der Gegenaustuhr
‚on Malz gegeben sind, die ziffernmäßig in Ausfuhren
ns Ausland von 165000 dz Malz 1926, 144164 dz
'927 und rund 145000 dz 1928 zum Ausdruck
&amp;lt;ommen. Trotzdem auch beim Hopfen die Hauptırundlage
 für die Industrie der eigene heimische
Topfenbau darstellt, haben sich doch bedeutende
Yerschiebungen hier besonders dadurch ergeben, daß
lie Einfuhr von Auslandshopfen gewachsen und die
\usfuhrinteressen an Hopfen bedeu-‚end
 geschmälert wurden. Durch die nach
iem Kriege eingetretenen Strukturwandlungen in der
Weltwirtschaft, die ja die Erschütterungen in der
leutschen Landwirtschaft hauptsächlich mit herbeireführt
 haben, sind auch hier wichtige Interessen der
„andwirtschaft, so beim Hopfenbau — Wegfall der
\usfuhr von Hopfen nach England {eigene Er-‚eugung)
 und nach den Vereinigten Staaten von
\merika (Trockenlegung) — ganz wesentlich geb)

 Maliz.

Einfuhr

davon aus der |
Tschechoslowakei
dz

Ausfuhr
dz

dz

‘912
1918
924 ..
O5 voran
1926 ......
L927 ...
1990

154613 430104] Österr.-544
 723 521 2638 f Ungarn
278 871. 235 120
516 135 588 152 |
354 887 | _ 829 426
501 401 583 892
515 864 | 468 784.

193 486
182 875
362 279
208 961
165 555
144 164
1892 699

"“al7.in- und -ausfuhr nach Ländern

aus:

“fr

1618
dz

. 1929
aus! | dz

Frankreich .... 23 130
Österreich-Ung, | 430104

Einfe”
22 946
5921 263 |

Saargebiet .... 5463
Dänemark .... | 10980
Tschechoslow. . |468 784
Ungarn ...... | 27918

” Ausfuhnach:

 .
3Zelgien .......
italien .......
Niederlande ...
Norwegen ....
Schweden ....
ichweiz ......
Spanien ......
Japan ........
Argentinien ...
3rasilien ..... |}

4239
4537
30 022
6 262
6 568
3279
3300
3 288
2.869
26 351

5 481
2 692
12.328
2838
2087
3.086
5 301
5518
5454
2 114

nach:
Zelgien .......
*rankreich....
talien .......
„uxemburg ...
:jederlande ...
)sterreich ....
‘chweiz ......
3rasilien .....
Jolumbien ...,
DE au |
/enezuela.....

5 584
1844
7111
7244
31 942
5 324
75.282
1977,
671
2175
4 860
        <pb n="138" />
        HL, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft. 137
en Be ENG
schädigt worden. Das kommt dann auch im Rück- aus, so daß ich einen Satz in einer‘ sonst ausgezeichgang
 der Bierausfuhr ins Ausland, wie wir noch 1eten Arbeit über „Aufbau und Verflechtung der
sehen werden, zum Ausdruck. yayerischen. Wirtschaft“ (Heit 116 der Beiträge zur
Der Zusammenhang der Ilandwirtschaftlichen Statistik Bayerns, herausgegeben vom Bayerischen
Interessen mit der Brauindustrie findet weiter seinen Dtatistischen Landesamt), wonach „die deutsche
Ausdruck in der 3ierausfuhr fast ausschließlich, zu 90 %, aus Bayern
stammen soll‘, hiermit richtigstellen muß. Im
ibrigen ist die dort gemachte Feststellung, daß
‚Bayern in Bier und Malz für das übrige Reich dank
ler Mengen und Hochwertigkeit seiner Produktion
‘ypisches Ausfuhrland“ ist, von besonderer Wichigkeit
 für bayerische Wirtschaftsbelange, wenn
ıuch in der Nachkriegszeit, was hinzugesetzt werden
nuß, bedeutende Erschütterungen eingetreten sind.
ber die Ein- und Ausfuhr von Gerste, Malz und
Topfen nach bzw. aus Bayern unterrichten die nach-;tehenden
 Zahlenangaben:
Ein- und Ausfuhr von Gerste und Malz in Bayern (einschl. Pfalz) per
Eisenbahn und Schiff,
19:3 ‚1925: [| 19%
Gerste (Tonnen)
Zinfuhr .......... .. 147602 |. 66864 62 678
Ausführ ............. 59 225 | 34 484 | . 66 387
Mehrausfuhr ......... — \ ZZ 3 709
Wehreinfuhr ......... } 88377 |. 932880 | —
. b) Malz (Tonnen)
3infuhr „............ , 24464 | 23 601 | 22418
Ausfuhr ......... .. 52 237 45 149 48 722
Wehrausfüuhr ......... | 27773 | 21548 | 26804
\usfuhr von Hopfen (per Bahn) aus Bayern r. d. Rh, im Jahre 1926:
7379 Tonnen = 73 790 dz.

Daraus ergibt sich, daß durch die Veränderung der
Absatzverhältnisse auf dem Weltmarkte, durch
den bedeutenden Rückgang der Bierausfuhr
 naturgemäß auch landwirtschaftliche
 Belange hinsichtlich des
Gersten- und Hopfenabsatzes nicht
unwesentlichberührt wurden. Immerhin
ist auf der anderen Seite ein kleiner Ausgleich durch
den Rückgang der Biereinfuhr nach Deutschland eingetreten,
 der aber im Lichte des noch nicht wieder
erreichten Friedensbierkonsums doch nicht so erheblich
 ins Gewicht fällt.
Empfindlich werden die landwirtschaftlichen Interessen
 Bayerns durch die dorteingetretenen
 Veränderungen im Bierabsatz berührt.
 Es gestaltete sich nämlich die Bierausfuhr
aus Bayern folgendermaßen:

Die obigen Ziffern zeigen aber auch, daß Bayerns
Gersten- und Hopfienbau (siehe Einfuhrziffern weiter
»ben) sowie seine Malzindustrie in erster Linie von
ler fschechoslowakischen Konkurrenz beeinflußt
werden. Es steht fest, daß die Gersten- und Malzzinfuhr,
 ebenso die Hopfeneinfuhr nach Bayern
zumeist aus der Tschechoslowakei stammt, andererseits
 wird aber den Belangen der Landwirtschaft
wieder durch die Gegenausfuhr von Gerste, Malz
und Hopfen gedient, die unserer heimischen Landwirtschaft
 zugute komt.
In Hopien hat die bayerische Landwirtschaft, als
ier Sitz der größten Hopfenanbauflächen — kleinere
*Jächen größeren Umfangs sind dann in Württem-‚erg
 und Baden —, ausgesprochene Ausfuhrinter-'ssen
 ins übrige deutsche Wirtschaftsgebiet. Allerlings
 hat der Hopfenbau während der Kriegszeit und
»benso der Nachkriegszeit infolge des Überhandıehmens
 der Hopfenperonospora schwere Schäden
;rlitten, von denen nur eine mühselige Erholung
nöglich war und ist. Auch ist der deutsche Hopfenau
 durch die schon betonten Wandlungen in der
Neltwirtschaft bezüglich seiner früheren Weltgeltung
‚edeutend zurückgeworfen worden. Über die Verlältnisse
 im internationalen Hopfenbau möge kurz
olgende Übersicht unterrichten:

a) ins übrige | b) ins
deutsche Gebiet Zollausland

"————

i{9138.....
L924....0
1925.00... 4
L926 00000020
1927... . .

272 483 hl
268 528 hl
8335 948 hl
„190815 hl
‚2299251 hl

]

485 107. hl
85 994 hl
59820 hl
67 558 hl
72798 hl

Aus diesen ziffernmäßigen Ergebnissen heraus
wird es leicht begreiflich, warum in Bayern dadurch
die Landwirtschaft, namentlich in Altbayern, hinsichtlich
 des Gerstenabsatzes und des Hopfenabsatzes
enormen Schwierigkeiten ausgesetzt ist. Die
Trockenlegung in Nordamerika hat namentlich der
bayerischen Auslandsausfuhr einen außerordentlich
empfindlichen Schlag versetzt. Die Auslandsbierausfuhr
 Bayerns ist von 485 107 hl im Jahre 1913 auf
72798 hl im Jahre 1927 zurückgeworfen worden.
Übrigens macht die Bierausfuhr aus Bayern im
Verhältnis zur Bierausfuhr des übrigen Reiches ins
Ausland nur einen Bruchteil der deutschen Ausfuhr
        <pb n="139" />
        38

Dr. Michael Horlacher, München:
A

Länder

Hopfenfläche
A
urchschn.
1927 | Durchsch

Y1opfenertra
Rn 1000 dz n E
Durchschn.
war | 1909/18

nländische Rohstoffgrundlage der Brauindustrie
lurch mögliche Vermeidung des Bezugs ausländischer
vohstoffe noch weiter verbreitert wird, so gehört
loch die Brauindustrie, im ganzen gesehen, zu den
&amp;gt;innenwirtschaftlichen Gewerben, die nur
ıuf der Inlandswirtschaft sich aufbauen.
Und in der Tat gibt die Brauindustrie ihrer Ver-»undenheit
 mit der einheimischen Landwirtschaft
lurch mancherlei
Förderungsmaßnahmen
hrerseits beredten Ausdruck, So ist bei vielen Geegenheiten
 zum Ausdruck gekommen, daß die Brauıdustrie
 den Qualitätsgerstenbau und den Hopfenau
 fördern will. Ich darf hier nur erinnern an die
Jerstenschauen, die in Deutschland bei starker Förlerung
 von Brauereiseite stattfinden. So findet die
]ljährliche Moosburger Gersten- und Hopfenschau
a Oberbayern die besondere Beachtung auch seitens
ijies Bayerischen Brauerbuündes mit: Kömmerzienrat
Cirschner an der Spitze. Auch die Berliner Gerstenınd
 Hopfenausstellungen, durchgeführt von der
/ersuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin
n Verein mit den interessierten Kreisen, dienen der
ngen Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und
jrauindustrie, Besonderes Augenmerk verwendet für
Örderung des heimischen Hopfenbaus die Hopfen-'‚ommission
 des Deutschen Brauer-Bundes unter dem
/orsitz von Kommerzienrat Kirschner.- Der wirkamen
 Bekämpfung der Hopfenperonospora gilt stete
emeinsame Arbeit von Brauindustrie und Landwirtchaft,
 Auch hat die Brauindustrie vollständig an
ier Seite der Landwirtschaft gestanden, als es galt,
as Hopfenprovenienzgesetz (Herkunftsbezeichnungs-‚esetz)
 zu schaffen, um den deutschen Qualitäts-‚opfenbau
 zu schützen und ihn auf die technische
löhe zu führen ‚und ihm die höchstmöglichen
\bsatzverhältnisse zu sichern. Aus dem von Kom-1erzienrat
 Kirschner .erstatteten Geschäftsbericht
les Vereins der‘ Brauereien des bayerischen Oberındes
 für 1928 dürften zur Frage der Förderung des
‘opfenbaus folgende Darlegungen interessieren:
„Daß die deutsche Brauindustrie aus sich heraus kein Opfer
cheut, um den Hopfenbau nicht mur rein agrartechnisch,
‚ondern auch nach seinen biologischen und biochemischen Beıärfnissen
 zu fördern, zeigen die im Verlaufe des Berichtsahres
 weiter geschaffenen bzw. durch die deutsche Brauıdustrie
 finanzierten Laboratoriumsversuche am der Hochchule
 für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan.
JIerr Prof. Dr. Otto Meindl an der Hochschule Weihenstephan
tatte auf meine Veranlassung in der Sitzung der Hopfen-:ommission
 vom 18, Februar einen ausführlichen Bericht über
len gegenwärtigen Stand der Hopfenforschung zu erstatten.
n diesem Bericht sollte er sich über eine Reihe von mir ge-;tellter
 Fragen, über die Bedeutung des Lupulins, der Lupulin-Irüsen,
 über die Wirkung der Gesamtbitterstoffe, der Weichınd
 Hartharze, über die Rolle des Hopfengerbstoffes und des
itherischen Öles im Sudprozeß äußern. Alle diese Fragen sind
segenwärtig vollständig im Fluß.“
In diesem Zusammenhang will ich auch die treffenlen
 Ausführungen Dr. Kuckucks in der Monatsausgabe
 für Ausland und Übersee des „Berliner

Deutsches Reich......
Belgien 20...........
England und Wales .,
Srankreich ..........
Jugoslawien ..........
CE N
Tschechoslowakei .....
Ver, Staat, v, Amerika, |

37,4.
31,8
49,8
2.1

a

LE
LO.Uu

F
A

{1
334.3

Was nun den
Gesamtwert der Absatzbeziehungen der deutschen
Landwirtschaft zur Brauindustrie
anlangt, so handelt es sich hier um ganz bedeutende
Summen, die der Erhaltung unserer Inlandwirtschaft
zu dienen bestimmt sind. Dabei muß man aber nachdrücklich
 betonen, daß dieser Gesamtwert
sich in einzelnen Gebieten Deutschlandsbesonders
 konzentriert ausdrückt.
ich darf hier nur erinnern an die Ha uptsitze
desBraugerstenbauesunddesHopfenbaues
 in Deutschland. In diesen Gebieten
ist der Gesamtwert der Beziehungen zwischen Brauindustrie
 und Landwirtschaft ausschlaggebend für
die Erhaltung der bodenständigen, auf die Brauindustrie
 eingestellten landwirtschaftlichen Kultur
ınd darüber hinaus des dortigen Wirtschaftslebens.
Nach den Berechnungen des Deutschen Brauer-Bundes
 hat die deutsche Brauindustrie von der deutschen
 Landwirtschaft in den letzten Jahren je rund
13 Millionen Doppelzentner Gerste — das stimmt,
wenn man die Vorratskäufe noch mitberücksichtigt,
nit den obigen Berechnungen des Gesamtmalzverbrauchs
 überein — und rund 230000 Zentner
Hopfen abgenommen und ihr dafür rund eine halbe
Milliarde Reichsmark gezahlt, also eine beträchtliche
Summe, die bei den Gebieten, wo diese Summe hinzezahlt
 wurde, eine Lebensnotwendigkeit darstellt.
Jmgekehrt hat die Brauindustrie durch Abgabe von
Trebern, Malzkeimen und Futterhefe etwa 32 % ihres
Gerstenverbrauchs in Gestalt von Futtermitteln an
lie Landwirtschaft zurückgeliefert, und zwar nach
Vornahme einer Art Veredelungsprozesses, weil der
Futterwert dieser proteinreichen Substanzen erhebüch
 höherliegt, als der des entsprechenden Brauzerstengewichts.
 Ein Kilogramm Trockentreber erzeugt
 rund zwei Liter Milchwert; die deutschen
Brauereien haben mithin im Jahre 1927 durch Liefe-‘ung
 von rund 385000 Tonnen Trockentreber
der deutschen Ernährungswirtschaft mehr als
sieben Millionen Hektoliter Milch zur
Verfügung gestellt.
Die Brauindustrie ist meines Erachtens für viele
Gebiete der deutschen Wirtschaft
eine Schlüsselindustrie,
die der deutschen Landwirtschaft, dem deutschen
Gewerbe, Handwerk usw. dient. Wenn ich auch den
Wunsch hier ausspreche. daß die schon stfarbe
        <pb n="140" />
        HL, 1. Die Bedeutung der Brauindustrie für die Landwirtschaft. 139
Taerar
Tageblattes‘““ (Dezember 1928) über die sysfermatische lie Verhältnisse genau so. Ich glaube, daß die in den
Förderung der Züchtung und’ des Anbaus von Brau- etzten Jahren sichtbare Tendenz der Konsumgerste
 wiedergeben. Er schreibt u. a.: ;teigerung eine Verlangsamung erkennen
4 „DS ‚chen sich ge verschiedenen von der Braun und 1ßt, so daß es schwer halten wird, weiter an den
er alzındusirie — schon vor Jahrzehnten — mit staatlicher 1 *
Förderung geschaffenen und unterhaltenen wissenschaftlichen riedenskonsum heranzukommen. - Bei solcher Sach-Institute
 zur Aufgabe. Seit etwa zehn Jahren wirkt mit Erfolg ge muß alles vermieden werden, was plötzlich zum
De diesem ‚Gebiete Auch eine von en beiden TEENS IS “"onsumrückgang — wie eine 50 oder 75%ige Ereben
 gerulene, ausschließlic. er Örderung es ersien- w. . . —_ ax
baues dienende Vereinigung: Der Verein zur Förderung des öhung der Biersteuer Ver anlassung geben würde,
deutschen Braugerstenbaues in Berlin. Die Bemühungen zur ine solche wirtschaftspolitische Linie würde auch zu
(lebung yes deutschen Cerstenbaues haben Sich gEraün ® U iner Verschärfung derAgrarkrise in den
eizien Jahren noch gesteigert, ndusirie un andwWIrisc. ‘ -
sind in noch engere Verbindung getreten. In dem wichtigen eutschen Braugersten- und Hopfengebieten führ CM.
sächsisch-thüringischen Gerstenbaugebiet ist, durch die ‘ngesichts der allgemeinen Notlage der Landwirt-Aortigen
 a ame und den ES A 'chaft wohl ein unerträglicher Gedanke! In Bayern
Uuringischer alziabrıkanten Ins Leben geruien, eine ersien- - x - . 2
kulturstelle entstanden. In diesem und in anderen Gebieten vürde die Er schütterung der wirtschaftlichen Verwird
 durch Gerstenschauen mit Verteilung von Preisen die ältnisse in dieser Beziehung sich noch unerträg-Landwirtschaft
 ee RAR Sn EEE Gert En cher gestalten, weil hier jede Steigerung des Bier-SOndere
 uimerXsamkKelt wIr © roblemen zugewandt, 1 . * = nr . » .
sich neuerdings aus den Fortschritten der Industrie für künst- T“SES, die die Steuer erhöhung mit sich bringt, auf
liche Düngemittel gerade für den Gerstenbau ergeben haben. ie gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse, insonder-Die
 Arbeit, deren Sich, He wir —— Ne SER nun ‚eit auf Lohngestaltungen, namentlich auf dem Lande,
ziehen, 12. erwarten, da er deuische | 2 n % ss
auf der hohen Stufe bleibt, auf die ihn die Anstrengungen der ‘en tiefsten Einfluß ausüben würde, Das Ziel der
Landwirtschaft schon gebracht haben, sondern daß noch immer leutschen Politik müßte hinsichtlich der Beziehungen
weitere Fortschritte in der Veredelung der deutschen Gerste ‚„wischen Landwirtschaft und Brauindustrie auf die
gemacht werden. Zräfti beid Wi haft " ich x
Die erwähnten wissenschaftlichen Institute dienen natürlich *Fallsung beider irtschaftszweige gerichtet sein.
ebenso der Entwicklung und der Ausbreitung. der besten Welche Störungen in der Aufwärtsentwicklung der Brau-Methoden
 für die Umwandlung der Gerste in Malz und des ıdustrie’ und damit der Gerste und Hopfen produzierenden
Malzes in Bier, Wie in der Brauindustrie, steht in der ‚andwirtschaft angerichtet werden können, und wie groß das
Malzindustrie durch diese Institute die Praxis in engstem Zu- Maß dieser Störungen sein müßte, dafür möge einen Anhaltssammenhang
 mit der Wissenschaft, In fruchtbringender unkt die nachstehende Übersicht geben, welche die Absatz-Wechselwirkung
 werden zwischen beiden fortgesetzt die Er- rebiete der bayerischen Biere im Vergleiche zu jenen Berlins
fahrungen und Beobachtungen ausgetauscht“ zeranschaulicht.
Angesichts der aus den früheren
Darstellungen genau ersichtlichen
Erschütterungen. im Gersten- und
Hopfenabsatz der Landwirtschaft,
angesichts der bedeutsam angewachsenen
 Mehrproduktion an Qualitätsgerste,
 aber auch angesichts des
festen Willens der Beteiligten, vorwärts
 zu arbeiten, müßte eine zielbewußte
 Wirtschaftspolitik auf die
Kräftigung derBeziehungenzwischen
Landwirtschaft und Brauindustrie
hinarbeiten und dürfte eine Störung
dieser notwendigen Aufwärtsentwicklung
 überhaupt nicht erwogen
werden. Wir haben’ noch einen beträchtlichen
Leerlauf in unserer deutschen Brauindustrie, der vielfach
 eine Absatzkrisis der landwirtschaftlichen Erzeugnisse
 Hopfen und Gerste zur Folge hat. Es betrug
der Verbrauch der deutschen Bevölkerung an Bier
1900: 117,9 Liter, 1913: 102,1 Liter, 1927: 808 Liter.
Wenn man die Bevölkerung mit über 20 Jahren zugrunde
 legt, betrug der Bierverbrauch pro Kopf der
erwachsenen Konsumenten 1910: 175,5 Liter und
1927: 124,1 Liter. Der Rückgang beträgt also rund
29,3 %, Auch in Bayern, das pro Kopf der Bevölketung
 einen viel höheren Bierverbrauch aufweist, liegen
        <pb n="141" />
        2. Braugewerbe und Maschinenindustrie.
Von Professor Th. Ganzenmüller, Weihensteohan.

Die Entwicklung des Brauwesens aus kleinen gewerblichen
 Hausbetrieben zu einem bedeutenden
jliede in der deutschen Industrie hängt aufs engste
zusammen mit dem
Fortschritt der Maschinentechnik.
Es ist interessant zu verfolgen, wie die Entdeckungen
auf dem Gebiete der Kraft- und Arbeitsmaschinen
ınd deren schnelle Weiterentwicklung im 19. Jahraundert
 befruchtend auf die technische Ausgestaltung
und Rationalisierung der Brauerei eingewirkt haben.
Aber die Brauerei hat sich nicht nur die Fortschritte
der Maschinentechnik zunutze gemacht, auch die
Maschinenindustrie wurde umgekehrt von der
Brauerei technisch und vor allem wirtschaftlich gefördert
 und unterstützt. Die besonderen Bedürfnisse
auf manchen Gebieten des Brauwesens haben zu tech-3aischen
 Fortschritten angeregt, die auch anderen In-Jlustrien
 zugute gekommen sind. Neben dieser techıschen
 Seite stellt der Maschinenbedarf der gesamten
 Brauindustrie einen beachtlichen Faktor auf
dem Maschinenmarkt dar. Eine Betrachtung der
inzelnen Arbeitsgebiete der Brauerei soll diese Zusammenhänge
 näher beleuchten. i
Die Voraussetzung zu einer umfassenden industriellen
 Entwicklung aller Gewerbe war eine wirtschaftliche,
 überall aufstellbare Kraftmaschine. Darin
liegt die umwälzende Bedeutung und die rasche Fin-‚ührung
 der Dampfmaschine im 19. Jahrhundert bezründet.
 Die unmittelbare Verwertung der Wasserkräfte
 ist örtlich zu sehr begrenzt, als daß sie in
lieser Zeit die allgemeine industrielle Entwicklung
antscheidend hätte beeinflussen können.
Auch der Ausbau der gewerblichen Braubetriebe
in eine industrielle Form ist eine Folge der Einführung
der Dampfkraft, In Bayern wurde beispielsweise
Jereits im Jahre 1840 die erste Dampfmaschine in
siner Brauerei aufgestellt. Es war von Anfang an
der Umstand günstig, daß bei der Herstellung des
Bieres neben dem Arbeitsbedarf in erheblichem
Maße Wärme benötigt wird. Der Leistungsbedarf
der ersten „Dampfbrauereien“ war im Vergleich zu
den heutigen Anforderungen gering, während der
Wärmeaynfwand für die Krafterzeugung und für den
übrigen Betrieb sicherlich höher gewesen sein wird
als heutzutage.
Die weitere technische Ausgestaltung des Braubefriebes
 hat dieses Verhältnis geradezu umgekehrt.
Die künstliche Kälteerzeugung auf dem heute allgemein
 üblichen Wege mittels Kompressionskältemaschinen.
 deren Erfindung wir Linde zu verdanken

1aben und für deren praktische Erprobung und Auszestaltung
 das Braugewerbe Pionierdienste geleistet
1at, erforderte mit einem Male mindestens eine Verloppelung
 der Betriebskraft. Dazu kam noch eine
ılmähliche, aber stetige Vermehrung der Arbeitsaaschinen,
 wodurch viele beschwerliche menschliche
\rbeit ersetzt wurde, die Leistungsfähigkeit eines
setriebes aber gesteigert und die Herstellungskosten
rniedrigt wurden. Im Gegensatz zu dieser allaählichen
 Vermehrung des Arbeitsbedarfes konnte
ler Wärmeaufwand für die Herstellung des Bieres
nit fortschreitender technischer Ausgestaltung der
Jetriebe bedeutend vermindert werden. Voraus-'reifend
 sei erinnert an die Verbesserung der
'euerungswirkungsgrade, der Isolierungen und an die
1ermische Verbesserung der Wärmekraftmaschinen.
/or allem die Ausnützung des Dampfes nach seiner
ırbeitsleistung im Zylinder der Dampfmaschine zur
leizung der Braupfannen und zur Heißwasser-Tzeugung
 war ein technisch-wirtschaftlicher Fortichritt,
 den sich die Brauindustrie lange vor den
neisten anderen Industriezweigen mit Kraft- und
Närmebedarf zunutze gemacht hat.
Nach dieser kurzen Darstellung des Entwicklungszanges
 sei der heutige
Stand der Kratft- und Wärmewirtschaft in der
Brauerei
yeschildert.
Die Großbetriebe stützen sich in der Regel auf eine
nach dem neuesten Stand der Technik ausgebaute

Dampfkraftanlage,
leren Leistung vielfach an 500 bis 1000 PS heran-'eicht.
 Wegen. des schwankenden Heizdampf-‚edarfes
 werden im allgemeinen zur Dampferzeugung
iroßwasserraumkessel (Flammrohrkessel) bevorugt,
 die wegen ihres großen Wasserinhaltes eine
‚ewisse Dampfspeicherfähigkeit besitzen. Diese
Cesseltype kann aber nur bis etwa 120 m? Heizläche
 wirtschaftlich hergestellt werden. Bei größeren
\usführungen wird der Preis verhältnismäßig hoch,
‚uch die Beförderung durch die Eisenbahn macht
ann wegen des beschränkten Wagenprofils
Schwierigkeiten. Die Dampfmengen für die obens‚enannten
 großen Maschinenleistungen werden des-‚alb
 meist in Wasserrohrkesseln (Schrägrohr- und
steilrohrkessel) erzeugt, die mit Wander- oder
"reppenrosten ausgerüstet sind. Nachdem die Jahre
ler Kohlenknappheit überwunden sind, verwendet
nan in den meisten Betrieben wieder hochwertige
        <pb n="142" />
        NL, 2. Braugewerbe und Maschinenindustrie. _141
Unter den gewöhnlichen Verhältnissen wird in der
3rauerei immer der Kolbendampfmaschine der
Yorzug vor der Dampfturbine gegeben werden.
etztere bietet erst bei Leistungen über 1000 PS wirt-'chaftliche
 Vorteile. Außerdem kann die Dampfırbine
 mit ihrer hohen Drehzahl ihre Leistung nur
N einen unmittelbar gekuppelten elektrischen Stromrzeuger
 (Turbogenerator) abgeben. Die Übertragung
ier Antriebsleistung für die Kältemaschine (Kolben-‚erdichter)
 müßte also auf dem Umweg über den
*romerzeuger und einen Elektromotor erfolgen.
)adurch würde ein erheblicher Verlust entstehen, der
im Antrieb einer mit der Kolbendampfmaschine
mmittelbar gekuppelten Kältemaschine wegfällt,
Die Alleinherrschaft der Dampfmaschine im
3rauereibetrieb ist durch die wirtschaftlichen Verıältnisse
 der Nachkriegszeit und durch die Vervollcxommnanung
 anderer .‚Kraftquellen durchbrochen
vorden. Besonders in kleineren Betrieben gewinnt
ji einer notwendigen Ergänzung der Maschinennlage
 die Frage. Bedeutung, ob sich die hohen
\nlagekosten einer neuen Dampfkraftanlage bezahlt
nachen. In einem solchen Fall ist vielfach die Kraftrzeugung
 durch einen Dieselmotor, der geringere
\nlagekosten erfordert als eine Dampifkraftanlage,
der der Bezug von Fremdstrom aus einem öffentichen
 Elektrizitätswerk. wirtschaftlicher, besönders
’)ei Feuerbetrieb der Braupfanne. Die Entscheidung
larüber muß von Fall zu Fall getroffen werden. Es
st nicht möglich, allgemein gültige Richtlinien über
lie zweckmäßigste Deckung des Leistungsbedarfes
4nes Betriebes anzugeben. Der billige Strompreis
n der Schweiz z. B. hat selbst Großbetriebe verınlaßt,
 ihre modernen Dampfmaschinen stillzusetzen
ınd alle Arbeitsmaschinen elektrisch anzutreiben. In
Jeutschland sind die Strompreise vielfach noch hoch,
ibgesehen davon, daß oft unübersichtliche Stromarife
 die Kosten der Kilowattstunde erst am Schluß
nes Betriebsjahres erkennen lassen. Viele Braue-'eien
 erzeugen deshalb ihre Betriebskraft. durch komıressorlose
 Dieselmotoren, die bei sachkundiger Belienung
 zuverlässig arbeiten. Die reinen Betriebszosten
 dieser Maschinen sind niedrig und bei guter
\usnützung sind auch die auf,die erzeugte Leistungsinheit
 treffenden Besitzkosten mäßig.
Der maschinentechnische Fortschritt in der
3rauerei offenbart sich so recht bei der Berachtung
 der

Köhlensorten. Nur bei ganz günstiger Frachtlage
kann sich die Verheizung minderwertiger Brennstoffe
 noch lohnen.
Die Kohlenstaubfenerung hat in letzter Zeit in
großen Kraftwerken einige Verbreitung gefunden.
Ihre Verwendung im Brauereibetrieb kommt aber in
den nächsten Jahren wenigstens nicht in Frage. Die
Besitz- und Betriebskosten der Mahlanlage für den
Kohlenstaub werden nur bei ganz großen und
stark beanspruchten Anlagen durch den besseren
Feuerungswirkungsgrad hereingebracht. Ebensowenig
 kann die vereinzelt vorgeschlagene und auch
ausgeführte Gasfeuerung besondere Vorteile für den
Brauereibetrieb bringen. Diese Feuerungsart besitzt
nur in den Industriezweigen Verbreitung, wo die Herstellung
 besonders hoher Temperaturen und eine
genaue Regelung der Temperaturen notwendig ist,
wie z. B. bei der Stahlerzeugung.
Der Betriebsdruck der Brauereidampfkessel erfuhr
entsprechend der oben angedeuteten Verschiebung
im Kraft- und Wärmeverbrauch eine allmähliche
Steigerung. Bei der Erzeugung einer Pferdekraftstunde
 durch die Dampfmaschine ist die zur Verfügung
 stehende Abdampfwärme um so geringer, je
höher der Dampfdruck vor der Maschine ist. Ungefähr
 bis zum Jahre 1910 ging man über einen
Kesseldruck von 8 atü in der Brauerei nicht hinaus.
Jetzt werden wohl keine Kessel mehr unter 15 atü
Dampfdruck neu aufgestellt, soweit wenigstens der
Dampf in einer Dampfmaschine vorher Arbeit leisten
soll. In dieser Beziehung ist die Dampikesseltechnik
dem heutigen Bedürfnis in der Brauerei etwas
voraus. Kesseldrücke von 20 bis 40 atü sind nämlich
für reine Kraftwerke die gewöhnlichen Grenzen.
Manche Industrien mit einem Heizdampfbedarf von
hohem Druck verwenden sogar schon Kesseldrücke
bis 100 atü und darüber, um. den Heizdampf vorher
zu einer möglichst großen Arbeitsleistung in einer
Dampfmaschine oder Turbine heranzuziehen. Es besteht
 kaum ein Zweifel, daß die Entwicklung in der
Brauerei bei dem steigenden Arbeitsverbrauch auch
nach dieser Richtung hin erfolgen wird. Eine Großbrauerei
 hat bereits eine Dampfkraftanlage mit etwa
40 atü Kesseldruck in Betrieb genommen.
Die vorherrschende Kraftmaschine in Brauerei-Groß-
 und -Mittelbetrieben ist die Zweizylinder-Verbunddampfmaschine
 mit Kondensation. Aus dem
Aufnehmer wird Zwischendampf von 1 bis 2 atü
Druck zur Heizung der Braupfannen und zur Heißwasserbereitung
 entnommen. Der Dampf aus dem
Niederdruckzylinder wird teils in einem Oberflächenkondensator
 zur Warmwasserbereitung ausgenützt,
teils im Einspritzkondensator niedergeschlagen. In
kleineren Betrieben wird aber auch der Abdampf
einer Einzylinderdampfmaschine zu Heizzwecken
verwendet.

Kraftübertragung einst und jetzt.
“rüher arbeitete die Dampfmaschine auf einer Hauptintriebswelle.
 Von dieser wurden mittels Riemender
 Seiltrieb alle Abteilungen des Betriebes mit
Craft versorgt. Oft mehrere hundert Meter lange
Nellen, zum Teil verbunden mit Winkelrädern, geragen
 von unzähligen Steh- und Hängelagern, kenn-‚eichnen
 die Unwirtschaftlichkeit dieses Verfahrens.
        <pb n="143" />
        Prof. Th. Ganzenmüller, Weihenstephan:
Die Einführung der Elektrizität löst das Problem der
Kraftübertragung innerhalb eines Betriebes in vollkommener
 Weise und so ziemlich alle Brauereien
haben sich heute die Vorteile elektrischer Kraftübertragung
 zunutze gemacht,
Aus dem Maschinenhaus einer neuzeitlich einzerichteten
 Brauerei ist der Riemen ganz verschwunden.
 Die Betriebskraft wird in einem unmittelbar
 auf der Krafttmaschinenwelle sitzenden
Generator in elektrische Form übergeführt und durch
Kabel an die einzelnen Verbrauchsstellen geleitet. Es
besteht nun die Möglichkeit, entweder jede einzelne
Arbeitsmaschine mit einem eigenen Elektromotor anzutreiben
 (Einzelantrieb), oder eine Anzahl nebenananderliegender
 Arbeitsmaschinen durch kurze
Wellen zusammenzufassen und dafür nur einen
Elektromotor vorzusehen (Gruppenantrieb), Der
Einzelantrieb hat sich im Sudhaus restlos durchzesetzt.
 Hier war vor allem der Vorteil maßgebend,
aus dem feuchten Sudhauskeller alle Riementriebe beseitigen
 zu können. Im übrigen sind für die Beurteilung
 beider Verfahren folgende Gesichtspunkte
maßgebend. Der Einzelantrieb erfordert höhere
Anlagekosten, doch kann die Größe des Elektronotors
 dem Leistungsbedarf der Arbeitsmaschine
zut angepaßt werden. Den Gruppenantrieb bevorzugt
 man dort, wo mehrere Arbeitsmaschinen immer
gleichzeitig betrieben werden, z.B. für die Gerstenreinigungsanlage.

An dieser Stelle sei auch die Frage nach der
zweckmäßigen Stromart für eine Brauerei erwähnt.
Die elektrischen Anlagen wufden etwa bis zu dem
Jahre 1910 nur mit Gleichstrom ausgeführt, da
damals die Wechsel- und Drehstromverwendung sich
noch in der ersten Entwicklungsstufe befand. Heute
dagegen wird von den Überlandwerken die Elek-'rizität
 meist in Form von Drehstrom geliefert.
3rauereien, die von früher her eine Gleichstromınlage
 besitzen und ihre Betriebskraft auch heute
ı1och vollständig selbst erzeugen, werden selbstverständlich
 diese Stromart beibehalten, zumal der
Ileichstrom für die Brauerei einige Vorteile besitzt.
Viele Arbeitsmaschinen müssen mit wechselnder
Drehzahl betrieben werden können. Beispiele dafür
sind die Pfannenrührwerke, die Maschine zur Treberlockerung
 und die Bierdruckregler. Bei Gleichstrommotoren
 ist eine feinstufige Drehzahlregulierung
 leicht zu erreichen. Für Drehstrommotoren
wurden erst in letzter Zeit in dieser Hinsicht Fortschritte
 erzielt.
Schwierig wird die Entscheidung über die Stromart
 für einen Betrieb, der bereits eine umfangreiche
Äleichstromanlage besitzt, die eigene Krafterzeugung
aber durch Bezug von Drehstrom aus einem Über-(andwerk
 ergänzen will. Diese Frage ist für sehr
viele Brauereien von Bedeutung und kann auf verschiedenem
 Wege gelöst werden. In den wenigsten

42

*ällen wird eine Brauerei in der Lage sein, mit einem
Aale den bisherigen Gleichstromerzeuger; zahlreiche
HNeichstrommotoren und das ganze Leitungsnetz auf-'ugeben
 und dafür die entsprechenden Drehstrominrichtungen
 anzuschaffen. Meist begnügt man sich
lamit, einzelne, eine größere Leistung erfordernde
\rbeitsmaschinen mit Drehstrommotoren anzureiben,
 wie z. B. einen Ammoniakverdichter, Schrotnühle
 und dergleichen. Der Fremdstromantrieb.
mpfiehlt sich auch für die Arbeitsmaschinen, die beonders
 außerhalb der eigentlichen Betriebszeit in
"ätigkeit treten müssen. Das sind die Darrwender,
lie Süßwasserpumpe u. a. Eine weitere Möglichkeit,
lie eigene Gleichstromanlage durch Drehstromezug
 zu entlasten, ist die Zwischenschaltung eines
5tierenden Umformers oder eines Gileichrichters.
Äjeser Weg ist meist baulich und betrieblich am einıchsten,
 doch nimmt man für den bezogenen Fremd-‚trom
 dauernd 15 bis 25 % Verlust in Kauf. Man
jeht aus diesem Überblick über das an sich neben-Äächliche
 Gebiet der Kraftverteilung, wie sehr Braundustrie
 und Maschinenindustrie zusammenarbeiten
nüssen, um eine befriedigende Lösung technischer
*inrichtungen zu finden.
Einer der wichtigsten Kraftverbraucher in den
neisten größeren Brauereien ist, wie schon erwähnt.

die Kältemaschine.
Diese ist ein unentbehrlicher Bestandteil des Beriebes
 geworden, ja die heutigen Großbetriebe wären
‚hne künstliche Kälteerzeugung nicht denkbar. Man
'ann sagen, daß die deutsche Brauindustrie infolge
hres Bedürfnisses nach einer Sicherung der Kälteersorgung
 nicht zuletzt die führende Stellung
'‚eutschlands in der Kältetechnik mitgeschaffen hat.
Die Vorteile der künstlichen Erzeugung tiefer
"emperaturen kommen heute vielen gewerblichen
betrieben zugute. In chemischen Werken sind beeits
 einige Kältemaschinen mit einer Einzelleistung
on 3 Millionen kcal stündlich aufgestellt worden.
Nenn auch für die Brauerei in der Regel nur Einıeiten
 bis etwa % Million kcal stündlich in Betracht
"ommen, so zählt sie auch heute noch zu den größten
‚ıbnehmern der Kältemaschinenfabriken.
Die künstliche Kälte wird in der Brauerei benötigt
Ür die eigentliche Biererzeugung und zur Herstellung
’»on Kunsteis. Für den ersteren Zweck kann im alls‚emeinen
 keine Steigerung des Kältebedarfes mehr
intreten. Im Gegenteil, durch bessere Isolierung und
Zelegung der Keller mit Großgefäßen wird der Kälte-‚edarf,
 bezogen auf die erzeugte Biermenge, nicht
nwesentlich verringert. Die .Kunsteisherstellung
ier meisten Betriebe hat dagegen in den letzten
'ahren infolge der Ansprüche der Kundschaft beijeutend
 zugenommen. Begreiflicherweise dient
lieses Eis nicht allein zur Kühlhaltung des Bieres bei
len Wirten, sondern unterstützt auch die Auf-
        <pb n="144" />
        IN., 2. Braugewerbe und Maschinenindustrie.
bewahrungsmöglichkeit von Lebensmitteln aller Art.
Pür solche Zwecke wandert das Eis der Brauereien
vielfach in die Eisschränke der Nahrungsmittelzewerbe
 und der Haushaltungen. Die Brauereien
sind in vielen Gegenden die einzigen und unentbehrlichen
 Eislieferanten im Sommer.
Die Ammoniak-Kompressions-Kältemaschine hat
alle anderen Kältemaschinenarten fast restlos verdrängt.
 Die heutigen Ausführungen unterscheiden
sich von den ersten Lindeschen Maschinen grundsätzlich
 wenig. Die Ammoniakverdichter werden mit
liegenden, doppelt wirkenden Zylindern und für eine
mittlere. Drehzahl gebaut, so daß sie mit der Dampfmaschine
 unmittelbar gekuppelt werden können. Die
Wirtschaftlichkeit der neueren Kältemaschinen wird
durch das Arbeiten mit überhitzten Dämpfen im
Druckrohr gesteigert. Die Verflüssigung des
arbeitenden Körpers erfolgt überwiegend in Berieselungskondensatoren.
 Für die Anwendung geschlossener
 Kondensatorbauarten (Tauch- und
Doppelrohrverflüssiger) steht meist die erforderliche
 große Kühlwassermenge nicht zur Verfügung.
Die Kühlung .der Keller kann durch direkte Verdampfung
 des Ammoniaks in den Kühlrohren oder
durch Einschaltung eines Solekreislaufes erfolgen.
Die Sole wird dann in einem Behälter (Verdampfer)
immer wieder rückgekühlt. Wegen der gleichmäßigeren
 Kühlung (Speicherwirkung) wird meist
der Solekühlung der Vorzug gegeben.
Gegenüber den Kälteanlagen in Fisfabriken und
Schlachthäusern dient die Brauereikühlanlage nicht
bloß zur Eisherstellung und Raumkühlung, sondern
meist auch zur Kühlung der Bierwürze ‘mittels
Brunnenwasser (Süßwasser). Es bedeutet eine gewisse
 Erschwerung des Betriebes, daß für diesen
Zweck erhebliche Kältespitzen auftreten, die durch
Kältespeicher in Gestalt von entsprechend großen
Sole- und Süßwasserbehältern ausgeglichen werden
müssen.
Die Einrichtungen zur Überwachung des Kältemaschinenbetriebes
 (Leistungskontroller von Linde
und Glässel, Kontrollapparat von Kastner) gewinnen
auch in Brauereien Verbreitung. Diese Apparate
lassen die jeweilige Kälteleistung erkennen und geben
Aufschluß über die Füllung der Anlage mit Ammoniak
und über die richtige Stellung des Regelventiles.
Neben der eigentlichen Betriebskälteanlage unterhalten
 viele Brauereien noch kleinere Kühlmaschinen
in Bierniederlagen und bei Bierabnehmern. Für diese
Kleinkältemaschinen von etwa 5000 bis 20000 kcal
stündliche Kälteleistung hat sich eine Einheitsbauart
herausgebildet. Der Verdichter besitzt einfach
wirkende, stehende Zylinder, die in einer Reihe angeordnet
 sind. Für solche kleine Anlagen werden
meist nur Doppelrohrverflüssiger verwendet, die
räumlich gut unterzubringen sind.

143

Überblickt man zum Schluß nochmals die Ausührungen
 über die Kraft-, Kälte- und Wärmewirtichaft,
 so erkennt man, daß das Braugewerbe für alle
7ortschritte des Maschinenbaues, soweit sie für die
jesonderen Verhältnisse des Brauereibetriebes in
3etracht kamen, Verständnis gezeigt hat. Es hat
ladurch für die technische und wirtschaftliche Entvicklung
 der Maschinenindustrie und auch zur
zationalisierung des eigenen Betriebes beigetragen.
Nach diesem Abschnitt über die Deckung des
&amp;lt;raft-, Wärme- und Kältebedarfes wird die Bedeutung
 einiger
für den Brauereibetrieb besonders wichtiger
Arbeitsmaschinen -
jehandelt.
Die maschinelle Förderung von Flüssigkeiten war
ine der ersten Aufgaben, zu der die Kraftmaschine
n der Brauerei verwendet wurde. Der heutige
3etrieb benötigt zu den verschiedensten Zwecken
ine große Anzahl von Pumpen für Flüssigkeiten und
‚uft. Manche Sonderbauarten sind dabei durch das
'usammenwirken von Brauerei und Maschinenachnik
 entstanden.
Zur Beschaffung der erheblichen Betriebswassernengen
 besitzen die meisten Brauereien eigene
3runnenanlagen mit den entsprechenden Pumpen
zum Heben des Wassers in die Kaltwasser-»‚ehälter,
 Daneben werden noch weitere Flüssigzeitspumpen
 (Zentrifugalpumpen) gebraucht für
lie Kühlanlage (Kühlwasser-, Sole- und Süßwasserumpen),
 für die Mälzerei, das Sudhaus und
ür die meisten anderen Betriebszweige. Fine
‚esondere Stelle nehmen die Bierpumpen (Druckegler)
 ein, deren Aufgabe es ist, das Bier aus den
‚agergefäßen durch das Bierfilter in den Abfüllpparat
 zu drücken. Dabei sind zwei Umstände zu
weachten. Das Bier muß stoßfrei, in gleichmäßigem
Strom gefördert werden, andernfalls könnte die
3indung der Kohlensäure im Bier gestört werden;
lie Fördermenge muß sich der wechselnden Abfüllnenge
 anpassen. Außerdem nimmt der Filterwider-;tand
 im Verlauf des Abfüllens erheblich zu. Die
ırsten Bierdruckregler waren Kolbenpumpen, bei
ilenen durch besondere Vorrichtungen die Unterrechung
 der Förderung in den Todpunktlagen des
Colbens ausgeglichen wurde. Diese umfangreichen
Aaschinen wurden teils durch Preßluft, teils durch
inen feinstufig regulierbaren Gleichstrommotor bevegt.
 Einen wesentlichen Fortschritt stellt die Anvendung
 der unmittelbar mit einem Elektromotor
rekuppelten Zentrifugalpumpe für diesen Zweck dar.
Die Förderung erfolgt hier. ohne weiteres in einem
rleichmäßigen Strom, ohne daß das Bier durch das
Schaufelrad der Pumpe nachteilig beeinflußt würde,
vie man anfangs vermutete. Zur Überwindung des
z3ilterdruckes von 2 bis 3 atlı genügt meist eine ein-
        <pb n="145" />
        144
stufige Pumpe, die sich von den gewöhnlichen
Wasserpumpen hauptsächlich dadurch unterscheidet,
daß sie wegen der regelmäßigen Reinigung leicht zerlegbar
 sein muß.
Luttpumpen und Ventilatoren sind ebenfalls ein unantbehrlicher
 Bestandteil des Maschinenparkes einer
Brauerei geworden. Preßluft mit etwa 3 atlü Druck
wird benötigt zum Abdrücken der Transportfässer,
ir den Gärkeller und hauptsächlich für die Faß- und
Flaschenabfüller. Die dafür bestimmte Luft muß frei
von Öldämpfen und biologisch einwandfrei sein. Zur
Frzeugung dieser Preßluftmengen werden einstufige
Kolbenverdichter bevorzugt, deren Anschaffungskosten
 zwar höher sind als die von Rotationskompressoren,
 die aber dafür eine höhere Lebens-Jauer
 und einen besseren Wirkungsgrad besitzen.
Kolbenluftpumpen mit verhältnismäßig großer
Leistung. dienen ferner zur Erzeugung des Luftstromes
 für die Luftförderanlagen. Viele Brauereien,
mit denen Mälzereien verbunden sind, benutzen diese
Förderart für die Bewegung der Gerste, des Grünınd
 Darrmalzes. Trotz des hohen Kraftbedarfes
aignet sich eine Luftförderanlage, bei der das Ertassen
 des Gutes, die eigentliche Förderung und das
Abladen in einem Arbeitsgang selbsttätig erfolgt, in
hohem Maße für den Mälzereibetrieb wegen der Freizügigkeit
 im Förderweg. Der in einzelnen Abschnitten
 erfolgte Ausbau vieler Betriebe bringt es
mit sich, daß oft die Gersten- und Malzsilos, die einzelnen
 Tennen und die Darren nicht in organischem
Zusammenhang zueinander liegen. Die daraus entstehenden
 Schwierigkeiten überwindet eine Luftjörderanlage,
 die Schüttgüter über alle praktisch
vorkommenden Entfernungen und Höhenunterschiede
;ördern kann. Solche Anlagen arbeiten entweder mit
Druckluft oder mit Saugluft. Die erstere Betriebsweise
 ist vor allem dort geeignet, wo die Gerste oder
das Malz häufig von einer Stelle aus an verschiedene
Plätze verteilt werden soll. Die Saugluftförderanlage
ist für den umgekehrten Zweck vorzuziehen.
Fs sei noch erwähnt, daß die Brauereien und
Mälzereien außer Luftförderanlagen noch andere,
ortsfeste Transporteinrichtungen benötigen, wie
Lastenaufzüge, Becherwerke, Schnecken u. a.
Nach der Darstellung der wichtigsten Kraftmaschinen
 und allgemeinen Arbeitsmaschinen wird
auf das Gebiet der

Prof. Th. Ganzenmüller, Weihenstephan:
—————

lie größtenteils oder ausschließlich Brauereimaschiaen
 herstellen, ihre Entstehung und Beschäftigung.
Bei der Betrachtung von Brauereieinrichtungen
vird man manchmal finden, daß die Brauereien in
ler Annahme von Neuerungen, die bereits in vervandten
 Industrien Eingang gefunden haben, eine
‚ewisse Zurückhaltung üben. Erinnert sei dabei an
ie Trocknungseinrichtung für das Grünmalz
Darren), an die Frage der Feuer- und Dampfochung,
 an die Würzekühlung (Kühlschiff und Kühlchiffersatz).
 Diese Zurückhaltung gegenüber Ändeangen
 in der brautechnischen Einrichtung findet
.arin ihre Begründung, daß die Beschaffenheit des
indproduktes, des Bieres, oft durch scheinbar unvesentliche
 Umstände bei der Herstellung entcheidend
 beeinflußt werden kann, ganz im Gegenteil
u den Erzeugnissen der übrigen Nahrungsmittel-„dustrie.
 Infolgedessen gehen die meisten Brauer
ur mit einer gewissen Vorsicht an Neuerungen
‚eran, die in den Herstellungsgang des Bieres unnittelbar
 eingreifen.

Jie maschinentechnische Ausgestaltung der Mälzerei
zurde durch das Zusammenarbeiten mit der
Aaschinenindustrie entwickelt und gefördert. Die
Hnrichtungen für die Reinigung und Lagerung der
jerste, die größtenteils von der Mühlenindustrie
ıbernommen wurden, seien an dieser Stelle über-‚angen,
 dagegen die Fortschritte in der Grünmalz-‚sereitung
 etwas näher ausgeführt.
In früheren Zeiten und teilweise auch heute noch
‚folgt die Behandlung der auf der Tenne befindlichen
jerste mit den einfachsten Handgeräten (Schaufel
nd Pflug). Damit wird zugleich die Temperatur,
lie Belüftung und Befeuchtung des Haufens beein-Iußt.
 Diese Betriebsweise erfordert sehr viel Platz
nd menschliche Arbeit. Es setzten deshalb schon
ehr früh Bestrebungen ein, die Behandlung der
jerste während des Keimens zu mechanisieren. Wie
»s bei der Schwierigkeit dieses Gebietes nicht anders
zu erwarten war, gingen diese Versuche haupt-Aächlich
 von seiten der Mälzereifachleute aus. Nach
‚ahlreichen Rückschlägen sind heute diese Betrebungen
 zu einem erfolgreichen Abschluß geführt
vorden. Mehrere Fabriken liefern jetzt mechanischneumatische
 Mälzereien, in denen die gleichen
Nachstumsbedingungen für das Malz hergestellt
verden können wie auf der. Tenne. Das Malz beindet
 sich dabei in eisernen Trommeln oder in genauerten
 Kästen. Das Durchmischen des Grünnalzes
 erfolgt durch Drehen der Trommel oder durch
‚esondere Wender. Mit Hilfe von Ventilatoren kann
‚ach Bedarf Luft durch die Malzschicht geführt
verden, die vorher in besonderen Kammern auf die
srforderliche Temperatur gebracht und mit Feuchtigceit
 gesättigt wird.

vigentlichen Brauereimaschinen

übergegangen. Es ist klar, daß bei dem großen Umiang
 dieses Stoffes nur einzelne Gebiete berührt
werden können, die besonders deutlich den Umfang
der benötigten Einrichtungen und das Zusammenarbeiten
 von deren Verbraucher und Hersteller erkennen
 lassen. Den Bedürfnissen der Brauindustrie
verdankt eine Reihe bedeutender Maschinenfabriken,
        <pb n="146" />
        iM, 2. Braugewerbe und Maschinenindustrie.

145

Zum Abschluß des Mälzungsprozesses wird das
Grünmalz unter Beobachtung bestimmter Temperaturen
 mit einer vorgeschriebenen Geschwindigkeit
 getrocknet. Zu diesem Zweck werden seit jeher
Hordendarren verwendet. Die Verbesserungen derselben
 beschränken sich im allgemeinen auf Einzelheiten,
 z.B. Vermehrung der Horden von zwei auf
drei, Einführung mechanischer Wender, Erleichterung
 des Beladens und Abräumens der Horden. In
dieser Hinsicht stellt die Vertikaldarre einen besonderen
 Fortschritt dar, die trocknungstechnisch
aber genau wie eine gewöhnliche Hordendarre
arbeitet. Die bereits ausgeführten, fortlaufend
arbeitenden Malzdarren haben sich nicht bewährt,
da beim Trocknen des Malzes ein bestimmter Zusammenhang
 zwischen Entfeuchtung und Temperatur
eingehalten werden muß.
Der Mittelpunkt eines jeden Brauereibetriebes ist
das Sudhaus.
Durch die Größe des Sudwerkes wird die größtmögliche
 Erzeugungsmenge eines Betriebes auf lange
Zeit hin festgelegt. Wegen der an sich sehr langen
Lebensdauer einer Sudhauseinrichtung trifft man
auch in großen Betrieben vereinzelt noch alte
Bottiche und Pfannen mit schweren Kettenrührwerken,
 denen man den Ursprung aus einem früheren
technischen Zeitalter anmerkt.
Jetzt legen die Brauereien einen besonderen Wert
auf eine zweckmäßige und schöne Ausgestaltung der
Sudhausneubauten. Dieses Bestreben wird besonders
in einigen ausländischen Brauereibetrieben ersichtlich,
 die wegen des höheren Bierpreises und wegen
geringerer Steuerbelastung wirtschaftlich besser gestellt
 sind als die deutschen Brauereien.
Der vorteilhafte Eindruck moderner Sudhäuser ist
nicht zuletzt bedingt durch die Vereinfachung der
einschlägigen Maschinenanlage. Nach Einführung
der Dampfheizung für die Pfannen und des elektrischen
 Einzelantriebes der Pfannenrührwerke und
Pumpen treten im Sudhaus außer den Oberteilen der
mächtigen Pfannen und Bottiche nur die übersichtlich
angeordneten Bedienungsorgane in Erscheinung, wodurch
 die Bedienung und Sauberkeit des Sudbetriebes
vorteilhaft beeinflußt wird.
Im Aufbau des Sudhauses hat sich seit langer Zeit
wenig geändert, er ist nur verschieden, wenn statt des
Läuterbottichs ein Maischfilter Verwendung findet.
Im Gegensatz dazu haben die Fortschritte der
Technik das Aussehen der

us dem Keller herausnehmen zu müssen. Die Einührung
 der Großgefäße für die Gärung und Lagerung
les Bieres brachte für viele Betriebe eine erwünschte,
‚essere Ausnützung der vorhandenen Kellerräume.
)Jamit ist zugleich eine Verminderung des Kälte-‚ufwandes
 für 1 hl lagerndes Bier verbunden, da um
:o weniger Kälte notwendig ist, je mehr Lagerraum
n einem Keller untergebracht werden kann.
Die Gärbottiche und Lagerfässer aus Holz, die
ıuufend hohe Aufwendungen für Unterhaltung be-'nspruchen,
 werden allmählich ersetzt durch Gefäße
us Stahl, Aluminium und Eisenbeton, die ein Vielaaches
 der früheren Holzbehälter fassen. Der beriedigenden
 Lösung dieser Frage gingen langjährige
Jersuche und zahlreiche Fehlschläge voraus. Zuerst
‚ersuchte man es mit Gefäßen aus Stahlblech, die
anen mit einem Sonderanstrich zum Schutz des
3ieres vor Berührung mit dem Eisen versehen
varen. Dieser Anstrich war wenig zuverlässig und
außte oft erneuert werden. Im Emaille ist jetzt ein
‚eeigneter Überzug für Eisengefäße gefunden. Auch
lie Anwendung von Aluminium hatte anfangs mit
ichwierigkeiten zu kämpfen. Das Aluminium muß
inen sehr hohen Reinheitsgrad besitzen, andernfalls
-önnen schädliche Korrosionserscheinungen aufzeten.
 In neuester Zeit wurde im nichtrostenden
“ruppstahl ein idealer Baustoff für Brauereigefäße
refunden, dessen Preis aber noch hoch ist.
Bis jetzt hat noch keiner der erwähnten Baustoffe
ür Großgär- und Lagergefäße entscheidende Vorsile
 vor den anderen aufzuweisen. Die Urteile über
lie Eigenschaften der einzelnen Bauarten lauten
ıicht einheitlich, was wohl auf die unterschiedliche
);ehandlung und die verschiedenartigen Ansprüche in
:en einzelnen Betrieben zurückzuführen ist. Da es
ich bei der Anschaffung von Gärgefäßen und Lageranks
 um ziemlich hohe Ausgaben handelt, spielt der
’reisunterschied bei den einzelnen Ausführungen für
iele Brauereien eine wesentliche Rolle.
Mit der Betrachtung des Ausstoßes des fertigen
3ieres in

Versandfässern und Flaschen
c&amp;lt;ommt man auf ein Gebiet, das wohl die meisten
Sondermaschinen aufweist. Da von der Behandlung
ler Versandfässer und Flaschen die Beschaffenheit
jes Bieres in den Händen des Verbrauchers wesentich
 abhängt, bringen die Brauereien den Neuerungen
ıuf diesem Gebiet erhöhte Aufmerksamkeit entvzegen.
 Auch können die Herstellungskosten durch
;traffe Rationalisierung beim Bierausstoß sehr herabzedrückt
 werden. Fließarbeit war hier schon lange
blich, bevor dieses Wort in aller Mund kam.
Der größte Teil des Bieres verläßt in hölzernen
“ersandfässern den Betrieb. Deren Füllung erfolgt
elbsttätig durch einen mit Druckausgleich arbeiten-Gär-

 und Lagerkeller
wesentlich verändert. Die Größe der Gärbottiche
und Lagerfässer aus Holz ist beschränkt durch die
Forderung, die Gefäße nach einem Zeitraum von ein
bis zwei Jahren zum Neubepichen der Innenfläche

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="147" />
        46 Prof. Th. Ganzenmüller, Weihenstephan:
den Apparat. Die Behandlung der zurückkommenden
Fässer vor ihrer Wiederverwendung erforderte
irüher erhebliche Handarbeit, die jetzt durch entsprechende
 Maschinen betriebssicher und zuverlässig
zeleistet wird. Die Reihe der dazu notwendigen
Arbeitsmaschinen, bestehend aus der Sselbsttätigen
Faßwaschmaschine, der Reifenpresse, der Maschine
zur Prüfung der Dichtheit, wurde ergänzt durch die
selbsttätige Pichmaschine. Das Pichen der Fässer
war früher eine Quelle von Unzuträglichkeiten und
auch Gefahren, die durch die Einführung einer entsprechenden
 Maschine ausgeschaltet wurden. Gerade
 bei diesem Arbeitsgang zeigt sich deutlich, wie
sehr eine Maschine, mit den notwendigen Meßinstrumenten
 ausgestattet, in bezug auf Gleichmäßigzeit
 der Leistung der Handarbeit überlegen ist.
Eine große Anzahl von Maschinenfabriken liefert
ler Brauindustrie die notwendigen Apparate zum
Reinigen und Abfüllen der _ Bierflaschen. Der
steigende Verbrauch von Flaschenbier zwingt immer
mehr zu einem Ausbau dieser Betriebsabteilung. Das
Reinigen der Flaschen erfolgte bis vor kurzem allzemein
 durch Menschenhand in mehreren Arbeitszängen.
 Es wird die im Innern der Flasche vorhandene
 Schmutzschicht zunächst durch längeres
Weichen mit warmem Wasser gelockert, dann durch
Bearbeiten mit einer Bürste mechanisch entfernt.
Zum Schluß werden die noch an der Flasche haftenden
 Reste und das Schmutzwasser durch Ausspritzen
 mit reinem Wasser ausgespült. Die Außenreinigung
 der Flasche vollzieht sich gleichzeitig auf
lieselbe Art.
Diese Behandlungsweise erfordert nicht nur hohe
Lohnaufwendungen, es ist auch der erzielte Reinigungsgrad
 der Flaschen von der Zuverlässigkeit des
3Zedienungspersonals abhängig.
In neuester Zeit wendet man die selbsttfätigen
bürstenlosen Reinigungsmaschinen an, bei denen die
volle Reinigung nur durch Ausspritzen erreicht wird.
Auf dem Wege durch die Maschine wird das Innere
ler Flaschen zehn- bis fünfzigmal etwa je eine
Viertelminute lang nacheinander mit warmem
Wasser, mit heißer Lauge, zum Schluß wieder mit
warmem und kaltem Wasser ausgespritzt. Die
Wasser- und Laugestrahlen werden durch Pumpen
mit 2—3 atü Druck erzeugt. Durch diese Behandung
 wird die Schmutzschicht in der Flasche aufzeweicht
 und gleichzeitig durch den scharfen Strahl
weggescheuert. An Pumpenleistung kann wahrscheinlich
 gespart werden, wenn am Anfang der
Reinigung eine Weichzeit eingeschaltet wird, wie es
bei manchen Bauarten der Fall ist. Mit der längeren
Behandlungszeit der Flaschen in der Maschine wird
diese umfangreicher und deshalb teurer, so daß die
Einschaltung einer Weiche in den Reinigungsgang
die Betriebskosten zwar vermindert, die Besitzkosten
aber vergrößert.

Es gibt eine Reihe bürstenloser Flaschenreini-‚ungsmaschinen
 verschiedener Bauart, die.ihre Aufrabe
 zur vollen Zufriedenheit der Besitzer erfüllen,
llerdings unter bedeutendem Kraftaufwand für die
'umpen. Dafür benötigt aber die ältere Art der
'laschenreinigung mit gesonderter Weiche, Bürstnäschine
 und Spritzapparat erheblich mehr Belienung,
 so daß die bürstenlosen Flaschenreinigungsnaschinen
 jetzt schon am Anfang ihrer Entwicklung
lie gegebenen Maschinen für den Großbetrieb sind.
Die Brauerei verfügte von jeher über, einen beıchtlichen

Fuhrpark
zur Verteilung der erzeugten Biermengen an die Abıehmer
 und zur Anfuhr der Rohstoffe und Betriebsnittel.
 An Stelle der tierisch bewegten Fahrzeuge
st ein umfangreicher Lastwagenpark getreten, der
lie Betriebe finanziell stark belastet. Das Hauptbsatzgebiet
 der meisten Brauereien liegt in der Um-‚ebung.
 Dazu kommt noch, daß sehr viele Groß-‚etriebe
 mit größerem Exportabsatz keinen Gileisınschluß
 besitzen. Dies hängt mit dem größtenteils
‚ohen Alter. der Brauereien zusammen. Bei deren
jründung waren natürlich die heutigen verkehrsvirtschaftlichen
 Fragen noch nicht zu übersehen,
lie bei der Auswahl eines Platzes für einen Industrieetrieb
 in Frage kommen.
Die Brauereien lassen sich bei der Ausgestaltung
ares. Fuhrparkes durchaus von wirtschaftlichen‘ Ge-;ichtspunkten
 leiten. Das Pferdegespann ist deshalb
ıoch nicht restlos vom Lastauto verdrängt worden
ınd behauptet im Ortsverkehr für bestimmte Zwecke
ınd vor allem in Betrieben mit angegliederter Landvirtschaft
 seine Stellung. Anderseits bedienen sich
lie Brauereien auch der neuesten Schöpfungen des
‚astwagenbaues, zum Teil in Sonderausführungen,
velche die vielgestaltigen Aufgaben des Transportvesens
 eines Brauereibetriebes verlangen. Nebenbei
ei erwähnt, daß die Brauereien als Hersteller einer
Aarkenware auf das äußere Aussehen ihrer Fahr-‚uge
 Wert legen müssen, wie es auch früher in den
‚rächtigen ‘ Pferdegespannen zum Ausdruck gezommen
 ist.
Der gewöhnliche 3- bis 5-Tonnenwagen mit offener
3rücke dient vorzugsweise zur Anfuhr der Betriebsnittel
 und zur Beförderung des Bieres an größere
\bnehmer in weiterer Entfernung vom Betrieb. Für
üe Versorgung der Stadtkundschaft dienen neben
ferdefuhrwagen besonders Elektrofahrzeuge mit
twa 3 t Nutzlast. Deren Fahrbereich mit einer
Zatterieladung beträgt 60—80 km, was bei der Vervendung
 im Stadtverkehr mit den vielen Pausen
um Beladen und Entladen vollauf genügt. Die Be
riebskosten der Wagen mit elektrischem Antrieb
ind bedeutend geringer als die Betriebskosten von
/erbrennungskraftwagen.
        <pb n="148" />
        HL, 2. Braugewerbe und Maschinenindustrie,

47

Zur Verteilung des Flaschenbieres benutzen die
Großbrauereien Lastwagen mit Sonderaufbauten und
meist mit elektrischem Antrieb, soweit keine
größeren Fahrstrecken zurückzulegen sind. Bei der
Einführung der Lastwagen mit Dieselmotor, die bis
70 % geringere Brennstoffkosten aufweisen gegenüber
 Wagen mit Benzinmotor, waren auch Brauereien
von Anfang an beteiligt. Neben Lastwagen mit
Eigenantrieb besteht auch für Schleppfahrzeuge, sowohl
 mit Verbrennungsmotor als auch mit elektrischem
 Antrieb Verwendung. Es können dann
bereits vorhandene, bisher durch Tiere. gezogene
Spezialwagen motorisch bewegt werden.
Nachdem an Vorstehendem in Beispielen gezeigt
wurde, welche technische Aufgaben die Brauerei der
Maschinenindustrie stellt, und wie umfangreich der
Bedarf eines neuzeitlichen Brauereibetriebes an
Maschinen aller Art ist, sollen zum Schluß noch
einige Bemerkungen über

Maschinen, die an mehreren Stellen verwendbar
ind, z.B. bei Elektromotoren und Flüssigkeitspumpen.
In der Jetztzeit ergibt sich meist die Notwendig--eit
 einer Ergänzung der maschinentechnischen Einıchtungen
 infolge ungenügender Leistungsfähigkeit
‚er vorhandenen Anlage. Während der Kriegs- und
Jachkriegszeit ging die Biererzeugung stark zurück
ınd aus wirtschaftlichen Gründen mußten viele Beriebe
 zusammengelegt werden.
Die Biererzeugung mehrerer stillgelegter Betriebe
ıbernahm ein damals besonders leistungsfähiger Betrieb.
 Infolge der Steigerung des Bierabsatzes in den
etzten Jahren mußten dann vielfach die nach der Zuammenlegung
 übriggebliebenen Brauereien auUsrebaut
 werden.
Ein weiterer Grund zum vorzeitigen Aufgeben
iner maschinentechnischen Einrichtung ergibt sich,
venn derart verbesserte Maschinen auf den Markt
sommen, daß durch die Betriebskostenersparnisse
regenüber der vorhandenen Anlage die Kosten der
Veuanschaffung in absehbarer Zeit hereingebracht
verden. Dieser Fall tritt bei den Kraftmaschinen
nd bei sämtlichen Brauereimaschinen häufig ein.
Man ersieht daraus, daß der Maschinenabsatz an
lie Brauindustrie in den letzten Jahren bedeutend
var, und daß er auch in Zukunft Hand in Hand mit
len Fortschritten der Maschinentechnik geht.

die Gesichtspunkte bei der Erneuerung und
Ergänzung des Maschinenparkes
folgen.
Die wenigsten Maschinenarten müssen erst dann
ausgeschieden werden, wenn sie infolge. natürlicher
Abnützung unbrauchbar geworden sind. Am häufigsten
 trifft dies zu bei Dampfkesseln und bei den
        <pb n="149" />
        3. Das Gast- und Schankstättengewerbe.
Von Dr. Werner Feilchenfeld, Syndikus der Industrie- und Handelskammer zu Berlin.

Daß das Braugewerbe mit der Entwicklung des
Gast- und Schankstättengewerbes (nachfolgend kurz
Gastwirtsgewerbe genannt) auf das engste verbunden
ist, bedarf keiner tiefgründigen Erläuterung. Die
Verflechtung zeigt sich volkswirtschaftlich in drei
Formen:
Die Brauerei als Selbstunternehmer,
?. Die Brauerei als Warenlieferant,
3. Die Brauerei als Geldgeber.
Die erste Form, daß die Brauerei selbst als Gastwirt
 auftritt, erreicht in ihrer volkswirtschaftlichen
Bedeutung bzw. der finanziellen Tragweite relativ
den geringsten Umfang. Wenn auch die Einrichtung
von Gastwirtschaften durch Brauereien und mit dem
Namen der Brauerei in großen Städten und besonders
in den süddeutschen Bierverbrauchsgebieten eine
häufige und gewohnte Erscheinung ist, so ist doch
naturgemäß der Bierverbrauch an diesen Stellen nur
ein verschwindender Bruchteil zum Gesamtverbrauch,
dessen wesentlichster Teil von den übrigen Gaststätten
 bestritten wird. Hierbei betätigt sich dann
das Braugewerbe sowohl als Lieferant von Bier als
auch als Geldgeber des Gastwirtes. Der Gastwirt
erhält nicht nur Kredite, sondern auch Schankeinrichtung,
 Firmenschilder usw. Eine ähnliche Entwicklung
 finden wir in einem anderen Genußmittelgewerbe,
 dem. Kleinhandel mit Tabakwaren, der
ebenfalls in der äußeren Firmierung die Namen der
von ihm besonders vertriebenen Fabrikmarken,
neistens der Zigarettenindustrie, führt und diese
Ausstattung von dem Lieferanten der Tabakwaren
erhält. Welchen Umfang die Investitionen des Braugewerbes
 bei den Gastwirten, und zwar im Regelfall
den kleinen Gastwirtschaften, erreicht haben, zeigt
eine Äußerung in dem Wirtschaftsbericht des
53. Deutschen Gastwirtstages vom September 1928,
der die Verschuldung des Gastwirtsgewerbes an die
Brauereien auf 20 RM. pro Hektoliter schätzt und von
einer Abhängigkeit von 90% aller Wirte spricht.
Trifft dies zu, so würde bei einer Bierausstoßziffer
von rund 55 Mill. hl für 1927 ein Kapital von mehr als
einer Milliarde von seiten der Brauereien dem Gastwirtsgewerbe
 zur Verfügung gestellt sein. Legt man
dies auf die rund 250 000 Gastwirtsbetriebe der amtlichen
 Zählung von 1925 um, so steckt im Durchschnitt
 aller 40000 RM. Kapital des Braugewerbes
in jedem Gastwirtsbetrieb. Berücksichtigt man
ferner, daß die Kredite im wesentlichen den reinen
Schankstätten kleineren Umfanges gewährt werden,
die 1925 die Zahl von 240 000 erreicht hat, so ergibt
sich sogar noch eine entsprechende Erhöhung der

Summe von 40000 RM. Daß wirklich der Kapitalanteil
(es Braugewerbes die Gesamthöhe von einer Milliarde
ıder den Einzelbetrag von 40 000 RM. pro Gastwirtichaft
 umfaßt, ist unwahrscheinlich. Die Angabe der
Verschuldung von 20 RM. pro Hektoliter wird desıalb
 etwas zu hoch gegriffen sein. Unbestreitbar ist
ıber, daß im Gastwirtsgewerbe, und zwar besonders
ji den kleinen Gastwirtschaften, allgemein die
3rauerei die Stelle des Geldgebers vertritt und daß
jeraus neben den sonstigen Wechselbeziehungen
ine kapitalmäßige Verflechtung der beiden Gewerbe-‚weige
 eingetreten ist, die zu einer Verschärfung der
‚egenseitigen Abhängigkeit geführt hat. Die gegenvärtige
 und die zukünftige Lage des Gastwirts-‚ewerbes,
 die nachfolgend geschildert werden soll,
‚ewährt deshalb in wesentlichem Umfang auch ein
jegenwarts- oder Zukunftsbild des Braugewerbes.

. Die gegenwärtige Stellung des Gastwirtsgewerbes
in der deutschen Volkswirtschaft.
Die Grundlage für Untersuchungen über die volksvirtschaftliche
 Bedeutung einzelner Gewerbezweige
ilden zur Zeit die 1927 veröffentlichten Ergebnisse
ler amtlichen Betriebsstatistik von 1925, die für das
lastwirtsgewerbe von Glücksmann in seinem Aufsatz
Das deutsche Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe“
Jahrbücher der Nationalökonomie 1928, Seite 740 ff.)
.nschaulich zusammengestellt worden sind. Das
Statistische Reichsamt gliedert in seinen Statistiken
jen Begriff „Gast- und Schankstättengewerbe“ in:
Gasthöfe, .
Pensionen und Heime,
Kaffeehäuser,
Kabarette usw.,
Schankwirtschaften,
Mittagstische und Wirtschaften.

!, Zahl der Betriebe und beschäftigten Personen.
Auf Grund dieser Einteilung ergibt sich für das geamte
 Gewerbe nachfolgendes Bild der Betriebszahl
‚nd der beschäftigten Arbeitnehmer.
Gegenüber der letzten Betriebszählung vom
ahre 1907 bedeutet die Gesamtzahl der Betriebe
255918) unter Berücksichtigung der durch den
‘riedensvertrag abgetretenen Gebiete einen Rück-‚ang
 um 5,2 %. Bemerkenswert ist ferner gerade
m Verhältnis zum Braugewerbe die schon obenervähnte
 hohe Zahl der Schankwirtschaften, die
3,71 % der Betriebe und 55,94 % der beschäftigten
ırbeitnehmer umfassen. Die Angabe. daß bei diesen
        <pb n="150" />
        IL, 3. Das Gast- und Schankstättengewerbe.
A}

149

Gewerbearten

Nieder- | 0/ | Zahl der | 9%
‚assungen 9 Ibesch. Männer! 9

Zahl der |
| besch, Frauen

-
/9

--f 1 Betrieb lauf 1000 Pers,
Personen Betriebe

QastlÖöfe ss. .iu0.0404. 040000
Pensionen und Heime, Kaffeehäuser.
Kabarette SW. .....000000000000000
Schankwirtschaften .............0..0+
Mittagstische und Wirtschaften ......
Insgesamt ... sekz um

42570 16,65 79 534 28,28 ı
41287 16,18 9 882 8,50
266 0,10 3878 | 1,20
163039 68,71 1738974 61,90
5114 - 1,99 _2867 * 1,09
255.918 | 100 | 281181 ‚100 |

117970 27,18
67042 15,41
2404 9,55
2966835 | 52,11
8024 | 185
434915 | 100

4,64
1,86
21,71
2,46
213

215,54
536,72
46,05
406,98
469,56
7,80 | 357,88

Betrieben durchschnittlich 2,46 Personen Beschäftigung
 haben, zeigt schon, daß das Gewerbe im wesentlichen
 ein „Kleingewerbe‘“ ist. Vergleicht man in
Anlehnung an das Einteilungssystem des Statistischen
Reichsamtes die Betriebe bis fünf Personen (Kleinbetrieb)
 mit denjenigen bis 50 (Mittelbetrieb) oder
über 50 beschäftigten Personen (Großbetrieb), so
ergeben sich bei 255918 Gast- und Schankstätten
240411 Klein-, 18140 Mittel- und nur 566 Großbetriebe.
 Belegt wird dies für das gesamte Gewerbe
und die dort beschäftigten Personen noch durch
[olgende Statistik:
Verhältnis der Betriebsgrößen und der beschäftigten Personen im
Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe (in % 0).

Bezeichnend für die Verflechtung von Gastwirtsind
 Braugewerbe ist ferner das nachfolgende Verıältnis
 der Gliederung der oben in der Personen-‚attung
 „Selbständige“ zusammengefaßten Berufsätigen
 in Eigentümer, Pächter und leitende
\ngestellte : ;
3igentümer .... ., . 161816=83,0 %
”)ächter ...... 1. 28221= 14,5 %
eitende Angestellte. . 4824= 2,5%

Von diesen drei Ziffern belegt die hohe Zahl der
n Betrieb tätigen Eigentümer wieder den erheblichen
Jmfang des kapitalschwachen Kleinbetriebes. Sowohl
liese Gaststätten als auch besonders die 28221
7achtbetriebe werden als in enger betriebswirtschafticher
 und finanzieller Verbindung mit den Brauereien
;tehend erachtet werden müssen. Bei den Pachtjetrieben
 wird meistens die Brauerei der Verpächter
:ein. Von Interesse ist schließlich noch in der Kette
lieser statistischen Beweise für die Struktur des
jastwirtsgewerbes, daß es in vielen Fällen kleiner
jetriebe nicht einmal als alleinige Erwerbsquelle
auptberuflich geführt werden konnte, sondern der
igentümer gleichzeitig einen anderen Gewerbeetrieb,
 sei es Landwirtschaft, Fleischerei, Bäckerei
'sw. unterhielt. So gab es 1925 im Vergleich zu
94861 Gastwirten im Hauptberufe noch 95 832 Gastvirte
 im Nebenberuf.

Jahr

Kleinbetriebe
setriebe | Personen

Mittelbetriebe
Zetriebe | Personen

Großbetriebe
Betriebe | Personen

1882 .......
1895 0.0.0000
L907 2000004
1925 2000000)

96,55 80,92
94,09 74,62
94,45 | 78,16
92,74 | 63,78

3,44 218,68 0,01 0,45
5,83 24,10 0,08 | 1,28
6,48 | 24,18 ; 0,07 2,66
7,00 | 28,10 | 0,26 | 8.12

Trotz des Rückganges der Kleinbetriebe seit 1882
um 3,79% sind immer noch 240411 Betriebe
=092,74 % der Gesamtzahl Gast- oder Schankstätten
mit höchstens fünf tätigen Personen. Dies Bild ist
aber noch insofern falsch, als bei vielen dieser Betriebe
 überhaupt nur Familienmitglieder tätig sind.
Nach der amtlichen Berufszählung von 1925, deren
Ziffern aus bestimmten Gründen mit der Personenzahlstatistik
 der Betriebszählung nicht übereinstimmen,
 ist folgende Verteilung der Berufstätigen
im Gast- und Schankstättengewerbe zu beobachten:
davon
weiblich

2. Das investierte Kapital.
Für die Erfassung des von der Volkswirtschaft im
jastwirtsgewerbe investierten Kapitals stehen
jaturgemäß nur die Grund- und Stammkapitalsziffern
ler in Form einer Kapitalgesellschaft betriebenen
Jnternehmungen zur Verfügung. Daß diese Zahlen
ber für allgemeine Schlußfolgerungen völlig irreührend
 sind, beweist schon die Angabe, daß es 1925
67 Aktiengesellschaften des Gastwirtsgewerbes mit
‚usammen nur 106,7 Mill. RM. gab. Ende 1926 stieg
'iese Zahl auf 169, Ende 1927 auf 170 Gesellschaften.
[ieran sind die reinen Verpflegungsstätten nur wenig
eteiligt, dagegen im wesentlichen die großen Hotels.
’s ist auch nicht verwunderlich, daß die Form der
apitalgesellschaft im Gastwirtsgewerbe so verschwindend
 selten erscheint, wenn man sich verregenwärtigt,
 daß 92,74 % aller Unternehmungen
ies Gewerbes Kleinbetriebe mit höchstens fünf be-Selbständige

 .. ..
Angestellte ... ve.
Arbeiter........- FRRRNMEEG
Mithelfende Familienangehörige

194 861
78 364
246 564
150 838

29,00
11,70
36,80
22,50

63 297
33 623
143 644
137 427

| 670627 | 100,00 | 377 991

Also 22% % aller tätigen Personen waren unbezahlte
 Familienmitglieder, zu denen die weiblichen
Personen das Hauptkontingent stellten. Der Anteil
der erwerbstätigen Frauen ist mit. 67,2% am
stärksten in Süddeutschland, wo die Beschäftigung
der Kellnerin der Regelfall ist, bei dem geringsten
Stand aber immer noch 552 %.
        <pb n="151" />
        t50 Dr. Werner Feilchenfeld, Berlin:
schäftigten Personen sind, die besten Falles als hanlelsgerichtlich
 eingetragene Einzelfirmen bestehen.
Einen anderen Anhaltspunkt bietet die Umsatzsteuerstatistik,
 aus der wenigstens die Höhe des umzeschlagenen
 Kapitals ersichtlich ist. Nach einer
Statistik aus 1927 haben 206 106 Betriebe des Gastwirtsgewerbes
 2,7 Milliarden RM. im Jahre umgesetzt
 und rund 20 Millionen Umsatzsteuer entrichtet.
 Für die Gesamtheit der 255918 Betriebe
wird die Umsatzsteuer auf 25 Millionen RM.
geschätzt.
3. Die Rentabilität des Gastwirtsgewerbes.
Die Frage der gegenwärtigen Rentabilität des Gastwirtsgewerbes
 wird in den verschiedenen Teilen
dieses Gewerbezweiges nicht einheitlich sein. Für
die Kleinbetriebe liegen statistische Unterlagen naturzemäß
 nicht vor. Gegen das Vorhandensein einer
zesunden Prosperität spricht aber im allgemeinen die
zroße Anzahl der Zwergbetriebe, der hohe Anteil an
beschäftigten Familienmitgliedern sowie die von den
Gastwirten beklagte hohe Verschuldung an die
Brauereien, alles sichere Anzeichen dafür, daß der
Betrieb nur schwer seinen Inhaber ernährt.
Für größere Betriebe des Hotelgewerbes scheint
die Lage aber nicht besser zu liegen. In der Untersuchung
 von Kretzschmer („Gewinn- und Verlustrechnungen
 deutscher Hotel-Aktiengesellschaiten“‘,
Deutsche Hotel-Nachrichten Nr. 71/1928) wird für
10 Aktienunternehmungen des Hotelgewerbes nachzewiesen,
 daß sich in den Jahren 1924 bis 1926
36 bis 38 Gesellschaften nicht in der Lage sahen,
Dividenden auswerfen zu können. Bei weiteren 35 Gesellschaften,
 die noch aus der Vorkriegszeit
stammten, gaben nur 10 bis 14 Gesellschaften
Dividende, und zwar zwischen 3 bis 12 %. Dagegen
mußten auch bei diesen alten Betrieben 21 bis 25 Gesellschaften
 in den drei Jahren dividendenlos bleiben.
Einen bemerkenswerten Beitrag zu dieser Frage
‚‚jefert der ausgezeichnete Vortrag des bekannten
3adener Hoteliers Alfred Brenner anläßlich der
8, Hauptversammlung des Reichsverbandes der deutschen
 Hoteliers in Baden-Baden im September 1928.
3renner ist der Ansicht, daß die wirtschaftliche Lage
des Hotelgewerbes schon vor dem Kriege nur eine
sehr geringe Verzinsung des investierten Kapitals gestattete.
 Nach Kriegsschluß brachten dann Inflationsiolgen
 und die Arbeitszeitgesetzgebung eine weitere
30 erhebliche Verschlechterung der Rentabilität, daß
mit stillschweigender Duldung die Arbeitszeitjestimmungen
 bei den mittleren und kleinen Hotels
nicht eingehalten wurden, da sonst die Betriebe geschlossen
 hätten. Die Höhe der zu allem noch auförlegten
 steuerlichen Lasten beziffert
Brenner in den von ihm untersuchten Hotels auf
14 % gegen 600 % im Jahre 1913. Die Steuern er-"orderten
 in mittleren Saisonhotels mit einem

’ersionspreis von 9 bis 14 RM. allein 2 bis 3 RM., in
‚roßen Saisonhotels sogar 4,50 bis 6 RM. und in den
iroßstadthotels 2,50 bis 3 RM. Letztere stehen sich
vegen der höheren durchschnittlichen Besetzungsuote
 besser. Ein Vergleich mit gleichartigen
ichweizer Hotels zeigt, daß in Deutschland der Anteil
ler Steuern am Umsatz 8 bis 12 % beträgt gegen
26 bis 4,7% in der Schweiz. Man kann deshalb
brenner darin beipflichten, daß die wirtschaftliche
„age des Hotelgewerbes besorgniserregend ist und
m Regelfall keine Verzinsung des investierten
Capitals gestattet. Das gleiche dürfte auch für die
Mehrzahl der reinen Schankstätten durch die obigen
%7eststellungen erwiesen sein.

I. Die Zukunitsaussichten des Gastwirtsgewerbes.
Wie sind nun gegenüber dieser schlechten Lage
ies Gastwirtsgewerbes die zukünftigen Aussichten!
3ine Besserung des gegenwärtigen Zustandes kann
n. E. nur durch ein Zusammenwirken aller nacholgenden
 Faktoren überhaupt hervorgebracht
verden:
1. Lockerung des Druckes von behördlichen
Vorschriften und Abgaben,
2. Förderung des Fremdenverkehrs,
3. Verbilligung der Zinssätze des Leihkapitals.

Eine Aufzählung aller behördlichen Vorschriften,
velche— von den Schankkonzessionen angefangen—
‚as Gastwirtsgewerbe belasten, erübrigt sich an dieser
xtelle,. Das Gewerbe steht, wie Glücksmann in dem
istorischen Teil seines Werkes über das Gaststättenvesen
 (Stuttgart 1927) zeigt, vom Beginn seiner Enttehung
 an. unter der behördlichen Bevormundung.
m Zeitalter moderner Aufklärung und Fürsorge ist
jerzu der Kampf der Alkoholgegner gekommen,
lie im Interesse einer Erhöhung der Volks-‚esundheit
 die Trockenlegung Deutschlands ertreben.
 Als Etappe hierzu wurde auch bei uns zuächst
 das Gemeindebestimmungsrecht vorgechlagen,
 das mit der Begründung lokaler Einfluß-:ahme
 des einzelnen zur Entscheidung der Alkoholrage
 einer partiellen Einführung der Trockenlegung
len Weg ebnen sollte. Welche volkswirtschaftlichen
*olgen sowohl das Gemeindebestimmungsrecht als
uch die völlige Trockenlegung für das gesamte
jastwirtsgewerbe und die mit ihm verbundenen Geverbezweige
 herbeiführen würde, ist so oft erörtert
vorden, daß eine Wiederholung unnötig ist. Es sei
‚ur darauf hingewiesen, daß das schon vielfach zeitveise
 überwiegende Verhältnis der Kleinbetriebe
92,7 %) den verbotenen Ausschank von Alkohol
selbstverständlich dann zu teueren Preisen bei
chlechter Qualität, wie in allen Prohibitionsländern)
‚anz besonders begünstigen würde, da nur der Großıder
 Mittelbetrieb wirksam überwacht werden kann.
        <pb n="152" />
        HL, 3. Das Gast- und Schankstättengewerbe,
Aber auch abgesehen von diesen Lebensfragen
bleibt das Gastwirtsgewerbe noch mit einer derartigen
 Fülle von behördlichen Vorschriften und
Steuern belastet, daß die Rentabilität auch ertragreicherer
 Gewerbezweige hiervon erschüttert werden
könnte. Die Zukunft wird und muß‘ hierin einen
Wandel schaffen und unter den behördlichen Überwachungsvorschriften
 und Sondersteuern des Gewerbes
 aufräumen, da sonst das Gastwirtsgewerbe
immer mehr stagnieren und zurückgehen wird.
Eine Förderung des Fremdenverkehrs anzustreben,
ist das gebotene Interesse des Gastwirtsgewerbes.
Sie kann von seiten des Gewerbes sowohl
durch eine Verbilligung des Pensions- und Logierpreises
 als auch durch Erhöhung des vorhandenen
Komforts erreicht werden. Daß hierzu nach unseren
obigen Feststellungen wenig Finanzkraft vorhanden
ist, wird für die Allgemeinheit unbedingt bejaht
werden müssen. Die Hebung des Fremdenverkehrs
wird deshalb in der Zukunft mehr von der Verbesserung
 und Verbilligung der Fahrt- und Verkehrsmöglichkeiten
 durch Eisenbahn und Kraltwagen zu
erwarten sein, die besonders den Saisonbetrieben
in kleineren Orten schon einen erheblichen Aufschwung
 der Frequenz gebracht haben. Angesichts
der durch die Gesamtlage erzwungenen Preispolitik
des Gastwirtsgewerbes wird aber eine entscheidende
Besserung letzten Endes nur durch ein Steigen der
Kaufkraft der Verbraucher erfolgen können, die zu
erhöhtem Verbrauch von Getränken und vermehrter
Reisetätigkeit führen würde. Daß diese aber bei einer
so kapitalarmen Wirtschaft nur langsam eintreten
wird, ist unzweifelhaft. Die Zukunftsprognose des
deutschen Gastwirtsgewerbes ist deshalb auch bezüglich
 der Besserung aus Hebung des Fremden-151


zerkehrs nicht so rosig. Es fehlt sogar mehr als in
ıllen sonstigen Wirtschaitszweigen der ersehnte
Silberstreifen am Horizont“.
Verbleibt hiernach als letztes Hilfsmittel die Verälligung
 der Zinssätze des Leihkapitals. Hieraus
vürde eine Erleichterung der Lage für ein so kapitalırmes
 und auf Leihkapital angewiesenes Gewerbe,
vie es das Gastwirtsgewerbe unfraglich ist, sicherich
 erfolgen. Daß aber eine fühlbare Senkung der
eihzinssätze, losgelöst von einer allgemeinen Verninderung
 der Zinshöhe, partiell im Gastwirts-‚ewerbe
 eintritt, ist unwahrscheinlich und so wird
nan auch auf diese Hoffnung für eine nahe Zukunft
ıicht viel bauen können. —
Die Lage des Gast- und Schankstättengewerbes ist
ılso sowohl in der Gegenwart als .auch für absehbare
nd zukünftige Zeiten wenig Erfolg versprechend.
Im so mehr wird es Hilfe und Unterstützung bei denanigen
 Gewerbezweigen suchen und finden wollen,
:ie mit ihm in einer volkswirtschaftlichen Kette ver=-wnden
 sind. Das Brau- und das Gastwirtsgewerbe
ınd besonders Brauerei und Schankstätten sind
regenseitig aufeinander angewiesen. Sie sind natüriche
 Bundesgenossen, die sich selbst helfen, wenn
ie den anderen stützen. Ein blühendes Braugewerbe
‚jedarf eines gesunden Gastwirtsstandes zum Absatz
einer Erzeugnisse und gerade das kapitalarme Gastvirtsgewerbe
 hat ein Interesse an einer gesunden und
sistungsfähigen Brauindustrie. Durch Zusammenıalten
 und Zusammenarbeiten dieser beiden Geverbezweige
 wird es hoffentlich dem deutschen
jastwirtsgewerbe gelingen, aus dem Zustande eines
zurückgebliebenen, schlecht rentablen Kleingewerbes
len Anschluß an die moderne Entwicklung der deutschen
 Volkswirtschaft zu finden.
        <pb n="153" />
        IV. Die’ sozial- und wirtschaftspolitischen Leistungen der Brauindustrie.

1. Die finanzpolitische Bedeutung der Brauindustrie.
a) Biersteuern und Braugewerbe.
Von Rechtsanwalt Dr. rer. pol. Walter Schmidt, Berlin, Direktor des Deutschen Brauer-Bundes, E. V.

Wer wie der Verfasser dieses Aufsatzes im
letzten Jahrzehnt im Wirtschaftskampfe für die Belange
 der Brauindustrie gestanden hat, empfindet
den Ausdruck „Bier“ fast schon als ein Stichwort,
das sich für ihn unwillkürlich zu dem Komplex Biersteuer
 formt. Denn in der Tat ist seit zehn Jahren,
wie ein Blick in die Geschäftsberichte des Deutschen
Brauer-Bundes aus dieser Zeit lehrt, das Problem
der Biersteuer niemals ganz zur Ruhe gekommen.
Leider sind in dieser Beziehung auch die Aussichten
für die Zukunft recht wenig erfreuliche, weil nicht
ıaur die zuständigen staatlichen Stellen, sondern,
worüber man sich keiner Täuschung hingeben darf,
auch weite Kreise der Öffentlichkeit der unrichtigen
Meinung sind, daß die derzeitige nicht gerade ungünstige
 Konjunktur des Braugewerbes eine weitere
Anspannung der Steuer ermögliche. Selbst die
Sozialdemokratie, die in der Vorkriegszeit jede Erhöhung
 der Biersteuer rundweg ablehnte, steht heute
ainer stärkeren Ausschöpfung dieser Steuerquelle,
vorsichtig ausgedrückt, nicht unbedingt von vornherein
 ablehnend gegenüber, obwohl sie weiß, daß
die breiten Massen der Arbeiterschaft in erster Reihe
als Konsumenten für das Bier in Frage kommen.
Diese Stimmung ist nur zu erklären, wenn man sich
vergegenwärtigt, daß an der Erhöhung der Biersteuer
 nicht nur eine ganze Rgihe von Behörden,
sondern, was nicht zu übersehen ist, auch eine im
heutigen öffentlichen Leben besonders geräuschvoll
auftretende Gruppe, nämlich die Abstinenten, interassiert
 sind. Als Steuergläubiger des Bieres kommen
in Frage nicht nur das Reich, vertreten durch das
Reichsfinanzministerium, sondern auch die drei süddeutschen
 Länder wegen der ihnen vom Reiche zu
zewährenden Überweisungen und endlich die große
Mehrheit der Gemeinden, die vielfach glauben, in
3iner stärkeren steuerlichen Erfassung des Bieres
(wie übrigens auch der anderen alkoholischen Gecränke)
 ein Allheilmittel gegen ihre Finanznot geiunden
 zu haben, die in Wirklichkeit doch allein
lurch eine radikale Abkehr von den bisherigen
Methoden einer mehr oder minder ungehemmten
Ausgabenwirtschaft zu beheben wäre. Das Charakteristische
 der neuzeitlichen Einstellung zur Frage
des Biersteuerproblems besteht nun darin. daß die

Steuergläubiger, zum mindesten die Gemeinden
ınter Führung des Deutschen Städtetages, eine Anäherung
 an die Prohibitionsbewegung suchen, um
ich deren mit ungeheuren Mitteln arbeitende Pro-‚aganda
 im Sinne ihrer Steuerwünsche nutzbar zu
nachen. Auf diese recht eigenartigen Beziehungen
wischen Verfechtern entgegengesetzter Interessen
größeres Steueraufkommen einerseits und Einlämmung
 des Biergenusses andererseits müssen sich
ogischerweise ausschließen) hat das bekannte Rund-'chreiben
 des Präsidenten des Deutschen Städteages
 Dr. Mulert vom 7. Dezember 1927 ein beeichnendes
 Streiflicht geworfen. Obwohl dieser
/ersuch, im Interesse der Gemeindefinanzen „Öffentche
 Meinung“ zu machen, nicht nur bei den großen
lewerbezweigen: Handel, Industrie und Landwirtchaft,
 sondern auch bis auf verschwindende Ausahmen
 bei der gesamten Presse entschiedene Ab-;hnung
 gefunden hat, wäre es doch ein verhängnisoller
 Irrtum, zu glauben, daß die Bundesgenossenchaft
 zwischen den so verschieden gearteten Bier-‚teuerfreunden
 ein für allemal ihr Ende gefunden
‘abe. Die Brauindustrie und die ihr nahestehenden
Wirtschaftskreise werden jedenfalls gut tun, auf
liese Dinge ein wachsames Auge zu haben und bei
lem ihr aufgezwungenen schweren Abwehrkampf
uch diesen Gesichtspunkt sehr ernstlich zu hbeäcksichtigen,

Im Vergleich zum letzten Jahrzehnt hat. in Anehung
 der Biersteuer das Wort von der guten alten
veit wirklich volle Berechtigung. Denn wenn auch
‚eit Jahrhunderten das Bier als Steuerquelle hat heralten
 müssen, so hat sich doch der Steuersatz in
näßigen Grenzen gehalten und ist, worauf es für die
uhige Entwicklung des Gewerbes vor allen Dingen
‚nkommt, für längere Zeiträume hinaus unverändert
‚eblieben. Hat doch im größten Teil Deutschlands,
ämlich in der Norddeutschen Brausteuergemeinchaft,
 der aus dem preußischen Gesetz vom 8. Feıruar
 1819 übernommene Steuersatz im wesentichen
 bis zum Jahre 1906, also rund neun Jahr--ehnte,
 unverändert fortbestanden. Gleichwohl sind
lie Einnahmen aus der Biersteuer durch den
r‚rößeren Absatz in dieser Zeit sehr erheblich ge-;‚tiegen.
 Bei einer Konsumsteuer ist eben nicht die
        <pb n="154" />
        IV., 1a. Biersteuern und Braugewerbe.,
BE N:

153
ınd Frankreich erheben. Theoretisch wäre vielleicht
lie Würzesteuer die vollkommenste, weil sie sowohl
Juantität als Qualität berücksichtigt; in der Praxis
:tehen ihr jedoch die schwierigen und lästigen Kon-‚ollen
 entgegen.
Die Form der Verarbeitungssteuer fand sich in der
üddeutschen Gesetzgebung, nämlich in Baden, wo
ron 1825 bis 1896, und in Elsaß-Lothringen, wo bis
907 eine Kesselsteuer bestand.
Die Hauptform war bis 1918 die Malzsteuer, die in
hren beiden Formen, nämlich als Vermahlungs- oder
Malzsteuer im engeren Sinne (Beispiele: der baye-‘ische
 Malzaufschlag, die Vermahlungssteuer des
3rausteuergebietes, die württembergische, badische
ınd elsaß-lothringische Malzsteuer) sowie als
Maischsteuer Anwendung gefunden hat. Im letzteren
7alle knüpfte die Steuer an den Akt der Einnaischung
 an (Beispiel: die Einmaischungssteuer
{es Brausteuergebiets), Die Malzsteuer wurde im
3iersteuergesetz vom 26. Juli 1918 durch die Fabriatsteuer
 abgelöst, dem sich alsbald durch Gesetze
"om 27. März und 24. Juni 1919 Württemberg,
3ayern und Baden anschlossen. Seitdem besteht in
')eutschland eine Fertigfabrikat-, also eine Bier-‘teuer
 im Gegensatz zu der früheren Brausteuer,
'nd zwar, soweit es sich um die Reichsbiersteuer
ıandelt, als Ausgangssteuer. Die Form der Ein-‚angs-
 oder Torsteuer findet sich in der Gemeinde-)jesteuerung,
 nämlich insoweit, als der Einbringer
ür steuerpflichtig erklärt und zur Anmeldung der
’ngeführten Biere verpflichtet wird.
Das System der Abfindungen fand und findet Anvendung
 gegenüber kleineren Brauereien, wo die
Iöhe des Steueraufkommens die Kosten der Konrolle
 nicht aufwiegt.
In Artikel 35 Abs. 1 der früheren Reichsverfassung
rom 16. April 1871 war

absolute Höhe des Steuersatzes das Entscheidende,
sondern es gilt, diesen so festzusetzen, daß er die
Entwicklung des Gewerbes nicht aufhält oder gar
unterbindet. .Darin liegt die ungeheure Gefahr, wenn
Steuerpläne sich aufbauen auf einer relativ günstigen
Konjunktur, von der keineswegs feststeht, daß sie andauern
 wird oder gar noch zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten
 in sich birgt. Denn nach Ahtısicht aller
maßgebenden Beurteiler hat heute die Brauindustrie
auf absehbare Zeit den Höhepunkt ihrer Entwicklung
und Absatzkapazität voll erreicht, so daß jede
weitere Steueranspannung zwangsläufig und naturnotwendig
 einen empfindlichen Absatzrückgang zur
Folge haben muß;
Die seitherige Entwicklung der Biersteuer
läßt sich in zwei große Abschnitte zerlegen, die durch
die Begriffe Brausteuer (Rohstoffsteuer) einerseits
und Biersteuer (Fabrikatsteuer) andererseits charakterisiert
 werden. Damit deckt sich fast zeitlich
genau die verfassungsrechtliche Struktur der Steuer,
die bis zur Staatsumwälzung nur in der Brausteuergemeinschaft
 Reichssteuer, in den übrigen Brausteuergebieten
 aber Landessteuer war.
Finanzwissenschaftlich ausgedrückt, gehört die
Biersteuer als Aufwandsteuer zu den inneren Verbrauchsabgaben,
 und zwar zu der engeren Gruppe
der Getränkesteuern. Als: Verbrauchsabgabe zieht
sie aus der Tatsache des Biergenusses einen Rückschluß
 auf die Leistungsfähigkeit des Verbrauchers.
Bei verhältnismäßig geringen Erhebungskosten verspricht
 das Bier als Artikel des Massenkonsums hohe
Einnahmen. Die Steuer knüpft an den Fabrikationsprozeß
 an, wobei in Deutschland so ziemlich sämtliche
 gebräuchlichen Steuersysteme Anwendung gefunden
 haben. Man unterscheidet herkömmlicherweise,
 je nachdem, ob die Biersteuer vom Rohstoff,
vom Halbfabrikat oder vom Fertigprodukt eraoben
 wird:
Rohstoffsteuern nach der Menge der verarbeiteten
 Materialien (Hopfen- und Malzsteuern);

Verarbeitungs - (Fabrikations -) steuern nach
dem Rauminhalt der hauptsächlich verwendeten
 Gefäße (Maischbottich- und Kesselsteuern);

3. Halbfabrikatsteuern (Würzesteuern);
Fabrikatsteuern vom fertigen Bier, die entweder
 Ausgangssteuern (beim Verlassen der
Brauerei) oder Eingangs- oder Torsteuern
sein können.
Dazu kommen als mittelbare Erhebungsformen
Abfindungen und Lizenzen.
In der deutschen Gesetzgebung finden sich die
unter 1, 2 und 4 genannten Steuerformen, nicht daregen
 die Würzesteuern, wie sie England, Italien

dem Reich die Gesetzgebung
‚über die Besteuerung über das im Bundesgebiete
)ereitete Bier“ übertragen. Doch blieb nach Abs. 2
laselbst Bayern, Württemberg und Baden die Beteuerung
 des inländischen Bieres im Wege der
‚andesgesetzgebung als Reservatrecht vorbehalten,
vobei sie ihr Bestreben darauf zu richten hatten,
‚eine Übereinstimmung der Gesetzgebung herbeizuühren‘“.
 Für Elsaß-Lothringen war der Vorbehalt
lurch $ 4 des Reichsgesetzes vom 25. Juni 1873 er-Oolgt.
 In Auswirkung dieses Reservatrechtes hatten
lie Reservatstaaten an die Reichskasse Auszleichungsbeträge
 zu zahlen. Bis zum Jahre 1919
jestanden also einschließlich Elsaß-Lothringen fünf
3iersteuergesetzgebungsgebiete, von denen das
yrößte die Norddeutsche Brausteüergemeinschaft
var. Diese übernahm bei Gründung des Zollvereins
m Jahre 1833 die preußische Braumalzsteuer nach
lem Gesetz vom 8. Februar 1819, das in seinem

Le
        <pb n="155" />
        154
$ 18 für das zur Bierbereitung verwendete Malzschrot
 eine Abgabe von 16 Groschen für den Zentner
ijestgesetzt hatte, die dann durch Gesetz vom 30. September
 1821 in 2 M. umgerechnet waren. Dieser
Satz hat sich, wie eingangs erwähnt, bis zum Jahre
1906 unverändert erhalten.
Nach der Gründung des Reiches erging das Gesetz
 vom 31. Mai 1872, das die Rohstoffsteuer als
Malzgewichtssteuer mit einem Einheitssatz von 4 M.
für den Doppelzentner beibehielt und Malzersatzstoffe
 zuließ.
Versuche zur Neuregelung der Brausteuer im fiskalischen
 Sinne, die 1875, 1879, 1880, 1881 und 1892
unternommen wurden, blieben ohne Erfolg. Eine einschneidende
 Änderung brachte erst das Gesetz vom
3. Juni 1906, indem es nicht nur die Steuer wesentlich
 erhöhte, sondern an Stelle des bisherigen Einheitssatzes
 eine Steuerstaffel nach dem Betriebsumfang
 schuf, beginnend mit dem seitherigen Satz
von 4 M. bei einer Jahresmalzverwendung von
250 dz und endigend mit einer Spannung von 6 M.
und. 10 Staffelstufen mit 10 M. bei 7000 dz Malzverbrauch,
 die einem Ausstoß von etwa 42000 hl
antsprachen. Zugleich wurde das Reinheitsgebot
nach süddeutschem Muster bis auf die Verwendung
von Zucker bei der Herstellung obergärigen Bieres
durchgeführt. Die Vorteile, die das Klein- und
Mittelgewerbe von der Einführung der Staffelung
srhofft hatte, traten nicht in dem erwarteten Maße
an, weil es vielfach nicht gelang, die Biersteuer abzuwälzen,
 was wiederum zu einem verschärften
Konkurrenzkampf geführt hat. Durch das Brausteuergesetz
 vom 15. Juli 1909 wurde die Steuer
abermals mit Wirkung vom 1. August 1909 erhöht.
Die Sätze betrugen nunmehr 14 bis 20 M. bei einer
Staffelung von fünf Stufen und 6 M. Spannung, die
jedoch bereits bei 5000 dz, also etwa 30 000 hl, den
Höchstsatz erreichte. Eine bemerkenswerte Neue--ung
 brachte $ 6 Abs. 2, der bestimmte, daß Brauereien,
 die nach dem 1. August 1909 neu in Betrieb
zenommen wurden, mit einer erhöhten Steuer belegt
werden sollten, nämlich bis zum 31. März 1915 mit
2»äinem Aufschlag von 50 % und vom 1. April 1915 bis
Ll. März 1918 mit einem solchen von 25 %. Dieser
zesetzgeberische Gedanke, der in klarer Erkenntnis
der großen Schwierigkeiten, die der Überwälzung
‚eder Biersteuererhöhung entgegenstehen, Gesetzesiorm
 erhalten hat, fand sich noch bis zum 30. Juni
1929 in der Biersteuergesetzgebung. Er war mit
jen aus der Kriegszeit stammenden Kontingentierungsvorschriften
 verkoppelt und daher einstweilen
bis zum. 31. März 1929 in seiner Gültigkeit befristet*).
Diese äußere Angliederung hat vielfach dazu ge-*)
 Die Vorschriften über die Kontingentierung und den
Schutz‘ gegen neu entstehende Brauereien sind zwar durch
XG. vom 26. März 1929 bis zum 30. Juni 1929 verlängert, am
Li, Juli 1929 aber außer Kraft getreten, da eine weitere Verängerung
 mit geringer Mehrheit vom Reichstag abgelehnt ist.

Direktor Dr. Walter Schmidt, Berlin:

ührt, die beiden an sich grundverschiedenen Vor-;chriften
 als ein Ganzes zu betrachten: ein Fehler,
lem nicht nachdrücklich genug entgegengetreten
verden kann. 1909 wurde die Kontingentierung, die
lamals vom Braugewerbe erstmalig*) als Problem
‚ngeschnitten wurde, von den gesetzgebenden Körperchaften
 abgelehnt. Dagegen hielten sie die Schutzrorschrift
 gegen die Entstehung neuer Brauereien
ür unerläßlich, um die Überwälzung der erhöhten
steuer, die sich aus dem Charakter als Verbrauchsteuer
 zwangsläufig von selbst ergibt, sicherzutellen.
 Man wird sich diese Entwicklung bei
twaigen neuen Biersteuerplänen immer vor Augen
u halten haben, um so mehr, als auch in der südleutschen
 Gesetzgebung (Bayerisches Malzaufchlaggesetz
 vom 18. März 1910 Art. 5 Abs. 6 und
zadisches Gesetz vom 25. Januar 1910 Art. 7 Abs. 2)
ich entsprechende Vorschriften fanden. Der Schutz
'egen die Entstehung einer SchleuderKonkurrenz, die,
vie die Erfahrungen von 1906 gelehrt haben, ihre
’xistenz nur duf Unterbietung, d. h. auf ganze oder
silweise Übernahme der Biersteuererhöhung aufauen
 konnte und infolgedessen sehr bald wieder
ugrunde gegangen ist, hat mit der Kontingentierung
ls solcher gar nichts zu schaffen und muß daher
‚.nabhängig von jener gesetzgeberisch gewertet und
‚ehandelt werden.
In Bayern findet sich ‚eine Biersteuer schon seit
inde des 14. Jahrhunderts, für die 1543 der Name
Aufschlag‘ Eingang fand. Nach Gründung des
deiches wurde der Malzaufschlag vom 31. Oktober
879 auf 6 M. für 1 hl Malz festgesetzt. Das Gesetz
rom 8. Dezember 1889 brachte eine Staffelung von
ier Sätzen, das Malzaufschlaggesetz vom 18. März
910 eine Systemänderung, indem man die Besteueung
 nach dem Hektoliter Malz, also nach dem Hohl-3aße,
 in Anlehnung an das norddeutsche Vorbild
urch die Gewichtssteuer ersetzte. Die Staffel unterchied
 11 Steuerklassen mit Steuersätzen von 15 bis
0 M. für den Doppelzentner Malz. Im Gegensatz
um Brausteuergesetz vom 15, Juli 1909 fand aber
‚eine Durchstaffelung statt. Das . Reinheitsgebot
vird in Bayern streng, also unter Ausschluß von
Zucker, durchgeführt.
In Württemberg wurde der Doppelzentner Malz
ron 1872 bis 1881 mit 7,20 M., von 1881 bis zum
. Oktober 1909 mit 10 M. besteuert. Dieser Satz
vurde durch das Gesetz vom 16. August 1909 auf
’2 M. erhöht. Die Staffelung. wurde durch Gesetz
:om 28. April 1893 eingeführt und durch spätere Gejetze
 erweitert. Sie gestaltete. sich in der Weise,
laß von dem Normalsatz von zuletzt 22 M. pro-‚entuale
 Abschläge bis zu 65% für die unterste
Staffelstufe vorgenommen wurden.
*) Ansätze zu einer Kontingentierung fanden sich allerlings
 schon. im Bayerischen Malzaufschlaggesetz vom
IR März 1910.
        <pb n="156" />
        IV., la. Biersteuern und Braugewerbe.
In Baden wurde durch Gesetz vom 30. Juni 1896
die Kesselsteuer durch die Malzgewichtssteuer unter
gleichzeitiger Finführung einer Staffel ersetzt. Die
Sätze betrugen 8 bis 12 M. für den Doppelzentner
ohne Durchstaffelung. Änderungen brachten die
Gesetze vom 2. Juli 1904 und 25. Januar 1910.
Letzteres führte bei fünf Staffelstufen Sätze von
15 bis 22 M. je Doppelzentner mit Durchstaffelung
 ein.
Bei Kriegsausbruch stellte sich danach die Besteuerung
 des Bieres in den vier
Hauptgebieten wie folgt dar:
Bayern,
Gesetz vom 18. März 1910,
(Ohne Durchstaffelung.)

155
wurden, daß ‘für die Berechnung der Übergangsıbzabe
 in den «einzelnen Brausteuergebieten der
Töchststeuersatz der Staffel und eine Malz-‚erwendung
 von 25 kg für 1 hl Bier zugrunde gelegt
verden sollten. Durch Bundesratsbeschluß vom
5. August 1918 wurde die Übergangsabgabe der
*abrikatsteuer angepaßt und einheitlich für Einfachxier
 auf 6,25, für Vollbier auf 12,50 und für Starkbier
ıuf 18,75 Papiermark festgesetzt.
Einen vollständigen
Systemwechsel durch Übergang zur Fabrikatsteuer
)rachte das Biersteuergesetz vom 26. Juli 1918, dem
sich alsbald die Sonderstaaten durch Gesetze vom
27. März 1919 (Württemberg) und 24. Juni 1919
"Bayern und Baden) anschlossen, wobei sie sich
Vorbehalte für das Reinheitsgebot sowie als Entgelt
ür die Aufgabe ihrer Reservatrechte jährliche fortaufende
 Überweisungen aus den _Biersteuer-»ännahmen
 des Reiches ausbedungen haben. Die
Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 bestimmte
 sodann in Artikel 8, daß dem Reich die Gesetzgebung
 über die Abgaben und sonstigen Einıahmen
 zusteht, daß es aber, soweit diese bisher den
Ländern zustanden, auf die Erhaltung von deren
‚ebensfähigkeit Rücksicht zu nehmen hat. Die Bierzteuer
 ist seitdem Reichssache geworden. Das ist
om Standpunkt des Braugewerbes durchaus als
rünstige Entwicklung zu begrüßen, weil dadurch die
3eziehungen zwischen den Brauereien und Brauerei-‚erbänden
 der früheren Sondergebiete sich wesentich
 vertieft haben. Durch die einheitliche. Steuer-‚esetzgebung
 ist der Schlußstein in die gemein-‘cChaftliche
 Plattform eingefügt, von der aus der
)eutsche Brauer-Bund als die berufene Vertretung
ler gesamten deutschen Brauindustrie es dank der
reschickten und taktvöllen‘ Führung durch seine
)rgane verstanden hat, bei aller Wahrung der
igenart der einzelnen Landesteile die deutschen
irauereien zu einer geschlossenen Einheit im Wirtchaftskampfe
 zusammenzufassen; eine Notwendigreit,
 die gerade im letzten Jahrzehnt mehr denn je
‚utage getreten ist und die bei zahlreichen Gelegeneiten
 sich überaus segensreich ausgewirkt hat.
Die am 1. Oktober 1918 in Kraft getretenen
“teuersätze des Gesetzes vom 26. Juli 1918 von
0 bis 12,50 Papiermark (bei einer Staffelung von
ieben Stufen) dürfen nicht irreführen. Denn einmal
andelt es sich um Papiermark (1 GM. = 1,55 PM.
Iktober 1918, = 2 PM. Dezember 1918 und = 3 PM.
\pril 1919), zum anderen durfte damals infolge der
Zwangswirtschaft nur Einfachbier mit einem Stammvürzegehalt
 von 2—3% % hergestellt werden, für
velches halbe Sätze, also nur 5—6,25 Papiermark
ıls Steuersatz in Frage kamen.
Durch Gesetze vom 8. April 1922, 9. Juli und
‚A. August 1923 suchte man die Biersteuer den Ver-Umrechnung

 auf
L hl fertigen Bieres
1 dz Malz = 6 hl Bier)

bis zu 1000 dz 15.— A
von mehr als 1000 bis zu 1500 dz 15,50 ‚,
= m mn 1500 „ „2000 dz 16,— „
#2 mn 2000 „ „2500 dz 16,50 „
„2500 „ „3000 dz 17,— „
„3000 „3500 dz 17,50 ,,
„8500 „4000 dz 18,— ‚,,
„4000 „4500 dz 18,50 ,,
n ” 4500 nn 5000 dz 19,— ”
" ” „ 5000 „ » 6000 dz 19,50 „
„ n „6000 dZ........... 20,—

2,50
2,58 „
267
275
2,83 „
2,92 „
3,00 „
3,08
3,17
8,25
3,33

(Mit Durchstaffelung-\

Brau- Würt.
steuer- temgebiet
 |! berg
Gesetz _yom
5. 7. 09/16. 8, 6625, 1. 11

Umrechnung auf
L hl fertigen Bieres
‚1 dz Malz = 6 hl Bier)

Brau-  Würtpm;
 tem- | Baden
gebiet | berg
“r MM

7A

M.

vondenersten 250dz
„mn folgend.1250dz
nn , 1500dz
non n 2000 dz
m dem Rest.........

2.82 2,381 2,50
&amp;gt;"n) 92,98| 2,92
2,67| 3,28| 3,38
8,00 | 8,48| 3,50
3,33] 3,67] 3,67

20,—

22 —

a
en A

Solänge die Besteuerung im Reichsgebiet keine
einheitliche war, mußten zwecks Ausgleichs in den
Unterschieden beim Überschreiten der Grenzen
der Brausteuergebiete Übergangsabgaben erhoben
werden. Diese seit 1841 erhobenen Abgaben wurden
auf eine gesetzliche Grundlage gestellt durch den
Zollvereinigungsvertrag vom 8. Juli 1867, der bestimmte,
 daß das Erzeugnis eines anderen Vereinsstaates
 unter keinem Vorwande höher oder in einer
lästigeren Weise als.das inländische besteuert werden
 darf. In der praktischen Ausgestaltung ergaben
sich jedoch infolge der Verschiedenheiten des Ausbeuteverhältnisses
 und der verschiedenartig gestalteten
 Staffelung fortgesetzte Differenzen zwischen
den Brausteuergebieten, die erst durch die Bundesratsverordnung
 vom 1. Juni 1907 dadurch beseitigt
        <pb n="157" />
        156 . Direktor Dr. Walter Schmidt, Berlin:
hältnissen der Inflationszeit anzupassen, mit dem Er- "ung ihrer Produktion durch ein Heraufsetzen ihrer
gebnis, daß schließlich die 20. Verordnung vom Verkaufspreise auszugleichen pflegen. So hat die
26. November 1923 die Biersteuer in Goldmark fest» 3rauindustrie von Dezember 1923 bis zum 1. Januar
setzte, und zwar auf 5 bis 6,10 Goldmark bei sieben 0927, also während eines Zeitraumes von vollen drei
Staffelstufen. lahren, in dem alle anderen Waren sich erheblich
Die im Frühjahr 1925 eingebrachte Regierungs- rteuert haben, ihre Bierpreise nicht erhöht, obvorlage
 wollte diese Sätze mit Wirkung vom 1. Juli vohl in dieser Zeit die Löhne der gelernten Brauerei-1925
 verdoppeln. Der Reichstag erhöhte sie jedoch ;‚rbeiter um 80,8 % und diejenigen der ungelernten
aur um ein Drittel (auf 6 bis 8,15 RM.) und ließ die !m 76,1 % gestiegen waren! Zu beachten bleibt, daß
neuen Sätze erst vom 1. Januar 1927 ab in Kraft lie Fortwälzung der Biersteuer auf den Konsum
treten. Damit ist die Steuer gegenüber den Vor- 7 WS überall — die Tendenz zeigt, bei den
kriegssätzen etwa verdreifacht; sie betrug vor ‚wischenhandelsgliedern sich progressiv auszudem
 Kriege etwa 13,6 % des Brauereipreises und virken. Denn der Gastwirt berechnet, vielleicht mit
beträgt heute etwa 21% desselben. Dieses Ver- 'Neiniger Ausnahme von Bayern, seinen Aushältnis
 verschiebt sich jedoch noch ganz erheblich Chankpreis in der Weise, daß er auf den Brauereizuungunsten
 des Steuersatzes, wenn man die Ge- reis prozentuale Zuschläge von 60 bis 80 % und
meindebiersteuer miteinbezieht, die vor dem Kriege rüber nimmt. Dadurch haben heute vielfach die
aur in ganz wenigen Gemeinden erhoben wurde und \usschankpreise ‚schon eine Höhe erreicht, die als
65 Pf. nicht überschreiten durfte, während heute die Derste Grenze für einen Massenkonsumartikel, wie
große Mehrheit aller Gemeinden sie mit 2 bis S das Bier darstellt, angesehen werden muß.
2,50 RM. für Vollbier erhebt. Unter Einbeziehung Veitere Steuererhöhungen würden unerbittlich dazu
der Gemeindebiersteuer ergibt der Steuersatz vor ihren müssen, daß das Bier für die große Menge
dem Kriege rund 14 % des Brauereipreises und heute ‘er arbeitenden Bevölkerung nicht mehr erschwing-27
 bis 28 %. Der Prozentsatz hat sich also ver- ch ist, sondern‘ zum Luxusgetränk der wohldoppelt.
 Gleichwohl droht auch jetzt wieder die Ge- abenden Klassen werden müßte; kann man doch
jahr einer weiteren Anspannung der Biersteuer*), ob- ‘cute schon vielfach Ankündigungen mit der
wohl die Voraussetzungen dafür, insbesondere auch har akteristischen Formel: „Wein billiger als Bier“
im Hinblick auf die gänzliche Steuerfreiheit des “SC. .
Weins, der Limonaden und der Mineralwässer und Die Finanzwissenschaft unterscheidet zwischen
lie Gemeindesteuerfreiheit des Schaumweins, Branntweins
 und der Liköre in keiner Weise gegeben sind.
Aus dem Wesen der Verbrauchssteuer ergibt sich,
daß der Brauer die Steuer nur vorzulegen hat. Seine
Aufgabe ist es also.
die Biersteuer aut den Konsum fortzuwälzen,
den sie in Wirklichkeit treffen soll. Obwohl diese
Notwendigkeit offen zutage liegt, ergeben sich in der
Praxis doch die allergrößten Schwierigkeiten, weil
eben das Bier ein allgemein beliebtes Nahrungs- und
Genußmittel und noch immer das deutsche Volksgetränk
 ist, was es trotz aller Anfeindungen durch
die Prohibitionsanhänger auch bleiben wird. Nicht
mit Unrecht hat man die Auswüchse, die vielfach der
Widerstand gegen Bierpreiserhöhungen aus Anlaß
von Biersteuererhöhungen namentlich in Bayern,
aber auch anderwärts gezeitigt hat, charakteristisch
als „Bierkrieg‘“ bezeichnet. Das Braugewerbe befindet
 sich nun einmal in der peinlichen Lage, Bierpreiserhöhungen
 fast nur dann vornehmen zu können,
wenn eine weitere Anspannung der Biersteuer dazu
den äußeren Anlaß gegeben hat. Es steht sonach
schlechter als alle anderen Gewerbe, die jede Verteue-Überwälzung

 (Fortwälzung) und Abwälzung.
die Überwälzung erfolgt durch Erhöhung des Preises
ıder durch Abgabe geringerer Quantitäten zum alten
Dreise (Verkleinerung der Ausschankgemäße); die
\bwälzung dadurch, daß man durch technische Ver-)jesserungen
 die Steuer einzuholen sucht. Letzteres
st in nicht unerheblichem Maße der Fall gewesen,
;oolange die Braustoff- (Malz-) Besteuerung bestand;
lenn der Brauer, der eine bessere Ausbeute aus dem
Aalz erzielte und den Schwund verringerte, sparte
n Steuer, Es ist also nicht zu bestreiten, daß die
Mersteuergesetzgebung mit zur technischen Fördeung
 des Braugewerbes beigetragen hat. Dieser Anrieb
 fällt im wesentlichen fort, nachdem man nunnehr
 zur Fabrikatsteuer übergegangen ist. Aber
icht nur die Abwälzung durch Förderung der Beriebseinrichtungen
 und Verbesserung des Pro-‚uktionsprozesses
 hat die Biersteuer beeinflußt,
ondern sie hat sich auch bemüht, durch eine Reihe
resetzlicher Vorschriften die Überwälzung auf den
Consum zu erleichtern. Hier sind zu nennen: der
Ichutz gegen die Entstehung von Kampfbrauereien,
lie Bestimmung, daß bei bestehenden Bierlieferungsv‚erträgen
 der Preis sich um den Steuerbetrag autonatisch
 erhöht (Gesetz vom 10. August 1925 8 30;
jesetz vom 26. Juli 1918 $ 71) und endlich im gevissen
 Sinne auch die Staffel.

*) Diese Gefahr ist zunächst einmal abgewendet, da die
Biersteuervorlage nach dem Steuerkompromiß der Regierungsparteien
 vom April 1929 fallen gelassen ist.
        <pb n="158" />
        IV., 1a. Biersteuern und Braugewerbe.

157

Über den Schutz gegen die Entstehung der Kampfbrauereien
 ist bereits oben gesprochen. Die Kontingentierung
 hat in den ersten Jahren ihres Bestehens
 sicherlich dazu beigetragen, daß der Konkurrenzkampf
 weniger scharfe Formen angenommen
hat, zumal damals die Brauindustrie noch unter
Zwangswirtschaft stand. Wieweit das heute noch der
Fall sein würde, nachdem das Braurecht seit Jahren
auf 100 % festgesetzt ist, ist schwer zu beurteilen. Man
sollte meinen, daß bei einer Gesamtjahreserzeugung
von 83,6 % im Vergleich zum letzten Vorkriegsjahr,
die prozentual aber in einzelnen Landesteilen wesentlich
 niedriger liegt (z. B. Ostpreußen 51,7 %, Oberschlesien
 59,6 %, Württemberg 63,4 %), der Wert
der Kontingentierung bei der Festsetzung des Braurechts
 auf 100 % nicht mehr allzu hoch zu veranschlagen
 wäre, zumal gerade solche Brauereien, die
als ausgesprochene Schleuderkonkurrenz und Schädlinge
 der Allgemeinheit angesprochen werden
müssen, wie manche bayerischen Genossenschaftsbrauereien,
 leider noch durch Zuteilung von Zusatzkontingenten
 in mehreren Fällen ganz besonders
bevorzugt sind. Die Tatsache jedoch, daß doch
große Teile des Braugewerbes sich für die Kontingentierung
 einsetzen, muß zu dem Rückschluß
führen, daß sie auch heute noch ihre Wirkung
äußert. Es darf eben nicht übersehen werden, daß
hier sehr wesentlich auch psychologische Momente
und Imponderabilien aller Art mitsprechen, die in
ihrer Gesamtwirkung doch geeignet sind, das rein
rechnungsmäßig aufgemachte Exempel nicht ungrheblich
 zu korrigieren. .
Ein besonders umstrittenes Kapitel ist ;

‚agen, unlösbare Aufgabe, eine für alle Fälle gerechte
Staffel ein für allemal aufzustellen. Die Entscheidung
ann eben nur jeweils von Fall zu Fall gefunden
verden. Allenfalls lassen sich die beiden Eckpfeiler
'zeichnen, innerhalb deren sich logischerweise die
taffel halten muß, nämlich einmal der Ausgleich
twaiger Überlegenheit, zum anderen die Rücksicht
‚uf die Notwendigkeit der Überwälzung, die durch
xne zu weit ausgedehnte Staffelung, wie die Erfahungen
 von 1906 gelehrt haben, in Frage gestellt
verden kann. Alles in allem ist das Problem ein
'minent praktisches, das sich jeder theoretischkademischen
 Lösung entzieht.
Nachstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die
zestaltung der Staffel in der Nachkriegszeit im Verzleich
 zur letzten vorkriegszeitlichen Regelung im
Norddeutschen Brausteuergebiet;

Gesetz vom 15. Juli 1909, jehl
/on den ersten 1500 hl ( 250 dz 14.— M.) ........ 9,33 M.
ron den folgenden 7500 hl (1250 dz 15.—M.)........ 2.60 M.
ron den folgenden 9000 hl (1500 dz 16.— M.) ........ 2.67 M.
‚on dem folgenden 12000 hl (2000 dz 18.— M)........ 8.— M.
ron dem Rest.... „... (Rest 20.— M.)........ 8.383 M.

Staffel

Gesetz
7. 26.7,
18
PM

KRegie-Fungs-


— 19%
DRM

Geset:
rom 9.”
u.11,8,
1928
ner

Gesetz
v. 10.8,
1925
DE

von den ersten 1000 hi
von den folgenden 1000 hl
‚on den folgenden 8000 hl
ron den folgenden 10000 hl
‚on der folgenden 10000 hl
ron den folgenden 30000 hl
ron den folgenden 60000 hl
ron dem Rest... v.

10.— |
10.50
11—
11,50
'D—
12.30 |
12.50

Dı—
10.25 5.10
10.50 5.25
10.75 5.40
11.20 5€0
11.70 ] 5.90 |
12.20 |! 6.10

10.—

6.50
6,75
1 —
1.25
7.50
7.80
3.15

die Staffelung der Bierstener.
Während vor dem Kriege bei den Reichstagsberatungen
 darüber schwere Kämpie zwischen
den einzelnen Gruppen des Gewerbes ausgefochten
wurden, ist es erfreulicherweise dank der planmäßigen
 und geschickten Führung des Deutschen
Brauer-Bundes in der Nachkriegszeit immer gelungen,
Groß-, Klein- und Mittelgewerbe auf einen einheitlichen
 Vorschlag zu einigen. Die Staffel hat ausgesprochenermaßen
 den Zweck, dem braugewerblichen
 Mittelstand einen Ausgleich gegen den Vorsprung
 zu gewähren, den die.Großbrauereien in technischer
 und kapitalistischer Beziehung voraushaben.
Die technische Seite tritt naturgemäß, nachdem die
Gesetzgebung zur Fabrikatsteuer übergegangen ist
und somit Ausbeute und Schwund die steuerliche
Grundlage nicht mehr unmittelbar beeinflussen, mehr
in den Hintergrund. Angesichts der Tatsache, daß
bei jeder Änderung der Gesetzgebung das Staffelproblem
 im Mittelpunkt der Erörterungen innerhalb
des Gewerbes steht und die Meinungen erfahrungsgemäß,
 wenigstens im Anfang, weit auseinander zu
gehen pfleren, ist es eine undankbare, um nicht zu

Wenn sonach die neuere Biersteuergesetzgebung
ıuch bemüht war, die Überwälzung der Steuer zu
;rleichtern, so enthält sie doch einige Bestimmungen,
lie sich von Jahr zu Jahr immer mehr als schweres
Äindernis für die Aufrechterhaltung eines gerechten
Sierpreises und damit für die Überwälzung der
teuer herausgestellt haben. Das gilt zunächst von
er verunglückten Vorschrift des $ 8 über die Steuerreiheit
 des Haustrunks der Inhaber von Privatrauereien.
 Diese erstmalig im Gesetz vom 9. Juli
323/11. August 1923 enthaltene Vorschrift hat nämch
 in der Praxis dazu geführt, daß die sogenannten
[ausbrauer überhaupt ‚steuerfrei sind mit der
Virkung, daß man heute von einem ausgesprochenen
lausbrauerunwesen sprechen muß. So gibt es in
jayern heute nach zuverlässigen Schätzungen weit
ber 50.000 Hausbrauer gegenüber rund 10 000 in der
&amp;gt;tzten Vorkriegszeit, die sich infolge der Undurchihrbarkeit
 einer wirksamen Kontrolle immer mehr zu
;jiner außerordentlichen Gefahr für das reelle Brauzewerbe
 auswirken und für den Staat einen Einıahmeausfall
 von mehreren Millionen Reichsmark im
ahre bedeuten. Ganz besonders schädlich wirkt sich
        <pb n="159" />
        ‚58 Direktor Dr. Walter Schmidt, Berlin:
hd ng Lan
das Privileg-der Hausbrauer aus, wenn diese ihr Bier Stammwürzegrenzen,
in Gemeinschaftsbrauereien herstellen. Auch die Ab- Geshtz vom:
indungsbrauereien, von denen im Jahre 1926/27 auf 6SE1E vom:
Bayern allein 1300 Betriebe entfallen, stehen infolge _ 26. Juli 1918 ' 9, Juli 1923 |10. August 1925
Ihrer Schleuderkonkurrenz der Durchführung der Einfachbier....... bis 4,5% bis 5,5% bis 6,5 %
Steuerüberwälzung entgegen. Vakuum ....... 4,5—8 9 5,5—8 9% | 6,5—11 %
Abgesehen vonder technischen Beeinflussung des Ge- ve nkbier 815% din “lo 149
werbes im Hinblick auf die Abwälzungsmöglichkeiten Vakdum 9 9 1816 0%
hat die Biersteuergesetzgebung im Laufe der Ent- Starkbier......... | über 13% | über 14% | über 16%
wicklung immer mehr durch gewisse Vorschriften Für im Ausland tes: h Deutschland ci
direkten Einfluß auf die Bierherstellung genommen. AR Im US an 6 GrZENgLES, DE EULSCHANG EIN-Hier
 sind zu nennen die Bestimmungen über das Selührtes Bier ist nach Ser heutigen Gesetzgebung
Keinheitsgebot, das im Anschluß an die süddeutsche Zoll und Biers TOHEr Zu entf ichten, und zwar letziere
Gesetzgebung erstmalig im Gesetz vom 3. Juni 1906 ach dem Höchstsatz, ‚55 1000 geschah die Verausgesprochen
 wurde. Es ist heute im 8 10 des Ge- ‚ollung ausländischer Biere nach dem Gewicht, Die
setzes vom 10. August 1925 enthalten mit der Maß- 3undesratsverordnung vom 24, Juli 1909 ließ —
gabe, daß nur für obergäriges Bier die Verwendung ıeben dem ‚Gewichtszoll, der. der Verschiedenheit
von Zucker zugelassen ist und bis auf weiteres für Ss a Sehe ht En Me den
gewisse Arten von Bier, insbesondere das sogenannte itiet so daß heute nur noch der ewichienoll be-Jungbier,
 auch Süßstoff verwendet werden darf. Die . ht Üb die Entwick! des Zollschutzes bezügsüddeutsche
 Gesetzgebung hat das Reinheitsgebot 6 . SE iS NEWIC ng S £0 Se TEE CZUE
auf Grund ihrer Vorbehalte ganz streng durch- ich der wichtigsten Biereinfuhr, nämlich der aus
geführt. Daß als letzter Rest der Kriegszwangswirt- 3öhmen, gibt Dr. KOPpe \n Senem Biersteuer-Komschaft
 im ehemaligen Brausteuergebiet die Süßstoff- nentar nachstehende Übersicht:
verwendung noch weiter gestattet wird, bleibt im
ınteresse des Ansehens des norddeutschen Braugewerbes
 bedauerlich. Denn das Publikum weiß ja
nicht, daß sich diese Anwendung nur auf ganz bestimmte
 Biere und auf gewisse Brauereien erstreckt,
die mehr auf den Verdienst als auf den Ruf ihrer
Biere Wert legen.
Einen Schutz für das reelle Braugewerbe soll auch
der $ 12 des Biersteuergesetzes vom 10. August 1925
bieten, der das Inverkehrbringen von Bierersatzpräparaten
 verhindern will, Die nicht gerade glückliche
 Rechtsprechung des Reichsgerichts hat aber
diese Vorschrift ihrer praktischen Wirksamkeit entkleidet;
 eine Folge, die erst in neuester Zeit durch
die den Verhältnissen gerechter werdende Judikatur
des Reichsfinanzhofs einigermaßen korrigiert ist.
immerhin werden bis auf den heutigen Tag die
Zeitungen mit Annoncen überschwemmt, in welchen
dem Publikum unter allen möglichen Namen Präparate
 angepriesen werden, aus denen es sich angeblich
 selbst Bier bereiten kann. Daß derartiges
überhaupt in Deutschland und sogar in Bayern möglich
 ist, wo man doch annehmen sollte, daß das
Publikum einigermaßen „bierverständig‘“ sei. ist
3igentlich unbegreiflich.
Von größter Wichtigkeit ist die im-Biersteuerrecht
im Anschluß an die Einführung der Bezeichnungen
Einfach-, Voll- und Starkbier enthaltene Abgrenzung
des Stammwürzegehalts. Die Grenzen sind wiedernolt
 in Anpassung an die jeweiligen ' Erzeugungsmöglichkeiten
 geändert, wie nachstehende Tabelle
ergibt:

FA

In dem Gesetz über den Eintritt der drei süddeutchen
 Staaten in die Biersteuergemeinschaft haben
liese sich als Entgelt für die Aufgabe ihres Reservat-'echts

Überweisungen aus den Biersteuer-Einnahmen
(usbedungen, die für Bayern 13,55%, aber nicht mehr
ıls 78 Millionen PM., für Württemberg 2,50%, aber
üicht mehr als 15 Millionen PM., und für Baden
‚60%, aber. nicht mehr als 10 Millionen PM. — die
’apiermark bezogen auf den 1. Juli 1919 — betragen.
)iese Sätze sind der Geldentwertung wiederholt anrepaßt
 und zuletzt durch Gesetz vom 9. April 1927
nit der Absicht endgültiger Regelung auf 45 Milionen
 RM. für Bayern, 8,633 Millionen RM. für
Nürttemberg und 5,755 Millionen RM. für Baden
estgesetzt. Auf den Einspruch Preußens hin hat der
Staatsgerichtshof des Deutschen Reiches am 17. No-'‚ember
 1928 das Gesetz vom 9. April 1927 für unrültig
 erklärt, weil es verfassungsändernd sei und
laher eine qualifizierte Mehrheit erfordere. Die in
len ursprünglichen Gesetzen vom 27. März und
24. Juli 1919 angenommenen Beträge für die Überveisungen
 seien jedoch aufzuwerten. Diese Ent-
        <pb n="160" />
        IV., la. Biersteuern und Braugewerbe. 159
vn ZEN A SWS &amp;gt;.
scheidung, die auf den ersten Blick nur das fiska- ei den Beratungen des Biersteuergesetzes von 1918
lische Verhältnis der süddeutschen Länder zum dazu, daß der Reichstagsausschuß einen Beschluß
Reiche‘ zu berühren scheint, ist aber auch für das aaßte, die Gemeindebiersteuer mit Wirkung vom
Braugewerbe unmittelbar von praktischer Bedeutung. . April 1921 gänzlich aufzuheben, dem jedoch das
Denn es werden nunmehr wiederum Verhandlungen ’lenum nicht beitrat. $ 63 des Biersteuergesetzes
zwischen dem Reich und den früheren Sönderrechts- "om :26. Juli 1918 behielt vielmehr den Höchstsatz
staaten über die Höhe der Aufwertung einsetzen. Da- on 65 Pf. für Voll- und Starkbier und von 30 Pf. für
mit ist aber die Gefahr gegeben, daß, wie bei der infachbier‘ bei. Dasselbe Schauspiel wiederholte
letzten Biersteuererhöhung, der Widerstand dieser ich 1922, indem der 35. Reichstagsausschuß bei Be-Länder,
 insbesondere Bayerns, gegen. etwaige neue tung der damaligen Biersteuervorlage die Beseiti-Biersteuerpläne
 nicht unbeeinflußt bleibt durch das ung .der ‚Gemeindebiersteuer beschloß, das Plenum
Interesse an der Höhe der Überweisungen. Auch ’er diesem Beschlusse nicht beitrat.
Bayern, das als .das klassische Bierland sehr stark Durch das Gesetz zur Abänderung des Landesam
 Bierpreis interessiert ist, der dort geradezu index- euergesetzes vom 23. Juni 1923 wurde das Recht
artige Wirkung für die gesamte Lebenshaltung ier Gemeindebiersteuer auf eine völlig neue Grundäußert,
 hat nun einmal im Hinblick auf die Über- age gestellt. $&amp;amp; 13 dieses Gesetzes, der als $ 14 in
Weisungen. sozusagen zwei Seelen in seiner Brust. ıem Finanzausgleichsgesetz vom 23. Juni 1923 Auf-Mit
 der Reichsbiersteuer allein ist die finanz- ıahme fand, räumte den Gemeinden das Recht ein,
politische Bedeutung des Braugewerbes noch nicht nit Genehmigung der Landesregierung oder der von
erschöpft. Als einziges Getränk unterliegt das Bier Hr beauftragten Behörden Getränkesteuern auf den
einer irtlichen Verbrauch von Bier (ferner von Wein,
Schaumwein, Trinkbranntwein und Mineralwässern)
zu erheben, die entweder nach dem Kleinhandelseis
 oder nach der Menge des steuerbaren Geränkes
 bemessen wurden und beim Bier 5% des
Cleinhandelspreises nicht übersteigen ‚durften. Danit
 war jedoch der Kampf um die Gemeindebierteuer
 nicht zur Ruhe gekommen. Bei Beratung der
3iersteuervorlage 1925 {forderte das Braugewerbe
ind die übrigen an den Getränkesteuern interessierten
Järungsgewerbe erneut die Beseitigung der gemeindichen
 Besteuerung mit dem Erfolge, daß — und
„war ganz offensichtlich als Ausgleich für die danalige
 Biersteuererhöhung — durch Gesetz vom
0. August 1925 dem Finanzausgleichsgesetz ein
) 14a (später $ 16 in der Fassung vom 27. April 1926)
äingefügt wurde, der die Aufhebung der gemeindichen
 Getränkesteuern zum 31. März 1927 vorsah
ınd, um den Abbau vorzubereiten, die Einführung
euer Getränkesteuern nach dem 1. September 1925
rerbot. Damit glaubte das Braugewerbe endlich sein
ıltes Schmerzenskind begraben zu haben. Der mit
ingeheurem Nachdruck betriebenen Propaganda der
jemeinden unter Führung des Deutschen Städteages
 gelang es jedoch, jene Bestimmung wieder zu
‚eseitigen. Zunächst wollte der Reichsrat den Ternin
 der Aufhebung um ein Jahr, also bis zum
31. März 1928, hinausschieben. Der Steuerausschuß
lies Reichstages hielt jedoch vorerst an dem Endermin
 vom 31. März 1927 fest. Unter dem Drucke
ler Gemeinden und Länder, namentlich Preußens
ind Bayerns, wurde dieser Beschluß jedoch wieder
ückgängig gemacht und das Recht der Gemeindejersteuer
 unter völliger Übergehung der Wünsche
ind Vorstellungen des Braugewerbes nach einem Anrag
 des bayerischen Reichstagsabgeordneten Justiz-'ats
 Pfleger auf eine ganz neue Grundlage gestellt,

Doppelbesteuerung,
die sonst kein Nahrungs- oder Genußmittel trifft; ein
Ausnahmezustand und eine steuerliche Ungerechtigkeit,
 die unmöglich aufrechterhalten werden darf.
Man vergegenwärtige sich dazu die treffliche Wertung,
 die der Vorläufige Reichswirtschaftsrat in
seinem Gutachten vom 3. April 1925 dem Bier hat
zuteil werden lassen:
„In einzelnen Ländern gilt das Bier als Nahrungsmittel.
 Ein entbehrliches Genußmittel stellt das Bier in
Deutschland nicht dar, und die Bedeutung des Bieres
für das deutsche Volk als Nahrungs- und Genußmittel
muß anders bewertert werden als für jede andere Nation.
Die schwerarbeitende Bevölkerung kann auf dieses Anregungsmittel
 nicht verzichten.“
Für die Aufrechterhaltung der Gemeindebiersteuer
wird mit. Vorliebe geltend gemacht, daß diese seit
altersher bestanden hätte. Das mag richtig sein, beweist
 aber nichts für die Beibehaltung. Denn es sind
ja auch alle anderen Torsteuern, Oktrois und Akzisen
längst aufgehoben. Nur hinsichtlich des Bieres hat
man diese mittelalterliche Steuerart beibehalten, die
durch die damit verbundenen Schikanen und Weiterungen
 von den Steuerpflichtigen ganz besonders
lästig empfunden wird. Ist doch z. B. allen Ernstes
die Stadt Berlin vor einigen Jahren dazu übergegangen,
 Radfahrerpatrouillen einzurichten, um den
Fuhrwerksverkehr im Hinblick auf die Getränkesteuer
 zu kontrollieren.
Nach Artikel 511 $ 7 Abs. 5 des Zollvereinigungsvertrages
 vom 8. Juli 1867 durften die für Rechnung
von Gemeinden erhobenen Bierabgaben 20% des jeweiligen
 Höchstsatzes der staatlichen Biersteuer
nicht überschreiten. Demgemäß setzte das Brausteuergesetz
 von 1909 den Höchstsatz für 1 hl Bier
auf 65 Pf. (für Einfachbier auf 30 Pf.) fest. Die dringenden
 Vorstellungen der beteiligten Kreise führten
        <pb n="161" />
        Direktor Dr. Walter Schmidt, Berlin:
N ETÄNE
die, ausschließlich für die Verhältnisse der kleinen ınproduktiver Verwaltungsarbeit muß geleistet
bayerischen Landgemeinden zugeschnitten, eine Ver- verden, um den Steuerkontrollen nachzukommen.
wirrung und Unklarheit angerichtet hat, die bis auf ‘an stelle sich nur vor, daß beinahe jede Gemeinde
den heutigen Tag fortbesteht und die Quelle zahlloser ı‚eute Biersteuer erhebt und somit jede Brauerei fast
Streitigkeiten und Prozesse zwischen Gemeinden, n jedem Orte, in dem sie Absatz hat, auch gemeinde-Brauereien
 und Gastwirten geworden ist. Diese “ersteuerpflichtig wird. Übergriffe infolge Vervöllig
 verfehlte Gesetzgebung wird schon rein äußer- ‚ennung der Grenzen der Steuerhoheit und infolge
lich dadurch charakterisiert, daß man Sekt, Wein rriger Auslegung der unklaren Gesetzesbestimmunand
 Liköre, also im Vergleich zum Biere fast durch- ven sind an der Tagesordnung und haben in den
weg Luxusgetränke, steuerfrei ließ! Aber nicht ge- &amp;lt;Creisen aller Beteiligten berechtigte Verstimmung
aug damit, es wurde auch noch das ganze bisherige ınd Aufregung erzeugt. Die einstimmige Forderung
System geändert, indem man den Steuermaßstab ies gesamten Braugewerbes geht daher. dahin, daß
nach dem Kleinhandelspreis beseitigte und dafür be- lieser unhaltbare Zustand so schnell als möglich
stimmte, daß die Steuer 7% vom „Herstellerpreis“ vieder beseitigt wird. Das wird am besten in der
nicht überschreiten dürfe, Die damit verfolgte Ab- Neise geschehen, daß endlich mit der Doppelsicht,
 nämlich den Gastwirt von der Erhebung der esteuerung Schluß gemacht und nur eine staatliche
Steuer freizustellen, ist nicht erreicht. Dafür aber Biersteuer erhoben wird. Vereinheitlichung und Verist
 durch Einführung des gänzlich unklaren Begriffes eichlichung der Biersteuer ist ein Problem, an dem
„Herstellerpreis‘“ eine absolute Unsicherheit über die Segierung und gesetzgebende Körperschaften nicht
Höhe des Steuersatzes herbeigeführt. Dieser betrug Äänger vorübergehen können. Was bei der Einfrüher
 bei der jetzt nur noch allein zulässigen EFr- „ommen- und Körperschaftssteuer, der Umsatzsteuer
hebung der Steuer nach der Menge auf Grund einer nd den anderen sogenannten Überweisungssteuern
Festsetzung des Reichsfinanzministers für ganz nöglich ist, muß auch bei der Biersteuer durchführ-Deutschland
 einheitlich 2 RM. je hl Vollbier (1 RM. ar sein: daß nämlich die Erhebung einheitlich durch
für Einfachbier, 3 RM. für Starkbier) und schwankt las Reich erfolgt und dieses dann nach einem leicht
heute zwischen 2 RM. bis 2,50 RM. und darüber für ru findenden Verteilungsschlüssel den Ländern und
Vollbier. Seit dem 1. April 1927, wo der unglückselige iemeinden Anteile davon überweist, wenn man sich
Antrag Pfleger Gesetz geworden ist, gehen bis zum chon einmal auf den Standpunkt stellt, daß die Geheutigen
 Tage die Kämpfe über die Höhe des Steuer- neinden die Gemeindebiersteuer mricht entbehren
satzes weiter. &amp;lt;Önnen, was aber vom Braugewerbe und den zahl-Noch
 schlimmer liegen die Dinge hinsichtlich der eichen mit ihm verbundenen Wirtschaftszweigen
angeblichen Schutzvorschrift, die gewissermaßen ıachdrücklichst bestritten wird. Die Vereinheitsinen
 Ersatz für den beseitigten $ 16 bieten sollte, ichung und Verreichlichung würde nicht einen Bedaß
 nämlich die Aufsichtsbehörde die Genehmigung ı\ımten mehr erfordern, während heute jede Gemeinde
zur Einführung neuer Biersteuern oder zur Erhöhung nd jede Brauerei ein Heer von Beamten eigens für
bestehender nur erteilen darf, wenn andere Ge- lie Erhebung und Kontrolle der Gemeindebiersteuer
meindesteuern im gleichen Ausmaß „gesenkt“ sind. ınterhalten muß. Sollten aber die Widerstände gegen
Denn über diese Vorschrift hat sich die Praxis der ine Verreichlichung sich als unüberwindlich er-Verwaltungsbehörden
 einfach hinweggesetzt, und veisen, so müßte zumindest die einheitliche reichsder
 Rechtsprechung ist es bislang nicht gelungen, dem zesetzliche Festsetzung von Höchstsätzen der Ge-Gesetz
 zur Anerkennung zu verhelfen. neindebiersteuer erfolgen. Das darf aber keines-Alles
 in allem kann man nur sagen, daß auf dem alls zu einer weiteren Erhöhung der Reichsbierlangen
 Leidensweg, den das Braugewerbe mit der teuer führen. Angesichts der Steuerfreiheit. der
jemeindebiersteuer zurückgelegt hat, der heutige iibrigen Getränke kann das massenschädliche und
Zustand die weitaus ungünstigste Station ist. Denn insoziale Verhältnis nicht noch mehr zuungunsten
infolge der Unklarheit und Unzweckmäßigkeit der les Bieres verschlechtert werden. Eine weitere Angesetzlichen
 Grundlage erwachsen den Brauereien ‚pannung der Biersteuer wäre nach dem Ausdruck
nach allen Seiten hin, nicht nur gegenüber den Ge- »ines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten
meinden, sondern auch gegenüber ihren Abnehmern rzelegentlich der letzten Biersteuererhöhung: der
ınd dem konsumierenden Publikum die größten „Cipfel unsachlicher Steuerpolitik“ und eine soziale
Schwierigkeiten und Ungelegenheiten. Fine Menge Ungerechtigkeit sondergleichen!

ARE
        <pb n="162" />
        b) Brauindustrie und Steuerrecht.
Von Direktor Dr. Koppe, Berlin.

Wenn in einem Kompendium der Brauindustrie
das Steuerrecht auch nicht fehlen darf, so kann doch
in diesem großen Rahmen über die wirtschaftlich
meist sehr einschneidenden Probleme des Steuerrechts
 nur ein kurzer Abriß gegeben werden, der sich
namentlich auf diejenigen Gesichtspunkte beschränkt,
die gerade für die Brauereien von besonderem
 Interesse sind. Bei dem Überblick, der im
folgenden gegeben wird, ist die hergebrachte Einteilung
 der Steuern zugrunde gelegt. Danach werden
zunächst die allgemeinen Grundlagen des Steuerrechts,
 die in der Reichsabgabenordnung und im
Finanzausgleichgesetz begründet sind, kurz erörtert,
es folgen dann die direkten Steuern, und zwar die
Steuern vom Einkommen und vom Vermögen, sowie
endlich die indirekten Steuern, und zwar hier die
Steuern vom Verkehr und vom Umsatz. Die wichtigste
 Verbrauchssteuer der Brauereien, die Reichsund
 Gemeindebiersteuer, ist bereits im vorangegangenen
 Kapitel erörtert, so daß sie in diesem Zusammenhang
 nur aus systematischen Erwägungen
Erwähnung zu finden braucht.

I. Die allgemeine Grundlage des Steuerrechts,
Die allgemeinen Grundlagen des Steuerrechts sind
in der RBeichsabgabenordnung und im Finanzausgleichgesetz
 enthalten.

Das Finanzausgleichgesetz
betrifft namentlich das Verhältnis zwischen Reich,
Ländern und Gemeinden und hätte für die Brauindustrie
 unmittelbar im großen und ganzen nur eine
beschränkte Bedeutung, wenn nicht in ihm die
Gemeindebiersteuer verankert wäre. Die Materie
der Gemeindebiersteuer mit ihren zahlreichen
Zweifeln und Bedenken ist aber bereits im vorstehenden
 Kapitel erörtert, so daß an dieser Stelle es
genügt, darauf zu verweisen. Daneben bietet namentlich
 hinsichtlich der Wertzuwachssteuern, mit
welcher die Brauereien bei ihrem regen Grundstücksverkehr
 oft zu rechnen haben, und hinsichtlich der
Vergnügungssteuern, die besonders für das den
Brauereien nahestehende Gastwirtsgewerbe von Bedeutung
 sind, das Finanzausgleichgesetz einige
materielle Richtlinien.
Weit wichtiger als das Finanzausgleichgesetz ist
für die Brauereien

die Reichsabgabenordnung.
Diese enthält namentlich die Verfahrensvorschriften
neben anderen Bestimmungen, die nicht nur die

3rauindustrie, sondern alle Industriezweige angehen,
vie z.B. den berühmten $5, der Steuerumgehungen
»rfassen will. Insbesondere sind es die folgenden Gexete
 der Reichsabgabenordnung, die für die
Zrauereien von besonderem Interesse sind.
Auf dem $ 162 Abs. 10 beruht die Buch- und
Zefriebsprüfung. Danach sind Großbetriebe minlestens
 alle drei Jahre einmal einer derartigen Buchnd
 Betriebsprüfung zu unterwerfen. Auf Grund der
Jurchführungsverordnung vom 9. November 1925
ind als Großbetriebe solche Unternehmer zu ver-;tehen,
 die mehr als 50 Personen einschließlich
lies Inhabers beschäftigen. Die erste dreijährige
3uchprüfungsperiode ist abgeschlossen, und die
neisten Brauereien werden demnächst vor - der
‚weiten Buchprüfung stehen. Die Buchprüfungen
verden teils von Buchprüfern des Finanzamtes,
eils von solchen des übergeordneten Landesinanzamtes
 und teils auch von Beamten des
Zentralen Buch- und Betriebsprüfungsdienstes des
veichsfinanzministeriums ausgeführt. In manchen
*ällen erscheinen auch Buchprüfer an sich nicht zu-;tändiger
 Landesfinanzämter, es sind das dann regelnäßig
 Herren, die von einem der für die Braundustrie
 bestimmten beiden Vororte oder Hauptorte
— es sind das die Landesfinanzämter Berlin und
Aünchen — als Spezialisten auf dem einschlägigen
jebiete ausgebildet sind und die nun auch in andere
3ezirke gesandt werden. Die beiden vorgenannten
‚andesfinanzämter Berlin und München haben nämich
 insofern als Vororte oder Hauptorte eine be-;ondere
 Vorrangstellung, als bei ihnen alle auf die
3rauindustrie bezüglichen Erfahrungen besonders geammelt
 und verwertet werden. Die Frage, ob auf
jrund dieser gesammelten Erfahrungen später
inmal allgemeingültige Richtlinien, so z. B. hinichtlich
 der Abschreibungsfragen, herausgegeben
verden können, ist mindestens im Augenblick noch
‚fien und verfrüht. Es schweben zur Zeit noch Erjebungen,
 und es hat das Reichsfinanzministerium
elbst sich eine abschließende Stellungnahme vorehalten.
 Zu bemerken ist, daß gerade in der Braundustrie
 die Verhältnisse oft grundverschieden
iegen, je nach der Größe, der wirtschaftlichen und
reographischen Lage, der Verschiedenheit der Eincaufstellen
 und Absatzgebiete usw., so daß hier die
Aufstellung allgemeingültiger Richtlinien besonders
schwierig, wenn nicht unmöglich ist und auch die
Mitteilung bloßer Erfahrungssätze nur mit großer
/orsicht und unter Belassung eines entsprechenden
Spielraumes möglich ist. Niemals wird die indivi-Die

 deutsche Brauindustrie der Gegenwart.
        <pb n="163" />
        ‚62 Direktor Dr. Koppe, Berlin:
DZ EEE
duelle Steuergebarung des einzelnen Betriebes durch hofes bei dem Finanzamt zunächst Rückfrage zu
derartige gemeingültige Sätze voll ersetzt werden ıalten, ob und inwieweit die vom Reichsfinanzhof
&amp;lt;önnen. Um ein Gegengewicht zu der behördlichen ıufgestellten Voraussetzungen erfüllt und eine Auf-Materialsammlung
 der beiden Vororte zu schaffen, -Järung vom Kunden selbst nicht zu erzielen gewesen
erschien es notwendig und zweckmäßig, auch von der 'ei, da es für die Brauerei naturgemäß unbequem sei,
Industrie aus eine entsprechende Einrichtung zu iber Geschäftsgeheimnisse des Kunden Auskunft
schaffen, das ist durch Errichtung der Informations- ‚eben zu müssen, Auch empfiehlt es sich schon aus
stelle beim Deutschen Brauer-Bund, Berlin-Char- Sründen der Loyalität, den Kunden von dem Frlottenburg,
 Kantstraße 10, geschehen. Daneben wird :uchen des Finanzamts zu verständigen, damit dieser
es aber sehr oft bei derartigen Buch- und Betriebs- regebenenfalls von sich aus die Möglichkeit hat, die
prüfungen und dem daran sich anschließenden Ver- \ufklärung ‘nachzuholen und der Brauerei die unanlagungsverfahren
 für die Brauereien notwendig equeme Auskunft zu ersparen.
werden, auch ihrerseits Gutachten zuverlässiger Sind aber die Voraussetzungen, die der Reichs-Sachverständiger
 zu bringen. Hier dürften ganz be- inanzhof aufstellt, erfüllt, so kann die Brauerei die
sonders die beiden obersten staatlichen Stellen der Auskunft nicht verweigern, sie wird allerdings auch
Brauindustrie, die unter. Staatsaufsicht stehende n diesem Falle zweckmäßig den Kunden von dem
Aochschulbrauerei in Berlin N 65, Seestraße 13, und Briefwechsel. in Kenntnis setzen, damit dieser sieht,
die bayerische Staatsbrauerei in Weihenstephan zur I1aß die Brauerei, durch das Gesetz gezwungen, das
Mitwirkung berufen sein, jeschäftsgeheimnis preisgeben mußte.
Das erkennen auch die Finanzbehörden immer Wo die Auskunftserteilung eine größere Mühemehr
 an und nehmen in zunehmendem Maße die valtung, z.B. Heraussuchen alter Akten, Aufstellung
beiden genannten Institute als Gutachter in Anspruch. 9M Auszügen und dergleichen verlangt, wird die
, | 3rauerei für ihre Mühewaltung eine angemessene
Neben dem allgemeinen Buch- und Betriebs- Intschädigung verlangen können und dies vorher
prüfungsverfahren steht dann die besondere Steuer- {em Finanzamt mitteilen. Die Fra ge der Gebührenaufsicht
 des zuständigen Finanzamtes. Gerade in licht einer derartigen Auskunftserteilung ist allerdieser
 Beziehung ist die Inanspruchnahme der lings bestritten und, soweit bekannt schweben
Brauereien bei ihren weitverzweigten Kundschafts- lieserhalb zur Zeit verschiedene Prozesse. Von
beziehungen eine besonders starke. Nach den nteresse ist aber in diesem Zusammenhang die
S$ 177 ff. der Reichsabgabenordnung können nämlich Stellung eines Antrages an das Landesfinanzamt. Fs
unter gewissen Umständen auch die Brauereien zur ıat nämlich nach den geschäftlichen Mitteilungen
Auskunft über ihre Kunden herangezogen werden. 10 Bundes Niederschlesischer Industrieller der Prä-Immer
 wieder werden Brauereien durch Anfragen VON ‚dent des Landesfinanzamtes Breslau in einem Erlaß
Finanzämtern über Bezüge der Kunden in eine rom 1. Juli 1926 (13747 B IL, 2) sich auf den Standschwierige
 Lage gegenüber dem Kunden gebracht. ynkt gestellt, daß bei der Auskunftserteilung durch
Auf der einen Seite glauben die Brauereien der Auf- )ritte gemäß den reichsfinanzministeriellen Beforderung
 der Finanzämter entsprechen zu müssen, ‚timmungen in jedem Falle zu prüfen sei, ob das
auf der anderen Seite aber wollen sie auch nicht Ge- inanzielle Interesse, das das Reich an einer Erschäftsgeheimnisse
 des Kunden ohne dessen Wissen eilung der Auskunft hat, zu der Arbeit, zu den
preisgeben. Hier ist von außerordentlicher Bedeutung Costen und zu den Beeinträchtigungen von Wirtein
 Urteil des Reichsfinanzhofes vom 28. September ‘chaftsbeziehungen, die der Auskunftsperson durch
1927 (VIA 527/27), durch welches erfreulicherweise lie Auskunfterteilung erwachsen, in "einem angeeinem
 unbeschränkten Auskunftverlangen der Finanz- nessenen Verhältnis steht. Fin e ausreichende Geämter
 gewisse Grenzen gezogen werden. Die An- vähr dafür, daß bei der Abwägung der Interessen des
sicht des Reichsfinanzhofes kommt im Endergebnis Zeichs und derjenigen der in Anspruch KenOMMENEN
darauf hinaus, daß ein unmittelbares Auskunfts- NVirtschaftskreise mit der erforderlichen Sorgfalt
verlangen an Dritte erst gerichtet werden darf, wenn ‚erfahren wird, sieht der Präsident des Landesfinanzdei
 zweifelhafter Buchführung des Steuerpflichtigen ımts Breslau in Übereinstimmung mit dem Reichsain
 Versuch zur Aufklärung bei diesem gescheitert ist. inanzminister darin, daß die EntschließBung über Aus-Nach
 der Ansicht des Reichsfinanzhofes braucht :unftsersuchen grundsätzlich dem Vorsteher des
also die Brauerei erst dann über ihr Geschäfts- °inanzamts vorbehalten bleibt. Ferner weist der
verhältnis zu dem Kunden Aufklärung zu geben, wenn ’7räsident des Landesfinanzamtes darauf hin, daß in
das Finanzamt bei diesem nicht zum Ziele gekommen *ällen, in denen die Ausfertigung von Auszügen für
ist. Das wird sich aber aus der Anfrage des Finanz- rahlreiche Kunden verlangt wird, sofern ein erhebamtes
 bei der Brauerei meist nicht ergeben, und icher Aufwand an Zeit und Kosten entstanden ist,
deshalb empfiehlt es sich für die Brauerei, unter Hin- )illigerweise eine Entschädigung gemäß $ 183 der
veis auf das vorerwähnte Urteil des Reichsfinanz- \bgabenordnung zu gewähren ist.
        <pb n="164" />
        IV., 1b. Brauindustrie und Steuerrecht.
Es ist anzunehmen, daß bei richtiger Anwendung
der vorstehenden Grundsätze die Brauereien sich
vor zu weitgehenden Auskunftsverlangen der Finanzämter
 mit Erfolg werden schützen können.
Aus dem weiteren Inhalt der Reichsabgabenordnung
interessieren besonders noch die Stundungsvorschriften
 der $8 102if, wobei noch zu bemerken ist,
daß für die Biersteuer an sich eigene Stundungsvorschriften
 gelten, neben denjenigen des $ 105 der
Reichsabgabenordnung. Der Stundungszins beträgt
regelmäßig 5 %, der Verzugszins bis zu 10 %.
Der bekannte Härteparagraph ($ 108) gestattet Ermäßigung
 und Niederschlagung in besonderen Fällen.
Die Verjährung beträgt bei Steuern im allgemeinen
fünf Jahre, bei der Biersteuer ein Jahr. Der Lauf der
Verjährung beginnt aber erst am Ende des Jahres,
in dem die Steuerschuld entstanden ist.
Für die Brauereien von Interesse ist auch noch der
$&amp;amp; 220 Absatz 2 der Reichsabgabenordnung, wonach
als Steuerbescheid auch der Feststellungsbescheid
über Festsetzung von Braukontingenten gilt. Ist die
Brauerei mit einem derartigen Bescheid nicht zufrieden,
 so kann sie ihn im üblichen Rechtsmittelweg
anfechten.
Die Rechtsmittel sind, wie bekannt, auf dem Gebiete
 der direkten Steuern und der Verkehrssteuern,
Einspruch an das Finanzamt, Berufung an das
Landesfinanzamt (Finanzgericht), Rechtsbeschwerde
an den Reichsfinanzhof. Auf dem Gebiete der Verbrauchssteuern,
 namentlich also der Biersteuer, führt
die Anfechtung an das Landesfinanzamt, dagegen
ist dann Rechtsbeschwerde an den Reichsfinanzhof
in München möglich. In Biersteuerfragen entscheidet
der Vierte Senat des Reichsfinanzhofes, dem zur Zeit
der frühere Staatssekretär im Reichsfinanzministerium,
 Senatspräsident Zapf, ein hervorragender
Kenner des Biersteuerrechtes, vorsitzt.
Auch das Steuersfrafrecht ist in der Reichsabgabenordnung
 und nicht mehr wie früher in den
einzelnen Steuergesetzen abschließend geregelt.
Neben der Steuerhinterziehung wird auch die Steuergefährdung
 -bestrait. Dagegen tritt bei entschuldbarem
 Irrtum Steuerfreiheit ein. Die strafrechtliche
Verantwortlichkeit kann auch auf andere Personen,
so z. B. auf den Braumeister übertragen werden. Finzelne
 besondere Strafvorschriften enthält noch das
Biersteuergesetz in den $$ 21 bis 24. Daneben aber
gelten die Vorschriften der Reichsabgabenordnung
stets ergänzend.

168

und in einem selbständigen Reichsbewertungsgesetz
vom 10, August 1925 vereinigt. Man unterscheidet
danach vier Vermögensarten, nämlich:
a) landwirtschaftliches Vermögen,
b) Betriebsvermögen,
c) Grundvermögen,
d) Kapitalvermögen (sonstiges Vermögen).
Das Reichsbewertungsgesetz wird durch das in
/orbereitung befindliche Steueranpassungsgesetz
Steuervereinheitlichungsgesetz) wesentliche Abinderungen
 erfahren.
Bei der Wertermittelung sind die sog. Einheitsverte
 festzustellen. Für die Brauereien interessiert
)jesonders die Behandlung des Betriebsvermögens
nd des Grundvermögens.
Zum Betriebsvermögen gehört ietzt der gesamte
3esitz einer Aktiengesellschaft, einer G. m. b. H. oder
ner Genossenschaft ohne Rücksicht auf die Vervendung,
 Bei offenen Handelsgesellschaften und
&amp;lt;ommanditgesellschaften gehören auch die Gegentände
 zum Betriebsvermögen, die zwar einem der
Gesellschafter gehören, von diesem aber der Gesellschaft
 zur Verfügung gestellt worden sind. Bei der
3ewertung des Betriebsvermögens ist grundsätzlich
om gemeinen Wert auszugehen.
Beim Grundvermögen beruht dagegen der Finheitsvert
 nicht auf dem gemeinen Wert, sondern auf dem
irtragswert. Nur Grundstücke, die nicht in ortsiblicher
 Weise bebaut sind und nicht gewerblichen
Zwecken dienen, sind mit dem gemeinen Wert zu beverten.
 Zum Grundvermögen gehören auch die mit
lem Grund und Boden verbundenen Bestandteile,
nsbesondere die Gebäude und das Zubehör, soweit
's nicht zu einem gewerblichen Betriebe gehört.
Die Brauereimaschinen stellen in der Regel Zu-‚hör
 dar, das zum Gewerbebetrieb gehört, und
verden daher nicht zum Grundvermögen, sondern
zum Betriebsvermögen gerechnet. Nur einige wenige
Maschinen und Tanks, die fest eingemauert sind, wie
. B. Zementtanks, und ohne Zerstörung der Substanz
‚om Grund und Boden nicht getrennt werden können,
rehören zum Grundvermögen; wo aber die Maschinen
ıbmontiert werden können, rechnen sie zum Betriebsermögen.

Für Effekten gelten die amtlichen Steuerkurse.
Jer Einheitswert für den gesamten gewerblichen Berieb
 ist mit der Summe der Steuerkurswerte einzusetzen.
 Nur dann, wenn das wirkliche Vermögen
nindestens 10 % weniger oder mehr als die Summe
ler Steuerkurse beträgt, kann Bewertung nach
len allgemeinen Bewertungsvorschriften verlangt
verden.
Offene Handelsgesellschaften und Kommanditzesellschaften
 deklarieren nicht nur, wie bei der Einsommensteuer,
 sondern sie sind bei der Vermögens-DieSteuernvom

 Vermögen.
1. Das Reichsbewertungsgesetz.
Die Bewertungsvorschriften sind jetzt aus den verschiedenen
 Steuergesetzen, insbesondere dem Vermögens-
 und Erbschaftsteuergesetz herausgenommen
        <pb n="165" />
        Direktor Dr. Koppe, Berlin:
Eh
steuer auch selbst steuerpflichtig. Um aber eine
Doppelbesteuerung zu vermeiden, sollen die Anteile
der einzelnen Gesellschafter bei deren Vermögensteuererklärung
 außer Betracht bleiben.

.Ö4

4. Das Erbschaftsteuer gesetz
betrifft die natürlichen Personen und kommt
für die Brauereiunternehmen als solche "nicht
in Betracht. Dagegen spielt die Schenkungssteuer,
die im Erbschaftsteuergesetz mitbehandelt wird,
ınter Umständen eine Rolle, insbesondere bei
"ubiläumsspenden, Weihnachtsgratifikationen und
lergleichen. Nach der Ansicht des Reichsfinanzı1ofes
 unterliegen derartige Spenden dann bei der
irma nicht dem Lohnabzug und bei dem Empfänger
ıicht der Einkommensteuer, wenn die Spenden ledigich
 aus sozialen Gründen in der üblichen Weise und
ıhne Rücksicht auf besondere Verdienste des
impfängers gegeben werden. Fine Schenkungs-‚teuer
 kommt dann auch nicht in Betracht, weil es
‚ich um die üblichen Gelegenheitsgeschenke handelt,
{ie von der Schenkungssteuer frei bleiben. Pensionen
ınd ähnliche Zuwendungen, die früheren Angestellten
‚ewährt werden, sowie Zuwendungen an Pensionser
 Unterstützungskassen des eigenen Betriebes
»leiben von der Schenkungssteuer, nicht aber von
der Einkommensteuer, frei. Im übrigen gelten die
Zewertungsvorschriften des Reichsbewertungszesetzes
 auch als Grundlage für die Frbschaft- und
Schenkungssteuer. Die Steuer beruht auf dem Gesetz
vom 10. August 1925.

2. Die Vermögensteuer.
Die Vermögensteuer, die auf dem Gesetz vom
L0. August 1925 beruht, richtet sich bezüglich der Bewertung,
 wie bereits oben erwähnt, nach den Vorschriften
 des Reichsbewertungsgesetzes. Die Vermögensteuer
 beträgt 5 bis 7°, doch ist für 1929
ein 8proz. Zuschlag für Steuer von 1928 eingetreten.
Berufsverbände (Brauereiverbände), deren Zweck
nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb
gerichtet ist, bleiben von der Vermögensteuer frei,
auch wenn sie in der Form einer Aktiengesellschaft
&amp;gt;der G.m.b. H. organisiert sein sollten. Die Vermögensteuer
 ist in vier Jahresraten am 15. Februar,
15. Mai, 15. August und 15. November fällig. Sie wird
alljährlich von neuem veranlagt und erhoben, der
jährliche Stichtag ist der 1. Januar bzw. der Beginn
des Geschäftsjahres. Die Vermögensteuer ist die
Grundlage für die Industriebelastung (s. u.) und meist
auch für die Gewerbekapitalsteuer.
3. Die Industriebelastung. .
Die Industriebelastung beruht, was die äußere Belastung
 angeht, auf dem Industriebelastungsgesetz
vom 30. August 1924 und was die innere Umlegung
 angeht, auf dem Aufbringungsgesetz vom
selben Tage. Wie bereits bei der Vermögensteuer
zrwähnt, dient die alljährliche Festsetzung der Vermögernsteuer
 als Grundlage, und zwar ist die Veranlagung
 zur Vermögensteuer für das voraufgegangene
 Kalenderjahr für die Aufbringungspflicht
des betreffenden Jahres maßgebend. In der Regel
wird alljährlich durch besondere Verordnung die Eraebung
 der Jahresleistungen für das betreffende Jahr
näher festgesetzt und der Aufbringungsschlüssel mitgeteilt.
 Für 1930 beträgt der Satz 6,5 vom Tausend,
wovon 3,5 v. T. am 20. Februar zu zahlen sind,
während die Aufbringungspflicht für die 2. Rate von
der Entscheidung über den Young-Plan abhängig ist.
Belastet ist grundsätzlich nur das gewerbliche Vermögen.
 Zwar hatte der Reichsfinanzhof auch bloße
Grundstücksgesellschaften als aufbringungspilichtig
erklärt, durch Erlaß des Reichsfinanzministeriums
vom 19. Dezember 1928 ist jedoch die Aufbringungsfreiheit
 der Grundstücksgesellschaften wieder hergestellt
 worden. Außerdem bleiben die Gesellschaften
mit sog. idealen Zwecken, die freien Berufe und die
YHolding-Gesellschaften von der Steuer frei.
Die Einrichtung und Verpachtung von. Schankwirtschaften
 durch Brauereien ist im allgemeinen als
Nebenbetrieb des Braubetriebes anzusehen. Das verpachtete
 Betriebsvermögen ist daher in der Hand
les Verpächters, d. h. der Brauereien. zu belasten.

HN. Die direkten Steuern.
Die Steuern vom Einkommen.

7. Die Einkommensteuer.
Die Einkommensteuer ist durch Gesetz vom
‚0. August 1925 geregelt. Die Einkommensteuer ist
ron allen natürlichen Personen zu zahlen, während die
uristischen Personen, insbesondere also die Aktienresellschaften,
 die Gesellschaften m. b. H. und die
jenossenschaften die Körperschaftsteuer zahlen. Bei
len Offenen Handelsgesellschaften und Kommanditzesellschaften
 zahlt die Gesellschaft als solche weder
inkommen- noch Körperschaftsteuer, vielmehr
;ahlen -die einzelnen Gesellschafter bzw. Komnanditisten
 Einkommensteuer auf den. entfallenden
‘ahresgewinn, Für die Brauereien kommen naturremäß
 vor allem die Bestimmungen in Betracht, die
ich mit der Versteuerung der gewerblichen Einı1ahmen
 befassen, und hier sind es wiederum ins-‚esondere
 Fragen der Abschreibung, Fragen der Bevertung
 und Fragen der Kalkulation. die im Vorderzrund
 stehen.
Was die Abschreibungsfrage angeht, so ist zuıächst
 allgemein zu bemerken, daß es gegenwärtig
3 den allermeisten Fällen sich empfiehlt, neben der
Tandelsbilanz eine besondere Steuerbilanz zu führen.
Jb diese Unterscheidung an sich wünschenswert ist,
cann an dieser Stelle nicht erörtert werden, jedenalls
 erscheint die Differenzierung bei unserem gegenvärtigen
 Steuersystem zweckmäßig und in vielen
        <pb n="166" />
        IV., 1b. Brauindustrie und Steuerrecht.
U —— nn

165

Fällen sogar geboten. Das zeigt sich schon darin,
daß in der Steuerbilanz vom Anschaffungswert abgeschrieben
 wird, während der Kaufmann vom Buchwert
 abzuschreiben pflegt, wodurch also die Abschreibungssumme
 jedes Jahr geringer wird. Zu bemerken
 ist, daß häufig auf die Abschreibungsiragen
ein zu großes Gewicht gelegt wird. Erlangt der
Steuerpflichtige übermäßige Abschreibungsquoten,
so kann es leicht geschehen, daß er nach wenigen
Jahren seine Abschreibungsmöglichkeiten erschöpft
hat und dann hohe Gewinne versteuern muß. Hinzu
kommt dann freilich, daß auch die normalen Abschreibungen
 regelmäßig zur Wiederbeschaffung der
betreffenden Anlagegegenstände nicht ausreichen.
Deshalb wird von der Wirtschaft immer dringender
gefordert, daß darüber hinaus entsprechend dem veränderten
 Geldstande zusätzliche Abschreibungen
bzw. die Zulassung eines steuerfreien ErneuerungSkontos
 gesetzgeberisch anerkannt werden. Allgemein
 gültige Abschreibungssätze gibt es nicht, dazu
liegen die Verhältnisse bei den einzelnen Betrieben
individuell viel zu verschieden. Mindestens sind
die Erfahrungen auf Grund der Steuergesetzgebung
von 1925 noch viel zu jung, als daß man schon jetzt
allgemein gültige Abschreibungssätze aufstellen
könnte. In diesem Sinne hat sich auch die Brauindustrie
 in verschiedenen Sitzungen des Deutschen
Brauer-Bundes und seines Steuerausschusses einmütig
 ausgesprochen.
Wenn nun neben der Handelsbilanz eine besondere
Steuerbilanz aufgestellt wird, so werden die verschiedenen
 Ansätze in den beiden Bilanzen sehr oft
voneinander abweichen und mit fortschreitender Zeit
werden die Differenzen sich immer mehr vergrößern.
Insbesondere wird es sich dabei oft zeigen, daß eine
Überspannung der Steuerforderungen durch die
Steuerbehörde gegen diese selbst ausschlägt, ähnlich
wie übersetzte Abschreibungen gegen den Steuer-»flichtigen.
 Denn wenn die Steuerbehörde in der
Steuerbilanz sehr hohe Steuergewinne herausrechnet,
die in der Handelsbilanz nicht stehen und dementsprechend
 auch nicht ausgeschüttet werden, SO
geht die betreffende Brauerei alsdann in die Steuerbilanz
 des nächsten Jahres mit einem sehr hohen
bereits versteuerten Gewinnvortrag hinein, und es hat
sich bereits wiederholt der Fall gezeigt, daß die Gewinnausschüttung
 des nächsten Jahres teilweise oder
völlig steuerfrei blieb, weil sie auf den bereits versteuerten
 Gewinnvortrag des Vorjahres angerechnet
werden konnte.
Was nun die Abschreibungen auf die einzelnen
Konten angeht, so sind hier die Erfahrungen, wie
bereits erwähnt, noch nicht abgeschlossen, um aber
einen Erfahrungsaustausch zu erleichtern, hat der
Deutsche Brauer-Bund eine besondere Informationsstelle
 eingerichtet, die über den gegenwärtigen Stand
der Angelegenheit jederzeit Auskunft gibt. Nach den

von dieser Stelle aufgestellten Grundsätzen wird man
n vielen Fällen zu-folgenden Ergebnissen kommen:
Bei Brauereigebäuden wird man zunächst für die
:gentlichen Fabrikgebäude eine erhöhte Abschreibung
‚on 4% verlangen können, denn sie leiden ganz
'esonders unter der ständigen Nässe und den großen
’emperaturunterschieden. Bei Wirtschaften, die
iurch die nassen Bierkeller und den starken Verkehr
*benfalls sehr abgenutzt werden, wird man einen Satz
ron 3 % in Ansatz bringen, während für Wohnhäuser
ler ortsübliche Satz in Frage kommt.
Auf Grund und Boden sind an sich keine besonderen
\bschreibungen möglich. Die Brauereien führen
neist in ihren Handelsbilanzen Grund und Gebäude
ıuf einem Konto, während für die Steuerbilanz eine
Trennung notwendig wird. Hier ist darauf zu achten,
laß die Relation richtig getroffen wird, denn wenn
zuviel auf Grund und Boden gerechnet wird, so wird
lie Brauerei geschädigt, weil ihr dadurch Abschreibungsmöglichkeiten
 genommen werden.
Eine Ausnahme davon, daß auf Grund und Boden
licht abgeschrieben werden darf, bildet das Brunnenzonto,
 das bei der Bedeutung der Wasserhaltung für
lie Brauerei besondere Beachtung verdient. Hier
ind Abschreibungssätze von 6 bis 10 % in der Praxis
rebilligt worden.
Der wichtige neue Veranlagungserlaß vom 16. Feruar
 1929*) enthält u. a. auch eine Bestimmung über
lie Abschreibungen bei Neuanschaffungen. Danach
st die Höhe des gemeinen Wertes grundsätzlich zu
)eanstanden, wenn er hinter dem in der Handelsxlanz
 angesetzten Wert oder um mehr als 20 %
inter dem tatsächlichen Anschaffungs- oder Her-‘tellungspreis
 zurückbleibt. Dagegen soll im allgeneinen
 — d. h. soweit nicht ausnahmsweise be-:ondere
 Verhältnisse einen niedrigeren Abschlag
eechtfertigen — von Beanstandungen abgesehen
verden, wenn Maschinen oder sonstige Gegenstände
ies beweglichen Anlagekapitals, die im Steuerıbschnitt
 angeschafft oder hergestellt worden sind,
ür den Schluß dieses Steuerabschnitts mit miniestens
 80% des Anschaffungs- (Herstellungs-)
reises angesetzt werden, und der angesetzte Wert
‘benso hoch oder höher ist als der in der Handelsilanz.
 Neben dieser Abschreibung dürfen Ab-‚etzungen
 für Abnutzungen im Anschaffungs- oder
Jerstellungsjahre nicht vorgenommen werden. Im
nteresse der Vereinfachung soll der nach Vorstehen-{em
 ermittelte gemeine Wert als Anschaffungs- oder
Jerstellungspreis für die Zukunft behandelt und von
hm die der Nutzungsdauer entsprechenden Ab-‚etzungen
 vorgenommen werden.
Beispiel: Im Steuerabschnitt 1928 ist eine
Maschine für 100 000 RM. angeschafft worden, deren
/erwendungsfähigkeit voraussichtlich Ende 1938 be-*)
 Und entsprechend auch von 1930.
        <pb n="167" />
        166 ; Direktor Dr. Koppe, Berlin:
endet sein wird, Nach den vorstehenden Richtlinien
soll es beanstandet werden, wenn die Maschine für
den Schluß des Steuerabschnitts 1928 mit weniger als
30 000 RM. angesetzt wird, dagegen soll es im allgemeinen
 nicht beanstandet werden, wenn die Maschine
mit 80 000 RM. bewertet wird und wenn im Steuer-*bschnitt
 1929 und den folgenden Steuerabschnitten
je 10% von 80000 RM. = 8000 RM. jährlich abgesetzt
 werden. .
Bei dieser Regelung würde also die Neuanschaffung
in 11 Jahren abgeschrieben werden, und zwar im
ersten Jahre mit 20 000 RM. (20 % von 100 000 RM.),
in den folgenden 10 Jahren mit 8000 RM. (10 % von
80000 RM.), statt dessen kann auch die bisherige
Übung beibehalten werden und die Abschreibung auf
10 Jahre mit je 10 000 RM. (10 % von 100 000 RM.)
durchgeführt werden. Der jetzt zugelassene Modus
stellt insofern eine Erleichterung für den Steuerpflichtigen
 dar, als er im Jahre der Anschaffung, wo
er ohnedies größere Ausgaben hat, auch eine größere
Abschreibung vornehmen darf. Diese größere Abschreibung
 wird allerdings durch die. später verlängerte
 Abschreibungsdauer und verringerte Abschreibungshöhe
 wieder wettgemacht.
Abgesehen vom Anschaffungsjahr gelten im
übrigen die folgenden Abschreibungssätze:
Von besonderer Bedeutung ist das Maschinenkonto.
Hier kann man auf den gesamten Maschinenpark generell
 10 bis 15 % abschreiben, man kann statt dessen
aber auch auf die einzelnen Maschinengruppen
individuell abschreiben, dann wird man auf die Betriebsmaschinen,
 insbesondere auf die Sudhauseinrichtung
 und die Dampfmaschinen, vielleicht 10 %,
auf die übrigen, insbesondere die Kellereimaschinen,
die elektrischen Anlagen usw., die besonderer Abnutzung
 ausgesetzt sind, 20 bis 25 % in Anspruch
nehmen müssen.
Auf Lagerfässer und Bottiche werden rund 10%
abgeschrieben, wobei zu beachten ist, daß bei Holzbottichen
 jetzt vielfach schlechteres Holz als vor
dem Kriege verwandt wird. Bei den Tanks ist zu
beachten, daß die Erfahrungen mit diesen noch ziemlich
 neu sind und Schäden durch Risse, durch Abspringen
 von Emaille usw. einzukalkulieren sind.
Ganz besonders leiden die Transportfässer, die in
den Verkehr kommen und dabei oft rücksichtslos belandelt
 werden. Hier wird eine Abschreibung von
25 bis 33% % anzuerkennen sein.
Ähnlich liegen die Verhältnisse bei dem Fuhrpark,
 der bei dem in der Brauerei oft auftretenden
Stoßgeschäft, so z.B. an heißen Tagen und vor
Feiertagen, ebenfalls rücksichtslos ausgenutzt werden
muß, Man wird für Pferde, Wagen und Lastautos
einen Satz von 20 bis 25 %, für Personenautos einen
solchen von 15 bis 20 % in Anwendung bringen.
Bei dem {Inventar der Brauereien wird man
zwischen dem Büroinventar. dem Inventar hei

eigenen Wirtschaften und dem Leihinventar untericheiden
 müssen. Am schlechtesten wird das Leihnventar
 behandelt, hier wird man 25 bis 33% % in
\nsatz bringen, während man bei dem Inventar in
genen Wirtschaften 20 % und beim Büroinventar
.0% als ausreichend ansehen muß.
Bei Bierflaschen ist es üblich, in der Handelsbilanz
lie Zugänge ganz abzuschreiben. Ein gleiches wurde
uch vom R.F.H. für die Steuerbilanz zugelassen,
lienn die Flaschen sind im Grunde genommen nichts
veiter als Verpackung, und der Brauer schafft immer
jur so viel an, als er infolge des Abganges braucht.
Die Zulässigkeit der 100 proz. Abschreibung wird
lemgemäß allmählich von allen Finanzämtern an-;rkannt,
 so daß die Durchführung eines eisernen
&amp;lt;ontobestandes zu empfehlen ist.
Ähnlich steht es mit den Bierkästen, wenn sich ihre
Anschaffung in dem entsprechenden Verhältnis zur
7Jaschenanschaffung hält.
Bei den Außenständen kann man nur in überragenem
 Sinne von einer Abschreibung sprechen.
Tier handelt es sich eigentlich um eine Bewertung,
lie entweder auf der Aktivseite der Bilanz in einer
;ntsprechenden Minderbewertung oder auf der
Yassivseite durch Einsetzung eines Delkrederekontos
zum Ausdruck kommt. Auch hier hat man, ähnlich
vie bei dem Maschinenkonto, die Wahl zwischen der
ndividuellen und generellen Abschreibung. Bei der
renerellen Abschreibung wird eine höhere Abschreibung,
 als sie bei anderen Industrien notwendig
st, unter allen Umständen geboten sein. Das liegt
ın den besonderen Kreditverhältnissen in der Braundustrie,
 die sich in vielen Fällen zu einem direkten
Creditunwesen ausgewachsen haben, so daß vor
iniger Zeit sogar die Reichsbank warnend ihre
Stimme erheben mußte. Durch die Konkurrenzverhältnisse
 werden die Brauereien gezwungen, unichere
 Kredite zu gewähren, und auch dort, wo eine
1ypothekarische Eintragung erfolgt, handelt es sich
nehr oder weniger um Schornsteinhypotheken. Eine
\bschreibung von 8 bis 12% % wird, je nach den
Okalen Verhältnissen, als Generalabschreibung ihre
3erechtigung haben. Statt dessen kann man aber
ch individuell auf jede einzelne Forderung abchreiben.
 Welcher Weg für ihn der günstigere ist,
nuß der Brauer an Hand seiner Unterlagen selbst
ntscheiden.
Besondere Beachtung verdienen auch noch die
\ufwertungsforderungen und Aufwertungsschulden.
Hier haben sich die Verhältnisse erst im Laufe der
ahre geklärt. Nach der Rechtsprechung der
»bersten Gerichte, insbesondere des Kammergerichts,
les bayerischen obersten Landesgerichtes und
1euerdings auch des Reichsgerichts, sind die Darehensschulden,
 die bei einem Bierlieferungszerhältnis
 entstehen, regelmäßig nicht als Vernögensanlagen
 zu betrachten und über 25 % hinaus
        <pb n="168" />
        IV., 1b. Brauindustrie und Steuerrecht.
vorhandenen : Vorräte keineswegs aus den letzten
Zinkäufen herrühren, denn der Brauer lebt nicht von
ier Hand in den Mund, indem er seine Vorräte ver-)raut,
 dann wieder neue Vorräte kauft, diese verraucht
 und so weiter, sondern der Herstellungs-»rozeß
 des Bieres verlangt eine Vorratseindeckung
ıuf lange Sicht, bei Hopfen oft auf ein bis zwei Jahre
ind bei Malz oft auch auf die ganze Kampagne im
roraus. Um die Einheitlichkeit des Biertyps zu
vahren, muß dann der Brauer die Einkäufe aus den
&amp;gt;tzten‘ Zeitperioden miteinander mischen und so
-ommt es, daß regelmäßig am Bilanzstichtag die
/orräte nicht nur aus den jüngsten, sondern auch aus
teren und ganz alten Einkäufen nebeneinander vor-«anden
 sind. Dieser‘ Umstand spielt, wie schon
'‚orweg genommen werden mag, auch bei der Bier-‚reiskalkulation
 ein wichtige Rolle, denn durch diese
’ermengung der Einkäufe letzterer Zeitperioden tritt
‚otwendigerweise ‚eine Nivellierung des Bierpreises
Än, so daß Differenzen im Herstellungspreis zwischen
lem Beginn und dem Ende des Geschäftsjahres meist
ılr unerheblich sind, die Spannung im Herstellungs-‚reis
 überschreitet nur in den allerseltensten Fällen
1%, liegt aber meist erheblich darunter.
Die dritte große Gruppe von Fragen, welche für
lie Brauereien von besonderem Interesse sind, liegt
uf dem Gebiet der Kalkulation. Bei den Buch- und
JZetriebsführungen pflegen die Buchprüfer oft ihrer
/erwunderung darüber Ausdruck zu geben, daß
nanche Brauereien keine besonderen Kalkulationsücher
 und oft überhaupt keine eigene Kalkulation
esitzen, ganz im Gegenteil zu der Übung, die bei
ielen anderen kaufmännischen Unternehmungen beteht.
 Das hat seinen Grund in der historischen
intwicklung. Die Bierpreisfestsetzung und die damit
n Verbindung stehende Auskalkulierung des Bieryreises:
 geschieht nämlich nicht durch die einzelne
3rauerei, sondern kollektiv durch die Organe der
rauindustrie, insbesondere die große Bierpreis--ommission.
 Diese Preisfestsetzungen sind jahreang
 durch das Reichswirtschaftsministerium  übervacht
 und kontrolliert worden. Das Reichswirt-:chaftsministerium
 hat auch durch eigene Buchrüfer
 Groß- und Mittel- sowie Kleinbetriebe nachrüfen
 und Kalkulationen aufstellen lassen. Die
'reisbildung ist also unter den Augen der zutändigen
 behördlichen Stellen vor sich gegangen.
liese Preisfestsetzungen werden von allen deutschen
irauereien fast ohne jede Ausnahme als maßgebend
‚nerkannt.
Man hat verschiedentlich gleichwohl ein allgeneines
 Kalkulationsschema aufgestellt, ist aber denelben
 Schwierigkeiten begegnet, welche die Aufstellung
 von festen Abschreibungsrichtlinien minljestens.
 als zur Zeit untunlich erscheinen ließen.
Tier liegen die individuellen Verhältnisse bei den
.‚inzelnen Brauereien vielleicht noch unterschied-167



aufwertbar, Wo eine derartige Aufwertung feststeht,
sind die Steuerbilanzen gemäß $ 108 des Einkommensteuergesetzes
 zu berichtigen.
Besonderes Kopfzerbrechen macht dann oft auch
noch der Begriff der Werbungskosten. Man wird
mit dem Senatspräsidenten am Reichsfinanzhof
Becker sagen können, daß hierher gehören: „alle
Betriebsausgaben, die ein Kaufmann als solcher ansetzen
 darf“. Dazu gehören dann auch alle die kleinen
täglichen Ausgaben, die nicht unbedingt der Bierproduktion
 dienen, die aber die Brauerei im Interesse
des Ansehens ihres Unternehmens zahlen muß, wie
mildtätige Beiträge usw. ;
Manche Schwierigkeit bereitet auch die Frage der
Spesen und Aufwandsentschädigungen, die für die
Brauereien mit ihrem großen Außendienst oft sehr
stark anwachsen. Ein Erlaß des Reichsfinanzministers
 gibt den Finanzämtern auf, in der Regel
einen Satz von 7% % von den festen Bezügen unbeanstandet
 zu lassen. Dieser Betrag reicht aber in
vielen Fällen nicht aus. In der Praxis wird das auch
durchweg von den Finanzämtern anerkannt und es
werden höhere prozentuale Sätze oder feste Beträge
zugesprochen.
Die zweite große Gruppe von Fragen betrifft die
Bewertung, namentlich die Bewertung der Vorräte.
Hier ist der wichtige Grundsatz zu beachten, daß
der Kaufmann ein Wahlrecht zwischen dem Anschaffungswert
 und dem niederen gemeinen Wert hat.
Er kann dieses Wahlrecht beliebig ausüben, und
zwar kann er das sowohl bei den einzelnen Konten
derselben Bilanz, als auch bei demselben Konto in
den verschiedenen Jahren. Wenn also z.B. die
Malzpreise gestiegen, die Hopfenpreise aber gesunken.
 sind, so wird der Brauer in seiner Schlußbilanz
 bei dem Hopfen nicht von dem teuren Anschaffungspreis,
 sondern von dem heutigen niederen
gemeinen Wert ausgehen, während er beim Malz den
Anschaffungspreis zugrunde legt. Der gemeine Wert
liegt bei Neuanschaffungen regelmäßig nicht unerheblich
 unter dem Anschaffungswert. Zu beachten
ist dabei allerdings, daß der Verkaufswert (gemeiner
Wert) nicht der Preis ist, den der Eigentümer im
Falle des Einzelverkaufs erzielen würde, sondern der
Preisanteil, der auf den Gegenstand entfällt, wenn
man unterstellt, daß das. Unternehmen als ganzes
erworben und fortgeführt wird. Aber auch bei dieser
Voraussetzung wird der gemeine Wert oft erheblich
niedriger sein als der Anschaffungswert. Denn für,
eine gebrauchte Maschine, für ein gebrauchtes Auto
usw. werden, auch wenn die Benutzungsdauer nur
eine sehr kurze gewesen ist, auch von dem Käufer
des Gesamtunternehmens regelmäßig nur Sätze bewilligt,
 die erheblich unter dem Anschaffungspreis
liegen.
Bei der Bewertung der Vorräte wird von den
Buchprüfern oft verkannt, daß die am Bilanzstichtag
        <pb n="169" />
        168
licher als bei den Abschreibungen. Man denke nur
daran, daß z.B. beim Einkauf von Gerste, Malz und
Hopfen der eine ausgesuchte Qualitätsware, der
andere Durchschnittsware kauft; der eine kauft im
Inland, der andere im Ausland; der eine kauft loco,
der andere kauft frei Brauereihof; der eine kauft
gegen bar, der andere gegen Kredit. Aus allen diesen
Unterschieden werden sich grundlegende Verschiebungen
 in den Einkaufspreisen zeigen, die auf
lie Kalkulation des Endergebnisses von weittragendem
 Einfluß sein müssen,
Ganz generell hat man die Regel aufgestellt, daß
von den Herstellungskosten des Bieres ungefähr ein
Drittel auf den Betrieb, ein Drittel auf den Vertrieb
und ein Drittel auf Steuern entfallen. Diese generelle
Kalkulation wird in vielen Fällen zutreffen, mindestens
 aber einen gewissen. Anhaltspunkt bieten.
Wenigstens haben Stichproben, die bei einzelnen
Brauereien noch in jüngster Zeit gemacht worden
sind, gezeigt, daß diese Regel oft ganz überraschend
dem wirtschaftlichen Tatbestand gerecht wird.
Will man an Stelle der generellen Kalkulation eine
Einzelkalkulation treten lassen, so bliebe nichts
anderes übrig, als an Hand der genauen buchmäßigen
Unterlagen den Bierpreis zu berechnen, doch werden
auch hier mitunter gewisse Schätzungen sich nicht
vermeiden lassen. Auch bei der FEinzelkalkulation
sind gewisse generelle Ansätze mitunter üblich. So
wird bei manchen Brauereien der Herstellungspreis
in der Weise errechnet, daß man den Anschaffungspreis
 von Malz und Hopfen addiert, davon den
Schwund absetzt und hierzu ein Drittel sämtlicher
Betriebskosten hinzurechnet, wobei jedoch die
Reichsbiersteuer, die auf dem Vertrieb liegt, außer
Betracht bleibt. Auf die so errechnete Summe wird
die produzierte Hektolitermenge fertigen Bieres umgerechnet,
 während für das Bier im Lager- und Gärkeller
 ein entsprechender Abschlag zulässig ist.
Daneben sind aber auch Methoden üblich, die noch
mehr ins einzelne gehen und neben den Anschaffungsbzw.
 Herstellungspreisen der Rohstoffe auch noch
entsprechende Anteile der‘ Löhne, der‘ Feuerungskosten,
 der Reparaturen, Versicherungen, der Abschreibungen
 auf Betriebsmaschinen für die Produktion
 anrechnen. Hier sind natürlich große Fehlerquellen
 möglich, und es ist besonders zu beachten,
daß gerade der Vertrieb bei der Brauerei außerordentlich
 kostspielig und daß z.B. fast das gesamte
Personal für den Vertrieb tätig ist.
Will man neben den Herstellungskosten (Betriebskosten)
 auch die Verfriebskosten berechnen, so sind
auch hier die entsprechenden Anteile festzustellen,
aur daß dann die Endsumme nicht auf die produzierten,
 sondern auf die abgesetzten Hektoliter
umgelegt wird. Bei der Kalkulation der Vertriebskosten
 werden z.B. die Anteile an Löhnen, an Fuhrwerk
 usw. erheblich überwiegen. An dieser Stelle

Direktor Dr. Koppe, Berlin:
in Kalkulationsschema aufzustellen, würde angeichts
 der Verschiedenheit bei den einzelnen Berieben
 zwecklos sein, zumal nicht nur die obenrwähnten
 Unterschiede im Einkauf, sondern auch
;onstige Verschiedenheiten, so z.B. der mehr oder
veniger große Umfang des Flaschenbiergeschäftes
ind die dadurch bedingte Flaschenkelleranlage, Be-‚Ötigung
 entsprechenden Personals, mitsprechen.
Im vorstehenden sind nur diejenigen Kapitel besonders
 hervorgehoben worden, die namentlich
nnerhalb der Brauindustrie immer wieder interssieren.
 Daneben sind aber selbstverständlich auch
ılle die wichtigen allgemeinen Steuerfragen auf dem
jebiete des Einkommensteuerrechts, auch für den
3rauer von hohem Interesse.‘ So spielt z.B. die
“rage des Lohnabzuges bei dem großen Personal der
3rauereien eine wesentliche Rolle, doch kann auf alle
liese Fragen, die nicht speziell dem Braugewerbe
;#igen und die auch bei anderen Industriezweigen
ıkut sind, in diesem gedrängten Kompendium nicht
singegangen werden.
Körperschalftsteuer.

tiere

Während die Einkommensteuer die natürlichen
’ersonen erfaßt, ist die Körperschaftsteuer die Fin-‚«ommensteuer
 der Erwerbsgesellschaften, ins-‚esondere
 der Aktiengesellschaften, der Gesell-‚chaften
 m. b. H. und der Genossenschaften. Alles
las, was oben bei der Einkommensteuer über die den
3rauer besonders angehenden Fragen, namentlich
ıuf dem Gebiete der Abschreibung, der Bewertung
ınd der Kalkulation gesagt ist, gilt in gleicher Weise
ıuch für diejenigen Brauereien, die in einer der obenzenannten
 Gesellschaftsformen errichtet sind. Die
‚orerwähnten drei Gesellschaftsformen werden von
Jjer Körperschaftsteuer ohne Rücksicht darauf, ob sie
virklich gewerblich tätig werden oder nicht, erfaßt;
lie Form als solche bedingt die Körperschaftsteuer.
Eine Ausnahme machen lediglich die‘ Berufsverbände,
 soweit ihr Zweck nicht auf einen wirt-;chaftlichen
 Zweck gerichtet ist. Wo also z.B. ein
3rauereiverband in Form einer G. m. b. H. organisiert
st und selbst keine Geschäfte macht, hat er keine
Cörperschaftsteuer zu zahlen.
Sehr umstritten ist die Vorschrift, wonach die-‚enigen
 Genossenschaften, die einem Revisionszerband
 angeschlossen sind und deren Geschäfts-’etrieb
 sich auf den Kreis der Mitglieder beschränkt,
;tatt 20 nur 10% Körperschaftsteuer zu zahlen
1aben. Der Reichsfinanzhof pflegt in seiner Recht-;prechung
 die Steuerpflicht davon abhängig zu
nachen, ob die Rückvergütungen, welche die Geıossenschaft
 regelmäßig ihren Mitgliedern gewährt,
;chon am Bilanzstichtage als Schuld der Genossenschaft
 bestand (so namentlich Reichsfinanzhof vom
14,Februar 1928, Reichssteuerbl. 1928, S. 119ff.). Das
st bei den meisten Genossenschaften nicht der Fall.
        <pb n="170" />
        IV., 1b. Brauindustrie und Steuerrecht.
weil hier satzungsmäßig in der Regel erst die Genossenversammlung
 das entscheidende Wort spricht
und die Rückvergütungen festsetzt oder wenigstens
erhöhen oder ermäßigen kann. Nur dann, wenn der
Genosse ein verbrieftes Recht in der Satzung hat,
das weder durch eine Beschlußfassung des Aufsichtsrates
 noch der Generalversammlung beeinträchtigt
werden kann, würde der Reichsfinanzhof eine echte
Kaufpreisrückvergütung und damit eine abzugsfähige
Schuld anerkennen.
Die Aufsichtsratstantiemen sind stets zu Vversteuern,
 auch wenn die Brauerei mit Verlust abgeschnitten
 hat. Diese Steuerpflicht ist nämlich an die
Stelle der weggefallenen Aufsichtsratssteuer getreten.
 Dem zu versteuernden Mindestbetrag „kann“,
aber muß nicht auch die Dividende hinzugerechnet
werden, .
Vorstandstantiemen gehören nur dann zum Gewinn,
 wenn sie ohne vertragliche Vereinbarung gezahlt
 werden, was in der Praxis der Brauindustrie
nur sehr selten ist.
Bei den größeren Konzernbrauereien ist‘ das
Schachtelprivileg oft von Bedeutung.
Die Brauereien, die Unterstützungs-, Wohltahrtsoder
 Pensionskassen für ihren Betrieb einrichten,
müssen darauf achten, daß sie die Zwecke der Kasse
sicherstellen, da nur auf diese Weise die jährlichen
Zuführungen an derartige Kassen steuerfrei bleiben.
Wo bei der Umstellung auf Goldmark ein Kapitalentwertungskonto
 gebildet worden ist, dürfen ähnlich
wie beim Aufwertungsausgleichskonto die zur
Tilgung dieses Kontos verwendeten Beträge nicht
abgezogen werden.
Zu beachten ist, daß nach der Rechtsprechung des
Reichsfinanzhofes alle Geschäfte, die eine in einer
der vorstehenden Gesellschaftsform organisierte
Firma unternimmt, als innerhalb ihres gewerblichen
Betriebes liegend gelten. Die Gewinne, die also etwa
bei der Veräußerung von Wertpapieren, von Kontingenten,
 von Grundstücken usw. entstehen, bilden
eine gewerbliche Einnahme und tragen wie jede
andere Bilanzeinnahme zum Jahresgewinnergebnis
mit bei.

169

\ufgabe des ganzen Geschäftes ist keine gewerbliche
landlung, sondern das gerade Gegenteil, nämlich die
Zeendigung der gewerblichen Handlung. Auch der
"ontingentsverkauf dürfte eine Aufgabe des Gechäftes
 bedeuten und umsatzsteuerfrei bleiben.
Eine wichtige Rolle pflegt bei den Brauereien die
bjestimmung des Gesetzes zu spielen, wonach die
/erpachtung von Grundstücken (Wirtschaften),
venn es sich um bloße Räume handelt, steuerfrei
leibt, während bei der Verpachtung eingerichteter
Jäume Umsatzsteuer entsteht. Im letzteren Falle
"ann man auch dadurch der Steuer nicht entgehen,
:aß man den Vertrag in zwei Teile zerlegt, es sei
'enn, daß ein derartiger Abschluß von zwei Verrägen
 üblich ist. Nach der Rechtsprechung des
zeichsfinanzhofs tritt die Steuer dann bereits ein,
venn auch nur das sog. große Inventar, insbesondere
züfett, Tische und Stühle, nicht aber Geschirr, Gläser
ınd Bestecke mitgeliefert werden. Ebensowenig
verliert nach Ansicht des KReichsfinanzhofs eine
jastwirtschaft dadurch den Charakter als einserichtete
 Räumlichkeit, daß der Pächter die alten
linrichtungsgegenstände durch neue ersetzt. Wird
(as Inventar unentgeltlich geliehen, so entsteht keine
Imsatzsteuerpflicht, doch darf der Vertrag keine
Imgehung enthalten, indem dann etwa für die
’äumlichkeiten ein entsprechender höherer Zins gerdert
 wird.
Im Gastwirtsgewerbe spielt die Besteuerung des
rinkgeldes, das der Kellner erhält, eine gewisse
zolle. Nach Ansicht des Reichsfinanzhofs ist der
3edienungsaufschlag, den der Gast dem Kellner gevährt,
 einerlei, ob er freiwillig gegeben oder gleich in
?echnung gestellt wird, ein umsatzsteuerpflichtiges
ntgelt des Wirts.
Bei den in der Brauindustrie bestehenden zahlaichen
 Braulohn- und Malzlohnverträgen hat die im
ohn arbeitende Brauerei bzw. Mälzerei ihre Pro-‘sion
 zu versteuern.
Die Umsatzsteuer berechnet sich nach dem Brutto-:ntgelt
 einschließlich der darin enthaltenen Steuern.
Jas gilt namentlich für die Reichsbiersteuer; für die
Zemeindebiersteuer allerdings nach richtiger Ansicht
ıur dann, wenn die Brauerei selbst Trägerin der
jemeindebiersteuer ist und nicht lediglich bei der
3inführung des Bieres in fremde Gemeinden für den
Nirt die Steuer vorlegt. In Fällen der Steuerpflicht
jegt eine bedauerliche Doppelbesteuerung vor; es
wird hier „Steuer von der Steuer‘ erhoben.

I. Die indirekten Steuern,
LAbschnitt:DieSteuernvom Verkehr.
1. Die Umsatzstener.
Die Umsatzsteuer spielt für die Brauereien eine
erhebliche Rolle. Sie beträgt zur Zeit 0,75 %, ist
aber in ihrer Endwirkung natürlich viel höher, weil
ja eine ganze Kette von Umständen, so u. a. der
Erwerb von Gerste, Malz und Hopfen, bereits von
der Steuer erfaßt werden, ehe das fertige Bier in den
Handel kommt. Nur gewerbliche Umsätze und gewerbliche
 Leistungen werden von der Steuer erfaßt.

2. Die Grunderwerbsteuer.
Die Grunderwerbsteuer‘ beruht auf dem Gesetz
‚om 11. März 1927. Sie wird erhoben bei dem Eigenumswechsel
 an Grundstücken. Bei dem großen
)esitz, den die Brauereien ,in der Regel an Grund-;tücken
 haben, spielt deshalb auch die Grunderwerb-‚teuer
 eine keineswers geringe Rolle. Die Steuer
        <pb n="171" />
        ) Direktor Dr. Koppe, Berlin: I
beträgt 5%, wobei 3% auf das Reich, 2% auf
Länder und Gemeinden entfallen. Im Falle der Zusammenfassung
 von Betrieben auf Grund des Steuermilderungsgesetzes
 ermäßigt sich die Grunderwerbsteuer
 auf 1% %.
Der Steuerberechnung wird der gemeine Wert des
Grundstückes zugrunde gelegt. Wenn aber der Preis
den gemeinen Wert übersteigt, so ist dieser maßgebend.

Für die Steuer haften der Veräußerer und der Frwerber
 gesamtschuldnerisch. Es gibt gewisse Beireiungsmöglichkeiten,
 insbesondere dann, wenn die
Ärundstücke in eine Familiengesellschaft eingebracht
werden.
Bei der Berechnung des gemeinen Wertes sind
alle den Wert erhöhenden oder vermindernden Umstände
 in Betracht zu ziehen.
Brauereimaschinen gehören nur dann mit zum
Grundstück, wenn sie wesentlicher Bestandteil sind
(siehe oben beim Reichsbewertungsgesetz). Diese
Voraussetzung wird für die meisten Brauereimaschinen
 nicht zutreffen. Rechte aus Bierlieferungsverfrägen
 sind nicht als Bestandteile des Grundstückes
 anzusehen. Ebensowenig das Braurecht
(Kontingent), .denn es kann selbständig ohne das
Grundstück veräußert werden.

‚70

lie Brauereien mit ihrem großen Automobilpark von
&amp;gt;jner gewissen Bedeutung. Das ursprüngliche Gesetz
vom 8. April 1922 hat in der Zwischenzeit sowohl
was das System als auch was den Tarif angeht,
wiederholte Änderungen erfahren.
2. Abschnitt:
Die Steuern vom Verbrauch.
Die Steuern vom Verbrauch spielen für die
3rauereien insofern eine ganz besondere Rolle, als
las Biersteuergesetz in erster Linie hierzu gehört.
Diese Materie ist bei ihrer Bedeutung in einem be-;onderen
 Kapitel bearbeitet, weshalb es genügt, hier
Jarauf zu verweisen. Neben der Biersteuer gehören
zu den Getränkesteuern noch die Schaumweinsteuer,
las Branntweinmonopol und die zur Zeit aufgehobene
Veinsteuer. Daneben wird der Verbrauch noch besteuert
 durch die Tabaksteuer, die Spielkartensteuer,
lie Zündwarensteuer, die Leuchtmittelsteuer und die
Zuckersteuer.

IV. Das Zollrecht,
Das Zollrecht ist für die Brauereien von Bedeutung,
 die Rohstoffe, z. B. Gerste, Malz und Hopfen
ıus Böhmen, einführen, oder die als Exportbrauereien
hr Bier in das Ausland bringen. Die Zollvorschriften
sind in dem Vereinszollgesetz und in dem Zolltarifsesetz
 enthalten, doch werden die dort gegebenen
ıutonomen Vorschriften sehr oft durch die Handels-’jerträge
 abgeändert. Bei dem Umfang des Stoffes
&amp;lt;ann auf den Inhalt der einzelnen Handelsverträge,
;oweit er für die Brauereien in Betracht kommt, hier
licht eingegangen werden; über den gegenwärtigen
Stand berichten jeweils die Fachzeitschriften.
Für die am Auslandsverkehr beteiligten Brauereien
ipielen dann außerdem noch die Doppelbesteuerungs-‚erträge
 eine Rolle, die die einzelnen Staaten mitinander
 ‘abgeschlossen haben. Hier sind in der
jenfer Doppelbesteuerungskonferenz, die im Oktober
928 in Genf auf Einladung des Völkerbundes stattand,
 und an welcher Verfasser dieses als deutscher
Jjelegierter teilnahm, Typenverträge aufgestellt
vorden, die zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
lienen sollen.
Im vorstehenden ist in ganz großen Strichen ein
Jberblick über die Reichssteuern, soweit sie für die
Brauereien von Interesse sind, gegeben worden.
Dieser Abriß kann natürlich bei seiner Kürze auf
Vollständigkeit keinen Anspruch machen.
Zu den Reichssteuern kommen dann noch die
Landessteuern, die aber in den einzelnen Ländern oft
;o grundverschieden sind, daß hier eine Erörterung
ich schon von selbst verbietet.. Es kommt noch
ıunzu, .daß der zur Zeit in Vorbereitung befindliche
Steuervereinheitlichungsgesetzentwurf eine gewisse
Jbereinstimmung, wenigstens auf dem Gebiete der

3. Das Kapitalverkehrsteuergesetz
enthält eine Reihe verschiedener Steuerarten, so
namentlich die Gesellschaftsteuer, die Wertpapiersteuer
 und die Börsenumsatzsteuer. Die Aufsichtsratsteuer
 ist als selbständige Steuer weggefallen,
dafür wird jetzt von den Aufsichtsratstantiemen stets
Körperschaftsteuer erhoben (s. o.). Die Kapitalverkehrsteuer
 spielt insbesondere eine Rolle bei dem
Zusammenschluß von Brauereien. Hier ermäßigt sich
auf Grund des Steuermilderungsgesetzes unter Umständen
 die Steuer von 4 auf 1%.
Im Rahmen des Kapitalverkehrsteuergesetzes entstehen
 teilweise sehr schwierige Fragen, so z.B. die
Behandlung der Darlehen, die die Gesellschafter an
ihre Gesellschaft geben. Bei dem hier zur Verfügung
stehenden knappen Raum kann auf Einzelheiten an
dieser Stelle nicht eingegangen werden. Es kommt
hinzu, daß es sich hier durchweg um Vorgänge
handelt, die auch in anderen Industriezweigen und
nicht gerade nur in der Brauindustrie von Bedeutung
 sind.

4. Zu den Steuern vom Verkehr
zählt dann noch eine Reihe kleinerer Steuergesetze,
lie hier nur erwähnt werden, so insbesondere das
Rennwett- und Lotteriegesetz,. das Wechselsteuergesetz,
 das Versicherungssteuergesetz, das Beförderungssteuergesetz
 und das Kraftfahrzeugsteuergesetz.
 Namentlich das letztgenannte Gesetz ist für
        <pb n="172" />
        IV., 1b. Brauindustrie und Steuerrecht,
Realsteuern, in den einzelnen Ländern herbei- schaftsform spielt mitunter eine große Rolle. Alles
führen will. las aber läßt sich nicht schematisch und generell er-Der
 Brauer, der sein Geschäft rentabel gestalten Ääutern, sondern nur von Fall zu Fall! je nach der
will, muß immer mehr sich auch mit dem schwie- B3etriebslage des einzelnen Unternehmens. Es muß
rigen Gebiet des Steuerrechts befassen. ‘Schon jetzt rwartet werden, daß die verantwortlichen Stellen,
macht die gesamte Steuerlast bei den deutschen nsbesondere auch die gesetzgebenden Körper-Brauereien
 durchschnittlich mehr als ein Drittel des :chaften, die hohe Steuerlast, die fast einer teilweisen
Bierverkaufspreises aus und der „Gewinnanteil“ des kalten Sozialisierung‘“ nahekommt, zu würdigen und
Staates bei den einzelnen Brauereiunternehmen ist ine Überbürdung des Gewerbes zu verhüten wissen,
oft mehrfach so hoch als der der Inhaber, Gesell- ınter der schließlich nicht nur die Brauereien und die
schafter oder Aktionäre. Hier gilt es also, seine \llgemeinheit, für die das Bier als Getränk der
Rechte zu wahren und alle Rechtsbehelfe aus- reiten Masse besonders in Frage kommt, sondern
zuschöpfen. Auch die Wahl der richtigen Gesell- auch der Staat zu leiden hätte.

171
        <pb n="173" />
        2, Schankstättengesetzgebung.
Dr. Rudolf Dührssen, Berlin.

Die „Alkoholfrage“.
Die sogenannte Alkoholfrage, die für Deutschland
in der Nachkriegszeit die im‘ folgenden zu besprechenden
 gesetzgeberischen Experimente zeitigte,
verdankt ihre gegenwärtige Aktualität den demoralisierenden
 Wirkungen des Weltkrieges und der In-Jationszeit
 in Verbindung mit dem „Erfolg“ der amerikanischen
 Trockenlegung. Aber auch schon vor dem
Kriege gab es, wenn auch in etwas anderer Form,
eine Alkoholfrage; damals war es im wesentlichen
der Mißbrauch alkoholischer Getränke, d. h. der übermäßige
 Genuß mit seinen Auswirkungen (Trunksucht),
 welcher den Stoff für die Diskussion lieferte.
Die diesbezüglichen Erörterungen reichen bis weit in
das vorige Jahrhundert zurück. Man kann sagen,
laß die Alkoholfrage solange besteht, wie es eine
alkoholgegnerische Bewegung (Mäßigkeits- bzw. Enthaltsamkeitsbewegung)
 gibt.
Die ersten Anfänge dieser Bewegung finden wir in England
ınd den Vereinigten Staaten von Nordamerika in der Zeit von
1810 bis 1830. Nach Deutschland griff die Bewegung in den
30er Jahren über. Hier fristete sie Jahrzehnte hindurch ein
ziemlich bescheidenes Dasein, bis sie durch die Ereignisse des
Weltkrieges, die Erscheinungen der Inflationszeit und die
amerikanische Trockenlegung einen neuen Auftrieb erhielt, der
sich in konkreten gesetzgeberischen Vorschlägen auswirkte,
Während vor dem Krieg die Aufmerksamkeit der behördlichen
Stellen im wesentlichen auf die Bekämpfung der Trunksucht
gerichtet war, ist in der Nachkriegszeit der Alkoholgentß
schlechthin in den Bereich gesetzgeberischer Fürsorge gerückt
worden. Vergebens wird man .nach sachlichen Gründen für
diese Entwicklung suchen. Es sind agitatörische Einwirkungen,
auf die die neue Einstellung zum Alkoholproblem, der wir in
der Öffentlichkeit, im Parlament und in der Regierung an den
verschiedensten Stellen begegnen, zurückzuführen ist. Diese
Wirkungen sind die Früchte der seit Jahren und Jahrzehnten
von der organisierten Abstinenzbewegung, die, nebenbei bemerkt,
 mit ungeheuren Geldmitteln ausgestattet ist, beharrlich
lurchgeführten Propaganda. Unter „Abstinenzbewegung‘“ verstehen
 wir in diesem Zusammenhang die Gesamtheit der
ılkoholgegnerischen Bewegung einschließlich der Mäßigkeits-(Temperenz-)Bewegung;
 wenn sich auch die Anhänger der
‚Mäßigkeit‘“ von denen der völligen „Enthaltsamkeit“ nicht
unwesentlich unterscheiden, so sind sie sich doch in der Be-&amp;lt;ämpfung
 nicht nur des „Alkoholismus‘“ (also des übermäßigen
Alkoholgenusses), sondern des Alkoholgenusses schlechthin so
völlig einig, daß sich eine Zusammenfassung unter der von uns
gewählten (im übrigen durchaus eingebürgerten) Bezeichnung
rechtfertigt.

Bisheriges Recht,
In Deutschland beschränkten sich die gesetzlichen
Maßnahmen der Vorkriegszeit im _ wesentlichen
darauf, daß das Gast- und Schankgewerbe sowie der
Kleinhandel mit Branntwein einer gewerblichen Eraubnispflicht
 (Konzession) unterworfen wurde ($ 33
GO.). Die Erteilung der Erlaubnis konnte von dem
Nachweis eines Bedürfnisses abhängig gemacht
werden, jedoch war dieser Bedürfnisnachweis nicht

allgemein vorgeschrieben. Die Frlaubnis durfte nur
aus bestimmten Gründen versagt werden: wenn
zegen den Nachsuchenden Tatsachen vorlagen,
velche die Annahme rechtfertigten, daß er das Geverbe
 zur Förderung der Völlerei, des ‚verbotenen
»piels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit miß-Tauchen
 werde, oder wenn das zum Betriebe des
ijewerbes bestimmte Lokal wegen seiner Beschaffen-‘eit
 oder Lage den polizeilichen Anforderungen nicht
renügte. Die erteilfe Erlaubnis konnte gemäß
; 53 GO. nur dann zurückgenommen werden, wenn
lie Unrichtigkeit der Nachweise dargetan war, auf
irund deren sie erteilt wörden war; ferner, wenn
lem Inhaber der Erlaubnis die bürgerlichen Ehrenschte
 aberkannt worden waren, endlich, wenn aus
[andlungen oder Unterlassungen des Inhabers der
Aangel derjenigen - Eigenschaften, welche bei Frsilung
 der Erlaubnis vorausgesetzt werden ‚mußten,
lar erhellte.
Man sollte meinen, daß diese Vorschriften ausreichend
varen, um auf dem Gebiet des Schankstättenwesens normale,
‚esunde Zustände zu gewährleisten. Niemand hat bemerkt, daß
ınter der Herrschaft dieser Bestimmungen weite Kreise der
bevölkerung der Trunksucht anheimgefallen wären, oder daß
‘ich sonst bemerkenswerte Schäden in den Lebensgewohnheiten
ies Volkes herausgebildet hätten. Im Gegenteil, das deutsche
jasthaus war vom jeher eine für die Pflege einfacher, harmoser
 Geselligkeit vorbildliche Stätte. Es hat diesen guten Ruf
m Laufe der Zeit bis in die Gegenwart hinein zu bewahren
rewußt. Wenn gelegentliche Mißstände vorgekommen sind, so
lürfen diese nicht verallgemeinert werden. Fs geht nicht an,
ür einige Schädlinge, wie sie sich in allen Berufen und Geverbszweigen
 finden, die Gesamtheit des Gastwirtsgewerbes
/erantwortlich zu machen und derartige Einzelfälle zum Anlaß
u nehmen, die Gesamtheit unter ein Ausnahmegesetz zu stellen.

Abstinenzpropaganda.
Den Abstinenten aber kam es gerade darauf an,
zelegentliche Mißstände aufzuspüren und ent-‘prechend
 aufzubauschen, um auf diese Weise darutun,
 daß.die bestehenden gesetzlichen Vorschriften
ınzureichend seien, und Material für neue gesetzzeberische
 Maßnahmen zu gewinnen, die auf eine
nehr oder minder weitgehende Drosselung des
\lkoholkonsums abzielten. . Die erste Frucht der seit
len achtziger Jahren betriebenen Abstinenzproparanda
 bildete ein Entwurf zur Bekämpfung der
runksucht, der am 15, Januar 1892 dem Reichstag
orgelegt wurde.
Zur Begründung des Entwurfs wurde auf lebhafte Klagen
ıingewiesen, die sich gegen die sogenannten Animierkneipen,
‚egen die Branntweinschenken sowie gegen Mißbräuche auf
lem Gebiet des Stellvertreterwesens richteten. Wer diese
lagen erhoben hat, wurde nicht gesagt; auch fehlte ein Nachveis
 darüber, in welchem Umfang diese Klagen berechtigt
varen. Für den Sachkundigen unterliegt es keinem Zweifel,
        <pb n="174" />
        IV. 2. Schankstättengesetzgebung.

Li

A4aß die betreffenden Klagen von interessierter Seite, nämlich
von der Abstinenzbewegung, systematisch vorbereitet und zusammengestellt
 waren. Der Entwurf enthielt die allgemeine
Einführung des Bedürfnisnachweises sowie Verbotsbestimmungen
 gegen den Ausschank geistiger Getränke an Jugendliche
and Betrunkene.

vachsen der Likörstuben usw. beschränkte sich von vorn-„‚erein
 im wesentlichen auf einige wenige große Städte. Auch
uer war die Erscheinung zeitlich bedingt und beschränkt durch
lie Psychose der Nachkriegszeit und den Taumel der Inflation.
Ait Wiederkehr normaler Verhältnisse mußten die beınstandeten
 Auswüchse von selbst verschwinden. Dies ist
lenn auch tatsächlich der Fall gewesen. Nach der Stabilijerung
 versiegte der Zustrom des Publikums, der den Likörtuben
 usw. zu einer vorübergehenden Scheinblüte verholfen
atte. Die betreffenden Lokale gingen in der Mehrzahl zurunde
 oder mußten sich auf einen solideren Betrieb umstellen.
Vährend der Bierkonsum sich hob, ließ. der Verbrauch an
tarken alkoholischen Getränken fühlbar nach. Es zeigte sich
jer von neuem, daß der mäßige Biergenuß das wirksamste
jegengewicht gegen das Überhandnehmen des Schnapskonsums
ildet, In diesem Sinne erfüllt das Bier eine wichtige sozialıygienische
 Mission, Durch eine Verschiebung des Schnaps-‚onsums
 zum Bierkonsum hin werden jedenfalls günstigere
ınd nachhaltigere Wirkungen für die Volksgesundheit ge-‚eitigt,
 als durch alle gesetzgeberischen Experimente auf dem
jebiet des Schankstättenwesens, die auf eine mehr oder
ninder gewaltsame Abdrängung der Konsumenten von altingewurzelten,
 unschädlichen und liebgewordenen Lebensrewohnheiten
 hinauslaufen.

Zur Verabschiedung gelangte der Entwurf nicht,
weil der Finfluß der Abstinenten im Parlament in der
damaligen Zeit noch recht gering war. In der Folgezeit
 wurde dieser Einfluß systematisch verstärkt.
Die von den Abstinenten betriebene Wühlarbeit fand
ihren Niederschlag in zahlreichen Petitionen und Anträgen,
 mit denen der Reichstag überschüttet wurde.
Durch die eingegangenen Anträge wurden Erörterungen
 veranlaßt, die dann in die amtlichen Drucksachensammlungen
 übergingen und so einen gewissen
Fundus an Material lieferten, auf welches bei Gelegenheit
 immer wieder zurückgegriffen werden
konnte. Im Jahre 1914 war die Entwicklung soweit
vorgeschritten, daß ein neuer Entwurf eingebracht
werden konnte (25. Februar 1914); diesmal war es
der Kriegsausbruch, der eine weitere Behandlung
und Verabschiedung des Entwurfs verhinderte.

Resolutionen.
Unter dem Eindruck der erwähnten Zeiterschei-Jung
 kamen im Reichstag und PReichsrat verschiedene
 Resolutionen zustande, in welchen unverzügliche
 Abhilfe auf gesetzlichem Wege gefordert
vurde. Der Reichstag nahm am 25. Januar 1922 auf
nen mündlichen Bericht des Bevölkerungspoliischen
 Ausschusses folgende Entschließung an:
Die Reichsregierung zu ersuchen,
1. den Gesetzentwurf gegen den Alkoholmißbrauch dem
Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt yorzulegen;
2. mit den Ländern in Verbindung zu treten, um dem Überkandnehmen
 von Bars, Dielen, Likörstuben, sogenannten
„Familienrestaurants“ in den oberen Stockwerken
schonungslos entgegenzutreten;
3. dem Drängen auf weitere Verlängerung der Polizeistunde
 von Reichs wegen nicht nachzugeben;
1. das Überwuchern der Alkoholreklame bei den Reichsbahnen
 nicht zuzulassen, N
Der Reichsrat hat aus den gleichen Erwägungen
n seiner Sitzung vom 6. April 1922 die Reichs-'‚egierung
 ersucht, „weitere Maßnahmen ins Auge zu
assen, die geeignet sind, dem übertriebenen und
irgerniserregenden Luxus und Aufwand, insbesonlere
 der immer mehr um sich greifenden Völlerei
ınd Schlemmerei, der Vergeudung von Ilebensvichtigen
 Nahrungsstoffen zur Herstellung reiner
jenußmittel und der fortschreitenden Umwandlung
ron Wohn- oder gewerblichen Räumen in Luxuszaststätten
 wirksam entgegenzutreten“.
Notgesetz,
Einem Teil dieser Forderungen wurde durch Einringung
 des sogenannten Notgesetzes im Januar
923 entsprochen. In diesem Gesetz wurden eine
deihe von Fragen geregelt, die miteinander in gar
ceinem sachlichen Zusammenhang standen und die
ıur das eine gemeinsam hatten, daß sie in der
lamaligen Zeit als besonders dringlich angesehen
vurden. Außer den im folgenden zu besprechenden

Nachkriegszeit.
In der Nachkriegszeit nahmen die Abstinenten ihre
Propaganda unter wesentlich günstigeren Bedingungen
 wieder auf. Die Taktik blieb dieselbe wie
vor dem Kriege. Vereinzelte Mißstände wurden gesammelt,
 aufgebauscht und verallgemeinert. Parlamente
 und Miristerien wurden mit Bitten und Anträgen
 bestürmt. Der Reichstag ließ sich zur Fassung
von Resolutionen drängen, durch welche neue gesetzliche
 Maßnahmen gefordert wurden. Die Regierung
mußte ihrerseits dem Drängen des Reichstages Folge
geben und den gewünschten Gesetzentwurf schließlich
 vorlegen. So kam es zur Einbringung des sogenannten
 „Notgesetzes‘“ vom 24. Februar 1923 SOwie
 des ersten Entwurfs des Schankstättengesetzes
vom 6. Juni 1923.
Den Bestrebungen der Abstinenten kamen die während der
Inflation hertschenden eigenartigen Zeitverhältnisse zustatten.
Während der Inflation hatten sich in der Tat auf dem Gebiet
des Schankstättenwesens gewisse Mißstände herausgebildet,
die darin bestanden, daß eine auffällige Zunahme der Likörstuben,
 Bars und Dielen zu verzeichnen war. Die Art des in
liesen Lokalen betriebenen Aufwandes lenkte die öffentliche
Aufmerksamkeit auf sich und erregte allenthalben Anstoß, zumal
 die Masse der Bevölkerung unter besonders erschwerten
Lebensbedingungen zu. leiden hatte, Als so begründet das
Ärgernis, das hier genommen wurde, anerkannt werden muß,
so ist doch auf der anderen Seite festzustellen, daß die Gefährdung-
 der Volksmoral und Volksgesundheit, die durch das
Anwachsen jener Lokale herbeigeführt werden sollte, gerade
hinsichtlich der schädlichen Wirkungen des Alkohols mit
augenscheinlicher Absichtlichkeit überschätzt wurde. Die betreffenden
 Lokale spielten nicht nur zahlenmäßig eine verhältnismäßig
 sehr geringe Rolle, sondern auch die Anzahl der in
ihnen verkehrenden Personen und die Menge der verbrauchten
geistigen Getränke hielt sich im Vergleich zu der Gesamtheit
des Konsums in ganz engen Grenzen, Keinesfalls konnte behauptet‘
 werden, daß die große Masse der Bevölkerung durch
den in jenen Lokalen betriebenen Alkoholverbrauch in nennenswerter
 Weise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das An-
        <pb n="175" />
        74

Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:

Vorschriften über das Schankstättenwesen enthielt
die Vorlage Bestimmungen über Preistreiberei und
Schleichhandel, Paßvorschriften sowie Ermächtigungen
 zu besonderen Maßnahmen aus Anlaß der
Besetzung des Ruhrgebiets. Das Gesetz wurde am
24, Februar 1923 verabschiedet.
Die Neuerungen auf dem Gebiet des Schankstättenwesens,
 die das Gesetz brachte, bestehen in
folgendem: ;
l. Der Bedürfnisnachweis für Gast- und Schankwirtschaften
 wurde allgemein eingeführt.
Die bei der Konzessionserteilung zu stellenden Anforderungen
 wurden verschärft, indem gefordert wurde, daß
der Antragsteller „die für den Gewerbebetrieb erforderliche
 Zuverlässigkeit“ besitzen mußte; er durfte nicht
dem Trunke ergeben sein und das Gewerbe nicht zur
Förderung der „Schlemmerei‘“ oder unlauterer Handelsgeschäfte
 oder zur Ausbeutung Unerfahrener, Leichtsinniger
 oder Willensschwacher benutzen.
Es wurden reichsrechtliche Grundlagen für die Festsetzung
 und Handhabung der Polizeistunde geschaffen.
Die Polizeistunde wurde allgemein vorgeschrieben.
Verboten wurde:
a) für Branntwein und branntweinhaltige Genußmittel:
das Verabfolgen oder Ausschenken zu eigenem
Genuß im Betrieb einer Gast- oder Schankwirtschaft
der im Kleinhandel an Jugendliche bis zu 18 Jahren;
für geistige Getränke und nikotinhaltige Tabakwaren:

das Verabfolgen oder Ausschenken im Betrieb
siner Gast- oder Schankwirtschaft oder im Kleinhandel
 an /ugendliche bis zu 16 Jahren zu eigenem
Genuß in Abwesenheit des zu ihrer Erziehung Berechtigten
 oder seines Vertreters;
ierner nur für geistige Getränke:
das Verabfolgen oder Ausschenken im Betrieb
einer  Gast- oder Schankwirtschaft oder im Kleinhandel
 an Betrunkene.

velchen das Notgesetz entstand. Die aus der Not
lieser Zeit geborenen Bestimmungen tragen offen-‘ichtlich
 den Stempel des Behelfsmäßigen, Einmaligen
ınd schnell Vorübergehenden an sich. Sie können
seinen Anspruch darauf erheben, als Richtschnur für
las Wirtschaftsleben in normalen, glücklicheren
Zeiten zu gelten. Der hier angedeutete Gesichtsyunkt
 muß mit einem gewissen Nachdruck hervorzehoben
 werden, da er von interessierter Seite allzu
zern und allzu geflissentlich übersehen zu werden
oflegt.

Kritik des Notgesetzes.
Betrachtet man die Neuerungen des Notgesetzes
mit kritischen Augen, so wird man übrigens finden,
laß es sich keineswegs um eine grundstürzende
veformierung des Gaststättenwesens handelt. Auch
echtfertigt das Gesetz kaum die Erwartungen, die
rewisse Interessenten hinsichtlich der mit so großen
Vorten angekündigten Bekämpfung des Alkoholismus
 vielleicht hätten hegen können.
Die wesentlichste Neuerung ist die allgemeine Einuhrung
 des Bedürfnisnachweises.,
Der Bedürfnisnachweis ist bekanntlich eine der am meisten
ımstrittenen Institutionen des Verwaltungsrechts. Die Schwieigkeit
 besteht darin, daß ein exakter Nachweis, ob an einer
’»estimmten Stelle für die Errichtung einer Gastwirtschaft ein
jedürfnis besteht, auf keine Weise zu führen ist. Dem Antragiteller
 wird also, streng genommen, eine unlösbare Aufgabe
zestellt; man pflegt sich mit der Prüfung aller möglichen Be-:leitumstände
 zu behelfen, die etwa für das Vorhandensein
:ines Bedürfnisses sprechen könnten, z. B. Anzahl und Größe
ler in der Nähe bereits vorhandenen Wirtschaften, Kapitalkraft
1es Unternehmers und dergleichen mehr. Aber alle diese Dinge
assen höchstens ungefähre, keineswegs zwingende Schlüsse
‘uf das Vorliegen eines Bedürfnisses zu. Nur einen zu-'erlässigen
 Maßstab gibt es, um das Vorliegen eines Bedürflisses
 zu entscheiden: die Entwicklung, die die Wirtschaft
ıach ihrer Eröffnung nimmt, Wenn die Wirtschaft gedeiht, so
st dies ein sicherer Beweis dafür, daß ein Bedürfnis bestanden
lat; im umgekehrten Falle ist das Gegenteil erwiesen. Da aber
lie Entwicklung des Unternehmens in dem Augenblick, wo es
jich um die Erteilung der Erlaubnis handelt, nicht voraustesehen
 werden kann, muß dieser Maßstab leider versagen.
Tieraus sollte man eigentlich den Schluß ziehen, daß die ganze
nstitution des Bedürfnisnachweises prinzipiell verfehlt ist. Es
st nicht ersichtlich, welchen Zweck es haben soll, daß sich die
3ehörden mit einem großen Aufwand an Arbeitsleistung um
lie Prüfung einer Frage bemühen, die durch den natürlichen
\blauf der Dinge ganz von selbst und in völlig einwandfreier
Neise entschieden werden muß. Die Aufgabe, die den Beıörden
 durch die Prüfung des Bedürfnisnachweises gestellt
vird, läuft auf eine Art Prophezeiung hinaus: die Behörden
‘ollen prophezeien, ob es der zu eröffnenden Wirtschaft gut
ıder Schlecht gehen wird. Es ist kein Wunder, wenn die Be-'örden
 bei der Lösung einer derartigen Aufgabe versagen. Die
intscheidung über die Bedürfnisfrage kann sich daher auch
»jim besten Willen und größter Gewissenhaftigkeit der beeiligten
 Stellen immer nur als Willkürakt darstellen,
Handelt es sich somit bei dem Bedürfnisnachweis
ım eine an sich schon recht fragwürdige Institution,
;o wird eine Verbesserung des bisherigen Zustandes
ılcht zu erwarten sein, wenn man diese Institution
auf einen größeren Kreis von Fällen ausdehnt.
Ceinesfalls aber kann eine derartige Maßnahme als
rrundlegende Reformierung des Schankstätten-;)



In engem Zusammenhang mit diesen Neuerungen
steht Artikel 2, $ 1 des Notgesetzes, welcher lautet:
„Die oberste Landesbehörde oder die von ihr bestimmte
 Behörde kann in Zeiten einer außerordentlichen
politischen oder wirtschaftlichen Not oder Gefahr Vorschriften
 erlassen über Einschränkungen von Verznügungen
 oder Lustbarkeiten, die geeignet erscheinen,
zuf die Bevölkerung beunruhigend oder aufreizend
zu wirken,‘
Diese Bestimmung läßt besonders klar erkennen,
welcher Zeitströmung die Vorschriften des Notgesetzes
 ihre Entstehung verdanken. Die Begründung
 sagt hierüber:
„Die Mehrheit des deutschen Volkes leidet unter
schwerer wirtschaftlicher Not. In der hierdurch hervorgerufenen
 Stimmung versteht sie es nicht und nimmt
heftigen Anstoß daran, daß sich einzelne, seienes
auch verhältnismäßig sehr kleine Kreise
der Bevölkerung, als wäre tiefste Ruhe und
Sicherheit im Lande, in provozierender Weise Vergnügungen
 oder Lustbarkeiten hingeben, die nach Art,
Inhalt oder Beziehung zu der Lage im krassen Gegensatz
stehen. Dieser Mißstimmung, die sich unter Umständen
n Tätlichkeiten gegen die Veranstalter solcher Verznügungen
 oder gegen die Teilnehmer daran Luft zu
machen droht, kann in Zeiten außerordentlicher Not oder
Gefahr der Volksgesamtheit die innere Berechtigung
nicht abgesprochen werden.“
Deutlicher konnte es nicht ausgesprochen werden,
daß es gänzlich abnorme Zeitumstände waren. unter
        <pb n="176" />
        IV. 2. Schankstättengesetzgebung,
ınderen Seite die Mißstände von selbst verschwinden,
wenn man sich nur nicht die Mühe gibt, sie durch
oehördlichen Zwang zu verhüten.
Ob endlich die in dem Notgesetz vorgeschriebenen
Ausschankverbote hinsichtlich der Bekämpfung des
Alkoholismus etwas Positives leisten, wird man eben-'alls
 mit Fug und Recht bezweifeln dürfen. Daß die
Jerbote gut gemeint sind, soll nicht bestritten werden.
is würde in der Tat zu begrüßen sein, wenn grund-;ätzlich
 an Betrunkene keinerlei geistige Getränke
‚erabfolgt würden. Auch darüber besteht nur eine
Meinung, daß die Jugend dem Alkoholgenuß tunichst
 ferngehalten werden sollte. Wie aber sieht es
n der Praxis mit der Durchführung derartiger Ver-‚otsbestimmungen
 aus?
Hier zeigt sich alsbald, daß eine vernünftige Durchführung
nmöglich ist, aus dem einfachen Grunde, weil eine für die
)raxis brauchbare Abgrenzung des Begriffs „Trunkenheit“
icht gefunden werden kann und weil es keine zuverlässigen
.-:kennungsmerkmale für die im Gesetz vorgeschriebene
Altersgrenze von 16 bzw, 18 Jahren gibt. So kommt es, daß
ler Nutzen, den derartige Verbotsbestimmungen etwa stiften,
'eichlich aufgewogen wird durch die Schäden, die infolge ihrer
insachgemäßen Handhabung entstehen. In der Praxis wirken
.ich solche Bestimmungen lediglich als Fußangeln für die-'enigen
 Gastwirte aus, die es nicht verstehen, sich mit den
ıntergeordneten Polizeiorganen, in deren Händen die Konrolle
 liegt, gut zu stellen. Umgekehrt werden die Gastwirte
lurch derartige Bestimmungen direkt gezwungen, auf eine Bejnflussung
 der Polizeiorgane hinzuarbeiten,
Als offensichtliche Übertreibung, die denn auch in dem neuen
;chankstättengesetz fallen gelassen werden soll, kennzeichnet
ich das Verbot der Verabreichung branntweinhaltiger Genußzittel,
 unter welches z. B. Schokoladenpraline&amp;amp;s mit Liköräillung
 fallen. Befremden muß ferner die Hereinnahme der
nikotinhaltigen Tabakwaren‘. Es ist nicht einzusehen, warum
‚er rauchlustigen Jugend die Befriedigung ihres Bedürfnisses
anerhalb einer Schankstätte verwehrt werden soll, wenn sie in
edem Tabakladen die gewünschte Ware ohne weiteres er-;tehen
 kann.
Ob die Ausschankverbote für Jugendliche sich als Maßaahme
 zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs darstellen,
vird nach dem oben Gesagten zweifelhaft sein können. Es ist
ichtig, daß für die Jugend, im ganzen genommen, der Alkoholsenuß
 nicht zuträglich ist; vom Alkoholismus wird man aber
ıur in seltenen Fällen sprechen dürfen. Regelmäßig findet sich
jer Alkoholmißbrauch in den Kreisen der Erwachsenen, und
‚war gerade bei solchen Personen, die schon im vorgerückten
‚ebensalter stehen.
Wenn wir unter diesem Gesichtspunkt die Be-;stimmungen
 des Notgesetzes noch einmal daraufhin
»rüfen, welche von ihnen nun eigentlich als Kampf-’jestimmungen
 gegen den Alkoholmißbrauch anzuırkennen
 sind, so bleibt, streng genommen, nur eine
inzige übrig: das Ausschankverbot für Betrunkene.
Man kann sagen, daß sich die vom Reichstag mit
rroßem Aufwand geforderte und von der Regierung mit
‘;bensolchem Aufwand angekündigte Bekämpfung des
Alkoholmißbrauchs auf diesen einen Punkt reduziert.
Nieder einmal haben Berge geboren, und zum Vorschein
 gekommen ist eine lächerliche Maus. Zweifelos
 sind durch dieses Ergebnis die Hoffnungen der
\bstinenzinteressenten enttäuscht worden. Dies ist
edoch kein Zufall; vielmehr war für den Sachcundigen
 das Ergebnis der Bemühungen; durch ge-175



wesens angesehen werden, nachdem bereits vor Erlaß
 des Notgesetzes in der Mehrheit der Fälle der
Bedürfnisnachweis vorgeschrieben war,
Ähnliches gilt von den obenerwähnten verschärften
 Anforderungen, die an die Person des Konzessionsinhabers
 gestellt werden. Die Verschärfungen
sind teils solche, die sich von selbst verstehen (die
dann aber auch schon durch die bisherigen Vorschriften
 ausreichend erfaßt wurden), teils solche, die
ziemlich überflüssig und überdies kaum durchführbar
sind; letzteres gilt z. B. für den neu eingeführten Begriff
 der „Schlemmerei“, für welchen eine brauchbare
Abgrenzung schlechterdings nicht gefunden werden
kann. Auch in derartigen Vorschriften, die sich als
Ergänzungsmaßnahmen vom untergeordneter Bedeutung
 darstellen, wird man unmöglich eine Reformierung
 des Schankstättenwesens erblicken können.
Was andererseits die Bekämpfung des Alkoholismus
 anlangt, so nehmen sich die in dem Notgesetz
getroffenen Bestimmungen ebenfalls einigermaßen
dürftig aus. In Betracht kommen die Vorschriften
über die Polizeistunde und die Ausschankverbote für
Jugendliche und Betrunkene.
Inwiefern durch die Polizeistunde der Alkoholmißbrauch bekämpft
 werden soll, ist durchaus nicht klar. Vielleicht hat
man sich die Wirkung der Polizeistunde ganz mechanisch so
gedacht, daß durch eine frühere Schließung der Wirtschaften
ein bestimmter Mehrverbrauch an alkoholischen Getränken in
Wegfall kommen müßte, der andernfalls, bei Offenhaltung der
Wirtschaften, existent werden würde. So einfach. liegen die
Dinge aber in Wirklichkeit nicht, Einmal ist keineswegs gesagt,
 daß der Konsument, der länger in einer Wirtschaft verweilt,
 damit zugleich seinen Getränkekonsum vergrößert. Und
andererseits wird ein Trunkenbold, dem es tatsächlich um die
Einverleibung einer bestimmten Quantität zu tun ist, sich auch
unter der Herrschaft der Polizeistunde so einrichten können,
daß er die benötigte Menge rechtzeitig in Sicherheit bringt.
In beiden Fällen muß die Polizeistunde als geeignetes Mittel
zur Bekämpfung des  Alkoholmißbrauchs versagen. In dem
einen Falle liegt überhaupt kein Mißbrauch vor; die Polizeistunde
 hat dann lediglich die Wirkung, daß sie die Geselligkeit
stört, die Stimmung verdirbt und die Wirtshausbesucher ganz
unnötigerweise belästigt. In dem anderen Falle werden die
vorhandenen Mißbräuche von der Polizeistunde nicht berührt,
sondern bestehen ungestört weiter fort. Die Polizeistunde ist
nichts als ein Notbehelf, der aus der Kriegs- und Nachkriegszeit
 stammt. Damals mochte ein Bedürfnis für die Einführung
der Polizeistunde vorgelegen haben; nach Wiederkehr
normaler Verhältnisse ist ein solches Bedürfnis aber beim
besten Willen nicht mehr erkennbar, Daß die Polizeistunde
kein geeignetes Mittel für die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs
 ist, darf auch auf Grund neuer amtlicher Erhebungen,
insbesondere der Denkschrift des Preußischen Ministeriums
des Innern vom 31. März 1927, als feststehend gelten, In dieser
Denkschrift werden die Erfahrungen mitgeteilt, die mit einer
Verlängerung der Polizeistunde gemacht worden sind (nebenbei
 bemerkt, kann durch eine Verlängerung der Polizeistunde
die praktische Bedeutung der ganzen Maßnahme überhaupt
illusorisch gemacht werden), Diese Erfahrungen sind durchweg
 günstige. Ja noch mehr: es stellt sich heraus, daß die
Übelstände, die vor der Verlängerung der Polizeistunde, also
unter der Herrschaft der frühzeitigen Polizeistunde, zu beobachten
 waren, nach, Verlängerung der Polizeistunde gänzlich
geschwunden sind, .
Damit dürfte das Urteil über eine Maßnahme gesprochen
 sein, die Mißstände hervorruft bzw. begünstigt,
 statt sie zu beseitigen, während auf der
        <pb n="177" />
        176
setzliche Vorschriften auf dem Gebiet des Schankstättenwesens
 den Alkoholmißbrauch bekämpfen zu
wollen, ungefähr vorauszusehen. Der Alkoholismus
ist eine Erscheinung, die sich durch ihre Eigenart der
Erfassung, geschweige der wirksamen Bekämpfung,
dem Rahmen eines Schankstättengesetzes vollständig
entzieht. Will man den Alkoholismus als Krankheitserscheinung
 fassen, so muß die Bekämpfung auf dem
Gebiet der Trinkerfürsorge einsetzen; will man ihn
als Zeiterscheinung treffen, so muß man durch Aufklärung
 und Erziehung zu wirken suchen. Unter allen
Umständen verfehlt aber ist die direkte Einwirkung
auf den Verbraucher durch Erschwerung oder Entziehung
 der Verbrauchsmöglichkeit. Durch ein derartiges
 Verfahren kann nichts Positives geleistet
werden, weil die psychologischen Widerstände zu
stark sind, die sich gegen eine derartige Beeinträchigung
 der persönlichen Freiheit auflehnen.
Schankstättengesetz. Entwurf 1923.
Soweit das Notgesetz vom 24. Februar 1923. Dem
Notgesetz folgte bald darauf — 6. Juni 1923 — die
Einbringung des ersten Entwurfs eines Schankstättengesetzes.
 Der Entwurf wurde dem Bevölkerungspolitischen
 Ausschuß des Reichstages überwiesen,
 gelangte jedoch infolge Ablaufs der Sitzungsperiode
 nicht mehr zur Verhandlung.
Der Inhalt des Entwurfs war für die Gärungsgewerbe
 und das Gastwirtsgewerbe geradezu katastrophal.
 Er brachte nicht nur, wenn auch in etwas
abgeschwächter Form, das sogenannte Gotenburger
System, sondern enthielt vor allem das viel erörterte
Gemeindebestimmungsrecht (GBR.).
$ 26 des Entwurfs lautete wie folgt:
„Durch Landesgesetz kann angeordnet werden, daß auf
Verlangen eines Fünftels der zur Gemeindewahl berechtigten
Mitglieder einer Gemeinde oder eines Gemeindebezirks in der
Äemeinde oder dem Gemeindebezirk darüber abgestimmt wird,
ıb in der Gemeinde oder dem Gemeindebezirk .
ı für neu zu errichtende Gast- und Schankwirtschaften die
Erlaubnis, geistige Getränke auszuschenken, künftig
noch erteilt werden darf oder nicht;
die Erlaubnis, geistige Getränke auszuschenken, für bestehende
 Gast- und Schankwirtschaften im Falle des
Besitzwechsels erneuert werden darf oder nicht;
das Ausschenken und Verabfolgen geistiger Getränke
a) nur im Kleinhandel oder
b) nur in Gast- oder Schankwirtschaften oder
c) in Gast- und Schankwirtschaften und im Kleinhandel
verboten werden soll.
Wenn drei Viertel aller Wahlberechtigten sich an der Abstimmung
 beteiligen und zwei Drittel der gültigen Stimmen für
las Verbot abgegeben werden, hat die zuständige Behörde
binnen zwei Monaten nach dem Tage der Abstimmung entsprechende
 Anordnungen zu erlassen. Das Verbot, geistige.Getränke
 auszuschenken oder zu verabfolgen (Ziffer 3), wird
sechs Monate nach der Verkündigung wirksam.
. Eine neue Abstimmung darf erst fünf Jahre nach einer
‚rüheren Abstimmung zugelassen werden. Die erlassenen
Änderungen dürfen nur aufgehoben oder eingeschränkt werden,
wenn an der neuen Abstimmung drei Viertel aller Wahlberechtigten
 sich beteiligen und zwei Drittel der gültigen Stimmen
für eine Aufhebung oder Einschränkung abgegeben werden.

Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:
nn —— ll

Die Erlaubnis ruht während der Dauer des Verbots, geistige
jetränke auszuschenken oder zu verabfolgen, in dem Umfang
ler Einschränkung.
Nach zwölfjähriger Dauer des Verbots erlischt die Fraubnis,
 soweit sie von dem Verbot betroffen war.
Die oberste Landesbehörde erläßt die erforderlichen Aus-‘ührungsbestimmungen.‘“

Man darf wohl sagen, daß heute die Erkenntnis
\llgemeingut geworden ist, daß die Einführung des
jemeindebestimmungsrechts nichts anderes bedeuten
vürde, als einen ersten Schritt auf dem verhängnisollen
 Wege, der letzten Endes zur Trockenlegung
‚eutschlands führen müßte. Damals war diese Er-‚enntnis
 noch nicht in weitere Kreise gedrungen, und
;s bedurfte eines großen Aufwandes an Aufklärungsırbeit
 innerhalb der Öffentlichkeit, der Parlamente
ind der Ministerien, um die Vorbedingungen für eine
sachliche Würdigung der Gefahren zu schaffen, die
inserer Wirtschaft und Verwaltung durch Einührung
 des Gemeindebestimmungsrechts drohten.
Die Aufnahme des Gemeindebestimmungsrechts in
ıen Schankstättengesetzentwurf war nicht etwa
iner Eingebung der Regierung entsprungen, sondern
uf Drängen der organisierte Abstinenzbewegung
urückzuführen. Dies ergibt sich mit voller Deutchkeit
 aus der Fassung der vorliegenden Beümmungen,
 die in genau derselben Form zuvor in
ler Abstinenzliteratur unter ausführlicher Begrünlung
 empfohlen worden waren. Man kann also mit
ug und Recht davon sprechen, daß in der Frage des
jemeindebestimmungsrechts die Initiative nicht von
‚er Regierung, sondern von den Abstinenten auszegangen
 ist. Bei der Vorschiebung des Gemeinde-‚jestimmungsrechts
 seitens der Abstinenten handelte
°s sich um ein schlaues taktisches Manöver: da das
?ndziel. die

Trockenlegung Deutschlands,
‚ffenbar nicht mit einem Schlage durchgesetzt werden
zonmnte, versuchten sie das Ziel mit Hilfe des Geneindebestimmungsrechts
 efapperweise zu erreichen.
Der Grundgedanke des Gemeindebestimmungsechts
 besteht darin, die wahlberechtigten Gemeindenitglieder
 durch Abstimmungen über die Alkoholrage
 entscheiden zu lassen. Die Abstinenten wünchen
 solche Abstimmungen, da sie eine willkommene
jelegenheit bieten, auf die Massen agitatorisch einuwirken
 und die Abstimmungsergebnisse in ihrem
inne zu beeinflussen. Gegenstand der Abstimungen
 ist eine Reihe von sorgfältig abgestuüften
erbotsbestimmungen.
Ss wird unterschieden:
1. Alkoholverbot für neuzuerrichtende Wirtschaften;
2. Alkoholverbot für bestehende Wirtschaften im Falle des
Besitzwechsels;
allgemeines Alkoholverbot für bestehende Wirtschaften
sowie für den Kleinhandel.
Jas Verbot zu 3. zerfällt wiederum in drei Unterabteilungen:
a) Verbot nur für den Kleinhandel,
b) Verbot nur für Wirtschaften,
») Verbot für beide.

+
        <pb n="178" />
        IV. 2. Schankstättengesetzgebung.

177

Es ist klar, welche Absichten mit einer derartigen
Abstufung verfolgt wurden. Man wollte mit den
leichteren Verboten beginnen, um allmählich und
Schritt für Schritt zu den schwereren Verboten überzugehen,
 von denen das schwerste (Ziffer 3c) sich
kaum noch von der völligen Trockenlegung unterscheidet.
 Der Anstoß zur Vornahme von :Abstimmungen
 würde in jedem Falle von den Abstinenten
 gegeben werden. Diese würden es sich angelegen
 sein lassen, die Punkte des geringsten
Widerstandes herauszusuchen, d. h. diejenigen. Bezirke,
 in welchen ihre Agitation die größten: PFortschritte
 zu verzeichnen hätte. Mit Hilfe des Frauenstimmrechts
 und gewissen in Amerika erprobten
Methoden der Wahlbeeinflussung brauchte es durchaus
 nicht unmöglich zu erscheinen, auch weitere Bevölkerungskreise
 zu düpieren und durch Annahme
von Verbotsbestimmungen zu überrumpeln.‘ Dazu
kommt, daß von der großen Masse der Wahlberechtigten
 eine richtige Einsicht in die Tragweite der vorgeschlagenen
 Verbotsbestimmungen gar nicht erwartet
 werden kann. Man betrachte z. B. das Ausschankverbot
 nach Nr. 2, das sich bei oberflächlichem
 Lesen verhältnismäßig harmlos ausnimmt, In
Wirklichkeit. ist die Bestimmung von sehr weitgehender
 Bedeutung. Wenn die Abstimmung eine
Mehrheit für das Verbot ergibt, so besagt dies nichts
weniger als das allmähliche aber sichere Aussterben
sämtlicher Gast- und Schankwirtschaften im Gemeindebezirk,
 weil die Erteilung einer neuen Konzession
 nicht nur im Falle eines Verkaufes, sondern
auch im Falle. des Todes des bisherigen Inhabers erforderlich
 ist. Es wäre in diesem Falle in der betreffenden
 Gemeinde in Zukunft unmöglich, auch nur
der Witwe oder dem Sohne eines verstorbenen Gastwirtes
 eine neue Schankerlaubnis zu erteilen. Derartige
 Folgen werden von der großen Masse der
Wähler nicht überlegt werden, da ihnen die hierfür
erforderlichen Kenntnisse fehlen. Solche Entscheidungen
 dürfen daher unmöglich in die Hände
der gesamten wahlberechtigten Einwohner einer
Gemeinde gelegt werden.
Besondere Beachtung verdienen die Vorschriften
über das Absfimmungsverfahren. Von diesen Vorschriften-hängt
 es ab, ob und in welchem Grade die
materiellen Bestimmungen praktische Bedeutung erlangen.
 Durch erschwerende Vorschriften kann die
Möglichkeit, daß ein Alkoholverbot zustande kommt,
nahezu ausgeschlossen werden; während umgekehrt
durch eine Fassung im Sinne der Abstinenten die Gefahr
 bedeutend verschärft werden kann.

Von sekundärer Bedeutung ist die Frist für die Vornahme
‚euer Abstimmungen, die nach dem Entwurf fünf Jahre beragen
 soll. Diese Frist wirkt für und gegen Verbotsfreunde
ınd -gegner. Für den Fall, daß ein Verbot abgelehnt wird,
verden die Verbotsfreunde eine Abkürzung der Frist wünschen,
ım möglichst bald eine neue Abstimmung herbeizuführen; für
len Fall, daß das Verbot durchgeht, werden umgekehrt die
/erbotsgegner ein Interesse an einer kurzen Frist haben, um
las Verbot baldigst wieder beseitigen zu können,
Von den anderen Vorschriften ist klar, daß die Wahl der
Jahlenverhältnisse von der allergrößten praktischen Bedeutung
st. Es macht einen großen Unterschied, ob für die Vornahme
jiner Abstimmung das Verlangen von einem Fünftel oder einem
Zehntel oder vielleicht gar einem Zwanzigstel der Gemeindenitglieder
 genügend ist. Je geringer die vorgeschriebene Zahl,
lesto leichter die Abstimmungsmöglichkeit. Entsprechend ver-1ält
 es sich mit den beiden anderen Zahlen,
Grundsätzliche Einwendungen.
Gegen das Gemeindebestimmungsrecht muß grund-Ätzlich
 eingewendet werden, daß auf der einen Seite
ine schwere Schädigung der Gärungsgewerbe sowie
les Gastwirtsgewerbes droht, während auf der
ınderen Seite keinerlei Gewähr gegeben ist, daß den
ıuf dem’ Gebiet des Alkoholgenusses bestehenden
Mißbräuchen abgeholfen wird. Das Gemeinde-‚estimmungsrecht
 richtet sich ja nicht gegen den
\lkoholmißbrauch, sondern gegen jeden, auch den
‚erechtigten und mäßigen Alkoholverbrauch. Die
z?rfahrungen der letzten Jahre in den Vereinigten
Staaten, Finnland, Norwegen und anderen Ländern
j1aben aufs klarste bewiesen, daß nicht einmal Totalrerbote
 und schwere Strafandrohungen es verhindern
cönnen, daß alkoholische Getränke in großen Mengen
ind in der Regel gerade in stärkster Konzentration
renossen werden, Die Wirkung derartiger Verbote
st lediglich die, daß der Konsum aus der Öffentlichceit
 verschwindet, daß er aber im geheimen um so
‚edenklichere Formen annimmt, und daß infolge
?zehlens der öffentlichen Kontrolle. sowohl in sitticher
 wie in hygienischer Hinsicht die schwersten
jefahren entstehen.
Überhaupt erscheint es, wiederum mit Rücksicht
ıuf die Erfahrungen in anderen Ländern (Vereinigte
Staaten von Nordamerika), nicht angängig, die
\lkoholirage in der Form des Gemeindebestimmungs-‚echts
 zum Gegenstand von Abstimmungen zu
nachen. Die Aufrollung der Alkoholfirage würde den
:ahlreichen schon bestehenden Spaltungen politischer,
zonfessioneller und sozialer Natur einen neuen Zwiepalt
 anfügen. Die Gemeinden würden zum Schauplatz
eidenschaftlicher Kämpfe gemacht werden, während
„ugleich in die Konstellation der politischen Parteien
Jnsicherheit und Verwirrung hineingetragen würde.
je nach dem mehr oder minder zufälligen Ergebnis
der Abstimmungen würden in buntem Durcheinander
„trockene“ und „nasse“ Gemeindebezirke entstehen.
In den „trockenen“ Gemeinden würden die Verbote
acht ernst genommen und auf jede Weise umgangen
werden, da die Bevölkerung nicht einsehen würde,
yarum verboten sein soll, was im Nachbarbezirk er-Folgende

 Punkte kommen in Betracht:
1; Vornahme der Abstimmung auf Verlangen von einem
Fünftel der zur Gemeindewahl berechtigten Mitglieder ;
2. vorgeschriebene Beteiligung der Wahlberechtigten: dr ei
Viertel; ; .
qualifizierte Mehrheit: zwei Drittel der gültigen
Stimmen für das Verbot.
Die deutsche Brauindustriea der Gegenwart
        <pb n="179" />
        178 Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:
A a. u —
laubt ist. Die Bevölkerung würde massenhaft in die
„nassen“ Bezirke abwandern, in denen sich der Konsum
 geistiger Getränke konzentrieren würde.
Schleichhandel und Korruption würden in einer
Weise großgezüchtet, von der man sich unter den
gegenwärtigen Verhältnissen kaum eine zureichende
Vorstellung machen kann. Zu alledem würden die
schweren wirtschaftlichen Schädigungen treten, von
denen die beteiligten gewerblichen Kreise betroffen
würden. .
Mit dem obenerwähnten
Gotenburger System,
welches der Entwurf in $ 2 vorsah, hat es folgende
Bewandtnis. Das Gotenburger System besteht in
2iner Art Kommunalisierung des Gastwirtsgewerbes,
Die bestehenden Gastwirtschaften werden in die Verwaltung
 der öffentlichen Hand übergeführt. Hierdurch
 soll das Eigeninteresse, das der Gastwirt an
der Verabfolgung geistiger Getränke hat, ausgeschaltet
 werden. $ 2 des Entwurfs wollte die Einführung
 des Systems in der Weise anbahnen, daß
den Gemeinden und den Abstinenzverbänden ein Vorzugsrecht
 bei der Erteilung von Konzessionen einzeräumt
 werden sollte, $ 2 bestimmte:
„Wenn eine Gemeinde, ein Gemeindeverband oder ein gemeinnütziger
 Verein zur.Bekämpfung des AlkoholmiBbrauchs
die Erlaubnis zum Betriebe einer Gast- oder Schankwirtschaft
auf gemeinnütziger Grundlage beantragt, darf die Erlaubnis
anderen Antragstellern nur zur Fortsetzung eines bestehenden
Betriebes erteilt werden oder wenn noch ein weiteres Bedürfnis
 besteht.
Die Reichsregierung kann die Voraussetzungen bestimmen,
unter denen ein Verein als gemeinnütziger Verein zur Be-&amp;lt;ämpfung
 des Alkoholmißbrauchs anzusehen ist; soweit sie
von der Befugnis keinen Gebrauch macht, ist hierzu die oberste
Landesbehörde befugt,
Die oberste Landesbehörde bestimmt, welche Verbände als
üemeindeverbände im Sinne des Abs, 1 anzusehen sind.‘
Gegen diese Bestimmungen mußte vom Standpunkt der be-'eiligten
 gewerblichen Kreise entschieden Verwahrung eingelegt
 werden. Wenn man sich schon von einer bürokratischen
Verwaltung der Gastwirtschaften durch die Gemeinden nichts
Äutes versprechen konnte, so drohte von seiten der Abstinenzverbände
 eine unmittelbare Gefahr. In der bisherigen Gesetzgebung
 war es noch nicht vorgekommen, daß privaten Versinigungen
 derart weitgehende Öffentlich-rechtliche Befugnisse
singeräumt wurden, Die „Gemeinnützigkeit‘“ sollte der Deckmantel
 sein, unter dem die Organisationen der Abstinenten unzestört
 ihre Interessenpolitik verfolgen wollten. Mit Hilfe der
5ekannten, obenerwähnten Spiegelfechterei, die mit der Bezeichnung
 „Alkoholmißbrauch“ getrieben wird, gedachten die
Abstinenten sich durch die erwähnten Bestimmungen eine wirk-;ame
 Waffe zur Bekämpfung nicht des übermäßigen, sondern
schlechthin jeden Alkoholgenusses zu schaffen. Das Vorgehen
der Abstinenten bedeutete nichts anderes als eine geflissentliche
 Irreführung der öffentlichen Meinung und — der behördlichen
 Stellen, die sich bei Abfassung des Entwurfs dazu hergegeben
 hatten, den Abstinenten Vorspanndienste zu leisten.
Der Vorläufige Reichswirtschaftsrat, dem der Entwurf im
Januar 1923 vorlag, hat sich durch die Schlagworte „Gemeinnützigkeit‘“
 und „Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs‘“ nicht
öluffen lassen, sondern die Streichung der Worte „oder ein
gemeinnütziger Verein zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs‘“
 gefordert. Leider hat der Reichsrat bei den anschließenden
 Beratungen des Entwurfs in den folgenden
Monaten nicht das gleiche Finsehen gehabt und die Regierungsvorlage

 wieder hergestellt. Dieser Vorgang ist recht be-‚eichnend
 dafür, einen wie großen Einfluß sich die Abstinenten
;jerade in behördlichen Kreisen zu verschaffen gewußt haben.

Verhandlungen im Reichstag 1925,
Wie erwähnt, wurde der Entwurf im damaligen
geichstag nicht mehr verhandelt. In dem neuzewählten
 Reichstag verstrich eine gewisse Zeit, ehe
lie Frage von neuem aufgegriffen wurde. Dies ge-;schah
 im Februar 1925. Der Abgeordnete Müller-“ranken
 brachte einen Antrag ein, in welchem. die
NViedervorlegung des Entwurfs vom 6. Juni 1923 geordert
 wurde. Der Antrag wurde im Bevölkerungs-»olitischen
 Ausschuß trotz lebhaften Widerspruchs
‚iner Minderheit angenommen, jedoch im Plenum am
8. Februar mit 200 : 168 Stimmen bei 16 Stimmnthaltungen
 abgelehnt. In derselben Sitzung des
veichstages, in welcher der Antrag Müller-Franken
ibgelehnt wurde, wurde ein schleunigst eingebrachter

Antrag Strathmann
Reichstagsdrucksache Nr. 585) angenommen, in
velchem die Regierung ersucht wurde, den Entwurf
ines Gesetzes „zum Schutze der Jugend gegen die
jefahren des Alkoholismus und zur Verbesserung
ıes Schankkonzessionswesens unter Ablehnung der
"rockenlegung Deutschlands“ schleunigst vorzu-&amp;gt;gen.
 Auf diesen Antrag geht die Einbringung des
ıeuen Schankstättengesetzes zurück, die am 20. April
927 erfolgte.
Der erwähnte Antrag Strathmann war diplomatisch außerırdentlich
 geschickt, In dem Augenblick, in welchem der
geichstag das Schankstättengesetz verwarf, in der Hauptsache
vegen des darin enthaltenen Gemeindebestimmungsrechts, ließ er
ich durch den Antrag Strathmann verleiten, ein neues Schanktättengesetz
 zu verlangen. Dieser Erfolg wurde in der Hauptache
 dadurch erreicht, daß Strathmann, der Stimmung der
\bgeordneten Rechnung tragend, die zu nichts verpflichtenden
Vorte einfügte „unter Ablehnung einer Trockenlegung
)eutschlands‘. Auf der anderen Seite ließ er das Gemeindeestimmungsrecht,
 welches der Stein des Anstoßes gewesen
'ar, einstweilen ganz fallen, paradierte dagegen mit dem
chlagwort „zum Schutze der Jugend“ und schloß hieran die
nscheinend neutrale Formel „Verbesserung des Schank-°Onzessionswesens‘“,
 Wir werden im folgenden sehen, in
velcher Weise der neue Fntwurf des Schankstättengesetzes
en von Strathmann erhobenen Forderungen Rechnung trägt.
Durch. die Annahme des Antrages Strathmann war die
jituation, im Sinne der Abstinenten, zunächst einmal gerettet.
)as „Schankstättengesetz‘“ war gefallen; aber ein Gesetz „zum
Schutze der Jugend und zur Verbesserung des Schank-“onzessionswesens‘“
 sollte erstehen. Dieses neue Gesetz
tonnte der Sache nach natürlich auch nur ein Schankstättenjesetz
 sein, welches sich von dem früheren Gesetz allenfalls
ıurch Weglassung des Gemeindebestimmungsrechts unterchied.
 Mit diesem Ergebnis hätten die Abstinenten an sich
'anz zufrieden sein können. Auch hiermit aber beruhigten sie
ich noch nicht, sondern setzten, nach Einschaltung einer
leinen Pause, alsbald ihre Bemühungen fort, das von der
'eichstagsmehrheit als unerwünscht betrachtete Gemeindeestimmungsrecht
 von neuem durchzudrücken. Strathmann
atte durch die Wendung „unter Ablehnung einer Trockenegung
 Deutschlands“ den Anschein zu erwecken verstanden,
Is ob keinerlei radikale Maßnahmen beabsichtigt wären. In
Nirklichkeit war er wie auch seine Anhänger weit davon enternt,
 auf das Radikalmittel des Gemeindebestimmungsrechts
u verzichten.
        <pb n="180" />
        /V. 2. Schankstättengesetzgebung. 179
Fs galt nur, eine passende Gelegenheit abzuwarten, ınd zwar geschlossen (mit alleiniger Ausnahme des
um einen neuen Antrag einzubringen, in welchem das \bgeordneten Thabor). Gegen das Gemeinde-Gemeindebestimmungsrecht
 wiederum gefordert estimmungsrecht stimmten die sämtlichen bürgerwurde.
 Die Gelegenheit fand sich bei der Beratung ichen Parteien, mit Ausnahme vereinzelter Abdes
 Reichshaushalts. Am 13. Juni brachte Strath- tinenzfreunde.
mann im 5. Ausschuß des Reichstages (Haushalts- Die Bedeutung der Abstimmung liegt darin, daß
ausschuß) zu Kapitel II Tit. 21 der fortlaufenden Aus- 1er Reichstag sich in der Frage des Gemeindegaben
 (Haushalt des Reichsministeriums des Innern) estimmungsrechts zunächst einmal in ablehnendem
einen weiteren Antrag ein, in welchem die Regierung Sinne festgelegt hat. Dies bedeutet freilich nicht,
ersucht wurde, das vom Reichstag am 18. Februar aß die Frage des Gemeindebestimmungsrechts nun
verlangte Schutzgesetz „unter Einbeziehung eines in für allemal entschieden ist; es wird im Gegenteil
brauchbaren Gemeindebestimmungsrechts“ nunmehr diamit zu rechnen sein, daß die Abstinenten diese für
schleunigst vorzulegen (Drucksache Nr. 999). Dieser ie entscheidende Frage bei jeder Gelegenheit wieder
Antrag bildete den Ausgangspunkt für die folgenden aufgreifen werden.
Kämpfe um die Spezialfrage des Gemeinde- Ablehnung des Gemeindebestimmungsrechts
bestimmungsrechts, ; im Schankstättengesetzentwurf 1926/27.
die erst durch die am 11. Mai 1926 erfolgte Ab- Der neue Entwurf eines Schankstättengesetzes, der
stimmung zu. einer vorläufigen Entscheidung ge- uf den erwähnten Antrag Strathmann zurückgeht,
bracht wurden. vurde zunächst dem Reichswirtschaftsrat zugeleitet
8. Mai 1926). Der Entwurf unterschied sich von
lem bisherigen namentlich dadurch, daß er das Geneindebestimmungsrecht
 nicht mehr enthielt, eben-.‚owenig
 das Gotenburger System. Die Frage des
jemeindebestimmungsrechts wurde in der dem Entvurf
 beigegebenen Begründung ausführlich behandelt
nit dem Ergebnis, daß die Regierung zu einer un-;weideutigen,
 überaus entschiedenen Ablehnung des
jemeindebestimmungsrechts gelangte. In der Hauptache
 sind es zwei Gründe, die die Regierung gegen
las Gemeindebestimmungsrecht anführte: die Geährdung
 einer geordneten Verwaltung und die Er-;chütterung
 der Wirtschaft durch die allmählich ein-‚eführte
 Trockenlegung.
Verwaltungsakte sollen nach allgemeinen Grundsätzen
ınfach, praktisch und billig gestaltet werden. Ein umständcheres
 und zugleich teuereres Verwaltungsinstrument als die
jesamtheit der Wahlberechtigten einer Gemeinde oder eines
jemeindebezirks ist jedoch schlechterdings nicht denkbar.
Ferner erfordern Verwaltungsakte eine genaue Prüfung
ler Verhältnisse, die sie regeln sollen; sie bedürfen Sorgältiger
 Erwägung, in welcher Weise auch den besonderen, verchieden
 gelagerten Umständen des FEinzelfalles Rechnung zu
ragen ist. Die Abstimmungen, mittels derer beim Gemeindejestimmungsrecht
 die Regelung des Alkoholausschanks entveder
 allgemein oder im Einzelfall erfolgen soll, würden
zeinerlei Gewähr für eine gewissenhafte Prüfung der Vorausetzungen
 und eine sorgfältige Abwägung aller Umstände
neten. Sie wären eine viel zu ungefügige und unbeholfene Einichtung,
 um Besonderheiten des Falles genügend Rechnung
ragen zu können, würden auch vielfach ein bloß zufälliges
3rgebnis haben.
Die von seiten der Abstinenten geflissentlich veryreitete
 Behauptung, wonach mit der Einführung des
jemeindebestimmungsrechts eine . Trockenlegung
Jeutschlands nicht beabsichtigt sei, steht in offen-‚ichtlichem
 Widerspruch zu dem Wesen des Geneindebestimmungsrechts.

Bei den engen Wechselbeziehungen der Gemeinden und Geneindebezirke
 untereinander greift die teilweise oder völlige
Jnterbindung des gewerblichen Alkoholausschanks über die
jrenzen des Abstimmungsbezirks hinaus in das Leben des

Es würde zu weit führen, im Rahmen der vorliegenden Abhandlung
 diese Kämpfe im einzelnen zu schildern. Von seiten
der Abstinenten wurde eine zügellose Agitation zugunsten des
Gemeindebestimmungsrechts entfesselt. Die Gärungsgewerbe,
insbesondere die Brauindustrie, standen in richtiger Erkenntnis
der drohenden Gefahr nicht hinter ihren Gegnern zurück,
sondern sorgten durch umfassende Aufklärung der öffentlichen
Meinung, durch Vorstellungen bei den Behörden, durch Verbreitung
 von Broschüren und Flugblättern, durch Veranstaltung
Ööffentlicher- Versammlungen u. a. m. dafür, daß das Interesse
weiter Kreise der Bevölkerung an der vorliegenden Frage
wachgerufen wurde, Nach dem Willen der Abstinenten sollte
der Reichstag durch Annahme der sich ziemlich harmlos gebenden
 Entschließung (man beachte den Zusatz: eines „brauchbaren“
 Gemeindebestimmungsrechts) überrumpelt werden. Im
Falle der Annahme wäre dann ein wichtiges Präjudiz geschaffen
 gewesen und der endgültigen Annahme des für die
Gärungsgewerbe so verhängnisvollen Gemeindebestimmungsrechts
 der Weg geebnet worden. Allmählich gelang es, durch
sachliche Aufklärung der öffentlichen Meinung und des Parlaments
 die wahre Bedeutung des Gemeindebestimmungsrechts
als eine Vorstufe für die Trockenlegung Deutschlands ins rechte
Licht zu stellen. Innerhalb des Reichstages begannen sich die
Meinungen zu klären. Für das Gemeindebestimmungsrecht
waren im wesentlichen nur die Linksparteien, an der Spitze die
Sozialdemokraten, bei welchen taktische Gründe den Ausschlag
gaben. Sämtliche bürgerlichen Parteien mit Ausnahme einiger
vereinzelter Abstinenzfreunde stellten sich auf den sachlich
allein gerechtfertigten ablehnenden Standpunkt.
Am 22. Januar 1926 kam es im Plenum zu einer
vorläufigen Abstimmung. Das Ergebnis schien ungewiß,
 und es wurde von seiten des Zentrums Zurückverweisung
 an den Hauptausschuß beantragt. Dieser
Antrag wurde angenommen.
Am 11. Mai 1926 erfolgte die ;
endgültige Abstimmung.
Diesmal war eine Beratung im Hauptausschuß vorangegangen,
 in welcher das Gemeindebestimmungsrecht
 abgelehnt worden war. Die Abstimmung im
Plenum ergab ebenfalls eine Ablehnung mit 241
gegen 163 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen. Für
ap Gemeindebestimmungsrecht stimmten die beiden
inksparteien, Sozialdemokraten und Kommunisten,
        <pb n="181" />
        180

Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:

Landes so sehr ein, daß sie nicht mehr als eine Gemeindeangelegenheit,
 sondern als eine Angelegenheit des Landes und
im Verhältnis zwischen Reich und Ländern kaum als eine
Landes-, sondern als eine Reichsangelegenheit angesehen
werden muß. Hat erst einmal die eine oder andere Gemeinde
len Alkoholausschank verboten, so liegt es in der Natur der
Sache begründet, daß sofort Bestrebungen einsetzen, die bestehende
 Ungleichheit innerhalb des Landes durch weitere Verbote
 auszugleichen. Diesem Gemeindebestimmungsrecht innewohnenden
 Bestreben zu immer größerer örtlicher Ausdehnung
entspricht die innere Notwendigkeit, auch sachlich immer
schärfere Maßnahmen zu treffen. Ein „brauchbares“, d. h.
in die Trockenlegung ausschließendes Gemeindebestimmungsrecht.
 ist deshalb ein Widerspruch in sich. Vielmehr wird ein
Gesetz, welches das Gemeindebestimmungsrecht einführt, stets
eginen ersten Schritt auf dem Wege zur zwangsweisen Trockenjegung
 selbst darstellen, dem die weiteren Schritte folgen
müßten.

parsamen und vernunftgemäßen Lebensführung für
ı1as ganze Volk, Dies sind die Gründe, aus denen
lie Regierung eine Einschränkung des Alkoholenusses
 für geboten erachtet, Das Schankstättenesetz
 soll dazu dienen, diese Einschränkung herbeiuführen.

Hat es Zweck, sich mit einer derartigen Begründung ausımanderzusetzen?
 Sachlich falsch ist die Behauptung von der
’ermehrung der Likörstuben, Bars und Dielen. Das Gegenteil
it richtig, wie bereits oben dargelegt wurde; nicht eine Verıehrung,
 sondern eine Verminderung der betreffenden Lokale
at stattgefunden, Was nach Ausscheidung der Likörstubenrage
 übrig bleibt, sind gewisse, aus der Abstinenzliteratur entshnte
 Sentiments, die in der Inflationszeit Geltung haben
nochten, gegenwärtig aber keinen Anspruch auf ernstliche
3eachtung erheben können. Was die angebliche Schwächung
ler Widerstandskraft betrifft, so spricht die Regierung diese
3ehauptung den Abstinenten einfach nach, ohne auch nur den
’ersuch eines Beweises zu wagen. Von einer Notlage des
&amp;lt;‚rößten Teils der Bevölkerung kann man, auch. unter Berückichtigung
 der wirtschaftlichen Krisenerscheinungen und ihrer
‚uswirkungen in Form der Arbeitslosigkeit, seit Überwindung
ler Inflation nicht mehr sprechen. Fine möglichst sparsame
ınd vernunftgemäße Lebensführung ist nicht nur in abnormen,
ondern auch in normalen Zeiten sicherlich zu empfehlen: die
°rage ist nur, ob ein mäßiger Genuß alkoholischer Getränke,
nsbesondere ein mäßiger Biergenuß, nicht mit in den Rahmen
iner vernunftgemäßen Lebensführung fällt. Die von der Retierung
 bekundete gegenteilige Auffassung steht erkennbar
ınter dem Einfluß der von seiten der Abstinenz verbreiteten
"hesen; auf eine sachliche Würdigung vermag sie keinen An-;öoruch
 zu erheben.
So fadenscheinig sehen die Gründe aus, auf die sich die
degierung bei der Einbringung eines Gesetzes stützte, das nicht
ıur für die wirtschaftlich unmittelbar interessierten Kreise,
ondern für die Lebensgewohnheiten der breiten Massen der
3Zevölkerung die weitgehendsten Folgen nach sich ziehen kann.
Nas außer diesen Gründen noch vorgebracht wird, ist lediglich
:;ine Verweisung auf die oben erwähnten, vom Reichstag anjenommenen
 Entschließungen, über deren Entstehung und sachiche
 Bedeutung bereits das Notwendige gesagt wurde.
„Jugendschutz.“
„Schutz der Jugend“ und „Verbesserung. des
Schankkonzessionswesens“ sind die aus dem Antrag
Strathmann entlehnten Schlagworte, denen der neue
intwurf, wenn nicht seine Entstehung, so doch sein
Viedererscheinen vor dem Reichstag verdankt.
sehen wir zu, auf welche Weise der Schutz der
ugend und die Verbesserung des Schankkonzessionsvesens
 im Gesetz erreicht werden soll.
Der Entwurf zählt 35 Paragraphen... Da in der Begründung
‚ugendschutz und Konzessionswesen als gleichwertig nebennander
 gestellt werden, sollte man meinen, daß vielleicht die
Tälfte des Gesetzes, d. h. etwa 15 bis 20 Paragraphen, auf
len Schutz der Jugend entfallen würde, und der Rest auf. die
Yerbesserung des Konzessionswesens. Diese Meinung erweist
ich jedoch als irrig. Nicht 15 bis 20 Paragraphen darf die
sefährdete Jugend für sich in Anspruch nehmen, sondern sage
ınd schreibe einen einzigen Paragraphen, und auch den noch
‘icht einmal ganz ($ 16). Damit nicht genug: dieser einzige
’aragraph, der den neuen Jugendschutz enthält, ist gar nicht
inmal neu, sondern die betreffenden Bestimmungen sind längst
eltendes Recht und einfach aus $ 5 des Notgesetzes vom
'4. Februar 1923 übernommen. $ 16 des Entwurfs enthält die
ıus dem Notgesetz bereits bekannten Ausschankverbote für
'ugendliche. Einige Änderungen sind in $ 16 des Entwurfs
‚egenüber dem $ 5 des Notgesetzes allerdings enthalten. Aber
liese Änderungen bedeuten nicht etwa eine Verstärkung des

Aus vorstehenden Erwägungen lehnte der Entwurf
das Gemeindebestimmungsrecht als eine dem deutschen
 Verwaltungssystem iremde, umständliche,
kostspielige und unvollkommene Einrichtung ab, die
eine geordnete und zweckmäßige Verwaltung außerordentlich
 erschweren, wenn nicht völlig unmöglich
machen, untragbare Ungleichheiten in der Regelung
 des Alkoholausschanks und schließlich notwendig
 die Trockenlegung Deutschlands zur Folge
haben würde.
Der Reichswirtschaftsrat erledigte die Vorlage
ziemlich schnell. Bereits am 21. Juni 1926 erstattete
er dem Reichswirtschaftsministerium seinen Bericht.
Für die Brauindustrie wichtig war namentlich der
Umstand, daß der Reichswirtschaftsrat die im Gesetz
vorgesehene Konzessionierung des Flaschenbierhandels
 (s. u.) ablehnte. Nun mußte das Gesetz zunächst
 den Reichsrat passieren. Hierüber verstrich
längere Zeit. Erst im Mai 1927 beendete der Reichsrat
 seine Arbeiten, und am 20. Mai 1927 wurde der
neue Entwurf dem Reichstag vorgelegt.

Begründung des Gesetzes im allgemeinen.
Es ist interessant zu sehen, welche Gründe die
Regierung für die Einbringung des Gesetzes anführt,
nachdem einerseits das Kernstück in Gestalt des Gemeindebestimmungsrechts
 beseitigt war, andererseits
durch den Wechsel der Zeitverhältnisse die Voraussetzungen,
 unter denen seinerzeit der Reichstag das
Gesetz gefordert hatte, weggefallen waren. Man
hätte erwarten sollen, daß die Regierung, da die
alten Gründe nicht mehr verfangen konnten, eine
neue Begründung hätte suchen und finden müssen.
Diese Erwartung wird durch den vorliegenden Entwurf
 nicht bestätigt. Mit keinem Wort wird der Verschiedenheit
 der in der Inflation herrschenden und
der gegenwärtigen Zeitverhältnisse Erwähnung getan.
 Es sind die alten Argumente, die die Regierung
in der Begründung vorweist: Vermehrung der Likörstuben,
 Bars und Dielen; Schwächung der Widerstandskraft
 der Bevölkerung infolge des Krieges und
seiner Nachwirkungen; Notlage des größten Teils
der Bevölkerung; Notwendigkeit einer möglichst
        <pb n="182" />
        IV. 2. Schankstättengesetzgebung, 181
SS z——_n a —
zinen wirtschaftlich gesunden und geachteten Gastwirtestand
zu fördern“,
Wie der Gastwirtestand selbst über die ihm hier
ıngetane Gesundung und Förderung denkt,. wolle
nan in der Gastwirtspresse nachlesen. Die Regie-‘ung
 kann sich auf Grund der Stellungnahme der
Jjastwirtsverbände unmöglich einer Täuschung über
lie in diesen Kreisen herrschende Stimmung hinreben.
 Sehen wir uns die erwähnten „Verbesseungen“
 nun etwas näher daraufhin an, inwiefern sie
zur Beseitigung von „Mißbräuchen und Ausschreiungen“
 notwendig und geeignet sind. I
Für den Fall der „Änderung einer Betriebsart“
vird die Erteilung einer neuen Konzession vorzeschrieben.
 Über Sinn und Zweck dieser Bestimmung
 belehrt uns die Begründung wie folgt:
„Diese Verschärfung ist veranlaßt durch den Mißstand,
 daß Inhaber einer auf bestimmte Arten von Getränken
 nicht beschränkte Erlaubnis (Vollkonzession)
bisher ihren Betrieb in eine Likörstube, Bar oder eine
ähnliche, vorwiegend oder ausschließlich dem Ausschank
 von Branntwein dienende Schankstätte umwandeln
 konnten, ohne dabei nach geltendem Rechte den
Inhalt ihrer Erlaubnis zu überschreiten.“
Also wieder ist es das Gespenst der Likörstuben,.
las diese neue Bestimmung veranlaßt hat. In Wirkichkeit
 ist dieses Gespenst zwar längst den verinderten
 Zeitumständen erlegen; dies hindert nicht,
laß es in den Köpfen der Verfasser des Entwurfs und
lenen der Abstinenten munter weiterspukt. Kein
vernünftiger Gastwirt wird heute daran denken,
jeinen Betrieb in eine Likörstube umzuwandeln, weil
;ich eine derartige Umwandlung ganz einfach nicht
'‚entieren würde. Die Vorschrift ist also praktisch
&amp;gt;hne jede Bedeutung. Ein Mißstand, der durch sie
ykämpft werden könnte, ist nicht vorhanden.
Die Ausdehnung des Betriebes auf bisher nicht zuzelassene
 Räume bedurfte schon nach der bisherigen
/erwaltungspraxis jeweils einer neuen Genehmigung.
Zine dementsprechende neue gesetzliche Vorschrift
st mithin überflüssig.
Die neu eingeführte
Stellvertretungserlaubnis ;
wird wie folgt begründet:
„Oft wird ein Stellvertreter bestellt, um die Einholung
giner neuen Erlaubnis für den Gewerbebetrieb zu umgehen.
 Dadurch werden die mit dem Erlaubniszwange
beabsichtigten Zwecke in weitem Umfang vereitelt. Mitunter
 wird auch der Stellvertreter infolge seiner starken
Abhängigkeit vom Inhaber der Erlaubnis den Betrieb
unter ungünstigen Bedingungen führen, die ihn dazu
irängen, seine Einnahmen durch Ausbeutung der Gäste,
Förderung der Völlerei oder auf sonstige unlautere
Weise zu steigern.“

Jugendschutzes, sondern eine Abschwächung der geltenden
 Vorschriften, von denen man eingesehen hat, daß sie zu
weit gehen und infolgedessen praktisch nicht durchzuführen
sind. . Die Milderungen bestehen in folgendem:
der Branntweinausschank ‚ist micht mehr allgemein
verboten, sondern nur soweit er gegen Entgelt
erfolgt;
das Verbot bezüglich der branntweinhaltigen
Genußmittel ist gemäß den vom Reichswirtschaitsrat
 und vom Reichsrat geäußerten Bedenken gestrichen;
die Altersgrenze für das Ausschankverbot von
anderen geistigen Getränken als Branntwein ist von
16 auf 14 Jahre herabgesetzt;
das Verbot der Abgabe anderer geistiger Getränke
als Branntwein im Kleinhandel ist beseitigt.
Der Vollständigkeit halber sei noch eine Bestimmung angeführt,
 die vielleicht von den Verfassern des Entwurfs dem
Kapitel Jugendschutz hinzugerechnet wird. In $ 19 ist vorgeschrieben,
 daß vor Erteilung einer Konzession außer den verschiedenen
 sachlich beteiligten Stellen auch das Jugendamt
gehört werden kann. Diese Bestimmung hat zu allerlei
spöttischen Kritiken Veranlassung gegeben. Es ist in der Tat
unbegreiflich, inwiefern das Jugendamt etwas über die Frage
der Erteilung einer Wirtschaftskonzession auszusagen haben
soll. . Sachkunde und Erfahrung stehen ihm jedenfalls für die
Beurteilung derartiger Fragen nicht zur Seite,

Soviel über das Kapitel des Jugendschutzes, das
man wohl mit den Worten schließen darf: difficile
est, satiram non scribere. Man sieht wieder einmal
die verhängnisvollen Wirkungen der Schlagworte,
die unser öffentliches Leben beherrschen. Im vorliegenden
 Fall hat sich die Parlamentsmehrheit
durch das Schlagwort „Jugendschutz“ . hinreißen
lassen, ein Gesetz zu fordern, das der Sache nach
vollständig überflüssig ist, und jedenfalls‘ durchaus
ungeeignet, die Erwartungen zu erfüllen, die bei der
Forderung des Gesetzes an das Schlagwort geknüpft
wurden. -
„Verbesserungen“ des Schankkonzessionswesens.
Nachdem für den Jugendschutz ein halber Paragraph
 des Gesetzes reserviert ist, bleiben für die Verbesserung
 des Konzessionswesens 34% Paragraphen
äbrig. Wie sehen nun die hier verheißenen „„Verbesserungen“
 aus?
Wenn man sich an die Ausführungen der Begründung erinnert,
 wird man die „Verbesserungen“ in der Richtung suchen,
daß der Verbrauch alkoholischer Getränke erschwert und der
Gastwirtestand zu diesem Zweck mit allerlei kleinlichen Maßnahmen
 und Schikanen drangsaliert werden soll,
-So ist es in der Tat. Die Bedingungen für die Erteilung
einer Konzession werden erschwert, die Bedingungen für ihr
Erlöschen und ihren Verlust erleichtert. Neue Konzessionen
werden eingeführt für die Fälle der Änderung einer Betriebsart
(8 3), der Ausdehnung des Betriebes auf andere Räumlichkeiten
 ($ 3), der Finsetzung eines Stellvertreters ($ 6). Die
Möglichkeit der Konzessionierung des Kleinhandels mit Bier,
insbesondere des Flaschenbierhandels, wird vorgesehen (8 26).
In besonderen Fällen kann für die Dauer eines Jahres eine
vollständige Sperre für die Erteilung neuer Konzessionen verhängt
 werden ($ 21 Abs. 2). Die Polizeistunde unseligen Angedenkens
 wird ausdrücklich beibehalten ($ 14). Für Branntwein
 werden Ausschankverbote für die Morgenstunden sowie
für Lohn- und Gehaltszahlungstage vorgeschlagen ($ 15). Dies
alles geschieht, wie die Begründung salbungsvoll bemerkt, um
„Mißbräuchen und Ausschreitungen vorzubeugen und zugleich

Die Stellvertreterirage bildete innerhalb des
zeltenden Rechts allerdings einen wunden Punkt. Es
st richtig, daß in der Praxis in vielen Fällen Stellzertreter
 bestellt wurden und noch bestellt werden,
lie in Wirklichkeit keine Stellvertreter sind, sondern
        <pb n="183" />
        82

Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:

selbständige Gewerbetreibende (Pächter), die den
Betrieb auf eigenes Risiko führen. Derartige Verträge
 (sogenannte Kastellanverträge) sind auf Grund
der geltenden Rechtsprechung nichtig. Wenn die
Nichtigkeit bekannt wird, haben beide vertragschließenden
 Teile den Schaden; nicht selten werden
auch die Lieferanten, die sich auf das Bestehen eines
echten Stellvertretungsverhältnisses verlassen haben,
in Mitleidenschaft gezogen. Man kann also wohl davon
 sprechen, daß auf diesem Gebiet tatsächlich gewisse
 Mißstände vorliegen. Fraglich kann nur sein,
ob die im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen zur Abılfe
 geeignet sind.
Zwei Momente sind es im wesentlichen, die die unerfreulichen
 Erscheinungen begünstigt haben: einmal die Konzessionssteuer
 und sodann das Bestreben des Verpächters, sich
yährend der Pachtzeit einen fortdauernden Einfluß auf den Beırieb
 zu sichern. Die Konzessionssteuer, die in jedem Falle des
Erwerbs einer neuen Konzession zu entrichten ist, wirkt sich in
ier Praxis naturgemäß als Abschreckungsmittel aus, insjesondere
 dann, wenn im Falle der Verpachtung die Steuer in
derselben Höhe zu entrichten ist wie im Falle des Verkaufs
der der Neuerrichtung eines Betriebes. Eine derartige Regelung
 ist offenbar ungerecht; für den Fall der Verpachtung muß
ne Differenzierung in Form einer bedeutend ermäßigten
Steuer gefordert werden.

jar erweist, auf gesetzäichem Wege Abhilfe ge-:chaffen
 werden muß. Die Möglichkeit einer Ändeung
 der Rechtsprechung halten wir theoretisch für
'egeben, praktisch jedoch für so gut wie aussichtslos.
3leibt also nur die Möglichkeit der Gesetzesändeung.
 Es ist zu fordern, daß in das Schankstättenesetz
 eine Bestimmung aufgenommen wird, wonach
n Falle der Verpachtung die Konzession des Verächters
 nicht erlischt, sondern aufrechterhalten
leibt. Im Falle der Verpachtung besteht ein starkes
«And begründetes wirtschaftliches Interesse des Konessionsinhabers
 an der Aufrechterhaltung der Konession.
 Der Verpächter bleibt während der ganzen
Jauer der Pachtzeit auf das engste mit dem Betrieb
erbunden, auch wenn er nicht mehr persönlich im
‚etrieb tätig ist. Er bezieht aus dem Betrieb {fortıfend
 Einnahmen in Gestalt des Pachtzinses und
ıuß jeden Augenblick gewärtig sein, im Falle von
ifferenzen, die zu einer Lösung des Pachtverhältisses
 führen, den Betrieb wieder selbst zu überehmen.
 Aus diesen Gründen ist der Fall der Ver-‚achtung
 grundverschieden von dem des Verkaufs.
Jieser Verschiedenheit muß im Gesetz Rechnung
zetragen werden. Für den Fall des Verkaufs ist
zegen ein Erlöschen der Konzession nach Ablauf
iner bestimmten Frist kaum etwas einzuwenden; im
'alle der Verpachtung aber liegen die Dinge gänzlich
„.nders, so daß hier eine abweichende Regelung Platz
rreifen muß.

Verpachtung.
Das zweite Moment besteht darin, daß der Verpächter
 den berechtigten Wunsch hat, den Betrieb
nicht vollständig aus der Hand zu geben, sondern eine
engere Verbindung aufrechtzuerhalten. Dieses Bestreben
 wird erschwert oder so gut wie unmöglich
zemacht durch die Bestimmung des $ 49 Abs. 3 GO.,
wonach eine Konzession im Falle der „Einstellung des
Gewerbebetriebs‘“ binnen drei Jahren erlischt.
Die Verpachtung wird in feststehender Rechtsprechung als
Einstellung des Gewerbebetriebes im Sinne des $ 49 Abs. 3 GO.
angesehen. Daraus folgt, daß der Verpächter eines Betriebes
binnen drei Jahren seine Konzession verliert, während der
Pächter die nachgesuchte neue Konzession für die Dauer des
Pachtverhältnisses behält. Durch eine derartige Regelung wird
ler Verpächter offenbar benachteiligt. Er gerät bis zu einem
gewissen Grade in die Abhängigkeit des Pächters, da eine
LÖsung des Pachtverhältnisses fortan für ihn mit großem
Risiko verbunden wäre. Er müßte dann eine neue Konzession
nachsuchen, was einen erheblichen Aufwand an Zeit und Kosten
bedeutet, Vor allem aber wäre der Erfolg überhaupt ungewiß,
da immer die Möglichkeit besteht, daß die neue Konzession
wegen mangelnden Bedürfnisses versagt wird, so daß das Eingehen
 der Wirtschaft und in vielen Fällen der Verlust der damit
verbundenen Existenz droht. Der Verpächter ist somit mehr
oder weniger auf den guten Willen des Pächters angewiesen;
er muß es jedenfalls sorgfältig vermeiden, mit ihm in Differenzen
 zu geraten, da er andernfalls riskieren muß, daß er die
Konzession und damit das Lokal verliert. Naturgemäß- sind
sich die Pächter ihrer günstigen Position voll bewußt und
nutzen diese zum Nachteil der Verpächter nach Kräften aus.
Um den geschilderten unerwünschten Folgen aus dem Wege
zu gehen, greifen die Verpächter notgedrungen zu dem Mittel
ler Kastellan-Verträge, allerdings ohne zu bedenken, daß sie
sich auf diese Weise erst recht in Gefahr begeben.

Die „Abhilfe“, die der Entwurf des Schankstättengesetzes
len geschilderten Mißständen zuteil werden lassen möchte,
jeht leider wesentlich anders aus. In Betracht kommen die
$ 4 und 6 des Entwurfs. In dem bereits erwähnten $ 6 wird
lie Stellvertreterfrage behandelt, in $ 4 die Frage des Fristblaufs
 im Falle der Verpachtung. $ 6 sieht für den Fall der
‘tellvertretung die Erteilung einer neuen Erlaubnis vor und
&amp;gt;hränkt überdies die Möglichkeit der Stellvertretung in einchneidender
 Weise ein. Hierdurch werden zwar die bisher
‚orkommenden nichtigen Kastellanverträge beseitigt; gleicheitig
 aber werden‘ durchaus unbillige Erschwerungen eingeührt
 für die zahlreichen Fälle, in denen ein Bedürfnis nach
iner echten Stellvertretung besteht. Die Bestimmungen des
6 sind mithin nicht nur überflüssig, sondern geradezu
chädlich; schädlich, soweit sie den Gastwirt in seiner Bevegungsfreiheit
 ungebührlich einengen, und überflüssig in-‚ofern,
 als das Übel der Kastellanverträge auf andere, viel
‚.weckmäßigere Weise, wie oben dargelegt, beseitigt werden
ann. Die Gelegenheit für eine vernünftige Regelung bietet
ich in $ 4, dessen Bestimmungen in der vorliegenden Form
eider durchaus unzulänglich sind. Es fehlt nicht nur die von
ins geforderte Unterscheidung zwischen Verkauf und Verpachung,
 sondern es ist eine weitere Verschlechterung vorgesehen
asofern, als die bisherige Frist von drei Jahren auf ein Jahr
erkürzt wird. Auch der Wortlaut der bisherigen Vorschrift,
velche von einer „Einstellung des Betriebes“ sprach, ist in
’ngünstiger Weise abgeändert dahingehend, daß es nunmehr
ıeißt: „wenn der Inhaber seinen Betrieb nicht mehr ausgeübt
at“. Durch diese neue Fassung soll anscheinend noch
chärfer als bisher zum Ausdruck gebracht werden, daß der
‘ristablauf auch für den Fall der Verpachtung gilt; wenn es
‘isher vielleicht noch zweifelhaft sein konnte, ob eine „Ein-;tellung
 des Betriebes‘ im Falle der Verpachtung vorlag, so
vürde fortan kein Zweifel mehr bestehen können, daß im Falle
ier Verpachtung der bisherige Inhaber den Betrieb „nicht
nehr selbst ausübt“. Nimmt man hinzu, daß die Erteilung neuer
Conzessionen durch das Schankstättengesetz systematisch er-Auf

 Grund dieses Sachverhalts ergibt sich die
selbstverständliche Forderung, daß entweder die
Rechtsprechung zu $ 49 Abs. 3 GO. neu orientiert
werden oder, wenn sich dieser Weg nicht als gang-
        <pb n="184" />
        IV. 2. Schankstättengesetzgebung,

183
n der Hauptsache der Zweck verfolgt würde, die Zahl der
"laschenbierhandlungen einzuschränken.
Durch eine Drangsalierung des Flaschenbiergeschäfts, wie
‚je mit der Konzessionierung beabsichtigt ist, würden alle Beeiligten,
 Brauereien, Flaschenbierhandlungen (Lebensmittelzeschäfte)
 und Konsumenten, geschädigt. Für die Brauereien
ınd die Händler bedeutet die Konzessionierung eine Beeinrächtigung
 des Geschäftsganges; dem Konsumenten aber wird
lie‘ Möglichkeit genommen, seinen normalen Bierbedarf in der
hm zusagenden Weise zu decken.
Von den Anhängern der Konzessionierung wird immer
vieder auf angebliche Mißstände im Flaschenbiergeschäft hinzewiesen
 mit der Behauptung, daß durch den Flaschenbierı1andel
 der sog. Winkelschank gefördert werde. Bei näherer
Zetrachtung erweisen sich diese Mißstände als bedeutend überrieben;
 es handelt sich zumeist um vereinzelte Fälle von
Ninkelschank, die auf Grund der bestehenden Vorschriften der
jewerbeordnung wirksam bekämpft werden können. In Wirkichkeit
 sind die Verhältnisse im Flaschenbiergeschäft, vieleicht
 mit einigen Ausnahmen in Bayern und Württemberg,
ls normal und gesund zu bezeichnen. Aus den vorliegenden
ınlässen die Konzessionierung des gesamten Flaschenbierıandels
 zu verlangen, hieße jedenfalls mit Kanonen auf Spatzen
ichießen,
Wiederum zeigt sich, daß ein sachliches Bedürfnis für die
n Rede stehende Maßnahme nicht besteht. Auch über die
Zignung im Sinne der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs
vird man verschiedener Meinung sein können. Wenn man den
Consumenten das Flaschenbier nimmt, so schafft man damit
)inen verstärkten Anreiz zum Wirtshausbesuch. Dies ist ja
ıuch der Grund, warum die Konzessionierung des Flaschenbierıandels
 von seiten der Gastwirte nicht nur anerkannt, sondern
;ogar gefordert wird, Übrigens würden auch die Gastwirte
;icherlich gern auf diese Forderung verzichten, wenn sie damit
las Schankstättengesetz als Ganzes aus der Welt schaffen
tönnten.
Die einjährige Sperrfrist
‚ür die Erteilung von Konzessionen findet sich in $ 21
Abs. 2... Die Bestimmung lautet wie folgt:
„Die oberste Landesbehörde oder die von ihr bestimmte
Stelle kann, wenn nach ihrem Ermessen die Zahl der nach
$ 1 Abs. 1 erlaubnispflichtigen Betriebe in einem Bezirke
das Bedürfnis erheblich übersteigt, für längstens ein Jahr
anordnen, daß in dem Bezirk Erlaubnisse für neu zu errichtende
 Betriebe nicht oder nur für gewisse Arten: von
üetränken oder nur mit ihrer Genehmigung erteilt werden
lürfen. Das gleiche gilt für Erlaubnisse zur Ausdehnung
bestehender Betriebe auf nicht zugelassene Arten von
Getränken oder auf nicht zugelassene Räume. Die Anardnung
 kann nach Ablauf eines Jahres seit Beendigung
der Sperrfrist wiederholt werden.“
Es soll also angeordnet werden können, daß Kon-‚essionen
 für neu zu errichtende Lokale oder für
\usdehnung bestehender Lokale während eines
'ahres überhaupt nicht erteilt werden. Diese Be-;timmung
 bedeutet einen schweren Eingriff in die
3ewerbefreiheit, Voraussetzung für die Anordnung
;oll sein, daß nach dem Ermessen der obersten
‚‚andesbehörde die Zahl der erlaubnispflichtigen Beriebe
 in einem Bezirk das Bedürfnis erheblich überteigt.
 Die oberste Landesbehörde wird ebensovenig
 in der Lage sein wie die Lokalbehörden, die
chwierige Frage des Bedürfnisses zutreffend zu
:ntscheiden.
Wie bereits ausgeführt, gibt es hierfür nur eine einzige
:ompetente Instanz: den Konsumenten, der durch das Ausmaß
eines Verbrauchs und die Auswahl der von ihm bevorzugten
Schankstätten das Bedürfnis bestimmt. Aber den Konsumenten
yvill man ja gerade ausschalten, Die Bedürfnisfrage aufwerfen,

schwert wird, so ist es klar, daß für den Verpächter einer
Gastwirtschaft auf Grund des Entwurfes die Gefahr wesentlich
erhöht wird, daß er bei Lösung des Pachtverhältnisses eine
Konzession für sein Lokal nicht wieder erhält. Die Verkürzung
 der Frist wird in der Begründung des Gesetzes auf
gewisse Mißstände zurückgeführt, die sich durch das Nebeneinanderbestehen
 von mehreren Konzessionen für ein und
dasselbe Lokal ergeben haben sollen; insbesondere wird der
Fall angeführt, daß die Konzession dem Inhaber infolge von
Verfehlungen entzogen worden ist. Wir sind der Meinung, daß
es sich bei den hier erwähnten Fällen um verhältnismäßig
seltene Ausnahmen handelt, die auch auf andere Weise als
durch die in $ 4 des Gesetzes vorgesehene einschneidende
Änderung wirksam bekämpft werden können. Eine gesetzliche
Neuregelung allgemeiner Natur sollte nicht an derartige Einzelfälle
 anknüpfen, sondern von einer objektiven Würdigung der
gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse ausgehen.
Durch die Bestimmungen des Entwurfes werden
also auch in der vorliegenden Frage die bestehenden
Zustände nicht nur nicht gebessert, sondern offensichtlich
 verschlechtert. Der Deutsche Brauer-Bund
hat daher beantragt, $ 4 des Entwurfes wie folgt zu
fassen:

„Die Erlaubnis erlischtferner, wenn
der Inhaber seinen Betrieb seit einem
Jahre weder selbst ausgeübt hat noch
durch andere Personen (Stellvertreter,
 Pächter) hatausüben lassen.“
Bei einer solchen Fassung der gesetzlichen Bestimmungen
 würde die Konzession des Verpächters
bestehen bleiben. Gleichzeitig würden durch eine
derartige Neuregelung die Bestimmungen des $ 6 im
wesentlichen überflüssig werden.
Wir kommen nunmehr zu der Frage der
Konzessionierung des Flaschenbierhandels.
DieseFrage ist für die Brauindustrie von besonderer
Bedeutung, da.eine Konzessionierung des Flaschenbierhandels
 mit einer schweren Schädigung, wenn
nicht völligen Lahmlegung des Flaschenbiergeschäfts
gleichbedeutend wäre. In $ 26 des Entwurfs ist vorgesehen,
 daß die Konzessionierung im Wege der
Landesgesetzgebung eingeführt werden kann. Hierzu
wird in der Begründung bemerkt, daß eine Konzessionierung
 von Reichs wegen nicht vorgesehen
sei, weil die Konzessionierung in der Wirtschaft als
schwerer Eingriff empfunden werde. Auf die Möglichkeit
 einer Konzessionierung überhaupt zu verzichten,
 hat sich die Regierung nicht entschließen
können.

Der Flaschenbierabsatz vollzieht sich zum größten Teil auf
lem Wege über die Kleinhandelsgeschäfte, Delikatessengeschäfte
 u. dgl. Diese Geschäfte halten Flaschenbier wvorrätig,
 um den. Hausfrauen Gelegenheit zu geben, kleine Mengen
von Flaschenbier für die einzelnen Mahlzeiten einzukaufen.
Der Vertrieb des Flaschenbieres wird von diesen Geschäften
nebenher ausgeübt und wirft nur mäßige Gewinne ab. Unter
diesen Umständen würden sich die Geschäftsinhaber scheuen,
die mit dem Konzessionsverfahren verbundenen Umstände und
Kosten auf sich zu nehmen, und lieber auf den Vertrieb des
Flaschenbieres überhaupt verzichten. Auch würde ein großer
Teil der Geschäftsinhaber eine Versagung der Konzession
riskieren müssen, da mit der Einführung der Konzessionierung
        <pb n="185" />
        Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:

bedeutet an sich schon, sie unter Übergehung des Konsumenten,
1. h. durch polizeiliche Bevormundung, entscheiden zu wollen.
Jede verwaltungsmäßige Entscheidung über die Bedürfnisfrage
st aber im Grunde genommen willkürlich. Es erscheint grundsätzlich
 verfehlt, den Verwaltungsbehörden weitgehende
Kompetenzen einzuräumen, die auf derart unsicheren, sachlich
&amp;lt;aum zu begründenden Voraussetzungen fußen. Zur Begrünlung
 der in Rede stehenden Maßnahme weiß die Regierung
wiederum nichts besseres anzuführen, als die — in Wirklichxeit
 nicht vorhandene — Vermehrung der Likörstuben usw.
Von der langen Reihe der „Verbesserungen“, die
wir im vorstehenden kritisch gesichtet haben, bleiben
aunmehr noch übrig die Polizeistunde und die Ausschankverbote
 für Branntwein. Über die Polizeistunde
 ist bereits oben alles Wesentliche gesagt.
Was die Ausschankverbote für Branntwein anlangt,
so erscheint eine Würdigung in dem vorliegenden
Zusammenhange entbehrlich, da durch die betreffenden
 Bestimmungen die Interessen der Brauindustrie
 nicht berührt werden. Jedenfalls kann man
sagen: wenn dieses Ausschankverbot als einzige
‚Verbesserung‘ übrigbleibt, so hätte es hierfür des
zroßen Aufwandes eines Schankstättengesetzes
sicherlich nicht bedurft.

‚84

Neu ist der Anklang, den dieser Gedanke plötzlich bei den
‚olitischen Parteien im Reichstage gefunden hat. Der Gedanke
ler Verhältniszahl ist gewissermaßen ein Surrogat für das
»isher so lebhaft umstrittene Gemeindebestimmungsrecht.
Vachdem der Reichstag mit großer Mehrheit das Ge-1eindebestimmungsrecht
 ausdrücklich abgelehnt hatte, haben
ich die Abstinenten taktisch neu eingestellt. Sie ließen das
;emeindebestimmungsrecht vor der Hand fallen, präsentierten
ber an seiner Stelle sogleich eine neue Forderung in Gestalt
er Verhältniszahl. In der Tat würde durch Einführung der
erhältniszahl manches erreicht werden, was sonst auf dem
Vege des Gemeindebestimmungsrechts hätte herbeigeführt
verden können. In gewisser. Beziehung geht die Verhältnisahl
 sogar noch etwas weiter als das Gemeindebestimmungsscht,
 da durch die Verhältniszahl sofort innerhalb gewisser
irenzen eine Verminderung der Gastwirtschaften festgelegt
vird, während bei dem Gemeindebestimmungsrecht die Einchränkung
 immer noch von einer vorhergehenden Abstimmung
ler Gemeindemitglieder abhängig gewesen wäre. Es ist schwer
u sagen, ob für unsere Industrie das Gemeindebestimmungsecht
 oder die Verhältniszahl die größeren Gefahren mit sich
ıringt. Hier kommt alles auf die praktische Durchführung an
ınd auf den Einfluß, welchen die Abstinenten im einen Falle
ei den Verwaltungsbehörden, im anderen Falle bei den
Vählermassen sich zu verschaffen wissen.
Die Verhältniszahl besagt bekanntlich, daß die Anzahl der
Schankstätten in ein festes Verhältnis zur Einwohnerzahl ge-‚racht
 werden soll in der Weise, daß z. B. auf je 400 Einvohner
 nicht mehr als eine Schankstätte entfällt. Der vom
Zentrum eingebrachte Antrag sah ursprünglich sogar ein Verältnis
 von 1:500 vor, d. h. auf je 500 Finwohner sollte nicht
nehr als eine Schankstätte entfallen. Deutschnationale und
jozialdemokraten begnügten sich mit dem Verhältnis 1 : 400,
‚uf welche Ziffer schließlich auch das Zentrum zurückging.
Der Gedanke der Verhältniszahl fand zunächst lebı1aften
 Widerstand von seiten der Regierungsertreter,
 Da jedoch von Anfang an eine ziemlich
;iichere Mehrheit für die Verhältniszahl vorhanden zu
‚ein schien, gab die Regierung schließlich nach, um
ıicht das Gesetz als Ganzes scheitern zu lassen. Das
'rgebnis war, daß ein Kompromißantrag der Regieungsparteien
 formuliert wurde, welcher die Verhält-‚iszahl
 forderte, zugleich aber verschiedene Einchränkungen
 vorsah. Dieser Antrag wurde gegen
lie Stimmen der Bayerischen Volkspartei, der
jemokraten, der Wirtschaftspartei und eines Teils
ler Deutschnationalen mit großer Mehrheit anrenommen.
 Der Sprecher der Deutschen Volks-;artei
 erklärte, daß seine Fraktion der Verhältniszahl
ediglich vorläufig und nur deshalb zustimme, um die
Arbeiten zu fördern, daß eine Zustimmung in der
Schlußberatung aber nur dann in Frage kommen
&amp;lt;önne, wenn den gegenwärtig bestehenden Bedenken
lurch Änderung der betreffenden Bestimmungen
xechnung getragen würde. Dem Antrag zufolge erıelt
 der $ 1 des Gesetzes folgende Fassung:

Verhandlungen im Reichstag 1927128.
Die erste Lesung des Entwurfes fand am 20. Juni
‚927 statt. Es wurde mit 159 gegen 118 Stimmen
beschlossen, den Entwurf dem Volkswirtschaftlichen
Ausschuß zu überweisen. Die Abstinenten hatten
Überweisung an den Bevölkerungspolitischen Ausschuß
 beantragt, der zum großen Teil mit ihren
Freunden besetzt war. Der Gegenantrag, Überweisung
 an den Volkswirtschaftlichen Ausschuß, bezweckte,
 die Beratungen dem Bereich der Sentiments
zu entziehen und die Erörterungen in sachliche
Bahnen zu lenken. Der Beginn der Ausschußbe-’atungen
 verzögerte sich bis Ende Januar 1928. Als
dann die Beratungen aufgenommen wurden, war die
Auflösung des Reichstages bereits in bedrohliche
Nähe gerückt. Die Beratungen wurden bis Mitte
Februar fortgeführt und mußten dann abgebrochen
werden, nachdem sie bis etwa zur Hälfte des Gesetzes
vorgeschritten waren. So trat zum vierten Male der
Fall ein, daß der Entwurf infolge Auflösung des
Reichstages unerledigt blieb.
Die Ausschußberatungen brachten insofern eine
Überraschung, als sich drei große Parteien, die
Deutschnationalen, das Zentrum und die Sozialdemokraten,
 plötzlich für eine radikale abstinenzlerische
 Forderung einsetzten, die sogenannte Verhältniszahl.

Der Gedanke der

„1. Wer Gastwirtschaft, Schankwirtschaft oder Kleinhandel
 mit Branntwein betreiben will, bedarf dazu der
Erlaubnis. Die Erlaubnis kann auch juristischen Perionen
 sowie nicht rechtsfähigen Vereinen erteilt werden.
2. Die Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn ein Be-Jürfnis
 nachgewiesen ist.
3. In Gemeinden, in denen auf je 400 Einwohner mehr
ıls eine Schankstätte mit Ausschank geistiger Getränke
entfällt, ist das Bedürfnis für neu zu errichtende Be-‚riebe
 mit Ausschank geistiger Getränke oder zur Ausjehnung
 bestehender Betriebe auf den Ausschank von

Verhältniszahl
ist an sich nicht neu. Es handelt sich hier um eine
Lieblingsforderung der Abstinenten, die schon seit
vielen Jahren diskutiert worden war, allerdings
bisher immer nur im engsten Kreise der Mäßigkeits-Apostel
 selbst.
        <pb n="186" />
        IV. 2. Schankstättengesetzgebung, 185
väre für die beteiligten Gewerbe naturgemäß schon
schlimm genug.
Interessant ist die große Verschiedenheit der örtlichen Verıältnisse.
 Von den bayerischen Besonderheiten war schon die
Zede; aber auch innerhalb Preußens bestehen zwischen den
Äinzelnen Provinzen erhebliche. Abweichungen. In Preußen
;itehen günstig da (d. h. es bestehen wenige Wirtschaften):
Jberschlesien mit 392, Ostpreußen mit 339 und Westfalen
nit 333. Ungünstige Ziffern weisen auf: Brandenburg und
lessen-Nassau mit je 235, Hannover 221 und das Ländchen
Johenzollern mit 137. Gerade diese letztere Zahl zeigt
viederum, daß das Verhältnis zwischen Wirtschaften und Einvohnerzahl
 im allgemeinen nur auf dem Lande ungünstig ist,
1. h. daß nur auf dem Lande verhältnismäßig viele WirticChaften
 bestehen. Diese Tatsache wird u. a. dadurch zu er-:Jären
 sein, daß es eine sehr große Zahl von kleinen und
:leinsten Landgemeinden mit weniger als 400 Einwohnern gibt,
n denen jeweils eine Wirtschaft vorhanden ist, Von den ins-‚esamt
 60000 Landgemeinden haben 30000—40 000 weniger
ıls 400 Einwohner. In den Städten haben wir, wie erwähnt,
vesentlich günstigere Ziffern. Von den 29 Großstädten mit
iber 100 000 Einwohnern in Preußen haben nur fünf Städte im
ranzen mehr als 1000 Wirtschaften, nämlich Berlin 14000,
7rankfurt a; M, 1900, Köln 1700, Breslau 1400, Hannover 1200.
ie anderen folgen in sehr großem Abstand. Von diesen fünf
Städten hat eigentümlicherweise Frankfurt die größte Dichtigceit
 der Wirtschaften mit 254, dann kommt Berlin mit 285, die
ibrigen Städte nähern sich bedeutend mehr . dem Verhältnis
‚: 400, nämlich Hannover 340, Breslau 393, Köln 398, Es gibt
‚uch eine ganze Reihe von Städten, die das Verhältnis von
‚1400 bedeutend überschritten haben, bei welchen also die
Zahl der Schankstätten schon jetzt viel niedriger ist, als sie
lurch das Verhältnis gefordert wird, z. B. Recklinghausen 524,
)berhausen 549, Hamborn 555, Herne 568, Duisburg 606 usw.
3s ist auffallend, daß alle die hier genannten Städte Industrie-;tädte
 sind mit überwiegender Arbeiterbevölkerung, also austesprochenen
 Bierkonsumenten.
Die Anzahl der Wirtschaften kann niemals einen
zuverlässigen Maßstab für den Alkoholverbrauch der
3evölkerung bilden.
Dies ist schon deshalb nicht möglich, weil in der Statistik
lie Wirtschaften nicht nach. ihrer Größe unterschieden werden.
Die kleinste Kneipe zählt hier ebenso als ein Betrieb wie das
;rößte für Hunderte von Besuchern eingerichtete Restaurant.
\bgesehen davon wird der Alkoholverbrauch noch durch eine
‚anze Anzahl von Umständen beeinflußt, die sich statistisch
iberhaupt nicht erfassen lassen. Der Versuch, den Alkohol-‚erbrauch
 mit Hilfe der Verhältniszahl durch eine schematische
/erminderung der Anzahl der Gaststätten bekämpfen zu
rollen, ist deshalb grundsätzlich verfehlt. Viel wichtiger als
lie Anzahl der Schankstätten ist ihre Größe, die Zahl ihrer
3Zesucher und die Menge der von den Besuchern konsumierten
jetränke. Ganz besonders aber kommt in Betracht, daß der
uf‘ eine‘ bestimmte Anzahl von Wirtschaften entfallende
\lkoholkonsum keineswegs allein der ortsansässigen Bevölkeung
 zugerechnet werden darf, da in dem Gesamtbetrag des
ılkoholkonsums auch diejenigen Mengen enthalten sind, die
‚uf den Fremdenverkehr und den Ausflugsverkehr entfallen.
\n Plätzen, die einen stärkeren Durchgangsverkehr aufweisen,
st der Alkoholkonsum und in vielen Fällen wohl auch die Zahl
ıer Wirtschaften naturgemäß wesentlich höher, als man auf
3rund der Kopfzahl der ortsansässigen Bevölkerung annehmen
vürde. Die oben mitgeteilten Ziffern lassen jedenfalls erz‚ennen,
 daß es unmöglich ist, das Prinzip 1:400 in starrer
Neise durchzuführen. Von: vornherein wird eine große Zahl
ron Ausnahmen geschaffen werden müssen, durch welche das
Prinzip durchbrochen wird. Auf diese Weise kann es schließich
 dahin kommen, daß von dem ganzen Prinzip in der Praxis
iberhaupt nicht viel mehr als der Name übrigbleiben würde.

Branntwein zu verneinen. In Gemeinden mit weniger als
400 Einwohnern kann die für die Erlaubniserteilung zuständige
 Behörde beim Vorliegen eines besonderen :Bedürfnisses
 Erlaubnis für insgesamt zwei Schankstätten
mit Ausschank geistiger Getränke erteilen, Über die in
Satz 1 und 2 genannten Zahlen hinaus kann eine Er-{aubnis
 erteilt werden, sofern die oberste Landesbehörde
oder die von ihr bestimmte höhere Verwaltungsbehörde
das Bedürfnis bestätigt.
4. Solange in einer Gemeinde mehr als eine Schankstätte
 mit Ausschank geistiger Getränke auf je 400 Einwohner
 entfällt oder solange in den Fällen des Abs. 3
Satz 2 mehr als zwei Schankstätten mit Ausschank
geistiger Getränke vorhanden sind, soll die Erlaubnis für
Schankstätten mit Ausschank geistiger Getränke auch
im Falle eines Wechsels der Person des Erlaubnisinhabers
 nur beim Vorliegen ‚eines sich aus den besonderen
 Verhältnissen des Falles ergebenden Bedürfnisses
 erteilt werden, es sei denn, daß es sich um die
Übertragung des Betriebes auf den Ehegatten des Betriebsinhabers
 oder auf solche Personen handelt, die mit
dem Betriebsinhaber in gerader Linie verwandt oder
verschwägert sind.
5. Im übrigen ‚bestimmt die Reichsregierung mit Zustimmung
 des Reichsrats die Voraussetzungen:
a) unter denen ein Bedürfnis für die Erlaubniserteilung
 anzuerkennen oder zu verneinen ist,
b) unter denen der Handel mit Branntwein als Kleinhandel
 im Sinne dieses Gesetzes anzusehen ist.
Sie erläßt insbesondere Richtlinien .für die ausnahmsweise
 Bestätigung des Bedürfnisses und die Erteilung
der Erlaubnis in den Fällen der Abs. 3 und 4. Soweit
die Reichsregierung Bestimmungen nicht erlassen hat,
können die obersten Landesbehörden sie erlassen,
6. Die oberste Landesbehörde kann bestimmen, daß
Gemeinden, die in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang
 liegen.als eine Gemeinde im Sinne der Vorschriften
der Abs. 3 und 4 gelten.‘

Auswirkungen. .
Eine Verhältniszahl von 1 :400 würde eine sehr
scharfe Verminderung der Schankstätten gegenüber
dem bisherigen Stand mit sich bringen. Das bisherige
 Verhältnis war in Preußen 1 :277, Berlin
1 :285, Bayern 1 : 185; die große Zahl der bayerischen
 Wirtschaften ist durch besondere örtliche
Verhältnisse zu erklären (größerer Bierkonsum, Verbindung
 mit der Landwirtschaft, Fremdenverkehr
usw.). In den Städten ist die Anzahl der Wirtschaften
 fast durchweg geringer als auf dem Lande.
Der Durchschnitt in den großen Städten in Preußen
ist 356; ähnlich in Bayern: München 326, Augsburg
 352. Ein Verhältnis von 1 : 400 würde, radikal
durchgeführt, eine Verminderung der Schankstätten
um 30—50 % bedeuten. In Preußen müßten von den
rund 140000 Wirtschaften 42000 = 30% verschwinden.
 Von den 40000 bayerischen Wirtschaften
 müßten 21 000 eingehen, und zwar in verhältnismäßig
 kurzer Zeit, wahrscheinlich in fünf bis
zehn Jahre... Wie man sieht, bedeuten diese Ziffern
für das Gastwirtsgewerbe und folglich auch für die
Brauindustrie geradezu eine Revolution. Allerdings
würde eine derart radikale Durchführung aus praktischen
 Gründen niemals möglich sein. Aber auch
eine geringere Finschränkung, etwa um 10—20 %,

Als mit die wichtigste Frage der praktischen
Durchführung erscheint die Unterscheidung zwischen
jestehenden und neu zu errichtenden Lokalen.
        <pb n="187" />
        186

Dr. Rudolf Dührssen, Berlin:
BE ——————
&amp;lt;onzessionspflicht sogleich von Reichs wegen all-‚emein
 festgelegt werde, Damit nicht genug, stellten
je die weitergehende Forderung, daß auf je 1000 Finvohner
 nicht mehr als zwei Verkaufsstellen für
laschenbier entfallen sollten. Hiermit haben die
jastwirte den schweren taktischen Fehler begangen,
laß sie für den Flaschenbierhandel dieselbe Relation
orderten, deren Anwendung auf die Schankstätten
sie nicht genug bekämpfen konnten. Ja man kann
;aagen, daß die Gastwirte durch diese Forderung die
\ıbgeordneten erst auf die Möglichkeit einer Finührung
 der Verhältniszahl für die Schankstätten aufnerksam
 gemacht haben. In parlamentarischen
reisen wird offen ausgesprochen, daß die Gastwirte
‚elbst daran schuld. sein würden, wenn die Verhältnis--ahl
 Gesetz werden sollte.
Im Ausschuß wurde die Konzessionierung des Flaschenbierı1andels
 gefordert von den Deutschnationalen, dem Zentrum
ind der Wirtschaftspartei. Die Wirtschaftspartei brachte einen
irgänzungsantrag ein, wonach Lebensmittelgeschäfte von der
‚Onzessionierung ausgenommen werden sollten. Die Regieungsvertreter,
 Ministerialdirektor Reichardt vom Reichswirtchaftsministerium
 und Ministerialrat Kerstiens für die
'reußische. Regierung, erklärten sich in eingehenden Ausihrungen
 gegen den Gedanken der Konzessionierung. Der von
er Wirtschaftspartei eingebrachte Ergänzungsantrag wurde
erschiedentlich beifällig aufgenommen. Der Antrag würde
ahezu gleichbedeutend gewesen sein mit einer vollständigen
blehnung der Konzessionierung, da der Flaschenbierhandel,
vie oben ausgeführt, zum weitaus größten Teil in den Händen
‚er Lebensmittelgeschäfte liegt. Die Abstimmung ergab die
Ablehnung. aller gestellten Anträge einschließlich des Erjänzungsantrags
 der Wirtschaftspartei. Damit ist, wenigstens
vorläufig, ein wichtiger Erfolg errungen.

Es macht naturgemäß einen gewaltigen Unterschied, ob man
die bestehenden Lokale im Falle des Besitzwechsels in die Anwendung
 der Verhältniszahl mit einbezieht oder die Verhältniszahl
 nur auf neu zu errichtende Lokale beschränkt. Die letztere
Methode wäre die wesentlich mildere; sie ist aber vom Reichstagsausschuß
 nicht akzeptiert worden. Der Ausschuß hat vielmehr
 die bestehenden Lokale grundsätzlich, wenn auch mit gewissen
 Einschränkungen, einbezogen. Als Ausnahmen sind nur
vorgesehen: Übertragung auf Ehegatten sowie Verwandte und
Verschwägerte in gerader Linie. Bei einer derartigen Regelung
würden die juristischen Personen z. B. ganz ausfallen. Dies
bedeutet aber, daß Lokale, die im Eigentum von juristischen
Personen stehen, überhaupt unverkäuflich gemacht und völlig
antwertet würden.
Angesichts der geschilderten verhängnisvollen
Wirkungen kann die Verhältniszahl nicht mit dem
Hinweis darauf gerechtfertigt werden, daß eine gewisse
 Verminderung der bestehenden Wirtschaften
im eigenen Interesse der beteiligten gewerblichen
äruppen liege.
Es mag sein, daß in manchen Landesteilen tatsächlich zuviel
Wirtschaften vorhanden sind und daß durch ein solches Zuviel
unter Umständen gewisse Mißstände hervorgerufen werden.
An dem Bestehen einer großen Zahl von kleinen schlechtzeleiteten
 Wirtschaften, die sich nur mühselig über Wasser
1alten, haben die Brauereien auch kein Interesse. Jahr für
Jahr gehen ziemlich bedeutende Summen durch derartige unsichere
 Wirtschaften verloren.‘ Theoretisch könnte man sich
vielleicht von einer vernünftig durchgeführten Verminderung
der Wirtschaften den Erfolg versprechen, . daß eine gewisse
Konsolidierung des Gastwirtsgewerbes und. womöglich auch
eine Erleichterung des Geschäftsverkehrs zwischen Brauereien
und Gastwirten herbeigeführt werden könnte, Leider lassen
sich ‚derartige theoretische Erwägungen in der Praxis mit
Hilfe der Verhältniszahl nicht verwirklichen. Auf Grund der
Verhältniszahl würde die Verminderung der Schankstätten
aıicht im Wege einer Auslese vor sich gehen in der Weise, daß
ediglich die lebensunfähigen und schlechtgeleiteten Lokale zum
Verschwinden gebracht würden; sondern bei der Verhältniszahl
 handelt es sich, wenigstens in ihrer bisherigen Ausgestaltung,
 um ein beinahe ganz starres System, das mechanisch
 in jedem Falle des Besitzwechsels zur Anwendung gelangt.
 Hiernach würde es im wesentlichen dem Zufall überlassen
 sein, welche Lokale auf Grund der Verhältniszahl wegfallen
 würden. Gut- und schlechtgeleitete Lokale würden ohne
Unterschied in ganz mechanischer Weise von der Konzessions-;perre
 betroffen. Aber selbst, wenn in den Durchführungsjestimmungen
 die Möglichkeit einer Auslese geboten würde,
so wäre auch dann noch nicht viel gewonnen. Im Gegenteil,
es würden sich nur neue schwerwiegende Bedenken ergeben,
die sich gegen die willkürliche Anwendung der geltenden Bestimmungen
 durch die Verwaltungsbehörden richten würden,
Je größer der Spielraum ist, der den Verwaltungsbehörden einzeräumt
 wird, um so schlimmer würden die daraus entstehenden
 Mißbräuche werden; und wenn schon gegenwärtig
hier und da über Unregelmäßigkeiten bei der Konzessionserteilung
 geklagt wird, so würden die Klagen in dem hier besprochenen
 Falle gar kein Ende mehr nehmen. Denken wir
ferner an die Möglichkeiten, die eine abstinent eingestellte Verwaltungsbehörde
 herausfinden wird, um die Interessenten zu
schikanieren, so wird man sich doch sagen müssen, daß auch
das wenige Gute, was man sich von der Verhältniszahl allenialls
 hätte versprechen können, sich bei näherer Betrachtung
;n nichts verflüchtigt,
Aus dem weiteren Verlauf der Ausschußberatungen
wäre noch hervorzuheben, daß die

Entwurf 1928.
Unter dem 13. Juli 1928 wurde dem neuen Reichsag
 der Entwurf des Schankstättengesetzes in unvernderter
 Form vorgelegt (Drucksache-Nr. 347). Auch
‚je Begründung war Wort für Wort dieselbe wie die
les alten Entwurfs.
Der Grund für die wörtliche Übernahme des alten Entwurfs
estand darin, daß man vermeiden wollte, den Reichsrat noch-21als
 mit der Angelegenheit zu befassen. Dem alten Entwurf
atte der Reichsrat zugestimmt; im Falle einer Änderung des
ntwuris hätte eine neue Zustimmung eingeholt werden
lüssen. Interessant ist der Umstand, daß das neue Reichsabinett
 einschließlich der sozialdemokratischen Minister sich
‚uf den Boden des Entwurfs gestellt. hat. Hierin liegt u. a.
‚ine Verurteilung des Gemeindebestimmungsrechts, welches in
ler Begründung des Entwurfs in der oben geschilderten un-‚weideutigen
 Art abgelehnt wird.
Am 14, Dezember 1928 fand die erste Lesung im
Yenum statt. Der Entwurf wurde ohne Debatte (nur
än kommunistischer Redner trat auf) an den Volksvirtschaftlichen
 Ausschuß überwiesen. Die Ausschußberatungen
 haben bis Ende 1929 noch nicht
)jegonNnen.

Konzessionierung des Flaschenbierhandels
nach eingehender Aussprache abgelehnt wurde. Die
Gastwirte verlangten — in seltener Übereinstimmung
mit den Abstinenten —, daß in $ 1 des Gesetzes die

Brauindustrie und Schankstättengesetz.
Die Brauindustrie steht der Einbringung des
Schankstättengesetzes nach wie vor ablehnend
zegenüber. Das Gesetz kennzeichnet sich als ein
z/egen das Gastwirtsgewerbe gerichtetes Ausnahme-
        <pb n="188" />
        {V. 2. Schankstättengesetzgebung. .

187

gesetz, weiches schwere Eingriffe in die Gewerbefreiheit
 enthält. Wir stehen auf dem Standpunkt,
daß von seiten der Wirtschaft Eingriffe der Gesetzgebung
 abgelehnt werden müssen, wenn sie nicht von
den zunächst Beteiligten selbst gefordert werden.
Ein sachliches Bedürfnis zum Erlaß des Gesetzes ist
nicht erkennbar. In der Begründung beruft sich die
Regierung darauf, daß der Reichstag das Gesetz in
Form von Resolutionen gefordert habe. Die Entstehung
 dieser Resolutionen, die eine Folge der zielbewußten
 Propaganda der Abstinenten sind, haben
wir oben näher geschildert. Den äußeren Anlaß für
die Annahme der Resolutionen im Reichstage bildete
die in der Nachkriegszeit beobachtete Erscheinung
des‘ Überhandnehmens von Likörstuben, Bars und
Dielen. Hierauf fußt auch die Begründung des Gesetzes,
 ohne von der Tatsache Notiz zu nehmen, daß
jene Bewegung inzwischen nicht nur zum Stillstand

zekommen, sondern vollständig rückläufig geworden
st, so daß dem betreffenden Argument gegenwärtig
iberhaupt keine Bedeutung mehr zukommt.

Warnung.
Die Einbringung des Schankstättengesetzes bildet
’;ine weithin sichtbare Warnung für alle diejenigen,
lie nicht wünschen, daß Deutschland zum Schauplatz
on Trockenlegungsexperimenten nach amerikaıischem
 Muster gemacht werde. Wenn das Gesetz
n sachlicher Beziehung auch keinerlei Nutzen stiften
rann — die Mißstände, denen es Abhilfe bringen soll,
ind teils nicht vorhanden, teils sind die zur Abhilfe
‚ewählten Mittel untauglich —, so wird es doch vieleicht
 das eine Gute haben, daß weitere Kreise der
3Zevölkerung über die weitgreifenden Ziele der
\bstinenzbewegung aufgeklärt und aus ihrer bis-1erigen
 Gleichgültigkeit aufgerüttelt werden.
        <pb n="189" />
        3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber,
Von Diplom-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin.

I. Die soziale Einstellung des Brauereiunternehmertums.

Das deutsche Braugewerbe darf als Arbeitgeber
für sich in Anspruch nehmen, seinen sozialpolitischen
Pflichten jederzeit nach bestem Vermögen nachgekommen
 zu sein. In den Reihen der Brauer sind
sozial fühlende und handelnde Persönlichkeiten seit
je besonders zahlreich vertreten.
In erster Linie verdient hier Richard Roesickes gedacht
 zu werden, der bis zu seinem Tode im Jahre
1903 jahrzehntelang zu den markantesten Persönüichkeiten
 im Braugewerbe gehörte. Er betrachtete
es als eine seiner Hauptaufgaben, in den damaligen
kritischen Zeiten der Industrialisierung des Braugewerbes
 das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern
 und Arbeitnehmern zu erhalten und zu
fördern. In allen zu seiner Zeit das Braugewerbe
derührenden sozialpolitischen Fragen war er eine
allseits anerkannte Autorität, deren Einfluß sich weit
über die Grenzen des Braugewerbes hinaus geltend
machte.
Daß ein hohes soziales Verantwortungsgefühl zu
den alten, bewährten Traditionen des Braugewerbes
gehört, ist kein Zufall, sondern beruht nicht zuletzt
auf der stetigen organischen Entwicklung des‘ Braugewerbes
 vom Brauen für die eigene Hauswirtschaft
über das Stadium des handwerklichen Betriebes bis
zur modernen Brauindustrie. In den beiden ersten
Perioden gab es kaum ein soziales Problem im
heutigen Sinne. Im handwerklichen Brauereibetriebe
 arbeiteten Meister und Gesellen gemeinsam
an der Bereitung des Bieres; die Brauergesellen
hatten damals durchweg begründete Aussicht, nach
einigen Jahren ebenfalls selbständige Meister zu
werden, und betrachteten die Gesellenjahre lediglich
als ein Übergangsstadium. Mit dem Ausgang des
18, Jahrhunderts beginnt dann ganz allmählich der
Übergang vom handwerksmäßig betriebenen Gewerbe
 zur Industrie. Die ersten fabrikähnlichen
Brauereibetriebe entstanden in Bayern, wo zum Beispiel
 das Hofbräuhaus in München schon im Brau-:ahre
 1799/1800 etwa 23000 hl Bier herstellte. Erst
von dieser Zeit an gibt es Brauerei,„arbeiter“, die bei
der immer stärker einsetzenden Verschiebung der
Produktion zugunsten der Mittel- und Großorauereien
 nicht mehr mit einem späteren Selbständigwerden
 rechnen konnten. Das auch heute
höch trotz aller neuzeitlichen Verkehrs- und Versanderleichterungen
 standortsgebundene, relativ beschränkte
 Absatzgebiet der Brauereien — eine Ausnahme

 machen nur einige wenige Groß- und Export-)rauereien
 — brachte eine ziemlich gleichmäßige
Verteilung der Betriebe über das ganze Reichsgebiet
nit sich, wenn es natürlich auch starke graduelle
Jnterschiede zwischen Süd-, West- und Norddeutschland
 gibt, Eine in vielen anderen Industrien
eobachtete örtliche Zusamenballung von Betrieben
nit großen Arbeitermassen tritt in der Brauindustrie
ıur in den großen, bekannten Brauorten, wie
München, Berlin, Dortmund, Kulmbach usw. in Fricheinung.
 Diese Tatsache bedeutet für berufliche und
zewerkschaftliche Organisierungsbestrebungen eine
zewisse Erschwerung. In Verbindung mit der sich verıältnismäßig
 langsam vollziehenden Industrialisierung
jatte dies zur Folge, daß von früheren Zeiten her
ıoch manche Einrichtungen lange beibehalten wurlen,
 die geeignet waren, den persönlichen Charakter
ler Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitıehmer
 weiter zu wahren. Es waren dies die Ver-‘bfolgung
 von Kost durch den Arbeitgeber, das Freiogis
 und das Freibier. Das Freibier hat sich bis auf
len heutigen Tag in Form des sogenannten Frei-*unks:
 erhalten. Dagegen kommt eine Gewährung
on Kost und Logis durch den Arbeitgeber heute
&amp;lt;aum mehr vor; wohl aber gibt es neben
:nderen Wohlfahrtseinrichtungen, von denen später
lie Rede sein wird, in einer ganzen Reihe von Berieben
 Speiseanstalten, Kantinen usw., die von den
brauereien Zuwendungen erhalten, um wohlfeile
Mahlzeiten abgeben zu können, |
Zur Vertiefung des sozialen Empfindens trägt die
afolge Fehlens eines eigentlichen Zwischenhandels
vestehende ‚enge Verbundenheit des Brauereileiters
nit seiner Kundschaft, also Gastwirten, Lebensmittelseschäften,
 Kantinen und Haushaltungen, sehr
vesentlich bei, weil sie den Brauer Einblick tun Jäßt
a die Sorgen und Nöte des praktischen Lebens. Die
\uswirkung dieser stark sozialen Einstellung ‚der
Aehrzahl der deutschen Brauereiarbeitgeber wird in
den späteren Abschnitten wiederholt deutlich in Erscheinung
 treten.

II. Die in der Brauindustrie beschäftigten
Arbeitnehmer. ;
A. Die Zahl der Arbeitnehmer.
Arbeiter.
Nach der gewerblichen Betriebszählung vom Jahre
‚925 waren in den deutschen Brauereien 85 445 Personen
 beschäftigt, dazu kamen noch 5065 in selb-
        <pb n="190" />
        IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber,
ständigen Mälzereien und 2462 in der Malzextraktherstellung
 und Eisgewinnung Beschäftigte, die man
ohne weiteres mit zum Braugewerbe hinzuzählen
kann, da sie fast ausschließlich für Brauereien
arbeiten. Der Mälzereiprozeß ist ja auch tatsächlich
nur ein Teil des eigentlichen Brauprozesses. Danach
verdienten im Jahre 1925 92972 Personen ihr Brot
im unmittelbaren Dienst der Brauindustrie. Bei der
zu gleicher Zeit veranstalteten Berufszählung ergab
sich abweichend hiervon das folgende Bild:

189
Hiernach betrug die Zahl der in den deutschen
3rauereien, Mälzereien und Bierniederlagen beschäftigten
 Vollarbeiter:
1886 51 600 1908 113 008
1887 61 562 1909 118 716
1888 63 518 1910 118019
1889 52 199 L911 121 215
1890 65 669 1912 124 010
1891 56 205 1913 124 833
1892 68 631 |914 110307
1893 70 131 1915 87 570
1894 . 72274 1916 77 380
1895 . 83 023 97, 65 239
1896 . 82416 1918 62 530
1897 . 91 825 1919 , 77 040
1898 . 94 128 1920 68 377
1899 . 26.750 1921 . . 70 659
:900 . 29737 1922 . . . 73082
1901 . . „03 106 1923 . etwa 54000
1902 . . 108 472 1924 . . . 69832
1903 . . . 109018 1925 . . . 81459
1904 . . . 111979 1926, . . 84508
1905 . . . 110237 1927 . . . 87097
1906 . . . 114271 ; 1928 . 90 761
1907 2. 2. . 111684

Erwerbstätige in Brauereien, Mälzereien und Eisgewinnung,

männl.

weihl.

Zusammen

Selbständige ............ 3 8834 263 4097
Angestellte ...........0.. 14518 2289 16 757
ATDEIE era 72 354 4910 77 264
Mithelfende Angehörige .. , 980 202 432
Frwerbstätige insgesamt | 90936 7614 | 98550

Die nicht unerhebliche Differenz von rund 6%
zwischen den‘ Ergebnissen der gleichzeitig stattgefundenen
 Betriebs- und Berufszählung erklärt sich
in der Hauptsache daraus, daß bei der Betriebszählung
 nur die am Stichtage tatsächlich Beschäftigten
 erfaßt worden sind, bei der Berufszählung
 hingegen alle diesem Wirtschaftszweige zugehörigen
 Arbeitnehmer, mithin auch die am Stichtage
 Erwerbslosen.
Für die übrigen Jahre, ausgenommen 1907, in dem
ebenfalls eine Betriebs- und Berufszählung stattfand,
ist es außerordentlich schwer, einigermaßen zutreffende
 Zahlen zu ermitteln. Auch die Statistiken
der Gewerkschaften bieten keine brauchbaren
Unterlagen, da sie die im Braugewerbe relativ stark
vertretenen. Unorganisierten nicht erfassen.
Bedingt brauchbar und geeignet, die Entwicklungstendenzen
 aufzuzeigen, sind aber die Unterlagen
 der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft,
 obwohl sie nicht durch eine Personenzählung
gewonnen werden, sondern fiktiv sind. Die Errechnung
 geschieht fölgendermaßen: Die Summe der im
Betriebe im Jahre geleisteten Arbeitstage geteilt
durch 300 ergibt die Zahl der Vollarbeiter. Durch
diesen Berechnungsmodus wird unter Ausschaltung
der saisonmäßig bedingten Schwankungen der
Arbeitnehmerzahlen ziemlich genau. die Durchschnittsbeschäftigungszahl
 getroffen. Der erfaßte
Personenkreis umfaßt alle im technischen Betriebe
beschäftigten Arbeiter und technischen Angestellten
(einschließlich der leitenden). Nicht einbegriffen sind
also nur die ausschließlich mit rein kaufmännischer
Tätigkeit Beschäftigten*). Diese so errechneten
Zahlen dürften der Wirklichkeit ziemlich nahe
kommen, so daß wir sie unbedenklich unseren Betrachtungen
 zugrunde legen können.

Da die Nachkriegszahlen sich auf das durch die
jebietsabtretungen verkleinerte Reichsgebiet beziehen,
 sind bei einem Vergleich mit den Vorkriegszahlen
 diesen entsprechend dem Absatz der verorengegangenen
 Brauereien etwa 4% abzuziehen.
Wir sehen in der Vorkriegszeit — gleichlaufend
nit der Bierproduktionskurve — ein ziemlich kon-;tantes
 Anwachsen der Beschäftigtenzahl, das nach
jem Deutsch-französischen Kriege besonders lebhaft
änsetzte. In den Kriegsjahren 1914—1918 ging aus
jekannten Gründen — die Höchstarbeiterzahl wurde
m Jahre 1913 mit 124833 erreicht — die Zahl der
\rbeitnehmer natürlich immer mehr zurück. In den
«rsten Nachkriegsjahren ist die Entwicklung noch
lurchaus uneinheitlich.‘ Im Jahre 1919 erfolgte zu-Mchst
 ein unverkennbarer Aufschwung, und zwar aus
‚weierlei Gründen. Infolge der Rückkehr der Front-;oldaten
 trat eine . Belebung des Bierkonsums
in; vor allem aber lösten die Brauereien ihr
ichon in den ersten Kriegsjahren gegebenes Ver-.‚prechen
 ein, alle ihre ehemaligen Arbeitnehmer
»ji ihrer Rückkehr aus dem Felde wieder einustellen.
 — Aber schon im Jahre 1920 trat ein
lückschlag ein, dem 1923 nach einer langsamen Erıolung
 in den Jahren 1921/22 ein zweiter, weit
:cChärferer folgte. Die Gründe liegen hier in den
(bsolut anormalen Verhältnissen der höchsten Inlation
 und des Ruhreinbruchs. Vom Jahre 1924 ab
st die Arbeitnehmerzahl erfreulicherweise in einem
;tändigen Ansteigen begriffen und hat im Jahre 1928
nit 90 761 rund 75 % des Vorkriegsstandes erreicht.
Diese Entwicklung entspricht auch im großen und
ranzen der der Bierproduktion.

*) Gemäß $ 539b RVO. werden ab 1. Juli 1928 auch die kauf-Männischen
 Angestellten einbezogen.
        <pb n="191" />
        190

Diplom-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin: .
. .
Von 100 Arbeitnehmern entfielen auf:
1909 1927
Gelernte , 0.0.0000. 45,2 39,7
Fahrpersonal. ...... 26,3 23,7
Ungelernte ....... 22,5 28,4
Frauen und Jugendliche. . . 6,0 8.2

Angestellte.
Die Zahl der in der Berufszählung 1925 ermittelten
18996 Angestellten dürfte mit der Zahl der tatsächlich
 in den Brauereien und Mälzereien beschäftigten
ziemlich identisch sein, da die Fluktuation bei den
Angestellten nicht so groß zu sein pflegt wie bei den
Arbeitern; auch ist kaum anzunehmen, daß eine
nennenswerte Anzahl von Brauereiangestellten nur
nebenberuflich beschäftigt ist. .
Eine besondere Stellung in den Brauereien
nehmen die Braumeister ein, von denen -nach
Schätzungen des Deutschen Braumeister- und Malzmeister-Bundes
 in der deutschen Brauindustrie zur
Zeit etwa 2500 tätig sind.

Die zahlenmäßigen Unterlagen stammen für das Jahr 1909
ıus einer Erhebung des „Zentralverbandes der Brauereiırbeiter“,
 Berlin, und für das Jahr 1927 aus einer Zählung des
‚Deutschen Brauer-Bundes“, Erfaßt wurden im Jahre 1909
;twa 45000 und im Jahre 1927 etwa 60000 gewerbliche
Arbeiter,
In dieser Gegenüberstellung tritt eine starke Ver-:chiebung
 zugunsten der Ungelernten deutlich in Ericheinung.
 Hierfür sprechen verschiedene Ursachen.
Jer Hauptgrund liegt in der zunehmenden. Autonatisierung
 und Mechanisierung wichtiger Betriebs-‚orgänge,
 besonders in den Kellereien, Abfüllräumen
ınd Mälzereien. Auch das besonders in den Großtädten
 zu beobachtende Aufblühen des Flaschenjergeschäfts
 trägt mit dazu bei: denn das Reinigen,
‘üllen und Etikettieren der Flaschen erfordert trotz
‚ler maschinellen Einrichtungen immer noch relativ
'ahlreiche Arbeitskräfte, die fast durchweg un-‚elernte
 sein können, Nicht ohne Einfluß wird auch
er in den Kriegs- und Inflationsjahren stockende
Jachwuchs an jungen ausgelernten Brauern und
3öttchern geblieben sein. In diesen Zeiten war es den
'ltern vielfach nicht möglich, ihre Söhne mehrere
‚ehrjahre mit nur relativ geringem Verdienst durchnachen
 zu lassen, auch war der Anreiz, einen sorsenannten
 gelernten Beruf zu ergreifen, stark genindert,
 da damals die Löhne der Gelernten und
Ingelernten vielfach annähernd gleich hoch waren.

*%
Wie wir eingangs dieses Abschnittes gesehen
aaben, verdienten 1925 rund 93000 Arbeitnehmer
ınmittelbar in der Brauindustrie ihr Brot. (Diese
Zahl dürfte aber Ende 1929 entsprechend der
seither gestiegenen Bierproduktion um etwa
16% höher sein.) Man würde der Bedeutung
der Brauindustrie als Brotgeber nicht gerecht
werden, wenn man nicht auch die vielen zehntausend
 Arbeitnehmer aufführen würde, die in den
speziell an die Brauereien liefernden recht zahlreichen
Gewerbezweigen (Maschinen-, F aß-, Flaschenfabriken
usw.) und bei der Beschaffung der Rohprodukte in der
Landwirtschaft tätig sind. Nach der letzten Vor-&amp;lt;riegsberufs-
 und -gewerbezählung 1907 waren in
der deutschen Brauindustrie einschließlich der Beschaffung
 der Rohprodukte und der Nebenindustrien
‘und 450 000 Personen beschäftigt. Die Zahl ihrer
Angehörigen kann man niedrig auf 650 000 schätzen,
so daß sich insgesamt 1100000 Personen ergeben,
die im Jahre 1907 durch die Brauindustrie ihren
Lebensunterhalt fanden. Aus den bisher veröffentlichten
 Teilergebnissen der Zählung von 1925 kann
man den Schluß ziehen, daß heute noch mindestens
die gleiche Anzahl im Dienste der Brauindustrie ihr
Brot verdient.
Jede Schwankung der Bierproduktion spiegelt sich
deutlich auch in der Beschäftigtenzahl wieder. Jeder
Produktionsrückgang, der hervorgerufen werden
kann durch langanhaltende ungünstige Witterung,
insbesondere aber durch eine Erhöhung der Biersteuern,
 führt zur Brotlosmachung einer beträchtlichen
 Anzahl von Arbeitern und Angestellten nicht
nur in der Brauindustrie selbst, sondern auch im
Gastwirtsgewerbe, in der Landwirtschaft und in den
zahlreichen Hilfsindustrien.
B. Die Gliederung der Brauereiarbeitnehmerschaft.
Arbeiter.
Bei einer Betrachtung über die Gliederung der
Brauereiarbeitnehmerschaft ist nachstehender Vergleich
 zwischen den Jahren 1909 und 1927 besonders
aufschlußreich:

*

Angestellte.
Bei den Brauereiangestellten unterscheidet man
zewöhnlich kaufmännische und technische Anjestellte.
 Zu den letzteren gehören u. a. Kellerneister,
 Brauführer, Obermälzer, Maschinentechliker
 usw.
Der prozentuale Anteil der Angestellten an der
jesamtarbeitnehmerzahl von heute rund 18 % ist
gegenüber den Vorkriegsjahren gestiegen. Zum Teil
rklärt sich dies daraus, daß eine größere Anzahl
on. Arbeitern in gehobener Stellung heute im An--estelltenverhältnis
 tätig ist,
In diesem Zusammenhang verdienen vor allen
Jingen auch die Braumeister hervorgehoben zu
verden, denen die technische Leitung des Betriebes
‚bliegt. Die Güte des Bieres und damit das Gedeihen
ler Brauerei hängt sehr wesentlich von der Tüchtigkeit
 und Zuverlässigkeit der Braumeister ab, die in
len bekannten Brauereihochschulen in Berlin und
Weihenstephan eine gediegene wissenschaftliche
\usbildung erhalten. ..
In Großbrauereien sind vielfach auch noch besondere
 Brauereichemiker und Brauereiingenieure
.ngestellt.
        <pb n="192" />
        IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber.
C. Der Altersaufbau der Brauereiarbeitnehmerschaft,
 ;
Über die Altersgliederung der Brauereiarbeitnehmerschaft
 fehlten bisher einigermaßen genaue
Unterlagen vollständig, so daß sich die irrigsten
Meinungen verbreiten konnten. Insbesondere wurde
von Abstinentenseite immer wieder behauptet, daß
der regelmäßige Biergenuß der Brauereiarbeiter ihre
Arbeitskraft mindere und zu einem vorzeitigen Ausscheiden
 aus dem Arbeitsprozeß führe. Der Deutsche
Brauer-Bund hielt es deshalb für seine Pflicht, durch
eine entsprechende Umfrage bei seinen Mitgliedern
zu versuchen, zuverlässiges statistisches Material
in dieser Frage zu beschaffen. Der Versuch führte,
wie die untenstehende Tabelle zeigt, zu einem vollen
Erfolg. Trotz der für die Brauereien mit der Beantwortung
 der Umfrage verbundenen beträchtlichen
 Arbeit konnten insgesamt 61619 Brauereiarbeitnehmer
 erfaßt werden, das sind rund zwei
Drittel der nach der gewerblichen Betriebszählung
vom Jahre 1925 in den deutschen Brauereien und
Mälzereien Beschäftigten. Zieht man in Betracht,
daß sämtliche Großbrauereien die erbetenen Unterlagen
 zur Verfügung gestellt haben und die nicht erfaßten
 Brauereiarbeitnehmer durchweg den kleinen
und kleinsten Brauereien angehören, in denen der
Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer erfahrungsgemäß
 ein höherer zu sein pflegt als in den großen
Betrieben, so kann man aus dem gewonnenen
Resultat unbedenklich den Schluß ziehen, daß das
ermittelte gute Ergebnis unbedingt zuverlässig ist
und bei Erfassung sämtlicher Brauereien noch
zünstiger sein würde.
Die folgende Tabelle spricht für sich und bedarf
wohl kaum einer näheren Erläuterung, nur möchten
wir noch besonders auf die auffallende Konstanz der
Beschäftigtenzahlen der Arbeiter in den Altersklassen
 vom 30. bis zum 59. Lebensjahre hinweisen.
Es wird hiermit die von Arbeitnehmerseite gelegentlich
 aufgestellte Behauptung widerlegt, daß die
Brauereien ihre noch arbeitsfähigen Arbeitnehmer
dereits gegen Ende der dreißiger Jahre entließen, um
dafür jüngere Kräfte einzustellen.
Der Altersaufbau der Brauereiarbeitnehmerschaft,
Ermittelt durch eine Erhebung des Deutschen Brauer-Bundes
vom November 1928

191

Arbeiter
männlich ! weiblich

_Angestellte
männlich | weiblich

| % | | °% | % | | 9
Übertrag ! 18 030 |29.2 1 13 448128,6 '1204/41,8 | 2 490 j24,8 | 868 64,6
30 bis 39 | | |
Jahre |12570 0,41 9439 120,0! 664.22,8 | 2 124 lan 343| 25,0
40 bis 49 ı ; ;
Jahre |1ı2872 [20,91 9907 10 538l18,8 12 339 laa,7 | 93] 6,8
50 bis 59 | ;
Jahre |12060 19,71 9486 20,2 | 372112812160 [21,0| 42 8,1
50 bis 64
Jahre | 3967 6.4) 3 159 ‚6r7| oo! 3,11 714] 6,9 4] 0,4
55 Jahre .
ı. darüb. | 2120 3,4] 1607| 3,51 50l 7] 461| 45] 2) 0,1
Zusamm. | 61 619 | 100 [47 046 | 100 /2918! 100 110 288] 100 11372! 100

IM. Die Arbeitnehmerorganisationen der Brauindustrie.

Als der Umwandlungsprozeß vom Handwerk zur
adustrie auch im Braugewerbe einsetzte und zur
Vergrößerung der Betriebseinheiten mit größerer
\rbeitnehmerzahl führte, entstanden die ersten
Jrganisationsansätze. Allerdings hat es Brauer-‚esellenvereine
 schon vorher gegeben; diese hatten
neist die Form von Unterstützungsvereinen, neben-1er
 dienten sie meistens auch noch Geselligkeits-‚wecken.
 Authentisches Quellenmaterial ist aus jenem
Zeitraum nur recht spärlich vorhanden. Im Jahre
831 gründeten z. B. die Erlanger Brauergesellen
inen Verein, und zwar zunächst auf rein geselliger
3asis; im Jahre 1843 wurde er in einen Unter-;tützungsverein
 umgewandelt. Erst die Entstehung
nodern eingerichteter Brauereien auf kapitaistischer
 Grundlage mit der durch die zunehmende
Arbeitsteilung bedingten scharfen Trennung
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ließ den
Jrganisationsgedanken zum Zwecke der Erreichung
yesserer Arbeitsbedingungen reifen. Diese Entvicklung
 begann nach dem Deutsch-Französischen
Kriege 1870/71 und setzte verstärkt ein in den
'ahren des Sozialistengesetzes. In damaliger Zeit
ühlten sich die Brauergesellen noch: stark als eine
)jesondere Berufsklasse gegenüber den sonstigen
\rbeitnehmern, insbesondere den ungelernten Hilfsırbeitern.
 Infolgedessen umfaßten die ersten Organi-;ationsformen
 nur die eigentlichen Brauer; die unzelernten
 Kräfte standen damals noch außerhalb der
Irganisationsbestrebungen. Mit der Einführung der
Arbeiterschutzgesetze, wie der Invaliden-, Unfallınd
 Krankenversicherung, wurden die noch bestehenden
 Unterstützungsvereine überflüssig und
verschwanden allmählich. Eine entscheidende
Wendung trat mit der Gründung des Berliner Bierjrauergesellen-Vereins
 im Januar 1885 ein. Dieser

Arbeitaehmer

insgesamt
7

davon
_ Arbeiter ] Angestellte
männlich | weiblich männlich | weiblich

Alter

‚= I |—
9% | 9

„| 17

.

unter
20 Jahren |
20 bis 29 ,
Jahre hs 175 124,6 {11 332 124,1 |1028'85,3 [ 2 060 |20,1 | 755 | 55,0
sy St m
Übertrag | 18 030 [29,2 [13 448 128,6 |1204141,3 | 2 490 124,8 | 888 64,6

T
zn

2855 | 46 2116 45 ı76l 6.01 430] RP 9,6
        <pb n="193" />
        92

Diplom-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin: |

Verein erstrebte gleich nach seiner Gründung eine
Zusammenfassung der im ganzen Reiche zerstreuten
»inzelnen örtlichen Brauergesellenvereine zu einer
einheitlichen Organisation und wurde so zum Grundstock
 des „Allgemeinen Brauerverbandes‘“. Die vom
Berliner Bierbrauergesellen-Verein begründete „Verainszeitung‘“
 verfocht mit Energie den Gedanken des
Zusammenschlusses. Der Erfolg blieb nicht aus.
Am 17. August 1885 konnte bereits in Berlin der
erste Delegiertentag abgehalten werden, auf dem 68
Orte mit rund 1700 Verbandsmitgliedern vertreten
waren. Die Gründung des „Allgemeinen Brauerverbandes“
 wurde von den Delegierten bestätigt.
Dieser Verband hatte in den ersten Jahren noch eine
durchaus wirtschaftsfriedliche Tendenz und hielt
sich von jeder gewerkschaftlichen und politischen
Betätigung fern. Aber schon einige Jahre später
machten sich radikale Strömungen innerhalb dieses
Verbandes geltend, die zu einer Absplitterung der
gemäßigten Elemente führten. Die radikale Richtung
schloß sich 1892 zum „Zentralverband deutscher
Brauereiarbeiter‘ zusammen und nahm nunmehr
auch ungelernte Arbeiter auf. Aus dem Zentralverdand
 entwickelte sich später der große freigewerkschaftliche
 Verband, der in der Folgezeit der maßgebendste
 Kontrahent der Brauindustrie in allen
sozialpolitischen Fragen wurde. Der Name des Verbandes
 hat wiederholt gewechselt: „Verband der
Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen‘“,
 „Verband der Lebensmittel- und
Getränkearbeiter Deutschlands“. -Seit dem 1. April
1928 führt er nach dem Zusammenschluß mit den
übrigen freigewerkschaftlichen Verbänden des
Nahrungsmittelgewerbes (z. B. Fleischer, Bäcker,
Böttcher) den Namen „Deutscher Nahrungsmittelund
 Getränkearbeiterverband‘“. (1928 rund 140 000
Mitglieder.)
Die sich 1892 abtrennenden Lokalverbände gründeten,
 da sie die radikale Entwicklung nicht mitmachen
 wollten, am 30. Juni 1893 den „Bund
deutscher Brauergesellen‘“. Während ursprünglich
grundsätzlich nur gelernte Brauergesellen Mitglied
werden konnten, hat man später, unter dem Druck
der Verhältnisse, auch Ungelernte aufnehmen
müssen. Der Verband führt heute den Namen
„Bund deutscher Brauer und verwandter Berufe,
Sitz Leipzig“ und gehört zum Verband der Deutschen
Gewerkvereine (Hirsch-Dunker). Der Bund zählte
nach dem von der Reichsarbeitsverwaltung herausgegebenen
 „Jahrbuch der Berufsverbände‘ im Jahre
1925 nur noch 911 Mitglieder.
Bei den christlichen Gewerkschaften gibt es
keinen besonderen Verband für Brauereiarbeiter.
Soweit diese in den christlichen Gewerkschaften
arganisiert sind — wie es in West- und Süddeutschand
 z. T. der Fall ist —, gehören sie zum „Zentralverband
 christlicher Fabrik- und Transportarbeiter

Jeutschlands‘“ oder zum „Zentralverband der Nahungs-
 und Genußmittelindustriearbeiter Deutschands‘“.
 Über die Zahl der den christlichen Gewerkchaften
 angehörenden Brauereiarbeiter liegen
Interlagen nicht vor.
Ebensowenig .ist dies der Fall hinsichtlich der
Jrganisationszugehörigkeit der Brauerei - Angetellten.
 Als Organisationen kommen hierfür die
‚ekannten großen Verbände in Frage: Der Deutsch-{ationale
 Handlungsgehilfen-Verband (christlich-‘ational),
 der Gewerkschaftsbund der Angestellten
lemokratisch), der Zentralverband der Angestellten
soz.) und für die technischen Angestellten der
zund der technischen Angestellten und Beamten
soz.). Ein Teil der weiblichen Angestellten ist
Aitglied des ‚Verbandes der weiblichen Handelsınd
 Büroangestellten (christlich-national).
Die .Braumeister und Malzmeister haben sich
m Deutschen Braumeister- und Malzmeister-Bund
‚usammengeschlossen (z. Z. rund 1500 Mitglieder);
ine Unterorgänisation dieses Bundes bildet die
„Tarifgemeinschaft berufstätiger Brau- und Malzneister
 Deutschlands‘, die die arbeitsrechtlichen
3Zelange vertritt und die Braumeister-Tarifverträge
ıbschließt.

V. Die Arbeitsbedingungen in der Brauindustrie
unter besonderer Berücksichtigung ‚der Tarifverträge.


A. Die Entwicklungsgeschichte der Brauerei-Tarifverträge.

Trotzdem im Braugewerbe länger als.in den
neisten .anderen Gewerbezweigen das . patriar-;:halische
 Arbeitsverhältnis vorherrschte, gehört es
loch zu den Industrien, in denen der Tarifvertrag
nit am frühesten heimisch wurde. Allerdings betand
 noch bis zur Jahrhundertwende bei den Freien
jewerkschaften, die nachher die eifrigsten Verzschter
 des Tarifgedankens wurden, eine sehr deutche
 Abneigung gegen ‚tarifvertragliche Vereinaarungen
 mit den Arbeitgebern, weil man dadurch
ijen Kampfcharakter der Freien Gewerkschaften beinträchtigt
 glaubte. Erst als sich 1899 der 3. Geverkschaftskongreß
 für den Abschluß von Tarifverrägen
 einsetzte, gab auch der Zentralverband
leutscher Brauereiarbeiter auf seinem 12. Verbandsage
 im Jahre 1900 seinen Widerstand endgültig auf.
"rotzdem aber war es schon vorher zu Vver-:chiedenen
 Tarifabschlüssen gekommen, und zwar
vurde am 18. November 1892 in Stuttgart zwischen
em Verband der Brauereien Stuttgarts. und der
Jmgebung und dem Brauereiarbeiterverband der
rtste formgerechte Brauerei-Tarifvertrag abge-‚schlossen,
 dessen wichtigste Bestimmungen wir
vegen seines historischen Interesses hier abdrucken:
        <pb n="194" />
        iV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber, 193
„1. Die Arbeitszeit wird auf 13 bzw. 13% Stunden 1922 . .. 70 Tarifverträge für 1104 Betriebe‘
brutto und 10 Stunden netto festgesetzt. 1923... 21 # „260 »
Dieselbe dauert im Sommer: von 5 Uhr morgens bis 1924 . . . 107 » „1321.
12 Ulfr mittags und von %2 Uhr mittags bis 6 Uhr 19255... 32 5 „853 x
abends; im Winter: von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags 1926 . . . 32 5a} „279 »
und von 1 Uhr mittags bis 6 Uhr abends mit folgenden
Pausen (exkl; der Mittagspausen): Frühstück % Stunde;
Vesper: vormittags % Stunde, nachmittags % Stunde;
Schoppenzeit vormittags und “nachmittags je eine
% Stunde, zusammen 2 Stunden, macht 13 Stunden brutto,
10 Stunden netto.
Die Sonntagsarbeit ohne besondere Vergütung
wird auf 3 Stunden beschränkt.
Für Überarbeitszeit, außer dem Bereich der ad 1,
2 und 3 bestimmten zehn- resp. dreistündigen Arbeitszeit,
 wird an Werktagen ein Lohnzuschlag von 25 %, an
Sonntagen ein solcher von 50% gewährt, wogegen für
sogenannten Hausdienst am Sonntag eine weitere Verzütung
 nicht zu leisten ist.
Die Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit erfolgt am
li. Dezember 1892 zunächst probeweise bis zum 1, Januar
 1893, von da an aber obligatorisch.
5. Die Lohnzahlung geschieht monatlich, auf Verlangen
 aber auch vierzehntäglich.
Die Arbeitgeber. werden nach Möglichkeit dafür sorgen,
daß den Arbeitern von seiten der Vorgesetzten anständige
 Behandlung zuteil wird.
Jedem Braugehilfen ist es freigestellt, seine gesamte
Kost zu entnehmen, wo er will.
Vollständig freies Koalitionsrecht wird
zugestanden.
Die in einzelnen Brauereien auf 1. Dezember 1892 stattgefundenen
 Kündigungen oder Entlassungen werden
zurückgenommen und wird den betreffenden Arbeitern
die Wiederaufnahme. der Arbeit gestattet.
il. Gegenwärtiges Übereinkommen hat für beide Teile
Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1893.“ .
Nachdem der erste Schritt gemacht war, nahm die
tarifvertragliche Regelung der Arbeitsverhältnisse
schon wenige Jahre später einen raschen Aufschwung.
 Nach den statistischen Unterlagen des
damaligen Verbandes der Brauerei- und Mälzereiarbeiter,
 der als wichtigster Arbeitnehmerverband
wohl durchweg an allen Brauerei-Tarifabschlüssen
beteiligt war, ergibt sich folgendes. Bild über die Entwicklung
 der Tarifverträge.
Es wurden dür Brauereien, Mälzereien und Bierniederlagen
 vereinbart:
8 Tarifverträge für 21 Betriebe
x 45
X

Der Verband der Lebensmittel- und
Getränkearbeiter Deutschlands
an:
Bund deutscher Brauer und verwandter
 Berufe ......... an: | 16 | 14 506 | 1018
Zu berücksichtigen ist hierbei aber, daß die Tarifzerträge,
 an denen der Verband der Lebensmittelınd
 Getränkearbeiter beteiligt ist, nicht ausschließich
 Brauerei-Tarife sind, sondern auch die — relativ
venigen — Tarifverträge der Mühlenindustrie und
ler Brennereien umfassen.
In der Struktur der Tarifverträge hat sich im
Laufe der Jahre eine erhebliche Wandlung vollzogen.
Nährend die ersten Tarifverträge im Braugewerbe
fast durchweg Firmen-Tarifverträge waren, überwogen
 später immer mehr Orts- und kleine Gruppen-Tarifverträge.
 Die größeren Bezirks-Tarifverträge,
wie z.B. für Bayern, Westsachsen-Ostthüringen,
Thüringen usw., bestehen mit Ausnahme des
rheinisch-westfälischen erst seit den Nachkriegsjahren.
 Ernsthafte Bestrebungen zur Schaffung
eines Reichs-Tarifvertrages in der deutschen Brauindustrie
 sind bisher weder auf Arbeitgeber- noch
auf Arbeitnehmerseite bekannt geworden.
In der Tarifabteilung des. Deutschen Brauer-3undes
 wirden im April 1929 an laufenden
3rauereiarbeiter-Tarifverträgen 16 Bezirks- und
28 Ortstarifverträge registriert. Firmentarifverträge
zibt es heute noch vereinzelt dort, wo nur eine
nzige Brauerei am Orte besteht. Verschiedentlich
werden in solchen Fällen die Brauereiarbeiterlöhne
von örtlichen gemischtgewerblichen Arbeitgeberzerbänden
 in der Weise geregelt, daß für die

898 ,
899
‚900 .
901 .
902 .
1903 .
1904 . .
1905 . +
1906 . . +
1907 . . +
1908 .
1909 . . . 1
910 . . . IR
191... 391
1912 . . . 282
{913 . . . 336
1914 . . . 149

|

nz
9°
»
”»
»

’
*

f

„ ”„ »
”„ „x ”
n » 5388
„249 ”

217

In den Kriegsjahren liefen im allgemeinen die Tarifverträge
stillschweigend weiter, indes wurden durch Teuerungszulagen
lie Löhne den veränderten Verhältnissen angepaßt,
1919 . . . 401 Tarifverträge für 1721 Betriebe
1920 . . . 179 © ur „2369 » ;
1921... 82 “ „312 ”
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="195" />
        Diplom-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin:
A A
3rauereiarbeiter eine besondere Sparte im allgemeinen
 Ortstarifvertrag gebildet wird.
Eine tarifvertragliche Regelung der Arbeitsbedingungen
 für die kaufmännischen und technischen
Brauereiangestellten ist durchweg erst nach dem
Kriege geschaffen. Spezielle Brauereiangestellten-Tarifverträge
 gibt es nur an einigen größeren Brauorten.
 In der Regel werden die Gehälter entweder
in Anlehnung an die ortsüblichen festgesetzt, oder
die Brauereiangestellten bilden eine besondere
Gruppe im Rahmen eines meist örtlichen, gemischtgewerblichen
 Angestellten-Tarifvertrages.
Für die Brau- und Malzmeister bestehen seit
Oktober 1921: 1. der Norddeutsche Braumeister-Tarifvertrag,
 gültig für das Gebiet der ehemaligen
norddeutschen Brausteuergemeinschaft, d. h. das
Reichsgebiet ohne Bayern, Baden und Württemberg,
und 2. der Bayerische Braumeister-Tarifvertrag,
gültig für Bayern. Tarifkontrahenten sind auf
Arbeitnehmerseite der „Deutsche Braumeister- und
Malzmeister-Bund“, auf Arbeitgeberseite zu 1. der
Deutsche Brauer-Bund und zu 2. der Bayerische
Brauerbund. Die badischen und württembergischen
Brauereien bezahlen ihre Braumeister in der Regel
nach den Sätzen des bayerischen Tarifvertrages.
In Brauerkreisen namentlich Nord- und Westdeutschlands
 gewinnen neuerdings Bestrebungen
immer mehr an Boden, die auf eine individuelle
Regelung der Arbeitsbedingungen der Braumeister
— in Rheinland und Westfalen auch der übrigen
Angestellten — und damit auf eine Abschaffung
der Braumeister- bzw. Angestellten-Tarifverträge
hinzielen. Man vertritt in diesen Kreisen die
Meinung, daß die Braumeister als technische
3eamte in gehobener, vielfach sogar in leitender
 Stellung nicht in einen Tarifvertrag hineingehören.
 Aus diesen Gründen hat der Deutsche
Brauer-Bund den sogenannten Norddeutschen Braumeister-Tarifvertrag
 zum 31. März 1929 definitiv
zekündigt. Inzwischen haben nach monatelarngen Ver-1andlungen
 die Verbände der mittleren und kleinen
Brauereien einen neuen Braumeister-Tarifvertrag
für das Gebiet der ehemaligen norddeutschen Brausteuergemeinschaft
 abgeschlossen, der für die
Brauereien bis zu einem Jahresausstoß bis zu
120 000 hl Geltung hat. Ob sich der Deutsche Brauer-Bund
 diesem Tarifvertrag für seine Mitglieder bis
zu 120000 hl Ausstoß anschließt, läßt sich zur Zeit
a0ch nicht übersehen.
Ähnliche Erwägungen führten Ende 1925 zu einer
Aufhebung der seit Januar 1922 in Geltung gewesenen
 Richtlinien für die Gehälter der Brauerei-Chemiker
 mit abgeschlossener Hochschulbildung.
B. Der Inhalt der Brauereitaritverträge.
Die Tarifverträge haben nach ihrem Wesen und
ınhalt von ihren ersten Anfängen bis zum heutigen

194

Tage selbstverständlich manche Entwicklungsstufe
lurchlaufen müssen, bis sie zu dem heute allgemein
inerkannten Instrument der kollektiven Regelung
ler Arbeitsbedingungen wurden. Es würde ein total
;chiefes Bild geben, wenn man die ersten Tarifv/erträge
 lediglich nach heutigem Maßstabe messen
ind beurteilen würde, In der Perspektive der danaligen
 sozialen und arbeitsrechtlichen Verhältnisse
‚edeuteten die ersten Tarifverträge etwas absolut
Veues; die Pioniere des Tarifvertragswesens auf
\rbeitgeberseite und recht häufig auch auf Arbeitıehmerseite
 hatten gegenüber ihren Berufskollegen
‚einen leichten Stand. Wenn trotzdem die Entwickung
 des Tarifvertragswesens in der Brauindustrie
owohl zahlenmäßig als auch inhaltlich gegenüber
nderen. Industriezweigen einen beträchtlichen Vorprung
 erreichte, so war auch dies eine Folge der
tark sozialen Einstellung der Brauer, die immer be-‚trebt
 sind, ihrer Arbeiterschaft nach bestem Vernögen
 entgegenzukommen.
Die ersten Brauereitarifverträge enthielten meist
ıur Bestimmungen über die Arbeitszeit, die LolmmÖöhe,
 die Über- und Sonntagsarbeit und die Du jour.
Allmählich wurden immer weitere Gebiete in den
"arifvertrag einbezogen; so vor allem die Urlaubsewährung,
 die im Braugewerbe mit am frühesten
ariflich geregelt wurde, und vom Inkrafttreten des
jyürgerlichen Gesetzbuches ab die Bestimmungen des
&amp;gt; 616 BGB. Auch die Einrichtung von Wasch-,
ade- und Umkleideräumen wurde vielenorts durch
arifvertrag obligatorisch gemacht.
Lohnhöhe, .
Der wichtigste Inhalt der Tarifverträge ist unweifelhaft
 die Lohnregelung, mit der wir uns zuächst
 befassen wollen.
Die in der Brauindustrie gezahlten Löhne liegen
tändig beträchtlich über dem Durchschnitt des all-‚emeinen
 Lohnniveaus. Höhere Löhne werden
:igentlich nur in den sogenannten Saisonindustrien
‚der allenfalls in Industrien mit besonders guter
&amp;lt;oniunktur gezahlt. Aus dieser Tatsache aber
‚twa zu folgern, daß es der Brauindustrie besonders
 gut gehe, wäre grundverkehrt. Die steuerichen
 und sonstigen Belastungen sind schwer: in
len Kriegs- und Inflationsjahren, als fast alle Inlustrien
 sich einer mindestens zeitweisen Hochzonjunktur
 erfreuen konnten, lag die Brauindustrie
nfolge Rohstoffmangels und gesetzlicher Einchränkungen
 des Stammwürzegehalts darnieder.
jie Gründe für die relativ hohen Löhne sind also woınders
 zu suchen; es sind dies im wesentlichen drei.
Wie wir in früheren Abschnitten bereits gesehen
‚aben, ist der Brauereiunternehmer aus verschiedenen
 Ursachen von Haus aus sozial einzestellt;
 auch hat er indirekt ein gewisses Interesse
ın ausreichenden Löhnen, da die Arbeiterschaft sein
        <pb n="196" />
        IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber, 195
bester Kunde-ist. Ein weiterer Grund liegt darim ndustrien eingetretene Änderung des Lohnsystems
daß kaum ein anderes Gewerbe durch‘ etwaige rfolgte in den‘ Jahren 1880—1890.- In den .Mittel-Streiks
 und Arbeitsniederlegungen so empfindlich nd Großbetrieben herrschten um diese Zeit noch
wie die Brauindustrie getroffen werden kann.. Die Monatslöhne,. in den Kleinbetrieben Wochenlöhne
Bierherstellung kann als ein Naturprozeß nicht be- or. Das System der monatlichen Entlohnung
liebig unterbrochen werden, auch ist das fertige Bier, vurde dann immer. mehr aufgegeben; bereits um die
abgesehen von dem durch‘ besondere Maßnahmen ahrhundertwende bestanden fast nur noch die heute
haltbar gemachten Exportbier, keine sogenannte n der Brauindustrie ‚allgemein üblichen Wochen-Stapelware.
 Die Wirte benötigen stets frisches Bier Öökne. Mithin bilden in der Brauindustrie die Zeitund
 können in der Regel schon aus Raumgründen sich Öhne, und zwar seit mehreren Jahrzehnten die
in Gefahrenzeiten keine größeren Reserven halten. WVochenlöhne, die Regel. In Akkord wird nur in
Während bei den meisten Waren in Streikfällen der Ausnahmefällen und auch dann wohl nur von Hilfs-Bedarf
 angestaut wird, d. h. bei Wiedereinsetzen ırbeitern gearbeitet.
der Lieferung durch einen entsprechend größeren Bis zum Kriegsausbruch stiegen die Löhne ent-Absatz
 der vorübergehende Ausfall wieder ziemlich ‚prechehd dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung
ausgeglichen wird, ist dies beim Bier aus nahe- ;chnell zu beträchtlicher Höhe an. Die im Sommer
liegenden Gründen nicht der Fall. Es ist daher wohl .914 (Juni) erreichte Lohnhöhe an den bedeutendsten
zu verstehen, daß die Brauereien, um Arbeits- 3rauorten ist aus nachstehender Tabelle ersichtlich,
konflikte zu vermeiden, die einen nicht wiederauf- lie weiterhin die wichtigsten Etappen der Nachzuholenden
 Verlust bringen, bis zur Grenze des Mög- kriegslohnbewegung aufzeigt:
lichen den Wünschen der Arbeitnehmerschaft ent- Die Entwicklung der Brauerelarbeiterfönne in den Großstädten
gegenkommen. Ein dritter wesentlicher Grund liegt über 100 900 Einwohner,
ferner darin, daß die Brauindustrie in ihrer modernen
Form eine mehr kapitalintensive als arbeitsintensive
Industrie ist, der Lohnkostenfaktor bei ihr daher
relativ gering ist. Anderenfalls wäre es nie und
nimmer möglich gewesen, die ständigen Lohnsteigerungen
 durch Rationalisierungs- und Sparmaßnahmen
 zu kompensieren, da der Bierpreis für lange
Zeitperioden stabil bleiben muß. Eine jede Bierpreiserhöhung,
 die eigentlich nur“ nach Biersteuererhöhungen
 vorgenommen werden mußte, wirkt eriahrungsgemäß
 in empfindlichster Weise auf den
Absatz. ; ;
Vor der Entwicklung zur modernen Brauerei war
es durchweg üblich, daß die Brauergesellen auf dem
Brauereigrundstück wohnten und auch dort ihre
Kost erhielten, denn das damalige im Verhältnis zum
aeutigen noch primitive Brauverfahren machte eine
ständige Anwesenheit der Belegschaft notwendig.
Der Lohn war infolgedessen in der Hauptsache ein
Naturallohn. Nach einer Erhebung des Allgemeinen
Brauerverbandes betrugen im Sommer 1885 die
Löhne ohne Kost 65 bis 102 M. monatlich. Wo
— wie es damals vielfach noch der Fall war — freie
Kost und Logis gewährt wurden, schwankten die
Wochenlöhne zwischen 5 und 8 M. Es ist aber dabei
nicht außer acht zu lassen, daß damals der Geldwert,
zemessen an der Kaufkraft, ein weit höherer war.
Wo Wochenlöhne bestanden, erfolgte die Auszahlung
 in der Regel am Sonntag im Anschluß an
das Mittagessen. Nach der Umstellung zum
moderhen Brauereibetrieb war infolge der hochentwickelten
 Brautechnik ein Wohnen in der
Brauerei selbst nicht mehr notwendig. Die Löhne
wurden daher in reine Barlöhne umgewandelt.
Diese im Braugewerbe später als in den übrigen

Ar “——— aa

36,48 | 34,56
55,50 | 49,50
62,— ] 55,—
s6.60| 51,—
32,— 55,80
59,50 53,55
ö2,— 35,80
50,75 54,70
50,— 4,—
56,— 50,40
31,50 57,50
W,— "b—
')— 56,—
'9,— 56,—
O,-— B56,—
‘7,— 51,30
57,— 50,75
39.50 ' 56,50
        <pb n="197" />
        196 Diplom-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin:
54stündige Wochenarbeitszeit, die Nachkriegslöhne Die amtliche Lohnstatistik erfaßt:
lagegen nur für eine 48stündige gelten. L. Von den Produktionsmittel- 2, Von den Verbrauchsgüter-Auch
 trotz der verkürzten Arbeitszeit sind heute industrien: N Industrien:
im Braugewerbe die Friedensreallöhne durchweg 0 AS,
— bei den Ungelernten sogar beträchtlich — über- Shemische Industrie, Süß-, Back- und Teigwaren-Schritten,
 wie die nachstehende Tabelle zeigt: Aolzindustrie, industrie,
Durchschnittswochenlöhne : 7apier erzeugende Industrie, Kartonnagenindustrie.
m m 3a gewerbe,
Dezember 1929 3uchdruckgewerbe,
3. Die Deutsche Reichsbahn.
In dieser amtlichen Lohnstatistik werden nicht nur
lie reinen Tariflöhne berücksichtigt, sondern auch
*twaige soziale und andere Zulagen, Bei den
zrauereiarbeitern wird der tariflich gewährte Freirunk
 mit zwei Dritteln des Brauereipreises den
l’ariflöhnen zugeschlagen, in anderen Industrien die
;oziale Zulage für die Ehefrau und zwei Kinder
Bergbau, Metallindustrie, Textilindustrie, chemische
ınd Papier erzeugende Industrie). In den Industrien,
n denen zu einem erheblichen Teil in Akkord gearbeitet
 wird, sind die tarifmäßigen Akkordlöhne bei
Jurchschnittlicher Arbeitsleistung oder die Zeitlöhne
änschließlich Akkordausgleich eingestellt.
Die in obiger Gegenüberstellung so deutlich
n Erscheinung tretende günstige Lohnlage der
3rauereiarbeiter gegenüber der Arbeiterschaft anlerer
 Industrien ist keineswegs nur eine vorüberzehende,
 sondern, wenn auch mit geringen zeitveiligen
 Schwankungen, eine ständige Erscheinung.
Aus Raumgründen haben wir uns auf den Zeitraum
ler letzten zwölf Monate, für die bei Abfassung
lieses Aufsatzes die amtlichen Lohnermittlungen
vorliegen, beschränken zu können geglaubt.
In dem unserer Betrachtung zugrunde gelegten
3erichtsiahr vom Januar bis Dezember 1929 liegen
lie Löhne der ‚gelernten Brauereiarbeiter zwischen
13,6 und 15,7% (im. Mittel 14,7 %) über dem
geichsdurchschnitt der Gelernten, die der unvelernten
 Brauereiarbeiter sogar zwischen 30,3 und
33,1 % (im Mittel 31,6 %) über dem Reichsdurchchnitt
 der Ungelernten. Von den in der amtlichen
„Ohnstatistik erfaßten Gewerbezweigen zahlt nur
las Baugewerbe — als Saisongewerbe — und zeitveilig
 der Bergbau (hohe Akkord- und Sozialxuschläge)
 den Gelernten höhere Löhne als das
3raugewerbe. Mit den Löhnen der Ungelernten
steht die Brauindustrie. fast immer unbestritten an
der Spitze. Seit Oktober 1928 liegen die Durchschnittslöhne
 der Ungelernten im Baugewerbe um
einige Pfennige über denen des Braugewerbes.

‚12

64,6 Pf. | 122,8 I = + 89,8 %
534 „ !1119 „ = + 109,6 %
100 | 1526. =-+ 526%
Auffallend ist das ganz außerordentlich günstige
Abschneiden der Ungelernten,
Auch gemessen am deutschen Gesamtlohnniveau
stehen die Brauereiarbeiter an günstigster Stelle.
Gegenüber den Arbeiterlöhnen der wichtigsten
ibrigen*) Industriezweige rangieren die Brauereiarbeiter
 — abgesehen vom Baugewerbe als Saisongewerbe
 — an der Spitze.
Die Lohnhöhe im Braugewerbe im Vergleich zum Durchschnitt der
Produktionsmittel- und Verbrauchsgüterindustrien und der Reichsbahn,
(Bearbeitet auf Grund der amtlichen, Lohnstatistik des Statistischen Reichszmtes,
 veröffentlicht in „Wirtschaft und Statiztik“.)

'anuar 1020... ] 52,34
“ebruar » ...! 52,40
März m» +.« 5241
April „ ...J 52,62
Mai » +... 58,65
Juni i Ma 53,77
luli „ ...1 58,79 '
August » ...'! 53,81
Septemb. » ...! 53,81
Iktober » ... 583,85
Novemb. » ... 38,89
JDezemb. „ ... 58,89
Steigerung ge-.
genüber dem
Januar 1929, }+ 8,0 %%o/-+4,1 %ol H38,1 9%] +45 %
1) Gewogener Gesamtdurchschnitt aus den “Tariflöhnen von 12 wichtigen
ren der Produktionsmittel- und Verbrauchsgüterindustrien (einschließlich
ler Reichsbahn).
Zur näheren Erläuterung der vorstehenden Tabelle
sei folgendes gesagt:
*) Die von der amtlichen Lohnstatistik erfaßt wurden.

Lohnspanne.
Die Spanne zwischen den Löhnen der Gelernten
ınd Ungelernten ist in der Brauindustrie seit dem
Xriegsende infolge der Nivellierungsbestrebungen
ler Gewerkschaften eine recht geringe uhd zeigt die
        <pb n="198" />
        IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber. 197
Tendenz zu einer weiteren Verengerung. Sie be- Aufruf des damaligen Rates der Volksbeauftragten
trug im Dezember 1928 9,42 % gegenüber‘ einer "om 12. November 1918 war die programmatische
Durchschnittsspanne von mindestens 20 % in denVor- Crklärung enthalten: Spätestens am 1. Januar 1919
kriegsjahren. Die Löhne der Frauen und jugend- vird der achtstündige Maximalarbeitstag in Kraft
lichen Arbeiter betragen im allgemeinen etwa 60 bis reten. Aber schon vor diesem Termin erfolgte die
70 % der Vollarbeiterlöhne. Die Festsetzung einer Ullgemeine Einführung des Achtstundentages auf
Vergütung für die. Lehrlinge erfolgt durchweg rund von Vereinbarungen zwischen den Arbeitgeberdurch
 den Lehrvertrag; die Vergütung beträgt ınd Arbeitnehmerspitzenverbänden.
— gestaffelt nach den Lehrjahren. — etwa 30 bis Auch in der Brauindustrie wurde etwa von Mitte
50 % des Brauerlohnes. Vovember 1918 ab die 48stündige Arbeitswoche ab-Die
 Bezahlung des Fahrpersonals erfolgt recht olut vorherrschend.
unterschiedlich. In der Regel erhält es Löhne, die Am 23. November 1918 erfolgte dann die geetwa
 in der Mitte zwischen denen der Gelernten und ;etzliche Regelung der Arbeitszeit auf der
Ungelernten liegen. Teilweise erhalten die Bier- irundlage der täglichen achtstündigen Arbeitszeit.
fahrer aber auch den festen Lohn der Gelernten Die Durchführung des schematischen Achtstundenoder
 der Ungelernten; der Ausgleich ‚erfolgt in ags erwies sich aber nach den Schädigungen der
diesen Fällen durch Gewährung von mehr oder nflationsjahre für die. Industrie als nicht mehr tragminder
 hohen Zehrgeldern (Provisionen). Es ist im ar. Am 1. Januar 1924 trat daraufhin die Arbeits-Braugewerbe”
 allgemein üblich, daß das Fahr- eitverordnung vom 21. Dezember 1923 in Kratft,
personal, welches die Kundschaft beliefert, zur Be- lie den Grundsatz des starren Achtstundentages aufstreitung
 seiner hiermit verbundenen persönlichen ‘ob. Die einzelnen Industrien erhielten dadurch
Ausgaben Zehrgelder erhält, deren Bemessung in vieder die Möglichkeit, eine ihren Bedürfnissen ander
 Regel von der Höhe des erzielten Absatzes ab- zepaßte längere Arbeitszeit zu vereinbaren. Auch
hängt. In Zeiten flotten Geschäftsganges erreichen lie. Brauindustrie machte hiervon weitgehend Gediese
 Zehrgelder oft eine beträchtliche Höhe. Für rauch. Im Wege tariflicher Vereinbarungen mit
weitere Fahrten über Land wird. häufig. ein be- ien Gewerkschaften wurden die Arbeitszeiten
sonderes Touren- oder Kilometergeld gezahlt. ı1amentlich in den Sommermonaten wieder‘ verängert,
 und zwar überwiegend auf 54 Wochenstunden.
 Die mit der Währungsstabilisierung auch
n der Brauindustrie stärker einsetzende Rationalijerung
 des Arbeitsprozesses bot aber schon nach
venigen Jahren in vielen Betrieben — namentlich
n den Großstädten — die Möglichkeit, die reguläre
\rbeitszeit wieder auf 48 Wochenstunden herabzuetzen.
 In Süddeutschland und in kleineren nordıeutschen
 Brauereien wurde vielfach eine längere
irbeitszeit beibehalten. Heute wird in den Groß-‚rauereien
 auch im Sommer fast durchweg 48 Sunden
wöchentlich gearbeitet.
Eine kontinuierliche Arbeitszeit ist besonders in
ien Groß- und Mittelbrauereien üblich, und zwar
vird hier durchweg in drei Schichten gearbeitet.
Sonntagsarbeit wird im allgemeinen nur vom Ma-;chinen-
 und Kesselpersonal, den Pferdepflegern
ınd dem Bewachungspersonal geleistet,
Für das Fahrpersonal kann im Gegensatz zu den
Arbeitern im inneren Betriebe die regelmäßige tägiche
 Arbeitszeit von 8 Stunden nicht immer so präzise
nnegehalten werden. Im allgemeinen Rahmen einer
8S-stündigen Netto-Arbeitswoche sind die täglichen
3rutto-Arbeitszeiten — feste Pausen sind hier nicht
iblich — entsprechend den erheblich schwankenden
Tagesabsatzziffern unter Umständen recht unterschiedlich.
 Die Arbeitszeit des Fahrpersonals ist
ıuch stark von der schnelleren oder langsameren
Zrledigung der Geschäftstour abhängig. Geleistete
berarbeit wird meistens nicht in bar, sondern durch

Arbeitszeit.
Im. handwerksmäßigen Stadium des ‚Bierbrauens
war gewöhnlich eine feste Abgrenzung der regelmäßigen
 Arbeitszeit nicht durchführbar, da die
Natur des Brauprozesses eine ständige Arbeitsbereitschaft
 — unterbrochen‘ durch mehr oder
weniger lange Arbeitspausen — erforderte. Es
handelte sich also keineswegs um eine. ununterbrochene
 intensive Arbeit. , Diese Art der Arbeitsregelung
 wurde dadurch möglich, . daß damals die
Brauergesellen noch durchweg auch im Braubetriebe
 selbst wohnten. Erst in den späteren Entwicklungsstadien
 und namentlich nach der Einführung
 des maschinellen Betriebes konnten feste
Arbeitszeiten eingehalten werden, deren Dauer im
Tarifvertrage festgelegt wurde, In den letzten Vorkriegsjahren
 betrug in den Brauereien die regelmäßige
 Wochenarbeitszeit mindestens 54 Stunden;
in den Großstädten Rheinlands und Westfalens wie
auch vielerorts in Süddeutschland war die 57stündige
Wochenarbeitszeit überwiegend, an kleineren, meist
ländlichen Orten wurde&amp;gt; sogar bis zu 60 Stunden
gearbeitet.
Fine grundlegende Änderung der Arbeitszeitregelung
 trat mit dem Kriegsende ein. Die
Novemberrevolution brachte mit der Forderung der
Gewerkschaften nach Einführung des starren Achtstundentages
 die erste allgemeine gesetzliche
Regelung des Arbeitszeitrechts in Deutschland. Im
        <pb n="199" />
        198 Diplom-Volkswirt F. C. Düstersiek, Berlin:
m EEE: EEFÄS °C
sogenanntes „Abschlafen“ an Tagen ruhigeren Ge- städten aber sogar 14’ bis 15 Tage, das bedeutet
schäftsganges abgefunden. inter Einrechnung der Sonntage einen ununterjrochenen
 Urlaub von 2% Wochen. Bei den Angestellten
 ist die Urlaubsdauer in der überwiegenden
Mehrzahl noch günstiger und beträgt bis zu vier
Wochen...
Die heute in der Brauindustrie übliche Urlaubslauer
 ist aus nachstehender Übersicht zu entnehmen.
Die Regelung des Urlaubs in den wichtigsten Brauerei-Tarifverträgen
nach dem Stande vom Dezember 1929;

Freitrunk (Haustrunk).
In früheren Zeiten, namentlich als die Brauergesellen
 noch in Kost und Logis des Arbeitgebers
standen, war die Entnahme des Freibiers gewöhnlich
mengenmäßig unbegrenzt. Die fortschreitende Industrialisierung
 räumte auch mit diesem Brauch
auf. Die Menge des zu gewährenden Freitrunks
wurde im Tarifvertrag, manchmal auch in der
Arbeitsordnung festgelegt. In der Vorkriegszeit
erhielt der männliche Vollarbeiter bis zu 6 Liter
:äglich; in der Nachkriegszeit trat namentlich
mit Rücksicht auf die durchweg verkürzte Arbeitszeit
 eine erhebliche Herabsetzung ein. Heute
werden im Durchschnitt 2 bis 2% Liter arbeitstäglich
für den Vollarbeiter gewährt. Frauen und Jugendliche
 erhalten beträchtlich weniger, und zwar etwa
| bis 1% Liter.
Die von Süddeutschland ausgehende Bewegung,
den Freitrunk durch eine entsprechende generelle
Erhöhung der Löhne abzulösen, hat in Norddeutschland
 — bis auf zwei Ausnahmen — keinen Boden
gewonnen. Wo der Freitrunk abgelöst und im Lohn
enthalten ist, können die Brauereiarbeiter in einer
begrenzten Menge Bier zu einem ermäßigten Preise
&amp;lt;aufen. Der Verkauf des Freitrunks und die Mitıahme
 vom Brauereigrundstück ist in den meisten
Tarifverträgen verboten.

| Höchsturlaub
Ort bzw. Bezirk‘ Nach einem
Dienstalter «Tage
von ‚, Jahren

IL. Großstädte mit el,
&amp;lt;önigsberg ....0..0000000. .
ME 0 4 ER Kae IHRER
a
Aagdeburg s... 000er
)rESdeN ser
Sr HERE
A DT
a EEE
ir N
A
JanNNOVEr area
rankfurt a. Masse sererre rer rern
Aainz— Wiesbaden .......0.0000000.0000
MÜNCHEN s week
Vürnberg........ .
stuttgart. ...

m ©
LO

m

Q

U,

L5

u

Im

} 97)

|

12
12

Urlaub.
Hinsichtlich der Urlaubsgewährung unter Fortzahlung
 des Arbeitslohnes marschiert die Brauindustrie
 seit je an der Spitze. Lange bevor
die meisten anderen Industrien Urlaub einführten,
war im Braugewerbe die Gewährung eines bezahlten
Urlaubs schon durchweg üblich. Den Ausgangspunkt
 hierfür bildeten die Mälzer, die häufig nach
Abschluß der Kampagne noch einige Zeit lang ihren
Lohn fortbezahlt erhielten. Es konnte also die tarifliche
 Regelung des Urlaubs an etwas Bestehendes
anknüpfen. Die Forderung auf vertragsmäßig festzulegenden
 Urlaub wurde von seiten der Arbeiterorganisationen
 erstmalig im Jahre 1900 in München
erhoben, ohne daß es hier zu einer Einigung kam.
Die erste farifliche Regelung erfolgte 1903 in Greiz.
Ursprünglich war ein dreitägiger bezahlter Urlaub
nach einjähriger Tätigkeit die Regel. Später trat
der heute übliche Staffelurlaub an die Stelle des
[rüheren Einheitsurlaubs. Die Dauer des Urlaubs
wird. nunmehr nach der Zahl der Dienstjahre bemessen,
 doch ist die Länge des Urlaubs und die
Zahl der Dienstjahre, die zur Erreichung des Höchsturlaubs
 notwendig sind, sehr unterschiedlich. Die
Dauer des Höchsturlaubs beträgt in der Mehrzahl
der Tarifverträge 12 Arbeitstage, in mehreren Groß-H.

 Landes- und Be‘
Mecklenburg ...:......0..00. ;
Yberschlesien »..........0.0.0000. -
Tiederschlesiefl. ..0.0..00000000000000 000
TiederlausilZ......0.410000 0002004000
jachsen—Ostthüringen (Leipzig)........
EEE
theinland— Westfalen .............0.000.
Istl, Westfalen. .....0.00000000000000 000
1ER rar HERREN Gare nee
ahngau— Oberhessen........0..00..0.00..
3ayerische PfalZ.......00000000000000000
MALER FREE m rn
AittelbadeN ....00000000000000000000000
)berbaden 2.000000 rer ee
Württemberg. Schwarzwald .............
3Zayern (Landestarif) v......0..0.00.0000000
*) Nach 25jähriger Betriebsangehörigkeit 15 Tage.

ze.

Öö
12
19

Te

1“

Pr

In
5

GG

12
10
10

1S

$ 616 BGB.
Wie beim Urlaub ist das Braugewerbe auch hinichtlich
 der tariflichen Regelung der Bestimmungen
ıes $ 616 BGB. im Vergleich zu anderen Industrien
‚urchaus bahnbrechend gewesen. Nach $ 616 wird
ier Arbeitnehmer des Anspruchs auf seine Vervütung
 nicht dadurch verlustig, daß er für eine
verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in
‚einer Person liegenden Grund (z. B. Krankheit,
jerichtstermine usw.) ohne Verschulden an der
Menstleistung verhindert wird. Der $ 616 trat am
        <pb n="200" />
        IV., 3. Die deutsche Brauindustrie als Arbeitgeber. 199
l. Januar 1900 in Kraft; noch in demselben Jahre !m Jahre 1894 kam es nach Abschluß des großen
wurde die erste tarifliche Abmachung über diesen Berliner Boykottkampfes und Überwindung erheb-Paragraphen
 getroffen, und. zwar mit einer Ver- icher Schwierigkeiten zu ’einer Einigung, die zur
bands-Brauerei in Hannover, dahingehend, daß im ründung des noch heute bestehenden paritätischen
Krankheitsfalle nach 7tägiger Wartezeit die Diffe- rauerei-Arbeitsnachweises führte, der am 24. Januar
renz zwischen Lohn und‘ Krankengeld bis zu 895 seine Tätigkeit eröffnete und seitdem mit größtem
zwei Wochen gezahlt wurde. Heute haben sämtliche Zrfolg und vielfach vorbildlich für die Errichtung
Brauerei-Tarifverträge ausnahmslos oft recht weit- veiterer paritätischer Arbeitsnachweise innerhalb wie
herzig gehaltene Bestimmungen über die Anwendung ıußerhalb der Brauindustrie wirkt. Die Verwaltungsdes
 $ 616 BGB. kosten dieses Berliner paritätischen Brauerei-.
 . , \rbeitsnachweises werden zu fünf Neunteln von den
V. Die Facharbeitsnachweise der Brauindustrie. lem Arbeitsnachweis angeschlossenen Brauereien
Im Braugewerbe konnte mit der fortschreitenden ınd zu vier Neunteln von den beteiligten Arbeitindustriellen
 Entwicklung die dem früheren hand- ıehmerorganisationen aufgebracht.
werksmäßigen Charakter angepaßte Art der Arbeits- Auf ähnlicher Basis sind dierner paritätische
aufsuchung und -vermittlung durch die nach be- B3rauerei-Arbeitsnachweise errichtet in Hamburg,
stimmten zünftigen Regeln gehandhabte sog. „Um- Dresden und Frankfurt a. M. In München und
schau“ oder das „Zusprechen‘“ nicht mehr be- eipzig bestehen reine Arbeitnehmer-Brauereifriedigen.
 Wenn auch heute noch hier und da, be- Arbeitsnachweise,
sonders in kleineren Städten und auf dem Lande,
sich die alte Art des Zusprechens z. T. im ihren
zünftigen Formen noch erhalten hat und auch die
gewerbliche Stellenvermittlung und das Herbergswesen
 noch an manchen Orten bestehen, ferner ein
erheblicher Teil von Arbeitsangebot und -nachfrage
sich in der freien Form des Zeitungsinserats und der
persönlichen Empfehlung vollziehen, so ist doch in
den wichtigeren Braüzentren der nach bestimmten
Grundsätzen organisierte Arbeitsnachweis heute die
Regel geworden. Wegen der mit der Industrialisierung
 und Vergrößerung der Brauereibetriebe
wachsenden Spezialisierung der gelernten Brauereiarbeiter
 kommt in der Hauptsache nur der aus der
Initiative der Angehörigen des Braugewerbes,
Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, hervorgegangene
Facharbeitsnachweis in Frage; die sonstigen Arbeitsnachweise
 dürften an den Hauptplätzen nur vereinzelt
 und subsidiär zur Vermittlung von Hilfsarbeitern
 in Anspruch genommen werden.
Der erste eigentliche Brauerei-Arbeitsnachweis
wurde 1890 in Berlin von der Organisation der
Brauergesellen gegründet. Bei einer großen Lohnbewegung
 im Berliner Braugewerbe um die Jahreswende
 1889/90 bildete die Schaffung eines für die
Brauereien abligatorischen, paritätisch verwalteten
Arbeitsnachweises bereits eine der Voraussetzungen
für die Herbeiführung des Arbeitsfriedens. Der nach
Abschluß der Arbeitskämpfe geschaffene „Zentral-Arbeitsnachweis
 der Brauergesellen Berlins und der
Umgegend“ enthält bereits die meisten der für alle
späteren Einrichtungen dieser Art wesentlichen Bestimmungen.
 Aber schon ein Jahr nach seiner Gründung;
 führten dauernde ernste Meinungsstreitigkeiten
 sowohl innerhalb der Arbeiterschaft als auch
gegenüber den Brauereien zu einer Spaltung, indem
die sog. Ringbrauereien einen für ihre Mitglieder
obligatorischen Sonder-Arbeitsnachweis gründeten.

YI. Die Kriegsfürsorgemaßnahmen der Brauereien.
Das ausgeprägte soziale Verantwortungsgefühl
les Brauereiunternehmertums zeigte sich in seiner
praktischen Auswirkung besonders deutlich in Notzeiten,
 und zwar in erster Linie während und nach
lem Weltkriege. Gleich nach Ausbruch des Krieges
enkte das Präsidium des Deutschen Brauer-Bundes
lie Aufmerksamkeit der Berufsgenossen auf die
Notwendigkeit nachhaltiger und durchgreifender
Interstützung der Angehörigen der zu den Fahnen
inberufenen Arbeiter und Angestellten und die Für-;orge
 für die Kriegsteilnehmer selbst. Durch Rund-‚chreiben
 wurde wiederholt allen Mitgliedern ans
Terz gelegt, eine laufende Unterstützung für die
\ngehörigen der Kriegsteilnehmer einzuführen.
Diesen Anregungen entsprachen die Brauereien in
veitestem Umfange und nach bestem Können, obwohl
sie selbst durch die Kriegszwangsmaßnahmen ge-;chäftlich
 auf das schwerste getroffen waren. Entassungen
 von Arbeitskräften wurden nach Möglichseit
 vermieden.
Die in den Kriegsjahren in den heimatlichen
3rauereien Beschäftigten hatten bei ihrer an-;trengenden
 Arbeit unter den herrschenden Erlährungsschwierigkeiten
 sehr zu leiden. Den enerzischen
 Bemühungen des Deutschen Brauer-Bundes
zelang es durchzudrücken, daß auch die Brauereiırbeiter
 als Schwerarbeiter erklärt und demgemäß
nit Zusatzrationen bedacht wurden.
Die ernsteste Sorge bereitete den Brauereien die
°rage der Unterbringung der heimkehrenden
Arieger, da in den letzten Kriegsjahren zahlreiche
3rauereien stillgelegt waren, teils infolge der immer
ichwieriger werdenden Rohstoffversorgung, teils
nfolge des stark beschleunigten Konzentrations-»rozesses.
 Auch waren inzwischen vielfach Hilfs-&amp;lt;räfte
 eingestellt. die man aus sozialen Gründen
        <pb n="201" />
        Diplom-Volkswirt F. C, Düstersiek, Berlin:
nicht wieder entlassen wollte. Es waren also recht
viele Arbeitsstellen in. Fortfall gekommen. Die
Brauereien betrachteten es trotz aller Schwierigkeiten
 als eine Ehrenpflicht, alle ihre früheren Arbeitnehmer
 nach ihrer Entlassung aus dem Heeresdienst
wieder bei sich aufzunehmen.

ihn

cassen errichtet oder zahlen langgedienten Arbeitern
m Alter einen Zuschuß; einige Brauereien haben
auch eigene Altersheime z. T. in landschaftlich hervorragender
 Gegend errichtet.
Es würde über den Rahmen dieses Aufsatzes hinausgehen,
 alle weiteren zahlreichen Wohlfahrtsein-:ichtungen
 der Brauereien hier ausführlich zu
schildern. Nur das Wichtigste kann kurz gestreift
verden. Der Altersversorgung dienen ferner die
jiehr verbreiteten Brauereisparkassen, in denen die
Spareinlagen der Arbeitnehmerschaft relativ hoch
v’erzinst werden. Für das leibliche Wohlergehen der
jelegschaften sind namentlich in den Brauereien, in
enen ohne eine längere‘ Mittagspause durchge-‚rbeitet
 wird, Kantinen und Speiseanstalten eingeichtet,
 die mittels Beihilfen der Brauerei wohlfeiles
‘ssen abgeben können. Einige Großbetriebe haben
.igene Sportvereine geschaffen und gefördert, die
uch schon mit bemerkenswerten Leistungen in die
’fentlichkeit getreten sind.
Sogar auf die Kinder der Arbeiter und Angestellten
streckt sich die Fürsorge durch Einrichtung vorm
"inderheimen, Kleinkinderschulen usw. ;
Aber auch der allgemeinen öffentlichen Wohlahrtspilege
 steuert die Brauindustrie nach bestem
“önnen bei. Recht beträchtliche Summen werden
uljährlich für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung
restellt. Der Brauereiunternehmer besitzt seit jeher
‚egenüber anderen Industriellen eine ganz besondere
&amp;gt;opularität, die leicht dazu führt, daß man an ihn
;tets besondere Anliegen zu stellen pflegt.

VIL Allgemeine Wohlfahrtseinrichtungen
der Brauereien.

Die während der Kriegsnotzeiten den Arbeitnehmern
 gegenüber weit über das durch Gesetz vorgeschriebene
 Maß hinaus Bewiesene Fürsorge hat
auch in Zeiten normaler Wirtschaftslage ihren
Draktischen Ausdruck in zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen
 gefunden. Vor Schaffung der staatichen
 Sozialgesetzgebung (Kranken-, Unfall- und
Invalidenversicherung) hielten es die Brauereien für
ihre besondere Pflicht, die infolge Alters oder
Invalidität ausscheidenden Arbeiter zu unterstützen.
Bereits 1876 wurde auf dem 3. Brauertag in Frankfurt
 a. M. ein Antrag auf Schaffung eines Unterstützungsfonds
 für alte und invalide Brauereiarbeiter
zum Beschluß erhoben. Noch bevor die Vorarbeiten
hierfür beendet waren, trat das Unfall- und Krankenversicherungsgesetz
 in Kraft, so daß dieser Zweig
der geplanten Fürsorge fallen gelassen werden
konnte. Es blieb aber noch die Frage der Altersversorgung,
 die in den Beratungen der nächsten
Jahre eine große Rolle spielte. In der Brauereiarbeiterschaft
 fand der vom Deutschen Brauer-Bund
ausgehende Plan einer Altersversorgung ebenfalls
lebhafte Aufnahme. Aber auch hier konnten die
energisch aufgenommenen Vorarbeiten nicht zum
endgültigen Ziele führen, da kurz vor ihrem Abschluß
die staatliche Zwangsversicherung auch auf die
Altersversicherung ausgedehnt wurde. Mit Recht
wurde auf dem 6. Deutschen Brauertag am 27. Juni
1888 in Stuttgart hervorgehoben, daß in keinem
Gewerbe vor Einführung ‘der Zwangsversicherung
für die Arbeiter auf diesem Gebiete mehr getan sei
als im deutschen Braugewerbe. Hiermit war die
Fürsorge für die infolge Alters oder Invalidität ausgeschiedenen
 Brauereiarbeiter aber keinesfalls erschöpft.
 Zahlreiche Brauereien haben Pensions-Es

 liegt in der Natur der Dinge, daß auch in der
3rauindustrie die vielfach gegensätzlichen  Auf-'assungen
 zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ft scharf in Erscheinung treten. Mit Genugtuung
sann aber festgestellt werden, daß diese Meinungscämpfe
 fast immer auf rein sachlichem Boden durchrefochten
 werden. Selbstverständlich hat jede Partei
'asselbe Recht, ihre Interessen energisch zu verreten,
 niemals aber darf dabei das gemeinsame Ziel,
ın dem beide Parteien gleich interessiert sind, aus
lem Auge gelassen werden: Das Wachsen und Geleihen
 der deutschen Brauindustrie!
        <pb n="202" />
        4. Der Braumeister.
Von Generaldirektor Reinhardt, Leipzig, Präsidialmitglied des Deutschen Bräuer-Bundes, E.V.

Die Bierbrauerei war im frühen Mittelalter ein Teil
der häuslichen Arbeiten der Frauen. Neben dem
Schlachten, Kochen und Backen lag ihnen auch das
Brauen des Metes aus Honig und später das Brauen
des Bieres aus gemälztem Korn ob. Das blieb so.in
den nordischen Ländern Europas bis zu dem Anfang
des vorigen Jahrhunderts und die Hausfrau war oft
stolz auf ihr gutes Bier. Als
sich dann die Klöster hoben,
gehörte die Bierbrauerei zum
Betrieb der Landwirtschaft des
Klosters. In den neugegründeten,
 damit freilich noch kleinen
 Städten wurde anfangs
auch erst in den einzelnen
Haushaltungen Bier gebraut,
später aber entwickelte sich
die Bierbrauerei dahin, daß für
alle Bürger eine eigene Braustätte,
 ein besonderes Sudhaus
errichtet wurde, wo die einzelnen
 Bürger ihr Bier brauten
und es dann in ihren Kellern
weiter vergären ließen und
lagerten. Hier war zuerst der
„Braumeister“ tätig. In den
Klöstern wurde einem besonderen
 Frater die Herstellung
des Bieres übertragen, und
ganz besonders dort wurde im
Laufe der Jahre die Braukunst
auf eine hohe Stufe gebracht.
Im weiteren Lauf der Zeit wurde neben den Städtebetrieben
 die Bierbrauerei bei der Landwirtschaft ein
besonderer Nebenbetrieb. Auch hier war ein Braumeister
 tätig, er war kein selbständiger Handwerksmeister,
 wie in den anderen Gewerben. Wohl hatte
er zünftige Lehre durchgemacht und als Geselle in
verschiedenen anderen Brauereien gearbeitet, aber
daß er das Bier auf eigene Rechnung einsott und ver&amp;lt;
Kaufte, war noch nicht der Fall; erst sehr viel später
im achtzehnten und im Beginn des neunzehnten
Jahrhunderts traten selbständige Brauereibesitzer
auf, die das Gewerbe, ähnlich Handwerksmeistern,
auf eigene Rechnung betrieben. Diese nannten sich
Braumeister, wie dies auch vielfach noch im vorigen
Jahrhundert geschah. Der berühmte „Brauereibesitzer
 Anton Dreher in Wien nannte seinen ersten
technischen Beamten Brauführer, er selbst war der
Braumeister. Von der Mitte des vorigen Jahrijunderts

 an war der selbständige gewerbliche Betrieb
ler Bierbrauerei die Regel. Die Kommunbrauerei,
lie an einer Braustätte für Rechnung der Bürger
yraute — später kam auch die Gärung und Lagerung
lazu — trat mehr zurück. Die Biere der Brauereien
verschiedener Städte, wo besonders tüchtige Brauneister
 tätig waren, gewannen oft einen bedeutenden
Ruf. Häufig war es die Tätigkeit
 eines Mannes, die den
Ruf der Stadt als Bierstadt
begründete. So war es in
Pilsen der aus Bayern gezürtige
 Braumeister  Blechl.
im 16. Jahrhundert war in
Hamburg, später in Danzig die
3Zrauerei wegen ihres Produk-‚es
 hoch angesehen. Das Bier
wurde durch ganz Deutschland
ınd nach Übersee versandt.
Auch die Stadt Einbeck hat
viel Jahrhunderte lang wegen
.hres Bieres einen großen Ruf
zenossen. Der Name Bockbier
&amp;lt;ommt von Einbeck’ her. Auch
ı1och andere Städte konnten
hr Bier weiter durch Deutsch-‚and
 verfrachten und machten
den örtlichen Kommun- und
anderen Brauereien großeKonkurrenz,
 auch die Gutsbrauerei
konnte häufig viel bessere
Geschäfte machen, als wie
lie Städtebrauereien, in deren Gegend sie lag.
In all diesen Brauereien wuchs nach und nach ein
Braumeisterstand ;
ıeran, dessen Mitglieder oft wegen ihrer Braukunst
ıoch geschätzt wurden. Dem Braumeister &amp;amp;tanden
‚amals nicht im geringsten die jetzigen Hilfsmittel
ler Wissenschaft und der Technik zur Verfügung,
»s war ein reiner Handbetrieb. Damals kam es
adiglich auf das Sehen, das Schmecken und das
liechen des Braumeisters an, allerdings wurden
ahrhundertalte Erfahrungen immer wieder nutzıringend
 verwandt. Neue Erfahrungen fanden ihren
Veg in die Brauerei, da die jungen Brauer häufig
vechselten, um sich auszubilden. In den 60er und
'Oer Jahren galt Wien als der Vorort der Brauerei,
jann traten später München, Pilsen, Nürnberg, Kulmyach
 und in den letzten Jahren Dortmund als beson-Benno

 Scharl.
Geb. 6. Juni 1741, gest. 2. März 1812,
        <pb n="203" />
        Generaldirektor Reinhardt, Leipzig:
a AT ESEn
ders berühmte Biererzeugungsstädte in Erscheinung. &amp;lt;Jang bei der Bevölkerung, so daß schließlich vor
Wie hoch aber trotzdem die Empirik der Braumeister lem Kriege ein Umsatz von 65 Millionen Hektoliter
schon gediehen war, zeigen Veröffentlichungen aus rreicht wurde. In der ganzen Welt, wo untergäriges
früheren Zeiten. Ich weise dabei auf das Buch des aus- 3ier verlangt wurde, mußte der deutsche Braumeister
gezeichneten Braumeisters und früheren Kloster- lies brauen. Auch die neuerstandene große südiraters
 Benno Schar] hin. Die darin erwähnten ımerikanische Brauindustrie beruht auf der Tätigkeit
praktischen Grundsätze für die Brauerei, gelten heute ({eufscher Braumeister. In den Schulen zeigte sich,
noch genau so wie zu seiner Zeit. Noch heute wird aß neben einer bescheideneren, wissenschaftlichen
in der ganzen Welt, wo untergäriges Bier gebraut Ausbildung bald auch Wert auf eine höhere Auswird,
 nach diesen Regeln verfahren. Die Brau- ildung gelegt wurde, die schließlich den Studierenmeister,
 die besonders gutes und haltbares Bier her- Ien das Diplom als Brauerei-Ingenieur einbrachte.
stellen konnten, waren außerordentlich gesucht und Dabei ist es aber das eigentümliche, daß ohne eine
wurden in den 50er, 60er und 70er Jahren des ganz besonders eingehende praktische Ausbildung
vorigen Jahrhunderts, ja bis der Braumeister auch heute
heute, mit hohen Bezügen an- keineswegs in der Lage ist,
gestellt. Der Braumeister war ein rationell hergestelltes gutes
immer der höchstbezahlte Be- und haltbares Bier, das einen
amte des Betriebes. entsprechenden Nutzen ab-Das
 Brauen glückt aber wirft, zu brauen. Noch heute
trotz aller Vorsicht und aller gilt das Wort des bayerischen
Kenntnisse nicht immer. Den- Brauherrn an seinen neuen
kende Brauer suchten darum Braumeister aus dem Beginn
mit der Wissenschaft Fühlung des vorigen Jahrhunderts:
zu nehmen, und zuerst in „A guts Bier mußt brauen,
Bayern, dem Hauptbierland aber a rentabeles, wo was hervon
 Deutschland, fand die ausschaut, dös ist die Haupt-Wissenschaft
 Eingang im sach.“ Immer noch ist die
Brauereibetrieb. Wenn die Praxis und die dadurch ge-Wissenschaft
 auch, wie ich wonnene Empirik die Hauptschon‘
 oben ausgeführt habe, grundlage der Tätigkeit des
die Regeln der Herstellung Braumeisters; noch heute muß
nicht beeinflußt und geändert er fein ausgebildete Sinne behat,
 so wurde doch der Be- sitzen, um den Betrieb erfolgtrieb
 bedeutend rationeller, reich führen zu können. Wohl
man erkannte die Krankheiten hat die Wissenschaft die
des Bieres und erforschte die Kenntnisse der Vorgänge und
Rohmaterialien. Mit der Kennt- die Kenntnisse. der Rohmatenis
 der Zusammensetzung rialien und damit die Bierder
 Rohmaterialien trat eine brauerei ganz gewaltig gegrößere
 Sicherheit in der Bierherstellung ein. Durch ‘Ördert, aber noch lange Jahre wird es Braumeister
die Einführung der Kältemaschine war es möglich, zeben müssen, die neben der eingehenden wissendas
 ganze Jahr über Bier zu braten, während man ichaftlichen Ausbildung sich eine große Empirik anvorher
 meistens nur in den Wintermonaten gebraut reeignet haben, um erfolgreich die Betriebe leiten zu
hatte und das Bier dann bis zum Herbst ausschänkte. ‚Önnen.
Der Braumeister mußte sich mit all diesen neuen Er- Nach dem Aufschwung der Brauindustrie in den
“ungenschaften beschäftigen und sie sich zu eigen "0er Jahren fanden Sich die Braumeister und Malzmachen.
 Wissenschalftliche Stationen entstanden in neister in Vereinigungen zusammen. 1887 wurde ein
München, Weihenstephan, Nürnberg, Hohenheim und ieutscher Braumeisterverein mit dem Sitz in Pots-Berlin.
 Wissenschaftliche Schulen wurden in Weihen- ilam und bald darauf ein gleichartiger Verein, der
stephan, Berlin, Worms, Augsburg, München und an nehr die süddeutschen Braumeister zu seinen Mitverschiedenen
 anderen Plätzen gegründet. Nach rliedern zählte, in Ravensburg gegründet, Beide
ainer mehrjährigen Praxis besuchten die Brauer diese /ereine hatten die Hebung .des Standes, vor allen
Schulen und wurden dort unterwiesen. Wenn auch Dingen aber die Fürsorge für ihre Mitglieder und
einzelne, besonders gutgeleitete und gut eingerichtete ‚eren Hinterbliebenen im Auge. Im Jahre 1893 be-3rauereien
 hervorragende und haltbare Biere schon chloß eine Kommission dieser Vereine, sie zu ver-[rüher
 erzeugt hatten, so hob sich jetzt allgemein die inigen. An die Spitze dieser Vereingung wurde der
Qualität und das Bier fand immer mehr großen. An- erewigte Kommerzienrat Reinhardt in Leipzig be-202
        <pb n="204" />
        IV., 4. Der Braumeister., 203
rufen. Der neugegründete Deutsche Braumeister- 438 Rentenmark geworden. Es gelang aber bald,
und Malzmeister-Bund begann am 1. Januar 1894 1auptsächlich. dank der Hilfe der stiftenden Mitseine
 Tätigkeit. Auch ein in München domizilierender lieder und vieler Freunde des Braumeisterstandes,
Braumeister- und Malzmeister-Verein Deutschlands lie Unterstützungs- und Hilfskassen neu aufzufüllen:
hatte sich angeschlossen. Es war bemerkenswert, ı1eute verfügt er wieder über ein Vermögen
daß alle Beschlüsse und Sitzungen dieses Bundes on etwa 180000 RM. Während des Krieges und
stets von dem Gedanken ausgingen, yur im Verein n der Inflationszeit mußte er sich auch mit der
mit den. Brauereileitern die Standesinteressen zu egelung der Bezüge seiner Mitglieder befassen, die
wahren. Der Vereinigung traten 1600 Mitglieder ıäufig ungenügend ausfiel; es wäre sonst der größte
und 300 stiftende Mitglieder bei. Auch viele Teil seiner Mitglieder in andere politische Verbände
Brauereibesitzer wurden Mitglieder. Der Bund er- \bgewandert, Diese Regelung der. Bezüge wird
rang sich durch die Tätigkeit seines Leiters rasch ıeute noch als durchaus notwendig von den Mitgroßes
 Ansehen. In häufigen Generalversammlungen rliedern gefordert und wird auch von den Betriebswurden
 Beschlüsse gefaßt, die zur Grundlage die eitern weiter als für beide Teile ersprießlich an-Auszahlung
 von Sterbegeld, die Unterstützung be- ;rkannt, Der Deutsche Braumeister- und Malzdürftiger
 Mitglieder und späterhin eine Pensions- neister-Bund wird zur Zeit von mir geleitet. Möge es
versicherung zum Ziele hatten. Die Pensions- len deutschen Braumeistern gelingen, wie bisher
versicherung hielt. deır Stürmen der Inflationsjahre ‚en Ruf des deutschen Bieres durch die ganze Welt
nicht stand. Der Braumeister-Bund, der ein Ver- u tragen, möge die Industrie und mit ihnen der
mögen von 534000 M. angesammelt hatte, mußte Stand der Braumeister weiter blühen und gedeihen,
nach der Inflation finanziell vollständig neu auf- möge der alte Brauerspruch wahr. bleiben: „Gott
yebaut werden. Aus den 534000 M. waren gebe Glück und Segen herein!“
        <pb n="205" />
        5. Die biologischen Verhältnisse bei der Bierbereitung.
Von Professor Dr. Hans Schnegg, Weihenstephan.

Die Erkenntnis, daß das Bier das Produkt einer
Reihe von biologischen Einzelprozessen darstellt, ist
hoch verhältnismäßig jungen Datums, liegt doch
selbst die Entdeckung, daß die Hefe ein lebender
Organismus sei, noch nicht ganz ein Jahrhundert
zurück.
Durch die Anschauung bedingt, daß es in erster
Linie die Hefe sei, von deren Reinheit die Qualität
des fertigen Bieres abhängt, hat sich daher noch
Jahrzehnte nach dieser Entdeckung das Interesse
für die bei der Gärung sich abspielenden biologischen
Prozesse ausschließlich auf diese konzentriert. So
wird es verständlich, daß Pasteur und Hansen;
die um das 8. Jahrzehnt des vergangenen. Jahrhunderts
 sich um die Erforschung der Gärungsorganismen
 hoch verdient gemacht und mit ihren
Arbeiten die Grundlagen zur heutigen biologischen
Kontrolle des Brauereibetriebes gelegt haben, in
erster Linie auf die biologische Verbesserung der
Hefe hinarbeiteten. Von den von beiden Forschern
empfohlenen Veffahren hat sich für die Brauerei nur
die von Hansen vorgeschlagene Einführung der
Reinzuchthefe durchsetzen können, ohne die
heute keine Brauerei mehr denkbar ist, sei es, daß
sie sich die Hefe im eigenen Betrieb herzüchtet, oder
ne in einem anderen Betrieb reingezüchtete Hefe
weiter verwendet.
Erst mit dem Fortschreiten der Wissenschaft auf
allen Gebieten der Mikrobiologie ungefähr um die
Jahrhundertwende hat sich auch in_der Brauwissenschaft
 die Erkenntnis Bahn gebröchen, daß die Hete
nur einer der vielen biologischen Faktoren sei, die
in gegenseitigem Zusammenwirken die Qualität des
Bieres bedingen, und das in die Yichtigen Bahnen zu
leiten Aufgabe einer entsprechenden Überwachung
des Betriebes sein muß. Und wenn zweifellos auch
heute noch die biologische Reinheit der Anstellhefe
der Grundpfeiler der ganzen Brauereibiologie ist, so
kann sie ällein doch unmöglich mehr der biologischen
 Anforderungen gerecht werden, die der
moderne Brauereibetrieb stellen muß, wenn er die
gesteigerten Ansprüche des biertrinkenden Publi-Kums
 befriedigen und seine Bierqualität auf einer
gleichmäßigen Höhe halten will. Der Brauer müß
Sich also mehr .und mehr bewußt werden, daß der
biologischen Kontrolle seines Betriebes im Rahmen
der allgemeinen Überwachungsmaßnahmen eine
nicht mehr zu unterschätzende Bedeutung zukommt.
Um das Verständnis dafür zu wecken oder zu vertiefen,
 soll daher im folgenden versucht werden, die

Bedeutung der verschiedenen biologischen Fakßoren,
lie im gesamten Werdegang des Bieres sich mehr
der weniger auswirken, entsprechend zu würdigen
ınd ein übersichtliches Bild von den Mmannigfaltigen
Xologischen Einflüssen zu geben, die teils direkt, teils
direkt die Qualität des Endproduktes zu bestimmen
armögen.
Wir müssen zu diesem Zweck unsere biologische
Jurchforschung des Betriebes schon an einer Stelle
‚jeginnen, die, soweit biologische Wirkungen auch
ür das spätere Bier von ihr ausgehen, bisher viel-'ach
 unterschätzt wurde, in der ;
Mälzerei,
Daß die physikalische und chemische Beschaffenıeit
 von Gerste und Malz die Grundlage für ein
;utes Bier sei, wissen wir schon seit den Zeiten des
\ltmeisters Lintner. Darüber aber, daß die Brauchrarkeit
 von Gerste und Malz durch biologische Einlüsse
 in hohem Grade bedingt Wird, haben uns erst
lie Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte beehrt.
 Der Brauer war sich wohl von jeher bewußt,
laß jahrgangweise die Gerste nicht nur 'in ihrem
Aussehen, sondern auch hinsichtlich ihrer Verırbeitungsfähigkeit
 sehr verschieden ausfällt, daß
je einmal matt und mißfarbig, ein anderesmal
slänzend und hell wird, in einem Jahrgang eine gute,
N einem anderen eine schlechte Keimfähigkeit aufveist.
 Er brachte diese verschiedenen Eigenschaften
uch ganz mit Recht mit den Witterungsverhältässen,
 unter denen die Gerste gewachsen ist und gerntet
 wird, in Zusammenhang. Er hat sich aber
auım einmal die Mühe gegeben, darüber nachudenken,
 warum eine in nassen Jahren gewachsene
ind geerntete oder eine auf dem Lager. schlecht beaandelte
 Gerste mißfarbig wurde, oder warum eine
.ndere, die unter durchaus trockenen Witterungs-‚edingungen
 entstanden und gut gelagert worden
var, diese Veränderungen nicht zeigte. Er hat sich
vohl auch meist mit der Tatsache abgefunden, daß
ine Gerste der ersten Art oft eine schlechtere ‚.Keimihigkeit
 aufweist als gesunde, hellspelzige Gerste,
‚ber nicht nach den Gründen der gegenseitigen Benjehungen
 gefragt. Heute wissen wir, daß
bei allen diesen Eigenschaften der Gerste biologische
Faktoren eine Hauptrolle
;pielen, daß die Tätigkeit von Mikroorganismen da-)jei
 mit im Spiel ist. Wohl weiß jeder Brauer, daß
nuffige Gerste ihren Grund hauptsächlich . in
Schimmelpilzentwicklung hat, die durch den hohen
        <pb n="206" />
        IV., 5. Die biologischen Verhältnisse bei der Bierbereitung, . 205
mangelhafte Keimfähigkeit
ist zum Teil wenigstens auf biologische Einflüsse zu-Üückzuführen.
 Daß diese durch schlechte Lagerung
»ft weiter verschlechtert wird, dürfte nach den vorjusgegangenen
 Überlegungen kaum mehr zweifelı1aft
 sein, denn die Organismen beschränken ihre
"ätigkeit eben nicht nur auf die Außenseite des
Cornes, sondern dringen, wenn die Bedingungen
rünstig sind, mit der Zeit auch unter dem Spelz vor,
vo sie in dem zarten Gewebe des Keimlings einen
villkommenen Angriffspunkt für ihre Zerstörungs«-ätigkeit
 finden. Mehr oder minder starke Behindeung
 der Keimfähigkeit bis zur völligen Vernichtung
‚st schließlich das Ende.

Wassergehalt, den solche Gerste in der Regel aufweist,
 begünstigt wird. Daß aber, durch die gleichen
Verhältnisse begünstigt, sich. auf solchen Gersten
auch eine reichliche Bakterienflora entwickelt hat,
die mit ihren auf dem Spelz erzeugten, übelriechenden
Stoffwechselprodukten auch mit Schuld tragen an
dem $chlechten Geruch solcher Gersten, ist weniger
bekannt. Bakterien sind es auch in der Hauptsache,
die, manchmal zusammen mit Schimmelpilzen, die
Hauptursache des mißfarbigen Aussehens solcher
Gersten sind. Im Gegensatz dazu bieten in sonnigen
Sommern gewachsene, wasserarme und trocken gelagerte
 Gersten den von Natur aus auch auf ihnen
sitzenden Organismen keine genügenden Entwicklungsmöglichkeiten,
 sie sind daher nicht nur von
vornherein organismenärmer, sondern verhindern
auch, daß die auf ihnen sitzenden Keime sich in
solchem Maße weiter entwickeln können, daß sie eine
Veränderung im Aussehen des Kornes zu bewirken
vermöchten.
Was das mit dem späteren Bier zu tun hat? Mehr,
als mancher Brauer vielleicht glaubt; hängt doch
von der Kenntnis dieser Verhältnisse nicht nur die
Behandlung der Gerste während der Lagerung, sondern
 in hohem Grade auch ihre Verarbeitungsfähigkeit
 in der Mälzerei ab. Nun weiß allerdings jeder
Brauer, daß er feuchte und mißfarbige Gerste anders
behandeln muß als gesunde, trockene Ware, Er weiß
auch, daß von Haus aus gesunde Gerste, wenn er sie
auf dem Lager falsch behandelt, ebenfalls Schaden
nimmt. Er läßt sich dabei von seiner empirischen
Erfahrung leiten, ohne sich auch in diesem Falle
Rechenschaft darüber zu geben, daß auch hierbei in
erster Linie biologische Gründe maßgebend sind. Die
ihm selbstverständlich erscheinende Lagerung in
dünner Schicht und auf Iuftigen Böden unter
häufigem Umschaufeln hat, vom biologischen Standpunkt
 aus betrachtet, keinen anderen Zweck, als
durch Verminderung des Wassergehaltes und ständige
 Entfernung des im Haufen durch die Atmung
des Kornes entstehenden Wasserdampfes den auf
der Gerste sitzenden Organismen eines ihrer wichtigsten
 Lebenselemente zu entziehen, und damit ein
unheilvolles Überhandnehmen zu verhüten. Auch die
heute schon vielfach zur Einführung gelangte
Trocknung der Gerste,
die uns bei weitgehender Raumersparnis ermöglichen
 soll, die Gerste in hoher Schicht, also auch in
Silos, zu lagern, bezweckt weiter nichts anderes als
das, was wir durch lange Lagerung auf dem Speicher
zu erreichen suchen, in kürzester Zeit zu bewerkstelligen,
 also ebenfalls die Weiterentwicklung der
Gerstenorganismen durch Wasserentziehung zu verhindern.

Auch die vielfach bei mißfarbigen Gersten beobachtete


Die biologischen Verhältnisse der Gerste müssen
sich natürlich auch auf die Mälzerei auswirken, und
ıuch da lehrt den Brauer seine Erfahrung, daß miß-'arbige
 und schlecht keimende Gerste ihm dort oft
Schwierigkeiten macht. Die in der Mälzerei zuveilen
 in starkem Maße auftretende Schimmelldung
 ist häufig schon auf die Gerste zurück-„uführen,
 hat vielfach allerdings auch ihren Grund
n ungenügender Reinhaltung der Mälzerei und ihrer
3Zetriebseinrichtungen, gar nicht zu reden davon, daß
ıuch die sonstige Behandlung der Gerste, bevor sie
zum Mälzen kommt, darauf von Einfluß sein kann.
Is sei nur daran erinnert, daß schlecht trieurte
jerste, die noch einen höheren Prozentsatz von
Ialbkörnern aufweist, ebenso wie solche, die
rröbere Verletzungen des Spelzes zeigt, ebenfalls
lie Schimmelbildung in hohem Grade begünstigt, auch
lann, wenn die Gerste sonst organismenarm war.
Wenn der Brauer mißfarbige und schlecht
zxeimende Gerste in der Weiche mit Kalk oder
ınderen Zusatzmitteln behandelt, so hat auch das in
ärster Linie biolorische Gründe.

Der Kalk ;

‚einigt nicht nur die Gerste von den auf dem Spelz
;itzenden und seine Mißfarbigkeit bedingenden Zersetzungsprodukten
 der Bakterien und gibt ihr damit
aäin besseres Aussehen, sondern er beseitigt zum
zroßen Teil auch die Schädlinge selbst. Nur so ist
as zu verstehen, daß die behandelte Gerste sich
eichter von Schimmelbefall und dem Überhandıehmen
 anderer Organismen frei halten läßt, als die
rleiche Gerste, der wir diese Behandlung nicht haben
ıngedeihen lassen. Auch die Besserung der Keimähigkeit,
 die wir bei gekalkter Gerste vielfach be-»bachten,
 ist biologisch zu erklären, indem der
veitere Einfluß der die Keimfähigkeit behindernden
3Zakterien unterbunden und, falls es noch nicht zu
einer völligen Vernichtung des Keimlings gekommen
st, eine, wenn auch verzögerte Keimung ermögicht
 wird.
        <pb n="207" />
        206
Auch bei der
Lagerung des Malzes
spielen biologische Verhältnisse eine große Rolle.
Trotz der hohen Temperaturen, die es bei der Abdarrung
 hat über sich ergehen lassen müssen, ist. es
nicht keimtrei, Äußerlich ist das wohl der Fall, aber
m Innern sind namentlich bei niedrig abgedarrtem
Malz die im Mehlkörper eingeschlossenen Bakterien,
begünstigt durch dessen lockeres Gefüge, das das
Sindringen der Abdarrtemperaturen verhindert, noch
vielfach am Leben. Gerade diese aber sind es, die
die Haltbarkeit des Malzes gefährden, und ganz besondere,
 von denen der Gerste abweichende Maßnahmen
 bei der Lagerung erfordern, wenn ihre nachteiligen
 Wirkungen auf das Malz ausgeschaltet
werden sollen.
Bei der Behandlung, die der Brauer dem Malz
während seiner Lagerung angedeihen läßt, trägt er
meist unbewußt diesen Verhältnissen Rechnung.
Wenn wir das Malz, das mit einem verhältnismäßig
niedrigen Wassergehalt von der Darre kommt, aber
das Bestreben hat, sich bei der Lagerung allmählich
dem Wassergehalt seiner Umgebung anzugleichen,
in möglichst hoher Schicht, am idealsten in Silos,
‘agern, so ist der Sinn der,. dadurch die natürliche
Wasseranziehung soviel. wie möglich zu verhüten
und damit die Bedingungen für die Weiterentwicklung
 der Malzorganismen möglichst zu -verschlechtern.
 Biologische Gründe sind es also auch,
wenn Malz, das nicht genügend vor Wasseranziehung
 geschützt wurde, schimmelt, einen
muffigen Geruch annimmt oder gar sauer Wird.
Auch das bei solchen Malzen oft beobachtete
mangelhafte -Verzuckerungsvermögen ist letzten
Endes nichts anderes als der Ausfluß der Organismentätigkeit,
 durch die chemische Veränderungen
im Malz hervorgerufen werden, die die Enzyme
weitgehend zu schädigen imstande sind.
Wenn solches Malz uns bei der Verarbeitung nicht
befriedigt und Würzen von unerwünschter Zusammensetzung
 liefert, so wird uns das, nachdem
wir uns über die Ursachen klar geworden sind, nicht
wundern. Überraschend dagegen ist es, wenn wir
sehen, daß unter Umständen auch das gesunde Malz
unter sonst normalen Verhältnissen keine normalen
Würzen liefert. Auch das findet unter entsprechender
 ‚Würdigung der biologischen Verhältnisse seine
einfache Erklärung, denn selbst bei vollkommen
sachgemäßer Lagerung gehen die Organismen des
Malzes nicht zugrunde. Wenn sie auch im normalen
Maisch- und Sudprozeß keine Möglichkeit finden,
sich störend bemerkbar zu machen, so können doch
Verhältnisse eintreten, die ihnen zur Weiterentwicklung
 und zu unerwünschtem Überhandnehmen Gelegenheit
 bieten. Von den verschiedenen Möglichkeiten
 sei nur eine kurz beleuchtet. Mancher Brauer

Prof. Dr. Hans Schnegg, Weihenstephan:
"EEE

1at schon zu seinem Leidwesen die Beobachtung
nachen müssen, daß das ihm zur Erhöhung seiner
Ausbeute empfohlene Digerieren der Maische statt
les erhofften Vorteils Schaden gebracht hat, dalurch,
 daß die Maische sauer wurde und auch in
hrem Verzuckerungsvermögen mehr oder: weniger
relitten hat, trotzdem er nur einwandfreies, an sich
‘ut verzuckerndes Malz verwendete. Fehler, die er
eim Digerieren beging dadurch, daß er vielleicht die
Taische zu lang, oder, wie das namentlich im
‚ommer leicht möglich ist, bei zu hohen Temperaren
 stehen ließ, hat die normalerweise auf dem
Aalz ‚sitzenden Organismen zu stärkerer Vernehrung
 und Tätigkeit angeregt, die schließlich in
len unerwünschten Veränderungen der Maische oder
Vürze ihren Ausdruck fand.
Neben diesen direkten Schäden, die die natüricherweise
 auf Gerste und Malz vorhandenen Orgaismen
 zur Folge haben können, muß auch noch des
influsses gedacht werden, den diese auf Würze und
3ier sonst auszuüben vermögen. Jeder Brauer
veiß, daß Staub, der in seine Würze auf dem Kühlchiff
 gelangen kann, dort unter Umständen schwere
nfektionen‘ hervorzurufen vermag. Das gilt ins-‚esondere
 vom

Gersten- und Malzstaub als dem Träger
von Fäulnis- und: Säurebakterien,
venn er von gewissen Betriebsteilen wie Gerstenınd
 Malzputzerei oder -schroterei in andere
3rauereiräume eindringen kann, in denen Würze
der Bier offen stehen.
Es darf vielleicht gleich an dieser Stelle darauf
ıUungewiesen werden, daß auch von außen her durch
lie Luft als Träger organismenhaltigen Staubes
ler Brauereibetrieb biologischen. Gefahren zum Teil
schwerster Art ausgesetzt ist. Ohne näher darauf
inzugehen, daß die von außen in den Betrieb. geangende
 Luft je nach Jahreszeit, Witterung - und
ınderen Verhältnissen in verschieden hohem Grade
nit Organismen durchsetzt ist, sei nur auf ein paar
jesonders wichtige Fälle hingewiesen, die schon
nanchem Brauer große Sorge bereitet haben.
Große Gefahren in biologischer Hinsicht für den
3rauereibetrieb bietet z. B.
die unmittelbare Nähe von landwirtschaftlichen
Betrieben,
lie vielfach als Hauptursache der so gefürchteten
nfektionen durch Sarzina angesehen werden, die
ich in den tierischen Abfallprodukten vorfindet und
lurch die Luft verbreitet in die Brauerei zu gelangen
‚ermag. Auch die Nähe von. Obstgärten und Weinjergen,
 die namentlich zur Herbstzeit als die primäre
“ntwicklungsstätte zahlreicher wilder Hefen und
säurebakterien bekannt sind, können diese Schäd-
        <pb n="208" />
        IV., 5. Die biologischen Verhältnisse bei der Bierbereitung.
linge auf dem Luftwege in die Brauerei verschleppen,
von den vielen mehr harmlosen Organismen, die
sonst noch durch die Luft übertragen werden
können, gar nicht zu reden. So leicht der Brauer
aber in der Lage ist, die Gefahren zu bannen, die
durch Staubentwicklung im Betrieb selbst entstehen
können, so machtlos steht er meist den ihm aus
seiner Umgebung drohenden Gefahren gegenüber.

207
zorräte zu erhalten, so sind es auch wieder auschließlich
 biologische Gründe, indem er durch diese
3inrichtungen die Lebensbedingungen der Hopfenırganismen
 weitgehend zu verschlechtern sucht,
lenn er weiß recht wohl, daß auch der Hopfen leicht
‚erderblich ist. Wenn Hopfen schimmelt oder jene
nit gleichzeitiger Veränderung seines Aussehens
ıäufig Hand in Hand gehende, als käsig bezeichnete
Jmwandlung seiner. aromatischen Bestandteile ereidet,
 ist das. immer ein Zeichen, daß die Maßaahmen,
 die eine weitere Entwicklung seiner Orgaıismen
 verhindern sollten, ungenügend waren.
Wie schimmelig oder sauer gewordenes Malz
ıachteilige Wirkungen auf die Würze ausübt, so
ıuch schimmelig oder käsig gewordener Hopfen.
Jicht nur, daß er Geruch und Geschmack der Würze
ıchädigt, hat solcher Hopfen auch indirekte Nebenvirkungen,
 die vor allem auf die mit der Orgaıismentätigkeit
 in engstem Zusammenhang stehenlen
 chemischen Veränderungen nicht nur seiner
ıromatischen, sondern auch seiner antiseptischen
3estandteile zurückzuführen sind. Würzen, die
inter Verwendung solchen Hopfens hergestellt. sind,
eigen außerordentlich leicht zu Infektionen, weil die
liese sonst verhindernden konservierenden Stoffe
m verdorbenen Hopfen fehlen oder doch nicht mehr
n genügender Menge vorhanden sind. Die Vervendung
 verdorbenen Hopiens zu rechtfertigen mit
ler Erklärung, daß ja seine Organismen durch den
Sudprozeß abgetötet würden, ist vollkommen falsch
ınd kann für das spätere Bier von den unheilbarsten
"olgen sein. Daß auch das da und dort noch übliche
Topfenstopfen auf dem Lagerfaß zu biologischen
Schädigungen des Bieres führen kann, wenn dazu
ıicht absolut einwandfreier Hopfen verwendet wird,
jedarf wohl kaum mehr einer besonderen Beeuchtung.

Eine besondere Rolle in biologischer Hinsicht
commt im Rahmen seiner Verwendung in der
Zrauerei dem
Wasser

Auch der Hopfen
muß vom biologischen Standpunkt aus entsprechend
gewürdigt werden, wenn wir unser Bier vor direktem
oder .indirektem Schaden durch ihn bewahren wollen,
denn auch der Hopfen spielt als Organismenträger
eine ähnliche Rolle wie Gerste und Malz. Wie bei
diesen, so haben wir es auch beim Hopfen in der
Hand, eine unerwünschte Vermehrung seiner Organismen
 und seine Schädigung durch ihre Tätigkeit
zu verhindern. .
Schon die Behandlung, die der Hopfenbauer dem
Hopfen angedeihen läßt, indem er ihn trocknet, verfolgt
 durch Verminderung des Wassergehalts in
erster Linie biologische Zwecke. Auch das starke
Zusammenpressen des Hopfens hat neben der Verminderung
 seines Volumens einen biologischen
Grund, indem durch Verminderung der zwischen den
einzelnen Dolden vorhandenen Lufträume vielen,
namentlich Iuftliebenden Organismen: ihr Lebenselement
 entzogen wird. Und wenn der Brauer in
seine Hopfensäcke lange eiserne Nadeln hineinsteckt,
 um aus deren Temperaturveränderung
Schlüsse auf etwaige Veränderungen des Hopfens zu
ziehen, so macht er damit unbewußt nichts anderes
als eine biologische Prüfung, denn das Warmwerden
der Nadel zeigt ihm an, daß es im Innern des Sackes
zu einer stärkeren Organismentätigkeit gekommen
ist, die sich in einer mehr oder weniger starken
Wärmeentwicklung kundgibt. Schließlich vermag
auch das Schwefeln des Hopfens und das feste Einpressen
 in Büchsen ihm aus biologischen Gründen
eine bessere Haltbarkeit zu verleihen, weil einerseits
durch das Schweieln viele Organismen abgetötet
werden, andererseits das Zusammenpressen und luftdichte
 Abschließen in den Büchsen den die Entwicklung
 vieler Organismen fördernden Luftsauerstoff
ausschließt. Wenn trotzdem im Laufe der Jahre
auch Büchsenhopfen oft verdirbt, namentlich wenn
er nicht geschweielt wurde, so findet der Biologe die
Erklärung darin, daß auf dem ‘Hopfen auch
Organismen leben, die auch ohne Luftzufuhr sich
weiter entwickeln können.
Und wenn der fortschrittliche Brauer einen so
großen Wert darauf legt, durch Erstellung von
eigenen Hoptfenaufbewahrungsräumen
mit Kühlung und Ventilationseinrichtungen, die eine
trockene Luft schaffen, seine: wertvollen ‘ Hopfenzu.

 Die Bedeutung seiner biologischen Beschaffenıeit,
 d. h. des Gehalts an Organismen ist aber bei
‚einen verschiedenen Verwendungszwecken in der
3rauerei verschieden groß, so daß ein Betrieb, der
licht über mehrere Wässer verfügt, den biologischen
Zustand seines Gebrauchswassers besonders im
\uge haben muß. |
Es wird keinem Brauer einfallen, an das Wasser,
las er zum Kesselspeisen verwendet, in biologischer
Minsicht irgendwelche Anforderungen zu stellen.
Auch bei der Verwendung eines Wassers in der
Mälzerei werden wir uns um seinen biologischen Zustand
 wenig zu kümmern brauchen, da bei seiner
Verwendung als Weichwasser die Organismen selbst
        <pb n="209" />
        208 Se Prof, Dr. Hans Schnegg, Weihenstephan:
zines schlechten Wassers stark in den Hintergrund
treten gegenüber jenen, die die Gerste in die Weiche
mitbringt, allerdings nur solange,. als das Wasser
nicht auch in seinen sonstigen Eigenschaften durch
stärkere Organismenentwicklung Schaden genommen
hat. Die gleichen Verhältnisse sind maßgebend für
die Beurteilung der biologischen Verhältnisse des
Wassers, soweit es im Sudhaus Verwendung findet,
wo zwar auch seine Organismen abgetötet werden,
etwaige durch sie hervorgerufene geschmackliche
Veränderungen aber für die Würze von nachteiligem
Cinfluß sein können.
Ist also schon für diese Verwendungszwecke die
biologische Beschaffenheit des Wassers nicht ganz
gleichgültig, so müssen in dieser Hinsicht die
höchsten Anforderungen gestellt werden an ein

Die Würze, .
lie das Sudhaus in keimfreiem Zustand verläßt, ist
vreits auf ihrem Wege bis in den Gärkeliler einer
veihe von Gefahren in biologischer Hinsicht ausvesetzt.
 Von einer direkten Gefährdung durch eine
ielleicht nicht genügend gereinigte Ausschlagleitung
;bgesehen, die durch Abtötung der Organismen
lurch die heiße Würze beseitigt wird, ist selbst diese
jefahr nicht zu unterschätzen, .denn stärkere Anaammlungen
 von Verunreinigungen, die sich durch
"rubreste in der Ausschlagleitung bilden können,
/ermögen indirekt gefährlich zu werden dadurch,
laß sie während der Nichtbenützung der Leitung
Irganismen zur Bildung von Fäulnisprodukten,
Säure oder anderen Stoffwechselprodukten Verınlassung
 geben. Diese wieder, in die durchlaufende
Nürze gelangt, sind imstande, deren Anfälligkeit für
lie Entwicklung von Schädlingen auch in dem
;päteren Bier in hohem Grade zu begünstigen.
Eine direkte Beeinträchtigung der biologischen
’erhältnisse der Würze kann erst auf dem Kühlchiff
 Platz greifen, wenngleich, gestützt.durch jahrehntelange
 Erfahrung, sich mehr und mehr die Finicht
 durchgerungen hat, daß, von besonders un-‚ünstig
 gelagerten Fällen abgesehen — es sei nur erınert
 an die oben schon kurz gestreiften Gefahren
lurch die Luft —, die Infektionsgefahr jedenfalls bei
weitem nicht so groß ist, als sie bei der großen Kühl-;chiffläche
 auf den ersten Blick erscheint, Im
jegensatz dazu hat die Erfahrung gelehrt, daß die
Xologischen Gefahren
bei der Verwendung von Kühlschiffersatzapparaten


Wasser, das im Kellerbetrieb

und in allen jenen Teilen des Betriebes Verwendung
Hndet, in denen es mit Würze oder Bier in direkte
Berührung kommen kann. Das gilt also vor allem
für die Verwendung des Wassers zu Reinigungszwecken,
 insbesondere zur Innenreinigung von
Leitungen, Geschirren und Apparaten, für Wasser,
das zum Waschen der. Hefe, der Späne oder Filtermasse
 Verwendung findet, ferner für solches, das als
Vor- und Nachlauf in den Leitungen beim Abfüllen
des Bieres oder zum Nachstechen im Lagerfaß
ryebraucht wird.

Zur richtigen Beurteilung der biologischen Vernältnisse
 eines Wassers müssen wir aber wissen, daß
sein Gehalt an Organismen nicht immer jene Gleichmäßigkeit
 aufweist, die jederzeit eine einwandfreie
Benützung garantiert, denn dieser kann in verschiedener
 Weise nachteilig beeinflußt werden. Ohne
näher auf Einzelheiten einzugehen, sei nur kurz
daran erinnert, daß die Umgebung der Brunnen,
aamentlich in ländlichen Betrieben, dann die Möglichkeit,
 daß Oberflächenwasser in den Brunnen gelangt,
 begünstigt mitunter durch die Witterungsverhältnisse,
 unter Umständen zu einer recht
wechselnden Organismenflora führen kann. Auch
durch die Reserve, wenn diese gegen das Findringen
von Organismen nicht genügend geschützt oder an
uıngeeigneter Stelle aufgestellt ist und nicht von Zeit
zu Zeit einer gründlichen Reinigung unterzogen
wird, kann schließlich noch eine weitere biologische
Verschlechterung des Wassers eintreten.
Neben diesen verschiedenen Biologischen Gefahren,
 die dem Brauereibetrieb, soweit eine Inlektion
 von Würze und Bier in Betracht kommt, im
wesentlichen nur indirekt drohen, birgt der Betrieb
eine Reihe von direkten Infektionsmöglichkeiten, die
im folgenden an der Hand des Werdegangs des
Bieres näher beleuchtet werden sollen.

ielfach größer sind als auf dem viel geschmähten
Ühlschiff. Die an sich nicht zu unterschätzenden
jestrebungen, die Kühlschiffwürze durch luftdichten
inbau des Kühlschiffes und Einblasen von keimeier
 Luft in einem möglichst organismenarmen oder
eimfreien Zustand zu gewinnen, sind daher weniger
:om biologischen als vom physikalischen und
värmetechnischen Standpunkt aus zu bewerten, oder
aben nur in solchen Fällen eine größere Bedeutung,
na denen eine ausgesprochene Gefahr durch die das
"ühlschiff umgebende Luft nachgewiesen werden
ann. Außerdem wissen wir, daß die Kühlschiffvürze
 gerade dadurch, daß sie in verhältnismäßig
lünner Schicht auf dem Kühlschiff steht, und so
iner intensiven Sauerstoffzuführ zugänglich ist, in
;»ohem Grade vor biologischen Gefahren geschützt
st, weil gerade die gefährlichen Würzebakterien zu
ien luftscheuen Organismen gehören. Wenn wir
erner berücksichtigen, daß die Gefahr für die Würze
Äigentlich erst beginnt, wenn sie auf eine Temperatur
zesunken ist, die eine Vermehrung ihrer Organismen
;rmöglicht, was in der Regel erst unter 40° der Fall
        <pb n="210" />
        IV., 5. Die biologischen Verhältnisse bei der Bierbereitung., 209
ist, so gibt uns auch diese Erkenntnis wertvolle größeren Möglichkeit von Defekten im Material und
Fingerzeige dafür, wie wir die Infektion der Würze den dieses auskleidenden Schutzschichten ganz abauf
 dem Kühlschiff meistern können. gesehen.
Was schließlich
die Hefte

Größere Gefahren für die Würze liegen im Trub,
der nicht nur selbst durch seine Zusammensetzung
der Organismenentwicklung und Vermehrung Vorschub
 leistet,.sondern durch die Art ihrer Gewinnung
die von ihm eingeschlossene Würze biologisch oft
weitgehend verschlechtert. Die Verwertung der
Trubwürze muß daher mit besonderer Vorsicht geschehen,
 wenn nicht von den Verfahren, sie biologisch
 unschädlich zu machen, entsprechend Gebrauch
 gemacht wird.
Wesentlich größer als die biologische Gefahr auf
dem Kühlschiff pflegt jene zu sein, die der Würze
auf ihrem
Wege von dort zum Gärkeller

betrifft, so wurde bereits eingangs ausgeführt, daß
nan deren biologischem Reinheitsgrad schon von
eher eine besonders große Bedeutung für das bioogische
 Schicksal des Bieres beigemessen hat. Und
venn auch heute noch im Rahmen der biologischen
jetriebskontrolle der Kontrolle der Hefe die größte
\ufmerksamkeit geschenkt wird, so ist dafür die Ertenntnis
 maßgebend, daß die Fremdorganismen, die
n Gesellschaft der Hete auftreten, zum allergrößten
Teil zu den sogenannten bierschädlichen Arten gezören,
 also Organismen sind, die besonders gefährich
 geworden sind dadurch, daß sie die Gärung
lurchgemacht und sich so allmählich an die von der
Tefe gebildeten Stoffwechselprodukte Alkohol und
Cohlensäure gewöhnt haben. Sie sind also leicht im-‚tande,
 in ähnliche Verhältnisse gebracht, sich weiter
x entwickeln und Bierkrankheiten hervorzurufen;
Die in infizierter Hefe liegende Gefahr ist aber nicht
«ur deshalb so groß, weil sie sich unmittelbar im
3ier auswirkt, sondern vor allem deshalb, weil bei
ler Gepflogenheit der Brauereien, sich gegenseitig
nit Hefe zu beliefern, durch sie eine Verschleppung
7»on Bierkrankheiten von Betrieb zu Betrieb etolgen
 kann wie auf keinem anderen Wege. .
Für den Grad der Infektion der Hefe ist eine
veihe.: von Faktoren von ausschlaggebender Beleutung,
 die auch noch kurz gewürdigt werden
nüssen.
Kein Brauer sieht es gern, wenn die Hefe, die
sich nach den Gesetzen der natürlichen Reinzucht
ı1ormalerweise in drei voneinander in der Regel
ziemlich scharf getrennten Schichten absetzt, einen
nehr einheitlichen suppigen Bodensatz im Bottich
ildet. Und das mit Recht, denn die einzelnen
schichten sind nicht nur, wie schon eine oberflächiche
 Betrachtung lehrt, durch einen verschieden
‚ohen Reinheitsgrad ausgezeichnet, sondern auch in
nologischer Hinsicht, also nach ihrem Gehalt an
“remdorganismen voneinander verschieden. Ohne
auf die Gründe dieser Verschiedenheit näher einzugehen,
 sei nur hervorgehoben, daß, wie hinsichtich
 ihrer mechanischen Verunreinigungen, so auch
n biologischer Hinsicht die mittlere Kernheteschicht
lie reinste ist, wenn nicht schon eine stärkere bioogische
 Verunreinigung der Anstellhefe vorgelegen
ı1at. Wer also bei ordnungsgemäßem Absetzen der
Tefe seine Kernhefe sauber vom Vor- und Nachzeug
rennen kann, hat daher in der Regel schon eine gevisse
 Gewähr dafür, daß seine Hefe auch biologisch
einer sein wird, als wenn er die suppige, mit dem
/or- und Nachzeugzg und dessen Organismen verdroht,

 und die selbst eine keimfreie Würzegewinnung
auf dem Kühlschiff illusorisch machen kann. Diese
Gefahr steigert sich in demselben Maße, in dem die
Leitungen aus Schläuchen bestehen, deren Reinhaltung
 oft durch fehlerhafte Behandlung außerordentlich
 erschwert wird. Bei der Beurteilung der
Größe dieser Infektionsgefahr dürfen wir allerdings
nicht vergessen, daß wir sie nicht ausschließlich nach
dem zahlenmäßigen Gehalt der Würze an Orgaaismen
 bewerten dürfen, sondern vor allem auch
deren Art weitgehend berücksichtigen müssen, denn
gerade die in Würzeleitungen sich findenden Organismen
 gehören zumeist Arten an, die zwar in
Würze verhältnismäßig günstige Entwicklungsbedingungen
 finden, aber durch die Tätigkeit der
Hefe unterdrückt oder bekämpft, für das spätere
Bier meist ohne größere Bedeutung sind. Grundbedingung
 dafür ist allerdings nicht nur, daß die Hefe
gärtüchtig, sondern auch selbst in einem biologisch
sinwandfreien Zustand ist und der Würze im Gärkeller
 rechtzeitig zugesetzt wird. Denn auch in einer
biologisch reinen Würze nehmen die immer, wenn
auch nur in geringer Menge vorhandenen Bakterien,
wenn sie nach der Füllung des Bottichs nur kurze
Zeit steht, rasch überhand, so daß unter Umständen
auch eine noch so gärtüchtige Hefe ihren Ansturm
nicht mehr zu bewältigen vermaer.

Auch die Bottiche,
die die Würze aufzunehmen haben, bilden ein neues
Gefahrenmoment in biologischer Hinsicht, das in
einem gewissen Verhältnis steht zur Art des Bottichmaterials,
 je nachdem dieses die Reinigungsmaßnahmen
 mehr oder weniger begünstigt. Holzgefäße
bieten in dieser Hinsicht, da sie der Reinigung und
Reinhaltung immer größere Schwierigkeiten bereiten,
 weniger Gewähr als Metallgefäße, von der
Die deutsche Brauindustrie der Gerenwart.
        <pb n="211" />
        210 Prof, Dr, Hans Schnegg, Weihenstephan:
GN m LE CA VNA
unreinigte Hefe im ganzen gewinnen und wieder verwenden
 muß. Nun läßt sich allerdings wie von den
rein mechanischen Verunreinigungen die Hefe durch
Waschen in gewissem Grade auch von ihren biölogischen
 Schädlingen befreien. Aber auch diese
Reinigungswirkung wird um so vollkommener sein,
je organismenärmer die Hefe von Haus aus schon
war. Daraus ergibt sich aber auch für die Beurteilung
 der biologischen Verhältnisse einer Hefe,
daß selbst bei einwandfreier Gewinnung die gewaschene
 Hefe jener im ungewaschenen Zustand in
der Regel überlegen sein wird.
Wenn die Hefe nicht‘ unmittelbar nach dem
Waschen wieder verwendet wird, sondern längere Zeit
aufbewahrt werden muß, so ist sie auch dabei wieder
Gefahren ausgesetzt, die nachteilig für ihren biologischen
 Zustand werden können. Von der biologischen
 Beschaffenheit des zum Aufbewahren beaützten
 Wassers ganz abgesehen, kann zu langes
Verweilen im Wasser, namentlich aber, wenn dessen
Temperatur nicht möglichst niedrig gehalten wird,
lie Hefe sowohl in biologischer wie gärungstechaischer
 Hinsicht schädigen. Selbst die Aufbewahcung
 der Hefe in gepreßtem Zustand setzt sie nicht
über biologische Gefahren hinweg, wenn nicht auch
dabei mit besonderer Sorgfalt durch möglichsten
Luftabschluß und niedrige Temperatur eine Weiterentwicklung
 etwa in ihr vorhandener Organismen
ıntangehalten wird.
Auch Degeneration oder Entartung der Hefe kann
sich, wenn auch nicht unmittelbar, so doch indirekt,
in biologischer Hinsicht nachteilig für das Bier auswirken,
 indem die geringere gärungstechnische
Leistung einer solchen Hefe die Entwicklung von
Schädlingen und ihr Überhandnehmen in der gärenden
 Würze leicht zu begünstigen vermag.
Hat die Würze im Gärbottich die Gärung glücklich
 überstanden, so ist

xeller fördernden Bierpumpe infolge ihrer erchwerten
 Reinigungsmöglichkeit eine weitere Inektionsquelle
 gegeben. Die größere biologische Betjeutung
 der Kellerleitungen liegt aber weniger in
jesen rein äußerlichen Verhältnissen, sondern vor
ıllem darin, daß, den besonderen Bedingungen entprechend,
 die in den Kellern herrschen, namentlich
ıer niedrigeren Temperatur, die Organismenflora, die
‚ich in ihnen ansiedelt, wesentlich verschieden ist von
ener der Würzeleitung. Die dort die Hauptmasse
larstellenden harmloseren Bakterienarten fehlen
ler meist vollständig, dagegen machen sich
I)rganismen, die sich allmählich an das die Leitungen
‚assierende Bier gewöhnt haben, wie Säurebakterien,
Sahm- und andere wilde Hefen, also vorwiegend
‚jerschädliche Arten, breit, die auch schon in geinger
 Menge erheblichen Schaden zu stiften vernögen.


Ja, selbst im Lagerfaß ;
ı1at das Bier noch keinesfalls seine Ruhe vor bioogischen
 Einflüssen, die seinen Zustand noch dort
‚;efährden können. ' Schon der Reinheitszustand des
'aßzeuges, der je nach dem Material der Reinigung
gewisse Schwierigkeiten bereitet, deren Kontrolle
ber hier durch den geschlossenen Zustand der
‚agerfässer wesentlich mehr erschwert ist, als bei
‚ffenen Bottichen, kann das Schicksal des fertigen
3ieres weitgehend beeinflussen. Schlechte Pechschicht,
 Undichtheiten, wie sie durch fehlerhafte
)auben, am Spundloch oder den Spundapparaten
‚orhanden sein können, begünstigen einerseits das
Ändringen von Fremdorganismen, andererseits
&amp;lt;Önnen sie indirekt durch das Entweichen der für
lie Konservierung des Bieres und für die UnterlIrückung
 von Fremdorganismen so wichtigen
Kohlensäure schwerwiegende biologische Folgen für
las Bier haben. Auch stark wechselnde oder längere
Zeit zu hoch gehaltene Lagerkellertemperatur kann
ler Entwicklung von Bierschädlingen im gelagerten
3ier in hohem Grade Vorschub leisten.
Viel zu wenig wird auch noch beachtet, daß das
3ier, das man unter Aufbietung aller möglichen
/orsichtsmaßregeln bis zum Lagerfaß und in diesem
or Infektionen zu bewahren versucht hat, in bio-&amp;gt;gischer
 Hinsicht noch nicht vollkommen gesichert
st, bis es. in die Hände der Verbraucher gelangt.
Nas für die Leitungen vom Gär- zum Lagerkeller
)jereits gesagt wurde, gilt hier in erhöhtem Maße,
veil namentlich die. in die Abfülleitung eingebauten,
‚omplizierten und eine biologisch genügende Reinaaltung
 zum Teil sehr erschwerenden Apparate, wie
/erschneidbock, Druckregler, Filter und Abfüllıpparate
 und die sie verbindenden Schläuche das
3ier auf seinem letzten Gang aus der Brauerei noch
Hologisch schädigen können. Auch die biologische
veinheit der Filtermasse spielt dabei vielfach eine

das Jungbier beim Fassen
auf seinem Wege vom Gär- zum Lagerkeller von
weiteren Schädigungen biologischer Art . bedroht.
Diese Infektionsgefahr ist um so höher zu bewert@n,
als das Bier in einem gewissen Reifezustand den Finflüssen
 schädlicher Organismen mehr ausgesetzt ist,
als die unvergorene oder gärende Würze, weil die
Hefe, die dem Überhandnehmen dieser Schädlinge
wirksam entgegenarbeiten konnte, jetzt schon zum
größten Teil zur Ausscheidung gekommen ist. Was
für die Leitung vom Kühlschiff zum Gärkeller bereits
oben gesagt wurde, gilt in erhöhtem Maße für jene,
die den Gärkeller mit dem Lagerkeller verbindet, besonders
 auch von dem Gesichtspunkt aus, daß hier
vielfach die biologisch ungünstigeren Schlauchleitungen
 in größerem Umfange verwendet werden
müssen, Außerdem ist in der das Bier in den Lager-
        <pb n="212" />
        IV., 5. Die biologischen Verhältnisse bei der Bierbereitung. 211
sehr große Rolle. Daß selbst bei biologisch voll- rebräuchlichen Faßwaschmaschinen erzielt wird,
kommen einwandfreier Filtermasse 'eine biologische verglichen mit der Sorgfalt, die man dem Bier in
Verschlechterung des Bieres zuweilen dadurch ein- ıologischer Hinsicht während seines ganzen Werdetritt,
 daß die einen gewissen biologischen Schutz yanges im Betrieb hat angedeihen lassen, allen
bildende Kulturhefe leichter entfernt wird, als die oft iiesen Bestrebungen geradezu Hohn spricht. Die
kleineren wilden Hefen und vor allem die Bakterien, F’atsache,. daß ein Bier, vom Lagerfaß gezwickelt
darf auch nicht unberücksichtigt bleiben. Schließlich der vom Abfüllbock entnommen, oft eine viel
verdient auch noch darauf hingewiesen zu werden, »essere Haltbarkeit aufweist, als nach dem Abfüllen
daß beim Abfüllen aus diesem oder jenem Grunde ns Faß, ist neben anderen äußeren Faktoren vielsintretende
 Kohlensäureverluste, wie schon bei der ‘ach nur auf den mangelhaften biologischen Rein-Besprechung
 der Verhältnisse auf dem Lagerfaß her- leitsgrad der Fässer zurückzuführen.
vorgehoben, indirekt auch hier noch einen nach- Daß das Bier, wenn es die Brauerei verlassen hat,
ieiligen Einfluß auf die Haltharkeit des Bieres bei qyrch fehlerhafte Behandlung bei den Wirten oder
den Wirten oder Konsumenten ausüben. &amp;lt;onsumenten noch weiter Schaden nehmen und in
Am meisten verkannt wird heute noch der Finfluß, seiner Haltbarkeit beeinträchtigt werden kann, soll,
der durch veil außerhalb der Brauerei liegend, nicht mehr
, , ; , veiter erörtert werden.‘ Ebenso würde es’ den
die verschiedenen Arten von Transportgeschirren, Zahmen des zur Verfügung stehenden Raumes weit
wie Fässer und Flaschen, in biologischer Hinsicht auf iberschreiten, würde auch auf die Schäden selbst,
das Bier ausgeübt wird. Wenn es auch heute-schon lie Unkenntnis oder Unachtsamkeit in biologischer
gelungen ist, durch die Konstruktion einwandfrei diinsicht dem Bier zufügen können, eingegangen
arbeitender Flaschenreinigungsmaschinen den Zu- verden. Die vorstehenden Ausführungen dürften
stand der Flaschen in biologischer Hinsicht so uch den biologischen Dingen Fernerstehenden zum
günstig zu gestalten, daß von einer ernsten Ge- 3ewußtsein gebracht haben, daß es bei der Menge
fährdung des Bieres durch sie nicht mehr die Rede on biologischen Faktoren, die das Bier während
sein kann, wenn sonst das Bier in biologischer Hin- eines ganzen Herstellungsprozesses bedrohen, einer
sicht befriedigt, so liegen diese Verhältnisse bei den ‚orgfältigen biologischen Kontrolle ebensosehr be-Bierfässern
 noch sehr im argen. Es muß auch an larf, wie einer Kontrolle in anderer Hinsicht, wenn
dieser Stelle hervorgehoben werden, daß der bio- der Brauer ein Produkt liefern will, mit dem er
logische Reinleitsgrad, der auf den heute allgemein selbst und seine Kundschaft zufrieden sein soll.
        <pb n="213" />
        6, Die Nebenprodukte der Bierbrauerei.
Von Professor Kurt Trautwein, Weihenstephan.

Beim Mälzerei- und Brauprozeß fallen eine Reihe
von Nebenprodukten an. Als solche sind in erster
Linie zu nennen: Malzkeime, Malzauspütz, Biertreber,
 ausgebrauter Hopfen, Hefe und Kohlensäure.
Sie stellen zum größten Teil hochwertige Genuß-,
Nähr- und Futtermittel dar, zum Teil finden sie in der
Therapie und zu anderen Zwecken Verwendung. Wie
groß ihre wirtschaftliche Bedeutung ist, geht allein
aus der Tatsache hervor, daß in jüngster Zeit in fast
allen bierbrauenden Ländern industrielle Anlagen entstanden
 sind, die sich mit großem Erfolg mit der Verarbeitung
 und Veredelung dieser Produkte beschäftigen.
 Im folgenden soll versucht werden, einen
kurzen Überblick über das Wesen und den Wert
lieser Produkte zu geben.

Malzkeime. -
Die gekeimte Gerste wird bei der Malzbereitung auf
ler Malzdarre getrocknet. Die zarten Würzelchen
des Keimlings fallen dabei von selbst ab oder werden
2achträglich in geeigneten Apparaten entfernt, gesammelt
 und kommen allein oder auch vermischt mit
anderen Malzabfällen als Futtermittel in den Handel.
Je nach der Art des hergestellten Malzes ist ihre
Yarbe heller oder dunkler und ihr aromatischer Geruch
 schwächer oder stärker. Am geschätztesten sind
m Handel Malzkeime von möglichst heller Farbe, da
sie nährstoffreicher und verdaulicher sind als dunkle,
stark erhitzte. |
Mit Vorliebe werden sie wegen ihrer anregenden
Wirkung als Kraftfuttermittel an Milchkühe verjüttert,
 denen man bis zu 3 kg pro Tag und Kopf, am
vesten eingeweicht, verabreicht. Auch werden sie
mit großem,wirtschaftlichem Erfolg bei der Mast von
Rindern, Ochsen und Schweinen angewendet. Schafen
und Pferden reicht man sie trocken.
Man findet in den gedörrten Malzkeimen durch-Schnittlich
 22—25 % Rohprotein, 1—2 % Fett, 40 bis
15 % stickstoffreie Extraktstoffe, 12—13 % Rohfaser,
 7—8 % Aschebestandteile und 10—12 %
Wasser. Der Stärkewert beträgt 42. (Unter Stärkewert
 eines Futtermittels versteht man die Zahl, die
den Nährwert des Futtermittels angibt, wenn der
Nährwert von wasserfreiem Stärkemehl == 100 gesetzt
 wird.)
Der physiologische Wert der Keime liegt in dem
hohen Gehalt an Eiweiß und Kohlehydraten, daneben
xommt ihnen, wie schon erwähnt, eine diätetische
Wirkung zu. Die graphische Darstellung der Abbildung.

 1 gibt uns ein Bild vom Nährwert der Malzkeime.
 Er ist verglichen mit dem der Weizenkleie,
aäinem anderen hochwertigen Kraftfuttermittel.

1
Malckpm


&amp;amp; 1
Weizankleie
Yıllnep)

II AEG
ES kohfaser
SS
Rohfett
ZZ Rohprotein
CD wasser

"5

“YO 80 60%

Ähh.

Unter Zugrundelegung eines Marktpreises von
3,50 RM. pro 100 kg hat Mach berechnet, daß bei
ler Verwendung von Malzkeimen die Stärkewert-:inheit
 24,1 Pf. und 1 kg Eiweiß 49,5 Pf. kostet. Die
ntsprechenden Werte für Weizenkleie sind 37,6 bzw.
%,2. Daraus geht hervor, daß die Keime nicht nur
in gutes, sondern auch ein sehr preiswertes Futternittel
 darstellen. So erklärt sich auch die lebhafte
Jachfrage nach ihnen von seiten der Landwirte.
Die Malzkeime finden seit Einführung des sogeı1annten
 Lüftungsverfahrens auch ausgedehnte Anvendung
 bei der Hefefabrikation. Sie werden dort
ler Maische zugegeben und sind wegen ihres hohen
3iweiß- und Salzgehaltes als treffliches Nährmittel
ür die Hefe sehr geschätzt. Dazu kommt, daß durch
lie Zugabe der sperrigen Keimlinge sich die Würzen
eichter abläutern lassen.
In letzter Zeit sind auch Nährpräparate mit einem
Aalzkeimgehalt für den menschlichen Genuß auf den
Markt gekommen. (Materna, Alentina usw.) Nach
len Versuchen von Rubner und Schittenhelm werden
lie Malzkeime vom menschlichen Organismus in
"ombination mit Hefemehl vorzüglich vertragen.
Durch die Mälzereien werden jährlich riesige Mengen
ıieses wertvollen Futtermittels an die Landwirtschaft
ibgegeben. Im Jahre 1928 wurden in Deutschland
schätzungsweise rund 12 Millionen Doppelzentner
jerste zu Malz verarbeitet. Nimmt man an, daß im
)urchschnitt an Malzkeimen 5% des Gerstenzewichtes
 anfallen, so betrug im genannten Jahre die
jesamtgerstenmalzkeimproduktion 600 000 Doppel-‚entner.
 Dieselbe stellt einen Wert von 8,1 Mill. RM.
lar unter Annahme eines Preises von 13,50 RM. pro
00 ke.
        <pb n="214" />
        {V., 6. Die Nebenprodukte der Bierbrauerei. 213
- . NENNEN X EEE
Malzausputz. Jerinnen wieder unlöslich geworden ist und sich als
Unter der Bezeichnung Malzausputz, Malzabfall, Schlamm (Oberteig) mit den Trebern abgesetzt hat.
Malzpolierabfall, Malzpolierstaub oder Malzstaub ie Mengen der einzelnen Bestandteile der Treber
versteht man den Abfall von der Malzputzerei, der "Vechseln natürlich in gewissen Grenzen nach der Bein
 der Hauptsache aus Gerstenspelzen, mehr oder Chaffenheit des Malzes, nach dem Maisch- und Abweniger
 Malzbruch, Malzmehl besteht; vereinzelt uterungsverfahren. Man kann annehmen, daß im
kommen in ihm auch ganze Malzkörner und etwas Mittel. vom eingemaischten Malz in den Trebern
Malzkeime vor. Vielfach wird dazu noch der ’Wrückbleiben: % der Trockensubstanz, % des Roh-Gerstenausputz,
 bestehend aus Unkrautsamen, Droteins, % des Rohfettes, % der stickstoffreien
Gerstengrannen, Gerstenspindeln usw. gemischt. “xtraktstoffe und % Ger (esamtasche,
Der Malzausputz kann daher sehr verschieden zu- Die durchschnittliche Zusammensetzung der
. . Trebertrockensubstanz ist folgende:
sammengesetzt sein, je nachdem der eine oder der .
andere Bestandteil überwiegt. Im Durchschnitt hat "kg KO N
er einen Gehalt von 12 % Protein, 50—55 % stick- Stickstoffreie Extraktstoffe ; 47,9%
stoffreien Extraktstoffen und 2 % Fett. Rohfaser . ........ . 185%
Aschebestandteile . 2. 2. 30%

Er hat also einen verhältnismäßig großen Nährwert,
 kommt aber wegen seines hohen Spelzengehaltes’
 lediglich als Rauhfutter in Betracht. Als
solches kann es in seinem Werte mit gutem Wiesenheu
 verglichen werden. Vorwiegend wird der Ausputz
 an Rindvieh, aber auch an Pferde verfüttert.

Ma!-(na:


1" &amp;gt;s@nhe
"| Kallnan)

m

ıh3h

Abbildung 2 ermöglicht einen Vergleich des Futterwertes
 von Malzausputz mit dem von gutem
Wiesenheu.
Biertreber.
Bei der Bereitung der Bierwürze wird bekanntlich
das geschrotete Darrmalz mit erwärmtem Wasser
eingemaischt. Durch die Wirkung der im Malze
vorhandenen Diastase wird dabei in erster Linie die
Malzstärke in Maltase‘ und Dextrin übergeführt.
Nach Beendigung der Verzuckerung wird der erhaltene
 Malzauszug, die Würze, durch Abläutern von
den ungelösten Teilen des Malzes getrennt und mit
Nachgüssen von Wasser ausgewaschen. Der übrigbleibende
 Rückstand stellt die Biertreber dar.
Von den Bestandteilen des Darrmalzes gehen nach
der Würzegewinnung in die Treber über:
Sämtliche Spelzen, von den Kohlenhydraten insbesondere
 das nicht aufgeschlossene Stärkemehl und
schwer lösliche Körper, nahezu alles Fett, und von
den Eiweißkörpern der in Wasser unlösliche Anteil
und derienige Teil des löslichen Fiweißes, der durch

Ihr Wassergehalt ist rund 75 %, ‚Der Stärkewert
vird zu 12,2 angegeben, die Verdaulichkeit ist beriedigend.

Auf Grund der Zusammensetzung eignen sich die
Treber vorzüglich als Viehfutter. Die frische, möglichst
 noch warme Ware ist ein begehrtes Futtermittel
 für Rindvieh, besonders für Milchkühe, denen
man 10—20 kg pro Tag und Stück mit Spreu oden
Häcksel vermischt geben kann. Auch für Mastrinder
ınd Schweine sind sie sehr geeignet, dagegen sind
sie für Pferde und Schafe wegen ihres hohen Wassergehaltes
 weniger zu empfehlen.
Die nassen Treber sind nur sehr kurze Zeit haltbar,
sie beginnen hauptsächlich im Sommer sehr schnell
zu gären und werden unbrauchbar. Man versucht
laher, dieselben zu konservieren. Das älteste Verahren
 war das Einsalzen mit Kochsalz und Finstampfen
 in Gruben, doch brachte das Verfahren
licht den gewünschten Erfolz. Man unterwarf die
Treber auch der künstlichen Finsäuerung nach Art
ler Silofutterbereitung. Die Treber wurden zu
liesem Zwecke mit Milchsäurebakterien geimpft und
ler Säuerung überlassen. Es entstanden dabei aber
jeträchtliche Substanzverluste (4—5 %) und außerlem
 beobachtete man, daß das Vieh die sauren
Treber nur in geringen Mengen vertrug. Nach
4. Stouffs gelingt die Konservierung bis über zehn
Wonate durch Anfeuchten mit verdünnter Salzsäure.
Man verwendet dabei auf 1000 kg Futtermasse 1 kg
j3prozentige rauchende Salzsäure, die in 200 1
Vasser gelöst wird.
Ein weit besseres Verfahren ist das Trocknen,
vobei die Treber bis auf 7—10 % Wasser entwässert
ınd so unbegrenzt haltbar werden. Man verwendet
Jazu am besten kontinuierlich arbeitende Trockenrommeln
 oder Muldentrockner.
Im Prinzip bestehen die Trockentrommeln aus
nnen geheizten rotierenden Trommeln, deren äußere
*äche die Heizfläche ist. Das Trockengut wird auf
        <pb n="215" />
        24
diese Fläche aufgetragen, die Trommel dreht sich
weiter, und inzwischen trocknet die Substanz aus.
ıhre Anschaffungskosten sind sehr hoch, so daß
meistens Muldentrockner verwendet werden. Der
Trockenapparat besteht hier aus einer beheizbaren
Mulde, in welcher ein Bündel Dampfrohre mit
Schaufeln rotiert. Die Heizrohrbündel werden
:jeselnd mit den Trebern bestreut, die eingebauten
Schaufeln besorgen das Mischen und Fortbewegen.
Jer Kraftverbrauch ist sehr gering.
Die Trockentreber besitzen ungefähr dieselbe Zusammensetzung
 wie die Trockensubstanz der
ieuchten Treber, nur daß der Wassergehalt etwa
7—10 % beträgt. Ihr Stärkewert ist 50,3. Die Verdaulichkeit
 ist um so höher, je niedriger die Temperatur
 war, bei der die Treber getrocknet worden
sind. Die mit direkten Feuergasen erhitzten und
stark dunklen Biertreber sind weniger wert wie die
aellen, bei niedriger Temperatur getrockneten.
An gute Trockenware sind folgende Anforderungen
zu stellen:
Biertreber sollen bei mäßiger Wärme getrocknet und frei
/on brenzligen, angebrannten, kohligen Teilen sein.
Sie sollen einen an Stroh erinnernden Geruch haben und,
mit lauwarmem Wasser angerührt, weder sauer noch schimmelig
 riechen. Mit sterilem Wasser angefeuchtet dürfen sie
bei Brutwärme keine Neigung zur Wucherung von Schimmel-»pilzen
 und Bakterien zeigen und müssen geruchlos bleiben.

Prof. Kurt Trautwein, Weihenstephan:
ANSTATT HA

lie chemische Beschaffenheit derselben in Vergleich
zebracht ist mit Iufttrockenem Hafer.
Der Anfall! von Biertrebern ist ein gewaltiger,
Jehmen wir zur Zeit für Deutschland nur eine jährıche
 Biererzeugung von 55 Millionen hl an und
echnen wir auf 100 hl Bier 636 kg Trockentreber,
;o beträgt die jährliche Produktion an getrockneten
rebern rund 3500000 Doppelzentner. Sie verkörpern
inen Wert von 56 Millionen RM.
Hopfentreber.
Nach dem Abläutern wird die Würze mit Hopfen
‚ekocht. Derselbe verleiht dem Bier den aromaischen
 Geschmack, wirkt klärend und macht es
viderstandsfähig gegen Infektionen. Nach bendigtem
 Kochen wird der Hopfen durch den sogeannten
 Hopfenseiher wieder in Form von Hopfenvebern
 entfernt.
Der ausgebraute Hopfen wird gerne als Düngernittel
 verwendet. Er wird, mit frischem Stalldünger
rermischt, zum Verrotten gebracht oder namentlich
a Gärtnereien in schwere kalte Lehmböden hinein-‚earbeitet,
 die er lockerer und wärmer macht.
JYamentlich leistet er gute Dienste im Mistbeet, wo
r das Aufkommen des so gefürchteten Mistpilzes
zarhindert.
Neuerdings finden aber auch die Hopfentreber, in
rischem und getrocknetem Zustand, als Futtermittel
/erwendung. In Zusammensetzung und Verdaulich-&amp;lt;eit
 sind sie geringem Wiesenheu gleichwertig, wie
aus Abbildung 4 hervorgeht.

Die getrockneten Biertreber lassen sich als Futtermitte]
 für alle Tiere verwenden. An Kühe und Mastrinder
 gibt man pro Tag und Kopf 2—3 kg, an Mastschafe
 bis 0,5 kg, schwach angefeuchtet in Mischung
nit Häcksel, Spreu oder Wurzelfrüchten. Auch die
&amp;gt;ferde nehmen die getrockneten Biertreber gerne.
Man kann die Hälfte des Hafers durch sie ersetzen.
Als Schweinefutter sind sie weniger beliebt, sie
verden von diesen Tieren auch schlecht ausgenützt.
Nach Mach kostet bei Verfütterung der getrockneten
 Biertreber, unter Annahme eines Marktareises
 von 16 RM. pro 100 kg, eine Stärkewertsinheit
 31,8 Pf. und 1 kg Eiweiß 50,5 Pf. Die entsprechenden
 Zahlen für Hafer betragen 37,7
zw. 136,1.
Über die Hochwertigkeit der getrockneten Bier-'reber
 gibt am besten Abbildung 3 Aufschluß, bei der

m
ns Wiesenheit
+4 Keflner)|

E60

0 30 HO

8 80T

4hb.

Die Hopfenrückstände haben wohl einen stark
xitteren Geschmack, werden aber sowohl von Rindvieh
 wie auch von den Pferden in nicht zu großen
Mengen ohne Widerwillen gefressen. Sie sollen
sogar eine appetitanregende Wirkung ausüben. Am
besten gibt man sie den Tieren vermengt mit Melasse.

1 M
pn
Tampa,

Hefte.
Ein sehr wertvolles Nebenprodukt der Brauerei ist
lie Hefe. Bei der Vergärung der Würze entwickeln
sich davon große Mengen. Sie setzen sich am Boden
les Gärbottichs ab (Untergärung) oder werden nach
»ben ausgeschieden (Obergärung). Von diesen Hefen

A E60 50 HH

x

“a”

2 20 280 A

1 bh.
        <pb n="216" />
        IV., 6. Die Nebenprodukte der Bierbrauerei, 215
kommt nach vollendeter Gärung nur ein Teil wieder Chemische Zusammensetzung von Hefe,
als Gärmittel für neue Würze in Verwendung, ein Trockene Bierhefeanderer
 beträchtlicher Teil wird in der Brauerei nicht (nach M. Kling)
mehr benötigt. Die Menge der von den deutschen
Brauereien im Überfluß erzeugten Bierhefen kann
zur Zeit auf 30 Millionen kg (abgepreßt) geschätzt
werden.
Diese Hefe lief früher als ein nicht verwertbares
Abfallprodukt in die Abwasserkanäle. Nur ein verschwindend
 kleiner Teil wurde zum Backen verwendet.
 Mit der Entwicklung der Preßhefeindustrie
ging aber der Verbrauch von Bierhefe zu Backzwecken
 mehr und mehr zurück. Die Zurückdrängung
 ist auf die unbestreitbaren Vorzüge der
Preßheie im Backverfahren zurückzuführen. Einfache
Backwerke lassen sich zwar auch mit frischer Bierhefe
 in durchaus zufriedenstellender Qualität herstellen,
 doch bei der Bereitung feinen Gebäckes erweist
 sich die Preßhefe als weit überlegen.

Heute ist die Brauereihefe ein sehr geschätztes
Nebenprodukt geworden. Man hat den qualitativ und
quantitativ hohen Nährwert der Hefe erkannt und sie
der Ernährung von Mensch und Tier zugeführt. Sie
Ändet Verwendung als hochwertiges Viehfutter, naß
oder getrocknet, sie ist in getrocknetem Zustand oder
in Form von Extrakten nicht nur ein begehrtes Nährund
 Genußmittel für den Menschen geworden,
sondern wird: auch infolge der ihr eigenen Heilwirkungen
 zu pharmazeutischen Präparaten verarbeitet.

Die Hefe ist so begehrenswert geworden, weil sie
besonders reich an Eiweiß ist, jenem physiologisch
und wirtschaftlich gleich wertvollen Stoff, und weil
sie einen großen Reichtum an Vitaminen aufweist,
deren Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit für die
menschliche und tierische Ernährung die Forschung
der letzten Jahre aufgezeigt hat. Nachfolgende
Tabelle gibt uns Aufschluß über die Zusammensetzung
 frischer und getrockneter Hefe, In Abbildung
 5 ist die getrocknete Hefe verglichen mit

Trocke
nach X

pp

» © Km)

BD

Dh

Kalbfleisch. Abbildung 6 zeigt uns, wie sich der
Eiweißgehalt verschiedener Nahrungs- und Futtermittel
 zu dem von Trockenhefe verhält.

1b. 6.

Die Hete als Viehfutter.
Die Bierhefe wird sowohl in frischer, nasser Form
ıls auch getrocknet verfüttert. Frische Hefe hat eine
sehr eng begrenzte Haltbarkeit und kann daher mit
/orteil nur in der Nähe des Produktionsortes als
7*uttermittel in Betracht kommen. Sie ist vor ihrer
Verwendung abzukochen. Die Hefezellen müssen
ıbgetötet werden, damit sie im Organismus des
Tieres nicht nachträglich Gärungserseheinungen hervorrufen.
 Sie eignet sich in erster Linie für die
Schweinemast. Man gibt zweckmäßig je nach Gewicht
 des Tieres (15—90 kg) 1—3 kg pro Kopf und
Tag und kocht sie zusammen mit Kartoffeln. Auch
ür Rindvieh ist sie zu verwenden in täglichen Gaben
‚on 15—20 kg für ein Stück. Die Tiere verweigern
ınfangs das eigenartig riechende und bitter
schmeckende Futter, fressen es aber später nach Gewöhnung
 sehr gern.
Wie schon erwähnt, ist frische Hefe leicht verderblich,
 sie wird daher zur Konservierung am besten getrocknet.
 In diesem Zustand ist sie, eine sachgemäße
Lagerung vorausgesetzt, fast unbeschränkt haltbar.
Zur Trocknung benützt man hauptsächlich Trommeltrockenapparate,
 die mit Dampf von 2,6 Atm. bzw.
138° C geheizt werden. Mehrere derartige Spezial-Mefetrocknungsapparate,
 die alle vorzüglich arbeiten,
sind auf dem Markte. Die Hefe kommt aus den Anlagen
 in Form von dünnen, gelblichbraunen Blättchen,
die sich durch angenehmen, brotartigen Geruch auszeichnen.
 Sie wird unter den Namen: Getrocknete
Bierhefe, Trockenhefe gehandelt.
Die getrocknete Bierhefe hat sich als Futtermittel
‚ür alle Tiere gut bewährt, besonders geeignet ist sie
als Schweinefutter. Man gibt diesen Tieren je nach
Gewicht (15—90 kg) 150—600 x Trockenhefe pro
        <pb n="217" />
        216 Prof. Kurt Trautwein, Weihenstephan:
Tag und Kopf, am besten mit gekochten Kartoffeln
ınd etwas Gerstenschrot angebrüht. Mit Hefe er-1ährte
 Schweine zeichnen sich durch gute Fleischqualität
 aus. Milchkühen reicht man täglich 1—32 kg.
Der Fettgehalt der Milch wird dadurch erhöht. Im
Gemenge mit stärkehaltigen Produkten kann die
Trockenhefe bei Pferden bis zur Hälfte die Haferration
 ersetzen. So sind z. B. 150 g Trockenhefe und
700 g. Trockenkartoffeln 1 kg Hafer gleichzustellen.
Endlich kann man getrocknete Hefe auch als Futtermittel
 für Schafe in Mengen von 300 g pro Tag und
Stück und als Geflügelfutter, zusammen mit gezochten
 Kartoffeln, verwenden.
Die Hefen, Naß- und Trockenhefen, sind sehr leicht
verdaulich. Von dem hohen Eiweißgehalt werden
3ach Völtz von Pferden, Schafen, Schweinen im
Durchschnitt 88 %, von Hammeln sogar 95 % verlaut,
 die stickstoffreien Extraktstoffe sind zwischen
76 und 100 % verdaulich. Eine laxierende Wirkung
st nicht zu befürchten.

‘eitung von Suppen aller Art, von Tunken, Gemüsen,
Cartoffelspeisen, Nudeln, zur Herstellung von Keks,
ı1ahrhaften Schokoladen usw. verwendet werden. Ein
rroßer Vorzug liegt in der fast unbegrenzten Halt-‘arkeit,
 eine Eigenschaft, die die Nährhefe für- die
/erpflegung von Expeditionen usw. besonders ge-:ignet
 macht.
Jurch die Trocknung in den verhältnismäßig hoch
;rhitzten Trockentrommeln verändern sich natur-‚emäß
 manche Bestandteile der Hefe. Will man
dieses verhindern und insbesondere die Hefe lebend
rhalten, was für die pharmazeutischen Hefepräparate
ijelfach erwünscht ist, so wird die Trocknung bei
edrigen Temperaturen (35'—45° C) mit oder ohne
“akuum vorgenommen. Solche Hefepräparate sind
inter den verschiedensten Namen im Handel. Sie
verden vielfach von Ärzten verordnet als Heilmittel
v‚egen Hautkrankheiten aller Art, insbesondere
*urunkulose und Akne, außerdem auch gegen Tuber--ulose,
 Diabetes, Gonorrhoe, Skorbut, Brandwunden
ısW. Die Wirkung ist nach Auffassung verschiedener
\utoren eine bakterizide,
Hierher gehören auch die Vitamin-Hefepräparate.
‚üch bei ihnen muß darauf gesehen werden, daß die
fefezellen bzw. die in denselben sich befindlichen
/itamine bei der Trocknung möglichst geschont
werden. Zahlreich sind auch die Versuche, die man
nachte, um mittels Hefe Fisen, Arsen usw. dem
Organismus in möglichst aufnahmefähiger bekömmicher
 Form zuzuführen.

Hefe für die menschliche Ernährung.
Der große Nährwert der Hefe und nicht zuletzt
ihr auffallender Reichtum an Vitaminen hat dazu ge-‚ührt,
 die Hefe auch als Nähr- und Heilmittel für
Menschen zu verwenden. Ihr würziger Geschmack
gab: Veranlassung, aus Hefen Extrakte herzustellen,
die den bekannten Fleischextrakten fast ebenbürtig
 sind.
Als Nährhefe kommt ausschließlich Trockenhefe in
Frage. Zu ihrer Herstellung wird die beste Kernhefe
verwendet. Die der Hefe eigenen bitteren Stoffe
werden durch öfteres Waschen entfernt. Man verwendet
 dazu 1l%prozentige Sodalösung oder einprozentige
 Ammoniumkarbonatlösung, auch noch
andere Mittel sind hierfür im Gebrauch. Nach Auswaschung
 der Lösungen mit Wasser wird die Hefe
durch Dämpfen abgetötet und in Apparaten, wie sie
für Futterhefen verwendet werden, getrocknet. Die
Trockenhefe kommt als lichtbraunes Pulver von angenehmem
 Geruch und Geschmack in den Handel.
Ihre Zusammensetzung ist ähnlich der Trockeniutterhefe,
 Die Verwertung der Nährhefe durch den
menschlichen Organismus ist eine sehr gute. Baudrexel
 konnte feststellen, daß rund 90 % der organischen
 Substanz der Trockenhefe ausgenützt
werden, vom Eiweiß allein 80 %, vom Rohfett 70 %,
von der Rohfaser 40 % und von den stickstoffreien
Extraktstoffen 100 %. Nach dem Kalorienwert ist
| kg Nährhefe 3,1 kg Rindfleisch gleichzusetzen. Bei
einem Konsum von 20—40 g kann ein Drittel bis ein
Fünftel des Eiweißbedarfes eines Menschen gedeckt
werden. Nährhefe ist nicht nur leicht verdaulich,
sondern fördert auch den Verdauungsprozeß, regt
den Appetit an und ist daher Rekonvaleszenten und
Kindern besonders zuträglich. Sie kann zur Be-Hefteextrakte.


Die Beobachtung des an Fleischbrühe erinnernden
jeruches und Geschmackes der Hefeabkochungen
‚at Veranlassung gegeben zur Ausarbeitung von
rahlreichen Verfahren zur Herstellung von Hefe-‚Xtrakten.
 Diese haben eine ähnliche Zusammen-‚etzung
 wie die bekannten Extrakte aus Rindfleisch,
ıur fehlt ihnen Kreatin und Kreatinin, die in der Hefe
ıicht vorkommen. Die Verfahren zur Hefeextraktzewinnung
 sind sehr verschieden und stehen vielfach
inter gesetzlichem Schutz. Man kann im allgemeinen
zwei Methoden der Herstellung unterscheiden. Bei
ler einen Methode gewinnt man den Extrakt durch
Cochen der Hefe mittels Dampf, wobei die Hefezellen
um Platzen gebracht werden. Der herausfließende
Zellsaft wird abfiltriert und im Vakuum eingedampft.
Die andere Methode benützt hierzu das Autolyjerungs-,
 d. h. das Selbstverdauungsvermögen der
Jefe. Man mischt z.B. Hefe mit Wasser und ervärmt
 sie im geschlossenen Gefäß auf 48'—50° C.
Jach 24 Stunden hat sich die Hefe selbst verdaut. Sie
st bis auf die Zellmembranen von selbst flüssig gevorden.
 Die hochmolekularen Eiweißstoffe gehen
labei in einfache Körper: Albumosen, Amide, Amino-‚Äuren
 usw. über. Man filtriert die Flüssigkeit und
        <pb n="218" />
        AV, 6. Die Nebenprodukte der Bierbrauerei., 217
ljeutende Werte gehen dadurch ver-‚oren.

Kohlensäure.
Die bei der Vergärung der Würze entstehende
&amp;lt;ohlensäure entweicht bei der Verwendung offener
järgefäße zum größten Teil in die Luft und geht
verloren. Neuerdings geht man da und dort dazu
iber, die Gärung in geschlossenen Gefäßen vor sich
gehen zu lassen. Dabei wird die Kohlensäure .aufrzefangen,
 gereinigt, komprimiert und in den Handel
zebracht.
Die Kohlensäure stellt ein sehr zu beachtendes
Jebenprodukt der Brauerei dar. Für jeden Hektoliter
;rzeugten Bieres können 2 kg {flüssige Kohlensäure
rewonnen werden, die einen Verkaufspreis von 1 bis
? RM. darstellen. Denkt man sich die Kohlensäure
ler deutschen Brauereien so verwertet, so kommt
nan auf ungeheure Zahlen. Hier liegen noch reiche
Zntwicklungsmöglichkeiten; die Zukunft muß Wege
veisen, Aufbereitung und Absatz der Kohlensäure
möglichst wirtschaftlich zu gestalten.

beseitigt, wenn man das nicht schon früher getan
hat, den Bittergeschmack, indem man koagulierbares
Eiweiß zusetzt und aufkocht. Man kann auch einen
indifferenten, mineralischen Niederschlag erzeugen,
der die gleiche Wirkung hat. Nach abermaliger
Filtration wird eingedickt.
Aus solchen Hefeextrakten kann man auch sog.
Suppenwürzen darstellen. Zu diesem Zwecke werden
die Extrakte vermischt mit Auszügen verschiedener
Gemüse. Jede Fabrik hat hierfür ihre besonderen,
geheim gehaltenen Rezepte.
Wir haben gesehen, wie vielseitig
die Verwendung derinden Brauereien
überschüssigen Hefe ist. Leider muß
aber festgestellt werden, daß diese
Verwendungsmöglichkeiten von vielen
Brauereien Deutschlands noch nicht
genügend ausgenützt werden; groß
ist noch die Zahl derjenigen Brauer,
die nach alter Väterweise die Hefe
dem Abwasserkanal übergeben. Be-
        <pb n="219" />
        V. Die Kulturbedeutung der deutschen Brauindustrie.
1. Die Geschichte des Brauwesens.
Von Direktor Richard Knoblauch, Berlin.

Bis vor wenigen Jahren war man noch der Meiaung,
 daß die Wiege der Braukunst in Ägypten gestanden
 habe. Nun hat aber die neuere Forschung
das Dunkel, das noch über der Frühgeschichte der
vorderasiatischen Welt lag, erhellt. Um Jahrtausende
 ist unser Wissen erweitert; und welch hervorragende
 Rolle das Bier auch hier im Stromgebiet
des Euphrat und Tigris, in Babylonien, dem Ursprungsland
 der Pflugkultur, bei den alten Sumerern
gespielt hat, darüber geben uns die höchst wertvollen
 Arbeiten E. Hubers eindrucksvollen Aufschluß.
 Bezeichnend für Alter und Bedeutung des
Bieres ist es, daß das früheste beschriftete Kulturdokument
 der Menscheit, das uns bekannt ist,
aus dem 7. vorchristlichen Jahrtausend, gleichzeitig
 mit einem Tieropfer auch ein Bieropfer bekundet,
 das der Göttin des Ackerbaues und der
Fruchtbarkeit dargebracht wird; sie war ja auch
hach der religiösen Vorstellung der Sumerer die
Erfinderin des Bieres. Das überreiche Material der
Ziegelsteintexte gibt uns ein deutliches Bild der
ganzen materiellen Kultur der Zeit. Im 5. vorchristlichen
 Jahrtausend wird bereits von gewerblichen
Betrieben und von „gelernten“ Brauern berichtet.
Auf die sumerische folgte die semitische Herrschaft
in Babylonien. Hamurabi gab fast 2000 Jahre vor
unserer Zeitrechnung das erste große bürgerliche
Gesetzbuch. Unter den 360 Paragraphen desselben
waren drei der Bierbrauerei und den Schankstätten
gewidmet; aus ihnen erfahren wir u. a. von der
Festlegung des Malzgehaltes und des Preises des
Bieres, das niemals in bar, sondern mit Getreide
bezahlt werden mußte, und lernen die schweren
Strafen kennen, mit denen Bierpanscherei bedroht
war. „Solche Gastwirte‘“, heißt es, „soll man ins
Wasser werfen.“ Bier war das alleinige Volkszetränk,

 war Zahlungsmittel und Wertmesser. Als
Jeputat erhielt der Arbeiter ein Maß, der höhere Beımte
 fünf. Nicht, daß letzterer eine fünffache Durst-‚erechtigung
 gehabt hätte, die Naturalwirtschaft
‘ug eben der Größe des Haushalts Rechnung. Heiltrank
 war das Bier dem Kranken, im sakralen Dienst
vurde es den Göttern als Opfer dargebracht. Wie
us den Abrechnungen der Tempelverwaltungen her-‚orgeht,
 fand zweimal im Monat ein großer Umtrunk
x Ehren der Götter statt. In dem Trank, der Mut
rerleiht, der Sorgen scheucht, sah man etwas Göttiches,
 sein Genuß mußte der Gottheit näher bringen.
50 trank man, um des Gottes voll zu werden.
Inter Nebukadnezar, der sich rühmte, daß er Bier
vie die Wasser des Stromes’ ohne Maß auf die
\ıltäre des Marduk fließen ließe, bildete sich die
;rste Brauerinnung als geachtete gewerbliche Orsanisation;
 ihre Mitglieder nahmen als einzige Laien
.n der großen Prozession zu Ehren Marduks teil und
:;ogen den heiligen Wagen des Anu, des ältesten und
Öchsten Gottes.
Über die Einzelheiten der Brautechnik sind wir
veniger. unterrichtet, wir wissen aber, daß die Biere
jergestellt wurden aus Gerste und Emmer, einem
/orläufer des Weizens; erstere wurde sogar schon
a sumerischer Zeit vermälzt, letzterer enthülst ‚als
Aohfrucht verbraut. Gerstenmalz wie Emmer
vurden zu Broten geformt, leicht angebacken oder
eröstet, in Wasser gelöst und nach einer Art In-‘11sionsverfahren
 verbraut zur Gärung angesetzt.
Aannigfaltig . müssen diese Verfahren gewesen sein.
9 Biersorten allein führt Huber an: 8 Gerstenbiere,
5 Emmerbiere und 3 Mischbiere, d. h. zu mischende
Jiere, stark eingekochte Malzextrakte, die zumal bei
len Heereszügen eine wichtige Rolle spielten. Sie
varen haltbar und ließen sich, mit Wasser gemischt;

m

Babulonische Biertrinker (Haburamis Zeit).

Heilbehandlung mit Bier.

Biertranklarter
        <pb n="220" />
        V., 1. Die Geschichte des Brauwesens.

219
man dem Gotte Osiris die Erfindung des Bieres zuschrieb,
 und daß die blutdürstige Göttin Sechet, die
lie Menschheit ausrotten wollte, nur durch Bier besänftigt
 werden konnte. Ramses Ill. machte den
Tempeln etwa eine halbe Million Krüge Bier zum
Geschenk.
Stark sind die Kulturausstrahlungen des alten
Drients gewesen. Bis nach China im Osten bis zu
den keltischen Völkern im Westen und Norden soll
auch die Kenntnis des Bierbrauens von hier gedrungen
 sein. „Fruge madida‘, aus angefeuchtetem
Getreide, sagt Plinius, bereiten die Iberer und Gallier
ren Trank. Dramatisch wirkt die Erzählung des
Orosius, wie die von den Römern belagerten Numantiner
 (133 v. Chr.) bei ihrem letzten Liebesmahle
vor dem Untergange ihrer Stadt sich Mut zu ihrem
Verzweiflungskampf tranken.
In der griechisch-römischen Welt hat das
Bier nur in der Frühzeit eine Rolle gespielt. Das
‚östliche Klima der Mittelmeerländer begnadete die
Menschen mit der Göttergabe des Weines; die
Tränen des Dionysos sollen, so geht die Sage,
den Weinstock befruchtet haben. Den Sorgen-)recher
 des Weines gab er den Erdgeborenen. „Gott
Dionysos weinte, damit die Menschen nicht weinen
;ollten.“ Dafür bedeutet aber Nektar und Ambrosia
n der homerischen Zeit, wie die neuere verzleichende
 Sprachforschung annimmt, nichts anderes
ıls Emmerbier und Bierbrot, und der Weinzott
 Bacchus ist in der Älteren Zeit nach
&amp;lt;. Stuhl, bevor der Wein der Griechen Volksgetränk
vurde, der Schirmherr der bierbrauenden Bäcker
Bakchos). Bei den Römern kam das Bier
wur für die untersten Volksschichten in Frage.
Nenig wissen wir über dasselbe. In einem
„‚ustspiel des Plautus wird erwähnt, daß bei
ien Festen der Zerealien' zu Ehren der Göttin
Zeres Bier geopfert und auch von den Opfernden
‚eichlich getrunken wurde, Nur in den Grenz-)rovinzen
 spielte das Bier eine Rolle. Aus dem
rroßen Preisregulativ des Diocletian (301 n. Chr.)
sönnen wir das Wertverhältnis zum Wein ersehen.
Nährend für den einfachsten Landwein 8 Denar per
AModius angesetzt waren, durften für ägyptisches
3ier nur 2 und für gallisches und pannonisches Bier
ıur 4 Denar gefordert werden. Wie über die Butter
ümpfte der Römer über das Bier verächtlich die
Yase. Beide waren ihm Attribute des Barbaren.
Ob auch die Braukunst der Germanen ihren Urprung
 aus dem alten Orient herleitet, oder ob sie
on den Kelten übernommen wurde oder gar schon
ıus der Zeit stammt, als Sumerer und Semnonen,
vie- verschiedene Philologen annehmen, noch ein
/olk bildeten, ist umstritten. Die Braukunst braucht
a auch gar nicht von einem anderen Volk überı1ommen
 zu sein. Die Natur, die ohne Zutun des
Menschen den Mehlbrei süß werden läßt. wenn das

Ägyptisches Grabrelief aus der Zeit der 5. Dynastie mit Darstellung
der Bierbereitung.

schnell zur Gärung bringen; so hatte der Soldat sein
Bier im Felde und war gegen die Gefahren des verseuchten
 Wassers geschützt. Von besonderem Interesse
 für die Technik ist die aus der Literatur des
babylonischen Judentums gemeldete Tatsache, daß
die Babylonier schon im 7. vorchristlichen Jahrhundert
 den Hopfen zum Brauen verwendeten.
Auch im alten Ägypten war Bier das Volksgetränk.
 Der Wein erschien nur auf der Tafel der
Wohlhabenden. Wertvoll sind uns besonders die
bildlichen Darstellungen der technischen Vorgänge.
Schon aus der Zeit der fünften Dynastie, also kurz nach
Erbauung der großen Pyramiden, zeigt uns ein Flachbild den
Werdegang des Bieres in allen seinen Abschnitten: da sehen
wir, wie die geweichte, gekeimte und an der Sonne gedarrte
Gerste von den Keimen befreit wird, wie sie in Mörsern gestampft
 und dann mit Wasser gemischt in einem Gefäß mit
Füßen durchtreten oder mit Händen bearbeitet wird, sehen,
wie die breiige Masse zu Broten geformt und über Feuer leicht
angeröstet wird. Weiter können wir das Zerkleinern und
Durchseihen der Brote im Wasser, das Ansetzen zur Gärung,
das Auspichen der Tonkrüge und das Abfüllen auf dieselben
deutlich erkennen,
Ob Hopfen verwendet wurde, wissen wir nicht,
wohl aber hat die neuere Forschung nachgewiesen,
daß auch eine Rautenart als Würzkraut die Stelle
des Hopfens einnahm. Im Haushalt der Familie,
im Studentenleben wie im kultischen Dienst hatte
das Bier seine hohe Bedeutung. So wird berichtet,
daß man den Kindern zwei Krüge Bier mit in
die Schule gab; Briefe von Vätern an ihre Söhne,
die in der Universitäts- und Bierstadt Pelusium
studierten, sind erhalten, mit Mahnungen, im Biergenuß
 wie in der Liebe Maß zu halten. Wie geschätzt
 das Bier in der Götterwelt war. beweist, daß
        <pb n="221" />
        220 _ Direktor Richard Knoblauch, Berlin:
Korn angekeimt ist, und die den süßen Mehlbrei vergären
 läßt, kann auch hier alleinige Lehrmeisterin
im Mälzen und Brauen gewesen sein. Erst durch
T’acitus erfahren wir Näheres über das deutsche
Bier, über seine Rohstoffe, über seinen Geschmackscharakter
 und über die Trinkfreudigkeit unserer
Vorfahren. Das Brauen lag den Frauen ob. Über
die Technik können wir uns mit Hilfe des Tacitus,
der Archäologie und der Sprachforschung immerhin
ein erkennbares Bild machen: Rohfrucht war Gerste,
Weizen, Hafer. Das Maischen auf dem Wege über
Malzbrot, wie im Orient, war nicht bekannt. Die
Erwärmung und das Kochen der Maische erfolgte
durch Zubrühen oder durch Einwerfen erhitzter Steine
in das Maischgefäß. Kühlprozeß und Gärung wurden
'n primitivster Form durchgeführt. Das Mälzen
war schon frühzeitig bekannt. Getrocknet wurde
das Grünmalz auf geflochtenen hölzernen Hürden
über dem Herdfeuer. In der altnordischen Fornaldarsage
 ruft der Speichel Odins die Gärung hervor.
Auch heute noch spielt bei vielen primitiven Völkern
das Spucken in die Maische einen wichtigen Teil des
Brauprozesses. Mal sind es die Jungfrauen des
Stammes, mal alte Weiber, die diese Aufgabe besorgen.
 In der Tat übt ja der Enzymreichtum des
5peichels eine stark fördernde Wirkung auf die
Wandlungsvorgänge aus. Der Hinweis auf Odin
-äßt es möglich erscheinen, daß unsere Vorväter in
iltester Zeit sich auch dieses Mittels bedienten. Mit
den Worten „umor in quandam similitudinem vini
sorruptus“, „in gewisser Ähnlichkeit mit schlechtem
Wein“ kennzeichnet Tacitus den Trank der alten
Germanen. Charakteristisch war jedenfalls der
starke Säuregehalt, doch wurden zu dessen Milderung
 vielfach Honig und auch schon Bitterstoffe, wie
Gagelkraut u. a., verwendet. |
Kein Volk, sagt Tacitus, hat zu gastlichem Leben
einen so unbegrenzten Hang. Wie bei keiner geselligen
 Zusammenkunft der Trunk iehlen durfte,
wie die Wonnen des Jenseits ohne Bier undenkbar
waren, so mußte es aber auch bei ernsten Beratungen
die Geister beleben („„... tamquam nullo magis tempore
 pateat animus‘“). Tat man hierbei zuviel des
Guten, so wurde am folgenden. Morgen nochmals
nüchtern beraten. Nach Tacitus arteten die meisten
Zusammenkünfte in Saufereien aus. Spätere römische
Historiker stimmen ihm bei. Dagegen erhalten wir
aus den germanischen Überlieferungen doch ein
anderes Bild. Gesittet verlaufen die Gastmähler im
‚Beowulf‘“. „Klebe nicht am Becher, trinke Bier
mit Maß“ heißt es in der Edda. Nichts aber kennzeichnet
 die Freude an der Geselligkeit freundlicher
als die Worte im Havamal der Edda: „Den Menschen
ireut der Mensch.“
In den auf römischem Boden errichteten germanischen
 Staaten gingen die Eroberer überall, wo die
xebe gedieh, bald zum Wein über, aber doch nicht

ranz ohne Widerstand, So mancher fränkische oder
urgundische Edeling zog das Bier dem Trank des
eindlichen Romanen vor. Als der Franke Hozinus
len König Chlothar zum Male geladen hatte (um
560 n. Chr.), fanden die Gäste im Saale volle Fässer
nit Bier dastehen, „wie es bei den Heiden Sitte ist‘;
ler für die Christen bestimmte Trank wurde getrennt
7on dem „den heidnischen. Göttern geweihten Bier“
‚ereicht (Vita S. Vedasti).
Bei der Bekehrung zum Christentum knüpfte die
Kirche in kluger Weise an die alten Gebräuche an
ind paßte sie der neuen Lehre an. Man trank nicht
nehr die Minne Wotans, sondern die Minne Christi
ind der Heiligen. Die oft genug erst halb Bekehrten
vollten es aber mit den alten Göttern nicht ganz ver-‚erben.
 So traf unerkannt der Heilige Columbanus
um 610) eine Schar Alemannen auf einer Waldwiese
‚elagert. In ihrer Mitte ein großes Bierfaß von
© Eimern Inhalt, wie der Heilige zunächst feststellte
... Vasque magnum, quod viginti et sex modios
‚apiebat ...)., Auf seine Frage, was sie damit
vollten, sprachen sie, sie brächten ihrem Gotte
Notan ein Opfer.

„Wie er von diesem scheußlichen Wort hörte, blies er das
‘aß an, und siehe da, es löste sich mit Gekrach und sprang in
Stücke, so daß alles Bier augenblicklich ausströmte. Da zeigte
;s sich klar, daß der Teufel in dem Faß verborgen war, der
lurch das irdische Getränk die Seelen der Opfernden fangen
vollte. Da staunten sie ob solchen Wunders. Fr aber schalt
je mit den Worten des Evangeliums und befahl ihnen abzuassen
 von solchen Opfern. Viele unter ihnen, die schon geauft
 waren, aber noch fortlebten im heidnischen Unglauben,
ährte er durch seine guten Worte zum Glauben und in den
ıchoß der Kirche zurück“ (Vita Columbani II, 7).
Mit großer Liebe und vielem Verständnis nahmen
ich die Klöster des Mittelalters der Braukunst an.
Der berühmte Bauplan des Klosters St Gallen, vom
ahre 820, das wertvollste zeichnerische Dokument geraanischer
 Vergangenheit, zeigt uns drei wohleingerichtete
3raustätten, weiter finden wir Räume für Getreidelagerung,
ine große Darre, Malzquetsche, wie auch Kühl- und
järräume und Böttchereiwerkstätten. Kurze lateinische
’exte geben Erläuterungen. Weiter gewinnen wir durch
‘kkehard IV. (980 bis 1060) Klosterchronik, aus seinen
3enedictionen und Korrekturen des Orosius Finblick in die
"echnik der Zeit, Gebraut wurde für den Alltag ein leichtes
Ilaferbier, Cervisa, und für die Festtage. und für hohe Gäste
in schwereres Bier aus Weizen und Gerstenmalz, Celia. Für
etzteres fand Ekkehard begeisterte Worte. Fünf Zunessungen
 an Bier, von denen die eine durch Wein ersetzt

F—7)

LU) rm
St. Gallen, Sudhausgrundriß.
1. Vorratsraum, 2. Brauhaus, 3. Kühlraum, 4. Bäckerei.
        <pb n="222" />
        V., 1. Die Geschichte des Brauwesens,

221
Jaushaltungen mehr Bier herstellten, als sie selbst
ırauchten und nun den Überschuß mit anderen Er-‚eugnissen
 vertauschten oder ihn verkauften.
Die mittelalterliche Stadt ordnete ihre wirtschaftichen
 Verhältnisse nach eigenen Gesetzen, hatte besondere
 Maße und Gewichte und schloß sich wirtschaftlich
 ab. Den Verbrauch des Getreides zu
°egeln, war Aufgabe der Stadtverwaltung, die in den
Tänden des Rats lag.. Jeder Bürger wurde zunächst
'erpflichtet, einen ausreichenden Vorrat an Brotretreide
 zu halten. Der Überschuß stand für Brauwecke
 zur Verfügung; er war meist ein sehr reichicher;
 in manchen Städten überstieg die Menge des
3raugetreides die des Brotkorns um mehr als das
J)reifache. Eine ganz andere Rolle für die Ernährung
'pielte eben damals das Bier. Bedenken wir, daß die
Cartoffel, die meisten Gemüse und fast all die Gevürze,
 die heute selbst in der Küche des kleinen
Mannes zu finden sind, noch fehlten. Diese Nährınd.
 Genußstoffe mußte das Bier ersetzen; zumal als
3iersuppe und als Bierbrei war es unentbehrlich,
/iele. Speisen wurden mit Bier zubereitet, die meisten
\rzneikräuter in Bier verabreicht; als Kräftigungsnittel
 war es hoch bewertet.
Für ein gutes gehaltvolles Bier zu sorgen, gehörte
zu den wichtigsten Aufgaben des Rats, der sich daher
ıuch vorbehielt, die Malzmengen für jedes Gebräu
vie den Bierzug aus demselben genau festzusetzen;
:;r hatte für den guten Ruf des Bieres einzustehen,
lenn das Erzeugnis, das ausgeführt wurde, galt nicht
ıls das des Produzenten, sondern als das der Stadt.
Nar die Ernte schlecht, so konnte der Rat die Menge
ıes Braugetreides einschränken. Grundsatz der
;tädtischen Wirtschaftspolitik war, daß durch das
3rauen keine allgemeinen Interessen geschädigt
vurden, daß am Braubetrieb alle Berechtigten mit
/leichem Nutzen teilnahmen, und daß auch nach
Möglichkeit die Konsumenten in ihren Belangen geschützt
 sein sollten.
Während in Bayern das Recht zum gewerblichen
3rauen vom Landesherrn erteilt und größtenteils vom
\ıdel und der Geistlichkeit ausgeübt wurde, nahmen
n Nord- und Mitteldeutschland, so weit das alte
Sachsenrecht galt, die Städte dieses Recht für sich
n Anspruch. Nur wenige Städte besaßen jedenfalls
än vom Landesherrn erteiltes Braurecht. .Allein in
len Städten durfte die „Braunahrung‘“, die wie
Jandel und Handwerk zur „bürgerlichen Nahrung‘
zehörten, betrieben werden.
Die Bewohner der mittelalterlichen Stadt teilten sich in
/ollbürger, Eigentümer von Stammgrundstücken und in Kleinırger,
 Besitzer von Buden. Die Vollbürger besaßen neben
ınderen Vorrechten das alleinige Braurecht. Dieses war mit
lem Besitz des Grundstücks verknüpft, dem Brauerbe. „Erben“
yurden die Stammgrundstücke genannt, die die ursprüngliche
Markgenossenschaft bildeten. Später wurde durch Einführung
les numerus clausus der Kreis der Brauberechtigten enger bezrenzt.
 Da die Zahl die Berechtigten relativ oft sehr hoch
var — in Einbeck betrug sie i. J. 1600 etwa 700 (gegenüber

werden konnte, erhielt jeder Klosterinsasse. Nicht Entsagung,
aber vernünftiges Maßhalten verlangte die Benediktinerregel
(... consentiamus, ut non usque ad satientiam bibant ‚.. daß
sie nicht über den Durst trinken sollten.) Von Hopfenbau verlautet
 in St. Gallen noch nichts. Jedenfalls gab es aber schon
Hopfengärten im 7. Jahrhundert bei den Bajuvaren, die ein
Jahrhundert vorher aus den Gegenden des nördlichen
Kaukasus nach Bayern kamen. Vielleicht haben ihre Vorfahren
die Hopfenkochung einst von den Babyloniern übernommen
und sind so die Übermittler der Hopfenbiere nach Deutschland
zeworden.
Die Hopfenkochung leitete eine neue Epoche der
Bierbrauerei ein. Nicht nur veränderte der Hopfen
in geschmacklicher Beziehung den Charakter des
Bieres, auch der Gärverlauf wurde ein ganz anderer,
denn das Hopfenbitter wurde der Hefe ein wichtiger
Bundesgenosse im Kampf gegen feindliche Mikrooörganismen.
 Das Bier wurde. reiner und haltbarer,
Wie in St. Gallen stand auch in den zahlreichen
anderen Klöstern das Brauwesen in hoher Blüte.
Durch I Poll sind wir über dasselbe jetzt sehr gut
unterrichtet. Da bis zum 13. Jahrhundert hauptsächlich
 Hafer, weniger Gerste gebaut wurde, so
wurde auch größtenteils Haferbier hergestellt. Zunächst
 brauten die Klöster nur für den eigenen Bedarf,
 von den Fronhöfen mußte das Fehlende ergänzt
werden; dieser Bierzins wurde bald durch Braugetreide
 und später durch Geld abgelöst. Von
wesentlichem Einfluß für die Wirtschaft der Klöster
war es, daß sie dazu übergingen, das Bier gewerblich
zu vertreiben. Mit weitgehenden Privilegien wurden
sie von den Landesherren ausgestattet, Die älteste
Braugerechtigkeit, von der wir wissen, war die an
die Abtei Weihenstephan 1143 erteilte. Der wirtschaftliche
 Erfolg blieb nicht aus, denn die Klosterbiere
 erfreuten sich großer Beliebtheit. Schon die
Visitationen sorgten dafür, daß es immer ein gutes
Bier gab. Man wollte eben die Mönche für die vielen
Entbehrungen auf anderen Gebieten wenigstens
durch einen guten Trunk entschädigen. Wie die
Benediktiner in Süddeutschland, so bauten die
Zisterzienser, die mit großem Grundbesitz‘ ausgestattet
 waren, in Nord- und Mitteldeutschland das
Brauwesen zum Gewerbe aus. Nach Poll erhielten
sie schon 1181 das Recht; in ihren Schenken an jedermann
 Bier zu verkaufen. Seit dem 14. Jahrhundert
ging das Klosterbrauwesen in Süddeutschland deutlich
 zurück, Das lag hauptsächlich daran, daß der
Weinbau immer mehr und mehr Boden gewonnen
hatte, und der Wein schließlich wohlfeiler als das
Bier wurde, zumal an Stelle des billigen Haferbieres
das teuere Gerstenbier getreten war.
Wohl war auch der Anbau der Rebe weit nach
Norden vorgedrungen, aber im Wettbewerb mit dem
Wein blieb hier das Bier der Sieger, ja, in den norddeutschen
 Städten sollte das Brauwesen des’ Mittelalters
 seine höchste Blüte erreichen. Aus der Hauswirtschaft
 ging das Gewerbe hervor. Der Entwicklungsgang
 wird der zewesen sein, daß manche
        <pb n="223" />
        22

Direktor Richard Knoblauch, Berlin:
ON zn

450 Kleinbürgern) —, so wurde das Braugewerbe fast immer
nur neben dem eigentlichen Beruf betrieben, Diejenigen Brauberechtigten,
 die wegen Mangel an Raum nicht brauen konnten,
mußten sich mit der Ausübung des Mälzungsrechtes, das mit
lem Braurecht verbunden war, begnügen.

jagen uns die überlieferten Akzise- und Zollsätze je Tonne
venig; erst nach einer komplizierten Umrechnung mit Berückichtigung
 der jeweiligen Kaufkraft des Geldes ließen sich
Vergleiche mit heute ziehen. Darum seien nur einige relative
Zahlen angegeben: So betrug z.B. im Jahre 1471 die Ziese
les in Braunschweig eingeführten Einbecker Bieres ein Achtel
xs ein Neuntel des Verkaufspreises, in Lüneburg ein Zehntel.
Mit welch hohen Abgaben zu rechnen war, dafür mögen die
Jandelsverträge der Hansa mit Flandern ein Beispiel geben.
n den flandrischen Städten betrug der Höchstsatz der Akzise
5 % des Bierpreises, Im Jahre 1392 wurde für die hansischen
liere der Satz auf 25 % herabgesetzt. Durch dieses Privi-»gium
 wurde das holländische Bier ganz aus Flandern verlIrängt.
 1403 gelang es Hamburg, für die Dauer von 15 Jahren
ich für Holland, Seeland und Ostfriesiand völlige Zollfreiheit
x sichern; danach sollte der Zoll für weitere 15 Jahre 2%
tragen. So schwankten die Zoll- und Akzisesätze ganz
\tßerordentlich, Die Erlangung von Sonderprivilegien in den
landelsverträgen war die wichtigste Aufgabe der Bierhandelsolitik.

Was nun den Betrieb der mittelalterlichen Brauiuser
 anbetrifft, so sind folgende Vorschriften fast
lgemein:
Die Häuser der Brauberechtigten mußten geräumige Böden
‚ur Lagerung des Braugetreides und des Malzes haben und
nußten mit einer großen Diele für die Braugeräte ausgestattet
ein. Hier war neben dem .Maisch- und Läuterbottich ein genauerter
 Unterbau mit Feuerungsanlage zu schaffen zur Auf-‚ahme
 der großen kupfernen Braupfanne, die vom Rat gegen
irlegung einer Abgabe entliehen wurde. Da jeder gewöhnlich
‚ur einige Male im Jahre zum Brauen kam, loöohnte die Anchaffung
 einer eigenen Braupfanne meist nicht. Jedes Haus
nußte weiter mit ausreichenden kühlen Kellern versehen sein,
n denen Gärung und Ausreifung des Bieres vor sich gehen
onnten. Stand die Braudiele frei, so diente sie oft auch als
Ceimtenne, oder, wenn das Bier nicht exportiert wurde, auch
Is Schankstätte,
Gebraut wurde nur in der kalten Jahreszeit, von
September bis Anfang Mai. Um zu verhindern, daß
ılle gleichzeitig brauten und so zeitweise Überjroduktion
 entstand, fand eine Auslosung der Reihen-Olge
 statt. Man braute nicht selbst, sondern überieß
 das gelernten Brauern, später den Braumeistern

Zur Wahrung gemeinsamer Interessen, zur
Stärkung ihrer wirtschaftspolitischen Stellung
schlossen sich die Brauberechtigten meist zu Zünften;
Sozietäten oder Gilden zusammen. Oft hatten aber
auch, wie z.B. in Einbeck, die Brauberechtigten in
den Gilden ein solches Übergewicht bzw. waren den
Kleinbürgern numerisch so überlegen, daß sie die
Macht in der Hand hatten und somit zur Bildung einer
eigenen Gilde gar kein Anlaß war. Peinlich wachte
der genossenschaftliche Geist der Gilde darüber, daß
keines jhrer Mitglieder wirtschaftliche Vorteile über
die übrigen gewinnen und unter günstigeren Bedingungen
 arbeiten konnte. Vom Rat wurden ihr oft
gewerbepolizeiliche Befugnisse erteilt, wie die Überwachung
 des Braubanns und des Bierzwangs. Braubann
 und Bierzwang waren wichtige wirtschaftliche
Faktoren; durch sie sicherte die Stadt den Brauberechtigten
 gewaltige Vorteile; denn durch dieses
Untersagungsrecht und die Beschränkung der freien
Wahl des Verbrauchers wurde die Konkurrenz ausgeschaltet,
 der Preis diktiert.
Das Braurecht, das sich allmählich herangebildet
hatte, wurde in den Brauordrlungen der Städte zusammengezogen.
 Rat und Gilden setzten sie gemeinsam
 in ihren einzelnen Bestimmungen fest. Göttingen
desaß schon 1330 eine Brauordnung, Lübeck folgte
1363. Die meisten Brauordnungen stammten aus
dem 15. Jahrhundert.
In den vielen Städten, in denen das Braugewerbe
der wichtigste Erwerbszweig war, entwickelte sich
bald ein großer Wohlstand, denn nicht nur die Brauberechtigten,
 sondern auch die Landwirtschaft und
all die Gewerbe, die mit den Brauern in wirtschaftlicher
 Beziehung standen, zogen aus der „Braunahrung“
 ihren Nutzen. . Am meisten profitieren aber
die Stadtgemeinden, die oft ihre Haupteinnahmen
durch die Ziesen, Akzisen und andere Abgaben
hatten, die sie dem Bier auferlegten. Das Bier war
ja von je ein beliebtes Steuerobjekt; die Abgaben für
verkauftes und eingeführtes Bier füllten die Steuerund
 Zollsäckel der Stadt wie des Landesherrn, ja
selbst des Kaisers. Von keinem anderen Gewerbe
hatten die Städte so hohe Einkünfte. Als in Bernau
die Pest und der Dreißigjährige Krieg im Laufe eines
halben Jahrhunderts die Einwohnerzahl von.5000 auf
500 bis 600 verringert hatten, da sind es die Bierbrauer
 gewesen, die trotz all. des Elends ihr Gewerbe
aufrecht erhielten und der Stadt fast die einzigen
Einnahmen brachten, Sie allein auch hatten sich der
entsetzlichen Seuche gegenüber widerstandskräftig
erwiesen.
Da in den einzelnen Städten Geld- und Maßeinheiten verschieden
 waren und sehr oft einer Veränderung unterlagen, so

Braustätte des 16. Jahrhunderts
        <pb n="224" />
        NV. 1. Die Geschichte des Brauwesens.

223

ist eines der ältesten Bierwürzmittel. In germanischen
 Gräbern aus dem 1. Jahrhundert sind jedenlalls
 schon Gagelreste€ in Biergefäßen festgestellt
worden. Das Gruit war Monopol der Landesherrert,
das oft an Städte verliehen wurde. Welche Bedeutung
 es als Steuerquelle hatte, sagt uns die Tatsache,
 daß die Einnahmen der Handelsstadt Wesel
im Jahre 1350 zu einem Fünftel aus den Abgaben für
Gruit bestanden. Zuerst waren die Gruitbiere Festbiere,
 aber von Jahrhundert zu Jahrhundert verschlechterte
 sich ihre Qualität. Im 17. Jahrhundert
verschwanden sie ganz. So schlimm muß es in ihrer
etzten Daseinszeit gewesen sein, daß der päpstliche
„egat Chigi, der 1648 zu den Friedensverhandlungen
ı1ach Deutschland gekommen war, bei einer Kost-)robe
 meinte: „adde parum sulfuris et erit potus
nfernalis‘“ — „nun noch etwas Schwefel hinzu und
ler Höllentrunk ist fertig“.
Seit Anfang des 14. Jahrhunderts wurden auch in
len nordwestlichen Ländern Hopfenbiere hergestellt.
Sehr scharfe Gegensätze bildeten sich bald heraus
zwischen den Gruitherren und den Brauern.

Altes Sudhaus,
Im Hintergrunde die vom Rat entliehene Braupfanne.

und ihren Gehilfen. Die Braumeister waren vereidigt
und vom Rat angestellt. Innerhalb 24 Stunden
mußte‘ der Brauprozeß beendet, d. h. die Würze
zur Gärung „gestellt“ sein. Wie der Mälzungs- und
Brauprozeß verlief, darüber haben wir erst im
16. Jahrhundert ausführlichere Berichte.
Der erste, der Bier- und Brauwesen technologisch eingehender
 behandelte, war der Danziger Arzt Placotomus (zu
deutsch: Brettschneider), er schrieb noch lateinisch (de natura
et viribus cerevisiarum, Wittenberg 1551). Aber bald nach
ihm finden wir ausführliches über das Bier auch in deutscher
Sprache, wie bei Knaust „Von der göttlichen Gabe...‘“, Erfurt
1575, und dann bei Coler in seiner Ökonomia, dem großen landwirtschaftlichen
 „Haußbuch‘“, Ausführlich sind hier die einzelnen
 Prozesse des Mälzens und Brauens beschrieben.

Auf die Seite der letzteren hat sich wohl der Herzog
johanıt I. von Flandern (Jan primus) 1251—1294 gestellt. Unter
einer Herrschaft sollen sich die Brauer zu einer Gilde ver-:äinigt
 und ihren trinkfreudigen Herzog zu ihrem Ehrenrorsitzenden
 erwählt haben. Mit schäumendem Pokal, mit
Jlopfen bekränzt, zeigt ihn das Bild im Sitzungssaal der Gilde,
Die Sage bemächtigt sich weiter seiner, es hieß, er habe das
3ier erfunden; als „König Gambrinus“ ward er hochgeehrt.
So wurde er, wie von Gleichen-Rußwurm sagt, ein Gegenstück
um freundlichen Bacchus: „ein neues Sinnbild für der Welt
Tleiterkeit‘“

Natürlich ist überall der Brauprozeß madifiziert.
So schreibt Coler, man könnte nicht an jedem Ort ein Bier
brauen, wie man es in Freiburg oder Bernau hat, selbst wenn
man Hopfen, Wasser und Getreide von dort holen lasse, an
jedem Orte müsse man besondere Erfahrungen sammeln; „auf
eine andere Weis brawen die Schlesier, auf eine andere die
Meißner und wieder auf andere die Mercker“,
Die Biere, die als Alltagstrunk erzeugt wurden,
mögen in ihrer Stärke sehr verschieden gewesen
sein, was aber über die Stadtgrenzen hinausging und
was in den Ratsstuben, den Stadtkellern oder bei
Festlichkeiten verzapft wurde, das waren ausnahmslos
 sehr schwere Biere, die hinsichtlich ihrer Stammwürze
 am ehesten noch mit dem heutigen englischen
Porter verglichen werden können. Drei Hauptgruppen
 von Bieren müssen wir unterscheiden: 1. die
„Rothbiere‘“, mehr oder weniger dunkle Gerstenbiere,
 2. „weiße Biere“, aus einem Gemisch von
Weizen- und Gerstenmalz. Beide Arten waren stark
gehopft. Natürlich wurden bei ihrer Herstellung
auch noch ganz leichte „Nachbiere‘“ erzeugt. Zu der
3. Gruppe können wir die gekräuterten, gewürzten
und Arzneibiere rechnen.
Überall hatten sich im Mittelalter in Deutschland
die Hopfenbiere durchgesetzt, nur im nordwestlichen
Deutschland und den angrenzenden Ländern bis nach
Nordfrankreich beherrschten die Gruitfbiere den Geschmack.
 Das Gruit, das gewissermaßen den Hopfen
ersetzte, bestand hauptsächlich aus einem Gemisch
von Porsch, Gagel und anderen Kräutern. Der Gagel

Über die Braugeschichte der norddeutschen Bier-;tädte
 sind wir durch die Arbeiten von Höbel, Löhdeink,
 Feise, Schulze-Besse u. a. unterrichtet.
Die früheste Nachricht über gewerbliche Ausfuhr
‚on Bier stammt aus dem Urkundenbuch der Stadt
Magdeburg vom Jahre 1032 (I, 22). Der älteste Bierıandelsplatz
 großen Stils war Bremen. Schon 1220
neldet die Stadtchronik: „denn sie hatten damals
zroße Nahrung von der Ausfuhr ihres. Bieres‘. Die
3remer Hopfenbiere waren den Gruitbieren der nordvestlichen
 Länder weit überlegen, so entwickelte sich
ı1ach dort und weiter nach Frankreich, England,
Skandinavien ein blühender Bierhandel.
Anfang des 14. Jahrhunderts mußte Bremen seine
/orherrschaft an Hamburg abtreten... Bereits 1290
ıennt das älteste Hamburger Schiffsrecht Bier als
\usfuhrartikel nach Norwegen und Gotland. Die
3lütezeit Hamburgs fällt in die Mitte des 14. Jahrıunderts,
 die alten Chronisten nennen es das Brau-‚aus
 der Mansa. Die deutsche Nordseeküste, Holand,
 England, Frankreich, in geringerem Maße auch
lie skandinavischen Länder, waren die Absatzrebiete.
 Etwa 100000 Tonnen Bier gingen in der
3lütezeit jährlich von Hamburg ins Ausland, zu
liesen kamen noch 70000 Tonnen für den Eigen-
        <pb n="225" />
        224

Direktor Richard Knoblauch, Berlin:

xonsum. (Die Angaben über den Inhalt der Ham-Jurger
 Tonne von damals schwanken zwischen
[00 und 270 Liter.) Richtige gewerbliche Handelsbrauereien,
 die ganz auf den Export eingestellt
waren, betrieben die „Seebrauer‘, an deren
Leistungsfähigkeit große Anforderungen gestellt
wurden. Die „Landbrauer‘“ hatten den Innenbedarf
zu decken. Welche Rolle im Wirtschaftsleben Hamburgs
 das Bier spielte, wird dadurch gekennzeichnet,
daß im Jahre 1376 von 1150 gewerbetreibenden
Handwerkern 457 Brauer waren und daß von der Gesamtausfuhr
 damals etwa ein Drittel auf Bier entfiel.
So war Hamburgs Wohlstand ganz auf Bierausfuhr
gegründet, Auch im 15. Jahrhundert wahrte Hamburg‘
 noch seine Vormachtstellung. Im 16. Jahrhundert
 trat aber ein ständiger Rückgang ein.. Man
hatte im Ausland das Hamburger Bier nachzubrauen
zelernt, aber mehr noch lähmten Zollmaßnahmen und
Einfuhrverbote der Importländer den Hamburger
Bierhandel, so daß die Ausfuhr schließlich nur noch
30000 Tonnen betrug. Dagegen
hielt sich das Binnengeschäft und
auch der alte Bierruhm zunächst
noch auf der Höhe. Aus dem Em-Dorium
 des Bierhandels wurde ein
HMauptstapelplatz für Getreide.
Wie Bremen und dann Hamburg
im Bierhandel die Nordseeländer
beherrschten, so gewannen an der
Jstsee die Hansastädte Wismar,
Rostock, Stralsund und weiter Lübeck
 und Danzig große Bedeutung
als Exportplätze. Auch der Malzhandel
 spielte schon seit dem
12. Jahrhundert eine große Rolle.
War Hamburg das „Brauhaus“,
30‘ war Rostock das „Malzhaus
ler Hansa“.
Nicht geringeren Bierruhm als
die genannten Seestädte erwarb
sich auch eine Reihe von Städten
im Binnenlande. An ihrer Spitze steht Einbeck (ältere
Schreibweise Eimbeck). Sein Absatzgebiet reichte
von den Alpen bis zur Nordsee und bis zu den
Deutschordensstädten des Rigaischen und Finnischen
Meerbusens.
Das „Einbecker“ war ein Luxusbier, das dreimal so teuer
war als andere Biere. In Fürstenschlössern, auf Ritterburgen,
in Klöstern wie in den Ratsstuben, waf es als Festtrunk gleich
hochgeschätzt, Neben anderen Fürstenhöfen bezog die herzoglich
 bayerische Hofhaltung in München und Landshut ständig
seit 1553 Bier aus Einbeck, Da aber der Bezug des edeln
Stoffes auf die Dauer zu teuer wurde -—— die Fracht allein
betrug das Doppelte des an sich schon hohen Bierpreises —,
50 gründete Herzog Wilhelm V. 1558 in München das Hofbräuhaus,
 um dort das Einbecker nachzubrauen. Aber erst nach
langen Versuchen gelang das 1614 unter Mithilfe eines aus
Einbeck verschriebenen Braumeisters, So wurde das Einbecker
3ier der Urtyp des Münchener Bockbieres und dessen Name
zeht zweifellos auf die Bezeichnungen „Ainpöckisches Bier‘,
„‚Einbockbier“ zurück (bayer. Wörterbuch I, 204}

In verschiedenen Städten hatte Einbeck seine
‚genen Häuser mit „Spezialausschank“ wie man
eute zu sagen liebt, so in Hamburg, Wismar und
Aünchen, auch führten die Ratskeller vieler Städte
jeses beliebte Bräu. Im Geschmackscharakter mag
‚as Einbecker eine gewisse Verwandtschaft mit dem
ıglischen Ale gehabt haben. Nur war es viel
ohwerer, sonst hätte es nicht den meist sehr weiten
ransport ertragen können, war es doch auf dem
andwege nach München auf offenem Gefährt volle
rei Wochen unterwegs. Manche Abnehmer scheuten
brigens den weiten Weg nicht, um durch eigene Gevanne
 das Bier von Einbeck abholen zu lassen, um
.ur ja sicher zu sein, auch wirklich unverfälschtes
inbecker zu bekommen.
Zu den bedeutenden alten Bierstädten gehörte auch
'annover. Sein Aufschwung datiert vom Jahre 1526,
ıls der Hamburger Brauer Cord Broyhan eine neue
3ierart einführte. Im Hause eines Hannoverschen
irauers versuchte er Hamburger Bier zu brauen, ein
stark gehopiftes Gebräu aus
Gersten- und Weizenmalz. Das
Bier fand großen Beifall und
weite Verbreitung.
Welche wirtschaftliche Bedeutung damals
 ein begehrtes Bier für eine Stadt
hatte, kennzeichnet der begeisterte Ausruf
 des Herzogs Erich von Braunschweig,
als er von dem guten Einschlagen des
„Broyhan“ hörte: „Nun erfahre ich, daß
der liebe Gott meine Untertanen, die
Stadt Hannover, nicht verlassen will.“
Der Broyhan hielt seinen guten Ruf
länger aufrecht als die anderen berühmten
 Biere, so daß man in der Zeit des
Niederganges in sehr vielen Städten, sogar
 in Einbeck, ihn nachzubrauen suchte
Es würde zu weit führen, sich
hier mit den vielen anderen hervorragenden
 Bierstädten zu befassen,
 rühmend seien nur noch
hervorgehoben: Danzig, Zerbst,
Goslar (Gose), Braunschweig,
dessen Mumme alle schweren
Zeiten überdauert hat, Münster, Bernau, nicht zu verzessen
 Hildesheim, Lüneburg, Gardelegen (Garley),
Köstritz, Torgau und Naumburg. 133 mehr oder
ninder berühmte Biere beschreibt Heinrich Knaust,
Joktor beider Rechte, in seinen 1575 erschienenen
‘ünf Büchern:.
„Bon der Söttlihen und Sdlenn Sabe, der Yollofopbifdhen,
Dochtheweren und wunderbaren Kunft Bier zu brawen, Auch von
en Namen der vornehnıften. Biere, in gang Teutfhlanden und von
eren Naturen, Temperament, Yualitäten, Urt und Eigenfhaft“,
Der Titel allein und nicht minder der Inhalt
agen uns, welche Wichtigkeit man dem Bier als
jenuß-, Nähr- aber auch Heilmittel zuerkannte. Inrünstige
 Begeisterung packt Knaust bei der Bechreibung
 der besonders. berühmten Biere; seine
\usführungen sind so eigener Art, daß hier sein Lob
‚es Hamburger Bieres wiedergegeben sei:

Brauhaus ım Einbeck

vom Jahre 1550
        <pb n="226" />
        V., 1. Die Geschichte des Brauwesens. . 225
ls le LESS COS DEAN WESEN. A
„Das edle Hamburger Bier if eine Königin unter allen anderen ıufgegriffenen Trunkenen in die „Narrenkiste“,
Diet) unter allen endeten Gerfien, und vothen Dieren au den Bow NEN Kleinen vergitterten Käfig vor dem Bernauer
tritt hat und Königin ik, Di Edle und hochgelobte Bier, fo in der Seller und gab sie-hier dem Gespött ihrer Mitbürger
EChrentreichen und hochlöblichen, EN a EEE nen a areis.
ONE DEE ta aha aber bernas allsemad) ge: Aber trotz all der herrschenden Völlerei war diese
wint es einen Weinliden Sefhmadk, darumb auch der Kardinal Rai poche keine Zeit des Verfalls, im Gegenteil ein
Een Sn m ben Der N En ha löhepunkt deutscher Kulturgeschichte, eine Zeit gees
 Binum. DIE Wort if eine HRG Core und Sob den Hamburger Valtigen geistigen Ringens, eine Zeit, in der Handel
Bier „D wie gern wollteft dır Wein fein“. Ferner (o hats’ an ihm ind Gewerbe blühte und in der die Kunst herrliche
76 viel fubflang, teide Nahrung von genugfam nufriment und nimpt MVerke schuf.
der Menfch davon an feinen Leibe vol zu, Es gibt gute und gefunde . N
Feuchtigkeit, madt gut Sebhlüt, man friegt davon auch gut Farbe, Und noch in Blüte stand alles deutsche Leben, als
denn man finder und fiebet zu Dam burg NO Tan EEE Ma an) ier Dreißigjährige Krieg ausbrach. Wie er Deutsch-N
 ea N inet nee Een ln x. An © HERAN TI and politisch zur Ohnmacht führte, seine Kultur fast
Rrafft balde, wann e8 alt wird wie alle anderen Weigenbiere thun ’erNichtete, so brach auch das Wirtschaftsleben
Ska Sr da a fe Sl Ch a, Sf ac an ONE zusammen. Mit Ihm das Braugewerbe, Es
diefem Bier das Haäupf nicht webe thuk wie von "sem Stader und larf aber nicht verkannt werden, daß schon SETAUME
zuderen Welbenbieren,” Zeit vorher Zeichen. eines Niederganges deutlich
Vom Einbecker Bier sayt Kuaunst: vurden. Einem Gerechtigkeitsgefühl entsprach die
zes +. . Obwohl dif Bier auch nufrintent gibt, dennoch werden die Anführung des „„Reihebr auens“, d. h. des Nach-Beute
 nicht gar fo feift davon, gleichwol fie von anderen Bieten vol iNanderbrauens in ausgeloster Folge. Der geNOSSENwerdet.
 ... . feiget diß Bier auch nicht zu Kopffe .. . 4 schaftliche Geist der Zeit wollte jedem seinen Anteil
Vom Broyhan heißt es: ım Gewinn ermöglichen; aber da das Reihebrauen
„u... Gin heiß und fark Bier, daß einem die Hörner fümieren elbst dem minderwertigen Biere den Absatz sicherte,
und warm madjen Kann deswegen e$ mächtig getrunken fenn folte, ...” 0 mußte es auch jedes Vorwärtsstreben lähmen,
Vom „Dantzscher“ (Danziger): ‚ieden fördernden gesunden Wettbewerb ausschließen.
„00, Daß auch fein flärker Bler unter allen SGerftenbieren in NE Reihe weiterer gewerbepolitischer Maßnahmen
gang Teutfchlanden gefunden werden... ;chnürte alle Bewegungsfreiheit ein. Die steigenden
Interessant ist es auch, von Knaust über die Heil- jetreidepreise nötigten, um das Bier nicht teurer zu
wirkung der verschiedenen gekräuterten Biere etwas Nachen, zur Herabsetzung der Stammwürze. Verzu
 erfahren, zu hören von den Zusätzen wie Wer- schlechterung des Geldes, geminderte Kaufkraft
muth, Salvey, Hirschzunge (Kraut), Ochsenzunge zeigten ihre Wirkung, Als nun der Dreißigjährige
(Wurzel), Rosmarin, Lavendel, Wacholder u. a.
Nicht minder kulturhistorisch von großem Wert
sind die Aufzeichnungen des Junkers Hans von
Schweinichen. Eine Trinkfreudigkeit durchzieht das
ganze Buch, für die unsere. heutige Zeit denn doch
kein Verständnis mehr haben dürfte. Welche Seite
wir auch aufschlagen, stets sind „gute Räusche“ der
Gipfelpunkt jeder Lustbarkeit, die Krone jedes guten
oder bösen Tagewerks.
Mehr und mehr war die alte Trinkfrohheit aber in
wüste Völlerei ausgeartet, daß schließlich Lufher,
der ja selbst einen maßvollen guten Trunk zu
schätzen wußte, sich mehrfach veranlaßt sah, ein
Machtwort gegen den „Saufteufel“ zu sprechen.
Zitiert sei hier eine sehr eigenartige, aber psychologisch
 doch tief begründete Antwort, die er einigen
Männern gab, die nach gewaltsamer Abhilfe riefen:
„Wenn ich wieder zum Fürsten komme, so will ich
nicht mehr tun, denn bitten, daß er überall seinen
Untertanen und Hofleuten bei ernster Strafe gebieten
wolle, daß sie sich ja wohl vollsaufen sollten, vielleicht
 wenn es geboten würde, werden sie das Widerspiel
 tun. Quia nitimur in vetitum, was verboten ist,
dawider tut man gern.“ Eines anderen Mittels bediente.
 man sich damals in Berlin: Man steckte die
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart

Das alle Hackerbräuhaus in München 157
        <pb n="227" />
        226

Direktor Richard Knoblauch, Berlin:
a

Spatenbräu 1812.
' Todell im Deutschen Museum zu München).

Krieg völlige Verarmung brachte, die Felder verwüstet
 lagen, ihr Ertrag auf ein Geringes gesunken,
der Getreidepreis ins ungeheure gestiegen, war eine
weitere Verdünnung und Qualitätsverschlechterung
des Bieres nur natürliche Folge. Zudem waren ihm
im Tee, Kaffee und Kakao, und weiter in dem mehr
und mehr aufkommendem Schnaps gefährliche
Nebenbuhler entstanden. Als Nahrungsmittel in
Form von Biersuppe, Bierbrei verlor das Bier bald
ganz seinen Wert, Kartoffel und Gemüse begannen
mehr und mehr diese zu ersetzen.
An Stelle der städtischen Selbstverwaltung war
allmählich die landesherrliche Gewalt getreten, auch
nit der Machtstellung der Gilde war es vorbei, die
alten Zwangs- und Bannrechte waren durch die
Landesregierungen stark beeinträchtigt, der Braubann
durch Erteilung von Konzessionen an „Freibrauer“
gebrochen. Vielfach wurde das Braurecht durch die
Stadt abgelöst, oder die Brauberechtigten brauten
ach dem Los im städtischen Brauhaus; Jena hatte
1540 bereits zwei solcher Gemeindebrauhäuser. Oft
auch verkauften die Berechtigten ihre Lose an die
noch Brauenden, deren Zahl von Jahr zu Jahr
zurückging. Besitz und Betrieb waren nicht mehr in
einer Hand, die genossenschaftliche Geschlossenheit
hörte auf. So bereitete sich allmählich der Übergang
zum reinen privatwirtschaftlichen Betrieb vor.
Es sind von den Landesfürsten viele Versuche gemacht
 worden, das Braugewerbe wieder zu heben,
und in der Barockzeit, zumal zu Anfang des 18. Jahrhunderts
 trat auch eine leichte Besserung der Verhältnisse
 ein.
Verschiedene deutsche Fürsten, vor allem Friedrich
Wilhelm 1., schufen scharfe Brauordnungen, die bis ins kleinste
die wirtschaftlichen sozialen und technischen Verhältnisse
regelten und die von Braudirektionen überwacht wurden,
“"riedrich Wilhelm rechnete das Bier zur unumgäÄänglichen Notlurft,

 In den Instruktionen für die Erziehung des Kronırinzen
 ordnete er an, „wie ihm denn auch vom Brauwesen
ler nötige Unterricht zu geben und zugleich zu zeigen, wie
las Brauwesen muß traktieret, gemaischet, das Bier gestellt,
refaßt und überall dabei verfahren, auch das Malz zubereitet
verde und beschaffen sein muß, wenn es gut ist.“ Dem Hang
ler damaligen Zeit zu glanzvoller Lebensführung trat er ent-‚egen,
 indem er dem Bier gegenüber dem Wein wieder seine
ılte gesellschaftliche Stellung zu verschaffen suchte, In einer
)rder vom 10. Februar 1738 verfügte er: „ich will, daß hinfüro,
venn die Offiziere zusammenkommen, sie nicht viele Geichte
 und Wein prätendieren, sondern mit einander hauswirt-‚chaftlich
 vorlieb nehmen sollen; und es muß vor keinen
Schimpf gerechnet, noch übelgenommen werden, wenn ein
Ditizier dem anderen ein Glas Bier vorsetzt“. Mit gutem Bei-;piel
 ging er selbst voran. Wie alle seine Zeitgenossen war
'T ein kräftiger Zecher. Auch die Frauen taten damals allge-1ein
 tüchtig mit; die überstarke Würzung der Speisen, wie sie
n der Barockzeit üblich war, mußte freilich auch großen
Yırst auslösen.

Aber im schnellen Wandel zeigt sich uns bald ein
inderes Bild. Das Zeitalter der Aufklärung war an-'ebrochen.
 In aller Erinnerung noch das Tabaksvollegium
 Friedrich Wilhelms I., wo bei rauhen
‘oldatenspäßen gewaltige Mengen Bieres vertilgt
vurden, unvergessen noch die Bier- und Weinseligzeit
 an anderen deutschen Höfen. Konnte doch ein
heingraf von Salm von seinem Besuch in Braun-:chweig
 berichten: „weil die Hofdamen stets bei der
"afel sitzen, so ist es billig, daß sie an den Räuschen
;benso teilnehmen als die anderen. Die Herzogin,
venn sie voll ist, ist über alle Maßen närrisch und
ıstig.“ Und nun die geistsprühende Tafelrunde des
iroßen Friedrich, wo bei perlendem Wein prickelnler
 Witz herrscht, aber auch philosophische
’robleme tiefgründig behandelt werden. Oder das
eekränzchen der Herzogin Amalie von Weimar,
röhlich in feinsten ästhetischen Genüssen, dabei ein
jNläschen Sekt nicht verschmähend. Das Bier war
us der Mode gekommen; fast nur von den unteren
tesellschaftsschichten wurde es noch getrunken.
        <pb n="228" />
        V., 1. Die Geschichte des Brauwesens.

_227
so bedeutung svoll
geworden wie die
vom Jahre 1516,
lurch welche die
Reinheit des bayrischen
 Bieres
jestgelegt wurde.
Nur Malz, Hopfen,
Hefe und Wasser
durften künftig
für” die Herstellung
 verwendet
werden. Die Einführung
 der „kalten“
 Gärung, d.h.
der Untergärung,
die, wie Poll jetzt
nachgewiesen
nat, viel früher
; als bisher anzenommen
 wurde, schon im 15. Jahrhundert (nachveislich
 zuerst in Nabburg) aufkam, weiter das
jayrische Dickmaischverfahren und die planmäßige
Züchtung der Hefe sind die wichtigsten Etappen
m Werdegang des bayrischen Bieres und führten
;chließlich zum heutigen Münchener Biercharakter.
/iele der alten Klösterbraustätten wurden wieder
nstand gesetzt, ihre Weinkeller wieder in
3ierkeller gewandelt; in den Städten entfalteten
;ich die Bräuhäuser, die zum Teil auf ein
:hrwürdiges Alter zurückblicken konnten, zu neuer
3lüte,
Rein empirisch ging die Entwicklung vor sich, um
;o erstaunlicher ist es, welche Höhe im Anfang des
'9. Jahrhunderts hier die Brautechnik erreichte, wie
jahe sie schon unserer heutigen wissenschaftlich bezründeten
 Betriebsführung stand.
Ein treffliches Buch des Jesuitenbraumeisters Benno Scharl,
seschrieben um 1800, gedruckt 1814, gibt uns eingehende
Cunde über die damalige Praxis und findet eine höchst
nstruktive Ergänzung in dem großen Modell der Spatenırauerei
 vom Jahre 1812 im Münchener Deutschen Museum.
\ussprüche führender bayerischer Persönlichkeiten wie „Wir
eben in einem Lande, in dem das Bier das fünfte Flement
‚usmacht‘“, kennzeichnen die Bedeutung, welche das Bier beeits
 im Jahre 1800 im bayerischen Volksleben hatte.

Spatenbräu 1812.
Fortsetzung des gegenüberstehenden Teils.

Friedrich der Große hat das Braugewerbe, das er
als einen wichtigen Faktor des Wirtschaftslebens anerkannte,
 gefördert, so weit er konnte.
Bekannt ist sein Eintreten zugunsten eines nahrhaften Bieres
gegenüber dem Kaffee und Tee: „Unsere Väter tranken nur
Bier, und das ist das Getränk, das für unser Klima paßt.“ Das
Bier war ihm ja auch eine ertragreiche Steuerquelle, Freilich
hat er nach dem Siebenjährigen Krieg einmal die Steuerschraube
 zu hart angezogen, doch lenkte er, als die Schäden
für das Braugewerbe deutlich wurden, auch sogleich wieder ein.
Aber trotz aller Maßnahmen, die er im übrigen
zugunsten des Brauwesens traf, wie die Wiederbelebung
 des Hopfenbaues, ging das Gewerbe in
Preußen und ganz Norddeutschland weiter zurück.
Um schwere Biere wie in alter Zeit zu brauen, war
die Zeit zu arm, der schwereren Aufgabe, gute leichte
und haltbare Biere herzustellen, war hier die Technik
noch nicht gewachsen. Ein bedenkliches Zeichen war
es, daß 1806 in Berlin der Verbrauch an Brenngetreide
 dem des Braumalzes ungefähr gleichkam.
Während hier wie im ganzen übrigen Norddeutschland
 die Verhältnisse im Braugewerbe überaus trübe
zeworden waren, hatte sich in Bayern ein außerordentlicher
 Aufschwung vorbereitet. Es wurde oben
darauf hingewiesen, daß in Norddeutschland das
Brauwesen in engstem Zusammenhang mit der
Stadtwirtschaft stand, und daß aus dem genossenschaftlichen
 Geist des Zunftwesens schließlich eine
Zwangswirtschaft hervorging, die jeden Wettbewerb
lähmte, jeden Fortschritt hinderte. In Bayern fielen
diese genossenschaftlichen Hemmungen fort. Schon
1520 war das Brauen als Landessache erklärt
worden; die Braugerechtigkeit wurde von den
Landesherren, die auch selbst Brauer waren, Vverliehen;
 sie wußten das sich entwickelnde Brauzewerbe
 durch weitausschauende Verfügungen in gesunde
 Bahnen zu leiten. Keine gesetzliche Verordnung
 .ist jemals für die Zukunft eines Gewerbes

Zahlreiche Verordnungen verfolgten das Ziel,
lie Bierqualität weiter und weiter zu heben. Zur
Prüfung derselben wurde die amtliche „Bierbeschau“
ängeführt.

Da wird nun berichtet, wie die „Bierkieser“, angetan mit
ıirschledernen Hosen, auf einer mit dem Prüfbier begossenen
3ank eine volle Stunde ausharren mußten, die freilich wohl
‚enützt wurde durch gründliche Geschmacksproben. Dann
cam der große Augenblick: auf ein gegebenes Zeichen mußten
ich die Kieser gleichzeitig von ihren Sitzen erheben.  Blieb
ıun die Bank fest an den Hosen kleben, so daß sie mit in die
1öhe gehoben wurde, so galt die Probe als wohlbestanden,
ınd das Bier als „pfennigvergeltlich“. Weit: verbreitet ist
lie Geschichte, indessen — — nicht verbürgt,
        <pb n="229" />
        Direktor Richard Knoblauch, Berlin:
A
Aber auch außerhalb Bayerns regte es sich im
Brauwesen. Neben dem Bayern Scharl sollen auch
nicht der Böhme Paupie und der Thüringer Muntz
als hervorragende Vertreter zielbewußter Praxis
vergessen werden, ebensowenig der Berliner Universitätsprofessor
 Hermbstädt, der als erster (1812)
die Notwendigkeit erkannte, der Brautechnik eine
wissenschaftliche Basis zu geben.
Das bayerische Verfahren breitete sich bald über
die Landesgrenzen aus. Die alten gewerberechtlichen
 Einengungen waren im Norden wie im Süden
m Anfang des 19, Jahrhunderts gefallen, die Gründung
 des deutschen Zollvereins und das Aufkammen
der Eisenbahnen taten ein übriges. Die Bahn. zur
Aufwärtsentwicklung war frei geworden.
In Norddeutschland war man gegen Ende der
zwanziger Jahre mit eingeführten fränkischen Bieren
bekannt geworden; sie fanden großen Beifall. Wie
sinst der Norden (Einbeck) den Süden, so befruchtete
jetzt der Süden den Norden. Anfang der dreißiger
Jahre wurden die ersten untergärigen Betriebe in
Norddeutschland errichtet. Im Konkurrenzkampf mit
dem neuen Bier, das „bayrisch“ genannt wurde,
verlor das alte obergärige von Jahr zu Jahr an Boden.
Alexander Meyer, dessen Ausspruch: „Das Bier, das
ıicht getrunken wird, hat seinen Beruf verfehlt“ zum
geflügelten Wort geworden, sagt über den Aufstieg
les untergärigen Bieres in Norddeutschland:
Innerhalb von zehn Jahren bürgerte sich der neue Stoff so
vollkommen ein, als habe der Deutsche nie ein anderes Gecränk
 gehabt, Zuerst hat das bayrische Bier unter der
akademischen Jugend seinen Einzug gehalten. Von da ab verbreitete
 es sich über alle Stände. Im Jahre 1848 war der Stand
les Kampfes etwa der, daß der patriotische Verein „Weißbier‘
ınd der demokratische Klub „Bayrisch“ trank.

228

wissenschaften. Weit ausschauende Männer, wie
lie Brauersenioren Sedimayr und Pschorr, knüpften
n den zwanziger Jahren Beziehungen zu Münchener
Tochschulprofessoren an. Theorie und Praxis
°cChlossen bald ein enges Bündnis. Fine große
Studienreise G. Sedlmayrs mit Dreher, Wien, und
„ederer, Nürnberg, nach England (1832), das damals
n der gesamten Technik allen anderen Ländern weit
'berlegen war, wirkte außerordentlich befruchtend.
je Dampikraft wurde nutzbar gemacht zum Anrieb
 der Pumpen und des Maischwerks, das
‘accharometer eingeführt. Die Darren erhielten
iserne Drahthorden und indirekte Beheizung,
Jatureiskühlung gab den Kellereien die erorderlichen
 niederen Temperaturen. Allmählich
vurde der ganze Betrieb mechanisiert und die
‚ampfmaschine zum Herzen des Betriebes, das pulierende
 Leben, das erst durch Transmissionen,
ann durch elektrische Kraftübertragung bis zu den
ntferntesten Arbeitsmaschinen führte.
An Stelle der trübseligen alten Beleuchtung trat strahlender
jlanz elektrischen Lichtes. Die Kühlung der Keller durch
Jatureis erfuhr eine eingreifende Wandlung durch Einführung
ler Lindeschen Kältemaschine im Anfang der achtziger Jahre;
:eine Erfindung wurde für die Brauerei von so weittragender
bedeutung: Das Klima wurde aufs feinste regulierbar, die
Vände trocken, die Infektionsgefahr gemindert, die alten Eisrruben
 schafften Raum für neue Kellerabteilungen, Und weiter
rat die Dainpfinaschine mit der Dampfturbine und dem Verennungsmotor
 in Wettbewerb, die planmäßige Energiewirtichaft
 wurde eine der Hauptaufgaben der technischen Betriebsührung,

Auch die Ausgestaltung‘ der Produktionsmittel
nachte von Jahr zu Jahr große Fortschritte.

Die alte Winde wurde durch den Fahrstuhl ersetzt, dieser
rom Becherwerk und weiter durch pneumatische Sauganlagen
«bgelöst. Der Tennenbetrieb ist zum mechanisch-pneumatischen
seworden. Auf der Darre braucht nicht mehr der Braumeister
ıuf die Horde zu spucken, um den Darrverlauf zu kontrollieren,
Alle Mittel stehen heute zur Verfügung, um die komplizierten
)hysiologischen und chemisch-enzymatischen Prozesse durch
jne geeignete Wasser-, Wärme- und Luftwirtschaft planmäßig
lurchzuführen. Im Sudhaus sind der Maischscheit und die
ınderen primitiven Handgeräte verschwunden. Maisch-, Abäuter-
 und Austrebermaschinen, Zentrifugalpumpen und
Jampfkochung geben der Arbeit ein modernes Gepräge. Nicht
nehr auf hölzernen Kühlschiffen wird die Würze gerührt, bis
ie „laulicht‘“ ist, Gegenstromkühler überwinden die kritischen
nfektionstemperaturen in kürzester Zeit, Nur in alten Gärvellern
 sieht man noch Holzbottiche, die. Fisschwimmer wie
lie bittere Arbeit des Eisbuckelns gehören der Vergangenheit
ın. In mächtigen Aluminium- und EFisenbetonbottichen wird
lurch reinrassige Hefe bei regulierbarem Klima die Gärung
lurchgeführt. Auch im Lagerkeller sind die alten Holzfässer
iurch Tanks ersetzt. Druckregler, Schnellfilter, zentralisierte
\utomatische Abfüllanlagen sind‘ weitere Errungenschaften
jeuerer Zeit. In Picherei, Schwankhalle, Flaschenkellerei
'liedern sich an Stelle der alten Handarbeit die einzelnen
&amp;gt;rozesse mechanisch automatisch aneinander. Nur für das
\usfahren spielt das schwere Brauerpferd noch wie vor
00 Jahren seine Rolle, freilich nur noch für den Nahverkehr,
m übrigen sind Kraftwagen, Eisenbahn, Dampi- und Motorchiff
 die Fördermittel von heute geworden.
Mit der riesenhaften Entwicklung der Technik im
:9. Jahrhundert hat die Nutfzanwendung der Naturvissenschaften
 gleichen Schritt gehalten. Hermb-Wenige

 Jahrzehnte weiter hatte sich das
bayrische Bier die Welt erobert. Nur in England
blieb das obergärige herfschend, in Deutschland erhielt
 es sich in einigen Lokalbieren, ‘wie in Köln und
Münster und besonders im Berliner Weißbier. Auch
die leicht sauren Hopfenbiere Belgiens und Nord-[rankreichs
 wahrten ihre obergärige Art.
Verschiedenartig gestaltete sich der Charakter der
untergärigen Biere in den einzelnen Ländern. Während
 in Bayern der mittelfarbene, dann (seit 1850)
der dunkle Biertyp zunächst herrschend blieb, fand
das helle Bier in Österreich und Norddeutschland
ine Heimat; seine Hauptrepräsentanten wurden das
Piülsener und Dortmunder. Zu einem Mitteltyp der
beiden letzteren entwickelte sich das Norddeutsche
Bier, das in den sechziger Jahren besonders von
Wien her stark beeinflußt wurde. In den neunziger
Jahren kam auch das helle Bier in Bayern auf.
Aber nicht das untergärige Verfahren allein hat
das Brauwesen zu neuem Emporblühen geführt.
Nicht minder ist auch der Anteil der sich mächtig
entwickelnden Maschinentechnik und der Natur-
        <pb n="230" />
        V., 1. Die Geschichte des Brauwesens.

_229
anderes Moment beitragen: die Veredlung der Rohstoffe,
 welche durch eine jahrzehntelange Zzielbewußte
 Züchtungsarbeit erreicht werden konnte. Ein
weiterer Fortschritt war das 1906 auf das ganze
Deutsche Reich ausgedehnte Surrogatverbot.
Wie. auf dem Gebiet von Wissenschaft‘ und
Technik das Brauwesen im 19. Jahrhundert einen ungeheuren
 Aufschwung nahm, so vollzogen sich auch
auf wirtschaftlichem Gebiet ganz außerordentliche
Wandlungen. .Die Vielzahl der Betriebe schmolz
stark zusammen. Aber der Absatz stieg von Jahr
zu Jahr. 1913 erreichte er in Deutschland eine Höhe
von 69,2 Millionen Hektoliter bei einer Weltproduktion
 von 295 Millionen Hektoliter. Die gernanischen
 Staaten hatten hieran einen Anteil
von mehr als 90%. In noch stärkerem Veraältnis,
 wie die Bierproduktion stieg, ging die
3ranntweinherstellung zurück. Müächtige‘  Produkionszenftren
 bildeten sich, so im Heimatland der
Intergärung, in Bayern: München, Nürnberg, Kulm-,
ach, in Nord- und Mitteldeutschland: Berlin, Dortnund,
 Hamburg, Bremen, Leipzig, Dresden, Bresau;
 in Österreich-Ungarn: Wien, Pilsen, Budapest,
ınd in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Engand
 und Belgien behaupteten ihre alte Stellung als
3ierländer. Eine blühende Brauindustrie entstand
n den Vereinigten Staaten Amerikas, die aber durch
las Prohibitionsgesetz 1920 ein jähes Ende fand.
Wie ‚einst im Mittelalter entwickelte sich. ein leb-1aftes
 Überseegeschäft in Deutschland. Über den
Izean folgte dem deutschen Bier der deutsche Brauneister,
 Bald wurden aus den Importländern Pro-Jluktionsgebiete,

Mit der Entwicklung des Braugewerbes zur Inlustrie
 wurde das Aktienprinzip mehr und mehr
ı1errschend. Hinsichtlich der Höhe des Unterı1ehmungskapitals
 der Aktiengesellschaften erreichte
lie Brauindustrie den zweiten Platz unter allen
deutschen Industrien. Neben anderen Momenten
xennzeichnet dies besonders die führende Stellung,
lie sie im Wirtschaftsleben einnahm.
Reich war in dieser Zeit des gewaltigen Aufstiegs
lie Brauindustrie an hervorragenden Persönlichceiten.
 Genannt seien hier nur einige Namen der
ilteren Generation, wie Rösicke, Henrich, Leicht,
Sedlmayr, Dreher und Jacobsen. In keiner Weise
standen aber hinter ihnen die Männer zurück, die aus
hrer Schule hervorgingen und die zu der ungleich
ichwereren Aufgabe berufen waren, die Industrie
lurch die Erschütterungen des Weltkrieges und der
Nachkriegszeit zur schließlichen Wiedergesundung zu
‘ühren.
Das Problem der Volksernährung im Kriege
)jedingte eine Zwangswirtschaft; die Rohstoffzuteilung
 wurde kontingentiert. Von Jahr zu
Jahr sank die Stammwürze der Biere, in Bayern
schließlich auf 3%, in Norddeutschland sogar

Xellereianlage um 1870

sfädt gab die ersten Unterlagen für die Saccharometrie,
 Schwann erkannte 1837 die Hefe als einzelligen
 pflanzlichen Organismus. Um die Mitte des
Jahrhunderts begann der Kampf um das Wesen der
Gärung. Liebig vertrat den Standpunkt des
Chemismus, während die biologische Auffassung in
Pasteur ihren Verfechter fand, die sich zunächst auch
siegreich durchsetzte. 1883 gelang es Hansen,
Kopenhagen, von einzelnen Zellen ausgehend,
Stämme in Reinkultur zu züchten und damit die
ürundlage der Hefereinzucht zu schaffen. 1896
folgte die wichtige Entdeckung Buchners, daß Zucker
durch zellfreien Hefepreßsaft vergärbar ist, wodurch
der Kampf der Auffassungen Liebigs und Pasteurs
aunmehr seinen Ausgleich fand. Die Arbeiten auf
diesem Gebiet fanden ihre Fortsetzung in: den
Forschungen Neubergs, vor allem aber in der überaus
 fruchtbaren Tätigkeit der brauwissenschaifflichen
Institute.
Als Forschungsstätten wie in ‚der Heranbildung
wissenschaftlich. geschulter Kräfte haben diese
Institute dem Braugewerbe ganz unschätzbare
Dienste geleistet. Glänzende Namen sind an sie geknüpft.
 —
In Weihenstephan, der ‚uralten Klosterbraustätte, und in
Berlin entstanden vortreffliche Lehranstalten; mit ihrem
Aufstieg sind die Namen Lintner und Delbrück untrennbar verdunden.
 Von Jahr zu Jahr mehrte und vertiefte sich der Lehrstoff.
 Die Erhebung beider Lehrinstitute zu Hochschulen und
die Ausdehnung des theoretischen Studiums auf sechs Semester
kennzeichnen deutlich die fortschreitende Entwicklung. Von
den weiteren wissenschaftlichen Instituten seien hier nur die
überragenden von München, Wien und Kopenhagen-Carlsberg
zenannt...
Die Folge der Ausbildung wissenschaftlich geschulter
 Kräfte war die Errichtung chemischer und
biologischer Laboratorien, die wir um die Wende
zum 20. Jahrhundert in allen fortschrittlichen Betrieben
 finden. Damit war die Wissenschaft als
gleichberechtigte Schwester der Praxis zur Seite
getreten. Beide im Bunde brachten sichere Gewähr
des Erfolges. Zu diesem Erfolge mußte aber noch ein
        <pb n="231" />
        Direktor Richard. Knoblauch, Berlin:
a LO SAVE, SPÜRT
unter 2%. Aufgaben auf technischem, sozialem
und wirtschaftlichem Gebiet traten an die Industrie
 heran, wie sie komplizierter kaum sein
konnten. Seit 1921 schien es langsam wieder aufwärts
 zu gehen, aber die fortschreitende Inflation
zerstörte wieder die Hoffnungen, sie zehrte an der
Substanz der Betriebe und machte die Stillegung
vieler alter Braustätten erforderlich. Phantastisch
erscheint uns heute die Tatsache, daß im November
1923 der Ausschankpreis für ein Liter Bier auf etwa
sine halbe Billion Papiermark gestiegen war.
Durch seine Gehaltlosigkeit war das Bier ganz in
Mißachtung geraten. Die Trostlosigkeit der Zeit
forderte stärkere Anregungsmittel. Likörstuben
taten sich auf, der Schnapsverbrauch stieg bedenklich.
 Erst als wieder die Rohstoffbeschränkungen,
das Starkbierverbot (1. Januar 1925) fielen, als das
Bier wieder der edle Gerstensaft der Vorkriegszeit
war, da kehrte man dem Schnaps den Rücken, da
wurde das Bier wieder das Volksgetränk, Der Absatz
stieg; die Höhe aus der Vorkriegszeit hat er jedoch
nicht wieder erreicht (1929/30: rd. 55 Millionen
Hektoliter, davon 3 Millionen obergärig). .
Der Wiederaufstieg des Absatzes zur derzeitigen
Höhe hätte aber nicht ausgereicht, die Brauindustrie
wieder lebensfähig zu machen. Fine weitgehende
Rationalisierung mußte Platz greifen durch weitere
Zusammenfassung von Betrieben und durch höchste
Steigerung der Arbeitsleistung. Größtmöglichen
Nutzeffekt bei geringstem Arbeitsaufwand zu erreichen,
 wurde zum ersten Gesetz auf allen Gebieten
der inneren und äußeren Betriebsführung. Schwere
Opfer haben diese Prozesse gefordert, aber sie

vurden nötig, um die Industrie vor Schlimmerem
‘u bewahren. Es war der Weg, der zu ihrer Rettung,
u ihrer Gesundung führte. Wie vor dem Kriege,
teht die Brauindustrie heute wieder an führender
"telle und ist berufen, teilzunehmen an den riesenaften
 Aufgaben, die der Wiederaufbau der erchütterten
 Wirtschaft erfordert.
Im Schicksalslauf vieltausendjähriger Geschichte
var das Bier des Menschen treuer Weggenosse.
Mutter Natur ist es gewesen, die schon in grauer
/’orzeit die Menschen lehrte, das Korn zu mälzen,
las Bier zu brauen; sie hat ihnen ihre Gesetze offenart
 und zeigte ihnen so den Weg, im Bier den
%deltrunk von heute zu schaffen; sie gab ihm das
erlangen nach den Freundlichkeiten dieser Welt,
zumal nach einem guten Trunk: sie zog ihm aber
ıuch streng die Grenzen des Genusses; sie warnte,
xe strafte, In Hamurabis Gesetzbuch, in der Fdda-°Chrift,
 in den alten Klöstern, bei Minnesängern und
Meistersingern, im Zeitalter des Humanismus, der
\ufklärung und auch in dem so gewaltige Werte
‘chaffenden 19, Jahrhundert hat man die freundliche
ijabe der Natur in voller Erkenntnis ihres Wertes
vewürdigt und hat auch mit fortschreitender Kultur
lem Gebot maßvollen Genusses mehr und mehr
technung getragen. Wider die Natur wäre es, vom
Aenschen hier völlige Entsagung fordern zu wollen.
Jas natürliche Verlangen nach einem guten Trunk
vird auch in Zukunft durch kein Verbot sich unteriIrücken
 lassen, wird fortleben, solange es Menschen
vibt, solange die Natur in ihren unzähligen eigenen
Järbetrieben den Zucker spaltet, sie selbst die Brau-Kunst
 übt.
        <pb n="232" />
        2. Die Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens E. V.
Von Kommerzienrat Dr. W. Sobernheim, Berlin.

Die Gesellschaft für die
Geschichte und Bibliographie
 des Brauwesens
wurde am 10. Oktober 1913
:n Berlin bei der Versuchsund
 Lehranstalt für Brauerei
 begründet. Die Anregung
 hierzu hatte der damalige Direktor und
Delegierte des Verwaltungsrats der Brauerei Haldenzut
 in Winterthur (Schweiz), Fritz Schoellhorn, in
folgendem tags vorher in der „Tageszeitung für
Brauerei“ veröffentlichten Schreiben an den wissenschaftlichen
 Leiter der Anstalt, Geh. Regierungsrat
Prof. Dr. Max Delbrück, gegeben:
„Vor einigen Monaten hat das Institut für Gärungsgewerbe
ein Büchlein neu verlegt, das im Jahre 1814 von einem bayerischen
 Braumeister und Verwalter namens Benno Schar!
geschrieben und unter dem Titel „Beschreibung der Braunbier-Brauerey
 im Königreiche Baiern‘“ herausgegeben worden
ist. Zweifellos ist dieses interessante Büchlein mit viel Interesse
 von vielen Brauern gelesen worden.
Die „Braukunst‘‘ ist vornehmlich eine deutsche Kunst, und
irüh schon haben Männer, die sich dazu berufen fühlten, ‚ihre
Erfahrungen bei der Bierherstellung niedergeschrieben. Durch
Bücher wurde diesen Erfahrungen weitere Verbreitung
gesichert.
Inzwischen hatten Wissenschaft und Technik im letzten
halben Jahrhundert eine totale Umwälzung im Brauwesen
hervorgerufen. Das einfache Gewerbe hat sich zu einer
bedeutenden Industrie entwickelt, Fortschritte sind auf allen
Gebieten gemacht worden, und doch muß man mit Bewunderung
 anerkennen, wieviel schon die alten Brauer durch
praktische Erfahrung mit Bezug auf die Herstellung eines
guten Bieres erreicht hatten, wie aus der genauen Beobachtung
aller Einflüsse sie Lehren zu ziehen wußten, die heute noch
Gültigkeit haben, wie sie unter den nach heutigen Begriffen
recht ungünstigen Verhältnissen ein schmackhaftes und haltbares
 Bier zu erzeugen verstanden. Hohe Achtung gebührt
diesen Männern und der Dank all derer, die auf diesem Gebiete
tätig sind. .
Dieser Dank findet u. a. würdigen Ausdruck im Sammeln
der erschienenen Schriften über das Brauwesen. Eine Anzahl
Herren — es sind ihrer noch nicht viele — hat angefangen,
Sammlungen einschlägiger Literatur anzulegen, und einige
dieser Sammlungen haben sich schon zu recht ansehnlichen
Spezialbibliotheken entwickelt, die eine wertvolle Fundgrube
für den Suchenden darstellen,
Schon im Jahre 1825 hat ein Herr namens Enslin in seinem
Buche „Bibliotheca oeconomica‘“ eine Zusammenstellung der
bis dahin in deutscher Sprache erschienenen Werke über das
Brauwesen gegeben. Seit dieser Zeit ist nichts Ähnliches
gemacht worden, und der Gedanke, eine Bibliographie des
Brauwesens aufzustellen, erscheint ein dem Ansehen der
deutschen Brauindustrie würdiges Unternehmen, das die
Unterstützung aller derer verdient, die im Dienste des Brauwesens
 stehen.
Ein solches Werk erheischt vor allem erhebliche Mittel
und einen für derartige Arbeiten geeigneten Mann. Es erheischt
aber nicht nur die finanzielle, sondern auch die tätige, Mithilfe
führender Männer des Fachs. Niemand erscheint wohl
geeigneter, einen solchen Gedanken durchzuführen, als das in
so hoher Blüte stehende Institut für Gärungsgewerbe in
Berlin,“ ; .
Geheimrat Delbrück ist auf diese Anregung hin
sofort mit großem Eifer in der ihm eigenen tempera-Kennzeichen

 der (560 RR

nentvollen Weise für die Gründung der Gesellschaft
angetreten. Zu Mitgliedern des Vorstandes wurden
gewählt:
Kommerzienrat Dr. Walter Sobernheim-Berlin;
jeheimer Kommerzienrat Georg Haase-Breslau;
Direktor Fritz Schoellhorn-Winterthur.
Gegenstand der Arbeiten und Forschungen
sollte sein:
L Allgemeines und Wirtschaftliches.
IL _ Technologisches:
a) Gerste und Mälzerei,
b) Hopfen und Hopfenbehandlung,
c) Sudhaus und die darin vorgenommenen Arbeiten,
d) Gärkeller, Haupt- und Nachgärung, Hefe und Hefenführung,

2) Faß- und Flaschenfüllerei,
D) Ausschank, Ausfahren und Versand.
IM. Trinksitten und Trinkgetäße.,
[V, Lebensbeschreibungen, Lebenserinnerungen, Familiengeschichtliches,
 Nekrologe,
V. Enthaltsamkeitsbewegung.
VI. Das Bier in Kunst und Poesie.
Eine Anzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter wurde
sewonnen, und man begann auch sofort damit, einen
Catalog der historischen Fachliteratur als Vorarbeit
ür eine Bibliographie des Brauwesens aufzustellen.
Die Arbeiten waren aber kaum begonnen, als der
Neltkrieg ausbrach und infolgedessen die für die
jesellschaft tätigen Herren größtenteils zum Heereslienst
 eingezogen wurden. Die Gesellschaft und ihre
\rbeiten, soweit dies nach Lage der Dinge möglich
var, wurden jedoch auch fernerhin von dem Nacholger
 Professor Dr. Struves, Dr. Schulze-Besse,
ortgeführt. Eine Reihe größerer und kleinerer Verffentlichungen
 sowie im Manuskript vorliegender
\rbeiten legen Zeugnis hiervon ab.
Nach Beendigung des Krieges konnte nicht sozleich
 daran gedacht werden, die Gesellschaft wieder
ıufzubauen. Erst am 24. September 1926 gelang es,
m Anschluß an einen Vortrag von Oberst Fritz
Schoellhorn, Winterthur, auf der Generalversammung
 der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in
München, die Gesellschaft neu zu konstituieren, und
ım 10. Oktober 1926 wurde dann beschlossen, für
;je die Rechtspersönlichkeit durch Eintragung in das
/ereinsregister zu erwerben. Zu Vorstandsmit-'liedern
 wurden wiedergewählt: Kommerzienrat Dr.
Valter Sobernheim, Berlin (Vorsitzender), Geheimer
Commerzienrat Georg Haase, Breslau, und Oberst
Ir. h.c. Fritz Schoellhorn, Winterthur (stellv. Vorsitzende).
 Zum Geschäftsführer wurde Dr. H.Schulze-Zesse,
 Berlin, bestellt.
In den beiden ersten Jahren ihrer Tätigkeit hat die
Gesellschaft bereits eine größere Anzahl Buchveröffentlichungen
 herausgegeben, die weit über die
        <pb n="233" />
        232 Kommerzienrat Dr. W. Sobernheim, Berlin:
ne nn Sn
Fachkreise hinaus in der wissenschaftlichen Welt Außerdem sind für jedes Land die Fachzeitschriften
vielfache Beachtung und Anerkennung gefunden mit genauen Angaben verzeichnet.
haben. Zunächst ist hier zu erwähnen die von Oberst Jedem Hauptteil ist ein besonderes alphabetisches
Dr. h. c. Fritz Schoellhorn selbst in Angriff ge- V erfasserverzeichnis mit Angabe der Nummern,
hnommene und im Sommer 1928 fertiggestellte um- ‘mnter denen die Schriften zu finden sind, beigegeben,
(assende las den praktischen Gebrauch in wünschenswerter
Veise erleichtert.
Die ganze Brauerwelt und ganz besonders die
vissenschaftlich interessierten Kreise schulden dem
/erfasser größten Dank für seine aufopferungsvolle
ahrelange Hingabe an dieses unendlich mühevolle
Verk, das in seiner Ausgestaltung und Ausstattung
n jeder Hinsicht als vorbildlich bezeichnet werlien
 muß.
Die Ergänzung dieser Bibliographie bildet eine bei
len Anstalten in Berlin, Weihenstephan und Wien
ıufgestellte
Cartothek der gesamten Fachzeitschriftenliteratur,
ın deren Vervollständigung und Weiterführung
tändig fortgearbeitet wird. Wie diese wird die Biblio-;raphie
 mit Hilfe besonderer von Oberst Dr. Fritz
°choellhorn bereitgestellter Mittel durch die Gesellchaft
 in ihrem Jahrbuch ergänzt und fortgeführt.
Ganz besonderes Interesse haben die Veröffentchungen
 über „Bier und Bierbereitung bei den
“Ölkern der Urzeit“ gefunden, die den Ursprung der
lierbereitung bis zum 7. Jahrtausend v. Chr. zurück-‚erfolgen
 und nachweisen, daß nicht Ägypten, wie
nan seither annahm, sondern Babylonien das älteste
3ierland der Welt gewesen ist.
Völlig neue Erkenntnisse sind es, die hier aus der
jeschichte der Brauerei mitgeteilt werden. Die
Jntersuchung des Assyriologen Dr. E. Huber zeigt,
laß die Ägypter die Malz- und Bierbereitung mit der
&amp;lt;enntnis des Kulturgetreides erst von den ältesten
3ewohnern der Euphrat- und Tigrisebene, den Babyoniern,
 übernommen haben. Dokumentarisch wird
ller nachgewiesen, daß dieses älteste Kulturvolk der
Menschheit schon 7000 Jahre v. Chr. Bier gebraut
ınd es als einen wichtigen Teil seiner Nahrung be-‚ständig
 genossen hat. Anzunehmen ist, daß die
3abylonier, wenigstens in der Zeit nach Hamurabi
im 2. und 1. vorchristlichen Jahrtausend), bereits
len Hopfen als aromaspendendes Würzmittel mit
’erwendet haben. Es ergibt sich dies daraus, daß
lie Hebräer während ihrer Gefangenschaft in
3abylonien (vom 7. vorchristlichen Jahrhundert ab)
lie Verwendung des Hopfens gekannt haben. Die
Tatsache der Hopfenverwendung zur Bierbereitung
in vorchristlicher Zeit war zuvor in Fachkreisen
‚öllig unbekannt; datierte man doch bisher die
dokumentarische Nachweisung des Hopfens auf die
Zeit des 8.—10, nachchristlichen Jahrhunderts,
Auch über die Bierbrauerei in Ägypten bringen die
Forschungen Dr. Hubers neues ergänzendes Material,
nsbesondere ‘aus bis jetzt nicht beachteten Grah-Bibliographie

 des Brauwesens.
Im ersten Teil dieses Werkes ist die: Brauereiliteratur
 lateinischer Sprache verzeichnet. Dann folgt
in dem zweiten, dem weitaus größten und umfangreichsten
 Teil, die deutsche Brauereiliteratur mit
nicht weniger als 1751 selbständigen Büchern und
Schriften, wozu außerdem noch schätzungsweise an
die 500 Veröffentlichungen verschiedener Art, wie
Kalender, Jahrbücher, Berichte von Versuchsstationen
 und Festschriften kommen. War schon
die Sammlung und Verarbeitung dieses ungeheuren
Materials aus dem deutschsprachigen Brauereischrifttum
 mit unendlicher Mühe verbunden, so hat
der Verfasser mit ganz besonderer Hingabe den
Iritten Teil, die fremdsprachige Brauereiliteratur,
ınter Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit und. ohne
Rücksicht auf die großen Kosten zu sammeln und zu
bearbeiten unternommen. Mit Unterstützung erster
Fachleute aus dem englischen und französischen
Sprachgebiet, aus Schweden, Dänemark, Norwegen,
aus der Tschechoslowakei, aus Rußland, Holland,
[talien und Ungarn ist es ihm gelungen, auch dieses
auf den ersten Blick kaum durchführbar erscheinende
Unternehmen erfolgreich zu Ende zu führen und weit
über 1300 Veröffentlichungen in fremden Sprachen
nachzuweisen.
Das Werk umfaßt die Brauereiliteratur der ganzen
Welt in folgender, systematisch ausgearbeiteter
Gruppierung:

HL Fremdsprachige Brauereiliteratur:
i. Englische (540 Bücher und Schriften).
?. Französische (215 Bücher und Schriften).
3. Schwedische (196 Bücher und Schriften).
4. Dänische (69 Bücher und Schriften).
5. Tschechische (141 Bücher und Schriften).
5. Russische (80 Bücher und Schriften).
I—10, Holländische, norwegische, italienische und ungarische
 (66 Bücher und Schriften).
        <pb n="234" />
        V., 2. Die Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens. 233

Sumerisches Mosaik. Relief aus den Köniqsgräbern von Ur (4. Jahrtausend v. Chr.). König und Hofstaat trinken Bier aus Spitzbechern.,

darstellungen, deren mehrere bereits in vergrößerter
Bildausführung vom Deutschen Brauer-Bunde in
seiner eindrucksvollen Ausstellung auf der „Gesolei“
in Düsseldorf dem großen Publikum vor Augen ge-Hührt
 worden sind, Die Veröffentlichung führt uns
die Braukunst der Babylonier zur Zeit der Sumerer
und unter der Semitenherrschaft, den damaligen
großen Bierkonsum der ganzen Bevölkerung mit
Einschluß des Hofes und der Beamten sowie die vielfältige
 Verwendung des Bieres in Götterkult und
Medizin in Wort und Bild vor Augen. Weiter geben
uns die Ausführungen Dr. Hubers neue Aufschlüsse
über die Braukunst der Ägypter und die bedeutende
Rolle, die das Bier im ägyptischen Haushalt gespielt
 hat.
In der Übernahme des babylonischen Wortes für
Bier, „Schikaru“, das bei den Hebräern zum
„Scheker‘“ wird, spiegelt sich die Übernahme der
wichtigsten Gebräuche und Kulturerrungenschaften
der Babylonier durch die Hebräer. Dr; E. Huber
zeigt im zweiten Heft der „Veröffentlichungen‘ an
den Belegstellen des Alten Testaments und des
Talmuds, wie das Bier sich in der alten jüdischen
Kultur neben dem Wein durchaus behaupten konnte,
wie es zwar, da aus gesäuertem Brot hergestellt, im
Opferritual und beim Passahfest keinen Platz fand,
sonst aber sich als wahres Volksgetränk der breiten
Schichten weitester Verbreitung erfreute, und wie
das gehopfte Bier dann seinen Weg über die indogermanischen
 Völker in Persien und am Kaukasus
nach Europa genommen hat.
Näher beleuchtet und veranschaulicht werden die
Quellenforschungen Dr. Hubers durch eine zusammenfassende
 Darstellung über „das Auftreten
des Hopiens bei der Bierbereitung und seine Verbreitung
 in der‘ Frühgeschichte der Völker“ aus der
Feder des jüngst verstorbenen Professors an der
Berliner Universität und Landwirtschaftlichen Hochschule
 Dr. Eduard Hahn, der insbesondere die Erforschung
 der Geschichte der Nahrungs- und Nutzpflanzen
 seit Jahrzehnten zum Spezialgebiet seiner
wissenschaftlichen Arbeiten gemacht hat und als
Autorität auf dem Gebiete der Vorgeschichte der
Genußmittel gilt. Prof. Hahn zeigt hierbei die Zusammenhänge
 von Bier und Brauerei mit dem Volksleben
 an Hand von Belegen aus Geschichte und
dichterischer Überlieferung...

Nachdem in den beiden ersten Veröffentlichungen
zur Geschichte des Bieres bei den Völkern der Urzeit
 die neuen Erkenntnisse und Forschungsergebısse
 über das Bier in Babylonien und Ägypten, bei
len Hebräern und den sonstigen unter babylonischem
&amp;lt;ultureinfluß stehenden Völkern sowie das Auftreten
les Hopfens bei der Bierbereitung in ältester vor-‘hristlicher
 Zeit zur Darstellung gebracht worden
varen, setzte sich die dritte abschließende Buch-‚eröffentlichung
 dieser Reihe zum Ziel, die uns er-‚altenen
 Nachrichten über Bier und Bierbereitung
’ei den Völkern des fernen Ostens und den Äthiopiern
zusammenfassend auszuwerten. Damit ist der Kreis
reschlossen: Unsere Kenntnisse über die Ausitrahlungen
 aus dem Bierland der Urzeit, aus
3abylonien, nach den drei Erdteilen Europa, Asien
ind Afrika, und die wirtschafts- und kulturıstorischen
 Beziehungen der über die Länder der
ılten Welt in vorgeschichtlicher Zeit verstreuten
/ölker runden sich damit zu einem eindrucksvollen
jesamtbild von der Unvergänglichkeit übernommener
/ölkersitten und Kulturwerte. In einer beigefügten
\bhandlung bringt Professor Dr. K. Stuhl, Würzyurg,
 dem Leser die sprachlich-mundartlichen Beveise
 der von Dr. E. Huber erforschten Zusammenlänge
 nahe und wirft dabei zahlreiche interessante
Streiflichter auf den Sprach- und Kulturzusammenıang
 der Völker der Urzeit untereinander und mit
len heutigen Volks- und Spracheinheiten. Das Wort
‚Gambra“ liefert uns den Schlüssel zum Verständnis
les „Gambrinus‘“ sowohl als auch des Wortes „Bier“
n seinen mannigfachen Formen, und seine Anklänge
ın semnonische Wortbildung schlagen die Brücke zu
ler Braukultur der Sumerer ünd Inder.
Die Urgeschichte des Bieres ist somit in dieser

Agyptischer Brauer
(Titelbild aus Heft I der Veröffentlichungen der C.C.B ı
        <pb n="235" />
        234

Kommerzienrat Dr. W. Sobernheim, Berlin:
LSA OD DPT EN, DET

Reihe von Veröffentlichungen der Gesellschaft von
der historischen, der brautechnischen, pflanzenkundlichen
 und etymologischen Seite her beleuchtet
worden.
Der Arbeitsplan der Gesellschaft für die Geschichte
 und Bibliographie des Brauwesens auf
historischem Gebiet umfaßt jedoch neben der Erschließung
 der Urgeschichte auch die Durchforschung,
 Sammlung, Sichtung und Ergänzung des
Materials, das uns über die Geschichte der Brauerei
des Mittelalters bis in unsere Zeit hinein überliefert
worden ist. Zahlreiche, in Archiven und Bibliotheken
yerstreute Angaben harren hier der Verarbeitung.
Zunächst sind es zwei wichtige Gebiete, denen die
Forschungstätigkeit der Gesellschaft gilt: dem
Klosterbrauwesen und der Entwicklung des Braugewerbes
 in den städtischen Gemeinwesen, Das Bier
war in früherer Zeit bei allen Schichten der Bevölkerung,
 ebenso wie Fleisch, Fische und Brot, das
bei den täglichen Mahlzeiten genossene Nahrungsmittel,
 außerdem natürlich wie heute Erholungs- und
Festgetränk. Es durfte deshalb in keinem Hause
fehlen. Wie sich dann allmählich aus der Bierbereitung
 im Haushalt der gewerbliche Brauereibetrieb
 und endlich die Brauindustrie herausgebildet
hat, eine Entwicklung, die gewerbegeschichtlich von
zroßem Interesse ist, sollen die Forschungen der Gesellschaft
 weiter zur Darstellung bringen. „Die Entwicklung
 des Braugewerbes in den städtischen Gemeinwesen“
 betitelt sich darum die begonnene neue
Reihe der Buchveröffentlichungen, und den Anfang
nacht als Band 1 die Geschichte des Branwesens einer
Stadt, deren Bier vom Mittelalter bis in die neuere
Zeit jahrhundertelang Weltruf genoß, der hannoverschen
 Stadt Einbeck oder richtiger. „Eimbeck‘“. Die
Darstellung ist das Ergebnis jahrzehntelanget
Forschungsarbeit von Professor Wilhelm Feise,

Stadtarchivar zu Einbeck, und schildert den Absatz
ınd Versand des Eimbecker Bieres im In- und Ausande,
 bis Stockholm und Reval im Norden und Innsıruck
 im Süden, seine Herstellungsweise und Be-(eutung
 für das Gemeinwesen im Wechsel der
ziten. Besondere Aufsätze behandeln die Themata
Luther und das Eimbecker Bier“ und „Das Eimacker
 Bier, das Vorbild des Münchener Bieres‘“,
Weiter brachte die Gesellschaft eine von ihrem
ijeschäftsführer Dr. Schulze-Besse im Auftrage des
’ereins Berliner Braumeister verfaßte „Geschichte
les Berliner Brauwesens und seiner Braumeister“
'eraus, die mit ihrem Bildschmuck in fesselnder, oft
on Berliner Humor gewürzter Darstellung eine an-&amp;gt;hauliche
 Schilderung des Brauwesens und des
ımungs- und Vereinslebens der Braumeister in
‘üherer und neuerer Zeit gibt. Die Entwicklung des
jewerbes von der „Braunahrung des Bürgers“ über
lie Brauergilde mit ihren selbständigen Brauneistern
 bis zum bedeutenden, hochgeachteten Geverbezweig
 zieht in zahlreichen landesherrlichen und
tädtischen Brau- und Schankvorschriften seit dem
4. Jahrhundert am Auge des Lesers vorüber. Die in
hrem unterhaltsamen Originaltext erstmalig wieder-“gebenen
 Auszüge aus den Brauordnungen und
!ten Braukonstitutionen runden sich auf Grund von
‚okumenten des Berliner Stadtarchivs und zeit-'enössischen
 Berichten zu einem anschaulichen
3ilde Alt-Berliner Bürgerlebens. Von besonderem
’eiz ist die kunstgerechte Wiedergabe des aus ver--ilbten
 Handschriften entzifferten Textes eines
ınungsprotokollbuches aus dem 16. Jahrhundert,
a dem ungelenke Brauerhände der Nachwelt schätz-‚ares
 Material über Werden und Wirken ihrer Gilde
‘berliefert haben. Daran schließt sich die aus alten
"raktaten rekonstruierte Darstellung des Braurorganges
 und der im alten Berlin besonders ge-;schätzten
 Biere mit Abbildungen alter Braugeräte.
Nach einer Darstellung der Freuden und Leiden des
3raumeisterstandes bringt das Buch die hochinter-3ssante
 Entwicklungsgeschichte der Berliner Braustätten
 und Nachrichten über die in ihnen tätigen
Braumeister an Hand von übersichtlichen Tafeln und
zahlreichen Abbildungen.
Als weitere Veröffentlichungen dieser Reihe sind
Darstellungen zur Geschichte des Breslauer Braugewerbes
 und des Brauwesens von Magdeburg, Jena
und Halle sowie Schweinfurt in Vorbereitung, und
auch das Jubiläum der Einführung der künstlichen
Kellerkühlung in den Brauereibetrieb wird Anlaß zu
ainer historischen Würdigung dieses epochalen Ereignisses
 geben.
Neben den Buchveröffentlichungen gibt die Gesellschaft
 in den Fachorganen sowie in ihrem Jahrbuch
kürzere geschichtliche Einzeldarstellungen, die allgemeines
 Interesse verdienen, heraus. Von diesen
sind insbesondere hervorzuheben die Beiträge zur

£hhildung einer alten Urlamar
        <pb n="236" />
        V., 2. Die Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens. 9235
3. 108, eine solche über Band III dieser Veröffentichungen
 gebracht. Sämtliche Bücher haben ferner
ne eingehende Würdigung von Professor Dr.
laberling in den „Mitteilungen für Geschichte der
Aedizin und der Naturwissenschaften‘“ erfahren.
Schon früher hatte Professor Ebeling in Berlin, der
lerausgeber des Reallexikons für Assyriologie, auf
irund der Veröffentlichungen der Gesellschaft
)r. Huber als Mitarbeiter herangezogen. Auch im
ichulunterricht und in Universitätsvorlesungen werlen
 die Ergebnisse der von der Gesellschaft verınlaßten
 Forschungen bereits: mehrfach verwendet.
So hat die Entwicklung der Gesellschaft in den.
Vachkriegsjahren einen recht erfreulichen Verlauf
;enommen. 200 Mitglieder im In- und Auslande be-&amp;lt;unden
 ihr Interesse und ihre tatkräftige Mitarbeit
ın den großen Aufgaben der bibliographischen und
‚raugeschichtlichen Forschung, und immer mehr
nacht sich in der Öffentlichkeit der Einfluß geltend,
len ihre Tätigkeit für die Hervorhebung der geıcChichtlich
 so fest begründeten Bedeutung des Brauzewerbes
 besitzt. Möge ihre Arbeit auch weiterhin
von Eriolg gekrönt und von Anerkennung bezleitet
 sein!

Geschichte des Klosterbrauwesens und über das
Alter der untergärigen Braumethode in Bayern von
Studienprofessor P. MNdefons Poll, O.S.B., die Beschreibung
 einer altägyptischen Bierhefe aus der Zeit
um. 2000 v. Chr., des Saccharomyces Winlocki, mit
Abbildungen von Professor Dr. J. Grüß, die Geschichte
 der Carlsberg-Brauerei von Dr. Lis Jacobsen,
 sowie die Untersuchungen über die Bier- und
Brauverhältnisse im der alten Hansastadt Soest von
Dr. Hermann Schmoeckel und Beiträge zur Geschichte
 des Braugewerbes in Oldenburg von
Studienrat TA. Reil.
Die Veröffentlichungen der Gesellschaft haben über
die Fachkreise hinaus in der wissenschaftlichen Welt
vielfache Anerkennung gefunden. Die Würdigung
ihrer Arbeiten durch ausführliche Besprechungen
hat sich an einer Reihe von Beispielen gezeigt.
So haben u. a. das Archiv für Orientforschung,
Berlin, Bd. V (1928), Heft 1, S. 27, eine ausführliche
Besprechung aus der Feder von Henry Fr. Lutz. von
der Universität für Kalifornien über Band I und II
der Veröffentlichungen über „Bier und Bierbereitung
bei den Völkern der Urzeit‘“ und die „Ostasiatische
Rundschau“, Hamburg, 9. Jahrg. (1928), Heft 4,
        <pb n="237" />
        3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres,
Von Dipl.-Ing. H. Paproth, Berlin. ;
J. Das Bier als Getränk.
Die Stellung des Bieres in der menschlichen Fraährung
 umfaßt im Grenzgebiet zwischen Nahrungsmittel
 und Genußmittel einen sehr weiten Raum.
Das Bier ist ein Erfrischungsgetränk, ein Getränk
der alkoholischen Gärung, ein gehopftes Getränk und
sin Nahrungsmittel. Diese seine Eigenschaften
stellen eine untrennbar verbundene Einheit dar und
bilden zusammen den Getränkecharakter des Bieres.
Wird auch nur eine davon in ihrer natürlichen Ausprägung
 verkümmert, oder fehlt sie ganz, so geht der
besondere Getränkecharakter des Bieres restlos verloren.
 Er kann natürlich auch nicht entstehen, wenn
Bestandbildner zusammengemischt werden, deren
zusammengesetzte Substanz der des Bieres nur bis
zu einem gewissen Grade ähnlich ist.
Zur Erkenntnis dieser Wahrheit über das Wesen
des Bieres mögen einige Beispiele dienen.
li. Mischt man je zur Hälfte aus einer Flasche
leichtem Mosel- oder Rheinwein und einer Flasche
Mineralwasser eine Schorle-Morle, so erhält man ein
moussierendes Erfrischungsgetränk vom Alkoholgehalt
 des Bieres, welchem jedoch das Hopfen-Bitter-Aroma
 vollständig und die gehaltvollen Fxtraktstoffe
 zum weitaus größten Teil fehlen. Das Getränk
hat in den heißen Monaten einige Verbreitung, vermag
 aber mit dem Riesenkonsum des Bieres nicht
im geringsten zu konkurrieren, ist ihm auch in
seinem ‚ganzen Getränkecharakter absolut unähnlich
und in keiner Beziehung gleichwertig.
2. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird seit
Einführung der Prohibition das sogenannte „near
veer‘“ hergestellt, ein Bier normalen Stammwürzegehalts,
 aus welchem aber nach der Vergärung der
Alkohol bis auf % % abgetrieben ist. Die hierbei mit
abgehenden flüchtigen Aromstoffe und die gänzlich
ausgetriebene Kohlensäure werden nachher wieder
zugesetzt. Es mag dahingestellt bleiben, wie weit es
gelingt, das durch die vorangegangene Alkoholdestillation
 zerstörte Bukett wieder herzustellen.
Jedenfalls entsteht ein Erzeugnis, welches dem Bier
aur chemisch ähnlich ist, aber von seinem Getränkwert
 fast alles eingebüßt hat. Der Konsum lehnt es
fast vollständig ab. Es vermag kaum den zehnten
Teil des früheren Bierumsatzes zu behaupten.
3. Nicht viel anders dürfte es in einem Land von
entwickelter Braukultur einem untergärigen Bier
ergehen, welches zwar einen normalen Alkoholzehalt
 von 4 Vol. % und darüber hat, auch das nötige

aß von Hopfenbitter, aber nur einen Teil der
iblichen Extraktstoffe. Ein Getränk dieser Art ließe
;ch aus Malz und Zuckerstoffen erstellen. — In
Jeutschland schließt das Reinheitsgebot ($ 10 des
3iersteuergesetzes vom 9. Juli/1l. August 1923) die
irzeugung solchen Bieres, welches in Wirklichkeit
ur ein Biersurrogat sein würde, aus. — Unterstellen
vir aber, es würde gleichwohl gebraut, so würde ein
jetränk folgenden Charakters zustande kommen:
\Ikoholgehalt und Bitteraroma normal, jedoch Ge-°chmack
 sprittig und leer, da die gehaltvollen
3xtraktstoffe des Malzes nur zum Teil vorhanden
;jind. Vom Konsum würde auch dieses Getränk
sicher verworfen werden.
Um zu einer
rnährungswissenschaftlichen Wertung des Bieres
zu gelangen, zitieren wir das „Handbuch der Erıährungslehre‘“
 (1) von Geh. Medizinalrat Prof. Dr.
7. von Noorden und Prof. Dr. H. Salomon, also zwei
nternational anerkannten Autoritäten ihres Fachrebiets:


I. Bd., Seite 766/67: . .. „Von besonderen Umständen
abgesehen, darf gut bereitetes Bier als das bekömmlichste
 alkoholische Getränk gelten. Mit geringer Konzentration
 des Alkohols und gewissem Nährwert verbinden
 die leichten Biere die Figenschaft eines durch
glückliche Mischung von verdünntem Alkohol, Dextrinen
und Maltose, Bitterstoffen, Kohlensäure bedingten eririschenden
 Wohlgeschmacks. Diese erfrischenden
Eigenschaften, hinter welche die Alkoholwirkung der
üblichen kleinen Mengen (*/so—/s0 Liter) ganz zurücktritt,
 ermöglichten dem Bier seinen Siegeszug durch die
ganze Welt. Er erstreckt sich infolge vollendeter braugewerblicher
 Technik jetzt äuch auf die Tropen, die dem
Normalbier früher verschlossen waren und mur unzebührlich
 alkoholreiche Arten desselben kannten.“ ...
Verbreitung über die Welt.
Den Zahlenbeleg zu dem, was von Noorden und
jalomon. geurteilt haben, liefert die Zahlentafel l,
‚Weltbiergewinnung in geographischer Ordnung“.
is lohnt sich, in die Einzelheiten der statistischen
7ahlen etwas hineinzugehen, um aus der Entwickıng
 des Konsums einen Rückschluß auf das physioogische
 Bedürfnis der einzelnen Völker und Klimata
u gewinnen, wobei der Einfluß der einschneidendsten
rolkswirtschaftlichen und gesetzgeberischen Monente
 entsprechend zu berücksichtigen sein wird.
In Europa hat der Weltkrieg in erster Linie natürich
 in den betroffenen Ländern ungeheure wirtchaftliche
 Rückschläge ausgelöst, in den Vereinigten
staaten von Amerika hat eine kurzsichtige und ein-
        <pb n="238" />
        V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres, 237
Tafel I. Welt-Biergewinnung Das deutsche Bier.
in geographischer Ordnung. A. Untergärige Biere.
Zum beherrschenden Typ der deutschen Biererzeugung
 wurde, und zwar erst im Zuge der modernen
 brautechnischen Entwicklung des vorigen
Jahrhunderts, das untergärige Lagerbier. Das unterzärige
 Verfahren, zuerst in Bayern entwickelt und
deswegen vielfach das bayerische genannt, hat allmählich
 fast alle bierbrauenden Länder der Welt erobert.
 Dieses Bier erhielt durch gesetzliche Beschränkung
 - der zu verwendenden Braustoffe in
Deutschland ein besonderes Gepräge, nämlich durch
das schon erwähnte Reinheitsgebot des Biersteuergesetzes
 (2) vom 9. Juli/11. August 1923, welches in
wörtlicher Fassung lautet:
8.10 Abs. 00. „Zur Bereitung von unterzärigem
 Bier darf, abgesehen von der Vorschrift
 im Absatz 3, nur Gerstenmalz, Hopfen,
Hefe und Wasser verwendet werden.“
Damit sind alle anderen vergärungsfähigen Stoffe,
vesonders Zuckerzusätze, Gärungserreger wie auch
Aromzusätze, ausgeschlossen. Im mancher Beziehung
 bedeutet das einen Verzicht, in welchem
sich jedoch die Produzenten mit den Konsumenten
eins wissen. Auf der positiven Seite liegt einmal die
wertvolle Garantie der hygienisch einwandfreiesten
— da am besten zu kontrollierenden — Biererstellung,
 und zweitens vor allem die Gewähr, das
in Jahrtausenden als bestes erprobte Braugut
seiner naturgegebenen Aufschließung d{iür den
menschlichen Konsum in höchster Reinheit und
Vollendung zuzuführen.
Einem zweiten charakteristischen Merkmal bezegnet
 man in der Stärke der Einbrauung, welche
der psycho- und physiologischen Konsumstruktur
des Deutschen Rechnung trägt.
Der beherrschende Typ des untergärigen Bieres
st in Deutschland das aus etwa 12prozentiger
Stammwürze, welches in ausgereiftem Zustande
lurchschnittlich eine Zusammensetzung von etwas
ınter 3% Gew.-% Alkohol und 5% % Extrakt
wfweist.
Das Charakteristische für das Konsumbedürfnis
les Deutschen ist der Alkoholgehalt, in diesem Falle
ler leichte Alkoholprozentsatz seines Bieres.

n Europa:
Deutschland .......0..
Groß-Britannien u.Irland
Frankreich ............
Belgien 2.....0000000004
Niederlande ...........
Dänemark. ............
Norwegen ...........0.
Schweden ............0.
Rußland .....00.0.0000000
Polen. ...0000000000000
Österreich-Ungarn .....
Tschechoslowakei ....
Deutsch-Österreich ...
Ungarn ....0000000004
Rumänien ......0.0.00.000 ]
jugoslawien (Serbien)...
Halien „0...000000000000
SchwWeiZ.......... 20.
Zusammen .. “
in Nord-Amerika:
Ver. Staaten...........
Kanada ..........0.0.0.0..
Zusammen ...
ın Mittel- und Süd-Amerika:

MEeXiCO 2.00000000000000
Argentinien ........0...
Brasilien ....0.0.0.0.0000004
Chile.......0000000000
Zusammen...
ın Australien und Neuseeland............
 3500| 3934| 3.675
in Asien: *
Japan. ......0000000000 (394) 9902| 1600
Britisch-Indien ......... 320| 200
Zusammen... (294)| 1312| 1800
Alle sonstigen Länder | 2116| 2440| 8759_
Weltproduktion ...... .. zn 070 | 127 970 | 176 566 | -/- 42,8
seitig fanatisch inspirierte Gesetzgebung das physiologische
 Bedürfnis radikal abgedrosselt und auf unnatürliche
 Abwege hingeleitet. Beides wirkt sich in
den Ziffern deutlich aus.
Allgemein ist aber die Biergewinnung in den
heißen Ländern seit der Vorkriegszeit mächtig vorwärts
 geschritten. Fast alle heißen Länder, so insbesondere
 die Asiens und Mittel- und Südamerikas,
aber auch in Europa die Balkanländer, Italien und
Spanien, haben ihre Biergewinnung gegen 1913 verdoppelt.

Vergegenwärtigt man sich hierbei, daß der Hauptvdierkonsum
 auch in den Ländern mit kälterem Klima
in die Sommermonate fällt, so geht klar hervor, daß
das Bier in der ganzen Welt vornehmlich den
Zwecken eines‘ Erfrischungsgetränkes dient.

4 100

Die Haupttypen des untergärigen Bieres.
Man unterscheidet in Deutschland zur Zeit drei
Jauptgattungen des Bieres: ;
den Münchener Typ,
den Pilsener Typ,
den Dortmunder Typ.
Das Münchener repräsentiert den Typ, bei
welchem die Ausprägung der Aromtönungen des
Malzes (Malz von Münchener Typ) zur höchsten
        <pb n="239" />
        Dipl.-Ing. H, Paproth, Berlin:
brautechnischen Vollendung gediehen ist. Es ist das
Bier, dessen Aroma so sehr an den Geschmack
irischen Brotes erinnert, wozu allerdings sein hoher
Extraktgehalt und die besondere Art der Malzbereitung
 reichlich Veranlassung geben. Sein Geschmackscharakter
 wird jedoch, allerdings in sehr
dezenter Weise, auch durch die Hopfengabe beeinußt
 und variiert vom süß-vollmundigen bis zum
eicht-herben, fein überdeckten edelsten Malzaroma.
Münchener ist kein eigentliches Dunkelbier, sondern
spielt in leuchtend-braunen bis sattbraunen Nuancen.
Ausgesprochene Dunkelbiere sind dagegen der
Nürnberger und Kulmbacher Typ dank ihrem hohen
Gehalt an Farbmalzextraktivstoffen, desgleichen die
Spezialsorten Bock und Salvator, alles Biere gehaltvollsten
 Malzaromas.
Schließlich verdient unter den bayerischen Bieren
noch das Märzenbier Erwähnung, ein stärker eingebrautes
 Hellbier von tiefem Goldgelb.
Der Pilsener Typ hat in der deutschen Biererzeugung
 eine große Verbreitung gefunden. Er
'äßt den Geschmack des Malzes völlig zurücktreten
und konzentriert sich auf ein schneidig-rezentes
Hopfenbitteraroma sehr feiner Nuancierung und von
mildem weichen Trunk. Die Farbe des Pilseners ist
ein glänzendes Sattgelb. Besonderer Wert wird auf
eine prächtige weiße Schaumkrone gelegt.
Das Dortmunder endlich, das hellste aller Biere,
betont einen mild-gehaltvollen Malzcharakter in
ieiner Abtönung mit edlem Hopfenaroma. Dank
stärkster Ausgärung und stärkerer Einbrauung als
beim Pilsener Typ hat es etwas Kernig-Weiniges,
Charaktervolles. Seine Schaumhaltigkeit steht
hinter der des Pilseners zurück. ;
Zwischen diesen Haupttypen bewegen sich nun
zahlreiche Spielarten, welche je nach Maßgabe der
örtlichen Geschmacksrichtung sich bald der einen.
bald der anderen dieser Gattungen annähern.

ich-rauchig. Zu den säuerlichen Bieren ist ferner
lie „Leipziger Gose“ zu rechnen, bei welcher aber
1eben dem Säuerlich-Rauchigen noch ein Salzreschmack
 hervortritt. Bereitet aus Grünmalz
Weizen-, Gerste-, Hafer-) oder aus ganz schwach
vedörrtem Malz und ganz schwach gehopft, verneidet
 die „Gose“ beim Sud hohe Temperaturen und
ırhält dadurch den Vitamingehalt des Grünmalzes.
3. Ausgesprochen rauchiges Bier ist das Grätzer,
un sehr bitteres Bier etwa _Ssiebenprozentiger
Stammwürze aus Weizenmalz.
4. Rheinische und-westfälische Bitterbiere aus nur
;echsprozentiger Stammwürze, verhältnismäßig kalt
’ergoren und gelagert.
5. Deutsches Porter, ein Starkbier aus achtzehn-‚rozentiger
 Stammwürze, meist mit obergäriger
Tefe vergoren, sehr alkohol- und extraktreich, hat
len charakteristischen englischen Portergeschmack
ınd Geruch.

Die deutsche Biererzeugung.
Zuverlässige Angaben über den mengenmäßigen
Absatz der gekennzeichneten Sorten liegen nicht
vor. Man kann aber sagen, daß in Norddeutschland

Tafel 11.
Malzverbrauch und Biererzeugung im Deutschen Reich ab 19002).

Rech- Malz- Malz- Bier- Biererzeu-|
 verbrauch?) | verbrauch ! erzeugung | gung auf den
aneT ; in pro hl Bierin in ‚ Kopf der Behar
 1000 dz kg 1000 hl 'völkerung in!

1900
1901
1902
1903
1904
1905
1906
1907
1908
‚909
‚910
‚911
912
213
914
1915
1916
1917
‚918
‚919
‚920
921
‚922
923
‚924
‚995
1926
1927
1928

13 641 20,4 66 881
13 537 20,2 67 103
12 880 20,2 63 899
18.021 20,0 65 073
18 058 19,7 66 264
13.447 19,6 68 591
13 428 19,5 69081
18 346 19,2 69 535
12 870 199 66 961
11940 JP» 63 754
‚1639 18,1 54 465
12 893 18.7 70 353
‚2 408 18.8 57 872
‚2 609 18,2 69200
0689 18,5 59 378
7687 16,8 45 862
1765 12,9 36 835
L 649 6.9 23 887
* 108 44 24 958
1196 4,1 29 458
2 202 9,4 23 488
4 926 14,5 38 993
ca. 46473) ca. 14,9%) 32 000°)
a 46463) ca 16,5% 30 00083)
6 968 18,3 38 149
8 809 18,5 47 560
8 858 18,3 48 342
9 595 18,6 51 608
9 865 18.0 54 997

118
117
110
110
10
118
112
111
106
9°
99
107
102
108
87
cm

B. Obergärige Biere.
Man unterscheidet unter den Sorten, welche einen
nennenswerten Besitzstand behauptet haben, {folgende:

1. Malzbiere: Charakteristikum ist schwache
Hopfung und schwache Vergärung. Der Stammwürzegehalt
 schwankt in den weitesten Grenzen vom
leichten Braunbier bis zum zuckergesüßten Süßbier
und dem mit Malzextraktzusatz von 15% und
darüber erstellten Malzkraft- oder Doppelbier.
2. Säuerliche Biere: Der bekannteste Vertreter ist
das Berliner Weißbier, welches aus Weizen- und
Gerstenmalz gebraut, alkohol- und extraktarm, auch
schwach gehopft ist und dank seinem Kohlensäurereichtum
 über eine äußerst erfrischende Wirkung
verfügt. Diesem Typ steht nahe das Lichtenhainer,
ein Bier aus etwa achtprozentiger Stammwürze aus
angeräuchertem Gerstenmalz. Geschmack: säuer-4E


vn

ca. 543)
ca. 513}
61
76
77
81
FT

) Die Angaben beziehen sich auf das deutsche Zollgebiet,
‘) 1900 bis 1907, ab 1918 ohne Men ß-Tothringen.
\ Nicht ganz genau infolge Störung durch Ruhrbesetzung.
        <pb n="240" />
        V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres,
das Helle vollkommen dominiert, in Bayern sich hell
und dunkel ungefähr die Wage halten,
Tafel II gibt einen Überblick über die deutsche
Biererzeugung und den jeweiligen Malzverbrauch.
Von der gesamten Erzeugung entfielen in den letzten
Jahren rund 95°. auf das untergärige Bier.

ii
BGE N
at ERBEN
: a 1 +
z * Re &amp;gt; * Ye
sonders darauf hingewiesen werden, daß dieses-Bier CC
dem noch im Königschen Werk unter „Läagerbier‘” U
geführten „Sommerbier‘“ nicht mehr ganz entspricht, SF
da dessen Stammwürze eine rund 12,6prozentig® iek:e\*

Tafel II.
Chemische Zusammensetzung gebräuchlicher Biere:
im Extrakt enthalten:
zZ 133 &amp;amp; LANE allıeı 2 o Yxalo-&amp;amp;
 =] SE SER :EH| 8 | 3 | rien
© 8 14 BEE SEES SE
Mo Mo Mo ka N Mo | m On

N. Nährwert,
Das Hauptinteresse unter den Stoffwechselvorgängen
 nehmen beim Erwachsenen diejenigen
Prozesse in Anspruch, welche im Gleichgewichtszustand
 ablaufen, der sogenannte Betriebsstofiwechsel.

Der Stoffverbrauch beim Betriebsstoffwechsel
 ist ausschließlich bedingt
 durch wärmeverbrauchende
Vorgänge, muß also durch Zufuhr von Wärmewerten
 (Kalorien) befriedigt werden.
Der durchschnittliche Kalorienwert ist nach dem
„Handbuch der Ernährungslehre‘* von Geh. Rat
v. Noorden und Prof. H. Salomon (1, S. 108) für je
1 g: Eiweiß 4,1, Fett 9,3, Kohlenhydrate 4,1, Alkohol
7,0, Milchsäure 3,7 Kalorien.
Nach Rubner (3) beträgt der Wärmebedarf für
den ruhenden Organismus des gesunden Erwachsenen
 von 70 kg Körpergewicht 1650 Kalorien
in 24 Stunden. Der Bedarf für die Arbeitsleistung
der willkürlichen Muskeln schwankt natürlich in
sehr weiten Grenzen, je nachdem es sich um einen
Büroarbeiter oder z. B. um einen Holzfäller handelt.
Legen wir die mechanische Arbeitsleistung eines
Bergsteigers zugrunde, welcher ein Gewicht (Körper
und Traglast) von insgesamt 1 dz am Tage um
1500 m zu fördern hat, so würde dieses zweifellos
ganz erhebliche Arbeitspensum, in Wärme umgerechnet,
 rund 350 Kalorien ausmachen, also außerordentlich
 wenig, nur ein Fünftel im Verhältnis zu
den 1650 Kalorien des Bedarfs für den ruhenden
Organismus.
Der Gesamtbedart an Kalorien beträgt bei mittjerer
 körperlicher Arbeit für einen Mann von 70 kg
Körpergewicht 2800 bis 3500 Kalorien, also im Mittel
etwas über 3000 Kalorien. („Handb. d. Ernährungslehre“
 (1) v. Noorden/Salomon, I. Bd., S. 111.)

Biersorten

Schankbier ..
Lagerbier....
Zxportbier .....
3o0ck-, Doppeloder
 Märzenbier.........
 4,64 10,221] 8,34 | 0,73 6,86 10,181 0,176'0,276 656
Ale .....00.... 5,27 10,201[ 5,99 [0,61 2,88 |0,284| — 10,320] 605
POrter......... | 5,16 10,383] 7,97 | 0,63 | 5,14 10,325| — 10,380] 674
Weißbier ...... | 2,79 [0,299] 5,29 | 0,54 | 3,99 10,353'0,092|0,142] 406
*) Nach dem „Handbuch der Ernährungslehre“ v. Noorden-Sal. IX. Bd. 8. 756.

3,36 10,197| 5,34 | 0,74 | 4,26 10,156/0,120'0,240! 447
3,69 0,207] 5,49 | 0,52 ! 4,25 10,178 0,181/0,207] 475
129 10.2071 6,50 | 0,66 ı 5,02 10.174'0,170.0,239* 559

Jer moderne Standardtyp nähert sich in seiner
Stärke mehr dem ersten Typ der Tafel, welcher eine
'ast 12prozentige Stammwürze besitzt,
Es bedarf in diesem Zusammenhange nur eines
curzen brautechnischen Hinweises, weswegen heute
lurchschnittlich leichtere untergärige Biere im Ver-&amp;lt;ehr
 sind als in den 70er, 80er und 90er Jahren des
vorigen Jahrhunderts: die bahnbrechenden Fort-':Chritte
 der Brauwissenschaften und Brautechnik in
lien letzten 50 Jahren gaben dem Brauer selbstverständlich
 neue Möglichkeiten in die Hand, welche
ich auf das Bier in vielfacher Hinsicht veredelnd
ıuswirkten. Einer dieser Fortschritte war der,
laß es jetzt jeder Brauerei möglich wurde, aus
ıur 12prozentiger Stammwürze ein Bier zu er-‚jeugen,
 welches an Haltbarkeit den früheren, meist
;tark eingebrauten und alkoholreichen Sorten um
las Vielfache überlegen ist.

Alkoholgehalt.
Betrachtet man die Stoffe näher, welche die Sub-‚tanz
 dieses Bieres ausmachen, so ergibt sich sofort,
laß unter den Kalorienträgern der Alkohol an erster
Stelle steht. Er dürfte bei hellen Bieren im Mittel
;»twa 55% der Gesamtkalorien liefern, bei den
lunklen, durchweg extraktreicheren dagegen nur
“und 50 %.
Im Verhältnis zu dem Alkoholprozentgehalt des
3ieres haben leichte Weißweine die doppelte, Korn-)ranntweine
 die acht- bis zehnfache Alkoholmenge,
Cognak, Rum und Arrak noch mehr. Es ist besonders
 hervorzuheben, daß das Bier als einziges
ınter allen diesen Getränken nur reinen Äthylılkohol
 enthält und keine Beimengungen von Amylınd
 Butylalkoholen (Fuselöle). — Bei der Betrachung
 des Bieres als Nahrungsmittel ist als wesent-Die

 Zusammensetzung des Bieres.
Wir entnehmen dem Hartwichschen Werk „Die
menschlichen Genußmittel“ (4), S. 694, folgende
Durchschnittsanalysen der wichtigsten Biersorten,
welche die Mittelwerte aus den Hunderten von Ana-Iysen
 des bekannten Werkes von J. König: „Die
Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genußmittel“
 repräsentieren.
Das verbreitetste aller Biere ist heute in Deutschland
 das untergärige Lagerbier aus einer durchschnittlich
 12prozentigen Stammwürze. Es muß be-
        <pb n="241" />
        Dipl.-Ing. H, Paproth, Berlin:
liches unterscheidendes Merkmal gegenüber den
anderen gegorenen Getränken festzustellen, daß
neben dem Alkohol den übrigen Kalorienträgern eine
Daritätische Bedeutung zukommt.
Extraktgehalt.
Der Extraktgehalt (5,34 %) entspricht etwa dem
Durchschnitt bei Lagerbieren 12prozentiger Stammwürze.
 Unter den Substanzen des Extraktes nehmen
lie Kohlenhydrate (hauptsächlich Dextrine) 80 % in
Anspruch. ‚Die N- Substanz dürfte im Mittel
niedriger sein wie hier, nämlich etwa 0,5—0,6 %
anstatt 0,74 %. Den dem Hord&amp;amp;in der Gerste entstammenden
 Proteinstoffen kommt nicht die Bedeutung
 eines vollwertigen Eiweißkörpers zu, sondern
aur' die von Eiweißbausteinen, welche allerdings bei
Anwesenheit der fehlenden Baustoffe (aus anderen
Nahrungsmitteln) im Organismus zu vollwertigem
Ziweiß synthetisiert werden können. Im allgemeinen
wird man sie aber nur als Kalorienträger zu werten
haben, Die Mülchsäure hat größere Bedeutung nur
beim Weißbier, wo sie das Aroma ausschlaggebend
bestimmt. Mit einem gewissen Nährwert verbindet
sie in nützlicher Weise eine konservierende Funktion
ınd wirkt außerdem erfrischend.
Die Zusammensetzung der Mineralstoffe des
Bieres ist abhängig von den im Malz enthaltenen löslichen
 Substanzen, ferner aber auch von den Salzen
des Brauwassers; aus diesem Grunde ist sie erheblichen
 Schwankungen unterworfen. Eine Durchschnittsanalyse
 der Bierasche entnehmen wir dem
‚Ilustrierten Brauerei-Lexikon“ (5), S. 90:
Kali 34,0 %, Natron 8,5 %, Kalk 3,0 %, Magnesia
5,5 %, Phosphorsäure 32,0 %, Schwefelsäure 3,0 %,
Chlor 3,0 %. Rest: gebundene Kohlensäure.
Der überwiegende Teil der mineralischen Substanz
 wird gebildet von phosphorsaurem Kalium und
phosphorsaurem Magnesium, d. h. Verbindungen,
welche gemeinhin mit organischer Substanz zu
einheitlichen Körpern vereint sind und daher für
die Ernährung als sehr wertvoll bezeichnet werden
müssen, Der gesamte Aschegehalt des besprochenen
Biertyps liegt mit 0,24 % ziemlich hoch: auf die
trockene Würzesubstanz berechnet, würde er 2,0 %
betragen und somit in der Mitte zwischen dem
Mineralgehalt des Gerstenkornes und Mehles liegen.
Jedenfalls darf gesagt werden, daß der ernährungswirtschaftliche
 Nachteil einer Entmineralisierung
(wie z. B. beim Abkochen der Gemüse) beim Bier
vermieden ist.

240

unter 100 % liegende Ausnützungsgrad des Alkohols
vesentlich in die Wagschale fällt. — Fine ähnlich
ıohe Ausnützung ihres Kaloriengehalts erreichen
xoggenbrote aus hellen Mehlen; bei Broten aus
zröberen, d.h. mehr kleie- und zellmembranhaltigen
Miehlen ist der physiologische Nutzeffekt geringer.
Vgl. „Handbuch der Ernährungslehre“ v. Noorden!
Salomon, I. Bd., S. 408.)
Ausnützung des Alkohols.
Diese hohe Kalorienausnützung des Bieres ist aber
ur bei mäßigem Genuß vorhanden. Im Übermaß
renossen, macht sich der Alkoholgehalt, normalerveise
 ein Förderer der Verdauung, zum Schaden der
erdauung geltend. Als mäßige Mengen Alkohol,
velche, regelmäßig genommen, dem Körper nützch
 und bekömmlich sind, bezeichnen v. Noorden/Samon
 für den erwachsenen Mann 40 g pro Tag, für
ie Frau ungefähr ein Drittel dieser Menge. Das be-'sutet,
 daß / Lifer Bier am Tage für den Mann als
uträgliches und bekömmliches Durchschnitts-'uantum
 anzusehen ist. Der deutsche Konsum; auf
lie Gesamtheit der Erwachsenen bezogen, und unter
berücksichtigung des Anteils der übrigen .alkoholaltigen
 Getränke, liegt unter dieser Mäßigkeits-‚renze,
 Die amerikanischen Physiologen Atwater
nd Benedict konnten positiv nachweisen, daß der
nenschliche Organismus bis zu einem Fünftel seines
esamten Energiebedarfs aus dem Abbau des Alkohols
nd seiner Verbrennung zu Kohlensäure und Wasser
lecken kann (cf. (7), S. 28). Um aber auch in der
°rage des zweckmäßigen Alkoholkonsums sicherzu-‚ehen,
 ist zu berücksichtigen, daß die meisten
'hysiologen den Alkohol nur als Energiespender für
len ruhenden Organismus verwendet sehen wollen.
'er Kalorienbedarf beim Zustand der Ruhe, d. h. bei
‚usschaltung der willkürlichen Muskeln, liegt aber
‚esentlich unter 3000 Kalorien pro Tag. Wie wir
veiter oben ausführten, hat Rubner ihn in all-‚emeiner
 Übereinstimmung mit den namhaftesten
rnährungswissefischaftlern für den Erwachsenen
on 70 kg Körpergewicht zu 1650 Kalorien in
1 Stunden ermittelt. Ein Fünftel dieser Wärme-2enge
 durch Alkohol aufzubringen, wird ohne jedes
'edenken zulässig sein. Man erhält dann 330 Al-Oholkalorien
 oder 47 g Alkohol als voll und zwecknäßig
 ausnützbares Tagesquantum. Diese Menge
;timmt gut mit den 40 g Alkohol überein, welche
". Noorden und Salomon als Grenzwert für den in
eder Beziehung zulässigen und bekömmlichen
'egelmäßigen Konsum angeben.
In einem Liter Bier 12prozentiger Stammwürze sind
m Mittel nur 35 g Alkohol, entsprechend 245 Kalo-:ien,
 enthalten. Infolgedessen ist bei der Begrenzung
lies regelmäßigen Konsums auf dieses Quantum ein
ıohes Maß von Sicherheit gegen eine Überschreiıng
 des Zulässigen und Bekömmlichen gegeben.

Die Ausnützung der Nährstoffe des Bieres.
Der physiologische Nützeffekt des Bieres ist von
Prof. Wilh. Voeltz (6) in eingehenden Versuchen ermittelt
 worden und betrug am Menschen 91,2%
seines gesamten Energiegehalts. wobei der nicht viel
        <pb n="242" />
        V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres. 241
nz SAT ERS SEES. 0 BEL
Alkohol als Fett- und Kohlenhydratsparmittel. Prof. Wilh. Voeltz (6) hat den physiologischen
In der Ernährungswissenschaft wird (bis auf Nutzeffekt des Bierextraktes beim Menschen zu
wenige Außenseiter) die Hauptrolle des Alkohols in 30% festgestellt; die darin enthaltenen Proteinseiner
 Sparwirkung für Fett und Kohlenhydrate stoffe hatten dagegen nur einen 40prozentigen Ausgesehen.
 Geh. Rat v. Noorden und Prof. Salomon lützungsgrad, was bei ihrer geringen Menge allersagen
 darüber im „Handbuch der Ernährungslehre‘“, lings wenig nachteilig ins Gewicht fiel.
!.Bd., 5.55: Der Gesamtnutzeffekt
aller energetischen Nährwerte des Bieres betrug
1ach Voeltz (6), wie schon weiter oben gesagt, 91 %.
sechnet man den mittleren Kaloriengehalt des unterzärigen
 Lagerbieres aus 12prozentiger Stammwürze
‚u 450 Kalorien und den durchschnittlichen Kalorienjedarf
 des Erwachsenen zu 3000 Kalorien je Tag, so
’»ermag also das Bier etwas mehr als ein Siebentel
zu diesem gesamten Nahrungsbedarf beizusteuern.

‚.. „die dabei“ (nämlich bei der Verbrennung des
Alkohols im menschlichen Organismus) „entwickelte
Wärme (rund 7 Kalorien für 1 g eingeführten Alkohols)
kommt dem Körper zugute; er spart dafür anderes
N-freies Material wie Fett und Kohlenhydrat. Entsprechend
 dem Kalorienwert des Fettes (9,3 Kalorien
für 1-g) und dem des Alkohols treten etwa 93 g Alkohol
für 70 g Fett ein. In diesem Sinne ist also Alkohol ein
wahres Nahrungsmittel.‘ ...
Diese Auffassung der beiden deutschen Gelehrten
wird von dem britischen M.R.C. in der zitierten
Schrift (7) geteilt. Es heißt dort in dem Resume des
Kapitels „Alkohol als Nahrungsmittel“ auf S. 32:
„Die bei der Verbrennung eines mäßigen Alkoholquantums
 freigewoprdene Energie kann vom Körper zu
ihrem vollen Werte ausgenützt werden.“
Alkohol als Eiweiß-Sparmittel,
Tritt der Fall ein, daß der Organismus beim Betriebsstoffwechsel
 auf die Prot&amp;amp;insubstanz der Gewebezellen
 zur Deckung eines momentanen Energiebedarfs
 zurückgreifen muß, und ist in solchem Falle
Alkohol verfügbar, so wird er als sofort disponibler
Bremstoff für Protein ebensogut eintreten wie für
Fett und Kohlenhydrat und wird auf diese Weise den
Verbrauch von Körpersubstanz ausschalten. König,
der dem Alkohol keinesfalls freundlich gegenübersteht,
 erkennt an, daß er in mäßigen Mengen prot&amp;amp;insparend
 wirke. Die gleiche Auffassung vertritt das
M. R. C. (7) mit den Worten:
5. 30: ... „es scheint klar erwiesen, daß bei denen,
welche an ihn gewöhnt sind, Alkohol in mäßiger Quantität
 ebenso wirkungsvoll wie Kohlenhydrate oder Fett
ist, den vom Körper benötigten Proteinbetrag zu vermindern,
 indem er die Eiweißstoffe davor bewahrt, nur
als Energiequelle-in Anspruch genommen zu werden.“ ...

Das Bier in der deutschen Ernährungswirtschaft.
Es liegt nahe, im Anschluß an die Wertung des
3ieres als Nahrungsmittel auch einmal zu überschlagen,
 mit welchem Nutzeffekt die Brauindustrie
die im Bier dem Konsum zugeleiteten Nährwerte aus
ler verarbeiteten Rohfrucht erschließt und welchen
Anteil an der Nährungsmittelversorgung des deutschen
 Volkes sie im Rahmen der ganzen Ernährungsvirtschaft
 damit auf sich vereinigt.
Wir dürfen annehmen, daß die im Jahre 1927/28
;rstellten 52 Mill. hl Bier mit durchschnittlich
150 Kalorien auf ein Liter einen Gesamtnährwert
ron rund 2% Bill. Kalorien repräsentierten. Der
\ufwand an Braugerste, um diese Werte zu erzeugen,
 betrug brutto etwa 12,8 Mill. dz, netto, d. h.
1ach Abzug des in den Brauereifuttermitteln ver-)leibenden
 Gerstengewichtes von etwa 30 %, rund
? Mill. dz. — Es muß hierbei hervorgehoben werden,
jaß die sehr prot&amp;amp;inreichen Brauereifuttermittel
&amp;gt;»inen etwas höheren Futterwert haben als die Gerste.
Bei einem mittleren Nährwertgehalt von 1 kg
3raugerste (mit 14 % Feuchtigkeit) von 3460 Kaorien
 wären also durch das- eingebraute Gerstenzewicht
 rund 3,1 Bill. Kalorien für die Bierbereitung
7erbraucht. Aus dem Verhältnis der erhaltenen
7% Bill. Bierkalorien zu den aufgewendeten 3,1 Bill.
terstenkalorien ergibt sich für die Verarbeitung von
jerste zu Bier ein durchschnittlicher Nutzeffekt von
5% %, d. h. das Dreifache der Ausnützung von
jerste, welche man im Wege der Verfütterung
ın Mastschweine für den menschlichen Konsum
ıtzbar macht. Die ernährungswirtschaftliche Beleutung
 der Brauerei wurzelt prinzipiell in dem Um-;tand,
 daß sie eine sonst der Verfütterung anheimallende
 Kulturpflanze dem direkten menschlichen
Consum erschließt und sie damit naturgemäß einer
ziel höheren Ausnützung zuführt, als bei indirekter
Verwertung möglich wäre.
In der Ernährungswirtschaft der europäischen
Culturvölker wird mit einem durchschnittlichen

Ausnützung der Extraktstoffe des Bieres. ;
Von den Extraktstoffen des Bieres entfallen wie
gesagt durchschnittlich 80 % auf die Kohlenhydrate,
insbesondere auf Dextrine und nur sehr wenig auf
nicht vergorenen Malzzucker, etwa 10 % auf
Eiweißbausteine. Die Kohlenhydrate werden zu
einem sehr hohen Prozentsatz vom Körper resorbiert.
 Ein kleiner Teil wird durch die Mikroorganismen
 der Darmflora in Gärungsprodukte
(Alkohol, Milchsäure, Essigsäure, Buttersäure) umgesetzt,
 alsdann mit mehr oder weniger großen Verlusten
 durch die Darmwand resorbiert und schließlich
 der Verbrennung zugeführt. Weitaus niedriger
ist die Resorbierbarkeit und . physiologische Ausnützbarkeit
 der im Extrakt enthaltenen KEiweißbausteine,
 welche aus dem Hord&amp;amp;in der Gerste, einer
an sich unzulänglichen Prot&amp;amp;insubstanz, herrühren.
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="243" />
        Dipl.-Ing. H. Paproth, Berlin:
tl Eh
Kalorienbedarf pro Kopf der Bevölkerung von
2700 Kalorien pro Tag gerechnet. (Vgl. Dresel:
„Lehrbuch der Hygiene“, S. 132/33.) Hiernach beläuft
 sich der Jahresbedarf für die 63 Millionen um-[assende
 Bevölkerung Deutschlands auf 62 Bill. Kalorien.
 Zu diesen steuerte die 1927/28er
Biererzeugung 2% Bill. Kalorien bei,
mithin etwa 4% des gesamten deutschen
 Nahrungsmittelsbedaris.

242

Aärzenbiere am weitesten. Sollen die hellen Bierarben
 das Schneidig-Rezente des Hopfenaromas
‘ndeuten, so weisen die ruhigen und warmen Farben
ler dunklen Biere, beginnend mit dem edlen Braun
les Müncheners und endend bei dem tiefen Schwarzraun
 des Kulmbachers und Köstritzers, auf das
sättigend vollmundige Malzaroma.
Schaumhaltigkeit ist ein Gebot, welches der Bier-'rinker
 keinem Bier erläßt, muß also den durch die
Sinnesorgane vermittelten Genußeindrücken unjedingt
 zugezählt werden.
Endlich ist in diesem Zusammenhang der
Trinkfemperatur Erwähnung zu tun. Kühle Tempe-'atur
 ist eine selbstverständliche Vorbedingung für
len Genußwert der moderner Biere. Im allgemeinen
äßt sich sagen, daß die hellen Biere noch etwas
zühler (um 1—2° C) zu halten sind als die dunklen.
Cühle wirkt in Verbindung mit Kohlensäure entxitternd,
 d. h. sie ermöglicht erst den milden, feinen
ınd doch schneidigen Trunk des hopfenaromatischen
3ieres. Hochtemperaturen, z, B. bei der Pasteuri-;erung
 der Exportbiere, haben einen leichten Bodenuederschlag
 von Eiweißkörpern zur Folge, welcher
len Geschmack beeinträchtigt. Andererseits tritt
ji übermäßiger Kühle die gleichfalls schädliche
Cältetrübung des Bieres ein, welche die Schaumıaltigkeit
 schwächt. Gut temperierte Biere sind un-‚edingte
 Voraussetzung für die volle Erreichung
hres Genußzweckes.

HI. Genußwert.
Allgemeines.
Außer dem meßbaren Nährwert wohnt dem
Bier ein nicht wägbarer funktioneller Ernährungswert
inne, welchen man gewöhnlich als Genußwert bezeichnet.
 Zur allgemeinen Erläuterung dieses ernährungswissenschaftlichen
 Begriffes mögen einige
dezeichnende Äußerungen bekannter Physiologzen
lienen: - .
Von Geheimrät Prof. Dr. N. Zuntz (9) stammt
das Wort:
„... Ohne Reize gibt es kein Leben . ..“
und Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ewald (9) sagt in
ainer Betrachtung: „Zur Hygiene des Genusses“:
„. +. Die Genußmittel sind ein unabweisbares Bedürfnis
 der menschlichen Natur und für die Erhaltung
des menschlichen Organismus sowie für den Ablauf der
Ernährungsprozesse fast ebenso wichtig wie die eigent-‚ichen
 Nährmittel ...“ und „... Der Organismus
raucht die Genußmittel wie die Maschine das Öl, wo-’ei
 in ’diesem Vergleich die Nahrungsmittel dem Brennmaterial
 der Maschinen entsprechen . . .“
Beim Genußwert des Bieres sind mehrere Faktoren
zu unterscheiden: allgemeine Genußeindrücke und
stoffliche Träger spezieller Genußwirkungen.
Zur ersteren Kategorie gehören beim Bier: Aroma,
jeruch, Aussehen und Schaumhaltigkeit, Kühle;
zur zweiten: Alkoholgehalt, Hopfenbitter, Kohlensäuregehalt,

Über die Nuancen des Bieraromas ist schon bei der
Beschreibung der wichtigsten Typbiere gesprochen.
Selbstverständlich hat jedes Bier auch seinen besonderen
 Geruchscharakter, welcher den Genußwert
n individuell sehr verschiedenem Grade beeinflußt.
Das Aussehen des Bieres hat in den Brauereien
von jeher eine wichtige Rolle gespielt, ein Beweis;
daß der Konsument sich bei seinem Genußempfinden
auch durch das Sinnesorgan des Gesichts leiten läßt.
In den 90er Jahren bestand eine förmliche Manie für
allerhellste Biere, welche zu der Erstellung der in
jeder Beziehung verfehlten „überlösten‘“ Malze geführt
 hat. Man hat aber bei den hellen Bieren längst
gelernt, den überhellen, ins Grünliche spielenden Ton
von damals zu meiden und durch ein glänzendes
Sattgelb bis zum lichten Hellgold ein edleres und auf
volleren Gehalt hindeutendes Kolorit zu erzielen. In
ler Tiefe des Goldtons gehen die Münchener

Alkoholgehalt.
Es ist schon in der Einleitung ausgeführt, daß mit
:iner Entalkoholisierung nach Art der amerikanischen
.near-beer‘“-Herstellung das Bier aufhört, das zu
ein, was es auf Grund seiner besonderen Eigenart
inter den Getränken zu sein berufen ist.- Mit.der
Zerstörung einer der dort aufgeführten vier
peziellen Eigentümlichkeiten des Bieres geht sein
zanzer Getränkecharakter verloren, da er ein einıeitliches
 Ganzes ist, und sich keiner von seinen
'estandbildnern aus ihm herausschneiden läßt. Es
aarf als bekannt vorausgesetzt werden, daß der
\lkohot ein Genußstoff ersten Ranges ‚ist, daß diese
eine Eigenschaft sogar die Tatsache seines Nährtoffcharakters
 in den Hintergrund zu drängen ge-Ägnet
 ist. Worin liegt nun diese überragende Ge-‚ußwirkung
 des Alkohols? Wir unterscheiden drei
lomponenten, welche ihn befähigen, Träger einer
ler hauptsächlichsten Getränkeeigenschaften des
3Zieres zu sein:
1. Reizwirkung auf die Schleimhäute des Mundes
und der Kehle,
2. narkotische-euphorische Wirkung,
3. Betätigung von Verdauungsfunktionen.
Zu 1. Die Reizwirkung des konzentrierten Alkohols
in unmittelbarer Verbindung mit einem intensiven
        <pb n="244" />
        V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres. 243
A ————— N —
S. 358. ‚„.. In dünnen Konzentrationen, etwa bis 10 %,
steigert der Alkohol entsprechend der Konzentration
die Magensaftsekretion, ohne besonders bei den
niedrigen und mittleren Konzentrationen in
dieser Breite eine nennenswerte Schleimbildung hervorzurufen
 . . .“
S. 359. „... Alkohol in stärkerer Konzentration, als
die obenerwähnten Konzentrationen es sind, bewirkt
gine gesteigerte Schleimbildung und lähmt entsprechend
der Konzentrationserhöhung mehr und mehr die Tätigkeit
 der saftbildenden Magendrüsen ...“
S. 359, „... Der Gehalt an Alkohol und Bitter-3stoffen
 ist für die sekretionssteigernde
Wirkung eines Bieres in erster Linie ausschlaggebend,
 in zweiter Linie kommen in diesem
Betracht erst die anderen Extraktstoffe des Bieres. Der
Kohlensäuregehalt des Bieres fördert zudem
noch diese Wirkung sämtlicher Biere,. “
(Sperrungen hinzugefügt!)
Die vermehrte Absonderung der Verdauungssäfte
st gleichbedeutend mit einer Verbesserung des
\ppetits, welcher wiederum die beste Gewähr für
lie gute Bekömmlichkeit nicht nur des Bieres, sonlern
 der gleichzeitig aufgenommenen anderen Nahungsmittel
 bildet, Die oben wiedergegebenen
vissenschaftlichen Feststellungen decken sich im
ibrigen mit der allgemeinen Erfahrung über die
ıppetitfördernde Wirkung des Bieres und stempeln
»s’ zu einem Genußmittel, welches besonders für die
ınteren Volkskreise, die sich keine sonderliche Abvechslung
 bei ihren Mahlzeiten leisten können, den
zrößten Nutzen stiftet.

Wärmegefühl ist bekannt. Bei den nur gegorenen
Getränken Wein und Bier wird diese Reizwirkung
überdeckt, beim Bier so stark, daß sie nur noch
indirekt wahrgenommen werden kann. Sinkt nämlich
 der Alkoholgehalt des untergärigen Bieres unter
3%, so macht sich das im Geschmack sehr unangenehm
 bemerkbar. Ohne daß sich die Nuance
des Aromas merklich verändert, fehlt dem Bier doch
das Schneidige und Herzhafte, Diese Beobachtung
zeigt, daß trotz der leichten Alkoholkonzentration
inserer Biere (3% %) und trotz der erfrischenden
Kohlensäure- und Kühlwirkung die unbewußt empfundene
 massierende Reizwirkung der Alkoholteilchen
 auf die Schleimhäute von Mund und Kehle
Fehlt, und dieses Fehlen paralysiert den Genußefifekt
der übrigen Faktoren.
Zu 2. Als Hauptkomponente. des Genußstoffes
Alkohol wird seine narkotische Wirkung empfunden,
welche das Gefühl der Euphorie, des Wohlbefindens,
auslöst, begünstigt durch ein gleichzeitig auftretendes
 leichtes Wärmegefühl, Durch eine künstliche
 Steigerung des Alkoholgehaltes (z.B. durch
Zuckerzusatz vor der Gärung) würde der Getränke-°harakter
 des Bieres ebenfalls verlorengehen.
Zu 3. Die verdauungsfördernde Funktion des
Alkohols wird von mancher Seite ebenfalls auf seine
euphorische Wirkung zurückgeführt, mithin als
Nervenwirkung auf die Sekretionsorgane des
Körpers angesehen. Ein abschließendes Urteil liegt
hierüber noch nicht vor. Die Hypothese hat aber
recht viel für sich. Das Hautpinteresse wird sich
natürlich auf die Größe des sekretionsfördernden
Effektes richten, und darüber liegt ausreichendes
Untersuchungsmaterial vor. Wir erwähnen zunächst
 das allgemeine Urteil von Noordens und
Salomons (1), welches dahin geht, daß Alkohol in
schwächerer Konzentration die Salzsäuresekretion
des Magens fördert, in starker Konzentration sie dagegen
 schwächt und Schleimbildung begünstigt.
Übermaß ist in allen Fällen schädlich. Die gleiche
Stellung nimmt das britische M.R.C. in seiner
zitierten Schrift (7) ein. Prof. Adolf Bickel (8),
Berlin, hat in Tierversuchen u. a. die spezielle Wirkung
 des Bieres in dieser Richtung hin erforscht.
Die. untersuchten Biere waren: Deutsches Pilsener,
Märzenbier, Münchener, Kulmbacher, Porter; dazu
kamen noch einige wässerige Alkohollösungen von
3, 6 und 10 % Alkoholgehalt. Es handelte sich außer
der Ermittlung der sekretorischen Wirkung des
Alkohols auch noch um die gleiche Feststellung in
bezug auf das Hopfenbitter und die Kohlensäure,
Mit dem Ergebnis wird also an dieser Stelle etwas
vorweggenommen, was zur Wertung dieser Substanzen
 als Genußmittel gehört. Die hier in Betracht
kommenden Ergebnisse der Bickel-Elkelesschen
Untersuchung sind obiger Arbeit (8) wörtlich entnommen:


Hopfenbitter.,
Im vorangegangenen Abschnitt ist schon gesagt,
{aß das Hopfenbitter zu den narkotischen Genußnitteln
 gehört.. Die Wirkung dieser Stoffe besteht
‚arin, daß sie die durch Tageserregungen übereizten
 Nervenzentren der Großhirnrinde zur Ruhe
ringen und infolge des nın um so stärkeren Herrortretens
 der Funktionen von bis dahin unver-»rauchten
 Nervenzentren den Zustand der Euphorie
;rzeugen. Wir haben infolgedessen diese Wirkungsiırt
 der betrachteten Genußstoffe Alkohol und
Topfenbitter die narkotisch-euphorische genannt.
Die förderliche Wirkung des Hopienbitters in dieser
3eziehung ist bekannt. Wir haben zweitens auch
chon die die Sekretion von Magensaft steigernde
NVirkung des Hopfens miterörtert. Somit bleibt uns
der nur übrig, auf eine dritte Funktion des Hopfen-‚itters
 hinzuweisen, nämlich auf die Betätigung der
zallenabsonderung für die Fettverdauung. Wir
‚ringen das Ergebnis neuester Forschung auf diesem
jebiet in nachstehender wörtlicher Übersetzung
:#ines Passus aus dem Bericht über die 1927er Jahreslauptversammlung
 des englischen „True Temperance
Scientific Committee“ nach dem „Morning Adver-‘iser“
 vom 3. Juni 1927 (10):

„. «. Die Forschungen der Dr. Southgate und Carter
haben erwiesen, daß das Hopfenharz, welches im
Bier in Lösung bleibt und hauptsächlich für das Bitteraroma
 dieses Getränks verantwortlich ist, einen Reiz-
        <pb n="245" />
        A
zffektauf die Absonderung von Galte durch
die Leber besitzt. Bekanntlich ist ein solcher Effekt von
selbst vorhanden; aber das Harz übt eine- beträchtlich
größere Kraft aus. Dieses Ergebnis ist von erheblicher
Wichtigkeit, da ein Zufluß von Galle nötig ist, um das
Agens, welches die Sekretion des Pankreassaftes zum
Darm hin verursacht, zu aktivieren.
Dieses (Hopfen-) Harz wirkt deswegen dank
seiner Bitterkeit als direkter Förderer der
Verdauuhg im Magen und als indirektes
FTonicum (mächtiges Anregungsmittel!) im Darm dank
seiner Wirkung als Gallenanreger (Cholalog).“
(Sperrungen hinzugefügt!)
Es geht aus dem Gesagten hervor, daB die
verdauungsfördernde Wirkung des
Hopfenbitters noch bedeutender ist
als die des Alkohols. Wahrscheinlich wird
las gleiche auch für die Appetitanregung zutreffen.
Es darf in diesem Zusammenhang auch nicht verzessen
 werden, daß das Hopfenbitter dem Bier eine
Eigenschaft verleiht, wodurch es sich von allen
alkoholischen Getränken unterscheidet: seine durstflöschende
 Wirkung.
Zu 3. Kohlensäure muß immer im Zusammenhang
mit Kühle genannt werden. Beide sind wohl die
Hauptkomponenten des erfrischenden Getränkecharakters
 des Bieres, mag auch die massageartige
Reizwirkung des Alkohols auf die Schleimhäute dabei
 eine bedeutende Mitwirkung ausüben, auch das
schneidige Hopfenaroma zweifellos mitsprechen.
Neben diesem Genußfaktor der Kohlensäure und
neben ihrer schon berührten Beihilfe für die Magensaftsekretion
 ist es aber noch eine andere Funktion,
 welche sie zu einem wertvollen Genußbildner
des Bieres macht:
Die Kohlensäure übt eine Kontaktwirkung auf die
Nerven der Speisewege aus, welche Prof. Lindner,
Berlin, einmal höchst anschaulich geschildert hat, so
daß wir seine Worte hier wiedergeben möchten:
„„.. Wenn man ein Bad in kohlensäurereichem
Wasser nimmt; bedeckt sich die ganze Körperoberfläche
nit Kohlensäurebläschen. Wir verspüren ein ange-1ehmes
 Prickeln in der Haut und eine wohltuende
Wärme. Ähnlich ist für die Magennerven der Reiz, den
die Koblensäure ausübt . . .“
Es muß schließlich noch eines wenig beachteten
Genußfaktors Erwähnung getan werden: die Biervürze
 empfängt bei der Vergärung des Malzzuckers
 von der Hefe einen Teil ihrer Enzyme, jener
Stoffe, welche, wie Delbrück (11) sich ausdrückt,
„die Träger jener vom lebenden Organismus erzeugten
 Umsetzungskräite sind, die alle Stoffumwandlungen
 ‘ im menschlichen Körper beherrschen“.
 Die Anreicherung der in den Verdauungssäften
 des Organismus vorhandenen Fermentkörper
mit diesen von der Hefe ausgeschiedenen Enzymen
bedeutet selbstverständlich eine Förderung der
Verdauungstätigkeit wie des Appetitreizes.
Allgemein wird der Genußwert des Bieres so hoch
yeschätzt, daß man darüber übersieht. daß das Bier

Dipl.-Ing. H. Paproth, Berlin:
RA
ıuch ein Nahrungsmittel ist. So unberechtigt das
etztere ist, es ist gerade ein Beweis dafür, daß die
Vertung des Bieres über seine Eigenschaft als Ka-&amp;gt;rienträger
 weit hinausgeht und hinausgehen muß.

IV. Sozialhygienische Bedeutung des Bieres.
Bier, ein hygienisches Getränk.
Eine knappe und treffende Zusammenfassung über
lie hygienische Durchdringung des ganzen Brau-/erfahrens
 gibt Delbrück (11) in seinem populären
Schriftchen „Das Bier einst und jetzt“ auf S. 37:
„+ Durch das Kochen der Rohstoffe und des
Wassers sind diesen alle unhygienischen, durch Iniektion
 mit Pilzen etwa hervorgerufenen Eigenschaften
zenommen. Durch die Reingärung ist dem Wiederzutritt
ungeeigneter Pilze der Weg abgeschnitten. Diese hygienischen
 Eigenschaften sind verstärkt dadurch, daß dem
verflüssigten Getreide die leicht zersetzlichen Stoffe aus
der Gruppe der Kohlenhydrate und Eiweißstoffe durch
die Hefe entzogen, oder durch chemische Umsetzung
(Umwandlung des Zuckers in Alkohol und Kohlensäure)
in zweckmäßiger Weise verändert wurden. Erst dadurch
 ist auch der Gerstensaft als Getränk möglich geworden;
 denn er sowohl wie Fruchtsäfte überhaupt sind
gerade wegen ihres hohen Gehaltes an Zucker nicht gezignet,
 unmittelbar als Getränk zu dienen“ ... „Bine
Steigerung aller dieser hygienischen Eigenschaften gewährleisten
 ferner der Gehalt an Hopfenbitter und
Kohlensäure und kühle Lagerung.“
Der volkshygienische Nutzen des Bieres.
Das Bier ist heute das allabendliche Entpannungsmittel
 des Arbeiters und als solches durch
ichts Besseres zu ersetzen. Man wende nicht ein:
ıer Arbeiter solle doch, anstatt seine zwei bis drei
ilas Bier zu trinken, lieber spazierengehen. Zuegeben,
 daß dies an sich ein recht guter Rat ist.
\ber man muß sich andererseits darüber völlig klar
ein: der Mann ist müde, seine Nerven sind stark
berreizt; er bleibt nicht immer jung und elastisch
‚enug, mit einem Ruck alles das abzuschütteln, was
ıuf sein Hirn während eines ganzen Tages ein-‚edrungen
 ist. Die zu immer kKkomplizierteren
'ormen hochentwickelte Technik der Maschinen und
\pparate, das gesteigerte Arbeitstempo moderner
ndustrieller Betriebe, der Lärm der Triebwerke,
ielfach Staub und schlechte Luft in den Fabriken
tellen an seine Nerven immer gesteigerte Anfordeıngen.
 Wenn er dann am Abend einen unwidertehlichen
 Reiz spürt, ein, zwei oder drei Glas gutes
jer zu trinken, so weiß er ganz genau, was das für
ın bedeutet: er fühlt sich sofort wohl, es bekommt
ım, er schläft gut danach und ist am nächsten
forgen nach festem Schlaf neu gestärkt für sein
ıgewerk.
Es ist, wie wir schon im Kapitel „Genußwert“
‚usgeführt haben, nicht allein der. Alkohol, welcher
{en entspannend-euphorischen Nervenzustand er-‚eugt.
 Auch die sedative Wirkung des Hopfenbitters,
venn auch als solche kaum wahrnehmbar, kommt
l€er zur Geltung. Es wäre sonst kaum erklärlich,
        <pb n="246" />
        V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres, 245
BEL” en
Professor Dr. H. Kionka im pharmakologischem In-;titut
 der Universität Jena in mehreren Versuchs-'eihen
 feststellen lassen. (Vgl. Kionka: „Der Alkoholzehalt
 des menschlichen Blutes“, Seite 27, in der
Schlußzusammenfassung :)
„„ .. Die Alkoholzunahme, welche nach einmaliger
Alkoholzufuhr in Form von zwei Flaschen Bier bei Genuß
 einer kräftigen Mahlzeit auftritt, ist kleiner, als sie
gelegentlich einer Kollehydratzufuhr (z, B. ‚Brötchen,
Marmelade, Zucker u, dgl.) ohne Alkoholeinnahme
betrachtet wird .. “

daß man allgemein, um einen gesunden Schlaf zu
erlangen, das Bier .bevorzugt, obwohl die Getränke
mit höherem Alkoholgehalt, wenn es nur auf den
letzteren ankäme, zweckmäßiger erscheinen müßten.
Schweisheimer hat über diese Frage letzthin sehr
bezeichnende Ausführungen gemacht und steht auf
dem Standpunkt, daß der Hopfen in seiner Eigenschaft
 als schlafförderndes Mittel beim Biere dem
Alkohol durchaus gleichzustellen ist.
Und so läßt sich ohne Übertreibung aussprechen:
Das Bier mit seiner zweckvollen Verbundwirkung:
Alkohol, Hopfenbitter und Kohlensäure, nimmt auf
volkshygienischem Gebiete eine überlegene Stellung
unter allen anderen alkoholhaltigen Getränken ein.
Bier und Alkoholirage.
Trotz aller Vorzüge, welche das Bier auszeichnen,
bleibt es aber doch als alkoholhaltiges Getränk mit
der Alkoholfrage verbunden, auf welche wir uns aus
diesem Grunde veranlaßt sehen soweit einzugehen,
als sie auf das Bier irgendwelchen Bezug hat. Vor
allem wird zu untersuchen sein, ob das Bier auf
Grund seines geschilderten Getränkecharakters imstande
 ist, den Alkoholmißbrauch erfolgreich niederzuhalten;
 denn daß bei der Natur des Bieres ein
biertrinkendes Volk in verstärktem Maße den allzemein
 bekannten Alkoholschäden ausgesetzt ist,
liegt soweit außerhalb jeder vernünftigen Erwägung,
daß wir glauben, es bei der ersten Fragestellung
bewenden lassen zu können.
Die Alkoholphysiologie des. Biergenusses.
Es ist schon an anderer Stelle gesagt, daß das
Bier als einziges unter den Getränken alkoholischer
Gärung gänzlich frei ist von den höheren Alkoholen
(Amyl- und Butylalkohole oder Fuselöle). Alles, was
über die Alkoholwirkung des Bieres zu sagen ist, beschränkt
 sich also auf den Äthylalkohol. ;
Die Erkenntnis, daß der Alkohol auch ohne jede
Zufuhr von außen im Körper beim Abbau der Kohlenhydrate
 als Intermediärprodukt entsteht, ist heute
Allgemeingut. Es verdient jedoch erwähnt zu
werden, daß Schweisheimer (München) der erste
Forscher ist, welcher dieses Vorhandensein des Alkohols
 im menschlichen Organismus festgestellt hat,
und zwar im Jahre 1913.
Die wissenschaftliche Betätigung einer alten Erlahrungstatsache,
 nämlich, daß das Alkoholische
Getränk viel besser bekommt, wenn man vorher
ordentlich gegessen hat, verdanken wir dem skandinavischen
 Forscher Erik M. P. Widmark, welcher
wörtlich sagt:
„=... Wenn der Alkohol unmittelbar nach einer kräftigen
 Mahlzeit genossen wird, ist die Konzentration (im
Blute) bedeutend niedriger (ein Fünftel) als bei Genuß
auf nüchternem Magen ...“ (Vgl. Skandinavisches
Archiv für Physiologie 1916, Bd. 33, Seite 85.)
Wie geringfügig die Alkoholwirkung z. B. von
zwei Flaschen Bier unter diesen Bedingungen ist, hat

Das britische M. R. €. (7) berichtet auf S. 19
ınd 20 seiner mehrfach zitierten Schrift, daß nach
Versuchen des englischen Physiologen Miles die
Alkoholanreicherung des Blutes nach einer Gabe von
77% g Alkohol in 27%prozentiger Konzentration um
30 % höher war als nach Verabfolgung desselben
\lkoholquantums in 5prozentiger Lösung, d.h. in der
Conzentration eines starken Bieres.
Diese englischen Versuche berücksichtigen aber
»ffenbar nicht den Umstand, daß beim konzentrierten
jetränk eine Alkoholmenge durchweg in kürzerer
Zeit getrunken wird als beispielsweise dies gleiche
Juantum von Bier. Diese praktische Regel beobıchtet
 aber ein ganz ähnlicher Versuch, über welchen
Prof. W. Straub (12), München, auf der 89. Verjammlung
 der „Gesellschaft deutscher Natur-'orscher‘“
 (im September 1926 zu Düsseldorf) berichtete.
 In dem Vortrage (12) heißt es:
S. 1093. „... Im Versuch am Menschen hat sich ergeben,
 daß 27,5 g Alkohol, in der konzentrierten Form
von Schnaps in kurzer Zeit getrunken, einen maximalen
Blutalkoholgehalt von nur 0,036 % machen, also rund
ein Zehntel des tödlichen Blutgehalts . . .“
und auf derselben Seite weiter unten:
„.. Wurden nämlich die 27,5 g Alkohol verdünnt,
A. h. in Form von einem halben Liter Bier getrunken,
was schon für die Zufuhr mehr Zeit verlangt, noch mehr
jür die Resorption, so wurde überhaupt nur ein
Blutalkoholgehalt von 0,004 %, also ungefähr ein
Hundertstel der tödlichen Konzentration erreicht und
gar keine merkliche narkotische Wirkung, man kann
sagen, in diesem Falle wird der Alkohol nahezu so rasch
zerstört, als er vom Darm aus dem Körper zuströmt,
las wäre also die chemische Kinetik der Mäßigkeit!...
Der sich nach dem Biergenuß einstellende Alkoholspiegel
war also bei gleicher Alkoholmenge nur ein Neuntel desjenigen,
 welcher. auf Branntweingenuß folgte.‘

Es ergibt sich demnach wiederum ein ganz besonieres
 Charakteristisches Merkmal, welches das Bier
n die physiologisch vorteilhafteste Stellung unter
len alkoholischen Getränken versetzt: die Herunteregelung
 der Alkoholanreicherung des Blutes entveder
 unter die Schadensgrenze oder auf Schadensninimum.
 Es ist ganz offenbar, daß diese
;pezifische Eigenartdes Bieresihren
zünstigen sozialhygienischen Ein-‘1uß
 in irgendeiner nach außen hin
senntlichen Form bekunden muß. Wir
&amp;lt;önnen diese schadensmindernde Funktion des
3ieres mit Hilfe medizinalstatistischer Vergleichs-
        <pb n="247" />
        246 Dipl-Ing. H. Paproth, Berlin:
betrachtungen nachweisen, indem wir folgende
Fragen beantworten:
1. Ist — unter einstweiliger Zurückstellung der
Frage, welchen Anteil das Bier daran hat — der
durch Alkoholmißbrauch verursachte gesundheitliche
Schaden in Deutschland in internationaler Perspektive
 groß oder klein?
2. Lassen sich in Deutschland Perioden unterscheiden
 und vergleichen, in welchen der Anteil des
Bieres am gesamten Alkoholkonsum im Verhältnis
zu den konzentrierten Getränken erheblich verschieden
 war, und wenn ja, läßt sich ein günstiger
Einfluß auf die Kurve des Alkoholismus dann erkennen,
 wenn eine Zurückdrängung der konzentrierten
 Getränke durch das Bier stattfindet?
Die erste Frage glauben wir durch nichts besser
beantworten zu können als durch den Vergleich der
Symptome des Umfanges des Alkoholmißbrauches
zwischen Deutschland und einem Lande, in welchem
jeder Alkoholkonsum gesetzlich verboten ist; wir
haben das größte der Verbotsländer gewählt, die
Vereinigten Staaten von Amerika. Die Alkoholgegner,
 welche ja die durch Alkoholmißbrauch entstandenen
 Schäden am besten kennen müssen,
nachen eine Reihe von Krankheiten namhaft, bei
welchen der Alkohol eine wichtige Ursache sein soll.
Wieweit das richtig ist, mag hier dahingestellt
bleiben. Wir wollen uns einfach damit begnügen, im
i{olgenden die nackten Sterblichkeitsziffern beider
Länder gegenüberzustellen; das sind die Todesfälle,
 welche im Läufe eines Jahres auf eine fixe Zahl
von Lebenden, z.B. 100 000, treffen. Das für diesen
Zweck verwendete Material bilden vor allem die
amtlichen Todesursachenstatistiken der beiden Länder,
 und zwar für die Vereinigten Staaten die „Morzality
 Statistics“ (12) des Bureau of Census
(Department of Commerce), für Deutschland erstens
das Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich
1927, zweitens für zwei Krankheitsgruppen, nämlich
„Alkoholismus‘“ und „Zuckerkrankheit‘“, welche das
Reich in seiner Todesursachenstatistik nicht führt,
lie Statistischen Jahrbücher der beiden größten
deutschen Länder: Preußen und Bayern. Bei zwei
weiteren Krankheitstypen: „Leber-Cirrhose‘“ und
„Nierenentzündungen‘‘ waren für Deutschland Verzleichswerte
 nur auf dem Umwege über die amtliche
Tafel IV.
Sterblichkeit pro 100000 Lebende im Jahre 1925.

Statistik der deutschen Heilanstalten zu gewinnen,
d.h. im Wege der proportionalen Berechnung.
Es ist auf Grund dieses Materials klar, daß die
\lkoholschäden in Deutschland in der internatio-\alen
 Perspektive sehr gering sind. Besonders wertvoll
 für die Beurteilung der Rolle des Bieres ist das
‚rgebnis bei der Gruppe 4 „Krankheiten der Kreisıuforgane‘“,
 obwohl dort der Zahlenunterschied
ugunsten Deutschlands am kleinsten ist. Bekannt-‘ch
 führt der übertriebene Biergenuß wegen der
rroßen Flüssigkeitsaufnahme noch am ehesten zur
‘chädigung dieser Organe. Nur ist man aber zu der
ermutung berechtigt, daß die amerikanische Verotsgesetzgebung
 zwar die konzentrierten alkoolischen
 Getränke wenig zu treffen vermocht hat,
jas Bier dagegen, dessen heimliche Herstellung in
Tößerem Stile nicht denkbar ist, so gut wie völlig
usgerottet hat, von dem erlaubten sogenannten
near beer‘“ („beinahe Bier‘) mit seinem % % Al-"oholgehalt
 abgesehen, welches etwa ein Zehntel des
instigen Ausstoßes der Brauereien ausmacht.
ileichwohl sieht man, daß der Umfang von Erkranungen
 der Kreislauforgane in Deutschland merklich
'leiner ist als in dem fast bierfreien Amerika. Ein
3eweis, daß die etwa vorhandenen GesundheitscChäden
 an Herz und Arterien infolge übermäßigen
Xergenusses bei uns so gering sind, daß ihre Spur
\m Volksganzen sich nicht feststellen läßt!
Wir möchten nicht unerwähnt lassen, daß von
ikoholgegnerischer Seite bisweilen auch die Tuber-»ulose
 auf das Konto des Alkoholmißbrauchs gesetzt
vird. Wenn wir hierauf nicht weiter eingegangen sind,
Oo haben wir uns yon der Feststellung leiten lassen,
{aß auf Grund der oben bezeichneten amtlichen
nglischen Berufssterblichkeitsstatistik (13) (Seite
)XXIII) die Bierbrauer in der Tuberkulosesterblicheit
 um nicht weniger als 30% unter dem all-'emeinen
 Durchschnitt figurieren. Bezüglich des
)eagierens der Brauer auf ansteckende Krankheiten
nag auch noch auf die Berufssterblichkeitsstatistik
urückgegriffen werden, welche in Hamburg nach
ler großen Choleraepidemie von 1893 aufgestellt
vurde. Danach schnitten die Bierbrauer am
‚esten ab. Ä
Zu 2, Wir gelangen nunmehr zu unserer zweiten
Trage: „Läßt sich ein günstiger Einfluß auf die Kurve
les Alkoholismus dann erkennen, wenn eine Zurückirängung
 der konzentrierten Getränke durch das
3ier stattfindet?“
Nun ist eine derartige objektive Nachprüfung über
den Verlauf der „Alkoholismuskurve‘“ wiederum mit
zanz bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft. Sie
läßt sich nur an Hand des amtlichen Materials der
deutschen Heilanstalten gewinnen, welches in seiner
jetzigen Form seit 1902 vorliegt. Bis dato gab es
aber eine systematische medizinal-statistische Auswertung
 der deutschen Heilanstaltsstatistiken nach

Krankheit

Ver,
‘taaten v. Deutsches
Amerika Reich

DraunBan

Bavern

‚ Alkoholismus ......
* Leber-Cirrhose .....
Nieren-Entzündung .
Krankheiten der
Kreislauforgane..... ı
Zuckerkrankheit .... 4

3,6
7,3
96.4

} A

0.2

4,9
29,0

211,0 | 176,0 |
16:9 | o—

10,8 | 7.6
        <pb n="248" />
        YV., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygienische Bedeutung des Bieres. 247
NEN — DE —— N ———

dieser Richtung überhaupt noch nicht. Wir sahen
uns daher genötigt, unter sorgfältiger Ausmerzung
aller Fehlerquellen rein statistischer Art (allgemeine
Ausdehnung der Heilanstaltstätigkeit, Veränderung
in der Größe, Zusammensetzung und Altersgliederung
 der Bevölkerung, mittlere Schwere der behandelten.Fälle
 von „Alkoholismus“ usw.) eine solche zu
schaffen. Das Resultat dieser umfassenden Untersuchungen“)
 ist, daß die Symptome über den Umfang
des „Alkoholismus‘ in Deutschland nach den Ziffern
der Heilanstalten in den beiden letzten Berichtsjahren
 um rund 40 % schwächer waren als z.B. in
den drei letzten Vorkriegsjahren 1911 bis 1913.
Parallel mit diesem Rückgang des Alkoholmißbrauchs
vollzog sich das relative Hinabgleiten des Konsums
konzentrierter Getränke. Bezogen auf die erwachsene
deutsche Bevölkerung war nämlich in den Jahren
1925 und 1926 im Vergleich zu 1911 bis 1913. der
Branntweinkonsum um rund 65 %, der Bierkonsum
nur um 35 %. zurückgegangen. Trotz dieses starken
Konsumrückganges war der prozentuale Anteil des
Bierkonsums also größer als je zuvor. Die bedeutende
 Besserung im Alkoholmißbrauch fällt alsc
zeitlich mit der Phase zusammen, in welcher der
prozentuale Konsumanteil des Bieres sein Maximum
erreichte, ermöglicht also in gewissem Grade eine
Urteilsbildung über den volkshygienischen Wert des
Bieres auch in dieser Beziehung.
Das Bier als Heilmittel.
Es ist von vornherein zu bemerken, daß die volkshygienische
 Bedeutung des Bieres sich zu ganz
überwiegendem Teil auf den Gesunden erstreckt,
und nur zu einem geringen Bruchteil‘ auf die
Stärkung des Kranken und Rekonvaleszenten.
Gleichwohl muß auch darüber das Wichtigste gesagt
werden. Es ist fast selbstverständlich, daß die hervorragenden
 Eigenschaften, welche das Bier zu
einem Therapeuticum des täglichen Lebens machen,
auch Kranken und Rekonvaleszenten zugute kommen
müssen. Dies gilt im besonderen für seinen Erfrischungswert,
 die euphorisch-narkotische Wirkung
seines leichten Gehalts an Alkohol und Hopfenbitter
sowie für seinen Nährwert, Appetitreiz und die
Förderung der Verdauungsfunktionen. Meistens sind
es die hier genannten vereinigten Wirkungen, welche
den Arzt veranlassen, seinen Patienten zum Bier
zu raten.
Eine allgemeine Wertung des Bieres in der
Krankenkost, z.T. allerdings auch auf Einzelheiten
bezugnehmend, geben v. Noorden und Salomon im
„Handbuch der Ernährungslehre“ (1):
Seite 767. „... In der Krankenkost wird Bier entschieden
 zu wenig gewürdigt. Nicht um seiner selbst willen ist
es hier am Platze; denn sowohl der Alkohol- wie der
.____ Kaloriengehalt ist zu gering, um damit Großes zu er-*)
 Vgl. Paproth: „Der Alkoholismus nach den amtlichen
Heilanstaltsstatistiken des Deutschen Reiches“ (17).

reichen. Es ist aber für viele ein hervorragendes Erquickungsmittel
 und erleichtert Zufuhr und Aufnahme
anderer Nahrung. Bei fieberhaften Zuständen, sowohl
akuten wie chronischen, ist dies oft zu beobachten; selbst
bei Magenkranken, wie bei chronischen Katarrhen, bei
Achylien und sogar bei Magen- und Zwölffingerdarmzeschwüren.
 Solche Kranken vertragen ein gut auszereiftes
 Bier oft überraschend gut, und die übrige Kost
schmeckt ihnen dann besser. Man soll es niemals aufzwingen.
 Man kann beinahe sagen, daß Bier als Bestandteil
 der Krankenkost — natürlich immer in bescheidenen
 Mengen — gut vertragen wird, wo es
degehrt wird . . .“
Weitere fachwissenschaftliche Belege betreffen
lie gute Anwendbarkeit des Bieres u. a. bei Hyperıziditätsbeschwerden
 (v. Noorden - Salomon [1],
5. 759), bei Magenkatarrhen (Southgate und
Darter [10]), zur Förderung der peripheren Blutirkulation,
 bei Überreizung und nervösen Er-‚chöpfungszuständen
 und zur Herbeiführung von
resundheitsförderndem Schlaf und Behagen (Prof.
Zrnest Starling [16], v. Noorden - Salomon [1],
3. 762/63, Britisches M.R.C. [7], S. 130). |
Bier und Sport,
Den Wert des alkoholischen, besonders des leichtılkoholischen
 Getränkes bei hochgradigen Ernüdungszuständen
 hat der schweizerische Militärınd
 Sportarzt Dr. Ch. Widmer, Zürich, an Hand
seiner Beobachtungen bei der Hochtouristik einyandirei
 nachgewiesen: nach Widmer werden bei
Xlkoholzufuhr in solchen Fällen die am stärksten in
Mitleidenschaft gezogenen Nervenzentren der Großırnwände
 stillgelegt, so daß die Tätigkeit der bis
lahin unverbrauchten Zentren der Subcortica beıerrschend
 hervortritt und den Zustand der Euphorie
wuslöst; dieser ist die Vorbedingung für den sonst
ıicht zu erlangenden gesunden Schlaf und damit für
lie Regeneration des Nervensystems.
Sinngemäß müßte die gleiche Nutzanwendung des
ılkoholischen Getränks nach allen sportlichen Gevaltleistungen
 am Platze sein.
Neuerdings bekanntgewordene Urteile und Beobıchtungen
 prominentester Vertreter der Sportwelt
Houben, Körnig, Nurmi, Straßberger, Lammers
ısw.) sprechen für den Gebrauchswert alkoholischer
Getränke im Sportleben; sie betonen insbesondere
len Nutzen des Glases Bier oder Wein am Vorabend
zroßer Ereignisse, weil es die Nervenspannung löst,
esten Schlaf vermittelt und dadurch die sportliche
z7orm bei den am nächsten Tage folgenden Prüfungen
ıufs günstigste beeinflußt. Die früher herrschende
Auffassung von der Notwendigkeit der Alkoholabstinenz
 beim Sport darf heute als widerlegt gelten.

Diese Erfahrungen aus der Sportpraxis bestätigen
len allgemeinen volkshygienischen Wert des Bieres
als Entspannungsmittel des werktätigen Lebens in
sehr bemerkenswerter Weise.
        <pb n="249" />
        248 V., 3. Ernährungswirtschaftliche und sozialhygieniscie Bedeutung des Bieres., I

Literatur-Verzeichnis.
1) v.Noorden, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. C., Frankfurt,
und Salomon, Prof. Dr. H., Wien: „Handbuch der Er-1ährungslehre“,
 I. Bd. „Allgemeine Diätetik‘‘ (Berlin 1920,
Julius Springer).
Biersteuergesetz vom 9. Juli/11. August 1923.
Rubner, Geh. Ober-Medizinalrat Prof. Dr. Max,
Berlin: „Die Beziehung zwischen Nahrungsaufwand und
xörperlichen Leistungen des Menschen“ (Sitzungsjerichte
 der Preußischen Akademie der Wissenschaften,
KXXVII 1926).
dartwich, Prof. Dr. C., Zürich: „Die menschlichen
Genußmittel‘ (Leipzig 1911).
Hayduck, Prof. Dr. F., Dir. des Instituts für Gärungsgewerbe,
 Berlin: „Illustriertes Brauerei-Lexikon‘“ (Berlin
1925, Paul Parey).
6) Völtz, W., Förster, R., und Baudrexel, A.:
„Über die Verwertung des Bierextraktes und des Bieres
im menschlichen und tierischen Organismus“ (Archiv für
die gesamte Physiologie, Bonn 1910, Martin Hager, 133
bis 258).
Medical Research Council: „Alcohol, its action. on human
arganism‘“. (London 1923, His Majesty’s Stationary
Office).
Bickel, A, und Eilkeles, A., Berlin: „Über den
Einfluß des Alkohols und einiger alkoholischer Getränke
auf Saftabsonderung und den Angriffspunkt des Alkohols
am Sekretionsmechanismus des Magens“ (Archiv der
Verdauungskrankheiten, Bd. 29 Heft 5/6, Berlin 1926).

'9)

„Sind unsere täglichen Genußmittel Gifte?“ Vier medizinische
 Gutachten von Prof. Dr. W. Erb, Geh.
Medizinalrat Dr. C. A. Ewald, Geheimrat Prof. Dr.
N, Zuntz, Geheimrat Dr. E. Zucker (H. Kirchhoff,
3erlin).
Vortrag „The midicinal value of hops‘“ auf der 1927er
"ahresversammlung des „True Temperance Committee“
Morning Advertiser v. 3. 6. 1927).
Delbrück, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. M., Berlin: „Das
3ier einst und jetzt“ (Berlin 1911).
‚Mortality Statistics 1925“, herausgegeben vom amerizanischen
 Bureau of Census im Department of Commerce
Washington, Governments Printing Office),
‚The Registrar General’s Decennial Supplement, England
ınd Wales, 1921“, Part II (London, His Majesty’s
Stationary Office).
acobi, C., Professor der Pharmakologie, Tübingen:
‚Die Alkoholfrage vom medizinischen Standpunkt“
‚Leipzig 1926).
Lewin, Prof. Dr. L., Berlin: „Phantastica“, die betäubenden
 und erregenden Genußmittel (Berlin, Georg
Stilke, 1927).
32. Jahreshauptversammlung der Amerikanischen Larynzologischen,
 Rhinologischen und Otolaryngologischen
Gesellschaft, Montreal (Canada), am 31. 5. 1926. Vortrag
des Dr. Wolff-Freudenthal, New York,
Paproth, H., Berlin: „Der Alkoholismus nach den
amtlichen Heilanstaltsstatistiken des Deutschen Reiches“
Berlin 1929, Reimar Hobbing).

‘10)

(11)
(12)

(13)

{14)

(15)

/16)

(7)
        <pb n="250" />
        Zweiter Teil.

Sonderbeschreibungen deutscher Braustätten und braugewerblicher Nebenzweige,
sowie mäschineller Einrichtungen usw.

Gruppe I: Brauereien. . .

Seite
251

Gruppe II: Brauereianlagen und -einrichtungen usw. . 334

Gruppe Il: Maschinen, Apparate usw.. . . . . . . 345
a) Brauerei- und Kellereimaschinen . . . 345
b) Hilfsaparate, Armaturen .. . .. . 353
c) Flaschenkasten, Fässer, Siphons . .353, 359
Gruppe IV: Bierwagen und Waggons .. . . . . . 361
Gruppe V: Pech, Glasuren, Lacke, Desinfektionsmittel . 366
Gruppe VI: Malz und Hopfen . ..... . . .374,375
Hierüber: Wirtschaftliches (Dresdener Bank) . . . . 389
        <pb n="251" />
        Gruppe I, Brauereien.

Seite
Berlin, Schultheiss-Patzenhofer-Brauerei A.-G. . . . 251
—-Friedrichshagen, Erste Genossenschaftsbrauerei
 Berlin-Friedrichshagen E.G.m.b.H. . . . . 259
—-Schöneberg, Schloßbrauerei A.-G. .... . 264
— — Malzbierbrauerei Groterjahn &amp;amp; Co., A-G. . . . 271
— — Landre-Breithaupt Weißbierbrauerei A-G. ,. . . 272
Aschaffenburg, Bayerische Aktienbierbrauerei
Aschaffenburg . 0.0 .00000.00.00. 0. 0. 0 4 4 u 274
Bochum, Schlegel-Scharpenseel-Brauerei A-G. . . . 275
Bohlsbach i. B., A. Jockerst . ......'. . ., 334
Darmstadt, Brauerei Karl Fay G.m.b.H. .. . . 278
Dortmund, Verband Dortmunder Bierbrauer zur
Förderung ihrer gewerblichen Interessen G.m.b.H 279
Dresden, Societätsbrauerei Waldschlößchen Dresden 286
— Radeberger Exportbierbrauerei A.-G, (siehe Radeberg).
—-Plauen, Brauerei zum Felsenkeller bei Dresden 289
Eppingen, Brauerei Zorn Söhne ........ 34
Frankenthal, Frankenthaler Brauhaus. . ... . 291
Friesenheim, Karl Neff, Brauerei .... . . . 334
Hornberg ii. B., M. Kletterer. , ......... 334
Kassel, Hessische und Herkules-Brauerei A.-G.. . . 292
— Brauerei A, Kropf . ...... 0. 335
Kiel, Brauerei zur Eiche. . . .. 293

Seite
Köln, Adlerbrauerei Köln. . ... ‚294
— Hirschbrauerei Köln . .0.0000.000.00.00..00. . , 295
Zulmbach, Brauerei-Vereinigung Kulmbach E.V... . 297
.ahr i. B., A, Mühlebach, Brauerei Brünnle , .. . . 334
‚angendreer i. W., Bierbrauerei Gebr, Müser A.-G. 301
eipzig-Reudnitz, Leipziger Bierbrauerei zu
Reudnitz Riebeck &amp;amp; Co. A-G. . 0... 0... . 302
‚udwigshafen, Aktienbrauerei Ludwigshafen . . . 306
Aagdeburg, Verein der Brauereien Magdeburgs und
Umgebung E.V... 02 0 0000.00.00.0.0 0 + + 308
Aainz, Mainzer Aktien-Brauerei . ....... . 309
Aannheim, Bürgerliches Brauhaus zum „Habereckl“,
Dingeldein . ..0.0.00000.00. 0.0.0.4. 40 4 + + 310
Brauerei Durlacher Hof. ..........,. 31
- Eichbaumbrauerei . 2... 0.0000000.00.00.02.. 01, 333
Aünchen, Vereinigte Münchener Brauereien. , . . 313
vadeberg, Radeberger Exportbierbrauerei A.-G. . . 319
Saarbrücken, Verband der Brauereien des Saargebietes
 . ...0.0.00.0.000. 0 0 0 04 * + + 323
Naldkirch, Gebr, Klausmann, Hirschen-Brauerei . . 335
Niesloch i. B., Heinrich Wechesser. ....... 3M
Nillich i. Rhld., Vereinigte Willicher Brauereien und
Hannen-Korschenbroich G.m.b.H.. ..... . 329
Worms, Eichbaum-Werger-Brauereien A.-G. . . . . 330
        <pb n="252" />
        Gruppe I Brauereien,

251

Schultheiss-Patzcnhoier

‚raucrei-Aktiensesellschaf

|

Als im Jahre 1921 die beiden größten Berliner
Brauereien, die Schultheiss-Brauerei-A.-G. und die
Patzenhofer Brauerei A:-G. sich zur Schultheiss-Patzenhofer
 Brauerei - A.-G. zusammenschlossen,
sahen beide Gesellschaften auf eine Geschichte zurück,
 die von fast beispielloser Gleichartigkeit und
Folgerichtigkeit
war. In dem
Augenblick, da
das nach bayerischer
 Art gebraute,
 in die
preußische
Hauptstadt eingeführte
 untergärige
 Bier das
obergärige Weißund
 Braunbier,
das bisher vorwiegend
 denBerliner
 Markt beherrscht
 hatte, zu
drängen begann,
sah sich weitblickender,
 privater
 Unternehmergeist
 veranlaßt,
 das Geschäft
 mit der
Herstellung untergärigen
 Bieres selbst in Berlin zu machen. So
entstanden neben anderen die Brauereien Schultheiß
und Patzenhofer. Und in dem Maß, in dem dieses
vorzügliche „bayerische Bier“ immer beliebter
wurde, einen immer größeren Kundenkreis gewann,
in dem Maß, in dem in den Gründerjahren die
Entwicklung des Berliner Bierkonsums abhängig
wurde von der außerordentlichen Zunahme der Berliner
 Bevölkerung, wuchsen beide Brauereien, die

‚udem noch das besondere Glück hatten, in den entscheidenden
 Jahren ihres Aufstiegs kenntnisreiche
ınd zielbewußte Männer wie Roesicke (Schultheiss)
ınd Goldschmidt (Patzenhofer) an ihrer Spitze zu
sehen. Es bleibt hinzuzufügen, daß diese beiden
Männer Freunde waren, die sich in der Erreichung
ihrer gemeinsamen
 Ziele sehr
zu fördern verstanden.

Deutliche Einschnitte
 grenzen
Perioden der geschichtlichen
 Entwicklung
 ab. Die
Jast gleichzeitig
im Jahre 1871 er-;olgte
 Gründung
der Schultheiss
A.-G. und der
Patzenhofer
A.-G. beschließt,
nachdem beide
Unternehmen
schon eine bedeuiungsvolle
 Ausdehnung
 erfahren
 hatten, die
erste Epoche. Die
zweite steht unter
ler Beeinflussung der beiden Köpfe Roesickes und
Zoldschmidts, deren Arbeit in der dritten bis zum
Criegsausbruch von Männern fortgeführt wurde, die
ranz unter dem Einfluß und ganz im Geiste dieser
jeiden Führer tätig waren. Die Politik der Konzentration,
 wie sie die Kriegs- und Nachkriegszeit
lehrte, beherrscht den letzten Zeitabschnitt.
Aus kleinsten Anfängen entstand die Schultheiss-Brauerei.
 Im Jahre 1842 war es, als der Apotheker

Verwaltungsgebäude
(Generaldirektion) der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei-Aktiengesellschaft,
        <pb n="253" />
        252

Sonderbeschreibungen:

Tenne einer Malzfabrik.

Preil auf dem Grundstück Neue Jakobstraße 26 in
sehr bescheidenem Umfang eine der ersten norddeutschen
 Lagerbierbrauereien errichtete. Aber schon
x&amp;lt;urze Zeit nach Eröffnung der Brauerei erfuhr der
Betrieb dadurch eine räumliche Ausdehnung, daß
Drell die auf dem Grundstück Schönhauser Allee 39,
der jetzigen Braustätte der Abteilung I, erbauten
Lagerkeller übernahm. Den Namen gab der jungen
Brauerei Jobst Schultheiss, der im Jahre 1864 die
Brauerei an den Kaufmann Adolf Roesicke ver-&amp;lt;aufte,
 der die Leitung seinem damals noch nicht
20 Jahre alten Sohne, Richard Roesicke, übergab.
Sein Werk war die Schaffung einer Organisation,
die, von sozialpolitischem Verstehen getragen, sich
jeden Fortschritt der Technik und Wissenschaft zunutze
 machte und in den Dienst bestimmter Aufzaben
 stellte. Nach außen war er der erfolgreiche
Politiker, der auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge
wirkte und vieles, bevor
 es Gegenstand
sozialpolitischer Gesetzgebung
 wurde,
längst in seinen Betrieben
 eingeführt
hatte. Roesickes besondere
 Verdienste
um sein Unternehmen
 beruhen in dem
von ihm 'erstrebten
ınd erreichten Surrogatverbot
 für unterzäriges
 Bier, das den
süddeutschen Bieren
Äängst ihren Weltruf
verschafft hatte, und
Jarin. daß er dem

"aschenbiergeschäft seine besondere Aufmerksamreit
 zuwandte, In der Hoffnung, auf diese Weise
\bsatz und Gewinn beträchtlich erhöhen zu können,
1at er sich nicht getäuscht. Bereits in den
‘0er Jahren hatte die Schultheiss-Brauerei unter den
3erliner Brauereien eine dominierende Stellung.. Als
l2oesicke im Jahre 1903 nach fast 40jähriger Tätigzeit
 an der Spitze der Schultheiss-Brauerei starb,
’erlor mit ihm die Gesellschaft ihren größten Führer,
nit dessen Namen Bedeutung und Aufschwung des
'nternehmens unzertrennlich verbunden sind.
Roesicke hatte sich entschlossen, den Betrieb in
ier Hauptsache nach der Schönhauser Allee zu veregen.
 Hier entstand eine ganz neue Brauerei, die
xs 1891 die einzige Braustätte der Schultheiss-3rauerei
 blieb. Das rasche Emporblühen dieser
rauerei in den folgenden Jahren legte den Ge-'anken
 nahe, das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft
 umzuwandeln,
die am 27. Mai 1871
zegründet wurde.
Von besonderer Bedeutung
 für die
Schultheiss-Brauerei
wurde das Jahr 1891,
in welchem sie die
Berliner _Brauereigesellschaft
 Tivoli,
jetzige Abteilung II,
nebst Brauerei und
Malzfabrik in Fürstenwalde
 an der
Spree erwarb. Mit
der den Süden Berins
 beherrschenden
Braustätte war so ein

Veichen einer Malrzfabhrik.
        <pb n="254" />
        Gruppe I Brauereien,

253
Der Grundstein der Patzenhofer-Brauerei wurde
m Jahre 1855 in der Neuen Königstraße in Berlin von
jeorg Patzenhofer gelegt. Er hatte, ein Münchener
3rauersohn, in seiner Vaterstadt das Braufach erernt
 und einige Jahre in ihr als Braumeister gewirkt.
Schließlich begann er auf Grund seiner gesammelten
3rfahrungen als erster in Norddeutschland in Berlin
ijefdunkles Bier zu brauen. Auch hier erweiterte
ich der Abnehmerkreis nach kurzer Zeit beträchtlich,
;o: daß Patzenhofer sein Unternehmen vergrößern
nußte. Er erwarb in den 60er Jahren ein Grundstück
n der ietzt nicht mehr vorhandenen Papenstraße

Gegenstück zu dem im Norden gelegenen Stammhaus
gewonnen. Im Jahre 1896 wurde dem Unternehmen
die Brauerei „Zum Waldschlößchen“ in Dessau am
gegliedert. Dieser neuen Abteilung III folgte bald
die an der Spree gelegene Borussia-Brauerei in
Nieder-Schöneweide, welche im Jahre 1898 in den
Besitz der Schultheiss-Brauerei überging und als Abteilung
 IV die Aufgabe hatte, die geschäftlichen Beziehungen
 im Südosten Berlins und in der dortigen
Umgegend zu pflegen und zu erweitern. Eine weitere
bedeutende Ausdehnung erfuhr die Brauerei durch
den im Jahre 1910 erfolgten Ankauf der Brauerei

Qudhaus einer Brauereiabteilung.

Pfeifferhof in Breslau, die sich als Abteilung V erireulich
 entwickelt hat. Im Jahre 1913 kamen die
Unionsbrauerei, die jetzt stillgelegte Abteilung VI, im
Jahre 1917 die Brauerei Spandauer Berg, die inzwischen
 an die C. A. F. Kahlbaum A.-G. vermietet
wurde, und im Jahre 1919 die Brauerei Pfiefferberg
hinzu, die unterdessen nach gleichfalls erfolgter
Stillegung verkauft wurde,
Diese Vereinigung zahlreicher, räumlich getrennter
 Betriebe in der Hand einer Gesellschaft erzab
 die Notwendigkeit einer bestimmten Zentralisation
 in kaufmännischer und technischer Beziehung.
So wurde 1897 in der Voßstraße eine Zentralstelle
geschaffen, die bald nach Roesickes Tode nach den
Grundstücken Roonstraße 6—8 am Königsplatz verlegt
 wurde, auf denen jetzt die Verwaltung und die
Seneraldirektion sich befinden.

ınd errichtete dort ein Sudhaus nebst Mälzerei. Die
Cellereien mußten außerhalb des damaligen Berliner
Neichbildes auf einem dem Friedrichshain gegeniberliegenden
 Hügel „Friedrichshöhe‘“ angelegt werlen,
 auf dem der große Brauereibesitz entstand, der
etzt die Abteilung Nordost bildet. Im Jahre 1871
vurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft
imgewandelt. Die treibende Kraft in ihm war der
‚ekannte Reichs- und Landtagsabgeordnete Friedrich
joldschmidt. Er erkannte ebenso wie sein Freund
?oesicke sein Ziel darin, die erforderlichen
‚eistungen innerhalb seiner Betriebe mit immer geingerem
 ökonomischen Kraftaufwand ausführen
ind die Bedürfnisse der Konsumenten immer besser
ınd wohlfeiler befriedigen zu lassen. Das Emporschnellen
 der Absatzzahlen hat seine Energie und
‚eine Unternehmungsliust aufs treffendste bewiesen.
        <pb n="255" />
        254 _ Sonderbeschreibungen:
Im Jahre 1897 wurde die Leuesche Brauerei in
Spandau erworben und als Abteilung Spandau angegliedert.
 Nach diesem im Westen Berlins gewonnenen
 Stützpunkt fand man im gleichen Jahre
einen solchen im Osten, und zwar in der Schloßbrauerei
 in Fürstenwalde, die sich als Abteilung
Fürstenwalde dem gesamten Unternehmen anschloß.
Hierzu kam im Januar 1900 auf dem Wege der
Fusion die Verschmelzung mit der Aktienbrauerei-Gesellschaft
 Moabit, die seitdem die Abteilung Nordwest
 bildet. Während des Krieges wurde noch die
in Berlin wegen ihres alljährlichen Bockbiertrubels
sehr populäre Bockbrauerei als Abteilung Südwest
dem Unternehmen angeschlossen. Mit dem Einbeziehen
 dieser Brauerei in den Interessenkreis von
Patzenhofer ging
auch die der Bockarauerei
 gehörige,
irühere norddeutsche
 Bierbrauerei
als Abteilung Norden
 auf diePatzenhofer-Brauerei

über. Diese Abteilung
 wie die
Abteilung Südwest
wurden inzwischen
stillgelegt.
Die ganzeAusdehaungspolitik
 fand
hren Ausgang alliein
 in der Privatnitiative
 der verantwortungsvollen

ınd verantwortungsbewußten Leiter beider Unterı1ehmen.
 Sie verstanden nicht nur den Berliner
Markt zu gewinnen, sondern trugen auch, wie wir
zesehen haben, durch Erwerbung auswärtiger
Brauereien sowie durch Errichtung einer großen Anzahl
 von Niederlagen innerhalb eines Kreises, dessen
Größe durch Peripheriepunkte wie Swinemünde.
Breslau, Chemnitz und Halberstadt erkennbar wird,
die Interessensphäre ihrer Gesellschaften weit über
das Gebiet der Reichshauptstadt hinaus. Entscheidend
 für die Erwerbung neuer Braustätten war
der Wunsch nach Produktionsverbilligung, Absatzerhöhung
 und Gewährleistung dauernd guter
Markenbiere. ;
Die Gründe des‘ geschäftlichen Erfolges von
Schultheiss und Patzenhofer waren zunächst: Qualität
des Bieres, Aber ohne eine vorzügliche Organisation
des Vertriebes, der von innen nach außen ging, und
auf die Erwerbung immer neuer Kunden zum Zwecke
des Absatzes‘ größerer Quantitäten gerichtet war,
hätte sich dieser Erfolg nicht eingestellt. Bedenkt
man, daß in den Jahren 1860 bis 1895 die Berliner
Einwohnerzahl von % auf 22% Millionen stieg. daß

mmer neue Stadtviertel entstanden, so haben die
3rauereien durch Schaffung oder Erwerbung neuer
”’roduktionsstätten es verstanden, diese Absatzmögichkeiten
 auszunutzen, um groß zu werden. Daljurch,
 daß sie neben diesen Produktionsstätten
iberall, wo möglich, geschickt gute Stätten des
Zonsums errichteten, errangen sie ihre fast beispielse
 Popularität. So erhöhten sich Ausstoß und-Gevinn
 ständig bis zum Kriegsbeginn.
Während des Krieges konnte unter den auf allen
ndustriebetrieben lastenden Zwangsmaßnahmen von
ler Herstellung eines Getränkes, das, verglichen mit
lem Vollbier der Vorkriegszeit, den Namen Bier
virklich verdient hätte, kaum mehr gesprochen
verden. Denn der Begriff. „Ersatz“ beherrschte ja
diese harte Zeit,
die es mit sich
brachte, daß einige
Brauereibetriebe
vonSchultheiss wie
von Patzenhofer,
wie erwähnt, stillgelegtwerdenmuß-

 Die Nachwehen
 die Kriegszeit
 und .die Erkenntnis
 der Notwendigkeit,
 den
Wettbewerb zu beseitigen
 und durch
Konzentration auf
allen Gebieten wesentlich
 zu sparen,
waren die Hauptriebfedern
 für das endliche Zustandekommen
ler Fusion Schultheiss - Patzenhofer, die von
len Generalversammlungen der beiden großen
jesellschaften am 12. Juli 1920 gutgeheißen
zurde. Im Zusammenhang mit der von der
teneralversammlung der Schultheiss-Patzenhofer
irauerei im Jahre 1928 genehmigten Kapitalsrhöhung
 um 11,5 Millionen Mark auf insgesamt
i0 Millionen Mark gingen von der Ostwerke Aktienresellschaft
 die Zweigniederlassung Hindenburg sovie
 ihre Beteiligungen an der Lagerbierbrauerei
%, Haase G.m. b. H., Breslau, der Oppelner Aktienırauerei
 und Preßheife-Fabrik A.-G., der Vereinsrauerei
 Beuthen, der. Brauerei Jaeckel A.-G,.,,
5trehlen, der Engelhardt-Malzbier-Brauerei in Gleivitz
 und der Stadtbrauerei Groß-Strehlitz auf
;chultheiss-Patzenhofer über. Das Gesamtunter-‚ehmen
 umfaßt heute zwölf in Betrieb befindliche
;rauereiabteilungen und fünf Malzfabriken in Schönejerg
 (die von der Brauerei Schultheiss in der Kriegszeit
 vollendete, modernste und schönste, die es wohl
iberhaupt gibt), Pankow, Fürstenwalde, Frankfurt
a. d. O0. und Gleiwitz. Schultheiss-Patzenhofer ver-Feilansicht

 des Gärkellers einer Brauereiabteilung.
        <pb n="256" />
        N Gruppe I Brauereien,

255

Flaschenbierlagerkeller-.

fügt außerdem über den Besitz der Berliner Brauvereinigung
 „Monopol“ G. m. bb. H., der Eberswalder
Brauerei A.-G. und ist weiter an einigen sonstigen
Brauereiunternehmungen durch Aktienbesitz beteiligt.
 Der Braurechtsfuß beträgt vier Millionen
Hektoliter. ;
Wie Schultheiss schon vor dem Kriege das größte
Lagerbier- und Brauereiunterhehmen Deutschlands
war, so wurde jetzt die Schultheiss-Patzenhofer
Brauerei A.-G. zur größten Lagerbierbrauerei der
Welt. Diese Verschmelzung gab die Möglichkeit der.
technischen, geschäftlichen und organisatorischen
Konzentration hinsichtlich des weitverzweigten
Niederlagssystems
wie auch im Bereich
der Produktion.
Im März 1921 fand
dann ein FEreignis
von besonderer Bedeutung
 statt. Es kam
ein Interessengemeinschaftsvertrag
 mit
der Ostwerke A.-G.
und der C. A. F. Kahlbaum
 A.-G., zustande,
welche letztere 1927
von Schultheiss-Patzenhofer
 übernommen
 wurde. Fusionsverhandlungen,
 die
darauf zwischen der
Hartwig Kantorowicz

A.-G. und der C. A. F. Kahlbaum A.-G. geführt
vurden, gelangten zum Abschluß. Kahlbaum
rliederte sich Kantorowicz an. Die Verschmelzung
lieser beiden Unternehmen erfolgte zur Erzielung
rrößerer Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung und
3etriebsführung. Der Raum verbietet auf Macht
ind Ansehen, wie sie die Interessengemeinschaft
Istwerke - Schultheiss - Patzenhofer innerhalb des
leutschen Wirtschaftslebens besitzt, einzugehen.
Die Belange dieses Konzerns haben sich Sseitlem
 in den verschiedensten Richtungen erweitert.
Der Vertrag mit den Ostwerken erstreckt sich auf
die Dauer von 60 Jahren, also bis zum 1. September
1980 und verlängert
sich, wenn er nicht
zehn Jahre vor Abschluß
 gekündigt
wird, um weitere
zehn Jahre.
Die Schultheiss-Patzenhofer
 A.-G.
wird einheitlich von
einem Zentralbureau
geleitet, das sich in
Berlin NW 40, Roonstraße
 6—8, befindet.
Von hier aus wird die
inanz- und Wirtschaftspolitik
 geregelt,
 wird die Organisation
 ausgebaut,
werden die allge-Beladen

 der Flaschenbierwagen.
        <pb n="257" />
        256 Sonderbeschreibungen:
meinen Linien der Geschäftsführung bestimmt und Schlesien ganz erfaßt. Die westlichen Grenzen bilden
lie großen Einkäufe in Rohmaterialien, Maschinen lie Provinzen Hannover, Sachsen sowie Oldenburg.
usw. getätigt. Generaldirektor des ganzen Unter- chultheiss-Patzenhofer verfügt ferner über 67 eigene
1ehmens ist Herr Kommerzienrat und Konsul von usschankstätten, von denen das Patzenhofer-Spanien
 Dr. Walter Sobernheim. Zum Vorsitzenden Destaurant in der Friedrichstraße 71 in Berlin weitdes
 Aufsichtsrates der Gesellschaft wurde nach dem 1in bekannt ist. Ein beliebtes Ausflugsziel ist der
Tode des Herrn Geh. Kommerzienrats W. Kopetzky, (aiserpavillon am Wannsee. In Hamburg, Breslau,
dessen Name und Wirken gleich dem seines Vor- 3remen, Magdeburg, Kiel usw. sind‘ besonders
zängers Exzellenz Wilhelm Herz auf das engste mit snommierte Ausschankstätten der Schultheissder
 Entwicklung der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei 'atzenhofer Biere zu finden. Nicht nur in Berlin,

Paßbiergespanne einer Brauereiabteilung.

Plaschenbiergespanne einer Brauereiabteilung.

verbunden ist, Herr Generalkonsul Eugen Landau,
ler bisherige Vorsitzende des Aufsichtsrats der
Zatzenhofer A.-G., gewählt.
Die zwölf Abteilungen, die sich in der Schönhauser
Allee, in der Lichterfelder Straße, in der Landsberger
Allee sowie in der Stromstraße, Berlin, ferner in
Niederschöneweide, Spandau, Dessau, Breslau,
Strehlen, Oppeln, Hindenburg und Beuthen, befinden,
regeln Produktion und Absatz selbständig. Jede
dieser Abteilungen verwaltet wieder Niederlagen,
von denen Schultheiss-Patzenhofer 136 besitzt. Die
Grenzen des Absatzgebietes reichen heute im
Norden von der Nordseeküste, Schleswig-Holstein,
der Ostseeküste bis nach Kolberg und Stolp hin, südüch
 bis nach Thüringen hinein. Im Osten wird

‚;ondern auch in allen Städten des mittleren Deutschands
 ist Schultheiss-Patzenhofer ein sehr populärer
Name, Immer wurde der Grundsatz verfochten, daß
Markenbiere herzustellen sind, von denen jedes in
‚einem besonderen Geschmack und seinem beonderen
 Gehalt wieder zur Steigerung des Gesamtmsatzes
 beiträgt. Diese Markenbiere heißen:
Schultheiss - Patzenhofer Märzen“, „Versand“,
Deutsches Pilsner‘“ und „Export‘“. Ein süßes Malzjer
 wird von Blutarmen, Rekonvaleszenten usw. ge--unken,
 und in der Zeit der alljährlichen Bockbieraison
 tritt die Brauerei mit dem Ausstoß von Schult-1eiss-Patzenhofer
 „Urbock‘“ auf den Plan. In der
3erliner Brauvereinigung „Monopol“ G. m. b. H.
verden Porter und Grätzer Bier hergestellt. die den
        <pb n="258" />
        Gruppe I Brauereien:

251

Auf einem der Verladebahnhöfe

Bieren der Ursprungsländer im Geschmack in nichts
nachstehen.
Neben dem Inlandabsatz hat das Exportgeschäift,
das vor dem Kriege gewonnene Länder in der Zeit
des deutschen Niederbruches restlos hergeben mußte,
begonnen, sich wieder wesentlich zu heben. Im nördlichen
 Afrika, Zentralamerika, Britisch- und Holländisch-Indien
 usw. ist die Schultheiss-Patzenhofer
Brauerei England und Holland gegenüber wieder
konkurrenzifähig geworden.
Den Brauprozeß kennt der Leser dieses Buches.
Aus den folgenden zusammengefaßten Zahlen soll
der Fachmann sich ein Bild vom Umfang des technischen
 Betriebes der Gesellschaft machen können.
Aus einer Million Zentner Gerste werden jährlich
ungefähr 750 000 Zentner Malz auf 40 000 qm Tennenfläche
 hergestellt. Dem gleichen Zweck dienen
56 Keimtrommeln mit einem Fassungsraum von
100 bis 250 Zentner
pro Trommel. Außerdem
 werden alljährlich
 große Mengen
fertiger Malze. gekauft.
 Das Grünmalz
wird auf 75 Hordendarren
 auf einer Hordenfläche
 von 5000
am gedarrt und auf
25 Sudwerken verbraut,
 die imstande
sind, täglich bis zu
22000 hl Bierwürze
herzustellen. Die Gärbottiche
 haben einen
Inhalt von je 40 bis
600 hl, die Gärkeller
einen Fassungsraum
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart

‚on 180000 hl. Über 240000 Stück Transportässer
 stehen zur Verfügung; die tägliche Leistung
les Flaschenkellers beträgt etwa 1 000 000 Flaschen.
'95 eigene Eisenbahnwaggons, 3 eigene Dampfer
ınd 105 Lastautomobile mit Anhängern vermitteln
len Vertrieb nach den 136 Niederlagen. Aus den
3rauereiabteilungen und den Niederlagen bedienen
iber 1000 Gespanne die Kundschaft. Im Dienst des
Jnternehmens stehen etwa 950 Angestellte und
000 Arbeiter.
Die intensiv durchgeführte Mechanisierung setzt
ıatürlich große Betriebskräfte voraus. 55 Dampfzessel
 von 18,4, 30 und 48 atm. mit einer Gesamtheiz-Jäche
 von 7800 qm liefern die notwendige Wärme
ınd die Heizkraft für 35 Dampfmaschinen mit inszesamt
 10000 PS. 60 Ammoniakkompressoren mit
zusammen 12 Millionen Kalorien stündlicher Leistung
rzeugen die Kälte für die umfangreichen Kellereien
zur Abkühlung der
Würze und vermögen
 täglich nebenher
bis zu 10 000 Zentner
Kunsteis herzustellen.
Kühlleitungsrohre, die
bestimmt sind, die
Kellertemperatur indirekt
 auf ungefähr
0°C zu erhalten, haben
 eine Gesamtlänge
von 300 km, würden
also von Berlin bis
nach Breslau reichen.
Außerdem verfügt die
Brauerei noch über
7 Dieselmotoren mit
1050 PS, ferner über
34 Gleichstromdyna-Fntlöschung

 eines Exportbierdampfers in Hongkong.
        <pb n="259" />
        258

Sonderbeschreibungen:

Zentrallaboratorium (Chemische Abteilung).

nos mit 3600 Kw und 6 Drehstromdynamos mit
3500 Kw Leistung. 20 Akkumulatorenbatterien und
1600 Motore vervollständigen und verteilen die erzeugten
 Kräfte. Umfangreiche Laboratoriumseinrich-‚ungen
 und ein kleines Versuchssudwerk dienen
Zwecken eingehender Versuche zur richtigen Auswahl
und Verwendung der Rohstoffe, zur Sicherstellung
des Betriebes und zur strengen Ermöglichung der
Vereinheitlichung eines dauernd voll konkurrenzähigen,
 gleichmäßigen Produktes. Daß sich dieser
Großbetrieb eigener Schmieden, Schlossereien, Tischereien,
 Sattlereien und Installationswerkstätten helient,

 erscheint nach all dem soeben Ausgeführten
‚elbstverständlich.
Auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege hat die
jesellschaft für ihre Arbeitnehmer die bekannten
nustergültigen Einrichtungen geschaffen.
So bildet die Schultheiss-Patzenhofer Brauerei-\.-G.
 ein Weltunternehmen hervorragendster Art,
em nicht nur innerhalb seines Gewerbes der erste
'latz gebührt, sondern das auch in der ganzen deutchen
 Industrie in technischer, kaufmännischer und
ozialer Hinsicht zu den führenden gerechnet werlen
 muß.

Ein Viererzug der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei A. G.
        <pb n="260" />
        Gruppe I Brauereien,

259

Gesamtansicht der Brauerei von der Wasserseite

u

A mar

MB
u

"er sohaftisbrauerei

{

Antänge und Genossenschaiftsgründung,
Die Anfänge der Brauerei gehen bis auf
die Gründungszeit Friedrichshagens zurück. Der
Ort wurde 1753 von Friedrich dem Großen als Siedlung
 gegründet. Der Kriegs- und Domänenrat
Pfeiffer, der die Gründung Friedrichshagens durchführte,
 hat hier für sich ein Lehnschulzengut errichtet,
 mit dem ein Krug verbunden war. Sehr
wahrscheinlich ist, daß die Bierbrauerei auf dem
Lehnschulzengrundstück von Anbeginn betrieben
worden ist. Der Lehnschulze Wilhelm Schäfer, der
[869 das Schulzengut übernahm, fügte das gegenüberliegende
 Müggelbudengrundstück hinzu als
„Gasthof“ mit der Bezeichnung „Müggelschloß“.
Seit 1888 war das Unternehmen in Händen von
Wilhelm Wallburg und Janssen, seit 1893 war Wallvurg
 alleiniger Eigentümer, bis später seine beiden
Söhne als Teilhaber eintraten. Am 1. März 1900 war
Wilhelm Wallburg ausgeschieden und August Pauli
als Teilhaber in die Brauerei eingetreten, die von nun
an firmierte: „Brauerei Müggelschlößchen Wallburg
und Pauli‘.
Am 1. September 1901 entstand aus diesem Unternehmen
 die jetzige Genossenschaftsbrauerei.

Es bestand in Berlin seit 1896 eine Einkaufs-Genossenschaft
 des Verbandes der Gast- und
Schankwirte, die ursprünglich mit der Aktienbrauerei
Hohenschönhausen einen Bierlieferungsvertrag abyeschlossen
 hatte. Der auf Erwerb eines eigenen

Jierunternehmens auf genossenschaftlicher Grundage
 hinausgehende unter den Mitgliedern entstandeıen
 Bewegung kamen die Herren Wallburg und Pauli
;ntgegen, indem sie durch eigene Kapitalbeteiligung
ler Genossenschaft die Übernahme der ehemaligen
3rauerei Wallburg &amp;amp; Pauli ermöglichen. Diese
Jbernahme erfolgte am 1. September 1901. ;
Schwere Jahre des Anfangs.
Die Jahre des Anfangs waren schwer.
Zinerseits waren Neubauten und Anschaffungen notvendig,
 andererseits blieb der Bierabsatz hinter den
Irwartungen zurück. Es wurde daher am 1. Juli 1903
lerr Arthur Göhler von der Stadtbrauerei Rosenheim
zur technischen Leitung des Unternehmens berufen,
nit dessen Eintritt im technischen Betrieb ein Umschwung
 eintrat und die Qualität des Bieres sich
)jesserte, So daß das Produkt sich bald allgemeiner
3eliebtheit erfreute.
Die schwere Krisis der Geschäftsiahre 1902 und
903 hätten eigentlich zum Konkurs des Unterıehmens
 führen müssen, wenn dies nicht durch per-‚önliche
 Opfer des Herrn Direktor August Pauli vernieden
 wäre. Das Jahr 1905 hatte zum erstenmal
änen Reingewinn zu verzeichnen.
So wurden nach einer Zeit schwerer Entwicklung
nit vielen Mühen und Opfern auf dem Wege zur Fr-'eichung
 des gestellten Zieles beständig Fortschritte
zemacht. Wenn auch die Genossenschaftsbrauerei
n den ersten Jahren ihres Bestehens. keine
Dividenden und Bierrückvergütungen ausschütten
        <pb n="261" />
        260

Sonderbeschreibungen:

950-PS-Zweizylinder-Dampfmaschine
mit 2 gekuppelten Binderschen Ammoniak-Kompressoren von 500000 Kalorien stündlicher Leistung

Konnte, durfte man immerhin behaupten, daß die
Brauerei ihre wesentliche Aufgabe, nämlich
 dem Gastwirtsstand aus sich selbst heraus sein
wichtigstes Betriebsmaterial, das Bier, gut zu liefern,
schon erfüllte. . Auch die. finanziellen Erfolge
steigerten sich mit jeden 1000 hl des Bierabsatzes.

Aufsteigende Entwicklung,
Dank des zunehmenden Vertrauens waren die
Jahre 1906 und 1907 in der Entwicklung des
Jnternehmens besonders günstig. 1906 konnte
zum erstenmal eine Dividende verteilt werden,
Spareinlagen zeugten von dem Vertrauen der Ge-10ssenschaftler.
 Grundstücke für die Abteilung
Stralau wurden erworben, ein neuer großer Dampfer
Üür den Biertransport beschafft.
Die Mitgliederzahl war 1908 auf mehr als 500 angewachsen.
 Ungeachtet der einsetzenden scharfen
Konkurrenzen der Berliner Ringbrauereien und trotz
arhöhter Belastung des Braugewerbes hielt die
günstige Entwicklung auch weiterhin an. Im Jahre
1909 wurden erhebliche Betriebserweiterungen vorzenommen,
 der Brauereiausschank Neu- und Um-Jauten
 unterzogen. Die verzinslichen Spargeldeinlagen
 nahmen so zu, daß im Jahre 1908 eine
eigene Sparkasse eingerichtet wurde.
Im zweiten Jahrzehnt,
Als die Genossenschaftsbrauerei im Jahre 1911 auf
‚hr zehniähriges Bestehen zurückblickte. hatte sich

ler Absatz von 16241 hl auf 95430 hl gesteigert;
während man in den ersten Jahren mit Verlust
ırbeitete, war das Jahr 1911 durch einen Reingewinn
‚on 186 920 M. gekennzeichnet.
Im August 1912 konnte die Brauerei zum erstenmal
lie Umsatzziffer von 100000 hl Jahresausstoß über-;chreiten.
 Dadurch waren allerdings die vorhandeıen
 Betriebsanlagen so ausgenutzt, daß die Gefahr
»#äines Stillstandes in der Entwicklung drohte. Es bot
;xich aber die günstige Gelegenheit zur Erwerbung
ies benachbarten Klutschen Villengrundstücks mit
r‚roßem Garten, wodurch die Möglichkeit zum
veiteren Ausbau der Brauerei gegeben war.
Nach Fertigstellung des neuen GärındLagerkellers
 konnte die Genossenschaftsrauerei
 im letzten Friedensgeschäftsiahr 1913/14
)ereits einen Bierausstoß von 144 000 hl verzeichnen.
Die Kriegs- und Nachkriegszeit,
Da brach der Weltkrieg aus, der natürlich
uch für die Absatzverhältnisse der Brauerei nicht
ıhne Einfluß blieb. Der Bierabsatz ging zurück,
icChwerste Eingriffe in die Produktion erfolgten. Um
lie Gastwirtskundschaft besser versorgen zu können,
vurden Brauereikontingente von acht durch die
Criegsverhältnisse stillgelegten Brauereien aufvekauft
 und mit zollamtlicher Genehmigung auf
“"riedrichshagen übertragen. Wenngleich angesichts
ler Kosten an diesen weiter nichts zu verdienen war,
zelang es doch dadurch der Genossenschaftsbrauerei,
        <pb n="262" />
        Gruppe I Brauereien.
durch ausreichende Bierlieferungen ihren Mitgliedern
das Durchhalten in ihrer Existenz zu ermöglichen.
Trotz der Kriegsschwierigkeiten wurden mancherlei
 Betriebsergänzungen vorgenommen, insbesondere
 die Abteilung Stralau dutch Ankauf von
Nachbargrundstücken erweitert. Die Schwierigkeiten,
 die der Krieg dem Brauereigewerbe gebracht
‘hatte, hielten auch nach Kriegsende an.
Doch gelang es, durch Verbesserung der Bierqualität
 und des dadurch gesteigerten Umsatzes, die
ungünstigen wirtschaftlichen Auswirkungen auszugleichen,
 bis dann. die Inflation das Brauzewerbe
 in seinen Grundfesten erschütterte und jegliche
 Berechnungen über den Haufen geworfen
wurden.

261

Der Umsicht und den praktischen Erfahrungen des
)»bengenannten Herrn Direktor Göhler ist es geungen,
 trotz vieler unvorhergesehener Schwierigceiten
 den Bau in allen Einzelheiten durchzuführen,
;hne daß dabei die Biererzeugung und die übrigen
echnischen Betriebe eine Unterbrechung zu erleiden
ırauchten.
Mit der Vergrößerung der Brauerei Friedrichslagen
 hielt die Erweiterung der Abteilung Stralau
zleichen Schritt. Hier wie dort wurden neue Grunditücke
 erworben. Vier eiserne Bierkähne wurden
n den Dienst gestellt, ein großer Fuhrpark vollendet
las Gesamtbild eines Greßbetriebes von beachtenswertem
 Umfang.
Die Genossenschaftsbrauerei unterhält Niederagen
 in Lankwitz, Spandau und Waidnannslust.

Die Betriebsanlagen.

Wieder Friedenswirtschait.

Nach dem Stabilisierungsjahr 1924 entwickelte sich
trotz vielerlei Schwierigkeiten die Lage der Genossenschaft
 günstig. Sie konnte nicht nur den durch
den Krieg verlorenen Bierabsatz bald wieder gewinnen,
 sondern im Jahre 1926 den Friedensausstoß
zom Jahre 1914 um mehr als 85 % überschreiten.
Im Zusammenhang mit der Absatzsteigerung sah
man sich Anfang 1925 abermals vor die Notwendigkeit
 eines grundlegenden Erweiterungsbaues
 gestellt, der mit einem Kostenaufwand von
etwa 3,5 Millionen Mark durchgeführt wurde und
nach dessen Fertigstellung die Brauerei für eine
Jahresproduktion von 450 000 hl. eingerichtet war.

Von den Betriebsanlagen der Ge-10ossenschaitsbrauerei
 sei zunächst des
Maschinenhauses gedacht. Dieses enthält eine
Jampfmaschine von 950 PS, einen Dieselmotor von
00 PS und einen Öltank von 120 cbm Inhalt. Zum
WMaschinenbetrieb gehört noch ein elektrischer
Craftanschluß von 200 PS, zwei Luftkompressoren,
wei Vorwärmer, fünf Ammoniakkompressoren von
‚usammen 600 000 Kalorien stündlicher Leistung für
lie Kälteerzeugung, eine Licht- und Kraftanlage mit
zier Dyrnamomaschinen usw. Die Beschickung der

Cine Abteilung des Gärkellers
        <pb n="263" />
        262
Kesselröste mit Kohlen — welche direkt von den
Kahnladungen in die 12 m hohen Kohlenbunker über-10mmen
 werden können — erfolgt mittels einer autonatischen
 Feuerbeschickungsanlage.
Das Sudhaus, dessen imposanter Neubau sich bis
zur Kuppel von einer Höhe von 25 m erhebt, enthält
in Doppelsudwerk für 60 Zentner und ein Doppelsudwerk
 für 100 Zentner Malzschüttung aus Kupfer,
mit denen. täglich 2000 hl Bier gebraut werden
vönnen.

Sonderbeschreibungen:
zofort jede störende Veränderung erkannt wird und
lie zugleich auf die Mittel zur Beseitigung hinweist.
Als Nebenbetriebe besitzt die Brauerei eine
Trebertrockenanlage, eine Böttcherei, eine Tischerei,
 eine Sattlerei, eigene mechanische Werkstätten
nit Schlosserei, so daß fast alle vorkommenden
vepafaturen vom eigenen Personal vorgenommen
verden können; ferner eine Schmiede in Friedrichs-1agen
 und: eine solche in der Abteilung Berlin-Stralau.


GENERANERT

A

Fine Tankabteilung des Lagerkellers

Der Gärkeller, oberirdisch mit sechs Abteilungen
mit Holzbottichen und Aluminiumtanks angelegt, hat
einen Fassungsraum für 22000 hl. Die Bottiche
Dzw. Tanks, von denen die größten 640 hl umfassen,
sind mit Kühlsystemen versehen, in welchen
3runnenwasser von 1° zirkuliert. Die Kühlung der
Keller selbst geschieht durch ein an der Decke entang
 laufendes Röhrensystem.
Der Lagerkeller ist in drei Etagen übereinander
&amp;gt;»berirdisch angelegt und besteht aus neun Abteilungen,
 in denen insgesamt ein Quantum von
18 000 hl Bier gelagert werden kann.
Das Betriebslaboratorium dient dazu, eine Verindung
 der Praxis mit der Wissenschaft herzustellen,
 die sich mit der Chemie des Malzes und
des Bieres befaßt. Es ermöglicht eine rationelle Beurteilung
 aller Rohmaterialien, der Zwischenprodukte
und des fertigen Bieres und stellt den ganzen Betrieb
anter eine genaue biologische Kontrolle. durch die

Die Gaststätten der Genossenschaft,
Die Genossenschaftsbrauerei besitzt in FriedrichsaageneigeneGaststätten,
 wie schon in alter
Zeit das Brauereigrundstück mit der Kruggerechtigceit
 des Lehnschulzengutes zusammenhing. Jetzt
;teht dort das Müggelschlößchen, durch seine
vunderbar schöne Lage am See und Gemünde ge-’adezu
 zu einem Wahrzeichen für den Berliner Auslugsverkehr
 geworden. Das Etablissement wurde
zu einer großzügigen modernen Gaststätte umsestaltet.
 Vorteilhaft für den Besuch dieses Er-1olungsortes
 ist dessen unmittelbare Zugängignachung
 durch den im Voriahre fertiggestellten
Spreetunnel.
Außerdem besitzt die Brauerei in Friedrichshagen
ı1och ein mit einem schönen Garten verbundenes
3raustübl.
        <pb n="264" />
        Gruppe I Brauereien.

268

Betriebslaboratorium

Schlußwort und Ausblick,
Das Ineinandergreifen aller Kräfte, zielbewußtes
und harmonisches Zusammenarbeiten innerhalb der
Verwaltung, das von gegenseitigem Vertrauen getragen
 ist, wie auch nicht zuletzt treues Festhalten
der Mitglieder an ihrem Unternehmen, haben zu
diesem Erfolge beigetragen und verbürgen der
Brauerei eine weitere sichere Zukunft.
Mit diesem überraschenden Aufstieg des Brauereiunternehmens
 wirkt sich zugleich ein entscheidender
Erfolg des Genossenschaftsgedankens aus, der sich
in allen wirtschaftlichen Erschütterungen, an dem
dieses Vierteljahrhundert so reich‘ war, auf das
glänzendste bewährt hat. In der Genossenschaftsbrauerei
 kommt die Selbsthilfe des Gastwirtszewerbes
 organisatorisch zum Ausdruck. Sie stellt

lie Zusammenfassung der wirtschaftlichen Kräfte
les Gastwirtestandes zu einer produktiven Macht
lar, deren Aufgabe die Selbsterzeugung des’ wichigsten
 Bedarfsartikels ist und ist daher für die wirtschaftliche
 Existenz des Gewerbes von grundegender
 Bedeutung. Die Entwicklungsgeschichte
ler Brauerei erbringt so den Beweis für die Bewährung
 der genossenschaftlichen Organisation.
\uch auf dem Gebiete einer komplizierten Proluktion
 und vielseitig gegliederten großindustriellen
3Zetriebsweise.,
Auf der Organisation der Selbsthilfe des Gastwirtsgewerbes
 beruhend, wird die Genossenschafts-&amp;gt;rauerei
 auch weiterhin im genossenschaftlichen Gelanken
 stark und leistungsfähig bleiben und ihren
Matz im Groß-Berliner Wirtschaftslieben behaupten.
        <pb n="265" />
        264

Sonderbeschreibungen: ;

Zesamtansicht

Schloßbrauerei A.-G., Berlin-Schöneberg
Die Geschichte der Schloßbrauerei.

Die Berliner Schloßbrauerei wurde am 23. Mai
‚871 unter dem Namen „Schloßbrauerei-Schöneberg“
 mit einem Aktienkapital von 540000 Talern
= 1620000 M. gegründet. ‘ Zweck des Unternehmens
 war der Erwerb und Weiterbetrieb der
einige Jahre vorher auf dem ehemaligen Freigutgelände
 Schönebergs erbauten Schlegelschen Bierbrauerei.
 Unter den Gründern der Aktiengesellschaft
 befand sich auch der „Fabrikant“ Emil
Rathenau, der spätere
Gründer und langjährige
Leiter der A.E.G.
Ihren Namen hatte die
Schloßbrauerei von dem
auf ihrem Grundstück geegenen
 sogenannten kurjürstlichen
 Jagdschloß,
das noch heute erhalten
und zur Zeit von Beamten
 der Brauerei bewohnt
 ist,
Das Areal der Brauerei
 erstreckte sich ursprünglich
 von der Provinzialchaussee
 Berlin—
Potsdam, der ietzigen

JTauptstraße, bis an die Gleise der Potsdamer
3ahn. Außerdem besaß sie Anteile an Ländereien
n entfernter liegenden Teilen Schönebergs, die
ach und nach mit fortschreitender Erschließung
lieses Vororts für den Wohnungsbau nutzbringend
ıbygestoßen wurden. Seine heutige Gestalt eruelt
 das Brauereigelände durch die Anlage der
*eurig- und Ebersstraße. Die zwischen letzterer
Straße und der Potsdamer Bahn gelegenen Teile
wurden als Bauland verkauft,
 dagegen blieb
der durch die Feurigstraße
 vom Hauptgrundstück
 abgetrennte etwa
vier Morgen große Gar-;en
 mit herrlichen, schatienspendenden
 alten Bäumen
 und einem großen
Ausschanklokal bis heute
arhalten. In diesem Teil
liegt auch das obenerwähnte
 Jagdschloß mit
der Front nach der
Hauptstraße.
Die Entwicklung der
Schloßbrauerei fällt zeit-Verwaltung

 sgyebdude
        <pb n="266" />
        * Gruppe I Brauereien.

265

Maischefiller

lich zusammen mit der Entwicklung Schönebergs vom
Dorf von 4500 Einwohnern im Jahre 1871 zur Stadt
von 187 000 Einwohnern im Jahre 1914. Auf dieser
gemeinsamen Entwicklung beruht die freundschaftliche
 Verbundenheit, die noch heute zwischen den
alteingesessenen Schöneberger Familien und unserem
Unternehmen besteht.‘
Von den ersten Jahren nach der Gründung bis in
die Mitte der achtziger Jahre hatte das. Unternehmen
 unter mannigfachen Schwierigkeiten zu
leiden. Der Rückschlag, den die allgemeine Konjunktur
 nach dem Sturm der Gründerjahre erlitt,
machte sich auch für die Brauerei bemerkbar. Außerdem
 fehlte es ihr an der nötigen Stabilität in der
Leitung, da Vorstand und Braumeister sehr oft
wechselten. So kam es, daß der Absatz sich nicht
wesentlich über 30 000 hl steigern ließ, ein Quantum,
das nicht ausreichte, um für das hohe Aktienkapital
von mehr als eineinhalb Millionen Mark eine
nennenswerte Dividende herauszuwirtschaften. Mit
Jahren, die ganz ohne Erträgnis blieben, wechselten
solche, in denen eine Dividende von durchschnittlich
2% verteilt wurde. Einschließlich der ertraglosen
Jahre betrug die Dividende im Durchschnitt bis zum
Jahre 1884 nur 1% %. Immerhin gelang es, eine
Zusammenlegung des Aktienkapitals zu vermeiden
und die finanziellen und technischen Betriebsmittel
auf einer angemessenen Höhe zu halten. So wurde

m Jahre 1884 eine Lindesche Eismaschine aufrvestellt,
 um die bis dahin geübte Natureiskühlung
lurch die zuverlässigere künstliche Kühlung zu ersetzen.
 Diese Maschine war unseres Wissens die
;rste, die in einer Berliner Brauerei in Betrieb geangte.

Durch Erweiterung der Kühlanlagen, Vergrößeung
 der Malzdarren und verschiedene andere Neu-;inrichtungen
 wurden die technischen Anlagen verjessert.
 Die damit gleichzeitig ermöglichte Verjesserung
 der Bierqualität unterstützte die inteniven
 Bemühungen um Erschließung neuer Absatz-.
rebiete, so daß schon das Jahr 1885/86 eine Steigeung
 des Absatzes um mehr als 12000 hl auf über
j0 000 hl brachte. Die durch diese Absatzsteigerung
‚edingte bessere Ausnutzung des Betriebes zeigte
ich in erhöhter Rentabilität, die bei reichlichen Abchreibungen
 und Rückstellungen die Verteilung
ner Dividende von 4 % gestattete.
Die Geschäftsleitung erkannte richtig, daß eine be-‚onders
 intensive Bearbeitung des damals allgemein
;rst im Entstehen begriffenen Flaschenbiergeschäftes
vesentlich zur Popularisierung des Schöneberger
lieres und damit auch zur indirekten Hebung des
*aßbierkonsums beitragen mußte. Sie ließ sich dajer
 die Pflege dieses Geschäftszweiges besonders
ıngelegen sein und erzielte so nicht nur eine {fortaufende
 Hebung des gesamten Umsatzes, sondern
        <pb n="267" />
        266

Sonderbeschreibungen:
für 70 Ztr. Schüttung mit zwei kupfernen Dampfpfannen
 von 220 und 110 hl Inhalt.
Zwei Tiefbrunnen von etwa 45 m Tiefe,
m Maschinenhaus wurde eine Sulzersche
Dampfmaschine von 150 PS mit Lindescher Eismaschine
 von 300 000 cal. stündlicher Leistung
aufgestellt. .
im Kesselhaus drei Flammrohrkessel von je
100 am Heiztläche.

auch einen ständig wachsenden prozentualen Anteil
des Flaschenbieres am Gesamtgeschäft. Zu Beginn
dieses Jahrhunderts stand die Schloßbrauerei mit
ainem Flaschenbierabsatz von über 100000 hl = 30
Millionen Flaschen an zweiter Stelle unter den Berliner
 Brauereien.
Das Geschäftsjahr 1886/87 brachte eine weitere
Steigerung des Absatzes um mehr als 10000 hl und
eine Dividendenausschüttung von.7 %. Das nächste

Trommelmälzerei

Jahr gestattete bei 70 000 hl Gesamtabsatz (12 500 hl
Zuwachs gegen das Vorjahr) die Ausschüttung
ziner Dividende. von 10 %, Schon zwei Jahre später
konnte der Bierausstoß die 100 000-Hektoliter-Grenze
 überschreiten. Die Dividende betrug 12 %
und hielt sich in Zukunft bis zu Beginn des Welt-&amp;lt;rieges
 im Durchschnitt auf 10%. Schwankungen
(zwischen 8 und 12 %) waren durch den Einfluß der
jeweils herrschenden Konjunkturverhältnisse bedingt.
Dem ständig steigenden Absatz konnte die bisherige
 technische Einrichtung nicht genügen, so daß
eine gründliche Reorganisation derselben nötig
wurde. In den Jahren 1889/91 wurden daher {olzende
 Neubauten und Neueinrichtungen vorzenommen:

Ein Kühlhaus mit drei Kühlschiffen.
Ein Darrgebäude mit Zweihordenmalzdarre.
Ein Sudhaus. enthaltend ein Doppelsudwerk

"ine pneumatische Trommelmälzerei
mit sechs Keimtrommeln, System Galland, für
je 100 Ztr. Gersteverarbeitung.
Slektrische Beleuchtungsanlage für
sämtliche Räume der Brauerei.
Der fortschrittliche Geist, der bei der Brauereieitung
 herrschte und sie veranlaßte, sich alle techschen
 Neuerungen schnellstens zunutze zu machen,
vird am besten durch die Tatsache dokumentiert,
laß sowohl die pneumatische Mälzerei wie auch die
J)ampfpfannen die ersten waren, die in Berlin zur
\ufstellung gelangten. Sie haben sich aufs‘ beste
jewährt und sind zum Teil noch heute in Betrieb.

Der immer weiter steigende Umsatz machte sehr
jald eine Stärkung der Betriebsmittel nötig, die im
‚ahre 1893 durch Erhöhung des Aktienkapitals um
‚00000 M. auf 2220 000 M. bewerkstelligt wurde.
        <pb n="268" />
        Gruppe I Brauereien, 267
arlegten, erforderten tragfähige Schultern. Hatte
las letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts nämlich
än Bild stetiger guter Konjunktur und gesunden
virtschaftlichen Fortschritts geboten, die den Braue-'eien
 eine ständige Weiterentwicklung sicherten, so
rat im Anfang des 20. Jahrhunderts eine allgemeine
virtschaftliche Depression ein, die sich naturgemäß
ıuch auf den Geschäftsgang in der Brauindustrie
ıuswirkte. Es kam noch hinzu, daß in dieser Zeit
aäine lebhafte Agitation der Alkoholzegner einsetzte,

Im Jahre 1893 wurde auch der neuerbaute Pierdestall
 in Benutzung genommen, der in zwei Stockwerken
 Platz für 150 Pferde bietet und mit allen
technischen und hygienischen Neuheiten ausgerüstet,
noch heute vorbildlich ist. Bei allen ihren Neubauten
hat die Schloßbrauerei stets darauf gesehen, nicht
nur für höchste Zweckmäßigkeit zu sorgen, sondern
auch durch Heranziehung bedeutender Architekten
Baulichkeiten zu schaffen, die ästhetisch einwandirei
 sind. und sich der Umgebung stilvoll einordnen.

Laboratorium

Die nun folgenden Jahre zeigen das Bild einer
stetigen, günstigen Fortentwicklung. Um die Jahrhundertwende
 überschritt der Absatz das zweite
Hunderttausend. Die Betriebsanlagen wurden im
Verhältnis zur Steigerung des Ausstoßes vergrößert
und entsprechend den Fortschritten von Technik und
Wissenschaft modernisiert. So wurde im Jahre 1896
ein neuer, umfangreicher Gärkeller in Betrieb genommen
 und das alte Sudhaus umgebaut, um seine
Leistungsfähigkeit zu steigern. Die für diese Bauten
nötigen Mittel wurden durch Erhöhung des Aktien-Kapitals
 um 780 000 M. auf 3000000 M. beschafit.
Der Reservefonds erreichte durch Zuweisung des
Agios aus der Aktienemission die stattliche Höhe von
beinahe 800 000 M.
So konnte die Schloßbrauerei finanziell und technisch
 gut gerüstet in das neue Jahrhundert schreiten.
Und das war notwendig, denn die Belastungen, die
die nächsten Jahre der gesamten Brauindustrie auflie

 bei der Wahllosigkeit der Mittel, deren sich die
\nhänger der Abstinenzbewegung stets bedienen,
ind bei der zuerst noch vorhandenen Unkenntnis des
7ublikums über die wahren Verhältnisse, naturvzemäß
 schädigend auf den Konsum einwirkte, Es
jedurfte langer Aufklärungsarbeit der unbeeinflußten
Nissenschaft, ehe sich in weitesten Kreisen die Ertenntnis
 durchsetzen konnte, daß ein mäßiger
\lkoholgenuß durchaus unschädlich ist und daß ge-‚ade
 das Bier wegen seines geringen Alkoholgehaltes
das übliche Lagerbier enthält nur etwa 3% %) bei
‚einem Gehalt an lebenswichtigen Nährstoffen und
‚einer anregenden Wirkung ein hervorragendes
liätetisches Getränk darstellt, das bei vernünftigem
.jenuß allen anderen Volksgetränken überlegen ist.
Der Ausfall konnte durch Erweiterung des Faßxiergeschäftes
 sehr bald ausgeglichen werden, so
laß im Geschäftsjahr 1905/06 eine Absatzziffer von
"und 235 000 hl erreicht. wurde.
        <pb n="269" />
        268

Sonderbeschreibungen:

Gärkeller

Der Ausbau der technischen Anlagen machte
weitere Fortschritte, unter anderem wurde eine neue
Dampfmaschine von 350 PS und eine zweite Eisnaschine
 von 300 000 cal. Leistung aufgestellt. Danit
 erhöhte sich die Gesamtleistung unserer Maschinenanlage
 auf 500 PS und 600 000 cal. stündliche
&amp;lt;älteproduktion.
Das nächste Jahr brachte eine Erhöhung der Brausteuer
 von 4 auf 10 M. für den Doppelzentner Malz,
gleichzeitig traten neue Zollsätze in Kraft, welche
die Gerste erheblich verteuerten. Die dadurch belingten
 Mehrausgaben konnten durch Erhöhung des
Bierpreises nicht voll gedeckt werden, vor allem
aber hatte die Verteuerung des Bieres ganz allgemein
 eine starke Konsumeinschränkung zur Folge,
die sich in erheblich vermindertem Absatz auch bei
uns bemerkbar machte. In erhöhtem Maße trifft das
eben Gesagte auf die zweite Brausteuererhöhung zu,
die im Jahre 1909 in Kraft trat und den Steuersatz
auf 20 M. je Doppelzentner Malz festsetzte. Wenn
man bedenkt, daß die Belastung unseres Betriebes
durch die Brausteuer so in wenigen Jahren von rund
160 000 M. auf rund 800 000 M. stieg und damit mehr
als das Doppelte des höchsten jemals verteilten Gewinnes
 betrug, ist es leicht erklärlich, daß eine derartige
 Belastung Rückschläge im Umsatz und im Erträgnis
 nach sich ziehen mußte. Trotzdem gelang
as in den Jahren bis 1913 die Scharte wieder ausuwetzen

 und den Umsatz bis auf mehr als eine
nertel Million Hektoliter zu bringen.
Die Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre waren,
vie für alle Brauereien, auch für unser Unternehmen
‘ine wirtschaftlich außerordentlich schwere Zeit. Es
vurde immer schwieriger, die Ernährung der Be-Öölkerung
 sicherzustellen, so daß alle Reserven für
‘iese Zwecke herangezogen werden mußten. Für
lie Brauereien wirkte sich dies dahingehend aus, daß
ie Belieferung mit Gerste und Malz von Jahr zu
ıhr geringer wurde. In den Jahren 1917/18 und
218/19 betrug die Zuteilung an Gerste nur 5 % der
or dem Kriege verwandten Mengen. Der Stammrürzgehalt
 der Biere, der in normalen Zeiten 12 %
etragen hatte, mußte bis auf 2 % heruntergesetzt
rerden. Kein Wunder, daß ein solches Dünnbier
om Konsumenten nur in geringen Mengen genossen
vurde, so daß der Absatz immer weiter sank. Die
erschiedensten Bierersatzgetränke, die damals herrestellt
 und in Verkehr gebracht wurden, konnten
en Ausfall im Absatz auch nicht annähernd decken,
ıa diesen Getränken die beim normalen Bier so sehr
reschätzten, anregenden und diätetisch wertvollen
igenschaften noch stärker fehlten.
Die meisten der Berliner Großbrauereien trugen
:;en ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen dalurch
 Rechnung, daß sie sich zu großen Konzernen
‚usammenschlossen und die weniger rentablen Be-
        <pb n="270" />
        Gruppe I Brauereien,

269

Faßbierstabelraum

triebe stillegten. Auch für uns ergab sich zur
Stärkung unserer Stellung in Berlin, und um mit den
neuentstandenen Großkonzernen unseres Gewerbes
gleichen Schritt halten zu können, die Notwendigkeit
eines Anschlusses. Dieser kam im Jahre 1920 durch
Fusion mit der Lindener Aktien-Brauerei in Hannover
 zustande. Die Verschmelzung der beiden Gesellschaften
 geschah auf Grundlage der selbständigen
Weiterführung beider Betriebe. Unterstützt durch
die langsam einsetzende Besserung der allgemeinen
Lage und wirtschaftlich gestärkt durch den Zusammenschluß,
 blühte unser Unternehmen rasch auf
und eroberte sich wieder seinen alten Platz in der
Berliner Brauindustrie,
Nachdem im Jahre 1924 die Inflation überwunden
und wieder stabile Verhältnisse eingetreten waren,
konnte daran gedacht werden, die Schloßbrauerei
auch wirtschaftlich wieder selbständig zu machen.
Sie wurde daher im Jahre 1925 von der Lindener
Aktien-Brauerei wieder abgetrennt und am 1. Oktober
 1925 als Aktiengesellschaft mit 1500000 M.
Kapital neu gegründet. Der Reservefonds wurde mit
500000 M. dotiert. Der Tatsache, daß der Ort
Schöneberg inzwischen aufgehört hatte, als selbständige
 Gemeinde zu existieren und in die Gemeinde
Groß-Berlin aufgenommen worden war, wurde dadurch
 Rechnung getragen, daß wir die neuerstandene
Aktiengesellschaft „Schloßbrauerei Aktiengesellschaft,
 Berlin‘ nannten.

Durch die mißlichen Verhältnisse der Jahre 1914
xs 1919 waren auch die technischen Betriebsmittel
;tark in Mitleidenschaft gezogen worden. Beginnend
nit dem Jahre 1920 setzte daher eine umfangreiche
Zeorganisation des technischen Betriebes ein. Das
Sudhaus wurde durch Aufstellung eines Maischeilters
 für 90 Ztr. Malzschüttung vergrößert, im Gärceller
 wurden die Holzbottiche größtenteils durch
noderne Großgärgefäße aus Zement und Aluminium
arsetzt. Schon im Jahre 1911 hatten wir die ersten
\luminiumgärbottiche aufgestellt. Die guten Er-'ahrungen,
 die in rund zehnjähriger Betriebszeit mit
jiesen gemacht wurden, veranlaßten uns, nach und
ıach fast unseren ganzen Gärkeller mit solchen auszurüsten.
 Der Lagerkeller wurde modernisiert und
n seiner Kapazität vergrößert, indem die überılterten
 Holzfässer durch Metalltanks ersetzt wurden.
Jnsere Mälzerei erweiterten wir durch Aufstellung
ron acht Keimtrommeln von je 100 Ztr. Fassungs-:aum.
 Das alte, aus dem Jahre 1890 stammende
Zesselhaus wurde abgerissen und an seine Stelle ein
Veubau gesetzt. Statt der alten Flammrohrkessel
nit Handfeuerung haben. wir zwei große Wasser-‘;oOhrkessel
 von je 400 qm Heizfläche mit autonatischer
 Kettenrostfeuerung aufgestellt. Die
3aschenabfüllerei wurde durch Aufstellung einer
nodernen Reinigungs- und rFüllmaschine für
5000 Flaschen Stundenleistung vergrößert, die in
        <pb n="271" />
        270

Sonderbeschreibungen:

Flaschenbierabfüllerei

ainem neu errichteten Raum Aufstellung fand. Ein
umfangreicher Stapelraum für Faßbier mit anschließender
 Laderampe erleichtert und beschleunigt
das Beladen der Faßbierwagen. Die letzte größere
Betriebserweiterung, die wir machten, ist ein elek-;rischer
 Hochspannungsanschluß von 250 Kilowatt
an das städtische Netz. Durch diesen Anschluß entasten

 wir unsere eigene Kraftstation und sind in
Totfällen ganz unabhängig von ihr:
So steht die Schloßbrauerei für die Zukunft gut
zerüstet da. Wir hoffen, daß sie sich weiter in aufsteigender
 Linie entwickeln wird, und drücken diese
Hoffnung aus durch den alten Brauergruß:
Gott zebe Glück und Segen darein!

Brauereigespanne
        <pb n="272" />
        Gruppe I Brauereien,

m 4

MALZBIERBRAUEREI
GROTERJAN &amp;amp; Co
AKTIENGESELLSCHAFT

m Bereich des norddeutschen Brauereigewerbes hat die Erzeugung obergäriger Biere seit
jeher einen überaus wichtigen Rang eingenommen, ja bis ungefähr zur Mitte des vorigen Jahrhunderts
 wurde diese Brauart fast ausschliefflich gepflegt. Damals galt das Bier nicht nur als ein
vorzügliches Genuffmittel, sondern es spielte obendrein im täglichen Speisezettel des Volkes keine
geringere Rolle als etwa das Brot, wie ein geläufiges Sprichwort aus jener Zeit bekundet: „Bier
und Brot — eine Kost!“

Diese zugleich erquickende und nährende Wirkung eignet unter allen Getränken in höchstem Mafe
dem Mahkbier, wie man das nach dem obergärigen Verfahren hergestellte, dunkle, vollmundige
und alkoholarme Gebräu heute bezeichnet. Es ist seit alter Zeit so tief im Geschmack und
Bedarf des Volkes verwurzelt, daff es auch nach Einführung der sogenannten Lagerbiere, bayerischer
 oder Pilsener Art, nichts von seiner Beliebtheit eingebüfft hat.

Im Gegenteil, die technischen Fortschritte bei der Erzeugung sowie die gesteigerten Ansprüche
hinsichtlich der Diätetik haben in den letzten Jahrzehnten den Konsumentenkreis des Malzbieres
noch verbreitert. Es unterscheidet sich von den anderen Biersorten dadurch, daff es bei gleichem
Extraktgehalt weniger gehopft und vergoren ist. Dafür kommen, . wie schon der Name andeutet,
die Vorzüge des Malzes besser zur Geltung; so werden ihm leicht verdauliche Nährstoffe erhalten
 und besondere Geschmackswerte verliehen.

Das Malzbier eignet sich daher in hohem Grade für den Genuff weiter Kreise, um so «mehr, als
der Alkoholgehalt nur etwa ein Drittel des gewöhnlichen Lagerbieres beträgt. Wie sehr das
Malz als Nährsubstanz geschätzt ist, geht schon aus dem Umstande hervor, daff es in mannigfachen
 Präparaten auf dem Heilmittelmarkt zu finden ist. Das Malzbier aber bietet allein den
Vorteil, die Wirkung des Malzes nicht nur in heilsamer, sondern zugleich auch in genuffreicher
Form für den Konsum zu erschlieffen. So erfüllt sich in ihm gewissermaffen der Trinkspruch:
„Wohl bekomm’s“, denn es ist seiner ganzen Zusammensetzung nach auf Bekömmlichkeit abgestimmt.
Die Malzbierbrauerei Groterjan &amp;amp; Co. Akt.-Ges. widmet sich als einziges Unternehmen schon
seit 40 Jahren ausschliefflich der Erzeugung dieses Spezialbieres. Bei sorgsamster Wahrung der
Tradition werden die neuesten Errungenschaften der maschinellen und biologischen Brautechnik
verwertet und die strengsten Anforderungen an die Hygiene erfüllt. Für absolute Keimfreiheit
bürgt die Pasteurisierung jeder einzelnen Flasche.

Die Groterjan-Brauerei hat ihren Sitz in Berlin, Prinzenallee 78—80; das Grundstück reicht
bis zur Travemünder Strafe und bedeckt eine Fläche von, ız 000 qm. Der Betrieb ist mit zwei
Dampfmaschinen von 100 und 175 PS, sowie mit zwei Kältemaschinen von zusammen 300 000
Kalorien Stundenleistung ausgestattet. Die Zahl der Beschäftigten beläuft sich auf 500 Personen.
        <pb n="273" />
        272

Sonderbeschreibungen:

Charakteristischer Weißbierwagen.,

‘CL

u „reithaupt
Weißbierbrauerei A.-G.

Das Berliner Weißbier blickt auf eine Geschichte
von wenigstens zwei Jahrhunderten zurück. Obwohl
zur Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelms I.
las dunkle Bernauer und andere von auswärts einzeführte
 Biere bevorzugt wurden, hat sich doch das
Dbergärige Weißbier, das von dem Berliner den
Schmeichelnamen „Die kühle Blonde“ erhielt, allmählich
 weite Volkskreise, besonders in Berlin,
aroberft.
Wenn es auch helle obergärige Weizenbiere mit
jrickelndem Geschmack, ähnlich dem des heutigen
Weißbieres, schon früher gab, hat sich doch erst im
vorigen Jahrhundert allmählich das entwickelt, was
wir heute Berliner Weißbier nennen.
Dieses Bier, das äußerst alkoholarm (Höchstgehalt
ın Alkohol 1% %), erfrischend, prickelnd und von
zutem Geschmack ist, war insbesondere seit Mitte
vorigen Jahrhunderts das beliebte Volksgetränk der
Zerliner. Nicht nur in kleineren Betrieben, Weißbierkellern
 usw. wurde es genossen, sondern bildete
auch das Lieblingsgetränk der „Geheimratskneipen“.,
Cinige bessere Weißbierstuben, z.B. die von Haase
in der Französischen Straße, erfreuten sich großer
Beliebtheit und eines weit verbreiteten Rufes. Hier
versammelten sich höhere Beamte, Olffiziere,
Akademiker, Künstler und andere Persönlichkeiten
aus den vornehmsten Bürgerschaftskreisen; dabei
waren diese Lokale gerade in ihrer Blütezeit sehr
einfach ausgestattet, mit ungedeckten, abwaschbaren
Cichentischen usw.
Der Berliner Witz, z. B. Entstehung und FEntwicklung
 des „Kladderadatsch“, dürfte wohl mit

ler Hauptblütezeit dieses Berliner Nationalgetränkes
ang verknüpft sein.
„Die kühle Blonde“ spielte in Berlin eine ähnliche
’eliebte Rolle, wie anderwärts ähnliche obergärige
3iere, so die alte „Leipziger Gose‘“, das in Holz-:rügen
 getrunkene „Lichtenhainer‘“ der Jenenser
Studenten, die „Mumme‘“ des Braunschweigers usw.
Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde
{ieses Lieblingsgetränk des Berliners immer mehr
lurch die untergärigen Lagerbiere mit ihrer ständig
ortschreitenden Qualität verdrängt; die echten
siere, wie „Münchener“ und „Pilsener“, hielten ihren.
5Megeseinzug, auch die Kaffeehäuser nach Wiener
\rtt zogen immer mehr einen großen Teil des
)jesseren Publikums an sich, so daß allmählich die
'eine „Nur-Weißbierstube“ in die kleinen Weißbierıneipen
 und in die Vorstädte verdrängt wurde.
sodann wurde in der neueren Zeit das Weißbier
‚anz durch eine Reihe von Einflüssen der Kriegsnd
 Nachkriegszeit beeinträchtigt.
In letzter Zeit beginnt aber „Die Weiße“ in ihrer
r'ervollkommneten Qualität, wie sie insbesondere
‚on den beiden nunmehr in einen Großbetrieb verinigten
 Weißbierbrauereien von Landre und Breitlaupt
 erzeugt wird, sich immer wieder neuen Boden
zu gewinnen. Die beliebte „Kühle Blonde“, durch
lie genannte Firma zur „Edelweiße‘“ geworden, ist
nit ihrer prickelnden Frische sogar im Begriff, auch
n besseren Kreisen wieder zu einem Lieblingsgetränk
zu werden, Insbesondere lassen heiße Sommer, wie
der des Jahres 1929, wieder mehr zu diesem errischenden
 Getränk greifen, und nicht nur in den
        <pb n="274" />
        Gruppe I Brauereien.
Weißbierkneipen wird es gesucht, sondern auch in
den besseren und besten Gaststätten hat das Berliner
 Weißbier wieder seinen Einzug gehalten. Es
dürfte kaum eine einzige, dem Geschmack des Publikums
 entsprechende Gaststätte geben, die nicht
die „Berliner Weiße“ in ihrem Keller hätte. Allerdings
 überragt auch die heutige „Edelweiße“ „Die
kühle Blonde“ des vorigen Jahrhunderts in jeder
Weise. In Braustätten hergestellt, die sich technisch
den Anforderungen der Zeit angepaßt haben, stellt
sie auch im Gaststättenbetrieb längst nicht mehr
solche Ansprüche wie früher. Aber auch ihre
Qualität ist in hervorragendem
Maße gesteigert. Nicht nur die
alten Weißbiertrinker erkennen das
an, sondern es entspricht dieses
Bier mit seiner Alkoholarmut und
seiner wohltuenden Frische ganz
besonderen Erfordernissen der Neuzeit
 und wird von Sportlern, Touristen,
 Erholungsuchenden jeder
Art bevorzugt — in der richtigen
Erkenntnis, da sie ihrem trainierten
 oder strapazierten Organismus
damit am besten dienen. Dieses
veredelte Weißbier ist weder eine
Gefahr für die Gesundheit noch
sine solche für den Geldbeutel:
auch ist wohl die Gefahr ausgeschlossen,
 sich damit einen
Rausch anzutrinken.
Die Landre-Breithaupt- Weiße
Ändet daher neuerdings nicht nur in Berlin selbst
wieder gesteigerte Anerkennung, sondern hat sich
auch die Provinz erobert; sie ist an der Nordwie
 an der Ostsee, in Ostpreußen so gut wie im
Marz, kurz überall zu finden.
Auch sonst hat ja die Sonderart des obergärigen
Weißbieres wieder Anerkennung gefunden, so selbst
in der Bierstadt München, wo neuerdings, namentlich
 bei den Oktoberfesten, das Weißbier sich einer
besonderen Beliebtheit erfreut.
In Berlin ist es, wie schon erwähnt, die Landre-Breithaupt
 A.-G., die es sich zum besonderen Verdienst
 anrechnen kann, dieser Berliner Spezialität
nicht nur wieder zur Geltung verholfen, sondern
darüber hinaus, ihr auch neue Freundeskreise erworben
 zu haben. Die erste Voraussetzung hierfür
war die vollendete zeitgemäße brautechnische Finstellung,
 verbunden mit dem Ziele, gleichzeitig die
Qualität zu heben, und wie gut dies gelungen ist, das

_ __ 2738
wissen heute die Berliner Gastwirte, und nicht nur
liese. Sehr viele Gastwirte, die aus anderen Gezenden
 Deutschlands in den letzten Jahren die
deichsgastwirtsmesse in der Reichshauptstadt be-‘ıcht
 haben, haben den Ausschank von Landre-3reithaupt
 besonders bevorzugt, Die Zeit der kleinen
Neißbierbudiken ist überwunden. Gute Gaststätten
eder Art tragen der Tatsache Rechnung, daß Weißxier
 geführt werden muß. Wenn auch die. alt-'enommierten
 Weißbierstuben, wie Haase, Paepke
ınd andere, verschwunden sind, so hat doch die
„andre-Breithaupt A.-G. äußerst gemütliche und dem
Geschmack .der Neuzeit entsprechende
 vornehme, künstlerisch
ausgestattete . Sonderausschanklokale
 erstehen lassen. ‚Die alten
Weißbierstuben von Landre sind,
da das alte Haus ‚abgebrochen
wurde, unter Beibehaltung des
alten Inventars von der Stralauer
nach der Klosterstraße verlegt
 worden, wo sie nicht nur
von Berlinern, sondern auch von
Premden als sehenswerte Berliner
Sonderheit aufgesucht werden.
Aus der alten Weißbierstube von
Tübbecke in Alt-Stralau ist durch
Künstlerhand eine Stätte geschaffen,
 die heute einen Stern im
„Baedeker‘“ der Berliner Verkehrshebung
 hat. In Neukölln
wurde am 1. August 1929 im
deutschen Wirtshaus ein Weißbierkeller eröffnet,
ler dem Erbauer alle Ehre macht. .
Ein Stück „Alt-Rixdorf‘“ ist hier erstanden, wo
'n anheimelnden Räumen an alten Eichentischen
ler Gast geladen wird. eine gute alte Weiße
zu genießen.
Während früher für Kenner die im Sande einzebuddelte
 und aufbewahrte Märzweiße ein be-;onders
 erfrischendes Getränk bildete, so bietet
1eute eine Landre-Breithaupt-Rießling, eine Starkxerweiße
 von besonderer Qualität, dasselbe und
nehr; sie schmeckt und riecht — ähnlich wie die alte
Värzweiße — wie guter Moselwein.:
Wenn nicht alle Zeichen trügen, so ist „Die Beriner
 Weiße“ wieder im Begriff, sich immer neuen
3oden zu erwerben; kommt sie doch ganz besonders
lem Hauptcharakteristikum unserer modernen Zeit,
las hoch und niedrig vereinigt, nämlich der Sport-)jewegung,
 in vollendeter Weise entgegen.

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart.
        <pb n="275" />
        274

Sonderbeschreibungen:

Bayerische

Aktien=Bierbrauerei Aschaffenburg

ASCHAFFENBURG
Bavern

"eit über die weiß=blauen Grenzpfähle hinaus ist die Bayerische Aktien=Bierbrauerei Aschaffen=&amp;gt;urg
 als leistungsfähiges Brauinstitut bekannt, und wo in Stadt und Land das Wahrzeichen des
Unternehmens — ein bayerisches Buberl in Oberländertracht, einen schäumenden Maßkrug mit
der Aufschrift »Baba« tragend — den Ausschank der »Baba=Biere« ‚verkündet, weiß der Kenner, daß
hm hier ein Stoff von echt bayerischer Eigenart in bester Qualität geboten wird.
Am 18. Juni 1867 wurde das Unternehmen dank der Initiative weitschauender Aschaffenburger Bürger
als Aktiengesellschaft aus der Taufe gehoben. Obwohl sich der Braubetrieb in den Anfangsstadien noch in
sleinerem Rahmen bewegte, zeigte doch der Lauf der Jahre, daß sich dem Unternehmen für die Zukunft die
besten Perspektiven eröffneten, Absatz und Produktion konnten auf Grund ausgezeichneter Bierqualitäten
laufend erhöht werden, und durch das einmütige Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat waren
für den organischen Aufbau der Brauerei die besten Voraussetzungen gegeben... Um die auf Grund
wachsender Betriebsanforderungen notwendigen Vergrößerungen und Erneuerungen durchführen zu können,
wurde das Aktienkapital, das bei der Gründung 100000 fl. betrug, im Laufe der Jahrzehnte mehrmals
erhöht und erreichte während der Inflation einen Höchststand von M. 10000 000.—. Im Jahre 1924, nach
Stabilisierung der Papiermark, wurde das Aktienkapital auf M. 1.5 Millionen Stammaktien und M. 5000.
Vorzugsaktien umgestellt.
Heute verfügt die Bayerische Aktien=Bierbrauerei Aschaffenburg über eine Braustätte, deren dem letzten
Stande der Brautechnik und Wissenschaft angepaßte Einrichtungen in allen Teilen zu weitgehendsten Quan«
itäts- und Qualitätsleistungen befähigen.

Der Braurechtsfuß der Gesellschaft beläuft sich durch inzwischen getätigte Kontingenterwerbungen
anderer Brauunternehmen auf 140000 hl. während die Zahl der Beschäftigten zirka 140 Arbeiter und
25 Angestellte beträgt.

Die Bierproduktion, für deren Zweck die Brauerei getrennt vom Braubetrieb eine eigene, modern ein«
gerichtete Mälzerei in Aschaffenburg besitzt, in welcher der gesamte Jahresbedarf erzeugt wird, umfaßt
helle und dunkle Lager= und Exportbiere sowie Märzen= und Starkbiere.
Die »Baba=Biereg«, unter Verwendung nur bester Rohstoffe eingebraut, stellen wirkliche Qualitätsbiere dar.
Den Vorsitz in dem aus fünf Mitgliedern bestehenden Aufsichtsrat der Gesellschaft führt Herr Direktor
Paul Staroste in Erfurt, gleichzeitig Leiter der dortigen Brauerei Riebeck, während Vorstand Herr Kommerzienrat
 Georg Oechsner ist, der bereits über 35 Jahre dem Unternehmen als Direktor vorsteht.
        <pb n="276" />
        Gruppe I Brauereien,
a

275

N

ADAUEREIL HE

"AUEREI BECKLUNGMAUSEN

Gesamtansicht der Betriebe der Schlegel-Scharpenseel-Brauerei A.-G.

Schlegel: Scharpenseel-Brauerei A.:G.

Bochum

Wenn die alte Kohlen- und Eisenmetropole
Bochum auch unter den führenden Bierstätten des
industriellen Westens seit Jahrzehnten einen Platz
in der vordersten Reihe einnimmt, so hat an dieser
Entwicklung die Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
 Aktiengesellschaft den stärksten
 Anteil. Ihre technischen Einrichtungen sind, wie
von Fachleuten und Laien mit Recht immer wieder
rühmend anerkannt wird, von einer Ausbildung und
Vollendung, wie sie nur in den bestgeleiteten deutschen
 Großbrauereien angetroffen wird. In den ausgedehnten;
 mit allen neuzeitlichen Errungenschaften
ausgestatteten Betrieben des Unternehmens werden
unter. Einsetzung sorgsam gezüchteter Reinzuchthefekulturen
 nur hochwertige Rohstoffe verarbeitet.
Diese Vorbedingungen im Verein mit der Berufserfahrung
 und Tüchtigkeit der leitenden Fachleute
und ihrer Hilfskräfte bringen es zuwege, daß die
Schlegel-Scharpenseel-Brauerei ein weit über Westfalens
 Grenzen hinaus sehr begehrtes, gehaltreiches

ınd bekömmliches, auch den verwöhntesten Kenner
vestlos befriedigendes Erzeugnis von edelster Beschaffenheit
 versenden kann.
‘ Die Entwicklung der Bochumer Braukunst auf
lem Wege zur Spitzenleistung, wie sie uns bei der
Schlegel-Scharpenseel-Brauerei entgegentritt, hat besonders
 in den letzten Jahrzehnten einen starken Anrieb
 erfahren. Die Anfänge des Unternehmens
varen, wenn auch gediegen, so doch den zeitlichen
ınd örtlichen Verhältnissen entsprechend verhältnisnäßig
 bescheiden.
Bereits im frühen Mittelalter hat man in Bochum,
lem damals noch ganz wunbedeutenden Acker-;tädtchen,
 Bier gebraut. Ende des dreizehnten Jahrlunderts
 wird das durch alte Urkunden ausgewiesen.
Nir dürfen aber annehmen, daß man in Bochum
;chon viel früher den belebenden Gerstentrank ge-;chätzt
 und auch wohl selbst hergestellt hat. Im
‚ahre 1321 sah sich Graf Engelbert von der Mark
zenötigt, in das Bochumer Stadtrecht Bestimmungen
        <pb n="277" />
        276 . Sonderbeschreibungen:
aufzunehmen, die den biertrinkenden Bürger vor &amp;gt;inige Jahrhunderte später noch nicht im ent-Mindermaß
 schützen sollten. 'erntesten die Rede sein. Der eigentliche Auf-Im
 allgemeinen wird es sich bei dem Bier oder ;schwung des Bochumer Brauwesens fällt in die Mitte
„Keut‘“ der damaligen Zeit um ein leichtes ober- dies vorigen Jahrhunderts. Und er knüpft sich an die
zäriges Altbier von säuerlichem Geschmack oder (amen zweier tüchtiger Fachleute: Joachim
um ein dem heutigen Malzbier ähnliches braunes 3chlegelund Moritz Scharpenseel, die
Süßbier gehandelt haben, das von den Bürgern in lem heutigen Großunternehmen ihre Bezeichnung
den leihweise herumwandernden Braukesseln der ınd grundlegende Bedeutung gegeben haben. Im
Stadt vielfach selbst zurechtgemacht wurde. Aus 'ahre 1839 war auf Haus Overdyck im heutigen
dieser Heim brauerei, die möglicherweise in der 3ochumer Stadtteil Hamme eine inzwischen längst

Das Hochhaus im Hauptbetrieb Bochum.
Silos, Laboratorium und Geschäftszimmer des Betriebsdirektars.,
 sowie ein Teil des Sudhauses.

primitiven ‚Metherstellung des alten Germanentums
ihre allerersten Wurzeln hat, scheint sich erst ganz
allmählich das Braugewerbe entwickelt zu
haben. Zunächst beschränkt es sich auf kleinere,
höchst einfach eingerichtete, mit Ausschank verbundene
 Betriebe, von denen einzelne dann im Laufe
der Zeit durch die fortschreitende Güte des Erzeugnisses
 zu gewisser Bedeutung gelangten.
Von einer technisch einigermaßen entwickelten
Braukunst konnte natürlich in jenen Tagen und auch

&amp;gt;ngegangene gewerbliche Brauerei eröffnet worden,
n der „Erlanger Bier“, „Augsburger Doppelbier“
ınd „bayrisches Halbbier‘“ hergestellt wurde. Rund
zwei Jahrzehnte später traten dann zwei Unterıcehmen
 ins Leben, die für die hervorragende Entwicklung
 der Bochumer Brauindustrie schicksaljestimmend
 waren. Der aus Bayern stammende
Joachim Schlegel, vormals Braumeister in der schon
»rwähnten Overdycker Brauerei, gründete am
. Mai 1854 die „Bierbrauerei J. Schlegel“. nachdem
        <pb n="278" />
        Gruppe I Brauereien.
zwei Jahre vorher Moritz Scharpenseel, ein geborener
 Bochumer, die „Bochumer Bierbrauerei
M. Schärpenseel“ ins Leben gerufen hatte. Beide
Brauereien brachten einen Stoff zum Ausstoß, der
sich weit und breit verdienten Rufes erfreute.
Während des großen Krieges wurden die beiden
Stammhäuser miteinander zur Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
 A.-G. verbunden,
2ine Zusammenlegung, die sich in der Folge als
äußerst glücklich erwiesen hat, weil sie über das rein
wirtschaftliche Moment hinaus infolge zweckmäßiger
Rationalisierung des Betriebes einen erfreulichen
Einfluß auf die weitere Qualitätssteigerung des Erzeugnisses
 ausübte.
Eine weitere Stärkung erfuhr das Unternehmen
durch eine Reihe anderer Angliederungen. Die
„Victoria-Brauerei A.-G.“, das „Herner Brauhaus“,
die „Recklinghauser Brauerei vorm. Pott und Göbel“
und eine ganze Reihe anderer Brauereien größeren
und kleineren Umfanges sind der Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
 angegliedert worden. Eine wertvolle
Erwerbung war auch der Ankauf der „Mälzerei
Giersleben‘“ in Anhalt, die, in einer der besten
Gerstengegenden Deutschlands belegen, durch ihr
hochklassiges Produkt der Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
 A.-G. in bezug auf die Güte des Braumalzes
eine Grundlage gegeben hat, die ihr ein stets gleichbleibendes
 und immer denselben Charakter tragendes
Bier von höchstem Wohlgeschmack gewährleistet.

277
Auf der größten Nachkriegsausstellung, der
jesolei (Große Ausstellung für Gesundheitspflege,
soziale U und Leibesübungen, Düsseldorf),
1926, hatte die Schlegel-Scharpenseel-Brauerei A.-G.
3änen Ausschank. Mit Rücksicht auf ihre Leistungen
arhielt sie die höchste Auszeichnung, welche für
Brauereien in Betracht kam, die Goldene Medaille.

Außer dem „Pilsner‘‘ der Schlegel-Scharpenseel-3rauerei
 A. -G. erfreuen sich auch die übrigen zum
\usstoß gelangenden Sorten weitgehend wachsender
Zeliebtheit; wir nennen hier die in Bochum seit
angem zum Volksgetränk gewordenen „Schlegel-3old‘“,
 „Deutsch-Schlegel-Pilsner“, ferner „Doppel-3ock“,
 „Lebensbronnen‘“ und — nicht zu verzessen!
 — das in einer bisher nicht erreichten Güte
ı1ergestellte „Altbier‘, das Freunden einer feinen
;jommerlichen Durstlöschung als billiger und dabei
Jollwertiger Ersatz für eine leichte Rhein- oder
Moselwein-Bowle freundlichst empfohlen sei!
Allen Schlegelbieren — hell oder dunkel, nach
Ailsner Art oder altbier-säuerlich — darf ‚der
Schluß- und Ruhmesvers der Bochumer Bierhymne
zesungen werden, der da lautet: .
Doch nicht minder dir zum Ruhme
Schäumt im Glas dein kräftiges Bier.
Liebes Bochum, Prosit! Blume!
Einen Ganzen komm’ ich dir!
        <pb n="279" />
        278

Sonderbeschreibungen: .

Brauerei Karl Fay G.m.b.H., Darmstadt

Die Brauerei wurde im Jahre 1813 durch Herrn Friedrich Kleber
gegründet. Ursprünglich eine Hausbrauerei, ist sie aus kleinen Anfängen
herausgewachsen, bis sie im Jahre 1879 in den Besitz der Familie Fay
kam. Karl Fay hat den Betrieb wesentlich vergrößert und im Jahre 1899
lie Brauerei in ein neuerbautes Gebäude verlegt.
Der neue Inhaber förderte durch bauliche Vergrößerung und Verwertung
 aller Neuerungen auf brautechnischem Gebiete das Unternehmen
und erhöhte die Leistungsfähigkeit der Brauerei, so daß sie in der Lage
war, den stetig zunehmenden Kundenkreis zu bedienen. Durch die Übernahme
 einer Reihe von Gasthöfen konnte der Absatz von Jahr zu Jahr
zesteigert werden. 1916 wurde sie in eine G. m, b. H. umgewandelt.
1921 erwarb die Brauerei das Dauerbraurecht und die Bierlieferungsrerpflichtung
 der stillgelegten Brauerei Louis Heß in Darmstadt.
Die Brauerei hat ein Sudwerk mit Dampfkochung für 45 Zentner
Schüttung, zwei Kesselanlagen mit einer Heizfläche von 150 qm, zwei
Dampfmaschinen von 140 PS, ein Dynamo, von dem aus der Strom auf
lie Arbeitsmaschinen verteilt wird. Direkt angetrieben von den Dampfmaschinen
 werden zwei Kältekompressoren (System Linde) mit zusammen
200000 Kal. Außer der Kühlung der Brauerei dienen die beiden Eismaschinen
 zur Herstellung von täglich 600 Ztr. Kunsteis für die Kundschaft.
Die Lagerfähigkeit im Gärkeller und Lagerkeller entspricht dem heutigen
 Absatz und kann leicht erweitert werden, da genügend unbelegte
Keller vorhanden sind. Die Brauerei ist mit automatischen Faß- und
Flaschenreinigungsmaschinen von Enzinger, Holstein &amp;amp; Kappert sowie
mit einer isobarometrischen Faßfüllerei und Flaschenfüllerei ausgestattet.
 Die Brauerei besitzt eine Tiefbrunnenanlage, die stündlich
etwa 30—35 Kubikmeter Wasser liefert. Sie besitzt vier Lastkraftwagen,
acht Pferde und beschäftigt vierzig Arbeiter und Angestellte.
Die Brauerei stellt helle und dunkle Lagerbiere, besonders aber helle
Qualitätsbiere, ferner ein Spezialbier „Fay-Gold“ her. Das Absatzgebiet
‚st im wesentlichen Darmstadt und Umgebung.
Das Gesellschaftskapital der Brauerei beträgt 320000 Reichsmark.
        <pb n="280" />
        Gruppe I Brauereien,

370

Verband

Dortmunder Bierbrauer

zur Förderung ihrer gewerblichen Interessen, G.m.b. H., zu Dortmund
._ Beurhausstrasse 24
Fernsprecher 506 und 509 Postscheckkonto Dortmund 129461

Die Dortmunder Brauindustrie in Geschichte und Gegenwart
Von Dr. Dr. Richard Biergans, Dortmund

Der heimischen Brauindustrie verdankt Dortmund
zum großen Teil seinen Ruf weit über die Grenzen
unseres Vaterlandes hinaus. Überall kennt man Dortmund
 als Bierstadt. Das helle „Dortmunder“ ist zu
ainem bestimmten Biertyp geworden, der zusammen
mit den beiden anderen: bekannten Biertypen — dem
„Münchener“ und dem „Pilsener‘“ — richtunggebend
nicht nur für die deutsche, sondern auch für die ausjändische
 Brauindustrie ist.

Uralt ist der Ruf Dortmunds als Bierstadt. Allerlings
 erstreckte er sich in früherer Zeit mehr auf das
ıngere Heimatgebiet, Westfalen und das nordöstliche
&amp;lt;heinland. Das Braurecht, ursprünglich ein Regal-"echt
 des Königs und. später von Graien als Lehen
zusgeübt, wird erstmalig im Jahre 1266 urkundlich
arwähnt. Bereits Ende des .13. Jahrhunderts gelang
es der Stadt, das „Gruitrecht“ zu erwerben und zu
ainer ergiebigen Einnahmeauelle des Stadtsäckels zu

Dortmunder Union-Brauerei A.-G., Gesamtansicht
        <pb n="281" />
        280 Sonderbeschreibungen:
machen. Es gab mancherlei Biersorten im Mittelalter, Die heutige gewaltige Ausdehnung verdankt die
zumeist Gruit- oder Koitbier genannt, die aus Hafer, Dortmunder Brauindustrie aber vornehmlich der Ein-Roggen,
 Weizen oder Gerste unter Zusatz ver- ’ührung des hellen Dortmunder Bieres, die in den
schiedener Gewürze hergestellt wurden. Hopfen 70er Jahren erfolgte. Dieses helle „Dortmunder“ ist
wurde erst von Ende des 14. Jahrhunderts ab ver- ler Typ des heimischen Bieres, ein kräftiges, würzigwandt.
 Das Bier des Mittelalters hatte mit dem —ıerbes, bekömmliches Getränk, das der Geschmacksheutigen
 Getränk fast nur den Namen gemeinsam. ichtung des Publikums in hohem Grade entspricht.
Es wurde obergärig hergestellt in Braustätten, die zu- is mag sein, daß das Brunnenwasser in Dortmund
meist mit dem Ausschank vereinigt waren. Schon tür die Bierbereitung ganz besonders gut geeignet
lamals ist es für die Stadtverwaltung eine ergiebige st und daß hierin ein Grund für die Güte des Dort-Sinnahmequelle
 gewesen sowohl durch das Monopol, nunder Bieres zu suchen ist. Daneben aber verdankt
das die Stadtverwaltung für die Herstellung der Hefe- lie Dortmunder Brauindustrie ihren ununterbrochenen

Dortmunder Actien-Brauerei. von der Bahnseite

»ilze innehatte, als auch durch den sogenannten
„Bierpfennig‘“, der auf das fertige Bier gelegt wurde.
Bis in die 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts
blieben die handwerklichen Zustände des Dortmunder
Brauwesens erhalten. In diesen Jahren erfolgte eine
zrundlegende Wandlung. Die damalige obergärige
Brauart, in der die Alt- und Adambier genannten Geiränke
 hergestellt wurden, wurde durch die unterzärige
 Münchener Brauart abgelöst. Hand in Hand
mit dieser Umwälzung ging das Entstehen der ersten
industriell betriebenen Dampfbrauereien. Gewerbeireiheit,
 Industrialisierung des Ruhrgebietes und
dessen starke Bevölkerungsvermehrung waren mit
Ursachen für die günstige Entwicklung, die damals
das Braugewerbe zu nehmen begann.

\ufstieg hauptsächlich der Tatsache, daß die in den
"0er und 80er Jahren gegründeten Brauereien von
Männern geleitet wurden, die schon damals erkannten,
{aß gutes Bier nur aus erstklassigen Rohstoffen —
‘Aalz und Hopfen — hergestellt werden könne und
lie daher jeglichen Zusatz zum Bier verwarfen.
leute wird der Brauprozeß in allen Betrieben und
leren musterhaft eingerichteten Laboratorien dauernd
ıufs peinlichste überwacht.
Dortmunds Auslandsabsatz richtete sich vor dem
&amp;lt;riege vornehmlich nach Belgien, Holland und Frankeich.
 Die Geschäftsbeziehungen sind von einigen
’irmen nach dem Kriege, besonders zu Belgien und
Iolland, mit erfreulichem Erfolg wieder aufrenommen
 worden. Innerhalb des Deutschen Reichs
        <pb n="282" />
        Gruppe I Brauereien,
kann der Dortmunder Bürger heute in allen größeren
Städten sein angestammtes beliebtes Getränk erhalten.
 Bei aller Bedeutung, die der Versand für die
Dortmunder Brauereien gewonnen hat, bleibt die
engere Heimat das zuverlässige und sichere Absatzgebiet.
 Das Anwachsen der Stadt Dortmund zu
einer Großstadt und die Zusammenballung großer
Menschenmassen im Industriegebiet haben dieses
heimische Absatzgebiet in ungeahnter Weise erweitert
 und gefestigt.
Außer dem hellen „Dortmunder“ stellen die
niesigen Brauereien ein dunkles Bier her und vor

281
/erbindung mit der Beliebheit des Dortmunder
3ieres den Grundstein für den heute weitverzweigten
\bsatz und die Größe und Bedeutung der Dortnunder
 Brauindustrie gelegt. Der Ausstoß stieg von
162000 hl im Jahre 1874 auf 1340000 hl im Jahre
1900 und auf 1682 000 hl im Jahre 1913.
Kriegs- und Nachkriegszeit geboten der Aufwärtsantwicklung
 der Dortmunder Brauindustrie jähen
Zinhalt. Der beste Beweis für die Not dieser Zeit’ist
ler Rückgang der Zahl der Brauereien von zwanzig
vor dem Kriege auf heute acht. Der Rohstoffmangel

Teil aus dem Gäarhaus der Dortmunder Ritter-Brauereil, 4A.-G.

allem ein Bier nach „Pilsener‘“ Art, das sich großer
Beliebtheit erfreut.
Den Bemühungen um die Herstellung eines erst-Klassigen
 Bieres reihte sich von jeher die Sorge um
die Pflege des Bieres bis zum Ausschank an. Der
umfangreiche Versand der Dortmunder Brauereien
wird durch einen großen erstklassigen Wagenpark,
heiz- und kühlbare Eisenbahnwaggons sowie Lastwagen
 besorgt. Auf die Eisversorgung der Kundschaft
 wurde von jeher größter Wert gelegt.
Der schnellen Steigerung des Ausstoßes konnte man
nur. Herr werden durch eine vorzügliche Betriebsorganisation
 und durch fortgesetzte Verwertung aller
technischen Neuerungen und Errungenschaften. Um-Sicht
 und Tatkraft fleißiger Unternehmer haben in

ınd die aus der Not der Zeit geborenen Kontingenierungsvorschriften
 brachten die Betriebe fast zum
Zrliegen, ihre Betriebseinrichtungen wurden zum
Teil durch die Verpflichtung, alles Kupfergerät an die
Teeresverwaltung abzuliefern, vernichtet.
Nach dem Kriege wurden die Kontingentierungsrorschriften
 leider noch lange beibehalten. Dazu kam
las Verhängnis der Inflation, unter der die Braundustrie
 ganz besonders gelitten hat, weil sie mit
dücksicht auf die geschwundene Kaufkraft der breiten
Massen die Preise nicht auf den kalkulatorisch erorderlichen
 Stand bringen konnte. Diese verhängnisrollen
 Erscheinungen wurden für die Dortmunder
3Zrauindustrie speziell noch dadurch verschlimmert,
laß gerade in dem Augenblick, in dem die Verhältnisse
        <pb n="283" />
        282
besser zu werden schienen, der Ruhreinbruch der
cranzosen mit seinen furchtbaren Folgen kam. War
Dortmund gegenüber den anderen Produktionszentren
 für Bier als Herstellerin eines gehaltvollen
Markenbieres schon durch die Kriegsmaßnahmen besonders
 schwer getroffen worden, so bedeutete der
Ruhreinbruch für das heimische Gewerbe geradezu
eine Katastrophe. Die unmittelbar östlich von Dortmund
 gezogene Grenze schnitt den auf den Versand
angewiesenen Dortmunder Brauereien einen erheblichen
 Teil ihres Absatzgebietes ab. Viel Geschick
und große Opfer sind erforderlich gewesen, um

Sonderbeschreibungen:

rund 2900 000 hl im Steuerijahre 1928/29
zu steigern, so ist dies der beste Beweis für die außerırdentliche
 Beliebtheit des Dortmunder Bieres, das
;einen Siegeslauf noch nie so erfolgreich fortgeführt
1at wie in den letzten Jahren, ein Beweis ferner für
lie Tüchtigkeit der Leiter, Angestellten und Arbeiter
ler Brauereien. Denn letzten Endes beruht die Entvicklung
 jeder Wirtschaft auf den Kräften und Fähig-:eiten
 der Menschen, die sie tragen. Die Steigerung
les Ausstoßes der Brauereien Dortmunds, die im
Jahre 1928/29 gegenüber dem Voriahre allein über
300 000 hl betrug, fällt noch mehr in die Erscheinung,

Heinr. Wenker, Brauerei Kronenburg

verlorengegangene Absatzgebiete im unbesetzten
Deutschland wieder zu gewinnen.
Wenn es der Dortmunder Brauindustrie geglückt
ist, diese furchtbaren Folgen der Ruhrbesetzung und
alle anderen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit verhältnismäßig
 gut zu überwinden, wenn sie mit Stolz
sagen darf, heute über eine Reihe vorzüglich eingerichteter
 und geleiteter Betriebe zu verfügen, und
wenn es ihr möglich war, ihren Gesamtabsatz
von 1525280 hl im Steuerjahr 1924725
2078342 „ „ 1925/26
2206604 „„ „ 1926/27
2597955 „ »" 5 1927/28
auf die stattliche Zahl von

5

venn man bedenkt, daß die Bierproduktion im Durchichnitt
 des Deutschen Reiches immer noch erheblich
regenüber der Vorkriegszeit zurücksteht.
Gewaltige Summen trägt die Dortmunder Braundustrie
 zu den öffentlichen Lasten, Steuern und Abzaben
 bei. Während die Erträgnisse der Biersteuer
‚Ur das Jahr 1913 auf etwa 7 Millionen Mark verınschlagt
 sind, ist im letzten Steuerjahre allein an
Neichsbiersteuer eine Summe eingebracht worden, die
jen Betrag von 22 Millionen Reichsmark erreichen
lürfte. Dazu kommt die kommunale Belastung durch
die Gemeindebiersteuer, die für das Jahr 1928/29 für
lie Stadt Dortmund allein mit 800 000 Reichsmark
veranschlagt worden ist.
        <pb n="284" />
        Gruppe I Brauereien,

283

Dortmunder Stiftsbrauerel, 4.-G., Gesamtansicht

Dortmunder Hansa-Brauerei A.-G
        <pb n="285" />
        184

Sonderbeschreibungen:
A ———

ZFrauerei Thier &amp;amp; Co.

Brauerei Wilh. Bergmann, Dortmund -Rahm
        <pb n="286" />
        Gruppe I Brauereien.

285

M VA)
ACHTEN BRAUFREF

OBB

x

Dortmunder Actien-Brauerei A.-G.

Brauerei W. Bergmann

@

Atter, ;

Dortmunder Hansa-Brauerei A.-G.

Dortmunder Ritter-Brauerei A.-G.

| HN

NN
Brauerei Ihlerc@
DORTMUND

Dortmunder Stifts-Brauerei A.-G.

Brauerei Thier &amp;amp; Co.

PN

F
EZ U FO
BeinrWenker
Brauerei
Kronenburg

Dortmunder Union-Brauerei A.-G.

Heinrich Wenker / Brauerei Kronenburg

Dortmunds Bürger wissen am besten, welche Bedeutung
 die .Brauindustrie für Stadt, Staat und Wirtschaft
 hat. Ohne sie wäre das Wirtschaftsleben in
Dortmund nicht mehr denkbar. Mag die Dortmunder
Brauindustrie auch in mancher Hinsicht eine Vorzugsstelle
 einnehmen, sie ist doch mit vielen tausend
Fäden mit der gesamten deutschen Brauindustrie auf

Gedeih und Verderb verbunden. Sie braucht noch
sine lange Zeit der Ruhe, um die letzten Folgen sehr
schwerer Jahre zu überwinden, zum Wohle der Be-'riebe,
 zum Wohle der in ihnen beschäftigten Arbeiter
und zum Wohle der gesamten deutschen Wirtschaft,
in deren Dienst sie steht.
        <pb n="287" />
        286

Sonderbeschreibungen:

Die Brauerei vom Flugzeug aus gesehen

SOCIETAISUPaUEI

Wenn sich Dresden rühmen darf, eine der
schönsten deutschen Städte zu verkörpern, so dankt
3s diesen. Ruf nicht nur dem großen Reichtum monunentaler
 Bauwerke und Sehenswürdigkeiten aus
alter und neuer Zeit, die das Stadtbild, dem wundervolle
 Parkanlagen lebendige Frische verleihen, so
malerisch und wechselvoll beleben, sondern in er-1öhtem
 Maße auch der Mannigfaltigkeit landschaftlicher
 Anmut, die der näheren und weiteren Umzebung
 Dresdens eigen und in welcher die Natur
hren gewaltigen Reichtum an Schönheit in bezaubernden
 Landschaftsbildern offenbart. Nicht zuetzt
 hat desgleichen das rege geistige Leben, das in
der alten Elbestadt schon immer liebevolle Pilege
und seinen Niederschlag in weltberühmten wissenschaftlichen
 und Kunstsammlungen, die eine Fülle
xostbarer Schätze bergen, fand. dazu beigetragen.

Aschlößchen

)resden weit über die Grenzen des Reiches hinaus
ınziehend zu gestalten. , .
Was die wirtschaftliche Bedeutung Dresdens an-\elangf,
 so steht die Stadt seit langem im Rufe eines
ıngesehenen Industrie- und Handelsplatzes. Unter
len mannigfachen Industriezweigen ist auch die
jrauindustrie durch bedeutende Großunternehmen
ıervorragend vertreten, und diese Zeilen sollen dazu
lienen, von dem Werden und Wirken einer der
roßen und führenden Dresdener Brauereien. — der
Societätsbrauerei Waldschlößchen“ — ein anschauches
 Bild zu geben. Inmitten der grünen Wald-‚estände
 der Dresdener Heide erhebt sich an der
Lördlichen Stadtgrenze die imposante Brauereianlage
nit dem anschließenden herrlichen und: wohlrepflegten
 Park, der das einst hier abseits vom Wege
‚on Graf Marcolini erbaute und heute noch gut er-
        <pb n="288" />
        Gruppe I Brauereien,
haltene Jagdschlößchen, dem die Waldschlößchen-Brauerei
 auch ihren Namen verdankt, umschließt.
Die landschaftlich reizvolle Lage der Brauerei macht
es erklärlich, daß ihr schattiger Park schon immer
sinen beliebten Ausflugsort der Dresdener Bevölkerung
 bildete und seine Anziehungskraft auch heute
noch unvermindert ausübt, wozu letzten Endes auch
die hervorragenden Qualitätsbiere, die die Societätsbrauerei
 seit vielen Jahrzehnten herstellt, einen
Großteil beitragen.
Die Gründung der Braustätte reicht in die dreißiger
Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Längere
Zeit, bevor die Waldschlößchen-Brauerei ins Leben
gerufen wurde, hatte sich in den Räumen des
idyllisch gelegenen Jagdschlößchens eine Schankwirtschaft
 niedergelassen, die sich eines regen Besuches
 erfreute. War dieser Umstand für die seinerzeitigen
 Gründer allein schon ein maßgebender
Faktor, die Brauereianlage an dieser Stelle erstehen
zu lassen, so dürfte noch mehr die Möglichkeit, auf
dem dortigen Terrain ein für Brauzwecke hervorragend
 geeignetes Wasser zu erschließen, von ausschlaggebender
 Bedeutung gewesen sein.
Im Jahre 1836 trat der Gründerausschuß unter
Führung des Obersteuerprokurators Eisenstuck mit
einem Prospekt vor die Öffentlichkeit, der als Zweck
des Unternehmens die Herstellung eines guten und
wohlbekömmlichen Bieres bezeichnete, um dadurch
eine Eindimmung des mehr und mehr überhandnehmenden
 Branntweingenusses unter der Bevölkerung
 zu erzielen. Wie sehr dieser Aufruf auf fruchtbaren
 Boden fiel, geht daraus hervor, daß das auf
400 000 Taler festgesetzte Gründungskapital schon
in kürzester Zeit mehrfach überzeichnet war. Nachdem
 dann die mit der Sicherung der Konzession verbundenen
 Schwierigkeiten glücklich überwunden
waren, wurde unverzüglich mit dem. .Bau der
Brauereianlage begonnen. Wurden der Brauerei
schon damals größte räumliche Ausmaße zugrunde
gelegt — die Lagerräume waren z.B. für das beträchtliche
 Quantum von 16 000 Eimern berechnet —,
so erfuhr auch die gesamte Inneneinrichtung eine für
damalige Verhältnisse moderne und großzügige Ausgestaltung.
 Mit Herrn Michael Wutz hatte sich das
Unternehmen einen Braumeister von Ruf gesichert,
so daß von Anfang an die Möglichkeit gegeben war,
vollendete Qualitätsbiere zu erzeugen.
Als im März des Jahres 1838 die Waldschlößchen-Brauerei
 mit dem erstmaligen Ausschank ihre gastlichen
 Pforten öffnete, waren die in Massen herbeigeströmten
 Dresdener darüber einig, daß die
Brauerei mit ihrem würzigen, über alles Lob erhabenen
 Stoff eine Leistung vollbracht habe, die
ihren Meistern und dem gesamten Braugewerbe zur
Ehre gereiche. Erfolgreich war das junge Unternehmen
 auf den Plan getreten, und erfolgreich sollte

287
ich auch seine weitere Entwicklung unter den
Jänden weitblickender und bewährter Männer volljehen.
 Der vorzügliche Ruf der Waldschlößchen-3iere
 zog immer weitere Kreise; zuerst über die
jrenzen Dresdens hinaus in seine nähere und weitere
Imgebung und dann, als mit der Einführung der
?Hsenbahn weitgehende Versandmöglichkeiten ge-‚eben
 waren, rollten die Fäller mit dem köstlichen
ınd beliebten Naß in alle Teile des Reiches, überall
lie gebührende Anerkennung findend. In den 50er
'ahren. wurden. die Absatzgebiete durch den Versand
n das Ausland und nach Übersee beträchtlich erveitert
 und diese regen Exportbeziehungen in der
“olge weiter erfolgreich ausgebaut.
Dieser rapide Aufschwung der Waldschlößchen«
3rauerei verfehlte nicht seine Auswirkung auf die
Zetriebsanlagen, die sich, zu dauernden Höchstäistungen
 gezwungen, mit der Zeit den Anfordeungen
 einer beständig im Steigen begriffenen Proluktion
 gegenüber als nicht mehr ausreichend erviesen.
 Die von den verantwortlichen Leitern des
Jnternehmens ins Auge gefaßte Vergrößerung der
3rauereianlage wurde lediglich durch die beträchtichen
 Kosten, die eine derartige Maßnahme erorderte,
 verzögert, doch mußte nach dem großen
jrande, der im Jahre 1857 das Unternehmen heimuchte,
 an eine beschleunigte und durchgreifende
Jmgestaltung der Gesamtanlage herangegangen
verden. .
So trat die Waldschlößchen-Brauerei in den folrenden
 Jahren in ein neues Entwicklungsstadium
in. Die Räume weiteten sich, neue Bauten ent-;tanden
 und Hand in Hand damit ging eine durch-‚reifende
 Modernisierung aller Betriebsabteilungen,
ienen alle Neuerungen auf brautechnischem und
ırauwissenschaftlichem Gebiete zuteil wurden.
Jatürlich hieß es auch in den folgenden Jahrzehnten
nit den umwälzenden Fortschritten der Technik
schritt zu halten. So wurde u. a. im Jahre 1861 die
ichon in den ersten Jahrzehnten errichtete eigene
jasanstalt auf Kohlengasfabrikation umgestellt, 1864
folgte zum ersten Male die Herstellung von
‚rockenhefe auf Grund eines von der Brauerei erworbenen
 Patentes, und auch die bahnbrechende Erindung
 Dr. Lindes, die das Kühl- und Eisgewinnungsiystem
 in ganz neue Bahnen wies, fand vorteilhafte
/erwertung. Auch die Elektrizität als Kraft- und
.ichtquelle wurde schon frühzeitig in die Dienste des
3raubetriebes gestellt.
Wie eine stets vorsorgliche Verwaltung den Gejamtbetrieb
 stets auf der Höhe der Zeit zu halten
ınd seine Leistungsfähigkeit zu stärken wußte, zeigt
ıns eine Besichtigung des modernst und großzügig
ıusgestalteten Unternehmens. Vollendete Brau-;echnik,
 zweckmäßiges Ineinandergreifen aller Fabrizationsvorgänge
 und peinliche Reinlichkeit tritt in
        <pb n="289" />
        288
sämtlichen Brauereiabteilungen augenfällig in die
Erscheinung. Das eindrucksvolle Bild, welches sich
dem Beschauer bei Betreten des geräumigen Sudhauses
 mit seinen blitzenden Kesseln und Bottichen
bietet, findet eine ebensolche Fortsetzung in dem
zweistöckigen Labyrinth der Kellerräume, in
welchen das Bier der Gärung und Reife unterworfen
ist. Die Ausstattung dieser umfangreichen Abteilung
mit großen, neuzeitlichen Gär- und Lagertanks muß
mustergültig genannt werden, und die dort lagernden
Biermengen geben ein anschauliches Bild von dem
gewaltigen Umfang der Produktion der Waldschlößchen-Brauerei.
 Neben den großen Räumen,
die der automatischen Faßwäsche und Faßfüllung
dienen, verdient besonders die Flaschenkellerei der
Brauerei hervorgehoben zu werden, bildet sie doch
einen der eindruck vollsten Teile des Betriebes. Nach
den neuesten Methoden der Technik aufgebaut, erlolgen
 Reinigung, Füllung und Transport auf einem
bewundernswerten ‚mechanischen Wege, wodurch
bei peinlichster Reinlichkeit gleichzeitig größte
Leistungsfähigkeit erzielt wird. Diese moderne Anlage
 ist die größte ihrer Art im Dresdener Gebiet; an
sinem Tag bewältigt diese Anlage die Reinigung und
"üllung von 150 000 Flaschen.
Der Gesamtbedarf an Malz wird in der eigenen
Mälzerei, deren Umfang und moderne Ausstattung
der Größe und Leistungsfähigkeit des Braubetriebes
entspricht, hergestellt. Bis zu 3 Millionen kg Gerste
und fertiges Malz lagern in den mächtigen Bodenräumen
 der Brauerei und geben ein Bild von der
Größe der Ansprüche, die an die Leistungsfähigkeit
des Betriebes gestellt werden.
Das für die Biererzeugung benötigte Wasser wird
ıus zwei von den Tiefquellen der Dresdener Heide
zespeisten Brunnen bezogen, die stündlich je 100 000
Liter Wasser zu liefern imstande sind.
Die Kraft- ‚und Lichtquelle des Unternehmens
dilden zwei im Maschinenhaus aufgestellte Tandem-AHeißdampimaschinen
 mit Drehstromgeneratoren;
außerdem besitzt die Brauerei vier Zweiflammrohrkessel
 von je 75 am Heizfläche und 13 Atm. Druck.
Der Antrieb der zahlreichen Arbeitsmaschinen des
Brauereibetriebes erfolgt fast ausschließlich durch
Zinzelmotore, 192 an der Zahl.
Daß natürlich auch die zahlreichen Nebenbetriebe,
wie Picherei, Böttcherei, vorzüglich eingerichtete
Werkstätten usw. dem Umfang der Brauereianlage
entsprechen, bedarf nicht besonders hervorgehoben
zu werden.

Sonderbeschreibungen:
ib ——

Durch einen umfangreichen Fuhrpark — 150 Pierde,
0 Zugochsen, 45 Kraftwagen und 10 brauereieigene
Zisenbahnwaggons ist die Frage des Vertriebes und
/ersandes bestens geregelt.
Ein moderner Großbetrieb, wie ihn die Waldichlößchen-Brauerei
 verkörpert, bedarf naturgemäß
zahlreicher Arbeitskräfte. Die Zahl der Beschäftigten
»rreicht bei der Waldschlößchen-Brauerei die ungevöhnliche
 Höhe von 613 Personen, unter ihnen zum
"eil Leute, die schon 25 Jahre und darüber hinaus
n den Diensten der Gesellschaft stehen. Fs darf das
rewiß als ein Beweis von dem überaus guten Ein-/ernehmen,
 das zwischen der Direktion und der
Zelegschaft herrscht, angesehen werden.
Mit der gleichen Sorgfalt, die dem Ausbau des
3raubetriebes zuteil wurde, vollzog sich die Organi-'ation
 des ‚Biervertriebes. Um die zahlreichen
Cunden in den größeren Städten Deutschlands
aschestens beliefern zu können, entschloß sich die
3rauereiverwaltung zur Gründung verschiedener
liederlagen. 23 . Niederlassungen der Waldchlößchen-Brauerei,
 von denen nur die größten in
„eipzig, Chemnitz und Görlitz erwähnt seien, vernitteln
 den Verkehr mit der Kundschaft des bereffenden
 Bezirkes und verfügen über eigenes Per-'onal,
 eigene Kellereien, eigenen Fuhrpark usw.
Erwähnung verdient desgleichen das seit dem
ahre 1865 im Besitz der Brauerei befindliche
ijarten- und Hausgrundstück am verkehrsreichen
’ostplatz in Dresden, das bereits 1866 als Brauereiıusschank
 eröffnet wurde und sich nach einem zeitzemäßen
 Umbau heute als neuzeitliche Gaststätte
‘epräsentiert, die heute wie früher als vielbesuchter
ınd beliebter Aufenthaltsort gilt. ;
Im Geschmack von überaus würziger Eigenart,
'eicher Nährgehalt bei bester Bekömmlichkeit und
Taltbarkeit sind die Vorzüge der Waldschlößchensiere;
 aus ihnen erhellt sich auch ihre große Beiebtheit
 und der weitverbreitete Ruf.
Die Societätsbrauerei Waldschlößchen hat sich in
nehr als 90 Jahren ihres Bestehens trotz der wechelnden
 Zeitverhältnisse, die manche Veränderungen
rachten und trotz der einschneidenden Wirkung,
lie gerade der Weltkrieg auf die Brauindustrie ausibte,
 zu einem Brauereiunternehmen entwickelt, das
'ach Größe und Bedeutung gemessen, weit über den
dahmen der sächsischen Brauindustrie hinaus einen
'‚orzüglichen Ruf genießt. Diesen Ruf durch. über-‚eugende
 Qualitätsleistungen auch fernerhin zu
vahren, wird stets das vornehmste Bestreben seiner
eitenden Persönlichkeiten sein.
        <pb n="290" />
        Gruppe I Brauereien.

289

.

He,
%

X ik
Na
x

ERAUERE:

w
8

ZUM FELSENKELLER
BEI DRESDEN

Ansicht der Brauerei „Zum Feisenkeller« in Dresden-Plauen.

Die deutsche Brauindustrie der Gegyenwart.
        <pb n="291" />
        OL

Sonderbeschreibungen:
Si —— U  ——}—&amp;gt;—

)
|
x

RAUHAUS,

Be

MÜRNPE:

Un

396

in

5

BATERN

1889 40 lahre Frankenthaler Brauhaus! 1929

Am 1. April 1929 konnte das Frankenthaler Brauhaus, eine
ler bedeutendsten pfälzischen Großbrauereien und seit einem
lahrzehnt die einzige Braustätte Frankenthals, auf ein 40jähriges
 Bestehen zurückblicken. Dieses Jubiläum veranlaßt die
Brauerei, einen Einblick in den Werdegang des Unternehmens
 während der zurückgelegten Zeitspanne zu vermitteln.
Die Gesellschaft wurde am 1. April 1889 durch Übernahme
ler früheren Gerhardtschen Privatbrauerei gegründet, Durch
len Tod der Gebrüder Gerhardt wurde die Gerhardtsche
3rauerei am 18. März 1889 erbteilungshalber der Versteigeung
 unterstellt. Steigerer des «Gesamtobiektes war ein
Konsortium, bestehend aus den Herren:
Hofrat Adolf Mahla, Ehrenbürgermeister und Fabrikant,
Karl Karcher, Kaufmann und nachmaliger Geh. Kommerzienrat,

dermann Mündler, Kommerzienrat,
Ferdinand Heintz, Bankdirektor, sämtlich in Frankenthal,
 und
Herr Sigmund Kaufmann, Mühlenbesitzer in Mafınheim.
Von diesem Konsortium wurden die Objekte zum Zwecke
des Weiterbetriebes in die am 1. April 1889 mit einem Kapital
von 300000 M. gegründete Aktiengesellschaft „Frankenthaler
3rauhaus‘ eingebracht und das Unternehmen in den folgenden
iahrzehnten zu einem modernen Großbetrieb ausgebaut.
Aus dem im ersten Geschäftshalbjahr erzielten Ausstoß von
5000 hl geht deutlich die Größe der Brauerei zur Zeit der
Übernahme hervor. Das Streben nach Erhöhung von Proluktion
 und Absatz führte in der Folgezeit zu ganz wesentichen
 Erweiterungen des Betriebs, wozu neben der Vergrö-Zerung
 des Brauereiareals eine mehrmalige Erhöhung des
Aktienkapitals bis auf 800000 M. erforderlich wurde, So
wurde ein neues Sudhaus gebaut, neue Gär«- und Lagerkeller

ıTrichtet, die Kessel- und Kraftanlagen vergrößert und auch
lie übrigen Betriebsabteilungen stets den steigenden Anforlerungen
 entsprechend ausgebaut. Auf Grund dieser großügigen
 Reorganisation des Betriebes, bei welcher alle Fortchritte
 und Neuerungen auf brautechnischem Gebiete umaıssende
 Verwertung fanden, stand das „Frankenthaler Brauiaus‘“
 bald in der Reihe der führenden Pfälzer Brauereien,
wie es sich durch die Erzeugung gehaltvoller und bekömmicher
 Biere rasch weitverbreiteten Ruf zu sichern wußte.
Der Ausbruch des Weltkrieges brachte den erfolgreichen
\ufstieg des „Frankenthaler Brauhauses‘“, dessen Ausstoß
lamals bereits 60000 hl erreicht hatte, vorübergehend zum
Stillstand, Wie allgemein bekannt, wurde gerade die Braundustrie
 während der Weltkriegsjahre infolge der behördich
 im Interesse der Volksernährung verfügten Finschränzung
 der Biererzeugung schwer in Mitleidenschaft gezogen.
uch beim „Frankenthaler Brauhaus‘ gingen Produktion und
\bsatz erheblich zurück und selbst in den Nachkriegsjahren,
lie das gesamte Wirtschaftsleben der Pfalz durch Besetzung,
\btrennuhg wichtiger Absatzgebiete, Inflation und passiven
Viderstand aufs schwerste erschütterten, konnte nur langsam
erlorenes wieder zurückgewonnen, der Braubetrieb sowie
ıas Absatzgeschäft wieder in geregelte Bahnen geleitet
verden. Natürlich wurde auch in den letzten Jahrzehnten
ler Modernisierung des Betriebes stets größere Aufmerkamkeit
 zugewendet, so daß er heute allen Forderungen der
Veuzeit Rechnung trägt und zu größtmöglichsten Produktions-.nd
 Qualitätsleistungen befähigt ist. Durch den Frwerb von
Contingent und Kundschaft verschiedener Brauereien, unter
ndern der Brauerei Otto Metzner in Frankenthal und der
jrauerei Hubach in Grünstadt, konnte der eigene Brau-'echtfuß
 sowie der Kundenkreis wesentlich vergrößert und
ler Bierabsatz bedeutend gesteigert werden.
        <pb n="292" />
        Gruppe I Brauereien,
EEE EEE

291
;ogenannten „Bayerischen Hiesl‘“, das bedeutendste und meistıesuchte
 Konzertlokal der Stadt.
Zur raschen Belieferung der Kundschaft unterhält die
3rauerei an verschiedenen Plätzen fünf eigene Bierdepots sovie
 einen umfangreichen, aus Lastzügen und Pferdefuhrverken
 bestehenden Fuhrpark.
Abschließend sei auch nun die Brauerei selbst einer kurz
rehaltenen Schilderung unterzogen. Der in unmittelbarer
Jähe des Bahnhofes Frankenthal auf einem 12390 am großen
Areal gelegenen Braubetrieb Grit schon nach außen hin
impösant in die Erscheinung,
Sowohl die Hofräume wie die
ainzelnen Betriebsabteilungen lassen
 auf den ersten Blick erkennen,
daß hier Ordnung und Reinlichseit
 zum Prinzip erhoben sind.
Das hohe und helle Sudhaus
mit seinem neuzeitlichen Doppelzudwerk
 mit 60 Zentner Schütung
 für Dampfkochung hinter-„äßt
 wie der mit Holzbottichen
\nd 14 Betonbottichen ausgestattete
 Gärkeller einen ebenso
zediegenen wie sauberen Eindruck.
 Ein gleiches gilt von den
vorzüglich angelegten Lager-&amp;lt;ellern,
 die teils mit schönem
Aaßmaterial, teils mit großen
Alüuminiumtanks belegt sind und
die Lagerung von 16000 hl Bier
ermöglichen. Gär- und Lagerkeller
 werden mittels einer Kältearzeugungsanlage
 unter stets gleichmäßiger
 Temperatur gehalten. Die
zeräumige Picherei arbeitet mit
den modernsten Theurer Entpichund
 Pichapparaten, während in
der langgestreckten Faßwichse
sine große, vollautomatische Faßwaschmaschine
 sorgfältigste Reinigung
 der Transportfässer verbürgt,
 Das Füllen der Fässer und
Flaschen vollzieht sich gleichfalls
an Hand moderner technischer
Hilfsmittel, wie zwei Druckreglern,
 vier isob. Abfüllapparaten
 und einer neuzeitlichen Flaschenreinigungs-
 und Füllanlage.
Zur Erzeugung des Kraft- und
Lichtbedarfs verfügt die Brauerei über eine aus drei Flamm-‚ohrkesseln
 mit zusammen 430 am Heizfläche bestehende
Cesselanlage mit automatischer Feuerung, Überhitzern USW.,
ron welcher zwei Dampfmaschinen mit 200 und 120 PS
jespeist werden. Direkt mit diesen gekuppelt sind drei
Kompressoren von zusammen 480000 Kal. Eine große Eisarzeugungsanlage
 liefert täglich 1000 Zentner Kunsteis. Zum
Zwecke des Fremdstrombezugs besteht außerdem Anschluß
ın das Pfalzwerk. Eine Küferei, bestens eingerichtete
Nerkstätten, Garagen mit eigener Tankstation und saubere
Stallungen vervollständigen den vorzüglich organisierten und
n allen Teilen sehenswerten Betrieb,
Das Frankenthaler Brauhaus steht im Jahre 1929 an der
Schwelle des fünften Jahrzehnts seines Bestehens, Die weitere
Intwicklung des Unternehmens auch in Zukunft erfolgreich
wie bisher zu gestalten, wird steßß das vornehmste Streben
ler mit seiner Führung betrauten Persönlichkeiten sein.

Bedeutung und Ruf verdankt das „Frankenthaler Brauhaus“
insbesondere dem verdienstvollen Wirken jener Männer,
die im Aufsichtsrat und Vorstand seit der Gründung ihre
ganze Arbeitskraft dem Ausbau des Unternehmens widmeten.
Vom 1, April 1889 bis Ende 1901 war Herr Adolf Mahla,
Frankenthal, Vorsitzender des Aufsichsrates. Sein Nachfolger
 wurde Herr Kommerzienrat Karl Karcher, Frankenthal,
seit dessen im Jahre 1913 erfolgten Tode das Amt des 1. Vorsitzenden
 in den Händen des Herrn Kommerzienrats
©. A. Mahla, Wiesbaden, eines Sohnes des Erstgenannten, liegt.
Die Betriebsleitung lag von
1889—1902 in Händen des Herrn
Direktors Georg Eberts, welcher
1902 starb. Von diesem Zeitpunkt
ab wurde die Brauerei der
Leitung der Herren Direktoren
Hermann Schröder (Technisch)
und Gustav Breinig (Kaufmännisch)
 unterstellt. Seit dem Tode
des Herrn Hermann Schröder im
Jahre 1925 — er war vor seiner
Berufung zum technischen Direktor
 langjährig Braumeister im
„Frankenthaler Brauhaus“ —
führt Herr Gustav Breinig die
Gesamtleitung. Ihm zur Seite
stehen zwei Prokuristen, ein tüchtiger
 Braumeister sowie ein alter
Stamm erprobten Büro- und Braupersonals,
 Insgesamt werden
80 Angestellte und Arbeiter
veschälftigt. Das Aktienkapital
beträgt seit Goldmarkumstellung
800 000 RM.
Was nun die Frzeugnisse
des Frankenthaler Brauhauses
anbelangt, so wird deren hervorragende
 Beschaffenheit seit
Jahrzehnten von Einheimischen
und Fremden gerühmt, verdankt
 die Brauerei ihrer Qualität
nicht zuletzt ihre dominierende
Stellung in der Pfälzischen Brauindustrie,
 Da das Frankenthaler
Brauhaus nur beste Malze und erstklassige
 Hopfensorten verarbeitet
und sämtliche Brau-, Gärungseen
 Be A der Sale Hauptausschank „Bayerischer Hiesl‘ in Ludwigshafen.
die nach „Münchener und Pilsener Art“ eingebrauten Tropfen:
dunskle und helle Lagerbiere, helles Exportbier, Märzenbier
und als Spezialität ein besonders kräftiger „Doppelbock‘“
vorzüglich gelagerte Erzeugnisse von edler Geschmackseigenschaft
 und Bekömmlichkeit dar. Sie erfreuen sich als
Qualitätsbiere regsten Zuspruchs und größter Beliebtheit. Die
Güte der Biere fand bereits im Jahre 1896 in Nürnberg und
neuerdings 1927 in Ludwigshafen anläßlich der Ersten Großen
Ausstellung für Hotel- und Gastwirtfach, Kochkunst usw.
durch die Auszeichnung mit Goldenen Medaillen berechtigte
Anerkennung.
Das Hauptabsatzgebiet der Brauerei ist die Pfalz sowie die
angrenzenden Gebiete Hessen, Baden usw,, woselbst die Biere
in mehreren hundert Gaststätten zum Ausschank gelangen.
Neben dem „Brauhauskeller“ in Frankenthal besitzt die
Brauerei auch in Ludwigshafen einen Hauptausschank, den
        <pb n="293" />
        292

Sonderbeschreibungen:
8 N ©

Hessische und Herkules-Bierbrauerei
— Aktiengesellschaft

X assel

Brauerei: Ansicht

Die Hessische und Herkules - Bierbrauerei
Aktiengesellschaft wurde im Jahre 1897 als
Actiengesellschaft Herculesbrauerei gegründet
durch Zusammenschluß zweier alter hessischer
Brauereien, und zwar der Brauerei E. Wentzell
und der Losch’schen Brauerei Gebr. Sumpf,
denen später noch mehrere kleinere Brauereibetriebe
 angegliedert wurden. In 1912 wurde die
m Jahre 1870 gegründete und für eine Erzeugung
von rund 100000 hl eingerichtete Hessische
Actien-Bierbrauerei mit der Actiengesellschaft
Tderculesbrauerei verschmolzen. Aus diesem Anaß
 wurde die Firma in Hessische und Herkules-Bierbrauerei
 Aktiengesellschaft geändert. Braustätten
 sind in Kassel und in Hann.-Münden., Der
Vertrieb des Bieres erfolgt durch 34 Niederlagen.
Die Brauerei ist technisch auf das vollkommenste
 und modernste eingerichtet und ist in
der Lage, 250 000 hl Bier herzustellen. Zur Erzeugung
 des Dampfes für den Kraftbetrieb usw.
dienen ein Steilrohrkessel und zwei Wasserrohrkessel
 von zusammen 850 am. Als Brennstoff
wird Braunkohle verwendet. Für die Krafterzeugung
 finden zwei Einzylinder-Dampfmaschinen
 zu je 150 PS Verwendung. Für die
3ötige Kälte sorgen zwei Doppelkompressoren
und ein Elektrokompressor von zusammen
650 000 WE/Std. Die Kälte wird verwendet zur
Herstellung von täglich 1000 Zentner Kunsteis sovie

 zur Kellerkühlung. Die von den Maschinen
zeugte übrige Kraft wird durch Dynamos in
lektrische Energie umgewandelt. Außerdem ist
ür große Beanspruchung und eventuell vorommende
 Maschinendefekte ein städtischer
;tarkstromanschluß mit Umformeraggregat voranden,
 Das Sudhaus ist für 82 Zentner Schüttung
ıt Dampfkochung und Maischefilter eingerichtet.
in Trebertrockner verarbeitet die nichtver-;auffen
 Naßtreber. Die Gärung erfolgt in Aluninium-,
 Eisenbeton- und Ebon-Borsari-Tanks
on insgesamt 8000 hl., während das fertige Bier
n Aluminium- und Beton-Tanks, zum Teil auch
n Holzfässern, in 12 Abteilungen mit einem
’assungsgehalt von,40 000 hl bis zur vollständigen
leife lagert. Zwei Faßabfüllanlagen mit einer
’agesleistung von 1000 hl und eine Flaschen-'bfüllanlage
 mit dazu gehörigen Doppelfiltern
'ienen zum Abfüllen auf Versandfässer und
laschen. Eine neuzeitliche Picherei und Küferei
owie automatische Bürst-, Spül- und Trockenınlagen
 für Versandfässer und Flaschen sind vor-‚anden.
 Die Brauerei beschäftigt in beiden Berieben
 rund 200 Arbeiter und 40 Angestellte. Zum
/’ertrieb des Bieres werden etwa 60 Pferde,
3 Lastwagen und 6 eigene Eisenbahnwagen verwendet.
 Die Rohstoffe (Malz, Hopfen, Kohlen,
"utter usw.) laufen auf eigenem Anschlußgleis in
‚en Brauereihof ein.
        <pb n="294" />
        VOrm. Schvwe

Gruppe I Brauereien,
ra

293

nsen &amp;amp; Fehrs in Kiel

Das Unternehmen wurde im Jahre 1871
von Herrn D. Ebers gegründet, ging 1879
in den Besitz der Herren Schwensen &amp;amp;
Fehrs über und wurde 1888 in eine Aktiengesellschaft
 umgewandelt. Der Betrieb
ist mit allen technischen neuzeitigen Einrichtungen
 ausgestattet u. hat das Unternehmen
 die Einwirkungen des Krieges
und der Nachkriegszeit gut überstanden.
Die Erzeugnisse der Brauerei „Zur Eiche“
sind überall rühmlichst bekannt, da die
Leitung nach wie vor den Grundsatz
befolgt: „Vom Besten das Beste“
        <pb n="295" />
        194

Sonderbeschreibungen:
FE

ADLER .
BRAUEREI A.-G. KÖLN

Niederlagen befinden sich in:
3O0NN, AACHEN, DÜREN,
FRAUENBERG b. Euskirchen,
TROISDORF.KÖLN-LANGEL

Die Gesellschaft, die früher Köln-Niedermendiger Aktienbrauerei firmierte,
 wurde im Jahre 1872 als Aktiengesellschaft . gegründet und
dürfte eine der ältesten Aktienbrauereien Deutschlands sein. Sie umfaßte
zwei Betriebe, einen in Niedermendig, in der Nähe des Laacher Sees
and den Hauptbetrieb in Köln. Das Niedermendiger Bier war in den
/0er Jahren und später weit und breit berühmt. Das kleine Eifeldorif
Niedermendig mit ungefähr 3000 Einwohnern hatte nicht weniger als
20 Brauereien, darunter die Köln-Niedermendiger Aktienbrauerei, von
der hier die Rede ist, die Brauerei der Brüdergemeine usw. Geräumige,
ungefähr 30 m tiefe Felsenkeller gaben in einer Zeit, in der es noch keine
Zismaschinen gab, die Gewähr für eine sachgemäße kühle Lagerung des
Bieres, und der Ruf des Niedermendiger Bieres wurde hierdurch begrünlet.—
 Mit der Erfindung derEismaschine, die eine oberirdische Lagerung
lesBieres ermöglichte, verlor N jedermendig als Bierort seine Bedeutung,
50 daß heute nur noch zwei Brauereibetriebe in Niedermendig sind.
Die Adler-Brauerei gab ihren Niedermendiger Betrieb während des Weltkrieges
 auf, da die damals vorgeschriebene Metallablieferung, insbesondere
 von Kupfer, und der durch .den Krieg zurückgehende
Absatz hierzu nötigte,
Der Hauptbetrieb befand sich seit der Gründung der Gesellschaft in Köln.
er war früher in der Thürmchensgasse am Rhein gelegen, da, wo heute
das Direktionsgebäude des Rheinischen Braunkohlen-Syndikats sich
’efindet. Als im Jahre 1896 die Rheinpromenade bis Köln-Mülheim durchzeführt
 wurde, wurde das Brauereigelände an ein Konsortium verkauft,
und die Quirin Lieven’sche Adler Brauerei in Köln-Ehrenfeld angekauft,
von der die heutige Firma angenommen wurde und wo sie sich heute
ı1och befindet, Der Betrieb wurde vollständig umgebaut und vergrößert
ınd erneuert und erfuhr eine zweite Vergrößerung und Umänderung anäßlich
 des Übergangs der Rhenania-Brauerei von J. Wahlen im Jahre 1906
ıuf die Adler Brauerei, die sich heute als eine der größten Brauereien
vonKöln mit moderner,musterhafter Einrichtung präsentiert, Eine eigene
zroße Brunnenanlage versorgt die Brauerei mit Wasser, ein großes
loppeltes Sudwerk mit 83 Ztr. Schüttung ist vorhanden, zwei neben-»inanderliegende
 Cornwall-Dampfkessel von zusammen 240 am Heiz-Jäche
 liefern den Dampf für zwei Dampfmaschinen von zusammen
100 PS, die in einem prachtvollen Maschinenhaus untergebracht sind.
Neben der Brauerei ist eine eigene Mälzerei mit 5 Malztennen von
70 qm zum Beschicken von einer Doppeldarre, wo die Brauerei den
;rößten Teil ihres Malzbedarfs selbst herstellt. Zwei Eismaschinen
'ersorgen den Betrieb mit der notwendigen Kälte und sind imstande,
:ußerdem 800 Ztr. Eis pro Tag herzustellen. Eine isobarometrische
\bfüllanlage mit einer Stundenleistung von 60—70 hl leitet das
3ier in die Transportfässer, in welchen es alsdann zur Kundschaft
zebracht wird. —
die Brauerei beschäftigt zur Zeit ungefähr 70 Arbeiter und 14Beamte. Ihr
3ier, besonders das Spezialbier: „Doppel-Adler-Brillant“, ist weit und
»reit bekannt und beliebt. Die Zahl der Kunden zählt nach Hunderten.
        <pb n="296" />
        Gruppe I Brauereien.
DA

295
An—

Atirsch-Brauerei, Köln.

Hirsch-Brauerei Köln,

Wenn Deutschland auf dem Gebiete des Braugewerbes
 von jeher eine führende Stellung in der
ganzen Welt eingenommen hat, so ist diese wirtschaftliche
 Tatsache nur zu einem geringen Teile
dem Umstand zuzuschreiben, daß der Hopfen- und
Gerstenbau in Deutschlands Grenzen heimisch und
in sorgfältigster Pflege zu hoher Blüte gebracht
worden ist. Mehr ist diese Entwicklung durch die
Organisatorischen Fähigkeiten und die technischen
und kaufmännischen Vorzüge der deutschen Brauer
bedingt. Und es hat ganz den Anschein, als ob der

Garkeiler

A.:G., Köln-Bayenthal

\usbau der deutschen Brauindustrie in vollstem
"usse ist; die syndikatsmäßigen Zusammenschlüsse,
lie sich während der letzten Zeit in dieser Branche
vollzogen haben, sind durchaus geeignet, die wirtchaftliche
 Stoßkraft der in ihnen zusammengefaßten
Jnternehmungen ins Ungemessene zu vergrößern.
Die deutsche Brauindustrie ist in allen Teilen
Deutschlands ziemlich gleichmäßig vorangeschritten.
m rheinischen Braugewerbe steht die Hirsch-Zrauerei
 Köln A.-G. in Köln-Bayenthal mit in
arster Reihe. Sie entsendet ihre Erzeugnisse nach

Lagertanks
        <pb n="297" />
        2196

-  Sonderbeschreibungen:

Festgespann (vier Hengste) zur 1. westdeutschen Gastwirtsmesse 1926.

Köln und den Großstädten im Rheinland, aber auch
die zu diesen Städten gehörenden Landbezirke
werden von der Hirsch-Brauerei Köln A.-G. in
großem Umfange beliefert. Hier findet sie hauptsächlich
 Absatz in den Industriebezirken und den
oraunkohlenfördernden Gebieten. Auf der anderen
Seite hat Köln in den letzten Jahren einen bedeutenden
 Aufschwung genommen, wozu die Messen besonders
 beitragen. So bietet sich für die Hirsch-Brauerei
 Köln A.-G. ein guter Absatz in dem
großen Industriezentrum Köln. Die Fabrikanlage
befindet sich jedoch nicht im Innern der Stadt,
sondern in dem Vorort Bayenthal, wo die staubfreie
 Luft und die kühlen Lagerungsmöglichkeiten
für die Herstellung des köstlichen Gerstensaftes vorhanden
 und ebenso die Vorbedingungen der chemischen
 Zusammensetzung des Wassers in hervorragendem
 Maße gegeben sind.
Das Brauereigrundstück hat einen großen Gesamt-Jächenraum
 von 10 000 qm, so daß die Ausdehnungsnöglichkeit
 in jeder Beziehung vorhanden ist.
Die Produktionsfähigkeit beträgt über
7200 000 hl. Die Brauerei ist mit einem Eismaschinenbetrieb
 mit 500 000 Kältekalorien versehen bei einer
:äglichen Herstellungsmöglichkeit von 1000 Zentner
Eis. Eine besondere Gewähr für die Sicherheit der
‚Jderstellung ihrer vorzüglichen Produkte- bietet ein
eigenes modern eingerichtetes Laboratorium, dem
die biologische Betriebskontrolle zur Aufgabe gestellt
 ist.
Dir Hirsch-Brauerei Köln A.-G. ist ursprünglich
aus kleinen Anfängen hervorgegangen, sie konnte
1926 auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken.
Nicht unerwähnt seien hierbei die Kriegskontingenterung,
 die späteren Schwierigkeiten in der Inlationszeit

 und die wirtschaftlichen Hemmungen
während der Besatzung. In den lefzten Jahren hat
lie Hirsch-Brauerei Köln A.-G. einen enormen Auf-;tieg
 genommen und zählt heute dank ihrer umichtigen
 und tatkräftigen Leitung zu den ersten
Internehmungen der Branche. Sie gilt als die größte
dkale Brauerei in Köln. Ihre Biere erfreuen sich
Toßer Beliebtheit und der Name ihrer Spezialnarken
 „Hirsch-Bräu-Gold-Export“ und „Hirsch-Milsener“
 ist im Rheinland in Bierkennerkreisen ein
‚eflügeltes Wort geworden. Die Bezeichnungen
Mirsch-Bräu-Gold-Export“ und „Hirsch-Pilsener“
‘ind gesetzlich geschützt. Bei mehreren Ausstellunven
 ist das Erzeugnis der Hirsch-Brauerei Köln
\.-G. mit der goldenen Medaille prämiiert worden.
Jie Güte der Biere ist nicht zum mindesten darauf
murückzuführen, daß die Leitung der Hirsch-Brauerei
%öln A.-G. sich dem technischen Fortschritt im
3rauereiwesen nicht verschlossen hat. Es sind ver-;cChiedene
 Neuanlagen gebaut worden, u. a. in den
etzten Jahren ein Gär- und Lagerkeller nach
lien neuesten Verfahren ‚und anderes mehr. Die
"irsch-Brauerei Köln unterhält an verschiedenen
lätzen Niederlagen, teilweise in ihrem Eigentum,
lie stetig zur Ausdehnung des Absatzgebietes für die
irma beitragen. Das Unternehmen beschäftigt
inen Stab von rund 150 Mitarbeitern. — Der vor-‚ügliche
 Ruf des von der Hirsch-Brauerei Köln
\.-G. vertriebenen Bieres hat der Brauerei auch
nen wertvollen Export eingetragen. Die Ver-;orgung
 der Kundschaft wird wie alle übrigen GecChäftszweige
 von dem Grundsatz geleitet, den Anoorderungen
 der Zeit und der Befriedigung der An-;prüche
 Rechnung zu tragen. Die Hirsch-Brauerei
&amp;lt;öln A.-G. trägt somit das Ihrige zum Wiederaufbau
ler Wirtschaft als belebender Faktor bei.
        <pb n="298" />
        Gruppe I Brauereien.

Die Kulmbacher Brauindustrie

Das Kulmbacher Bier ist in’der ganzen Welt
bekannt und kennzeichnet nach seiner Art und
Qualität einen ganz besonderen Typ. Die Brauindustrie
 ist es, die der kleinen fränkischen Stadt
eine Berühmtheit verschafit hat. Etwa um die Mitte
des 14. Jahrhunderts wird uns dort zum erstenmal
von dem Bestehen eines Brauhauses berichtet.
Dieses gehörte zu einem 1340 von dem Burggrafen
Joachim HI. von Nürnberg gegründeten Augustinerkloster.
 Die Mönche, die das Erzeugnis ihrer Braukunst
 an die Bürger verkauften, mochten so auch
anregend auf die Hausbrauerei der Bürger selbst
einwirken. Die damals erzeugte Biermenge muß
doch schon so bedeutend gewesen sein, daß sich die
Burggrafen durch Erhebung einer Tranksteuer willkommene
 Einnahmen zu verschaffen wußten. Jeder
Bürger hatte zunächst das Recht zum Brauen, zugleich
 aber auch das Schankrecht, so daß jedes
Bürgerhaus ein paarmal im Jahre zum Wirtshaus
wurde. Das Brauen war reine Erfahrungs- und
Geschicklichkeitssache und wurde als Nebengewerbe
von Bäckern, Metzgern, Müllern usw. im eigenen
Hause betrieben. Dieses nicht als Haupterwerbszweig
 hergestellte Bier war selbstverständlich noch
von niedriger Qualität, so daß die Hofhaltung auf der
Plassenburg sogar noch fremdes Bier vom auswärts
 bezog.
Im 16. Jahrhundert nahm das Kulmbacher Brauwesen
 einen beträchtlichen Aufschwung. Der Rat
der Stadt beschäftigte sich eingehend mit der Bierbrauerei
 und erließ eine Reihe diesbezüglicher Bestimmungen
 und Verordnungen. Um 1530 wird auch
das erste Bürgerbrauhaus am Eberhacken genannt,
während vom Bau eines Kommunalbrauhauses in
den Ratsprotokollen erstmalig 1555 die Rede ist.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts finden sich in der
Stadt bereits drei Brauhäuser, ein Kommunalbrauhaus
 und zwei private. Jetzt dürfen auch nur noch
die Bürger brauen, die ein eigenes Hausgrundstück
besitzen. Ein Fortschritt in technischer Beziehung
war insofern zu verzeichnen, als die „brauenden
Bürger“, die kein eigenes Brauhaus besaßen, ihr
Bier in der Hauptsache im städtischen Brauhaus der
Reihe nach herstellten, also nicht mehr mit den primitiven
 Mitteln des eigenen Haushaltes zu arbeiten
brauchten. Im 17. Jahrhundert gab es in Kulmbach

;twa 60 „bräuende Bürger“, die zusammen gegen
5000 hl Bier erzeugten. Im 18. Jahrhundert hatte
las Kulmbacher Braugewerbe keine nemnnenswerten
 Fortschritte zu verzeichnen. Die gewerbiche
 Gesetzgebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts
ibte ihren Einfluß auch auf die Kulmbacher Bierrauerei
 aus. Seit 1830 begannen allmählich ein-‚elne
 Bürger die Brautätigkeit auch zu ihrem Hauptjeruf
 auszubauen, freilich immer noch auf vollcommen
 handwerklicher Grundlage. Durch die Entvicklung
 der Verkehrsmittel wurde der weitere Auf-;tieg
 außerordentlich begünstigt, besonders, da
Culmbach bereits 1846 seine ersten Eisenbahnzerbindungen
 bekam. Der eigentliche Aufschwung
les Kulmbacher Braugewerbes setzte aber erst
ıach der Reichsgründung ein. Seit etwa 1875 besann
 auf der Grundlage der ungeahnten Fortschritte
ron Technik und Wissenschaft die Überleitung vom
j‚andwerklichen Kleinbetrieb zum industriellen Großyetrieb.
 Die ersten Brauerei-Aktiengesellschaften
:ntstanden und zeigten sich den kleineren Unterı1ehmungen
 an Leistungsfähigkeit und fortschrittichem
 Geist bald bedeutend überlegen, wodurch sie
ındererseits das gesamte Braugewerbe mit vorvärtszogen.

Bis zum Jahre 1900 war die Bierausfuhr aus Kulm-»ach
 bis auf 733 748 hl angewachsen. Natürlich war
358 bei einer derartigen Entwicklung nicht ohne
nnere Kämpfe abgegangen, in denen die kleineren
3rauereien gegen die Überlegenheit der Groß-»jetriebe
 hart zu ringen hatten. Äußerlich ist dies an
ler langsam aber unaufhaltsam sich vollziehenden
&amp;lt;onzentration zu erkennen. Im Jahre 1883 gab es
jei einer Gesamtausfuhr von 237886 hl noch
26 Brauereien, jetzt sind es nur noch sechs Groß-»rauereien,
 die frotz der unendlichen Schwierigzeiten
 der Kriegs- und Nachkriegszeit mehr als die
loppelte Biermenge exportieren.
Die Kulmbacher Brauindustrie besteht heute aus
Austerbetrieben, in denen alle Fortschritte der Neu-‚eit
 Aufnahme und Verwirklichung finden. Zur Ver-'retung
 und Förderung der gemeinsamen Interessen
ıuf dem Gebiete der Brauindustrie wurde im Jahre
1911 die Brauereivereinigung Kulmbachs als E. V.
ns Leben gerufen, um ein gedeihliches Zusammenırbeiten
 zu ermöglichen und um im Rahmen der
        <pb n="299" />
        Sonderbeschreibungen: -
großen allgemeinen Verbände die besonderen Be- ‘hemmt. Trotzdem brachte die Erste Kulmbacher
lange Kulmbachs zu wahren. Denn die Brauereien, lie geschäftlichen Beziehungen im Inlande wieder
die ja sämtlich ausgesprochene Exportbrauereien n Gang und auf die alte Höhe, wozu in erster Linie
sind, haben gerade durch die Eigenart und be- lie Wiederherstellung der früheren Güte der Biere
sondere Güte des Kulmbacher Bieres mitunter einen liente, Im Jahre 1920 wurde der Betrieb aberfnals
schweren Stand. Überall wird versucht, das echte echnisch wesentlich verbessert durch vollständigen
Kulmbacher nachzuahmen oder wenigstens Biere Jmbau des Maschinenhauses ‚und Neugestaltung
„nach Kulmbacher Art“ in den Handel zu bringen. ler Energieerzeugung und -verwertung,
Der Fachmann weiß, daß beides Unmöglichkeiten Der Export des „Ersten Kulmbacher“ erfolgt jetzt
sind. Der Charakter eines Bieres wird in hohem vieder nach allen Richtungen. Die nähergelegene
Maße von der klimatischen Eigenart des Her- &amp;lt;undschaft wird durch Fuhrwerk und Autos bestellungsortes
 bestimmt, und „Kulmbacher‘“ Bier be- ijent, während der Versand nach auswärts durch
zeichnet nicht die Art, sondern die Herkunft. Letzten jo eigene und 25 dafür eingerichtete Wagen der
Endes weiß dies auch der Verbraucher: er verlangt eichsbahn besorgt wird, die sowohl nach Bayern
schtes Kulmbacher und rechtfertigt damit die vie nach dem übrigen Deutschland, über die Reichs-Stellung,
 die die Kulmbacher Brauindustrie in der rrenzen hinaus und nach den deutschen Nordseeleutschen
 Volkswirtschaft einnimmt. ıäfen rollen, von wo aus das Bier seine weite Reise
iber die Weltmeere antritt.

298

Erste Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei.
Seit dem Beginn der Industrialisierung des Kulmbacher
 Braugewerbes ist es besonders die Erste
Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei gewesen,
die dessen Aufblühen maßgebend beeinflußte. Sie
ist seit Jahrzehnten die größte Brauerei Kulmbachs
und auch eine der bedeutendsten ganz Bayerns. Sie
wurde am 2. November 1872 mit einem Aktienkapital
 von 1230000 Mark gegründet. Die Gründung
 beruhte auf der Erwägung, daß der schon im
Gange befindliche Siegeslauf des Kulmbacher Bieres
lurch eine größere Brauerei bei Ausnützung neuer
technischer und wissenschaftlicher Hilfsmittel
wesentlich gesteigert werden könne.
Das erste Jahrzehnt der Entwicklung wurde in
der Hauptsache dem inneren Ausbau des Unternehmens
 gewidmet. Zwei neue Doppelsudwerke
und neue Gär- und Kühlräume wurden eingerichtet,
umfangreiche Felsenkeller am Festungsberge erworben
 und der Maschinenbetrieb eingeführt, Der
Bierausstoß vergrößerte sich von Jahr zu Jahr und
iberstieg 1884 zum ersten Male 100000 hl. Im
Jahre 1886 war mit der Vollendung des Brauereihauptgebäudes
 die erste Entwicklungsperiode abgeschlossen.
 Das kommende Jahrzehnt konnte nun
auf der Grundlage der letzten Neuerungen einer beständigen
 Fortentwicklung gewidmet werden, so
laß der Absatz von 1886 bis 1890 um nahezu
50 000 hl stieg.
Ihr 25jähriges Bestehen konnte die Erste Kulmbacher
 Actien-Exportbier-Brauerei bereits mit dem
schönen Bewußtsein feiern, zur größten Brauerei
Kulmbachs geworden zu sein. Ihr Betrieb und Absatz
 hatte sich bei gleich gebliebenem Aktienkapital
mehr als verzehnfacht. Der Weltkrieg mit seinen
riesenhaften Opfern für Gewerbe, Handel und Industrie
 zerstörte mit eiserner Faust die harte Arbeit
von Jahrzehnten. Der Wiederaufbau wurde durch
Geldentwertung und Rohstoffknappheit schwer ge-Zxportbierbrauerei

 Reichelbräu Aktien-Gesellschaft.
Der rapide Aufschwung, den die Brauerei aus
sanz bescheidenen Anfängen heraus genommen hat,
lürfte in der Brauindustrie wohl einzig dastehen.
"rotzdem sich Reichelbräu Jahrzehnte hindurch
ıinsichtlich des Absatzgebietes Beschränkungen auf-'rlegt
 und sich lediglich auf den Versand ihrer Er-‚eugnisse
 über die bayerische Grenze hinaus einzestellt
 hatte, entwickelte sie sich in wenigen Jahren
ur zweitgrößten Brauerei Kulmbachs. . Diesen
;ormen Aufschwung verdankt die Brauerei dem
irundsatz, den Konsumenten immer nur das Beste
rom Besten zu bieten und das Geschäft auf streng
olider Basis zu betreiben.
Die Brauerei Reichel ist aus einer im Jahre 1846
ron Herrn J. Wolfg. Reichel in Gemeinschaft mit
ıoch zwei Teilhabern ins Leben gerufenen Brauerei
'ervorgegangen, 1885 entwarf Carl Reichel den
Yan zu der jetzigen Brauerei, welche auf einem
0% ha umfassenden Terrain, unmittelbar am Güteralınnhof
 Kulmbach und mit diesem durch Zweigleise
 verbunden, errichtet wurde.
Am 9. Januar 1895 wurde die Aktiengesellschaft
regründet. Die neue Verwaltung ließ es sich’ anrelegen
 sein, die Brauerei mit den neuesten Er-“ungenschaften
 der Technik auszustatten. Zwei
Jampfkessel von zusammen 500 qm Heizfläche mit
ıutomatischer. Kohlenbeschickung liefern den nötigen
Jampf. Dem Export dienen etwa 50 eigens für den
Miertransport eingerichtete Eisenbahnwagen, welche
lien edlen Stoff der Kundschaft und den einzelnen
Jiederlagen in fast allen Plätzen Deutschlands und
les Auslandes, soweit der Export nach dem Kriege
lorthin wieder aufgenommen werden konnte, zuühren.
 Lasfautos versorgen die Kundschaft in der
ıäheren Umgebung. Die umfangreiche, mit zwei
)rehscheiben versehene eigene Gleisanlage von
        <pb n="300" />
        Gruppe I Brauereien,
etwa 900 m Länge ist für den ganzen Betrieb von
außerordentlicher Wichtigkeit.
Den Aufschwung, den das Geschäft genommen,
erhellen deutlich folgende Zahlen: Der Jahresabsatz
betrug in runden Zahlen im Jahre 1881 etwa
20000 hl, 1886 45 000 hl, 1891 116 000 hl und hat in
späteren Jahren das respektable Quantum von über
150000 hl erreicht. Ihre Spezialprodukte hat das
Reichelbräu zu einer Vollkommenheit gebracht, die
die Erzeugnisse derselben in ihrer Art einzig dastehen
 läßt. Auf sämtlichen von der Brauerei beschickten
 Ausstellungen wurden ihre Biere mit den
höchsten Preisen ausgezeichnet. So wurde dem
Reichelbräu auf der Landesausstellung zu Nürnberg
1896 die Goldene Staatsmedaille für besonders stark
gesottene, nur für den Export bestimmte dunkle und
lichte Biere von hervorragender Qualität und für
bedeutende Leistungsfähigkeit verliehen.
Sandlerbräu A.-G. Kulmbach,
Als Gründer des heutigen Unternehmens ist wohl
der brauende Bürger Lorenz Sandler anzusehen,
der im Jahre 1823 beim Rat der Stadt Kulmbach um
die Genehmigung zur Errichtung eines eigenen Brauhauses
 nachsuchte, die ihm aber erst nach langen
Verhandlungen erteilt wurde. Das ehedem von den
Nachkommen des Gründers als Einzelfirma betriebene
 Unternehmen wurde 1901 in .eine G.m
b. H., und, einem Erfordernis der allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse
 entsprechend, 1921 in eine
Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aktien sich
noch heute sämtlich in den Händen der Familien
Sandler befinden. ;
Aus kleinen Anfängen heraus hat sich die Brauerei
entsprechend der Steigerung des Absatzes nach und
nach immer weiter entwickelt und vergrößert und
nat in ihren Anlagen und Einrichtungen mit den
modernsten Errungenschaften der Technik Schritt
gehalten. Die rechtzeitige Erkenntnis des Umstandes,
 daß nur eine eigene Mälzerei den Vorzug
eines Malzes von immer gleichbleibender Güte
sichern konnte, ließ schon im Jahre 1894 den gefaßten
 Plan zur Wirklichkeit werden, und es entstand
 unmittelbar neben der Brauerei, und mit dieser
durch eigene Gleisanlage verbunden, eine große
Malzfabrik, die zur Verarbeitung von über 80 000
Zentner Gerste ausreicht. Auch die Einrichtung
dieses Betriebes hat sich dauernd auf der Höhe der
Zeit gehalten.
Nachdem die Frzeugnisse der Kulmbacher Brauereien
 im wesentlichen. nur für den Versand bestimmt,
darf nicht übergangen werden, daß die Sandlerbräu
A.-G. die älteste exportierende Brauerei Kulmbachs
ist, und daß eben der bereits genannte Gründer der
Sandlerschen Brauerei zu dem heutigen überragenden
 Bierexport der Kulmbacher Brauereien
den Grundstein legte.

299
Die Sandlerbräu A.-G. ist heute mit dem Güterjahnhof
 Kulmbach durch eine eigene Industriegleisınlage
 verbunden, und eine große Anzahl eigener
Spezialbierfransportwagen dienen dem Versand des
3ieres für die auswärtige Kundschaft an allen
rrößeren Städten Deutschlands und nach dem Ausande.
 Neben der ganz vorzüglichen Qualität sichert
len Erzeugnissen der Sandlerbräu A.-G. auch die
rroße Haltbarkeit, die sich im Sommer wie im Winter
Yleich bleibt, eine bevorzugte Stellung. Der beste
3eweis hierfür ist die andauernde Steigerung des
Jmsatzes, so daß die Sandlerbräu A.-G. schon seit
;iner Reihe von Jahren unfer den Kulmbacher
3xportbrauereien die dritte Rangstelle einnimmt.
?zir die Wertschätzung . der Sandlerbräu-Biere
sprechen nicht zuletzt auch die vielen Auszeichıungen,
 die sie auf allen beschickten Ausstellungen,
ın denen sich die Brauerei beteiligte, erhalten haben,
;o in Chicago, Marseille, London, Brüssel, Genf,
Drag, Magdeburg, Dresden, Leipzig, Braunschweig,
&amp;lt;öln, Nürnberg usw.

Kulmbacher Rizzibräu Aktiengesellschaft.
Der heutige Besucher Kulmbachs ist erstaunt
iber die Größe der Baulichkeiten, die der Braundusfrie
 dienen und die ihm schon in ihrer äußeren
Stattlichkeit eine Vorstellung von der hohen wirtschaftlichen
 Bedeutung dieser Industrie geben
nüssen. Eine hervorragende Stelle unter diesen
\nlagen nimmt die „Kulmbacher Rizzibräu Aktienresellschaft‘“
 ein, deren glänzende Entwicklung
ypisch ist für den raschen Aufschwung des Kulmjacher
 Braugewerbes. Die Gründung‘ der in der
Sutte am linken Ufer des Mains liegenden Brauerei
viedel-Barth-Rizzi erfolgte im Jahre 1848 in der
2orm eines sogenannten Gesellschaftsbräuhauses,
n dem das Braurecht von den vier Besitzern geneinsam
 ausgeübt wurde. Im Jahre 1871 verkaufte
Jerr Eduard Bartlı, der Nachfolger des Herrn
I. Riedel, seinen Anteil an Herrn Carl Rizzi, der das
jeschäft zunächst unter der Firma E. Barth Nacholger
 weiterführte, um es später unter seinem
Namen zu betreiben. Im Jahre 1886 ging die
3rauerei, die inzwischen bedeutende maschinelle
/erbesserungen und eine erhebliche Vergrößerung
hrer Produktion erfahren hatte, um den Kaufpreis
ron. 700 000 Mark, in dem auch die Erwerbung des
ıalben Anteils an einer im Jahre 1850 errichteten
Välzerei einbegriffen war, in den Besitz einer
\ktiengesellschaft über. Bei ihrer Begründung betrug
 der Bierexport 16041 hl, nach zehn Jahren
1atte er eine Höhe von 69041 hl erreicht und im
jeschäftsjahre 1899/1900 bezifferte er sich sogar auf
39 597 hl. Gleichzeitig mit der Erweiterung des
3Zetriebes erfolgte auch die Errichtung neuer Bauichkeiten.
 Schon im Jahre 1888 wurde ein zweites
Sudhaus erbaut, die Kellereien wurden vergrößert,
        <pb n="301" />
        300.

Sonderbeschreibungen:
SD

ein Kessel- und Maschinenhaus wurde neu angelegt
und eine künstliche Kellerkühlung nach System
Linde eingerichtet. Die stetig gesteigerte Nachirage
 führte in den folgenden Jahren zu wiederholten
 Erweiterungen der Keller. .
Da die Beliebtheit und der Export des Rizzibräus
ständig zunahmen, erwies sich die Aufstellung eines
dritten Sudwerkes als notwendig. Die Neuanlage
wurde der Firma J. Goeggl &amp;amp; Sohn in München
übertragen und nach den Plänen derselben im Frühjahr
 1897 begonnen. Im August des nächstifolgenden
Jahtes konnten die umfangreichen Brauereineubauten
 von der Firma übernommen werden. Im
Stile der italienischen Renaissance ausgeführt, zewähren
 die beiden Gebäudetrakte, deren Stirnseiten
der Bahn zugekehrt sind, schon von außen einen
imponierenden Anblick. Ihre innere Einrichtung
steht vollkommen auf der Höhe der Zeit und ermöglicht
 in ihrer überaus praktischen, wohldurchdachten
Anordnung einen äußerst rationellen lohnenden Be-‘rieb.
 Die ganze Anlage ist durch ein Schienengleis
nit dem Hauptgleis der Bahnstrecke Kulmbach—Hof
verbunden, und das Bier wird von den Abziehhallen
direkt in die Waggons verladen.
Die ausgezeichneten Erzeugnisse der Rizzibräu
wurden auf allen beschickten Ausstellungen mit
ersten Preisen bedacht und erfreuen sich nicht nur
n allen Teilen Deutschlands höchster Anerkennung,
sondern wurden in Friedenszeiten auch nach
Amerika exportiert.

vaten, und über 130 Jahre lang wurde auf dem ehenaligen
 Klostervorwerk eine kleine Brauerei im
°rivatbesitz betrieben. Hieraus entstanden dann im
„aufe der letzten Jahrzehnte die Neubauten der
\ktiengesellschaft, die im Jahre 1884 nach dem Erwverb
 des Besitztums von Herrn Heinrich Hering, in
"irma Simon Hering, gegründet wurde. Mit ihren
trößeren Mitteln und durch zielbewußte Leitung
vurden nun fortlaufend Neuerungen und Verbesseungen
 von weitreichender Bedeutung vorsenommen.
 Unter pietätvoller Schonung ‘ eines
"eils des ehrwürdigen alten Mönchshofes als Wahr-‚eichen
 vergangener Jahrhunderte errichtete man
ıohe und stattliche Neubauten und versah sie mit
Zinrichtungen, die das Vollkommenste darstellen,
vas auf brautechnischem Gebiete zu erdenken war.
50 wurde das Unternehmen zu einer Exportbrauerei
ıllerersten Ranges umgestaltet, die ihre Absatzzebiete
 und ihren Ruhm weit über Deutschlands
üjrenzen besitzt.
HMielt sich die Biererzeugung anfänglich noch in
verhältnismäßig bescheidenen Grenzen, so wuchs
;jie von Jahr zu Jahr, die Nachfrage nach dem ausvezeichneten
 Stoff nahm beständig zu und die Proluktionsmöglichkeit
 steigerte sich bis auf 150000 hl
m Jahre.
Es konnte natürlich nicht ausbleiben, daß die Erzeugnisse
 der Brauerei auf allen beschickten Ausstellungen
 volle Anerkennung und damit die höchsten
7reise erwarben. Im ganzen besitzt die Brauerei
Mönchshof eine silberne und 15 goldene Medaillen
ınd fünf Staatspreise. Der Versand der Biere erolgt
 ausschließlich in eigenen Spezialwagen, und
lie bahn- und zollamtliche Abfertigung des täglichen
/ersandes wird an Ort und Stelle, der Verladehalle
n der Brauerei, vorgenommen, da eine eigene
ndustriebahn den Mönchshof mit der Reichseisen-Jahn
 verbindet.

Kulmbacher Exportbrauerei „Mönchshof“
Aktien-Ges,
Die Ausübung des Braugewerbes in Kulmbach ist
sehr alten Datums. Die Beschaffenheit der Ltrft und
des Wassers hatten den Platz gleichsam zur Bierstadt
 vorausbestimmt. — Unter ganz besonders
zünstigen Bedingungen arbeitet in dieser Hinsicht
lie Kulmbacher Exportbrauerei Mönchshof. Ihr
Entstehen reicht bis in die graue Vorzeit zurück.
Jas alte Zisterzienserkloster Langheim, das. im
Jahre 1340 gestiftet worden war, hatte in Kulmbach
sine Zweigniederlassung, von welcher im Jahre 1349
auf der Blaich bei Kulmbach ein Vorwerk errichtet
wurde. Unter den Gebäuden dieses Vorwerks, die.
neben Wohnungen aus Stallungen, Tennen und Gereideschüttlagern
 bestanden, in welch letzteren, wie
der Chronist sagt, eine ziemliche Quantität Getreide
aufgeschüttet werden konnte, befand sich auch eine
Schupfe zur Wahrung der Kufer und Fässer, Es
xann also zweifellos angenommen werden, daß wir
hier die ersten Anfänge der Brauerei Mönchshof vor
uns haben, und daß diese kleine Sudstätte die Wiege
des später so berühmt gewordenen Kulmbacher
Bieres bedeutet. — Nach der Säkularisation der
Klöster kam das Besitztum in die Hände von Pri-Markgrafen-Bräu

 Kulmbach,
Umittelbar am Bahnhof liegt das „Markgrafen-3räu‘“,
 welches im Jahre 1910 auf der ehemaligen
;raustätte von Hans Petz gegründet, sich durch
eine vorzüglichen Erzeugnisse aus den besten Rohnaterialien
 einen guten Ruf zu sichern gewußt hat.
hr Absatzgebiet außerhalb Bayerns erstreckt sich
‘ber einen großen Teil Deutschlands. Im Übersee-'xport
 gehen die Produkte nach den verschiedensten
irdteilen. Im Jahre 1916 wurde die lange schon betehende
 Exportbierbrauerei Louis Weiß, „Schwanenıräu“,
 aufgenommen. Hierbei mag erwähnt werden,
:aß diese Brauerei im vorigen Jahrhundert als erste
ulmbacher Brauerei Bier auf dem Landweg bis
ach Hamburg exportierte. Weiterhin. wurde im
ahre 1919 eine der ältesten Kulmbacher Privat-»rauereien,
 die Exportbierbrauerei Christian Pertsch,
ingegliedert.
        <pb n="302" />
        Gruppe I Brauereien,

301

Bierhrenerei

ar

Das.

4 |

y

"3Fr6eCr bei Dortmund

Im Jahre 1866 gründeten die Herren Wilhelm und
Heinrich Müser die Brauerei. Eine zielbewußte Leitung
hat es verstanden, ihr im Laufe der Jahre einen hervortragenden
 Platz in der westfälischen Brauindustrie zu
verschaffen.
Der Aufsichtsrat besteht z., Z. aus den Herren: Heinrich
 Müser, Vorsitzender; Heinrich Müllensiefen, stellv.
Vorsitzender; Hans Müser, Bankdirektor Paul Schmidt-Branden
 und Regierungsrat Bürgermeister Dr. Maiweg
und der Vorstand aus den Herren: Kersting, Roßberg und
Brickenstein. — Im Jahre 1886/87 setzte die Brauerei
29801 hl Bier ab; im Jahre 1904/05 war der Absatz auf
150000 hl gestiegen, um dann während des Weltkrieges
und unter seinen Nachwirkungen stark zurückzugehen.
In den letzten Jahren hat er sich aber wieder bedeutend
erhöht. Dies spricht wohl vernehmlich genug für die
Beliebtheit, deren sich das Müser-Bräu, das dicht an der
Stadtgrenze Dortmunds gebraut wird, allenthalben erfreut.
 — Infolge dieser erfreulichen Entwicklung des
Werkes war es erforderlich, die Anlagen neuzeitlich
weiter auszubauen. Demgemäß wurden in den letzten
Jahren der Gärkeller mit Aluminium-Großgärgefäßen und
die Lagerkeller mit eisernen Lagertanks ausgerüstet; ein
neues imposantes Kesselhaus zur Aufnahme von zwei
Wasserrohrkesseln, wovon vorläufig ein Kessel mit
350 am Heizfläche und Wanderrost eingebaut ist, wurde
errichtet,
Nach inzwischen erfolgter Fertigstellung eines
AHochhauses, in dem ein modernes Doppelsudwerk von
80 Ztr. Schüttung, Kühlschiffen, Malzsilos usw. untergebracht
 sind, stellt die Brauerei einen neuzeitlichen, vorbildlich
 eingerichteten Betrieb dar, der sich allen Großbrauereien
 der Umgebung ebenbürtig zur Seite stellen
kann. In der 340 am großen Maschinenhalle sind:
4 Dampfmaschinen mit zusammen 735 PS, 2 Dynamomaschinen
 von je 40 KW mit Zusatzmaschine und Akkumulatorenbatterie
 von 1000 Amperestunden und 1 Dynamomaschine
 von 110 KW. 4 Eismaschinen von zusammen
 565000 Kal. und 2 Generatoren mit einer EisarzeugunNZsmMÖglichkeit

 von 2400 Zentner innerhalb
14 Stunden, aufgestellt,
Die Lagerkeller bestehen aus 18 Abteilungen, die zum
Teil mit Holzfässern und, wie vorstehend bereits ervähnt,
 zum Teil mit eisernen Lagertanks belegt sind.
die Keiler haben eine Lagermöglichkeit von 70—80 000 hl.
Der Gärkeller ist außer mit Holzbottichen mit Aluninium-Großgärgefäßen
 ausgestattet, Der Umfang ist
‚er Lagermöglichkeit der Lagerkeller angepaßt, — Außer
‚em großen Wasserrohrkessel mit 350 am Heizfläche in
lem neuen Kesselhaus sind in dem alten Kesselhaus noch
} Cornwallkessel mit zusammen 400 am Heizfläche vorıanden.
 ‚Den eigentlichen Brauerei-Gebäuden gegenüber
.n der östlichen Seite der Hauptstraße, liegen außer dem
Z7erwaltungsgebäude die großen Stallungen mit Pferdeveide
 und Kraftwagenhallen. Die Ausführung der erorderlichen
 Instandsetzungsarbeiten erfolgt in eigenen
Werkstätten; es sind vorhanden: Betriebsschlosserei,
ıutomobilschlosserei, Schreinerei und Stellmacherei, Hufınd
 Wagenschmiede, Sattlerei und Küferei. Die Zahl der
m Jahre 1928 durchschnittlich beschäftigten Personen
jetrug 189, Zur Beförderung des Bieres an die Kundschaft
 stehen außer 13 Eisenbahnwagen 25 Kraftwagen
ınd ein großer Pferdefuhrpark zur Verfügung. Das Absatzgebiet
 erstreckt sich über Westfalen, Rheinland,
dessen, Waldeck und mitteldeutsche Großstädte, In
„angendreer besitzt die Brauerei außer den eigentlichen
3rauereianlagen noch zwei Wirtschaftslokale und sechs
Z3Zeamten- und Arbeiterwohnhäuser, Die Lage ist sehr
‚ünstig, an beiden Seiten der Hauptstraße, in der Nähe
les Bahnhofs. Der Gesamtgrundbesitz beträgt etwa
‚6 Morgen. An auswärtigen Plätzen besitzt die Brauerei
» Hotels, 1 Restaurant, verschiedene Wohnhäuser und
;ine große Bierniederlage, in der ein eigener Fuhrpark
ıinterhalten wird.
Die angefügten Abbildungen geben eine kleine Über-;jicht
 über einzelne Teile der Brauerei bzw. der jüngsten
Veueinrichtungen.

Kesselhaus

Blick auf das Hochhaus

A0ONdensatoren und Hochhaus

„„afrertianks
        <pb n="303" />
        302

Sonderbeschreibungen:
si EA

Die

Riebeck-Brauerei aus der Vogelschau

„Das gute Riebeck-Bier“
Leipziger Bierbrauerei zu Reudnitz Riebeck &amp;amp; Co. 4.-G.

In die Blütezeit des deutschen Braugewerbes nach
der 1868 gekommenen vollen Gewerbefreiheit fällt
der rapide Aufschwung dieses Unternehmens. Produzierte
 die damals Schrödersche Brauerei im Vororte
 Leipzigs, Neureudnitz, auch 1862 bereits
20 000 hl. im Jahre, so stieg die Ausstoßziffer derselben
 im Jahre 1879 doch schon auf 80000 hl und
steigerte sich bis zum Jahre 1887 unter der zielsicheren
 Leitung des verewigten Kommerzienrats
Fritz Reinhardt auf 165000 hl. Der Handvetrieb
 von ehedem hatte sich in Maschinenbetrieb,
das Braugewerbe in eine Industrie verwandelt und
alle Phasen dieser Entwicklung hatte das Unternehmen
 in rascher Folge durchlebt, als dessen Umwandlung
 in eine Aktiengesellschaft im Jahre 1887
arfolgte. Unser Bild.

die Riebeck-Brauerei Leipzig aus der Vogelschau,
äibt einen Begriff von der heutigen Ausdehnung
lieser Braustätte, die auch Erweiterungsmöglichteiten
 noch zuläßt. Stilvolle Zweckbauten für zahleiche
 gewerbliche Eigenbetriebe, Unterkunitsräume
ür Autos, Wagen und Pferde usw. schließt der
dXiesenkomplex ein und 32 eigene Eisenbahnwaggons
ınd viele Autos vermitteln im Anschluß an alle Bahntrecken
 den Verkehr mit der zahlreichen ausvärtigen
 Kundschaft.
Entsprechend dem Wachstum des Unternehmens
;tieg das Kapital, das bei Begründung der Aktiengesellschaft
 4 Millionen Mark betrug, um weitere
} Millionen Mark im Jahre 1913 und beläuft sich heute
uf 18 Millionen Mark, In der Stabilität einer
        <pb n="304" />
        Gruppe I Brauereien. |

308

Gärkelleranlage der Riebeck-Brauerei Erfurt. Der Gärkeller in Erfurt ist eine Sehenswürdigkeit.
Die in jeder Beziehung durchdachte Anlage gewährleistet absolute Reinheit und hohe Qualität der Biere

Sudhausanlagye der Riebeck-Brauerei Altenburg. Diese Anlage ist eine der schönsten und modernsten in Deutschland.
        <pb n="305" />
        304

Sonderbeschreibungen:
NET

Sudhausanlage Leipzig

Dividendenausschüttung von fast durchgängig 10 %
suchte und fand die Leitung das weitgehendste Ver-‚rauen
 aller wirtschaftlichen Kreise, das sich recht-'ertigte
 durch die steigenden Absatzziffern, die das
Unternehmen im Jahre 1913/14 an die Spitze der
sächsischen Brauereigroßbetriebe trugen. Wohl 5lieb
der Rückschlag während des Krieges und ersten
Nachkriegsjahre nicht aus, allein das Betriebsjahr
{927/28 fand die Riebeck-Brauerei wieder bei ihrer
disherigen Höchstausstoßziffer vom Jahre 1913/14.
Unter den Einrichtungen des Leipziger Stammnauses
 darf die Sudhausanlage, mit zweimal 200 Ztr.
Schüttung, sich wohl mit zu den größten der Welt
‚zählen. Der auf das modernste ausgerüstete Gärgeller
 besitzt mit seinen Bottichen Raum für 14 000 hl
iungbier.
Hier wird das Jungbier mit Reinzuchthefe aus
10 Hefereinzuchtapparaten unter Kontrolle des
eigenen Betriebslaboratoriums (das übrigens den
yanzen Brauereibetrieb unter ständiger genauester
wissenschaftlicher Beobachtung hält) versetzt. Die

lier gewonnene Reinhefe wird auf dem ganzen
Continent von den größten und renommiertesten
3rauereien geführt. Es bedarf wohl kaum der Ervähnung,
 daß jede maschinelle und technische Neuıeit,
 wenn praktisch bewährt, im ganzen Betriebe
zenützt wird.
Es nahm die Geschäftsleitung bereits vor einem
Yierteljahrhundert den Musterbetrieb der Brauerei
/. Baumann-Erfurt, dann in rascher Folge die Erfurter
3rauerei Büchner und Aktienbrauerei nach sorgältigster
 Modernisierung” auf und gliederte sich. als
Zweigniederlassung die Altenburger Aktienbrauerei
ınd sämtliche Geraer Braustätten an, sie alle mit
len modernsten . maschinellen Finrichtungen aus-‘üstend.

Die Erfurter Riebeck-Brauerei, heute unzweifelhaft
#ine der bestausgestatteten Braustätten Deutschands,:
 hat eine Produktionsfähigkeit von einer
Viertelmillion Hektoliter, die Altenburger eine solche
von 150000 hl, .die gleiche Anzahl kann auch die
jeraer Riebeck-Brauetei produzieren. Wie die
        <pb n="306" />
        Gruppe I Brauereien.

305

Viererzug der Riebeck-Brauerei

Stammbrauerei, so sind auch alle diese Zweige derselben
 mit größeren Mälzereien ausgerüstet, in denen
last der gesamte Malzbedarf erzeugt werden kann.
Das Gesamtkontingent der vier Riebeck-Betriebe
beträgt etwa eine Million Hektoliter — außerdem
aber ist das Stammhaus noch an einer Anzahl
anderer Betriebe beteiligt, die im Freistaat und

?rovinz Sachsen sowie Thüringen und Bayern
iegen. Auch diese Betriebe haben eine Kontingentsziffer
 von einer Million Hektoliter. |
Kohlensäurereiche und prickelnde helle Biere, das
würzige vollmundige dunkle Bier — sie alle haben
sich einen großen Liebhaberkreis erobert, der sich
täglich erweitert.

EZ zZ

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart.
        <pb n="307" />
        306

Sonderbeschreibungen:
SB

Aktienbrauerei

Ludwigshafen am Rhein

Jie Aktienbrauerei Ludwigshafen am Rhein wurde im Jahre 1862 in der
damals erst etwa 7000 Einwohner zählenden jüngsten Stadt am Rhein, in
Ludwigshafen unter der Leitung und durch die Initiative des Münchener
Großbrauers Georg Pschorr gegründet. Als erste Brauerei Bayerns nahlım
sie die Betriebsform einer Aktiengesellschaft an. Die Brauerei wurde von
Georg Pschorr eingerichtet, der auch in den ersten Jahren ihres Bestehens
diem Betrieb vorstand.
Der mächtige Aufschwung Ludwigshafens in einem verhältnismäßig kurzen
Zeitraum zu einer industriellen Großstadt kam auch der günstigen Entwicklung
 der Brauerei zugute und brachte ihr einen großen Kundenkreis nd
stetig steigende Absatzziffern. Die Kriegs- und Inflationsjahre, die für
las Braugewerbe durch die Beschränkung der Bierherstellung und durch
die Zerstörung der Kaufkraft der biertrinkenden Bevölkerung eine schwere
Krise brachten, vermochten das gutfundierte Unternehmen nicht zu erschüttern.
 Es konnte nach erfolgter Stabilisierung sein Friedensaktienkapital
im Verhältnis 1:1 auf Reichsmark umstellen und mit der allmählichen
Besserung der Wirtschaftslage den Wiederaufbau hoffnungsvoll beginnen.
        <pb n="308" />
        Gruppe I Brauereien,

307

Das Brauereianwesen, das ehemals von Feldern und Wiesen umgeben war,
liegt heute inmitten der Stadt. Auf einer Bodenfläche von 18000 am nimmt
2s ein ganzes Stadtquadrat ein und ist durch seine schöne Anlage und
reichen Baumschmuck eine oft gerühmte Zierde des Stadtbildes.
Die Brauerei, die zahlreiche Arbeiter und Angestellte beschäftigt, verfügt
über alle modernen Produktionsmittel. Sie besitzt eine große pneumatische
Mälzerei, ein neuzeitlich eingerichtetes Sudhaus, geräumige Lagerkeller mit
eisernen Tanks von je 300 hl Inhalt, ein Maschinenhaus mit modernen Kraftmaschinen,
 zwei Eismaschinen, Küferei, Sattlerei, Schlosserei und Schmiedewerkstätte.
 Für den Biertransport steht ein großer Fuhrpark und wertvolles
 Pferdematerial zur Verfügung.
Die Brauerei ist vorwiegend Platzgeschäft und hat Abnehmer in Ludwigshafen
 und Mannheim mit Vororten und in den Landgemeinden des näheren
Umkreises. Ihre Biere, darunter ein in letzter Zeit unter dem Namen
„Axator“ eingeführtes hochprozentiges Starkbier erfreuen sich beim Publikum
großer Beliebtheit und werden von den Kennern geschätzt.

zn —
        <pb n="309" />
        308

Sonderbeschreibungen:

Verein der Brauereie” 7 Magdeburg
und Umgege”"‘ 32,.V.

Dem Verein gehören folgende Brauereien an:
Actien-Brauerei Neustadt-Magdeburg,
Magdeburg-N.
Die Actien-Brauerei Neustadt-Magdeburg in Magdeburg-Neustadt
 wurde im Jahre 1841 von den Brüdern Albert und
dermann Wernecke gegründet. Infolge des stetig steigenden
Absatzes wurde bereits im Jahre 1853 ein großer Neubau mit
Dampfbetrieb errichtet, dem wenige Jahre später die Erbauung
einer eigenen Mälzerei folgte,
Das Geschäft nahm ständig an Umfang zu, durch weitere
Vergrößerungen und Umbauten wurde den Erfordernissen der
Ausdehnung Rechnung getragen. Im Jahre 1871 erfolgte die
Umwandlung in eine Aktiengesellschaft unter der jetzigen
Firma, die unter Leitung des Herrn Kommerzienrats Gustav
Wernecke eine weitere, bedeutende Betriebserweiterung
zeitigte, so daß das Unternehmen mit in vorderster Reihe der
Brauerei-Großbetriebe Norddeutschlands rangiert. In der
Provinz Sachsen stellt das Unternehmen die größte
Brauerei dar. —
Im Jahre 1905 wurde die Feldschloßbraterei Wittenberge
(Bez. Potsdam) erworben und nach erfolgtem Ausbau dem Gesamtbetriebe
 angegliedert. Die schweren Erschütterungen
nfolge der Zwangsbewirtschaftung des Braugewerbes während
ler Kriegs- und Nachkriegszeiten hat die Gesellschaft ungefährdet
 überstanden. Das Gesamtunternehmen ist heute bei
»inem Aktienkapital von 3400000 Mark auf eine Produktion
von über 300 000 Hektoliter Bier und 120 000 Zentner Malz eingestellt.
 Dem Betriebe dienen 4 Dampfmaschinen mit etwa
300 PS, 3 Elektrogeneratoren mit etwa 400 PS, 4 Eiskompressoren
 mit etwa 600 000 Kalorien, über 220 Pferde, 20 Autos und
Lastzüge, rund 550 Angestellte, Handwerker und Arbeiter.
Das Absatzgebiet erstreckt sich über ganz Mitteldeutschland.
Zur besseren Bedienung der Kundschaft werden an 38 verschiedenen
 Plätzen eigene Bier- und Eiskellereien unterhalten.
Die Produkte erfreuen sich überall allseitiger Beliebtheit. —
Brauerei Bodensteln Aktien-Gesellschaft
zu Magdeburg.
Die Brauerei wurde am 3. August des Jahres 1823 von dem
Sam und Gutsbesitzer August Leberecht Bodenstein gezründet,

Im Anfang wurde obergäriges Braunbier, Weizen-, Lagerbier
und Erntebier gebraut, später ging man dann zur Einführung
des Lagerbieres über und gewann einen größeren Kundenkreis.
Der Brauherr Bodenstein war einer der ersten, welcher zur
Ermöglichung eines geregelten Kühlbetriebes eine Fismaschine
anschaffte und damit die erste derartige Maschine in Magdeurg
 aufstellte.
Nach dem im Jahre 1877 erfolgten Tod des Begründers
3Jahm unter der Leitung seines Sohnes Franz Bodenstein das
Unternehmen einen raschen großen Aufschwung, so daß bedeutende
 Betriebserweiterungen vorgenommen werden mußten.
1886 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft mit einem
Stammkapital von 1200000 Mark verwandelt. Im Jahre 1918
ging dann auch der Betrieb der Buckauer Dampfbierbrauerei
Reichardt &amp;amp; Schneidewin auf die Brauerei Bodenstein über.
Das Grundstück, Sieverstorstr, 10, besitzt ungefähr einen
Flächeninhalt von 36 000 Quadratmeter, wovon über die Hälfte
bebaut ist. Es finden zur Zeit größere Ausdehnungsbauten, die
auf Jahre hinaus verteilt sind, statt. Der innere Betrieb ist
ständig vergrößert worden und entspricht allen neuzeitlichen
Anforderungen.
Das Absatzgebiet erstreckt sich nicht nur auf die Stadt
Magdeburg, sondern auch auf Mitteldeutschland. Es werden
ı1eute eine große Anzahl Bierniederlagen und Eiskellereien in
ler Provinz unterhalten. Der Fuhrpark weist zur Zeit etwa
125 Pferde und eine ganze Anzahl Lastzüge neueren Typs auf.

Sudenburger Brauhaus, Düummer &amp;amp; Döring,
In Magdeburg-Sudenburg.
Das Sudenburger Brauhaus Dummer &amp;amp; Döring in Magdeyurg-Sudenburg
 wurde im Jahre 1882 als offene Handelsgesellschaft
 gegründet und ist als einzige Magdeburger Brauerei his
jeute in Privatbesitz geblieben.

Die Brauerei ist ohne Mälzerei eingerichtet, sie besitzt ein
sudzeug von 40 Zentner Schüttung, Lindes Kühlmaschinen,
‚utomatische Flaschenabfüllanlage usw. .
Hergestellt werden untergärige Lager- und Spezialbiere
5wie obergärige Caramelbiere.
Das Absatzgebiet erstreckt sich in der Hauptsache auf den
;tadtbezirk und die nähere Umgebung von Magdeburg.
Beschäftigt werden etwa 40 Angestellte und Arbeiter. te

Allerthal-Werke A.-6., Grasileben.

Zwischen Magdeburg und Braunschweig im äußersten Zipfel
ıes Landes Braunschweig liegt in unmittelbarer Nähe des
100 Einwohner zählenden Ortes Grasleben das im Jahre 1900
ırbaute Unternehmen, früher genannt: „Brauerei Allerthal“,
eit 1920 „Allerthal-Werke, A.-G., Grasleben“. In der Inflations-‚eit
 wurde der Brauerei, die einen Absatz von etwas über
0000 hl im Jahre hat, eine Gummiwarenfabrik angegliedert,
lie ansteigend ausgebaut, vervollkommnet und vergrößert
vurde, Heute beschäftigt die Gummiwarenfabrik, die in erster
‚inie technische Weichgummiwaren herstellt, durchschnittlich
00 Menschen. Auch eine größere Anzahl von Brauereien sind
tändig Abnehmer. Ein guter Teil der Produktion geht über
lie Grenzen des Landes hinaus.

Klosterbrauerei Hadmersieben, 6. m. b. H.,
Hadmerslieben.
Die Klosterbrauerei Hadmersleben, G. m. b. H., zu Hadmerseben,
 Bez. Magdeburg, besteht seit 1889 und wurde anfangs
‚Js Aktien-Gesellschaft betrieben. Nach Auflösung der Aktienjesellschaft
 ging die Firma in den Besitz der Herren Gebr.
Cühler und im Jahre 1902 in den Besitz der Herren Carney
ınd Herm über. Im Jahre 1905 erfolgte die Gründung der
etzt noch bestehenden Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
)as Stammkapital beträgt — wie aus der Vorkriegszeit überommen
 — 525000 RM. Die Klosterbrauerei Hadmersleben
tellt u. a. als Spezialbiere: Kloster-Pils und Caramelbier
S.K.B.) her und unterhält Niederlagen in:
Magdeburg, Althaldensleben, Ballenstedt, Braunlage,
Valbe a. d. S., Halberstadt, Wanzleben, Schlanstedt.
Der Jahresausstoß betr. 40 000 hl Bier und 1000 000 Flaschen
ılk. Getränke, Der Niederlage Halberstadt ist u. a. die im
ahre 1924 käuflich erworbene Mineralwasserfabrik A. Schraube,
Jalberstadt. angegliedert.

Brauerei Gebr. Niemann A.-6., Staßfurt.

Die Brauerei Gebr. Niemann A.-G. wurde im Jahre 1872 gebaut
‚on den Brüdern August und Wilhelm Niemann und im
ahre 1913 in eine Aktiengesellschaft mit 1% Millionen Aktien-’apital
 gegründet. Der Umsatz ist in den letzten Jahren auf
twa 60000 hl gestiegen und ist weiter im Steigen begriffen.
)er Betrieb ist modernisiert, und augenblicklich werden wieder
’eränderungen vorgenommen, die die Betriebssicherheit noch
ıehr gewährleisten sollen. Verkaufsstellen befinden sich in
Aagdeburg, Halle, Eisleben, Hettstedt, Aschersleben und
‚uedlinburg. Hergestellt werden hauptsächlich Märzenbiere,
‚ber auch Spezialbier. Beide Biere erfreuen sich der be-„nderen
 Beliebtheit des Publikums.

Schulthelss-Patzenhofer Brauerei A.-G. In Dessau.

Die in Dessau domizilierende Abteilung III der Schulteiss-Patzenhofer
 Brauerei A.-G, (vgl. oben S. 251 ff.)
;t wegen der Niederlagen in Magdeburg, Neuhaldensleben,
;cChönebeck a. d. E. und Staßfurt-Leopoldshall auch Mitglied
‚es Vereins der Brauereien von Magdeburg und Umgegend
» V., Magdeburg. Die Niederlage Magdeburg, Olven-;tedter
 Straße 11—14, ist einer der ältesten und beachtlichsten
Zetriebe dieser Art in der Provinz Sachsen, dem der Spezial-‚usschank
 Bärstraße 1b/2, eine gern besuchte Magdeburger
jaststätte, angegliedert ist. Die vorhandenen Bierlager- und
\bfüllräume sind auf das Beste eingerichtet, ein ansehnlicher
;tab von Angestellten und Arbeitnehmern findet lohnende
beschäftigung, und für die Bedienung der Kundschaft ist eine
tattliche ‚Anzahl von Gespannen und Kraftwagen vorhanden.
        <pb n="310" />
        Gruppe I Brauereien,

309

alnzer ‘

N

}

-Hen-Bierbrauerei in Mainz

Die Geschichte von Mainz, der Hauptstadt des wichtigsten
Kurfürstentums des alten Reiches, war von altersher mit dem
Weinbau verbunden. Erst das letzte Jahrhundert mit seinen
technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften machte
auch das Bierbrauen dort heimisch. Und heute besitzt
Mainz in der Mainzer Aktien-Bierbrauerei eines der größten
Brauhäuser von ganz Mittel- und Westdeutschland, Als erste
deutsche Großbrauerei auf Aktien wurde sie im Jahre 1859
von Mainzer Geschäftsleuten mit einem Aktienkapital von
500 000 Gulden gegründet. Sie führte zuerst den Titel
„Breysche Aktienbierbrauerei‘“. 1872 wurde das
Verhältnis mit Brey gelöst. Die Firma nahm ihren heutigen
Namen an. Wenn es ihr gelang, sich zu einem so bedeutenden
Unternehmen aufzuschwingen, so geschah es deshalb, weil sie
neben dauernder Verbesserung und Vergrößerung des Betriebes
 es sich angelegen sein ließ, den Absatz in großzügiger
Weise zu organisieren, einmal durch den Erwerb von zahlreichen
 Gasthäusern, dann auch durch ein weitgespanntes
Netz von Niederlagen und Vertretungen.
Auf dem historischen Kästrich in Mainz, dem alten
Römerlager (castrum). befindet sich die 1903 vergrößerte und
fast vollständig umgebaute Brauerei, ein moderner Fabrikbau,
den die Entlüfter der Mälzerei und die Essen der Maschinenanlagen
 überragen, Die in Naturbruchstein ausgeführten
Baulichkeiten der Brauerei bedecken eine Fläche von 3,13 ha,
die zum Teil dreifach und vierfach unterkellert ist. Sie umschließen
 vier große Höfe, die besonders dem Fuhrbetrieb
weiten Spielraum gewähren. Im Brauhaus selbst ist eine
Mälzerei untergebracht mit Malztennen von 4500 am zum Beschicken
 von vier Doppeldarren. Außerdem hat die Brauerei
drei weitere. Mälzereien in Mainz und Umgebung gemietet.
In diesen vier Mälzereien werden aus etwa 850 Waggons
Gerste: 130000 Ztr. Malz erzeugt. Das Sudhaus besteht
aus . zwei Doppelsudwerken mit 112 Ztr. Schüttung. Sie
haben eine Leistungsfähigkeit von 1800 hl pro Tag und sind
jür direkte Feuerung eingerichtet.
Der Gärkeller, wohl die größte in ‚sich geschlossene
Gärkelleranlage in Deutschland, stellt ein sinziges auf
136 Säulen ruhendes Gewölbe dar, in dem in
Gärbottichen und Gärtanks von je 300 bis 600 hl
10000 hl Jungbier Platz zur Gärung finden. Der
ursprünglich für Obereiskühlung eingerichtete
Keller erhielt im Jahre 1876 als einer der ersten
in Deutschland Kellerkühlung nach dem System
Linde. Heute sind in der Brauerei sieben
Lindesche Kälteerzeugungsmaschinen im Betrieb,
die täglich etwa 8000 Ztr. Blockeis und Eisersatz,
 der in einem Röhrennetz von 40 km Gesamtlänge
 dem einzelnen Räumen zugeführt wird,
erzeugen. Der Lagerkeller faßt 102000 hl
Bier. Er bietet ein interessantes Bild der Entwicklung
 von Brauereikellern in fünf Jahrzehnten.
Neben Tonnenkellern, Langganterkellern befinden

‚ich modernste in reiner Eisenkonstruktion erbaute Hallenkeller,
ron denen die sogenannten Kaiserkeller in vier Stockwerken
ibereinander auf einer Grundfläche von 900 qm Lagerraum
ür 35000 hl Bier bieten. Die Brauerei besitzt drei Brunnenınlagen,
 die täglich etwa 24000 hi Wasser liefern. Eine
sobarometrische Abfüllanlage mit einer Stundenleistung von
60 hl leitet das Bier in die Transportfässer oder in die zur
aschenfüllung bestimmten Biertanks. Die Flaschencellerei
 ist für eine Tagesleistung von 100000 Flaschen
)#ingerichtet. Sie ist mit allen modernen Maschinen versehen,
lie jede Berührung des Bieres mit der Hand ausschließen.
‚ede Flasche, wird durch eine Plombiermaschine mit einer
7ombe versehen, die an den Verschluß so angebunden ist,
laß ein unberufenes Öffnen unmöglich ist.
Fünf zum Teil doppelt übereinanderstehende Cornwalllampfkessel
 von zusammen 620 am Heizfläche liefern den
J)ampf für acht Dampfmaschinen von zusammen 1200 PS, die
n drei Maschinenhäusern untergebracht sind,
An Nebenbetrieben hat die Brauerei in der Kriegs- und Nachtriegszeit,
 während der die Bierbereitung so stark unterunden
 war, aufgenommen und dauernd beibehalten:
1. ein Kühlhaus mit 1321 qm Kühlhallen, das zur Zeit allerıngs
 von der französischen Besatzungsbehörde zur Konsernerung
 des Fleischbedarfs der Armee du Rhin requiriert ist
ind für diese betrieben werden muß; und .
2. eine Sauerstoffabrik, in der nach den Lindeschen Patenten
‚tündlich 50 cbm reiner Sauerstoff aus der Atmosphäre gevonnen
 und in Stahlflaschen verdichtet zum Verkauf geıracht
 werden,
Die Brauerei beschäftigt zur Zeit 95 Beamte und 295 Arbeiter.
8 Personenautos, 25 Lastkraftwagen, 55 Pferde sowie
21 Kühlwaggons dienen ihrem Personen- und Warenverkehr.
Sie ist weitaus die größte Braustätte am Rhein.
Bierniederlagen befinden sich u. a. in Aachen, Ludwigshafen,
Wiesbaden, Mannheim, Köln, Koblenz, Bonn, Düsseldorf,
Frankfurt, Gießen, Fulda, Saarbrücken, Darmstadt,
 Worms, Heidelberg usw. In. Mainz und
seiner Umgebung wird das Bier in etwa
250 Gasthäusern ausgeschänkt. In der Stadt
Mainz gehören der Brauerei 53 eigene Wirtschaftshäuser,
 u. a. die Bierhalle am Bahnhof,
die Gasthäuser „Zum Heilig Geist‘, Brauhauskeller
 „Zum Rad“, das Brauhaus „Zum Gutenberg“,
Das seit Römerzeit als Symbol für das alte
Moguntiacum gebräuchliche Mitrasrad charakterisiert
 in Wort und Bild auch die Marken der
Brauerei, Diese sind als „Rad‘, „Doppel Rad“,
„Doppelrad Gold“ und „Mainzer Rad-Pils‘“ in
ganz Deutschland sowie Holland, Belgien und
Frankreich bestens bekannt.
        <pb n="311" />
        310

Sonderbeschreibungen:
SSR

qq.

ma.
CE

A

3

ur

Das im Jahre 1736 gegründete Bürgerliche Brauaaus
 zum Habereck]l, Adolph Dingeldein, Mannheim;
st die einzige sich heute noch in Privatbesitz befindende
 Bierbrauerei Mannheims, der über eine
Viertelmillion zählenden größten Stadt Badens. Die
Brauerei Habereckl ist die älteste Braustätte am
Platze, und dürfte die Bezeichnung „Habereckl“
wohl eine Ableitung von dem Namen des einstigen
Besitzers Abreck sein, der dann das Anwesen seinem
Schwiegersohn, dem Bierbrauermeister .Johs. Sewald,
 verkaufte, welcher nun das erste Bier .im
„Habereckl]“ braute.
Nachdem die Brauerei Habereck1 im Laufe der
Zeit mehrmals den Besitzer wechselte, wurde dieselbe
 schließlich im Jahre 1901 von Herrn Adolph
Dingeldein erworben. Herr Dingeldein, einer alten
Brauerfamilie entstammend und mit durch langährige
 Tätigkeit in verschiedenen Brauereien gesammelten
 reichen Erfahrungen und Kenntnissen
ausgerüstet, machte es sich nun zur größten Aufgabe,
die mit vollkommen veralteter Einrichtung verzehene
 Brauerei durchgreifend zu reorganisieren,
ım die‘ Leistungsfähigkeit des Betriebes zu erhöhen.
Daß ihm dies gelang, dafür sorgte in erster Linie die
vorzügliche Qualität der von ihm gebrauten Biere,
die weit über Mannheim hinaus als erstklassig bekannt
 ist. Als bester Beweis hierfür mag noch
gelten, daß Herrn Dingeldein bereits im Jahre 1911
anläßlich der Kochkunstausstellung in Mannheim als
zinziger Kleinbrauerei die goldene Medaille und der
Chrenpreis der Stadt Mannheim für hervorragende
„‚eistungen zuerkannt wurde.
Der Ausbruch des Weltkrieges und die im Verlauf
desselben angeordnete Zwangsbewirtschaftung des
Getreides brachten der Brauerei Habereckl schwere
Jahre, der Betrieb mußte zuletzt vollkommen stillzelegt
 .werden.
Herrn Dingeldeins erstes Bestreben nach dem
Kriege war der Aus- und Umbau des Gesamtbetriebes,
 zu welchem Zwecke er noch einige Nachbaranwesen
 erwarb. Der Betrieb in seiner heutigen
Gestaltung darf sicherlich den Anspruch erheben,
nach mödernsten betriebstechnischen Grundsätzen
organisiert und geleitet zu sein. Ein Sudwerk mit
Feuerkochung ermöglicht höchste wirtschaftliche
Ausbeute der Brauprodukte Hopfen und Malz, zwei
neuerrichtete übereinanderliegende Gärkeller sind
mit Aluminiumbottichen ausgestattet und mittels

"uftkühlsystems in richtiger Temperatur gehalten.
J)ber den Gärkellern befindet sich ein großer Anstell-»ottich
 und ein Berieselungsapparaf. Die voll-;tändig
 mit Korkisolation versehenen Lagerkeller
ind neben Lagerfässern hauptsächlich mit modernen
\luminiumlagerfanks eingerichtet. Die Kellerkühlung
vird durch zwei Kühlmaschinen mit zusammen
80000 Cal. Stundenleistung vorgenommen. Das
ür die Kundschaft und den Betrieb benötigte Eis
vird in eigener moderner Eisfabrik hergestellt. Die
Irzeugung von Licht und Kraft geschieht mittels
’iner Dieselmotorenanlage, der teilweise bezogene
"remdstrom wird in eigener Transformatorenstation
uf Betriebsstärke umgewandelt.
Das Abfüllen des Bieres und das Reinigen der
ransportfässer erfolgt unter größter Sorgfalt und
nit Hilfe modernster technischer Apparate.
Diese vorbildliche zweckmäßige Einrichtung des
jefriebes und die große Nachfrage der allseits beebten
 Haberecklbiere — es werden Hell und
)unkel Lagerbier, Hell Spezialbier und während des
ranzen Jahres ein vorzügliches Bockbier gebraut —
nachten es möglich, daß sich der Ausstoß auf das
)oppelte der Vorkriegszeit erhöhte. « Außerdem
ommt alljährlich am 19. März (St, Josephstag) ein
rut eingebrautes Bockbier zum Ausschank und spielt
ich dann in der bei der Brauerei befindlichen
rauereiwirtschaft und dem nebenanliegenden „Brautübl“
 ein recht gemütliches Bockbierfest ab.
Die Brauerei‘ Habereckl beliefert außer diesen
‚wei Ausschankstellen noch zahlreiche Gastwirt-‘Chaften,
 Flaschenbierhändler usw.
Leider war es Herrn Adolph Dingeldein nicht verzönnt,
 das von ihm Geschaffene weiter wachsen und
vedeihen zu sehen, da derselbe seinem Wirkungskreis
ım 11. Mai 1929 durch den Tod entrissen wurde.
\Heininhaberin der Brauerei ist seitdem Frau
;ophie Dingeldein. Ihre zu Prokuristen ernannten
'eiden Söhne Fritz und Hans Dingeldein sind mit
ler Gesamtleitung des Betriebes betraut, waren sie
loch beide längere Zeit in verschiedenen Brauereien
les In- und Auslandes tätig und schon bei Lebzeiten
hres Vaters diesem eine tatkräftige Stütze.
Durch die Erzeugung eines wie bisher vorzügichen
 „Stoffes“ den überlieferten Ruf der Habereckl-3iere
 zu wahren, wird der jetzigen Inhaberin und
hrer Söhne vornehmstes Bestreben sein.
        <pb n="312" />
        Gruppe 1 Brauereien.

311

Bıerbrauerei Durlacher Hof A.-G.
vorm. Hagen, Mannheım.

Die Geschichte dieser angesehenen Braustätte
‚äßt sich mehr als 120 Jahre zurückverfolgen. Am
27. November 1807 wurde dem Herrn Georg Moll
von Mannheim die erbetene „Schildgerechtigkeit“
auf sein neuerbautes Haus P. 5 Nr. 2 — „Zum Durlacher
 Hof“ genannt — erteilt. Dieses Anwesen
ging späterhin auf Herrn Jakob Moll über, welcher
am 24. September 1823 um Aufnahme als Bierbrauergeselle
 in die Bierbrauerzunit nachsuchte.
Am 23. Februar 1824 wurde ihm die Erlaubnis erteilt,
 eine Braustätte zu errichten und Bier zu verzapfen.
 Die Brauerei blieb dann in Händen der
Familie Moll. .
Nach dem Tode von Frau Moll Wwe. im Jahre
1876 erhielt Herr Heinrich Philipp Hagen, dessen
in San Franzisko lebende Mutter eine Schwester der
Verstorbenen war, als Erbteil die Wirtschaft „Zum
Durlacher Hof“ zugewiesen, die er einige Zeit selbst
iührte. .
Der mächtige Aufschwung des Braugewerbes in
den siebziger Jahren und die Erfolge anderer Brauereien
 veranlaßten Herrn Hagen, die längere Zeit
stillgelegene Braustätte wieder zu betreiben. Da
jedoch der Entwicklung eines derartigen Betriebes
im Stadtinnern infolge der vielen Vorschriften ungemein
 hemmende Grenzen gezogen waren, erwarb
er im Jahre 1879 den in der Nähe des Exerzierplatzes
 gelegenen Bierkeller der Frau Lang Wwe.,
und ließ dort eine neue kleine Brauerei erbauen.
Dieser Betrieb war im Vergleich zu der heutigen
stattlichen Brauereianlage noch recht bescheidener
Natur. Im Juli 1880 konnte das erste Bier zum
Ausstoß gebracht werden.
In den folgenden Jahren stand die Brauerei im
Zeichen eines ungehemmten Aufstieges. Das
Brauereiareal erwies sich bald als zu klein, weshalb
Herr Hagen im Februar 1883 den anstoßenden Bierkeller
 „Zum Prinz Max‘ des Herrn Rickert käuflich
erwarb. Im gleichen Jahre wurde auch die erste
Eismaschine angeschafft,

Am 15. März 1887 vernichtete ein Schadenfeuer
jen Mittelbau (Sudhaus) der Brauerei. Bei dem
sofort in die Wege geleiteten Wiederaufbau kam
rYleichzeitig eine größere .Eismaschinenanlage zur
\ufstellung.
Von großem Einfluß auf die weitere Entwicklung
ier Brauerei war ihre im Jahre 1894 erfolgte Umvandlung
 in eine Aktiengesellschaft,
Herr Heinrich Philipp Hagen, der am 28. Sepamber
 1896 nach kaum zweijährigem Bestehen der
esellschaft aus dem Leben schied, war Vorsitzender
les Aufsichtsrates. Die Leitung selbst lag in Händen
jeines Schwiegersohnes, des Herrn Direktor Philipp
3Zohrmann. Als weiterer Mitarbeiter verdient Herr
akob Loos genannt zu werden, der während vierzig
ahren das Amt des Braumeisters in ganz vorbildicher
 Weise bekleidete.
Ein äußerst flotter Geschäftsgang nötigte zu ganz
jedeutenden Vergrößerungen des Braubetriebes und
zu einem fortschreitenden Ausbau der Produktionsnittel.
 So wurde im Jahre 1896 ein der Brauerei
segenüberliegendes Terrain angekauft und auf
liesem neue Stallungen für 36 Pferde errichtet.
Die alte Stallung in der Brauerei wurde abgebrochen
ind an ihre Stelle eine neue Dampfkesselanlage erichtet,
 während durch Entfernung des alten Dampfzessels
 im Innern der Brauerei der erforderliche
Matz ‚für die Aufstellung einer 200-PS-Dampfnaschine
 gewonnen wurde. Fast gleichzeitig wurden
zrößere Kellereien mit darüberliegendem Hochbau,
ler für die Faßwichse und als Verladeraum diente,
angelegt.
Wiederholt mußte der Betrieb bedeutenden Versrößerungen
 unterzogen werden, wobei nach jeder
zichtung hin alle Fortschritte auf brautechnischem
Gebiete umfassende Verwertung fanden. So entvickelte
 sich die Brauerei Durlacher Hof im Laufe
ler Jahre zu einem modernen Großbetrieb, dessen
Ausstoß bis zum Jahre 1914 nahezu 100000 hl
arreichte.
        <pb n="313" />
        312

Sonderbeschreibungen:
De

Nach dem plötzlichen Tode des Herrn Direktor
Bohrmann am 12. März 1915 ging die Leitung in
die Hände . seines seit 1909 in der Firma tätigen
Sohnes, Herrn Philipp Bohrmann, sowie des seit
1912 in der Firma tätigen Herrn Josef Meyringer
über.
Nach dem Kriege erfolgte die Übernahme des
Kontingentes der Brauerei J. H. Rau, Mannheim,
nebst deren an die Brauerei Durlacher Hof anstoßenden
 Mälzerei, die mit dem Hauptbetrieb durch
Elektrifizierung verbunden wurde. Trotz aller
Schwierigkeiten gelang es, das Unternehmen über
die Fährnisse und Wirrsale der Kriegs- und Infationsjahre
 sicher hinüberzuleiten und seine Selbständigkeit
 zu erhalten. Natürlich wurde auch in den
Nachkriegsjahren nicht versäumt, den Braubetrieb
in allen seinen Teilen stets zu modernisieren, so daß
er heute allen neuzeitlichen Anforderungen voll und
ganz entspricht.
Der Malzbedarf wird zum größten Teil in der
eigenen, modernst eingerichteten pneumatischen
Trommelmälzerei und in einer in Heidelberg gelegenen
 Tennenmälzerei selbst erzeugt. Der Transport
 der Gerste und des Malzes erfolgt mittels Gebläse.
 Das licht- und Iluftdurchflutete Sudhaus mit
sauberem Fliesenbelag und freundlicher Wandver-‘äfelung
 überrascht sowohl durch die architektonisch
vorbildliche Raumgliederung als auch durch seine
mustergültige Ausstattung mit einem modernen
Maischefilter-Doppelsudwerk von 90 Zentner
Schüttung für Dampfkochung. Von hier aus nimmt
die Würze über ein großes Kühlschiff und Beriesler
ihren Weg in den Gärkeller, woselbst sie nach dem
Zusatz von Hefe in großen, mit Außenvertäfelung
versehenen Betonbottichen der Vorgärung unterliegt.
Der ‚ausgedehnte Lagerkeller ist neben den traditionellen
 Holzfässern mit stattlichen Aluminium- und
Stahltanks belegt und ermöglicht die Lagerung von
etwa 20 000 hl Bier.
Zur Behandlung schadhafter Fässer sind eine
eigene Küferei und eine moderne automatische
Picherei-Anlage vorhanden; die Faßwäsche erfolgt
unter Wahrung größter Sorgfalt mit Hilfe einer
ebenfalls vollautomatischen Faßwaschmaschine. Das
Abfüllen des Bieres in Fässer vollzieht sich in einer
großen Halle vermittels vierhähniger isobarometr.
Abfüllapparate; außerdem verfügt der Betrieb auch
über eine moderne Flaschenfüllanlage. In allen Abteilungen
 ist peinlichste Sauberkeit zum Prinzip
erhoben.
Der für den Brauerei- und Mälzereibetrieb erforderliche
 Kraft- und Lichtbedarf wird selbst erzeugt.
 Die hierzu erforderlichen Einrichtungen bestehen
 aus drei Kornwallkesseln von je 100 am

Heizfläche, zwei Dampfmaschinen von zusammen
300 PS, elektrischen Krafterzeugungs- und Überragungsanlagen.
 Als. vollständige Reserve für den
jesamtbetrieb ist außerdem eine städt. Hoch-;pannungs-,
 verbunden mit neuzeitlicher Gileichichteranlage
 vorhanden. Den Zwecken der Keller--ühlung
 und Eiserzeugung dienen drei Linde-FEisompressoren,

Zu erwähnen sind noch gut gekühlte Hopfenräume
nit reichen Beständen erstklassiger Saazer und
Tallertauer Hopfens, besteingerichtete Werkstätten,
einliche Stallungen und moderne Garagen sowie
las erst jüngst zweckmäßig umgebaute Verwaltungs-‚ebäude.
 Eigene Aufenthalts- und Speiseräume,
)Yäder und Pensionseinrichtungen für das größteneils
 langjährige Personal zeugen von dem vorbildichen
 Wirken der Gesellschaft auch auf dem Gebiete
ler sozialen Fürsorge.
Die, Produktion der Brauerei umfaßt: helle und
iunkle- Lagerbiere, helle und dunkle Spezialbiere
ınd in der Saison helle und dunkle Starkbiere.
Da die Brauerei Durlacher Hof nur beste Rohtoffe
 verarbeitet und sämtliche Brau- und Gärungs-'‚orgänge.
 einer sorgfältigen Kontrolle unterliegen,
tellen ihre Erzeugnisse gut ausgereifte „Qualitätswere‘
 von edelstem Geschmackscharakter und
‚rößter Wohlbekömmlichkeit dar, und sie erfreuen
ich als solche seit langem größter Beliebtheit und
veitester Verbreitung. .
Das Absatzgebiet der Brauerei erstreckt sich
auptsächlich auf den Platz Mannheim und dessen
ähere Umgebung; die Belieferung der zahlreichen
\bnehmer erfolgt teils durch Lastzüge und Pferde-‘uührwerke,
 teils durch die Bahn. ;
In Mannheim besitzt die Brauerei einen eigenen
Jauptausschank. Es ist dies der im Zentrum der
Stadt gelegene, bekannte und vielbesuchte „Duracher
 Hof‘, die Geburtsstätte der Brauerei und zuzleich
 Mannheims größte Bierlokalitäten.
Die Leitung des Unternehmens liegt, wie bereits
»rwähnt, in Händen der Direktoren Philipp Bohrnann
 und Josef Meyringer, denen vier Prokuristen,
in Braumeister, sowie eine Anzahl bewährter pflichtreuer
 Beamten, alle mit nur langjähriger Dienstzeit,
ınd ein alter Stamm von Vorarbeitern und Arbeitern
zur Seite stehen.
Den Vorsitz im Aufsichtsrat führt seit einer langen
veihe von Jahren Herr Geh. Kömmerzienrat Dr. jur.,
Dr. h. c. Richard Brosien, Mannheim. Außerdem
zehören dem Aufsichtsrat noch als Mitglieder. an:
"räulein Lulu Hagen, München; Frau Elise Bohrnann,
 Freiburg i.Br. und Herr Kommerzienrat
Jr. jur. Karl Jahr, Direktor der Rheinischen Credit-»ank
 Mannheim. (Auszug aus „Industrielle Welt‘*_)
        <pb n="314" />
        Gruppe I Brauereien,

312

Die
inchener Brauindustrie.

%

Nicht immer war es so, daß Bayern als das „Bierland“
 bezeichnet werden konnte. Es gab eine Zeit,
in welcher man in Bayern mehr Wein.als Bier getrunken
 hat. Das ist allerdings schon lange her.
Denn im 9. Jahrhundert schon wurde in fürstlichen
Krongütern Bier hergestellt, Aber nicht für das gewöhnliche
 Volk, sondern für die Fürsten selbst und
ihre Hofhaltungen. Ludwig der Fromme verlieh
dann später Privilegien zum Bierbrauen an einzelne
Klöster: die geschäftstüchtigen Mönche, die sich
längere Zeit das Gebräu nur für den eigenen Bedarf
herstellen durften, erwirkten die Erlaubnis zur Bierabzabe
 an die Bevölkerung, und so kam das Bier in
Bayern immer mehr zur Aufnahme, aber auch zur
Beliebtheit. Es dauerte jedoch lange, und zwar bis
zum 14. Jahrhundert, bis das Bierbrauen von den
Landesvätern einzelnen Bürgern erlaubt wurde und
damit das „Prey“-Gewerbe entstand. In diese Zeit
fallen die Anfänge der heutigen Münchener
Brauereien. Welchen Umfang das bayerische Brauzewerbe
 angenommen hat, ist allgemein bekannt.
Sicherlich trug die für den Gersten- und Hopfenbau
besonders geeignete Bodenbeschaffenheit vornehmlich
 für die immer. weitere Verbreitung des Bieres
als Volksgetränk bei. Das allmähliche Wachstum

les einstigen Dorfes „Munichen‘“ zur Stadt und zur
Zesidenz des Landes erklärt die Entwicklung,
velche Gewerbe und Handel in München erfahren
1aben. Das Brauerhandwerk hat mit dieser Ausiehnung
 tapfer Schritt gehalten und um die Mitte
les 19. Jahrhunderts hatte die Münchener Bierarzeugung
 bereits eine halbe Million Hektoliter ereicht.
 Sie stieg dann bis zum Ausbruch des Krieges
uf fast vier Millionen Hektoliter. Fachleuten ist ja
ı1ekannt, daß München die Heimat ist von beühmten
 Pionieren der Braukunst. 1821 wurde von
jedlmayr schon die erste Heißluftdarre eingerichtet,
834 gelangte durch Sedlmayr der erste Saccharoneter
 in München zur Verwendung; um 1840 wurde
lie erste Mischmaschine eingerichtet und 1845 von
’schorr die ersten großen Lagerkeller mit Eis--ühlung
 erbaut. Mit Einführung der Eisenbahnen
ınd der Dampfierverbindungen begann der Weltruf
‚es Münchener Bieres, der auch durch die lange
Jnterbrechung der Geschäftsverbindungen durch die
Criegszeit nichts eingebüßt haben dürite.
Die Münchener Brauereien haben sich heute in
Ääroßbetriebe konzentriert, deren Entwicklung und
3edeutung nachstehende Zeilen gewidmet seien.

Aktienbrauerei zum Löwenbräu in München.

Die Anfänge dieses Bräuhauses
lassen sich bis zum Jahre 1383 zurück
 verfolgen. Seine Wiege stand
nächst der Frauenkirche in der
Löwengrube. Dort blieb der
Bratereibetrieb bis anfangs des
19. Jahrhunderts. Noch heute befindet
 sich an einem der dortigen
Häuser ein altes, in Stein gehauenes Löwenrelief,
das an die ehemalige Braustätte erinnert.
Ein tüchtiger Brauer, Georg Brey, welcher
am 9. Oktober 1818 das Löwenbräuanwesen in der
Löwengrube erworben hatte, errichtete 1826 Ecke
der Nymphenburger und Dachauer Straße ein neues
Bräuhaus, welches mächtig florierte und im Jahre
1839/40 bereits die höchste Sudzahl der Münchener
Brauereien erreichte. Ende der vierziger Jahre verlegte
 Brey. der als ein unermüdlicher Vorkämpfer

les Brauwesens bezeichnet werden kann, den
ranzen Betrieh nach.der Nympenburger Straße, wo
ich das Löwenbräuunternehmen heute noch beändet.
 Im Sudiahre 1865 hatte die Löwenbrauerei
jereits den vierten Teil des gesamten Malzzerbrauches
 aller Münchener Brauereien aufzuveisen.
 Am 8. Januar 1872 wurde das Unternehmen
n eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren
veitung zunächst Ludwig Brey, der Sohn des Obenzenannten,
 übernahm. Außer einigen kleineren Betrieben
 wurden die Mathäserbrauerei, die Unionsjrauerei
 Schülein &amp;amp; Co. A.-G., sowie das Bürgeriche
 Brauhaus (Münchener Bürgerbräu) in den Berieb
 der Aktienbrauerei zum Löwenbräu aufrenommen,

Heute ist die Aktienbrauerei zum Löwenbräu in
München die größte Brauerei Bayerns und eine der
‚edeutendsten und größten Brauereien überhaupt. Ihr
        <pb n="315" />
        dr
dd,

Sonderbeschreibungen:
die ausgedehnten Lagerkeller gestatten eine gleichzeitige
 Lagerung von etwa 210000 hl Bier. Die
Sismaschinen erzeugen neben der Kellerkühlung
ährlich bis zu 800000 Ztr. Eis. Ein mit allen
1ötigen Instrumenten und Apparaten versehenes
3etriebslaboratorium ‚ermöglicht die eingehende
7rüfung der verwendeten Rohmaterialien sowie des
3ieres während des Brau- und Gärprozesses bis zur
Öölligen Fertigstellung, Die Hefe in Reinkulturen
vird für verschieden hohe Vergärungen und den
nancherlei Geschmacksrichtungen entsprechend gezüchtet
 und vermehrt, Eine mustergültige Flaschenüllereianlage
 bewältigt eine Menge von täglich weit
iber 100 000 Flaschen.
Außer der Hauptabteilung ist die frühere Bürger-)rauerei
 mit mustergültigen -Sud- und Miälzereiınlagen
 voll in Betrieb.

Hauptabsatzgebiet ist Bayern, aber auch im übrigen
Deutschland sind ihre Biere in jeder Stadt von nur
einiger Bedeutung anzutreffen. Sie betreibt auch ein
lebhaftes Exportgeschäft nach allen Ländern der
Welt. Ihre Marke, der stilisierte, aufrecht
schreitende, doppeltgeschwänzte heraldische Löwe
ist überall bekannt.
Dem Mälzereibetrieb dienen 121 Malztennen mit
22600 qm Flächeninhalt und 23 Malzdarren. Zur
Bierbereitung werden benötigt jährlich etwa
450 000 Ztr. Gerste, welche die Brauerei in ihren
eigenen Mälzereien in Malz zu verarbeiten vermag,
und über 3000 Ztr, Hopfen. In 7 Doppelsudwerken
können täglich etwa 5000 hl Bier hergestellt werden.
Für die Hauptgärung sind gewaltige moderne Gäranlagen
 vorhanden; hier vollzieht sich die Gärung
in großen, je bis zu 650 hl fassenden Großsgefäßen.

DPschorrbräu Aktiengesellschaft, München. '

Als junger Bursche
 wanderte der
Begründer der
Pschorrbrauerei,
Jos. Pschorr
(1770—1848), aus
dem benachbarten
Dorfe Kleinhadern
nach München. Beim
damaligen,.Kandlerbräu‘“
 fand er auf
seinen Zuspruch Aufnahme zur Erlernung des Brauerhandwerks.
 Als er ein tüchtiger Meister geworden
war, gab ilm sein letzter Lehrherr, Peter Hacker,
seine Tochter zur Frau und gleichzeitig sein Bräuhaus
an der Sendlinger Gasse in München — das Hackerbräu
 — zu Eigentum. Durch unermüdlichen Fleiß und
Sparsamkeit brachte der „Eidam“ das Geschäft vorwärts,
 so daß er im Jahre 1830 an die Vergrößerung
des Betriebes herantreten konnte. Gg. Pschorr
kaufte sich mehrere kleine Anwesen in der Neuhauser
 Gasse, an deren Stelle er ein großes Brauhaus
errichtete, das die Münchener mit Verwunderung
entstehen sahen, denn es war in für die damalige
Zeit außergewöhnlichem Ausmaße gehalten. Nach
alten Urkunden läßt sich der Bestand der durch den
Neubau verdrängten Bräustätten bis zum Beginn des
15. Jahrhunderts verfolgen. Das Hackerbrauhaus
an der Sendlinger Straße wurde zunächst mit weitergeführt.
 Ursprünglich waren also sowohl Hackerbräu
 als auch Pschorrbräu im Besitz von Jos.
Pschorr. Während das Hackerbräu 1881 in eine
Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, blieb die
Uschorrbrauerei bis heute in dem Besitz der Familie

Aschorr. Seit 1922 wurde der Besitz in die Form
ner Aktiengesellschaft umgewandelt, die Aktien
’efinden sich aber heute noch im alleinigen Eigentum
ler Familie. Die beiden Söhne des Begründets
los. Pschorr, Georg und Mathias, teilten sich in den
zäterlichen Besitz. Ersterer erhielt das Pschorryräuanwesen
 in der Neuhauser Straße, letzterer das
Tackerbräu an der Sendlinger Straße. Im Jahre 1864
ibergab Gg. Pschorr die Brauerei seinem einzigen
Sohne, der auch des Vaters Vornamen trug. Georg
7schorr, der jüngere, dessen Betrieb in der Neusauser
 Straße rasch emporblühte, legte bald darauf
len Grund zu der heutigen Großbrauerei an der
3ayerstraße, in die 1877 die gesamte Brauerei und
Aälzerei verlegt werden konnte. Die Ausdehnung
ier neuen Anlage kam dank der fortgeschrittenen
PFechnik, die sich Georg Pschorr fortlaufend dienstar
 machte, und dank der Beliebtheit, deren sich sein
irzeugnis erfreute, zu einer dauernden, raschen
intwicklung. Den weiteren Ausbau des Unteriehmens
 führten seine 3 Söhne: August, Georg
"heodor und Josef Pschorr durch, so daß der
jetrieb heute mit Recht zu den am neuzeitlichsten
ingerichteten Brauereien zählt. Im Jahre 1922 trat
ler Sohn August Pschorrs, Dipl.-Ing. Walter
&amp;gt;schorr, und 1923 Hans Pfülf, der Schwiegersohn
ig. Th. Pschorrs, in den Betrieb ein. Nicht nur die
Aünchener, sondern die deutsche Brauindustrie hat
n mehr als 100 Jahren im Hause Pschorr ihre
‚ebenskraft bewährt. Vier Generationen haben an
lem prächtigen Blühen und Gedeihen dieser Weltruf
renießenden Braustätte teilgenommen. Es ist gewiß
n seltener Fall, daß ein Braubetrieb sich vom Urzroßvater
 auf den Urenkel in stetig steigender Beleutung
 fortgeerbt hat.
        <pb n="316" />
        Gruppe I Brauereien,

815

Aktiengesellschaft Hackerbräu, München.

Der „Stammbaum“ kann bis
zum Jahre 1417 verfolgt werden,
 weshalb sich diese Jahreszahl
 auch in der Schutzmarke
 der AHackerbrauerei
verewigt findet. Als man
München noch in vier fast
gleich große Stadtviertel einteilte,
 befand sich darunter
auch das „Haggenviertel‘“. In denMatrikelbüchern der
Pfarrei St. Peter, zu deren Sprengel das Haggenviertel
 gehörte, sind schon die einzelnen Besitzer von
Haus- und Braugerechtsame des „Prewm Haggenviertel“
 aufgezeichnet. Das Wahrzeichen des
heutigen Hackerbräu, 2 gekreuzte Äxte, trug schon
damals der „Haggenbrew“. Das kleine Brauhaus
nahm im Laufe der Jahrhunderte an Ausdehnung zu.
Es wurden Grundstücke dazu gekauft, der Betrieb
erweitert und modernisiert und neue Bierkeller angelegt.
 Als der Betrieb inmitten der Stadt sich nicht
weiter ausdehnen, der Nachfrage nach dem beliebt

sewordenen Stoff nicht mehr genügen konnte,
vurden im Jahre 1863—1865 neue große Brauereiınlagen
 in der Bayerstraße erbaut und mit allen
echnischen Neuerungen der damaligen Zeit ausrestattet.
 Auf dem gleichen Platze steht heute noch
lier inzwischen zur Großbrauerei gewordene Betrieb,
ı1achdem er bereits im Jahre 1881 in eine Aktienresellschaft
 umgewandelt wurde. Aus der Höhe des
jründungskapitals von 3600 000 M. mag ersichtlich
‚ein, welch’ enorme Entwicklung das Unternehmen
is dahin schon genommen hatte. Nachdem die
Jackerbrauerei in den letzten Jahren noch andere
rrößere Brauereien, so die Münchener Kochelyrauerei
 und die Schloßbrauerei Tutzig in sich: aufrenommen
 hat, zählt das Unternehmen heute zu den
rrößten Aktienbrauereien Bayerns. Das Hackerıräubier
 ist nicht nur in München, im übrigen
3ayern und im Reiche sehr verbreitet, sondern die
3rauerei unterhält auch ein bedeutendes Exportzeschäft,
 so daß sie das Schlagwort „Hackerbräu hat
Weltruf“ mit Recht in ihren Anpreisungen benützt.

Gabriel und Jos. Sedlmayr,
Spaten-Franziskaner-Leistbräu A.-G., München.

Zwei große Brauereien sind hier
seit 1922 zu einer Aktiengesellschaft
 vereinigt; in beiden wird
a gesotten. Das Stammhaus der
Eur Spatenbrauerei liegt in der Neu-NL
 nauser Straße, Seine Geschichte
fan %p läßt sich urkundlich bis 1470 ver-Schütz
 Markg folgen, mit großer Wahrscheinlichkeit
 reicht sie aber zurück bis ins 14. Jahrhundert.
 Der Name Spatenbrauerei stammt aus der
Besitzzeit einer Familie Späth, welche von 1622 bis
1724 in den Grundbüchern als Eigentümer des Brauhauses
 erscheint. Der aus einer alten Brauerfamilie
 stammende Hofbraumeister Gabriel Sedlmayr
erwarb dann 1807 von der Familie Süßmair diese
Brauerei, die von den 57 Münchener Brauereien der
damaligen Zeit noch zu den kleinsten zählte. Damit
begann für die Spatenbrauerei die Zeit der Entwicklung
 und der Blüte. Schon 1812 waren Verbesserungen
 und Erweiterungen vorgenommen und
die Brauereianlage auf den Stand gebracht, wie sie
an dem im Deutschen Museum befindlichen Modell
ersichtlich ist. Als Gabriel Sedlmayr 1839 starb,
hinterließ er seinen Söhnen Joseph und Gabriel einen
Betrieb, der im Bierabsatz bereits die vierte Stelle
ınter den Münchener Brauereien einnahm. 1842

rennten sich die Brüder. Der
\ltere (Joseph) erwarb von
Johann Haindl die Leistbrauerei
n.der Sendlinger Straße, wäh-‚end
 Gabriel (der Jüngere) den
‚äterlichen Besitz behielt.
Die Geschichte‘ der Leistrauerei
 dürfte verschiedenen Anzeichen nach im
4. Jahrhundert. beginnen; der erste urkundliche
Jachweis stammt aus dem Jahre 1547.
Die beiden Sedlimayr galten bald als außerzewöhnlich
 tüchtige Fachleute und genossen als
;olche einen besonderen Ruf in der ganzen Brauervelt.
 Sie erweiterten ihre Kenntnisse noch durch
vissenschaftlichen Unterricht und durch Reisen ins
‚usland. Ihre Überlegenheit in der Kunst des Bier-‚rauens
 wußten sie mit großer .Tatkrait in ihren
Irauereien zur Geltung zu bringen. Die Erfolge
‚lieben auch nicht aus. Die Anlagen im Stadtinnern,
l.h. die Leistbrauerei in der Sendlinger Gasse und die
Spatenbrauerei in der Neuhauser Gasse wurden zu
lein. Gabriel verlegte 1851 die Spatenbrauerei in
lie neue, in großen Ausmaßen erstellte Brauerei in
ler Marsstraße, Joseph kaufte 1861 den Franziscanerkeller
 in der Hochstraße und erbaute dortselbst
:;benfalls eine große moderne Brauerei, an welch
        <pb n="317" />
        316
beiden Stellen sich die Brauereien heute noch befinden,
 nachdem sie fortgesetzt bedeutende Erweiterungen
 erfahren haben.
Die heutige Bedeutung beider Betriebe ist so bekannt,
 daß sie keiner Erwähnung bedarf. 1874 übergab
 Gabriel Sedlmayr die Spatenbrauerei seinen
3 Söhnen: Johann, Karl und Anton. Die beiden
Letzteren nahmen 1911 ihre Söhne Heinrich und
Fritz in die Firma auf, welche sie nach dem 1920
erfolgten Tode des letzten der Vorbesitzer weiterführten.

Die Franziskaner-Leistbräu hatte Joseph Sedlmayr
 im Jahre 1875 seinem Sohne Gabriel übergeben,
 der sie 1908 in eine Aktiengesellschaft als
Familiengründung unter der Firma Jos. Sedlmayr,
Brauerei zum Franziskanerkeller (Leistbräu) A.-G.
umwandelte. 1922 vereinigtensich die beiden Sedlmayr-Betriebe
 zu einer Familien-Aktiengesellschaft,

Sonderbeschreibungen:

lie jetzige „Gabriel u. Jos. Sedlimayr, Spaten-“ranziskaner-Leistbräu
 A.-G.“ Die beiden Betriebe,
n denen — wie eingangs erwähnt — gesotten wird,
nfassen in ihrer räumlichen Ausdehnung ganze
Stadtteile. Von der Gesamtfläche von 162000 am
ind nicht weniger als 68 500 am unterkellert. Die
Aälzereien können jährlich über 300 000 Ztr. Gerste
u Malz verarbeiten. Die Lagerkeller fassen 300 000 hl
er. Die technischen Einrichtungen sind musterrültig.
 In 157 eigenen Kühlwagen versendet die
irma ihre beliebten und berühmt gewordenen EFr-‚eugnisse
 in das ganze Reichsgebiet und ins Ausland,
vährend das Bier in Flaschen nach allen Weltteilen
‘xportiert wird. In München erfreuen sich die Spatenınd
 Leistbräubiere einer umfangreichen und anhängichen
 Kundschaft. Ein beträchtlicher Teil der
’roduktion kommt in eigenen Ausschankstellen zum
\usschank.

Aktiengesellschaft Paulanerbräu, Salvatorbrauerei
und Thomasbräu.

Mitte des 17. Jahrhunderts
lebten gegenüber von München
auf dem rechten Isarufer in der
sogenannten „Au“ die Paulanermönche.
 Strenge Vorschriften
 zwangen sie, sich zur
Nahrung nur mit Brot, Öl und
Fischen begnügen zu müssen.
Art und Menge des „Trankes‘“ aber waren ihnen {freizegeben.
 Was lag also näher, als daß sich die ehrwürdigen
 Brüder der Paulaner um die Erlaubnis zur
Errichtung eines Brauhauses, und zwar mit Eriolg,
bemühten, welche damals nur vom Landesfürsten
erteilt werden konnte. Mit viel Geschick und Sorgfalt
 übte man nun im stillen Kloster die Kunst des
Bierbrauens.
Unter den Klosterbraumeistern ist zur Berühmtheit
 geworden der Frater Barnabas Still (gestorben
 1795), denn jener hat zum ersten Male den
weltberühmt gewordenen „Salvator‘“ gebraut. Zum
Ordensfeste des hl. Franz von Paula, an dem das
„Heilig Vater Bier“ alljährlich zum Ausschank kam,
fand sich ganz München ein, auch der kurfürstliche
Hof wurde mit zu Gast geladen. Im Jahre 1806,
einige Jahre nach Aufhebung des Klosters, pachtete
der Münchener Bierbrauer Fr. Xaver Zacherl, von
der bayer. Regierung das Paulaner-Brauhaus. 1813
ging dasselbe käuflich auf ihn über „mit allen anhaftenden
 Rechten“. Als eines der wichtigsten betrachtete
 Zacherl das alte Privileg des Salvator-Ausschankes.
 Da er dieses Bier über dem amtlich

’estgesetzten Bierpreis vercaufte,
 verbot man ihm den
\usschank und die Regieruhg
nachte ihm den Prozeß. Noch
vor der Entscheidung des
Streites gelang es Zacher]
ıurch eine Eingabe an den
Cönig, sein Recht durch eine
zgl. Entscheidung durchzusetzen. Nach Zacherls
Tod ging die Brauerei im Jahre 1849 auf dem Erbvege
 auf die Gebrüder Heinrich und Ludwig
ichmederer über. Deren Söhne Franz Xaver und
udwig wandelten die Brauerei im Jahre 1886 in die
'eutige Aktien-Gesellschaft um.
Das Unternehmen, welches außer den anderen
)jekannten Biersorten zur Starkbierzeit den „Salzator““
 immer noch als Spezialbier in großen Mengen
n den Verkehr bringt, ist in fortgesetztem Aufstieg
äne der bedeutendsten Münchener Brauereien gevorden.
 Wo einst die Paulanermönche mit ihrer
lände Werk das Klosterbier brauten und in den geäumigen
 Klosterkellern lagerten, findet sich heute
iner der modernsten Großbetriebe. Dieser hat erst
n der jüngsten Zeit wieder eine bedeutsame Erveiterung
 dadurch erfahren, daß er neben einigen
(leineren Brauereien die Großbrauerei zum Thomas-»räu
 in sich aufgenommen hat. Der sichtliche Unterıehmergeist
 und die bemerkenswerte Schaffenskraft
ler Verwaltung werden die Gesellschaft zu weiterer
3lüte führen, wozu der Ruf der Erzeugnisse das
Seinige beitragen wird.
        <pb n="318" />
        Gruppe I Brauereien,
A ann

817

Königliches Hofbräuhaus München.
(Bayerische Staatsbrauerei, gegr. 1589)

Ursprünglich deckten die baye-RE
 rischen Herzöge ihren und ihrer
X Hofhaltung Bedarf an Bier aus der
damals berühmten Braustätte Ein-DM
 beck in Hannover, bis Herzog Wilal,
 ja } helm der Fromme, dem wohl der
RB | Bezug seines Haustrunkes aus so
weiter Ferne zu umständlich und
auch zu kostspielig gewesen sein
mochte, sich im Jahre 1589 in München ein eigenes
Bräuhaus errichten ließ.
Bald wurde es unter den Bürgern Münchens bekannt,
 von welcher Schmackhaftigkeit und Bekömmlichkeit
 das in dem herzoglichen Hofbräuhaus erzeugte
 Bier war; sie wandten sich an den Herzog mit
der Bitte, ihnen von dem vorzüglichen Getränk
gegen Entgelt abzugeben, was der Herzog auch genehmigte,
 um die Brauer der Stadt mehr anzuspornen.
 Immer mehr nahm die Abgabe an das
Bürgertum zu. Der Münchener Hofbraumeister
hatte es aber auch im Brauen von „ainpockschem“
Bier zu solcher Meisterschaft gebracht, daß es sich
neben dem Gebräu aus Einbeck wohl kosten lassen
durfte; manch lustiges Märlein erzählt noch heute
davon. Aus der Bezeichnung „Ainpockisch“-Einbecker
 Bier entwickelte sich dann allmählich der
Name Bockbier, welches noch heute alljährlich in
iem aus diesem „Herzoglichen Hofbräuhaus‘“ hervorgegangenen
 „Königlichen Hofbräuhaus‘“ als
„H. B. Maibock“ zum Ausschank kommt. Der Maibock-Ausschank
 im Hofbräuhaus ist auch jetzt noch
sin Freignis für die Münchener. Männlein und Weiblein
 wandert dahin, um diese „Frühjahrskur‘“ mitzumachen.
 Freilich mußte das herzogliche Hofbräuhaus
 im Laufe der Zeiten manche Wandlung erfahren.
 Schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts war
der Absatz von 2500 Eimern auf 11528 Eimer gestiegen
 und eröffnete für die Hofkammer eine ergiebige
 Geldquelle, die aber auch eine Vergrößerung
des Bräuhauses nötig machte. Doch schon im
Jahre 1808 war eine neuerliche Vergrößerung von-N



Brauerei zum Wagsnerbräti

ASS Die jüngste Münchener Brauerei ist
I ENR die „Brauerei zum Wagnerbräu“, die
LS N . von ihrem Besitzer Kommerzienrat
x () A Hans Wagner im Jahre 1901 erbaut
ZT und in der kurzen Zeit vom 25. März
SOAL bis zum Anfang August vollständig
SCHUTZMARKE, betriebsfertig eingerichtet wurde,
so daß am 18. Oktober mit dem Ausschank des

1öten, die auf dem alten Platz nicht mehr durchführjar
 war. Es erfolgte deshalb die Verlegung auf jene
Stelle, wo heute noch der Ausschank des Königlichen
Tofbräuhauses „am Platzl‘“ sich befindet, welcher
ılliährlich Hunderttausenden von Fremden und Einıeimischen
 eine beliebte Stätte der Labung und Er-‚olung
 bietet. Welche Mengen des braunen Gerstenaftes
 alliährlich allein in dieser einen Gaststätte
‚ertilgt werden, möge man aus der Jahresverrauchsziffer
 ersehen, welche im Frieden 40 000 bis
15 000 Hektoliter betrug. Beileibe soll man aber
ıicht denken, daß allein die Münchener dieser Quanität
 zur Löschung ihres Durstes bedürfen, denn zur
‚ommerlichen Reisezeit finden wir hier alle Nationen
ınd Rassen der Welt an dieser Quelle des Gambrinus
auchtiröhlich beisammen.
Seit in den letzten Dezennien des verflossenen
ahrhunderts der Lokalabsatz und der aufblühende
Neltexport den Umsatz ins Vielfache steigerten,
var der Raum der Brauerei „am Platzl“ wieder zu
;ng geworden,
Im Jahre 1890 erfolgte deshalb die Verlegung der
3rauereibetriebsgebäude auf ein Areal an der Wiener
Straße, wo wir heute eine umfangreiche, mit. allen
Irrungenschaften der Neuzeit arbeitende Großirauerei
 sehen.
Schon 1852, bei Errichtung der königlichen Zivilıste,
 war das bisher im Privatbesitz des Königs beindliche
 „Königliche Hofbräuhaus‘“ mit einer Reihe
ron Krondomänen an den Staat übergegangen und
nit dem zunehmenden Geschäftsumfang im Jahre
870 unter der Firma „Königliches Hofbräuhaus
Aünchen“ in das Handelsregister, der Schutz der
Marke „H-B“ und der Wortmarke „Münchener Hofjräu“
 beim Reichspatentamt eingetragen worden.
Ait dem Sturz des Königtums in Bayern im No-‚ember
 1918 verlor das Hofbrauamt als Staats-‚ehörde
 die Bezeichnung „königlich‘“. Die Firma
‚Königliches Hofbräuhaus München“ ist indessen
1eute noch ungelöscht und unverändert. .

ı., Hans Wagner. München.

‚elbstgebrauten Bieres begonnen werden konnte. Der
3rfolg übertraf alle Erwartungen. Der vortrefflich
relungene Stoff brachte einen Massenandrang, für
lien sich die großen, mit der Brauerei in der Lilien-;:traße
 erbauten Ausschanklokale als viel zu klein
ırwiesen. Hatte der Erbauer für den Anfang selbst
ıur mit einem Jahresabsatz von 8—10000 hl ge-‚echnet,
 so erreichte derselbe schon im ersten Jahre
        <pb n="319" />
        318

Sonderbeschreibungen:

eine Höhe von 18900 hl. Von Jahr zu Jahr wuchs
die Umsatzziffer, denn mit peinlicher Sorgfalt hält
auch die Wagnerbrauerei auf den guten Ruf ihres
Bieres, den sie bis heute beizubehalten vorzüglich
verstanden hat. Diesem Umstand ist es wohl zuzuschreiben,
 daß „Wagnerbräu‘“ weit über die Grenzen
Münchens bekannt geworden ist und der Absatz sich
ständig mehrte, so daß die Brauerei im Versandgeschäft
 mit den Münchener Großbrauereien im
Wettbewerb steht. Im April 1904 hat der Erbauer
und Besitzer der Brauerei zum Wagnerbräu das bekannte
 Hotel „Trefler‘“, jetzt Hotel „Wagner“, an
der Sonnenstraße erworben, und bildet der große
Eigenverbrauch in dessen ausgedehntem Saal und

Wirtschaftsräumen im Verein mit dem großen Bieribsatz
 im Hauptausschank an der Lilienstraße einen
ücheren Grundstock für das weitere Gedeihen der
3rauerei,
Dem erfahrenen Bierbrauer und zielbewußten
3esitzer des Unternehmens ist es gelungen,
;jeinen Betrieb während der schweren Kriegs- und
Jachkriegsjahre, in welchen sich viele kleinere
jrauereien an .größere anlehnen mußten oder von
liesen aufgesaugt wurden, zu erhalten und auch
ı1ach der Deflationskrisis zu befestigen. Außer der
\ugustinerbrauerei ist die Brauerei zum Wagnerräu
 das einzige Privatunternehmen unter den
Aünchener Brauereien geblieben.

Jos. Wagner, Bierbrauerei

zum Augustiner, München.

Die Augustinerbrauerei hat eine
sehr alte und interessante Geschichte.
 Ihr Ursprung ist zu
verfolgen bis zum Jahre 1328, zu
welcher Zeit nach vorhandenen
Urkunden im Augustinerkloster zu
München mit dem Brauen von
Bier begonnen wurde; so daß
sie die Älteste der zur Zeit
in München bestehenden Brauereien
 ist. Die Niederlassung der
Augustinermönche stand an der
Neuhauser Gasse, da, wo sich ‚heute noch der mit
„Augustinerstock‘“ bezeichnete Häuserblock befindet.
Der Einziehung geistlicher Güter im Anfang des
19. Jahrhunderts. fiel auch das Augustinerkloster
anheim. Am 1. Oktober 1803 mußten die „Eremiten
vom hl. Augustinus“ das Kloster verlassen, in dem
sie‘ über fünf Jahrhunderte gewirkt hatten. Der
bayerische Staat verkaufte das Augustinerbrauhaus
mit allen Gerätschaften an die bürgerlichen Fischer
Gröber und Lankes, im Austausch für das den Genannten
 verkauft gewesene Angerbräuhaus. Das
Gebäude des ehemaligen Augustinerklosters mußte
nämlich geräumt werden, weil es zu Gerichtszwecken
 Verwendung fand. Später im Jahre 1817
vertauschte die bayerische Regierung an Gröber und
Lankes das Angerbräuhaus mit dem Maltheserhaus
in der Neuhauser Gasse, ebenso die Braugerechtigkeit
des Äugustinerbräuhauses mit der Befugnis, sie auf
dem Maltheserhause auszuüben. Anton Wagner, der
Großvater der jetzigen Besitzer der Augustinerbrauerei,
 erwarb im Jahre 1829 von Gröber und
Lankes das Augustinerbräuhaus. Die Augustinerbrauerei
 konnte also im März 1929 ein Doppeljubiläum
 begehen, einmal das 100jährige, nachdem
sich seit 100 Jahren die Brauerei im Besitze der
Familie Wagner befindet und das 600jährige des Bestehens

 der Augustinerbrauerei überhaupt. Das
Joppeliubiläum wurde unter lebhafter Beteiligung
ler staatlichen und städtischen Behörden, wie der
\rbeiter- und Angestelltenschaft der Brauerei festich
 begangen und war ein Ruhmestag in der Ge-;cChichte
 der Brauerei. Nach dem Tode Anton
Vagners führte ‘dessen Witwe, Frau Therese
Vagner, das Geschäft fort, unter deren Besitz die
\ugustinerbrauerei mehrmals vergrößert werden
nußte, denn das Augustinerbier erfreute sich schon
lamals besonderer Beliebtheit. Im Jahre 1857 kaufte
"rau Therese Wagner den Buttlerkeller an der
„andsberger Straße, den Platz, auf dem heute noch
lie Augustinerbrauerei steht. Nach dem Tode der
?rau Wagner im Jahre 1858 übernahm deren ältester
5ohn Joseph die Brauerei. Damals wurden bereits
‚8000 hl Bier gesotten. Unter der Leitung Joseph
Nagners kam das Unternehmen zu immer weiterer
Iintwicklung. Der alte Brauereibetrieb reichte nicht
nehr aus, so daß Joseph Wagner sich entschloß, eine
ı1eue große, den technischen Errungenschaften ge-"echt
 werdende Brauerei zu erstellen. Der Bau beyann
 1884, am 28. Juli 1885 wurde bereits der erste
Sud gemacht, doch gewann unter Joseph Wagners
„eitung der Betrieb immer mehr an Ausdehnung,
velcher der Besitzer durch fortwährende Neubauten
ınd Neueinrichtungen mit vorbildlichem Unterıehmergeist
 Rechnung trug. Seit dem Tode Joseph
Nagners im Jahre 1900 führen dessen Söhne Max
ind Richard den Betrieb. Sie haben es musterhaft
zerstanden, den alten Ruf des ehemaligen Augustinerclosterbieres
 zu erhalten und das Unternehmen {fortresetzt
 .zu weiterer Höhe zu führen. Die große,
1ach, wie man heute noch sieht, einheitlichen Plänen
arstellte Anlage der Großbrauerei zum Augustiner an
ler Landsberger Straße leuchtet von weitem als ein
Nahrzeichen der Bierstadt München.
        <pb n="320" />
        Gruppe I Brauereien.

319

Gesamtansicht der Brauerei in Radeberg

Radeberger EXKDEN:

gg.

‚engesellschalft

}

aa -
A
re

aa

In allen Gegenden Deutschlands ertönt heute der
Mahnruf:
„Deutsche, kauft deutsche
Erzeugnisse.“
Bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands haben
wir auch alle Veranlassung, mehr denn je unsere
deutschen Waren zu bevorzugen und damit der
schwerringenden heimischen Industrie und Landwirtschaft
 ‚unsere Unterstützung angedeihen zu lassen.
Unter den ausländischen Erzeugnissen, welche
zum Schaden der deutschen
 Volkswirtschaft in
erhöhtem Maße zur Ein-‘uhr
 gelangen, zählt auch
das aus der Tschechoslowakeistammende
 helle
Bier im Pilsener Typ.
Für die zahlreichen
Freunde dieser Bierart
muß aber die Losung
lauten:
„Deutsches
Pilsner.“
Fine der ersten deutschen
 Großbrauereien,
welche sich seit Jahrzehnten

 ausschließlich der Herstellung dieser Biersorte
 widmet, ist die
Radeberger Exportbierbrauerei-Aktiengesellschaift.
Ihr Erzeugnis ist unter der Bezeichnung
„Radeberger Pilsner“
veit . und breit bekannt beliebt geworden.
Dieses Spezialprodukt, mit einem durchaus eigeıen
 Pilsener Biertyp ausgestattet, ist in seiner
rzanzen Beschaffenheit, Reinheit, Feinheit, Geschmack
 und bester Bekömmlichkeit die Vollendung
deutscher Braukunst und
den besten aus der
Tschechoslowakei stammenden
 Bieren vollkomnen
 ebenbürtig. Das im
Jahre 1872 in Radeberg
gegründete Brauunternehmen
 umfaßt heute folgende
 Abteilungen:
die Hauptbrauerei in
Radeberg, sodann
die Brauerei zum Feldschlößchen
 in Dresden
 und das
Einsiedler Brauhaus in
Finsiedelb.Chemnitz.

Feilansicht des Sudhauses
        <pb n="321" />
        320

Sonderbeschreibungen:

Gärkelle:

Die Einrichtungen der Radeberger Exportbierbrauerei,
 die ganz auf die Herstellung nur der einen
Biersorte eingestellt sind, wurden immer mehr
vervollkommnet, die besten Rohmaterialien zur
Herstellung des deutschen Bieres von Pilsener
Typ verwandt, so daß dieses sich einer steigenden
 Beliebtheit erfreute und insbesondere seit
den 90er Jahren großen Absatz fand. Nachdem
bereits 1889/90 über 31000 hl abgesetzt wurden,
stieg dieser Absatz im Jahre 1900 auf 98309 hl,
L910 auf 191659 hl, 1913/14 auf 230777 Hl.
Selbstverständlich blieben
die Weltkriegsjahre nicht
ohne starken Einfluß auf Erzeugung
 und Absatz, doch
hat nach Überwindung des
Krieges der Ausstoß des
Radeberger Pilsner wieder
eine Höhe erreicht, die diejenige
 der Vorkriegszeit
längst überschreitet.
Die Erzeugung eines so
vorzüglichen Bieres von besonderem
 Typ erforderte
natürlich eine ständige Vervollkommnung
 des Betriebes
 und der Einrichtung.
Das vorzüglich eingerichtete
Sudhaus, die Läuterbottiche,
Kühlschiffe, der Gärkeller
mit Aluminiumgefäßen von
1 Mill. Liter, die Lagerkeller
 mit den emaillierten
 Stahltanks von etwa
7 Mill. Liter — alles ist

Lagertanks

ı1ach den neuesten Erfahrungen der Technik mit
nodernsten Apparaten ausgerüstet.
Selbstverständlich geschieht auch das Füllen der
*ässer und der Flaschen mit den neuesten autonatischen
 Abfüllmaschinen. Die Flaschenbier-Abeilungen
 in Radeberg und Dresden sind für die
?üllung von etwa 12—15 Millionen Flaschen einzerichtet.

Für den Versand besitzt die Brauerei außer
öäänem zahlreichen Fuhrpark dreißig Spezialäsenbahnwagen.
 Eigene Laboratorien prüfen den
Betrieb technisch und wirtschaftlich.
 Die zahlreichen
Nebenbetriebe und Werkstätten
 entsprechen ebenfalls
 den neuzeitlichen Anforderungen.

Im ganzen darf gesagt
werden, daß der ganze Betrieb
 in jeder Weise mustergültig
 eingerichtet ist und
es ermöglicht, das „Radeberger
 Pilsner“ ständig als
erstklassige Marke zu
liefern.
Seit 1920 ist die Radeberger
 Brauerei zusammengeschlossen
 mit der
Brauerei zum
Feldschlößchen in Dresden.
Das Feldschlößchen, eine
ursprünglich kleinere Braustätte,
 wurde im Jahre 1838
durch den baverischen
        <pb n="322" />
        Gruppe I Brauereien,

321

Gesamtansicht der Brauerei zum Feldschlößchen

Braumeister Meisl zu einer Brauerei ersten Ranges
umgestaltet, seit 1858 als Aktiengesellschaft. Schon
rein äußerlich repräsentiert sich die Anlage des Feldschlößchens
 mit seinen
zwölf Betriebsgebäuden
als hervorragende Großbrauerei,
 die aber auch
in ihren Einrichtungen
den neuzeitlichsten Erlordernissen
 der Brautechnik
 entspricht. Die
Einrichtungen ermöglichen
 es, jährlich weit
über 100 000 hl Bier herzustellen.
 Sudhaus Maischefilteranlagen,
 Gärkeller
 mit Aluminiumbottichen,
 gekühlte Lagerkeller
 mit Stahltanks,

Fuhrpark

&amp;lt;urz: alles entspricht den mustergültigen Anlagen
ler Brauerei in Radeberg. Auch das Feldschlößchen
besitzt einen zahlreichen Fuhrpark, Automobilzüge
sowie Eisenbahnspezialvagen.

Das _Feldschlößchen
braut verschiedene Arten
von Bier: Pichelbräu hell
und dunkel (nach Münchener
 Art) Lagerbier,
Exportbier (nach Kulmbacher
 Art) und Gesundheitsbiere.

Im Jahre 1920 wurde
dem Gesamtbetrieb auch
das
Einsiedler-Brauhaus in
Einsiedel bei Chemnitz

Keimkasten

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="323" />
        Sonderbeschreibungen:

Malztennen,

Teilansicht

angegliedert. Diese ursprünglich in Privatbesitz
(Gutsbrauerei) befindliche Braustätte, welche über
ein ausgezeichnetes Quellwasser verfügt, konnte
dank der hervorragenden Qualität ihrer Biere den
Absatz im Laufe der Jahre wesentlich steigern, so
daß sie schon im Jahre 1892 ihren Betrieb auf eine
Ausstoßziffer von 50 000 hl vergrößern mußte. Nach
Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Jahre
1903 konnte die Produktionsleistung durch FErweiterung
 der Anlagen auf 100000 hl gesteigert werden.
Auch hier ist durch ständige Verbesserungen alles
aufs neuzeitlichste eingerichtet, so daß die Finsiedler-Xere

 sich als erstklassige Qualitätsbiere einer großen
3eliebtheit erfreuen, besonders in Chemnitz und dem
zanzen sächsischen Erzgebirge.
Der aus diesen drei Brauereien bestehende Konzern
’jesitzt auch verschiedene eigene Schankstätten: fünf
n Dresden, vier in Chemnitz, sowie je eine Spezial-;chankstätte
 in Köln und in Breslau. |
Das ganze in Händen hervorragender Fachmänner
uhende Unternehmen verbürgt ein ständiges weiteres
3lühen und Wachsen mit weiterer Erzeugnis- und
Absatzsteigerung der von den drei Brauereien herzestellten
 OQualitätsbiere.

3

Schutzmarke des Einsiedler Brauhauses

7
        <pb n="324" />
        Gruppe I Brauereien.

20

“irie des Saardcehieles

Das Gebiet der Saar war von jeher ein wichtiges
{ndustriezentrum; mit Recht nennt man es das Land
der Hüttenwerke und Kohlengruben, das mit seiner
weltbekannten Schlüsselindustrie und einer weitverzweigten,
 weiterverarbeitenden Industrie einen
hervorragenden Anteil am Wirtschaftsleben nimmt.
Neben der Jahrhunderte alten Vergangenheit von
Eisen und Glas liegen auch die Anfänge des saarländischen
 Brauwesens weit zurück. So geht von
den jetzt noch bestehenden Betrieben der Name der
Brauerei Bruch, Saarbrücken, nachweisbar bis zum
17. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1762 wurde vom
Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken
das „Hofbräuhaus‘“ als Brauerei errichtet, das später
in Privatbesitz überging und schließlich im Jahre
1921 stillgelegt wurde. Im Anfang des 19. Jahrhunderts
 entstanden weitere Betriebe, so im jetzigen
preußischen Teile die Brauereien Mohr (1822) und
Neufang (1825). Im saarpfälzischen Teile wurde
1847 die Brauerei Schmidt &amp;amp; Guttenberger, Walsheim,
 gegründet, aus der später die jetzige Walsheim
Brauerei A.-G. hervorging. An weiteren Gründungen
folgten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Gebrüder Becker, St. Ingbert (1877), Christian
Weber, Homburg (1878), Simon, Ottweiler und
Aktienbrauerei Merzig (1888). Schloßbrauerei Neuncirchen

 (1891) und Aktienbrauerei Saarlouis (1898),
lie sich neben anderen später eingerichteten Berieben
 mit der Zeit zur heutigen Größe ausbauen
connten.
Im letzten Vorkriegsjahr gab es insgesamt
I9 Brauereien an der Saar mit einem Braurechtsfuß
ron rund 560 000 hl. Als Absatzgebiete kamen neben
ler Saar, der Hochwald, die Nahe, die Pfalz und die
Trierer Gegend, sowie das benachbarte Elsaß-„othringen
 in Frage. Eingeführt von auswärtigen
3rauereien, besonders den benachbarten Grenzzebieten,
 aber auch von München, Dortmund und
Silsen wurden jährlich rund 250 000 hl.
Der Krieg, vor allem aber die ersten Nachkriegsahre
 brachten für die Brauindustrie der Saar große
Veränderungen; wurde doch durch den Vertrag von
Versailles das Saargebiet wirtschaftlich und politisch
‘ür den Zeitraum von 15 Jahren vom Mutterlande
ıbgetrennt und zu einem unter französischer Zollıoheit
 stehenden Staatengebilde geformt.
Eine im Saarstatut dieses Vertrages festgelegte
Jbergangszeit von fünf Jahren sollte das zukünftige
3igenleben vorbereiten. Bestand so de jure die zoll-'reie
 Einfuhr für Erzeugnisse deutschen Ursprungs
jis zum 10. Januar 1925, so gestalteten sich doch in
der Praxis die Verhältnisse, hervorgerufen durch die

Schloßbrauerei A.-G. Neunkirchen — Gesamtansıcht
        <pb n="325" />
        Valsheim Brauerei A.-G. — Kellerhochhaus mit Sudhaus
        <pb n="326" />
        5)
Y

ia N

"j

Neufang-Jaenisch Brauerei A.-G. — Versandhalle von außer
        <pb n="327" />
        |

4rauerei Gehr. Becker. St Inohert —-inch

 gie
        <pb n="328" />
        2

—_

Bayerische Bierbrauerei „Zum Karlsberg‘, A.-G., Homburg — Auto-Garage

»
7
ze
        <pb n="329" />
        328

Sonderbeschreibungen:

Aktienbrauerei Saarlouıs

innerpolitischen und wirtschaftlichen Krisen Deutschlands,
 wesentlich anders. Gerste- und Malzknappheit,
bedungen durch die Kontingentierung dieser Rohstoffe
 in Deutschland einerseits, die starke Einfuhr
deutscher Biere andererseits, führten frühzeitig zu
einer vertraglichen Regelung der deutschen Biereinfuhr
 nach dem Saargebiet in dem sogenannten
„Frankfurt-Wiesbadener Abkommen“ vom 8. Oktober
 1920, welches in der Folgezeit den veränderten
Verhältnissen jeweils angepaßt wurde und heute
noch in Gültigkeit ist. Während die deutschen Inflationserscheinungen
 und die darauf erfolgte Stabilisierung
 der Mark die Einfuhrmöglichkeiten deutschen
Bieres immer mehr beschränkte, suchten die elsaßlothringischen,
 besonders Straßburger Brauereien,
begünstigt durch die erfolgte Zollunion des Saargebietes
 mit Frankreich hier festen Fuß zu fassen,
was ihnen auch infolge ihrer billigen Rohstoffe und
Löhne und, nicht gebunden an die gesetzlichen Bestimmungen
 des Reinheitsgebotes, in gewissem Umfange
 gelang.

Der grundlegende Umschwung trat mit dem
‚0. Januar 1925 ein, an welchem Tage das Saargebiet
'estlos dem französischen Zollgebiet eingegliedert
wurde. Der nunmehr zu berücksichtigende Maximalzolltarif
 machte jedes Lieferungsgeschäft seitens des
deiches bei der Preisgestaltung des Bieres auf dem
;aarländischen Markte unmöglich. Die folgenden
/ertragsverhandlungen brachten darin keine wesentichen
 Besserungen. Erst mit der generellen Regeung
 des .‚deutsch-fIranzösischen Handelsvertrages
om 17. August 1927 wurde auch die Einfuhr von
3er zum Minimaltarif zugelassen.
Dieser Entwicklung auf dem Außenmarkt suchten
lie saarländischen Brauereien rechtzeitig im Hinblick
uf die Zollgrenze zu begegnen. Durch Fusion ein-‚elner
 Brauereibetriebe, sowie Kundenaustausch
ılben und drüben haben sich die Ausstoß- und
Absatzverhältnisse der saarländischen Betriebe stark
verschoben, nicht zuletzt auch durch die Güte
ihrer seit Jahren gebrauten hellen Spezialbiere
Pilsner Typs.
        <pb n="330" />
        Gruppe I Brauereien,

329

Brauerei-Anlagen in Will:

Vereinigte Willicher Brauereien
u. Hannen-Korschenbroich Ge.m.b.H.

Willich ist seit alters her am Niederrhein als
Bierort bekannt. Es gab hier drei Brauereien im
Besitze der Familien Dicker, Hausmann und Schmitz,
aus denen das heutige Unternehmen hervorgegangen
ist. In der Brauerei Hausmann wurde, urkundlich
nachweisbar, schon im Jahre 1725 gebraut, so daß
wir im Jahre 1925 das 200jährige Jubiläum feiern
konnten. Die Brauereien haben sich, den damaligen
Zeitverhältnissen entsprechend, aus den kleinsten
Anfängen entwickelt. Zuerst waren sie nur Nebenbetriebe
 der den Familien gehörigen Landgüter. Die
selbstgezogene Gerste wurde vermälzt und in den
primitiven Betrieben weiterverarbeitet. Damals gab
es natürlich noch keine Maschinen und alle Arbeitsleistungen
 mußten mit der Hand verrichtet werden.
Zur Kühlung der Keller wurde Natureis verwandt,
wie es heute noch in vielen kleineren Brauereien
üblich ist. In milden Wintern mußte das Eis aus dem
Norden, zumeist aus Skandinavien, bezogen werden.
Das Bier, das natürlich keinen Vergleich mit dem
heutigen edien Erzeugnis aushält, wurde zuerst nur
im eignen Ausschank verbraucht, später auch mit der
Fuhre in die umliegenden Ortschaften
 gebracht. In den
Zeiten der technischen Entwicklung
 änderte sich das
Bild in den Brauereien, Die
menschliche Arbeitsleistung
wurde mehr und mehr durch
Maschinen ersetzt. Nach dem
Kriege 1870/71 legten wir die
ersten Dampfmaschinen an.
in den achtziger Jahren
brachte die Erfindung der
Kältemaschine durch Linde
eine große Umwälzung im
Brauereibetrieb. Wir zählten
zu den ersten Unternehmunren,

 welche die Kühlanlagen bauen ließen. Die
_eistungsfähigkeit der Brauereien wurde dadurch
‚ehr erhöht, und wir waren so in der Lage, der
;teigenden Nachfrage gerecht zu werden. Eine
ihnliche Entwicklung hat die Brauerei Hannen
n Korschenbroich genommen, die ebenfalls seit
.Üters her einen guten Ruf genießt. Die schwierigen
/erhältnisse im Weltkriege führten zu einem Zuammenschluß
 der Willicher Betriebe und später
ich zu einer Vereinigung mit der Brauerei
Jannen. Außerdem vergrößerte sich unser Unterıehmen
 durch Ankauf der Kontingente einer Anzahl
 kleiner und mittlerer Brauereien, die Sstillrelegt
 wurden. Heute gehört unser Betrieb zu den
jedeutendsten Brauereien. des Rheinlandes, und die
\bteilung Korschenbroich ist die weitaus größte rein
)bergärige Brauerei Westdeutschlands. Besitz und
„eitung sind noch in Händen der Gründerfamilien.
Jas Ergebnis der langjährigen Erfahrung sind unsere
‚eiden, allgemein beliebten und bekannten Qualitäts-»iere
 Willicher Bier (heller Typ) und Hannen Alt
obergäriges Bitterbier), welche getrennt in den
beiden Betriebsstätten Willich
und Korschenbroich hergestellt
 werden. Um stets gleichmäßige
 Biere zum Ausstoß
bringen zu können, werden
nur edelste Rohmaterialien
verarbeitet, unsere beiden Betriebe
 fortlaufend mit den
neuesten Maschinen und Einrichtungen
 versehen und der
Produktionsprozeß im eigenen
 Laboratorium wissenschaftlich
 kontrolliert, so daß
wir jederzeit in der Lage
sind, den größten Ansprüchen
zu genügen.

Brauerei-Anlage in Korschenbroich
        <pb n="331" />
        330

Sonderbeschreibungen:

Eichbaum-Werger-Brauereien A.:G., Worms.

Die Brauindustrie ist wohl der einzige Zweig der
deutschen Wirtschaft, der es verstanden hat, rechtzeitig
 die Lehre aus der veränderten Lage nach dem
Kriege zu ziehen. Nirgendwo hat die Rationalisierung
 so schnell eingesetzt wie hier, in keinem
Wirtschaftsgebiet ist der Prozeß der Gesundung
fast ohne ausländische Kredithilfe, unter der Übernahme
 großer Verluste auf das eigene Konto durchgeführt
 worden, wie in der Brauindustrie. Allenthalben
 haben führende Wirtschaiftspolitiker durch
Betriebszusammenlegung es verstanden, die Gesamtunkosten
 zu vermindern, und nur so ist es zu
begreifen, daß ohne übermäßige Erhöhung des Bierpreises
 Betriebsinvestitionen in außerordentlichem
Umfange vorgenommen werden konnten.
Ein Beispiel für dies Bestreben, durch vereinte
Kräfte eine erhöhte Leistungsfähigkeit zu erzielen,
zeigt die Geschichte der seit Januar 1929 vollzogenen
 Fusion der beiden süddeutschen Großbrauereien
 Werger - Brauerei Worms und Eichbaum
 - Brauerei Mannheim zu den „Eichbaum-Werger-Brauereien
 A.-G. Worms“ mit

lem Sitze in Worms. Bereits seit 1924 bestand
ne Interessengemeinschaft zwischen den beiden
3rauereien, außerdem befanden sich 90% der
lichbaum-Aktien im Besitze der Werger-Gesellichaft,
 deren rechtsrheinisches Geschäft zum Teil
an die Eichbaum-Brauerei abgetreten war. Durch
lie Fusion entstand einer der bedeutendsten Groß-)jetriebe
 der badisch-hessischen Brauindustrie, zu
lem noch in enger Verbindung das Frankenthaler
3rauhaus, Frankenthal, die Aktienbrauerei Saarlouis
ınd die Brauerei Fay G. m. b. H., Darmstadt, stehen.
Diesem Gebilde steht Generaldirektor Louis
&amp;lt;xühl vor. Die Abteilung Worms wird geleitet
ron den Direktoren Werger und Zaiß, die Ab-'eilung
 Mannheim von Generaldirektor Rühl und
Direktor Gsottschneider.
Beide Betriebsstätten stellen vorzügliche helle
ınd dunkle Biere her, die als hochwertige Qualitätsxere
 anerkannt sind. Die Braustätten sind sehr
ıusgedehnt und modern ausgestattet. Die weitlickende
 Leitung ist besorgt, die technische Ausstatung
 jeweils auf dem modernsten Stande zu halten.
Werger-Brauerei Worms.

Die stattliche Brauereianlagein Worms
erhebt sich hart an der Peripherie der Stadt auf
einem dreißig Morgen großen Areal an der Alzeyer
Straße, ihre räumliche Ausdehnung, die zweckmäßige
 Gliederung und die mustergültige Einrichtung
 zeigen in allen Teilen den modernen Großbetrieb.

Ein wesentlicher Teil des zur Biererzeugung
erforderlichen Malzes wird von der Werger-Brauerei
 in der eigenen Mälzerei in der
Speyerer Straße hergestellt. Vermittels Lastkraftwagen
 wird das Malz nach dem Braubetrieb befördert
 und in sechs große, in den oberen Stockwerken
 des Sudhausgebäudes befindliche Silos gelagert.
 Für die weitere Behandlung des Malzes
sind Putz- und Poliermaschinen, eine Sechswalzen-Großmühle
 vorhanden, über die das Malz selbsttätig
 seinen Weg ins Sudhaus nimmt.
Das Sudhaus selbst ist ein hoher und luftiger,
in freundlichem Blaugrau gehaltener und mit

sauberer Wandtäfelung versehener Raum, auszestattet
 mit einem modernen Doppelsudwerk, für
"euer- und Frischdampfkochung. Die Produktionsähigkeit
 dieser Anlage beträgt bis zu 300 000 hl pro
‚ahr. Vom Sudhaus führt ein Verbindungssteg zu
iem Nebengebäude, in dessen Iluftiger Höhe zwei
&amp;lt;ühlschiffe untergebracht sind. Hier wird die
Vürze unter dem Einfluß der Außenluft vorgekühlt,
lurch einen modernen Berieselungsapparat auf Antelltemperatur
 herabgekühlt und sodann in den
larunter gelegenen Gärkeller geleitet. In dem
'einlich sauberen, von würziger Luft erfüllten Gäreller
 unterliegt die Würze nach dem Zusatz von
Ilefe in 15 großen Borsari-Betonbottichen der Vorrärung.
 Dem Gärkeller schließt sich ein großer,
vorzüglich gekühlter Hopfenraum mit reichen
3Zeständen erstklassiger Spalter, Hallertauer und
5aazer Hopfen, sowie die saubere Hefeanstellung
an. Die räumlich ausgedehnten und gut gekühlten
‚agerkellerabteilungen, 20 an der Zahl, sind zum
        <pb n="332" />
        Gruppe I Brauereien.

331

Panktlager

Werger-Brauerei Worms.

Faßtiüllerei.

Teil mit riesigen Stahl- und Aluminiumtanks von
150—300 hl Fassungsvermögen, zum Teil mit
schönem Faßmaterial belegt. Hier können zur Zeit
insgesamt 50 000 hl Bier gelagert werden.
Neben der mit modernsten rauchlosen Theurer-Apparaten
 arbeitenden Picherei verdient insbesondere
 die der Faßwäsche und dem Füllen der
Transportfässer dienende ausgedehnte Halle der
Hervorhebung. Neuzeitlichste technische Hilfsmittel,
 wie zwei vollautomatische Bothmer-Faßwaschmaschinen,
 eine moderne Faßantreibmaschine,
zwei große Enzinger-Doppelfilter und zwei isobarometrische
 Faßfüllautomaten mit je vier Füllorganen,
gewährleisten ein praktisches Ineinandergreifen und
rascheste Abwicklung der einzelnen Arbeitsvorgänge.
 Die Halle wird beiderseits von Laderampen
 flankiert, deren eine dem Stadtversand
dient, während an die andere zum Zwecke des
Bahnversandes das die Brauerei mit der Stadt
Worms verbindende Industriegleis heranführt. Die
Flaschenfüllerei, eine ganz moderne und hygienisch
einwandirei arbeitende Anlage, besitzt eine tägliche
Leistungsfähigkeit von 40000 Flaschen.
Sehenswert ist auch die große Eiserzeugungsanlage
 der Brauerei, ein eigener Bau,

ıusgestattet mit zwei modernen Generatoren, die
äglich 2000 Zentner Kunsteis, das mit Hilfe von
zollbahnen automatisch verladen werden kann,
;rzeugen.
Die Kraftzentrale des Betriebs, das Kesselınd
 Maschinenhaus, steht an Großzügigkeit der
\usgestaltung den anderen Brauereiabteilungen in
ıichts nach. Drei Kornwallkessel von je 125 am
teizfläche mit automatischer Beschickung, Überitzern
 und Ökonomisern speisen eine Dampfnaschine
 mit 300 PS. Die auf zwei Dynamonaschinen
 entwickelte Energie wird auf die zahleichen
 Einzelmotore des fast vollkommen elektisierten
 Betriebes übertragen. Zwei mit der
)jampfmaschine direkt gekuppelte Kompressoren
erfügen mit zwei weiteren Kompressoren zuammen
 über eine Million Kalorien. Zu Reservewecken
 dient eine Dampflokomobile mit 75 PS;
‚ußerdem ist die Brauerei zum Bezug von Fremd-‚trom,
 der vermittels eigener Transformatorenınlage
 auf Betriebsstärke umgewandelt wird, an das
3, W. Worms angeschlossen.
Drei eigene Brunnenanlagen iördern aus
28 und 70 Meter Tiefe ein für Brau- und Betriebszwecke
 vorzüglich geeignetes Quellwasser. Die
        <pb n="333" />
        332 Sonderbeschreibungen: .
der Brauerei angegliederten zahlreichen Werkstätten
 verfügen ebenfalls über neueste .Arbeitsmaschinen.
 Das Industriegleis führt mit vier Spuren
direkt in die Brauereianlage hinein. Eine eigene
Schiebebühne und eine Lokomotive dienen dem
Rangierbetrieb innerhalb des Betriebes. Freundliche,
 geheizte Garderobe-, Aufenthalts- und Kleidertrocknungsräume
 liefern den Beweis, daß von seiten
der Direktion für das Braupersonal in sozialer Hinsicht
 vorbildlich Sorge getragen wurde.
Der Gesamtbetrieb bzw. die einzelnen Produktionsvorgänge
 unterliegen einer peinlichen Kontrolle.
 Dank ihrer mustergültigen Einrichtungen
und der bis in den entlegensten Winkel waltenden
Reinlichkeit darf die Brauerei als den neuzeitlichsten
Forderungen des Brauwesens Rechnung tragend
bezeichnet werden. An Angestellten und Arbeitern
 werden gegenwärtig etwa 200 Personen
beschäftigt.
Neben hellen und dunklen Expmportbieren
 und hellem Lagerbier stellt die Werger-Brauerei
 auch Biere nach Pilsner und Münchner
Art sowie in der Saison einen kräftig eingebrauten
Bock, den bekannten „Apostulator“ her.
Die gut ausgereiften Biere zeichnen sich durch hochıromatischen

 Geschmack und größte Wohlbekömmichkeit
 aus und wurden auf zahlreichen Fachwusstellungen
 mit hohen und. höchsten Preisen
»rämiiert. Erst vor kurzem wurden der Werger-3rauerei
 für hervorragende Leistungen auf der
‚Süddeutschen Gastwirtsmesse Darmstadt 1928“
lie Goldene Medaille und der Ehrenpreis zuerkannt.
Die Biere haben sich nicht nur in Hessen, sondern
auch in Baden, der Rheinpfalz, im Rheinland und
teuerlich auch in Zentraldeutschland gut eingeführt.
Neben dem Hauptausschank „Zwölf Apostel“. in
Norms besitzt die Werger-Brauerei noch etwa
50 eigene Ausschankstellen, darunter bestrenomnierte
 Lokale in Bingen, Koblenz, Mainz, Wiesjaden,
 Frankfurt a. M., Neünkirchen, Saarbrücken
ısw. Zum Versand dienen 35 eigene Fisenbahnvagen
 sowie zahlreiche Lastkraftwagen ind
HMerdefuhrwerke. In den jeweiligen Absatzgebieten
verden eigene Bierdepots, an den größeren Plätzen
»gene Vertreter unterhalten.
Seit einer langen Reihe von Jahren führt die
3rauerei als Schutz- und Warenmarke ein Apostelild,
 und ihre Biere sind unter der Bezeichnung
„Apostelbräu“ weit und breit bekannt und
beliebt.

Läuterbottiche und Bierpfanne im Sudhaus.

Elektrische Kraftanlage mit Schalttafel

Fichbaum Brauerei Mannheim.
        <pb n="334" />
        Gruppe I Brauereien,
Eichbaum-Brauerei Mannheim.
Paßwäsche und in den Abfüllräumen. Wert gelegt
st hier auf hygienische Sauberkeit und auf eine
'asche Arbeit. Mustergültig ist die Flaschenfüllerei
nit ihren modernen Maschinen angelegt; nicht
veniger als 20 000 Flaschen können hier in einer
Schicht gefüllt werden.
Auch die übrigen Betriebsanlagen, sowie Hopfenagerräume,
 die Trebertrockenanlagen, die verschiedenen
 Werkstätten, die Stallungen und Garagen
‚ind zweckmäßig und modern angelegt.
Auf die Herstellung gehaltvoller und bekömmicher
 Qualitätsbiere ist von jeher größter Wert geegt
 worden, die dunklen und hellen Lager- und
3xportbiere besitzen einen alten Ruf und der be-;onders
 kräftig eingebraute Eichbaum-Bock erreut
 sich größter Beliebtheit.
Groß ausgebaut wurde der Fuhrpark, so daß es
nöglich ist, in kürzester Zeit das weit ausgedehnte
\bsatzgebiet mit stets frischem Bier zu versorgen.
In letzter Zeit wurde zur Vervollkommnung in der
3rauerei eine Brunnenanlage erstellt, die
;tündlich bis zu-130 cbm Wasser liefert, und zwar
;jehr gutes Brauwasser. Der Brunnen wurde neu
arbohrt und ist 110 m tief.
Die Biere sind in den letzten Jahren besonders
‚usgezeichnet worden, indem die Brauerei im
lahre 1927 auf der Gastwirtsausstellung in Heideljerg
 und im Jahre 1928 auf der Ausstellung in Mannı1eim
 „die goldene Medaille mit besonderer Auszeichnung“
 erhielt.
Die Abteilung Mannheim besitzt eine Reihe
;#igener Ausschankstellen in Mannheim selbst, in
Schwetzingen, Heidelberg und Bruchsal, darunter
hr Stammhaus „Zum Eichbaum“ in Mannheim, das
jetzt wieder neu erstellt worden ist.
Als Schutz- und Warenzeichen führt die Brauerei
len Eichbaum mit der Bezeichnung „Eichbaum-Bier“,
 unter dieser Bezeichnung ist das Bier in
Unterbaden bestens eingeführt und sehr beliebt.

338

Auch die Betriebsanlage der Eichbaum-Brauereiin
 Mannheim ist sowohl der Großzügigkeit
 der Anlage nach als auch der Zwecknäßigkeit
 der räumlichen Gestaltung und der
Mustergültigkeit der Einrichtungen nach ein Musterbeispiel
 für einen modernen Großbetrieb, dessen
Erneuerung 1925 begonnen und jetzt beendet wurde.
Besondere Sorgfalt wurde verwendet auf die Anlagen
 für die Erzeugung von Dampf, Kraft und Kälte.
Dazu dienen drei Dampikessel mit je 154 am Heizfläche
 und automatischer Beschickung, zwei Dampfmaschinen
 von 360 und 420 PS mit Hoch- und
Niederdruck, ein Dieselmotor, drei Dynamomaschinen
 usw. Mit den Dampfmaschinen direkt
gekuppelt sind Ammoniakkompressoren, mit zusammen
 900000 Kalorien, während die Eiserzeugungsanlage
 imstande ist, aus zwei Generatoren
 von zusammen einer Million Kalorien
täglich bis zu 1600 Zentner Kunsteis zu erzeugen.
Dem Brauereibetrieb angegliedert ist eine pneumatische
 Tennenmälzerei, in der der gesamte
 Jahresbedarf an Malz selbst hergestellt und
mittels Saugrohrleitung aus den großen Lagersilos
nach dem Sudhaus transportiert wird. Das 1900
neuerbaute Sudhaus ist ein Schmuckstück, ganz in
Weiß gehalten mit Wandvertäfelung, ein heller
Iuftiger Raum, der ein Doppelsudwerk mit
110 Zentner Schüttung und Abdampfkochung beherbergt.
 Nach den modernsten Gesichtspunkten
ist diese Anlage erstellt, sie gewährleistet höchste
und wirtschaftlichste Ausbeute von Hopien und Malz.
Die Würze wird in sterilen Kupferrohrleitungen
über große Kühlschiffe und Berieseler nach dem
Gärkeller geleitet, wo sie unter Zusatz von Hefe in
modernen Borsari-Eisenbetonbottichen der Gärung
unterliegt. In den Lagerkellern können 48000 hl
Bier in 70 großen Aluminium- und Stahltanks und in
ausgezeichneten Fässern gelagert werden. Diese
Großzügigkeit der Anlare finden wir wieder in der
        <pb n="335" />
        334

Sonderbeschreibungen:

A.W. JOCKERST

BRAUEREI

BOHLSBACH IN BADEN

Bierbrauerei Zorn Söhne

Palmbräu Eppingen

Angegliedert sind zwei Mälzereien in Eppingen und Sinsheim. Doppelsudwerk
 mit 30 Ztr. Schüttung, Gär- und Lagertanks aus Stahl und
Aluminium mit einem Fassungsraum von über 7000 hl. Der Fuhrpark
 besteht aus einer Anzahl Lastkraftwagen und Pferdegespanne

Gegründet 1835 durch Jakob Zorn, Zunftmeiste:r

Die Entwicklung der Brauerei Karl Neff, Friesenheim 1 B.

{m Jahre 1849 wurde die Brauerei von Joseph Neft gegründet, der mit
einem Kessel von 450 Liter zu brauen anfing. Maischbottich und Kühlschiff
 waren noch aus Holz, Im der damaligen Zeit durfte bis zum
Jahre 1865 nur in der eigenen Hauswirtschaft ausgeschenkt werden. Im
Jahre 1856 wurde ein Keller bergmännisch gebaut, in welchem das 5sogenannte
 Lagerbier gelagert wurde. Dies wurde im Winter gebraut und
ließ sich bis zum September halten. Um nun aber auch im Sommer
brauen zu können, wurde im Jahre 1859 ein Eiskeller daneben gebaut.
Von da ab fand das Bier auch außerhalb Absatz. Im Jahre 1876 ging das
Geschäft auf den Sohn Lorenz Neff über, welcher die Brauerei im
Jahre 1886 umbaute., Das Sudwerk mit einem Kessel von 1500 Litern,

las seither mit einem Göpelwerk betrieben worden war, wurde vom
'ahre 1896 an, durch eine Dampfmaschine betrieben. Da der Absatz
mmer größer wurde, erwies sich der Keller als zu klein und daher
vurde im Jahre 1902 eine große Kelleranlage mit Eiskeller für Stirn-‚nd
 Obereis erbaut. Im Jahre 1910 ging das Geschäft auf den jetzigen
ıhaber Karl Neff über. Durch die Kriegs- und Inflationszeit ging
‘ie Brauerei, wie viele andere auch zurück, hat sich aber dank der
rroßen Absatzmöglichkeit wieder erholt. Im Jahre 1925 wurde eine
noderne Eis- und Kühlanlage, System Linde, aufgestellt. Ebenso unterält
 die Brauerei neben dem Fuhrwerksbetrieb einen Lastkraftwagen
ind ist auch mit allen sonstigen modernen Einrichtungen versehen.

BRAUEREI M. KET Ir
Hornberg (Schwarzwaldbahn)

= R

Gegründet wurde diese Brauerei 1877 von Michael Ketterer. Die jetzigen Inhaber der Brauerei sind dessen Söhne
Emil und Albert Ketterer, weiche das Geschäft als offene Handelsgesellschaft betreiben. Die Brauerei hat auch eine
eigene Mälzerei. Brauerei und Sudhaus sind für Dampfbetrieb eingerichtet. Die Kühlanlage besteht aus einem
502 Doppelkompressor und einer Abdampfeismaschine. Der Gärkeller ist belegt mit Aluminium-, Emaille- und Borsaribottichen,
 die Lagyerkeller mit Holz- und Emaillegefäßen. Dem Fuhrpark dienen 2 Lastkraftwagen und einige Gespanne

£

aa

SS MUFKF'

"CH

Brauerei, Brennerei und Essigfabrik
reietonansenus | AH R IN BADEN 7etonanschus

HEINRICH WECKESSER
WIESLOCH IN BADEN
        <pb n="336" />
        Gruppe I Brauereien,

335

. a“

auereiß

I

Al

ropf, assel

Martinibräu hell und dunkel

Die im Jahre 1859 gegründete Privatbrauerei hat es’ verstanden, trotz
aller Einwirkungen der Kriegs- und der Nachkriegszeit ihre Betriebsanlagen
 ständig auf modernster Grundlage auszubauen und zu erweitern.
 Die Erzeurnisse der Brauerei AR Kropf, Martinibräu hell, dunkel,
Martini-Süßbier ur7 nzch Pilsener Art _gebraut, erfreuen sich größter
Zeliebtheit 1m” ?&amp;lt;: = "ne mnende Absatz beweist mehr als jedes Lob, daß
das Publikum Güte und Qualität des Kropf’schen Bieres zu schätzen weiß

Hirschen=Brauerei

Gebr. Klausmann

Waldkirch i. B.

Telefon Nr. 34

Gruppe II, Brauereianlagen und -einrichtungen
(einschließlich Tanks).

Seite
Bamberg, Kaspar Schulz . ..... 346
Berlin-Tempelhof, Rich. Klinger A.-G.. . 344
Dortmund, Schüchtermann &amp;amp; Kremer-Baum . . . .. 345
Grevenbroich, Maschinenfabrik Grevenbroich A.-G. 336
Klosterneuburg, Rostock &amp;amp; Baerlocher . . . . 338
Köln-Poll. Munk &amp;amp; Schmitz A.--G. ... 0... . 341

Seite
Köln-Mannsfeld, Schmiddingswerke . . ‚4. 344
Leipzig, Fischer &amp;amp; Lehmann. . . 346
— Hanner &amp;amp; Hering . oo. 020000000000.00.0.0.0 1. 346
Mannheim, F. Widmann &amp;amp; Sohn G.m.b.H.. . . . 339
Merzbrück, Paul Thyssen &amp;amp; Co... ....... 340
Wiesbaden, Gesellschaft für Lindes Eismaschinen A-G. 342
        <pb n="337" />
        336

Sonderbeschreibungen:
Ed —————————

Maschinenfabrik Grevenbroich A.-G.
Grevenbroich (Niederrhein)
Glasemaillierte Stahl-Lagertanks und Gärgefäße

Wissenschaft und Erfahrung haben übereinstimmend ergeben, daß sich glasemaillierte
 Stahl-Lagertanks und Gärgefäße zur Aufnahme des „edlen Gerstensaftes“ vorzüglich
 eignen. In richtiger Erkenninis dieser Tatsache haben sich schon unzählige Brauereien
zur Anschaffung glasemaillierter Gefäße entschlossen, und weitere Einkellerungen finden
ständig statt. Unter den verschiedenen Fabrikaten nehmen die
Grevenbroicher glasemaillierten Stahl-Lagertanks
und Gärgefäße

von jeher eine führende Stellung ein. Die Maschinenfabrik Grevenbroich stellt in modernen
 Werkstätten mit einem Stamm bewährter Facharbeiter Tanks und Gärbottiche von
ersiklassiger Qualität her. Sie verwendet nur bestes Rohmaterial und kleidet die Gefäße
innen mit einer besonders haltbaren, dunkelblauen Kobaltemaille, die in Brauereien als
Grevenbroicher Emaille rühmlichst bekannt ist, aus. Auch außen werden die Gefäße zur
unbedingten Rostverhütung dünn emailliert. Ein besonderer Vorzug der Grevenbroicher
Tankanlagen ist die geschützte Tragkonstruktion, wobei die Tanks in breiten, elastischen
Stahliragbändern auf verstellbaren Füßen ruhen. Diese Art der Tanklagerung gestattet
die äuBerste Ausnutzung der Kellerräume.
        <pb n="338" />
        Gruppe II Brauereianlagen und -einrichtungen,
&amp;gt;

337

Direkte Saltelung
Die nebenstehende Abbildung zeigt
ainen mit Grevenbroicher Tanks belegjen
 Lagerkeller, wobei die oberen Ge-‘äße
 mit der erwähnten Tragkonstruktion
direkt auf den unteren Tanks ruhen. Besondere
 Trägerkonsiruktionen, die Kosten
 verursachen und Pla wegnehmen,
sind nicht erforderlich. Der Keller ist
in jeder Hinsicht wirtschaftlich belegt.

Zwischensaltelung
Bei dieser Anlage sind die oberen
Tanks unter Verwendung der schon
erwähnten Tragkonstruktion zwischen
die unteren Gefaße gelegt. Sehr oft
wird diese Belegungsart eine noch
günstigere. Kellerausnutzung gestalten.
Das Kellerbild wirkt auch hier außerst
vorteilhaft.

Interessenten werden ven der
Maschinenfabrik Grevenbroich gerne
zweckmäßige Belegungspläne und Kos/enanschläge
 ausgearbeilel.

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="339" />
        338

Sonderbeschreibungen:

STANDFASSWERKE
ROSTOC BAERLOCE

Klosterneuburg bei Wien

Zweigbüro: Berlin-Schlachtensee ,/ Mariannenstft. 11

Die Standfaß werke Rostock &amp;amp; Baerlocher sind in der Brauindustrie Europas als führende
 Firma für den Bau von Hoch- und Etagenkellern, Tanktürmen, Abfüllhallen etc.
bestens bekannt @ Ihre modernen Etagentankkonstruktionen und Hochkellerbauten
mit direkter Innenkühlung haben auf dem Gebiete des Kellereiwesens bahnbrechend
gewirkt, so daß heute derartige Anlagen wegen ihrer großen Wirtschaftlichkeit in
Hunderten von Brauereien des In- und Auslandes eine von Jahr zu Jahr steigende
Verwendung finden. Die letzte Jahresproduktion der Standfaßwerke betrug 400000 hl
innengekühlte Gär- und Lagertanks @ Die Firma wurde im Jahre 1898 gegründet,
sie besitzt ein Zweigbüro in Berlin und eine Tochtergesellschaft in Paris

ROSTOCK-TANKTURM


enthaltend:
5 Etagen Lagertanks (40
Behälter, zus. 12000. hl)
1 Etage Gärbottiche (4 Be
hälter, zusammen 3000 hl)
3 Etagen Betriebsräume f
Berieselungskühler, Kühl.
schiff ‚u. Wasserreservoire
Ausgeführt für die Walsheim-Brauerei
 A. G. in
VWalsheim (Saar

Vorteile der

Rostock-Standgefäße
Kühltechnisch die besten Gefäße
Qualitätsverbessernd
Zwangsläufige Temperaturregulierung
Direkt gekühlt, enorme Kälteersparnis
Maximale Raumausnützung
Bedeutende Reduzierung der Baukosten
Keine Unterhaltungskosten
        <pb n="340" />
        339
F.Widmann &amp;amp; Sohn G.m.b. H. Mannheim
Aluminium-Apparatebau-Anstalt und Kupferschmiede

Gruppe II Brauereianlagen und -einrichtungen,

SCHON in dem im Jahre 1775 erschienenen Buche „Kurze Vorstellung der Industrie in den
drey Hauptstädten“ und „Sämmtlichen Oberämtern der Churfürstlichen Pfalz‘ ist unsere Firma
als Kupferschmiede in Mannheim genannt, die sich mit der Herstellung der in jener Zeit beliebten
Kupfergeschirre befaßte. Anfang der 80er Jahre, mit zunehmender Industrialisierung, wurde der
Apparatebau nach eigenen Konstruktionen und auch nach Zeichnungen in Kupfer, Nickel, Eisen
aufgenommen und in der Hauptsache Arbeiten für die Brauereien und chemische Industrie aus»
geführt. Im Jahre 1888 wurde der Betrieb wesentlich erweitert und nach der Langen Rötterstraße
verlegt, woselbst er sich heute noch befindet. Im Jahre 1907 haben wir als erste Firma in Deutschland
 die autogene Aluminiumschweißung nach patentiertem Verfahren aufgenommen und Apparate,
Behälter. usw. neben Kupfer und Nickel auch in diesem Metall angefertigt. In diese Zeit fällt
auch die Umstellung der Brauereien auf Groß», Gär» und Lagergefäße und haben wir uns sofort
auch diesem Gebiet zugewandt, auf dem wir große Erfolge erzielt haben.
Wir fertigen an:
Gärbottiche und Lagertanks in Aluminium
bis zu den größten Dimensionen
Wenn die örtlichen Verhältnisse eine Anlieferung in fertigem Zustande nicht zulassen, werden die
Gärbottiche und Lagertanks in Teilen in die Keller eingebracht und an Ort und Stelle betriebsfähig
 fertiggestellt.
        <pb n="341" />
        Fortschritte in der Ausführung und Lagerung der glasemaillierten
Stahllagertanks für Brauereien.

Sonderbeschreibungen:

Seit längerer Zeit führen viele Brauereien Klage,
daß die Lagertanks und die freistehenden Gärbottiche
 trotz mehrmaligen Grund- und Lackanstriches
 von außen im Laufe der Zeit rosten. Besonders
 hört man diese Klage von Brauereien, die
nasse und feuchte Keller haben.
Wenn auch die Tankfabriken die Gefäße vor der
Ablieferung bzw. während der Fabrikation von
außen gründlich abstrahlen, d. h. von Zunder befreien
 und anschließend anstreichen, so wird dieser
Übelstand durch das mehrmalige Anstreichen nach
der Montage nie zu beheben sein. Die Feuchtigkeit
der Keller und vor allem das salzige Tropifwasser
der Kühlleitung wirkt auf den Anstrich derart zerstörend,
 daß ein Rosten trotz besten Anstrichs im
Laufe der Zeit unvermeidlich ist.
Um nun diesen Übelstand ganz auszuschalten, ging
das Großtank-Emaillierwerk
Paul Thyssen &amp;amp; Co., Merzbrück, Kreis Aachen,
im Jahre 1926 zur Außenemaillierung seiner Tanks
über. Die von ihm hergestellten, nahtlos autogen
geschweißten Stahllagertanks (Thyssen-Tanks) aus
einem Stück werden außen in Qualität und Aus-"ührung

 wie die Innenemaille emailliert. Die helllaue
 Außenemaille der Thyssentanks schützt die
Tanks vor Einflüssen, die zur Rostbildung führen
zönnten. Zudem kommt auch hierdurch der
lauernde Anstrich und die damit verbundenen
aufenden Kosten in Fortfall.
Diese technische Neuerung wurde sofort von
zielen Brauereien sehr begrüßt, so daß heute nur
liese Tankausführung für eine modern eingerichtete
3rauerei in Frage kommt.
Das Großtank-Emaillierwerk Thyssen, das die
;rsten außenemaillierten Tanks geliefert hat und
nfolgedessen die größten Erfahrungen sammeln
zonnte, liefert heute die idealste Ausführung durch
seine innen und außen doppelt glasemaillierten
Tanks von unbegrenzter Wertbeständigkeit.
Da für Nahrungsmittel als Aufbewahrungs- bzw.
_agergefäße fast ausschließlich Glas und Porzellan
ler Vorzug gegeben wird, damit keine Trübungen
ınd Geschmacksbeeinflussungen eintreten, so ergibt
jich bereits hieraus die Folgerung, daß für die Braundustrie
 das reine Glasgefäß, d. h. der glasamaillierte
 Tank zur Gärung und Lagerung das
sinzig. idealste Gefäß ist. In diesem Gefäß wird die
beste und sauberste Reinigung erzielt. Es wird daher
 der verwöhnteste Feinschmecker bei hellem
Bier oder Bier nach Pilsener Art, das im glasemaillierten
 Tank gelagert hat, keinerlei Geschmacksbeeinflussung
 feststellen können.
In der Lagerung bzw. Form der Tanke weisen die
I’hyssentanks verschiedene technische Verbesserungen
 auf.
So ist in Figur I eine Lagerung von konischen
Boden- und Satteltanks dargestellt. Der große
Vorteil der konischen Tanks besteht darin, daß am
vorderen Boden sowohl der höchste als auch der
tiefste Punkt ist, da die Mittelachse horizontal und
der größere Boden vorne liegt. Der weitere Vorteil
besteht darin, daß die Tanks, da sie fast ganz gefüllt
werden können, gut ausgenützt sind. Die lange Luftleitung,
 die bis heran von dem hinteren Boden zu
dem vorderen heruntergezogen wurde und vielfach
schlecht zu reinigen war, fällt fort. Die Luftarmatur
kann sofort an dem vorderen Boden angebracht
werden.
        <pb n="342" />
        Gruppe II Brauereianlagen und -einrichtungen, 341
Stelle des vorderen Bodens an einem Stutzen einen
Luftdom „c‘“ angeschraubt. Dieser Luftdom besitzt
ainen abschraubbaren Deckel „d‘“, wödurch der Luftdom
 gleichzeitig als Schau- und Einfüllbüchse Verwendung
 finden kann. Nach unten zeigend sitzt ein
Dreiweghahn „e“, so ‚daß diese Luftarmatur für
Kolonnen und Einzelspundung eingerichtet ist.
Pos. „b“ stellt den Mannlochverschluß dar und „a“
den Füll- und Ablaßhahn (Fckablaufß).

7

7

Um jegliche Luftleitung zu vermeiden und um eine
einfache, jedoch äußerst praktische Luftarmatur zu
erhalten. haben die Tvssentanks an der höchsten

Als weitere technische Verbesserung bringt das
Werk, in Figur II dargestellt, auch Thyssentanks mit
Zwischenboden in stehender Anordnung. Bei dem
bisherigen System der aufeinanderstehenden Tanks
wird durch die Feuchtigkeit des Kellers die
Zwischenlage zwischen den Böden zerstört und
bröckelt im Laufe der Zeit ab, was leicht zu Infektionen
 führt. Durch die Ausführung der Tanks
mit Zwischenboden wird dieser Übelstand ganz bejeitigt,
 wozu noch der große Vorteil der guten Aus-1ützung
 der Kellerhöhe kommt.
Da das Einsetzen des Zwischenbodens durch die
saubere und fachgemäße Fabrikation von außen
nicht zu erkennen ist, also die beiden Zellen wie ein
Tank wirken, so hat die Belegung des Kellers mit
solchen „Thyssen-Tanks“ eine prachtvolle Wirkung.

A 395%. 8 7 Ws % AV 5 £- Fr. a” le
Ab? Emaillit- Tanks, Köln-Poll.

D* Firma Munk &amp;amp; Schmitz A.-G. wurde im Jahre 1880 gegründet; sie stellte in den ersten Jahren
hauptsächlich Armaturen her für Brauereien und Brennereien. Als weiterer Fabrikationszweig wurden
Blecharbeiten und später auch die Herstellung von Tanks für Brauereien übernommen, Im Herbst 1918 wurden
neue erweiterte Werksanlagen in Betrieb genommen, die heute auf einem Gelände von ca, 25000 qm Kesselschmiede,
 Kupferschmiede, Blechschweißerei, Sandstrahlerei und Emaillitier-Werk umfassen.
Als alleinige Lizenz-Inhaberin des patentierten Verfahrens zur Herstellung der Emaillit-Lagertanks und Gärbottiche
 D.R.P., befaßt sich die Firma mit Fabrikation und Vertrieb dieser Tanks, die, seit Jahren bekannt,
Irüher von der ehemaligen Tankbau-Gesellschaft m. b. H. Köln vertrieben wurden, während die Herstellung
der Gefäße von jeher durch-die Firma Munk &amp;amp; Schmitz A.-G. erfolgte,
Fmaillit-Tanks werden aus besten S.M.-Blechen bis zu 3,1 m Durchmesser und 10 m Länge fugenlos beiderseits
 geschweißt. Die Schweißnähte werden auf beiden Seiten sauber geschliffen und die Tanks alsdann mittels
Sandstrahlgebläse lupenrein entzundert, Hierauf werden die Gefäße innen und außen mit Emaillit nach dem
oben erwähnten patentierten Verfahren gebrannt.
Die besonderen Vorzüge der Emaillit-Fabrikate bestehen in der außerordentlichen Elastizität der Glasur, also
der hohen Stoßfestigkeit, ferner in der guten Benetzbarkeit der Wandungen (geringe Oberflächenspannung)
sowie in der nachgewiesenen und für die Nachgärung vorteilhaften Isolierfähigkeit. Hierdurch wird u, a, bei
den Emaillit-Gärbottichen das Einmaiuern erspart, wie überhaupt Emaillit-Gefäße nach dem Urteil vieler maßgebenden
 Brauereien und Fachleute in ihren Eigenschaften dem Holzgefäß am nächsten stehen.
Die Firma kann auch Gefäße mit fremder Innenauskleidung resp. zerstörtem Anstrich emaillitieren, sofern derartige
Gefäße nicht allzu stark verrostet sind. Solche Gefäße haben dann die gleiche Haltbarkeit, wie neue Emaillit-Tanks.
        <pb n="343" />
        342

Sonderbeschreibungen:
A

Källemaschinenanlage von 750000 kceallstd

Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen A.-G., Wiesbaden.

Als Geheimrat Professor Dr. C. von Linde, der Begründer
 der nach ihm benannten Gesellschaft für
Linde’s Eismaschinen A.-G., anfangs der 70er Jahre
mit‘ der Veröffentlichung; seiner bahnbrechenden
theoretischen Arbeiten über die Verbesserung der
Kältemaschine den Grundstein legte zu der heute
hochentwickelten Kälteindustrie, da waren es
Brauereikreise, die als erste die große Bedeutung
dieser umwälzenden Erfindung insbesondere für das
Brauwesen erkannten und Linde den Vorschlag
machten, eine solche Maschine nach seinen Angaben
ausführen zu lassen. Im Jahre 1876 waren die erforderlichen
 Vorarbeiten so weit gediehen, daß die
erste Lindesche Versuchsmaschine in der Münchener
Spatenbrauerei aufgestellt werden konnte.
Bereits die ersten mit dieser Maschine vorge-Gärkeller

 für 1126 hl mit Ventilationskühlung.

ı1ıommenen Versuche. über Würze- und Gär-&amp;gt;ottichkühlung
 bestätigten in vollem Umfange
lie erwarteten großen wirtschaftlichen und techıschen
 Vorteile der unmittelbaren Kühlung des
&amp;lt;ühlgutes durch den Kälteträger selbst oder durch
xalte Sole ohne den Umweg vorheriger Eiserzeugung
ınd veranlaßten 1877 die Spatenbrauerei, die nach
ler Dreherschen Brauerei in Schwechat die größte
lamals bestehende untergärige Bierbrauerei war,
hren gesamten Kältebedarf für diese Zwecke mit
lilfe maschinell gekühlten Süßwassers an Stelle des
»isher durch Natureis gekühlten zu decken. Noch
m selben Jahre wurde eine Anlage für Süßwasserzühlung
 auch an eine obergärige Brauerei nach
„ondon geliefert und die erste Gärkellerluft-&amp;lt;ühlung
 zur Trocknung und Reinigung der mit

Eiserzeuger. 1550 Zir. Tagesleistung
        <pb n="344" />
        Gruppe HN Brauereianlagen und -einrichtungen,
Ventilatoren in Umlauf gehaltenen Raumluft für die
Drehersche Brauerei in Triest ausgeführt, wo die
leuchtwarme Atmosphäre in den Gärkellern erhebliche
 Betriebsschwierigkeiten verursachte.
Während diese Neuerungen sich im Brauereibetriebe
verhältnismäßig rasch durchsetzen konnten, bestanden
 über die Betriebssicherheit der maschinellen
Lagerkühlung lange Zeit große Bedenken. Mit
Rücksicht auf den großen Mangel an Lagerraum entschloß
 sich die Dortmunder Aktienbrauerei als erste
im Jahre 1881 die sogenannte „stille‘* Kühlung mit
natürlichem Luftumlauf, wie sie später für diese
Zwecke allgemein angewandt wurde, in einem großen
Block von sechs Kellern einzurichten. Die zu den
Lagerkellern gehörigen Eisräume wurden dadurch
überflüssig und konnten in wertvolle Lagerkeller umgewandelt
 werden. Schon zwei Jahre nach der
Durchführung der ersten großen Lagerkellerkühlung
war es eine feststehende Meinung in der Brauerwelt,
daß diese Leistung der Lindeschen Maschine von

343
uch die kleineren Unternehmungen ihren Kältejedarf
 auf maschinelle Weise decken.
Schließlich wird die moderne Kältemaschine von
lenBrauereien im ausgedehnten Maße auch zur
&amp;lt;unsteiserzeugung sowie zum Konservieren der
Hopfen- und Hefevorräte herangezogen. Die
Mälzereien bedienen sich ihrer bei der Kühlung
ler Tennen und Keimanlagen und sichern sich damit
len Vorteil eines durchlaufenden Betriebes. In den
?3aß-und Flaschenbierniederlagen der
3rauereien, in Hotels, Gast- und Schankvirtschaften
 und ähnlichen Betrieben halten
ägene Kälteanlagen die Bier- und Lebensmittelzorräte
 stets frisch und liefern bisweilen auch Eis für
len eigenen Bedarf und die Kundschaft. Bei den
‚etztgenannten Fällen gelangen mit Vorteil die
„indeschen Kleinkältemaschinen „Rheinland‘“ und
‚Autopolar“ zur Aufstellung, die von der Gesellschaft
Linde nach eigenen Patenten im wohlfeilen Reihenbau
 erstellt werden.

Aluminiumtankkeller für 3200 hl mit Ventilationskühlung.

Kleiner FaB- und Flaschenbierkühlraum.

noch größerer Bedeutung sei als die 1876 erstmals
durchgeführte Würze- und Gärbottichkühlung. Ermöglichte
 doch die Kältemaschine durch die einfache
Bereitstellung beliebig großer und zu jeder Zeit verfügbarer
 Kältemengen das bisher auf die kältere
Jahreszeit beschränkte Brauen untergäriger Biere
in einem das ganze Jahr durchlaufenden Betrieb und
erfüllte so eine der wichtigsten Voraussetzungen für
die Entwicklung des Braugewerbes zu einer achtunggebietenden
 Industrie. Mit der Umstellung der
Brauereien auf maschinelle Kühlung ließ sich infolge
beträchtlicher Ersparnisse an Zeit und Arbeitsaufwand
 eine größere Wirtschaftlichkeit des gesamten
 Brauereibetriebes und außerdem eine bessere
Qualität des erzeugten Bieres erzielen, so daß heute

Außer zahlreichen Kleinkältemaschinen mit stündichen
 Leistungen von 200 bis 15 000 Kalorien wurden
und 11000 Großkältemaschinen in den letzten
50 Jahren von der Gesellschaft Linde für die verschiedensten
 Zwecke geliefert, darunter allein weit
iber 3000 Maschinen an 2000 Brauereibetriebe des
n- und Auslandes. Die Gesamtkälteleistung aller
„indeschen Großkältemaschinen beträgt rund 1,2 Milijarden
 Kalorien pro Stunde oder 28,8 Milliarden
Salorien pro Tag. Dieser Tagesleistung entspricht
lie Schmelzwärme einer Eismenge, die in einem
jüterzug verladen 36 000 Eisenbahnwaggons zu je
.0 t einnehmen würde. Denkt man sich die einzelnen
Waggons aneinander gereiht, so würde dieser Zug
von Berlin bis nach Hannover reichen.
        <pb n="345" />
        4

+

a

Sonderbeschreibungen:

„ÖM-Mannsicla
‘4e6'5, Apparate- und Maschinenbau
im Jahre 1878 in Köln gegründet

In den einzelnen Werksabteilungen werden fast alle hochwertigen Metalle wie Kupfer und dessen
Legierungen, Rein-Aluminium und dessen Legierungen, VzA usw., verarbeitet. — In der Brauerei-Spezial-Abteilung
 fertigt die Firma alle Gefäße, Apparate und Kleingeräte, die im Brauereibetrieb Verwendung finden, an.
1. Gär- und Lagerkeller wurden in den verschiedensten Ausführungen mit Rein-Aluminium-Bottichen und
-Lagertanks bis zur Einzelbelegung von über 40000 hl mit bester Raumausnutzung im Inlande, Auslande
und Übersee belegt und montiert. . Ebenfalls wurden die dafür erforderlichen Kühlschlangen aus Kupfer oder
Aluminium eingebaut, Drucktanks und komplette Drucktankanlagen für kontinuierliches Füllen und Abfüllen,
 kippbare und feststehende Hefewannen mit und ohne Kühlmantel, in Kupfer und Rein-Aluminium,
jahrbar und auf Wandkonsolen, werden hier hergestellt. Ferner Schlegel-Klärer, D. R. P. a., die würdigsten
Vertreter der infektionsgefährlichen Holzspäne.
2, Besonders sei auf die Einrichtung von kompletten Hefewäschereien (Hefewaschgefäß System Hövelhaus-Schmidding
 D.R.P, a. und System Müller D. R.P. a.) an dieser Stelle hingewiesen. Sämtliche Systeme
sind technisch gut durchkonstruiert, in der Praxis durchgreifend erprobt und verhindern den Verlust an Staubhefe.
 Auch der von dieser Firma hergestellte Pasteurisierapparat in Kupfer oder Kupfer und Eisen, welcher
zum Pasteurisieren von Süßbieren, sowie hellen und dunklen Bieren mit anschließender steriler Abfüllung
dient, hat ein großes Absatzgebiet gefunden. Abseihbiere, Gelägerreste, Vor- und Nachlauf, Abspritzbiere
usw., kurz das Restbier wird in demselben Apparat wieder aufbereitet ohıne Brotgeschmack oder sonstige
Änderungen des Biertyps hervorzurufen. .
3. Ausführung von Sonderapparaten für die gesamte Brauindustrie. Erwähnt sei der denkbar einfache
Hochkocher für Würzepfannen, ohlıne Dampizusatz, durch den die Würze intensiv gepeitscht wird, damit
 gleichgehend eine erhöhte Koagulation des Eiweiß bedingt.
Reiche Erfahrungen auf dem technischen Gebiet der Brauerei, gestützt auf Ia Zeugnisse, Nachbestellungen
aus dem In- und Auslande, verbürgen Leistungsfähigkeit und erstklassige Ausführung.
Die Mitarbeit bekannter Wissenschaftler sowie die Auswahl besonders geschulter Facharbeiter bieten die
Gewähr für gut durchdachte und sauber ausgeführte Erzeugnisse.

Eine
rationelle Betriebsführung
rrarer

a

erfordert die Verwendung hochwertiger Dampf - Absperrorgane zur Vermeidung von
Dampf- und Kohlenverlusten.

Klin Ventil D.R.P
inger-Venüul D.R. Fr.
DAS bietet hierfür Gewähr infolge der Möglichkeit des Nachdichtens während des Betriebes.
Klinger-Ventil D.R.P. | | |
ist das Ventil für besonders beanspruchte Stellen wie etwa im Sudhaus an den Einmaisch-
 und Läuterbottichen, den Maischpfannen, den Sudhausvorwärmern, den Pasteurisierkammern
 und an allen andern Heizdampf führenden Leitungen.
Über roo Brauereien von Ruf haben die Vorzüge des Klinger-Ventils D.R.P.
erkannt und beweisen durch laufende Nachbestellungen seine besondere Bewährung für
die speziellen Anforderungen des Brauereibetriebes.

Druckschrift KV 14
gibt Ihnen nähere Aufschlüsse

ZAÄIC H KLI N 6 ER AKTIENGESELLSCHAFT, BERLIN-TEMPELHOF.
; N X GES. M. B. H., GUMPOLDSKIRCHEN/WIEN.
        <pb n="346" />
        Gruppe II Brauereianlagen und -einrichtungen,

345

SCHÜCHTERMAN! &amp;amp; AAREMER - BAUM
AKTIENGESELLSCHAFT FÜR AUFBEREITUNG
‚DORTMUND
Abieilung Maschinenbau

Zum Zwecke weitgehender Rationalisierung
ihrer Betriebe und um die im Laufe von Jahrzehnten
 gewonnenen Erfahrungen gegenseitig
auszunutzen, haben sich Ende 1927 die Firmen
chaft Sch

der

rk.

P

al FAC tl
Pistiensesellschaf

Maschinenfabrik in Dortmund, die
kurz vorher die Aufbereitung A.-G.,
Essen übernommen hatte, und die
cHiengesellsa alaaıid
in Herne zu der neuen Firma
„ dumm
für Aufbereituns
zusammengeschlossen

Mm € V%

Neben der Abteilung Aufbereitung, die sich mit dem Bau von
Aufbereitungs- und Brikettierungsanlagen mit allen damit in
Verbindung stehenden Hilfsanlagen und Maschinen befaßt,
also auch Kohlentransporteinrichtungen für Kessel.
häuser herstellt, wird vor allem der Maschinenbau mit Nachdruck
 betrieben. Der Schwerpunkt der Erzeugung liegt hier
im Bau von Eis- und Kälteerzeugungsmaschinen, die
mit allen zur Kälteverwendung dienenden Einrichtungen geliefert
 werden, wie z.B. mit Kellerberohrungen, Luftkühlern,
Süßwasserkühlern, Gärbottichkühlern usw., und in der Herstellung
 von Dampfmaschinen, Dampfturbinen, Luftkompressoren,
 Kreiselpumpen und Ventilatoren.
Den Werken ist ferner eine Abteilung für Eisenkonstruktionen
 und eine leistungsfähige, neuzeitlich eingerichtete
Lochanstalt angegliedert. Hier werden Senkbodenbleche und
jertige Senkböden, Darrbleche, Hopfenseiher, Putzund
 Reibebleche, Malztrommelbleche, Filter und
Bohrrohre hergestellt. Hier entstehen aber auch in großem
Umfange gelochte Bleche für jeden anderen technischen Verwendungszweck,
 ferner die Waffelbleche für Treppenstufen,
Laufstege und Abdeckungen und vor allem das Streckmetall.
Dieses wird in ausgedehntem Maße zur Abdeckung, Vergitterung
 und als Einlage für Eisenbetonbauteile, wie Wände,
Decken und dergleichen verwendet; bei Abdeckungen und
Vergitterungen vor allem deswegen, weil es neben seiner
Festigkeit und Dauerhaftigkeit die Vorzüge der
Lichtdurchlässigkeit und der Preiswürdigkeit verbindet.
        <pb n="347" />
        346

Sonderbeschreibungen:

Kaspar Schulz - Bamberg

Sudhaus-Anlagen / Kühlschiffe
Flächenberieselungs-Bierkühlapparate
Gär- und Lagergefäße aus Stahl mit Mammutauskleidung
Mälzerei-Anlagen

BES

Gegründet 10911

/ Bel G=C
Inh. ALFRED HADICKE Telefon 19234

EEE

Fachgeschäft

n Maschinen, Apparaten, Tanks usw. für die gesamte Brau-, Malz- und Flaschen-&amp;lt;ellerei-Industrie.


Ausarbeitung

von Projekten!
Fachmännische Beratung bei Anschaffung von Maschinen, Kühlanlagen, Belegung
von Kellereien mit Tanks usw.

FORDERNSIE KOSTENLOS INGENIEUR-BESUCHI

HANNER &amp;amp;. HERING + LS.

FF
I.

Telefon 19639

&amp;gt;ZIG C1

Spezialfirma für Brauerei-, Mälzerei- und Kellerei-Bau und -Einrichtung.

Entwürfe
Bauzeichnungen n
Bauleitung f N
Werfschätzungen DD
Maschinen en
Apparale
Tanks

Die Firma haf sich durch zielbewußte Täfigkeif
einen guten Ruf und führende Stellung erworben.
Nach ihren Entwürfen und Plänen wurden viele
Brauereien und Mälzereien des In- und Aus-:andes
 gebauf, erweilterf, umgebauf und eingerichfef.
 Für eine große Anzahl Brauereien isf
sie ständiger fechnischer Beiraf. Viele namhaffe
Defriebe kann sie seif ihrem Bestehen zu ihren
Treuen Kunden zählen.

Gruppe !Ia, Brauerei- und Kellereimaschinen.

Seite
Berlin, Allg. Elektrizitäts-Ges. ......... 347
Berlin-Schöneberg, Gambrinus Kurt Sahlmann
A
Dortmund, Kramer &amp;amp; Lange ........ . 351
Dresden, Louis Herrmann . . 2.0.0.0... ., 353
Halte, W. Rüprich „Hakemfa‘ . . ER. 352

Seite
Halle, Willy Zander G.m.b.H. ..... . . 351
Leipzig, Oskar Bothner, Maschinenfabrik . . „348
-— Prößdorf &amp;amp; Koch Nach, . ..0.00.00.00.0.0 0.0. , 353
Mannheim, Enzinger Union-Werke A.-G, . . . .. 349
München, Stolz &amp;amp; Reindl . . 2.0.0.0... 257
ı — Fritz Wörz G.m.b.H. - .. .- ar“
        <pb n="348" />
        Gruppe INa Brauerei- und Kellereimaschinen.

347

Die Elektrizität in der Brauindustrie
Mitteilung der AEG

Die Finführung der Elektrizität in Brauereien ist ebenso alt
wie die Geschichte der Elektrizität selbst. Sie wurde begünstigt
 durch die zahlreichen Vorzüge des elektrischen
Stromes, die dieser Energieform gerade in Betrieben, bei
denen es auf peinlichste Sauberkeit ankommt, zu der weitestgehenden
 Verbreitung verholfen haben, so daß es heutzutage
wohl kaum eine größere Brauerei gibt, die
ohne dieses moderne Hilfsmittel auskommt.
Früher wurde die insgesamt benötigte
Kraft von einer zentral aufgestellten
Dampf- oder sonstigen Kraftmaschine
erzeugt und von dieser einen Stelle aus
durch lange, staubaufwirbelnde Transmissionen
 unter großen Verlusten in
alle Betriebsräume verteilt. Bei Verwendung
 elektrischer Antriebe. hingegen
wird die Energie nahezu verlustlos: durch
dünne Drähte zu jeder beliebigen Stelle
einer Anlage geleitet, so daß :also ohne
Schwierigkeiten die Möglichkeit besteht;
die Antriebe soweit zu unterteilen, wie es
für eine wirtschaftliche Betriebsführung
zweckentsprechend erscheint. Hierdurch
wird außerdem noch eine große Übersichtlichkeit
 der ganzen Anlage erzielt,
was für die Sudhausantriebe, bei denen .
in den meisten Fällen für den Antrieb der Maischpfanne,
Pumpen usw. eine Regulierung der Drehzahl erforderlich ist,
Sesonders ins Gewicht fällt,
Über die Wahl des wirtschaftlichsten Stromsystems für
Brauereien läßt sich generell keine Angabe machen, Im allgemeinen
 arbeiten diese Betriebe mit Rücksicht auf die verhältnismäßig
 zahlreichen Reguliermotoren mit Gleichstrom,
jedoch .können gegen die Verwendung von: Drehstrom keine
Bedenken aufkommen, da: auch bei dieser Stromart für eine
Regulierung der Motordrehzahl
 verschiedene Möglichkeiten
 bestehen, In Betrieben,
die ihren Strom nicht selbst erzeugen,
 sondern in Form von
Drehstrom. von einem Elektrizitätswerk
 beziehen, wäre
es auf jeden Fall dringend zu
empfehlen, eine Wirtschaftlichxeitsberechnung
 für OGleichstrom
 und für Drehstrom aufzustellen.
 Man wird in vielen
Fällen, wenn nämlich bei den
Reguliermotoren, bezogen auf
die jährliche Gesamtbetriebsstundenzahl,
 verhältnismäßig
kurze Zeit mit verminderter
Drehzahl gefahren wird, Zu
dem Ergebnis kommen, daß die
Gesamtbetriebsunkosten für
Gleichstrom infolge der hierbei
 notwendigen Aufstellung
von Umformern und dadurch
bedingter erheblich höherer
Kosten für Abschreibung und

Jerzinsung wesentlich höher liegen. Zu berücksichtigen ist bei
ler Wahl der Stromart auch der außerordentlich einfache Aufau
 der Drehstrommotoren. Im Bild 1 ist ein Drehstrom-Joppelnutmotor
 dargestellt. Es ist. dies eine Maschine ohne
eden Bürstenapparat für konstante Drehzahl, welche die elekrischen
 Vorzüge des Schleifringmotors mit denen des einfachen
Aufbaues des Kurzschlußankermotors in
sich vereinigt, Es wäre jedenfalls ratsam,
bei Neuprojektierungen zur Klärung dieser
Frageneinen Spezialisten zu Rate zuziehen.
“ Die Spannung wird in Brauereien mit
Rücksicht auf Erdschlußgefahr noch
immer verhältnismäßig niedrig gewählt,
as ist jedoch zu berücksichtigen, daß die
Stromstärke um so größer wird, je kleiner
die Spannung ist, und daß die Technik
schon seit längerer Zeit Isolationsmaterialien
 zu liefern imstande ist, bei denen
selbst in den feuchten Räumen einer
Brauerei auch bei höheren Spannungen
die Gefahr von  Erdschlüssen ausgeschaltet
 ist. Es besteht daher keine Notwendigkeit
 mehr, die Kabel- und Verteilungsanlagen
 durch Wahl niedriger
Spannungen unnötig zu ‚ verteuern.
Bild 2 = zeigt eine moderne Lichteitungsverlegung
 im Gärkeller einer Brauerei,
Die Bauart der Motoren muß je nach dem Verwendungs-‚weck
 gewählt werden, Die Antriebsmotoren der Transıortmaschinen
 für das Malz werden im allgemeinen in
ıffener Bauart ausgeführt werden können, jedoch ist zu
‚jerücksichtigen, daß diese Betriebsanlagen ziemlich starker
Staubentwicklung ausgesetzt sind, so daß ein besonderer
Schutz der empfindlichen Lager unbedingt ratsam ist. Für
lie Sudhausantriebe und die Nebenbetriebe (Faßwaschmaschinen,
 Flaschenspül- und
?7illmaschinen usw.) empfiehlt
sich eine tropf- oder spritzwassersichere
 Bauart, die
einen Schutz der Wicklung
zegen das Wasser bietet,
jedoch wird man auch hier in
vielen Fällen durch erhöhte Aufstellung
 der Motoren oder ähnıichezweckentsprechende
 Maßı1ahmen
 mit der billigeren offenen
 Bauart auskommen können.
Es ist daher bei Neuanlagen
der Erweiterungen bzw. bei
Modernisierung veralteter Anagen
 empfehlenswert, die
Fragen der wirtschaftlichsten
Antriebsform mit einer Elekirizitätsfirma
 zu besprechen.
Jie AEG liefert die vollstänlige
 elektrische Einrichtung
jür Brauereien und Mälzereien
und stellt jederzeit. Spezialingenieure
 zur Projektbearbeitung
 zur Verfügung,

Tropfwassergeschützter AEG - Doppelnutmotor

Lichtinstallation mit Feuchtraumleitungen
        <pb n="349" />
        348

Sonderbeschreibungen:

Neueste automatische Faßreinigungsmaschine Modell RAV

Oscar Bothner, Maschinenfabrik, Leipzig

Die Gründung der Firma erfolgte im Jahre 1866 durch Herrn
Oscar Bothner in Leipzig. Der Geschäftszweig bestand zunächst
 im Verkauf von Apparaten und einfacheren Einrichtungen
 für Brauereien und Mälzereien, die jedoch nur zum
Teil im eigenen Betrieb hergestellt werden konnten. Nach
25lährigem Bestehen und guter Einführung trat im Jahre 1891
Herr Ernst Drechsler als Ingenieur in die Firma ein. Durch
die starke Arbeitskraft des Genannten und Auswertung seiner
langjährigen praktischen Erfahrungen, sowie eine gleichzeitige
sehr rege Reisetätigkeit erfuhr die Firma eine vollständig
neue Entwicklung und weitere Ausdehnung. Neben den bisherigen
 Faßwaschanlagen und Einrichtungen für Weichenlüftung
 wurden insbesondere auch pneumatische Transportanlagen
 in größerem Umfange und in verbesserter Ausführung
 hergestellt. Im Jahre 1896, als sich Herr Bothner
infolge Krankheit von der geschäftlichen Betätigung zurückziehen
 mußte, wurde Herr Drechsler Teilhaber der Firma
und war nun insbesondere auch bestrebt, alle Bestandteile
des Verkaufsbereiches im eigenen Betrieb zu erzeugen. So
entstand das im Jahre 1903 bezogene Fabrikgebäude mit
größeren Wohnhäusern in der Kronprinzenstraße, Im Jahre
1906 starb der Gründer der Firma, Herr Oscar Bothner,
seine Erben blieben am Geschäft beteiligt bis 1916. Von
dieser Zeit an war Herr Drechsler Alleininhaber der Firma
und nahm im Jahre 1920 zur Unterstützung seinen Neffen,
Herrn Paul Romberg, als Teilhaber auf. Letzterer war schon
1903 als Ingenieur in. die Firma eingetreten und konstruierte
im Jahre 1904 auf Anregung seines Onkels die erste, 1905
in die Praxis gekommene, vollautomatische. Faßreinigungsmaschine
 mit Unterantrieb. In fortschreitender Entwicklung
wurde diese durch eine Anzahl Patente geschützte Maschine
von Jahr zu Jahr weiter vervollkommnet und fand infolge
ihrer großen Vorzüge und hohen - Rentabilität einen überraschenden
 Anklang. Schon in den folgenden fünf Jahren sind
gegen 300 derartige vollautomatische Faßreinigungsmaschinen
geliefert worden. In diesen lebhaften Entwicklungsjahren
reichten die neuen Fabrikräume nicht mehr aus und mußten
durch einen Neubau für Montage, Lager und Büros erweitert
werden. Hand in Hand hiermit ging auch eine bedeutende
Vergrößerung der maschinellen Einrichtungen,
Die Maschinen der ersten Bauperiode bestanden aus getrennten,
 zu gemeinsamer automatischer Arbeit verbundenen
Apparaten, Diese Bauweise wurde im Jahre 1911 aufgegeben.
An ihre Stelle trat der bereits im Jahre 1909 von Herrn Romberg
 konstruierte und durch weitreichende Patente geschützte
Vollautomat mit gemeinsamem Beschickungstransporteur für

;ämtliche Arbeitsstationen. Durch Spezialisierung auf dieses
7abrikationsgebiet ist unter sorgfältiger Auswertung langähriger
 Betriebserfahrungen ein sehr hoher Grad der Vollcommenheit
 im Bau dieser Automaten für die Faßreinigung
&amp;gt;rreicht worden.
Vorstehende Abbildung . zeigt die neueste Ausführung ‚der
Zaschine für vollständig selbsttätige Außen- und Inneneinigung.
 Die schmutzigen Fässer werden auf eine Zulaufjahn
 gelegt und von dieser periodisch durch Zubringerarme
1ach der Abnahmestelle des .Faßtransporteurs angehoben.
Hierauf wird das Faß unmittelbar vom Transporteur in tiefer
‚age erfaßt (DRP.) und nach der Vorfüllstation, Bürstnaschine,
 Spundlochsuchervorrichtung, den drei Spülstationen
ınd einer Entleerungsstelle getragen, Es findet also kein Einollen,
 sondern ein Eintragen der Fässer in alle Arbeitstationen
 der Maschine statt. Der durchgehende Faßtrans-;orteur
 bewegt sich während der Weiterbeförderung der
’ässer mit gesteigerter Geschwindigkeit, so daß eine längere
geinigungszeit auf sämtlichen Stationen erreicht wird.
Auf der Vorfüllstation wird das Faß durch antriebslose
Zichtorgane (DRP.) symmetrisch eingestellt und nach‘ Arreierung
 des Spundloches in oberer Lage teilweise mit heißem
Nasser gefüllt. Die Arbeitsweise der Vorfüllstation (DRP.)
st bei jeder Faßgröße vollautomatisch. In der mit dem: Spundıch
 nach oben gerichteten Lage erfolgt hierauf die Überragung
 zur Bürstmaschine ohne Wasserverlust. Während
er lebhaften Rotation des Fasses unter den Bürsten dieser
‚rbeitsstelle -findet gleichzeitig eine innere Vorweichung und
in Ausschwanken mit dem eingefüllten Wasser statt. Von
ier Bürstmaschine gelangt das Faß auf die ebenfalls mit anriebslosen
 Richtorganen ausgestattete Spundlochsuchevorrichung.
 Nach Fixierung des Spundloches in unterer Lage entleert
ich restlos das eingefüllte Vorweichwasser, und das Faß wird
uf die rotierenden Ausspritzdüsen für die Innenreinigung
‘;bertragen, deren Ventile sich automatisch öffnen und
chließen. Vor dem Verlassen der Maschine wird das geeinigte
 Faß zum völligen Austropien der Spülwasserreste
ıoch auf eine Entleerungsstelle oder bei winklig gelegener
«blaufbahn auf einen automatischen Wendeapparat abgesetzt.
Bisher hat die Firma Oscar Bothner über 700 derartige
aßreinigungsanlagen in allen Brauereien der Welt aufsestelit.
 Diesen Vollautomaten ist die Lieferung von etwa
000 einfacheren Faßwascheinrichtungen in nicht- oder halbıutomatischer
 Ausführung im wesentlichen vorangegangen,
‚um Teil ist sie auch gleichzeitig erfolgt.
        <pb n="350" />
        Gruppe IMla Brauerei- und Kellereimaschinen

S———

349

Enzinger Union-Werke Aktien-Gesellschall

Ye

"aim

Zwei Namen sind es, die gerade jetzt, anläßlich
 des 50jährigen Filterbau- Jubiläums,
wieder besonders hervortreten und unlösbar
mit der Geschichte der deutschen Brauindustrie
verknüpft sind:
Lorenz Adalbert Enzinger, der Gründer der
Enzinger Werke, Aktiengesellschaft in
Worms, und
Heinrich Stockheim, der Gründer der Union-Werke
 Aktiengesellschaft, Maschinenfabriken
 in Mannheim.
Besonders eng verbunden sind diese beiden
Namen mit dem gewaltigen Aufschwung der
Enzinger-Union-Werke Aktien-Gesellschäft,
Mannheim
zu der sich die beiden vorgenannten Unternehmungen
 im Jahre 1924 zusammenschlossen.
Betrachtet man den Werdegang dieser
beiden fusionierten Werke, so ‚spiegelt sich in
ihm der Werdegang der deutschen Brau-Industrie
 wieder.
50 Jahre sind nunmehr verflossen, seit es
Lorenz Adalbert Enzinger gelang, nach mancherlei
 Versuchen den Bierfilter zu erfinden,
der bahnbrechend auf die gesamte Brauindustrie
 einwirkte. Selbst aus einer Brauerfamilie
 stammend, war er mit den Bedürfnissen
und Nöten des Brauergewerbes auf das beste
vertraut. Dieser erste Filter, dem noch die Verwendung
 von Filtrierpapier zugrunde lag, war
in seinem Anfangsstadium im Gebrauche noch
verhältnismäßig teuer und es ist das besondere
Verdienst Heinrich Stockheims, im Jahre 1887
einen Filter geschaffen zu haben, der unter Verwendung
 von Filtermasse bedeutend verbilligend
 auf die Bierfiltration einwirkte. Der
große Vorteil gegenüber den alten Filtern lag
darin, daß durch Waschen diese Filtermasse
nehrmals verwendet werden kann, während

jas Filtrierpapier nach einmaligem Gebrauch
arneuert werden mußte. ;
Der nun zwischen diesen beiden Firmen entstehende
 Wettstreit wirkte sich auf die bahn-»rechenden
 Arbeiten dieser beiden Altmeister
leutscher Brautechnik außerordentlich beruchtend
 aus. Die Vorteile, die aus dieser
zeistigen Konkurrenz für den Kellereinaschinenbau
 einerseits und für die Technik
andererseits entstanden, sind nicht hoch genug
zu bewerten. Nicht nur, daß der Filterbau
durch ständige Verbesserungen und Neuerungen
schließlich zu dem heutigen hohen Stand der
Bierfiltration führte, sondern es wurden auch
auf anderen Arbeitsgebieten des Faß- und
Aaschenkellereiwesens bedeutsame Neuerungen
Jurchgeführt. Besonderen Wert. legte man
Jarauf, die zeitraubende Handarbeit, durch
ıygienisch einwandfreie, maschinelle Vorrichungen
 zu ersetzen. So z. B. wurde der Druck-‚egler,
 der den Transport der Gebinde von der
Schwankhalle nach dem Abfüllkeller und
zurück zu dem Versandraum überflüssig
nachte, auf den Markt gebracht. Auch .die
1eute allgemein benutzten Isobarometrischen
Faßfüller, welche die früher gebräuchlichen,
ımständlichen, schwierigen und nicht immer
ıygienischen Abfüllmethoden ersetzten, sind
an geistiges Produkt dieser beiden Pioniere
leutscher Brautechnik und ihrer Mitarbeiter.
Die nach dem Kriege einsetzende Umstellung
ınd noch im Gange befindliche Entwicklung
auf Flaschenbier stellte die Unternehmen vor
die Lösung neuer technischer Probleme.
Der Enzinger Flaschenfüller hatte sich schon
ängst Weltruf erworben.
Was die Reinigungsmaschinen anbetraf, so
nußte der Übergang von dem System der
3Zürstenmaschinen auf bürstenlose Reinigungsnaschinen
 entsprechend den‘ Anforderungen
jes Marktes vollzogen werden. Die Be-
        <pb n="351" />
        350

Sonderbeschreibungen:
WO

dürfnisse erforderten vollautomatische Großkolonnen
 im Sinne der Fließarbeit. Diesem
Gedankengange folgte das Unternehmen und
schuf vorbildliche Maschinentypenfür Reinigung,
Füllung und Verschließung von Flaschen jeglicher
 Größe und Verschlußart in mustergültiger
Ausführung.
Waren auch die Schwierigkeiten, die sich
den beiden Unternehmungen bei Durchführung
ihrer Pläne entgegenstellten groß, so gelang es
doch, durch rastlose Arbeit und klares Erkennen
 der Bedürfnisse des Marktes über alle
Nöten und Schwierigkeiten hinwegzukommen.
So kam es, daß die beiden Häuser, als sie
sich im Jahre 1924 zu gemeinsamer Arbeit zusammenschlossen,
 an erster Stelle im Kellereimaschinenbau
 standen. Aus kleinen, handwerksmäßigen
 Betrieben, in denen nur wenige
Hilispersonen unter tätiger Mitwirkung der Inhaber
 beschäftigt waren, entstand im Laufe der
Jahre ein Werk, das heute wieder eine führende
Stellung auf dem deutschen und Exportmarkte
einnimmt. War es schon vor dem Kriege den
beiden Firmen möglich gewesen, sich auf dem
Exportmarkte nach allen größeren Ländern
durchzusetzen, so war auch der Weltkrieg und
seine Folgen nicht in der Lage, die überseeischen
 Beziehungen länger als für die Dauer
des Krieges lahm zu legen. Schon längst ist
das europäische und außereuropäische Ausland
wieder mit Anfragen und Aufträgen an die
Firma herangetreten, von der man wußte, daß
sie beste deutsche Werkmannsarbeit bei entsprechender
 Preiswürdigkeit auf den Markt zu
bringen imstande ist.
Die Gesellschaft setzt sich heute zusammen
aus den Stammwerken
Mannheim und Worms
wozu die N
Siegerin-Goldman-Werke G., m. b. H.,
eine Spezialfabrik für Transportanlagen und
Paschenkasten, kamen.

Um der großen Nachfrage nach Filtermasse
zerecht werden zu können und um die in Frage
xommenden Abnehmerkreise mit einer einvandireien,
 in ihrer Qualität stets gleichleibenden
 Filtermasse versorgen zu können,
yurden in Worms und Wallau besondere
7iltermassewerke ins Leben gerufen.

Der raschen Entwicklung entspricht es
lurchaus, daß diese Betriebe neben einer durchzreifenden
 technischen auch eine sehr rasch
vachsende räumliche Erweiterung erfuhren.
\us den anfangs räumlich sehr beschränkten
\nlagen entstanden so die heutigen Enzinger-Jnion-Werke
 mit einem Gesamtareal von rund
50 000 qm.

Der technische Betrieb gliedert sich in zwei
Vaschinenfabriken in Mannheim, sowie eine
‘olche in Worms, die wieder aus einer Fisenınd
 zwei Metallgießereien, verschiedenen
Jrehereien, Blech-‘ und Kupferschmiedereien,
Schlossereien, Schreinereien, Montagehallen
ınd' Malereien, sowie einer Blechbearbeitungsabrik
 mit eigener Verzinkerei bestehen. Alle
liese groß angelegten Werkstätten sind auf das
»este mit allen Neuerungen und Errungenschaften
 moderner Technik ausgestattet. Nur
ladurch allein ist es möglich, die hier
abrizierten Maschinen für die gesamte Ge-Tänkeindustrie,
 Transportanlagen usw. auf das
‘ationellste herzustellen. ;
Die Gesellschaft beschäftigt insgesamt über
;ausend Angestellte und Arbeiter. Das Aktienxapital
 beträgt 6 200 000: M. Das Wirken von
Persönlichkeiten im Aufsichtsrat und Vorstand
der Gesellschaft, die am Weiterausbau unablässig
 bemüht sind, bietet die Gewähr dafür,
daß durch rastlose Arbeit und kluge Ausautzung
 der modernsten technischen Errungenschaften
 die Enzinger-Union-Werke im In- und
Ausland gemäß der Tradition ihre führende
Stellung beibehalten.
        <pb n="352" />
        pn

Gruppe INa Brauerei- und Kellereimaschinen

351

Die Spundbrennmaschine D h“ auf den Markt
wird unter dem Namen 94 uro rap gebracht.
Sie unterscheidet sich von den bekannten Systemen in-der Hauptsache dadurch:
1. daß die Spundscheiben nicht in horizontaler sondern in vertikaler Lage —
in einer Zuführungsrinne automatisch vor den Brennstempel gebracht
— gebrannt werden; .
2. daß die en nach Bedarf auf einer Seite, aber auch gleichzeitig
 auf beiden Seiten gebrannt werden können;
3. daß die Heizung auf elektrischem Wege geschieht,
Mit der Maschine können bis zu 3000 Brände bzw. Doppelbrände stündlich
geleistet werden. — Die Kosten für das Heizen der Brennkörper berechnen
sich pro Stunde nur nach Pfennigen.
Hersteller der Brennmaschine ıst die Firma
Gambrinus Kurt Sahlmann &amp;amp; Co., Berlin-Schöncbherg, Haupisir. 10
Telegrammadresse: Browary / Telefon: Stephan 255

EEE

aa

RI F 8. &amp;gt;| EA Cd 0 a PS Pe
A BB A A A EA ALGAURM
MB... A En 5 EA &amp;amp;, “ a. EA
EA Bd FE ) Ay 3 EEE Baer

WITTEKINDSTRASSE 21:-23 * FERNSPRECHER 2561 u, 4761
VOLLSTÄNDIGE EINRICHTUNGEN FÜR
FLASCHENBIER - ABFUÜLLUNG
UND
MIR

Sn

STH

POSSE AUSSTELLUNG

FABRIKATION IN HOLZ-FLASCHENKÄSTEN
LAGER IN WASSERFREIEM, FLÜSSIGEM
AMMONIAK FÜR KÜHLANLAGEN UND ALLEN
BRAUEREI-BEDARFS- ARTIKELN

/ €

ro

CN AS E

Halle (Saale)
Tag dedurg
Gern L35.90

Abteilung I: MASCHINEN UND APPARATE
für die Brauindustrie, Kellerei und zur Herstellung köhlensäurehaltiger,
alkoholfreier Getränke, für jede Leistung, für Hand- und Kraftbetrieb.
Zahlreiche Referenzen von Brauereien stehen uns zur Verfügung
Abteilung Il: E* "KZFN-FARRIKEN im Großbetrieb,
 Essenzen, Grundstoffe, Sirupefür Brause-Limonaden und alkoholfreie
Getränke in jed. gewünscht. Geschmacksrichtung. Ges.gesch. Spezialitäten

sh
—0Onaden;
DAUSIIIP
        <pb n="353" />
        352

Sonderbeschreibungen:
AEG A kl El a EEE EEE

Ich hlefere:
Flaschen -Einweichapparate D.R.P.
für Hand- und Kraftbetrieb
Rotierende Bürstautomaten
mit Ganz- und Halbausstoß, von 3—12 Innenbürsten,
für alle Flaschensorten geeignet, D. R. P. ang.
Rotierende Spritzapparate
aufgebaut oder nebenstehend in allen Größen. D.R.G.M.
Rotierende Wasser- und Laugenspritzer
zur biologischen Reinheit der Flaschen
Bürstenl. Flaschenreinigungs - Anlagen
in langgestreckter Ausführung von 2000-—6000 Flaschen
Leistung pro Stunde
Pasteurisier-Apparate D. R. P. ang.
Rollenbahnen u. Transportanl. D.R.G.M.

Hallesche Kellereimaschinen-Fabrik „HAKEMFA“
Halle a.5S. VW. RUP RICH Boelckesir. 3

Stolz &amp;amp; Reind'
Maschinen- und Metallwarenfabrik
München 2, SO2
Müllerstraße 81 Fernsprecher 25 540

Te

V9SSEPSNUNdapparale
„Matador“

für

Kolonnen- und KEinzel- Spundung
ınd für jede Kellerhöhe passend

Betriebe der billigste
Spundappara!

 Allc Maschinen
Geräte und Artikel
fürBrauereien, Malzfabriken
und die
gesamte Getränke-Industrie
Nur erstklassige Fabrikate

Besonderheiten:
Sämtliche Mälzerei-Apparate-Hilfsgeräte
Maiztennen- und Einfaßschaufeln, Mälzerund
 Bottichschuhe, Getreideprüfer usw.

[
ANZ WORZ
G. m. b. H.
JUNCHEN 29
Fernruf: 51040/53830 Draht: Wörz Marsstraße
        <pb n="354" />
        Gruppe IN
_ Gruppe Mia, Braugrei- und Kelereimasch nen. —
a, Brauerei- und Kellereimaschi
inen.
N _ 353
BEHORDEN)

LOUIS
HERRMANN

ARPESDEN A 24

FABRIK ZWICKAUER STR. 33

BER
DO)

«"anyeREEN

TELEGR.-ADRESSE DRAHTHERRMANN

PROSSDORF&amp;amp; KOCH NACHF.

"NH.: WILLIAM KREBS
JEOR. 1863
MASCHINEN, APPARATE UND BE-DARFSARTIKEL
 FÜR BRAUEREI-, MAL-ZEREI-
 UND FLASCHENBIERBETRIEBE
GERSTE 8 HOPFEN 8 MALZ

LEIPZIG C.1
WITTENBERGER STRASSE 7

Gruppe 1!1Ib, Hilfsapparate, Armaturen usw.
» Seite
Berlin-Lichterfelde, Heinrich Götting G.m.b.H. 358
Dortmund, Ewald Thiemt , .. . 0. + . . 354
Hamburg, Wilhelm O0. P. Rieck ...... . . 355
Köln. C. Breitwisch . „00.357

Lahr i. Baden, Alfred Pfaff
Leipzig, „Ihage“ , . ..
Vetschau, Blütchen &amp;amp; Söhne
Würzburg, Otto Sinsel ,

vr
m SO
m
OS
AM

A.

Seite
357
356
358
358

Gruppe IIIc, Flaschenkasten, Fässer, Siphons.

Berlin, Hoffmann, Schwarz &amp;amp; Co... .. . ;
Chemnitz, Robert Wagner . .
Hannover, Ferdinand Ahrens

Seite
361
360
360

Seite
Leipzig, Roesler &amp;amp; Co... . 000.4. 361
Nürnberg, Bayerische Holzindustrie Saturn. . . . 359
Zeitz. Martin Fiedler G.m.b.H. . . 361

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart.
        <pb n="355" />
        354

ALD T5

Sonderbeschreibungen:

‚DORTMUND

Spezialartikel für die Brauindustrie

Die Firma wurde am 1. Juli 1905 von Ewald Thiemt gegründet, der auch heute noch alleiniger Inhaber ist. Sie entwickelte sich
aus kleinen Anfängen heraus zu ihrer jetzigen Geltung. Den heutigen Ruf verdankt die Firma, die sich von Anbeginn mit der Einführung
 von Spezialartikeln befaßte, hauptsächlich den ihr geschützten

Spundapparaten
„Sieger“

» Zu erwähnen sind insbesondere dir

Die „Sieger“- Spunder sind heute in vielen Tausenden
von Exemplaren in Brauereien in der ganzen Welt
in Betrieb. Die Hauptvorzüge dieser Spundapparate
liegen in ihrer großen Gas-Durchlässigkeit, der
einfachen Konstruktion, leichten Ablesemöglichkeit
des Druckes und vor allem in der Vermeidung von
Quecksilber-Verlusten. Die Spundapparate werden in
verschiedenen Modellen, je nach Größe der Behälte:
und je nach dem Maximal-Spundungsdruck geliefert.
Besonderen Anklang findet das neue einschenklige
Spezialmodell 1929 aus Zelluloid.

Spur pparat 5
BAG.

=
Faßabladekissen
aus Gummi und aus gefettetem Chromleder, D. R. G. M.
Diese Fallsäcke werden wegen ihrer äußerst großen Haltbarkeit
 den früher gebräuchlichen Kissen aus Tauwerk, die
zumeist in kürzester Frist unbrauchbar werden, vorgezogen.
 Sie könnennach Bedarfneu-, bzw.nachgefüllt werden.

Daneben sind im Laufe der Jahre viele andere zweckmäßige,
 zeit- und geldsparende. Apparate und Hilfsmittel
 von der Firma auf den Markt gebracht worden.

Sehr begrüßt wurde von der Brauerwelt auch die Einführung der
=
“ D.R.G.M
Schlauch-Ausleuchter „Detektiv“ D.R.G.M.
die ein leichtes und genaues Kontrollieren der Innenwandungen von Bierschläuchen ermöglichen. -Die gefürchteten
 Infektionsquellen im Innern der Bierschläuche werden mit Hilfe des „Detektiv“ sofort aufgefunden.
Neben diesen in Fachkreisen längst bekannten und geschätzten Hilfsmitteln brachte die Firma in neuester
Zeit einen Eimer zum Gebrauch in Gär- und Lagerkellern heraus, der ganz aus Gummi hergestellt ist, Dieser
Gummi-Eimer

vermeidet beim Reinigen von Lager- und Gärgefäßen
aus Emaille, Aluminium, Zement usw. Beschädigungen,
wie sie beim Gebrauch von Metalleimern nicht verhindert
 werden können.

Endlich sei noch der ges. gesch. elektrische
Formalin-Verdampfer

erwähnt. Dieser kleine handliche Apparat vermeidet
die Nachteile, die mit dem Gebrauch der bisher üblichen
Formalin-Lamnpen mit Alkoholfüllung verknüpft waren.

Die Firma verfügt über ein gut ausgebautes Vertreternetz
Re für die deutsche Kundschaft und besitzt Vertretungen in
Schlauch - Ausleuchter „Detektiv“ D. R. 6. M. den meisten europäischen Staaten. Alle Neuheiten führt
die Firma während der Deutschen Brauerei- und Kellerei-Ausstellungen, den sog. Oktober-Ausstellungen in Berlin bzw. München,
vor. Der Betrieb der Firma Ewald Thiemt befindet sich seit Anfang 1928 in den neuerbauten Geschäftsräumen, Ardevstraße 126.
        <pb n="356" />
        Gruppe Ib, Hilfsapparate, Armaturen usw.
„LES A SA DAAD SEE

355

Wilfielm 0. $. Nieck
vormals
Sie Crown Cork Company, fimited, Kamburg 22.

Die Kronenkork-Fabrik Wilhelm O0. P. Rieck, vormals
The Crown Cork Company Ltd. (Hamburg-Branch) in
Hamburg, Alter Teichweg 11, ist, wie aus dem Firmenzusatz
 erkenntlich, aus der irüheren englischen Firma
The Crown Cork Company Ltd., welche ihren Hauptsitz
in London hat, hervorgegangen.
Diese englische Filiale wurde während des Krieges von
der deutschen Regierung beschlagnahmt und dann vom
Staate Hamburg an den jetzigen Inhaber Herrn Otte
Rieck verkauft.
Herr Rieck, welcher schon vor dem Kriege der englischen
 Firma Maschinen aus seiner damaligen Schnitteund
 Stanzenfabrik Rieck &amp;amp; Melzian geliefert hatte, baute
nach Übernahme der englischen
 Fabrik diese zweckmäßig
 um und spezialisierte
sich ganz auf den Artikel
„Kronenkorke‘“ und alles, was
zum Kronenkork - Verschluß
gehört, wie Kronenkork-Öffner,
 Kronenkork-Flaschenlehren,
 Kronenkork-Flaschenscheren
 und besonders Kronenkork
 - Verschlußmaschinen.
Letztere wurden in allen
Größen von der kleinsten
Hand -Kronenkork-Verschlußmaschine
 bis zur größten
automatischen Hochleistungs-Kronenkork-Verschluß-

 in diesem Betriebe
gebaut und erfreuen sich besonders
 die großen Hochleistungsmaschinen,
 die durch
Patente geschützt sind, wegen

hrer besonderen Vorzüge allgemeiner Beliebtheit bei
Garoßbrauereien,
Bei der Fabrikation der Kronenkorken legt die Firma
zanz besonderen Wert auf Qualitätsware und hat sich
ladırch einen führenden Namen in der deutschen Kronenxork-Industrie
 erworben. Der stetig steigende Umsatz
nachte einen Neubau erforderlich, der im Frühjahr dieses
'’ahres seiner Vollendung entgegensieht und mit welchem
ler Betrieb eine Vergrößerung von rund 1000 am Arbeits-Jäche
 erfährt.
Durch Anschaffung der neuzeitlichsten Herstellungsnaschinen
 kann die Firma heute den größten Anfordeungen
 gerecht werden und ist auch ständig damit beschäftigt,
 alle erdenklichen Verbesserungen
 auf dem Spezialgebiet
 des Kronenkork-Verschlusses
 zu schaffen, Der
Kronenkork ist zweifellos als
der in hygienischer wie auch
in praktischer Beziehung vollkommenste
 Flaschenverschluß
zu bezeichnen und wird hofientlich
 wie im gesamten
Ausland, so auch in Deutschand
 bald seinen Siegeslauf
iortsetzen. Es wäre daher
zu begrüßen, wenn sich die
deutschen Brauereien in dieser
 Beziehung zusammenfinden
 würden und geschlossen
zu diesem Verschluß übergingen,
 nicht nur zur Verwendung
 bei Exportbieren,
sondern auch für das Ssozenannte
 Stadtbier.

AÄochleistungs-Kronenkork-Verschlußmaschine.

m Hz
        <pb n="357" />
        356

Sonderbeschreibungen:

©
BRAUEREI-ARMATUREN-HANDELS-GESELLSCHAFT M.B.H.

&amp;amp; |}
Kurze Str.13 + Fernsprecher10559
Telegraphen-Schlüssel: ABC 4. u. 5. Ausg., Carlowitz-Code / Telegramm-Adr.: Tikhai, Leipzig

Zapflochbüchsen aller Art in:
Edel-Grauguß - Schwarzkernguß
Elektroguß
Spezialität:
Garantiert rostfreie
"Faßarmaturen

Snundrine:

jedes Modell

Unserem unaufhörlichen Streben nach Vervollkommnung ist es nach langjährigen
 Versuchen endlich gelungen, eine
absolut rostfreie und widerstandsfähige Büchse
auf den Markt zu bringen.
Nachdem sich in kurzer Folge Grauguß, Schwarzkern- und Elektroguß in
der Praxis versucht haben, tritt endlich die langersehnte rostfreie Faßarmatur
 auf den Plan, die das Ideal des Brauherrn in jeder
Hinsicht darstellt.
Damit wird dem Brauherrn eine der vielen Sorgen um die Pflege des
Bieres nach Verlassen des Brauhauses endgültig genommen.
Die rostfreie Armatur verleiht dem Faß „im Gegensatz zu der
verrosteten Eisenbüchse“ außerdem einen sauberen Anblick und läßt dem
Beschauer die Fastage in einem ganz anderen Licht erscheinen. Der Genuß
des Bieres wird dadurch ganz erheblich gesteigert; denn das Gesicht trinkt mit!
Das Ideal des Brauherrn bildet demnach die rostfreie „Alba“-Zapf-Ochbüchse
 bzw. Spundring usw. mit ihren positiven Vorzügen
ror Eisenbüchsen aller Art.
Nicht zuletzt aber bedeutet die rostfreie Faßarmatur ein unerläßliches
 Hilfsmittel für die Exportfässer, ganz besonders
für die Tropen.

Anstichkörper
Zapfhähne aller Ar*
        <pb n="358" />
        Gruppe Mb, Hilfsapparate, Armaturen USW.
C._BRE( v
_ 3 F W A
a

351

KÖL

Gesellschaft für Brauereibedarf m.b. H.
Stammhaus seit 1875

Roonstrasse 33

Als letzte Neuheiten erwähnen wir:
Schlauch- und Rohrreiniger
„Columbus“ D. R.P.
nit Gummikernbällen D.R.P.
Patent-Schlauch-Verschraubung
 D.R.P.
nit vollkommen glattem Durchgang ohne
Querdurchschnittsverminderung
Syphon-Anstichkörper
„Zukunft“ D.R.G.M. aus Preßmetall

absolut CO? dicht mit vertieftliegendem
Rückschlagventil
Rostfreie Normal-Zapflochbüchsen,
 Spundringe, Spunde
USW.
aus Grauguß oder Schmiedeeisen nach
patentiertem Geheimverfahren, nicht
rostend bierimmun und säurebeständig herzestellt.
 Auch gebrauchte Faß-Armaturen
werden entrostet und rostgeschützt.

Der Gründer der Firma, Carl Breitwisch senior, ist der Erfinder der
in der Brauerwelt so beliebten Breitwisch-Armaturen wie

Anstich-und Abseihvorrichtungen
für Holzgefäße und Tanks aller Art für den Gär- und Lagerkeller

Transportfaß-Anstich-Armaturen
mit Normal-Zapflochbüchsen, Anstichkörpern, Zapfhähnen usw.

Die Firma befaßt sich bereits mehrere Jahrzehnte als Spezialität
nit Anstich-Armaturen und hat im Laufe der Zeit durch dauernde
Fühlung mit maßgebenden Stellen der Brau-Industrie eine Menge
Frfahrungen gesammelt, die durch praktische Verwertung letzten
Endes wiederum der Brauerwelt zum Nutzen wurden. So ist z.B.
das Breitwisch-Anstichsystem für Transportfässer in ca. ”, der
der deutschen Brauereien einheitlich eingeführt worden.

Zum Schlusse verweisen wir auf einen neu erschienenen Gesamtkatalog
 Ausgabe 1929 mit zahlreichen Armaturen und sonstigem
Brauereibedarf, Infolge einer guten Vertreter-Organisation ist das
Absatzgebiet nicht nur allein auf Deutschland beschränkt, erstreckt
sich vielmehr über fast alle europäischen und überseeischen Länder.
        <pb n="359" />
        358

Sonderbeschreibungen:

Für das Bierfaß ist
0 Aäm
times

Mr
\.
I

te

mit den auswechselbaren Zablen

seit 20 Jabren als die
beste Eichbezeichnung erprobt

Heinrich Götting
BerlinzLichterfelde 2

A,

Mi,

=
CD
a.
a
N
WE
al
a
a
u
IE
a
nl
ar
EEE
Ca
=
=
—
we
un
Ta

.
A
z.
ar
Ei
u
un
mar
+.
.
SEE
zn
m.
—_
A.
a.
z
_r
+
—
mar
m
-

al
BE
u.
ana“

A
I
-
ar
ru.
Ar

—_
——
a“
ar
—_

Ar

At dl

"HET EEE ER EERETNS

W, Blütchen &amp;amp; Söhne

Vetschau
Flachs- und Jufespinnerei und Weberei, Säckeund
 Planenfabrik, Färberei und Imprägnieranstfalt

liefern

Preß- und Filterstoffe, Säcke, impr. Segelleinen,
 Planen, Segeltuchschürzen,
Pferde-Regendecken

K
ur
In

a
zn
z—_-WE

Mn
a
WE
—_
—
u
—
a]
a
a
Won
—
—
m
I.
a
S——
—
SE
a]
.
a
a
AL
za
nl
—
—
—
a
u.
an
—
a.
Mn
un
nl
—
a—
—
m
Ma
u—_
NOW,
WER
Dr
az
Am.
NE
u.
u
a
won
"zz
a
—-zz

—
mr
"a

TE a

Inhaber: Hans Schmetzer

Ey \

Y

Gegründet 1876 - Telefon 4038

&amp;gt;rima doppeltgiatte Gebirgshaselholzva

 FE
        <pb n="360" />
        Gruppe IIIc, Flaschenkasten, Fässer, Siphons.

BatePiSehR 8

MGi Sal

359

FLASCHENKASTEN-FABRIK UND SÄGEWERK, NÜRNBERG 4

Ausstellungsstand der Flaschenkastenfabrik
3ayerische Holzindustrie Saturn, Nürnberg 4
(Xi. Brauerei- und Kellerei- Maschinen - Ausstellung. Berlin 192%

Die Firma Bayerische Holzindustrie Saturn, Inhaber F. &amp;amp; 0. Sahlmann,
stellt als Spezial-Fabrik die anerkannt stabilen Saturn-Flaschenkasten her.
Dank langjähriger Erfahrung und modernster Spezialmaschinen werden erstklassige
 Flaschenkasten, Versandkisten und Eisschränke mit größter Sorgfalt fabriziert.
 Die günstige Lage der Werke inmitten des Bayerischen Waldes gewährleistet
die Verwendung der als widerstandsfähig bekannten bayerischen Kiefer.
Durch Qualitätsarbeit und bewährte Verbesserungen hat sich das Unternehmen im
letzten Jahrzehnt so erfolgreich entwickelt, daß dessen Erzeugnisse bei der Brauindustrie
 des In- und Auslandes bekannt und beliebt sind.

DS
        <pb n="361" />
        360

Sonderbeschreibungen:

X.

vb

3itte

Prospekt 18 zu verlangen.

D* Entwicklung der Bierfaßfabrikation war im wesentlichen eine Frage der Maschinen; in
gleicher Weise, wie die Konstruktion der Faßmaschinen jetzt einen gewissen Abschluß
erreicht hat, stellt auch das in der modernen hydraulischen Hauben-Presse hergestellte Bier-}ransportfaß
 wohl etwas in seiner Art Vollendetes dar, ”
Unerläßliche Voraussetzung für die Erzielung eines guten Fasses bleibt neben neuzeitlicher maschineller
 Einrichtung natürlich ein reichhaltiges Lager erstklassiger Hölzer, und zwar von solchem
Umfange, daß es ohne Unterbrechung trockne, verarbeitungsfähige Hölzer für den modernen, sehr
arhebliche Holzmengen verschlingenden Betrieb liefern kann. Daß die Hölzer ausgesucht sein
müssen, versteht sich von selbst, denn aus minderwertigen Hölzern kann niemand gute Fässer
machen. — Die Handarbeit ist in der modernen Faßfabrik bis auf einige kleine Handgriffe verschwunden
 und beschränkt sich nur noch auf das Aufsetzen der Stäbe zum Rumpf, das Einsetzen
der Böden und das endgültige Nachsehen des fertigen Fasses. Die Maschinen mit ihrer unendlich
zrößeren Kraft gegenüber der menschlichen Hand sind fähig, die außerordentlich harten und zähen
polnischen bezw. russischen Hölzer, dazu, verglichen mit früher, in bedeutend größerer Stärke,
zu verarbeiten, wodurch eine erheblich längere Lebensdauer des Fasses erreicht wird.
Wenn dann zu dem umfangreichen, best sortierten Holzlager und der vollendeten maschinellen
Einrichtung noch eine erfahrene fachmännische Leitung und eingearbeitetes, fachlich ausgebildetes
 Personal treten, ist in der Tat die beste Gewähr für ein wirkliches Qualitätsfabrikat
gegeben. -Nur ein solches kann sich auf die Dauer behaupten,
HANNOVERSCHE FASS- U. BOTTICHFABRIK FERDINAND AHRENS
Gegründet 1865 HANNOVER Gegründet 1865
        <pb n="362" />
        Gruppe HIc, Flaschenkasten, Fässer, Siphons,

Deutsch“

"-Kon-Fabri

m

361

Hoffmann, Schwarz &amp;amp; Co.

Berlin SW 61 / Möckernstraße 111
Telefon F5 Bergmann 4873
Gegründet 1897
Faß- und Kannensiphons
Siphon - Füllmaschinen

aD
DL} X
a 3 EM A } 0 3 fe} N
44 n Ö EA a VS 3 3a
O x Se

„ROESLER Globus-Selbstschänker“
über 150 660 stück in allen Weltteilen
liegen seit über 30 Jahren Zeugnis ab für diesen allhekannten Biersiphon

Tr
25/156

OESLER 8 Co., LE
GM B- Ham — ———. GG ’ a
earündet 1296
ee Drahtwort: Siphonges Leipzig 8 Fe
rnsprecher 55185

GN

MART’'N HEDLER 5:1. / ZEITZ (Prov. Sa.)
METALLWARENFABRIK Fernruf: 3221
empfiehlt ihre vorzüglichen Fabrikate:
Biersipfion „Nesx“
vom gesamten Braugewerbe bevorzugt
Safırbare Büfette
(Bahnsteigwagen)
Alte Wirte-Artike:

a“

Gruppe IV, Bierwagen und Waggons,
Seite Seite
Kraftwagen und Brauindustrie . . . 2. 0.000404 4 362 Bremen, Hansa-Lloyd-Werke . .... 0... +. . 365
Berlin, Fisenbahn-Verkehrsmittel-A.-G. . . . . . . 366 Hannover, Hannoversche Waggonfiabrik A-G. , . . 364
— Nationale Automobil-Gesellschaft , . . . +... . 363 Leipzig, Kühltransit-Verkehrs-A.-G. . 366
        <pb n="363" />
        362

Sonderbeschreibungen:
Krafiwagen und

Brauindustrie.
Von hier an führt die Statistik den Bestand nicht
nehr für die einzelnen Industriegruppen gesondert
ıuf. Man darf aber annehmen, daß er sich, dem allgeneinen
 Tempo der Motorisierung entsprechend, zum
venigsten in gleichem Maße auf etwa 5000 bis
000 Einheiten weiter erhöht hat. Wie die oben an--eführten
 Zahlen zeigen, suchten gerade in den
lahren sinkender Produktion die einzelnen Unterı1ehmungen
 dem gesteigerten Wettbewerb durch eine
’erbesserung ihrer Vertriebsmöglichkeiten zu beregnen.
 Wenn sich nun die Annahme als richtig erveist,
 daß mit der im Jahre 1928 erzielten Bier-“ewinnung
 von 55 Mill. hl die bei der gegenwärtigen
Virtschaftslage gegebene Aufnahmefähigkeit des
Aarktes erschöpft ist, so wird diese eine weitere Verchärfung
 des Wettbewerbs bedeuten, die wiederum
- neben der finanziellen Einflußnahme auf die
Schankstätten — wesentlich durch eine Intensivierung
ies Lieferdienstes ausgefochten werden dürfte. In
iner so ausgesprochen absatzorientierten Inlustrie,
 deren Produkt unterschiedslos alle Beölkerungsschichten
 als Konsumenten voraussetzt
ınd daher eine Belastung mit hohen Transportkosten
ıcht verträgt, erlangen jene Unternehmen das Überrewicht,
 die — von der Qualität des Biers ab-‚esehen
 — über den schnellsten, zuverlässigsten und
parsamsten Vertriebsapparat verfügen. Auch die
‘urch die Verschärfung der Konkurrenz bechleunigte
 Konzentrationsbewegung, die einen
;trukturwandel zugunsten der großen und mittleren
jetriebe zur Folge hat, drängt zu steigender Beutzung
 des Kraftwagens in dem Maße, wie der Abatzbereich
 der einzelnen Brauerei über die mit
Merdefuhrwerken erreichbaren Strecken hinausvächst
 und diese Ausweitung ein leistungsfähigeres
"ransportinstrument verlangt. So wird vom Kraitvagen
 her diese Tendenz zur Konzentration gefördert
ınd über eine gewisse Grenze hinaus überhaupt erst
nöglich gemacht.
Die allgemeinen Vorteile des Kraftverkehrs, wie sie
»ben skizziert wurden, kommen also den besonderen
3edürfnissen der Brauindustrie in mancher Hinsicht
ntgegen. Der deutschen Lastkraftwagenindustrie
st es gelungen, einen Wagen zu bauen, der interıational
 als bei weitem der leistungsfähigste ansesehen
 wird. Spezialwagen für die Brauindustrie
—- vom 10-Tonnen-Lastzug und schweren Dreiıchser
 bis zum leichten Schnellieferwagen, mit be-;sonderen
 Aufbauten für getrennten oder kombinierten
?7aß- und Flaschenbiertransport — tragen den ver-;schiedenartigen
 Anforderungen der Brauindustrie
Yechnung. In ihrem Dienst wird der Kraftwagen
als ein wesentliches Mittel zur Steigerung ihrer
Zentabilität allmählich das Transportmittel werden.

Losgelöst von der starren Linienführung der
Schienenbahn, anpassungsfähig an die individuellen
Bedürfnisse der Wirtschaft, hat das Kraftfahrzeug
eine neue Epoche in der Verkehrswirtschaft gebracht.
Wie weit im besonderen die Beschleunigung der
Transporte durch den Lastkraftwagen geht, zeigen
die von Dr. Esch vorgenommenen Untersuchungen.
Danach beträgt bei der Schienenbahn unter Einbezug
 der Umladung, Verladung usw. die durchschnittliche
 Beförderungsgeschwindigkeit für Eilgüter
 3 und für Frachtgüter 1,5 Stundenkilometer.
Der Lastkraftwagen mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von etwa 14 Stundenkilometern
ist also dem Eilgüterzug im Durchschnitt an
Schnelligkeit vier- bis fünfmal, dem Güterzug achtbis
 neunmal überlegen. Im Nahverkehr liegen die
Verhältnisse für das Auto noch vorteilhafter,
Die technische Vervollkommnung, insbesondere
der Einbau starker Sechszylindermotoren und die
Verwendung von Luftbereifung, hat die Geschwindigkeit
 des modernen Kraftwagens so gesteigert, daß
er selbst auf weite Entfernungen von 600 und mehr
Kilometern sich in der Praxis als das gegenüber
der Schiene schnellere und zuverlässigere Transportmittel
 bewährt hat. Auch die Brauindustrie benutzt
ihn bereits zu Ferntransporten, so beispielsweise für
Lieferungen von Mainz bis in das Saargebiet hinein.
Mit der fortschreitenden Verbilligung der Anschaffungs-
 und Betriebskosten für den Kraftwagen
auf der einen und den Frachtsteigerungen der
Reichsbahn auf der anderen Seite, vermag er über
seine ursprüngliche Verwendung im Nahverkehr
hinaus auch auf großen Entfernungen im Preis mit
der Eisenbahn zu konkurrieren. Der Brauindustrie
bietet er zudem den wesentlichen Vorteil, daß das
Bier dank der schnelleren Autobeförderung gegen
Temperatureinflüsse besser geschützt und nicht
— wie bei der Eisenbahn — auf Spezialwaggons angewiesen
 ist, Die für den Brauereibetrieb so wichtigen
 Beilagen, wie Kohlensäureflaschen, Möbel für
Üastwirte usw., vermag man dem Kraftwagen bequemer
 und ohne wesentliche Mehrkosten mitzugeben,
 während ihre Verfrachtung durch die Fisenbahn
 mit mehr oder weniger großen Umständen und
Lasten verbunden ist.
Diese Vorteile hat sich das deutsche Brauereigewerbe
 schon früh nutzbar gemacht. Die amtliche
Statistik des Bestandes an Lastkraftwagen von über
2 t Eigengewicht — auf die es hier vornehmlich ankommt
 — stellt in den Jahren 1921 bis 1926 eine Verdreifachung
 für das Brauereigewerbe fest. Es liefen
in diesem Wirtschaftszweig allein an schweren Lastkraftwagen

1340 im Jahre 1921
2226 im Jahre 1922
2528 im Jahre 1923

2786 im Jahre 1924
3452 im Jahre 1925
3998 im Jahre 1926
        <pb n="364" />
        Gruppe IV, Bierwagen und -waggons.
PS A EN N

363

NAG Spezial-Niederrahmen-Fahrgestell
mit Kastenaufbau für Flaschenbiertransport

NAG 5-to-Pritschenwagen
nit hohen Seitenwänden für Faß- u. Flaschenbiertransport

NAG-Wagen im

Brauereibetrieb

Die NAG — Nationale Automobil-Gesellschaft — in
Berlin-Oberschöneweide blickt auf eine nahezu dreißigjährige
 Erfahrung im Automobilbau zurück. Ihr entstammte
der ‚erste Motorlastzug der Welt.
Auf dem Gebiete des Personenwagenbaues ist die ganze
Aufmerksamkeit des Werkes auf den NAG-Protos-Sechszylinder
 mit Kupplungsautomat gerichtet. NAG-Schwerlastwagen
 fehlen fast in keinem deutschen Großbetriebe. NAG-1I%-,
 2- und 2%-Tonner sind die geeigneten Schnellbeförderer
mittelschwerer . Güter.

Tonner mit Vierzylindermotoren versehen werlen.
 Für die 2%-Tonner werden beide Arten von
Motoren geliefert. An den 2%-Tonnern ist Schnisch
bemerkenswert, daß sie mit einer zweiten Hinterachse
 ausgerüstet sind, die als Tragachse dient.
In solche Schwerlastwagen, die trotz größter Ladelänge
und Fassungskraft des Laderaumes einen kurzen Radstand
'1aben müssen, der ihrer Wendigkeit zugute kommt, baut
lie NAG eine Spezialvorderachse ein, die im: Vergleich zu
ier der anderen‘ Konstruktionen stark zurückzesetzt
 ist. Der Achsabstand beträgt bei solchem
Wagen nur 4300 mm, während der Aufbau eine nutzbare
Länge von rund 6000 mm aufweist.
Von den Brauereien werden je nach Art des Ladegutes
ntweder Faßwagen oder Flaschentransportwagen benötigt.
Die Faß wagen
sind gewöhnlich Plateau-Wagen mit massiven Seitenwänden
und eignen sich auch für den Transport anderer Materialien,
7. B. von Holz und Kohlen. Ausschließlich dem Faßtransport
dienen Spezialaufbauten, die aus einem schmalen Plateau,
das zwischen U-Eisenschienen ruht, und einigen seitlich auf
zungen hängenden Längsbalken zusammengesetzt sind. An
lien Außenseiten des Aufbaues lassen sich Haken zum Aufhängen
 von Fässern anbringen.

Der NAG-Protos
stellt die Fahrtechnik auf eine vollkommen neue Grundlage
Infolge der selbsttätig arbeitenden Kupplung fällt beim Aniahren
 und beim Halten jedes Kuppeln weg, der große Gang
&amp;lt;ann ständig eingeschaltet bleiben, der Motor niemals „abgewürgt‘“
 werden. Das bedeutet eine Fahrerleichterung, die
kein anderer Wagen der Welt bietet.
Die NAG-Brauerei-Wagen,
Die Durchdringung der deutschen Großbrauereibetriebe
gerade mit Nutzwagen der NAG bringt, da Tatsachen die
besten Argumente sind, den überzeugenden Beweis für deren
hervorragende Eignung als Brauereiwagen, Ob ein Brauerei:
betrieb den schweren 4- und 5-Tonner-NAG-Kardan- Last
kraftwagen oder den 1%-, 2- und 2%-Tonner-NAG-Schnell
jastwagen als Beförderungsmittel wählt, richtet sich nach
der Größe der Lasten, die befördert werden sollen.
Unter den Schwerlastwagen haben sich besonders die
Niederrahmen-Fahrgestelle in die Brauereibetriebe ein
geführt, weil die geringe Ladehöhe ein außerordentlich
leichtes Auf- und Abladen gestattet.
Die Schwerlastwagen sind ausschließlich mit Sechszvylindermotoren
 ausgerüstet. während die 1%-Als

 Flaschentransportwagen
;jind Fahrzeuge mit geschlossenen Aufbauten empfehlensvert,
 in denen sich das Bier durch eine Kühlvorrichtung
jemperieren läßt, Die Flaschenkästen müssen durch eine
Anzahl Ftagenbretter voneinander getrennt werden. Das
Dach ist zweckmäßig mit einer vom Trittbrett aus leicht
arreichbaren Galerie versehen.

NAG Spezial-Niederrahmen-Fahrgestell
mit Spezialaufbau für Faßbier-Transporte

TAG 5-to-Lastwagen mit 5-to-Anhänger
/ür Faß- und Flaschenbier-Transport
        <pb n="365" />
        364

Sonderbeschreibungen:
Zn ——&amp;gt;————&amp;gt;&amp;gt;—

"“"ANNOVERSCHE WAGGONFABRI:
“TIENGESELLSCHAFT(HAWA)

"DR. LINDEN

Hawa ... neute ein festumrissener Begriff, der Er-{ahrung,
 Schulung, Tradition kündet! Die Hannoversche
 Waggonfabrik Aktiengesellschaft
(Hawa) in Hannover-Linden steht in der
reichen Gliederung ihres Werkaufbaues, in ihrer Frzeugung
 mit festen Formen, mit scharfer Silhouette vor uns.
Sie wußte in unermüdlicher Arbeit und mit wachsendem
Erfolge auf dem Gebiete des Waggonbaues mit
Scharfsinn gepflegte praktische Technik zu bieten. Fs
würde nach mannigfachen Seiten aufschlußreich sein, Ursprung,
 Wurzel und Eigenart des bedeutenden Werkes
aingehend .klarzulegen, doch können wir mit vorliegender
Publikation nur einen kurzen Hinweis bringen. Aber
wer denkend aufnimmt, wird auch aus dem Wenigen
eine deutliche Sprache heraushören, wird hinter nüchternen
 Angaben das Wirkliche, das Figentliche finden.
Anfänge des Werkes: 1873; Begründung der Aktiengesellschaft:
 1898, 1908 Fertigstellung des 3000.,. 1923
aber schon des 40000. Hawa-Waggons, Anlage, Einrichtung
 und Organisation des Werkes bieten alle Voraussetzungen,
 jährlich etwa 600 Personen- und über 6000
Güterwagen fertigzustellen. In den geräumigen Werkhallen
 finden sich neben zahlreichen menschlichen Arbeitskräften
 etwa 1000 der modernsten Maschinen und
Apparate. In umfangreichen Konstruktionsbüros weiß erfahrenes
 Personal zuverlässige fabrikatorische Fortschritte
 aufzufinden und allen Bedürfnissen zu dienen.
Kein Wunder, wenn bei so glücklicher Vereinigung mannigfacher
 Mittel die Hawa-Waggons im Mittelpunkt des
Interesses stehen und nicht nur von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschait,
 von deutschen Landes- und Privateisenbahnen,
 sondern auch von ausländischen und überseeischen
 Bahnen in ausgedehntem Maße verwendet
werden,
Aus dem Hawa-Werk gehen u. a, hervor: Personenwagen,
 Salon-, Speise- und Schlafwagen, Post- und Gepäckwagen,
 Straßenbahnwagen, Omnibusse, Güterwagen
und besonders Kühlwagen, ferner Selbstentlader, Tiefladewagen,
 Kesselwagen und Säurewagen. Wichtig für
die Brauindustrie sind die für den Transport des Bieres
bestimmten Kühlwagen. Bier, das im Leben der Völker
nie Nebensächliches bedeutete, spielt in der Gegenwart
eine ganz besondere Rolle, Aber um das Bier den Bevölkerungskreisen
 in ieder Jahreszeit in gutem Zustande
ınd auf die sparsamste Weise zugänglich zu machen,
hat die Brauindustrie Spezialkühlwagen nötig. Die
bisher für den Transport von Bier benutzten Fahrzeuge
bieten nicht die Garantie, daß sie jedweden Verlust
durch Verderb ausschließen.

Wann genügt denn nun ein Kühlwagen allen An-.prüchen?
 Wann wird durch ihn die Erhaltung des
3ieres auf dem Transportwege in jeder Beziehung sicherzestellt?
 Kurz gesagt, wenn er Schutz gegen Wärme,
’euchtigkeit und Bakterienzufuhr bietet. Wie vielfache
'erwendung gezeigt hat, finden diese Postulate in den
‚awa-Kühlwagen ihre Verwirklichung. Sie bekunden in
‚onstruktion und Ausführung aufs deutlichste die Kraft
les Werkes und die Tendenz seines Schaffens. Von
tenntnisreichen Fachkonstrukteuren nach den neuesten
irfahrungen und Errungenschaften auf dem Gebiete der
Zis-, Kälte- und Waggonbautechnik nach den Wünschen
les Bestellers entworfen und in höchster Durchbildung
inter Verwendung gediegenster Materialien hergestellt,
’erdienen sie die Beachtung aller Brauereileiter,
Über die Bauart nachstehend nur das Wichtigste.
Vände, Fußboden und Dach weisen das bestgeeignetste
Närmeisolationsmaterial auf. — Der Wagenkasten ist
nit einem normalen Güterwagenuntergestell fest verwunden
 und erhält zur größeren Sicherheit gegen ein
7erkanten des Kastens durch starke Stöße und gegen
ine Zerstörung des Isolationsmaterials ein speziell ausebildetes
 eisernes Gerippe. — Alle Wagen werden mit
„‚uftdruckbremse und mit durchgehender Dampfheizung,
ıuuf Wunsch auch, zum Schutz gegen starke Kälte, mit
”reßkohlenheizung, ausgerüstet. -— Im Inneren zeigen die
Vagen entweder einen — an einer Stirnwand auf-’‚ehängten
 — Eisbehälter aus verzinktem Eisenblech mit
\blaufrohr für das Schmelzwasser oder zwei — an
‚eiden Stirnwänden angebrachte — herausnehmbare
:isgerüste, bestehend aus zwei übereinander liegenden
(44 Stangen Eis ä&amp;amp; 25 kg fassenden) Lattenrosten aus
lichenholz. — Die Türen sind so gestaltet, daß der
Nagen luftdicht abgeschlossen ist. — Das Figengewicht
ler Wagen wird so gehalten, daß die Tragfähigkeit dem
Öchsten. Effekt gerecht wird
Um es zum Schlusse nochmals zu betonen: Infolge
einer exakt thermischen Durchbildung bietet der Hawa-Cühlwagen
 in jedem Gebrauchsfalle höchste Nutzbarkeit,
Ait. gründlichster Sachkenntnis, mit eindringlicher Verrautheit,
 gegebenenfalls . unter Erschließung neuer Geichtspunkte
 hergestellt, garantiert er verderbnisfreie
3eförderung, schließt er Verluste aus. Hawa-Kühlwagen
ıelfen als Transport- und Wirtschaftsmittel modernster
7rägung mit, die Wettbewerbsfähigkeit des einzelnen
3etriebes zu erhöhen, helfen mit, Ruf und Ruhm des
leutschen Bieres in der ganzen Welt zu begründen!
R.... Bln.
        <pb n="366" />
        Weshalb

Gruppe IV, Bierwagen und -waggons.

365

HANSA-LLOVD EXPRESS?

Seit 25 Jahr eM baut Hansa-Lloyd Lastkraftwagen.
 Diese reiche Erfahrung ist in ihren
Fahrzeugen ausgewertet. Sie sind erprobt und auszereift
 bis in die kleinste Einzelheit. Hansa-Lloyd
Express sind

schnell zuverlässig und wirtschaftlich

Vor allen wegen dieser Eigenschaften sind sie so
weitverbreitet. Auch Brauereien verwenden sie mit
Vorliebe als Hauptrüstzeug für schnellen Transport,
der gerade in dieser Industrie eine wichtige Rolle
einnimmt.
Hansa= Lloyd Expreß für 2h, 3, 3hk t Nutzlast
Aufbauten für feden Spezialzweck

ET

HANSA-LLOVD WERKE
        <pb n="367" />
        366

Sonderbeschreibungen:
N

Kühlwagen zum Biertransport
EISENBAHN-VERKEHRSMITTEL
AKTIENGESELLSCHAFT
BERLIN W10

Kühlwagen
KÜHLTRANSIT-VERKEHRS-AKTIENGESELLSCHAFT


Werke in:
WISMAR i. M: / BRÜHL b. KÖLN

N

Wi)

Führend im Bau und in der Reparatur von Kühlwagen
Eigenes kältetechnisches Laboratorium

LEIPZIG -/ BERLIN.W10 / HAMBURG
Reparaturwerkstatt in Wiederitzsch bei Leipzig

Gruppe V, Pech, Glasuren und Lacke, Desinfektionsmittel.

Berlin, Oskar Kühn . . ..
— siehe auch Marienfelde.
Döbeln, Schwerdtieger &amp;amp; Böttcher. ...... . 3
Dresden-Radebeul, Ver. Pechfabriken, Richard
Eisenbeiß . ..00000000000. 000.00. 4.4. 4 4 +. 367
— Chemische Fabrik Pyrgos G.m.b.H.. ..... . 373
Dortmund-Löttringhausen, Joh. Heinr, Klausmeyer
 GmbH. 0001010000000. . 368
Kassel, Rosenzweig &amp;amp; Baumann ....... . 369
Leisnig, Chemische Fabrik Leisnig i. Sa... .‚ . . . 375

Seite
373

Seite
Magdeburg, Conr. Friedr. Müller. ..... . ., 370
Mannheim, Jno. Werner &amp;amp; Co., G.m.b.H., Salvator-Glasuren
 + 2 3N
Marienfelde-Berlin, Chemische Werke Marienfelde
 A-G a. 3
Nürnberg-Schweinau, Bayerische Fichtensiederei
Aug. Benker 2.0 374
Pilsen, Erste Pilsner Fichtenpechraffinerie . . . . 374
Probstdeuben-Leipzig, Schneider &amp;amp; Co... ;‚ . 374
Strehla a. d. Elbe, Montana AG... . 0 ss 2. 374
        <pb n="368" />
        Gruppe V, Pech, Glasuren und Lacke, Desinfektionsmittel.

257

Ansicht der Fabriken

Vereinigte Pechfabriken * Richard Eisenbeiß
RADEBEUL bei Dresden
Exportwerk Hamburg-Altona

Schicksalsverbunden mit dem Braugewerbe ist
die Brauerpech-Industrie, erstreckt sich doch ihr
Absatzgebiet fast nur auf Brauereien. Ein Konjunktur-Rückgang,
 der diese letzteren betrifft — sei
gs durch behördliche Maßnahmen, ungünstige Witterung
 usw.— wirkt sich auch sogleich in der Brauerpbech-Fabrikation
 empfindlich aus.
Für jede Brauerei spielt gutes Pech eine große
Rolle, ist doch der reine Geschmack des Bieres
neben sorgfältigster Herstellung von dem Gebrauch
bester Pichmittel abhängig. Dieser Industriezweig
hat für Deutschland volkswirtschaftlich eine viel
wichtigere Bedeutung, als man gemeinhin annimmt;
sein Kundenkreis umfaßt nämlich nicht nur das Inland,
 sondern auch das Ausland.
Manche Firmen, mit an erster
Stelle die Vereinigten Pechfabriken
 Richard Eisenbeiß,
exportieren ihre Erzeugnisse
in großen Mengen nach allen
Weltgegenden. Sie tragen dadurch
 an ihrem Teile zur Besserung
 der deutschen Außennandelsbilanz
 wesentlich bei.
Um im scharfen Wettbewerb
auch mit dem Ausland erfolgreich
 bestehen zu können, haben
 die Vereinigten Pechfabriken
 Richard Eisenbeiß in Hamburg-Altonaein
 großes,modernst
eingerichtetes Exportwerk angegliedert.
 Sie können von hier
aus neben der vorteilhaften
Versorgung der nord- und westdeutschen
 Kundschaft das Auslandsgeschäft
 in denkbar bester

Weise pflegen und Lieferungen immer so vornehmen,
laß der nächste Dampferanschluß erreicht wird.
Von den Fabrikaten der Vereinigten Pechfa-)riken
 genießen Weltruf namentlich die Reinolit-Peche,
 das Steramit und Regenerit für hölzerne
Transport- und Lagerfässer, sowie die Auskleidenassen
 Ferronit für eiserne Tanks, Concretal für
Zementgefäße und Boasonit für hölzerne Gärbottiche.
Diese Erzeugnisse sind in zahlreichen der größten
3rauereien Europas ebenso geschätzt, wie z.B.
in Kanada, Mittel- und Südamerika, Ost-Asien,
Australien, Nord- und Süd-Afrika.
Überall, wo eigenartige klimatische Verhältnisse
besonders hohe Anforderungen
an die Picherei stellen oder
wo Qualitätsbiere von Ruf
gebraut werden, deren Aroma,
SchaumhaltigkeitundGlanzfeinheit
 auch auf langen Transporten
 nicht leiden soll, sind die
Standardmarken der Vereinig-:en
 Pechfabriken zu finden.
Wichtigstes Absatzgebiet
»leibt aber nach wie vor eine
»lühende deutsche Brau-Industrie
 mit ihren weltberühmten
Braustätten. Ihr ist das deutsche
 Brauerpechgewerbe auf
Gedeih und Verderb verbunounden.
 Jede Drosselung der
Jleutschen Brauindustrie schädigt
 die Brauerpech-Branche
auf das empfindlichste und
hemmt ihre Wettbewerbsfähig-Veit
 auf dem Weltmarkt.

Allein-Inhaber Richard Eisenbeiß
        <pb n="369" />
        368 N

Kontor und Lager

Sonderbeschreibungen:

Harzdestillation

Laboratorium

Pechsiederei, Lach- und Farbenfabrik ( Neubau 1928/1929

|

£

A G. m. b. H.
Spezialfabrik für feinste Brauerpeche.
Lacke und Farben
Dor*mund-Löttringhausen

F

Entpichpech, Bepichpech, Zusatzpech, hochdünnflüssig
 (spez. auch für Pichautomaten)

m = flüssig, kalt f treichen,
Eisen-Tremonit: $ st K6716 autzubrennen!
beides seit Jahrzehnten bestens bewährt

Y

Export: direkte Wasserverladung Dortmund-Hamburg-Rotterdam
        <pb n="370" />
        Gruppe V, Pech, Glasuren und Lacke, Desinfektionsmittel. . 369
Die Firma Rosenzweig &amp;amp; Baumann ist aus der im
Jahre 1818 gegründeten Firma L. J. Rosenzweig, Kassel,
aervorgegangen und nahm im Jahre 1886 die Fabrixation
 auf.
Damals war die Industrie noch von dem Glauben
an sogenannte Universalfarben, die mit gleichem Erfolg
für Außen- und Innenanstriche, für Holz, Eisen und
Putz verwendet werden könnten, beherrscht; der Weg
zur Sonderfarbe, die dem einzelnen Verwendungszweck,
seinen Erfordernissen und seinen Ansprüchen angepaßt
ist, war noch nicht entdeckt. — Beschritten wurde er
zum ersten Male von der Firma Rosenzweig &amp;amp; Baumann,
als sie nach eingehender wissenschaftlicher und praktischer
 Erprobung ihre
SONDERFARBEN FÜR BRAUEREIEN
herausbrachte.
So wurde, den Bedürfnissen der Praxis folgend, die
HOLZ- UND EISENGLASUR
MARKE „ERRUNDBEH“

die
SCHILDKRÖTENGLASUR
und das
IMPRÄGNON

später das
VITRALIN

mit seinen Sonder-Sorten, dem

GÄRKELLER-UND
 KÜHLRAUM-VITRALIN
schließlich auch das
TANK-VITRALIN
die
BESSEMERFARBE
MARKE „AMB OS“
sowie das
NAUTON

ROSENZWEIG &amp;amp; BAUMANN, KASSEL
KASSELER FARBEN-, GLASUREN- UND LACKFABRIK
BERLIN, MÜNCHEN, KÖLN, HAMBURG, WIEN, BUDAPEST
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart.

geschaffen.
Aber auch das Gebiet der Desinfektionsmittel wurde
in Angriff genommen und das .
PYRICIT und DAs MIKROSOL
wurden erfunden.
Mit dem Ausbau der Fabrikation, die heute mit
modernsten Maschinen durchgeführt und von auf das
Vollkommenste eingerichteten Laboratorien ständig kontrolliert
 wird, wuchs der Kreis der Abnehmer; die
Fabrikate der Firma, die Zweigfabriken in Wien,
Budapest, Paris und Krakau sowie Filialen und Verzaufsstellen
 in Berlin, München, Köln nnd Hamburg
arrichtete, werden heute in den größten Brauereien der
Welt verwendet.
Seit langen Jahren, so kann ruhig behauptet werden,
st die Firma Rosenzweig &amp;amp; Baumann die führende
_ackfabrik auf dem Gebiete der Sonderfarben und
3lasuren für Brauereien.
        <pb n="371" />
        370 /

Sonderbeschreibungen: .
ES — ll m

Conr. Friedr. Müller
Inhaber: Carl und Conrad Braun
MAGDEBURG-N
Elbindustrieagagaelände

Spezialfabrik für Brauerpeche

Die Firma stellt hauptsächlich
Brauerpeche für alle Pichsysteme her.

Spezialfabrikat AQUILEN
Abnehmer darin sind Brauereien im
In- und Auslande, darunter die grössten
 und bedeutendsten Betriebe.

Zur Verarbeitung gelangen ausländische
Harze, die auch zur Herstellung von
Harzöl, Schuhpechen, Bürsten- und
Pinselpechen, sowie Schiffspechen
dienen.
®
einer besonderen Abteilung werden
technische Fette hergestellt.

Im
        <pb n="372" />
        nn

Gruppe V, Pech, Glasuren und Lacke, Desinfektionsmittel,

Salvator - Glasuren

MMO

=
7
A =
PS

371

al

ur Entwicklung der Brauerei-Technik hat die Lack-Industrie in ihrer Weise beigetragen.
Z 5 Bemühungen, den Gärungsprozeß gegen Unsauberkeit der Bottichwandungen
und dadurch entstehende septische Störungen der Gärung zu schützen, führten Jno. Werner
zu seiner Erfindung der Brauer-Glasuren, die mit einem Schlage das Problem hygienisch
einwandfreier und geschmacksneutraler Gärbottiche löste. Seit dem Jahre 1860, dem
Gründungsjahre unserer Firma, verbreiteten sich die
-'-etor =: Clasuren®®

ea
bald in der ganzen Brauer-Welt des In- und Auslandes. Patente in allen Kulturstaaten
ınd höchste Auszeichnungen auf allen beschickten Ausstellungen und Fachkongressen
bewiesen die Wichtigkeit und Vorzüglichkeit der Erfindung Jno. Werners.
Die Einführung von Metall-Bottichen und -Tanks hat uns vor neue Aufgaben gestellt.
So brachten wir neben unseren altbekannten „Salvator-Glasuren“ für Holz und Eisen
(Kühlschiffe) ein hervorragend geeignetes Auskleidungsmittel für Stahlblechtanks
ınter dem Namen „Lavainolit-Glasur“ heraus. Ein besonderes Glasierungsverfahren
 ermöglicht es, die Tanks bei vollem Betriebe und jeder Kellertemperatur mit
Lavainolit-Glasur. hart und blasenfrei zu glasieren. Diese Glasuren sind von jahrelanger
Haltbarkeit und können mit unserem Verfahren auf einfachste und sicherste Weise
arneuert werden.
Inzwischen hat die Brauerei- und Mälzerei-Industrie immer mehr erkannt, daß auch,
abgesehen von den Brauerglasuren, Lacke und Lackfarben für zahlreiche andere Zwecke
zur Reinhaltung und Infektionsverhinderung ihrer Betriebe notwendig sind. Wie für alle
Lebens- und Genußmittel-Betriebe ist daher die Verwendung geeigneter Anstrichmittel
jür die Brauereien von großer Bedeutung. Die Latk-Industrie hat sich in steigendem
Maße diesen Bedürfnissen angepaßt, und die Firma Jno. Werner &amp;amp; Co., die nun einmal
von Anfang an mit der Brauerei-Industrie eng verbunden war, hat es als ihre vornehmste
Aufgabe betrachtet, auf diesem Spezialgebiete weiter zu arbeiten und Lacke und Farben
herzustellen, die die verschiedensten Zwecke des Brauers in möglichst vollkommener
Weise erfüllen. So sind unsere Spezial-Anstrichmittel für Brauereien und Müälzereien
entstanden in engstem Zusammenhang mit den steigenden Anforderungen dieser Industrien,
Dabei wurde immer an dem Grundsatz festgehalten, daß für Musterbetriebe, wie sie moderne
Brauereien darstellen, das Beste gerade noch gut genug ist. Sorgfältigste Auswahl
der Rohstoffe und fachmännisch geleitete Fabrikation unter wissenschaftlicher Kontrolle
sind die Mittel, die es uns ermöglichen, dem Brauer das zu bieten, was er braucht: hochwertige
 und haltbare Schutz- und Schmuckanstriche für alle Brauerei-Zwecke.

Ino. Werner &amp;amp; Co., G. m. b. H., Mannheim
Erfinder der Brauerglasuren Gegründet 1860
        <pb n="373" />
        372

Sonderbeschreibungen:

Wie sich früher die Bürger ihr Bier selber brauten, so
machten sich früher auch die Brauer ihr Pech oft selbst. —
Und wenn heute auch kaum noch Hausbrauer existieren, so
gibt es doch noch Brauer, die ihr Pech selbst herstellen.
Mit den gesteigerten Ansprüchen an das Bier steigerten
zwangsweise die Brauer ihre Ansprüche an die Rohmaterialien,
Hilfsstoffe, an die Apparatur, die Methoden und damit nicht
zuletzt an das Pech.
Die Allgemeinheit der Brauer ist deshalb auf den Bezug
von Kaufpech angewiesen, das die allmählich entstandenen
Pechfabriken in fein durchgebildeter, auf wissenschaftlicher
Forschung und Erkenntnis beruhender Arheitsweise her
stellen.
Tatsächlich hat sich immer mehr die Erkenntnis durch:
gesetzt, daß sich die reinen Harzölpeche, wie sie die frühere
Pechsiederei herstellte, in der Praxis technisch und wirt
schaftlich ungünstig auswirken.
Hier sind es die Nachteile, wie z, B. Sprödigkeit, Risse
bildung, .Abplatzen, großer Pechverbrauch, die auf natürlichen
 physikalischen Veränderungen — insbesondere auf
dem starken Verdunstungsverlust — beruhen.
Auch die später aufgetauchten sogenannten Paraffinpeche,
 die einen Fortschritt bedeuten, konnten diese Nach
teile nicht beseitigen.
Brauerpech soll bekanntlich nicht allein als Isolierschicht
zwischen Bier und Faßwand liegen, es soll die Faßwand auch
gleichzeitig so imprägnieren, daß für nichts weiter mehr Raum
ist, insbesondere nicht für schädliche Lebewesen.
Es hat sich‘ gezeigt, daß die biologische Reinheit aller
Bier enthaltenden Gefäße in hohem Grade abhängig ist von
der Beschaffenheit des Pechüberzuges auf der Faßwand.
Außer der Klebkraft, die nur auf der Oberfläche zu wirken
 braucht, muß Brauerpech auch noch Imprägnierkraft besitzen,
 um die Zellen in der ganzen Holzstruktur vor eindrinvenden
 Keimen und Fermenten zu schützen.

Für die Beurteilung, eines Brauerpechs ist deshalb nicht
sein Anfangszustand, sondern sein Dauerzustand maßgebend.
Mammutpech, das seinen Charakter während des
Pichprozesses käum verändert, bietet bei jedem Pichsystem
alle Vorteile in bezug auf Betriebssicherheit und Wirtschaftichkeit.
 Die Vervollkommnung der Pichereimaschinentechnik
ınd damit der Übergang zur Fließarbeit bei der Pichung
7on Transportfässern mit Mammutpech schaffen geradezu
deale Zustände, nämlich höchsten Grad biologischer
Reinheit im Bierfaß, bedeutende Ersparnis auf dem
Pichkonto. Damit ist der Beweis. erbracht, daß die Gelanken,
 bei der Schaffung des Mammutpechs richtig waren.
Die Richtigkeit der Erkenntnis von der Beschaffenheit
3ines hervorragenden Brauerpechs wird auch durch die beleutende
 Umsatzsteigerung der Mammutfabrikate bestätigt.
Nichtsdestoweniger wurden die Mammutfabrikate im
Laufe der Jahre noch weiter vervollkommnet.
Mit der Schaffung eines transparenten (durchsichtigen)
Mammutpeches ist dann auch der alten Anhänglichkeit an
iransparente Harzölpeche, wie man sie früher ausschließlich
 für Biertransportfässer verwandte, Rechnung getragen.
Mammutpech transparent hat alle Mammutvorteile,
 aber nicht die Nachteile der transparenten Harzölpeche.

Mit dem Ersatz der Gärbottiche und Lagerfässer aus
Holz durch Metall- und Eisenbeton- (Zement-) Gefäße fiel den
Mammut-Auskleidungsmassen die Aufgabe zu, ein
Innenbelag zu sein, der, billig und leicht zu handhaben, ein
vollkommener Ersatz für Emaille ist. — Mammutierte
efäße bieten alle Gewähr für absolute Betriebssicherheit.
Laufende Untersuchungen durch eine Reihe wissenschaftlicher
 Brauereistationen in Deutschland ‘und im
Auslande geben vollkommene Gewähr für durchaus einwandfreie
 Ware.

In unserer Abteilung „Brauereifabrikate“ werden hergestellt
Mammut-Auswasch- und Entpichpech } für alle
Mammut-Einspritzpech Fichsysteme
Mammut-Anstrichmassen
zur Innenauskleidung von Gär- und Lagerbehältern
 aus Holz. Eisen und Eisenbeton (Zement)

CHEMISCHE WERKE MARIENFELDE A.G. BERLIN-MARIENFELDE
FERNSPRECHER: Südring 3040-3041 = TELEGR.: Conservierung Berlin-Marienfelde - BAHNANSCHLUSS
        <pb n="374" />
        Gruppe V, Pech, Glasuren und Lacke, Desinfektionsmittel. 373

Ya

MEER si1900,

Sy
air

Goldene Medaille, Wien 1913.
Gold. Ehrenkreuz, Wien 1913.
Silb. Medaille.Dresden 1911.

Reinigungs: . . LEE Durch Brauerei-Artikel -Geschäfte
gungS und Desinfektionsmiktel u.aleinige Antiformin-Fabrik
einer A d | ü Berlin N.0.18.
ZA nwen ung zwei Effekte Oscar Kühn Gr. Frankfurterstir. 86,

° } 1 aus Wissenschaft und Praxis über die
Li te ra t Ur: mehr als 300 Arbei ten Verwendungsmöglichkeiten u.Resultate

|

Pr.

, KG = ‘a © SS

/

Einspritzund



Auswasch-[



Allein-Hersteller


A KL D X
rk

die 1889 gegründete

Döbelner Emaillepechfabrik
Schwerdtfeger &amp;amp; Böttger
Döbeln. Sachsen

u

(D.R.P.) ist als
Desinfektionsmittsind

 von höchster Vollkommenheit, frost- und
hitzebeständig, unbedingt betriebssicher!
Export nach allen Zonen @

Eigenschaften:
mächtigste Wirkung
neutral
Ppulverförmig
ungiftig
greift kein Material an
gegen Aluminium
indifferent

Chemische Fabrik Pyrgosi7/Radebeul-Dresden

W005 wann 383 er
        <pb n="375" />
        DR

Sonderbeschreibungen:

Erste PILSNER.
Fichtenpechraifinerie

Bayerische Fichtenpechsiederei
„enker

151

Telephon 59 PILSEN Telephon 59

NURNBERG
FERNRUF 69136

E—.

h

Kr

Alle Sorten feinste Brauerpeche
für jedes Pichverfahren

Spezialität: Neutralitpech,
hochdestilliertes, säurefreies Einspritzpech


IT. MOPRPIS!

Geringste Verdunstung / Sparsamster
 Verbrauch / Gleich vorzüglich
 zur Ent- und Bepichung
und als Zusatz / Abspringen
ausgeschlossen / Hauchdünne
DBeachschicht

)

,A2

erzeugt anerkannt erstklassige,
doppelt raffinierte und doppelt überhitzte

7 peche
Klasfikpeche
"aSsuren

‘““ARKE:

die im Gebrauche unbedingt verfäßlich
und SIPERKSCHNTN Sind.

Für alle Picharten und Systeme tadellos
verwendbar.

AlsSpezialfabrik für Desinfektionsmittel
in der Gärungsindustrie empfehlen wir:

m"
a:

AM

das

Desinfektionsund


Reinigungs-Mitte]

an erster Stelle!

SCHNEIDER &amp;amp; CO. , CHEMISCHE FABRIK
GEGRÜNDET 1908
PROBSTDEUBEN -LEIP ZIG

für Innen- und Außendesinfektion (für
Uebersee in starken Holzverschlägen)

CC

m [m

M

in Tabletten ä 100 g, dosiertes festes
PräDarat

Th

pulverisiertes, speziell für die Aluminiumdesinfektion
 geeignetes Präparat

Spezialprospekte
Literatur, auch Gratisproben jederzeit durch:
MONTANA AG / STREHLA
AN DER ELBE

AA ARADAAADAAARABE AIR DASS IPOD BSD SD SD ADIDIDS SAD
        <pb n="376" />
        Gruppe V, Desinfektionsmittel, — Gruppe VI, Malz und Hopfen.
Die Verhütung und Vernichtung
von
Schimmel- und Pilzwucherungen,
wilder Hefe,
überhaupt aller, auch. der widerstandsfähigsten
 . Bakterien und KGärungsorganismen
wird laut wissenschaftlichen Gutachten und bakteriologischen
 Versuchen und Untersuchungen mittelst
gesetzlich geschütztem

375

Gruppe VI, Malz und Hopfen.
Seite
Bamberg, Mich. Weyermann. ... 2.2... . . 376
— Gustav Buxbaum . 2 0.0000000000.0000 0 4. . 386
— Moritz Grausmanmn . . 0.0.0000... 1. . 375
— Lessing &amp;amp; Söhne .o.0.00.00000000.0.0000. 01... 386
Berlin und Mannheim, Jacob Feitel 377
Berlin, Horst Company . . . . VL. 384
Erfurt, Malzfabriken J. Eisenberg &amp;amp; Etgersleben A.G. 383
-— Malzfabriken Langensalza &amp;amp; Wolff Söhne A.G.. . . 383
Frankfurt, Leopold Mayer Baß ....... . 387
Hamburg, J. F. A. Scheibel, Hopfengroßhandlung . . 385
Mannheim, Gieser &amp;amp; Odenheimer G.,m.b.H. . . . 387
München, Hopifenhandlung Joachim Fromm . . . . 388
Nürnberg, Mayer-Dinkel, Hopfengroßhandlung . . . 388
Schkeuditz, Leipziger Malzfabrik . . 2... . . 375
Hierüber:
Berlin, Dresdner Bank. . . .. . .. .389£

AÄntiierr:€

Alk

vollkommen erreicht und größte
Haltbarkeit des Bieres vesichert!

Antifermentin
ist nach dem Urteil maßgebender Versuchsanstalten
für die Brauindustrie eines der ausgiebigsten,
antiseptischen und billigsten
s . » ®
Reinigungs- und Desinfektionsmittel,
welches die moderne Chemie für die Gärungsindustrie,
yanz besonders Brauereien, Brennereien, Mälzereien u.
Hefefabriken geschaffen hat und welches ohne jedwede
Bedenken in diesen Betrieben verwendet werden kann

Alleiniger Hersteller: Chemische Fabrik Leisnig i. Sa,

=
LeIip:
PD:
1. nn
in Sch".
Gegr. 1872 =@#! Telegramm-Adresse Malz.
3abrik Schkeuditz @m Fernsprecher Nr. 7

€ Malzfabrik
Ve

Fabrikation
von hochprima PilsnerMalz
aus feinster Saalegerste
TENNEN-MALZERE!I
Jahresproduktion 230000 Zentner Malz

Moritz Grausmann
Bamberg :: Hopfengroßhandlung
Telefon-Nr. 241. Telegramm-Adresse: Grausmann

ff. Qualitätshopfen
n jeder Packungsart
3Zewährtes Konservierungsmittel
        <pb n="377" />
        376 Sonderbeschreibungen:
77" 4m YEAR BEER TERMINE TRATEN ASTA AUGTHSAUTEEUHEUEEENKEEEEKENE HEATHER EERAUGEEHBRE EEE STETEETKELETAMMEUMENEITU

‚jesamtansicht der Farbmalz- und Caramelmalz-Fabrik Mich. Weyermann, Bamberg .
Zum 50jährigen Bestehen der Firma Mich. Weyermann,
Farbmalz- und Caramelmalz-Fabrik in Bamberg.

Am 4. Oktober 1929 begeht die Firma Mich. Weyermann
 die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Der
Firmenname wurde von der alten Bamberger Getreidehandlung
 Mich, Weyermann übernommen, die in der
Fischerei Nr. 17 ihren Sitz hatte. Im Anwesen seiner
Schwiegereltern, der Apothekerseheleute Sippel, Laurenzistraße
 28 auf dem Kaulberg, errichtete der Gründer
der Malzfabrik Johann Baptist Weyermann, am 4. Oktober
 1879 die erste Rösterei. Aus kleinsten Anfängen
heraus wuchs das Unternehmen durch Fleiß und Geschick
 des Gründers bald zu einem ansehnlichen Werk.
fortlaufend durch Anbauten vergrößert. Im Jahre 1888
erwies sich das Kaulberger Terrain als zu klein für das
Unternehmen und eine Verlegung des Werkes wurde notwendig.
 An der Bahnstrecke Bamberg-Lichtenfels
VMemmelsdorfer Straße 68, bot sich geeignetes Baugelände,
 im selben Jahre noch wurde der Neubau er-‚richtet
 und die Fabrik dorthin verlegt. Dieser Neubau
ist der an der Memmelsdorfer Straße gelegene Teil des
aeutigen Werkes. Der Aufschwung der Fabrik vollzog
sich stetig. Jahr um Jahr schlossen sich neue Bauten
m Viereck an das erste Gebäude, die Inneneinrichtung
vervollkommnete sich fortdauernd, stete Verbesserunger
der Fabrikation vermehrten den Ruf der Firma über
Bayern und Deutschland hinaus. Steigender Auslandaxport
 kam dazu, die anerkannte Güte der Fabrikate
verhalf der Firma zu Weltruf. Die Leistungen des
Gründers Johann Baptist Weyermann fanden die Anerkennung
 der Krone Bayerns durch Verleihung des
Titels eines königlichen Kommerzienrates,
Beim Ausbruch des Krieges stand das Unternehmen in
vollster Blüte. Die Ernährungsschwierigkeiten der langen
Kriegsjahre und die Kontingentierung der Rohmaterialien
erschwerten in hohem Maße das Inlandgeschäft, der Auslandexport
 kam natürlich zum Erliegen. Lieferungen für das
Inland und den Heeresbedarf erhielten den Betrieb aufrecht.
Nach dem Ableben des Gründers, des kgl. Kommerzienrates
 Johann Baptist Weyermann, am 25, Oktober 1919
äbernahm die Witwe und die drei Kinder des Verstorbenen
 die Fabrik als offene Handelsgesellschaft, Die
Leitung des Werkes oblag den Hetren Rudolf und Carl!
Wevermann. In anstrengender Arbeit wurden nach dem

Kriege die alten Geschäftsverbindungen wieder aufgenommen,
 neue dazugewonnen. Die Schwierigkeiten der
Inflation, der so manche‘ Großunternehmen zum Opfer
fielen, wurden überwunden, der Neuaufbau des Geschäftes
 vollzog sich in rascher Folge, Bald war der
Friedensstand der Fabrikation erreicht, in wenigen Jahren
weit überschritten, das Auslandgeschäft systematisch
ausgebaut und bedeutend über den Friedensstand erhöht,
in Anbetracht der Schwierigkeiten, die nach dem verlorenen
 Kriege der deutschen Industrie überall im Auslande
 bereitet wurden, eine staunenswerte Leistung. In
allen Teilen der bewohnten Erde — nur das unfreiwillig
trockene Nordamerika ausgenommen — werden die
Spezialfabrikate der Firma verarbeitet. Die Firma Mich,
Weyermann ist in der ganzen internationalen Brauerwelt
 wohl bekannt.
Die Überwindung all dieser Schwierigkeiten erforderte
iußerste Hingabe der Firmeninhaber. Vorbildlich sind die
naschinellen Verbesserungen und Neubauten. Die Orzanisation
 des Betriebes wurde vervollkommnet mit den
nodernsten Büroeinrichtungen und Hilfsmaschinen. Die
Aürsorge für Beamte und Arbeiter tut sich kund in den
vesten sanitären Einrichtungen, Pensionskasse und
Altersfond für alle Angestellten erhöhen das Interesse
des Personals am Aufstieg des Werkes. Jeder Angestellte
bis zum letzten Arbeiter gilt als Mitarbeiter der Firma.
Als Anerkennung dieser bedeutenden wirtschaftlichen
und sozialen Leistungen verlieh die Regierung des Freistaates
 Bayern Herrn Rudolf Weyermann am 17. April
1924 den Titel eines Kommerzienrates,
Am 20. Mai 1926 verlieh die Philosophische Fakultät
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Herrn
Kommerzienrat Rudolf Weyermann, „der durch Förderung
 wichtiger sozialer Aufgaben dem Volkswohl gedient
und sich um die reine und angewandte Wissenschaft
hervorragende Verdienste erworben hat“, ehrenhalber
Grad und Würde eines Doktors der Philosophie,
Der Aufstieg der Firma Mich, Weyermann vom kleinen
Werk auf dem Kaulberg zum angesehenen deutschen
Großbetrieb und zur größten Spezialfabrik der Welt ist
ein Ruhmesblatt in der Wirtschaftsgeschichte Bambergs
und Deutschlands. Dr. M. Müller.
        <pb n="378" />
        Gruppe VI, Malz und Hopfen.

377

JACOB FEITEL

Malzfabrik

Mannheim - Berlin
        <pb n="379" />
        378

Sonderbeschreibungen:

Charaktermalze

für helle und dunkle Biere

Export nach allen Weltteilen

Jacob Feitel, Malzfabrik

Mannheim — Berlin
        <pb n="380" />
        Gruppe VI, Malz und Hopfen,

379

JACOB FEITEL

Malzfabrik

Mannheim — Berlin

Fabriken in

Ludwigshafen (Pfalz), Gernsheim, Nierstein

Berlin - Lichtenrade

Betriebsstätte:

Leipziger Malzfabrik in

Schkeuditz

Provinz Sachsen
        <pb n="381" />
        380

Sonderbeschreibungen:
BL

_

RT TE
ff 00 Wehr MI

Malzfabrik in Lichtenrade bei Berlin (Jacob Feitel)}

ya a RB

Er BE
SE EN

Malzfabrik in Ludwigshafen a. Rh. (Jacob Feitel)
        <pb n="382" />
        ME

4

Malzfabrik in Gernsheim (Jacob Feitel)

PN
        <pb n="383" />
        L.

|

I

Malzfabrik in Nierstein a. Rh. (Jacob Feitel)
        <pb n="384" />
        Gruppe VI, Malz und Hopfen. .

383

—_ 2 EZ kn 0 N AN _————

Malzfabrik .
FACH], Eisenberg &amp;amp;Etgersleben
Erfurt Aktiengesellschaft

Tennengroßmälzerei
für hochfeine
Pilsener und Dortmunder Typen
Betriebein:
ERFURT ®e ETGERSLEBEN e BUCKAU

®
Eisenberg-Malz
ist durch seine unübertroffenen Vorzüge seit
mehr als 40 Jahren

Die führende Marke!

(legründet 1872

MALZFABRIKEN

LANGENSALZA &amp;amp; WOLFF SOHNE, ERFURT
AKTIENGESELLSCHAFT ERFURIT

Großmälzerei für allerfeinste Charaktermalzo

insbesondere solcher
nach Pilsener und Dortmunder Art.
Lieferung auch nach dem Auslande. Jahresverarbeitung 500000 Ztr. Gerste.
        <pb n="385" />
        384

zationelle Hoptfenverwertung.

Das durch die Fachpresse hinreichend bekannte Horstsche
Verfahren zur Gewinnung hochwertiger Hopienextrakte hat
in den letzten Jahren einen derartig hohen Grad von technischer
 Vollkommenheit erreicht, daß es heute geradezu als
die ideale Lösung der aus privat- und volkswirtschaiftlichen
Gründen dringend einer Lösung harrenden Frage der rationellen
Hopfenverwertung angesprochen werden kann. Schon ‚seit
vielen Jahren haben sich die Brauchemiker der ganzen Welt
eingehend mit dem Horstschen Hopfenextraktionsverfahren
beschäftigt. So der bekannte englische Chemiker Dr. Chapman
vom Chemischen Laboratorium in London und Dr. Moritz vom
Londoner Chemischen Institut Dr. Moritz und Morris, ‚Auch
das Chemische Institut John Heron &amp;amp; Son in London und das
Londoner Chemische Institut Briant &amp;amp; Harman hat eingehende
Untersuchungen vorgenommen. Sie alle kamen zu dem Urteil.
daß der Hortsche Hopfenextrakt nicht nur kein Surrogat sei
sondern absolut reiner Hopfen lediglich in anderer Form,
somit auch den Rohhopien in jeder Beziehung vollwertig ersetze,
 daneben aber den großen Vorteil habe, recht erhebliche
Ersparnisse zu gestatten. Zu demselben Ergebnis gelangten
auf Grund ihrer Untersuchungen auch die anderen Institute,
die sich sehr eingehend mit dem Horstschen Verfahren beschäftigt
 haben, so The First Station for the Art of Brewing
in the United States of America, New York, das Chemische
Institut Wahl-Henius, Chicago, The National Brewers Academy
Francis Wyatt, New York, Handkees Brewer School and
Laboratories, Milwaukee, Wisconsin, und der bekannte
elgische Brauchemiker Prof, van Laer in Brüssel, -
Von deutschen Brauchemikern hat insbesondere Dr. Keil
von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin eine
Anzahl sehr erfolgreicher Versuche in einer Westdeutschen
3roßbrauerei durchgeführt. Von ausschlaggebender Bedeutung
 jedoch waren die eingehenden Prüfungen, die Prof
Dr. Lüers von der Wissenschaftlichen Station für Brauerei in
München vorgenommen hat. Er machte zuerst eine Serie
von fünf verschiedenen Suden in einer oberbayerischen
Brauerei und faßte das Ergebnis dieser Prüfungen wie folgt
zusammen:
„Es gelang nach dem Horstschen Verfahren aus dem Naturhopien
 einen Extrakt herzustellen, der bei höchster Ausbeute
die brautechnisch. wichtigen Weichharze in sehr vollkommen
geschonter Form enthält, 75 % der üblichen Hopfengabe ließer
sich -durch diesen Hopienextrakt ersetzen, dabei aber noch
beträchtliche Mengen, nämlich 30 bis 50 % des Naturhopfens
einsparen, so daß die gesamte auf den ganzen Hopfen berechnete
 Einsparung 25 bis 40% beträgt. Die auf solche
Weise hergesteilten Biere schmeckten in jeder Beziehung
einwandfrei, unterschieden sich in ihrem Bittergeschmack
kicht sinnfällig von dem normalen, und waren ihm in der
Schaumhaltigkeit eine Kleinigkeit überlegen. Vom Publikum
wurden die mit Horstschem Fxtrakt hergestellten Biere
bevorzugt.
Wie ich schon eingangs erwähnte, habe ich mich erst
nach Anraten von seiten mehrerer angesehener Praktiker
dazu entschlossen, diese Versuche durchzuführen, denn ich
stand der Sache bisher interesselos, wenn nicht skeptisch
gegenüber. Nachdem die Versuche in objektiver, durch Zeugen
kontrollierter Weise durchgeführt worden sind und, wie ich
selbst gestehen muß, ein unerwartetes Ergebnis zeigten, stand
ich nicht an, wieder ermutigt durch Praktiker, meine bei den
Versuchen gemachten Erfahrungen bekannt zu geben,
Meine Ausführungen sollen weiter nichts als ein obiektiv
gehaltener Bericht über die von mir gemachten Versuche sein.
Jeder Brauer mag sich zu der Sache stellen wie er will. Ohne
Bedenken kann ich dazu anraten, durch Versuchssude, bei
welchen durchaus nichts riskiert ist, sich über die Brauchbarkeit
 von Hopfenextrakt zu überzeugen und dadurch mitzuhelfen,
 unter Variation der äußeren und inneren Bedingungen
das allgemeine Urteil zu gewinnen, das vom Standpunkt der
Wissenschaft und Technik als erstrebenswert zu bezeichnen
ist und dessen Erreichung nicht mehr in der Arbeitsmöglichkeif
eines einzelnen liert.“

Ein Jahr später, im Juni 1927, unternahm Lüers. dann, um
lie Verwendbarkeit der Horstschen Hopfenauszüge auch unter
zanz anderen Wasser- und Herstellungsverhältnissen und auch
ür einen völlig anderen Biertyp prüfen zu können, eine weitere
Serie von sieben verschiedenen Suden in einer Norddeutschen
3roßbrauerei. Auch diese Untersuchungen fielen hervorragend
zut aus, und Prof. Lüers konnte über das Ergebnis zusammen-‘assend
 berichten:
„Bei der großtechnischen Extraktion des Hopfens wird eine
juantitative Ausbeute an Gesamtharz erzielt und dabei werden
lie kostbaren Weichharze in sehr vollkommener Weise ge-‘cChont.
 Die mit Hopfenextrakt unter großer Variation der
Yersuchsbedingungen durchgeführten Sude lieferten als Ersebnis,
 daß es gelingt, aus Hopfenextrakt unter teilweiser Mitzerwendung
 von Naturhopfen, aber auch ohne letzteren, ein
3ier zu erzeugen, das dem normalen mit der vollen Hopfenrabe
 gebrauten in nichts nachsteht. . Dabei lassen sich per
Sud sehr erhebliche Einsparungen erzielen, so daß die Verwendung
 von Hopfenextrakt auch wirtschaftlich gewinnıringend
 erscheint.
Von wissenschaftlichem Standpunkt aus ist jedenfalls auch
lie Tatsache interessant, daß ein Bier, welches mit Extrakt
ınter einer effektiven Ersparnis von etwa 50% des gesamten
Äopfens hergestellt wird, in seiner Bittere sich von einem mit
ler vollen Hopfengabe gebrauten Normalbier nicht zu unterscheiden
 braucht. Man kann das damit erklären, daß die
Neichharze in Form des Extraktes sich anscheinend in der
Nürze anders verkochen und andere Adsorptionsbindungen
iefern, als wenn sie langsam aus dem Hopfen bzw. Lupulin
jerausgelöst werden müssen. Ferner scheint die Ausscheidung
ler ja immer in der Würze im. Überschuß vorhandenen Bitter-;toffe
 auf der Kühle, in den Decken der Hauptgärung und dem
jeläger der Lagerfässer eine geringere zu sein, so daß am
Inde eben doch eine genügende Menge im Bier erhalten bleibt.
Daß diese Verhältnisse nicht in jedem Betriebe gleich sich
zestalten werden, liegt auf der Hand. Deshalb kommt keine
Brauerei, die sich mit dem Hopfenextrakt befassen will, damit
aus, einen einzigen Versuch zu machen; nur durch‘ eine größere
Reihe variierter Bedingungen läßt sich vielmehr die zwecknäßigste
 Kombination von Hopfen und Extrakt ermitteln und
iber diese dann erst nach länger währender Anwendung ein
‘bschließendes Urteil in jedem einzelnen Betrieb fällen.“
Maßgebend für die weitere Einführung des Verfahrens sind
ıber schließlich die Erfahrungen der Praxis, die in den Unteruchungsergebnissen
 nur längst Bekanntes bestätigt fand. In
;tets steigendem Maße machte sich die deutsche Brauindustrie
lie Vorteile des neuen Verfahrens dienstbar, dessen allgemeine
Einführung nur dadurch verzögert wurde, daß das Reichs-'inanzministerium
 die Verwendung der Hopfenauszüge immer
aur von Jahr zu Jahr freigab und so den Brauereien die Möglichkeit.
 nahm, einen der Hauptvorteile auszunutzen, der darin
besteht, in billigen Hopfenjahren Hopien für teuerere auf
Vorrat extrahieren zu lassen und sich so unahhängig von der
Topfenspekulation zu machen.
‘Erst im November 1928 wurde auch dieses letzte Hindernis
’eseitigt. Auf Grund der vorliegenden wissenschaftlichen
Iutachten und der Ergebnisse der Erkundigungen, die das
veichsfinanzministerium im Brauereigewerbe eingezogen hatte,
ınd die zeigten, daß das Verfahren bereits mit großem Erfolg
n weitem Umfang eingeführt war, gestattete das Reichsinanzministerium
 durch besondere Verfügung ausdrücklich
lie Verwendung der Horstschen Hopfenauszüge für das Gebiet
ler ehemaligen Norddeutschen Brausteuergemeinschaft voräufig
 auf die Dauer von fünf Jahren. Die Folge dieser Freigabe
var, daß besonders das letzte günstige Hopfeniahr von vielen
3Zrauereien zur Anlage sehr erheblicher Hopfenvorräte in
Zxtraktiorm ausgenutzt wurde. Einzelne Großbrauereien ließen
Junderte von Zentnern Hopien extrahieren und sind so für lange
Zeit mit Hopfen zu billigsten Preisen eingedeckt. Das Horstsche
Verfahren bedeutet somit zweifellos einen der bedeutendsten
3ortschritte, den die Brauchemie überhaupt während der
zanzen letzten Jahre gemacht hat. Für Interessenten ist die
Horst Company, Berlin W 9, gern zu jeder Auskunft bereit.
        <pb n="386" />
        FE.
‚Wo ®
Gegründet 1815

— Gruppe VI, Malz und Hopfen.

"»pfengroßhandlung

385

—” = SaaZ

m.
"a

Joachim Friedrich Ulrich Scheibel, gebürlig aus Waren in Mecklenburg,
gründete im Jahre 1815 unter seinem Namen ein Waren-Kommissionsgeschäft in Hamburg
in Hopfen, Getreide und Kolonialwaren. . ;
Die deutsche Brauindustrie befand sich. damals erst in den Anfangsstadien ihrer
Fniwicklung, und der Hopfenanbau Bayerns und Böhmens halte noch nicht annähernd die
Bedeutung, die er sich später erringen sollte. Es war daher verständlich, daß die Firma
sich nicht von Anfang an auf den Artikel Hopfen spezialisieren konnte, vielmehr ihr
Hauptinteresse dem größeren Artikel Geireide zuwandte.
Durch rastlosen Fleiß, zähe Energie und strenge Rechtlichkeit brachte JoachimFriedrich
Ulrich Scheibel sein Geschäft zu hoher Blüte, so daß es bald zu den angesehensten
Häusern Hamburgs gehörte.
__ Nach seinem Tode im Jahre 1850 übernahm sein ältester Sohn, Karl Scheibel, die
Firma, welche er im Geiste seines Vaters weiterführte. Im Jahre 1871 trat er aus dem
Geschäfte aus, um eine Brauerei in Kiel, die nachmalige „Aklien-Brauerei vorm. Scheibel
zu gründen und übergab das Hamburger Geschäft seinem jüngeren Bruder August, der
bisher Landwirt gewesen war, und seinem langjährigen Mitarbeiter Alexander M. Levy.
Bis zum Jahre 1882 arbeiteten diese beiden in vollster Harmonie zusammen, dann
zog sich August Scheibel in den Ruhestand zurück und überließ die Firma seinem alten
Sozius und Freund, der kurz darauf seine Söhne als Teilhaber aufnahm und in dessen
Familie sich der Besiß der Firma noch heute befindet.
Während in den ersten 50 bis 60 Jahren der Schwerpunkt des Geschäftes der Artikel
Getreide war, wandte sich das Interesse des Hauses, gleichzeitig mit dem phänomenalen
Aufblühen der Brauindustrie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, mehr und
mehr dem Artikel Hopfen zu.
_ Heute verdankt die Firma ihren Namen und ihre Bedeutung fast ausschließlich
diesem Artikel.
Im Jahre 1886 wurde eine Zweigniederlassung in Nürnberg, einige Jahre später eine
solche in Saaz errichtet. Den Firmen in Nürnberg und Saaz oblag von jener Zeit ab der
Einkauf, die Verpackung und der Versand, während das Haupihaus in Hamburg nach
wie vor die Verkaufszentrale blieb. ; .
‚Ein vortrefflich organisierter Einkaufsapparat auf allen Produktionspläken ünd sachgemäße
 Verpackung nach modernsten Prinzipien in eigenen Magazinen sebten die Firma
in den Stand, den höchsten Ansprüchen zu genügen.
_ Dank dem Grundsak, steis nur das „Beste vom Besten“ zu liefern, gelang es,
eine große Anzahl der Brauereien Deutschlands und der anderen europäischen
Länder als regelmäßige Abnehmer zu gewinnen und zu erhalten. Die vielen überseeischen
Beziehungen des Hamburger Hauses ermöglichten es, Verbindungen mit Brauereien aller
Weltteile anzuknüpfen, auch die Export-Abteilung des Geschäftes befindet sich
in ständig wachsender Entwicklung.
Am 1. Januar 1915 wurde das hundertijährige Jubiläum entsprechend den ernsten
Zeiten in aller Stille gefeiert, doch mit dem befriedigenden Bewußisein, daß die
Firma zu den angesehensten der Branche zahlt. a
__ Auch heute noch hofft die alte Firma ]. F. U. Scheibel nicht am Ende ihrer. Entwicklung
 zu stehen.

HA

EEE

Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart
        <pb n="387" />
        386

TELEGRAMM-ADRESSE:
BUXBAUM BAMBERG

GUSTAV B:

Sonderbeschreibungen:

JM...

FERNSPRECHER NR. 15
ABC CODE / 5. EDITION

4G

HOPFEN-GROSSHANDLUNG
ZWEIGNIEDERLASSUNG SAAZ (BÖHMEN)

„IHOODSNOROON DYNO NZNNHZNHNNSES

LESSING &amp;amp;. SÖHNE

HOPFENGROSSHANDLUNG

[PE

af

A

Kr
Mr

BAMBERG

Zn

4
A
Mn
%

a

Ang, “A

Pag

wa

7

I

SE SE TE NT ST SEN

Ta
        <pb n="388" />
        Gruppe VI, Malz und Hopfen.

387

HAVTRINPIUTT HP TI pH N
le ame ePIC n ) za a a a a eis becker kendk l el ar ; A .
ee a 1

nF "390"

Leopold Mayer Bass
Hopfenhandlung
Gearündet 1859

Frankfurt a. M.

Nürnberg

Saaz

ih

In

In

1

fe

B

)
1

ah

dr

Ss
=
=
=
SE
=

I an) e°7 JUL U 155)

G. m. b. H.

Hopfenhandlung

Mannheim

München
        <pb n="389" />
        388

Sonderbeschreibungen:

Gegründet
1845

Hopfenlager München- Pasing

Hopfenhandlung
JOAC$

Hopfenlager in Saaz

A

München » Saaz

Telezramme: Hopfenfromm München

ABC-Code 5. Ausgabe

(zw
(X:
Vo

‘] ER DIN

CGearündet 1844

NURNBERG-SAAZ

Export nach allen Ländern

Felegramm-Adresse für Nürnberg und Saazı MAYERDINKL
ABC Code 5the Fdition.
        <pb n="390" />
        Sonderbeschreibungen:

389

Dresdner Bank

Zentrale: Berlin W 56

Kapital und Reserven 134000 000 RM.

Die Dresdner Bank wurde im Jahre 1872
unter Übernahme des altangesehenen Bankkauses
 M. Kaskel in Dresden mit einem Kapital
von 9,6 Mill. M. gegründet. Aber schon 1884
wurde die Zentrale nach Berlin, wo 1881 eine
Niederlassung errichtet worden war, verlegt,
und von hier aus dehnte die Bank ihre Tätigkeit
 durch Gründung von zahlreichen Filialen
über-das ganze Reich aus und entwickelte sich
rasch in ununferbrochenem
 Aufstieg
zu einer der maßgebenden
 Großbanken
Deutschlands von internationaler
 Geltung.
Zur Zeit unterhält die
Bank €igene Niederlassungen
 in rund 100
Städten. Inden Großstädten
 vermitteln
überdies zahlreiche
Depositenkassen —
in Berlin allein 56 —
den Verkehr mit dem
Publikum. Im Laufe
ihrer Entwicklung
nahm‘ die Dresdner
Bank zahlreiche Banken
 und Bankgeschäfte
 in sich auf,
unter denen besonders
 zu nennen sind
die Anglo-Deutsche
Bank in Hamburg
(1892), die Bremer
Bank in Bremen
{1895), die Deutsche Genossenschaftsbank
von Soergel, Parrisius &amp;amp; Co., Berlin und
Frankfurt am Main: (1904), die Rheinisch-Westfälische
 Disconto-Gesellschaft in Aachen
und die Märkische Bank in Bochum (1917).
Durch die Übernahme der Deutschen Geı10ssenschaftsbank

 hat die Dresdner Bank auch
lie Mehrzahl der Kreditgenossenschaften in
ıllen Teilen Deutschlands in ihren Geschäftsreis
 einbezogen, und dieser Geschäfitszweig
äner geldlichen Zentralstelle für die deutschen
Creditgenossenschaften bildet seither eine
Spezialität. der beiden Genossenschaftsabteiungen
 der Dresdner Bank in Berlin und Frankurt
 am Main, deren Aufgaben sich ständig erweitern
 und ausgebaut
 werden.
Seit der Gründung
ihrer Filiale in Hamburg
 im Jahre 1892,
welcher 1895 die Errichtung
 von Filialen
in Bremen und London
 folgte, hat sich
die Dresdner Bank
besonders der Pflege
des Auslandsgeschäftes
 gewidmet. Die
Filiale in London hat
zwar infolge desKrieges
 liquidiert werden
müssen, aber die
durch den Krieg jäh
unterbrochenen Auslandsbeziehungen

sind überall mit gro-3em
 Erfolg wieder
aufgenommen und
ausgebaut worden.
Die Dresdner Bank
spielt heute im Auslandsverkehr
 einedoninierende
 Rolle und widmet dem Rembourszeschäft
 seit langem besondere Pflege. Im
\uslande besitzt die Bank Niederlassungen in
Danzig, Kattowitz, Königshütte und Tarnowitz,
n Holland ist sie durch die Firma Proehl
%&amp;amp; Gutmann, Kommandite der Dresdner Bank in

Dresdner Bank Berlin W 56 Direktionsgebäude
Front Behrenstraße neben der Hedwigskirche
        <pb n="391" />
        390 a

Sonderbeschreibungen:

Amsterdam, vertreten, die namentlich in der
Finanzierung internationaler Geschäfte Bedeutung
 erlangt hat. Die Dresdner Bank ist ferner
an zwei Auslandsbanken maßgebend beteiligt,
an der Deutsch - Südamerikanischen Bank in
Berlin mit Niederlassungen in Hamburg, Madrid.
3uenos Aires, Asuncion, Valparaiso, Santiago
(Chile), Rio de Janeiro, Sao Paulo, Santos,
Mexiko (Stadt), und an der Deutschen Orientbank
 in Berlin mit Niederlassungen in Hamburg,
Konstantinopel, Smyrna, Kairo und Alexandrien.
Bei beiden Tochterinstituten haben sich die Geschäfte
 günstig entwickelt und nehmen ständig
an Ausdehnung zu. Ferner bestehen Beteiligungen
 bei der Dürener Bank in Düren, bei der
Hardy &amp;amp; Co., G. m. b. H., Berlin, bei der Land:
gräflich-Hessischen konzessionierten Landesbank
 in Homburg v. d. Höhe, der Mecklenburgischen
 Bank in Schwerin, der Oldenburgischen
 Landesbank in Oldenburg, der Internationalen
 Bank in Luxemburg, der Internationalen
 Bank in Riga und der Rumänischen Bankanstalt
 in Bukarest.
Die Beziehungen der Dresdner Bank erstrecken
 sich auf die verschiedensten Zweige
der Industrie und des Handels. Sie finden ihren
Ausdruck in der großen Zahl von Aufsichtsratsvertretungen,
 die die Vorstandsmitglieder
und Direktoren der Dresdner Bank bei deutschen
 Aktiengesellschaften innehaben, welche
zum Teil zu den bedeutendsten ihrer Branche
gehören. Auch am Brauereigewerbe ist die
Dresdner Bank seit jeher lebhaft interessiert;
zur Zeit ist sie im Aufsichtsrat folgender Unteraehmungen
 der Brauerei-Industrie und ihrer
Nebengewerbe vertreten: Adler Brauerei, Köln:
Ehrenfeld; Actien-Bierbrauerei zu Reisewitz
Dresden; Aktienbrauerei zum Hasen, Augsburg:
Aktienbrauerei Zwickau-Glauchau, Aktiengesellschaft,
 Zwickau; Aktiengesellschaft f. Brauereidedarf,
 Dresden; Aktiengesellschaft Societätsbrauerei
 zu Zittau, Zittau; Actien-Lagerbier-3rauerei
 zu Schloß - Chemnitz, Chemnitz;
Aktien-Malzfabrik Könnern, Könnern (Saale);
Bierbrauerei Gebr. Müser, Aktiengesellschaft.
Langendreer; Brauerei Geismann Aktiengesellschaft,
 Fürth i. B.; Brauereigesellschaft vormals
 Meyer &amp;amp; Söhne, Riegel; Brauerei
Warthausen vorm. Neher &amp;amp; Sohn Aktiengesellschaft,
 Warthausen; Brauerei zum Felsenkeller
bei Dresden, Dresden-Plauen; Brauerei zum
Felsenkeller Pirna Aktiengesellschait, Pirna
a. E.; Bürgerliches Brauhaus Aktiengesellschaft,
 Saalfeld (Saale); Danziger Aktien-Bierbrauerei,
 Danzig; Freiherrlich von Tuchersche
Brauerei Aktiengesellschaft, Nürnberg; Hay-1auer

 Malzfabrik Aktiengesellschaft, Haynau
Schles.); Hessische und Herkules-Bierbrauerei
Aktiengesellschaft, Kassel; Hirsch-Brauerei
&amp;lt;öln, Aktiengesellschaft, Köln a. Rh.: Hitdorfer
3rauerei Friede Aktiengesellschait, Köln a. Rh.;
Toefel-Brauerei Aktien-Gesellschaft zu Düssellorf,
 Düsseldorf; Königsbacher Brauerei,
Aktiengesellschaft, vorm. Jos. Thillmann,
Koblenz; Lindener Aktien-Brauerei, Hannoyer-„inden;
 National-Brauerei, Aktiengesellschaft,
Juisburg; Ostwerke Aktiengesellschaift, Berlin;
Sächsische Malzfabrik, Dresden; Schloß-&amp;gt;rauerei
 Aktiengesellschaft, Berlin-Schöneberg;
Woldemar Schmidt Aktiengesellschaft, Dresden;
 Schwanen-Brauerei Kleinschmitt Aktiengesellschaft,
 Schwetzingen; Vereinsbrauerei
Terrenhausen-Hannover, Hannover; Werger
3rauerei Aktien-Gesellschaft, Worms a. Rh.
Diese Gesellschaften repräsentieren zusammen
an Aktienkapital, das 21 % des gesamten in der
leutschen Brauindustrie investierten Nominalxapitals
 ausmacht.
Auch bei der Emission von Anleihen nimmt
lie Dresdner Bank seit langem eine hervorragende
 Stellung ein, ;
In den seit der Währungsstabilisierung verlossenen
 Geschäftsjahren hat die Bank eine
recht günstige aufsteigende Entwicklung genommen.
 Angesichts des wachsenden Geschäftsumfanges
 wurde das bei der Goldumstellung
 auf 78 Mill. bemessene Aktienkapital
m Jahre 1926 um 22 Mill. auf 100 Mill. RM.
arhöht. Gegenüber dem bekannten Rekord-'ahre
 1926 weisen die beiden letzten Geschäfts-'ahre
 weiter steigende Ziffern aus. Der Umsatz
arhöhte sich von 142 Milliarden im Jahre 1926
auf 185 Milliarden im Jahre 1927 und 225,5 Miljarden
 RM. 1928. Der Rohgewinn von 1928
setrug 79 Mill. gegen 77,2 Mill. im Vorjahre, der
Reingewinn 13,4 Mill. gegen 13,1 Mill. RM.,
ınd die Kreditoren haben sich im Jahre 1928
»benfalls weiter erhöht, von 1640 Mill. auf
2112 Mill. RM. Die Vorschüsse auf Warenınd
 Warenverschiffungen, ein Geschäftszweig,
lem die Dresdner Bank stets ihr besonderes
Augenmerk gewidmet hat, die im Jahre 1927 um
54% gestiegen waren, sind in 1928 von
211,1 Mill. auf 379,4 Mill. RM. weiter angewachsen,
 was einer erneuten Steigerung um
'ast 80 % entspricht. Nach Vornahme beträchticher
 Rückstellungen wurden für die Jahre 1924
ınd 1925 je 8 %, für die Jahre 1926, 1927 und
1928 je 10 % Dividende verteilt. Dabei wurden
die Gewinne aus dem Effekten- und Emissionsgeschäft
 wie üblich nicht ausgewiesen, sondern
zu internen Rückstellungen verwandt.
        <pb n="392" />
        Sachwortverzeichnis.
Die Zahlen bezeichnen die Seiten.

A
Abfallprodukte, Verwertung 28.
Abfüllerei 270, 273, 331.
Abfüllapparate 113.
Abfülleitung, Schädigung des Bieres 210.
Abschreibungsirage 44, 164,
Abstinenten, Bestrebungen 173.
Abstinenzpropaganda 172,
Abzug des Bieres 112.
Adlerbrauerei A.-G,, Köln-Ehrenfeld 294.
Agrarkrise 139,
Ägypten, Brauwesen 219, 233.
Aktienbrauerei Ludwigshafen, Ludwigshafen
 306.
Aktiengesellschaften, Steuer 168.
— Rentabilität 42f.
Aktivin 373.
Alkohol, Bildung bei Vergärung 109.
— als Nährstoff 241.
Alkoholfrage 172.
Alkoholgehalt des Bieres 239, 242.
—. der Biere und Weine 58.
Alkoholverbote 172, 176.
Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin
 347,
Altersaufbau der Brauereiarbeitnehmerschaft
 191.
Aluminiumgefäße 107, 145, 344,
Anbaugebiete der Gerste 130.
Angestellte in Brauereibetriebe 190,
Austellen der Würze mit Hefe 109,
Antifermentin 375.
Antiformin 373.
Anzapfvorrichtungen 126, 356, 357,
Apparate zum Bierabfüllen 146, 354 {ff.
— zum Flaschenreinigen 146.
Aquilen 370.
Arbeiter in der Brauerei 188f,
Arbeitgeber, Die Brauindustrie als 188.
Arbeitnehmerorganisationen 191,
Arbeitsmaschinen iür _Brauereibetrieb
143, 346 ff.
Arbeitszeitbestimmungen 193, 197.
Aroma des Bieres 242.
— des Hopfens 93.
Aufwandsentschädigungen 167,
Aufwertungsforderungen 166.
Ausbildung der Braumeister 202.
Ausfuhr von Bier, Älteste 49, 137, 223.
— wirtschaftliche Bedeutung 7,
Ausnutzung der Nährstoffe des Bieres
240.
Ausreifung des Bieres 112.
Ausschank des Bieres 126,
Ausschankpreis des Bieres 156.
Ausschankverbote 175,
Auto für Bierbeförderung 123, 362{.

B
Babylonien, Bierbrauerei 218, 233.
Baden, Biersteuer 154. ;
— Aktienbrauereien 43{f.
— Brauereibetriebe 134, 334,
— Brauereiverbände 12, 15, 16.
— Gerstenbau 129.

Baden, Überweisungen 158.
3ahnbeförderung des Bieres 123f.
Bayern, Biersteuer 154f,
— Aktienbrauereien 43{f.
— Brauereibetriebe 134, 251 ff.
— Brauereiverbände 12, 15, 16.
— Ein- und Ausfuhr von Gerste und
Malz 137.
— Gerstenbau 129. ;
— Überweisungen 158, .
— alte Bierverordnungen 226.
3ayerische Aktienbierbrauerei Aschaffenburg,
 Aschaffenburg 274,
Zayerische Fichtenpechsiederei August
Benker, Nürnberg-Schweinau 374.
3ayerische Holzindustrie Saturn, F. &amp;amp;
O. Sahlmann, Nürnberg 359.
‚Bayerisches Bier“ 228,
3edürfnisnachweis für Gastwirtschaften
174.
Beförderung des Bieres 122, 361.
3elastung der Brauereien durch Steuern
10.
3Zenzin-Lastauto 123.
3Zerieselungskühler 106.
3erlin, Brauereilehranstalt 17 f,
3Zerufsgenossenschaft, Brauerei. 36 f,
3Zetriebsanlagen, Investierungen 29.
— Erneuerung 34.
Betriebslaboratorien 258, 263, 267.
Betriebsvermögen 163,
Bibliographie des Brauwesens 232.
Bier, Ausschankpreis 156.
— ernährungswirtschaftliche Bedeutung
236.
Bedeutung für den Fremdenverkehr
 7.
Entstehung 53{f.
— als Heilmittel 247.
und Sport 247.
als Steuerobjekt 222.
— Zusammensetzung 57.
3ierabfüllung 28, 146, 354{f.
Bierausfuhr, Deutsche 49{ff, 137.
— Bedeutung für Deutschlands Weltstellung
 7.
3ierbereitung, biologische Verhältnisse
204.
3ierbeschau, Amtliche 227,
3ieraroma 242.
3ierbrauerei Durlacher Hof, Mannheim
311.
3ierbrauerei Gebr, Müser A.-G., Langendreer
 i, W. 301.
Bierersatzpräparate 158.
Biererzeugung der Welt 237.
— Deutschlands 238.
Bierfaßindustrie 116 ff, 360.
Bierfilter 114, 349,
Bierflaschen, Abschreibung 166.
Bierhandel 126,
3ierkrankheiten 206 ff,
3ierpumpen als Infektionsquelle 210,
Biersiphons 361.
3iersteuern 152 ff.

Biersteuern, Abwälzung auf den Konsum
 156,
— Gesetzgebung 127, 153{f.
3iertransportiaß 360.
3iertreber 213.
3iertypen 103.
3ierversand 122.
3ierwagen 255, 256, 270, 272, 305, 321,
325, 3624. .
3ierwaggons 364, 366.
Bilanzauswertung 32.
Biologische Verhältnisse bei der Bierbereitung
 204.
3itterstoffe des Hopfens 93.
3lattlaus am Hopfen 86.
3lütchen, W., &amp;amp; Söhne, Flachs- und
Jutespinnerei, Vetschau und Berlin
358.
3othner, Oscar, Maschinenfabrik, Leipzig
 348.
3ottiche, Abschreibungen 166.
— Reinhaltung 209.
Brauarbeiterlöhne 194 f,
Brauerei als Mittler zwischen Handwerk
 und Industrie 7,
3rauerei zur Eiche, Kiel 293.
3rauerei Karl Fay, G.m.b.H., Darmstadt
 278.
3rauerei zum Felsenkeller, . Dresden-Plauen
 289.
3rauerei A. Kropf, Kassel 335.
3rauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft
 37, 189,
3rauereibetrieb, kaufmännischer 29.
3rauereigebäude, Abschreibung 165.
3rauereigespann 256, 258, 270, 272, 305,
321.
3rauerei-Hochschulen 17 ff.
Brauereiliteratur 232,
3rauereimaschinen 144if., 346 ff.
3rauerei-Tarifverträge 192,
3rauereiverbände 15,
3rauerei-Vereinigung Kulmbach E.V. 297.
3rauertage 11.
3raugerste, gute 24,
— Anbau 60 ff.
— Anbaugebiete in Deutschland 131.
— Einschätzung 62,
3rauindustrie, Organisation 11.
— soziale Bedeutung 8.
— Rentabilität 42,
3raumeister, Der 201,
3raumeistervereine 202,
3rauordnungen der Städte 222,
3Zrausteuer 153.
— Gebiete 127.
3Zrausteuergebiet, Aktienbrauereien 43{.
3raustoffverbrauch 134.
3Zrauwasser 25, 53, 102, 207.
3rauwesen, Geschichte 218,
3reitwisch, C., Gesellschaft für Brauereibedarf
 G. m. b. H., Köln 357.
3remen, Bierexport 49, 223.
3royhahn 225.
3runnenkonto 165.
        <pb n="393" />
        392
Buchführung und Kalkulation 30.
Bund deutscher Brauer und verwandter
Berufe 192,
Bürgerliches Brauhaus zum „Habereckl‘,
Adolph Dingeldein, Mannheim 310.
Buxbaum, Gustav, Hopfengroßhandlung,
Bamberg 386.

DC

Chemische Fabrik Leisnig, E. Paul Kirsten,
 Leisnig i. Sa. 375.
Chemische Fabrik Pyrgos G.m.b.H..
Radebeul b. Dresden 373.
Chemische Werke Marienfelde A.-G,,
Berlin-Marienfelde 372,
Chemische Zusammensetzung von Bieren
230

D
Dampfkraftanlagen 140.
Danziger Bier 225,
Darren 26, 54, 78, 206, 353.
Darrhorden 78, 3533.
Dauben, Faß- 117,
Delbrück, Dr. Max 17.
Desinficin 374.
Deutsche Siphonfabrik Hoffmann,
Schwarz &amp;amp; Co., Berlin SW 361.
Deutscher Brauer-Bund 11, 15,
— Braumeister- und Malzmeister-Bund
192, 203,
— Nahrungsmittel- u. Getränkearbeiterverband
 192.
Dingeldey, Dr. Karl 116.
Dividende der Aktienbrauereien 29, 44f.
Döbelner Emaillepech-Fabrik, Döbeln i
Sa. 373.
Doppelbesteuerung des Bieres 159,
Dortmunder Bier 128, 228, 238.
Dresdner Bank, Berlin 389,
Droege, Kurt W., Syndikus 6.
Dührssen, Dr. Rudolf 172.
Düstersiek, F. K. 188.

rm

Eichbaum-Werger-Brauereien A.-G.,
Mannheim u. Worms 330.
Eichplatten 358.
Eimbeck 234.
— Brauhaus 224.
Einbecker Bier 222, 224.
Bin- und Ausfuhr von Braugerste, Malz
und Hopfen 136.
Finkommen, Steuer vom 164.
Eisenbahn-Verkehrsmittel A.-G., Berlin
366.
Eismaschinen, Lindes 28, 143, 342.
Eiweißgehalt der Gerste 64, 71.
Eiweißstoffe im Bier 111.
Elektrische Anlagen 332, 336, 347,
Zlektromobil 123.
Emaillierter Stahl 107.
Emaille-Tanks, siehe Tanks,
Enzinger-Union A.-G., Maschinenfabrik,
Mannheim 349.
Enzyme, Tätigkeit beim Mälzen 71.
Erbschaftssteuergesetz 164,
Erdilöhe am Hopfen 86.
Erlangen, Bierexport 50.
Ernährungswirtschaftl. Bedeutung des
Bieres 236.
Erneuerungskonto 165.
Zrste Genossenschaftsbrauerei Berlin-Friedrichshagen
 E. G. m. b. H., Berlin-Friedrichshagen
 259.

Sachwortverzeichnis.
Erste Pilsener Fichtenpech-Raffinerie,
Soda- und Fettwarenfabrik in Pilsen,
Pilsen 374.
Erwerbstätige in Brauereien, Mälzereien
und Eisgewinnung 8, 189.
Etiketten 357.
Exportbierdampfer 257,
Extraktgehalt des Bieres 240.

Fabrikatsteuer 153, 155,
Facharbeitsnachweise der Brauindustrie
199.
?7achausschüsse der deutschen Brauereiverbände
 14,
Jachzeitschriften 232.
”arben 368, 369.
Farbe der Gerste 63.
Farbe des Hopfens 92.
Fässer, Abzug auf 112.
— Herstellung 116.
— Versand in 125.
?aßabladekissen 354.
*aßarmaturen 356.
?aßbierstapelraum 269, 345.
?7aßgröße 126.
7aßfüllung, Gefahren für das Jungbier
210.
"aßreifen 118.
?7aßreinigung 211.
Feilchenfeld, Dr. Werner 148.
Feitel, Jakob, Malzfabriken, Mannheim 377.
Filter 114, 349, 358.
Finanzausgleichsgesetz 161.
3inanzpolitik, betriebswirtschaftliche 30,
33.
Fiedler, Martin, G. m. b. H., Biersiphons.
Zeitz i. Sa. 361.
Fischer &amp;amp; Lehmann, Filter und Abfüllanlagen,
 Leipzig C1 346.
Flammon 374.
Jandern, Brauereigilde 223.
Flaschen, Abzug auf 112.
”laschenarten 125.
Claschenbierabfüllung 270.
Flaschenbierhandel, Konzessionierung
183, 186.
“Jaschenbierversand 125,
Flaschenkasten 359, 360.
%7aschenlagerkeller 255.
Flaschenfüller 348, 349.
Flaäschenreinigung 114, 211, 348, 352,
Flaschenverschluß 114.
Formalin-Verdampier 354,
Frankenthaler Brauhaus, Frankenthal 291.
Freitrunk 198.
Fremdenverkehrshebung 8, 151.
Friedrich der Große und .das Braugewerbe
 226.
Fromm, Joachim, Hopfenhandlung, München
 388,
Fuhrpark 146, 255; 270, 272, 305, 321, 325.
327,
— Abschreibungen 166.
Funke, Rudolf, Direktor 5, 12.

G
Gambrinus (Flandern) 223.
„Gambrinus‘, Kurt Sahlmann &amp;amp; Co,
Kellerei- und Brauereiartikel, Berlin-Schöneberg
 351.
Jjanzemüller, Prof. 19, 140.
Gärbottiche 107, 119, 145,
3ärkeller 105, 107, 254, 261, 268, 281, 302,
304. 320, 341. 344.

Gärkeller, Bier im 55f.
Gär- und Lagerkeller, technische Einrichtung
 145.
Gärung und Lagerung 27, 108.
Gärungsgewerbe, Institut für 171.
Gast- und Schankstättengewerbe 148.
Gemeindebestimmungsrecht für Schankstätten
 176.
Gemeindebiersteuer 127, 169.
Genossenschaften, Steuer 168,
Genußwerte des Bieres 242,
Germanen, Bier 219,
Gerste, Gute 24.
— Wachstumsverhältnisse 81.
— Kultur 82 ff.
— biologische Eigenschaften 204
— Reinigung 67,
— Qualitätsproduktion 60, 129,
— Trocknung 205.
Gerstenanbau in Deutschland 130.
Gerstenböden 69.
Gerstenerträge 60.
Gerstensortierapparat 68,
Gerstenstaub als Fäulnisursache 206.
Geschichte des Brauwesens 218.
Gesellschaft für Lindes KEismaschinen,
Wiesbaden 342.
— für Hopfenforschung 97.
für die Geschichte des Brauereiwesens
 231.
Gesellschaften m. b. H. 168.
Jjewinnverwendung 35.
Gewerbefreiheit 11.
dieser &amp;amp; Odenheimer, Hopfenhandel,
Mannheim 387.
Glasuren 369, 371. .
ülasemaillierte Tanks 119, 371.
Gotenburger System 178.
Götting, Heinrich, G. m. b. H., Brauereiartikel,
 Groß-Lichterfelde-Ost 358.
Grausmann, Moritz, Hopfengroßhandlung,
Bamberg 375,
3roßbetrieb, Entwicklung 11.
Gruit als Bierwürzmittel 223,
Grunderwerbssteuer 169.
Grundvermögen 163.
Grünmalz 54,
Gummischläuche 110.
Gummieimer 354.
Güterumlauf, Brauerei als Akzellerator 9.

zZ

Haferbier 221.
Hallertauer Hopfen 83, 92, 95.
Hamburg, Bierexport 49, 223.
Handwerk, Brauerei als 7.
Hanner &amp;amp; Hering, Brauerei- und Mälzerei-Bau
 und Einrichtung, Leipzig
 C1 346.
Hannover als Bierstadt 224,
Hannoversche Faß- und Bottichfabrik,
Ferdinand Ahrens, Hannover 360.
Hannoversche Waggonfabrik A.-G.
(Hawa), Hannover-Linden 364.
Hansa-Lloyd-Werke A.-G., Automobile,
Bremen 365.
Hansen, Reinzuchthefe 204.
Haushalt, Reichs- usw., Bedeutung der
Brauindustrie 10. &amp;gt;
Hayduck, Prof. Dr. 18, 53{ff.
Hefe 55f., 108, ;
—— begleitende Organismen 209.
— biologische Eigenschaften 204.
— chem. Zusammensetzung 215.
— Entartung 210.
        <pb n="394" />
        Hefe für die menschl. Ernährung 216.
-— als Nebenprodukt 214.
— als Viehfutter 215.
Heifeextrakte 216.
Hefereinzucht-Apparate 109.
Heilmittel, Bier als 247.
Henrich, Präsident 37, 38,
ANerrmann, Louis, Mailzdarrhorden,
Dresden 353,
Hessische und _Herkules-Bierbrauerei
A.-G., Kassel 272.
Hirschbrauerei, Köln 295.
Hohenheim, landwirtschaftl. Hochschule
21.
Holz für Bierfässer 117, —.
Hopfen, Beurteilung 25, 92.
— botanische Stellung 80.
— und Braugewerbe 90.
— Geruch 93.
— Schädlinge 207,
— Trocknen und Schwefeln 94.
Hopifenaroma 93.
Hopfenaufbewahrungsraum 207.
Hopfenbau, Deutscher 80, 384.
— Entwicklung 90. 8
— Produktionskosten 83.
— Geschichte 87.
— Qualitätshopfen, Erzielung 97.
— Internationaler 137.
Hopifenbaugebiete 91, 133.
Hopfenbiere 223.
Hopfenbitter 243.
Hopfeneinkauf 98.
Hopfenforschungsstelle München 96.
Hopfengaben 105.
Hopfengerbstoffe 95.
Hopfenhandel 375 ff.
Hopfenkrankheiten 85, 96.
Hopfenöle 93.
Hopifenprovenienzgesetz 99,
Hopfenseiher 101.
Hopfensignierhalle, Tschechoslowakei 99.
Hopfiensorten 92, 93. .
Hopfentreber 214.
Hopfenverwertung, Rationelle 384.
Hopfenwanze 86.
Hopfenwirtschaft, Wiederaufbau 89.
Hongkong, Exportbierdampier 257.
Horlacher, Dr. Michael 129. +
Horst Company, Hopfenhandlung, Berlin
 384.
Huber, Dr. E. 7.
Hüll, ‚Hopfenversuchsgut 97,

„Ihage‘“, Indien- und _Handelsgesellschaft
 m. b. H., Leipzig 356.
Industriebelastung 164.
Infektionsmöglichkeiten in der Brauerei
206 ff,
{nventar, Abschreibungen 166,
[nvestierungen in den Brauereien 33f.
A. Jockerst, Bohlsbach i. B. 334.
Jugendschutz im Schankstättengesetz
180.

he

Kalifornischer Hopfen 43.
Kalk zur Gerstenbehandlung 205.
Kalkulation in der Brauerei 31, 167.
Kältemaschinen 142, 342,
Kapital, fremdes, in Brauereien 43{f.
Kapitalverkehrssteuer 170.
Keimen der Gerste 69, 76, 205,
Keimkeller 321.
Kellereianlage 229.

Sachwortverzeichnis.
Kelleranlage, Kühlung 143.
Kirschner, Max, Kommerzienrat 90.
Klärspäne 112, 358.
Klausmann, Gebr., Brauerei, Waldkirch
i. B. 335.
Klausmeyer, Joh. Heinr.,, G.m.b.H.,
Dortmund-Löttringhausen 368,
Kletterer, M., Hornburg i. B. 334.
&amp;lt;linger, Richard, A.-G., Armaturen,
Berlin-Tempelhof 344.
&amp;lt;löster, Bierbrauerei 220.
&amp;lt;nüppel, W., Oberingenieur 119,
&amp;lt;oalitionsrecht der Angestellten 193.
Cohlensäure bei der Gärung 110,
— als Nebenprodukt 217.
&amp;lt;ohlenstaubifeuerung 141.
&amp;lt;ontingentierung des Brauereibetriebes
31.
&amp;lt;onzession, Schank- 172, 174, 181.
Konzessionserteilung; Anforderungen
174, 175, 181.
&amp;lt;oppe, Dr., Direktor 45; 161.
&amp;lt;Corkverschluß 355,
Cörperschaftssteuer 168.
&amp;lt;raftfahrzeugsteuer 170.
&amp;lt;raitlastwagen 146, 362 {,
Craftwirtschaft in der Brauerei 140.
Cramer &amp;amp; Lange, Bierbrauerei-Bedarfs-Artikel,
 Dortmund 351,
&amp;lt;riegsfürsorgemaßnahmen der Brauereien
 199,
&amp;lt;ühlapparate 55, 106, 122.
Kühlschiff 105,
— Infektionsgefahren 208.
— Ersatzapparate 208.
Kühltransit-Verkehrs-A.-G., Leipzig 366.
&amp;lt;ühlwagen 124, 364, 366.
&amp;lt;ühn, Oscar, Brauereiartikel, Berlin 373.
Kulmbach, Hopfenkonsumverein 98.
&amp;lt;ulmbacher Bier 50. 128. 297.

L
Laboratorien von Brauereien 258, 263,
267.
— chem. u. biologische 115, 229.
„agerbier 239. ;
„agerfaß, Gefahren für das Bier 210.
„agerfässer, Art 145.
— Abschreibungen 166.
‚agerung des Malzes 206.
- der Gerste 68f.
‚agerkeller 56, 110. .
‚agerkellereien 262, 320, 331, 341.
„agertanks 119, 262, 300, 331.
„andesherren, Braurecht 225,
„andre - Breithaupt Weißbierbrauerei
A.-G., Berlin 272,
„andwirtschaft, Absatzbeziehungen zur
Brauindustrie 7, 129, 138.
— Gerstenanbau 61 ff,
„ange, Dr., Brauereidirektor 122.
‚äuterbottich 104.
„ederer, Nürnberg 228.
„ehranstalten für Brauereien 17, 21. 24,
202.
eipziger Bierbrauerei zu Reudnitz, Riebeck
 &amp;amp; Co, A.-G., Leipzig-Reudnitz
302,
„eipziger Malzfabrik in Schkeuditz,
Schkeuditz bei Leipzig 375,
„essing und Söhne, Hopfengroßhandlung,
Bamberg 386.
Liebig 229.
_indes Eismaschinen 28, 143, 342.
Likörstuben 181.
“intner, Dr. Carl 17f., 204.

. 393
_iteratur des Brauwesens 234,
„ohnregelung in der Brauindustrie 194.
upulon 93, 95,
Lüers, Prof. Dr. 99.

nn

Magdeburg, alte. Bierausfiuhr 223.
Mainzer Aktien-Bierbrauerei, Mainz 309.
Maischefilter 104, 265.
Maischverfahren 55, 100, 104.
Malz, Lagerung 206.
— Verarbeitung im Sudhaus 103.
Malzausputz 213.
Malzbiere 238.
Malzbierbrauerei Groterjan &amp;amp; Co. A.-G.,
Berlin 271.
Aalzdarre 212.
Malzdarrhorden 353,
Mälzerei 26, 55ff., 67ff., 266, 321, 352,
353.
— Leistungsfähigkeit 135.
— Brauchbarkeit von Gerste und Malz
204.
— maschinelle Ausgestaltung 100, 144.
— pneumatische 77,
Malzfabriken 375 if.
— J. Eisenberg &amp;amp; Etgersleben A.-G.,
Erfurt 383. .
Langensalza und Wolff Söhne, Erfurt
383.
Aalzindustrie, erzeugte Mengen 135.
Aalzkeime 212.
Aalztenne 252, .
Mammutpech 372.
Markenbiere 128.
Maschinenfabrik Grevenbroich A.-G.,
Grevenbroich 336.
Aaschinenhäuser von Brauereien 260, 332,
Maschinenindustrie u. Braugewerbe 140.
Maschinenkonto, Abschreibungen 166.
Maschinentechnik, Fortschritt 140.
Mäßigkeitsbewegung 172.
Mauritz, Dr., Dortmund 37,
Mayer, Bast, Leopold, Hopfenhandlung,
Frankfurt 387,
Mayer-Dinkel, Hopfengroßhandlung,
Nürnberg-Saaz 388.
Mechanisierung des Betriebes 228.
Metallfässer 113.
Mittelalter, Brauwesen 221.
Mitteldeutschland, Brauereiverbände 15.
Mittelstand, Braugewerblicher 46 ff.
Montana A.-G., Desinfektions- und Reinigungsmittel
 Strehla a.d.E. 374.
Aontanin 374.
Wübespinne, rote 86.
Aühlebach, A., Brauerei Brünnle, Lahr
i. B, 334.
Mülrot, Dr., Präs. des Deutschen Städtetages
 152.
Müller, Conr. Friedr.,, Pechfabrik,
Magdeburg 370.
Münchener Bier 50, 128, 237, 313.
Munk &amp;amp; Schmitz A.-G., Gärbottiche,
Lagertanks. Köln-Poll 341.

Nährhefe 216.
Nährwert des Biers 239.
Nationale Automobil-Gesellschaft A.-G.,
Berlin-Oberschöneweide 363.
Nebenprodukte der Bierbrauerei 212.
Neff, Karl, Brauerei, Friesenheim 334,
Neumann, Dr., Hopfenforschung 60, 99.
Vorddeutsche Brausteuergemeinschaft
‚53.
        <pb n="395" />
        394
Norddeutschland, untergärige Biere 227.
Nordwestdeutschland, Brauereiverbände
15.
Notgesetz 1923 173.

3

Obergärige Biere 238, 271, 272.
Organisation der Brauindustrie 11,
Organismen, Für die Brauerei schädliche
206 ff,
Ostdeutschland, Brauereiverbände 15.

Paefgen, J. H. 46.
Pasteur 204, 229.
Pasteurisieren des Bieres 122.
Pech als Faßauskleidung 112, 146, 367 ff.
370, 372, 373, 374.
Peronospora 85.
Pfaff, Alfred, Graphische Kunstanstalt,
Etiketten für alle Branchen, Lahr i. B.
357.
Pferdefuhrwerk 123.
Pharmazeutische Hefepräparate 216.
Philippe, Dr. Max 6.
Pichen der Fässer 112, 146.
Pilsener Bier 228, 238.
Planen 358.
Polizeistunde 174£
Preußen, Gerstenbau 129.
Produktionsmittel, Ausgestaltung geschichtliche
 228,
Provenienzbezeichnung des Hopfens 98.
Prößdorf &amp;amp; Koch Nachfl., Bierbrauerei-Einrichtugen,
 Leipzig 353,
Pschorr, August, Geh. Kommerzienrat
12, 41.
Pumpen 143.
Purin 374.
Pyrograph 351.

&amp;gt;

Radeberger Exportbierbrauerei A.-G,,
Radeberg u. Dresden-A, 319.
Rationalisierung der Brauindustrie 24 ff.,
43.
Ratsbraupfannen 222.
Reich, Gesetzgebung über Bierbesteuerung
 153,
Reichsabgabenordnung 161.
Reichsbewertungsgesetz 163.
Reichsbiersteuer 169,
Reichshaushalt, Bedeutung der Brauindustrie
 10,
Reichsverband der Automobil-Industrie
E. V., Berlin 362.
Reichebrauerei 225.
Reingewiun der Brauereien 44.
Reinhardt, Generaldirektor 201.
Reinhardt, Kommerzienrat 202,
xeinzuchthefe 204,
Rentabilität der Brauindustrie 42.
Rieck, Wilhelm ©. P., vorm. The Crown
Cork Company Ltd, (Hamburg
Branch), Hamburg 355,
Rohstoffe, Auswahl 53.
Rosenzweig &amp;amp; Baumann, Rostschutzfarben,
 Kassel 369.
Rösicke, Richard 37.
Roesler &amp;amp; Co., G. m. b. H., Biersiphons,
Leipzig 361.
Rüprich, W., Flaschen- und Kellereimaschinen,
 Halle a. d. S. 352.

_ Sachwortverzeichnis.

Saazer Hopfen 92.
Säcke 358.
Salvator-Glasuren 371.
Sarzina als Gefahr für die Brauerei 206.
Schädlinge des Hopfenbaus 86.
Schankkonzession 172, 181.
Schankstättengesetzgebung 48, 172, 176.
— Entwurf 1926/27 179,
Schankstättengewerbe 148.
Scharl, Benno 201.
Schaufeln der Gerste 76. ;
Scheibel, J. F. A., Hopfengroßhandlung,
Hamburg 385.
Schlauchreiniger 209, 357,
Schlegel-Scharpenseel-Brauerei A.-G,,
Bochum 275. ;
Schloßbrauerei A,-G. Berlin-Schöneberg,
Bin.-Schöneberg 264.
Schmidding, Wilhelm, Reinaluminiumtanks,
 Köln-Mannsfeld 344.
Schmidt, Dr. Walter 152 ff.
Schnegg, Prof, Dr. Hans 19, 204.
Schneider &amp;amp; Co, Reinigungsmittel.
Probstdeuben b. Leipzig 375,
Schroten des Malzes 103.
Schüchtermann &amp;amp; Kremer-Baum A.-G.
. für Aufbereitung, Dortmund 345,
Schultheiß - Patzenhofer - Brauerei A.-G..
Berlin NW 40 251.
Schulz, Caspar, Brauereimaschinenfabrik,
Sudhausanlagen, Mälzereianlagen,
Bamberg 346,
Schulze-Besse, Dr. 17, 22, 234.
Schurig, G., Senator a. D. 49.
Schutzverband der Brauereien der ehemaligen
 Brausteuergemeinschaft 12f..
15.
Schwefeln des Hopfens 94,
Sedimayr 228.
Silos, Gerstenlagerung 69.
Sinsel, Otto, Klärspäne, Würzburg 358.
Siphons 361.
Sobernheim, Dr. W., Kommerzienrat 18.
231.
Sucietätsbrauerei Waldschlößchen, Dresden
 286.
Sondermaschinen für Bierabfüllung. 145.
Soziale Bedeutung der Brauindustrie 8.
Soziale Einstellung des Brauereiunternehmertums
 188.
Sozialhygienische Bedeutung des Bieres
244.
Spalter, Hopfen 92.
Spatenbräu (1812) 227.
Spelzenstoffe des Malzes 111.
Sport und Bier 247.
Spundapparate 111, 113, 352, 354, 356,
357.
Städte, Brauordnungen 222.
Staffelung der Biersteuer 157,
Stahltanks 119, 145, 336 ff.
Stamınwürzgehalt 158.
Standfaßwerke Rostock &amp;amp; Baärlocher,
Berlin-Schlachtensee 338,
Standortverteilung der Brauereien 9.
Staub in der Würze 206.
Steuern, direkte 164,
— indirekte 169 ff.
Steuerbelastung der Brauereien 10.
Steuerrecht und Brauindustrie 161.
5t. Gallen, Bierbrauerei 220.
Stiegler, Dr. Carl 80.
Stolz &amp;amp; Reindl, Spezialfabrik für Brauerei-Armutaren-Artikel
 und Apparate,
München 352.

Strathmann, Antrag gegen den Alkohol
178,
Stromart für Brauereibetrieb 142.
Struve, E. 6.
Sudhaus, Betrieb 142, 145.
— Einrichtung 26f., 100.
— altes 223.
Sudhäuser 253, 276, 300, 303, 319, 324,
326, 332.
Sudhausarbeit 103,
Suppenwürzen aus Hefe 217.

T
Tanks 119, 145, 262, 300, 331, 328f., 340.
341, 342, 343, 345,
Tarifvereinigungen 16.
Tarifverträge in der Brauindustrie 192.
Femperenzbewegung 172.
Tenne, Behandlung der Gerste 76, 144.
252,
Tettnanger Hopfen 92,
Thiemt, Ewald, Spundapparate, Schlauchausleuchtapparate
 usw., Dortmund 354.
Thyssen &amp;amp; Co., Apparate-Kesselbau,
Merzbrück, Post Eschweiler 340.
Transportgeschirre, Reinhaltung 211.
Trautwein, Prof, Kurt 212,
Treber, Verwendung 105, 213.
Tremonit 368.
Trinkgeld, Besteuerung 169.
Trocknung der Gerste 205.
— des Hopfens 94,
Trommelmälzerei 266,
Trub, Organismenentwicklung 209.
Trubrecht 109,
T’runksucht, Entwurf zur Bekämpfung
172,
Tschechoslowakei, Hopfeır 93.
— Provenienzgesetze 99,

iM

Übersee, Verkauf nach 127.
Überweisungen aus den Biersteuer-Einnahmen
 158,
Umsatzsteuer 169.
Unfälle, Heilung und Renten 40{ff.
Untergärige Biere 228, 237.
Urlaub der Angestellten 198

Ventilation des Lagerkellers 111.
Verband bayerischer Versandbrauereien
122,
der Brauereien des Saargebietes.
Saarbrücken 323. ;
— der deutschen Ausfuhrbrauereien 14.
122.
Dortmunder Bierbrauereien zur Förderung
 ihrer gewerblichen Interessen
G.m.b. H., Dortmund 279,
/erbrauchsabgaben 153, 170.
Verbot von Verabfolgung geistiger Getränke
 174£,
Verein der Brauereien von Magdeburg
und Umgebung E. V., Magdeburg 308,
Vereinigte Münchener Brauereien E.V.
München 313.
Vereinigte Pechfabriken, Richard Fisenbeiß,
 Radebeul b. Dresden 367.
vereinigte Willicher Brauereien und
Hannen-Korschenbroich G, m. b. H.,
Willich i. Rhid, 329,
Vergärung, wirkliche und scheinbare 109
Vermögen, Steuern vom 163.
Verpachtung von Gaststätten 182.
        <pb n="396" />
        Versandfässer 145, . +
Verschlußarten der Bierflaschen 125.
Verschuldung, kurzfristige, der Brauereien
 44. .
Versuchsanstalt für DBierbrauerei in
Nürnberg 21.
Versuchs- und Lehranstalt für Brauereien,
 Berlin 17f., 24, 61.
Versuchsstation und Akademie in Worms
21.
Viskosität des Bieres 111,
Vitralin 369,
Volkshygienischer Nutzen des Bieres 244.
Volkswirtschaftliche Struktur der Brauindustrie
 6.
Varräte, Bewertung 167.

W
Wagner, Robert, Flaschenkästen, Chemnitz
 360.
Wärmewirtschaft in der Brauerei 140.
Wasser, Bedeutung für die Brauerei 207.
Wasseraufbereitungsapparate 102,
Wasserreservoire im Sudhaus 101..
Weckesser, Heinrich. Wiesloch i. B. 334.

Sachwortverzeichnis,
VENEN

Weichen der Gerste 69, 74.
Weihenstephan, Bayer, Hochschule 19.
— Hopfenforschung 98, 99,
Weißbier 238, 272.
Weltbiergewinnung 236.
Neltbierausfuhr 50,
Werbungskosten 167.
Werner, Ino, &amp;amp; Co., G.m.b. H., Mannheim
 371.
Nestdeutschland, Brauereiverbände 15,
Neyermann, Mich., Malzfabrik, Bamberg
 376,
Wiedmann, F., &amp;amp; Sohn, Aluminium-Apparatebau-Anstalt
 u. Kupferschmiede,
Mannheim 339,
Wild, Josef, Generaldirektor 100.
Wissenschaftliche Institute 1711,
Nissenschaftliche Stationen für Brauereien
 202,
— in München 20, 24.
Wohlfahrtseinrichtungen der Brauereien
200.
Wörz, Fritz, G.m.b.H., Fabrik und
Lager für Brauerei- und Müälzerei-Maschinen
 und Bedarfsartikel, München
 352.

395
Wrasen-Vorwärmer 101.
Württemberg, Aktienbrauereien 143 f.
Württemberg, Biersteuer 154. ;
— Brauereibetriebe 43, 134.
— Brauereiverbände 12, 15, 16.
— Gerstenbau 129.
— Überweisungen 158.
Würze, Anstellen mit Hefe 109,
— Gefahren für die 208.
Würzeproben 105.

Zander, Willy, G. m. b. H., Maschinen u.
Apparate für die Brauindustrie, Halle
a.d.S. 351.
7apfhähne 356.
Zapfloch 113.
Zeitschriften 22, 232.
Zentralstelle der badischen Brauindustrie
12£, 15.
Zentrifugalpumpe 143.
Zollrecht 170.
!orn Söhne, Brauerei, Eppingen 334.
Zünite, Brauberechtigung 222,
7weirefäße-Sudwerke 101.

Druck von W. Büxenstein, Berlin SW 48
        <pb n="397" />
        AR

m

‚IF

RO: SS.

Pi
        <pb n="398" />
        Gruppe I Brauereien,

321

z5äc
EEE
®
S
73%
%
3
352
XD
; ww
©

DD
Fy

z
y

N

Gesamtansicht der Brauerei zum Feldschlößchen

‚meister Meisl zu einer Brauerei ersten Ranges
estaltet, seit 1858 als Aktiengesellschaft. Schon
äußerlich repräsentiert sich die Anlage des Feldjßchens
 mit seinen
If Betriebsgebäuden
ı1ervorragende Großerei,
 die aber auch
'hren Einrichtungen
neuzeitlichsten Ersrnissen
 der Braunik
 entspricht. Die
ichtungen ermögn
 es, jährlich weit
100 000 hl Bier herlen.
 Sudhaus Mai-Ffilteranlagen,
 Gär-T
 mit Aluminiumchen,
 gekühlte Laeller
 mit Stahltanks,

Fuhrpark

Kurz: alles entspricht den mustergültigen Anlagen
der Brauerei in Radeberg. Auch das Feldschlößchen
besitzt einen zahlreichen Fuhrpark, Automobilzüge
sowie Eisenbahnspezialwagen.

Das _Feldschlößchen
braut verschiedene Arten
von Bier: Pichelbräu hell
und dunkel (nach Münzhener
 Art) Lagerbier,
Exportbier (nach Kulmyacher
 Art) und Gesundheitsbiere.


Im Jahre 1920 wurde
dem Gesamtbetrieb auch
das
Einsiedler-Brauhaus in
Einsiedel bei Chemnitz

+
&amp;gt; ©
D
/
So
»
5
Sr
Hol
g
“==


Keimkasten

Die deutsche Brauindustrie der Geprenwart,
        <pb n="399" />
        <pb n="400" />
        <pb n="401" />
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
