Einleitung XII Als Beitrag zur Geschichte des Bildungs- und Entwicklungsganges von Marx sind diese poetischen Versuche von großer Bedeutung, ja sicherlich von größerer als die von Mehring beschriebenen, verlorengegangenen drei Gedichthefte. Obwohl der zeitliche Abstand zwischen den beiden Perioden poetischen Schaffens kaum einige Monate beträgt, kündigt sich im Inhalt des späteren Heftes bereits ein Fortschritt der inneren Entwicklung an. Die früheren drei Hefte enthielten nach Mehrings Bericht mit einer Ausnahme reine Liebeslyrik und phantastische Romanzen und Balladen. Die Charakteristik, die Mehring seinerzeit von dieser Lyrik gab, trifft auch auf einen nicht geringen Teil der im vorliegenden Heft enthaltenen Gedichte zu. Ja es ist sicher, daß Marx mehrere Stücke aus den Büchern der „Liebe“ und der „Lieder“ in dieses Heft übernommen hat. Die von Mehring gegebenen Hinweise auf den Inhalt ermöglichen die Feststellung, daß dies für die Gedichte „Sirenengesang“, „Lucinde“, „Die beiden Harfensängerinnen“, „Lied an die Sterne“ und „Das bleiche Mädchen“ gilt. Vermutlich hielt Marx diese für gelungener als die übrigen. Ob sonst noch Dichtungen aus jenen Heften hierher übernommen wurden, läßt sich nicht feststellen. Wie dem aber auch sei: ein großer Teil der übrigen Gedichte dieses späteren Heftes unterscheidet sich in keiner Weise von jenen Versuchen, die der Verfasser selbst und später Mehring so erbarmungslos abgeurteilt haben. In diesem Heft befinden sich nun aber einige Gedichte, die zwar ebensowenig poetische Begabung zeigen wie die früheren, bei alledem aber dem realen Sein näher stehen. Ihre Grundlage ist wirklich Erlebtes. Das literarische und kulturelle Leben des damaligen Berlin, aktuelle wissenschaftliche und philosophische Kämpfe spiegeln sich in ihnen wider, und ein sehr bestimmtes Urteil des jungen Autors kommt hier zum Ausdruck. Einige Gedichte sind sicherlich der Nachklang von Diskussionen, die der junge, von der Überlegenheit seiner Wissenschaft überzeugte Student der Rechte und der Philosophie mit den Studenten anderer Disziplinen gehabt hat. In einem verspottet er die Mathematiker, die aus der Vernunft ein Rechenexempel machen und die Liebe auf algebraische Formeln bringen wollen.‘) In sechs Epigrammen verhöhnt er die Mediziner, welche Psychologie, Metaphysik, Anthropologie und Ethik auf leibliche Prozesse reduzieren und eine Blume nur so weit beachten, als sie zu einer Kräuterbrühe geeignet ist.?) Der junge Karl Marx urteilt hier mit der Leiden-1) 1/2, 15 2) 1/2. 16/17