Einleitung XV der strömenden Fülle könne jeder herauslesen, was er wolle; er sage Alles, weil er Nichts sage. Welches jene „letzten“ Gedichte sind, in denen Marx „plötzlich, wie durch einen Zauberschlag, das Reich der Poesie wie ein ferner Feenpalast entgegenblitzte“, ist schwer zu entscheiden. Vielleicht meinte er damit den „Spielmann“, und die „Nachtliebe“, die er im Jahre 1841, als er von der Poesie schon längst Abschied genommen, im Athenäum publizierte.?) Außer den lyrischen Gedichten, den Romanzen, Balladen und Epigrammen enthält das Heft den ersten Akt des „phantastischen Dramas“ Oulanem. An grotesken Wendungen gibt dieses Fragment den Romanzen und Balladen nichts nach. Den „felsenschroffen und kecken Empfindungen“ entspricht die überladene, schwerfällige und unausgeglichene Sprachform. Allem Anschein nach wollte Marx eine Schicksalstragödie schreiben, denn von Anfang an waltet über allen Personen und ihren gegenseitigen. Beziehungen ein dunkles Mysterium. Wie Marx. den Knoten zu lösen gedachte, kann man nicht wissen; nur ein Detail der Lösung ist in unseren Händen, nämlich, daß der wahre Namen des Helden Manuelo ist, — denn dies läßt sich! aus den Buchstaben des sonderbaren „Oulanem“ zusammensetzen. Nach den holprigen Jamben des phantastischen Dramas ist die Prosa des humoristischen Romans eine wahre Erholung, trotzdem der Humor darin, wie Marx selbst meint, sehr „erzwungen“ wirkt. Die Figuren des Romans — der Schneidermeister Merten mit seinem Sohn Skorpion, Felix der Altgesell, Grethe die Köchin, der Aktenmensch Engelbert und Bonifacius der Hund — sind kaum dem Leben, viel eher literarischen Vorbildern entnommen. In Stil und Struktur erinnert dieser Roman an E. Th. A. Hoffmann, dessen „Elixiere des Teufels“ beiläufig erwähnt. werden%®, und an Sterne’s „Tristram Shandy“, der damals in vielen Übersetzungen in Deutschland verbreitet war. Auch mit diesem „Roman“ wollte Marx in erster Linie das Philistertum verhöhnen, und zwar in den Schicksalen und Sitten einer „echt deutschen Kernsippe, einer christlichen Schneiderfamilie‘“. Dazwischen aber spielt der vom Vaterhaus mitgebrachte Idealismus hindurch in spitzen Bemerkungen und Angriffen gegen den geistlosen Formalismus der Philologen und gegen die Spitzfindigkeit der römischen Juristen. Die organische Chemie nennt Marx ketzerisch, weil sie das Leben durch toten Prozeß erklären wolle; die Mathematikerweisheit, die ihr Teil schon in Versen abbekommen hat3), 1) Unsere im ersten Halbband ausgesprochene Vermutung, daß diese beiden Gedichte wahrscheinlich schon aus dem Jahre 1837 stammen, hat sich bestätigt. %) 1/2, 87 3) 1/2. 15