XXII Einleitung mische Laufbahn dachte und sich in Bonn für Philosophie habilitieren wollte.1) Aus dem Buche von K. Rosenkranz über die Geschichte der Kantischen Philosophie schrieb Marx keine Zitate aus, entnahm vielmehr nur biogra- phische und bibliographische Notizen aus den Abschnitten über die Aus- breitung, die Bekämpfung und die Überwindung der Kantischen Philoso- phie, Kant ist wohl. jener Klassiker der Philosophie gewesen, den Marx schon früher auf Anregung des Vaters studiert hatte. Die neuerliche Be- schäftigung mit der Geschichte der Kantischen Philosophie in Berlin könnte auf die geplante philosophische Kritik des Hermesianiemus hin- weisen. 2) " Die erhalten gebliebenen fünf BonnerExzer pthefte repräsen- tieren gewiß nur einen winzigen Teil der wissenschaftlichen Studien, die Marx in Bonn bis zum Beginn seiner publizistischen Tätigkeit an. der Rheinischen Zeitung machte. Man kann mit fast völliger Bestimmtheit sagen, daß diese Exzerpte in direktem Zusammenhang mit jener Abhandlung stehen, die Marx über „christliche Kunst“ oder „religiöse Kunst“ zu schreiben beabsichtigte. In seinem Brief an Ruge am 5. März 1842 schlägt er vor, diese Abhandlung „über christliche Kunst“, die als zweiter Teil der Posaune erscheinen sollte, „in einer modifizierten Redaktion“ für die Anekdota fertigzustellen. Um diese Zeit, von Anfang des Jahres bis Mitte April, weilte Marx mit kurzer Unterbrechung in Trier bei der Familie von Westphalen. Daß er damals tatsächlich an jenem Thema arbeitete, zeigt sein Brief vom 20. März an Ruge, in dem er sein Thema genauer umschreibt: der Auf- satz „über christliche Kunst“ sei umgewandelt in eine Abhandlung „über Religion und Kunst mit besondrer Beziehung auf christliche Kunst“; fer- ner teilt er mit, daß er es für notwendig halte, sich völlig vom „Posau- nenton“ loszulösen, „die Arbeit total zu reformieren‘“.®) Daß Marx da- mals tief in kritischen Religionsstudien steckte, zeigt im selben Brief das Apergcu über die Tierreligion, die „wohl die konsequenteste Existenz der Religion“ sei.4) Mitte April 1842 übersiedelte Marx nach Bonn. Dort setzte er, trotzdem er inzwischen den großen Aufsatz über die Presse- debatten des rheinischen Landtags für die Rheinische Zeitung fertigstellte, seine Arbeit an der Abhandlung über die religiöse Kunst fort. In seinem Brief an Ruge am 27. April 1842 schreibt er: „Den Aufsatz über reli- giöse Kunst erhalten Sie in einem Duodezauszug, da die Sache unter der a 3) Vgl. besonders Bruno Bauer an Marx, 28. III. 1841, 1/2, 245/246 “* Vgl. Bruno Bauer an Marx, 30. III. 1840 und 25. VIL 1840, 1/2, 240 und 245 , 1/2, 271/272 ‘) Ebenda, 270